Haltungsform-Kennzeichnung ab 2022 auch auf Milch und Milchprodukten

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• Bereits im nächsten Jahr werden Milch und Milchprodukte in die vierstufige Haltungsform-Kennzeichnung eingeordnet
• Kriterien für die Haltungsformstufen stehen fest
• Tierwohl jetzt auch auf Milch und Milchprodukten schnell erkennbar

Milch und Milchprodukte, wie Käse und Joghurt, können ab 2022 auch mit dem vierstufigen Haltungsform-Kennzeichen versehen werden. Verbraucher können dann auf den ersten Blick erkennen, wie hoch das Tierwohl-Niveau bei der Haltung der Milchkühe ist, deren Erzeugnisse sie einkaufen. Darauf haben sich die in der Initiative Tierwohl (ITW) engagierten Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) verständigt.

„Dass die Haltungsform Verbrauchern künftig nicht nur bei Puten-, Hähnchen-, Schweine- und Rindfleisch, sondern auch bei Milch und Milchprodukten ermöglicht, Tierwohl in eine schnelle Kaufentscheidung einzubeziehen, ist ein entscheidender Schritt“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der ITW. „Am Beispiel Fleisch hat sich gezeigt, dass das Haltungsform-System des Handels inzwischen zur Standard-Orientierung beim Tierwohl geworden ist. Das ist auch für die Kennzeichnung von Milch und Milchprodukten das erklärte Ziel. Bereits jetzt sind im Haltungsform-System Kriterien für die Haltung von Milchvieh definiert, wenn es darum geht das Fleisch dieser Tiere für den Endverbraucher zu kennzeichnen. Künftig gelten die aktualisierten Kriterien nun für Milch und Fleisch gleichermaßen.“

Über die Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung ist eine vierstufige Siegel-Klassifikation für tierische Erzeugnisse. Sie wurde im April 2019 eingeführt. Sie klassifiziert Tierwohl-Siegel und Programme entsprechend ihren Anforderungen an die Tierhalter und dem sich daraus ergebenden Tierwohl-Niveau. Die Kennzeichnung finden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY und REWE. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen.

Die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH ist Trägerin der Haltungs-form-Kennzeichnung. Sie organisiert die korrekte Eingruppierung von Standards und Programmen in die Systematik dieses Haltungskennzeichens, überwacht die korrekte Anwendung und Umsetzung dieser Systematik und unterstützt die teilnehmenden Unternehmen in der Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite zur Haltungsform unter www.haltungsform.de.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Dialog über tierexperimentelle Forschung aktiv mitgestalten

Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf gehört zu den Erstunterzeichnern der „Initiative Transparente Tierversuche“

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen getragene Informationsplattform „Tierversuche verstehen“ hat heute die „Initiative Transparente Tierversuche“ gestartet. Darin erklären Forschungseinrichtungen mit lebenswissenschaftlicher Ausrichtung, transparent über Tierversuche zu informieren, den öffentlichen Dialog über tierexperimentelle Forschung aktiv mitzugestalten sowie untereinander Erfahrungen auszutauschen und Aktivitäten bekannt zu machen.

Zu den 53 Erstunterzeichnenden der Initiative gehören Universitäten, Kliniken, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, forschende Unternehmen sowie Fachgesellschaften und Förderorganisationen. „Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf unterstützt die Initiative als Erstunterzeichner“, sagte FBN-Vorstand Prof. Dr. Klaus Wimmers. „Die Forschung für mehr Tierwohl und Tiergesundheit steht seit vielen Jahren im Mittelpunkt unserer Arbeit. Wir arbeiten in vielen Forschungsansätzen, z.B. mit Zellkulturen und ersetzen damit Tierversuche. Aber, um etwa das Wohlbefinden von Tieren bewerten zu können, ist es nötig, Beobachtungen am Tier vorzunehmen. Wir wollen unsere Forschung in diesem Zusammenhang transparenter gestalten, um dem verständlichen gesellschaftlichem Interesse gerecht zu werden.“

Das sieht auch der Tierschutzbeauftragte am FBN, Dr. Olaf Bellmann, so: „Tiere in wissenschaftlichen Versuchen einzusetzen, ist noch immer eine Notwendigkeit, die für jeden Wissenschaftler ein ethisches Dilemma darstellt. Unter Ausnutzung aller Möglichkeiten versuchen wir, die eventuellen Belastungen für die Tiere so gering wie möglich zu halten. Mit der transparenten Darstellung der Forschung, die wir an Tieren durchführen, um auch deren Bedürfnis nach Wohlbefinden besser verstehen zu können, wollen wir einen Beitrag zum Grundverständnis solcher Untersuchungen leisten und einen Gedankenaustausch dazu anregen.“

Eine eigens für die Initiative eingerichtete Webseite listet alle Unterzeichnenden auf, bietet Beispiele für gelungene Kommunikation zu Tierversuchen und stellt Informationen zur Unterstützung der Unterzeichnenden bei der Umsetzung der genannten Ziele zur Verfügung. Die Initiative folgt ähnlichen Aktivitäten in anderen europäischen Ländern, etwa Großbritannien, Frankreich und Spanien. Gleichzeitig wird damit an die vor fünf Jahren von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen gegründete Plattform „Tierversuche verstehen“ angeknüpft.

