Besucherrekord: bpt-Kongress 2020 DIGITAL setzt neue Maßstäbe

0

Der Kongress 2020 des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt), der in diesem Jahr vom 19. bis 25. November erstmals virtuell stattfand, war ein voller Erfolg. „Mit insgesamt 3.070 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war unser Digitalkongress nicht nur eine gelungene Premiere in der virtuellen Welt, sondern auch der erfolgreichste Kongress in der 100-jährigen bpt-Geschichte mit durchweg positiver Resonanz“, erklärt bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder zum Abschluss der Veranstaltung. Er dankte den Referenten, den Ausstellern der Fach- und Jobmesse, dem Programmkommitee, dem bpt-Team und allen für das Kongressstudio in Frankfurt Verantwortlichen sowie den Sponsoren und Medienpartnern. „Ohne die vielen Mitstreiter hätte es diesen Kongress nicht gegeben. Sie alle haben sich die größte Mühe gegeben, um eine spannende Live-Kongresswoche mit berufspolitischen Themen und insgesamt über 80 Stunden ATF-anerkannter Fortbildung professionell präsentieren zu können“, so Moder.

Neben dem klassischen Fortbildungs- und Informationsangebot für Praktiker standen in diesem Jahr mehr denn je die aktuellen berufspolitischen Herausforderungen im Mittelpunkt des umfangreichen Angebots. Coronakrise und Fachkräftemangel in der Tierarztpraxis, das aktuelle Tierseuchengeschehen und vor allem der Live Career Day mit einer Fülle von Vorträgen und Diskussionsrunden rund um den tierärztlichen Arbeitsmarkt und den Einstieg ins Berufsleben bestimmten die berufspolitischen Veranstaltungen.

Ein besonderes Lob der Kongressteilnehmer galt der Möglichkeit, durch die Aufzeichnung aller Live-Webinare Parallelveranstaltungen später besuchen zu können. Ein Aspekt, der in der bpt-Frühjahrsumfrage besonders gewünscht worden war und jetzt, den Rückmeldungen und Zugriffszahlen zufolge, reichlich genutzt wurde. „Die Kolleginnen und Kollegen konnten so endlich einmal rechts und links schauen und in die Nachbargebiete reinzappen. Schweinepraktiker haben die Rindervorträge besucht und umgekehrt. Nischenthemen, wie Bienen, Kleine Wiederkäuern oder Vögel, wurden von mehreren hundert Kongressteilnehmern abgerufen. Das weitet den Blick, hat ein Teilnehmer dankend angemerkt“, freut sich Siegfried Moder über die positive Resonanz. Und auch die Praxisführungs-Sessions profitierten davon. Im Gegensatz zu den Präsenzkongressen, bei denen es unumgänglich ist, sich zwischen Praxisführung und dem parallelen Tierartenprogramm entscheiden zu müssen, besuchten diesmal doppelt so viele Teilnehmer die Veranstaltungen. Ein großes Plus des digitalen Formats war überdies die unkomplizierte Einbeziehung von Experten aus dem Ausland, wie z. B. die aus den USA zugeschaltete Amy Johnson.

Last but not least: Trotz der rein virtuellen Welt musste niemand einsam vor dem PC sitzen. Die Kaffeebar auf der Kongressplattform bot eine gute Gelegenheit, sich ganz entspannt im Videochat zu treffen, und wurde sowohl nach den Live-Sessions für weitere Gespräche zwischen Teilnehmern und Referenten wie auch einfach zum gemeinsamen Kaffeetrinken und Unterhalten ausgiebig genutzt.

„Ich freue mich natürlich riesig über den Erfolg. Erfolgreich sein ist aber auch nicht immer einfach, denn jetzt stehen wir vor der Überlegung, wie es künftig weitergehen soll: Kongresse – wie gehabt – als Präsenzveranstaltung, im rein digitalen Format oder Hybride. Unsere nächste große Veranstaltung, die bpt-Intensiv-Fortbildung Kleintier 2021 zum Spezialthema „Die Wunde, haben wir in Hinblick auf die Pandemie ja schon vom Februar auf den 29. April bis 2. Mai verschoben. Über das endgültige Format muss aber noch endschieden werden – möglicherweise wird es dieses Mal ein bpt intensiv Kleintier DIGITAL geben“, so der bpt-Präsident Moder augenzwinkernd bei der Kongressabschlussveranstaltung.

Wegen des nachhaltig großen Interesses am diesjährigen bpt-Kongress DIGITAL wurde die Anmeldemöglichkeit bis zum 2. Dezember verlängert, sodass auch denjenigen, die den Live-Kongress verpasst haben, damit noch ermöglicht wird, alle Kongressinhalte bis zum 9. Dezember abzurufen und dafür ATF-Stunden zu erwerben.

Quelle: bpt

Interview Geflügelpest: Viruseintrag in Nutzgeflügelbestände verhindern

0

Leider ist es wieder soweit: Das Geflügelpest-Virus ist erneut in Deutschland angekommen. Seit dem Winter 2016/2017 gab es keine nennenswerten Ausbrüche. Doch in diesem Herbst bringen infizierte Zugvögel das hochansteckende Geflügelpest-Virus mit dem Vogelzug aus dem hohen Norden in unsere Breitengrade. In Norddeutschland herrscht bereits in vielen Gebieten eine Stallpflicht. Doch wie gefährlich ist die aktuelle Lage und welche Kriterien führen zur Stallpflicht? Amtstierärztin Dr. Christiane Mamarvar aus dem Landkreis Nienburg/Weser erklärt die Hintergründe.

Frau Dr. Mamarvar, wie Ernst ist die Lage?
Sehr ernst. Im Moment sind wir hier im Norden die ersten, die den Herbst-Vogelzug verzeichnen, deshalb beginnen die Geflügelpest-Probleme zumeist im Norden entlang dieser Vogelfluglinie. Je kälter es wird und je mehr Zugvögel aus Sibirien gen Süden fliegen, wandert das Seuchengeschehen, welches sich durch eine hohe Todesrate auch bei den Wildvögeln auszeichnet, dann auch in den Süden Deutschlands. Die Zugvögel, wie z. B. Gänse, Enten und Schwäne tragen das Virus in sich und auf den Rastplätzen kommt es dann zu einer Vermischung und Übertragung auf die heimische Wildtierpopulation. Hierbei sind hauptsächlich Wasservögel wie Wildenten und Wildgänse, aber auch Aasfresser und Greifvögel betroffen. Das Virus hat eine hohe Pathogenität, sodass Wassergeflügel nicht nur als Reservoir für die Virusvermehrung dient, sondern auch erkrankt und verendet. Stärker gefährdet sind aber vor allem Hühner und Puten, aber auch Fasane, Wachteln, Perlhühner und Wildvögel.

