Tierwohl in der Nutztierhaltung: Online-Umfrage gestartet

Forschungsprojekt will Interesse in der Bevölkerung für einzelne Tierwohlaspekte und für eine Berichterstattung erkunden

Die Frage, wie wir mit unseren Nutztieren umgehen, ist in der Öffentlichkeit sehr präsent und wird kontrovers diskutiert. Wie sollten die Haltungsbedingungen im Stall sein, können die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben, wie geht es Ihnen bei Transport und Schlachtung? Das Thema hat viele Facetten – doch welche Tierwohlaspekte sind der Bevölkerung besonders wichtig? Dazu soll eine Online-Umfrage Aufschluss geben, an der sich alle beteiligen können. Initiiert hat die Umfrage ein 25-köpfiges Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus acht deutschen Forschungseinrichtungen.

Die Umfrage wird im Rahmen des Projekts „Nationales Tierwohl-Monitoring (NaTiMon)“ durchgeführt, ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördertes Verbundprojekt, das vom Thünen-Institut in Braunschweig koordiniert wird. In dem Projekt werden die Grundlagen für ein regelmäßiges, indikatorengestütztes Tierwohl-Monitoring erarbeitet. Dieses soll eine fundierte und regelmäßige Berichterstattung über den Status quo und die Entwicklung des Tierwohls in der Nutztierhaltung ermöglichen, auf die sowohl die Politik und die Nutztierhalterinnen und -halter als auch die interessierte Öffentlichkeit zugreifen kann.

Dafür möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Stimmungsbild der Bevölkerung und der Praxis aus Landwirtschaft und Aquakultur einholen. In der ca. 10-minütigen Umfrage können die teilnehmenden Personen angeben, welche Bedeutung sie verschiedenen Tierwohl-Aspekten wie Tiergesundheit oder emotionales Befinden der Tiere beimessen. Gefragt wird auch, in welchen Intervallen eine Berichterstattung zum Tierwohl stattfinden sollte, welche Auswirkungen ein Monitoring hätte und in welcher Form sich die Teilnehmenden am liebsten über die Ergebnisse informieren würden.

Die Online-Umfrage ist bis Ende Juli 2021 unter diesem Zugangs-Link freigeschaltet. Weitere Informationen gibt die Projekt-Webseite.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Deutsche Geflügelwirtschaft fordert faire Marktpreise bei Produkten aus gentechnikfreier Fütterung

Im Vorfeld der morgigen Mitgliederversammlung des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG) macht die Deutsche Geflügelwirtschaft auf den massiven Kostendruck bei den Geflügel- und Eiererzeugern aufmerksam. Die Preise für gentechnikfreies Soja haben sich nahezu verdoppelt, was der gesamten Branche massiv zusetzt. Die Forderung lautet: Die deutlich gestiegenen Futterkosten müssen mit fairen Preisen ausgeglichen werden, um auch weiterhin Eier und Geflügelfleisch mit dem Label „Ohne Gentechnik“ anbieten zu können.

Bereits 2016 kam das Thünen-Institut in einer Stellungnahme für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu der Feststellung, dass nicht etwa eine knappe Verfügbarkeit das zentrale Problem sei, sondern vielmehr die Frage, wer für die höheren Kosten der gentechnikfreien Ware aufkomme.

Für Dr. Thomas Janning, Geschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) und der angeschlossenen Bundesverbände (Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger, Verband Deutscher Putenerzeuger, Bundesverband Ei), ist die Schmerzgrenze nun erreicht:

„Auf diesem Preisniveau ist eine Hähnchen-, Putenfleisch- und Eiererzeugung für ein Angebot gentechnikfreier Produkte nicht mehr zu leisten. Die Prämienaufschläge beim Einkauf von gentechnikfreiem Soja haben sich binnen eines Jahres nahezu verdreifacht. Viele unserer tausend Geflügelhalter sind in tiefer Sorge um ihre Existenz. Diese dramatische Situation beim Futter muss daher schnellstmöglich zu fairen Verbraucherpreisen für Geflügelfleisch und Eier ohne Gentechnik führen!“

Bereits seit Jahren bekennt sich die deutsche Geflügelwirtschaft zur gentechnikfreien Fütterung. Sie hat als erste Branche bei tierischen Produkten auf den Einsatz von nicht-gentechnisch verwendetem Soja gesetzt. Eier, Hähnchen- und Putenfleisch aus gentechnikfreier Fütterung sind anders als bei anderen tierischen Erzeugnissen heute Standard in deutschen Supermarktregalen. Der Marktanteil von „Ohne Gentechnik“-Produkten von heute 5,4 % resultiert ganz maßgeblich aus dem gentechnikfreien Angebot der Geflügelwirtschaft. Der Sektor der deutschen Geflügelwirtschaft stellt nach Milch die zweitgrößte Produktkategorie beim „Ohne Gentechnik“-Siegel.

Sorge um Versorgungssicherheit
Doch heute hat sich die Wettbewerbssituation der Geflügelwirtschaft mit ihrer konsequent umgesetzten „Ohne Gentechnik“-Strategie gegenüber anderen Fleischarten, die überwiegend keine gentechnikfreie Fütterung praktizieren, deutlich verschlechtert. Verbandsgeschäftsführer Janning appelliert:

„Die massiv gestiegenen Prämienaufschläge für gentechnikfreies Soja in der Mastgeflügel-und Legehennenfütterung müssen in der Wertschöpfungskette erwirtschaftet und von Handel sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern angemessen honoriert werden. Ohne faire Preise werden die großen Anstrengungen der deutschen Geflügelwirtschaft für ein gentechnikfreies Angebot unterlaufen und damit die Versorgung des Marktes mit derartigen Produkten in Frage gestellt.“

Quelle: ZDG

Weniger Emissionen und mehr Tierwohl: TiHo stellt Projekt auf der Woche der Umwelt vor

Forschende untersuchen, wie Schweine bedarfsgerechter und umweltschonender gefüttert werden können.

Schwein ist nicht gleich Schwein. Es gibt Tiere, die nehmen mehr Futter auf, als sie sollten, für andere wiederum ist das Futter nicht gehaltvoll genug für eine optimale Leistung. Dennoch orientiert sich die Fütterung bisher an einem „Durchschnittstier”. Das hat zur Folge, dass einige Schweine in der Mast nicht optimal gefüttert werden: Die Überversorgten setzen zu viel Fett an, die Unterversorgten wachsen langsamer. Mit dem Projekt RESAFE-Pig möchte eine Forschungsgruppe aus dem Institut für Tierernährung und der Klinik für kleine Klauentiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), der Firma Hölscher und Leuschner und des Instituts für Landtechnik der Universität Bonn das ändern. Ihr Ziel ist, die Schweine entsprechend ihres Typs zu erkennen und individueller als bisher zu füttern. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt stellen sie auf der Woche der Umwelt vor, zu der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die DBU am 10. und 11. Juni 2021 einladen. Eigentlich hätte die Veranstaltung im Park des Schloss Bellevue stattgefunden, coronabedingt kann die Woche der Umwelt jetzt ausschließlich online verfolgt werden. Auf dem Programm stehen Diskussionen und Gespräche zu wichtigen Zukunftsfragen. Eröffnen werden die Veranstaltung die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und der US-Sonderbeauftragte für Klimafragen, John Kerry.

Das Konzept von RESAFE-Pig
„Der Ansatz birgt ein ungemein großes Potenzial, Nährstoffe einzusparen und gleichzeitig Stickstoffemissionen zu verringern“, erklärt Professor Dr. Christian Visscher, Leiter des Instituts für Tierernährung, der das Projekt gemeinsam mit Professor Dr. Karl-Heinz Waldmann, Leiter der Klinik für kleine Klauentiere, leitet. Ein Mastschwein frisst während der Mastperiode 275 Kilogramm Futter. Darin enthalten sind etwa 7 Kilogramm reiner Stickstoff. Stickstoff befindet sich in allen Aminosäuren, die wiederum die Proteine bilden. Den Stickstoff, den die Schweine mit den Proteinen im Futter aufnehmen, setzen sie in Teilen in Körpersubstanz an. Eine zu große Menge wird aber wieder ausgeschieden. Er gelangt in die Gülle und damit in die Umwelt. „Um diese Ausscheidung zu verringern, möchten wir den tatsächlichen Bedarf möglichst tierindividuell ermitteln und die Fütterung der einzelnen Tiere darauf ausrichten“, erklärt Dr. Cornelia Schwennen aus dem Institut für Tierernährung der TiHo, „ein dickeres Schwein erhält in unserem Projekt deshalb mehr faserhaltiges Futter. Durch diesen höheren Faseranteil in der Ration stellt sich so bei den Tieren schneller ein Sättigungsgefühl ein, wodurch sie automatisch weniger fressen.“

Den Bedarf der Tiere ermittelt das Team, indem sie die Körperzusammensetzung beurteilen. Bisher war dies nur mit einer Ultraschall- oder einer computertomographischen Untersuchung möglich. Zukünftig möchten die Forschenden dafür im Stall 3D-Kameratechnik einsetzen. Dr. Bernd Reckels aus dem Institut für Tierernährung erklärt, wie das geht: „Die Tiere passieren im Stall eine Schleuse, in der die Tiere mit der 3D-Technik vermessen und gewogen werden. Eine Software erkennt das Schwein und sortiert es, seinem Typ entsprechend, einem Fressbereich zu.“

Das Konzept ermöglicht es, die Tiere in Großgruppen zu halten und gleichzeitig gezielt zu füttern. Wann und auch wie viel sie fressen, entscheiden die Tiere selbst. Sie können sich frei im Stall bewegen und wählen, ob sie sich im Ruhe-, Aktivitäts- oder Fressbereich aufhalten möchten. Zusätzlich ist der Stall ausgestattet mit vielen Beschäftigungsmöglichkeiten, wie beispielsweise einer Suhle, Bürsten und Kaumaterialien.

Visscher betont die Vorteile: „Da die Tiere nicht mehr zu große Mengen an Nährstoffen aufnehmen, gelangen weniger Stickstoffemissionen in die Umwelt. Zusätzlich werden Futterressourcen gespart und die Haltung verbessert.“ Um das Futter auf die verschiedenen Typen von Mastschweinen anzupassen, setzen die Forschenden einheimisch angebaute Faserquellen ein, sogenannte Ganz-Pflanzen-Silagen, die beispielsweise Getreide oder Mais enthalten. Das hat einen positiven Nebeneffekt: Die Faser führt zu einer langanhaltenden Sättigung der Schweine. Das bedeutet, dass sich mit einem höheren Faseranteil gleichzeitig die Höhe der Futteraufnahme reduziert, ohne dass sich das negativ auf das Tier auswirkt, sie also beispielsweise nicht hungrig sind. „Außerdem wird durch den Einsatz von Faser die Fermentation im Dickdarm gefördert und der überschüssige Stickstoff bakteriell gebunden, sodass dieser letztendlich nicht ungehindert in die Luft emittiert“, sagt Schwennen. Die Untersuchungen zeigen, dass die Emissionen durch den erhöhten Einsatz von Rohfasern in der Fütterungsration um bis zu 40 Prozent reduziert werden können.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannvoer

Umweltfreundliche Aquakultur als Methode gegen Überfischung DBU fördert Entwicklung eines neuen Reinigungs- und Filterverfahrens

Ein Drittel der Meeresfischbestände sind überfischt, im Mittelmeer sind es laut Weltgesundheitsorganisation mehr als 60 Prozent. Das Züchten von Meeresfischen wie Scholle oder Wolfsbarsch in sogenannten Aquakulturen in geschlossenen Kreislaufanlagen an Land soll die Überfischung abbremsen. Diese Systeme entlasten nach Ansicht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit die Nord- und Ostsee, da sie keine zusätzlichen Nährstoffe eintragen und die Fischbestände im Meer schonen. Ein entscheidendes Problem: Nitratgehalte in solchen Anlagen sind oft recht hoch, das Wasser muss daher kontinuierlich gereinigt werden. Doch eine Lösung scheint in Sicht. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert die Entwicklung einer solchen Technik fachlich und finanziell in Höhe von rund 395.000 Euro.