„Tierversuche sind ein gesellschaftlich kontrovers diskutiertes Themenfeld. Der transparenten Kommunikation über wissenschaftliche und ethische Aspekte der tierexperimentellen Forschung kommt daher eine besondere Stellung zu, um der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass aktuell leider noch nicht alle Tierversuche in der lebenswissenschaftlichen Forschung vermieden werden können – und gleichzeitig herauszustellen, dass jeder Tierversuch erst nach sorgfältiger ethischer Abwägung des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns gegen das potenzielle Leid der Tiere erfolgt“, verdeutlichte heute DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker bei der Vorstellung der Initiative.

„Wichtig ist die Unterstützung durch die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft, um so dem Transparenzgedanken größtmögliches Gewicht zu geben“, unterstrich auch die Vorsitzende der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung, Professorin Dr. Brigitte Vollmar, von der Universitätsmedizin Rostock.

Hintergrund
Die Initiative Transparente Tierversuche reiht sich am 1. Juli in verschiedene Kommunikationsaktivitäten weltweit ein. Anlass ist der von der European Animal Research Association (EARA) organisierte internationale „Be Open about Animal Research Day”, ein Aktionstag, in dessen Rahmen Beispiele für Offenheit und Transparenz in der tierexperimentellen Forschung geteilt werden. Die begleitende Social-Media-Kampagne ist unter dem Hashtag #BOARD21 zu finden.

Die Ständige DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen koordinierte Plattform „Tierversuche verstehen“ haben die Initiative Transparente Tierversuche gemeinsam ins Leben gerufen. Die Senatskommission ist ein interdisziplinär zusammengesetztes Expertengremium, das sich mit aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen sowie den komplexen ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Tierschutzes und der tierexperimentellen Forschung beschäftigt. Sie berät die Gremien der DFG sowie Politik und Behörden. „Tierversuche verstehen“ informiert aktuell und faktenbasiert über Tierversuche in öffentlich geförderter Forschung und trägt dazu bei, die gesellschaftliche Bedeutung tierexperimenteller Forschung zu vermitteln.

In der biomedizinischen Forschung stellen Tierversuche nach aktuellem Forschungsstand einen wichtigen Bestandteil des experimentellen Methodenspektrums dar. Für wesentliche grundlegende Erkenntnisse und medizinisch relevante Entwicklungen ist die Forschung mit Tieren essenziell. Zwar haben methodische Forschungsarbeiten der jüngeren Vergangenheit dazu beigetragen, dass Tierversuche in manchen experimentellen Ansätzen durch alternative Methoden ersetzt oder im Umfang reduziert werden können, ein vollständiger Ersatz von Tierversuchen ist jedoch noch nicht absehbar. Auch in Zukunft werden diese Versuche zum Erkenntnisgewinn und zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze und Methoden benötigt werden. Als ein jüngstes Beispiel für die Notwendigkeit von Tierversuchen gilt die Erforschung von Vakzinen – ohne Tierversuche würde es keinen Corona-Impfstoff geben.

Weiterführende Informationen
Initiative Transparente Tierversuche
Tierversuche verstehen
Be Open about Animal Research Day

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Ambiente und gutes Essen: Wildbienen brauchen vielfältige Agrarlandschaften

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Massentrachten wie Raps oder Ackerbohnen bieten wertvolle Nahrungsquellen für Bienen, die bei ihren Blütenbesuchen zur Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen beitragen. Doch nicht jede blühende Ackerkultur wird von denselben Bienen besucht. Ein Team der Universität Göttingen und des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig hat untersucht, wie sich die Lebensraumvielfalt der Agrarlandschaft und der Anbau verschiedener Massentrachten, das heißt blühender Kulturpflanzen, auf Wildbienen auswirken.

Es hat sich gezeigt, dass vielfältige Agrarlandschaften den Artenreichtum von Wildbienen erhöhen. Blühende Ackerkulturen mit unterschiedlichen Blütenformen fördern unterschiedliche Wildbienenarten. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Landscape Ecology erschienen.

Das Forschungsteam erfasste Wildbienen in blütenreichen halbnatürlichen Lebensräumen wie Hecken und Blühstreifen in insgesamt 30 verschiedenen jeweils einen Quadratkilometer großen Agrarlandschaften nahe Göttingen, Itzehoe und Leipzig. Die Bienen wurden hierbei entlang genormter Streckenabschnitte gezählt und mit einem Handkescher für die Artbestimmung gefangen. Die Untersuchungslandschaften unterschieden sich in ihrer Vielfältigkeit und hinsichtlich des Flächenanteils von Raps und Ackerbohnen.

