Der Miststreuer – ein Superspreader?

Erstmals hat ein Wissenschaftler*innen-Team im Rahmen des Projekts SOARiAL untersucht, inwieweit Feinstaub eine Quelle für die Ausbreitung pathogener oder antibiotikaresistenter Keime sein kann, wenn kontaminierter Stallmist aus der Geflügel- und Schweinehaltung auf landwirtschaftliche Felder ausgebracht wird. Die Ergebnisse wurden soeben im Fachblatt „Environment International“ veröffentlicht.

Ein Klassiker der Kreislaufwirtschaft ist es, den Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung zurück aufs Feld zu bringen: Die im Stallmist oder in der Gülle enthaltenen Nährstoffe und organische Substanz erhalten die Bodenfruchtbarkeit und nutzen dem pflanzlichen Wachstum. Allerdings könnten aufgrund des noch immer umfangreichen Einsatzes von Antibiotika in der konventionellen Tierhaltung mit dem Dung auch antibiotikaresistente Bakterien und weitere Pathogene verbreitet werden. Die bei der Dungausbringung teils in großen Wolken emittierten Feinstaubpartikel können die menschliche Gesundheit belasten. Insbesondere sehr kleine Partikel (Durchmesser < 10 μm) werden über die Atemwege leicht aufgenommen. Zudem können die Partikel als Trägerstoffe für potentielle Krankheitserreger bzw. antibiotikaresistente Bakterien fungieren.

„Wir haben uns gefragt, inwieweit sich Pathogene über die windgetriebene Emission von Feinstaubpartikeln auf Feldern verbreiten können und wie überlebensfähig die Mikroorganismen dabei sind“, beschreibt Dr. Tina Kabelitz vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie die Forschungsaufgabe. „Letztlich geht es darum, die Aerosol-Emissionen und damit auch die Ausbreitung antibiotikaresistenter Bakterien in der Praxis weitestgehend zu reduzieren.“

Mit Hilfe von Windkanaluntersuchungen hat das Forscherteam die physikalischen Ausbreitungsprozesse von Partikeln gemessen. Untersucht wurde auch, inwieweit der Wassergehalt des Dungs (angegeben als Trockensubstanzgehalt), Vorbehandlungen wie Lagerung, Kompostierung oder Trocknung und die tierartspezifischen Dungeigenschaften einen Einfluss auf die Feinstaubkonzentration und -eigenschaft sowie auf die Vitalität der Mikroorganismen haben.

Die Ergebnisse zeigten, dass Feinstaubkonzentrationen mit einem großen Anteil kleiner Partikel umso stärker auftreten, je trockener das Substrat bei der Ausbringung ist. Allerdings sinkt dabei die Überlebenschance für Pathogene: Im getrockneten Dung und daraus resultierendem Feinstaub waren die pathogenen und antibiotikaresistenten Mikroorganismen im Vergleich zu frischen Proben deutlich reduziert.

Das Potenzial, Feinstaub bestimmter Partikelgröße zu bilden, ist abhängig von den physikalischen und chemischen Eigenschaften des Dungs, die wiederum durch Tierart, Alter der Tiere, Haltungsform und Fütterung bestimmt werden. Für Geflügelmist lag der kritische Wert, ab dem verstärkt inhalierbare Feinstaubpartikel < 10 μm freigesetzt werden, bei 60%, für Schweinemist bei 80% Trockensubstanzgehalt.

„Ein hoher Trockensubstanzgehalt des Dungs verringert die Belastung durch Pathogene, verursacht aber eine erhöhte Menge an Feinstaub-Emissionen und umgekehrt. Letztlich geht es darum, einen Kompromiss zu finden, der gesundheitliche Risiken bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern bestmöglich reduziert“, räumt Tina Kabelitz ein.

Fasst man die Ergebnisse der Feinstaub-Emissionsmessungen und mikrobiologischen Analysen zusammen, lässt sich ein optimales Intervall für den Trockensubstanzgehalt definieren. Bei Geflügelmist, der von Natur aus einen Trockensubstanzgehalt von ca. 65% aufweist, liegt dieser optimale Bereich zwischen 55% und 70%, während er für Schweinedung zwischen 75% und 85% liegt. Schweinedung ist mit 20% Trockensubstanzgehalt von Natur aus deutlich feuchter als Geflügelmist und emittiert insgesamt größere und schwerere Partikel, die schneller zu Boden sinken und sich damit weniger stark ausbreiten. Allerdings überleben im feuchten Substrat auch deutlich mehr Mikroorganismen. Schweinedung müsste demnach auf etwa 75% bis 85% Trockensubstanzgehalt heruntergetrocknet werden, um eine deutliche Reduktion von krankheitsgefährdenden und antibiotikaresistenten Keimen zu erzielen.

Die Trocknung von mikrobiell belasteten Wirtschaftsdüngern ist derzeit in der Praxis jedoch kaum üblich „Die Technik dafür gibt es. Muss wegen zu hohem Tierbesatz der Dung über weite Strecken in andere Regionen transportiert werden, kann sich eine Trocknung des Dungs unter Umständen rechnen, wenn damit Transportkosten gespart werden“, erläutert Prof. Thomas Amon, Abteilungsleiter Technik in der Tierhaltung am ATB. „Um die Ausbrei-tung pathogener und antibiotikaresistenter Keime künftig deutlich einzudämmen sollten Landwirte im Sinne eines präventiven Wirtschaftsdüngermanagements den Einsatz von Stroh wie in der ökologischen Tierhaltung üblich, eine Verwertung des Dungs in Biogasanlagen mit Feststoffseparierung oder eine Kompostierung in Betracht ziehen. Unsere Ergebnisse aus vorangegangenen Untersuchungen belegen eindeutig, dass Kompostierung die ge-sundheitsgefährdenden Mikroorganismen vollständig abtöten kann.“

Das Projekt SOARiAL (Spread of antibiotic resistance in an agrarian landscape) wird von der Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen des Senatsausschusswettbewerbs (SAW) 2017 (För-derkennzeichen: SAW-2017-DSMZ-2) gefördert und vom Leibniz-Forschungsverbund “INFECTIONS‘ 21″ unterstützt.

