Schweinehalterin schreibt Offenen Brief an Schlachtunternehmen

Nadine Henke, Tierärztin und Sauenhalterin aus Bruchhausen-Vilsen, fragt in einem Offenen Brief zum Thema Ferkelkastration Deutschlands große Schlachtunternehmen, welchen Weg diese ihren Lieferanten für die unmittelbare Zukunft empfehlen. Hier ihr Schreiben im Wortlaut:

Offener Brief an Marcus Mosa (EDEKA), Lionel Souque (REWE), Klaus Gehring (Schwarz Gruppe), Marc Heußinger (Aldi), Olaf Koch (Metro Gruppe), Clemens Tönnies (Tönnies Fleisch), Tom Heidmann (VION), Johannes Steinhoff (Westfleisch), Kjeld Johannesen (Danish Crown), Martin & Stefan Müller (Müller Gruppe)

Sehr geehrte Herren,

der 01.01.2019 rückt immer näher. Mit diesem Datum soll in Deutschland nun endlich mit der betäubungslosen Ferkelkastration Schluss sein. Allerdings stehen damit unsere deutschen Ferkelerzeuger und auch die Mäster vor einer großen Herausforderung.

Drei Alternativen stehen zur Verfügung
Zur Zeit gibt es drei zugelassene Verfahren: Es besteht die Möglichkeit, die Ferkel von einem Tierarzt betäuben zu lassen, und sie dann zu kastrieren. Die Ferkel könnten jedoch auch einfach unkastriert bleiben und als Eber gemästet werden. Eine weitere Variante wäre die Immunokastration. Alle drei Verfahren haben sowohl Vor– als auch Nachteile. Alle drei Alternativen sind wie oben schon erwähnt zugelassen und damit möglich. Wir Landwirte sind bereit, das gewünschte Verfahren in die Praxis umzusetzen. Nur dazu benötigen wir eine gewisse Planungssicherheit. Denn der Ferkelerzeuger muss in den ersten Lebenswochen entscheiden, ob die Tiere kastriert werden sollen, oder nicht. Und auch der Mäster muss wissen, ob er später eine Absatzmöglichkeit hat (als Volleber oder immunokastriert), wenn er beispielsweise Eber kauft.

Weiterer Strukturwandel?
Unsere Ferkelerzeuger stehen zur Zeit vor einem riesengroßen Dilemma, denn sie müssen die Entscheidung treffen. Sie wissen zur Zeit nicht, egal was sie tun, ob sie später Ferkel erzeugt haben, die am Markt auch nachgefragt werden. Sie stehen in direkter Konkurrenz zu anderen europäischen (v.a. dänischen und holländischen) Ferkelerzeugern, die weiterhin problemlos Kastrate (völlig losgelöst unter welchen Voraussetzungen diese kastriert wurden) liefern dürfen und werden.

Sehr geehrte Herren,

wir Ferkelerzeuger möchten weiterhin wettbewerbsfähig bleiben. Bitte sagen Sie uns, welches Verfahren Ihr Unternehmen bevorzugt, damit wir uns darauf einstellen können. Lassen Sie uns zeitnah in den Dialog treten und gemeinsam eine Lösung finden. Damit es auch in Zukunft noch ein 4 x D gibt.

Mit freundlichen Grüßen!
Nadine Henke

Wie aus fleischfressenden Wespen vegetarische Bienen wurden

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Ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter Entomologe und Evolutionsbiologe Michael Ohl vom Museum für Naturkunde Berlin, stellt eine Hypothese über den evolutiven Ursprung der Bienen und ihre nächsten Verwandten im renommierten Wissenschaftsmagazin Journal BMC Evolutionary Biology auf. Danach zählen die nächsten Verwandten der Bienen zu einer Wespengruppe, die zu den Grabwespen gehört. Damit wurde eines der faszinierendsten Rätsel in der Evolutionsforschung der Wespen und Bienen gelöst, nämlich wie aus den ursprünglich fleischfressenden Grabwespen vegetarische Bienen wurden.