„Die Blütenform einer Pflanze ist ein wichtiges Kriterium dafür, welche Wildbienenarten Nektar an deren Blüten sammeln“, so Doktorand Felix Kirsch von der Universität Göttingen, der die Untersuchung im Rahmen seiner Masterarbeit durchführte. „Die Blütenform muss beispielsweise zur Körpergröße und Rüssellänge der Biene passen. Der Nektar von Raps ist leicht zugänglich, während der Nektar der Ackerbohnen tief in den langen Blütenkelchen verborgen ist.“

„Unsere Studie zeigt, dass Ackerbohnen soziale Wildbienen, besonders langrüsselige Hummeln, fördern“, erläutert Dr. Doreen Gabriel vom JKI in Braunschweig. Ein anderes Bild ergab sich in Landschaften mit viel Raps: Hier wurde ein erhöhter Anteil an solitär lebenden Wildbienen festgestellt, zu denen oft kleinere Arten zählen. „Der Anbau einer bestimmten Massentracht reicht nicht aus, um vielfältige Bienengemeinschaften zu erhalten, welche ihrerseits den Bestäubungserfolg vieler blühender Ackerkulturen und Wildpflanzen sichern“, so die Erstautorin Dr. Nicole Beyer, Postdoktorandin in der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen. Die Leiterin der Abteilung, Prof. Dr. Catrin Westphal, folgert: „Unsere Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass diverse, blühende Ackerkulturen und insbesondere vielfältige halbnatürliche Lebensräume in der Agrarlandschaft notwendig sind, um ein breites Artenspektrum an Wildbienen zu fördern“.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Tierwohl messbar machen

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Wissenschaftliches Verbundprojekt MulTiViS stellt Ergebnisse zum Tierwohl bei Mastschweinen vor

Wie lässt sich möglichst objektiv messen und bewerten, ob es Schweinen in ihrer Haltung gut geht? Forschende der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover widmeten sich dieser Frage gemeinsam mit drei Projektpartnern. Jetzt stellten sie die Ergebnisse der MulTiViS-Studie (Multivariate Bewertung des Tierwohls durch integrative Datenerfassung und Validierung von Tierwohlindikatoren in Schweinebeständen) vor. Das Ziel der Untersuchung war es, ein System zu entwickeln, das es ermöglicht, sogenannte Tierwohlindikatoren bei Mastschweinen zuverlässig und vergleichbar zu erfassen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft förderte die Studie seit 2017 im Rahmen des Programms „Innovationen zur Bewertung der Tiergerechtheit und des Tierwohls“.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchten in Schweinemastbetrieben sowie am Schlachthof verschiedene mögliche Tierwohlindikatoren wie das Auftreten von Verletzungen, die Mortalität oder diverse Schlachtbefunde auf ihre Praxistauglichkeit. Die Informationen wurden verglichen und schließlich in einer Gesamtbewertung zusammengefasst. Insgesamt untersuchten die Forschenden über 200 Indikatoren, anhand derer Tierärztinnen und Tierärzte sowie Tierhalterinnen und Tierhalter Rückschlüsse auf das Tierwohl und auf Erkrankungen ziehen und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten können.

„International wie national wird in der Wissenschaft, in der Landwirtschaft, in der Politik und ganz allgemein in der Gesellschaft viel über Tierwohl diskutiert und um die richtige Vorgehensweise der Erfassung und der Bewertung des Tierwohls gestritten“, sagt Professor Dr. Lothar Kreienbrock, Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung, der das Projekt zusammen mit PD Dr. Hubert Gerhardy, Marketing Service Gerhardy, koordinierte. „Um aber eine verlässliche Aussage über das Wohlbefinden von Tieren treffen zu können, reicht das Bauchgefühl nicht aus. Vielmehr müssen belastbare Daten so zur Verfügung gestellt werden, dass diese im landwirtschaftlichen Alltag praktikabel erfasst und die Daten und deren Zusammenhänge anschließend auch fachlich korrekt analysiert werden können.“

Das Projekt zeigt eindeutig, dass von Landwirtinnen und Landwirten erhobene Daten und von Tierärztinnen und Tierärzten im Betrieb und auf Schlachthöfen gezielt nacherfasste Informationen eine Klassifikation von Betrieben nach Tierwohlkriterien ermöglichen. „Dabei gibt es nicht DEN guten oder DEN schlechten Betrieb. Vielmehr müssen die vielfältigen Teilinformationen, aus denen Tierwohl besteht, angemessen geprüft, verarbeitet und bewertet werden“, so Kreienbrock.

Das Projekt, für das die Forschenden in über 200 Betrieben Daten erhoben haben, kann als wesentliche Grundlage für ein zukünftiges nationales Tierwohlmonitoring genutzt werden, da es bereits jetzt wesentliche Komponenten einer Tiergesundheitsdatenbank enthält. Damit kann nicht nur das Tierwohl beurteilt werden. Vielmehr können alle Beteiligten der Lebensmittelkette diese Indikatoren nutzen, um gegebenenfalls verbessernde Maßnahmen einzuleiten.

Außer dem Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung waren das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie sowie die Außenstelle für Epidemiologie in Bakum als Partner der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover an dem Projekt beteiligt. Des Weiteren waren der Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft e.V. in Uelzen sowie der Marketing Service Gerhardy, Garbsen als aktive Partner Mitglieder im Forschungsverbund.

