Neu von Boehringer Ingelheim: SoundTalks® Frühwarnung bei Husten dank künstlicher Intelligenz

Atemwegserkrankungen bei Schweinen sind für eine Vielzahl von Schweinehaltern ein großes gesundheitliches Problem. Doch eine intensive Tierbeobachtung ist sehr zeitaufwändig und nicht objektiv. Zudem verhalten sich Schweine anders, wenn der Mensch in der Nähe ist. SoundTalks® eröffnet neue Wege in der Tierbeobachtung. Dieses innovative Monitoring-System von Boehringer Ingelheim ist eine künstliche Intelligenz, die den respiratorischen Gesundheitsstatus der Tiere permanent analysiert und sowohl die Stalltemperatur als auch die Luftfeuchtigkeit erfasst. Das Frühwarnsystem erkennt Atemwegserkrankungen mit Husten bis zu 5 Tage früher als eine routinemäßige Tierkontrolle. Es ermöglicht einen früheren Behandlungsbeginn, bevor die Tiere ernsthaft erkranken, in der Leistung abfallen und es zu finanziellen Einbußen kommt. Dabei ist die Technik absolut praxistauglich, robust und leicht zu installieren.

(Bildquelle: Boehringer Ingelheim)

Das 24/7-Überwachungssystem besteht aus Monitoren mit Mikrofonen sowie Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsfühlern. Es zeichnet alle Daten rund um die Uhr auf und bewertet sie. Umgebungsgeräusche werden herausgefiltert, hustende Schweine hingegen führen zu einem Alarm. Warnungen des Systems werden einerseits direkt im Stall am Monitor über den betroffenen Schweinen durch eine LED-Leuchte angezeigt, andererseits im dazugehörigen SoundTalks-Webportal oder auf dem Smartphone via App. Das Ampelprinzip ist für jeden Mitarbeiter einfach nachzuvollziehen.

Mit SoundTalks® stellt Boehringer Ingelheim einen neuen weiteren Baustein für eine verbesserte Atemwegsgesundheit, optimierte Produktivität und Arbeitszeitgestaltung zur Verfügung.

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica, Tel.: +49-6132-77-90218, kim.schulze@boehringer-ingelheim.com.

Vollständig rückverfolgbares Rindfleisch für Verbraucher in Deutschland – Partnerschaft zwischen MSD Tiergesundheit und Vion Food Group

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+ Sicherheit für Verbraucher durch DNA TRACEBACK®-Lösung für Rindfleisch
+ Rückverfolgbarkeit der Lieferkette: von der Herkunft auf dem Bauernhof bis zum verpackten Produkt
+ Bestätigung der Echtheit von Qualitätsfleischprodukten

Der Wunsch von Verbrauchern nach mehr Transparenz und der Sicherstellung von Qualität, Herkunft und Nachhaltigkeit ihrer Nahrungsquellen ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. MSD Tiergesundheit und die Vion Food Group haben ihre Partnerschaft auf die IdentiGEN DNA TRACEBACK®-Lösung ausgeweitet. Diese ermöglicht es, Kunden vollständig rückverfolgbares Rindfleisch zu liefern und damit Vertrauen in die Fleischlieferkette zu schaffen. Bislang gibt es diese Möglichkeit in den Betrieben der Vion Food Group in den Niederlanden, Belgien und seit Kurzem auch in Deutschland.

Von der Herkunft auf dem Bauernhof bis zum verpackten Produkt im Supermarkt
Die IdentiGEN DNA TRACEBACK®-Lösung basiert auf einer innovativen DNA-Identifizierungstechnologie. Mithilfe dieser Innovation können Lebensmittelhändler und -Verarbeiter die DNA im Fleisch von der Aufzucht auf dem Bauernhof bis hin zum verpackten Produkt in den Geschäften zurückzuverfolgen. Verbraucher können sich so ganz sicher sein, dass sie das bekommen, was sie kaufen.

„Die IdentiGEN DNA TRACEBACK ist die fortschrittlichste Plattform zur Rückverfolgbarkeit von Fleisch, die derzeit auf dem Markt erhältlich ist. Sie nutzt den DNA-‚Barcode‘ der Natur, um eine eindeutige, rückverfolgbare Verbindung zwischen dem Produkt, das der Verbraucher im Einzelhandel kauft, und seiner Herkunft von einem bestimmten Bauernhof herzustellen.“ freut sich Alex Berner, Business Development Lead bei IdentiGEN, MSD Tiergesundheit, über die neuen Möglichkeiten für Verbraucher in Deutschland.