Aquakultur an Land statt Überfischung
Das Unternehmen Aqua-Schwarz mit Sitz in Göttingen hat das Verfahren zusammen mit seinen Kooperationspartnern entwickelt. Es soll helfen, künftig Nitrat biologisch zu entfernen. Mittels einer Membran werden Bakterien, Parasiten und andere Mikropartikel beseitigt. „Unsere Art, Nahrungsmittel – und damit auch Fisch – zu erzeugen, muss nachhaltiger werden“, sagt Franz-Peter Heidenreich, DBU-Referatsleiter für Kreislaufführung und Bautechnik. Eine Möglichkeit dazu seien Aquakulturen mit großen Becken in geschlossenen Kreislaufsystemen an Land. Heidenreich: „Das Wasser in den Becken wird gereinigt und im Kreislauf geführt, um etwa Kot und Futterreste zu entfernen.“ Es gelangen nach Heidenreichs Worten so „deutlich weniger Nähr- und Schadstoffe in Gewässer, als bei Fischzuchten in offenen Gewässern“. Die Herausforderung: Bisher können nur Süßwasserfische, Algen und Krebstiere auf diese Weise gehalten werden. „In den Anlagen ist der Nitratgehalt deutlich höher als im Ozean. Meereslebewesen sind an diese Menge nicht gewöhnt“, sagt Projektleiter Stefan Schwarz.

Neues Verfahren zur Wasseraufbereitung
Ziel des Vorhabens ist es nun, die Reinigungsmethode für die weniger empfindlichen Süßwasserlebewesen auch für Meeresfische nutzbar zu machen. Dazu Projektleiter Schwarz: „Jetzt wollen wir ein biologisches Verfahren zur Entfernung von Nitrat mit einem Membranverfahren koppeln. Das ermöglicht es, Bakterien, Parasiten und andere Mikropartikel effektiv aus den Becken zu entfernen.“ Das Verfahren soll in einer Aquakulturanlage getestet werden. Dabei werden auch Aspekte der Gesundheit der Fische mit umfangreichen Untersuchungen begleitet.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Aviäre Influenza: Aktueller Stand zu Virus und Impfstoffforschung

Derzeit grassiert die Geflügelpest, auch Aviäre Influenza genannt, so gravierend wie schon lange nicht mehr in Deutschland. Eine Vielzahl von Geflügelbetrieben ist bereits betroffen. Natürlich war diese Erkrankung deshalb auch Thema auf der digitalen EuroTier. Prof. Dr. Franz J. Conrath, Vizepräsident des Friedrich Löffler Instituts (FLI)gab den Überblick über den aktuellen Stand in Deutschland und in Europa. Früher gab es deutlich weniger Geflügelpestfälle: im Zeitraum 1950 bis 1996 gab es weniger als 20 Ausbrüche weltweit, erst seit 1997 verzeichnet man einen starken Anstieg der Ausbrüche; das Virus H5N1 trat seinen „Siegeszug“ an. Das schlimmste Ausbruchsgeschehen war bisher in Deutschland 2017 (Virustyp H5N8), vorher gab es erst 2007 und seit 2014 nennenswerte Ausbrüche in Deutschland.

Die Viren persistieren in einem natürlichen Reservoir, das ist eine Wildvögelpopulation, und geht auf die Reise, sobald der Vogelzug beginnt. Die niedrigpathogene Variante kann dann zur hochpathogenen Form werden, dies geschieht zumeist erst hier im Land in den Geflügelbetrieben. Die meisten Geflügelpesterreger, die hier zu finden sind, stammen aus Südostasien und werden über den Vogelzug nach Europa transportiert. Viele Vogelzuglinien kreuzen sich, so dass das Virus eine starke Verbreitung erfahren kann. Influenzavieren mutieren ständig, so dass aus den zuerst gering pathogenen Arten hochpathogene Viren entstehen können. Manchmal kommen aber auch schon die hochpathogenen Varianten mit dem Vogelzug nach Deutschland. Die niedrig pathogenen Varianten können sich nur in bestimmten wenigen Teilen des Körpers vermehren, in den Atemwegen und im Magen-Darm-Bereich, aber die hochpathogenen Viren können in jeder Körperzelle aktiviert werden. Deshalb kommt es dann sehr schnell zu einer systemischen Infektion.

Erkranken die Tiere, kommt es zu einer reduzierten Aufnahme von Futter und Wasser, die Tiere sind apathisch und müde, es kommt zu hohem Fieber und lauten Atemgeräuschen durch Schleim in den Atemwegen. Einzelne Tiere verenden sehr schnell. Bis zum Ausbruch nach Ansteckung vergehen nur Stunden bis wenige Tage. Das Virus kann auch den Menschen infizieren, aber auch Hund, Katze und andere Säugetiere.

Viele Putenbetriebe betroffen
Die Ausbrüche in Deutschland sind zumindest im Jahr 2020 bereits vorhergesehen worden: Es gab im September die ersten Geflügelpestmeldungen aus dem südlichen Russland und durch den Vogelflug war es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus in Europa ankommen würde. In Europa und in Deutschland findet sich eine Häufung des Virus an den Küstengebieten, da viele Zugvögel sich am Wasser aufhalten und von dort die heimischen Vögel infizieren. Über verschiedene Vektoren (indirekter oder direkter Kontakt zu Wildvögeln, belastetes Stroh etc.) breitet sich das Virus dann in der Folge in den Geflügelbetrieben aus. Ein Hotspot ist in den geflügelreichen Landkreisen Vechta, Oldenburg und Cloppenburg entstanden, dort haben sich Bestände untereinander möglicherweise über die Luft „durch die Nachbarschaft“ angesteckt. Es sind überdurchschnittlich viele Putenmastbetriebe betroffen. Aber auch über 15.000 Wildvögel sind dem aktuellen Geschehen in Deutschland zum Opfer gefallen (Stand Mitte Februar).


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Geflügelfütterung: Renaissance des Roggens?

Auf der EuroTier digital gab Prof. Dr. Christian Visscher, Direktor des Instituts der Tierernährung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, einen Überblick zum Einsatz von Roggen in der Geflügelernährung. Im Schweinebereich laufen im Rahmen des 6-R-Projektes schon seit längerer Zeit Versuche, wie hoch der Anteil an Roggen in der Ration sein kann und welche Effekte der Roggen auf die Tiergesundheit hat.
Nachhaltigkeit ist ein immer größer werdendes Thema, auch in der Tierernährung. Roggen benötigt weniger Stickstoff in der Düngung, weniger Wasser und er ist resistenter gegenüber Pflanzenkrankheiten, es sind beim Anbau also weniger Pflanzenschutzmittel nötig. Der CO2-Fußabdruck ist bei regional produziertem Hybridroggen am geringsten gegenüber den anderen Getreidesorten. Außerdem ist Roggen preislich attraktiver als Weizen. Dies alles sind Gründe, mehr Augenmerk auf den Roggen in der Fütterung zu legen.

Geflügel hat eine sehr hohe Futteraufnahmekapazität, sozusagen wenig Tier frisst viel Futter, deshalb geht man vorsichtig an die Thematik Roggenfütterung heran. Die bisherige Kenntnis hierzu ist, dass aufgrund der enthaltenen Nicht-Stärke- Polysaccharide, die besonders bei Küken und Junggeflügel zu schmierigem Kot führen können, Roggen an junge Tiere nur in sehr geringen Mengen verfüttert werden sollte.

Prof. Dr. Visscher führte bisher einen Mastversuch über 6 Wochen mit 4 Versuchsgruppen durch: Insgesamt 256 Broiler, Ross 308, wurden zufällig vom 14. bis zum 42. Tag in vier Fütterungsgruppen (jeweils acht Wiederholungen) eingeteilt. Eine Kontrollgruppe erhielt kommerzielles 3-phasiges Alleinfutter, und 2 Gruppen erhielten ein pelletiertes Ergänzungsfuttermittel (SFI zu Mais und SFII zu Roggen). Der Mais war zerkleinert, der Roggen gebrochen. Die vierte Gruppe erhielt eine Mischung aus 50 % SFI-Mais und 50 % SFII-Roggen.

Der Anteil an Roggen und Mais in den Kombinationen wurde wöchentlich auf Kosten der Ergänzungsfuttermittel erhöht von 5 % auf 10 % auf 20 % und schließlich auf 30 % in der 6. Woche, dadurch fiel der Proteingehalt in den 3 Gruppen über die Versuchswochen sogar unter den der Kontrollgruppe (2 % weniger in der 6. Woche).

Im Ergebnis führte die Aufnahme von Roggen wie erwartet zu einer größeren Wasseraufnahme. Es wurde zwar feuchterer Kot bei Einsatz von Roggen im Vergleich zu Mais beobachtet, jedoch keine Unterschiede zur Kontrollgruppe mit dem kommerziellen Futter. Es gab allerdings keine negativen Effekte auf den Trockensubstanzgehalt der Einstreu und im Hinblick auf die Fußballengesundheit.

Es wurden keine signifikanten Effekte für das Körpergewicht bei Tag 42 zwischen allen Gruppen beobachtet. Insgesamt war die Gesundheit der Fußballen ausgezeichnet. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten mit SFI-Mais gefütterte Brolier einen signifikanten Anstieg des relativen Gewichts des Muskels, während im Gegensatz zu allen anderen Gruppen die Höhe der Dünndarmzotten signifikant geringer war. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fütterung von SFI-Mais- oder SFII-Roggen keine negativen Einflüsse auf Leistung, Einstreuqualität und Verdauung hatte. Es wurde auch gezeigt, dass Roggen in gequetschter Form schmackhaft ist, was die Zugabe von Roggen zu einem pelletierten Ergänzungsfuttermittel ermöglicht.

Derzeit werden weitere Versuche mit größeren Tierzahlen unter praxisähnlichen Bedingungen durchgeführt und auch mit der Tierart Pute. Erste Ergebnisse zeigen die Roggengruppe etwas hinter der Leistung der Kontrollgruppe, allerdings lief der Versuch mit ganzem Roggen, jetzt wird er nochmal wiederholt mit gebrochenem Roggen, da dieser von den Tieren besser aufgenommen wird.

Fazit: Viele Fragen sind noch offen, es wird weitergeforscht.

