Bewertung von Maul-Nasenringen bei Rindern unter dem Aspekt des Tierschutzes #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurden die Folgen des Einsatzes von Maul-Nasenringen, in engem Austausch mit Juristen, tierschutzfachlich bewertet. Die Einschätzung des Amtes erläuterte Dr. Anne Rößler* auf der diesjährigen Tierschutztagung in Hannover.

Maul-Nasenringe (Oberlippen-Nasenringe) sollen das gegenseitige Besaugen von Färsen und Milchkühen verhindern. Beim entsprechenden Eingriff werden Oberlippe, Nasenhöhle und Nasenscheidewand des Tieres durchstochen und auch wenn dies fachgerecht durchgeführt werde (mit Sedation, Lokalanästhesie und Schmermedikation), käme es in der Abheilungsphase zumindest beim Fressen und Trinken immer wieder zu Schmerzspitzen, sagte die Tierärztin. Ebenso könnten während dieser Zeit  Mikroverletzungen bei Körperpflege, Kontakt mit Stalleinrichtungen und Artgenossen auftreten, weil der frischeingezogene Ring immer wieder bewegt und damit das durchstochene Gewebe weiter traumatisiert würde, auch könnten Entzündungen und Abszesse auftreten.

Zwar gäbe es erst wenige Studien zum Thema, aber nach Einschätzung des LGL behindern die Maul-Nasenringe den Aufbau eines Unterdrucks in der Maulhöhle des Rindes als Saugtrinker. Auch sei davon auszugehen, dass die Beweglichkeit von Oberlippe, Flotzmaul und Nase eingeschränkt würden und natürliche Verhaltensweisen der Tiere behinderten. Etwa das Flehmen und Belecken von Nasenlöchern, Eutern und dem Zwischenschenkelbereich. Schließlich bestehe auch ein Risiko, dass sich Kühe am Maul verletzen, wenn sie mit dem Ring etwa an Fütterungs- oder Tränkeinrichtungen hängenblieben.

Dabei gäbe es zur Prävention des Euterbesaugens Alternativen. Dieses Fehlverhalten zeige vor allem Defizite in Management der Tiere, denn es bestünde ein enger Zusammenhang zwischen Besaugen im Kälberalter und bei erwachsenen Kühen. Gegenseitiges Besaugen ließe sich bei Kälbern durch verbessertes Absetzmanagement und Optimierung von Haltung und Fütterung in den ersten Lebenswochen erheblich reduzieren.

Träte das Besaugen bei einzelnen Kühen doch auf, sollten sie schnellstmöglich von der Gruppe getrennt werden. Weil sich das Fehlverhalten auch durch Nachahmung verbreite, sei auch die frühzeitige Schlachtung eines Einzeltieres in Betracht zu ziehen. Ebenso sollten Kühe die eine Prädisposition fürs Besaugen vererben, möglichst von der Zucht ausgeschlossen werden, auch wenn die Heritabilität nur bei 3,7% läge.

Offtmals ließen sich nur bestimmte Tiere in der Herde besaugen. Bei festen Tierkonstellationen könne z. B. der Einsatz von Euternetzten das besaugte Tier schützen.

Ferner könnten sog. Saugschutzhalfter am besaugenden Tier zielführend sein. Wenn sich andere Mittel als unwirksam erwiesen hätten, sei der Gebrauch von Saugstoppringen („Klemmringen“) möglich. Dabei sei darauf zu achten, dass Halfter und Klemmringe regelmäßig kontrolliert werden und nicht dauerhaft am Tier verbleiben, da bei ersteren Scheuerstellen, bei letzteren Läsionen der Nasenscheidewand, entstehen können. Anders als bei Maul-Nasenringen, die, obwohl oftmals nicht erforderlich, darauf abzielen, durch dauerhaften Verbleib am Tier ein Besaugen mechanisch unmöglich zu machen, bestehe das Ziel dieser Methoden darin, den Tieren das unerwünschte Verhalten abzugewöhnen. Der Erfolg der Maßnahme müsse überprüft werden, indem Halfter oder Ring abgenommen und darauf geachtet wird, ob das Tier gelernt hat, das Besaugen zu unterlassen. Bei der Verwendung von Saugstoppringen müsse eine sachgerechte Anbringung gesichert sein. Insbesondere dürfe der Ring nicht so fest angebracht werden, dass er Drucknekrosen der Nasenscheidewand verursacht.