Kontinuierliches Engagement für die Herstellung von Qualitätsfleischprodukten
Die Vion Food Group arbeitet bereits seit 2020 im Auftrag des niederländischen Lebensmitteleinzelhändlers Albert Heijn mit der DNA TRACEBACK®-Lösung, um modernste Lieferkettentransparenz für die Beter Leven (Better Life Label) Ein-Sterne-Schweinefleischprodukte und das Bio-Schweinefleischsortiment De Groene Weg in den Niederlanden zu schaffen. Diese Erfahrungen und Erfolge haben zu der Entscheidung geführt, Rückverfolgbarkeit auch für das Rindfleischportfolio anzubieten.

Vertrauen durch lückenlose Rückverfolgung
Mit der IdentiGEN DNA TRACEBACK-Lösung werden DNA-Proben von Rindern in das Programm der Vion Food Group aufgenommen, um die Herkunft der einzelnen Fleischstücke auf ihrem Weg durch die Lieferkette nachzuverfolgen. Dies gibt den Kunden der Vion Food Group die Gewissheit, dass ihre gekauften Rindfleischprodukte nach strengen, definierten Qualitätsstandards aufgezogen wurden.

„Kunden und Verbraucher wollen eine bewusste Kaufentscheidung treffen und legen Wert auf die Vertrauenswürdigkeit von Fleischprodukten.“, so Bert Urlings, Direktor für Qualitätssicherung und Public Affairs bei der Vion Food Group. „Die technologisch fortschrittliche DNA TRACEBACK-Lösung unterstreicht unser Engagement für Transparenz sowie Produktsicherheit und erfüllt die Nachhaltigkeitserwartungen unserer Kunden.“

Quelle: MSD

Zwischenstand beim Projekt Öko2Huhn #Bioland Tagung 2022

Auf der diesjährigen Bioland Geflügeltagung wurden Zwischenergebnisse zum Projekt Öko2Huhn vorgestellt. Annemarie Kaiser (Hochschule Eberswalde) führte aus, dass aktuell etwa 30 Herkünfte auf zahlreichen Praxisbetrieben getestet werden.

Bei einige dieser Rassen lägen die Tageszunahmen bei nur ca. zehn Gramm, bei andere bis 25 g, ÖTZ-Hühner und Zweinutzungshybriden lägen zwischen 20 und 25 g (zum Vergleich Hubbard 40–45 g). ÖTZ-Hühner hätten etwas höhere Brustanteile (16 – 18 %) als die Rassehühner (14 – 16 %). „Die Legeleistungsprüfung ist noch nicht abgeschlossen, vor allem bei Rassehühnern; die ÖTZ-Tiere erreichten bislang ca. 65 – 73 %, Bresse ca. 55 – 60 %“ berichtete die Referentin von der Hochschule Eberswalde.

Das Sundheimer Huhn würde als schnellwüchsiges Zweinutzungshuhn mit guter Nutzung in Fleisch und Eiern beschrieben, sagte David Kohnke (Universität Hohenheim) zu Beginn seines Vortrags. Es stünde aber heute auf der „Roten Liste“, weil sich in den vergangenen Jahrzehnten die Hybridzucht durchgesetzt habe. Als reinrassige Tiere lassen sich die Sundheimer aber auf dem eigenen Betrieb nachzüchten und könnten deshalb gerade für Ökobetriebe interessant werden.

Im Versuch wurden die gemästeten Hähne mit knapp 17 Wochen bei einem durchschnittlichen Lebendgewicht von 2,1 kg geschlachtet. Die Futterverwertung lag bei 3,9 kg Futter pro kg Lebendgewicht. Allerdings zeigten die ersten Ergebnisse „eine große Varianz beim Lebendgewicht sowohl zwischen als auch teilweise innerhalb der Zuchtstämme“. Die als potenzielle Zuchthähne selektierten Tiere erreichten bis zur 17. Woche ein Lebendgewicht von durchschnittlich 2,3 kg, nach 21 Wochen betrug das Durchschnittsgewicht rund 2,8 kg.