Quelle: Dr. Heike Engels


Dieser Artikel stammt aus der neuesten Ausgabe „Der Hoftierarzt“ 2/2021. Melden Sie sich hier einfach für den kostenfreien Empfang des zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Sie erhalten den Download Link zum E-Magazin mit diesem Artikel direkt nach Ihrer Anmeldung:

Preis der Tiergesundheit 2020/21 verliehen

Gewinner überzeugen durch ihr Engagement für Tiergesundheit

  • Die neun Gewinner des „Preis der Tiergesundheit“ wurden am 29. Mai bei der virtuellen Preisverleihung verkündet
  • In den Kategorien Eutergesundheit, Rindermast und Saugferkelmanagement wurden Preisgelder von insgesamt 90.000 Euro vergeben
  • Die Siegerbetriebe kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen

Haar bei München, 29. Mai 2021 – Bereits zum zweiten Mal wurde am heutigen Samstag der „Preis der Tiergesundheit“ verliehen. In insgesamt drei Kategorien können sich neun Gewinnerbetriebe über zweckgebundene Preisgelder in Höhe von insgesamt 90.000 Euro freuen. Die Preisverleihung fand dieses Jahr pandemiebedingt virtuell statt. Unter den Gewinnern finden sich Betriebe aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Der „Preis der Tiergesundheit“ zeichnet seit 2019 Landwirte aus, die sich mit innovativen Haltungs- und Gesundheitskonzepten nachhaltig für die Tiergesundheit engagieren.

Marlene Mortler als Schirmherrin des „Preis der Tiergesundheit“
In diesem Jahr hat die Abgeordnete im Europäischen Parlament Marlene Mortler die Schirmherrschaft des Preises übernommen. Sie hat die Gewinner auf der virtuellen Veranstaltung verkündet. „Auch auf unserem Hof war ich damals für das Gesundheitsmanagement verantwortlich. Bei uns galt immer die Devise: Erst die Tiere, dann die Familie. Ich weiß also was es heißt, Tiere gesund zu halten. Somit ist es kein Zufall, dass ich in Brüssel dort gelandet bin, wo ich heute bin. Wenn ich sehe, was sich in den letzten Jahrzehnten in den Ställen entwickelt hat, merke ich, dass die Tierhaltung auf einer permanenten Reise ist und sich stets verbessert. Dabei gilt: Ein Tierwohlstall ist nur so gut, wie der Landwirt, der seine Tiere beobachtet und im Blick hat. Von der Nutztierhaltung kann man viel lernen in Sachen Prävention. Die Entscheidung, die Schirmherrschaft für den Preis der Tiergesundheit zu übernehmen, ist für mich demnach sehr schnell gefallen. Ich gratuliere allen Gewinnern!“

Die Gewinner der Kategorien 2021
Im Bereich der Rinderhaltung gab es dieses Jahr zwei Kategorien, in denen sich Landwirte mit ihren Konzepten bewerben konnten.

Malte Borchers Foto © MSD

In der Kategorie „Eutergesundheit“ setzte sich der Betrieb von Malte Borchers aus Friedeburg in Niedersachsen durch. Vor knapp fünf Jahren hatte Malte Borchers den elterlichen Betrieb mit rund 90 Milchkühen übernommen. Durch zahlreiche Maßnahmen, wie etwa den Einbau einer Kuhdusche zur Klimaoptimierung sowie Wasserbetten in den Hochboxen sorgte er für eine Verbesserung des Liegeverhaltens und der Liegequalität mit positiver Auswirkung auf die Eutergesundheit seiner Milchkühe. Dr. Carl Christian Gelfert, Juror des Siegerbetriebes: „Der Milchviehbetrieb von Herrn Bochers zeigt eindrucksvoll, dass Tiergesundheit, Leistung und Langlebigkeit in einen wirtschaftlich erfolgreichen Dreiklang gebracht werden können“. Borchers freut sich sehr über die Auszeichnung: „Es ist eine tolle Sache, wenn man ganz oben steht, auch wenn ich glaube, dass alle Platzierten irgendwie gewonnen haben. Besonders bedanken möchte ich mich bei meinen Mitarbeitern. Sie setzen meine Ideen um, das ist mehr als die halbe Miete – ein großes Dankeschön“. Das Preisgeld soll in den Kauf eines Spaltenroboters fließen, um die Hygiene im Tierbereich noch weiter optimieren zu können.

Felix Pahlsmeier, Foto © MSD

In der Kategorie „Rindermast“ ging der Sieg an Felix Pahlsmeier und seinen Betrieb in Delbrück, Nordrhein-Westfalen. Der Bullenmastbetrieb mit 550 Tieren der Rasse Fleckvieh wird bereits in der neunten Generation betrieben. Sein sehr durchdachtes Einstallmanagement inklusive routinemäßiger Quarantänemaßnahmen zur Vorbeugung von Krankheiten und sein Fokus auf Antibiotika-Reduktion durch Impfungen und Optimierung vieler anderer Managementpunkte wie Stallbelüftung, konnte die Jury überzeugen. Für Felix Pahlsmeier ist der Gewinn eine Bestätigung seiner täglichen Arbeit: „Das war ganz schön spannend heute. Als ich die anderen teilnehmenden Betriebe gesehen habe, war mir klar, dass das eine enge Nummer um Platz eins wird. Ich habe nicht mit dem Sieg gerechnet, aber jetzt sind wir überwältigt und sehr glücklich. Ein großer Dank an die Jury, unsere Mitarbeiter und meine Familie“. Für das zweckgebundene Preisgeld hat Pahlsmeier bereits eine Verwendung, es soll in eine weitere Optimierung der Klimagestaltung investiert werden.

Geestferkel GmbH, Foto © MSD

Auch Ferkelerzeuger wurden 2021 erstmals prämiert. In der Kategorie „Saugferkelmanagement“ konnte sich Geestferkel (Standort Passow) durchsetzen. Mit starkem Fokus auf ein hochqualifiziertes Betreuerteam durch Mitarbeiterschulungen und überbetrieblichen Austausch, wurde für die kontinuierliche Verbesserung der Ferkelgesundheit gesorgt. Durch viele smarte bauliche Do-It-Yourself Ideen wie einer Ferkelrutsche oder Brutkästen für schwache Ferkel, wurde das Tierwohl maßgeblich verbessert. Geschäftsführer Jörn Ahlers freut sich über die Auszeichnung: „Unglaublich! Wir sind total glücklich. Das ist ein Erfolg für das gesamte Team. Für uns geht es immer um das Tier, unabhängig von der Größe des Betriebs. Wenn das Team und die Produkte stimmen, können wir das Vertrauen der Verbraucher gewinnen und positiv in die Zukunft schauen. Für die Qualität sorgen wir mit einem Betriebshandbuch und virtuellen Schulungen, sowie wöchentliche Betriebsleiterbesprechungen. So schaffen wir einen gemeinsamen Standard für all unsere Betriebe. Vielen Dank an MSD Tiergesundheit!“. Das zweckgebundene Preisgeld wird für Beschäftigungsmaterial für die Sauen sowie einen weiteren Ausbau der Mitarbeiterfortbildungsplattform verwendet.

Unter allen Gewinnern herrschte große Freude, wenngleich auf eine feierliche vor-Ort-Verleihung pandemiebedingt dieses Jahr verzichtet werden musste. Neben der Auszeichnung und Honorierung ihrer jahrelangen Arbeit, freuen sich die Landwirte vor allem über den Austausch mit Kollegen und dass ihr Engagement für Tiergesundheit und Tierwohl gewürdigt wurde.

Der „Preis der Tiergesundheit“ wurde von MSD Tiergesundheit ins Leben gerufen, um Tiergesundheit in der Landwirtschaft zu honorieren, den Erfahrungsaustausch unter Landwirten in Deutschland und Österreich zu fördern und gleichzeitig die Nutztierhaltung einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Für Jan Nemec, Geschäftsführer von MSD Tiergesundheit, sind diese Ziele ganz klar erfüllt: „Bereits als ich die Bewerberzahlen von 88 Einreichungen gehört habe, war ich sehr beeindruckt von der Vielfalt an Ideen und Konzepten in den unterschiedlichen Kategorien. Die Jury hat eine tolle Arbeit geleistet, die besten Betriebe zu ermitteln und heute zu prämieren. Ich danke allen Teilnehmern.“, so Nemec nach der Veranstaltung.

Mehr Informationen zum „Preis der Tiergesundheit“ erhalten Sie unter www.preisdertiergesundheit.com.

Die Gewinner im Überblick:

Eutergesundheit:

  • Malte Borchers, Friedeburg, Niedersachsen (12.000 Euro)
  • Fraederk Meppen, Friedeburg, Niedersachsen (10.000 Euro)
  • Timo Nöhren, Olderup, Schleswig-Holstein (8.000 Euro)

Rindermast:

  • Felix Pahlsmeier, Delbrück, Nordrhein-Westfalen (12.000 Euro)
  • Bernhard Pöschl, Zandt, Bayern (10.000 Euro)
  • Familie Erdbrügge, Dülmen, Nordrhein-Westfalen (8.000 Euro)

Saugferkelmanagement:

  • Geestferkel GmbH, Jörn Ahlers, Passow, Mecklenburg-Vorpommern (12.000 Euro)
  • Albrecht Brandes, Bad Münder, Niedersachsen (10.000 Euro)
  • Florian Hoenmans-Leurs, Kempen, Nordrhein-Westfahlen (8.000 Euro)

Quelle: MSD Tiergesundheit

Verborgene Gene im Rindergenom aufgedeckt

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Forscher der ETH Zürich verglichen Referenzgenome von mehreren Hausrindrassen sowie nahen verwandten Wildrindern. Dadurch entdeckten sie Gene mit bisher unbekannten Funktionen.

Die heutige genetische Forschung arbeitet oft mit sogenannten Referenzgenomen. Dabei handelt es sich um Daten von DNA-Sequenzen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als repräsentatives Beispiel für die genetische Ausstattung einer Art zusammengestellt haben.

Um ein Referenzgenom zu erstellen, verwenden Forscher normalerweise DNA-Sequenzen von einem bis wenigen Individuen, was die gesamte genetische Vielfalt von Individuen oder Teilpopulationen nur schlecht repräsentiert. Deswegen entspricht eine Referenz nicht immer exakt dem Gensatz eines bestimmten Individuums.

Weil es bis vor einigen Jahren sehr aufwändig, teuer und zeitraubend war, solche Referenzgenome zu erzeugen, konzentrierte sich die Forschung auf die Genome des Menschen und der wichtigsten biologischen Modellorganismen wie etwa dem Fadenwurm C.elegans.

Mittlerweile verfügen Forscher aber über schnelle Sequenziermaschinen, ausgefeilte Algorithmen, welche die ausgelesenen DNA-Sequenzen zu ganzen Chromosomen zusammensetzen, und viel mehr Rechenpower, so dass nun zunehmend auch für andere Arten Referenzgenome erstellt werden sollen. Wollen Forscher die Evolution und weitere grundlegende Fragen der Biologie besser verstehen, benötigen sie qualitativ hochwertige Referenzgenome von möglichst vielen Arten.

Das trifft auch auf Nutztiere zu. Für das Hausrind (Bos taurus) war bis vor kurzem nur ein einziges Referenzgenom verfügbar: das von der Kuh «Dominette» der Rasse «Hereford». Mit dieser Referenz glichen Forscher bisher andere DNA-Sequenzen von Rindern ab, um genetische Variationen aufzuspüren und entsprechende Genotypen zu definieren. Die bisherige Referenz bildet jedoch die Diversität der Art nicht ab, denn sie beinhaltet keine genetischen Varianten, an denen sich Individuen unterscheiden.