Bienen sind mit mehr als 20.000 bekannten Arten weltweit eine enorm vielfältige Insektengruppe. Besonders den Wildbienen kommt eine große Bedeutung bei der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen zu. Die Entwicklung ihrer rein vegetarischen Ernährung war eine der wichtigsten Innovationen der Bienen und Ausgangspunkt für ihren enormen evolutiven Erfolg. Einem Team aus elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter Entomologe und Evolutionsbiologe Michael Ohl vom Museum für Naturkunde Berlin ist es nun gelungen, eine plausible Hypothese über den evolutiven Ursprung der Bienen und zu der Frage nach ihren nächsten Wespenverwandten zu entwickeln.

In einer umfangreichen genetischen Studie, in der 195 Gene von mehr als 180 Wespen- und Bienenarten untersucht wurden, konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen detaillierten Stammbaum rekonstruieren. Dieser zeigt, dass die nächsten Verwandten der Bienen zu einer Wespengruppe zählen, die zu den Grabwespen gehört und den wissenschaftlichen Namen Ammoplanidae trägt. Diese nur wenige Millimeter großen Wespen jagen als Nahrung für ihre Larven blütenbesuchende, pollenfressende Thripsen (Gewittertierchen) und tragen sie in ihre Nester ein.
Es ist wahrscheinlich, dass durch den Transport von Thripsen, die Pollen gefressen hatten sowie von Pollen bedeckt waren, der Pollen zufällig von den Wespenlarven mitgefressen wurde. Dies war der erste Schritt auf dem Weg zur obligatorischen Pollenernährung und damit zur Entstehung der Bienen. Das Auftreten von Blütenpflanzen in der frühen Kreidezeit (vor etwa 100 Millionen Jahren) führte zu einer vielfältigen evolutiven Entwicklung und Koevolution von Blütenpflanzen und Bestäubern. Die Umstellung auf eine rein vegetarische, pollen- und nektarfressende Lebensweise eröffnete den frühen Bienen nicht nur neue Lebensräume, sondern auch eine einfachere Strategie zum Eintragen von Nahrung für ihre Larven im Vergleich zur Jagd nach lebendigen und wehrhaften Beutetieren.

Die Hypothese, dass die ältesten Vorfahren der Bienen nur wenige Millimeter große Wespen sein könnten, wird zudem durch den Fossilbefund unterstützt, nach dem die ältesten bekannten Bienen aus kreidezeitlichem Bernstein ebenfalls Arten mit sehr geringer Körpergröße waren. Michael Ohl vom Museum für Naturkunde Berlin, und Manuela Sann, die jetzt an der Universität Freiburg tätig ist, sind Initiatoren des Projekts. Sie betonen, dass mit ihrer Untersuchung eines der faszinierendsten Rätsel in der Evolutionsforschung der Wespen und Bienen gelöst wurde, nämlich wie aus den ursprünglich fleischfressenden Grabwespen vegetarische Bienen wurden. Aufbauend auf ihren Befunden schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun eine gravierend überarbeitete Klassifikation der Grabwespen vor. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in dem international renommierten wissenschaftlichen Journal BMC Evolutionary Biology veröffentlicht.

Quelle: Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

Vielfältige Aktionen am 1. Juni zum Internationalen Tag der Milch

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Weltweit wird am 1. Juni 2018 wieder in vielfältigen Veranstaltungen der Internationale Tag der Milch gefeiert. „Der Internationale Tag der Milch bietet allen Interessierten die Möglichkeit, sich bei einer der zahlreichen Aktionen über die Leistungen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Milchbauern sowie das Produkt Milch aus erster Hand zu informieren“, so Karsten Schmal, der Milchbauernpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Wettmelken mit der Hessischen Milchkönigin Sarah I. und viele andere Aktionen der Landesvereinigungen Milch und der Landesbauernverbände ermöglichen es den Verbrauchern, der Politik sowie den Medien mit den Milchbauern in den Dialog zu kommen.

Der Deutsche Bauernverband lädt alle Interessierten ein, sich am Internationalen Tag der Milch über die Leistungen der Milchbranche zu informieren und sich über den Ernährungswert des Grundnahrungsmittels Milch und den daraus gewonnenen Milchprodukten zu informieren.
Deutschlandweit produzieren rund 67.000 Milcherzeuger dieses gesunde und hochqualitative Nahrungsmittel.