Zur Legeleistung gibt es in der Literatur Angaben zwischen 143 und 220 braunen Eiern im Jahr. Das zeige, warum eine Erhebung aktueller, belastbarer Daten für eine Leistungsbestimmung wichtig ist, sagte David Kohnke. „Späterer Legebeginn und ein hoher Anteil an S-Eiern in den ersten Monaten im Vergleich zu Legehybriden“ hätten die Erwartungen bisher bestätigt.

Nächstes Jahr sollen zum Aufbau einer Zuchtpopulation die leistungsgeprüften Zuchttiere aus dem Schlupf 2021 und 2022 gezielt verpaart werden. In den Folgejahren lägen die Schwerpunkte dann auf der Weiterentwicklung dieser Zuchtpopulation und deren Stärkung in der Praxis.

SoundTalks – Boehringer Launch-Veranstaltung zu digitalem 24/7 Hustenmonitoring

Die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH lädt am 11. Mai 2022 von 17.00 bis 19.00 Uhr zu einer Online-Veranstaltung zur Einführung von „SoundTalks“ ein. SoundTalks ist ein digitales 24/7 Überwachungssystem. Es funktioniert wie ein Hustenmonitoring für die Aufzucht und Mast, das den Landwirten per Push-Nachrichten einen Alarm direkt auf das Handy meldet, sobald sich die Atemgeräusche der überwachten Schweine verändern.

Prof. Hartung, Universität Kiel, wird einen Vortrag halten, in dem es darum geht, was eigentlich künstliche Intelligenz ist und was der Unterschied zur Digitalisierung ist. Er gibt einen Ausblick, wo die Reise in diesem Bereich in der Nutztierbranche hingeht.

Der zweite Vortrag beschäftigt sich direkt mit dem neuen System SoundTalks und der dritte Vortrag stellt Erfahrungen aus der Praxis mit dem System vor.

Die Teilnahme an diesem Online-Seminar ist kostenlos, es ist nur eine Anmeldung erforderlich unter www.boehringer.tv/register.

Weitere Informationen hierzu gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, Tel.: +49 (6132) 77-90218 oder kim.schulze@boehringer-ingelheim.com

Aufzucht von Junghennen unterschiedlicher Zweinutzungsherkünfte #Bioland-Tagung 2022

Das europäische Verbundprojekt PPILOW* untersucht Möglichkeiten zur Verbesserung des Tierwohls von Schweinen und Hühnern in ökologischer und extensiver Freilandhaltung. Anlässlich der Bioland-Geflügeltagung 2022 stellte Helen Pluschke (Thünen-Institut für ökologischen Landbau) erste Ergebnisse der Prüfung dreier neuentwickelter Zweinutzungsherkünfte vor. Insgesamt werden Mast- und Legeleistung, Verhalten und Tierwohlparameter unter ökologischen Bedingungen bewertet.

Auf dem Versuchsbetrieb des Instituts wurden dazu je 80 weibliche Eintagsküken von drei unterschiedlichen Zweinutzungsherkünften (A, B, C) sowie eine Kontrollgruppe Eintagsküken einer Legehybride (D) aufgezogen: Herkunft A = fleischbetonte, Herkunft B = ausgeglichene und Herkunft C = legebetonte Zucht.

Folgende Daten wurden erhoben:
Entwicklung der Lebendmasse
Wöchentlicher Futterverbrauch
Tierwohl Parameter mittels Bonitur (angelehnt an MTool)
Verhaltensbeobachtungen zu drei Tageszeiten

Erwartungsgemäß zeigte die fleischbetonte Herkunft A die höchste Zunahme mit durchschnittlich 2.299 g in LW 18 und die Legehybride D mit 1.697 g die niedrigste in LW 18. B (ausgewogen) kam auf 1.884 g und C (legebetont) auf 1.851 g.

Der Futterverbrauch unterschied sich nur in der dritten Fütterungsphase signifikant (Gramm Futtermasse pro Tag und Tier).

Bei den Bonituren (Schnabel, Schwungfedern, Zehen) zeigten alle drei Zweinutzungsherkünfte überwiegend keine Schäden (zwischen 82% und 91% am Gefieder; 96% bis 99% am Schnabel; 99% an den Zehen ohne Schäden) und entwickelten sich auch in der Aufzucht positiv.

