Optimale Gestaltung erhöhter Ebenen im Broilerstall – Interview mit Dr. Julia Malchow

Frau Dr. Malchow: erhöhte Ebenen unterstützen das natürliche Aufbaum-Verhalten von Hühnern. Welche weiteren positiven Effekte haben sie?

In der konventionellen Masthühnerhaltung ist die Haltungsumgebung oft reizarm, d.h. es gibt den Einstreubereich sowie Tränke- und Futtervorrichtungen. Das Angebot von erhöhten Strukturen kann die Haltung in getrennte Aktivitäts- und Ruhebereiche strukturieren. Sowohl auf der erhöhten Struktur sowie unter diesem Bereich werden Ruhebereiche geschaffen, wobei die geringere Lichtintensität unterhalb der Ebene das Ruheverhalten zusätzlich unterstützt, wenn dieser gut zugänglich ist. Durch diese Strukturierung sind bspw. die Futter- und Tränkbereiche deutlich als Aktivitätsbereich markiert. Des Weiteren kann die Nutzung von erhöhten Strukturen zu einer bessere Fußballengesundheit führen, da auf den Ebenen die Fußballen nicht ständig mit der Einstreu in Kontakt stehen. Weiterhin kann die Nutzung bei den Masthühnern zu einer Verbesserung der Lauffähigkeit und Erhöhung der Verhaltensaktivität führen, da eine dreidimensionale Struktur geschaffen wird und die Bewegung anregt, um unterschiedliche Bereich zu erreichen.

Sie haben nun in einem Wahlversuch ermittelt, wie die Oberfläche von erhöhten Ebenen am besten beschaffen sein sollten und zwei Varianten parallel angeboten. Was erwies sich als beliebter: Gitterrost oder geschlossene Oberfläche mit Einstreu?

Genauer gesagt haben wir untersucht, welche Oberflächen Masthühner in welchem Alter und zu welcher Tageszeit mehr nutzen. Dazu haben wir ebenerdig als Bodenoberfläche zum einen Kunststoffgitterroste und zum anderen eine Standardeinstreu parallel angeboten. Die Tiere konnten frei wählen, welche Oberfläche sie zu unterschiedlichen Tageszeiten bevorzugen. Es war keine Studie, um Empfehlungen zur Bodenoberfläche zu geben. Vielmehr war eine unserer Hypothesen, dass die Tiere gerade gegen Ende der Mast die Gitterroste zum Ruhen bevorzugen würden. In dieser Altersphase produzieren die Tiere relativ viel Körperwärme, die sie in der isolierenden Einstreu schlechter abführen können als auf den Gitterrosten.

Bei der Nutzung zeigten sich verschiedene Abhängigkeiten. Fangen wir mit der Tageszeit an.

Wir unterschieden vier verschiedene Tageszeiten: Morgen, Mittag, Nachmittag und Nacht. Über die Mastphase zeigte sich, dass die Tiere beide Oberflächen gleich nutzten. Nachts drehte sich das Bild aber im Verlauf der Mastdauer. Ab ca. der dritten Lebenswoche entwickelte sich nachts eine klare Präferenz für die Gitteroste im Vergleich zur Einstreu. Wir nehmen an, dass in den ersten Lebenswochen die Isolierung der Einstreu und auch die Nähe zu Artgenossen ein wesentlicher Punkt ist, warum der Einstreubereich bevorzugt wurde. Nachdem in etwa der dritten Lebenswoche die Gefiederentwicklung abgeschlossen ist, sind die Tiere weniger wärmebedürftig, da in diesem Alter auch die eigene Wärmeproduktion sowie die Thermoregulation ausgebildet sind. Weiterhin nehmen wir an, dass es zu den Tageszeiten Morgen, Mittag und Nachmittag keine Präferenz für eine der Bodenqualitäten gab, weil die Masthühner tagsüber weniger Ruhen und in der Einstreu natürlicherweise Nahrungs- und Erkundungsverhalten zeigen. Sie nutzen während ihrer Hauptaktivitätszeit im Hellen quasi beide Flächen, um ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.

Auch das Lebensalter der Tiere spielt bei der Nutzung eine Rolle.

