Zoonose Q-Fieber: Leitfaden gibt Empfehlungen (AdA)

Der Erreger des Q-Fiebers kann jahrelang in Staub oder/und Wolle überdauern und sogar über den Wind bis zu 18 km weit verbracht werden. Bild: Annette Meyer auf Pixabay

Aus dem Archiv (AdA) 1/2026

Von Dr. Heike Engels

Erreger mit zoonotischem Potential stehen unter besonderer Beobachtung, weil sie für Tier und Mensch eine Gefahr darstellen. Das Bakterium Coxiella (C.) burnetii, Erreger des Q-Fiebers, gehört in diese Kategorie. Um die Überwachung dieses Erregers besser durchführen und koordinieren zu können, haben Experten einen neuen Leitfaden entwickelt.

Q-Fieber, auch Coxiellose genannt, ist eine Krankheit vor allem der Wiederkäuer, die durch das Bakterium Coxiella (C.) burnetii ausgelöst wird. Bis auf Neuseeland und die Antarktis ist das Bakterium weltweit verbreitet. Der Erreger kann aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit jahrelang außerhalb eines Wirts in Staub, Wolle bzw. in Rohmilch überdauern. Auch eine gründliche Reinigung und Desinfektion führt aufgrund von Resistenzen nicht immer zu völliger Erregerfreiheit. Zusätzlich kann C. burnetii mit dem Wind weit verbreitet werden und zwar bis zu 18 km, allerdings ist eine erhöhte Ansteckungsgefahr nur im Umkreis von 5 km gegeben.

Ansteckung über Aerosole
Die Tiere stecken sich meistens über das Einatmen von Bakterien an. Das Bakterium kommt meistens über den Zukauf von Tieren in den eigenen Betrieb, aber auch Haustiere wie Katzen können den Erreger ausscheiden und damit für eine Infektion sorgen. Die Übertragung durch Zecken ist noch nicht eindeutig geklärt. Jedoch dürfte der Zeckenkot eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung von C. burnetii spielen. Infizierte Zecken scheiden große Erregermengen mit dem Kot aus. Infizierte Hauswiederkäuer können den Erreger über mehrere Wochen über Vaginalsekret, Milch, Kot und Urin ausscheiden. Beim Tier sind die Symptome eher unspezifisch. Die Infektion kann ganz ohne Symptome ablaufen (Schafe und Rinder) oder zum Abort führen, wie es bei Ziegen häufiger ist. Generell können Aborte, Totgeburten, Geburten lebensschwacher Lämmer, Kitze bzw. Kälber und der verzögerte Abgang der Nachgeburt mit einer C. burnetii-Infektion zusammenhängen, weshalb bei diesen Symptomen immer auch an Q-Fieber gedacht werden sollte. Die Behandlung von Tieren mit dem Ziel die Erreger-Ausscheidung entscheidend zu reduzieren oder gar zu unterbinden, ist nach aktuellem Wissensstand nicht möglich. Eine Behandlung mit Oxytetrazyklin führt nicht zu einer signifikanten Reduzierung der Erreger- Ausscheidung. Allerdings reduziert eine Impfung gegen C. burnetii langfristig die Ausscheidung des Erregers bei infizierten Tieren. Damit es nicht zu einem akuten Q-Fieber-Geschehen in Beständen mit Wiederkäuern wie Schafen, Ziegen und Rindern kommt, sollten die Tiere prophylaktisch geimpft werden. Es gibt in Deutschland einen Impfstoff gegen Q-Fieber für Rinder und Ziegen, der auch via Umwidmung für Schafe verwendet werden kann. Die Impfkosten werden von den Tierseuchenkassen einiger Bundesländer übernommen, dies ist aber jeweils im Einzelfall abzuklären.

Q-Fieber ist eine Zoonose
Was die Erkrankung in einen besonderen Fokus rückt: Q-Fieber ist eine Zoonose und damit auch für den Menschen gefährlich, hier besonders für Personen mit entsprechendem Tierkontakt. Zoonosen sind Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Sie sind weltweit ein wichtiges Thema in der öffentlichen Gesundheit. Die Ansteckung mit C. burnetii erfolgt auch beim Menschen vor allem durch das Einatmen von mit Bakterien kontaminierter Aerosole oder Stäube. Die häufigste Quelle eines Q-Fieber-Ausbruchs in der deutschen Bevölkerung sind infizierte kleine Wiederkäuer wie Schafe und Ziegen, die den Erreger während der Geburt oder eines Aborts über Geburtsflüssigkeiten und Nachgeburtsmaterialausscheiden. Des Weiteren scheiden die Tiere den Erreger in geringerem Maße über Körperflüssigkeiten wie Milch, Urin und Kot aus. Es gibt akutes und chronisches Q-Fieber. Das akute Q-Fieber äußert sich mit Fieber, Gliederschmerzen und Schüttelfrost, starkem Kopfschmerz hinter den Augen, Schweißausbrüchen, Husten, Gliederschmerzen sowie allgemeiner Mattigkeit. In der Regel heilt die grippeähnliche Erkrankung von selbst wieder aus. Das chronische Q-Fieber kann aus einem akuten Q-Fieber entstehen und zu weiteren Komplikationen führen, u.a. zum Q-Fieber-Müdigkeitssyndrom. Eine akute Q-Fieber-Erkrankung wird mit Antibiotika behandelt.

Monitoring und Meldepflicht
Da Q-Fieber eine Zoonose ist, ist die Erkrankung in Deutschland bzw. der Nachweis von C. burnetii insbesondere bei Rindern, Schafen und Ziegen meldepflichtig. Außerdem wurde Q-Fieber von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2023 in die Liste der 10 priorisierten Pathogene aufgenommen. Dazu zählen neben C. burnetii auch das Krim-Kongo-hämorrhagisches Fieber, Echinokokkose (sowohl E. granulosus als auch E. multilocularis), Hepatitis E, Influenza (aviär), Schweinegrippe, Lyme-Borreliose, Q-Fieber, Rift-Valley Fieber, durch Zecken übertragene Enzephalitis und West-Nil-Fieber. Die Überwachungsbehörden führen für diese Erkrankung ein Monitoring durch und ermitteln bei Infektionen zurück bis zum Infektionsherd, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und Veterinäramt nötig (One Health). Um für diese Zusammenarbeit besser gerüstet zu sein und um Handlungsempfehlungen bei Infektionsszenarien geben zu können, haben Experten im Rahmen des Deutschen Interdisziplinären Q-Fieber Forschungsprogramms (Q-GAPS) nun einen Q-Fieber-Leitfaden entwickelt. Er basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und besteht aus Checklisten, Fragebögen und Informationen rund um die Erkrankung. Alle Personen, die mit Wiederkäuern zu tun haben, sollten mit dem Leitfaden vertraut sein, um aktiv der Erkrankung vorzubeugen und um schnell agieren zu können, sollte es zu einer Infektion bei

Link: Der neue Q-Fieber-Leitfaden ist hier zu finden.