Die Kuh als Umweltsau? Welternährung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Interview mit Prof. Dr. Dr. habil. Wilhelm Windisch
Ordinarius für Tierernährung an der TU München, Lehrstuhl für Tierernährung

Prof. Dr. Wilhelm Windisch, TUM

Der Verlust landwirtschaftlich nutzbarer Nutzfläche weltweit ist heute schon dramatisch und in Zukunft wächst auch noch die Bevölkerung. Herr Prof. Windisch, Sie erklären das anhand eines Fußballfelds – wie müssen wir uns das vorstellen?
Ich habe lange gebraucht um ein Beispiel zu finden und bin selber überrascht, wie wenig landwirtschaftliche Nutzfläche pro Kopf auf unsere Erde zur Verfügung steht. Es ist verdammt wenig! Die Fläche eines Fußballfeldes (0,74 ha) musss derzeit reichen, um 3,2 Menschen ein Jahr lang zu ernähren. In Deutschland haben wir tatsächlich genau diese 2400 qm pro Kopf. Das Bevölkerungswachstum, zusammen mit dem Verlust landwirtschaftlicher Fläche durch Baumaßnahmen auf der einen und Versalzung, Versteppung, Erosion auf der anderen Seite, wird dazu führen, dass im Jahr 2050 fünf Menschen von der gleichen Fläche ernährt werden müssen.

© W. Windisch

In diesem Fußballfeld ist aber auch ein Anteil Grasland enthalten. In Deutschland sind 30% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche nicht-ackerfähiges Grasland: Hoch- und Steillagen oder z. B. Überschwemmungsgebiete. Weltweit liegt der Graslandanteil aber bei etwa 75%! Und wenn man das jetzt auf ein Fußballfeld umlegt, sind im weltweiten Durchschnitt nur die beiden Strafräume als Acker nutzbar. Und von dieser kleinen Fläche müssen im Jahr 2050 fünf Menschen ein Jahr ernährt werden! Nach dem Klimawandel ist das die zweite große Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Und wir können sie nur angehen durch nachhaltige Intensivierung.

So schrieb es 2020 auch der IPCC in seinem Bericht zum Klimawandel.
Ganz genau!

Brauchen wir in diesem Zukunfts-Szenario denn überhaupt noch Nutztiere?
Dazu muss man zunächst verstehen, dass auf den Feldern kein Korn wächst, sondern immer eine ganze Pflanze, von der wir Menschen nur einen kleinen Teil nutzen. Damit diese Pflanze überhaupt gedeiht, müssen wir sogar noch andere Pflanzen als Zwischenkulturen anbauen, die alle nicht essbar sind.

Als Faustformel kann man sich merken: ein Kilo „veganes“ Lebensmittel erzeugt vier Kilo nicht-essbare Biomasse. Das Verhältnis Getreide zu Stroh ist mindestens 1-zu-1, dann müssen wir von Korn noch die Kleie abziehen. Alles was in Mühlen, Brauereien oder in der Ölherstellung an Reststoffen anfällt, ist nicht-essbar und schließlich wird alle drei, vier Jahre überhaupt nichts Essbares auf dem Feld angebaut.

Stickstoff und vor allem Phosphor, die wir dem Acker entziehen, landen bei der Verarbeitung in den Nebenprodukten: Dreiviertel des Phosphors stecken in der Kleie, 100% in den Rückständen der Ölerzeugung! Nachhaltigkeit bedeutet, die Produktivität meiner Ressourcen zu erhalten und deswegen müssen diese Nährstoffe zurück auf den Acker.

Wenn man dazu nun alle Rückstände aus der Brauerei und jede Kartoffelschale in den Boden einarbeitet, wären die Stoffe irgendwann wieder verfügbar – aber nicht dann, wenn die Pflanzen sie brauchen. Dünger muss immer dann ausgebracht werden, wenn Pflanzen einen Wachstumsschub haben. Deswegen brauchen Sie lagerfähigen Dünger: Mineraldünger, Gärreste aus der Biogasanlage oder Gülle aus der Nutztierhaltung.

Aber Mineraldünger ist nicht unbedingt die nachhaltige Lösung?
Ja, es bleiben Biogas und Nutztier, aber durch das Nutztier erhalte ich zusätzliche Lebensmittel, wenn ich nicht-essbare Reststoffe verfüttere. Erst wenn ich auf dem Acker gezielt Futtermittel anbaue, entsteht Nahrungskonkurrenz.

© W. Windisch

Es bestehen reichlich Zielkonflikte zwischen Umweltschutz, Effizienz und Lebensmittelkonkurrenz. Wenn wir z. B. den Anteil der Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft betrachten, werden mal 27% genannt, mal 17% und die Hälfte stammt angeblich aus der Tierhaltung. Sie haben hier mal nachgerechnet.
27% werden in Wirklichkeit dem gesamten „Food Sector“ zugerechnet und die 17% beruhen auf älteren Publikationen über nordamerikanische Produktionsverhältnisse inklusive Getreide- oder Luzerneanbau mit Bewässerung, die dann auf die ganze Welt übertragen werden.

Nehmen wir dagegen die Zahlen für Deutschland, sieht es ganz anders aus: 6% der CO2-Äquivalente stammen laut Umweltbundesamt aus Methan. 2% kommen aus Abfallwirtschaft und Verbrennung, 4% aus der Landwirtschaft und davon 2% auf die Bodenbewirtschaftung und 2% auf die Viehhaltung.

© W. Windisch

Wir dürfen aber nicht sektoral denken, nur auf Umweltschutz und Emissionen schauen und deswegen mehr Geflügelfleisch essen. Heute setzen wir zu Produktion von Geflügelfleisch eigentlich lauter Lebensmittel ein. Ein extensiv gehaltenes Rind dagegen frisst keinem Menschen etwas weg.

Sie schlagen vor, für den Menschen nicht essbarer Biomasse stärker zu nutzen. Wie sähe die entsprechende Strategie aus?
Zunächst mal: primäres Ziel der Landwirtschaft ist es möglichst viele „vegane“ Lebensmittel zu produzieren, Tierproduktion ist immer eine sekundäre Verwertung. Beim Anbau von Mais, Reis und Getreide entsteht sehr viel nicht-essbare Biomasse, die on-top über Tierproduktion verwertet werden kann. Wir müssen also den veganen Pflanzenbau in diesem Sinn unterstützen, wo es nur geht.

Von der gewonnenen Biomasse darf ich aber dann nichts verlieren – weder qualitativ noch quantitativ. Quantitative Verluste können z. B. bei schlechter Konservierung auftreten, etwa wenn ich nur Heu mache und dabei viel mehr verliere, als bei der Grassilage. Dann muss ich den Lignocellulose -Gehalt runterbringen – eine qualitative Verbesserung durch gute Erntetechnik und langfristig natürlich auch durch Pflanzenzüchtung

Sie dürfen Qualität niemals „unter Preis“ verfüttern. Wenn Sie im Futter hohe Nährstoffgehalte haben, sollten sie immer an die produktivste Tierart verfüttern und da ist z. B. Milchproduktion viel produktiver als Fleischproduktion. Vorausgesetzt die nötige Infrastruktur (Elektrizität, Straßen etc.) ist vorhanden. Wir werden immer auch Mutterkuhhaltung haben, aber eben eher an abgelegenen oder weniger erschlossenen Standorten. Und auch Bullenmast, einfach schon deshalb, weil jedes zweite geborene Kalb männlich ist.

