SenseHub® Dairy Youngstock wird mit dem Innovation Award EuroTier 2024 in Silber ausgezeichnet

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• Monitoringsystem SenseHub® Dairy Youngstock wird aus insgesamt 255 Anmeldungen für eine der Silbermedaillen ausgewählt
• Branchenweit erste Lösung zur Überwachung von Kälbern von der Geburt bis zum zwölften Lebensmonat

MSD Tiergesundheit wird für SenseHub® Dairy Youngstock mit dem Innovation Award EuroTier 2024 ausgezeichnet. Die Prämierung mit dem Innovation Award EuroTier 2024 hebt wegweisende Innovationen hervor und wird von einer unabhängigen und international besetzten Kommission aus anerkannten Beratern, Wissenschaftlern und Praktikern vergeben. SenseHub® Dairy Youngstock wurde aus 255 eingereichten Anmeldungen für eine der Silbermedaillen ausgewählt. Die Preisverleihung findet am 12. November auf der Messe EuroTier in Hannover statt. „Wir freuen uns, dass unser Monitoringsystem SenseHub® Dairy Youngstock mit dem Innovation Award EuroTier 2024 ausgezeichnet wird.“, so Christian Vogelsberg, Director Business Unit Technology bei MSD Tiergesundheit. „Diese Anerkennung unterstreicht den Mehrwert unserer innovativen Technologie für die Landwirtschaft. Mit praxisnahen Lösungen wollen wir Landwirte dabei unterstützen, effektives Herdengesundheitsmanagement zu betreiben.“

SenseHub® Dairy Youngstock ist die branchenweit erste Monitoringtechnologie für Kälber von Geburt an bis zum zwölften Lebensmonat. Das Monitoringsystem erleichtert den Landwirten die Überwachung der Kälber und ermöglicht den Betrieben ein nachhaltiges Herdengesundheitsmanagement. Es kann unabhängig vom Kuhmonitoringsystem auf dem Betrieb eingesetzt werden. Eine von der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) eingesetzte unabhängige und international besetzte Kommission aus anerkannten Beratern, Wissenschaftlern und Praktikern würdigte die innovative Lösung mit dem Innovation Award in Silber.

SenseHub® Dairy Youngstock entlastet Landwirte
Das Monitoringsystem erleichtert es Milchviehhaltern, die Kälber und Färsen zu erkennen, die besondere Aufmerksamkeit benötigen. Wissenschaftlich fundierte Algorithmen überwachen ständig das Verhalten der Tiere über die spezielle SenseHub® Monitoring-Ohrmarke. Die Technologie identifiziert Tiere mit einem Verhalten, das von ihrer individuellen Norm abweicht und darauf hindeutet, dass sie möglicherweise Aufmerksamkeit benötigen.

SenseHub® Monitoring-Ohrmarken liefern innerhalb von 27 Stunden nach dem erstmaligen Anbringen verwertbare Erkenntnisse und sind mit einem blinkenden LED-Licht ausgestattet. Landwirte können damit Tiere schnell und einfach lokalisieren und geeignete Maßnahmen ergreifen. Diese Technologie ermöglicht es Milchviehhaltern, ihre täglichen Arbeitsabläufe von ihrem Smartphone aus zu verwalten und dem zunehmenden Arbeitskräftemangel in den Betrieben entgegenzuwirken. Durch die mit der Technologie verbundene Effizienzsteigerung können Erzeuger und Landwirte die Arbeitsabläufe in ihrem Betrieb anpassen und ihre Ressourcen effektiver nutzen.

Für Krankheitsdiagnose und Behandlungsmaßnahmen sollten Milchviehhalter ihre Tierärzte hinzuziehen.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Empfehlungen für ein tierschutzkonformes Cow Fitting #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erstellt aktuell ein Merkblatt zum Cow Fitting, das Dr. Anne Rößler* anlässlich der Tierschutztagung 2024 vorstellte.