Quelle: Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)

Mehrwert mit faserreichem Ergänzungsfutter

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Mit tremoVital den Verdauungsprozess von Schweinen optimieren
Das faserreiche Ergänzungsfutter tremoVital stabilisiert den Verdauungsprozess von Schweinen und trägt zur optimierten Darmgesundheit bei.

Naturprodukte stehen hoch im Kurs – auch in der Tierernährung. In dem neuen Ergänzungsfutter tremoVital für Schweine kommen Biertreber, Bierhefe, Karottentrester, Erbsenschalen und ein Hefezellwandprodukt als hochwertige natürliche Faserträger zusammen mit Darmstabilisatoren zum Einsatz. Die wissenschaftlich abgestimmte Wirkstoffmischung trägt zu einer optimierten Darmgesundheit und zu einer regulierten Kotbeschaffenheit bei und schafft so einen Mehrwert bei Aufzucht und Mast. Ein vergleichbares Produkt mit entsprechenden Vorteilen ist jetzt auch für Mastputen verfügbar.

Frühe Ergänzung schon zum Ferkelaufzuchtfutter
In der Zeit der Umstellung von milchbetontem auf getreidereiches Futter reagieren Verdauung und Immunsystem der Ferkel erkennbar positiv auf die frühzeitige Ergänzung des üblichen Ferkelaufzuchtfutters durch eine Gabe von tremoVital. „Der erhöhte Fasergehalt beeinflusst die Schichtung und Passage des Futterbreis im Magen-Darm-Trakt und kann dadurch die Kotkonsistenz und das Sättigungsgefühl gezielt einstellen. Darüber hinaus nähren die verdaulichen Faserstoffe aktiv die gewünschten Darmbakterien“, beschreibt Lotte Giza, Tierärztin und verantwortliche Produktmanagerin bei der Tremonis GmbH, einige der Effekte von tremoVital .

Positive Wirkung während Aufzucht und Mast
Die Entwicklung eines abwehrkräftigen Ferkels kann schon in der ersten Lebensphase durch ein Plus an verdaulichen Fasern in der ersten festen Nahrung begünstigt werden. Die in tremoVital enthaltenen Faserfraktionen ergänzen sich vorteilhaft, wodurch ein ausgewogenes Verhältnis an Ballaststoffen angeboten wird.

Hochwertige und sichere Faserstoffe sowie hochverdauliches Protein unterstützen das Verdauungssystem in einer reibungslosen Ferkelaufzucht und sind wünschenswert in einer darmlabilen Phase. Die verdaulichen Faserstoffe werden im Dickdarm mikrobiell fermentiert. Die Bildung kurzkettiger, gesundheitsfördernder Fettsäuren und „gute“ Darmbakterien werden gefördert, Schadbakterien, Sporen und Wasser dagegen gebunden und mit dem Kot aus dem Körper ausgeschleust.

Verkürzte Aufzuchtdauer, geringere Gesamtmortalität
Fütterungsversuche auf Praxisbetrieben belegen die positive Wirkung von tremoVital : Die um etwa 7 Tage verkürzte Aufzuchtdauer und um ca. 50,8 g höhere Tageszunahmen bei annähernd gleichem Futterverbrauch bedeuten mehr Umtriebe pro Jahr und Platz (+0,7 %) und damit 1,12 % mehr Ferkel im Jahr, auf die die Fixkosten umgelegt werden können.

Neben der geringeren Sterberate aufgrund von Darmerkrankungen (-0,8 %) war die Gesamtmortalitätsrate um 1,5 % geringer und der durchfallbedingte Medikamenteneinsatz konnte bei den Versuchstieren reduziert werden. Das Fazit von Landwirt Antonius Jahn aus Nordrhein-Westfalen ist eindeutig: „Wichtig ist mir, dass die Ferkel die ersten drei Wochen nach dem Absetzen trocken sind. tremoVital im Futter hat das geschafft – was hinten raus in der Leistung schon einen Unterschied macht.“

„Wir richten uns mit den Informationen zu diesem hochwertigen neuen Ergänzungsfutter insbesondere an Tierärzte an und laden sie ein, sich selbst zusammen mit den Betrieben ein Bild von den positiven Wirkungen von tremoVital zu machen und dessen Vorteile zu nutzen“, so Lotte Giza abschließend.

Weitere Informationen online unter www.tremonis.de.

Quelle: T R E M O N I S GmbH

DRV unterstützt Projekt zur Roggenfütterung: Genossenschaften engagieren sich in der Forschung

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Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) unterstützt ein neues Forschungsprojekt, das belegen soll, wie neue Fütterungskonzepte die Tiergesundheit fördern. „Die Studie Rye-SaFe hat besonders für unsere Genossenschaften großes Potential“, stellt DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers fest. „Schweinehalter stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Innovationen wie diese sind daher besonders gefragt. Deshalb sind einige unserer Mitgliedsunternehmen Projektpartner und auch wir als Verband unterstützen gern die Forschung.“ Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hatte jüngst die Zusage für die Förderung des Projekts erteilt.
Beim DRV fand nun ein Auftakttreffen der Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft statt.