Bis zur 18. LW hatte Herkunft D (Legehybride) die geringste Mortalität mit 1,0%, B (ausgeglichen) 2,4% und A (fleischbetont) 2,5%. Bei Herkunft C (legebetont) wurde eine Mortalitätsrate von 7,0% am Ende der Aufzucht verzeichnet.

Bei der Verhaltensbeobachtung wurde unterschieden zwischen Gefiederpflege, Picken und Scharren, Interaktion mit Beschäftigungsmaterial und Strecken/Flattern. 62-69 % ihrer Zeit verbrachten alle Gruppen mit Gefiederpflege sowie Picken und Scharren. Auffällig sind jedoch die Unterschiede beim aggressiven Verhalten. Für zwei Gruppen, A (fleischbetont) und D (Legehybride), wurden je 1% Aggression vermerkt, für Gruppe C (legebetont) dagegen 3%. Für die ausgeglichene Linie B aber 0%!

Der Versuch endete im März 2022 nach 72 LW. Neben dem on-station Versuch am Thünen-Institut läuft derzeit noch ein on-farm Versuch mit Tieren der Herkunft C bei Wendland Geflügel. Auf die Auswertung der Daten aus der Legeperiode darf man gespannt sein!

Die drei untersuchten Zweinutzungsherkünfte hätten sich insgesamt in der Aufzucht gut entwickelt, fasste die Referentin zusammen und „der Austausch über Ergebnisse aus dem PPILOW Projekt wird dazu beitragen, ein robustes und produktives Zweinutzungshuhn für ökologische und extensive Haltungssysteme weiter zu entwickeln und verbessern.“

*Poultry and Pig Low-Input and Organic Production Systems Welfare

Aufgepasst bei Ernährungsstudien – verschiedene Studienformen haben unterschiedliche Aussagekraft

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind so bunt wie unsere Ernährung und Studienergebnisse können in vielen Punkten widersprüchlich sein. Das liegt unter anderem an den verschiedenen Studienformen und deren Aussagefähigkeit. Der Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM) im Lebensmittelverband Deutschland klärt in der ersten Ausgabe seines neuen Newsletters „FOKUS Wissenschaft“ auf, welche Studientypen es überhaupt gibt und welche Aussagen anhand ihrer Ergebnisse getroffen werden können. Antje Preußker aus der Wissenschaftlichen Leitung im Lebensmittelverband erklärt: „In der breiten Öffentlichkeit kursieren viele Mythen rund um das Thema Ernährung. Diese kommen auch dadurch zustande, dass Studie gleich Studie behandelt wird und Ergebnisse falsch interpretiert werden. Dabei besteht ein erheblicher Unterschied, ob beispielsweise Kausalitäten oder Korrelationen abgebildet werden oder ob es sich um eine verblindete Studie handelt oder nicht. Wir sind deshalb sehr froh, dass wir für die erste Ausgabe unseres neuen Newsletters eine Expertin gewinnen konnten, die präzise und verständlich den Unterschied der diversen Studiendesigns erklärt“. Gastautorin Dr. Sandra Habicht, Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, schreibt über deskriptive und analytische Beobachtungsstudien, Interventionsstudien sowie Reviews und Meta-Analysen.

Deskriptive Beobachtungsstudien
Bei diesem Studientyp werden Gesundheitsdaten sowie ein oder mehrere Faktoren des Lebensstils der Probandinnen und Probanden „beobachtet“, also abgefragt, aber nicht von der Studie vorgegeben. Zu den deskriptiven Studien gehören die Fallbeschreibungen (engl. case studies), die sich für die Erforschung sehr seltener Erkrankungen eignen, sowie Querschnittstudien (engl. cross-sectional studies). Diese erfassen den Anteil der untersuchten Studienpopulation mit einer bestimmten Erkrankung oder einem bestimmten Lebensstilfaktor zu einem einzigen Zeitpunkt. Prävalenzen von Erkrankungen oder Daten wie der Vitamin-D-Status einer Bevölkerung können so untersucht werden. Führt man sie in unterschiedlichen Regionen durch, können regionale Unterschiede ermittelt werden. Auch lassen sich Querschnittstudien aus unterschiedlichen Jahren vergleichen und zeitliche Entwicklungen näherungsweise betrachten. Werden verschiedene Parameter erhoben, können diese als Korrelation miteinander in Beziehung gebracht werden, das lässt aber keine kausalen Aussagen zu.