Publikationen
Aus dem Projekt sind bereits drei wissenschaftliche Veröffentlichungen hervorgegangen:

Wegner B, Spiekermeier I, Nienhoff H, Große-Kleimann J, Rohn K, Meyer H, Plate H, Gerhardy H, Kreienbrock L, grosse Beilage E, Kemper N, Fels M. Status quo analysis of noise levels in pig fattening units in Germany. Livestock Science 230 (2019) 103847

Wegner B, Spiekermeier I, Nienhoff H, Große-Kleimann J, Rohn K, Meyer H, Plate H, Gerhardy H, Kreienbrock L, Grosse Beilage E, Kemper N. Application of the voluntary human approach test on commercial pig fattening farms: a meaningful tool? Porcine Health Management (2020); 6 (19);

Grosse-Kleimann J, Plate H, Meyer H; Gerhardy H, Heucke CE, Kreienbrock L. Health monitoring of finishing pigs by secondary data use – a longitudinal analysis. Porcine Health Management (2021) ;7(20)

Quelle:Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Modernisierung von Milchviehställen mit kleinen Beständen – Planungsempfehlungen und Beispiellösungen

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Es gibt sie noch – die traditionellen Anbindehaltungen. Viele Landwirtinnen und Landwirte stehen vor der Entscheidung, ihren Anbindestall nachhaltig weiterzuentwickeln oder ihn kurz- oder mittelfristig auslaufen zu lassen.

Die 3. überarbeitete Auflage dieser KTBL-Schrift zeigt, wie kleine Milchviehbestände mit bis zu 40 Kühen in Anbindehaltung durch Um-, An- oder Neubauten modernisiert werden können.

Ausgehend von den Anforderungen der Milchkühe werden die verschiedenen Haltungsverfahren vom Anbinde-stall bis zum Kompoststall mit ihren Vor- und Nachteilen beschrieben. In separaten Kapiteln wird der Stand der Technik hinsichtlich Laufhöfen, Melken, Füttern, Entmisten, Wirtschaftsdüngerlagerung sowie Kälber- und Jungviehhaltung behandelt.

Ausführlich wird der Frage „Umbau, Erweiterung oder Neubau?“ nachgegangen. Und wenn es keine Alternative zur Anbindehaltung gibt: Mit wenig Auf-wand lassen sich die Haltungsbedingungen auch hier verbessern, wie die Schrift ebenfalls veranschaulicht.

Beispiele aus der Praxis zeigen, auf welche Lösungen Berufskolleginnen und -kollegen gekommen sind. Eine Checkliste bietet einen Roten Faden, sodass keine wichtigen Fragen bei der Modernisierung vergessen werden.

Darmstadt, 2021, 92 S., 22 Euro, ISBN 978-3-945088-81-4, Best.-Nr. 11522

Quelle: Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL)

Einsparpotentiale bei Wurmbehandlungen – Kontrolliertes Training für die Abwehr

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Von Dr. Ole Lamp, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Sommerzeit ist Weidezeit und spätestens nach den ersten Schnitten kommen auch die Jüngsten auf die Weide. Dies ist nicht nur gut für deren Robustheit, das Grasen ist eine kostengünstige Form der Fütterung. Neben einem guten Grasaufwuchs mit hochwertigen Futterpflanzen sollte auch das Wetter in der Umstellung von Stall auf Weidehaltung günstig sein, damit die Jungrinder einen gesunden Start erleben. Zur Absicherung gegen Schäden durch Weideparasiten werden häufig Entwurmungsmittel bereits zum Weideauftrieb als Bolus eingegeben oder als Langzeitmittel unter die Haut gespritzt. Im Folgenden soll dargestellt werden, warum diese Methode der Wurmbekämpfung nicht optimal ist und welche Alternativen bestehen.

Unter dem Begriff „Weideparasiten“ lassen sich sehr viele verschiedene Arten von tierischen Krankheitserregern zusammenfassen. Im Allgemeinen bezieht er sich aber nur auf die Innenparasiten (Endoparasiten) und schließt Außenparasiten wie Weide- und Dasselfliegen, Haarlinge und Läuse nicht mit ein. Aber auch bei den Innenparasiten gibt es eine große Vielfalt, angefangen bei den Bandwürmern, Leberegel über verschiedenste Rundwürmer bis hin zu den mikroskopisch kleinen Einzellern (Eimerien/Kokzidien und Kryptosporidien). Da diese zu ganz verschiedenen Gruppen von tierischen Lebewesen gehören, können sie auch nicht alle mit einem Mittel bekämpft werden, sodass die eingangs beschriebene Auftriebsbehandlung ohnehin nie Schutz gegen alle Arten von Innenparasiten bieten kann und immer Wirklücken aufweist.

Magen-Darm-Würmer im Fokus
Eines der größten Gesundheitsprobleme auf regelmäßig genutzten Rinderweiden stellen die Rundwürmer (sogenannte Magen-Darm-Strongyliden) dar, die entweder dem Wirt im Magen-Darm-Trakt Körperflüssigkeiten und Nährstoffe entziehen oder auf Körperwanderungen Schäden an den inneren Organen anrichten. Entwicklungsstörungen, Durchfälle und Todesfälle können die Folgen sein. Sie sind daher auch das Ziel der Auftriebsbehandlung oder der terminlich vorgeplanten Zwischenentwurmung während der Weidesaison per Übergussbehandlung oder Injektion. Ähnlich wie in anderen Bereichen (Pflanzenschutz, Antibiotika) breiten sich Resistenzen in der Wurmpopulation immer weiter aus. Durch Wirtstiere werden die resistenten Würmer in neue Betriebe und auf neue Weiden gebracht. Und jede weitere Behandlung, die die normal-empfindlichen Würmer tötet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die neue Generation vermehrt von resistenten Würmern abstammt und so mehr Tiere zukünftig auch resistente Würmer in sich tragen, die auf Behandlungen mit einem bestimmten oder verschiedenen Mitteln nicht mehr reagieren. Das Vorkommen von resistenten Rundwürmern bei Rindern ist für Deutschland (Kleinschmidt et al., 2010) und andere europäische Länder eine nachgewiesene Tatsache.