Untersucht werden soll im Rahmen von Rye-SaFe, ob sich die Salmonellenbelastung in der Sauenhaltung sowie in der Ferkelproduktion durch eine roggenbetonte Fütterung reduzieren lässt. An dem Forschungsprojekt sind die Viehvermarktung Walsrode und weitere Mitgliedsunternehmen des Deutschen Raiffeisenverbandes ebenso beteiligt wie der Saatgutzüchter KWS, die Tierärztliche Hochschule Hannover sowie weitere Projektpartner (1).

RyeSaFe ist eng verknüpft mit dem 6-R-Projekt (2). Es befasst sich damit, wie Mastschweine von mehr Roggen im Futter profitieren können. Rye-SaFe setzt im Unterschied dazu schon bei Sauen und Ferkeln an. „Wir haben festgestellt, dass bereits viele Ferkel Salmonellen aufweisen, wenn sie auf den Höfen angeliefert werden. Wir müssen also dafür sorgen, dass schon die Sauen und in der Folge natürlich die Ferkel weniger belastet sind“, sagt Willi Behrens von der Viehvermarktung Walsrode.

Wenn weniger Tiere an Salmonellen erkranken, sinkt der Einsatz von Antibiotika in den Ställen. In der Folge hat das auch positive Effekte auf die Nahrungsmittelsicherheit, denn Salmonellen sind vom Tier auf den Menschen übertragbar. Behrens: „Wenn wir all das – mehr Tierwohl, weniger Medikamente und sicherere Lebensmittel – allein durch neue Fütterungskonzepte erreichen, haben alle Seiten viel gewonnen.“ Zusätzlich können roggenbetonte Futtermischungen den CO2-Ausstoß in der Schweinehaltung um mehr als 20 Prozent verringern. Denn Hybridroggen verbraucht im Anbau gegenüber Weizen weniger Dünger, Pflanzenschutz und Wasser. Das wissenschaftliche Projekt Rye-SaFe wird ebenfalls durch großangelegte Feldstudien mit mehr als 3.000 Sauen und mit Daten aus der Praxis begleitet. Die Kombination aus Forschungsprojekt Rye-SaFe und Feldstudie wird durch die enge Kooperation der Viehvermarktung Walsrode mit dem Saatgutzüchter KWS erst möglich.

Der DRV hatte bereits das 6-R-Projekt unterstützt und fungiert auch in Zukunft gern als Plattform für Austausch und Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft.

(1): Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (Projektkoordinator); vertreten durch Prof. Christian Visscher; Universität Rostock, vertreten durch Prof. Petra Wolf; Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der technischen Universität Hamburg, vertreten durch Prof. Martin Kaltschmitt; AniCon Labor GmbH

(2): 6-R steht für Regionale Renaissance von Roggen und Raps zur Reduktion von Problemen in Pflanzenbau und Tierproduktion durch Reevaluation der Inhaltsstoffe und deren gezielte Nutzung zur Förderung des Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutzes.

Quelle: Deutscher Raiffeisenverband e.V.

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Toleranzzucht in der Bienenstation

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Im Kampf gegen die Varroamilbe setzen Züchter auf leistungsfähige Honigbienen mit hoher Widerstandskraft gegen den Milbenbefall. Erfolgreich daran beteiligt ist die Bienenstation der Universität Würzburg.

Etwa jedes siebte Bienenvolk in Deutschland hat den vergangenen Winter nach Angaben des Imkerbundes nicht überlebt. Gründe für das Bienensterben gibt es viele; einer der wichtigsten ist der Befall mit der Varroamilbe. „Die Varroamilbe ist laut Deutschem Bienenmonitoring für bis zu 95 Prozent der Herbst- und Winterverluste von Honigbienen verantwortlich. In einem brütenden Bienenvolk verdoppelt sie ihre Population in einem Zeitraum von drei bis vier Wochen“, erklärt Dirk Ahrens-Lagast. Ahrens-Lagast ist Imkermeister; seit April 2002 leitet er den Imkereibetrieb der Bienenstation am Lehrstuhl Zoologie II der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

Ein Mittel im Kampf gegen die Milbe ist der Versuch, die Bienenvölker selbst toleranter gegen den Schädling zu machen. An einem entsprechenden Zuchtprogramm zur Verbesserung der Toleranzeigenschaften von Honigbienen beteiligt sich die Bienenstation der Universität Würzburg seit gut 20 Jahren. Mit Erfolg: „In diesem Jahr werden Königinnen der Bienenstation auf drei Bienenbelegstellen in Bayern und Baden-Württemberg als Vatervölker eingesetzt“, sagt Ahrens-Lagast. Der Imker arbeitet dabei mit Bienen der Rasse Carnica (Apis mellifera carnica), einer auf natürliche Weise entstandenen Unterart der westlichen Honigbiene (Apis mellifera).

Varroamilben zapfen Bienen an
Varroa destructor: So lautet der wissenschaftliche Fachbegriff für den gefürchteten Bienenschädling. Die Milbe lebt als Parasit an Bienen und vermehrt sich im Bienenstock. Dabei wird sie auf unterschiedlichen Wegen für das Bienenvolk zur Bedrohung. „Varroamilben vermehren sich nur in der verdeckelten Brut der Bienen in den Waben“, erklärt Ahrens-Lagast. Dort ernähren sie sich, indem sie die Bienenlarven „anzapfen“. In der Folge verliert die Bienenlarve an Gewicht. Die geschlüpften Tiere sind etwa zehn Prozent kleiner als die gesunden, ihre Lebenszeit ist stark verkürzt und sie zeigen schlechtere Lernleistungen als ihre gesunden Verwandten.