Analytische Beobachtungsstudien
Beobachtungsstudien können retrospektiv sein und Informationen aus der Vergangenheit erheben oder prospektiv, d. h. in die Zukunft blickend. Kohortenstudien (engl. cohort studies) sind prospektive analytische Beobachtungsstudien mit einer Betrachtung der zukünftigen Erkrankungsmanifestation. Dieser Studientyp wird auch Längsschnittstudie genannt, da mindestens zu zwei Beobachtungszeitpunkten Erhebungen stattfinden. Bei Kohortenstudien werden gesunde Probandinnen und Probanden nach Lebensstilfaktoren in Kohorten eingeteilt und über einen definierten Zeitraum beobachtet. Von Interesse sind die Häufigkeiten klinischer Endpunkte (engl.outcome), z. B. bestimmte Erkrankungen in den jeweiligen Kohorten. Je länger die Beobachtungsdauer, je homogener die Gruppen und je größer der erwartete Effekt, desto eher sind Unterschiede in der Erkrankungshäufigkeit zwischen den Kohorten zu erwarten. Die Fall-Kontroll-Studien (engl. case control studies) verfolgen einen anderen Ansatz. Bei diesen Studien werden z. B. Personen mit Erkrankung (Fälle) und ohne Erkrankung (Kontrollen) nach Lebensstilfaktoren in der Vergangenheit befragt. Dieser Studientyp zählt daher zu den retrospektiven Studien. Um Zusammenhänge richtig darzustellen sollten Störfaktoren (engl. Confounder) untersucht und in die Analyse einbezogen werden.

Interventionsstudien
Hier erhalten Probandinnen und Probanden entweder eine Kontroll-Behandlung (meist ein Placebo) oder die zu untersuchende Behandlung (Intervention), z. B. eine Supplementation. Es gibt Interventionsstudien mit ein, zwei oder mehr Armen/Behandlungsgruppen oder z. B. mit oder ohne Cross-over-Design. Bei einem Cross-over können Probandinnen und Probanden erst die eine und dann die andere Behandlung erfahren. Jeder ist dadurch seine eigene Kontrolle, aber es bedarf einer passend langen Auswaschphase (engl. wash-out) zwischen den Behandlungen. Als Goldstandard unter den Interventionsstudien gelten die randomisiert-kontrollierten Studien (engl. randomized controlled trials, RCT). Das sind Studien mit zufälliger, also randomisierter Zuordnung der Probandinnen und Probanden in verschiedene Arme, von denen eine die Kontrollgruppe darstellt. Eine Studie gilt als verblindet, wenn die Probandinnen und Probanden nicht wissen, in welche Gruppe sie eingeteilt worden sind. Wenn das zusätzlich auch die Untersucher nicht wissen, ist die Studie doppel-blind. Mit diesem Design lässt sich die Wirkung einzelner Nahrungskomponenten auf die Gesundheit gut untersuchen. Bei Interventionsstudien wird die zu erforschende Behandlung bei einer Gruppe von Probandinnen und Probanden für einen definierten Zeitraum durchgeführt. Verglichen werden anschließend nicht nur Gesundheitsparameter, sondern auch, wie sich die Werte und die Veränderungen bei der Interventions- von denen der Kontrollgruppe unterscheiden. Ob eine mögliche oder postulierte Wirkung der Intervention in einer solchen Studie nachgewiesen werden kann, hängt u. a. von den gewählten Zielkriterien oder Endpunkten und der Studiendauer ab. Eine große Rolle spielen auch Confounder und die Compliance. Ein Merkmal für die Qualität einer klinischen Studie kann sein, an wie vielen Standorten, Studienzentren oder Kliniken sie durchgeführt wurde.

Reviews und Meta-Analysen
Auf der Suche nach Antworten zu einer bestimmten Forschungsfrage sollten immer mehrere Studien unterschiedlichen Typs betrachtet werden, und es sollte einen plausiblen ernährungsphysiologischen/biochemischen Ansatz z. B. aus Tier- und Zellstudien oder der Grundlagenforschung geben. In der Wissenschaft werden Ergebnisse mehrerer oder vieler Studien in Form von narrativen oder systematischen Reviews sowie Meta-Analysen zusammengetragen. Darüber hinaus gibt es auch die Form des Umbrella-Reviews.