Wie läuft die Risikobewertung ab, ist das immer gleich oder handelt jeder Landkreis auf eigene Faust?
In der Geflügelpest-Verordnung ist der Ablauf der Risikobeurteilung für alle Landkreise Deutschlands einheitlich geregelt. Für den Kreis Nienburg kann ich das Vorgehen kurz skizzieren: Das Veterinäramt kann sich beim Friedrich-Löffler-Institut, kurz FLI, über einen Radarbulletin, über die gängigen Tierseuchen wie die Afrikanische Schweinepest, Blauzunge, Maul- und Klauenseuche, der kleine Beutenkäfer, aber auch die Geflügelpest, in einer Kurzübersicht informieren. Für alle diese Seuchen erhalte ich darin vom FLI eine Risikoabschätzung nach Ampelsystem für Deutschland. Weiterhin gibt es das Tierseuchennachrichtensystem, kurz TSN, worüber melde- und anzeigepflichtige Tierseuchen mitgeteilt werden. Hier kann ich nicht nur für meinen Landkreis nachsehen, sondern auch für die anderen Bundesländer. Speziell zur Geflügelpest hatte das FLI zum 5.11. eine ganz ausführliche Risikobeurteilung abgegeben, was den Eintrag nach Deutschland und in die Nutzgeflügelbestände betrifft. Darin heißt es, dass das Risiko aufgrund des Vogelzuges hoch ist. Generell kann man sagen, dass wir immer in Alarmbereitschaft sind wenn im Herbst der Vogelzug startet.

Daraufhin hat das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz alle Landkreise aufgefordert, eine Risikobeurteilung für ihren Bereich zu erstellen. Dafür habe ich die örtlichen Gegenebenheiten beurteilt, die Nähe von Geflügelbeständen zu bestimmten Gebieten wie Wasserstellen, Feuchtbiotopen, Küstengewässer, avifaunistisch wertvolle Gebieten sowie Rastplätzen für Zugvögel. Neben der Geflügeldichte des Kreises ist dabei u.a. zu berücksichtigen, ob es bereits einen Geflügelpest-Ausbruch im Kreis oder im Nachbarlandkreis gab oder tote infizierte Wildvögel gefunden wurden. Diese Erkenntnisse fließen in die Risikobewertung ein. TSN besteht aus Karten, auf denen entsprechende Betriebe mit Geflügel, aber auch Schwein und Rind eingeblendet werden können. Das LAVES hat uns verschiedene Layer zur Verfügung gestellt, die virtuell wie Folien über unseren Landkreis gelegt werden und Feuchtgebiete anzeigt oder avifaunistisch wertvolle Bereiche sowie Schläge wie Dauergrünland, Raps, Wintergetreide und Mais. Wildvögel sind bei der Futtersuche auf diesen Flächen vermehrt anzutreffen.

Außerdem habe ich Erkenntnisse der internationalen Wasservogelzählung des NABU einbezogen: wie stark ist der Vogelzug, wo und welche Arten von Wasservögeln wurden kartiert. Befanden sich bereits Wasservögel aus Sibirien unter den beobachteten Arten. Dadurch kann ich risikoorientiert Stallpflichten anordnen für die Betriebe oder Gemeinden in der Nähe solcher Stellen.

Wann wird ein kritischer Punkt erreicht und die Stallpflicht angeordnet?
Finden wir den ersten toten Wildvogel, der eine hochpathogene Variante des Virus in sich trägt, sind wir in höchster Alarmbereitschaft. Dass würde dann in die Risikobeurteilung einfließen und eine Aufstallungspflicht für den gesamten Landkreis kann die Folge sein. Das teilen wir per Allgemeinverfügung mit. Die Begründung dafür ist, dass wir die Einschleppung des Virus durch Wildvögel in Nutztierbestände vermeiden wollen. Wenn wir zu lange warten, kann das Virus weiter in der Wildtierpopulation verschleppt werden und das Risiko speziell für die Nutztierbestände in Freilandhaltung steigt.

Warum sind auch Hobbyhaltungen aufzustallen?
Wenn Hobbyhaltungen in Gebieten liegen, wo Zugvögel rasten, haben diese das gleiche Risiko wie gewerbliche Betriebe. Da wird gar nicht unterschieden. Ich will ja das Nutzgeflügel schützen. Es ist meine Verantwortung als Tierhalter, dass ich dafür Sorge trage, keine Seuchen in meinen Betrieb einzuschleppen oder aus meinem Betrieb zu verschleppen. Da macht das Gesetz keinen Unterschied. Ein weiterer wichtiger Punkt: Auch bei Hobbyhaltungen müssen bei einem Ausbruch Restriktionszonen gebildet werden und das kann natürlich für gewerbliche Betriebe in der Nachbarschaft ein Problem werden, und sogar für den Landkreis oder ganz Deutschland, was die Vermarktung betrifft. Das führt zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Im Seuchenfall steht daher das Allgemeinwohl über dem des Einzelnen. Wir versuchen den Zeitraum der Aufstallung so kurz wie möglich zu halten, die Länge der Maßnahmen hängt vom Seuchenverlauf und der regelmäßig erneuerten Risikobeurteilung ab.

Worin liegt der eigentliche Schaden der Geflügelpest?
Bei der Geflügelpest handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, die mit staatlichen Maßnahmen zu bekämpfen ist. Abgesehen von der Erkrankung des einzelnen Tieres geht es hier um den Schutz der gesamten Population. Man will verhindern, dass durch die Erkrankung eines Bestandes andere Bestände ebenfalls betroffen sind und aus Seuchenschutzgründen gekeult, also getötet werden müssen. Das ist eine sehr unschöne Maßnahme, aber leider zur Eindämmung der Seuche nötig. Man darf die Tiere bei Geflügelpest weder behandeln noch impfen, das ist EU-weit verboten. Für die getöteten Tiere gibt es eine Entschädigung, handelt man jedoch fahrlässig, gibt es Abzüge seitens der Tierseuchenkasse.

Wie läuft die Virusübertragung ab?
Über Sekrete und Exkremente als direkte Übertragung von Tier zu Tier und durch kontaminiertes Futter oder Wasser. Wenn der Erreger in die Einstreu gelangt, diese dann in den Stall gebracht wird zum Einstreuen, können sich die Tiere daran infizieren. Man kann es mit den Schuhen in den Bestand tragen, mit Gerätschaften oder auch mit dem Einstreufahrzeug. Speziell letzteres war das Hauptproblem im Seuchenwinter 2016/2017, als überbetrieblich genutzte Einstreufahrzeuge von Putenstall zu Putenstall gefahren sind, ihre Räder aber vorher nicht gereinigt hatten und so das Virus verschleppten. Schadnager sind Überträger und auch Katze und Hund können das Virus weitertragen.