Lücke gefüllt
Ein Forschungsteam um Hubert Pausch, Professor für Tiergenomik der ETH Zürich, hat nun diese Lücke gefüllt: Die Forscher haben mit den Genomen von drei weiteren Hausrindrassen, darunter das Original Schweizer Braunvieh, zwei nahe verwandten Arten wie dem Zebu-Rind und dem Yak sowie mit dem bisherigen Referenzgenom des Hausrinds ein sogenanntes Pangenom erstellt. Die entsprechende Studie wurde soeben im Fachmagazin PNAS vorgestellt.

Dieses Rinder-Pangenom integriert Sequenzen, die in den sechs individuellen Referenzgenomen enthalten sind. «Auf diese Weise konnten wir sehr präzise aufzeigen, welche Sequenzen etwa im Hereford-basierten Referenzgenom fehlen, aber zum Beispiel in unserem Original Braunvieh-Genom oder den Genomen von weiteren Rinderrassen und -arten vorhanden sind», sagt Pausch.

Neue Gene und Funktionalitäten gefunden
So fanden die ETH-Forschern zahlreiche DNA-Sequenzen und sogar ganze Gene, die im bisherigen Referenzgenom der Hereford-Kuh fehlten. Indem die Forscher in einem weiteren Schritt die Transkripte dieser Gene (also Boten-RNA-Moleküle) untersuchten, konnten sie einige der neu gefundenen Sequenzen als funktional und biologisch relevant einstufen. Viele der gefundenen Gene stehen beispielsweise in Zusammenhang mit Immunfunktionen: Bei Tieren, die mit pathogenen Bakterien Kontakt hatten, waren diese Gene stärker oder weniger aktiv als bei jenen, die keinen Kontakt mit den Erregern hatten.

Möglich wurde die vorliegende Arbeit durch eine neue Sequenziertechnologie, die seit einem Jahr am Functional Genomics Center der ETH Zürich verfügbar ist. Mit dieser neuen Technologie können die Forscher lange DNA-Abschnitte präzise auslesen, so dass der Rechenvorgang weniger komplex wird, um die analysierten Abschnitte richtig zusammenzusetzen. «Die neue Technologie hat das Zusammensetzen eines Genoms vereinfacht. Wir können nun Referenzgenome von Grund auf schnell und genau erstellen», sagt Pausch. Zudem sind die Kosten für solche Analysen gesunken, sodass Forscher Genome in Referenzqualität nun von vielen Individuen einer Art erzeugen können.

Die ETH-Forschern arbeiten eng mit dem «Bovine Pangenome»-Konsortium zusammen. Dieses möchte ein Referenzgenom von mindestens je einem Tier aus allen Rinderrassen weltweit erstellen. Auch das Erbgut von nicht-domestizierten Verwandten der Hausrinder soll auf diese Weise analysiert werden.

Gezieltere Züchtung möglich
Das Konsortium und auch ETH-Professor Pausch hoffen, dass sie dank der Referenzgenom-Sammlung beispielsweise Genvarianten finden, die es in domestizierten Tieren nicht mehr gibt, in wilden Verwandten hingegen schon. Das gibt Hinweise darauf, welche genetischen Eigenschaften durch die Domestizierung verloren gingen.

«Spannend wird es besonders, wenn man unsere heimischen Rinder mit dem Zebu vergleicht oder mit Rassen, die an andere klimatische Begebenheiten angepasst sind», erklärt er. Die Forschung erhält dadurch Informationen, welche Gen-Varianten Tiere in tropischen Umgebungen hitzetoleranter machen. Der nächste Schritt könnte dann sein, diese Varianten gezielt in andere Rinderrassen einzukreuzen oder durch Genom-Editierung präzise einzubringen. Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Das neue Pangenom des Rindes erlaubt es den Forschern nun, Gene und DNA-Varianten, die sich zwischen Rinderrassen unterscheiden, schneller und präziser aufzuspüren.

Quelle: Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Vor der nächsten Pandemie handeln: Internationales Expertengremium One Health nimmt Arbeit auf

FLI-Präsident Thomas C. Mettenleiter übernimmt Gründungsvorsitz

Der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Prof. Dr. Dr. h. c. Thomas C. Mettenleiter, und Prof. Dr. Wanda Markotter, Leiterin des Zentrums für virale Zoonosen an der Universität von Pretoria, Südafrika, übernehmen den Gründungsvorsitz des neuen internationalen One Health-Expertengremiums. Das „One Health High Level Expert Panel“ (OHHLEP) aus 26 Mitgliedern wurde am 20. Mai offiziell vorgestellt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hatten zu Bewerbungen für das Gremium aufgerufen. An der Schnittstelle der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt soll es die vier Partnerorganisationen wissenschaftlich beraten. Schwerpunkte sind hierbei die Interaktionen zwischen Mensch, Tier und Ökosystem und das frühzeitige Erkennen zukünftiger Bedrohungen für die Gesundheit. Zudem sollen Faktoren, die ein Überspringen von Erregern von Tier auf Mensch beeinflussen, identifiziert werden. Ziel ist die Entwicklung einer globalen Agenda zur Reduktion des Risikos von Pandemien. „Die COVID-19 Pandemie hat nochmals deutlich gemacht, wie eng die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt verbunden ist und welche Bedeutung daher der ‚One Health‘ Ansatz für die globale Gesundheit hat. Aus dieser Erkenntnis heraus ist das OHHLEP als zentrales Experten- und Beratungsgremium entstanden“, so der Biologe und Virologe Thomas C. Mettenleiter.

Die konstituierende Sitzung des OHHLEP fand am 17. und 18. Mai virtuell statt. Hierbei wurde die Einrichtung von vier Arbeitsgruppen beschlossen, die sich mit der Implementierung von „One Health“ Ansätzen, der umfassenden Vernetzung bestehender und geplanter Aktivitäten, der Überwachung, Früherkennung und Verhinderung von zoonotischen Infektionen sowie der Identifizierung und Risikobewertung der beeinflussenden Faktoren beschäftigen werden. „Wenn wir diesen Ansatz zur Grundlage nehmen, werden wir nicht nur kurzzeitige Veränderungen, sondern eine nachhaltige Verbesserung erreichen, die Biodiversität, Klimawandel, Lebensmittelsicherheit und soziale Ungleichheit einschließt. Ziel ist eine gesunde Umwelt für alle“, ergänzte die Virologin und Fledermaus-Expertin Wanda Markotter.

Die vier Gründungspartner forderten für eine erfolgreiche Berufung neben der fachlichen Expertise auch Unparteilichkeit und Unabhängigkeit. Um möglichst viele Aspekte des komplexen Feldes „One Health“ abzudecken, wurden in der Ausschreibung unterschiedliche Fachbereiche angesprochen. Neben Zoonosen (zwischen Mensch und Tier übertragbare Infektionskrankheiten), Biodiversität, Epidemiologie und Gesundheitswesen zählten hierzu auch Sozialwesen und Wirtschaft, Informatik und Modellierung sowie Klima und Umwelt. Bei der Auswahl der 26 Mitglieder aus über 700 Bewerbungen durch die Gründungspartner wurden die Fachkenntnisse ebenso berücksichtigt wie die geografische Verteilung und ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Die OHHLEP-Sachverständigen wurden zunächst für einen Zeitraum von zwei Jahren ernannt, eine Wiederernennung ist möglich.

Quelle: FLI

Stechen oder nicht stechen?

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Forscher aus Konstanz und Innsbruck deckten auf, wie Honigbienen ihre kollektive Verteidigung als Reaktion auf Fressfeinde organisieren, und nutzten Computermodelle, um mögliche evolutionäre Triebkräfte zu identifizieren.

Wann stechen Bienen und wie gelingt es ihnen, ihr kollektives Verteidigungsverhalten gegenüber Fressfeinden mit dem Schwarm zu koordinieren? Neue Erkenntnisse hierüber liefert ein interdisziplinäres Forscherteam von den Universitäten Konstanz und Innsbruck. In der Studie, die in BMC Biology veröffentlicht wurde, kombinierten die Wissenschaftler Verhaltensexperimente mit einem innovativen Modellierungsansatz, der auf „Projektiver Simulation“ basiert.

Die Studie zeigt, dass ein Duftstoff, ein sogenanntes Alarmpheromon, eine wichtige Rolle bei der Koordination des Verhaltens spielt. Die Bienen verbreiten das Pheromon beim Stechen in der Luft und geben dadurch zunächst weiteren Bienen ihres Schwarms das Signal zum Angriff. Ab einer bestimmten Konzentration des Pheromons in der Luft führt es dann jedoch zum gegenteiligen Effekt und die Bienen hören mit dem Stechen auf.

Die Forscher gehen daher davon aus, dass die Stechbereitschaft einzelner Bienen nicht konstant ist, sondern mindestens zwei interne Schwellenwerte für die Konzentration des Pheromons aufweist: einen, um mit dem Stechen zu beginnen, und einen, um mit dem Stechen aufzuhören. Die computergestützte Modellierung zeigte außerdem, wie verschiedene Umweltfaktoren die Evolution der Pheromon-basierten Kommunikation während des Verteidigungsverhaltens beeinflusst haben könnten. Zu diesen gehören die Prädationsrate, also wie häufig ein Bienenvolk Kontakt zu Fressfeinden hat, und die Breite des Spektrums an Fressfeinden.

Quelle: Universität Konstanz

Boehringer Ingelheim: Mit neuer Ileitis-Pumpe noch einfacher übers Trinkwasser impfen

Schon seit vielen Jahren setzen Tierärzte und Landwirte auf die Schluckimpfung gegen Ileitis, um diese häufige Darmerkrankung erfolgreich in den Griff zu bekommen. Die Schluckimpfung kann mit geringstem Aufwand über Trinkwasser und Flüssigfutter verabreicht werden. Jetzt bietet Boehringer Ingelheim eine neue Pumpe an, die den Impfvorgang nochmal wesentlich vereinfacht.

Mit der neuen Ileitis-Pumpe wird der ohnehin geringe Zeitaufwand für eine orale Impfung im Vergleich zu einer Injektion weiter verkürzt und die Impfmaßnahme noch stärker vereinfacht. Die notwendigen Impfdosen werden immer in 3 l Stammlösungsvolumen eingemischt. Anders als bei anderen Pumpen entfällt der Probelauf am Vortag der Impfung, um den individuellen Wasserbedarf der Schweinegruppe zu ermitteln. Nach Montage wird einmalig auf den betrieblichen Wasserdruck eingestellt, dann läuft die Ileitis-Pumpe ohne weiteren Aufwand. Ein Impfvorgang ist so innerhalb von kürzester Zeit erledigt, egal ob 100 oder 1000 Ferkel zu impfen sind.

Die einfache Verwendung der Ileitis-Pumpe in nur drei Schritten:
Installieren, Vormischung von immer 3 l vorbereiten, Anschalten – fertig! Die Tiere impfen sich selbst und der Landwirt kann sich um andere wichtige Dinge kümmern. Mit der oralen Impfung hat jedes Schwein seine Dosis, was zu 100 % behördlich geprüft ist. Mit der neuen Ileitis-Pumpe ist die Anwendung der Schluckimpfung über das Trinkwasser so einfach wie noch nie.

