Aviäre Influenza: Aktueller Stand zu Virus und Impfstoffforschung

Derzeit grassiert die Geflügelpest, auch Aviäre Influenza genannt, so gravierend wie schon lange nicht mehr in Deutschland. Eine Vielzahl von Geflügelbetrieben ist bereits betroffen. Natürlich war diese Erkrankung deshalb auch Thema auf der digitalen EuroTier. Prof. Dr. Franz J. Conrath, Vizepräsident des Friedrich Löffler Instituts (FLI)gab den Überblick über den aktuellen Stand in Deutschland und in Europa. Früher gab es deutlich weniger Geflügelpestfälle: im Zeitraum 1950 bis 1996 gab es weniger als 20 Ausbrüche weltweit, erst seit 1997 verzeichnet man einen starken Anstieg der Ausbrüche; das Virus H5N1 trat seinen „Siegeszug“ an. Das schlimmste Ausbruchsgeschehen war bisher in Deutschland 2017 (Virustyp H5N8), vorher gab es erst 2007 und seit 2014 nennenswerte Ausbrüche in Deutschland.

Die Viren persistieren in einem natürlichen Reservoir, das ist eine Wildvögelpopulation, und geht auf die Reise, sobald der Vogelzug beginnt. Die niedrigpathogene Variante kann dann zur hochpathogenen Form werden, dies geschieht zumeist erst hier im Land in den Geflügelbetrieben. Die meisten Geflügelpesterreger, die hier zu finden sind, stammen aus Südostasien und werden über den Vogelzug nach Europa transportiert. Viele Vogelzuglinien kreuzen sich, so dass das Virus eine starke Verbreitung erfahren kann. Influenzavieren mutieren ständig, so dass aus den zuerst gering pathogenen Arten hochpathogene Viren entstehen können. Manchmal kommen aber auch schon die hochpathogenen Varianten mit dem Vogelzug nach Deutschland. Die niedrig pathogenen Varianten können sich nur in bestimmten wenigen Teilen des Körpers vermehren, in den Atemwegen und im Magen-Darm-Bereich, aber die hochpathogenen Viren können in jeder Körperzelle aktiviert werden. Deshalb kommt es dann sehr schnell zu einer systemischen Infektion.

Erkranken die Tiere, kommt es zu einer reduzierten Aufnahme von Futter und Wasser, die Tiere sind apathisch und müde, es kommt zu hohem Fieber und lauten Atemgeräuschen durch Schleim in den Atemwegen. Einzelne Tiere verenden sehr schnell. Bis zum Ausbruch nach Ansteckung vergehen nur Stunden bis wenige Tage. Das Virus kann auch den Menschen infizieren, aber auch Hund, Katze und andere Säugetiere.

Viele Putenbetriebe betroffen
Die Ausbrüche in Deutschland sind zumindest im Jahr 2020 bereits vorhergesehen worden: Es gab im September die ersten Geflügelpestmeldungen aus dem südlichen Russland und durch den Vogelflug war es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus in Europa ankommen würde. In Europa und in Deutschland findet sich eine Häufung des Virus an den Küstengebieten, da viele Zugvögel sich am Wasser aufhalten und von dort die heimischen Vögel infizieren. Über verschiedene Vektoren (indirekter oder direkter Kontakt zu Wildvögeln, belastetes Stroh etc.) breitet sich das Virus dann in der Folge in den Geflügelbetrieben aus. Ein Hotspot ist in den geflügelreichen Landkreisen Vechta, Oldenburg und Cloppenburg entstanden, dort haben sich Bestände untereinander möglicherweise über die Luft „durch die Nachbarschaft“ angesteckt. Es sind überdurchschnittlich viele Putenmastbetriebe betroffen. Aber auch über 15.000 Wildvögel sind dem aktuellen Geschehen in Deutschland zum Opfer gefallen (Stand Mitte Februar).


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