Was können Halter gegen Stress bei den Tieren tun, die eigentlich Freiland gewohnt sind?
Es gibt die Möglichkeit, eine Voliere anzubauen oder einen Kaltscharrraum. Dieser Raum muss rundherum mit Maschendraht abgedichtet und von oben dicht gegen den Eintrag von Vogelkot geschützt sein. Der Maschendraht darf nur eine Weite von 25 mm haben, damit kein Vogel von außen in die Voliere gelangen kann. Wenn das nicht geht, dann schafft Beschäftigungsmaterial Abhilfe. Stroh- oder Luzerneballen oder Pickblöcke befriedigen den Picktrieb des Geflügels. Ein Sandbad im Stall wäre gut, damit die Tiere ihr natürliches Verhalten des Staubbadens auch im Stall ausführen können. Auch über die Fütterung lässt sich etwas machen oder über Veränderungen im Lichtregime. Eine weitere Maßnahme in dieser Zeit wäre eine Bestandsreduzierung.

Welche Biosicherheitsmaßnahmen sollten jetzt speziell beachtet werden?
Es gibt ein schönes Schaubild vom FLI, welches sehr gut deutlich macht, wie man seinen Bestand schützen kann. Empfehlenswert auch für Hobbyhalter ist ein Wechsel von Kleidung und Schuhen, wenn ich meinen Stall betrete und verlasse. Bei gewerblichen Betrieben ist das eigentlich Standard. Dort gibt es Hygieneschleusen mit einem schwarz-weiß-Bereich sowie ein Waschbecken, um sich Hände zu waschen und zu desinfizieren. Es sollte unbedingt jeder ein Besucherbuch führen, auch der Hobbyhalter, in das sich jeder einträgt, der im Stall war. Und man sollte den Besucherverkehr einschränken, idealerweise geht ab jetzt nur noch eine feste Person in den Stall. Bei manchen Betrieben gilt auch eine 48 oder 72 Stunden Karenzzeit, was bedeutet, dass ich in dieser Zeit nicht in einem anderen Geflügelbetrieb gewesen sein darf.

Was sind die Strafen, wenn gegen die Stallpflicht verstoßen wird?
Wer dagegen verstößt, muss mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen, das ist in der Geflügel-Pest-VO und im Tiergesundheitsgesetz festgelegt. Das Bußgeld kann bis zu 30.000 Euro betragen je nach Schwere des Sachverhalts. Bei Verstößen wird je nach Sachlage entschieden, ob eine Verwarnung angemessen ist. Wer sich dann aber immer noch der behördlichen Anordnung widersetzt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Entsteht aufgrund des eigenen Fehlverhaltens ein Schaden bei einem anderen Geflügelbetrieb, muss unter Umständen sogar auch dieser Schaden übernommen werden.

Frau Dr. Mamarvar, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Dr. Heike Engels.

Nützliche Links:
Infoseite des Friedrich-Löffler-Instituts inkl. Risikoabschätzung
Schaubild zum Schutz von Nutzgeflügel
Infoseite des LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit)

Ergebnisse der Prävalenzstudie PraeRi: Kälber (mit Kommentar)

0

Die drei Universitäten LMU München, TiHo Hannover und FU Berlin haben sich für eine Prävalenzstudie zu Milchkuhbetrieben in Deutschland zusammengeschlossen. Hierfür wurden 765 zufällig ausgeloste Milchkuhbetriebe untersucht und deren Besitzer befragt: in Niedersachsen/Schleswig-Holstein (n=253), Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen (n=252) und in Bayern (n=260). Untersucht wurden: Fütterung, Eutergesundheit, Lahmheit und weitere haltungsassoziierte Leiden und Schäden, Reproduktion, Stoffwechselgesundheit, Kälber und Jungtiere sowie Infektionskrankheiten und Biosicherheit.

In einem ersten Beitrag sollen hier die wichtigsten Ergebnisse für Kälber zusammengefasst werden: „Zum einen wurde retrospektiv die Kälberpopulation in den 12 Monaten vor Betriebsbesuch, und zum anderen wurden die Kälber am Besuchstag in Hinblick auf Erkrankungsprävalenzen und ihr Haltungsumfeld hin untersucht“, heißt es im jetzt vorgelegten Abschlussbericht.

Kälberverluste
Die Totgeburtenrate schien bei größeren Betrieben tendenziell höher zu sein, was auch Untersuchungen in anderen Ländern gezeigt haben. Im Mittel lag sie im Norden bei 5,2 %, im Osten 6,1 % und im Süden 4,0 %. Die postnatale Mortalität (ab dem dritten Lebenstag bis Ende des dritten Lebensmonats) lag bei den weiblichen Kälbern (Nachzucht) im Mittel bei Norden: 5,3 %, Osten: 7,4 %, Süden: 3,7 %.

Im Norden und Osten bestand für männliche Kälber ein höheres Sterberisiko als für weibliche Kälber, was laut der Wissenschaftler am unterschiedlichen Marktwert der männlichen Kälber der regional üblichen Rassen liegt (Norden und Osten: Schwarzbunt und Rotbunt; Süden: Fleckvieh).

Offenbar, so sagt die Studie, würden männliche Kälber häufiger schlechter als weibliche Kälber versorgt. Im Süden gaben 97,7 % der Tierhalter an, dass sie Bullenkälber genauso wie weibliche Kälber versorgen. Demgegenüber gaben im Norden 7,2 %, im Osten 3,7 % und im Süden 1,6 % der befragten Betriebe an, ihre Bullenkälber nicht genauso wie die weiblichen Kälber zu versorgen, bzw. überhaupt nicht.

Zwar steige, wegen des höheren Geburtsgewichtes, bei männlichen Kälbern das Schwergeburts-Risiko, bei erhöhtem Risiko auf unzureichende Biestmilchaufnahme, heißt es im Text. “Schwerer wiegt aber möglicherweise, dass ein männliches Kalb milchbetonter Rassen einen geringeren Verkaufserlös erzielt.“

Die Handlungsempfehlung lautet deshalb: „Die Milchproduktion basiert auf der Produktion von Kälbern, somit ist dies ein Kostenfaktor, der genauso mit einbezogen werden muss wie z. B. Futterkosten. Ansätze, wie die Mast der eigenen männlicher Kälber auf dem Betrieb oder die vermehrte Nutzung von Zweinutzungsrassen, können zusätzlich geeignet sein, den Wert der Kälber zu steigern. Eine Verlängerung der freiwilligen Wartezeit bei hochleistenden Kühen führt langfristig zu weniger Kälbern pro Kuh (Niozas et al., 2019), so dass auch mit diesem Ansatz das Angebot an „überflüssigen“ Kälbern reduziert werden könnte.“

Häufigste Gründe für den Tod weiblicher wie männlicher Kälber waren, vor allem im zweiten und dritten Lebensmonat, Neugeborenendurchfall und Atemwegserkrankungen, gefolgt von Nabel- und Gelenksentzündungen. Durch Totgeburt oder Verlust während der Aufzucht erreichte jedes zehnte Kalb nicht den vierten Lebensmonat.