Der „FOKUS Wissenschaft“ ist der neue Newsletter des AK NEM, in dem Hintergründe und wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Mikronährstoffe erklärt werden. Die komplette erste Ausgabe kann unter www.nahrungsergaenzungsmittel.org heruntergeladen werden.

Quelle: Lebensmittelverband Deutschland e. V.
Der Lebensmittelverband Deutschland e. V. ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette „von Acker bis Teller“, aus Landwirtschaft, Handwerk, Industrie, Handel und Gastronomie an. Daneben gehören zu seinen Mitgliedern auch private Untersuchungslaboratorien, Anwaltskanzleien und Einzelpersonen.

Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM)
Unter dem Dach des Lebensmittelverbands Deutschland ist der Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM) eine Plattform für die Interessenvertretung sowie zum fachlichen Austausch über rechtliche und wissenschaftliche Fragestellungen zu Nahrungsergänzungsmitteln. Zu seinen Mitgliedern gehören neben den Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln auch Rohwarenhersteller sowie Dienstleister.

Neue Lernplattform für Tierwohl bei Milchkühen online

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Das Tierwohl-Check E-Learning ergänzt die bereits im Herbst 2021 erschienene App für die Tierwohl-Beurteilung von Milchkühen. Damit stehen Tierhalterinnen und Tierhaltern, die selbst Tierschutzindikatoren erheben möchten, Hintergrundwissen, Merkblätter, Anleitungen zur Datenerhebung, Ziel- und Warnwerte für die objektive Tierwohlbeurteilung sowie eine zugehörige App zur Verfügung. Zusätzlich steht für die Überprüfung der erworbenen Kenntnisse ein abschließender Online-Test zur Verfügung (hier wird die bereits im Herbst 2021 von uns veröffentlichte „Online-Schulung Tierschutzindikatoren“ genutzt, auf die aus dem E-Learning heraus verwiesen wird).

Die berits seit September 2021 zugängliche Plattform elearning.tierwohl-check.de verfügbare Lernplattform gibt in sechs Modulen umfangreiche Informationen zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle mithilfe der Tierwohl-Check-App. Mit dem passgenauen E-Learning erlernen Anwender*innen die Datenerhebung der Tierschutzindikatoren, erfahren viele nützliche Hinweise und vertiefende Hintergrundinformationen. Des Weiteren liefert das E-Learning praktische Merkblätter zu den Indikatoren, eine Anleitung zur Datenerhebung sowie Definitionen und Berechnungsgrundlagen.

Mit dem erlernten Wissen lässt sich die Tierwohlsituation objektiv ermitteln und bewerten; das Ergebnis liefert eine übersichtliche Schwachstellenanalyse für den Betrieb und erleichtert es den Landwirt*innen, der betrieblichen Eigenkontrolle im eigenen Betrieb nachzukommen. Auch für Tierärzt*innen und Berater*innen kann das E-Learning wertvolle Informationen für eine verlässliche Tierbeurteilung vermitteln.

Die Tierwohl Check-App und das kostenfreie E-Learning wurde im Rahmen des EIP Projektes Tierwohl-Check von vier aktiven Landwirt*innen aus Schleswig-Holstein zusammen mit dem Landeskontrollverband SH e.V. als Leadpartner, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, der Rinderzucht SH eG, dem Deutschen Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfung und dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau erarbeitet.

Quelle: Thünn Institut für Ökologischen Landbau

Sicherheitsrisiko fehlende Kontrollvorgaben

Bundesverband der beamteten Tierärzte fordert zügige Umsetzung des EU-Kontrollrechts durch die Länder

Der Präsident des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte (BbT), Dr. Holger Vogel, fordert von den politisch Verantwortlichen Leitlinien für die Umsetzung der sog. risikoorientierten Überwachung, wie sie das EU-Recht verlangt. Hierfür gelte es, Grundlagen für eine vergleichbare Einschätzung der vorzuhaltenden Überwachungskapazitäten in allen Ländern insbesondere in den Bereichen Tier-gesundheit und Tierschutz zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass Amtstierärztinnen und Amtstierärzte im wahrsten Sinne den Kopf dafür hinhalten müssen, dass sie ihre lokalen Betriebe mit angemessener Häufigkeit und Gründlichkeit überprüfen, ohne einen Vergleichsmaßstab zu haben,“ so Vogel. Sonst gehe man schnell selbst ein „Risiko“ ein. „Das richtige Maß bei der Kontrollintensität darf nicht einer Individualentscheidung überlassen bleiben, sondern ist gesellschaftspolitisch zu definieren“, so Vogel weiter. Schließlich hänge davon nicht zuletzt die Zahl des Kontrollpersonals ab. In der Lebensmittelüberwachung sei man deutlich klarer strukturiert.

In diesem Zusammenhang erneuert der BbT seine wiederholt erhobene Forderung, dafür eine belastbare Datengrundlage zu schaffen. Nur dann seien die Veterinärbehörden in der Lage, von Unternehmen ausgehende Risiken adäquat zu erfassen und zu bewerten, wobei es vor allem auf die fach-gebietsübergreifende Betrachtung ankomme. „Eine gute Tiergesundheit ist ein wichtiger Indikator für eine tiergerechte Haltung“, betont Vogel. Er setzt auf die Ankündigung der neuen Bundesregierung, damit endlich in dieser Legislaturperiode weiter voranzukommen. „Hier werden wir unterstützen, wo immer wir können“, so Vogel abschließend.

Der BbT widmet sich dieser Thematik in verschiedenen Vorträgen auf seinem 39. Internationalen Veterinärkongress in Bad Staffelstein.

Quelle: BbT

Bohnenanbau in vielfältigen Agrarlandschaften fördert Bienen und steigert Ertrag – Studie der Universität Göttingen

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Bestäubung durch Insekten ist essenziell für die Produktion vieler Nahrungspflanzen. Das Vorkommen von Bestäubern wie Bienen ist davon abhängig, ob Nistplätze und ausreichend Nahrung vorhanden sind. Fehlen diese Voraussetzungen, bleiben auch die Bestäuber aus und es leidet der Ertrag von blühenden Ackerkulturen, wie zum Beispiel Ackerbohnen und Raps. Ein Team der Universität Göttingen und des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig hat untersucht, wie sich die Landschaftszusammensetzung aus blühenden Kulturen und naturnahen Habitaten auf die Dichten von Bienen, deren Verhalten beim Sammeln von Nektar und die Erträge von Ackerbohnen (Vicia faba L.) auswirkt.

Die Forscherinnen zeigen, dass in Landschaften mit einem hohen Flächenanteil von naturnahen Habitaten und in Landschaften mit einem hohen Flächenanteil von Ackerbohnen mehr Hummeln in Ackerbohnenfeldern zu finden waren. Außerdem waren die Bohnenerträge in diesen Landschaften erhöht. Die Wissenschaftlerinnen erfassten und beobachteten das Sammelverhalten von Honig- und Wildbienen in Ackerbohnenfeldern in Agrarlandschaften mit unterschiedlicher Landschaftszusammensetzung. Außerdem ermittelten sie Ertragsparameter von Einzelpflanzen. „Insektenbestäubung wirkt sich positiv auf Ackerbohnenerträge aus. Unsere Untersuchungen ergaben rund 34 Prozent mehr Bohnen pro Hülse bei insektenbestäubten Pflanzen verglichen mit Pflanzen, die unzugänglich für Insekten waren“, erklärt Dr. Doreen Gabriel vom JKI.

„Für den Bestäubungserfolg bei Ackerbohnen ist nicht nur die Bienendichte im Feld wichtig, sondern auch, welche Bienenarten an den Blüten sammeln und wie sie das tun. Hummelarten mit kurzen Rüsseln rauben oft Nektar von Ackerbohnen, indem sie Löcher in die Blütenkelche beißen. Im Gegensatz dazu sammeln die meisten langrüsseligen Hummeln Nektar regulär von der Vorderseite der Blüte, was zu erhöhten Fremdbestäubungsraten führt. Es gibt allerdings kaum Studien, die untersucht haben, ob das Verhalten von Bienen beim Nektar sammeln auch von der Ressourcenverfügbarkeit in der Landschaft, also der Landschaftskomposition, beeinflusst wird“, so Erstautorin Dr. Nicole Beyer, die an der Universität Göttingen promoviert hat, und nun am Thünen-Institut in Braunschweig arbeitet. Die Studie zeigt, dass kurzrüsselige Hummeln vermehrt Nektar an Ackerbohnen raubten, wenn ein hoher Flächenanteil an Ackerbohnen in der Landschaft vorhanden war.