Sie haben auch die Vor- und Nachteile der verschiedenen Nutztierarten beleuchtet. Broiler etwa haben die beste Futterverwertung, den niedrigsten CO2-Fußabdruck, aber bei der Nahrungskonkurrenz sieht es schlecht aus.
Ja, die Nahrungskonkurrenz wird in Zukunft der dominierende Faktor sein. Man kann fragen: inwieweit verbraucht die Tierhaltung zusätzliche Ackerfläche? Und der Broiler lebt – in unserer modernen Produktion – praktisch ausschließlich von Ackerflächen.

Aber ich gewinne durch den Broiler höherwertiges, weil tierisches, Eiweiß oder?
Die Tierproduktion hat immer einen Haken: die sogenannte „doppelte Transformation“. Wenn wir Soja ans Tier verfüttern, statt es selbst zu essen, gewinnen wir mit dem Fleisch zwar höherwertiges Eiweiß, habe aber die „geerntete“ Gesamtmenge an Eiweiß ist kleiner als der Input. Es kommt darauf an, ob der Gewinn an Qualität den Verlust an Quantität wettmacht? Verfüttern Sie lebensmitteltaugliches Material, haben Sie immer Verluste. Ist das Futter dagegen nicht-essbar, haben Sie einen Gewinn, weil Sie aus „wertlosen“ Stickstoffverbindungen hochwertiges Eiweiß gemacht haben. Eiweiß im Gras ist für Menschen einfach nicht verwertbar. Über die Wiederkäuer bekommen wir aber am Ende vielleicht 30-40% essbares Protein, d. h. 30-40% Reingewinn für den Menschen.

Und, so lange es um nicht-essbare Reststoffe aus dem „veganen“ Landbau geht, sind die Stickstoffemissionen immer die gleichen. Egal ob ich die Reste auf dem Feld ausbringe, in der Biogasanlage verwerte oder ans Nutztier verfüttere.

Nun argumentieren manche Veganer, man könnte auf die Reststoffverwertung über Nutztiere verzichten und einfach die Pflanze im Ganzen essen: das ganze Korn im Vollkornbrot oder die Sojabohne insgesamt. Aber sie essen ja nicht das Getreide mitsamt dem Halm. Unsere gesamte Lebensmittelproduktion beruht doch auf der Separation höher-wertiger Stoffe von Reststoffen.

Die insgesamt auf dem Acker anfallende Biomasse wird in verschiedene Komponenten zerlegt, um dann jeweils möglichst intelligent genutzt zu werden. Verfüttern wir die unverdauliche Kleie an Tiere, statt sie im Brot zu belassen, gewinnen wir aus der gleichen Menge Biomasse mehr menschliche Nahrung.

Haferdrink und Sojamilch sind ja hochverarbeitete Lebensmittel, die nur hochwertige Pflanzenbestandteile enthalten. Verfüttern wir die Reste aus deren Produktion an Nutztiere, bekommen wir am Ende insgesamt mehr Lebensmittel raus.

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Kommen wir zu den Alternativen zu Rindern, Schweinen und Geflügel. Wie schneiden denn Fische aus der Aquakultur in der Gesamtrechnung ab?
Mit den heutigen Futterkomponenten in der Aquakultur, sind Fische mittlerweile zu landwirtschaftlichen Nutztieren geworden: sie fressen überwiegend Lebensmittel vom Acker. Muscheln und Schnecken dagegen können nicht-essbare Biomasse verwerten. Sie können aus Algen Eiweiß extrahieren und dann an Fische verfüttern – aber was machen Sie mit dem Rest? Muscheln und Schnecken können den verwerten.

Die ersten Insekten-Burger sind neuerdings im Handel. Wäre das ein Weg zur Ressourceneffizienz?
Auch Insekten sind dann ganz normale Nutztiere: sie verbrauchen Futter, hinterlassen Mist, verursachen Emissionen und diejenigen Insekten, die dabei effizient sind, sind es, weil sie Lebensmittel fressen: der Kornkäfer, der Mehlwurm. Auch bei den Insekten geht es um „doppelte Transformation“ und Lebensmittelkonkurrenz.

Der Mehlwurm ist eindeutig ein Lebensmittelkonkurrent. Soldatenfliegen dagegen lassen sich sogar auf Gülle noch halten. Wenn aber solche Fliegenmaden z. B. mit Tomaten gefüttert werden, fressen sie die Frucht nicht ganz. Der Cellulose-Strunk bleibt übrig, denn die Fliegenmaden machen nichts anderes als Separation. Wiederkäuer würden dagegen die Tomatenbestandteile mit Hilfe der Mikroorganismen in ihren Vormägen komplett abbauen.

Und zur „doppelten Transformation“ eine Frage: würden Sie Wildschweine schießen, um sie an Hausschweine zu verfüttern? Wohl eher nicht. Aber das ist genau, was wir bei den Insekten tun würden, wenn wir sie mit regulären Futtermitteln ernähren, um Insekten-Protein zu produzieren und das anschließend an Schweine verfüttern. Wenn Biomasse ohnehin vorhanden ist, die an Nutztiere verfüttert werden kann, sollte sie direkt und nicht über einen zweiten Verwertungszyklus verwertet werden. Und man sollte auch die Insekten besser gleich selbst essen, denn auch Insekten haben eine Transformations-Effizienz von vielleicht 50%.

Die entscheidende Frage ist: wieviel Insekten-Protein bekomme ich aus den eingangs genannten vier Kilo nicht-essbarer Biomasse? Und da sieht es momentan schlecht aus: alle derzeit eingesetzten Insekten können mit faserreichem Material kaum etwas anfangen. Wahrscheinlich gibt es aber Insektenarten, die das können. Vielleicht Bockkäfer, Borkenkäfer oder Seidenspinner.

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Wie sähe es denn aus, wenn Insekten Lebensmittelabfälle (“former foods“) vertilgen und anschließend selbst an Hühner und Schweine verfüttert werden? Das ist zwar derzeit in der EU noch verboten, würde aber doch auch der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken oder?
Zunächst müssen wir uns über die Mengen im Klaren sein. Insgesamt geht es – je nach Berechnung – pro Bundesbürger und Jahr um 50 bis 80 Kilo Frisch- und vielleicht 30 Kilo Trockenmasse. Im Vergleich zur Gesamtmenge an Nebenprodukten ist das doch recht wenig und ich glaube nicht, dass der Beitrag über 10% liegen würde. Denken Sie immer an die 4 Kilo Reststoff pro Kilo pflanzlichem Nahrungsmittel. Außerdem entstehen die Verluste weniger beim Lebensmitteleinzelhandel, sondern mehr in den Privathaushalten. Natürlich ist Verwertung immer sinnvoll, aber eine durchschlagende Wirkung hätte es nicht.