„Gerade während einer Infektion benötigen Kälber viel Energie, welche sie nur aus der Milchtränke oder dem MAT erhalten. Immer noch magern Kälber durch eine mangelnde Energieversorgung wegen längst überholter Empfehlungen zur Tränkereduktion stark ab“, heißt es im Abschnitt „Handlungsempfehlungen“ deshalb. Und weiter: „Daher darf die Tränke (außer bei Durchfall durch offensichtliche Tränkfehler) auf keinen Fall bei einer Erkrankung abgesetzt oder verringert werden. Die Gabe von Elektrolytlösungen ist zu befürworten, sie sollte als Zwischentränke mit mindestens zwei Stunden Abstand zur Milchtränke verabreicht werden.“

Haltungssysteme und Hygiene
Bei den Haltungssystemen sehen die Autorinnen und Autoren Iglus im Außenbereich und Offenfrontställe positiv, weil sie bessere Lichtverhältnisse und besseres Stallklima brächten. Bei Saugkälbern müsse jedoch auf adäquaten Schutz vor Hitze und Kälte geachtet werden.

„Wärmeisolierung von Außenwänden, eine dicke Einstreumatratze, ein reduzierter Abstand der Decke vom Liegebereich (Iglus, Kälbernester) und der Schutz vor Zugluft. Im Sommer ist eine ausreichende Ventilation und Beschattung von Iglus zu gewährleisten; bestenfalls verfügen Iglus über einen beschatteten Auslauf. In Bezug auf das Tierwohl von Saugkälbern sollte die Gruppenhaltung bereits ab der dritten Lebenswoche angestrebt werden.“

Möglichst trockene und saubere Liegeflächen spielen in diesem Zusammenhang ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Mehrzahl der besuchten Betriebe schnitten in der Bewertung hier gut ab: trockene Liegeflächen 73,1 % im Norden, 63,6 % im Osten und 66,2 % im Süden. Sauber oder nur gering verschmutzt waren die Liegeflächen in 92,5 % (Norden), 83,1 % (Osten) und 92,4 % (Süden) der Fälle.

Bei Hygiene und Management rund um die Kalbung besteht vielerorts Handlungsbedarf. Die meisten Abkalbungen finden im Osten und Norden in einer mit mehreren Kühen belegten Abkalbebox statt (Osten 75,8%, Norden 42,7%). Im Norden finden bei 28,9% der Betriebe die Abkalbungen in einer Einzelbox statt, auf der Weide 13,4 %. Im Norden und Süden werden häufig kombinierte Abkalbe-Krankenabteule genutzt, was jedoch hinsichtlich der Verbreitung von Krankheitserregern nicht unbedenklich sei.

Ganz anders sieht es im Süden aus: hier gab fast die Hälfte der Betriebe (47,3%) an, dass die meisten Geburten „in der üblichen Aufstallung“ stattfänden und wiederum die Hälfte davon (52,8%) in Anbindeställen. „Die Abkalbung in der Anbindehaltung ist nicht tiergerecht, da sich die Kuh nicht von der Herde isolieren kann und die Bewegungsmöglichkeiten während der Geburt stark eingeschränkt sind“, heißt es dazu in der Studie. Auch unter den Gesichtspunkten Hygiene und Gefährdung des Kalbes ist Abkalbung im Anbindestall problematisch.

Fütterung
Nimmt ein Kalb Biestmilch direkt an der Kuh auf, ist deren Menge nicht kontrollierbar und es kann zu Unterversorgung kommen (von den beteiligten Betrieben handhaben es jedoch 31,2% im Norden so, 24,6% im Osten und 8,8% im Süden). „Hinweise darauf konnten in dieser Studie in den Regionen Süd und Ost gefunden werden. Dort war die Mortalitätsrate der weiblichen Kälber höher in Betrieben, in denen die Kälber die Biestmilch direkt an der Kuh aufnahmen, als in Betrieben, in denen die Biestmilchaufnahme über einen Nuckeleimer oder -flasche erfolgte.“

Im Median wurden den Kälbern drei Liter Kolostrum angeboten (empfohlen werden 10-12% des Körpergewichts, d. h. 3-4 Liter). Allerdings wurde in zahlreichen Betrieben weniger angeboten (Norden 29,3%, Osten 29,5% und 44,3% Süden).

In den ersten zwei Lebenswochen tränkten über 90% aller Betriebe mit dem Nuckeleimer, wie es auch empfohlen wird, um den Speichelfluss anzuregen, den Schlundreflex auszulösen und zu gewährleisten, dass die Milch direkt in den Labmagen gelangt. Ab der dritten Lebenswoche traten deutliche regionale Unterschiede auf: im Osten setzte jeder zweite Betrieb (53,4%) ab dann Tränkeautomaten ein, im Norden (51,0%) und Süden ((90,7%) kommen dagegen vorwiegend Nuckeleimer zum Einsatz. Vorratstränken kommen selten zum Einsatz, was sich negativ auswirken kann, weil der Saugreflex nicht stimuliert wird und ebenso Pansentrinken begünstigt werden kann.

„Ab der dritten Lebenswoche kam in den Regionen Nord und Ost vorwiegend die Milchaustauscher-Tränke zum Einsatz, wohingegen in der Region Süd weiterhin hauptsachlich Vollmilch vertränkt wurde.“ Für MAT sprechen die konstante Zusammensetzung und ein geringeres Risiko der Übertragung von Krankheitserregern. Dafür ist Vollmilch besser verdaulich, bietet die höhere Energiedichte und fördert die Ausbildung des Immunsystems; allerdings fehlt es an Spurenelementen, insbesondere Eisen und Vitaminen.

„Die Daten dieser Studie deuten darauf hin, dass Betriebe, die ab der dritten Lebenswoche
hauptsachlich MAT vertränkten, im Vergleich zu Vollmilch fütternden Betrieben, eine höhere Inzidenz für Atemwegserkrankungen und eine höhere Mortalitätsrate hatten.“

Handlungsempfehlungen
„Um die Eignung eines Milchaustauschers für die entsprechenden Altersgruppen besser beurteilen zu können, sollte künftig eine vollständige Deklaration (inkl. Energiegehalte in MJ ME/kg TM) bei Milchaustauschern verpflichtend sein.“

„Hersteller sollten eine offene Deklaration des Milchaustauschers auf dem Produkt abdrucken; die Eignung des Produktes für bestimmte Altersgruppen muss unmissverständlich aus der Produktdeklaration hervorgehen. Den Kälbern sollten mindestens 9 Liter Vollmilch oder 1.440 g MAT mit einem Energiegehalt von 15,3 MJ ME /kg / Tag in den ersten drei Lebenswochen angeboten werden.“

„Der Zeitpunkt für das Absetzen der Milchtränke muss für jedes Kalb individuell nach der Menge des aufgenommenen Kraft- und Strukturfutters gewählt werden. Ist ein Kalb in der Lage, an drei aufeinander folgenden Tagen durchschnittlich geschätzt etwa 1,5 kg Kraftfutter aufzunehmen, kann es von der Milchtränke vollständig abgesetzt werden, wobei zusätzlich die körperliche Entwicklung des individuellen Kalbes zu berücksichtigen ist. Wenn kein individuelles Absetzen möglich ist, sollte der gemeinsame Absetzzeitpunkt möglichst spät, d. h. frühestens mit 12 bis 13 Wochen erfolgen.“

„Der Zugang zu Wasser und Heu sollte zukünftig in allen Betrieben für Kälber ab dem ersten Lebenstag eingerichtet und auch durch die zuständige Behörde überprüft werden.“

Enthornung
Die Enthornung der Kälber führen die meisten Tierhalter selbst durch (Norden: 82,6 %, Osten: 78,5 %, Süden: 75,0 %). Am häufigsten angewandte Methoden waren das Brennen mittels Brennstab (Herausstemmen der kompletten Hornanlage oder Verödung durch Brennen eines Ringes um die Hornanlage), wobei beim Ausstemmen häufiger ‚eitrige Sekretion‘ bei den untersuchten Kälbern festgestellt wurde als beim Ring brennen. Zur Linderung der Schmerzen wurden in den meisten Betrieben Beruhigungs- und Schmerzmittel eingesetzt. Seltener wurde nur ein Schmerz- oder nur ein Beruhigungsmittel angewendet.