Informationen zu den bundesweit geplanten Veranstaltungen finden Sie beim DBV

Quelle: DBV

Topigs Norsvin weltweit auf Erfolgskurs

Schweinezuchtunternehmen schließt Jahresbilanz mit starkem Umsatzwachstum und Gewinnanstieg ab. Neue Sauenlinie TN70 sorgt für Wachstum

Das niederländische Schweinezuchtunternehmen Topigs Norsvin konnte das zurückliegende Geschäftsjahr mit einem deutlichen Umsatzplus und einem starken Anstieg im operativen Ergebnis abschließen. So erzielte Topigs Norsvin in 2017 ein operatives Ergebnis von 9,4 Millionen Euro. Dies entspricht einer Steigerung von rund 140 Prozent gegenüber 2016, in dem ein Ergebnis von 3,9 Millionen Euro verbucht wurde. Im gleichen Zeitraum stieg der Umsatz des Unternehmens um 20 Millionen Euro auf 139 Millionen Euro.

Positive Entwicklungen im Umsatz konnte das Unternehmen insbesondere bei den Sauenlinien verzeichnen. Hier betrug der Umsatzzuwachs 10 Prozent. Ein Großteil dieser Steigerung stammt dabei aus Umsätzen mit der neuen TN70 Sauenlinie, aber auch die Umsätze im Bereich der Endstufen-Eber stiegen um 21 Prozent. „Die aktuellen Endstufen-Eber von Topigs Norsvin passen perfekt in den Markt und sind zunehmend bei zukunftsorientierten Schweinehaltern gefragt“, fasst Eduard Eissing, Geschäftsführer der TOPIGS SNW GmbH, die Entwicklung zusammen.

In den nächsten Jahren plant Topigs Norsvin ein umfassendes Investitionsprogramm, um weitere Produktinnovationen und -verbesserungen voranzutreiben. In diesem Jahr beträgt alleine das Budget für Forschung & Entwicklung mehr als 21 Millionen Euro. Darüber hinaus wird Topigs Norsvin im Juni 2018 das Forschungszentrum Delta in Canada eröffnen.

Hier wurden 10 Millionen Euro investiert und, genau wie im Delta-Zentrum in Norwegen, wird Delta Canada durch den Einsatz eines CT-Scanners die Qualität der Eber in hohem Maße verbessern. Diese präzisere Messmethode ermöglicht es, den genetischen Fortschritt zu beschleunigen und den Topigs Norsvin-Kunden angepasste Genetik zu liefern.

Quelle/Foto: Topigs Norsvin

Ferkelkastration – wie soll’s (weiter) gehen?

Im neuesten Beitrag unserer Schwesterseite www.stallbesuch.de stellt Gerhard Langreiter, Ferkelerzeuger aus Bayern, seine Sicht dar. Es geht um die verschiedenen Kastrationsmethoden, drohenden Tierärztemangel, Bruderferkel und Import-Schutz, Improvac im Praxis-Test und in verschiedenen Stallsystemen, um bäuerliche Landwirtschaft in Sonntagsreden und in der Realität und um vieles mehr.

ISN: Die K-Fragen sind das Damoklesschwert

Über ihren Parlamentarischen Abend am 15. Mai berichtet die ISN:

Wer dachte, beim traditionellen Spanferkelessen der ISN in Berlin gäbe es nur leicht verdauliche Kost serviert, der hatte sich geirrt. Wie ein Damoklesschwert schweben die großen K-Fragen über den Köpfen der Schweinehalter – besonders ernst ist die Lage für die Ferkelerzeuger in Deutschland. Deshalb war der Titel des diesjährigen parlamentarischen Abends der ISN: Zeit für Entscheidungen. Wie sehr die Zeit drängt, wurde in den Diskussionen mehr als deutlich.

Diskussionen zwischen Politik und Praxis
Rund 150 Gäste waren der Einladung der ISN in die Landesvertretung Niedersachsen gefolgt, um mit Schweinemästern und Ferkelerzeugern über die dringenden politischen Entscheidungen in Sachen Schweineproduktion zu diskutieren. Unter den Gästen waren unter anderem der Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium, die agrarpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen (siehe Diskussionsrunde), zahlreiche Abgeordnete des Bundestages und der Länderparlamente, viele hochrangige Vertreter aus den Ministerien, Mitglieder der Parteijugenden sowie Gäste anderer Organisationen. Natürlich waren auch wieder viele Schweinehalter dabei, so dass nach einem intensiven Auftakt über die brennendsten politischen Themen eine ausgedehnte Gelegenheit zum fachlichen Austausch zwischen den Politikern und Praktikern in gemütlicher Atmosphäre beim Spanferkel bestand.

Ferkelerzeugern droht dramatischer Strukturwandel
Der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes zeigte zu Beginn der Veranstaltung auf, welche Sorgen die Schweinehalter und insbesondere die Ferkelerzeuger derzeit plagen. Da wäre zum einen das Verbot der betäubungslosen Kastration ab dem 1.1.2019, und die Frage nach den Alternativen. Dann kommt die Kastenstandfrage mit den damit verbunden hohen und für die meisten Ferkelerzeuger nicht zu stemmenden (Um-)Baukosten im Deckzentrum und Abferkelbereich. Als weitere K-Fragen folgen der Verzicht auf das Kupieren der Schwänze und Kennzeichnung von Haltung und Herkunft von Schweinefleisch. Verehrte Politiker: Lassen Sie die deutsche Sauenhaltung nicht ins offene Messer laufen!, appellierte Heinrich Dierkes. Es droht ganz konkret ein radikaler Strukturbruch in der deutschen Ferkelerzeugung!

Ersetzen Importferkel die deutsche Ferkelerzeugung?
Die angeführten K-Fragen erörterten dann die agrarpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen, Albert Stegemann (CDU), Rainer Spiering (SPD), Dr. Gero Hocker (FDP) und Friedrich Ostendorff (B90/Grüne) unter der Moderation von Dr. Karl-Heinz Tölle von der ISN Projekt GmbH. Letzterer machte noch einmal klar, dass allein Umbaukosten von einer halben Mio. € durch geänderten Vorgaben in der Kastenstandfrage für einen typischen deutschen Betrieb mit 250 Sauen nicht zu leisten sind. Dafür braucht es nicht einmal größere ökonomische betriebliche Berechnungen, so Tölle. Auf der anderen Seite sehen wir, dass große Sauenanlagen in Spanien ihre Ferkelerzeugung ausdehnen.

Und eine weiteren Zahl macht den Ernst der Lage deutlich. Zu den aktuell 11 Mio. Importferkeln aus Dänemark und den Niederlanden kommen noch einmal gut 8 Mio. Ferkel aus den genannten Ländern hinzu, die Deutschland momentan nur durchqueren, um in andere EU-Staaten verbracht zu werden. Ferkel, die ganz schnell auch in Deutschland bleiben könnten, wenn sich hierzulande – wie befürchtet – die Wettbewerbssituation der Ferkelerzeugerbetriebe durch die K-Fragen verschlechtert.

Wenig konkrete Lösungen
Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, mahnte in seinem Grußwort: Wir müssen die Sauenhaltung in Deutschland zukunftsfähig machen. Dafür müssen wir alle mitnehmen und praktische Lösungen finden. Nur wenn wir hier produzieren, haben wir auch einen Blick darauf. Bei einer Abwanderung ins Ausland können wir die Produktion nicht mehr kontrollieren.
Wer dazu klare Lösungsvorschläge aus der Diskussion der Agrarsprecher erwartet hatte, wurde enttäuscht. Zu sehr gingen die Positionen auseinander und zu wenig konkret waren die diskutieren Lösungen. Weitgehende Einigkeit bestand im Grundsatz darin, dass man die Ferkelerzeuger bei der Umsetzung der Lösungen unterstützen muss – meist wurde es aber wenig konkret. Für die anstehenden Kosten beim Umbau der Sauenställe sprach sich Spiering für eine Erweiterung des Haushalts des Bundeslandwirtschaftsministeriums aus. Auch eine Umverteilung der der EU-Mittel mit einer gezielten Verknüpfung zu den Tierschutzfragen hielt er für sinnvoll.