Zwar denkt man immer zunächst an weggeworfenes Gemüse, aber den Löwenanteil machen verpackte Lebensmittel aus. Und mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Start-Ups, die sich dem Thema widmen und die Ware auspacken. Was sie dadurch gewinnen, ist zum Teil höchstwertiges Material und damit hervorragendes Geflügel- und Schweinefutter!

Also Toastbrot zum Beispiel?
Ja, Toastbrot oder auch Nudeln. Sie müssen nur Inhalt und Verpackung sauber – auch lebensmittelrechtlich einwandfrei – trennen. Müllereien sind ja heute schon auch Futtermittelhändler und müssen dem Futtermittelrecht Genüge tun und auch der Lebensmitteleinzelhandel wäre dazu in der Lage. In jedem anderen Wirtschaftszweig werden Produktionsabfälle wieder in ihre Einzelteile zerlegt und recycelt. Wir brauchen das Insekt nicht als Feigenblatt. Die Lebensmittel-„Abfälle“ des LEH müssten nur fachgerecht aufbereitet werden und könnten dann besser an Schweine und Hühner verfüttert werden.

© W. Windisch

Dann hätten wir noch „Kunstfleisch“ aus der Petrischale.
Das Kunstfleisch ist nichts anderes als ein Nutztier. Mit allen Konsequenzen: man muss es füttern, es gibt CO2 ab, es produziert Abfallstoffe. Im Produktionsprozess gibt es alle Elemente, die auch ein lebendes Tier hat. In einem Kreislaufsystem müssen Nährstoffe transportiert und Abfallstoffe entsorgt werden. Sie brauchen eine Art Leber und eine Art Niere, wenn Sie nicht alle zwei Tage die Nährlösung wegwerfen wollen. Statt des tierischen Immunsystems haben Sie ständigen Sterilisationsaufwand und alles zusammengenommen hohen Energieaufwand. Wenn Sie alles zusammenzählen, ist die Effizienz von Kunstfleisch ungefähr die gleiche wie beim Broiler.

Mit einem Unterschied: den Broiler füttern Sie mit Gerste und Soja, aber ein Zellkultursystem füttern Sie mit höchstreiner Glucose und Aminosäuren, so wie man einen Menschen parenteral ernähren würde. Der Verdauungsprozess wird also in eine Industrieanlage verlagert, die Soja und Mais verarbeitet! Lebensmittel, die ohnehin schon da sind, werden aufbereitet und an ein Zellkultursystem „verfüttert“ und auch hier haben Sie wieder „doppelte Transformation“.

Wenn es aber in Zukunft gelänge nicht-essbare Biomasse, mit vernünftigem Aufwand, in Glucose und Aminosäuren zu zerlegen, würde Kunstfleisch auf einmal wieder interessant. Und daran wird international bereits gearbeitet.

In Zukunft verfüttern wir also nur noch die für den Menschen nichtverwertbaren Futterstoffe an Tiere. Wieviel Fleisch landet denn dann zukünftig noch auf dem Teller, wenn unsere Proteinversorgung ressourceneffizient, umweltverträglich und nachhaltig sein soll? Im Jahr 2020 57,3 kg waren es pro Kopf und Jahr.
Wir müssen den Fleischkonsum wahrscheinlich deutlich mehr als halbieren; grob geschätzt landen wir eher bei einem Drittel. Und das gilt nicht nur für Fleisch, sondern für alle tierischen Lebensmittel.

Aber es wird nicht ausschließlich Milchviehhaltung geben, auch Schweine und Geflügel werden in Zukunft ihren Platz haben, nur die Relation wird sich verschieben. Die Faustregel könnte lauten: Koppelprodukte an Rinder und Nebenprodukte an Schweine und Geflügel verfüttern. Beim Rind sollten wir möglichst faserhaltiges Material nutzen, bei dem wirklich die mikrobielle Fermentation zum Einsatz kommt. Etwas höherwertige, aber nicht lebensmitteltaugliche, Stoffe gehen dann an Schweine und Geflügel – nur die Leistung erreicht eben nicht mehr das heutige Niveau.

Eine Reduzierung auf 33% des heutigen Fleisch-, Eier- und Milchkonsums führt aber nicht zu Bestandsverringerungen um 66%. Die Tierbestände sind dann vielleicht noch halb so groß wie heute, bei geringerer Leistung?
Im globalen Maßstab haben wir heute zu viele Nutztiere, die Lebensmittel verbrauchen. Verzichten wir aber ganz auf tierische Produktion, bleiben Ressourcen ungenutzt. Wir müssen zurück zum Fußballfeld: diese Fläche soll so viele Menschen wir möglich satt machen und zwar unter Erhaltung ihrer Produktivität.

Weltweit werden Wiederkäuer eine große Bedeutung haben, weil 75% des Spielfeldes aus Grasland bestehen. In Deutschland dagegen haben wir viel mehr Ackerland und deshalb auch größere Mengen Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung. In Deutschland werden wir deshalb viel mehr Schweine und Geflügel haben, als im internationalen Vergleich. Es gibt keine einheitliche Lösung, einheitliche Lösungen sind immer Verschwendung.

Anlass für dieses Interview war ein Vortrag von Prof. Windisch „Die Kuh als Umweltsau? Rinderhaltung im Blickfeld von Umweltschutz und Nachhaltigkeit“, im Rahmen der Tierärzte-Fortbildung „Expertise 2021“ von MSD Deutschland.

Herdenmanagement von Legehennen bei Hitzewellen

Von Dr. Lea Klambeck und Prof. Dr. Robby Andersson
Fakultät für Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur, Schwerpunkt angewandte Geflügelwissenschaften, Hochschule Osnabrück

In den Jahren 2019 und 2020 waren die Sommermonate geprägt von Hitzewellen und Trockenperioden, welche auch für kommende Jahre prognostiziert werden. Diese extremen Wetterlagen stellen Tierhalter auch in der Jung- und Legehennenhaltung vor neue Herausforderungen. Frühzeitiges Handeln ist dabei die beste Möglichkeit das Stallklima für die Tiere erträglich zu gestalten.

Als ideale Raumtemperatur für Legehennen mit guter Befiederung gilt gemeinhin ein Temperaturbereich zwischen 18 und 24 °C. Wenn aber hohe Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit zusammenkommen, wird unserem Nutzgeflügel sehr schnell zu warm.

Jung- und Legehennen haben im Vergleich zu vielen Haussäugetieren nur begrenzte Möglichkeiten Wärme abzugeben, da sie ein Federkleid haben und keine Schweißdrüsen besitzen. Die Abgabe von überschüssiger Körperwärme durch Ableitung an kalte Flächen und Abstrahlung an die kühlere Umgebung spielen daher bei Geflügel im Gegensatz zum Schwein eine untergeordnete Rolle bei der Thermoregulation der Hennen. Durch Hecheln (Evaporation) können Legehennen Feuchtigkeit abgeben und die dabei entstehende Verdunstungskälte nutzen (siehe Tabellen 1 und 2). Die Effektivität des Wärmeverlustes durch Hecheln (evaporative Kühlung) ist vorrangig von der relativen Luftfeuchtigkeit (rLF) der Stallluft abhängig. Bei Werten ab ca. 70 % rLF ist die Luft mit Feuchtigkeit fast gesättigt, die Abgabe der Feuchtigkeit aus der Atemluft ist dann kaum mehr möglich und folglich kann keine Verdunstungskälte entstehen.