Zwar ist es gemäß TierSchG zulässig Kälber bis zum Alter von sechs Wochen ohne Schmerzlinderung zu enthornen, die Studienautorinnen und -autoren plädieren jedoch dafür „die Legislative dazu anzuspornen den § 5(3) 2. des TierSchG als Ausnahmeregelung vorbehaltslos zu streichen.“

Es sei wissenschaftlich belegt, dass Enthornen mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden ist und auch nach dem Abklingen von einmalig verabreichten Schmerzmitteln noch mit erheblichen Schmerzen und Leiden zu rechnen ist. Deshalb sollte das Schmerzmanagement fortgeführt werden (1).

Stafford and Mellor schreiben dazu: „Eine Kombination aus Sedierung, Lokalanästhesie und systemischer Analgesie unter Verwendung eines lang anhaltenden NSAID sollte die durch diese kombinierten Verfahren verursachten Schmerzen verringern, vielleicht sogar beseitigen.“

(1) Eine kürzlich veröffentlichte Studie der University of British Columbia (Kanada) legt nahe, dass die Schmerzen bis fünf Tage nach der Enthornung anhalten.

Link zu sämtlichen Studien-Ergebnissen

Kommentar: „Ein Weckruf an die Branche“
Wirklich überraschend sind die PraeRi-Ergebnisse für Brancheninsider nicht. Aber trotzdem erschütternd! Die zahlreichen Problemfelder in der Kälberaufzucht sind hinlänglich bekannt und doch trifft die schiere Datenmenge – auch uns – mit voller Wucht. Viele Milchviehhalter in Deutschland arbeiten gut, was auch die Studie bekräftigt. In viel zu vielen Betrieben aber besteht dringender Handlungsbedarf!

An allen Ecken und Ende hapert es dort bei der Aufzucht der Kälber. Mal mehr, mal weniger – aber insgesamt viel zu sehr. Dabei sind Werkzeuge und Lösungsmöglichkeiten bekannt und müssten nur an- und umgesetzt werden. Hier sind Tierhalter, Tierärzte, Berater und Industrie dringend gefragt!

Aber auch der Handel steht in der Verantwortung. Es ist Jahre her, dass Landwirte einen auskömmlichen Preis für ihre Milch erzielen konnten. Jahre, in denen sie mit Ackerbau quersubventioniert oder die Kostenschraube auf Anschlag gedreht haben. Aber sparen bei Tiergesundheit, Fütterung und Versorgung der Tiere darf schlicht nicht sein!

Die Wertschöpfungskette in der Milcherzeugung beginnt beim Kalb und der Aufwand für dessen bestmögliche Versorgung, muss in der betrieblichen Kalkulation „eingepreist“ sein. Aber ganz genauso eben am anderen Ende der Kette – im Laden. Diesen Zusammenhang auch dem Verbraucher klarzumachen und Milchprodukte endlich angemessen zu bepreisen, ist ein immer drängenderer Auftrag an den Handel!

Betriebsplanung Landwirtschaft 2020/21

0

Maschinenkosten kalkulieren oder Arbeitsprozesse und Produktionsverfahren planen: Für die Betriebszweige Pflanzenproduktion und Tierhaltung bietet die 27. Auflage des KTBL-Standardwerkes umfassende Daten und Informationen.

Die Datensammlung liefert nicht nur Grund- und Ergebnisdaten zu den verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsrichtungen, sondern bietet auch methodische Hinweise zur Lösung betriebswirtschaftlicher Fragestellungen.

Neben den ausführlich dargestellten Verfahrensabläufen werden Kennzahlen der Arbeitserledigung, ökonomische Erfolgsgrößen und Stückkosten für landwirtschaftliche Produkte ausgewiesen.

Die Planungsbeispiele veranschaulichen die ökonomische Methode zur Bewertung der verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsverfahren.

Die kostenlosen Web-Anwendungen unter www.ktbl.de ergänzen die gedruckte Datensammlung. Hier können weitere Informationen abgerufen und Kalkulationen mit eigenen Daten erstellt werden.Die 768-seitige Schrift ist für 26 € beim Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) e.V. erhältlich.

Bestellungen werden gern online über die Website www.ktbl.de, über vertrieb@ktbl.de oder telefonisch unter +49 6151 7001-189 entgegengenommen.

Darmstadt, 2020, 768 S., 26 Euro,
ISBN 978-3-945088-74-6, Best.-Nr. 19526

Mehr Tierschutz am Schlachthof

0

Forschungsprojekt über tierschutzgerechte Alternativen zur Kohlendioxid-Betäubung von Schlachtschweinen gestartet

Das Ziel des Verbundprojektes ist die Verbesserung des Tierschutzes, wobei auch eine hohe Fleischqualität sowie die gute Integrierbarkeit in bestehende Schlachtprozesse berücksichtigt werden. Es sollen in einem jetzt gestarteten Forschungsprojekt unter Koordination des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) alternative Gase und Gasmischungen für eine schonendere Betäubung und eine neue Technik für die Gaszuführung in praxisüblichen Gasbetäubungsanlagen untersucht werden.

In dem Verbundprojekt arbeitet das FLI mit der Georg-August-Universität Göttingen, der Vion Perleberg GmbH und dem Gase- und Technologielieferanten Air Liquide Deutschland GmbH zusammen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags gefördert und mit zusätzlichen Mitteln vom Verband der Fleischwirtschaft e.V., vom QS-Wissenschaftsfonds der QS Qualität und Sicherheit GmbH sowie von der Förderergesellschaft für Fleischforschung e.V. finanziell unterstützt.

Im Fokus der geplanten Forschungsarbeiten stehen drei Hauptaspekte: Zunächst wird eine neue Begasungstechnik in praxisübliche Kohlendioxidbetäubungsanlagen integriert werden, um den Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis zu beschleunigen und eine schnelle Anwendung des neuen Verfahrens in der Praxis zu ermöglichen. Anschließend sollen alternative Gase und Gasmischungen erforscht werden, die eine schnelle und wirksame Betäubung der Schlachttiere garantieren, aber weniger reizend auf die Schleimhäute wirken. Zusätzlich wird die Fleischbeschaffenheit in Abhängigkeit vom Betäubungsverfahren untersucht, um eine hohe Fleischqualität sicherzustellen.