Um Kühe auf Schauveranstaltungen mit möglichst prallem Euter zu präsentieren, werden die Zwischenmelkzeiten über Gebühr ausgedehnt. Erhöhter Euterinnendruck verursacht bei den Kühen Schmerzen, Euterödem begünstigen und können das normale Laufverhalten beeinträchtigen, da die Tiere versuchen den schmerzhaften Kontakt zwischen Hinterbeinen und Euter zu vermeiden. Der Melkintervall dürfe deshalb maximal 12 Stunden betragen und ein Teilablassen per Sonde sei verboten, so Dr. Anne Rößler.

Zitzen dürften auch nicht zugeklebt werden und auch die Manipulation der natürlichen Form von Euter und Zitzen sei unzulässig. Als Beispiele nannte die Referentin die Verabreichung von Oxytocin (ohne tierärztliche Indikation und anschließenden Milchentzug), Füllung von Eutervierteln mit Gasen, Strich-Kürzung mit Sekundenkleber, Manipulation der Strichstellung mit Pfeifenputzern, Reiskörner im Strichkanal um abstehende Zitzen zu vermeiden. Zur Vermeidung von Rückständen in der Milch dürften Euter auch nicht eingecremt, gesalbt oder geölt werden. Ebenso sei die Euterkühlung amtsärztlich zu untersagen.

Grundsätzlich könne es zwar für die Kuh auch angenehm sein, wenn ihr Euter gekühlt wird. Hier ginge es aber darum, dass z.B. mit Eis auf dem Zentralband gekühlt wird, um Anzeichen einer übermäßigen Euterfüllung zu verschleiern (Zentralband verkürzt sich, Euter wird angehoben, durch Euterfüllung leicht seitwärts abstehende Zitzen richten sich dann auch wieder gerader). Bei der Vorringkontrolle können die Euterfüllung visuell oder auch per Ultraschall geprüft werden, um Euterödeme auszuschließen.

Die Gabe von Beruhigungsmitteln und jede Art prophylaktischer Medikation seien verboten. Kosmetika, Salben und Öl dürften nur benutzt werden, wenn sie keine Reizungen oder Schäden hervorrufen, Sprays nicht am Kopf angewandt werden. Drenching des Pansens ohne medizinische Indikation oder Einführung von Fremdkörpern, um die natürliche Erscheinung der Kuh zu beeinflussen, sei ebenso verboten.

Bem Waschen von Kühen (insbesondere Jungtieren) müsse darauf geachtet werden, dass die Tiere nicht auskühlen (z. B. bei niedrigen Temperaturen oder Zugluft) und ggf. mit Decken aufgewärmt werden können.

Werden Kühe für die Präsentation geschoren, dürften die Harre nicht zu kurz geschnitten werden. Die Haut müsse jederzeit geschützt sein, vor Nässe, Gülle, Sonne oder mechanischer Beanspruchung durch Unterlagen und Stalleinrichtungen. Auch müssten beim Scheren die Umgebungstemperaturen während der Schau, beim Transport und im Herkunftsbetrieb berücksichtigt werden, damit die Tiere nicht frieren

Im Bereich des Kronsaums dürfe überhaupt nicht geschoren werden, weil die Harre dort den empfindlichen Übergang von Haut zu Horn schützten. Auch die Tasthaare am Kopf dürften nicht gekürzt werden. Werden die Haare an Innenseite und Rändern der Ohrmuschel gekürzt, müsse auch danach noch deren Schutzfunktion gegeben und mindestens die Öffnung zum äußeren Gehörgang noch ausreichend bedeckt sein.

Zwangsmaßnahmen, um Kühe beim Fitting oder der Präsentation ruhigzustellen, sind verboten, ebenso wie der Einsatz schmerzhafter Nasen- oder Texasbremsen. Auch Ganaschen- oder Kniefaltengriffe seien zu unterlassen, wie auch eine Überstreckung des Halses, etwa durch Hochbinden beim Fitting selbst.

* LGL, Landesinstitut Tiergesundheit I, Sachgebiet Tierschutz

Vogelgrippe beim Rind – H5N1-Virusvermehrung ist auf das Euter begrenzt

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Seit März 2024 sorgt ein massiver Ausbruch der Geflügelpest des hochpathogenen Subtyps H5N1 bei Rindern in den USA für erhebliche Probleme in der dortigen Milchindustrie. Eine in Nature veröffentlichte Studie gibt insbesondere Antworten zum Verhalten dieser Viren im Rind, Orte der Virusvermehrung und der wahrscheinlichen Verbreitungswege.

Die ersten Berichte über diesen ungewöhnlichen Ausbruch beschreiben einen Milchleistungsrückgang, Virusvermehrung im Euter und hohe Ausscheidungsraten in der Milch. Bis September 2024 waren mehr als 200 Milchviehbetriebe in 14 US-Bundesstaaten betroffen und regelmäßig kommen weitere, positiv getestete Betriebe dazu. Darüber hinaus wurden bisher 15 humane Infektionen mit dem Rinder-assoziierten Vogelgrippe-Virus bestätigt, davon vier im direkten Zusammenhang mit Kontakt zu infizierten Rindern oder deren Milch. Viele Fragen waren aber noch ungeklärt oder nur wenig mit Daten belegt: Kann sich das amerikanische Rinder-H5N1 Virus der Klade 2.3.4.4b, Genotyp B3.13 auch im Respirationstrakt vermehren? Können sich auch europäische Geflügelpest-Viren des Subtyps H5N1 im Euter vermehren? Wie schwer erkranken die Rinder, wie lange wird Virus in der Milch ausgeschieden und gibt es eine systemische Ausbreitung im individuellen Tier?

Eine Gruppe von Forschenden des FLI auf der Insel Riems hat nun zusammen mit Forschenden der Kansas State University (KSU) in Kansas, USA, mittels zweier unabhängiger, experimenteller Infektionsversuche an laktierenden Rindern (FLI) und Kälbern (KSU) diese Fragen beantworten können. So konnte am FLI gezeigt werden, dass eine direkte H5N1-Infektion des Euters zu schweren Symptomen führte, teilweise mit hohem Fieber und Mastitis, unabhängig davon ob das verwendete Virusisolat aus den USA oder aus Europa stammte. Sehr hohe Viruslasten konnten in der Milch aller infizierter Rinder nachgewiesen werden und die Milchproduktion verringerte sich rapide. Dennoch wurden weder eine nasale Virusvermehrung, noch eine systemische Ausbreitung im Körper der infizierten Kühe beobachtet. Im Gegensatz zum bereits angepassten Rinderstamm aus den USA zeigte sich sehr früh eine einzelne Säugetieradaptierung in einem für die Virusvermehrung verantwortlichen, viralen Proteins des europäischen H5N1-Isolates (Polymerase PB2 E627K Mutation).

Die Forscher der KSU konnten zudem zeigen, dass eine oronasale H5N1-Infektion von Kälbern mit dem US-Stamm nur zu einer moderaten Virusvermehrung im Respirationstrakt führte und das Virus darüber hinaus nicht an Kontakt-Kälber übertragen wurde. „Diese beiden wichtigen Tierstudien lassen die Schlussfolgerung zu, dass neben der amerikanischen H5N1-Variante auch andere H5N1-Viren der Klade 2.3.4.4b in der Lage sind, sich effizient im Eutergewebe von Rindern zu vermehren und mit der Milch in hohen Mengen ausgeschieden zu werden“, so der Leiter der Studie am FLI, Prof. Dr. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik und Vizepräsident des FLI. „Außerdem wird sehr deutlich, dass in den USA vor allem die Milch und Melk-Prozeduren maßgeblich für die Verbreitung und Übertragung zwischen Milchkühen verantwortlich sind, und eher nicht der respiratorische Weg.“

Beide Forschungsteams schließen mit dem dringenden Appell, umgehend wirksame und umfassende Maßnahmen zu treffen, um die kontinuierliche Verbreitung bei Kühen in den USA so schnell wie möglich zu stoppen, weitere genetische Anpassungen des Virus zu verhindern, und dadurch die weitere Übertragung auf Geflügel, Wildvögel und andere Säugetiere inklusive des Menschen zu verhindern.

Die Studie ist am 25.09.2024 im renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht worden.

Diese Arbeit wurde gefördert durch das Projekt „KAPPA-FLU“ (Horizon Europe-Programm, Projekt Nr. 101084171) und das Projekt „DURABLE“, kofinanziert durch die Europäische Union (EU4Health-Programm, Projekt Nr. 101102733) sowie durch das BMBF-Projekt „PREPMEDVET“ (Projekt Nr. 13N15449).

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut – Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Gefahr durch großen Leberegel: Nasses Jahr 2024 mit höherem Infektionsrisiko

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Der große Leberegel (Fasciola hepatica) ist ein weltweit verbreiteter Endoparasit. Ein Befall mit dem Blut saugenden Wurm führt bei Milchkühen zu einer verminderten Milchleistung und Störungen der Fruchtbarkeit und bei Rindern zu reduzierter Gewichtsentwicklung.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass ein Leberegelbefall zudem ein Risikofaktor für eine Infektion mit Salmonella dublin, einem gramnegativen Bakterium, sein kann. S. dublin führt bei Rindern zu Aborten, Durchfällen oder Lungenentzündungen, aber stellt zudem auch einen gefährlichen Zoonoseerreger dar.

Besonders in regenreichen Jahren wie 2024 ist die Belastung durch den Parasiten groß, denn sein Zwischenwirt, die Zwergschlammschnecke, lebt in Feuchtgebieten und Schlamm und entwickelt sich umso besser, je feuchter es ist. Deswegen sollten entsprechende Maßnahmen auf der Weide ergriffen werden (Auszäunen feuchter Stellen u.ä.).

Da die Erkrankungssymptome unspezifisch sind und keinen eindeutigen Hinweis auf den Parasiten bieten, ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig für eine gezielte Bekämpfung des großen Leberegels.

Die Bekämpfung im Tier ist dann ganz einfach: Fragen Sie Ihren Tierarzt nach dem Kombi-Antiparasitikum im Pour-On Verfahren – auch gegen Leberegel. Weitere Informationen

Qelle: Boehringer Ingelheim

Rätsel des Schwänzeltanzes

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Wie navigieren Bienen, wenn die Richtungsangaben der Schwänzeltänze anderer Bienen ungenau sind? Das Konstanzer Forschungsteam rund um den Neurobiologen James Foster versucht, dieses faszinierende Bienenverhalten zu ergründen. Dafür führt er gegenwärtig Experimente auf dem Campus der Universität Konstanz durch.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu: Für die Bienen beginnt die Jahreszeit, in der sie genügend Nahrung für den Winter speichern müssen, um die kalte Jahreszeit zu überleben. Das bedeutet Hochsaison für die Bienenforscher*innen rund um James Foster, Gruppenleiter im Bereich Neurobiologe und Mitglied am Exzellenzcluster Kollektives Verhalten der Universität Konstanz. Tagein, tagaus beobachtet das Team auf dem Campus die Bienen aus einem ihrer Forschungsbienenschwärme, die eine künstliche Futterquelle anfliegen. Doch was erforschen die Bienenforscher*innen? Und wie gehen sie dabei vor?

Bienen nutzen einen speziellen Tanz, um ihren Artgenossen Informationen über den Standort von Futterquellen zu geben: den Schwänzeltanz. „In unseren Experimenten konzentrieren wir uns auf die Beobachterinnen des Schwänzeltanzes und versuchen, sie dort zu erwischen, wohin sie fliegen“, erklärt James Foster. Nach jahrzehntelangen grundlegenden Experimenten ist klar, dass die beobachtenden Bienen die Tänze gut interpretieren können, um den Ort zu bestimmen, den die Tänzerinnen mitteilen möchten.

Was tun die Beobachterinnen, wenn die Tänzerin nicht perfekt kommunizieren kann?
„Wir versuchen nun herauszufinden, was die beobachtenden Sammlerinnen tun, wenn die Tänzerin nicht perfekt kommunizieren kann“, sagt James Foster. Um diese Frage zu beantworten, beeinflussen James Foster und seine Forschungsgruppe Tänzerinnen, die von einer neuen Futterquelle zurückkehren, so dass ihr Tanz ungenau oder sogar mehrdeutig wird.

Lesen Sie auf campus.kn, wie die Wissenschaftler*innen dabei genau vorgehen, und schauen Sie sich in der Fotogalerie an, wie ein Forschungstag abläuft.

Faktenübersicht:

– Neurobiologe James Foster ist Gruppenleiter an der Universität Konstanz und Mitglied des Exzellenzclusters Kollektives Verhalten. In seiner aktuellen Forschung nutzt er „Schwänzeltänze“ von Honigbienen, um die Kompassnavigation zu untersuchen.

– Frida Hildebrandt ist Doktorandin am Exzellenzcluster Kollektives Verhalten.

– Jedes Jahr zwischen April und September führt das Team Verhaltensexperimente mit Honigbienen auf dem Campus der Universität Konstanz durch.

– Der Exzellenzcluster Kollektives Verhalten der Universität Konstanz ist ein weltweit führendes Spitzenforschungszentrum für die Erforschung von Schwarmverhalten. Interdisziplinär werden drängende Fragen über Arten- und Organisationsebenen hinweg angegangen, von neuronalen Mechanismen über individuelle Wahrnehmung und Präferenzen bis hin zu kollektivem Verhalten in Gruppen oder ganzen Gesellschaften. Link.

Quelle: Universität Konstanz

Bewertung von Maul-Nasenringen bei Rindern unter dem Aspekt des Tierschutzes #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurden die Folgen des Einsatzes von Maul-Nasenringen, in engem Austausch mit Juristen, tierschutzfachlich bewertet. Die Einschätzung des Amtes erläuterte Dr. Anne Rößler* auf der diesjährigen Tierschutztagung in Hannover.

Maul-Nasenringe (Oberlippen-Nasenringe) sollen das gegenseitige Besaugen von Färsen und Milchkühen verhindern. Beim entsprechenden Eingriff werden Oberlippe, Nasenhöhle und Nasenscheidewand des Tieres durchstochen und auch wenn dies fachgerecht durchgeführt werde (mit Sedation, Lokalanästhesie und Schmermedikation), käme es in der Abheilungsphase zumindest beim Fressen und Trinken immer wieder zu Schmerzspitzen, sagte die Tierärztin. Ebenso könnten während dieser Zeit  Mikroverletzungen bei Körperpflege, Kontakt mit Stalleinrichtungen und Artgenossen auftreten, weil der frischeingezogene Ring immer wieder bewegt und damit das durchstochene Gewebe weiter traumatisiert würde, auch könnten Entzündungen und Abszesse auftreten.

Zwar gäbe es erst wenige Studien zum Thema, aber nach Einschätzung des LGL behindern die Maul-Nasenringe den Aufbau eines Unterdrucks in der Maulhöhle des Rindes als Saugtrinker. Auch sei davon auszugehen, dass die Beweglichkeit von Oberlippe, Flotzmaul und Nase eingeschränkt würden und natürliche Verhaltensweisen der Tiere behinderten. Etwa das Flehmen und Belecken von Nasenlöchern, Eutern und dem Zwischenschenkelbereich. Schließlich bestehe auch ein Risiko, dass sich Kühe am Maul verletzen, wenn sie mit dem Ring etwa an Fütterungs- oder Tränkeinrichtungen hängenblieben.

Dabei gäbe es zur Prävention des Euterbesaugens Alternativen. Dieses Fehlverhalten zeige vor allem Defizite in Management der Tiere, denn es bestünde ein enger Zusammenhang zwischen Besaugen im Kälberalter und bei erwachsenen Kühen. Gegenseitiges Besaugen ließe sich bei Kälbern durch verbessertes Absetzmanagement und Optimierung von Haltung und Fütterung in den ersten Lebenswochen erheblich reduzieren.

Träte das Besaugen bei einzelnen Kühen doch auf, sollten sie schnellstmöglich von der Gruppe getrennt werden. Weil sich das Fehlverhalten auch durch Nachahmung verbreite, sei auch die frühzeitige Schlachtung eines Einzeltieres in Betracht zu ziehen. Ebenso sollten Kühe die eine Prädisposition fürs Besaugen vererben, möglichst von der Zucht ausgeschlossen werden, auch wenn die Heritabilität nur bei 3,7% läge.

Offtmals ließen sich nur bestimmte Tiere in der Herde besaugen. Bei festen Tierkonstellationen könne z. B. der Einsatz von Euternetzten das besaugte Tier schützen.

Ferner könnten sog. Saugschutzhalfter am besaugenden Tier zielführend sein. Wenn sich andere Mittel als unwirksam erwiesen hätten, sei der Gebrauch von Saugstoppringen („Klemmringen“) möglich. Dabei sei darauf zu achten, dass Halfter und Klemmringe regelmäßig kontrolliert werden und nicht dauerhaft am Tier verbleiben, da bei ersteren Scheuerstellen, bei letzteren Läsionen der Nasenscheidewand, entstehen können. Anders als bei Maul-Nasenringen, die, obwohl oftmals nicht erforderlich, darauf abzielen, durch dauerhaften Verbleib am Tier ein Besaugen mechanisch unmöglich zu machen, bestehe das Ziel dieser Methoden darin, den Tieren das unerwünschte Verhalten abzugewöhnen. Der Erfolg der Maßnahme müsse überprüft werden, indem Halfter oder Ring abgenommen und darauf geachtet wird, ob das Tier gelernt hat, das Besaugen zu unterlassen. Bei der Verwendung von Saugstoppringen müsse eine sachgerechte Anbringung gesichert sein. Insbesondere dürfe der Ring nicht so fest angebracht werden, dass er Drucknekrosen der Nasenscheidewand verursacht.

* Landesinstitut Tiergesundheit I, Sachgebiet Tierschutz

Anbindehaltung von Rindern #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Dr. Peter Scheibl* widmete sich bei der diesjährigen Tierschutztagung dem „schwebenden Verfahren“ in Sachen Anbindehaltung. Bislang gibt es nur einen Entwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes, das Thema wird aber schon lange öffentlich diskutiert.

Fachlich unstrittig sei, dass in der Anbindehaltung letztlich alle natürlichen Verhaltensweisen von Rindern widersprechen, sagte Scheibl. Bewegungsmöglichkeiten, Körperpflege- und Sozialverhalten würden eingeschränkt.

Die Bewertung jedes Einzelfalls hänge jedoch maßgeblich davon ab, ob es Zeiten ohne Fixierung gebe, wie etwa saisonale Anbindung, täglichen Auslauf, Weidegang an mehreren Tagen pro Woche. Auch bauliche Gegebenheiten und Bodenbeschaffenheit des Stalls seien zu berücksichtigen, eine dauerhafte Anbindung im Stall jedoch unstrittig tierschutzwidrig.

Gegen ein Verbot dieser Haltungsform würde immer wieder argumentiert, dass sie ohnehin auslaufe und von einem Verbot vor allem kleine Betriebe betroffen wären. Zieht man aber die Statistik zu Rate, zeigt sich der lange Zeithorizont des „automatischen“ Auslaufens. 2010 gab es 3,0 Mio., 2020 immer noch 1,1 Mio. Betriebe.

In Bayern ist der Neubau von Ställen mit ganzjähriger Anbindung seit 2022 verboten, die Umstellung auf Laufställe wird zudem finanziell gefördert. Erhaltung der Kulturlandschaft und Förderung der Biodiversität dürften hier eine wichtige Rolle spielen.

Zwar seien tierschutzrechtliche Anordnungen bereits gerichtlich bestätigt worden, das Verwaltungsgericht Münster etwa schrieb 2022 einen Betrieb vor, seinen Tieren mindestens vom 1.6. bis zum 30.9. täglich mindestens zwei Stunden Auslauf auf einer Weide zu gewähren. Für Amtstierärzte bleibe die Bewertung einzelner Ställe so lange schwierig, bis eine konkrete gesetzliche Regelung vorliege, führte Scheibl aus. Und auch danach würde sich die Frage der Vollziehbarkeit stellen: wie soll die Einhaltung von Zeitfenstern ohne Fixierung tatsächlich überwacht werden?

* Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

Umfangreiche One-Health-Studie zur Verbreitung des Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) in Nature Communications veröffentlicht

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Das „klassische“ Borna disease virus 1 (BoDV-1) wird von Spitzmäusen übertragen und kann zumeist tödliche Gehirnentzündungen bei Tieren (v.a. Pferden) und Menschen verursachen. Die Letalität liegt bei über 90%. Obwohl sowohl das Virus als auch die Erkrankung schon sehr lange bekannt sind, war die Datenlage zur Verbreitung dieses zoonotischen Erregers bisher sehr lückenhaft und größtenteils veraltet.

Unter Leitung des Nationalen Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere am FLI wurde nun die bisher umfassendste Studie zur Verbreitung des BoDV-1 veröffentlicht. Die Studie war im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsverbundes „ZooBoCo“ durchgeführt worden. Beteiligt an der Studie waren mehr als 25 Institutionen aus der Veterinär- und Humanmedizin in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Rahmen dieses Projekts wurden Gehirnproben von aktuellen sowie archivierten Fällen von BoDV-1-Infektionen bei Menschen und Tieren untersucht, die gefundenen Viren genetisch typisiert und umfangreiche Hintergrundinformationen zu den Fällen gesammelt. Eine gemeinsame Analyse dieser neuen Daten in Kombination mit den bereits zuvor publizierten Fällen erlaubt nun erstmals die Festlegung von definierten Kriterien zur Identifikation von Verbreitungsgebieten, in denen ein Risiko für eine Übertragung des BoDV-1 auf Tier und Mensch besteht.

Darüber hinaus liefert die Studie eine erste Übersicht über alle 46 bisher publizierten laborbestätigten BoDV-1-Infektionen beim Menschen.

Hinweise auf ein Vorkommen des Virus wurden ausschließlich in den zuvor bereits angenommenen Verbreitungsgebieten, vor allem in südlichen und östlichen Teilen Deutschlands und begrenzten Gebieten in Österreich und der Schweiz gefunden. Anzeichen einer deutlichen Ausbreitungstendenz des Virus über die vergangenen Jahrzehnte gibt es nicht. Die verschiedenen genetischen Varianten des BoDV-1 treten in voneinander abgrenzbaren Regionen innerhalb des Verbreitungsgebiets auf. Dieser Umstand erlaubt es, anhand ihrer genetischen Signatur die Herkunft der Viren und damit die Infektionsorte von Mensch und Tier einzugrenzen. So konnte in fast allen Infektionsfällen bei Menschen der gefundene Virustyp der jeweiligen Heimatregion der Patientin oder des Patienten zugeordnet werden, was auf in der Regel wohnortnahe Infektionsquellen schließen lässt.

Die Detailuntersuchungen und genetischen Typisierungen der Proben werden durch das Nationale Referenzlabor weitergeführt, um die Datenlage weiter zu verbessern und in Zukunft noch genauere Aussagen zu Risikogebieten und Infektionsquellen treffen zu können. Die Kartierung der Verbreitungsgebiete soll zudem dazu beitragen, die Aufmerksamkeit für die Infektion sowohl in der Human- als auch der Veterinärmedizin zu stärken. „Nun muss in diesen Regionen genauer hingeschaut werden und BoDV-1 als Erreger für Mensch und Tier in Betracht gezogen und Verdachtsfälle abgeklärt werden.“, so PD Dr. Dennis Rubbenstroth, Leiter des Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere.

Die ganze Studie finden Sie hier und weitere Informationen zu Bornaviren hier.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Durch Stall, Hörsaal und Labor – Tag der offenen Tür am FBN

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Einladung zum Tag der offenen Tür am 21. September

Nach vierjähriger Pause öffnet das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf am Sonnabend, dem 21. September, wieder seine Pforten für alle Interessierten. Neben einer Vielzahl an Mitmachstationen stehen Kurzpräsentationen zu Forschungsthemen, Stallführungen, eine Wissenssafari und Eisherstellung auf dem Programm. Kann Fleisch aus dem Labor das Klima retten, wie kommt ein Kalb zur Welt und haben Schweine eigentlich eine Persönlichkeit? Antworten auf diese und viele weitere Fragen geben die Mitarbeitenden des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) am Tag der offenen Tür in Dummerstorf.

Das FBN und die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) laden in der Zeit von 10 bis 16 Uhr große und kleine Besucher ein, die mehr als 20 Aktionsstationen auf dem gesamten Gelände zu entdecken. Forschende geben allen Interessierten Auskunft zu aktuellen Fragen der Nutztierforschung und gewähren spannende Einblicke in ihre Arbeit.

„Der Tag der offenen Tür ist für uns die beste Gelegenheit, die gesamte Bandbreite unserer Forschung zu präsentieren“, so Vorstand Prof. Klaus Wimmers. „Unsere Forschungsthemen reichen von der Vererbung und Ausprägung von Eigenschaften und Fähigkeiten der Tiere bis zu ihrem Verhalten sowie Fragen des Tier-, Umwelt- und Klimaschutzes. Am 21. September zeigen wir all diese Aspekte der Nutztierforschung. Wir laden alle herzlich ein, das FBN zu erkunden und mit unseren Forschenden ins Gespräch zu kommen.

© FBN

Mitmachen erwünscht
Auf dem gesamten Campus warten Aktionsstationen darauf, entdeckt und erforscht zu werden. Dabei werden die Besucher auf vielfältige Weise angesprochen: ertasten, sehen, hören und nicht zuletzt erschmecken können die Gäste die Angebote in den Häusern. Spannende Kurzvorträge vermitteln Wissen zu mutigen Fischen und optimistischen Schweinen, der Geschichte des Melkens oder essbaren Insekten. Die Oxidation von Kohlenhydraten aus der Nahrung kann ebenso gemessen werden wie der eigene Stresslevel. Die Verhaltensbiologie erklärt, was Laute von Schweinen über deren Stimmung verraten, und am Ziegenlerncomputer kann jeder die Tests ausprobieren, die auch die Afrikanischen Zwergziegen am FBN absolvieren. Wer an aktuellen Stellen oder Ausbildungsmöglichkeiten am FBN interessiert ist, lässt sich am Karriere-Stand informieren. Ein besonderes Highlight wartet auf kleine und große Gourmets im Tagungszentrum: mit Hilfe von Stickstoff kann dort jeder sein Eis nach eigenem Geschmack herstellen.

Der Großtier-Operationssaal öffnet ebenso seine Tore wie das Soldatenfliegen-Labor, in dem die Maden dieser besonderen Nutztiere schlüpfen. Bei Führungen durch den Kuh- oder Schweinestall erfahren Besucher Wissenswertes und Besonderes rund um die Haltung der Tiere. Ein Kremserwagen bringt die Gäste der Führung in der Experimentalanlage Schwein zum etwa einen Kilometer entfernt gelegenen Stall. Die Teilnahme an den Führungen ist mit einem kostenfreien Ticket möglich, das die Gäste am zentralen Info-Punkt an der Haupteinfahrt erhalten.

Quizrallye auf dem gesamten Gelände
Zentrales Element des Events ist die Wissenssafari: an zwölf Stationen warten Quizfragen zu unterschiedlichen Themen darauf, beantwortet zu werden. Dabei sind für Erwachsene und Kinder unterschiedliche Fragen vorbereitet. Mit jeder korrekt beantworteten Frage sammeln die Teilnehmer einen Stempel. Die Stempelkarten für die Wissenssafari erhalten Besucher ebenfalls am Info-Punkt.

Attraktionen drinnen und draußen
Nicht nur in den Häusern, auch auf dem Gelände gibt es viel zu entdecken: die Freiwillige Feuerwehr ist mit Hüpf- und Wasserspritzspielen sowie Deftigem aus der Gulaschkanone vor Ort. Daneben versorgen mehrere Grills, ein Wagen mit regionalen Leckereien, ein Süßwarenmobil sowie zwei Kuchenbasare die wissenshungrigen Gäste mit vielfältigen Speisen. Wem nach so viel Forschung und Wissen der Sinn nach Entspannung steht, findet dafür auf den weitläufigen Wiesen ausreichend Gelegenheit – Picknickdecken dürfen gern mitgebracht werden. Der Eintritt ist frei.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Kostenfreies Fortbildungsangebot für Nutztierhalter

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