Außerdem übertragen sie häufig Krankheitserreger wie etwa Viren. Vor allem das sogenannte „Deformed Wing Virus“ macht den Bienenvölkern zu schaffen. Die betroffenen Bienenlarven entwickeln verkrüppelte Flügel und sind deshalb häufig nicht lebensfähig. Dass inzwischen auch die Varroamilben dieses Virus übertragen, verschärft die Situation für die Bienenvölker zusätzlich.

Zusätzlich schädigen Varroamilben die Bienen ganz direkt: Das erwachsene Varroa-Weibchen hält sich auf den erwachsenen Bienen auf und sitzt dort in der Regel zwischen deren Bauchschuppen. Es bevorzugt dabei sogenannte Ammenbienen, die sie zur Brut bringen. In dieser Zeit ernährt sich die Milbe vom „Blut“ der Biene, der Hämolymphe; neuere Studien sagen, sie bediene sich an deren Fettkörper. Das Ergebnis ist jedenfalls das Gleiche: Die Bienen werden geschwächt und überleben den nächsten Winter nicht.

Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft helfen
Bei der Suche nach Merkmalen, die anzeigen, wie tolerant ein Bienenvolk gegenüber dem Varroabefall ist, setzen die Imker auf jüngste Erkenntnisse der Wissenschaft. „Bisher ist man davon ausgegangen, dass die Brutzellen eines Bienenvolks, in denen die Bienenlarven ihre Verpuppung durchleben, nach dem Verdeckeln erst wieder von der schlüpfenden Biene geöffnet werden“, erläutert Ahrens-Lagast. Neue Studien zeigen jedoch, dass das so nicht stimmt.

Tatsächlich können selektierte Bienen Varroamilben in Brutzellen wahrnehmen und öffnen deshalb regelmäßig zur Kontrolle diese Zellen, unabhängig davon, ob sich tatsächlich Milben in ihnen befinden. Manche räumen sie aus, andere lassen sie eine Weile offen, bevor ein neuer Deckel darauf kommt. Dies kann sogar mehrfach passieren. Dass eine Zelle geöffnet und wieder verschlossen wurde, ist leicht zu erkennen. In diesem Fall fehlt an der Innenseite des Zelldeckels das von der Streckmade – der Larve der Arbeitsbiene – gesponnene Nymphenhäutchen.

Bienen stören die Milbenvermehrung
Weil die Vermehrung der Varroamilbe zeitlich eng an den Verpuppungsprozess der Bienenbrut gekoppelt ist, können sich bereits kleinste Änderungen oder Störungen in diesem Prozess auf die Milbenvermehrung auswirken. Eine solche Störung ist das Öffnen und Schließen – das sogenannte Recapping – der Brutzellen.

„Recapping bewirkt eine unterdrückte Milbenvermehrung, SMR oder Surpressed Mite Reproduction genannt, beispielsweise indem störungsbedingt keine der Tochtermilben in der geschlossenen Brutzelle begattet wird“, erklärt Ahrens-Lagast. Diese Milben sind dann nicht lebensfähig und sterben, wenn die Biene schlüpft. In den besten Völkern der Zuchtpopulation werde die Milbenvermehrung auf diese Weise von den Bienen selbst bereits so stark unterdrückt, dass Imker eine Zeit lang auf die üblichen Maßnahmen zur Varroabehandlung mit chemischen Wirkstoffen verzichten können.

Stetige Steigerung der Varroatoleranz
Leistungsfähige Honigbienen mit hoher Widerstandskraft gegen die Varroose zu züchten: Daran arbeiten Bienenzüchter und Prüfer in der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht (AGT) seit gut 20 Jahren. Sie haben dafür rund 2.000 Bienenvölker im Einsatz. Auch Dirk Ahrens-Lagast engagiert sich in der AGT; über viele Jahre war er deren zweiter Vorsitzender. In der Bienenstation der Uni Würzburg züchtet er Carnica-Bienen auf Varroatoleranz. Regelmäßig werden beste Tiere der Toleranz Population an die eigene Linie angepaart, sei es beim Besuch bestimmter Bienenbelegstellen, beispielsweise auf den Nordseeinseln, oder über eine instrumentelle Besamung. Das Ergebnis sei eine stetige Verbesserung der Leistung und Eigenschaften, insbesondere der Varroatoleranz, so der Imker. Die Carnica-Linien der Würzburger Bienenstation gehören deshalb unter diesem Aspekt zu den Besten in Bayern.

Und damit diese Eigenschaften nicht auf das Hubland begrenzt bleiben, hilft Ahrens-Lagast dabei, Fortschritte in der Zuchtpopulation über zahlreiche Landbelegstellen an die Imker weiterzugeben. Königinnen der Bienenstation werden in diesem Jahr auf drei Belegstellen in Bayern und Baden-Württemberg als Vatervölker eingesetzt. Und in den kommenden zwei Jahren wird auch die Belegstelle im Gramschatzer Wald den Imkern Drohnen aus der Zucht der Bienenstation anbieten.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Zukunftsplanung (fast) ohne Kastenstand

Die Novellierung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wurde am 3. Juli verabschiedet. Für den Abferkelbereich gilt eine Übergangsfrist von 15 Jahren. Danach dürfen Sauen rund ums Abferkeln maximal fünf Tage im Kastenstand gehalten werden.

Im Deckzentrum dürfen Sauen, nach Ablauf einer achtjährigen Übergangszeit, nur noch in Gruppen gehalten und nur zur Besamung kurzzeitig fixiert werden. Für jedes Tier müssen überdies 5 qm Platz zur Verfügung stehen.

Drei Jahre nach Inkrafttreten der neuen Verordnung, muss jeder Betrieb ein Umbaukonzept vorlegen. Spätestens nach weiteren zwei Jahren muss der Bauantrag gestellt werden. Für den Umbau sind dann maximal drei Jahre Zeit (in Härtefällen mit zwei Jahren Verlängerung).

Wir haben Heinrich Henke* als erfahrenen Praktiker gebeten, seine Überlegungen mit uns zu teilen und das Pferd dafür von hinten aufgezäumt.

Reichen die vorgegebenen acht Jahre und wie muss man sich den Prozess im Detail vorstellen?

HH: Wenn ich in acht Jahren fertig sein will, brauche ich ein Jahr für die Umbauarbeiten. Es hängt davon ab, ob ich das im belegten Stall mache, dann dauert es mindestens ein Jahr oder wenn wir die Sauen rausschlachten und neu anfangen, dann geht es etwas schneller.

Das wäre aber die teure Variante oder?

HH: Das hängt von der Marktlage ab. Bei schlechter Marktlage geht das sogenannte depop/repop eher, als bei guter Marktlage.

Je nachdem wie das Gesetzgebungsverfahren jetzt im Einzelnen läuft – Änderung des Baugesetzes etc. – wird auch die Dauer des Genehmigungsverfahrens beeinflusst. Nach Gesprächen mit Agrarpolitikern der drei Koalitionsparteien in der Bundesregierung ist für uns ist klar, dass die SPD Betriebe unserer Größe nicht mehr will. Fair wäre es, eine konkrete Grenze für die gewünschte Betriebsgröße zu nennen, aber das tun sie dann auch nicht.

Wir müssen uns auf jeden Fall sehr gut vorbereiten und die Rahmenbedingungen wirklich klar sein. Es gibt ja wenig bis gar keine Erfahrungen mit Deckzentren in größeren Einheiten. Wir gehen mal von Gruppen à 50-60 Sauen aus, die jede Woche abgesetzt werden. Wie muss dann eine Bucht überhaupt strukturiert sein, damit wir am Ende wirklich eine Gruppenhaltung haben? Wie groß oder klein darf man Besamungs- und Fressstände bauen? All das sind Dinge, die ich heute nicht weiß. Deswegen würde ich zwei Jahre Planungszeitraum ansetzen, inklusive intensiver Reisetätigkeit. Wir werden uns einige Betriebe und deren Lösungen anschauen müssen und die werden nicht alle in Deutschland liegen.

Damit wären wir mittlerweile bei insgesamt fünf Jahren.

HH: Ja, das wäre aber nur fürs Deckzentrum! Wenn wir zum großen Schlag ausholen wollen und gleich alles so bauen, wie es in 15 Jahren sein soll, würde ich den Planungszeitraum und auch das Genehmigungsverfahren locker jeweils um ein weiteres Jahr mehr ansetzen. Parallel dazu müssen natürlich Finanzierungsgespräche mit Banken laufen, die auch nicht in ein vier Wochen erledigt sind.

Wir werden bei der Planung an manchen Stellen auch nach dem Prinzip „learning by doing“ vorgehen müssen. Niemand wird ein neues Stall-System gleich so bauen, dass er vom Start weg zufrieden ist. Aber das Deckzentrum würde ich eher größer machen, damit die Sauen wirklich Platz haben und ich Raum habe, die Fläche zu strukturieren und das bisherige Deckzentrum so umbauen, dass dort Gruppenhaltung möglich ist.

Dann muss ich sehen, was kann ich im vorhandenen Abferkelbereich umsetzen und wo kann ich Platz schaffen, um 6,5 oder 7 qm große Abferkelbuchten einzubauen. Das wird eine sehr intensive Planungsphase werden und hier kommen wir an depop/repop nicht vorbei.

Natürlich ist auch immer noch die Frage: wie teuer wird das Ganze und kann ich es in zehn Jahren wieder reinholen? Denn nach heutigem Stand fange ich in zehn Jahren ja wieder an umzubauen.

Außerdem gilt es die Rahmenbedingungen des Marktes zu bedenken. Vor Vegan habe ich wenig Angst, beim „Kunstfleisch“ fällt es mir aber schwer die Entwicklung abzuschätzen. Die Zielgruppe will eigentlich keine Gentechnik und deswegen kann ich mir nur schwer vorstellen, dass sich bei denen „Laborfleisch“ wirklich durchsetzt.

In jedem Fall müssen wir uns aber von 15 oder 20 Jahren Finanzierung verabschieden. Wir müssen das auch einer Bank vermitteln und die Genehmigungsbehörden müssen ebenfalls mitziehen.

Aber im Grunde fehlt doch noch eine wichtige Grundlage für all diese Überlegungen: TA-Luft und Bundesemissionsschutzgesetz sind noch nicht angepasst.

HH: Das ist unser Problem! Wir werden unsere Bestandsgrößen aber nicht beibehalten können, weil es für die benötigte zusätzliche Fläche keine Genehmigung geben wird. Wo wir am Ende landen, kann ich nicht abschätzen, aber den Kopf in den Sand stecken, macht keinen Sinn. Wir müssen schauen, ob wir aus dem was wir sollen und dem was wir können, eine wirtschaftlich tragbare Lösung backen können. Gibt es die nicht, heißt es die verbleibende Zeit zu nutzen – und dann ist es gut.

Müssen wir uns dann darauf einstellen, dass die Hälfte der deutschen Sauenhalter das Handtuch wirft?

HH: Erschreckend ist ja, dass von Mai 2019 bis Mai 2020 35.000 Sauen aus dem Markt gegangen sind. Wobei ich durchaus nachvollziehen kann, dass Kollegen die den Ausstieg schon länger im Kopf hatten, das im letzten halben Jahr dann auch getan haben. Die sind mit einem goldenen Handschlag ausgestiegen. Ich fürchte auch, dass Einige, die überlegt haben die staatliche Förderung für Isofluran-Betäubungsgeräte in Anspruch zu nehmen, jetzt am Ende des Jahres den Betrieb eher schließen.

Die Zahl der Sauenhalter wird jedenfalls definitiv noch mal massiv zurückgehen, die Frage ist nur: wie bald? Und vergessen wir bitte eins nicht: auch die Zahl der Arbeitskräfte wird bei verringerten Tierbeständen nicht zu halten sein.

Aber wir stellen uns der Herausforderung! Wir schauen uns, gemeinsam mit unseren Mitarbeitern, schon diese Woche einen neuartigen Abferkelstall im Rohbau an. Wir haben auf jeden Fall das Ziel, unseren Betrieb mit 1.250 Sauen zu erhalten und machen uns auf den Weg dorthin.

* Der Betrieb von Nadine und Heinrich Henke hat 1.250 Sauenplätze und das Paar aus Bruchhausen-Vilsen hat einschlägige Erfahrungen mit Umbau-Planungen.

Impfung gegen Ebergeruch weitaus tierschonender als chirurgische Kastration, Einsatz auch im ökologischen Landbau aus Tierschutz-Gründen sinnvoll

Der Ausschuss für ökologischen Landbau der EU-Kommission vertritt die Auffassung, dass die Immunokastration nicht den Prinzipien des ökologischen Landbaus entspräche. Ein Eingriff in das Hormonsystem der Tiere stehe der ökologischen Grundidee entgegen. Somit sei nur eine chirurgische Kastration nach Betäubung für ökologisch arbeitende Schweinebestände akzeptabel. Dem widerspricht die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. energisch.

Die geforderte chirurgische Entfernung der Hoden der Schweine ist ein viel drastischerer Eingriff in den Hormonhaushalt der Schweine. Bei dem Impfstoff zur Verhinderung des Geschlechtsgeruchs des Fleisches männlicher Schweine handelt es sich nämlich nicht um ein Hormon sondern um ein hormonell vollkommen inaktives synthetisches Imitat eines körpereigenen Botenstoffs. Das geimpfte Tier bildet dagegen Antikörper und diese unterbinden die Einlagerung von Androstenon und Skatol im Fettgewebe der männlichen Schweine, was den unerwünschten Geschlechtsgeruch verursacht.

Die zweimalige Impfung der Tiere ist im Vergleich zur chirurgischen Entfernung der Hoden, die bei weitem tierschonendste Methode. Die chirurgische Kastration, die die EU-Kommission eigentlich baldmöglichst abschaffen will, verletzt die körperliche Integrität der Tiere weit stärker als die immunologische Senkung des Hormonspiegels. Darüber hinaus bestehen Narkose- und Operationsrisiken und das Handling der Ferkel bis zur Narkose erzeugt Angst und Stress bei den Tieren. Es passt nicht in die ökologische Landwirtschaft, die tierschonende Immunokastration abzulehnen. Es widerspricht auch den von weiten Teilen der Bevölkerung und auch von der TVT begrüßten Anspruch des ökologischen Landbaus, einer nachhaltigeren und tierschonenderen Produktionsweise von Lebensmitteln tierischen Ursprungs.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) folgt leider bislang der unwissen-schaftlichen und tierschutzfachlich falschen Einschätzung der EU-Kommission.

Die TVT fordert, die Diskriminierung der Immunokastration durch Teile des ökologischen Landbaues und einige Agrarpolitiker zu beenden. Es geht dabei schließlich nicht nur um die Schweine in der Ökohaltung sondern dies hat auch eine Signalwirkung auf die konventionelle Schweinehaltung. „Die Politik sollte endlich den Weg für den flächendeckenden Einsatz der Immunokastration freimachen, anstatt der wissenschaftlich belegt tierschonendsten Methode immer wieder neue Steine in den Weg zu legen“, so Prof. Thomas Blaha, stellvertretender Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz .

Die TVT fordert die Bundesregierung auf, ihre EU-Ratspräsidentschaft zu nutzen und das Thema nochmals mit den Landwirtschaftsministern der Mitgliedstaaten dahin gehend zu beraten, im Sinne des Tierschutzes die Impfung gegen Ebergeruch sowohl in der ökologischen Schweinehaltung als auch in der konventionellen Haltung einzusetzen.

Die TVT ist ein Zusammenschluss aus deutschlandweit mehr als 1.300 Tierärzten, die sich ehrenamtlich für den Schutz und die Sicherung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Tieren einsetzen. Sie erarbeiten Merkblätter, Stellungnahmen, Gutachten und Leitlinien zu aktuellen Tierschutzthemen und arbeiten in verschiedenen Kommissionen und Beiräten mit. Die TVT kümmert sich um die aktuell drängenden Probleme z. B. in der Zucht (Defekt- und Extremzüchtungen), Haltung und Betreuung von Heim- und Nutztieren, bei Tiertransporten und Schlachtung sowie bei Tierversuchen, bei Tieren im Sport, in Zoos und Zirkussen oder im sozialen Einsatz. www.tierschutz-tvt.de

Quelle: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.

Schlachthofschließungen sind tierschutzrelevant!

Bundestierärztekammer fordert rasche Einberufung eines Krisengipfels

Die COVID-19-Ausbrüche in Schlachtbetrieben haben überfällige Diskussionen um die dortigen Arbeitsbedingungen angestoßen. Dass die Politik hier endlich ihre Verantwortung wahrzunehmen verspricht, ist sehr zu begrüßen. Durch die derzeitigen Betriebsschließungen und die insgesamt verringerten Schlachtkapazitäten mit einem Wegfall von mehreren Zehntausend Schlachtungen pro Tag ergeben sich aktuell aber große Tierschutzprobleme:

„Der plötzliche Wegfall von Schlacht- und Zerlegekapazitäten hat unmittelbare Auswirkungen auf die tierhaltenden Betriebe und die Tiere in den Ställen“, betont Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer. Dabei können tierschutzrelevante Probleme entstehen:

– Es kommt zu höheren Besatzdichten und zur Überbelegung in den Ställen, was insbesondere bei sommerlichen Temperaturen mit einer höheren Kreislaufbelastung für die schweren Tiere einhergeht. Es ist nicht auszuschließen, dass dadurch vermehrt Tiere verenden.
– Die Transportwege zu alternativen Schlachtstätten, u.U. sogar im Ausland, werden deutlich länger. Gerade in der warmen Jahreszeit sind lange Transporte aber kritisch und sollten vermieden werden. Für ohnehin kreislaufschwache Tiere ergeben sich zusätzliche Belastungen.
– Auch in den Küken- und Ferkelaufzuchten ist ein Rückstau mit entsprechenden Überbelegungen der Ställe zu erwarten.

Fehlende Schlachtkapazitäten durch andere Standorte zu kompensieren ist nur schwer möglich: Die notwendigen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln haben bereits deutliche Kapazitätseinbußen zur Folge. Darüber hinaus stehen aufgrund der branchenweiten Tests und zahlreicher offener Testergebnisse weniger Mitarbeiter zur Verfügung. Daher müssen die Schlachtzahlen allgemein zurückgefahren werden. Die Forderung, Produktionspersonal in Schlachtung und Zerlegung zweimal wöchentlich zu testen, verstärkt diesen Kapazitätsmangel. Eine kurzfristige Erhöhung der Schlachtkapazitäten in bisher nicht betroffenen Schlachtbetrieben dürfte daher auch bei gutem Willen aller Beteiligten schwierig werden. Es ist zu erwarten, dass sich die Lage weiter zuspitzt.
Die BTK fordert die Bundesregierung daher auf, umgehend einen Krisengipfel unter Einbeziehung von Tierärzten, Landwirten, Schlachthofbetreibern und zuständigen Behörden einzuberufen, um schnell Lösungen für die aktuelle Situation zu finden.

„Die Konzentration auf wenige große Schlachtunternehmen, die zu Lasten regionaler Betriebsstrukturen ging, rächt sich jetzt“, ergänzt der BTK-Präsident. Allerdings reicht die notwendige Diskussion um einen Wandel des Systems in der akuten Situation nicht aus. Auch die Forderung der Politik, Bestandszahlen vorübergehend zu reduzieren, greift kurzfristig nicht. Es müssen praktikable, tierschutzgerechte Lösungen für die Tiere gefunden werden, die jetzt in der Mast und Aufzucht sind. Hier sind die Haltungs- und Schlachtbetriebe in enger Zusammenarbeit mit den Veterinärbehörden gefordert. Es kann nicht sein, dass schlicht keine Schlachttiere mehr angekauft und die Problemlösung den tierhaltenden Betrieben überlassen wird.

Quelle: Bundestierärztekammer

Nähen üben am Küchentisch: Wettbewerb für alle Tiermedizinstudierenden

Ab 6 Juli findet für drei Wochen an den fünf deutschen universitären veterinärmedizinischen Ausbildungsstätten die VETSkillsLab Challenge statt. Ziel dieser Aktion ist es, die Studierenden zu praktischen Übungen zu animieren. Tiermedizinstudierende aller Semester dürfen an diesem digitalen Wettbewerb teilnehmen. In jeder Woche erhalten die Studierenden eine neue Aufgabe, die sie zu Hause, mit Hilfe des zur Verfügung gestellten Informationsmaterials, lösen müssen. Ihre Ergebnisse können sie anschließend in Form von Fotos oder Videos den Verantwortlichen ihres Clinical Skills Labs zukommen lassen. Wichtig ist, dass sie ihre Ergebnisse kommentieren und erklären, wie sie vorgegangen sind und welche Materialien sie verwendet haben. In der ersten Aufgabe müssen die Studierenden einem Stoff- oder ihrem Haustier einen Verband anlegen. Bei den Modellen und Materialien können die Studierenden gern kreativ werden. Die Aufgaben der ersten und zweiten Woche sollen die Studierenden auf die finale Aufgabe in der dritten Woche vorbereiten, in der der Einfallsreichtum der Studierenden gefragt sein wird.

Die VETSkillsLab Challenge findet hochschulübergreifend statt. Die fünf Studierenden mit den besten Ergebnissen zu der ersten und zweiten Aufgabe erhalten je einen 15-Euro-Buchgutschein. Die Studierenden mit den drei besten Vorschlägen zur dritten Aufgabe können sich jeweils über einen 50-Euro-Buchgutschein freuen.

Dieser Wettbewerb ist eine gemeinsame Aktion der Skills Labs der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der Universität Leipzig, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Freien Universität Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Im Clinical Skills Lab können die Tiermedizinstudierenden an Simulatoren und Modellen ihr theoretisches Wissen praktisch anwenden. Zum Beispiel können sie Verbände anlegen oder Nahttechniken und die Blutentnahme üben. Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Skills Labs der universitären tierärztlichen Ausbildungsstätten derzeit geschlossen. Das Clinical Skills Lab der TiHo hat deshalb für alle Themen Online-Kurse erstellt und zusätzlich neue Übungen geschaffen, die die Studierenden ebenfalls online durchführen können. Diese Kurse ermöglichen es den Studierenden, trotz des geschlossenen Clinical Skills Labs bereits vorab neu konzipierte Lernstationen kennenzulernen und auch weiterhin verschiedene klinisch-praktische Fertigkeiten zu üben.

Clinical Skills Lab der TiHo
Im Zuge des Projekts „Vermittlung von tiermedizinischen, klinischen Fertigkeiten und Implementierung von Ethik in der Tiermedizin“, kurz FERTHIK, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurde das Clinical Skills Lab an der TiHo 2013 gegründet. Es soll den Tiermedizinstudierenden ermöglichen, ihre tierärztlichen Handgriffe und Fertigkeiten an Modellen und Simulatoren zu trainieren.

Falls Sie keine weiteren Informationen der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover erhalten möchten, schicken Sie bitte eine kurze Mitteilung an presse@tiho-hannover.de.

Für fachliche Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Sandra Wissing
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
ZELDA – Zentrum für E-Learning, Didaktik und Ausbildungsforschung
Clinical Skills Lab
Tel.: +49 511 856-8360
sandra.wissing@tiho-hannover.de

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Antibiotika in der Tiermast: Kabinett beschließt Änderung des Arzneimittelgesetzes (AMG)

Entwurf von Bundesministerin Klöckner sieht Verbesserungen für Monitoring und Bewertung der Entwicklung der Antibiotikaanwendung im Bereich der Tiermast vor

Die Bundesregierung hat heute den von der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, vorgelegten Entwurf eines Siebzehnten Gesetzes zur Änderung des Arzneimittelgesetzes (AMG) beschlossen. Die 17. AMG-Novelle greift Erkenntnisse aus der Evaluierung des Antibiotikaminimierungskonzepts der 16. AMG-Novelle auf.

Die Evaluierung zeigt, dass das bestehende Antibiotikaminimierungskonzept des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) funktioniert. Die Gesamtverbrauchsmenge an Antibiotika bei allen sechs Nutzungsarten (Mastferkel, Mastschweine, Mastputen, Masthühner, Mastkälber, Mastrinder) ist im untersuchten Zeitraum um fast ein Drittel von 298 Tonnen auf 204 Tonnen gesunken. Die Evaluierung hat auch wichtige Daten über Einzelheiten der Antibiotikaanwendung in der Tiermast sowie Hinweise, wie das Antibiotikaminimierungskonzept weiter verbessert werden kann, ergeben.

Mit der 17. AMG-Novelle wollen wir eine zeitnahe Anpassung einiger technisch-administrativer Regelungen der 16. AMG-Novelle vornehmen.

Ziel ist es, Modalitäten und Abläufe des Antibiotikaminimierungskonzepts zu präzisieren, um die Datengrundlage zu verbessern, Tierhalter administrativ zu entlasten, die Berechnungsmodalitäten zur Therapiehäufigkeit bei Arzneimitteln mit mehreren Wirkstoffen anzupassen und die erfolgreiche Datenauswertung zur Evaluierung fortzuführen.

Vorgesehen ist u.a.:

Nullmeldungen werden Pflicht. D.h. es gibt eine Mitteilungsverpflichtung für Tierhalter an die zuständige Behörde auch dann, wenn keine antibakteriellen Arzneimittel angewendet wurden. Damit verschärfen wir das Monitoring.

Möglichkeit der elektronischen Abgabe der Versicherung der Tierhalter über die Einhaltung der tierärztlichen Behandlungsanweisung.

Außerdem werden die Regelungen zur Verwendung von Daten erweitert: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) soll auch die Daten, die beim Vollzug des Antibiotikaminimierungskonzepts anfallen, in pseudonymisierter Form zum Zweck einer Risikobewertung verwenden dürfen. Damit kann die Entwicklung der Antibiotikaanwendung bei den sechs Nutzungsarten der 16. AMG-Novelle über den Zeitraum der Evaluierung (zweites Halbjahr 2014 bis einschließlich 2017) hinaus weiterhin verfolgt werden. Dies ist wichtig, um auch weiterhin beobachten zu können, wie sich die Verbrauchsmengen der verschiedenen Antibiotika bei den sechs Nutzungsarten und das Spektrum der eingesetzten Wirkstoffe, insbesondere bei den Reserveantibiotika, entwickeln. Und um die Bedeutung dieser Veränderungen im Verhältnis zur Entwicklung des Resistenzgeschehens präziser einschätzen zu können.

Zum Thema Reserveantibiotika hat Bundesministerin Julia Klöckner wiederholt betont: „Jede Anwendung von Antibiotika kann die Entwicklung von Resistenzen nach sich ziehen. Den Einsatz bei Mensch und Tier müssen wir daher auf das absolut notwendige Maß reduzieren. Strengste Anforderungen sind bei den so genannten Reserveantibiotika nötig. Sie sind Arzneimittel der letzten Wahl und werden verabreicht, wenn sonst nichts mehr wirkt.“

Unser Ziel ist die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes auf das therapeutisch notwendige Minimum und insbesondere die Verminderung der Anwendung von Reserveantibiotika. Bei Masthühnern und Mastputen lag der Anteil an Reserveantibiotika bei rund 40 Prozent der jeweiligen Verbrauchsmenge. Der Einsatz von Antibiotika und Reserveantibiotika bei Mastgeflügel ist im untersuchten Zeitraum kaum zurückgegangen. Klar ist: Der hohe Anteil insbesondere von Reserveantibiotika an den Verbrauchsmengen ist nicht akzeptabel.

Ein wichtiger Beitrag dazu ist die künftige EU-Liste der Reserveantibiotika, für die sich unser Ministerium eingesetzt hat: Bis zum Jahr 2022 wird die Europäische Kommission per Durchführungsrechtsakt eine Liste der sogenannten Reserveantibiotika erstellen, die der Humanmedizin vorbehalten bleiben müssen.

Quelle: BMEL