„Durch den Einsatz der neuen Gaszuführungstechnik in Verbindung mit den geplanten Untersuchungen im Projekt erhoffe ich mir, dass wir schnell in die Praxis umsetzbare Alternativen zu Kohlendioxid finden. Das wäre ein nachhaltiger Beitrag zur Verbesserung des Tierschutzes bei der Schlachtung.“ sagt die Projektkoordinatorin Dr. Inga Wilk.

Zur Sicherstellung einer schnellen und wirtschaftlichen Umsetzbarkeit in Schlachtbetrieben sollen die Untersuchungen nicht nur in kontrollierten Versuchen, sondern auch unter Feldbedingungen durchgeführt werden. Das Projekt, dessen Laufzeit auf drei Jahre ausgelegt ist, wird durchgehend von einem Ausschuss aus Vertretern der relevanten Interessengruppen begleitet. Dazu gehören unter anderem auch Vertreterinnen und Vertreter von Tierschutzorganisationen, der Fleischwirtschaft und des Lebensmittelhandels.

Quelle: FLI

POLLUX LED – natürliches Licht für mehr Tierwohl

0

Mit dem neuen Beleuchtungssystem POLLUX LED präsentiert ME International eine völlig neue und bislang einzigartige Möglichkeit, Geflügelställe zu beleuchten. POLLUX LED deckt das volle Tageslichtspektrum ab, verbessert das Wohlbefinden des Geflügelbestandes und ist vollständig in Deutschland produziert.

ME International stellt offiziell die neue Beleuchtung POLLUX LED vor. Das System eignet sich insbesondere für Mast- und Legehennenbetriebe, Großelterntier- und Elternbetriebe sowie für jegliche Form der Geflügel- und Vogelhaltung, die zusätzlich zum natürlichen Tageslicht auch künstliche Beleuchtung benötigt. Zudem kommt POLLUX LED auch in Tierparks und Zoos bei der Vogelhaltung zum Einsatz.

LED-Technologie neu gedacht
POLLUX LED bildet das Tageslichtspektrum eins zu eins nach. Dabei setzt das System auf 35 Watt und sechs unterschiedliche LED-Farbspektren auf einer Platine. Mit den insgesamt 28 LEDs, die aus sechs Spektralbändern (UV, rot, blau, gelb, Infrarot und weitere LEDs) bestehen, erreicht POLLUX LED das optimale Tageslicht für Geflügel. Das gesamte Produkt wird in Deutschland produziert und programmiert. Damit ist POLLUX LED 100 % nachhaltig. Gleichzeitig ist die Beleuchtungseinheit so gebaut, dass Reparaturen und ein Austausch von LEDs jederzeit möglich sind. Selbstverständlich ist das gesamte System auch DEKRA-zertifiziert.

Flexible Steuerung
Das System bietet neben der eigentlichen Beleuchtungseinheit ebenso eine Steuerungseinheit mit praktischem Touchscreen. Der Anwender hat hier die Wahl zwischen empfohlenen Beleuchtungsprogrammen, die für unterschiedliche Geflügelarten und Haltungsformen entwickelt wurden. Alternativ können Anwender auch eigene Szenarien programmieren. Ein Nachjustieren der vorliegenden Beleuchtung ist jederzeit unkompliziert und intuitiv möglich.

Zudem bietet das System die Möglichkeit, den Stall in unterschiedliche Bereiche zu unterteilen. Pro Stall sind dabei bis zu vier Zonen realisierbar. Hiervon können vor allem große Mastställe profitieren, die so Bereiche für verletzte und rangniedrige Tiere schaffen können.

Wissen aus der Natur für gesündere Tiere
POLLUX LED bietet ein einzigartiges Lichtspektrum für die Geflügelhaltung. Nina Müller, CEO ME International, erklärt: „Wir haben POLLUX LED in enger Zusammenarbeit mit der Praxis entwickelt. Anhand von Studienergebnissen und mit der Hilfe von Partnern aus Wissenschaft, Forschung und der praktischen Landwirtschaft können wir Geflügelhaltern nun ein wirklich sehr gutes und erprobtes Produkt bereitstellen. Dabei haben wir uns vor allem an der Natur orientiert. Denn natürliches Licht bietet Tieren den besten Lebensraum, um sich gesund zu entwickeln. Geflügel hat dabei besondere Anforderungen, denn alle Tiere der Vogelspezies können UV-Licht sehen und benötigen dieses auch für eine artgerechte Entwicklung.“

Nina Müller setzt sich dabei vor allem auch für mehr Tierwohl ein: „Bei der Entwicklung von POLLUX LED war es uns besonders wichtig, das Tierwohl zu verbessern. Und genau das erreichen Anwender nun auch mit unserem Beleuchtungssystem. POLLUX LED sorgt dafür, dass die Tiere im Stall entspannter und ruhiger sind. Gleichzeitig können wir den Gesundheitsstatus verbessern, Verwurf und Kannibalismus verringern und die Befruchtungsrate steigern. Der Einsatz auf ersten Pilotbetrieben unterstützt diese Ergebnisse und zeigt auch, dass sich das System durch die starken Verbesserungen sehr schnell amortisiert. Das ist die Zukunft der Geflügelhaltung.“

Verbesserter Notlauf
Sollte das System ausfallen, steht dem Anwender ein verbesserter Notlauf zur Verfügung. Nina Müller dazu: „Wir haben einen speziellen Notlauf entwickelt, den wir nach Kundenwünschen programmieren. Verluste durch einen falsch eingestellten Notlauf können so wirkungsvoll verhindert werden.“

Ausblick
Das System ist ab jetzt im Handel und bei ME International-Vertriebspartnern verfügbar. Neben dem Einsatz in Geflügelställen und bei der Vogelhaltung experimentiert ME International zukünftig auch mit dem Einsatz in der Schweinehaltung.

Über ME International
Das Unternehmen ME International aus dem niedersächsischen Achim besteht seit nunmehr 40 Jahren. Der Hauptschwerpunkt des Familienunternehmens liegt im Bereich der Prozessoptimierung und Automatisierung von Brütereien. Dabei setzt ME International auf ein breites Netzwerk aus Partnern wie Brütereien, Mästern, Tierärzten, Forschungseinrichtungen uvm. Mit POLLUX LED bietet ME International nun ein einzigartiges Beleuchtungssystem für Geflügelhalter.

Quelle: ME International

Minderung von Ammoniakemissionen in der Rinderhaltung

0

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert Kieler Forschungsprojekt PraxREDUCE

Offene Laufställe mit viel Platz sind eine Maßnahme, um Rindern in der Landwirtschaft mehr Tierwohl zu ermöglichen. Der größere Luftaustausch und die größere Fläche führen aber auch zu mehr Ammoniakemissionen im Stall. Ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) untersucht im gerade gestarteten Projekt PraxREDUCE praktische Lösungen, wie diese Ammoniakemissionen bei bestehenden und neuen Ställen reduziert werden können.