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica, Tel.: +49-6132-77-90218, kim.schulze@boehringer-ingelheim.com oder unter www.ileitis.de.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Genetische Maßarbeit für die wichtigste Milchrindrasse

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An die weltweit wichtigste Milchviehrasse, das schwarzgescheckte Holstein-Rind, werden höchste Ansprüche gestellt: Sie soll nicht nur viel Milch geben, sondern auch möglichst gesund und langlebig sein. Um diese Ziele zu erreichen, setzt die moderne Tierzüchtung auf molekulare Daten. Dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf (FBN) ist es mit Unterstützung von Norddeutschlands Milchrindzüchtern, dem Förderverein Bioökonomieforschung e.V. (FBF) und den Vereinigten Informationssystemen Tierhaltung w.V. (VIT) gelungen, eine genetische Karte für 44.000 molekulare Marker zu erarbeiten. Dazu wurden Daten von über 367.000 Holstein-Rinder ausgewertet, was eine sehr hohe Genauigkeit der Karte garantiert.

In Deutschland mit mehr als 1,8 Millionen registrierten Tieren werden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Holstein-Rinder nach verschiedensten Merkmalsausprägungen gezüchtet. Die Erfolge der Züchtung hängen allerdings davon ab, wie stark eine Merkmalsausprägung erblich bedingt ist. Beispielweise hat die Langlebigkeit eines Rindes im Gegensatz zur erbrachten Milchmenge eine geringe Erblichkeit, was eine Verbesserung der Nutzungsdauer durch traditionelle Züchtung langwierig macht.

Seit mehr als einem Jahrzehnt sind molekulare Marker aus der Tierzüchtung nun nicht mehr wegzudenken. Bei der modernen Tierzüchtung durch genomische Selektion werden die Elterntiere anhand ihrer Ausprägung an molekularen Markern für die Züchtung ausgewählt. Das hat Züchtungsstrategien beeinflusst und Zuchterfolge erheblich beschleunigt. Für die genomische Selektion ist es notwendig, den Zustand der molekularen Marker über das gesamte Genom und für so viele Tiere wie möglich zu erfassen. Das liefert etwa 50.000 Informationen pro Tier.

Im Laufe der Jahre haben sich somit enorme Datenmengen angesammelt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des FBN haben mit Unterstützung von Norddeutschlands Milchrindzüchtern, dem Förderverein Bioökonomieforschung e.V., Bonn und dem größten IT-Dienstleister für Tierhaltung und Tierzucht „Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V. (VIT)“ in Verden diese Daten einheitlich zusammengeführt und ausgewertet. Die Milchrindpopulation besteht aus großen, väterlichen Halbgeschwisterfamilien, was auf die intensive künstliche Besamung zurückgeht. Diese Familienstrukturen liefern wertvolle Informationen darüber, wie die standardmäßig erfassten Marker miteinander in Verbindung stehen. Diese Erkenntnisse haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom FBN-Institut für Genetik und Biometrie als genetische Karte zusammengefasst.

Der Zuchtwert eines Tieres ist Maßstab dafür, ob ein Tier für die Züchtung ausgewählt wird (grüner Bereich). Ziel neuartiger Methoden ist es, Spitzenkandidaten aus dem seltenen, orangefarbenen Bereich zu finden. Abbildung: FBN/Dörte Wittenburg
„Eine genetische Karte gibt an, wie weit molekulare Marker voneinander entfernt sind – nicht in einer physischen Maßeinheit wie bei einem Lineal, sondern in einer genetischen Einheit. Diese genetische Maßeinheit ist für Züchterinnen und Züchter wichtig, weil sie mit der Wahrscheinlichkeit zusammenhängt, dass molekulare Varianten gemeinsam vom Elternteil auf den Nachkommen übertragen werden“, erläuterte Studienleiterin Dr. Dörte Wittenburg.

„Mit unseren Ergebnissen kann nun die Entwicklung neuartiger Methoden für die genomische Selektion vorangetrieben werden“, so Dr. Dörte Wittenburg. „Nicht nur am FBN, sondern weltweit werden Methoden erforscht, um die ‚Spitzenvererber‘ identifizieren zu können. Wir suchen nach den Elterntieren, die eine außergewöhnlich hohe Chance haben, Nachkommen mit extrem guter Merkmalsausprägung hervorzubringen. Für die Berechnung braucht man die genetischen Abstände zwischen den molekularen Markern. Nur so können wir Merkmale wie die Langlebigkeit mit Erfolg vorantreiben.“

Die Studienergebnisse wurden in dem Online-Journal Genetics Selection Evolution veröffentlicht, das sich mit genetischen Fragestellungen von Haus- und Nutztieren beschäftigt. Das Forschungsprojekt mit einer Laufzeit von drei Jahren wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

In der Abteilung „Statistische Methoden in der Genomik“ werden mathematische Methoden zur Auswertung von Leistungs- oder Gesundheitsmerkmalen, bei denen der erbliche Einfluss nachweislich eine Rolle spielt, entwickelt. Genetische Marker, die über sämtliche Chromosomen verteilt sind, übernehmen dabei eine Schlüsselrolle. Sie sind einfach mit biotechnologischen Verfahren messbar und wirkungsvoll mit mathematischen Methoden einsetzbar.

Originalpublikation: Genetics Selection Evolution
Saber Qanbari & Dörte Wittenburg, Published: 14 December 2020: Male recombination map of the autosomal genome in German Holstein. Genet. Sel. Evol., 52, 73.

Quelle: Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Hoffnung auf Impfstoff gegen verbreitete Schweineinfektion – zuckerbasierte Impfstoffe

Erstmals haben Forscher am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Zuckerketten synthetisiert, die den Hüllen der vier Hauptvariationen des Bakteriums Streptococcus suis entsprechen. Dies ist ein wichtiger erster Schritt für die Entwicklung von Glykokonjugat-Impfstoffen gegen einen Erreger, der insbesondere bei Schweinen vorkommt.

Einmal im Schweinestall angekommen, verbreitet sich der Erreger rasant, was Betriebe regelmäßig vor große Probleme stellt. Das Bakterium kann Erkrankungen wie Hirnhaut-, Lungen- oder Herzbeutelentzündungen hervorrufen, die nicht selten zum Tod führen. Zudem begünstigt es die Ferkelsterblichkeit. Die Behandlung erfolgt ausschließlich durch Antibiotika, da es bisher keinen wirksamen kommerziellen Impfstoff für diesen Erreger gibt. Als Zoonoseerreger kann er auch auf den Menschen übergehen.

Während Glykokonjugat-Impfstoffe beim Menschen sehr erfolgreich gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b zum Einsatz kommen, bleiben sie für Tiere eine weitgehend unerforschte Möglichkeit. Dies könnte sich nun ändern: Ein Forscherteam um Prof. Dr. Peter H. Seeberger hat eine Sammlung von 30 neuartigen Mehrfachzuckern (Oligosacchariden) hergestellt, die den Zuckeroberflächen der vier Hauptserotypen 2, 3, 9, 14 des Bakteriums Streptococcus suis ähneln. „Chemisch können wir relevante Zuckerstrukturen von Krankheitserregern wie Streptococcus suis in wenigen Stunden nachbauen und damit Impfstoffkandidaten herstellen. Diese zielen darauf ab, die Immunabwehr, die auf Mehrfachzucker von Krankheitserregern spezialisiert ist, anzuregen Antikörper zu produzieren“, sagt Peter H. Seeberger, Direktor der Abteilung Biomolekulare Systeme. Komplexe Zucker wie Glykane umhüllen die meisten Zellen und bilden die Grundlage für Impfstoffe gegen Bakterien, Parasiten und Viren.

„Derzeit bereiten wir Challenge-Studien an Schweinen vor, um wirksame Impfstoffe zu entwickeln, die in erster Linie Schweine, aber auch Menschen, die in der Schweineindustrie arbeiten, schützen und gleichzeitig den Einsatz von Antibiotika reduzieren“, sagt Shuo Zhang, Erstautor der Studie.

Funktionsweise:
Eine Sammlung von 30 Oligosacchariden wurde synthetisiert. Die synthetischen Glykane wurden auf Array-Oberflächen gedruckt, um Glykan-Microarrays zu erstellen. Anschließend wurden die Seren von Schweinen, die mit dem Bakterium infiziert waren, auf Antikörper gegen die Glykane untersucht. Dabei entdeckten die Forscher spezifische Mehrfachzucker (Glykan-Epitopen), die nun die Grundlage für die weitere Impfstoffentwicklung darstellen.

Quelle: Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

Dem Bienensterben mit energieautarken Sensoren auf der Spur

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Bienen liefern uns Menschen nicht nur Honig, sondern sind dank der Bestäubung von Kräutern, Sträuchern und Bäumen maßgeblich für den Artenerhalt verantwortlich. Dadurch erwirtschaften sie in Deutschland circa 1,6 Milliarden Euro für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion*. Um Honigbienen unter die Flügel zu greifen und das Umwelt- und Landwirtschafts-Monitoring sowie die Forschung zur Bienengesundheit voranzutreiben, sollen sie im Rahmen eines Forschungsprojekts nun mit miniaturisierten, integrierten Sensorsystemen ausgestattet werden.

Imkern liegt im Trend und das nicht nur im dörflichen, sondern auch im städtischen Umfeld. Neben den Honig produzierenden Völkern sind vor allem die Wildbienen eine große Unterstützung bei der für die Landwirtschaft bedeutsamen Bestäubungsleistung durch Insekten. Aus diesem Grund haben die zuletzt steigenden Sterbezahlen von diversen Wildbienenarten weltweit in diversen Regionen für Aufregung gesorgt. Betrachtet man den großen Verbreitungsgrad von Bienen, ihre Bedeutung für die Agrarwirtschaft und den allgemeinen Wissensstand über dieses Insekt, ist es überraschend, dass die Ursachen für das Bienensterben noch weitestgehend unerforscht sind. Die Belastung durch Pathogene, aber auch Umweltgifte, die die Insekten aus der Luft, dem Wasser und von Pflanzen aufnehmen, wurde bislang nur für ganze Bienenvölker anhand der Volksdynamik und der Honigleistung bestimmt. Um besser zu verstehen, welche Umweltfaktoren für die Gesundheit von Bienenvölkern entscheidend sind, ist es notwendig, sowohl die Entwicklung ganzer Bienenvölker als auch die von Einzeltieren zu untersuchen.

Aus diesem Grund ist das Ziel des Projektes Sens4Bee mithilfe verschiedener RFID-basierter Sensoren in Bienenstöcken und an Einzeltieren genügend Daten zu erheben, um das Bienenwohl in Verbindung mit Umweltereignissen und Umweltparametern analysieren zu können. Zu diesem Zweck entwickelt die Firma Micro-Sensys GmbH ein Sensorsystem zur Erfassung von Temperatur, Feuchtigkeit, Vibration und akustischen Signalen im Bienenstock. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ verarbeitet die gesammelten Daten und analysiert deren Bedeutung für den Gesundheitszustand der Bienenvölker.

Zudem entwickelt das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM zusammen mit der Micro-Sensys GmbH Sensoren, die eine neue Mikrobatterie-Technologie und Micro Energy Harvesting in einem System verbinden. An Bienen angebracht dienen diese Sensoren der Bestimmung von Temperatur, Helligkeit und Flugbewegung. Die gesammelten Daten werden im Anschluss in einer intelligenten Cloud-Lösung mit Analysetools bearbeitet und dargestellt. Um die gewonnenen Daten für praktische Managementoptionen in der Imkerei zur Verfügung zu stellen, liegt ein weiterer Schwerpunkt des Projektes auf einer smarten Verarbeitung, welche die Imkernden mit konkreten Handlungsempfehlungen versorgt. Für die angewandte Forschung werden die individuell erfassten Einzeltier- und Bienenstockdaten mit Umweltereignissen verknüpft, um beispielsweise die Bewertung von Umweltchemikalien zu verbessern.

Des Weiteren entwickelt das Fraunhofer IZM mittels Silizium-Technologie eine extrem kleine Lithiumbatterie und ein Solarmodul. Diese werden von der Firma Micro-Sensys GmbH mit kleinsten Sensor-Transpondern und Sensor-Datenloggern mit RFID-Schnittstelle in ein so kleines und leichtes Modul integriert, dass es von Bienen auf dem Rücken getragen werden kann. Das Gesamtgewicht liegt zwischen zwei und zehn Milligramm und wird mittels eines biokompatiblen Klebers direkt in der ersten Entwicklungsphase der Bienen auf tierfreundliche Weise angebracht. Die Erfahrungen mit den bisher verwendeten passiven RFID-Chips haben gezeigt, dass Elektronikbauteile dieser Größenordnung das Verhalten der Bienen nicht beeinträchtigen oder verändern.

Mit der Silizium-Wafer-Level-Technologie können Hunderte von kleinsten Batterien gleichzeitig auf einem Substrat hergestellt werden. Im Gegensatz zu bisher üblichen Knopfzellen mit Metallgehäusen wird das sehr viel leichtere Silizium als Gehäusematerial verwendet. Das Ziel der Forschenden ist dabei, das System über die Flugdauer der Biene mit der Energie der Batterie zu versorgen. Die Aufladung erfolgt während der Flugphase durch Tageslicht. Im Bienenstock wird die Batterie mittels Infrarotlicht aufgeladen.

Seit dem Projektstart vor wenigen Monaten liegt der Fokus klar auf der technischen Entwicklung einer integrativen Lösung für Bienenstöcke, einer individuellen Sensorik sowie auf der automatisierten Auswertung, welche den Imkernden ein leicht zu bedienendes Werkzeug zur Verfügung stellen wird. Über diesen praktisch-orientierten Kundenkreis hinaus ist davon auszugehen, dass auch weitere Bienen- und Umweltinstitute sowie nationale und internationale Forschungsverbünde gewonnen werden können.

Neben dem Fraunhofer IZM und der Firma Micro-Sensys GmbH sind das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, das Institut für Bienenforschung am Julius Kühn-Institut, die Heinrich Holtermann KG und der Deutsche Imkerbund e. V. an dem Projekt beteiligt. Das Projekt Sens4Bee wird mit einer Laufzeit von drei Jahren mit einem Volumen von 1,1 Millionen Euro gefördert. Aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages erfolgt die Förderung des Vorhabens aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hält die Projektträgerschaft im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung. Der Projektantrag wurde im Rahmen der „Richtlinie über die Förderung von Forschungsvorhaben zum Schutz von Bienen und weiteren Bestäuberinsekten in der Agrarlandschaft“ des BMLE eingereicht.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM

„Preis der Tiergesundheit 2020/21“: Die Gewinner stehen fest

• Eine unabhängige Expertenjury hat unter allen Bewerbern die Gewinner des „Preis der Tiergesundheit“ gewählt
• Die Siegerbetriebe kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen
• Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt bei der virtuellen Preisverleihung am 29. Mai

Haar bei München, 20. Mai 2021 – Die Gewinner des diesjährigen “Preis der Tiergesundheit” stehen fest. Nach sorgfältiger Prüfung der 88 Bewerbungen über alle drei Kategorien hinweg sowie Vor-Ort-Besichtigungen der Betriebe, hat die unabhängige Fach-Jury ihre Entscheidung getroffen. Ausschlaggebend für die Chance auf einen der drei Spitzenplätze waren dabei ein überdurchschnittliches Engagement der Landwirte für ihre Tiere und innovative Tiergesundheitskonzepte gekoppelt mit umfangreicher Fortbildung und Mitarbeiterschulung. Alle Spitzenbetriebe, welche in die engere Auswahl gekommen waren und von einem Jurymitglied besucht wurden, zeichneten sich durch ein exzellentes Niveau aus. Letztendlich entschieden nur Nuancen über die Platzierungen. Dieses Mal gab es erstmals die Möglichkeit, Ideen und Konzepte in den drei Kategorien „Innovatives Saugferkelmanagement“, „Eutergesundheit“ und „Rindermast“ einzureichen.

Welche Gewinnerbetriebe sich in diesem Jahr über die Auszeichnung freuen können, ist noch streng geheim. Die insgesamt neun Betriebe aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Alle Betriebe zeigen mit ihren Maßnahmen, wie sich schon mit kleinen Innovationen im Umgang mit den Tieren oder in den Bereichen Stallbau, Hygiene und Gesundheitsvorsorge ein Mehr an Tierwohl und Tiergesundheit erreichen lässt. „Bei den Siegerbetrieben beeindruckt das hohe persönliche Engagement der Menschen, die hinter den einzelnen Innovationen stehen. Die stetige Suche nach den bestmöglichen Optimierungen in Haltung und Management zugunsten der Tiere charakterisiert alle Siegerbetriebe.“, so Jurymitglied Prof. Dr. Nicole Kemper von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Die offizielle Bekanntgabe der Gewinner erfolgt bei der feierlichen Preisverleihung am 29. Mai 2021, welche virtuell stattfinden wird. Die drei ersten Plätze dürfen sich dann neben der Auszeichnung auch über ein zweckgebundenes Preisgeld in Höhe von bis zu 12.000,00 Euro für ihre nächsten Tiergesundheitsprojekte freuen.

Bereits zum zweiten Mal werden mit dem “Preis der Tiergesundheit” Landwirtschaftsbetriebe geehrt, die sich mit innovativen Haltungs- und Gesundheitskonzepten nachhaltig für den Bereich Tiergesundheit engagieren. Mit der Auszeichnung will MSD Tiergesundheit langfristig eine höhere Aufmerksamkeit für das Thema Tiergesundheit in der Landwirtschaft erreichen, den Erfahrungsaustausch unter Landwirten in Deutschland und Österreich fördern und gleichzeitig dem Verbraucher die Landwirtschaft wieder näherbringen.

Mehr Informationen zum „Preis der Tiergesundheit“ erhalten Sie unter www.preisdertiergesundheit.com.

Ohne Tiergesundheit keine nachhaltige Lebensmittelproduktion

Gesunde Tiere sind unerlässlich für eine nachhaltige, ressourcenschonende und zukunftsorientierte Nutztierhaltung und Lebensmittelgewinnung. Wie man dies erreichen und dabei alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – zu einem ausgewogenen Ansatz zusammenführen kann, um eine vitale und wettbewerbsfähige Tierproduktion zu realisieren, das diskutierte der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) mit Wissenschaft und Politik auf seiner Frühjahrstagung. Konsens bestand, dass die Prävention ein Schlüsselfaktor für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion ist. Die Politik steht vor der Herausforderung, mit innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen die weitere Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit jetzt auf den Weg zu bringen. Die Leistungen von Landwirten und Tierärzten im Tiergesundheitsmanagement seien sowohl monetär als auch durch gesellschaftliche Anerkennung zu honorieren. Staat und Gesellschaft müssten die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung durch Förderprogramme für notwendige langfristige Investitionen unterstützen.

Einen ausgewogenen, alle Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigenden Ansatz für die gesamte Lebensmittelkette habe die Europäische Union mit dem Green Deal und der Farm-to-Fork Strategie vorgelegt, betonte der CDU-Europaabgeordnete Norbert Lins. Für den Vorsitzenden des Agrarausschusses im Europaparlament steht dabei ein weiter reduzierter und zielgenauer Antibiotikaeinsatz ebenso im Fokus, wie bessere Haltungsbedingungen, lokalere Transportketten und transparente Verbraucherinformationen. Mehr Tiergesundheit und mehr Tierschutz/- wohl greifen ineinander und wirken auf die Qualität der Lebensmittel.

Ökonomie und Ökologie sind kein Gegensatz
Ökonomie und Ökologie sind in der Nutztierhaltung keineswegs ein Gegensatz. Das arbeitete Professorin Dr. Nicole Kemper vom Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) heraus. Sie legte den Fokus auf eine Kombination verschiedenster präventiver Maßnahmen: Auf medizinische Interventionen – Stichwort Impfungen und Alternativen zum Antibiotikaeinsatz. Auf veränderte, an natürliche Verhaltensweisen der Tiere ausgerichtete, tiergerechte Haltungsumgebungen. Und auf Fütterung, Zucht sowie den Ausbau der Fachkompetenz der Tierhalter im Management. Mit Studien belegte sie, dass derart gesund gehaltene Nutztiere sowohl umweltschonender als auch produktiver sind.

Digitale Transformation in das Agrarsystem der Zukunft
Einen Blick auf Agrarsysteme der Zukunft zwischen „Alternative Meat“ und „Digital Farming“ warf Professorin Dr. Stefanie Bröring. An der Universität Bonn hat sie den Lehrstuhl für Technologie-, Innovationsmanagement und Entrepreneurship inne. Die mit Verweis auf Klimaschutz und veränderte gesellschaftliche Erwartungen oft vertretene These, dass Cultured Meat (Laborfleisch) und pflanzliche Alternativen die Nutztierhaltung verdrängen, mochte sie nicht teilen. Bei weltweit stark wachsender Proteinnachfrage verliere die konventionelle Fleischerzeugung zwar deutliche Marktanteile – Prognosen sehen sie bis 2040 unter 50 Prozent –, sie behalte aber ihre ‚Licence to Produce‘, auch weil sie sich wandele. Weit größeres Veränderungspotential sieht Bröring auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit in der Digitalisierung. Weltweit würden Milliardenbeträge in datengetriebene, autonome landwirtschaftliche Systeme investiert. Neue Plattformmodelle, ‚Smart Animalfarming‘ und ‚Predictive Analytics‘ hätten disruptives Potential für bestehende Strukturen und Geschäftsbeziehungen. Die Nutzung solcher Systeme verlange jedenfalls ganz neues Wissen und Veränderungsbereitschaft von allen Beteiligten.

Neue Rolle für Tierärzte
„Tierärzte haben die Aufgabe, hier neue Kompetenzen zu erwerben“, stimmte Dr. Joachim Lübbo Kleen zu. Der Tierarzt mit einem Schwerpunkt auf der Bestandsbetreuung von Milchviehhaltungen, sieht sich und seine Berufskollegen in verschiedensten Rollen, etwa als technischer Dienstleister, Lieferant und Berater. Um Ansprechpartner für die Landwirte zu bleiben, müssten Veterinäre ein Verständnis von Daten, von Kommunikation und ökonomischen Betriebsabläufen haben.

Schlüsselfaktor Prävention
Konsens in der Podiumsdiskussion war: Ein nachhaltiges Lebensmittelsystem – fair, gesund und umweltfreundlich – ist nur mit gesunden Tieren möglich. Prävention wird dabei zum Schlüsselfaktor. Der BfT-Vorsitzende Jörg Hannemann betonte, dazu müsste Forschung und Entwicklung im Sektor gefördert werden. Und es gelte, eine Akzeptanz für neue Technologien – auch der digitalen Optionen – zu schaffen. Alle Beteiligten sahen die Politik vor der Herausforderung, mit innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen und langfristigen Investitionen die weitere Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit jetzt auf den Weg zu bringen – und dabei auch eine gewisse Geschwindigkeit an den Tag zu legen. Staat und Gesellschaft müssten die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung durch Förderprogramme für notwendige langfristige Investitionen unterstützen. Die Leistungen von Landwirten und Tierärzten für ein umfassendes Tiergesundheitsmanagement seien aber nicht nur finanziell, sondern auch durchgesellschaftliche Anerkennung zu honorieren.

Gitta Connemann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion warnte vor nationalen Alleingängen mit überzogener Regulierung. Deutschland könne Impulsgeber sein, „aber in Absprache mit denen, die es dann leisten müssen“. Sie mahnte dabei mehr Fairness und Ehrlichkeit im Umgang mit Zielkonflikten an. „Die nachhaltigste Lebensmittelproduktion findet in Deutschland statt. Es ist am Ende kein nachhaltiges Ergebnis, wenn der Tierbestand hierzulande sinkt und andernorts steige – und das bei niedrigeren Standards!“, betonte Connemann.

Für Dr. Ophelia Nick, Tierärztin und Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft für Landwirtschaft von Bündnis 90/Die Grünen, sei Tierhaltung für eine Kreislaufwirtschaft zwar nicht wegzudenken, aber mit Blick auf den Klimaschutz nicht mehr in der jetzigen Größenordnung vertretbar. Sie sehe eine Aufgabe der Politik darin, den Strukturwandel ein Stück weit einzudämmen und bäuerliche Betriebe zu erhalten. „Wir müssen schnell Geld in die Hand nehmen, um in der Transformation der Haltungsbedingungen in großen Schritten voranzukommen.“ Um eine nachhaltige Landwirtschaft von der auch Landwirte profitieren, zu entwickeln, sei es wichtig nicht im Schwarz/Weiß Denken zu verharren, sondern einen gemeinsamen Weg zu finden.

Mit den Vorschlägen des Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltungsstrategie gebe es einen konsensfähigen Weg zum Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung, sagte Prof. Dr. Dr. Markus Schick. Er leitet im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) die Abteilung Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit. Ob man den durch Machbarkeitsstudie und Folgenabschätzung untermauerten notwendigen Finanzbedarf von jährlich rund drei Milliarden Euro über eine Mehrwertsteuererhöhung, eine Verbrauchsteuer oder eine Abgabe decke, sei jetzt eine Entscheidung der Politik.

Philipp Schulze Esking, Vizepräsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, selbst Halter von 7.000 Schweinen, sieht sich und seine Berufskollegen in einem Dilemma. Wenn eine wohlhabende Gesellschaft Veränderungen von den Tierhaltern einfordere, es aber nicht schaffe, diese an der Ladentheke auch zu bezahlen, dann müsse sie über Transferleistung sicherstellen, dass die Produktion im Land aufrechterhalten werden könne. Diese könne dann auch deutlich nachhaltiger sein. Und das wäre im Gegensatz zu Importware auch deutlich besser zu gewährleisten und zu kontrollieren. Man dürfe sich aber keine Illusionen machen, wenn die Zahl der Nutztierhalter und der Nutztiere zurückgehe, veränderten sich auch die Strukturen.

Quelle: BfT

Weltbienentag erinnert an Bedeutung von Bestäuberinsekten

Am 20. Mai ist Weltbienentag. Zwar vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über die Bedeutung von Bienen für eine intakte Umwelt und für uns Menschen in den Medien berichtet wird. Dennoch sind mittlerweile viele Bienenarten, insbesondere Wildbienen, bedroht. Aktionstage wie der Weltbienentag können deshalb dabei helfen, noch stärker auf die Gefährdungen, denen diese wichtigen Insekten ausgesetzt sind, hinzuweisen und Wege zu zeigen, wie jeder einzelne von uns etwas dagegen tun kann.

Bienen bestäuben Wild- und Kulturpflanzen. Sie sichern dadurch nicht nur einen Großteil unserer Nahrungsmittel, sondern erhalten als wichtiger Teil des Ökosystems die Naturvielfalt und sind sensibler Umweltindikator. Nach dem Prinzip des Gebens und Nehmens bedeutet das: Wenn Bienen auch weiterhin die wichtigen Bestäubungsdienste erfüllen sollen, so muss der Mensch ihnen helfen.

Weit verbreitet ist die Annahme, dass vom sogenannten Bienensterben die Honigbiene betroffen ist. „Das ist nur bedingt richtig,“ betont der Geschäftsführer des Deutschen Imkerbundes e.V. (D.I.B.), Olaf Lück. „Die fachgerechte Betreuung durch Imkerinnen und Imker macht es möglich, Gefahren für unsere Bienenvölker frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das heißt jedoch nicht, dass die Situation einfach ist. Denn die Gesundheit von Honigbienen ist gefährdet. Gründe dafür sind: Parasiten, wie die Varroamilbe, Viren, ein unzureichendes oder einseitiges Nahrungsangebot, der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und weitere Umweltgifte. Diese negativen Einflussfaktoren werden durch die zunehmenden klimatischen Veränderungen noch weiter verstärkt.“

Insbesondere auf das Problem Klimawandel weist der D.I.B. in einem neuen Informationsflyer hin. Dieses Thema soll auch am Weltbienentag sowie dem Tag der deutschen Imkerei, der am ersten Juli-Wochenende 2021 bundesweit unter dem Motto „Wir imkern bienenfreundlich für Natur und Klima“ stattfinden wird, im Mittelpunkt stehen.

Die stetige Temperaturzunahme, Hitze-Kälte-Extreme, die Abnahme der Jahresniederschlagsmenge und die Gefahr von großflächigen Stürmen und Starkregen beeinflussen das Leben von Honig- und Wildbienen beträchtlich. Die Verlängerung der Vegetationsperiode führt zum Beispiel zu deutlichen Veränderungen in der zeitlichen Entwicklung von Pflanzen.

Das spüren insbesondere die auf bestimmte Pflanzenarten angewiesenen Wildbienenspezies, die durch die fehlende zeitliche Synchronisation von Biene und Pflanze existenziell bedroht sind. Zudem ist die Nektarproduktion von Pflanzen auf Feuchtigkeit angewiesen. Die fortschreitenden Trockenperioden führen zum Ausbleiben von Nahrungsquellen für Blüten besuchende Insekten. Umgekehrt ermöglichen ausbleibende Frostphasen es den Bienen, sehr lange Nektar und Pollen zu sammeln. Dies führt aber zur Schwächung der sogenannten Winterbienen.

Und bei einem sehr zeitigen Vegetationsbeginn im Frühjahr ist die Volksentwicklung noch nicht genug vorangeschritten, dass die Bienen Nektar und Pollen ausreichend nutzen können. Und letztendlich führt die Temperaturerhöhung auch zur Einwanderung neuer Bienenfeinde, wie dem Kleinen Beutenkäfer oder der Asiatischen Hornisse.

„Honigbienen sind zwar wahre Anpassungskünstler, aber im schlimmsten Fall können Völker zusammenbrechen,“ mahnt Lück. Das haben die Ergebnisse einer Online-Umfrage zu den Verlusten an Bienenvölkern im Winter 2020/2021 wieder bestätigt, die vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen Anfang Mai veröffentlicht wurden.

An der Umfrage beteiligten sich fast 14.000 Imkereien. Danach starben im letzten Winter rund 14 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland. Etwas mehr als die Hälfte aller meldenden Imker mussten Verluste in unterschiedlichem Umfang verkraften. Auf der Basis der vorliegenden Informationen waren die Verluste in Sachsen-Anhalt mit 21 Prozent am höchsten, während die Imker aus Niedersachen die geringste Verlustquote mit 8,1 Prozent übermittelten. Auf die Gesamtpopulation in Deutschland hochgerechnet, starben rund 170.000 Bienenvölker, neben dem wirtschaftlichen Schaden für die betreffenden Imkereien insbesondere auch ein Umweltschaden. Denn die Völker müssen im Frühjahr durch Vermehrung mühsam neu aufgebaut werden und fehlen für die Bestäubung an Kultur- und Wildpflanzen. Die Ergebnisse der einzelnen Regionen wurden hier veröffentlicht. Detailauswertungen zu möglichen Einflüssen laufen derzeit noch.

Umso wichtiger ist es dem D.I.B., immer wieder darauf hinzuweisen, dass Bienenhaltung, die seit nunmehr 14 Jahren immer mehr Menschen begeistert, nur mit fundierten Kenntnissen betrieben werden sollte. Das benötigte Fachwissen erhalten Interessierte nur in Schulungen, die neben der Theorie vor allem die Praxis vermitteln. Das ist in Zeiten der Corona-Pandemie eine Herausforderung für den Verband, merkt Olaf Lück an: „Auf die Bienen hat die Pandemie weder positive noch negative Auswirkungen. Sorgen bereiten eher die durch Corona fehlenden Präsenzschulungs-Angebote. Nach wie vor möchten viele Menschen Imker werden und nutzen diverse, wie Pilze aus dem Boden schießende Online-Angebote im Internet, die keinesfalls eine Praxisschulung in Präsenz ersetzen können. Auch die Arbeit der Imkervereine ist derzeit schwierig. Vielen bricht das finanzielle Fundament weg, dass durch Schulungen erwirtschaftet wurde. Außerdem fehlt der regelmäßige fachliche und soziale Austausch zwischen den Vereinsmitgliedern.“

Den Weltbienentag will der Deutsche Imkerbund auch dafür nutzen, um darauf hinzuweisen, dass insbesondere Wildbienenarten stark gefährdet sind. Nahrungs- und Habitatmangel, Flächenversiegelung, Lichtverschmutzung und der Verlust der floralen Artenvielfalt gefährden Blüten besuchende Insekten im erheblichen Maß. In Deutschland stehen bereits 300 Wildbienenarten auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.
Um diesen zu helfen, muss man allerdings kein Imker werden.

Lück sagt: „Seit kurzem nimmt, angeheizt insbesondere durch Naturschutzorganisationen, die Diskussion um die Nahrungskonkurrenz von Honig- und Wildbienen zu. Diese gäbe es nicht, wenn die Lebens- und Nahrungsbedingungen für alle Blüten besuchende Insekten stimmen würden. Solche Diskussionen sind wenig konstruktiv. Deshalb setzen wir uns in erster Linie für eine Verbesserung der Situation ein. Es müssen vielfältige Lebensräume geschaffen werden. Die ständige Zunahme von Trendbienenhaltern ist nicht zielführend.“

Zur Verbesserung der Lebens- und Nahrungsbedingungen gibt es mittlerweile viele konkrete Vorschläge und beispielgebende Initiativen, sowohl für Landwirte als auch für Kommunen und die Bevölkerung. „Hier ist ein Umdenken sowohl in der Landwirtschaft, aber auch in der Bevölkerung wichtig und langsam spürbar“, bilanziert Lück.

Helfen würde meist bereits ein kritischer Blick ins eigene Lebensumfeld und die Frage: Ist dieses bienenfreundlich gestaltet? Denn immer mehr Gärten verwandeln sich in Stein- oder grüne Wüsten, in welchen Insekten weder Nistmöglichkeiten noch Futter finden. Mit einem blütenreichen, bienenfreundlichen Angebot im Garten oder auf dem Balkon vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst kann jeder zur Verbesserung der Lebens- und Nahrungsbedingungen von Blütenbestäubern beitragen. Auch der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und das Schaffen von Nisthilfen für Wildbienen sind wichtig. Das Anlegen einer regional angepassten Blühwiese anstatt eines englischen Rasens und das Aufstellen einer Wassertränke unterstützen ebenfalls die wichtigen kleinen Tiere.

Die Entscheidung verschiedener Kommunen, private Steingärten zu verbieten und öffentliche Flächen bienenfreundlich umzugestalten sowie die kommunale Grünflächenbewirtschaftung im ökologischen Sinne zu verbessern, findet der Verband beispielgebend.

Viele meinen noch immer, ein bienenfreundlicher Garten sei mit großem Aufwand verbunden, reflektiert Lück: „Am Weltbienentag sollten wir mit diesem Vorurteil aufräumen. Der D.I.B. hat auf seiner Homepage umfangreiches Informationsmaterial und nützliche Links veröffentlicht, um hier mit guten Ideen und Praxisempfehlungen zu unterstützen.“

Auch in diesem Jahr unterstützt der Verband wieder die Aktion „Bienen füttern“, zu der das Bundeslandwirtschaftsministerium jährlich aufruft. Teil der Aktion ist ein Pflanzenlexikon, in dem Bürgerinnen und Bürger erfahren, welche Pflanzen besonders für Bienen geeignet sind.

Hintergrund
Der Deutsche Imkerbund e.V. vertritt als Dachorganisation die Interessen von über 130.000 Imkern seiner 19 Mitgliedsverbände und ist damit der größte europäische Zusammenschluss. Zweck des Deutschen Imkerbundes e.V. ist es, die Bienenhaltung zu fördern und zu verbreiten, damit durch die Bestäubungstätigkeit der Honigbiene an Wild- und Kulturpflanzen eine artenreiche Natur erhalten bleibt. Zum Schutz aller Blüten besuchenden Insekten wirkt der Deutsche Imkerbund e.V. im Naturschutz und in der Landschaftspflege mit.

Gemeinsam leisten unsere Imkereien, die ganz überwiegend in der Freizeit rund 900.000 Bienenvölker betreuen, einen unverzichtbaren Beitrag für eine reichhaltige und intakte Umwelt durch die Sicherung der Bestäubung mit einem volkswirtschaftlichen Nutzen von rd. 3 Mrd. Euro jährlich.

Die enge Verflechtung von Naturschutz und der Wahrung imkerlicher Interessen schafft zugleich die Voraussetzungen für unverfälschte und hochwertige Bienenerzeugnisse. Der Deutsche Imkerbund e.V. wahrt für seine Mitglieder als Markeninhaber die Schutzrechte und besonderen Qualitätsanforderungen der seit 1925 patentierten Kollektivmarke *Echter Deutscher Honig* als Warenzeichen für Honig aus heimischen Regionen.

Quelle: Deutsche Imkerbund

Geflügelpest: Landwirtschaftsministerium hebt Aufstallungspflicht für Hausgeflügel in NRW auf

Ministerin Ursula Heinen-Esser: Die Zahl der infizierten Wildvögel ist erfreulicherweise stark rückläufig, für eine vollständige Entwarnung ist es noch zu früh

Das Landwirtschaftsministerium hebt die im April angeordnete Aufstallungspflicht für Hausgeflügel auf. Für die Geflügelhalter in den betroffenen Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold und Münster bedeutet dies, dass sie seit Montag (17. Mai 2021) ihre Tiere wieder draußen halten dürfen. „Auch wenn die Zahl der mit der Wildvogelpest infizierten Tiere erfreulicherweise weiterhin stark rückläufig ist, ist es für eine vollständige Entwarnung noch zu früh“, sagte Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser und betonte:
Biosicherheitsmaßnahmen zum Schutz unserer Hausgeflügelbestände sind weiterhin zwingend zu beachten. Bei der Freilandhaltung von Geflügel ist sicherzustellen, dass Wildvögel keinen Zugang zu Futter- oder Wasserquellen des Hausgeflügels bekommen können, um Kontakte zu Wildvögeln so weit wie möglich zu verhindern.“

Seit dem 15. April 2021 ist in den nordrhein-westfälischen Hausgeflügelhaltungen kein Fall von Geflügelgrippe mehr aufgetreten. Auch bei Wildvögeln in Nordrhein-Westfalen wird das Virus nur noch sporadisch nachgewiesen. Das Friedrich-Loeffler-Institut hat in seiner Risikoeinschätzung vom 26. April 2021 das Risiko der Ausbreitung der Infektion in Wasservogelpopulationen ebenso wie die Gefahr des Eintrags in Geflügelhaltungen und Vogelbestände als mäßig herabgestuft. Gründe sind steigende Außentemperaturen und der fortgesetzte Rückzug von Wildvögeln in die nördlichen Brutgebiete. Die Aufstallungsanordnung galt nach einem Erstausbruch der hochpathogenen Geflügelpest im Kreis Gütersloh ab dem 2. März 2021 zunächst für den Regierungsbezirk Detmold. Aufgrund weiterer Ausbrüche im westfälischen Raum wurde am 25. März 2021 auch in den Regierungsbezirken Münster und Arnsberg die Stallpflicht für Hausgeflügel angeordnet. Seit dem 3. März war die Geflügelpest in insgesamt 13 nordrhein-westfälischen Betrieben ausgebrochen. Zusätzlich wurde das Virus seit November 2020 bei 29 Wildtieren nachgewiesen. Mitte April 2021 sind im Kreis Coesfeld und Anfang Mai 2021 im Kreis Wesel noch vereinzelte Fälle unter Wildvögeln aufgetreten.

Bürgerinnen und Bürger sind daher weiterhin aufgerufen, Funde von verendeten wildlebenden Wasservögeln oder Greifvögeln dem Veterinäramt des jeweiligen Landkreises bzw. der kreisfreien Stadt zu melden. Von dort aus wird das Einsammeln und Beproben der Tiere organisiert. Verendete oder krank erscheinende Tiere sollen nicht berührt, eingesammelt oder selbst vom Fundort verbracht werden.

Weitere Informationen zum Thema „Geflügelpest“ beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Jetzt kostenfrei downloaden als PDF: Der Hoftierarzt 2/2021

Rinder: Einsparpotentiale bei Wurmbehandlungen
Schwimmschicht ade – Brottrunk in der Schweinemast
Neues zur Ödemkrankheit und zum Schwanzbeißen
Parasiten: Wenn bei Schafen und Ziegen der Wurm drin ist
Imkertipp: Bienenhaltung bitte nur mit Fachwissen
Fliegenbekämpfung: Jedes Frühjahr wieder oder geht es auch anders?
und
umfangreicher Schwerpunkt Geflügel


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Geschlechtsbestimmung im Ei oder Zweinutzung – gibt es einen Königsweg? #Expertise2021

Auch wenn Verbraucher Zweinutzungshühner gerne favorisieren, sind diese doch wirtschaftlich keine Alternative. Sie legen 20% weniger (und kleinere) Eier, setzen weniger Fleisch (insbesondere an der Brust) an und schneiden auch unter ökologischen Gesichtspunkten schlechter ab, als spezialisierte Linien: ihr um 25% höherer Futterbedarf widerspricht schlicht jedem Nachhaltigkeitsdenken.

Prof. Dr. Rudolf Preisinger, der sich seit sage und schreibe 12 Jahren mit Techniken zur Geschlechtsbestimmung im Ei beschäftigt, beschrieb im Rahmen der „Expertise 2021“ den aktuellen Stand der Entwicklung.

Zwar gebe es aktuell 15 Forschungsprojekte weltweit, aber von einer marktreifen Lösung seien die allermeisten weit entfernt, führte der Chief Technical Officer der EW Group gleich zu Beginn aus. Marktreif seien derzeit nur die Verfahren von Seleggt In Ovo und PLANTegg, für die Legehennenhalter Preisaufschläge von € 4,00 (Seleggt), € 3,30 – € 4,00 (In Ovo) und € 4,00 – € 5,00 (PLANTegg) pro Henne bezahlen müssen. Die Hyperspektralanalyse als nicht-invasives Verfahren, verursache Mehrkosten pro Henne von € 1,10, sei aber ausschließlich bei Braunlegern anwendbar.

Bei der klassische Hahnenaufzucht bis zur 11. oder 12. Woche, müsse mit zusätzlichen € 3,50 gerechnet werden. Es bestehe also Kostengleichheit, weshalb zurzeit zahlreiche Legehennenhalter die Aufzucht der (Bruder-)Hähne favorisieren. Dies wurde in der jüngsten Vergangenheit begünstigt durch einen schwächeren Enten- und Broilermarkt, weswegen leere Ställe für die Junghähne vorhanden gewesen seien. Auch würden viele dieser Hähne im benachbarten Ausland, vor allem in Polen, aufgezogen und in spezialisierten Suppenhennen-Schlachtereien geschlachtet. Denn: Bei Fleischfülle und -beschaffenheit seien ihre Schlachtkörper denen von Suppenhennen sehr ähnlich.

Seleggt wird schon seit geraumer Zeit in Deutschland (für EDEKA) eingesetzt. Mit der Hyperspektralanalyse (Markenname CHEGGY) können heute sogar schon 20.000 Eier pro Stunde sortiert werden. Kosteneffizient und nicht-invasiv, aber eben nur bei Braunlegern, die allerdings auch 75% des EU-Marktes ausmachen. In Frankreich, Belgien, Spanien und Italien ist CHEGGY bereits im Einsatz und sogar bei LSL in Deutschland.

Aber: die Untersuchung per Hyperspektralanalyse funktioniert – ebenso wie Seleggt – erst ab dem 13. Bruttag und wäre damit über den 1. 1. 2024 hinaus in Deutschland nur dann gesetzeskonform, wenn vor der Tötung der Hahnenembryos eine Betäubung erfolgen würde. Ein entsprechendes Verfahren zur Elektrobetäubung des Embryos im Ei sei denn auch tatsächlich in der Entwicklung, aber noch nicht praxisreif, verreit Preisinger.

Mit dem Ramanspektroskopie-Verfahren der TU Dresden lassen sich Eier bereits am 5. Bruttag sortieren. Die Genauigkeit liege im Labormaßstab aber bislang noch unter 95%, sagte Referent; in wenigen Monaten solle jedoch klar sein, ob diese Schwelle überschritten werden könne.

Um die erhebliche Menge an Bruteiern zukünftig überhaupt bewältigen zu können, müssten vom 1. Januar 2022 an auf jeden Fall sämtliche Verfahren zur Geschlechtsbestimmung zum Einsatz kommen oder die Junghahnenaufzucht im großen Stil organisiert werden, betonte Rudolf Preisinger.

Vor dem 7. Bruttag ist ein Schmerzempfinden bei den Embryonen nicht vorhanden, weil die nötigen Reizleitungen noch nicht ausgebildet sind. Ob zwischen dem 8. und dem 14. Tag Schmerzen verursacht würden sei unklar, ab dem 15. Tag jedoch gesichert. Da ab dem 1. 1. 2024 nur noch vor dem 7. Bruttag gesext werden darf, müsse man sich auf die Sortierung von jährlich ca. 70 Mio. Bruteiern einstellen und (wegen der unvermeidlichen Fehlerquote sämtlicher Verfahren) im Anschluss sehr, sehr viele Junghähne aufziehen.

Über Expertise 2021
Unter dem Titel „Prävention im Wandel“ fand vom 6. bis 8. Mai 2021 die „Expertise 2021“, eine virtuelle Konferenz von MSD Tiergesundheit zur Fortbildung von Nutztier-Tierärzten, statt. Hochkarätige Referenten stellten neueste Forschungsergebnisse für Rinder, Schweine und Geflügel vor.