Kastration – die Zeit läuft davon
Beim Thema Schmerzausschaltung bei der Kastration verwies Friedrich Ostendorff auf das geltende Gesetz: Die Schmerzausschaltung ist maßgeblich, jedes Verfahren muss sich daran messen lassen. Ich persönlich bin überzeugt von Isofluran. Der erfahrene Grünen-Politiker zeigte sich – insbesondere auch in der Kastenstandfrage – überzeugt von der Entwicklungskraft der Tierhalter. Er machte deutlich, dass alle gemeinsam an praktikablen Lösungen arbeiten müssen. Albert Stegemann sieht in der Ebermast und der Impfung gegenüber Ebergeruch (die bezeichnenderweise im Laufe der Diskussion sehr oft fälschlicherweise als Hormonbehandlung bezeichnet wurde) keine breite salonfähige Lösung und sprach sich deshalb dringend für den sogenannten vierten Weg, der lokalen Betäubung durch den Landwirt, aus.
Aus seiner Sicht sei dazu eine Anpassung des Tierschutzgesetzes in Schmerzlinderung statt Schmerzausschaltung nötig. Keine großen Hoffnungen machte an dieser Stelle Rainer Spiering von der SPD: Meine Partei wird sich nicht dazu bewegen lassen, das Tierschutzgesetz zu ändern. Der Druck der Gesellschaft auf die geltende Gesetzgebung sei in diesem Fall zu hoch. Dr. Gero Hocker warf dazu ein, dass Schweinehalter hierzulande teilweise strengeren Bedingungen unterliegen: Die Rahmenbedingungen müssen EU-weit gleich sein, sonst können unsere Ferkelerzeuger nicht kostendeckend produzieren.

Das ISN-Fazit
Die offene Fragen bleiben – den meisten Teilnehmern dürften aber spätestens beim gestrigen parlamentarischen Abend die Augen aufgegangen sein, wie ernst es um die deutsche Ferkelerzeugung steht. Jetzt ist es höchste Zeit für gemeinsame Entscheidungen – über Parteigrenzen hinweg und unter Einbeziehung der der Praxis in die Lösungsfindung

Quelle: ISN

Inno+ stellt neues Konzept zur Abluftreinigung und Wärmerückgewinnung vor

Inno+, ein niederländischer Anbieter in den Bereichen Abluftreinigung, Klimatisierung und erneuerbare Energien für die Schweine- und Geflügelzucht, präsentiert auf der VIV in Utrecht ein neues Konzept für Viehzüchter, die in eine Abluftreinigungsanlage zur Reduzierung von Ammoniak, Gerüchen und Staub investieren wollen.

Wird die Abluftreinigungsanlage um ein integriertes Wärmerückgewinnungssystem erweitert, verspricht der Hersteller bis zu 87% Energie-Einsparung. Durch die Nutzung der wiedergewonnenen Wärme lasse sich das Klima, die Tiergesundheit und die Futterverwertung im Stall verbessern. Inno+ vermarktet sein neues Konzept unter dem Namen Triple EEE.

Bis zu 87 % Energieeinsparung durch Wärmerückgewinnung in der Schweinezucht
Schweine produzieren viel Wärme, die momentan meistens über die Abluft aus dem Stall geblasen wird. Beim Triple EEE-Konzept blasen Ventilatoren warme Stallluft durch die Abluftreinigungsanlage. Ammoniak, Gerüche und Staub werden hier aus der Stallluft herausgefiltert. Die warme Stallluft (22°C bis 24°C) erwärmt das Wasser im Abluftreiniger. Dieses Wasser wird direkt an einem eingebauten Wärmetauscher vorbeigeführt. Die Flüssigkeit im Wärmetauscher wird so auf 16°C bis 20°C erhitzt. Eine energieeffiziente Umwälzpumpe bringt das erwärmte Wasser aus dem Wärmetauscher zum Lufteinlass im Stall. Dort wird das erwärmte Wasser mit der einströmenden, kalten Zuluft in Kontakt gebracht.

Besseres Stallklima und verbesserte Tiergesundheit durch mehr Wärme im Stall
Das Triple EEE-Konzept ermöglicht das Erwärmen der in den Stall einströmenden Zuluft sogar im Winter auf mindestens 8°C. So können Viehzüchter auch an kalten Tagen eine optimale Lüftung gewährleisten. Sie begegnen damit Themen wie Feuchtigkeit, Zugluft und Schwankungen im Stallklima. Neben der Energie für die Erwärmung der Zuluft liefert sie auch ausreichend Energie zum Erwärmen der Böden im Abferkel- oder Ferkelstall erklärt Inno+ und mehr Wärme im Stall führe auch zu einer besseren Futterverwertung.