Ja, genau. Ab ca. der dritte Lebenswoche konnte wir klar sehen, dass besonders zum Ruhen/ Schlafen in der Nacht die Gitterroste bevorzugt genutzt wurden.

Und auch die Umgebungstemperatur beeinflusst das Verhalten der Tiere.

Ja, wir vermuten, dass die Masthühner insbesondere gegen Ende der Mastphase sich auch tagsüber häufiger auf den Gitterrosten aufhalten, weil sie auf diesen besser ihre Körperwärme abführen können. Hierzu haben wir auch Hinweise gefunden. Weil wir die Umgebungstemperatur aber nicht experimentell verändert haben, d.h. nicht erhöht haben, bedarf es für die Überprüfung dieser Hypothese allerdings noch weitere Untersuchungen.

Wie sollten nach Ihren Ergebnissen erhöhte Ebenen am besten ausgestaltet werden?

Wie eingangs schon erwähnt, unterstützen erhöhte Ebenen das Aufbaumverhalten. Dieses Verhalten wird hauptsächlich in der Nacht durchgeführt (teilweise auch am Tage), so dass wir durch unsere kleine Studie ableiten können, dass erhöhte Ebenen aus Kunststoffgitterroste bestehen sollten, da sie bei Nutzung die Thermoregulation vor allem ab der 3. Lebenswoche unterstützen können. Um die Nutzung von erhöhten Strukturen zu erhöhen, sind noch weitere Aspekte von Bedeutung: Die Höhe der erhöhten Ebenen kann unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welche Möglichkeiten der Stall sowie auch das technische Equipment bietet. Zu empfehlen sind mind. 30 cm, aber besser wären 50 cm, da zum einen die Tiere bei dieser Höhe ohne Probleme auch den darunterliegenden Bereich nutzen können und zum anderen die Tierkontrolle bei den täglichen Stallkontrollen besser möglich ist als bei geringeren Höhen. Abhängig von der Höhe der Ebenen ist eine Rampe vor allem bei den schnell wachsenden Masthühnern anzubieten, damit die Tiere die Ebene nutzen können. Die Rampe sollte eine rutschfeste Oberfläche sowie Stabilität bieten und einen Winkel von max. 30° aufweisen. Besser wären noch flachere Anstiege, um den Auf- und Abgang noch einfacher zu machen. Die Rampen sollten so breit sein, dass zwei Tiere problemlos aneinander vorbeigehen können. Sonst kann ein einzelnes auf der Rampe sitzendes Tier den Zugang komplett blockieren. Die Positionen der erhöhten Ebenen sind abhängig von den Stallgegebenheiten. So können zwei Bahnen oder auch nur eine Bahn mittig oder jeweils auch an der Stallwand installiert werden. Allerdings sollte bei wandständigen erhöhten Ebenen auf eine ausreichende Lüftung auch unterhalb der Ebenen geachtet werden.

Frau Dr. Malchow: herzlichen Dank für das Gespräch!

Dr. Julia Malchow forschte nach ihrer Promotion sieben Jahre lang zu Geflügel und Tierschutz am Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts. Seit Anfang 2026 ist sie Referentin für Politik bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.

Dieser Beitrag wurde Ende April vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.

Schweizweite Bekämpfung der Moderhinke: deutliche Fortschritte im zweiten Programmjahr

Im Rahmen der schweizweiten Bekämpfung der Moderhinke wurden vom 1. Oktober 2025 bis zum 31. März 2026 12’224 Schafbetriebe in der ganzen Schweiz kontrolliert. Die Auswertungen zeigen, dass der Anteil der von Moderhinke betroffenen Betriebe weiter sinkt und in der zweiten Untersuchungsperiode bei 9 Prozent liegt. In der ersten Untersuchungsperiode waren noch 22 Prozent betroffen. Das BLV führt das Programm gemeinsam mit den kantonalen Veterinärdiensten fort, mit dem Ziel, den Anteil positiver Betriebe innert fünf Jahren auf unter ein Prozent zu senken und die Schafhaltenden bei der Bekämpfung der Krankheit zu unterstützen.

Seit Oktober 2024 wird die Moderhinke, eine schmerzhafte und ansteckende Klauenkrankheit bei Schafen, schweizweit koordiniert bekämpft. Nach Abschluss der ersten Untersuchungsperiode Ende März 2025 standen die Sanierung der betroffenen Betriebe sowie der Schutz aller Herden vor Infektionen im Fokus. Die zweite Untersuchungsperiode begann im Herbst 2025.

Für eine nachhaltige Senkung der Anzahl von Moderhinke betroffener Betriebe ist die konsequente Umsetzung verschiedener Maßnahmen entscheidend. Diese beruhen auf drei Säulen: fachgerechter Klauenschnitt und sorgfältige Klauenbäder in betroffenen Schafhaltungen sowie konsequente Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen in allen Herden.

Deutliche Fortschritte bei der Bekämpfung der Moderhinke
Mit Abschluss der zweiten Untersuchungsperiode lassen sich wesentliche Fortschritte bei der Bekämpfung der Moderhinke erkennen. Der Anteil der von Moderhinke betroffenen Betriebe liegt 9 Prozent und ist damit im Vergleich zur ersten Untersuchungsperiode mit 22 Prozent deutlich zurückgegangen; die ursprünglich kommunizierte Anfangsrate von 21 Prozent wurde aufgrund einer methodischen Präzisierung nachträglich angepasst.

«Die Ergebnisse zeigen, dass der eingeschlagene Weg stimmt. Entscheidend ist nun, die Maßnahmen weiterhin konsequent umzusetzen und die Zusammenarbeit auf allen Ebenen fortzuführen», sagt Laurent Monnerat, Direktor des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen.

Moderhinke geht weiter zurück – Engagement bleibt zentral
Die zweite Untersuchungsperiode zeigt deutlich: Die schweizweite Bekämpfung der Moderhinke trägt Früchte. Der erzielte Fortschritt ist in erster Linie dem großen Engagement der Tierhaltenden sowie der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten zu verdanken. Dazu zählen die kantonalen Veterinärdienste, die Tierärztinnen und Tierärzte, die Labore sowie der Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer (BGK) und die Moderhinkeberaterinnen und -berater, die das Programm fachlich und operativ umsetzen. Die positive Entwicklung bestätigt die gewählte Strategie sowie die Wirksamkeit der Maßnahmen und zeigt, dass der eingeschlagene Weg konsequent weiterverfolgt werden sollte.

Die dritte Untersuchungsperiode dauert vom 1. Oktober 2026 bis zum 31. März 2027. Jeder zusätzlich sanierte Betrieb bringt die Schweiz einem dauerhaft gesunden Schafbestand einen Schritt näher und stärkt das Tierwohl der Schafe im ganzen Land.

Quelle: Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen

innoMOO übernimmt Betreuung der BAYERNWATCH-Kunden der Bayern-Genetik GmbH

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Das Unternehmen innoMOO baut seine Aktivitäten im Bereich digitales Herdenmanagement weiter aus und übernimmt ab sofort die Betreuung der BAYERNWATCH-Kunden der Bayern-Genetik GmbH. Mit diesem Schritt stärkt innoMOO seine Position als innovativer Partner für moderne Milchviehbetriebe in Deutschland.

Als junges und engagiertes Unternehmen hat sich innoMOO darauf spezialisiert, landwirtschaftliche Betriebe mit praxisnahen Lösungen, moderner Sensortechnik und intelligenten Softwareanwendungen zu unterstützen. Ziel ist es, die Effizienz im Stall zu steigern und gleichzeitig die Tiergesundheit nachhaltig zu verbessern.

Im Zuge der Übernahme profitieren die bisherigen BAYERNWATCH-Kunden von einer umfassenden Weiterbetreuung sowie einer gezielten Weiterentwicklung bestehender Systeme. innoMOO setzt dabei auf die Kombination bewährter Technik mit neuen, KI-gestützten Anwendungen. Diese kommen unter anderem in den Bereichen Fütterungsmanagement, Klauengesundheit, Abkalbemonitoring und Hitzestressmanagement zum Einsatz.

Ein besonderer Fokus liegt auf der praxisorientierten Umsetzung: Lösungen werden kontinuierlich auf Basis von Rückmeldungen aus landwirtschaftlichen Betrieben weiterentwickelt. Ergänzend bietet innoMOO seinen Kunden ein breites Unterstützungsangebot: von persönlicher Beratung über Schulungen bis hin zu regionalen Veranstaltungen und Online-Workshops.

„Die Übernahme der BAYERNWATCH-Kunden ist für uns ein wichtiger Schritt, um Betriebe sowohl technisch als auch fachlich noch gezielter begleiten zu können“, sagt Lothar Weber von innoMOO.

Mit dem Ausbau seines Kundenstamms positioniert sich innoMOO weiter als Partner für datenbasiertes und zukunftsorientiertes Herdenmanagement in der Milchviehhaltung.

Kontakt:
innoMOO GmbH – Lothar Weber
Telefon / WhatsApp: 0176 43502811
E-Mail: Lothar.Weber@innoMOO.de
https://www.innomoo.de/

Neues kostenloses E-Book: Sicher impfen – worauf kommt es wirklich an?

Mit „Impfen mit Sicherheit“ stellt Boehringer Ingelheim ein neues, kostenloses E-Book für Landwirte und Tierhalter vor. Es liefert praxisnahe Tipps, wie Impfungen im Schweinebestand sicher, wirksam und tiergerecht umgesetzt werden können.

Im Mittelpunkt steht die Frage: Worauf kommt es bei der Impfung wirklich an? Entscheidend ist vor allem der Gesundheitszustand der Tiere, denn nur gesunde Tiere können einen zuverlässigen Impfschutz aufbauen. Ebenso wichtig ist der richtige Zeitpunkt: Werden Ferkel zu früh geimpft, können maternale Antikörper die Wirkung abschwächen. Ein optimal abgestimmter Impfzeitpunkt ist daher entscheidend für den Erfolg.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Verträglichkeit der Impfstoffe. Moderne, mineralölfreie Adjuvantien oder orale Impfstoffe können Belastungen deutlich reduzieren und sorgen für eine bessere Futteraufnahme sowie stabilere Tiergesundheit. Das zahlt sich direkt im Stall und bei den Leistungen aus.

Das E-Book zeigt außerdem, warum Impfstoffe eine zentrale Rolle in der Prophylaxe spielen, während Antibiotika erst im Krankheitsfall wirken.

Wer seine Impfstrategie optimieren und Tierwohl sowie Betriebserfolg nachhaltig verbessern möchte, findet in diesem Leitfaden wertvolle, sofort umsetzbare Empfehlungen.

Das E-Book steht kostenfrei auf der Website Tiergesundheit im Stall | Typisch-Reihen von Boehringer Ingelheim von Boehringer Ingelheim zum Download bereit:

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne:
Frederike Bösch
Produktmanager Nutztier – Fachbereich Schwein
Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH
Tel: +49 (6132) 77-174020
E-Mail: frederike.boesch@boehringer-ingelheim.com

Mehr Mastitis-Kontrolle durch Impfung: Neuer Impfstoff stärkt die Abwehrkraft der Kühe gegen E. coli und Staph. aureus

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Boehringer Ingelheim hat die Zulassung für einen neuen inaktivierten Impfstoff erhalten zur Immunisierung von Kühen und Färsen mit E. Coli (J5) und Staph. aureus.

Mastitis gehört weiterhin zu den größten Herausforderungen im Milchviehbetrieb. Hohe Milchleistungsverluste durch subklinische und klinische Mastitis, erhöhter Arbeitsaufwand, verringertes Tierwohl und der Verlust von Tieren mindern den Betriebserfolg.

Die Impfung ergänzt nun das Mastitis-Management und reduziert die Häufigkeit und Schwere von Mastitiden, die durch E. coli und Staph. aureus verursacht werden. Die Impfung führt zu einem signifikanten Anstieg der spezifischen Antikörperspiegel. Unter Feldbedingungen konnte bei geimpften Kühen eine Reduktion der somatischen Zellzahl (SCC) nachgewiesen werden

Der Impfstoff stärkt die Abwehr der Kühe über 6 Monate, gezielt in der Hochrisikophase der Laktation mit einem einfachen Impfregime: Zwei intramuskuläre Injektionen à 2 ml in der Trockenstehzeit. Der ölfreie, wässrige Impfstoff lässt sich leicht applizieren.

Weniger Mastitisfälle bedeuten stabilere Leistungen, weniger Antibiotika, verbesserte Eutergesundheit und mehr Tierwohl.

Impfen eröffnet neue Perspektiven in der Mastitisprävention – effektiv, praxisnah und zukunftsorientiert.

Wollen Sie mehr erfahren? Melden Sie sich gleich heute an zum kostenlosen Online-Seminar am 16. Juni 2026: https://typischrind.de/

Quelle: Boehringer Ingelheim

Kabinett beschließt verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) treibt die Einführung einer verpflichtenden Videoüberwachung in Schlachthöfen voran. Der dafür nötige Entwurf zur Novellierung des Tierschutzgesetzes wurde heute vom Bundeskabinett verabschiedet. Ziel ist es, den Tierschutz weiter wirksam zu stärken und bestehende Kontrolllücken zu schließen. Die verpflichtende Videoüberwachung soll künftig dazu beitragen, tierschutzrelevante Vorgänge in Schlachtbetrieben transparenter zu machen und Verstöße konsequent abzustellen. Mit dem vorgelegten Vorschlag wird ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt.

Bundesminister Alois Rainer erklärt dazu: „In Zukunft wird die Schlachtung in allen großen Betrieben per Video aufgezeichnet. Das sind mehr als 90 Prozent aller Schlachtungen in Deutschland. Damit schließen wir einen blinden Fleck. Die Kameras sind wie ein Tierschutz-Assistent. Wer Tiere auf den letzten Metern ihres Lebens schlecht behandelt, muss dafür geradestehen. Ausnahmen gibt es für kleinere Betriebe, um sie nicht unverhältnismäßig zu belasten. Aber auch hier können die Veterinärbehörden der Länder im Verdachtsfall vor Ort eine Videoüberwachung anordnen.“

Der Gesetzesentwurf sieht vor, kleinere Schlachtstätten von der Verpflichtung auszunehmen. Konkret gilt die Regelung für Betriebe ab einer Größenordnung von jährlich 1.000 „Großvieheinheiten“ (entspricht 1.000 Rindern oder 5.000 Mastschweinen) oder 150.000 Stück Geflügel oder Kaninchen. Diese Differenzierung trägt dem Umstand Rechnung, dass sich Videoüberwachung in größeren Betrieben in der Regel effizienter umsetzen lässt und der Aufwand im Verhältnis zur Betriebsgröße sinkt. Gleichzeitig werden damit bereits die allermeisten Schlachttiere in Deutschland erfasst.

Darüber hinaus erhalten die Länder die Möglichkeit, die Videoüberwachung auch für kleinere Betriebe anzuordnen, sofern dort tatsächliche Anhaltspunkte für Verstöße gegen Tierschutzvorschriften bestehen. Damit wird sichergestellt, dass per Videoüberwachung gezielt dort kontrolliert wird, wo es erforderlich ist.

Quelle: BMLEH

„Der Hoftierarzt“ Newsletter April/Mai 2026 ist erschienen

Die zweite Ausgabe 2026 des Hoftierarzt-Newsletters ist erschienen.
Folgende Themen sind für Abonnenten aufbereitet:

Rinder
Mastitis und Eutergesundheit – gezielte Therapie und konsequentes Management
Im Rahmen der Fachtagung in Augsburg standen auch Mastitistherapie und Eutergesundheit im Fokus. Dr. Heinrich-Jürgen Zumbusch (Vétoquinol) und Stephanie Meyer (SaluVet GmbH) zeigten, dass sowohl die Behandlung als auch die Vorbeugung heute ein differenziertes und konsequentes Vorgehen erfordern.

Fruchtbarkeit – Management entscheidet über den Erfolg
Auf einer Fachtagung in Augsburg, organisiert von der Tierklinik Gessertshausen, kamen rund 100 Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. In seinem Vortrag zur Fruchtbarkeit machte Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit) deutlich, dass erfolgreiche Milchviehhaltung heute vor allem ein konsequentes, gut abgestimmtes Management im Alltag erfordert.

Biosicherheit – Pflicht und Chance für Milchviehbetriebe
Auf der Fachtagung in Augsburg wurde auch das Thema Biosicherheit intensiv beleuchtet. Dr. Sebastian Jander machte deutlich, dass vorbeugende Maßnahmen angesichts neuer und bekannter Tierkrankheiten immer wichtiger werden

Schweine
Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen
Die Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden, erklärten Anne-Claire Berentsen/Dr. Sandra Ripke anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums 2026. Hier eine Zusammenfassung ihrer Ausführungen.

Praxistaugliche Tierwohlindikatoren: Wie sieht die Zukunft aus?
Dr. Sandra Düpjan (FBN) stellte in ihrem Vortrag anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums KI-Ansätze zur Bewertung des Tierwohls im Schweinestall vor

Geflügel
Optimale Gestaltung erhöhter Ebenen im Broilerstall – Interview mit Dr. Julia Malchow
Dr. Julia Malchow forschte nach ihrer Promotion sieben Jahre lang zu Geflügel und Tierschutz am Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts. Seit Anfang 2026 ist sie Referentin für Politik bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.

Schafe
Klima-Anpassung bei europäischen Merino-Schafen mittels Landschaftsgenomik
In einer aktuellen Studie wurden Gene untersucht, die mit Umweltvariablen zusammenhängen. Ziel war herauszufinden welche genetischen Varianten für klimaresiliente Züchtungsansätze in unterschiedlichen Klimazonen geeignet sind

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Legehennen können ihren Kalziumbedarf mithilfe von Picksteinen selbst decken.

Legehennen benötigen aufgrund des hohen Bedarfs für die Eiproduktion mehr Kalzium als andere Wirbeltiere und passen ihre Kalziumaufnahme ihrem Bedarf an, wenn ihnen eine zusätzliche Kalziumquelle wie ein Pickstein angeboten wird. Picksteine können auch für Hennen, die sich von Knochenbrüchen erholen, eine Kalziumquelle darstellen. Der Einfluss von Knochenbrüchen auf das Kalziumsuchverhalten mithilfe von Picksteinen wurde jedoch noch nicht untersucht.

Diese Studie wurde an der Universität Guelph in Kanada mit 240 Legehennen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen der Präferenz für Picksteine, dem Status von Brustbeinbrüchen und der Eischalenqualität zu untersuchen. Die Hennen wurden in Gruppen von 20 Tieren in ausgestatteten Käfigen gehalten. Aus jeder Gruppe wurde eine Untergruppe zufällig als Beobachtungstiere für Verhaltensbeobachtungen ausgewählt. Drei handelsübliche Picksteine mit unterschiedlichem Kalzium- und Getreidegehalt wurden den Hennen über mehrere Wochen für paarweise Präferenztests angeboten. Die Hennen wurden anhand der Gesamtzahl ihrer Pickvorgänge an den Blöcken während des Versuchs in „Nutzer“ und „Nicht-Nutzer“ eingeteilt. Gewicht, Schalendicke und Bruchkraft der Schale wurden analysiert. Die Hennen wurden geröntgt und der Schweregrad von Brustbeinfrakturen beurteilt.

Die Hennen zeigten individuelle Präferenzen für verschiedene Arten von Pickblöcken. Diese Präferenzen blieben über die Zeit relativ konstant, korrelierten jedoch nicht mit der Schalenqualität oder dem Vorhandensein von Brustbeinfrakturen. Die Eierschalen der „Nutzer“ waren stabiler und die Schalendicke blieb über die Zeit erhalten, während sie bei den „Nicht-Nutzern“ abnahm. Hennen, die während des Versuchs neue Frakturen erlitten, pickten häufiger an den Blöcken als solche ohne neue Frakturen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Hennen die Pickblöcke nutzen, um ihren individuellen Kalziumbedarf für die Eierschalenbildung und möglicherweise auch für die Knochenreparatur zu decken. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, den Hennen Möglichkeiten zur Deckung ihres zusätzlichen Kalziumbedarfs zu bieten.

Original-Studie
Ehigbor TF, Edwards AM, Rentsch AK, Kiarie EG, Harlander A, Widowski TM (2025) Pecking block use at individual level is associated with improved eggshell quality and keel fractures in laying hens. Poultry Sci 104(11):105716

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0032579125009575

Dieser Beitrag wurde Ende Februar vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.

Was tun nach dem BVG-Urteil zur Putenhaltung

Nachdem kürzlich bereits die EFSA starke Kritik an der Putenhaltung in Europa geübt hatte (ausführlicher Bericht hier), hat am 23. April das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Haltungsbedingungen in einem deutschen Putenmastbetrieb mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar sind. Da der betroffene Halter sich an die „freiwilligen Eckwerte“ (Download-Link) gehalten hat, dürfte dieses Urteil Auswirkungen auf zahlreiche deutsche Putenhaltungen haben.

Weil aber das Gericht keinerlei Hinweise gab, wie ein gesetzeskonformer Stall denn aussehen sollte (und bis zu einer gesetzlichen Regelung sicher noch geraume Zeit ins Land gehen dürfte), sind nun die regionalen Amtsveterinäre gefragt. Diese wiederum werden sich bei der Beurteilung einer Putenhaltung an den aktuellen Forschungsergebnissen orientieren. Zentrale Punkte sind hier:

Besatzdichte
Begründet auf der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ergibt sich eine maximale Endmast-Besatzdichte für Puten von 36-40 kg Lebendgewicht pro m2 nutzbarer Stallfläche.

Stallstruktur
Um einigen Verhaltensbedürfnissen der Puten entgegenzukommen, ist eine Strukturierung des Stalles erforderlich:
• Aufbaummöglichkeiten / erhöhte Ebenen
• Strukturierungselemente, die von den Tieren auch bepickt werden können (z.B. Strohballen, Pickblöcke)
• Außenklimabereich im Ausmaß von mind. 20% der nutzbaren Stallbodenfläche

Einstreu
Die Einstreu muss es den Tieren über die gesamte Haltungsperiode ermöglichen, zu scharren und zu picken. Sie muss jederzeit deutlich locker, trocken (< 30% Feuchtigkeit) und ausreichend sauber (Einstreuanteile > Kotanteile) sein.

Licht
Das Licht im Putenstall muss folgenden Anforderungen genügen:
• ausreichend gleichmäßiges Licht, damit die Tiere ein normales Aktivitätsniveau zeigen können
• acht Stunden Dunkelphase (Notbeleuchtung mit 0,5 Lux möglich)
• UV-A im Spektrum enthalten
• flimmerfreie Beleuchtung (Leuchtmittelfrequenz höher als die Flimmerfusionsfrequenz der Puten)

Raumklima
Ein gutes Stallklima ist wichtig für das Tierwohl. Lüftung, Staub, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Gaskonzentrationen sind auf Leveln zu halten, die den Tieren keinen Schaden zufügen:
• gute Luftzirkulation im gesamten Stall (Luftaustauschrate 4-7 m³/kg/Stunde), keine Zugluft
• Schadstoff-Höchstwerte: einatembarer Staub 3,4 mg/m³, lungengängiger Staub 1,7 mg/m³ liegen, NH3 10 ppm, CO2 3000 ppm und H2S 5 ppm
• Luftfeuchtigkeit im Stall sollte zwischen 50 und 70% liegen
• altersadäquate Temperatur

Pflege
• mehrmals tägliche Kontrolle der gehaltenen Tiere
• schwache, kranke oder verletzte Tiere unverzüglich in ein abgesondertes Krankenabteil bringen und behandeln
• Halter und Personal müssen nachweisbare Kenntnis und Fähigkeit im artgerechten Umgang mit den gehaltenen Tieren besitzen

Wenn kein Zugang zum Freiland besteht oder geschaffen werden kann, sind Beschäftigungsmöglichkeiten essenziell. Jedes Material muss dabei „veränderbar“ sein und dabei Hygiene und Futtermittelrecht unbedingt beachtet werden.

Die Grundlage bildet eine lockere und trockene Einstreu, die zum Picken, Scharren und Staubbaden animiert. Dazu kommen frei hängende Körbe mit Stroh von weniger als 8 cm Halmlänge, in Kombination mit Magensteinen, um Verstopfungen vorzubeugen (für 750-1.000 Tiere je ein Korb, pro Woche mehrmals nachfüllen). Auch Pickblöcke in Kopfhöhe wecken das Interesse der Tiere.

Treten Verhaltensstörungen auf, können freihängende, glänzende Metallgegenstände, Plastikflaschen mit Kabelbindern oder rot-weißeAbsperrketten Abhilfe schaffen. Allerdings sind solche Objekte meist nur kurzfristig attraktiv und sollten nach der „Problemphase“ auch wieder entfernt werden.

Strohballen zum Aufbaumen und Ruhen sollten in ausreichender Zahl vorhanden sein – aber Vorsicht vor Schimmelbildung!

Widder besitzen einzigartige Lautäußerungen, die emotionale Informationen vermitteln.

Lautäußerungen transportieren Informationen, die es sozialen Tieren ermöglichen, Artgenossen zu erkennen, den sozialen Zusammenhalt zu wahren und ihren emotionalen Zustand mitzuteilen – allesamt lebensnotwendig. Schafe sind gesellige Tiere, die in verschiedenen Situationen charakteristische Lautäußerungen zeigen, wie beispielsweise hohe Blöklaute bei Stress. Besonders in der frühen postnatalen Phase weisen sie auch individuelle Lautäußerungen auf, um die Bindung zwischen Mutterschaf und Lamm zu fördern. Obwohl die Lautäußerungen von Widdern bei Mutterschafen und Lämmern gut erforscht sind, ist über ihre Individualität und ihren individuellen Charakter bisher wenig bekannt.

Eine Studie auf einem kommerziellen Assaf-Schafzuchtbetrieb in Griechenland zeichnete die Lautäußerungen von 15 Widdern in fünf verschiedenen Situationen auf: 1) morgens isoliert, 2) isoliert und die Glocken der Mutterschafe hörend, 3) abends isoliert, 4) isoliert und in Erwartung von Futter, 5) isoliert und ohne Futter. Jeder Widder wurde drei Minuten lang isoliert, und die Lautäußerungen wurden aufgezeichnet. Die Kontexte 1, 3 und 5 wurden als negativ, die Kontexte 2 und 4 hingegen als positiv für die Widder erwartet. Neunzehn akustische Parameter wurden analysiert, um festzustellen, ob sie Informationen über die individuellen Lautäußerungen der Widder enthielten und ob sie sich den verschiedenen emotionalen Kontexten zuordnen ließen.

Die Ergebnisse zeigten, dass Widder tatsächlich individuell unterschiedliche Lautäußerungen aufweisen, die innerhalb jedes Kontextes mit einer Genauigkeit von 59–80 % erkannt werden können. Rufe in negativen Kontexten (z. B. Futterentzug, abendliche Isolation) zeigten eine größere Formantstreuung (oder Resonanz) und Amplitudenvariation als Rufe in positiven Kontexten (z. B. Vorfreude auf Futter), die höhere Formantfrequenzen aufwiesen. Interessanterweise enthielten diese höheren Frequenzen auch Informationen über die Identität des Widders. Dies deutet darauf hin, dass Widder in negativen emotionalen Zuständen tiefere, instabilere Rufe produzieren und in Vorfreude auf Futter sowie zur Kommunikation ihrer individuellen Identität höhere Rufe. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Widder durch ihre Lautäußerungen emotionale Informationen kommunizieren und zeigen somit weiteres Potenzial für diese nicht-invasive Methode zur Überwachung des Wohlbefindens von Schafen auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Original-Studie
Frantzola A, Ntairis A, Laliotis GP (2025) Vocal signatures in rams: Exploring individual distinctiveness across different contexts. Ruminants 5(4):53

https://www.mdpi.com/2673-933X/5/4/53

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