Wege aus der Resistenzfalle
Da jede Entwurmungsbehandlung das Risiko steigert, dass der größte Teil der Wurmeier, die mit dem Kot auf der Weide landen, resistente Würmer enthält, muss es das Ziel sein, weniger Entwurmungsmittel einzusetzen. Insbesondere die früher oft empfohlene Behandlung zum Umtrieb auf eine neue Weide (Dose-and-Move Schema) erreicht genau das Gegenteil, da die frische Weide nur noch mit resistenten Eiern belastet wird. Sie gilt daher heute als veraltet.
Vielmehr verfolgen moderne Ansätze das Ziel, die Wurmbelastung auf einem niedrigen aber stabilen Niveau zu halten, damit die Rinder ihr Abwehrsystem gegen Würmer beständig trainieren und fit halten können. Zugleich sorgen so ältere Tiere mit einer gut trainierten Abwehr für eine effektive Abtötung von Würmern, sodass sie die Weidebelastung stabil halten oder sogar senken können. Daneben sind aber auch andere Maßnahmen im Management zu beachten, damit die Rinder nicht überfordert werden. Die medikamentelle Behandlung sollte sich immer nur auf die wirklich notwendigen Fälle beschränken.

Sichere Weiden für Erstsömmrige
Gerade in der Milchviehhaltung haben Kälber oder Jungrinder bei ihrem ersten Weideauftrieb erstmalig Kontakt mit den Rundwürmern der Weide. Diese erstsömmrigen Rinder haben noch keine trainierte Abwehr und vertragen daher nur geringe Wurmzahlen. Deshalb ist es optimal, Erstsömmrige nur auf sichere Weiden (siehe Kasten) aufzutreiben, da diese keine Wurmbelastung aus dem Vorjahr mitbringen. Ist dies nicht möglich, sollte der Weideauftrieb auf relativ sichere Weiden frühestens im Juni erfolgen, weil so die überwinterten Wurmlarven auf der Weide bei höheren Temperaturen aus der Winterruhe erwacht sind und verhungern, da sie nicht rechtzeitig einen neuen Wirt gefunden haben. Im Vorjahr intensiv mit Jungrindern beweidete Flächen sind für Erstsömmrige ungeeignet und stellen ein hohes Risiko für Erkrankungen durch Weideparasiten dar (unsichere Weiden).

Risikominderung durch Weidemanagement
Je nachdem, wie viele Tiere und über welchen Zeitraum die Rinder auf der Fläche stehen, ergeben sich hohe oder niedrige Risiken für den Aufbau einer starken Wurmbelastung. Wird eine Fläche als Standweide für die Erstsömmrigen über viele Wochen genutzt und ist die Besatzdichte relativ hoch, steigt die Belastung der Fläche mit ansteckenden Wurmlarven und es kommt typischerweise im Spätsommer zu ersten Erkrankungsfällen. Bei ungünstiger Witterung (feucht, mild) oder einer unsicheren Weide mit hoher Vorbelastung können Probleme bei unbehandelten Tieren auch schon früher auftreten. Ein Weideumtrieb auf eine andere sichere oder relativ sichere Weide nach einigen Wochen sorgt dafür, dass die erstsömmrigen Rinder nur ihre bisherige, relativ niedrige Belastung im Darm von der ersten Weide mitbringen und auf der neuen Fläche keine neuen ansteckenden Larven vorhanden sind. Bis sich aus den frisch ausgeschiedenen Eiern neue ansteckende Larven entwickelt haben, vergehen mehrere Wochen bis zu einem Monat, sodass die Belastung im Tier auf der neuen Weide zunächst nicht steigt und sich so das Abwehrsystem auf die Bekämpfung der im Darm vorhandenen Würmer konzentrieren kann. Zeitgleich steigt auch die Belastung der ersten Fläche nicht weiter und die vorhandenen ansteckenden Larven werden durch UV-Licht, Trockenheit und Hunger in ihrer Anzahl vermindert, die Fläche erholt sich.
Nicht jeder Betrieb kann ohne weiteres eine aufwändige Umtriebsweide realisieren, da geeignete Flächen oder Transportmöglichkeiten fehlen. Aber bereits die Unterteilung einer Fläche in eine früh zu beweidende Hälfte und eine Hälfte für die Beweidung nach erster Schnittnutzung kann helfen, den Rindern diese „Verschnaufpause“ durch Umtrieb zu ermöglichen.

Behandlungen so selektiv wie möglich
Auch bei sehr gutem Management wird es immer wieder Tiere geben, die mit der ansteigenden Wurmbelastung im Laufe des Sommers überfordert sind.