Kombinierbar mit allen Abluftreinigungsanlagen von Inno+
Die Rückgewinnung der Stallwärme mit dem Triple EEE-Konzept kann mit den organischen, chemischen und Kombi-Abluftreinigungsanlagen von Inno+ kombiniert werden. Zum Triple EEE-System zur Wärmerückgewinnung gehört auch ein Web-Management-System, das den Viehzüchtern jederzeit einen genauen Einblick in die aktuelle Situation und Historie ermöglicht.

Weitere Informationen über Triple EEE auf der Homepage des Herstellers.

Quelle: Inno+

Tiergesundheit und Antibiotika im Broilerstall

Wie werden Masthähnchen in Deutschland gehalten? Wie sehen Hygiene-Management, Krankheits-Prophylaxe und Bestandsbetreuung aus und welche Krankheiten können Broiler überhaupt bekommen? Auf diese und weitere Fragen geht der Fachtierarzt Dr. Andreas Wilms-Schulze Kump im ersten Teil eines ausführlichen Interviews ein. Er erklärt, wann und wie in seiner Praxis Antibiogramme erstellt werden, verrät wie oft ein Hähnchenmäster eigentlich Besuch von Tierärzten bekommt und einiges mehr.

Reserve-Antibiotika ohne Alternative
Wann welche „Reserve-Antibiotika“ in der Hähnchenmast eingesetzt werden und warum dies geschieht, schildert der Fachtierarzt für Geflügel im zweiten Teil des Gespächs. Dabei spielen Polymyxine (Colistin) und weitere antibiotische Wirkstoffe, die von der WHO als „critically important“ eingestuft werden, eine wichtige Rolle. Es geht um Nahrungsmittelsicherheit für den Verbraucher und um „Wartezeiten“ für Fleisch und Eier.

Colistin hat etwa bei Eiern eine Wartezeit von Null und bei Fleisch von zwei Tagen. Eier und Fleisch von behandelten Tieren können also schon kurz nach Beendigung der antibiotischen Therapie wieder in Verkehr gebracht werden. Bricht eine Krankheit im Hühnerstall z. B. wenige Tage vor dem Schlachttermin aus, können nur noch Mittel eingesetzt werden, deren Wartezeit vor dem geplanten Ausstall-Termin endet. Und in diesem Sinn ist Colistin – auch im Hähnchenstall – ein „Reserve-Antibiotikum“.

Was hingegen droht, wenn dem Tierarzt durch Verbote die Alternativen ausgehen, schildert Andreas Wilms am Beispiel der Histomoniasis bei Puten. Zur Behandlung der „Schwarzkopfkrankheit“ ist in Deutschland nämlich kein antibiotischer Wirkstoff zugelassen. Deswegen kostet es erkrankte Puten das Leben, wenn ein erkrankter Bestand auf Anweisung des Amtstierarztes gekeult wird und unter Umständen kostet es den Putenhalter die Existenz.

Antibiotika-Verbrauch im Hähnchenstall
Auch zum Antibiotika-Monitoring, dem bisher erreichten Grad der Reduktion und Alternativen zum Antibiotika-Einsatz bezieht Andreas Wilms Stellung.

Der Geflügelspezialist schätzt, dass sich die Verbrauchsmengen beim Hähnchen, nach der Halbierung seit 2011, nicht weiter verringern lassen. Geringer Medikamenteneinsatz sei ja auch kein sicheres Zeichen guter Tierhaltung, sagt er, manchmal träfe gar das Gegenteil zu. In viehdichten Gebieten sei allein der Keimdruck naturgemäß höher und damit verbunden der Medikamenteneinsatz.

Wichtig sind für den Fachtierarzt ein guter Impfschutz gegen Viren und starke Abwehrkräfte gegen Keime. Dann kämen im Krankheitsfall viel häufiger ätherische Öle und Vitamine zum Einsatz, als etwa Antibiotika. „Wer in unsere Autos schaut, findet dort viel mehr pflanzliche Aromen als Antibiotika“, sagt der Geflügel-Spezialist.

Hier das vollständige Interview in drei Teilen:

Big Data im Stall – Zukunftsmodell oder Sackgasse?

Auch in der Landwirtschaft spielt die Digitalisierung eine zunehmend bedeutendere Rolle. Automatisierte Prozesse, der Einsatz von Robotertechnik und die Nutzung von Geodaten sind in vielen Betrieben bereits Standard. „Big Data im Stall – Zukunftsmodell oder Sackgasse?“ ist das Schwerpunktthema des 7. Wilhelm-Stahl-Symposiums am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf.

Vernetzt oder verheddert?
Die Veränderung fast aller Lebensbereiche durch die Digitalisierung stellt auch die Landwirte vor gänzlich neue Herausforderungen. Viele Arbeitsabläufe werden deutlich vereinfacht. Von optimierter automatischer Fütterung über Gesundheitsüberwachung bis hin zur Brunsterkennung in der Zucht – die Liste der innovativen Einsatzmöglichkeiten ist lang. Die moderne Nutztierhaltung profitiert zweifellos von dieser Entwicklung. Doch die Fortschritte in der Branche müssen andererseits für alle Landwirte zugänglich und nutzbar sein. Dafür müssen die Voraussetzungen stimmen. Die Fragen für Wissenschaft, Praxis und Politik zur intelligenten Verknüpfung etablierter digitalisierter Abläufe oder zur Nutzung und zum Schutz gewonnener Daten stehen dabei im Raum, ebenso wie die Investitionskosten und der Mehrwert für Mensch, Tier und Umwelt.

Das Dummerstorfer Wilhelm-Stahl-Symposium wird gemeinsam von der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Rostock und vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie alle fünf Jahre zu einem aktuellen agrarpolitischen Schwerpunktthema veranstaltet.

7. Wilhelm-Stahl-Symposium Big Data im Stall – Zukunftsmodell oder Sackgasse?
Mittwoch, 6. Juni 2018, 10.00 – 17.30 Uhr – Tagungszentrum des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf, Wilhelm-Stahl-Allee 2

Eröffnung und Begrüßung

Prof. Dr. Klaus Wimmers, Vorstand FBN Dummerstorf
Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Festvorträge

„Digitale Transformation und Big Data – Plädoyer für nachhaltige Technikgestaltung“ – Prof. Dr. Klaus Mainzer, Technische Universität München

„Digitalisierung und Big Data – Innovation in der Nutztierhaltung!?“ – Prof. Dr. Thomas Jungbluth, Universität Hohenheim

Fachvorträge zum Thema – Big Data und Tiermanagement

„Vernetzt oder verheddert – Wie steht es um die zukunftsorientierte Digitalisierung in der Milchviehhaltung?“ – Andreas Pelzer, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

„Big Data in der Tierzucht – Welche Herausforderungen und Erwartungen haben die Unternehmen?“ – Dr. Bianca Lind, Bundesverband Rind und Schwein e.V.

„Vom Sensor zur Entscheidung“ – Prof. Dr. Norbert Reinsch, FBN Dummerstorf

Fachvorträge zum Thema – Neue Phänotypen für Tierwohl und Tiergesundheit

„Big Data – Mittel zu welchen Zwecken?“ – Prof. Dr. Albert Sundrum, Universität Kassel

„Neue Technologien für neue Phänotypen in einem internationalen Schweinezucht- programm“- Dr. Barbara Harlizius /Dr. Egbert Knoll, Topigs Norsvin Research Center Breuningen, Niederlande

„Neue Phänotypen: Was können sie uns über die Diversität von Prädisposition und Haltungsansprüchen bei Nutztieren sagen?“ – Prof. Dr. Christa Kühn, FBN Dummerstorf

Fachvorträge zum Thema – High Tech und Transparenz

„Tierethik und Nutztierhaltung – Sind Landwirtschaft 4.0 und Ansprüche aus der Tierethik miteinander vereinbar?“ – Christian Dürnberger, VetMed Universität Wien

„Transparenz in der Lebensmittelproduktion – dient nicht nur als Tool zur Verbesserung der Verbraucherakzeptanz“ – Sandra Erdmann, EDEKA Nord GmbH

„Milchrindzuchtziele zwischen Tradition und Moderne – Was Daten erklären können“ – PD Dr. Anke Römer, Landesforschungsanstalt MV

Anmeldung
Dr. Norbert K. Borowy: borowy(at)fbn-dummerstorf.de

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Kraftfutter einsparen – mehr verdienen

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Viele Schweizer Milchviehhalterinnen und -halter setzen bei der Produktion variable Anteile an Frischgras und Kraftfutter ein. Agroscope-Forschende konnten jetzt zeigen, dass man eine sehr gute Wirtschaftlichkeit erreichen kann, wenn man weitgehend auf Frischgras setzt. Dadurch lässt sich die Milch um einen Viertel bis einen Drittel günstiger produzieren. Die größten Einsparungen ergeben sich beim Kraftfutter.

Agroscope-Forschende haben drei Pilotgruppen von Milchvieh-Betrieben gegenüber einer Referenzgruppe getestet. Letztere ist repräsentativ für die Schweizer Milchproduktion (Details siehe unten). Die drei Pilotgruppen sind:

– Vollweide
– Eingrasen mit wenig Kraftfutter
– Eingrasen mit viel Kraftfutter

In den drei Pilotgruppen lässt sich die Milch unter Einsatz von Frischgras bei optimalem Kostenmanagement bis zu einem Drittel günstiger produzieren als in der Referenzgruppe, die mit konventioneller Fütterung arbeitet. Die größten Einsparungen ergeben sich beim Kraftfutter, das seit Jahren zu einem vergleichsweise hohen Preis eingekauft werden muss, dann aber auch beim Gebäude und bei der Arbeit.

Vollweide zahlt sich aus
Im Vollweidesystem lassen sich höhere Arbeitsverwertungen realisieren. Zudem können so tiefere Milchpreise verkraftet werden als mit den beiden Mischsystemen mit Eingrasen. Eingrasbetriebe mit viel Kraftfutter sind trotz höherem Milchproduktionsvolumen nicht im Vorteil gegenüber denjenigen mit wenig Kraftfutter. Die hohen Direktkosten und die tieferen Nebenerlöse (Fleischerlöse und Direktzahlungen) je kg Milch werden durch die tieferen Arbeits- und Gebäudekosten nicht ausgeglichen. Das zeigt, dass auch Betriebe mit geringeren Milchmengen sehr gute Ergebnisse erzielen können, sofern sie die Kosten bewusst tief halten.

Bis zu einem Drittel günstiger produzieren
Alle untersuchten Pilotgruppen produzieren die Milch um 24 % bis 32 % günstiger als die Referenzgruppe und weisen eine um 8 bis 13 CHF höhere Arbeitsverwertung je Arbeitsstunde aus. Letztere ist größtenteils auf ein besseres Management bzw. ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein zurückzuführen (Details siehe unten).

Welche Frischgras-Systeme sind wirtschaftlich erfolgreich?
Diese Fragestellung wurde im gemeinschaftlichen Projekt «Optimierung von graslandbasierten Milchproduktionssystemen auf Basis von Eingrasen» (Federführend: Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen und das Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung (BBZN) Hohenrain) mit 36 Pilotbetrieben über drei Jahre (2014–2016) untersucht. Die Betriebe wurden in drei Pilotgruppen eingeteilt: zwei Mischsysteme mit durchschnittlich 430 kg Kraftfutter (Eingrasen mit wenig Kraftfutter) bzw. 1160 kg Kraftfutter (Eingrasen mit viel Kraftfutter) pro Kuh und Jahr, dazu ein Vollweidesystem mit 90 kg Kraftfutter pro Kuh und Jahr. Die 36 Pilotbetriebe wurden auf die drei Gruppen verteilt. Am Schluss hat Agroscope die Daten genutzt, um für jede Pilotgruppe einen Modellbetrieb mit typischen Daten aufzustellen. Eine weitgehend repräsentative Referenzgruppe, sozusagen «der Schweizer Normbetrieb», wurde diesen gegenübergestellt.

Hintergrundinformationen zur Datengrundlage
Die Ergebnisse der drei Pilotgruppen sind durchwegs besser als die der Referenzgruppe, was auf einen weitgehenden Einsatz von Frischgras zurückgeführt werden kann, der auch tendenziell mit höheren Milchpreisen verbunden ist. So sind Betriebe mit Käsereimilch oder Bio-Milch eher auf eine Frischgrasfütterung angewiesen. Allerdings dürfte auch ein Selektionseffekt zur besseren Wirtschaftlichkeit beigetragen haben, da sich mehrheitlich an Betriebsführung interessierte Teilnehmende meldeten. Die Betriebsleitenden brachten sich aktiv in Arbeitskreisen ein, um bestehende Systeme zu diskutieren und Optimierungen vorzuschlagen. Insofern kann von kostenbewussten Betriebsleitenden mit überdurchschnittlichen Managementfähigkeiten ausgegangen werden.

Quelle: Agroscope Schweiz