Rechtzeitig für Kühlung sorgen
Die Wärmebelastung von Geflügel wird als Enthalpie bezeichnet. Der Enthalpiewert berechnet sich aus einer Kombination von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Bei Enthalpiewerten ab ca. 72 kJ / kg Luft besteht bei Geflügel ein hohes Risiko für den Hitzetod. Ab der für Geflügel kritischen Obergrenze von 67 kJ / kg Luft müssen daher Maßnahmen zur Reduktion der Wärmebelastung der Tiere durchgeführt werden. Dieser Wert wird beispielsweise bereits bei 25 °C in Kombination mit ca. 80 % relative Luftfeuchtigkeit (rLF) oder 31 °C und ca. 50 % rLF überschritten. Es kommt zur reduzierten Futter- und Wasseraufnahme, welche oft mit einer Unterversorgung und folglich Leistungseinbruch einhergehen. In den Sommermonaten (Mai bis September) können die regional zu erwartenden Enthalpiewerte u.a. beim Deutschen Wetterdienst (DWD) abgerufen werden und ermöglichen eine frühzeitige Anpassung des Herdenmanagements an problematische Wetterlagen.

Bei kurzfristigen Hitze-Ereignissen (erheblicher Anstieg von Temperatur (> 5°C) und relativer Luftfeuchte (> 10 %) innerhalb von 48 Stunden) haben besonders Hennen in der Legespitze erhebliche Anpassungsprobleme. Anders ist das bei mittelfristigen Hitzeperioden. Dadurch, dass die klimatischen Bedingungen über einen längeren Zeitraum relativ konstant bleiben und die Tiere keinen allzu großen Schwankungen ausgesetzt sind, erhält der Körper die Möglichkeit, sich in einem gewissen Rahmen auf diese Bedingungen einzustellen. In beiden Fällen ist das aktive Herdenmanagement von besonderer Bedeutung, um die Belastung der Tiere möglichst gering zu halten.

Eine gut funktionierende Stalllüftung mit gleichmäßigem Luftaustausch im Stall gewährleistet den Abtransport überschüssiger Körperwärme und Luftfeuchtigkeit vom Tier weg. Der Abtransport von Wärme kann über die Luftbewegung und die Luftgeschwindigkeit im Stall reguliert werden. Die Effizienz der Wärmeabgabe der Hennen wird durch das Abspreizen der Flügel und Federn weiter gefördert. Die Luftbewegung im Stall ist elementar für den Abtransport der Körperwärme der Hennen. Bei Hitzeperioden ist als Faustzahl eine Mindestluftrate im Stall von 10m³ / h / Legehenne zu empfehlen, um Wärme und Luftfeuchtigkeit aus dem Stall zu transportieren. Eine Nachrüstung von Luftumwälzern oder zusätzlichen Ventilatoren kann erforderlich sein und eine sinnvolle Investition darstellen.

Bei Neubauten sollten die Ställe so ausgerichtet sein, dass natürliche Luftströmungen (Wind) für die Kühlung des Gebäudes genutzt werden können. Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung zum Beispiel durch kurzzeitiges Abhängen der Fensterflächen und eine gute Dämmung können das Klima im Stall weiter begünstigen. Auch Sprühkühlungen oder mobile Vernebelungsgeräte (bei Neubauten oder als Nachrüstung) zur Erzeugung von Verdunstungskälte haben sich bewährt. Dabei darf die Feuchtigkeit nicht direkt auf Tiere oder die Einstreu niedergehen. Der Tierhalter muss auch hierbei darauf achten, dass die relative Luftfeuchte möglichst unter ca. 70 % gehalten wird. Überschüssige Feuchtigkeit in der Stallluft muss durch eine entsprechend ausgelegte Lüftungsanlage aus dem Stall geleitet werden. Der Rat eines Lüftungsexperten ist in diesem Zusammenhang dringend zu empfehlen.

Die verlässliche Funktionalität der Stalltechnik und eine ständige Kontrolle der Tiere durch eine verantwortliche Person in Hitzeperioden sind Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Management. Bei akuten Hitzeereignissen ist die ständige Präsenz unumgänglich, um Managementmaßnahmen einzuleiten, zu kontrollieren bzw. anzupassen.


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Tierwohlindikatoren kostenfrei online recherchieren

Um messen zu können, ob sich die Haltungsbedingungen für Nutztiere verbessert haben, ist es wichtig, das Tierwohl an konkreten Indikatoren festzumachen. Hier ist die Wissenschaft schon sehr weit und hat eine Vielzahl an Indikatoren entwickelt, doch bislang fehlte es an einer gut recherchierbaren Übersicht. Welche Tierwohlindikatoren gibt es? Und für welche Tierarten und Lebensabschnitte? Die neue, kostenlose Web-Anwendung „Literaturdatenbank Tierwohlindikatoren“ verschafft einen Überblick darüber.

Die Web-Anwendung wurde vom Projektteam „Nationales Tierwohl-Monitoring“ erarbeitet und vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) umgesetzt. „Das Online-Tool bietet vor allem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aber auch Praktikerinnen und Praktikern und der interessierten Öffentlichkeit einen umfassenden Überblick über den Stand des Wissens“, sagt Angela Bergschmidt vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, die das Projekt koordiniert. Für zahlreiche Tierarten können Tierwohlindikatoren gefiltert und Steckbriefe heruntergeladen werden. Dabei sind alle Filter frei kombinierbar: Haltung, Transport und Schlachtung von Kälbern, Mastrindern, Milchkühen, Saug- und Aufzuchtferkeln, Sauen, Mastschweinen, Legehennen, Masthühnern, Puten sowie Regenbogenforellen und Karpfen aus der Aquakultur.

Neben 26 Themenbereichen, wie beispielsweise „Atmungssystem“ oder „Sauberkeit der Tiere“, lässt sich die Auswahl auf tierbezogene oder management- bzw. ressourcenbezogene Indikatoren begrenzen. Auch auf die übergeordneten Tierwohl-Dimensionen „körperliche Gesundheit“, „Verhalten“ und „Emotionen“ kann der Schwerpunkt gelegt werden. Somit lassen sich verschiedene Kriterien miteinander verbinden und detaillierte Infos zu Indikatoren, die in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben sind, anzeigen lassen.

Jeder Steckbrief beinhaltet neben einer Kurzbeschreibung des Indikators auch den von ihm adressierten Tierwohlaspekt – also: „Warum wird er erfasst?“. Informationen zur Erhebungsmethode, der Datenlage in Deutschland und – sofern keine Daten vorhanden sind – Empfehlungen zu Datenerhebungen vervollständigen das Bild.