* Landesinstitut Tiergesundheit I, Sachgebiet Tierschutz

Anbindehaltung von Rindern #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Dr. Peter Scheibl* widmete sich bei der diesjährigen Tierschutztagung dem „schwebenden Verfahren“ in Sachen Anbindehaltung. Bislang gibt es nur einen Entwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes, das Thema wird aber schon lange öffentlich diskutiert.

Fachlich unstrittig sei, dass in der Anbindehaltung letztlich alle natürlichen Verhaltensweisen von Rindern widersprechen, sagte Scheibl. Bewegungsmöglichkeiten, Körperpflege- und Sozialverhalten würden eingeschränkt.

Die Bewertung jedes Einzelfalls hänge jedoch maßgeblich davon ab, ob es Zeiten ohne Fixierung gebe, wie etwa saisonale Anbindung, täglichen Auslauf, Weidegang an mehreren Tagen pro Woche. Auch bauliche Gegebenheiten und Bodenbeschaffenheit des Stalls seien zu berücksichtigen, eine dauerhafte Anbindung im Stall jedoch unstrittig tierschutzwidrig.

Gegen ein Verbot dieser Haltungsform würde immer wieder argumentiert, dass sie ohnehin auslaufe und von einem Verbot vor allem kleine Betriebe betroffen wären. Zieht man aber die Statistik zu Rate, zeigt sich der lange Zeithorizont des „automatischen“ Auslaufens. 2010 gab es 3,0 Mio., 2020 immer noch 1,1 Mio. Betriebe.

In Bayern ist der Neubau von Ställen mit ganzjähriger Anbindung seit 2022 verboten, die Umstellung auf Laufställe wird zudem finanziell gefördert. Erhaltung der Kulturlandschaft und Förderung der Biodiversität dürften hier eine wichtige Rolle spielen.

Zwar seien tierschutzrechtliche Anordnungen bereits gerichtlich bestätigt worden, das Verwaltungsgericht Münster etwa schrieb 2022 einen Betrieb vor, seinen Tieren mindestens vom 1.6. bis zum 30.9. täglich mindestens zwei Stunden Auslauf auf einer Weide zu gewähren. Für Amtstierärzte bleibe die Bewertung einzelner Ställe so lange schwierig, bis eine konkrete gesetzliche Regelung vorliege, führte Scheibl aus. Und auch danach würde sich die Frage der Vollziehbarkeit stellen: wie soll die Einhaltung von Zeitfenstern ohne Fixierung tatsächlich überwacht werden?

* Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

Umfangreiche One-Health-Studie zur Verbreitung des Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) in Nature Communications veröffentlicht

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Das „klassische“ Borna disease virus 1 (BoDV-1) wird von Spitzmäusen übertragen und kann zumeist tödliche Gehirnentzündungen bei Tieren (v.a. Pferden) und Menschen verursachen. Die Letalität liegt bei über 90%. Obwohl sowohl das Virus als auch die Erkrankung schon sehr lange bekannt sind, war die Datenlage zur Verbreitung dieses zoonotischen Erregers bisher sehr lückenhaft und größtenteils veraltet.

Unter Leitung des Nationalen Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere am FLI wurde nun die bisher umfassendste Studie zur Verbreitung des BoDV-1 veröffentlicht. Die Studie war im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsverbundes „ZooBoCo“ durchgeführt worden. Beteiligt an der Studie waren mehr als 25 Institutionen aus der Veterinär- und Humanmedizin in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Rahmen dieses Projekts wurden Gehirnproben von aktuellen sowie archivierten Fällen von BoDV-1-Infektionen bei Menschen und Tieren untersucht, die gefundenen Viren genetisch typisiert und umfangreiche Hintergrundinformationen zu den Fällen gesammelt. Eine gemeinsame Analyse dieser neuen Daten in Kombination mit den bereits zuvor publizierten Fällen erlaubt nun erstmals die Festlegung von definierten Kriterien zur Identifikation von Verbreitungsgebieten, in denen ein Risiko für eine Übertragung des BoDV-1 auf Tier und Mensch besteht.

Darüber hinaus liefert die Studie eine erste Übersicht über alle 46 bisher publizierten laborbestätigten BoDV-1-Infektionen beim Menschen.

Hinweise auf ein Vorkommen des Virus wurden ausschließlich in den zuvor bereits angenommenen Verbreitungsgebieten, vor allem in südlichen und östlichen Teilen Deutschlands und begrenzten Gebieten in Österreich und der Schweiz gefunden. Anzeichen einer deutlichen Ausbreitungstendenz des Virus über die vergangenen Jahrzehnte gibt es nicht. Die verschiedenen genetischen Varianten des BoDV-1 treten in voneinander abgrenzbaren Regionen innerhalb des Verbreitungsgebiets auf. Dieser Umstand erlaubt es, anhand ihrer genetischen Signatur die Herkunft der Viren und damit die Infektionsorte von Mensch und Tier einzugrenzen. So konnte in fast allen Infektionsfällen bei Menschen der gefundene Virustyp der jeweiligen Heimatregion der Patientin oder des Patienten zugeordnet werden, was auf in der Regel wohnortnahe Infektionsquellen schließen lässt.

Die Detailuntersuchungen und genetischen Typisierungen der Proben werden durch das Nationale Referenzlabor weitergeführt, um die Datenlage weiter zu verbessern und in Zukunft noch genauere Aussagen zu Risikogebieten und Infektionsquellen treffen zu können. Die Kartierung der Verbreitungsgebiete soll zudem dazu beitragen, die Aufmerksamkeit für die Infektion sowohl in der Human- als auch der Veterinärmedizin zu stärken. „Nun muss in diesen Regionen genauer hingeschaut werden und BoDV-1 als Erreger für Mensch und Tier in Betracht gezogen und Verdachtsfälle abgeklärt werden.“, so PD Dr. Dennis Rubbenstroth, Leiter des Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere.

Die ganze Studie finden Sie hier und weitere Informationen zu Bornaviren hier.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Durch Stall, Hörsaal und Labor – Tag der offenen Tür am FBN

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Einladung zum Tag der offenen Tür am 21. September

Nach vierjähriger Pause öffnet das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf am Sonnabend, dem 21. September, wieder seine Pforten für alle Interessierten. Neben einer Vielzahl an Mitmachstationen stehen Kurzpräsentationen zu Forschungsthemen, Stallführungen, eine Wissenssafari und Eisherstellung auf dem Programm. Kann Fleisch aus dem Labor das Klima retten, wie kommt ein Kalb zur Welt und haben Schweine eigentlich eine Persönlichkeit? Antworten auf diese und viele weitere Fragen geben die Mitarbeitenden des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) am Tag der offenen Tür in Dummerstorf.

Das FBN und die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) laden in der Zeit von 10 bis 16 Uhr große und kleine Besucher ein, die mehr als 20 Aktionsstationen auf dem gesamten Gelände zu entdecken. Forschende geben allen Interessierten Auskunft zu aktuellen Fragen der Nutztierforschung und gewähren spannende Einblicke in ihre Arbeit.

„Der Tag der offenen Tür ist für uns die beste Gelegenheit, die gesamte Bandbreite unserer Forschung zu präsentieren“, so Vorstand Prof. Klaus Wimmers. „Unsere Forschungsthemen reichen von der Vererbung und Ausprägung von Eigenschaften und Fähigkeiten der Tiere bis zu ihrem Verhalten sowie Fragen des Tier-, Umwelt- und Klimaschutzes. Am 21. September zeigen wir all diese Aspekte der Nutztierforschung. Wir laden alle herzlich ein, das FBN zu erkunden und mit unseren Forschenden ins Gespräch zu kommen.

© FBN

Mitmachen erwünscht
Auf dem gesamten Campus warten Aktionsstationen darauf, entdeckt und erforscht zu werden. Dabei werden die Besucher auf vielfältige Weise angesprochen: ertasten, sehen, hören und nicht zuletzt erschmecken können die Gäste die Angebote in den Häusern. Spannende Kurzvorträge vermitteln Wissen zu mutigen Fischen und optimistischen Schweinen, der Geschichte des Melkens oder essbaren Insekten. Die Oxidation von Kohlenhydraten aus der Nahrung kann ebenso gemessen werden wie der eigene Stresslevel. Die Verhaltensbiologie erklärt, was Laute von Schweinen über deren Stimmung verraten, und am Ziegenlerncomputer kann jeder die Tests ausprobieren, die auch die Afrikanischen Zwergziegen am FBN absolvieren. Wer an aktuellen Stellen oder Ausbildungsmöglichkeiten am FBN interessiert ist, lässt sich am Karriere-Stand informieren. Ein besonderes Highlight wartet auf kleine und große Gourmets im Tagungszentrum: mit Hilfe von Stickstoff kann dort jeder sein Eis nach eigenem Geschmack herstellen.

Der Großtier-Operationssaal öffnet ebenso seine Tore wie das Soldatenfliegen-Labor, in dem die Maden dieser besonderen Nutztiere schlüpfen. Bei Führungen durch den Kuh- oder Schweinestall erfahren Besucher Wissenswertes und Besonderes rund um die Haltung der Tiere. Ein Kremserwagen bringt die Gäste der Führung in der Experimentalanlage Schwein zum etwa einen Kilometer entfernt gelegenen Stall. Die Teilnahme an den Führungen ist mit einem kostenfreien Ticket möglich, das die Gäste am zentralen Info-Punkt an der Haupteinfahrt erhalten.

Quizrallye auf dem gesamten Gelände
Zentrales Element des Events ist die Wissenssafari: an zwölf Stationen warten Quizfragen zu unterschiedlichen Themen darauf, beantwortet zu werden. Dabei sind für Erwachsene und Kinder unterschiedliche Fragen vorbereitet. Mit jeder korrekt beantworteten Frage sammeln die Teilnehmer einen Stempel. Die Stempelkarten für die Wissenssafari erhalten Besucher ebenfalls am Info-Punkt.

Attraktionen drinnen und draußen
Nicht nur in den Häusern, auch auf dem Gelände gibt es viel zu entdecken: die Freiwillige Feuerwehr ist mit Hüpf- und Wasserspritzspielen sowie Deftigem aus der Gulaschkanone vor Ort. Daneben versorgen mehrere Grills, ein Wagen mit regionalen Leckereien, ein Süßwarenmobil sowie zwei Kuchenbasare die wissenshungrigen Gäste mit vielfältigen Speisen. Wem nach so viel Forschung und Wissen der Sinn nach Entspannung steht, findet dafür auf den weitläufigen Wiesen ausreichend Gelegenheit – Picknickdecken dürfen gern mitgebracht werden. Der Eintritt ist frei.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Kostenfreies Fortbildungsangebot für Nutztierhalter

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• Studie testet: Kälberdurchfall vorbeugen mit speziellem Futterzusatz?

• Milchleistungsfutter für gesunde u. produktive Milchkühe Darmgesundheit durch Hopfen

• Paratuberkulose im Monitoring

• Eutergesundheit am Melkroboterbetrieb

• Natürliches Tageslicht ohne Hitzestress

• Automatisches Einstreusystem

• Neue oder angepasste Impfkonzepte: Erreger beim Schwein noch besser in den Griff bekommen?

• Neue Fliegenfalle für die Weide Einwegbeutel für die Reinigung

• Blauzunge: Wie ist die aktuelle Lage?

• Mehr Tiergesundheit, bessere Leistung: Kamerasystem ermöglicht 24/7 Überwachung der Masthähnchen

• Frühtracht 2024 – Ergebnisse der Honigernte

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Wenn die Hitze orientierungslos macht

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Nicht nur wir Menschen leiden unter Hitzewellen. An der Universität Würzburg fanden Forschende kürzlich heraus, dass heiße Temperaturen Hummeln den Geruchssinn rauben – und damit ihre Nahrungssuche erschweren.

Der Klimawandel setzt Ökosystemen auf unterschiedlichste Weise zu. Eine seiner Folgen sind immer längere und intensivere Hitzeperioden, die essenzielle Abläufe der Natur beeinflussen – zum Beispiel die Bestäubung. Ein Team von Forschenden der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat nun genauer untersucht, wie sich Hitze auf eine bestimmte Akteurin dieser Prozesse auswirkt: Die Hummel.

„Hummeln sind wichtige Bestäuber in natürlichen und landwirtschaftlichen Systemen. Sie haben damit einen hohen wirtschaftlichen Wert und stehen für biologische Vielfalt“, erklärt Dr. Sabine Nooten, Leiterin der Studie. Die pelzigen Insekten sind außerdem äußerst anfällig für Hitzeereignisse, da sie besonders gut an kältere Lebensräume angepasst sind.

Hitze schadet den Tieren
Als Bestäuber orientieren sich Hummeln an Duftstoffen, welche die Pflanzen abgeben. Diese chemischen Wegweiser verraten nicht nur den Standort der Pflanzen, sie enthalten auch Informationen zum Zustand der Blüten.

Im Experiment wurden Hummeln in Röhren Temperaturen von 40 Grad Celsius ausgesetzt – mit gravierenden Folgen. „Die Hummeln sind in ihrer Fähigkeit Pflanzendüfte wahrzunehmen erheblich beeinträchtigt.“, so Sabine Nooten. Sie verlieren quasi ihren Geruchssinn.

Bei Arbeiterinnen konnten Verschlechterungen von bis zu 80 Prozent festgestellt werden. Männliche Tiere büßten bis zu 50 Prozent ihres Geruchssinn ein. Auffällig war weiterhin, dass wilde Hummeln noch größere Probleme mit der Hitze hatten als wirtschaftlich genutzte Tiere.

Auch eine anschließende Regenerationszeit bei passenden Temperaturen sorgte nicht umgehend für Besserung. 24 Stunden nach den Hitzetests zeigten die meisten Hummeln immer noch vergleichbare Beeinträchtigungen.

Folgestudie in Planung
Die Studie bestätigt, wie stark das Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen durch den Klimawandel belastet wird. Hitzewellen im Besonderen fällt hier demnach eine tragende Rolle zu. Die Ergebnisse könnten für zukünftige Initiativen zum Artenschutz von entscheidender Bedeutung sein.

Ein Folgeprojekt ist bereits bewilligt, erzählt Sabine Nooten: „Nachdem wir herausgefunden haben, dass Hitzewellen die physiologischen Prozesse der Hummeln zur Wahrnehmung von Blumendüften beeinträchtigen, richtet sich unser Fokus nun auf die Verhaltensseite. Wir werden testen, wie sich Hitze auf das Verhalten der Hummeln bei der Nahrungssuche auswirkt.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Das Animal Health Info System – Digitalisierung in der Schweizer Bestandsbetreuung

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Von Dr. Claudia Egle, Fachstelle PHIS, Nutztiergesundheit Schweiz

Die Gesunderhaltung eines Nutztierbestands ist eine kontinuierliche Herausforderung. Ein gutes Management und geeignete Prophylaxemaßnahmen sollen möglichst dazu führen, dass gesundheitliche Probleme erst gar nicht auftreten. Sollte sich die Gesundheitssituation trotzdem verschlechtern, muss dies baldmöglichst erkannt werden, um angemessen reagieren zu können. Das gilt nicht nur für den einzelnen Bestand, sondern auch auf nationaler Ebene. Eine fortlaufende Gesundheitsüberwachung ist unverzichtbar.

Die Digitalisierung schreitet auch in der Veterinärmedizin unaufhaltsam voran. Gleichzeitig werden immer mehr Daten insbesondere auch im Zusammenhang mit der Produktion von tierischen Lebensmitteln erhoben, um die Produktionsprozesse zu überwachen und eine gute Lebensmittelqualität zu gewährleisten. Es liegt also nahe, diese ohnehin erhobenen und inzwischen nun häufig digital gespeicherten Daten zielgerichtet zu verarbeiten, um zusätzliche Informationen zur Tiergesundheit zu erhalten und damit die Gesundheitsüberwachung zu stärken.

Strukur in den Datendschungel bringen
Als man in der Schweiz vor einigen Jahren damit begonnen hat, Daten zu diesem Zweck aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen, musste man feststellen, dass ausgerechnet Daten zur aktuellen Gesundheit der Tiere in den Beständen nur spärlich vorhanden sind. Es gibt beispielsweise Informationssysteme zur Erfassung von Ergebnissen von Schlachttier- und Fleischuntersuchungen oder von Antibiotikaverschreibungen durch die Tierärztinnen und Tierärzte. Auch die Tierhaltenden sind dazu verpflichtet, ihre Tierbehandlungen zu dokumentieren. All diese Daten lassen aber nur indirekt Rückschlüsse auf die aktuelle Tiergesundheit zu. Befunde von tierärztlichen Untersuchungen in den Beständen wurden in der Regel nur in eher unstrukturierter Weise mittels Praxissoftware festgehalten und waren damit weder verfügbar noch für weiterführende Auswertungen geeignet. Mit der Entwicklung des «Pig Health Info System» (PHIS) wurde deshalb ein System geschaffen, das nicht nur eine strukturierte und einheitliche Erfassung von Gesundheitsdaten erlaubt, sondern diese Daten auch in Echtzeit analysiert und darstellt.

Der Aufbau des PHIS wurde durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) finanziert. Dieses Engagement steht in direktem Zusammenhang mit der Umsetzung der Tiergesundheitsstrategie, die in der Schweiz verfolgt wird. Ein wichtiges Handlungsfeld ist die Prävention, um das Auftreten und die Verbreitung von Tierkrankheiten zu verhindern. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Digitalisierung. Die Datenerfassung und -auswertung soll optimal genutzt werden, um allfällig vorhandene Tiergesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen.

Die «Pig Health Info System»-App
Ein zentraler Bestandteil des PHIS ist die App zur Datenerfassung. Sie erlaubt den Bestandstierärztinnen und Bestandstierärzten die Erfassung aller Angaben, die möglicherweise in Zusammenhang mit der Tiergesundheit in einem Schweinebestand relevant sein könnten. Es können Befunde und Diagnosen festgehalten, Angaben zu Management oder Tierumgebung aufgezeichnet oder sogar Anamneseformulare für gewisse Laboruntersuchungen erstellt werden. In der App sind verschiedene Formulare vorhanden, die aufeinander aufbauen und je nach Fragestellung ausgefüllt werden können. Die Tierärztin bzw. der Tierarzt entscheidet in Anhängigkeit vom konkreten Problem, welche Informationen in welchem Detailierungsgrad aufgezeichnet werden.

Sobald ein Formular fertig ausgefüllt wurde, wird automatisch ein PDF-Dokument erstellt, das alle erhobenen Daten beinhaltet. Dieses PDF-Dokument wird einerseits in der App abgelegt, damit die Angaben auch später jederzeit verfügbar sind, kann andererseits aber auch direkt aus der App per E-Mail an die Tierhaltenden und bei Bedarf auch weitere Empfänger geschickt werden. Dadurch wird die Verfügbarkeit der Informationen für alle Beteiligten verbessert und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gefördert.

In der PHIS-App sind die Daten aber nicht nur als PDF-Dokument verfügbar. Empfehlungen und Massnahmen werden beispielsweise bei einer Folgeuntersuchung automatisch angezeigt, so dass beurteilt und wiederum dokumentiert werden kann, ob diese umgesetzt wurden und zu welchen Veränderungen in der Tiergesundheit die Umsetzung möglicherweise geführt hat. Viele Angaben können auch aus der Dokumentation der vorherigen Untersuchung importiert werden, so dass die Werte mit der aktuellen Situation im Bestand verglichen und auch direkt übernommen werden können, falls es in der Zwischenzeit keine Veränderung bei diesen Werten gegeben hat.

Automatisierte Datenanalyse und Darstellung
Die PHIS-App soll die Bestandstierärztinnen und Bestandstierärzte bei ihrer täglichen Arbeit in den Schweinebeständen unterstützen und damit die Bestandsbetreuung fördern, gleichzeitig aber auch die Früherkennung von Krankheitsausbrüchen verbessern und das nationale Gesundheitsmonitoring stärken. Das Rollout des PHIS fand am 1. Mai 2023 statt. Zum jetzigen Zeitpunkt reicht die Datengrundlage für eine detaillierte Analyse noch nicht aus. Die Tierärzteschaft muss sich erst mit der PHIS-App vertraut machen und sie zunehmend in den Arbeitsalltag integrieren, damit zukünftig in einer gewissen Regelmässigkeit Gesundheitsdaten erfasst werden, die es ermöglichen, eine allfällige Veränderung in der Tiergesundheit in einer bestimmten Region oder über einen gewissen Zeitraum zuverlässig zu erkennen. Sobald die Daten aussagekräftige Analysen zulassen, werden die Ergebnisse auf einer öffentlich zugänglichen Website dargestellt, damit sich alle interessierten Personen ein Bild von der aktuellen Schweizer Schweinegesundheit machen können. Dabei wird der Datenschutz jederzeit gewährleistet. Rückschlüsse auf einzelne Bestände oder Personen sind ausgeschlossen. Ein Expertengremium wird über Relevanz und notwendige Massnahmen entscheiden, falls das System eine Verschlechterung der Tiergesundheit anzeigt.

Fazit nach einjährigem Betrieb
Seit gut einem Jahr wird die PHIS-App nun im Feld für die Dokumentation von Bestandsuntersuchungen eingesetzt.


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestätigungs-Mail anklicken. Anschließend den Artikel in der letzten Ausgabe weiterlesen:

 

Die faszinierende Welt der Bienen: Tag der offenen Tür im LAVES Institut für Bienenkunde Celle – Sonntag, 1. September, 10.30 Uhr bis 17 Uhr

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Bienen sind klein, effizient, perfekt organisiert, lebenswichtig und unersetzlich im Kreislauf der Natur. Sie unterscheiden sich stark in ihrer Lebensweise und Produktivität – mehr als 20.000 Bienenarten leben auf dieser Welt. Nur wenige von ihnen produzieren Produkte wie Honig oder Bienenwachs. Doch alle Bienen leisten eine ökologisch und ökonomisch wichtige Arbeit durch ihre Bestäubungsaufgabe. Sie spielen damit in der Produktion und Qualitätssicherung von hochwertigen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Nüssen eine wichtige Rolle.

Einblicke in die Welt der Honig- und Wildbienen können Besucherinnen und Besucher bei dem diesjährigen Tag der offenen Tür im Institut für Bienenkunde Celle (IB Celle) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) am Sonntag, 1. September, von 10.30 Uhr bis 17 Uhr, bekommen. Das Institutsgelände liegt am Rande der Celler Altstadt direkt am Französischen Garten, Herzogin-Eleonore-Allee 5.

Wie entsteht eigentlich Honig und wie kommt er ins Glas? Wie werden Königinnen gezüchtet? Wie organisiert sich das Bienenvolk? Wie führt man einen insektenfreundlichen Garten, der den Anforderungen des Klimawandels gewachsen ist? Der Tag der offenen Tür bietet dem Publikum die Gelegenheit, sich über das Leben von Bienen, die Imkerei und die Arbeitsfelder des Instituts zu informieren.

Wie vielfältig die Aufgaben des Celler Instituts sind, können die Gäste an Informationsständen der einzelnen Fachbereiche und bei praktischen Demonstrationen erfahren. Die Themen reichen von der Honig- und Wachsproduktion über die Zucht von Bienenköniginnen, die Vorbeugung und Behandlung von Bienenkrankheiten bis hin zu Untersuchungstätigkeiten in der Qualitätskontrolle von Honig.

Erstmals wird es in diesem Jahr Führungen geben, in denen die Geschichte der Heideimkerei, die verschiedenen Bewohnerinnen und Bewohner des Institutsgartens und die Welt der Honigbiene erläutert werden. Für Fragen und tiefere Diskussionen stehen Imkerinnen und Imker sowie die Imkerfachberatung des Instituts zur Verfügung.

Über den Betrieb der institutseigenen Imkerei und die Laborarbeit im Bereich der Honig- und Pollenanalyse sowie der Diagnostik von Bienenkrankheiten hinaus unterhält das Institut einen Fachberatungsdienst. Dieser berät und unterstützt landesweit bei anspruchsvollen Maßnahmen, wie beispielsweise der krankheitsbedingten Sanierung von Bienenbeständen.

Außerdem bildet das Institut Tierwirtinnen und Tierwirte der Fachrichtung Imkerei aus, sowohl in der innerbetrieblichen Ausbildung mit bis zu sechs Auszubildenden, als auch als eine von bundesweit zwei Berufsschulen für den fachspezifischen Berufsschulunterricht im sogenannten „Winterblock“.

Das LAVES ist eine zentrale Behörde des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Niedersachsen. Es ist landesweit zuständig für die Untersuchung und Beurteilung von amtlichen Proben aus allen Prozess- und Produktionsstufen der Lebensmittelkette. Das IB Celle ist eines von sechs Instituten des LAVES und ein in Niedersachsen einzigartiges Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung. Fünf weitere Institute gehören zum LAVES: zwei Lebensmittel- und Veterinärinstitute (Oldenburg, Braunschweig/Hannover), das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse (Cuxhaven), das Institut für Bedarfsgegenstände (Lüneburg), und das Futtermittelinstitut (Stade). Die in Oldenburg angesiedelten Fachabteilungen übernehmen unmittelbare Vollzugsaufgaben und stehen den Behörden der Landkreise beratend zur Seite.

Nähere Informationen finden Sie unter www.laves.niedersachsen.de.

Quelle: Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Hitzestress beeinflusst Mikrobiom bei Milchkälbern

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Aktuelle Studien zeigen, dass sich Hitzestress negativ auf die Darmbarriere auswirkt und mit lokalen sowie systemischen Entzündungen und einer Dysbiose des Darms einhergeht. Ziel dieser Studie war es, die Darmbarriere, entzündungsfördernde und -hemmende Signale sowie die Zusammensetzung der Mikrobiota-Gemeinschaft bei Holstein-Bullenkälbern zu untersuchen, die Hitzestress ausgesetzt waren.

Kälber (durchschnittliches Alter = 12 Wochen; durchschnittliches Körpergewicht = 122 kg), die einzeln in temperaturgeregelten Räumen gehalten wurden, wurden 7 Tage lang
(1) thermoneutralen Bedingungen (konstante Raumtemperatur von 19,5 °C) und eingeschränktem Futterangebot (TNR, n = 8) oder (2) Hitzestressbedingungen (Zyklen von Raumtemperaturen zwischen 20 und 37,8 °C) zusammen mit einem Futterangebot nach Belieben (HS, n = 8)
ausgesetzt.

Nach Abschluss der Behandlung analysierten die Wissenschaftler*innen unter anderem die Bakteriengemeinschaften im Darm. Die durch Hitzestress hervorgerufene Veränderung der Bakteriengemeinschaften im Dickdarm war durch eine Zunahme der Gattung Butyrivibrio spp., eines bekannten butyratproduzierenden Organismus, sowie Veränderungen im bakteriellen Stoffwechsel gekennzeichnet. Bei HS-Kälbern wurde eine starke positive Korrelation zwischen der Rektaltemperatur und entzündungsfördernden Eggerthii spp. festgestellt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Arbeit darauf hinweist, dass Hitzestress die Darmbarrierefunktion beeinträchtigt. Die Veränderungen der Bakteriengemeinschaften im Dickdarm zugunsten butyratproduzierender Organismen (z. B. Butyrivibrio-Arten) können Teil einer erfolgreichen Reaktion zur Aufrechterhaltung der Funktion der Dickdarmschleimhaut von HS-Kälbern sein, denn Butyrivibrio-Arten zählen zu den entzündungshemmenden Darmbakterien.

Studie*: Yu, Z. (2024): Heat stress–associated changes in the intestinal barrier, inflammatory signals, and microbiome communities in dairy calves. Journal of dairy Science, Volume 107, ISSUE 2, P1175-1196, February 2024

Quelle: Dr. Heike Engels – zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3/2024