Herdenmanagement von Legehennen bei Hitzewellen

Von Dr. Lea Klambeck und Prof. Dr. Robby Andersson
Fakultät für Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur, Schwerpunkt angewandte Geflügelwissenschaften, Hochschule Osnabrück

In den Jahren 2019 und 2020 waren die Sommermonate geprägt von Hitzewellen und Trockenperioden, welche auch für kommende Jahre prognostiziert werden. Diese extremen Wetterlagen stellen Tierhalter auch in der Jung- und Legehennenhaltung vor neue Herausforderungen. Frühzeitiges Handeln ist dabei die beste Möglichkeit das Stallklima für die Tiere erträglich zu gestalten.

Als ideale Raumtemperatur für Legehennen mit guter Befiederung gilt gemeinhin ein Temperaturbereich zwischen 18 und 24 °C. Wenn aber hohe Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit zusammenkommen, wird unserem Nutzgeflügel sehr schnell zu warm.

Jung- und Legehennen haben im Vergleich zu vielen Haussäugetieren nur begrenzte Möglichkeiten Wärme abzugeben, da sie ein Federkleid haben und keine Schweißdrüsen besitzen. Die Abgabe von überschüssiger Körperwärme durch Ableitung an kalte Flächen und Abstrahlung an die kühlere Umgebung spielen daher bei Geflügel im Gegensatz zum Schwein eine untergeordnete Rolle bei der Thermoregulation der Hennen. Durch Hecheln (Evaporation) können Legehennen Feuchtigkeit abgeben und die dabei entstehende Verdunstungskälte nutzen (siehe Tabellen 1 und 2). Die Effektivität des Wärmeverlustes durch Hecheln (evaporative Kühlung) ist vorrangig von der relativen Luftfeuchtigkeit (rLF) der Stallluft abhängig. Bei Werten ab ca. 70 % rLF ist die Luft mit Feuchtigkeit fast gesättigt, die Abgabe der Feuchtigkeit aus der Atemluft ist dann kaum mehr möglich und folglich kann keine Verdunstungskälte entstehen.

Rechtzeitig für Kühlung sorgen
Die Wärmebelastung von Geflügel wird als Enthalpie bezeichnet. Der Enthalpiewert berechnet sich aus einer Kombination von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Bei Enthalpiewerten ab ca. 72 kJ / kg Luft besteht bei Geflügel ein hohes Risiko für den Hitzetod. Ab der für Geflügel kritischen Obergrenze von 67 kJ / kg Luft müssen daher Maßnahmen zur Reduktion der Wärmebelastung der Tiere durchgeführt werden. Dieser Wert wird beispielsweise bereits bei 25 °C in Kombination mit ca. 80 % relative Luftfeuchtigkeit (rLF) oder 31 °C und ca. 50 % rLF überschritten. Es kommt zur reduzierten Futter- und Wasseraufnahme, welche oft mit einer Unterversorgung und folglich Leistungseinbruch einhergehen. In den Sommermonaten (Mai bis September) können die regional zu erwartenden Enthalpiewerte u.a. beim Deutschen Wetterdienst (DWD) abgerufen werden und ermöglichen eine frühzeitige Anpassung des Herdenmanagements an problematische Wetterlagen.

Bei kurzfristigen Hitze-Ereignissen (erheblicher Anstieg von Temperatur (> 5°C) und relativer Luftfeuchte (> 10 %) innerhalb von 48 Stunden) haben besonders Hennen in der Legespitze erhebliche Anpassungsprobleme. Anders ist das bei mittelfristigen Hitzeperioden. Dadurch, dass die klimatischen Bedingungen über einen längeren Zeitraum relativ konstant bleiben und die Tiere keinen allzu großen Schwankungen ausgesetzt sind, erhält der Körper die Möglichkeit, sich in einem gewissen Rahmen auf diese Bedingungen einzustellen. In beiden Fällen ist das aktive Herdenmanagement von besonderer Bedeutung, um die Belastung der Tiere möglichst gering zu halten.

Eine gut funktionierende Stalllüftung mit gleichmäßigem Luftaustausch im Stall gewährleistet den Abtransport überschüssiger Körperwärme und Luftfeuchtigkeit vom Tier weg. Der Abtransport von Wärme kann über die Luftbewegung und die Luftgeschwindigkeit im Stall reguliert werden. Die Effizienz der Wärmeabgabe der Hennen wird durch das Abspreizen der Flügel und Federn weiter gefördert. Die Luftbewegung im Stall ist elementar für den Abtransport der Körperwärme der Hennen. Bei Hitzeperioden ist als Faustzahl eine Mindestluftrate im Stall von 10m³ / h / Legehenne zu empfehlen, um Wärme und Luftfeuchtigkeit aus dem Stall zu transportieren. Eine Nachrüstung von Luftumwälzern oder zusätzlichen Ventilatoren kann erforderlich sein und eine sinnvolle Investition darstellen.

Bei Neubauten sollten die Ställe so ausgerichtet sein, dass natürliche Luftströmungen (Wind) für die Kühlung des Gebäudes genutzt werden können. Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung zum Beispiel durch kurzzeitiges Abhängen der Fensterflächen und eine gute Dämmung können das Klima im Stall weiter begünstigen. Auch Sprühkühlungen oder mobile Vernebelungsgeräte (bei Neubauten oder als Nachrüstung) zur Erzeugung von Verdunstungskälte haben sich bewährt. Dabei darf die Feuchtigkeit nicht direkt auf Tiere oder die Einstreu niedergehen. Der Tierhalter muss auch hierbei darauf achten, dass die relative Luftfeuchte möglichst unter ca. 70 % gehalten wird. Überschüssige Feuchtigkeit in der Stallluft muss durch eine entsprechend ausgelegte Lüftungsanlage aus dem Stall geleitet werden. Der Rat eines Lüftungsexperten ist in diesem Zusammenhang dringend zu empfehlen.

Die verlässliche Funktionalität der Stalltechnik und eine ständige Kontrolle der Tiere durch eine verantwortliche Person in Hitzeperioden sind Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Management. Bei akuten Hitzeereignissen ist die ständige Präsenz unumgänglich, um Managementmaßnahmen einzuleiten, zu kontrollieren bzw. anzupassen.


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