Link zur Web-Anwendung „Literaturdatenbank Tierwohlindikatoren“

Weitere Informationen zum Projekt Nationales Tierwohl-Monitoring NaTiMon

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Haltungsform-Kennzeichnung ab 2022 auch auf Milch und Milchprodukten

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• Bereits im nächsten Jahr werden Milch und Milchprodukte in die vierstufige Haltungsform-Kennzeichnung eingeordnet
• Kriterien für die Haltungsformstufen stehen fest
• Tierwohl jetzt auch auf Milch und Milchprodukten schnell erkennbar

Milch und Milchprodukte, wie Käse und Joghurt, können ab 2022 auch mit dem vierstufigen Haltungsform-Kennzeichen versehen werden. Verbraucher können dann auf den ersten Blick erkennen, wie hoch das Tierwohl-Niveau bei der Haltung der Milchkühe ist, deren Erzeugnisse sie einkaufen. Darauf haben sich die in der Initiative Tierwohl (ITW) engagierten Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) verständigt.

„Dass die Haltungsform Verbrauchern künftig nicht nur bei Puten-, Hähnchen-, Schweine- und Rindfleisch, sondern auch bei Milch und Milchprodukten ermöglicht, Tierwohl in eine schnelle Kaufentscheidung einzubeziehen, ist ein entscheidender Schritt“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der ITW. „Am Beispiel Fleisch hat sich gezeigt, dass das Haltungsform-System des Handels inzwischen zur Standard-Orientierung beim Tierwohl geworden ist. Das ist auch für die Kennzeichnung von Milch und Milchprodukten das erklärte Ziel. Bereits jetzt sind im Haltungsform-System Kriterien für die Haltung von Milchvieh definiert, wenn es darum geht das Fleisch dieser Tiere für den Endverbraucher zu kennzeichnen. Künftig gelten die aktualisierten Kriterien nun für Milch und Fleisch gleichermaßen.“

Über die Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung ist eine vierstufige Siegel-Klassifikation für tierische Erzeugnisse. Sie wurde im April 2019 eingeführt. Sie klassifiziert Tierwohl-Siegel und Programme entsprechend ihren Anforderungen an die Tierhalter und dem sich daraus ergebenden Tierwohl-Niveau. Die Kennzeichnung finden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY und REWE. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen.

Die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH ist Trägerin der Haltungs-form-Kennzeichnung. Sie organisiert die korrekte Eingruppierung von Standards und Programmen in die Systematik dieses Haltungskennzeichens, überwacht die korrekte Anwendung und Umsetzung dieser Systematik und unterstützt die teilnehmenden Unternehmen in der Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite zur Haltungsform unter www.haltungsform.de.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Dialog über tierexperimentelle Forschung aktiv mitgestalten

Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf gehört zu den Erstunterzeichnern der „Initiative Transparente Tierversuche“

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen getragene Informationsplattform „Tierversuche verstehen“ hat heute die „Initiative Transparente Tierversuche“ gestartet. Darin erklären Forschungseinrichtungen mit lebenswissenschaftlicher Ausrichtung, transparent über Tierversuche zu informieren, den öffentlichen Dialog über tierexperimentelle Forschung aktiv mitzugestalten sowie untereinander Erfahrungen auszutauschen und Aktivitäten bekannt zu machen.

Zu den 53 Erstunterzeichnenden der Initiative gehören Universitäten, Kliniken, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, forschende Unternehmen sowie Fachgesellschaften und Förderorganisationen. „Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf unterstützt die Initiative als Erstunterzeichner“, sagte FBN-Vorstand Prof. Dr. Klaus Wimmers. „Die Forschung für mehr Tierwohl und Tiergesundheit steht seit vielen Jahren im Mittelpunkt unserer Arbeit. Wir arbeiten in vielen Forschungsansätzen, z.B. mit Zellkulturen und ersetzen damit Tierversuche. Aber, um etwa das Wohlbefinden von Tieren bewerten zu können, ist es nötig, Beobachtungen am Tier vorzunehmen. Wir wollen unsere Forschung in diesem Zusammenhang transparenter gestalten, um dem verständlichen gesellschaftlichem Interesse gerecht zu werden.“

Das sieht auch der Tierschutzbeauftragte am FBN, Dr. Olaf Bellmann, so: „Tiere in wissenschaftlichen Versuchen einzusetzen, ist noch immer eine Notwendigkeit, die für jeden Wissenschaftler ein ethisches Dilemma darstellt. Unter Ausnutzung aller Möglichkeiten versuchen wir, die eventuellen Belastungen für die Tiere so gering wie möglich zu halten. Mit der transparenten Darstellung der Forschung, die wir an Tieren durchführen, um auch deren Bedürfnis nach Wohlbefinden besser verstehen zu können, wollen wir einen Beitrag zum Grundverständnis solcher Untersuchungen leisten und einen Gedankenaustausch dazu anregen.“

Eine eigens für die Initiative eingerichtete Webseite listet alle Unterzeichnenden auf, bietet Beispiele für gelungene Kommunikation zu Tierversuchen und stellt Informationen zur Unterstützung der Unterzeichnenden bei der Umsetzung der genannten Ziele zur Verfügung. Die Initiative folgt ähnlichen Aktivitäten in anderen europäischen Ländern, etwa Großbritannien, Frankreich und Spanien. Gleichzeitig wird damit an die vor fünf Jahren von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen gegründete Plattform „Tierversuche verstehen“ angeknüpft.

„Tierversuche sind ein gesellschaftlich kontrovers diskutiertes Themenfeld. Der transparenten Kommunikation über wissenschaftliche und ethische Aspekte der tierexperimentellen Forschung kommt daher eine besondere Stellung zu, um der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass aktuell leider noch nicht alle Tierversuche in der lebenswissenschaftlichen Forschung vermieden werden können – und gleichzeitig herauszustellen, dass jeder Tierversuch erst nach sorgfältiger ethischer Abwägung des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns gegen das potenzielle Leid der Tiere erfolgt“, verdeutlichte heute DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker bei der Vorstellung der Initiative.

„Wichtig ist die Unterstützung durch die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft, um so dem Transparenzgedanken größtmögliches Gewicht zu geben“, unterstrich auch die Vorsitzende der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung, Professorin Dr. Brigitte Vollmar, von der Universitätsmedizin Rostock.

Hintergrund
Die Initiative Transparente Tierversuche reiht sich am 1. Juli in verschiedene Kommunikationsaktivitäten weltweit ein. Anlass ist der von der European Animal Research Association (EARA) organisierte internationale „Be Open about Animal Research Day”, ein Aktionstag, in dessen Rahmen Beispiele für Offenheit und Transparenz in der tierexperimentellen Forschung geteilt werden. Die begleitende Social-Media-Kampagne ist unter dem Hashtag #BOARD21 zu finden.

Die Ständige DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen koordinierte Plattform „Tierversuche verstehen“ haben die Initiative Transparente Tierversuche gemeinsam ins Leben gerufen. Die Senatskommission ist ein interdisziplinär zusammengesetztes Expertengremium, das sich mit aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen sowie den komplexen ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Tierschutzes und der tierexperimentellen Forschung beschäftigt. Sie berät die Gremien der DFG sowie Politik und Behörden. „Tierversuche verstehen“ informiert aktuell und faktenbasiert über Tierversuche in öffentlich geförderter Forschung und trägt dazu bei, die gesellschaftliche Bedeutung tierexperimenteller Forschung zu vermitteln.

In der biomedizinischen Forschung stellen Tierversuche nach aktuellem Forschungsstand einen wichtigen Bestandteil des experimentellen Methodenspektrums dar. Für wesentliche grundlegende Erkenntnisse und medizinisch relevante Entwicklungen ist die Forschung mit Tieren essenziell. Zwar haben methodische Forschungsarbeiten der jüngeren Vergangenheit dazu beigetragen, dass Tierversuche in manchen experimentellen Ansätzen durch alternative Methoden ersetzt oder im Umfang reduziert werden können, ein vollständiger Ersatz von Tierversuchen ist jedoch noch nicht absehbar. Auch in Zukunft werden diese Versuche zum Erkenntnisgewinn und zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze und Methoden benötigt werden. Als ein jüngstes Beispiel für die Notwendigkeit von Tierversuchen gilt die Erforschung von Vakzinen – ohne Tierversuche würde es keinen Corona-Impfstoff geben.

Weiterführende Informationen
Initiative Transparente Tierversuche
Tierversuche verstehen
Be Open about Animal Research Day

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Ambiente und gutes Essen: Wildbienen brauchen vielfältige Agrarlandschaften

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Massentrachten wie Raps oder Ackerbohnen bieten wertvolle Nahrungsquellen für Bienen, die bei ihren Blütenbesuchen zur Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen beitragen. Doch nicht jede blühende Ackerkultur wird von denselben Bienen besucht. Ein Team der Universität Göttingen und des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig hat untersucht, wie sich die Lebensraumvielfalt der Agrarlandschaft und der Anbau verschiedener Massentrachten, das heißt blühender Kulturpflanzen, auf Wildbienen auswirken.

Es hat sich gezeigt, dass vielfältige Agrarlandschaften den Artenreichtum von Wildbienen erhöhen. Blühende Ackerkulturen mit unterschiedlichen Blütenformen fördern unterschiedliche Wildbienenarten. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Landscape Ecology erschienen.

Das Forschungsteam erfasste Wildbienen in blütenreichen halbnatürlichen Lebensräumen wie Hecken und Blühstreifen in insgesamt 30 verschiedenen jeweils einen Quadratkilometer großen Agrarlandschaften nahe Göttingen, Itzehoe und Leipzig. Die Bienen wurden hierbei entlang genormter Streckenabschnitte gezählt und mit einem Handkescher für die Artbestimmung gefangen. Die Untersuchungslandschaften unterschieden sich in ihrer Vielfältigkeit und hinsichtlich des Flächenanteils von Raps und Ackerbohnen.

„Die Blütenform einer Pflanze ist ein wichtiges Kriterium dafür, welche Wildbienenarten Nektar an deren Blüten sammeln“, so Doktorand Felix Kirsch von der Universität Göttingen, der die Untersuchung im Rahmen seiner Masterarbeit durchführte. „Die Blütenform muss beispielsweise zur Körpergröße und Rüssellänge der Biene passen. Der Nektar von Raps ist leicht zugänglich, während der Nektar der Ackerbohnen tief in den langen Blütenkelchen verborgen ist.“

„Unsere Studie zeigt, dass Ackerbohnen soziale Wildbienen, besonders langrüsselige Hummeln, fördern“, erläutert Dr. Doreen Gabriel vom JKI in Braunschweig. Ein anderes Bild ergab sich in Landschaften mit viel Raps: Hier wurde ein erhöhter Anteil an solitär lebenden Wildbienen festgestellt, zu denen oft kleinere Arten zählen. „Der Anbau einer bestimmten Massentracht reicht nicht aus, um vielfältige Bienengemeinschaften zu erhalten, welche ihrerseits den Bestäubungserfolg vieler blühender Ackerkulturen und Wildpflanzen sichern“, so die Erstautorin Dr. Nicole Beyer, Postdoktorandin in der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen. Die Leiterin der Abteilung, Prof. Dr. Catrin Westphal, folgert: „Unsere Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass diverse, blühende Ackerkulturen und insbesondere vielfältige halbnatürliche Lebensräume in der Agrarlandschaft notwendig sind, um ein breites Artenspektrum an Wildbienen zu fördern“.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Tierwohl messbar machen

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Wissenschaftliches Verbundprojekt MulTiViS stellt Ergebnisse zum Tierwohl bei Mastschweinen vor

Wie lässt sich möglichst objektiv messen und bewerten, ob es Schweinen in ihrer Haltung gut geht? Forschende der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover widmeten sich dieser Frage gemeinsam mit drei Projektpartnern. Jetzt stellten sie die Ergebnisse der MulTiViS-Studie (Multivariate Bewertung des Tierwohls durch integrative Datenerfassung und Validierung von Tierwohlindikatoren in Schweinebeständen) vor. Das Ziel der Untersuchung war es, ein System zu entwickeln, das es ermöglicht, sogenannte Tierwohlindikatoren bei Mastschweinen zuverlässig und vergleichbar zu erfassen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft förderte die Studie seit 2017 im Rahmen des Programms „Innovationen zur Bewertung der Tiergerechtheit und des Tierwohls“.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchten in Schweinemastbetrieben sowie am Schlachthof verschiedene mögliche Tierwohlindikatoren wie das Auftreten von Verletzungen, die Mortalität oder diverse Schlachtbefunde auf ihre Praxistauglichkeit. Die Informationen wurden verglichen und schließlich in einer Gesamtbewertung zusammengefasst. Insgesamt untersuchten die Forschenden über 200 Indikatoren, anhand derer Tierärztinnen und Tierärzte sowie Tierhalterinnen und Tierhalter Rückschlüsse auf das Tierwohl und auf Erkrankungen ziehen und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten können.

„International wie national wird in der Wissenschaft, in der Landwirtschaft, in der Politik und ganz allgemein in der Gesellschaft viel über Tierwohl diskutiert und um die richtige Vorgehensweise der Erfassung und der Bewertung des Tierwohls gestritten“, sagt Professor Dr. Lothar Kreienbrock, Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung, der das Projekt zusammen mit PD Dr. Hubert Gerhardy, Marketing Service Gerhardy, koordinierte. „Um aber eine verlässliche Aussage über das Wohlbefinden von Tieren treffen zu können, reicht das Bauchgefühl nicht aus. Vielmehr müssen belastbare Daten so zur Verfügung gestellt werden, dass diese im landwirtschaftlichen Alltag praktikabel erfasst und die Daten und deren Zusammenhänge anschließend auch fachlich korrekt analysiert werden können.“

Das Projekt zeigt eindeutig, dass von Landwirtinnen und Landwirten erhobene Daten und von Tierärztinnen und Tierärzten im Betrieb und auf Schlachthöfen gezielt nacherfasste Informationen eine Klassifikation von Betrieben nach Tierwohlkriterien ermöglichen. „Dabei gibt es nicht DEN guten oder DEN schlechten Betrieb. Vielmehr müssen die vielfältigen Teilinformationen, aus denen Tierwohl besteht, angemessen geprüft, verarbeitet und bewertet werden“, so Kreienbrock.

Das Projekt, für das die Forschenden in über 200 Betrieben Daten erhoben haben, kann als wesentliche Grundlage für ein zukünftiges nationales Tierwohlmonitoring genutzt werden, da es bereits jetzt wesentliche Komponenten einer Tiergesundheitsdatenbank enthält. Damit kann nicht nur das Tierwohl beurteilt werden. Vielmehr können alle Beteiligten der Lebensmittelkette diese Indikatoren nutzen, um gegebenenfalls verbessernde Maßnahmen einzuleiten.

Außer dem Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung waren das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie sowie die Außenstelle für Epidemiologie in Bakum als Partner der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover an dem Projekt beteiligt. Des Weiteren waren der Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft e.V. in Uelzen sowie der Marketing Service Gerhardy, Garbsen als aktive Partner Mitglieder im Forschungsverbund.

Publikationen
Aus dem Projekt sind bereits drei wissenschaftliche Veröffentlichungen hervorgegangen:

Wegner B, Spiekermeier I, Nienhoff H, Große-Kleimann J, Rohn K, Meyer H, Plate H, Gerhardy H, Kreienbrock L, grosse Beilage E, Kemper N, Fels M. Status quo analysis of noise levels in pig fattening units in Germany. Livestock Science 230 (2019) 103847

Wegner B, Spiekermeier I, Nienhoff H, Große-Kleimann J, Rohn K, Meyer H, Plate H, Gerhardy H, Kreienbrock L, Grosse Beilage E, Kemper N. Application of the voluntary human approach test on commercial pig fattening farms: a meaningful tool? Porcine Health Management (2020); 6 (19);

Grosse-Kleimann J, Plate H, Meyer H; Gerhardy H, Heucke CE, Kreienbrock L. Health monitoring of finishing pigs by secondary data use – a longitudinal analysis. Porcine Health Management (2021) ;7(20)

Quelle:Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Modernisierung von Milchviehställen mit kleinen Beständen – Planungsempfehlungen und Beispiellösungen

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Es gibt sie noch – die traditionellen Anbindehaltungen. Viele Landwirtinnen und Landwirte stehen vor der Entscheidung, ihren Anbindestall nachhaltig weiterzuentwickeln oder ihn kurz- oder mittelfristig auslaufen zu lassen.

Die 3. überarbeitete Auflage dieser KTBL-Schrift zeigt, wie kleine Milchviehbestände mit bis zu 40 Kühen in Anbindehaltung durch Um-, An- oder Neubauten modernisiert werden können.

Ausgehend von den Anforderungen der Milchkühe werden die verschiedenen Haltungsverfahren vom Anbinde-stall bis zum Kompoststall mit ihren Vor- und Nachteilen beschrieben. In separaten Kapiteln wird der Stand der Technik hinsichtlich Laufhöfen, Melken, Füttern, Entmisten, Wirtschaftsdüngerlagerung sowie Kälber- und Jungviehhaltung behandelt.

Ausführlich wird der Frage „Umbau, Erweiterung oder Neubau?“ nachgegangen. Und wenn es keine Alternative zur Anbindehaltung gibt: Mit wenig Auf-wand lassen sich die Haltungsbedingungen auch hier verbessern, wie die Schrift ebenfalls veranschaulicht.

Beispiele aus der Praxis zeigen, auf welche Lösungen Berufskolleginnen und -kollegen gekommen sind. Eine Checkliste bietet einen Roten Faden, sodass keine wichtigen Fragen bei der Modernisierung vergessen werden.

Darmstadt, 2021, 92 S., 22 Euro, ISBN 978-3-945088-81-4, Best.-Nr. 11522

Quelle: Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL)

Einsparpotentiale bei Wurmbehandlungen – Kontrolliertes Training für die Abwehr

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Von Dr. Ole Lamp, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Sommerzeit ist Weidezeit und spätestens nach den ersten Schnitten kommen auch die Jüngsten auf die Weide. Dies ist nicht nur gut für deren Robustheit, das Grasen ist eine kostengünstige Form der Fütterung. Neben einem guten Grasaufwuchs mit hochwertigen Futterpflanzen sollte auch das Wetter in der Umstellung von Stall auf Weidehaltung günstig sein, damit die Jungrinder einen gesunden Start erleben. Zur Absicherung gegen Schäden durch Weideparasiten werden häufig Entwurmungsmittel bereits zum Weideauftrieb als Bolus eingegeben oder als Langzeitmittel unter die Haut gespritzt. Im Folgenden soll dargestellt werden, warum diese Methode der Wurmbekämpfung nicht optimal ist und welche Alternativen bestehen.

Unter dem Begriff „Weideparasiten“ lassen sich sehr viele verschiedene Arten von tierischen Krankheitserregern zusammenfassen. Im Allgemeinen bezieht er sich aber nur auf die Innenparasiten (Endoparasiten) und schließt Außenparasiten wie Weide- und Dasselfliegen, Haarlinge und Läuse nicht mit ein. Aber auch bei den Innenparasiten gibt es eine große Vielfalt, angefangen bei den Bandwürmern, Leberegel über verschiedenste Rundwürmer bis hin zu den mikroskopisch kleinen Einzellern (Eimerien/Kokzidien und Kryptosporidien). Da diese zu ganz verschiedenen Gruppen von tierischen Lebewesen gehören, können sie auch nicht alle mit einem Mittel bekämpft werden, sodass die eingangs beschriebene Auftriebsbehandlung ohnehin nie Schutz gegen alle Arten von Innenparasiten bieten kann und immer Wirklücken aufweist.

Magen-Darm-Würmer im Fokus
Eines der größten Gesundheitsprobleme auf regelmäßig genutzten Rinderweiden stellen die Rundwürmer (sogenannte Magen-Darm-Strongyliden) dar, die entweder dem Wirt im Magen-Darm-Trakt Körperflüssigkeiten und Nährstoffe entziehen oder auf Körperwanderungen Schäden an den inneren Organen anrichten. Entwicklungsstörungen, Durchfälle und Todesfälle können die Folgen sein. Sie sind daher auch das Ziel der Auftriebsbehandlung oder der terminlich vorgeplanten Zwischenentwurmung während der Weidesaison per Übergussbehandlung oder Injektion. Ähnlich wie in anderen Bereichen (Pflanzenschutz, Antibiotika) breiten sich Resistenzen in der Wurmpopulation immer weiter aus. Durch Wirtstiere werden die resistenten Würmer in neue Betriebe und auf neue Weiden gebracht. Und jede weitere Behandlung, die die normal-empfindlichen Würmer tötet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die neue Generation vermehrt von resistenten Würmern abstammt und so mehr Tiere zukünftig auch resistente Würmer in sich tragen, die auf Behandlungen mit einem bestimmten oder verschiedenen Mitteln nicht mehr reagieren. Das Vorkommen von resistenten Rundwürmern bei Rindern ist für Deutschland (Kleinschmidt et al., 2010) und andere europäische Länder eine nachgewiesene Tatsache.

Wege aus der Resistenzfalle
Da jede Entwurmungsbehandlung das Risiko steigert, dass der größte Teil der Wurmeier, die mit dem Kot auf der Weide landen, resistente Würmer enthält, muss es das Ziel sein, weniger Entwurmungsmittel einzusetzen. Insbesondere die früher oft empfohlene Behandlung zum Umtrieb auf eine neue Weide (Dose-and-Move Schema) erreicht genau das Gegenteil, da die frische Weide nur noch mit resistenten Eiern belastet wird. Sie gilt daher heute als veraltet.
Vielmehr verfolgen moderne Ansätze das Ziel, die Wurmbelastung auf einem niedrigen aber stabilen Niveau zu halten, damit die Rinder ihr Abwehrsystem gegen Würmer beständig trainieren und fit halten können. Zugleich sorgen so ältere Tiere mit einer gut trainierten Abwehr für eine effektive Abtötung von Würmern, sodass sie die Weidebelastung stabil halten oder sogar senken können. Daneben sind aber auch andere Maßnahmen im Management zu beachten, damit die Rinder nicht überfordert werden. Die medikamentelle Behandlung sollte sich immer nur auf die wirklich notwendigen Fälle beschränken.

Sichere Weiden für Erstsömmrige
Gerade in der Milchviehhaltung haben Kälber oder Jungrinder bei ihrem ersten Weideauftrieb erstmalig Kontakt mit den Rundwürmern der Weide. Diese erstsömmrigen Rinder haben noch keine trainierte Abwehr und vertragen daher nur geringe Wurmzahlen. Deshalb ist es optimal, Erstsömmrige nur auf sichere Weiden (siehe Kasten) aufzutreiben, da diese keine Wurmbelastung aus dem Vorjahr mitbringen. Ist dies nicht möglich, sollte der Weideauftrieb auf relativ sichere Weiden frühestens im Juni erfolgen, weil so die überwinterten Wurmlarven auf der Weide bei höheren Temperaturen aus der Winterruhe erwacht sind und verhungern, da sie nicht rechtzeitig einen neuen Wirt gefunden haben. Im Vorjahr intensiv mit Jungrindern beweidete Flächen sind für Erstsömmrige ungeeignet und stellen ein hohes Risiko für Erkrankungen durch Weideparasiten dar (unsichere Weiden).

Risikominderung durch Weidemanagement
Je nachdem, wie viele Tiere und über welchen Zeitraum die Rinder auf der Fläche stehen, ergeben sich hohe oder niedrige Risiken für den Aufbau einer starken Wurmbelastung. Wird eine Fläche als Standweide für die Erstsömmrigen über viele Wochen genutzt und ist die Besatzdichte relativ hoch, steigt die Belastung der Fläche mit ansteckenden Wurmlarven und es kommt typischerweise im Spätsommer zu ersten Erkrankungsfällen. Bei ungünstiger Witterung (feucht, mild) oder einer unsicheren Weide mit hoher Vorbelastung können Probleme bei unbehandelten Tieren auch schon früher auftreten. Ein Weideumtrieb auf eine andere sichere oder relativ sichere Weide nach einigen Wochen sorgt dafür, dass die erstsömmrigen Rinder nur ihre bisherige, relativ niedrige Belastung im Darm von der ersten Weide mitbringen und auf der neuen Fläche keine neuen ansteckenden Larven vorhanden sind. Bis sich aus den frisch ausgeschiedenen Eiern neue ansteckende Larven entwickelt haben, vergehen mehrere Wochen bis zu einem Monat, sodass die Belastung im Tier auf der neuen Weide zunächst nicht steigt und sich so das Abwehrsystem auf die Bekämpfung der im Darm vorhandenen Würmer konzentrieren kann. Zeitgleich steigt auch die Belastung der ersten Fläche nicht weiter und die vorhandenen ansteckenden Larven werden durch UV-Licht, Trockenheit und Hunger in ihrer Anzahl vermindert, die Fläche erholt sich.
Nicht jeder Betrieb kann ohne weiteres eine aufwändige Umtriebsweide realisieren, da geeignete Flächen oder Transportmöglichkeiten fehlen. Aber bereits die Unterteilung einer Fläche in eine früh zu beweidende Hälfte und eine Hälfte für die Beweidung nach erster Schnittnutzung kann helfen, den Rindern diese „Verschnaufpause“ durch Umtrieb zu ermöglichen.

Behandlungen so selektiv wie möglich
Auch bei sehr gutem Management wird es immer wieder Tiere geben, die mit der ansteigenden Wurmbelastung im Laufe des Sommers überfordert sind.


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Haltungsform-Kennzeichnung ausgeweitet: Neue Tierarten und verarbeitete Fleischware

• Fleisch von Kaninchen und Pekingenten zukünftig kennzeichnungsfähig
• Verarbeitete Fleischware ab 1. Juli mit Haltungsform-Kennzeichen
• Mehr Transparenz und Orientierung für Verbraucher

Die in der Initiative Tierwohl (ITW) engagierten Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) weiten ab dem 1. Juli 2021 das Angebot der Lebensmittel mit dem Haltungsform-Kennzeichen aus. Kaninchen- und Pekingentenfleisch kann dann mit der vierstufigen Siegel-Klassifikation „Haltungsform“ gekennzeichnet werden. Zugleich können die teilnehmenden Unternehmen verarbeitete Fleischware, wie zum Beispiel Wurst, erstmals in großen Mengen in die einzelnen Stufen des Haltungsform-Systems einordnen. Verbraucher können dadurch bei vielen weiteren Fleisch-Produkten sehr schnell erkennen, wie hoch das Tierwohl-Niveau der Tierhaltung ist, aus der das jeweilige Produkt stammt.

„Die Ausweitung der ‚Haltungsform‘ ist eine wichtige Weiterentwicklung“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Neben frischer Ware aus Hähnchen-, Puten-, Schweine- und Rindfleisch, kommen nun neue Tierarten dazu. Mindestens genauso wichtig ist aber die Einbeziehung der verarbeiteten Ware. Damit schaffen wir gemeinsam mit unseren Partnern aus dem Handel und der Produktion einen gewaltigen Schritt, um Verbrauchern eine tierwohlbewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen.“

Über die Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung ist eine vierstufige Siegel-Klassifikation für tierische Erzeugnisse. Sie wurde im April 2019 eingeführt. Sie klassifiziert Tierwohl-Siegel und Programme entsprechend ihren Anforderungen an die Tierhalter und dem sich daraus ergebenden Tierwohl-Niveau. Die Kennzeichnung finden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY und REWE. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen.

Die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH ist Trägerin der Haltungs-form-Kennzeichnung. Sie organisiert die korrekte Eingruppierung von Standards und Programmen in die Systematik dieses Haltungskennzeichens, überwacht die korrekte Anwendung und Umsetzung dieser Systematik und unterstützt die teilnehmenden Unternehmen in der Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH