Kuhflüsterer Joep Driessen verrät 5 wichtige Punkte für mehr Tierwohl und zufriedenere Landwirte

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Landwirte stehen vor großen Herausforderungen. Die Gesellschaft erwartet viel und die Gesetzgebung wird mehr. Heutzutage ist ein Bauer nicht nur jemand, der sich um Tiere kümmert, er ist mehr und mehr ein Unternehmer, der alles wissen muss. Ich bin davon überzeugt, dass wir viel tun können, um den Tierschutz zu verbessern und dem Landwirt das Leben zu erleichtern.

Zunächst sehe ich, dass es einen großen Fokus auf das Messen von Daten gibt, aber nicht auf praktische Lösungen. Eine Zunahme des Messens und der Daten von Sensoren geben uns einen schnelleren und besseren Einblick, was schief gehen könnte. Wir vergessen jedoch, dem Landwirt zu helfen, die zugrunde liegenden Probleme zu lösen. Praktisches Training ist hier der größte Gewinn. Es gibt kaum einen Beruf, der so wenig Aufmerksamkeit für eine kontinuierliche Ausbildung hat wie der Agrarsektor. Landwirte sollten häufiger neue Einsichten erhalten und praktische Lösungen teilen.

Als nächstes sollten wir meiner Meinung nach mehr Aufwand in die Prävention investieren. Als Tierarzt musste ich oft dieselben Krankheiten behandeln. Sehr unbefriedigend, da ich genau weiß wo die Ursachen liegen. Für mich ist es viel interessanter, sich darauf zu konzentrieren, wie wir Krankheiten vorbeugen können.

Schließlich glaube ich, dass Berater ein breiteres Verständnis von Faktoren außerhalb des eigenen Fachgebiets erlangen sollten. Futterberater sollten nicht nur die perfekte Ration kennen, sondern auch wissen, wie Management und Haltung die Futteraufnahme beeinflussen. Tierärzte und Hufpfleger sollten sich darüber im Klaren sein, wie man Krankheiten und Lahmheiten vorbeugen und nicht nur behandeln kann. Alle Berater sollten auch in der Lage sein, über die wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Vorschläge zu sprechen. Ein Bauer muss wirtschaftlich arbeiten.

Wenn wir diese drei Ausgangspunkte beachten:
• Nicht nur Daten messen, sondern auch praktische Lösungen im Fokus haben;
• mehr Aufwand in die Prävention einbringen;
• ausgehen von einem breiten Blickwinkel, der Gesundheit, Management, Haltung, Fütterung und Wirtschaftlichkeit umfasst.

Es gibt 5 Themen, die uns helfen können, den Tierschutz und das Wohlergehen der Landwirte zu verbessern.

1. Die Kuhsignale erkennen
Beginne mit der Grundlage. Landwirte und ihre Mitarbeiter sollten in der Lage sein, alle Kuhsignale zu erkennen und verstehen, was diese Signale verursacht. Nur so können sie an der Prävention arbeiten. Ich glaube, dass es viel zu gewinnen gibt, wenn man praktische Ideen unter Landwirten austauschen kann. Nur so können wir sicher sein, dass Lösungen durchführbar sind und das das Wohlergehen der Landwirte verbessert wird. Ich sage immer: Bauern lernen von Bauern!

2. Stressfreier Umgang mit Tieren
Mit Vieh zu arbeiten ist gefährlich. Die Forschung zeigt, dass immer noch viele Unfälle passieren. Ein Teil dieser Unfälle kann verhindert werden, wenn Menschen vorhersehbar und stressfrei mit Kühen umgehen. Wir sehen auch, dass ein ruhiger Umgang die Lahmheit reduziert und somit die Milchproduktion erhöht. Es gibt einfache Techniken, von denen nur wenige wissen.

3. Aufzucht junger Bestände
Gut begonnen ist halb erledigt. Totgeborene Kälber sind ein ernstes Problem, für das Krankheitsprävention die einzige Lösung ist. Durchfall- und Hustenkälber kosten den Bauern ohnehin viel Zeit und Geld. Sie wollen keine beeinträchtigten Lungen und Därme. Kälber, die gesund bleiben, geben mehr Milch und leben länger als Milchkuh. Wir sehen, dass die Kosten für die Jungviehaufzucht auf einer gut geführten Farm etwa 3 Cent pro Liter Milch betragen, während sie auf einem schlecht bewirtschafteten Bauernhof 5 Cent betragen.

4. Fokus auf Futter
Pansen-Azidose ist der stille Killer unserer Kühe. Futter ist ein wichtiger Faktor, um Kühe gesund zu halten. Die Fütterung wird oft den Futterberatern überlassen, die eine ausgezeichnete Kenntnis der Futterqualität haben. Der Einfluss von Management und Haltung wird jedoch oft vergessen. Es wäre gut für Landwirte und Berater, sich zu diesen Themen zu schulen.

5. Fokus auf Menschensignale
Egal, wie viel Wissen Sie als Berater haben, Sie müssen die Signale der Menschen genauso gut erkennen. Nur dann können Sie die zugrunde liegenden Probleme entdecken, den Widerstand verfolgen und dem Landwirt helfen, nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Das Gleiche gilt für die Landwirte und Ihre Mitarbeiter. Es zeigt sich im Tierwohl und in der Arbeitseffizienz, wenn Sie Ihre Mitarbeiter auf das gleiche Niveau bringen.

Über CowSignals
CowSignals zielt darauf ab, das Wohlergehen der Milchkühe zu verbessern und die Arbeitszufriedenheit und das Einkommen der Bauern zu erhöhen. Wir bieten Milchbauern, Tierärzten, Futterberatern, Stalldesignern, Besamungsstationen und Hufpflegern praktische Schulungen an. Diesen Juni organisieren wir 4 offene Trainings:

19. Juni Stressfreier Umgang mit Tieren
20. Juni Jungviehsignale
21. Juni Fütterungssignale
22. Juni Menschensignale
Sprache: Englisch

Weitere Informationen gibt es hier.

Autor: Joep Driessen, Gründer von CowSignals

Wer Joep Driessen in Aktion sehen will, kann sich dieses Video ansehen. Vor ziemlich genau 10 Jahren waren wir mit ihm im Kuhstall.

Wie der Schutz vor BSE in Europa künftig gewährleistet werden kann

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Taumelnde Kühe, Angst vor Ansteckung beim Konsum von Rindfleisch – die Krise um die Gehirnkrankheit BSE, den sogenannten „Rinderwahn“, hielt um die Jahreswende 2000/2001 ganz Europa in Atem. Die europäische Kommission verbot daraufhin das Verfüttern von Tiermehl aus verarbeiteten Schlachtabfällen an Stalltiere. Damit wurde die Infektion mit den gefährlichen BSE-Erregern erfolgreich unterbunden – es traten kaum noch Fälle von Rinderwahn in Europa auf.

Doch Landwirte müssen bei der Aufzucht von Schlachttieren auf proteinreiches Kraftfutter nicht völlig verzichten: Denn bestimmte tierische Produkte – sogenannte verarbeitete tierische Proteine – dürfen dem Futter nach wie vor beigemischt werden oder wurden wieder zugelassen. So dürfen etwa Kälber bis zum Absetzalter mit Fischmehl gefüttert werden, ebenso ist Fischmehl zur Verfütterung an Schweine oder Hühner zulässig. Generell darf Tiermehl, das von Wiederkäuern stammt, nicht verfüttert werden. Weil die verschiedenen Futterarten aber oft in der gleichen Fabrik hergestellt werden, entsteht ein Risiko für Verunreinigungen — von bewussten illegalen Beimischungen in krimineller Absicht ganz abgesehen. „Es ist also notwendig, Kontrollen durchzuführen“, sagt Biochemiker Dr. Oliver Pötz vom NMI, „die selbst in kleinsten Spuren tierischen Proteins die Tierart erkennen können.“ Auch sollte die Methode beispielsweise Milch von Fleisch oder Blut unterscheiden können, denn Milchprodukte sind selbst im Rinderfutter durchaus erlaubt. Ideal wäre es, wenn man darüber hinaus auch die Menge der Verunreinigung bestimmen könnte. Denn nur so können Grenzwerte überprüft werden, die die EU-Kommission künftig festsetzen will.

Bisher in den Futtermittellaboren und Untersuchungsämtern eingesetzte Nachweisverfahren leisten all das nicht: Mit dem Mikroskop kann man nur recht grobe Verunreinigungen wie Knochensplitter oder Federn entdecken. Selbst moderne genetische Verfahren, bei denen die aus dem Futter extrahierte und vervielfältigte DNA analysiert wird, haben ihre Grenzen: Sie unterscheiden beispielsweise nicht zwischen Kuhmilch und Rindfleisch. „Man muss also auf die Analyse der Proteine setzen“, sagt Dr. Pötz. „Und da die Tiermehle hochverarbeitet sind, muss man mit Proteinbruchstücken arbeiten, sogenannten Peptiden.“

Pötz hat Erfahrung mit Peptidanalysen; seine Arbeitsgruppe am NMI und das von ihm gegründete Unternehmen Signatope setzen sie bisher zum Nachweis von Nebenwirkungen während der Medikamentenentwicklung ein. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Verbundprojekts „Animal-ID“ arbeiten sie zusammen mit zwei Berliner Partnern, dem Bundesinstitut für Risikobewertung sowie dem Institut für Produktqualität, daran, ihre Methoden auf die Analyse von Fleischprodukten und Futtermitteln zu erweitern. Eine erste Veröffentlichung dazu erschien jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Analytical Chemistry“ (Anal. Chem., 2018, 90 (6), pp 4135–4143).

Proben käuflicher Viehfutter-Produkte wurden von den Wissenschaftlern mit Tiermehlen verschiedener Herkunft gemischt und untersucht. Zunächst wurden die darin enthaltenen Proteine mithilfe des Enzyms Trypsin vorverdaut, um lösliche Peptide zu erhalten. Dann wurden Antikörper eingesetzt, die das NMI speziell entwickelt hat. Diese fischten vier Peptide aus potenziell gefährlichem Rindertiermehl gezielt aus der Mischung heraus. Anschließend wurde mit einer Kombination aus Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie die Menge der Zielpeptide zuverlässig bestimmt. „Wir erreichen jetzt eine Nachweisgrenze von einem Gramm Rindermehl in einem Kilo pflanzlichem Rinderfuttermittel“, versichert Andreas Steinhilber, Erstautor und Doktorand am NMI.

Doch beim Nachweis verbotener Rinderproteine soll es nicht bleiben. „Zurzeit erweitern wir die Methode, um für jede Tiermehlprobe die verwendeten Tierarten eindeutig nachzuweisen“, sagt Pötz. Mit dem gleichen Verfahren könnte in Zukunft auch festgestellt werden, ob beispielsweise Pferdefleisch in der Lasagne nicht-deklariert untergemischt wurde, wie 2013 geschehen. Die Firma Signatope soll das Verfahren zur Marktreife entwickeln und kommerziell verwerten.

Prof. Dr. Hugo Hämmerle, Leiter des NMI, hält die Arbeit für einen Meilenstein in der Lebensmittelsicherheit. „Allein in Deutschland fallen bei Schlachtungen jährlich zwei bis drei Millionen Tonnen Tiermehl als Nebenprodukt an“, erklärt er. „Das ist eine wertvolle Proteinquelle. Es wäre unverantwortlich, sie nicht zu verwerten. Aber es muss natürlich in einer für den Verbraucher sicheren Weise geschehen.“ Das neue Verfahren, das so rasch wie möglich Produzenten und Untersuchungsämtern zur Verfügung stehen soll, werde dabei „einen wichtigen Dienst an der Gesundheit der Bevölkerung“ leisten.

Die Förderung des Vorhabens „Animal-ID“ (FKZ: 28-1-65.037-14) erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung.

Quelle: NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen

Barsche, Zander, Schnäpel und Forellen – erfolgreicher Probebetrieb in der neuen Aquakulturanlage

Vor rund zehn Jahren hat das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie seine Forschungsaktivitäten auf die Aquakultur ausgeweitet. Inzwischen nimmt die Fischgenetik einen bedeutenden Platz in den wissenschaftlichen Aktivitäten des Leibniz-Institutes ein. Im vergangenen Jahr wurde deshalb eine eigene Aquakulturanlage in Dummerstorf installiert.

„Seit Juli läuft in einem umgebauten Rinderstall erfolgreich der Probebetrieb, der die Arbeit unserer Forscher vor Ort erheblich erleichtern wird“, informierte heute Professor Klaus Wimmers, Vorstand am FBN. „Dafür wurden rund 200.000 Euro für den Umbau und in die moderne Aquarienanlage investiert.“

Dummerstorfer Wissenschaftler haben sich mit ihren Untersuchungen zur Stressresistenz von Regenbogenforellen und zur grundlegenden molekularbiologischen Analyse des Ostseeschnäpels weltweit einen Namen gemacht. Aktuell wird in einem großen Zander-Projekt unter Leitung von Privatdozent Dr. Tom Goldammer vom Institut für Genombiologie die Genetik des beliebten Speisefisches am FBN erstmals entschlüsselt. In Kooperation mit dem Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern sollen im Jahr 2020 erste Ergebnisse vorgelegt werden.

Wissenschaftler können flexibler arbeiten

Die Dummerstorfer Aquakulturanlage besteht aus drei separaten Strecken mit jeweils 1.700 Liter Fassungsvermögen, auf denen auch drei unterschiedliche Umweltbedingungen simuliert und verglichen werden können. Zu den drei geschlossenen Kreislaufsystemen gehören jeweils vier 200-Liter-Behälter und sechs 60-Liter-Behälter. Rund um die Uhr wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert und von Fischabfallstoffen gereinigt. Die Süßwasserfische werden bei ca. 17 bis 20 Grad Celsius Wassertemperatur gehalten. Im Probebetrieb wurde insbesondere die Wassereinigung getestet, die reibungslos funktionieren muss. Die im Filtersystem enthaltenen Bakterien verwandeln giftige Fischabfälle wie Ammonium über die Zwischenstufe Nitrit zu Nitratsalzen und halten so das Wasser sauber.

Verantwortlich für die Testphase, bevor die eigentliche Forschungsarbeit am Zandergenom auch in der neuen Anlage startet, ist Dr. Ronald Brunner vom Institut für Genombiologie. „Wir werden auch künftig mit der weltweit einzigen experimentellen Aquakulturanlage im Produktionsmaßstab für Zander in Hohen Wangelin bei Waren/Müritz intensiv kooperieren. Allerdings können wir jetzt noch flexibler arbeiten“, so der Tierzuchtexperte. „Grundsätzlich simuliert unsere Anlage im kleinen Maßstab die gleichen Prozesse wie in der großen Anlage in Hohen Wangelin. Die kleineren Einheiten lassen sich schneller desinfizieren sowie neu besetzen und erlauben die vergleichende Untersuchung von Einflüssen verschiedener Umweltbedingungen auf die Fische. Unmittelbar vor Ort befinden sich außerdem Labor- und Büroräume zur Auswertung der Daten und Messergebnisse. Für den Bereich der Fischgenetik ist die neue Infrastruktur ein großer Gewinn“, erklärte Dr. Brunner.

Den Dummerstorfer Wissenschaftlern geht es vor allem darum, die ressourcenschonende und nachhaltige Aquakultur mit regionalen Fischarten zu stärken. Diese soll einen höheren Stellenwert als bisher in der Fischproduktion erhalten. Geschlossene Kreislaufanlagen zeichnen sich durch ihre Umweltfreundlichkeit und gute Wasserqualität aus. Somit sind keine Zusätze mit Antibiotika und anderen Medikamenten notwendig. „Der Verbraucher möchte nicht nur einen leckeren, sondern auch einen gesunden Fisch konsumieren“, so Brunner. Aktuell bevölkern 400 kleine Barsche, zwölf Schnäpel sowie zwei Forellen und zwei Zander die neue Anlage.

Quelle: Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

Bauernverbandspräsident Rukwied in Polen: Mehr EU-Mittel gegen die Afrikanische Schweinepest

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Foto: Gero Breloer/DBV

Noch immer grassiert die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Polen und breitet sich weiter Richtung Westen aus. Auf Einladung des polnischen Landwirtschaftsministers Krzysztof Jurgiel trifft der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, die Präsidentin und Präsidenten der polnischen Bauernorganisationen, Teresa HAŁAS, Präsidentin NSZZ RI Solidarność, Lucjan CICHOSZ, Präsident ZZR – Zwiakzek Zawodowy Rolników OJCZYZN, Marian SIKORA, Präsident FBZPR – Federation of Agricultural Producers Union und Wiktor SZMULEWICZ, Präsident KRIR – National Council of Agricultural Chambers. Für eine effektivere Bekämpfung der Seuche fordert Rukwied, dringend mehr EU-Mittel in Osteuropa einzusetzen. „Wir müssen dieses Virus schnell in den Griff bekommen. Das ist auch eine Gemeinschaftsaufgabe zum Schutz der landwirtschaftlichen Strukturen. Das darf nicht am Geld scheitern“, so der DBV-Präsident.

Mit Blick auf die Neuordnung der Mittelfristigen Finanzplanung der EU fordert Bauernverbandspräsident Rukwied gegenüber dem polnischen Landwirtschaftsminister auf einen stabilen EU-Haushalt hinzuwirken: „Die Mitgliedstaaten müssen mehr Geld nach Brüssel überweisen. Nur ein stabiles Budget garantiert auch ein stabiles Europa“, erklärt Rukwied. Der DBV-Präsident sieht vor allem in der Stärkung der ländlichen Räume den Kitt, der ein stabiles, politisches Europa zusammenhält.

Quelle: Deutscher Bauernverband

Schweizer Migros verkauft ab 2020 nur noch Freilandeier

Die Schweizer Einzelhandelskette „Migros“ nimmt sämtliche Eier aus Bodenhaltung aus dem Sortiment und senkt gleichzeitig deren Preise. Vor 20 Jahren hatte Migros bereits Eier aus Käfighaltung aus dem Sortiment genommen. Das Unternehmen beschreibt seine Planung wie folgt:

„Bis spätestens 2020 soll sämtlichen Hennen, die für die Migros Eier legen, der Zugang zur Weide ermöglicht werden. Neben den Ställen mit Wintergarten (Aussenklimabereich) stehen den Hennen in der Freilandhaltung 2,5 m2 Weidefläche pro Tier zur Verfügung. Legehennen sind sehr aktive und neugierige Tiere. Das Picken und Scharren auf der Weide wirkt sich positiv auf ihr Wohlbefinden aus. Gemäß Umfragen legen die Konsumentinnen und Konsumenten bei den Eiern besonders großen Wert auf eine artgerechte Tierhaltung.

Mit der Auslistung der Bodenhaltungseier senkt die Migros auch das Preisniveau der Schweizer Freilandeier. Damit soll der preisaffinen Kundschaft Rechnung getragen werden. Mit dem Import-Freilandei von M-Budget wird die Migros außerdem weiterhin das günstigste Ei auf dem Schweizer Markt anbieten können. Beides ist möglich, weil die Migros die Mehrkosten selber trägt. Die Produzenten erhalten weiterhin dieselben Preise.

Die Umstellung bedarf jedoch einer langfristigen Planung, die den Produzenten genügend Zeit einräumt, ihre Betriebe entsprechend den Vorgaben zur Freilandhaltung anzupassen. Die Sortimentsumstellung erfolgt deshalb etappenweise nach Genossenschaft und ist bis Ende 2020 abgeschlossen.“

Quelle: Migros

Englische Landwirte „entsorgen“ Bullenkälber

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In England gehen 19% der Bullenkälber vom Milchbetrieb direkt zur Tierkörperbeseitigung, wie die englische Tageszeitung „The Guardian“ berichtet. Das Blatt beruft sich dabei auf offizielle Zahlen des “Agriculture and Horticulture Development Board (AHDB)”, da die Praxis in England nicht gesetzwidrig ist. Dieser „Entwicklungsausschusses für Landwirtschaft und Gartenbau“ schätzt demnach die Zahl der 2017 in englischen Milchbetrieben getöteten Bullenkälber auf 95.000. Speziell Holstein-Friesen, Jersey Rinder und Jersey-Kreuzungen sind betroffen.

Exakte Zahlen sind jedoch schwer zu ermitteln, da Landwirte Kälber, die innerhalb weniger Tage nach der Geburt getötet werden, nicht registrieren müssen. Ebenso wenig wie das Entsorgungsunternehmen, das häufig auch die Tötung auf dem Betrieb vornimmt.

Der „Guardian“ beziffert die Aufzuchtkosten auf bis zu £ 30 pro Kalb für den Herkunftsbetrieb, während die frühe Entsorgung oder (zu geringem Anteil) Verwertung als Hundefutter nur £9 koste. Der Verkaufserlös für Kälber liegt in England aktuell bei £25 bis £40.

Und auch in der Bio-Haltung werden Bullenkälber kurz nach der Geburt getötet. Die „Soil Association“, nach eigenen Angaben die „führende britische Mitgliedsorganisation, die sich für eine gesunde, humane und nachhaltige Ernährung, Landwirtschaft und Landnutzung einsetzt“, schreibt auf ihrer Website:

„Leider ist das Töten männlicher Milchkühe sowohl auf biologischen als auch auf nicht biologischen Milchviehbetrieben ein Problem, das jedoch ethische Bedenken aufwirft. Die Soil Association hat diese Praxis schon lange abgelehnt, und wir wollen das unnötige Abschlachten von männlichen Milchkälbern beenden.“

Den Hintergrund bilden die seit Jahren niedrigen Erlöse für Milch und der fehlende Markt für Kalbfleisch. Obwohl schon in den 1990er Jahren die Weißmast in England verboten wurde, assoziieren viele Verbraucher „Kalbfleisch“ immer noch mit dieser Art der Kälberhaltung.

Auch wurden von England im vergangenen Jahr überhaupt keine Kälber exportiert, nur 5.000 von Schottland sowie 20.000 von Nord-Irland.

Versuche einen Markt für „Rosé Kalb“ zu schaffen, hatten bisher wenig Erfolg. Immerhin haben jedoch einige der großen Lebensmittelketten, Co-op, Morrisons, Sainsburys und Waitrose, Aufzucht-Programme für Kälber ins Leben gerufen.

Auch zahlreiche Landwirte wenden sich von der Tötungspraxis ab und setzen vermehrt gesextes Sperma ein. Dessen Anteil stieg von 12,2 % im Jahr 2012 auf 17,9 % in 2017.

Weitere Informationen bei “Cattle Health and Welfare Group

Quelle: The Guardian

Geschlechtsbestimmung im Ei mittels Lichttest

Zwei Forschungsgruppen der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden sowie der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig ist ein technologischer Durchbruch bei der Geschlechterbestimmung in Hühnereiern gelungen. Dank der Spektroskopie lässt sich mit dem neuen Verfahren bereits am ersten Tag nach einer möglichen Befruchtung feststellen, ob in dem Ei eine Legehenne heranwächst oder ein männliches Tier. Mit dem neuen Verfahren sei es gelungen, ein kostengünstiges, schnelles und zuverlässiges Verfahren zu entwickeln, das das weltweit millionenfache Töten männlicher Eintagsküken überflüssig macht, meldet das Universitätsklinikum Dresden in einer Pressemitteilung.

Weiter heißt es: „Tausende männliche Küken werden täglich kurz nach dem Schlüpfen maschinell getötet. Der Grund: Sie sind für die Eierproduktion in der Massentierhaltung wertlos. Dieses Vorgehen birgt ethische Konflikte und steht im Widersprich zu geltenden Tierschutzgesetzen. Um diese Situation zu entschärfen ist ein kostengünstiges, schnelles und zuverlässiges Verfahren erforderlich, mit dem die Geschlechtsbestimmung am intakten und unversehrten Ei durchgeführt werden kann. Nach etwa fünfjähriger Forschung ist es jetzt zwei Forschungsgruppen der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden sowie der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig gelungen, eine Geräteanordnung zu entwickeln, mit dem das Kükentöten beendet werden kann. Damit ist es möglich, einen Punkt des kürzlich zwischen CDU/CSU und SPD unterzeichneten Koalitionsvertrag umzusetzen: Darin ist vereinbart worden, innerhalb von zwei Jahren das Töten männlicher Eintagsküken zu beenden.“

Bereits seit einigen Jahren arbeiten die Forschungsgruppen aus Dresden und Leipzig erfolgreich an der Geschlechtsbestimmung im Hühnerei. Die beiden Forschungsgruppen sind die Erfinder des spektroskopischen Sexens von Bruteiern. Bislang muss dazu ein etwa zehn Millimeter großes Loch in das Brutei eingebracht und auch anschließend wieder verschlossen werden. Obgleich die Methodik funktioniert, gilt das Öffnen und Schließen der Eier nach wie vor als Haupthindernis für die praktische Einführung der spektroskopischen Geschlechtsbestimmung in Großbrütereien. Vor wenigen Wochen gelang nun den Forschern ein entscheidender Durchbruch in der Weiterentwicklung der Methode, wodurch das Geschlecht nunmehr durch die unversehrte Eischale hindurch bestimmt werden kann. Das Ei muss also nicht mehr aufwändig geöffnet und folglich auch nicht mehr verschlossen werden.

Aufbauend auf den über mehrere Jahre gewonnenen Kenntnissen wissen die Forscher genau, wo und wie das Geschlecht im Ei codiert. Das ist die Grundlage dafür, die Spektroskopie so einzusetzen, dass sich das Geschlecht auch durch die intakte Eischale bestimmen lässt. Das Ei wird dazu etwa drei bis fünf Tage bebrütet. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das sogenannte embryonale Blutgefäßsystem gebildet, das man auch durch die Eischale bereits mit bloßem Auge erkennen kann. Für die Geschlechtsbestimmung wird nun ein bestimmter spektraler Teil des Lichtes genutzt. Dazu wird das Ei mit einer herkömmlichen Lichtquelle durchleuchtet. Das von den Blutgefäßen reflektierte und auch transmittierte Licht wird auf der Eischale aufgefangen und spektroskopisch analysiert. Da das Licht neben den geschlechtsrelevanten Informationen aus dem Blut auch Informationen zu anderen Inhaltsstoffen des Eies trägt, müssen verschiedene mathematische Filter- und Separationsverfahren kombiniert werden, um letztlich die gewünschten, zur Geschlechtsbestimmung verwendbaren Signale zu erhalten. Kein Ei gleicht dem anderen, und so stellt die größte Herausforderung dabei die Beherrschung der optischen Variabilität der Eischale dar. Sobald alle störenden Einflussfaktoren in den Spektren eliminiert sind, lässt sich anhand des Hämoglobinspektrums das Geschlecht erkennen.

Die spektroskopische Messung eines einzelnen Eies erfolgt innerhalb von wenigen Sekunden. Bereits unmittelbar danach können als „männlich“ identifizierte Bruteier ebenso wie unbefruchtete Eier aussortiert und einer weiteren Verwendung zugeführt werden. In den Laborversuchen haben die Forscher einfache und dadurch sehr preiswerte Spektrometer eingesetzt – ein wichtiger Aspekt für den wirtschaftlichen Praxiseinsatz in der Legehennenvermehrung, da allein in Deutschland rund 100 Millionen Bruteier pro Jahr untersucht werden müssen. Der praktischen Umsetzung der Geschlechtsbestimmung im Hühnerei, die das millionenfache Töten von männlichen Eintagsküken überflüssig macht, dürfte damit nichts mehr im Wege stehen. Umfangreiche Schutzrechte für die Methodik sind angemeldet beziehungsweise schon erteilt worden. Ziel der Forscher ist es, die Methodik rasch und effektiv für den Einsatz in der Brütereipraxis zu adaptieren, um damit einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung des Tierwohls in der Legehennenhaltung zu leisten.

Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Niedersächsischer Tierschutzplan wird zur Niedersächsischen Nutztierhaltungsstrategie ausgebaut

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast baut den erfolgreichen Tierschutzplan des Landes als „Niedersächsische Nutztierhaltungsstrategie“ aus. Erste Zukunftspläne wurden jetzt der Öffentlichkeit präsentiert.

Wichtigste Neuerung in der künftigen Nutztierhaltungsstrategie: Es wird eine Arbeitsgruppe „Folgenabschätzung und Machbarkeit“ eingerichtet. „Es geht mir um einen verlässlichen Weg für alle Beteiligten. Gesellschaftliche Ansprüche und wirtschaftliche Anforderungen können nur gemeinsam betrachtet werden“, sagte Ministerin Barbara Otte-Kinast bei der Vorstellung der ersten Eckpunkte. Außerdem befassen sich Projektgruppen wie z.B. „Schlachten und Töten“ sowie „Transport“ mit konkreten Fragestellungen, die wiederum in die Diskussion eingebracht werden.

Die Erfahrungen aus dem Tierschutzplan fließen in die Struktur des neuen Gremiums ein. So wirken die bewährten tierartbezogenen Arbeitsgruppen ebenso mit wie die AG „Tierschutzindikatoren“. Im Lenkungsausschuss kommen fließen die Ergebnisse zusammen.

„Wir haben hier eine starke Basis durch den bereits bestehenden, fachübergreifenden Austausch und die enorme Bereitschaft, aufeinander zuzugehen“, betonte die Ministerin. Eine große Herausforderung sei nach wie vor die Lösung von Zielkonflikten. Wollen Landwirte zum Beispiel einen modernen Stall bauen, können sie in Konflikt mit Regelungen des Baurechts oder des Immissionsschutzrechts geraten.

Hintergrund: Der Tierschutzplan wurde 2011 als Projekt ins Leben gerufen, um gesellschaftlich akzeptierte und vom Tierhalter leistbare Haltungsbedingungen für Nutztiere zu etablieren. Die Laufzeit war bis Anfang 2018 vorgesehen. Bei insgesamt mehr als 260 Sitzungen haben 133 Mitglieder aus neun Facharbeitsgruppen sowie dem Lenkungssauschuss an diesem Ziel mitgearbeitet. Die letzte Sitzung fand am 28. November 2017 statt. Anfang Mai erfolgt die Verabschiedung der bisherigen Gremienmitglieder. Nach der Sommerpause soll die Neubesetzung vorgenommen werden. „Es ist für mich selbstverständlich, dass wir im Bund wie bisher federführend in Sachen Tierschutz vorweg gehen“, sagte die Ministerin.

Quelle: Herausgeber: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Untersuchungsergebnisse zu Fipronil in verarbeiteten eihaltigen Lebensmitteln

BVL veröffentlicht Bericht zum Sonderprogramm des Bundesweiten Überwachungsplans 2017

Durch die illegale Anwendung eines fipronilhaltigen Schädlingsbekämpfungsmittels mussten im vergangenen Spätsommer europaweit Eier zurückgerufen und vernichtet werden. Auch solche Lebensmittel, in denen Eier verarbeitet wurden, wie beispielsweise Nudeln, Mayonnaise oder Eierlikör, wurden im Rahmen eines Sonderprogramms von den deutschen Überwachungsbehörden untersucht. Die heute vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass in 116 der 903 Proben Rückstände von Fipronil nachgewiesen wurden. Sämtliche gemessenen Fipronilgehalte lagen jedoch deutlich unterhalb der Konzentration, die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als gesundheitlich bedenklich angesehen wird.

Im Juli 2017 wurden über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) zahlreiche Überschreitungen des Rückstandshöchstgehalts für das Insektizid Fipronil in Eiern und Geflügelfleisch gemeldet. Als Eintragsquelle für Fipronil wurde das Reinigungs- und Desinfektionsmittel einer niederländischen Firma ermittelt, welches hauptsächlich in Belgien und den Niederlanden, aber auch in Deutschland eingesetzt worden war.

Schon während des Fipronil-Geschehens hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, neben Eiern und Geflügelfleisch auch Lebensmittel mit hohem Eigehalt zu kontrollieren. Im Rahmen des bereits bestehenden Bundesweiten Überwachungsplans (BÜp) 2017 wurde daher kurzfristig ein Sonderprogramm zur risikoorientierten Untersuchung von Ei Verarbeitungsprodukten und eihaltigen Tiefkühlprodukten initiiert.

87 % der Proben ohne Fipronilnachweis

Von August bis Oktober 2017 wurden insgesamt 903 Proben verarbeiteter Produkte mit einem hohen Eigehalt von den Überwachungsbehörden in den Bundesländern auf Fipronil untersucht. Die Proben, unter anderem Spätzle, Eierkuchen, Eierplätzchen, Eierlikör und Mayonnaise, wurden sowohl bei Herstellern als auch im Einzelhandel genommen.

In 116 Proben (13 %) konnten dabei Fipronilrückstände nachgewiesen werden. In der Kategorie Halbfertigerzeugnisse, unter die auch Erzeugnisse wie Eipulver oder Flüssigei fallen, wurde der höchste Anteil an Proben mit Fipronilnachweis gemeldet (25 % der Proben). Diese Erzeugnisse werden in der Regel noch weiter verarbeitet. Bei alkoholischen Getränken (z. B. Eierlikör) konnten in 17 % der untersuchten Proben Rückstände von Fipronil ermittelt werden. Die geringsten Nachweisquoten wurden für die Kategorien Feinkost (8 %) und Fertiggerichte (6 %) gemeldet.

Anders als bei den Primärprodukten Eier und Geflügelfleisch existiert für verarbeitete Produkte kein gesetzlicher Höchstgehalt für Fipronil-Rückstände. Vielmehr ist eine Umrechnung auf die in dem jeweiligen Produkt eingesetzte Ei-Menge notwendig.

Im Zuge des Fipronil-Geschehens 2017 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Risiken bewertet, die durch den Verzehr von mit Fipronil belasteten Eiern hergestellten Lebensmitteln möglicherweise entstehen können. Die im BÜp-Sonderprogramm ermittelten Rückstandswerte lagen alle deutlich unterhalb der Konzentration, die das BfR als gesundheitlich bedenklich einstuft.

Bundesweiter Überwachungsplan

Der Bundesweite Überwachungsplan (BÜp) ist ein zwischen den Bundesländern abgestimmtes, für ein Jahr festgelegtes Überwachungsprogramm. Der BÜp kann zur Abklärung aktueller rechtlicher Fragestellungen, die Lebensmittel, Wein, kosmetische Mittel, Bedarfsgegenstände und Tabak betreffen, genutzt werden. Die Auswahl der Programme erfolgt nach einer Risikoanalyse. Die erhobenen Daten des BÜp sind daher aussagekräftig, aber nicht repräsentativ.

Weiterführende Informationen

Bericht zum Programm 1.6 „Untersuchung von Fipronil in Ei-Verarbeitungsprodukten und eihaltigen Tiefkühlprodukten“ aus dem Bundesweiten Überwachungsplan 2017

Informationen des BfR zu Fipronil

Quelle: BVL

Genetische Diversität – Schützenswerte Vielfalt des Buša-Rinds

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Foto by Fraxinus Croat – Own work, CC BY-SA 3.0,

Das Buša-Rind gehört zu den bedrohten autochthonen Rinderrassen in Südosteuropa. Es gibt nur noch kleine Herden, die voneinander abgegrenzt in den Ländern des Balkans leben. Forscher um Dr. Ivica Medugorac, Leiter der Arbeitsgruppe Populationsgenomik, Veterinärwissenschaftiches Department der LMU, haben nun erstmals die genetische Vielfalt dieser Population erfasst und mit anderen europäischen Rinderrassen verglichen. Ihre Studie ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Molecular Ecology veröffentlicht.

In Zusammenarbeit mit Kollegen in Südosteuropa hat der LMU-Forscher DNA-Proben von 1828 Rindern aus 60 verschiedenen Rinderrassen und Schlägen analysiert. Die insgesamt 350 genomweit genotypisierten Buša-Rinder aus sieben Balkan-Ländern sind in 14 Schläge strukturiert, zählen jedoch zu einer gemeinsamen Metapopulation. Die genetischen Analysen zeigen, dass Buša-Rinder wesentlich zur genetischen Diversität der weltweiten Rinderpopulation beitragen. „Die Buša-Rinder sind einmalig, kaum künstlich selektiert und daher für eine nachhaltige Tierzucht wertvoll. Ihr Erhalt ist für die genetische und funktionelle Vielfalt der Rinder weltweit von großer Bedeutung“, sagt Ivica Medugorac.

Im Gegensatz zu modernen europäischen Rindern sind Buša-Rinder sehr klein, jedoch genügsam, widerstandsfähig, langlebig und sehr fruchtbar. Sie werden in Südosteuropa extensiv als Milch- und Fleischlieferanten gehalten sowie in früheren Zeiten auch als Zugtiere. In der Studie haben die Autoren ein Modell für ein grenzübergreifendes Erhaltungsprogramm des Buša-Rinds entwickelt, das auch auf andere Haustiere sowie in Gefangenschaft gehaltene Populationen (Zoo) übertragbar ist.

Die Studie wurde im Rahmen des Projekts „BushaLive“ der SAVE Foundation durchgeführt, die durch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gefördert wurde.

Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München