„Unsere Studie verdeutlicht, wie wichtig auch die Landschaftszusammensetzung für Erträge ist, wie am Beispiel der Ackerbohne gezeigt wurde. Die Verfügbarkeit von blütenreichen Lebensräumen kann die Dichte der Bienen in den Feldern, ihr Suchverhalten und ihre Bestäubungsleistungen verbessern“, schlussfolgert Prof. Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen.

Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Basic and Applied Ecology erschienen.

Beyer, N., Gabriel, D. & Westphal, C. (2022). Landscape composition modifies pollinator densities, foraging behavior and yield formation in faba beans. Basic and Applied Ecology, doi: https://doi.org/10.1016/j.baae.2022.03.002

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Imkertipp: CBPV bei Bienen: Ein Virus auf dem Vormarsch?

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Von Dr. Heike Engels

Das Chronische-Bienenparalyse-Virus (CBPV) trat in den letzten Jahren in Europa verstärkt auf. Die Erkrankung führt zu großen Verlusten unter den Arbeiterinnen und deutlichen Leistungseinbußen vor allem bei starken Bienenvölkern. CBPV befällt einzelne Gehirnregionen der Bienen und löst dort neurologische Symptome wie Paralyse, also Lähmungen, und Zittern aus. Daneben erscheinen betroffene Bienen durch Haarverlust schwarz und fettig glänzend, was als „Ansteckende Schwarzsucht“ bezeichnet wird. Beide Symptome können in einem Volk auftreten. Übertragen wird das Virus geschieht wohl direkt von Tier zu Tier über den Fäkal-oralen Weg. CBPV gilt als Varroa-assoziierte Erkrankung, da das Virus durch die Schwächung der Bienen, ausgelöst durch einen starken Varroabefall, leichteres Spiel hat.

Um die Verbreitung des CBPV in Bayern zu analysieren, wurden Analyseergebnisse des Tiergesundheitsdienstes Bayern e.V. von 302 Bienenvölkern hinsichtlich der Virusdiagnostik und klinischen Symptomatik mit Fokus auf CBPV untersucht. Die Analyse umfasste die Jahre 2018 bis 2020. Zusätzlich werteten die Forscher Daten aus Fragebögen aus von 105 labordiagnostisch CBPV-positiven und klinisch auffälligen Völkern.

Es konnte ein signifikanter Anstieg CBPV-positiver Proben von 2018 bis 2020 festgestellt werden mit ebenfalls steigender klinischer Symptomatik. Die Auswertung der Fragebögen ergab eine Häufung der ersten CBPV-Fälle im Frühjahr in den Monaten März bis Juni. Zwischen Oktober und Februar wurden kaum Fälle berichtet. Die meist mit vielfältigen Symptomen belasteten Völker erholten sich in 57 % der Fälle von der Erkrankung, wenn therapeutisch eingegriffen wurde. Wurde nicht eingegriffen, kam es in den meisten Fällen zum Tod des Volkes. Insgesamt war die Sterblichkeit bei den Völkern höher, die neben CBPV auch noch weitere Viren im Volk hatten. Bei 62 % der erkrankten und isolierten Völker konnte die Isolation die Weiterverbreitung am Bienenstand verhindern.

Eine eindeutige Therapieempfehlung können die Forscher nicht geben, aber auf jeden Fall den Rat, dass es besser ist, überhaupt etwas zu tun als einfach abzuwarten. Maßnahmen, die bisher zur Therapie erkrankter Völker durchgeführt wurden, entweder einzeln oder in Kombination:

• Austausch der Königin zur Veränderung der Genetik
• Kunstschwarmverfahren zur Senkung der Virenlast
• Varroabehandlung zur Reduktion des Milbenbefalls
• Fütterung einer dünnen Zuckerlösung zur Erhöhung des Bienenumsatzes
• Zuhängen von Brutwaben zum Ausgleich des Totenfalls

Hierbei handelt es sich um kurzfristig wirkende Maßnahmen und auch um langfristige Maßnahmen, wenn es an den Austausch der Königin geht.

Quelle: Dittes, Julia et al.: Chronisches-Bienenparalyse-Virus – quo vadis? Auftreten in Bayern und Betrachtung von Therapiemaßnahmen. Tierärztliche Praxis Großtiere Nutztiere 2021; 49: 326-335.