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Haltungsform-Kennzeichnung ausgeweitet: Neue Tierarten und verarbeitete Fleischware

• Fleisch von Kaninchen und Pekingenten zukünftig kennzeichnungsfähig
• Verarbeitete Fleischware ab 1. Juli mit Haltungsform-Kennzeichen
• Mehr Transparenz und Orientierung für Verbraucher

Die in der Initiative Tierwohl (ITW) engagierten Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) weiten ab dem 1. Juli 2021 das Angebot der Lebensmittel mit dem Haltungsform-Kennzeichen aus. Kaninchen- und Pekingentenfleisch kann dann mit der vierstufigen Siegel-Klassifikation „Haltungsform“ gekennzeichnet werden. Zugleich können die teilnehmenden Unternehmen verarbeitete Fleischware, wie zum Beispiel Wurst, erstmals in großen Mengen in die einzelnen Stufen des Haltungsform-Systems einordnen. Verbraucher können dadurch bei vielen weiteren Fleisch-Produkten sehr schnell erkennen, wie hoch das Tierwohl-Niveau der Tierhaltung ist, aus der das jeweilige Produkt stammt.

„Die Ausweitung der ‚Haltungsform‘ ist eine wichtige Weiterentwicklung“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Neben frischer Ware aus Hähnchen-, Puten-, Schweine- und Rindfleisch, kommen nun neue Tierarten dazu. Mindestens genauso wichtig ist aber die Einbeziehung der verarbeiteten Ware. Damit schaffen wir gemeinsam mit unseren Partnern aus dem Handel und der Produktion einen gewaltigen Schritt, um Verbrauchern eine tierwohlbewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen.“

Über die Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung ist eine vierstufige Siegel-Klassifikation für tierische Erzeugnisse. Sie wurde im April 2019 eingeführt. Sie klassifiziert Tierwohl-Siegel und Programme entsprechend ihren Anforderungen an die Tierhalter und dem sich daraus ergebenden Tierwohl-Niveau. Die Kennzeichnung finden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY und REWE. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen.

Die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH ist Trägerin der Haltungs-form-Kennzeichnung. Sie organisiert die korrekte Eingruppierung von Standards und Programmen in die Systematik dieses Haltungskennzeichens, überwacht die korrekte Anwendung und Umsetzung dieser Systematik und unterstützt die teilnehmenden Unternehmen in der Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Neu: „Der Darm Doc“ – Schweinepodcast von Boehringer Ingelheim

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Der Darm ist das reinste Wunderwerk. Wussten Sie schon, dass die Mikroorganismen im Darm 90 % des Glückshormons Serotonin produzieren und dieses dem Organismus zur Verfügung stellen? Oder dass sich 80 % des Immunsystems im Darm befinden?

Dass dies nicht nur für den Menschen gilt, sondern auch für Schweine, davon berichtet der neue Podcast von Boehringer Ingelheim. „Der Darm Doc“, eingesprochen von Dr. Ricarda Deitmer, will Abläufe im Darm besser verständlich machen, um so die Darm- bzw. Tiergesundheit in den Griff zu bekommen. Hierfür spricht die Tierärztin mit Experten, Veterinärmedizinern und Wissenschaftlern über Neues, Zusammenhänge und Hintergründe rund um das Thema Schweinedarm und achtet dabei auf praktische Relevanz für den Hörer.

Milliarden von Mikroorganismen sorgen nicht nur für den Aufschluss der Nahrung, sie kommunizieren mit dem Gehirn und umgekehrt, das Gehirn gibt Anweisungen an das Mikrobiom. Eine gut funktionierende Verdauung hat somit direkten Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden. Oder andersherum: Durch das Auskurieren von Darminfektionen gibt es erstaunliche Effekte auf andere Bereiche des Körpers. Vielleicht lässt sich sogar das Verhalten der Schweine über den Darm beeinflussen?

Der Darm Doc von Boehringer Ingelheim – Überall zu hören wo es Podcasts gibt. „Folge 01 – Das Glück liegt im Darm“ ist bereits erschienen, in unregelmäßigen Abständen folgen weitere Episoden.

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica, Tel.: +49-6132-77-90218, kim.schulze@boehringer-ingelheim.com.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Aktuelles Interview: Junghennen – Worauf ist bei der Aufzucht zu achten?

Wie bei allen jungen Tieren gibt es auch bei der Aufzucht von Junghennen viele zu beachten, damit sich gesunde und leistungsfähige Junghennen entwickeln können. Was sich dabei bewährt hat und wie der Umzug in den Legebetrieb gut gelingen kann, erklärt Frau Dr. Birgit Spindler. Sie ist Fachtierärztin für Tierhygiene und Tierschutzkunde und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Frau Dr. Spindler, Sie empfehlen intensive Kommunikation und Abstimmung zwischen Junghennenaufzüchter und Legehennenhalter, schon bevor die Hennen den Besitzer wechseln.
Ja richtig. Gerade die Umstallungsphase bedeutet sehr viel Stress für die Tiere. Neben dem Einfangen, Verladen und dem Transport der Tiere, werden die Junghennen mit einem neuen Haltungssystem konfrontiert. In dem müssen sie sich erst einmal zurechtfinden. Da ist eine gute Abstimmung der Haltungsbedingungen und des Managements entscheidend, um den Stress so gering wie möglich zu halten. Das betrifft insbesondere das Fütterungskonzept, das Lichtregime sowie das Angebot von Beschäftigung. Aber auch die Tränktechnik ist nicht außer Acht zu lassen, um eine einwandfreie Wasseraufnahme nach Umstallung zu gewährleisten. Umso mehr die Tiere „alt Bekanntes“ wiedererkennen, umso stressfreier ist es.

Bereits in der Aufzucht sollen die Junghennen an die spätere Haltung gewöhnt werden: Also für Mobilstall andere Aufzucht als für Bodenhaltung? Und gleichzeitig muss man ja an die Eintagsküken denken. Wie geht das alles zusammen?
Auch wenn es für die Junghennenhaltung bisher in Deutschland noch keine konkreten rechtsverbindlichen Haltungsvorgaben gibt, wird zumindest rechtlich gefordert, dass die Junghennen an die spätere Haltung gewöhnt sein sollen. Und ganz richtig, hier sollten zumindest die Kernelemente einer Haltung bereits in der Junghennenaufzucht Berücksichtigung finden. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Junghennen, die später Zugang zum Freiland haben zumindest Zugang zu einem überdachten Auslauf haben sollten. Aus tierärztlicher Sicht muss dabei die Tiergesundheit im Auge behalten werden, so dass z.B. ein Zugang erst nach vollständiger Befiederung sinnvoll ist. Erst dann können die Tiere mit der Außenklimasituation zurechtkommen. Damit ändern sich die Haltungsanforderungen der Tiere mit zunehmendem Alter, immer unter Berücksichtigung der arteigenen Bedürfnisse und der späteren Haltung.

Was kann in der Junghennenaufzucht schon gegen Federpicken/Kannibalismus getan werden?
Grundsätzlich muss dazu die Junghennenaufzucht so stressfrei wie möglich gestaltet werden. Das bedeutet, dass man bereits ab dem ersten Lebenstag den Küken die Möglichkeit des Auslebens arteigener Verhaltensweisen gibt. Dazu gehört vor allem das Erkunden der Haltungsumwelt und das Ausführen von Nahrungssuch- und Futteraufnahmeverhalten. Aber auch der Zugang zu Sitzstangen und Staubbädern gehört zu einer verhaltensgerechten Unterbringung dazu, um nur einige Punkte zu nennen. Natürlich muss auch das Stallklima, die Lichtverhältnisse, die Futter- und Wasserversorgung ebenso wie ein ausreichendes Platzangebot altersentsprechend Berücksichtigung finden. Ein weiterer wesentlicher Faktor, der im späteren Leben der Legehenne entscheidend das Tierverhalten beeinflusst, ist eine gute Gewichtsentwicklung über die gesamte Haltungsperiode. Gerade bei untergewichtigen Tieren ist das Risiko des Auftretens von Verhaltensstörungen in der Legephase erhöht. Dem muss in der Aufzucht entgegengewirkt werden.

Welche Gruppengröße, Besatzdichte ist in der Aufzucht empfehlenswert?


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Prävention als Schlüsselfaktor in der Nutztierhaltung – Einigkeit auf dem Panel der #Expertise2021 von MSD Tiergesundheit

Neue Präventionsmöglichkeiten im Stall durch Data Intelligence
Zoonosen: Wie wir von der Covid-19- Pandemie lernen können

Unter dem Leitthema: „Mensch, Tier und Umwelt im Fokus: die Quadratur des Kreises für die Nutztierhaltung?“ diskutierten sechs Experten auf der Expertise 2021, einer virtuellen Fachkonferenz von MSD Tiergesundheit, am 07. Mai 2021 Zukunftsfragen der Nutztierhaltung. Um das Wohlergehen von Menschen, Tieren und Umwelt in Einklang zu bringen, bedarf es einer intensiveren Zusammenarbeit und einem stetigen Austausch zwischen der Human- und Tiermedizin, der Landwirtschaft sowie des Umweltschutzes. Besonderer Fokus sollte zudem auf die Prävention von Krankheiten in der Nutztierhaltung gelegt werden – das zeigt sich nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie.

Prävention als Schlüssel: Mit Digitalisierung vorbeugen
Prävention in der Nutztierhaltung ist ein Schlüsselfaktor, sind sich die Experten einig. Hier müsse grundlegendes Wissen vermittelt werden und dem Thema mehr Bedeutung zugewiesen werden. Prof. Dr. Lothar Kreienbrock, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, beschreibt Prävention als „Brot und Butter der Epidemiologie“. Durch konsequente Impfkonzepte können Krankheiten verhindert oder manchmal sogar ausgerottet werden. Tier-Monitoring und Data-Intelligence zur Früherkennung von Verhaltensauffälligkeiten, sind die Zukunft moderner Präventionsmaßnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben.

Durch Datengewinnung im Stall, lassen sich frühzeitig Rückschlüsse auf die Gesundheit der Tiere schließen. Damit können Krankheiten und Anomalien rechtzeitig erkannt und vermieden werden. Der Einsatz von Therapien und insbesondere Antibiotika lässt sich reduzieren, was wiederum auch Auswirkungen auf die Menschen hat. Darüber hinaus liegt es auch im ökonomischen Eigeninteresse der Landwirte die Tiere gesund zu erhalten, denn nur gesunde Tiere ermöglichen eine wirtschaftliche und nachhaltige Produktion.

Dr. Bernard Haidn von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erklärt: „Im Stall kann Digitalisierung sehr viel bewirken. Hier lassen sich zahlreiche Gesundheitsdaten der Tiere sammeln auf welchen wiederum Analysen aufbauen, die strategische Prävention ermöglichen.“ Dazu gehören verschiedenste Paramater, wie beispielsweise die Futteraufnahme oder die Tierbewegung. Mithilfe künstlicher Intelligenz kann man diese Parameter in Verbindung setzen, Prognosen treffen und dementsprechend Prävention leisten: „Digitalisierung kann somit helfen, Probleme im Stall rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“, so Dr. Haidn.

Dr. Leif Balz, bei der Schwarz Gruppe für die Themen Ernährung und Agrar verantwortlich, bringt die Perspektive des Lebensmitteleinzelhandels in die Runde. Für ihn erfolgt die Einflussnahme des Handels vor allem durch die großen Abnahmemengen. Zudem sieht er den Lebensmitteleinzelhandel in der Verantwortung Biodiversitätsstandards für seine Kunden und Kundinnen zu setzen: „Wir befinden uns in der Situation, dass wir mit unseren Kunden aber auch NGOs Anspruchsgruppen haben, die bei Themen der Tierhaltung ganz genau hinschauen. Gerade in Deutschland ist Tierwohl ein sehr sensibles und wichtiges Thema, unser Anspruch ist es, bestmögliches Tierwohl auch im Preiseinstieg sicherzustellen. Wenn wir Tierwohl verbessern wollen, brauchen wir Verbesserung in der Nutztierhaltung, hier haben wir den größten Hebel und können in der Breite Einfluss nehmen“, so Balz.

MSD: Human- und Tiermedizin unter einem Dach
Eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen der Tier- und Humanmedizin, hier waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion uneingeschränkt einig, ist für viele Aspekte wichtig. Doch aktuell herrsche hier noch Luft nach oben. „Die Interaktionen der verschiedenen Bereiche wurden zu lange ignoriert, es wurde zu linear gedacht“, so Prof. Dr. Lothar Kreienbrock, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Auch Dr. Andreas Palzer, Fachtierarzt für Schweine und Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte, betont, dass es einer Plattform bedarf, die einen zentralen und stetig aktuellen Austausch zwischen den Disziplinen auf Augenhöhe ermöglicht.

MSD leistet hier laut Dr. Klaus Schlüter, Medizinischer Direktor MSD, bereits einen wertvollen Beitrag zur Vernetzung des Human- und Tierbereichs: „MSD ist eines der wenigen Unternehmen, das in der Lage ist, unter einem Dach Arzneimittel und Impfstoffe für Tiere und für Menschen zu erforschen und zu entwickeln.“ Hier gebe es viel Erfahrungsaustausch und gemeinsame Entwicklungspotentiale – diesen Austausch möchte MSD weiterhin intensivieren. Klar ist für ihn, dass dies nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Unternehmens geschehen muss und das bereits bei der Ausbildung von Human- und Tiermedizinern.

Wie wir von der Pandemie lernen können
Covid-19 wirft ein besonders intensives Schlaglicht auf das Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt. Prof. Dr. Franz J. Conraths, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts und Leiter des Instituts für Epidemiologie ist überzeugt, dass es gerade vor dem Hintergrund dieser Pandemie wichtig sei, die verschiedenen Disziplinen zusammenzudenken: „60% der bekannten menschlichen Infektionskrankheiten sind zoonotischen Ursprungs. Wir müssen uns dieser Situation stellen und die Schuld nicht den Tieren zuweisen, sondern wir müssen uns überlegen, wie wir mit Tieren umgehen und mit der Umwelt, in der wir und die Tiere leben.“ Dazu gehöre auch die Frage nach den Ursachen und langfristige Präventions-Strategien, beispielsweise in dem man globale Mobilität kritischer in den Blick nimmt.

Die Tiermedizin trägt aktuell eine besondere Verantwortung für die Gesellschaft. Dies wurde jetzt, während der weltweiten Covid-19-Pandemie nochmal besonders deutlich. Nur ein ganzheitlicher Ansatz, der das Wohl von Menschen, Tieren und Natur als Einheit versteht, bringt langfristig Gesundheit auf allen Ebenen. Prävention ist wichtiger denn je: Krankheiten vorbeugen und Zoonosen verhindern durch Prävention und die Digitalisierung im Stall und im Haustierleben.

Die Panel-Teilnehmer im Überblick:

• Dr. Andreas Palzer (Fachtierarzt für Schweine, LMU- Dozent und Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte)
• Dr. Leif Balz (Hauptstadtrepräsentanz – Food & Agrar, Schwarz Gruppe)
• Dr. Bernard Haidn (Landwirtschaftsdirektor Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Landtechnik und Tierhaltung)
• Dr. Klaus Schlüter (Medizinischer Direktor, MSD)
• Prof. Dr. Lothar Kreienbrock (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover)
• Prof. Dr. Franz J. Conraths (Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Institut)

Quelle: MSD