Treffen Harn und Kot zusammen auf die Bodenflächen im Laufstall, wird ein Prozess angestoßen, der in einer Freisetzung von Ammoniak endet. Das von Bakterien im Kot gebildete Enzym Urease beginnt je nach pH-Wert und Witterungseinflüssen mit der direkten Spaltung des Harnstoffs. Der Harnstoff, im Urin wird dann mithilfe von Wasser in Ammoniak und CO2 aufgespalten. Das verflüchtigte Ammoniak ist damit als Nährstoff im Dünger für die betriebseigenen Flächen verloren und steht wegen seines negativen Einflusses auf die Umwelt in der Diskussion. Eine Lösung zur Verringerung der Ammoniakemissionen bieten Ureaseinhibitoren, die die Ureaseaktivität minimieren. Dadurch wird die Harnstoffaufspaltung im Stall reduziert und weniger Ammoniak freigesetzt. In Studien am Institut für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der CAU konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass der Einsatz solcher Ureaseinhibitoren die Ammoniakemissionen um 40 bis 60 Prozent reduziert.

Im Projekt PraxREDUCE erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun eine automatisierte Ausbringung des Ureaseinhibitors. Hierbei handelt es sich um ein chemisches Produkt, welches in einer rapsölbasierten Lösung suspendiert ist. „Die technischen Lösungen, die hierbei erprobt werden sollen, reichen von einem schienengeführten Spritzgestänge bis zu einer im Entmistungsroboter voll-integrierten Applikationseinheit“, berichtet Dr. Andreas Melfsen als Projektverantwortlicher des Instituts für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik. „Neben der Praxistauglichkeit sind weitere Schwerpunkte der Forschung die genaue und sichere Ausbringung. Hierbei wird nicht nur die Effektivität des Ureaseinhibitors im Praxiseinsatz untersucht, sondern auch weitere Einflüsse die durch Abdrift oder Verschleppung bei der Ausbringung entstehen können.“ Zusammen mit den Projektpartnern von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt können diese neuartigen Systeme auf deren Lehr- und Versuchsanstalten in Futterkamp und Iden in der Praxis erprobt werden. Als Teil des PraxREDUCE Projektes wird auch die Unbedenklichkeit für Tier, Mensch und Umwelt bei fachgerechter Anwendung untersucht. Diesen Projektteil übernehmen die Projektpartner SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH und Julius-Kühn-Institut unterstützt durch unabhängige, zertifizierte Fachtoxikologen.

In Zukunft könnte der Einsatz der Methode nicht nur die Ammoniakemissionen reduzieren, sondern dadurch auch die Stallluftqualität erhöhen und damit die Tiergesundheit und Arbeitsbedingungen verbessern. Außerdem steigert der im Wirtschaftsdünger vermehrt verbleibende Stickstoff dessen Nährstoffwert und seine Transportfähigkeit. Zudem hat sich Deutschland nach der EU-Richtlinie 2016/2284 dazu verpflichtet, nationale Emissionen bestimmter Luftschadstoffe deutlich zu reduzieren. Für die Ammoniakemissionen bedeutet dies eine Reduktion um fünf Prozent in den Jahren 2020 bis 2029 und um 29 Prozent ab dem Jahr 2030 im Vergleich zu 2005.

Über PraxREDUCE:
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für drei Jahre gefördert. Ziel ist es eine praxistaugliche Lösung zu finden, wie ein Ureaseinhibitor gleichmäßig und sicher auf Laufflächen in Rinderställen ausgebracht werden kann. Diese soll sowohl in bestehenden Altgebäuden als auch in Neubauten funktionieren. Neben dem Institut für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik der CAU und drei Industriepartnern (SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH, agrotop GmbH und Betebe GmbH) sind auch die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LWK SH), die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG-LSA) und das Julius-Kühn-Institut in Braunschweig beteiligt.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Große Erfolge bei der Antibiotikaminimierung

0

Erfolgsmeldungen aus der Landwirtschaft gehen manchmal etwas unter. Dies betrifft den Pflanzenbau und die Nutztierhaltung gleichermaßen. Tatsache ist, dass im vergangenen Jahr sowohl die Menge eingesetzter Pflanzenschutzmittel als auch die Abgabe von Antibiotika weiter gesunken sind.

Im Juli meldete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), dass die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland im Jahr 2019 erneut zurückgegangen ist. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um 52,2 auf 670 Tonnen, das sind 7,2 Prozent weniger als im Jahr 2018. Die Abgabemenge erreichte damit das niedrigste Niveau seit der ersten Erfassung im Jahr 2011 mit 1.706 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang in diesem Zeitraum von 60,7 Prozent. Hervorzuheben ist, dass die abgegebenen Mengen der Fluorchinolone sowie Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf den niedrigsten Wert seit 2011 sanken. Seit 2014 wird neben den Abgabe-mengen auch die Therapiehäufigkeit mit Antibiotika bei Masttieren bestimmt. Landwirte sind verpflichtet, jede Behandlung über die Wirktage des Mittels zu dokumentieren.

Um weiterhin aktiv die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen zu bekämpfen, sollte Ziel sein, mittels eines umfassenden Tiergesundheitsmanagements Krankheiten vorzubeugen und die Behandlung mit Antibiotika auf das notwendige Maß zu beschränken. Bei den Konzepten zur Prävention von Krankheiten spielen deshalb Impfstoffe und auch immunmodulierende Tierarzneimittel eine bedeutende Rolle. Eine dem Tier angemessene Versorgung mit geeigneter Fütterung und Haltung sowie Diagnostika, die eine frühzeitige Erkennung von Erkrankungen ermöglichen, tragen ebenfalls dazu bei, Tiere gesund zu halten. Maßnahmen zur Infektionskontrolle und Vermeidung eines Resistenztransfers auf dem landwirtschaftlichen Betrieb sowie in vor- oder nachgelagerten Stufen der Lebensmittelkette komplettieren das Bild, um den Verbraucher mit hochwertigen Lebensmitteln vom Tier zu versorgen. Zu beachten bleibt, dass auch bei bester Hygiene und Prävention Tiere nach wie vor krank werden und behandelt werden müssen, wenn erforderlich auch mit Antibiotika.

Mit der neuen EU-Tierarzneimittel-Verordnung verbinden sich weitere Erwartungen. So soll die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln in den Ländern der Europäischen Union größer, der Anreiz für Innovationen gesteigert und der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen verstärkt werden. Die Verordnung soll ab dem 28. Januar 2022 zur Anwendung kommen. Sie sieht u.a. vor, dass besonders kritische Antibiotika künftig der Humanmedizin vorbehalten sein sollen.

Ein europäisches Experten-Gremium hat bereits Empfehlungen zu diesen Kriterien und zur Kategorisierung der Antibiotika in vier Gruppen formuliert, nämlich „A: Vermeiden“, „B: Einschränken“, „C: Vorsicht“ und „D: Umsichtig“. Wichtiges Ziel ist es dabei, künftige Therapieoptionen für die Tiermedizin zu erhalten. Experten betonen, dass darüber hinaus neue Antibiotika entwickelt werden müssten. Intensiv arbeiten Wissenschaftler daran, die Mechanismen der Resistenzentwicklung und die Übertragungswege zu verstehen.

Erwartet wird, dass sich hieraus ergebende Ansatzpunkte für neue Antibiotika der Humanmedizin vorbehalten bleiben werden. Das neue Wissen wird aber auch genutzt, um bekannte Wirkstoffe zu optimieren oder andere Konzepte zur Kontrolle oder zu Alternativen weiterzuentwickeln.

Tiergesundheit trägt in entscheidendem Maß zu einer produktiven und damit ressourcenschonenden Tierhaltung in der Landwirtschaft bei. Gesunde Tiere verbrauchen weniger Ressourcen wie Futter, Wasser und damit Fläche mit der Folge, dass weniger Gülle und Emissionen anfallen. Je intensiver die Haltung und je gesünder die Tiere, desto stärker werden die Einspareffekte.

Laut FAO und der Welttiergesundheitsorganisation (OIE) machen krankheitsbedingte Verluste etwa 20 % der Gesamtproduktion aus. Ein Beispiel: Mastitis-Management und Impfung verbessern die Gesundheit und das Wohlbefinden von Milchkühen. So können wirtschaftliche Einbußen von 375 kg Milchertrag bzw. bis zu 182 € pro Kuh/Jahr vermieden werden.

Antibiotika sollen jedoch nicht als „billiges Produktionsmittel“ eingesetzt werden, sondern dienen der Behandlung kranker Tiere. Die prophylaktische Anwendung von Antibiotika ist verboten. Auch als sogenannte Leistungsförderer dürfen sie in der Europäischen Union bereits seit 2006 nicht mehr eingesetzt werden.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Geflügelwirtschaft besorgt – Geflügelhalter tun alles, um Vogelgrippe-Eintrag in eigene Bestände zu vermeiden

0

Zum sich aktuell ausweitenden Vogelgrippe-Geschehen in Deutschland äußert sich Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG):

„Das sich aktuell ausweitende Vogelgrippe-Geschehen in Deutschland macht uns als Geflügelwirtschaft sehr besorgt. Gleichwohl sind unsere erfahrenden Geflügelhalter bestmöglich sensibilisiert und routiniert im Umgang mit der aviären Influenza. Wichtigster Präventionsbaustein ist und bleibt die konsequente Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen im täglichen Management auf jedem Geflügelbetrieb: Damit kann der Eintrag der Vogelgrippe in die Geflügelbestände effektiv minimiert werden – absolute Sicherheit kann es dennoch nicht geben.

Wir als gesamte Geflügelwirtschaft stehen in einem intensiven und täglichen Austausch zu den aktuellen Vogelgrippe-Fällen – sowohl die Landesverbände untereinander als auch mit dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft als Dachorganisation auf Bundesebene. Aber auch mit den zuständigen Behörden bei Bund und Ländern stehen wir in einem regelmäßigen und sachlich-konstruktiven Austausch über die jeweils aktuellen Entwicklungen und notwendigen Maßnahmen. Und wir werden diesen Austausch je nach Entwicklung jederzeit noch enger ziehen. Allen Beteiligten ist bewusst: Nur eine gemeinsame Anstrengung kann zur Bekämpfung der Vogelgrippe beitragen. Gleichzeitig sollten die Bundesländer mit zusätzlichen Maßnahmen nicht zu lange warten – eine risikobasierte und regionale Stallpflicht ist neben der konsequenten Biosicherheit ein weiteres wichtiges Instrument der Prävention.“

Quelle: ZDG

Süße Einblicke in den Geschmackssinn der Bienen

0

Wissenschaftlerinnen der Universität Würzburg haben mit der Genschere CRISPR/Cas9 ein Zuckerrezeptor-Gen der Honigbiene ausgeschaltet. Ihre Studie liefert neue Erkenntnisse über die Geschmackswahrnehmung dieser Insekten.

Dass Honigbienen Süßes schmecken, erscheint uns ganz selbstverständlich, schließlich sammeln diese sozialen Insekten Blütennektar und produzieren daraus Honig. Erstaunlich dabei ist aber, dass Bienen die vielen verschiedenen Zucker, die ihnen bei der Futtersuche begegnen – wie etwa Fruktose, Saccharose, Glucose, Maltose, Melizitose oder Trehalose – lediglich mit drei Rezeptoren wahrnehmen können. Bei der Untersuchung an Zellsystemen konnte die Arbeitsgruppe um Dietmar Geiger, Professor für Pflanzenphysiologie am Lehrstuhl für Botanik I, bestätigen, dass einer dieser Rezeptoren (AmGr3) allein auf Fruktose reagiert, während die anderen beiden (AmGr1 und AmGr2) alle weiteren Zucker detektieren.

Diese Zuckerrezeptoren stehen auch im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts von Ricarda Scheiner. Die Biologin ist Professorin und Arbeitsgruppenleiterin am Lehrstuhl für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie am Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. Seit vielen Jahren erforscht sie die molekularen Grundlagen der Verhaltenssteuerung bei Honigbienen.

Publikation in „Chemical Senses“
Gemeinsam mit ihrem Team ist es Scheiner nun gelungen, das Gen des spezifischen Fruktoserezeptors AmGr3 mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas9 in Bieneneiern auszuschalten. Anschließend haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die so mutierten Tiere künstlich aufgezogen und auf ihre Geschmackswahrnehmung hin untersucht. Die Ergebnisse haben Sie vor Kurzem in der Fachzeitschrift Chemical Senses veröffentlicht.

„Honigbienen ohne den AmGr3-Rezeptor schmeckten weniger Fruktose als die Kontrolltiere, ihr Geschmack für Saccharose blieb unbeeinflusst“, beschreibt Laura Degirmenci, die Erstautorin der Studie, das zentrale Ergebnis dieser Experimente. Die Wissenschaftlerin konnte damit die früheren Ergebnisse aus Versuchen an Zellsystemen am Tiermodell bestätigen, wonach AmGr3 ein Fruktose-Rezeptor ist.

Darüber hinaus zeige die Arbeit, „dass die CRISPR/Cas9-Methode eine effektive Methode für Rezeptor- und Verhaltensuntersuchungen in diesem Organismus darstellt“, so Degirmenci. Die Arbeitsgruppe von Ricarda Scheiner hat die Arbeit mit der Genschere in der Forschung an Honigbienen in jüngster Zeit an der Universität Würzburg etabliert. Im Frühjahr 2020 hat sie dafür den mit einer halben Million Euro dotierten Momentum-Forschungspreis der Volkswagenstiftung erhalten.

Link zur Studie.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg