Precision Livestock Farming in der Milchviehhaltung: Ein Überblick

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Von Dr. Joachim Lübbo Kleen, CowConsult

Digitalisierung, Big Data – das sind Schlagworte, die seit einigen Jahren auch mit der Milchviehhaltung in Verbindung gebracht werden. Nicht nur in der Fachpresse, auch in der allgemeinen Berichterstattung wird die zunehmende Verbreitung von Informationstechnologie auf Betrieben wahrgenommen. Nach einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom (Bitkom e.V. 2020) nutzen etwa 80 % der deutschen Landwirte in irgendeiner Form digitale Technologien. Es ist also angebracht, eine Übersicht über den aktuellen Stand des „Precision Livestock Farming“ in der Milchviehhaltung zu erhalten.

Mit „Digitalisierung“ wird eine Vielzahl unterschiedlicher Vorgänge beschrieben und es lassen sich zahllose Definitionen für diesen Begriff finden. Digitalisierung wird in der Nutztierhaltung häufig im Zusammenhang mit Sensortechnik, elektronischer Datenverarbeitung oder Autonomen Systemen wie Melkrobotern verwendet. Zunehmend wird hierfür der Oberbegriff des „Precision Livestock Farming“ (PLF) (Berckmans 2008) genutzt, der diese und andere Komponenten zusammenfasst. Unter PLF ist zu verstehen, dass Systeme wie Roboter und Sensoren zunehmend Daten erheben, welche durch standardisierte Rechenoperationen (Algorithmen) verarbeitet werden. Die Ergebnisse der Algorithmen deuten auf Veränderungen hin (z.B. sogenannte „Alarme“), diese dienen dann als Grundlage für Entscheidungen. Der Unterschied zur traditionellen, retrospektiven Entscheidungsfindung liegt hierbei in der unmittelbaren Verfügbarkeit und Verarbeitung von Daten, der Integration von Daten verschiedener Quellen und der daraus folgenden unmittelbaren Umsetzung einer Entscheidung.

Sensoren
Ein „Sensor“ ist ein „Messfühler“, der physikalische Werte erfasst und messen kann. Mit „Sensor“ wird im Bereich der Milchviehhaltung vor allem der Bereich der automatischen Brunsterkennung verknüpft; diese Anwendung ist verbreitet und der praktische Nutzen gut belegt. Beispielhaft sei hier die Arbeit von (Kempf 2016) erwähnt, in der von einer Brunsterkennungsrate von 95 % durch das Sensorsystem und einer Überlegenheit gegenüber visueller Brunstbeobachtung berichtet wird. Aber auch andere Parameter können durch Sensoren mittlerweile erfasst werden, auch wenn nicht alle Systeme schon marktreif sind. Ein biologischer Parameter kann hierbei durchaus durch unterschiedliche Sensortypen erfasst werden. Beispielhaft sei hier die Wiederkauaktivität genannt: Um das Wiederkauen der Tiere zu erfassen, können Beschleunigungssensoren (Reiter et al. 2018), Drucksensoren (Shen et al. 2020) oder Mikrofone (Vanrell et al. 2018) verwendet werden. Knight (2020) teilt die verfügbaren Sensorsysteme ein in „Systeme an der Kuh“ (z.B. Beschleunigungssensoren, ruminale pH-Meter), „Kuh-nahe Sensoren“ (z.B. Kameras oder Mikrofone) und „Kuh-ferne Sensoren“ (z.B. Analysevorrichtungen für Biomarker in der Milch).

Die Algorithmen können durch entsprechende Prozesse des sogenannten „machine learning“ schließlich auf Basis von Datenmustern Ereignisse voraussagen, also beispielsweise das Risiko für eine klinische Mastitis errechnen und Risikotiere anzeigen. Die Datenintegration kann aber auch sensor-unabhängige Daten umfassen wie Milchmengenmessung, tierärztlich erhobene Befunde oder wirtschaftliche Rahmendaten. Von der Entscheidungsunterstützung ergebe sich hier der nächste Entwicklungsschritt zur Entscheidungsfindung („decision making“), bei der ein System die sich auf Basis der erhaltenen Informationen anbietenden Optionen wie Separierung, Behandlung, Besamung usw. dem Tierhalter anbiete oder sogar selbst umsetze, beispielsweise indem ein Besamungsauftrag bei festgestellter Brunst automatisch übermittelt oder ein Tier durch Programmierung der Tierseparation in eine andere Gruppe überführt werde. Diese Stufe kann als vollständige Umsetzung des Konzeptes des PLF verstanden werden: Die Sensoren sind hierbei lediglich Lieferanten von Information, welche dann von Algorithmen ausgewertet und mit anderen Informationen verknüpft wird. Es ist aber festzustellen, dass derzeit kein Sensorsystem für sich allein eine volle Ausschöpfung der theoretischen Möglichkeiten erreicht. Anwender sind also vorerst auf eine Kombination von Systemen angewiesen, sollten sie eine vollständige Überwachung und Steuerung der Milchviehherde anstreben.

Algorithmen
Unter „Algorithmus“ wird ein „Rechenvorgang nach einem bestimmten [sich wiederholenden] Schema“ (Duden 2021b) verstanden. Ein Algorithmus ist also ein standardisierter, iterativer Vorgang, der dazu dient, Informationen mittels eines festgelegten Prozesses zu Aussagen zu verarbeiten. Wie bereits erwähnt, dienen Algorithmen im Rahmen des PLF dazu, aus Sensordaten oder anderen Informationen, wie z.B. Lebensereignissen der Kuh, anwendbare Informationen zu schaffen.


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Wie Bürgerbeteiligung (nicht) funktioniert – Bürgerrat Ernährung III

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Über Formen deliberativer Demokratie ist schon viel philosophiert und diskutiert worden. Auch der damalige Wissenschaftliche Beirat des BMEL hat in seinem Gutachten 2015 deliberative Formate zur Ermittlung gesellschaftlich akzeptierter Formen der Nutztierhaltung vorgeschlagen (S. 274 ff.). Als ein Bespielt wird dort Kanada genannt, wo „über 400 Personen in zehn unabhängigen Web-Foren über die Frage der Freilandhaltung von Milchkühen diskutiert“ haben.

Weitere Beteiligungsformen reichen von Townhall-Meetings mit hunderten Personen bis zur „Grand Dèbat“ in Frankreich mit 10.134 lokalen Treffen, 27.374 eingegangenen Briefen und E-Mails und 1.932.884 Online-Beiträgen. In Frankreich ging es allerdings um viele Themen, nicht nur um die Milchkühe.

Im deutschen „Bergerrat Ernährung“ sollen nun 160 Menschen über neun hochkomplexe Themen diskutieren und haben dafür drei Wochenenden und sechs Online-Sitzungen Zeit. Ein mehr als sportliches Programm. Nein, sogar ein in höchstem Maß fahrlässiges Vorhaben.

Zu den bisher beteiligten Beiräten und der Bürgerauswahl habe ich mich bereits hier und hier geäußert. Nachdem nun der Entwurf eines Detailkonzepts vorliegt, muss ich die Kritik auf das gesamte Prozedere ausweiten. Die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats sollen nämlich nicht nur 2-3 Experten für jedes Thema benennen, sondern es sollen zusätzlich bei allen Sitzungen Faktenchecker anwesend sein.

Diese „beschaffen und erläutern Wissensbestände zu neu entstandenen Informationsbedarfen. Auf Anforderung prüfen sie die sachliche Richtigkeit von Fakten, auf die sich die Argumentationen der Kleingruppen beziehen, und beschaffen sie Informationen zu neu entstandenen Wissensbedarfen.“

Für die Checker-Rolle werden „vorzugsweise fachlich ausgewiesene Angehörige des wissenschaftlichen Mittelbaus von Universitäten bzw. Doktorandinnen und Doktoranden angesprochen. Einzelne Faktencheckerinnen und Faktenchecker sollten zudem einen juristischen Hintergrund mitbringen“.

Nicht genug damit, dass also zwei Dutzend Experten gefunden werden müssen. Es kommt ein weiteres Dutzend Faktenchecker mit Mehrfach-Kompetenzen hinzu.

Alle zusammen sollen dann noch ihr Wissen allgemeinverständlich, ohne Fremdwörter mit didaktischem Talent vermitteln können. Wer – um Himmels Wilen – soll all diese Kriterien bei der Auswahl geeigneter Personen berücksichtigen können?

Noch fragwürdiger wird es dann durch den Verweis auf das „Feedback vorangegangener Bürgerräte, bei denen die Teilnehmenden zum Teil von der Masse und der Flughöhe des Inputs überwältigt waren. Die Prozesse wurden teilweise als verschult empfunden.“

Als Lösung hierfür wird präsentiert: „Die Arbeit am Thema soll daher mit dem Wissen und den Interessen der Teilnehmenden beginnen und nicht mit dem Input durch Expertinnen und Experten.“ Und anschließend eingestanden: „Durch das offene Prozessdesign und die Mitgestaltung der Bürgerinnen und Bürger können möglicherweise nicht alle Fragen, die dem Bürgerrat mit dem Einsetzungsbeschluss gestellt worden sind, beantwortet werden.“

Sollte der gesamte Prozess mit Ernsthaftigkeit durchlaufen werden, ist zumindest Letzteres garantiert!

Von der Komplexität der neun anstehenden General-Themen hat sicher jede und jeder eine gewisse Vorstellung. Im Fall der Nutztierhaltung erlaube ich mir die Schätzung, dass ein Vielfaches der eingeplanten Zeit nötig wäre, um nur diesen einen Bereich zu beleuchten und dass eine Masse Input und eine gewisse Flughöhe ganz unvermeidlich wären. Wie könnte es bei den weiteren acht Bereichen anders sein?

Um Bürgermeinungen zu solch hochkomplexen Dingen wie Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit, Preisbildung und Nahrungsmittelproduktion zu ermitteln, bräuchte es mehr als einen Bürgerrat. Ein komplett anderes Konzept wäre vonnöten.

Ein Kommentar von Thomas Wengenroth

Teil I der Kritik (am Wissenschaftlichen Beirat) finden Sie hier und Teil II (an der Auswahl der Kandidaten) hier.

QS-Zahlen belegen sinkende Antibiotikagaben – Rückgang unabhängig von sinkenden Tierzahlen

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Tierärzte und Tierärztinnen verschrieben 2022 in QS-Schweine haltenden Betrieben deutlich weniger Antibiotika als noch im Vorjahr. Dies ergibt die aktuelle Auswertung des Antibiotikamonitorings für Schweine haltende Betriebe im QS-System. Im Vergleich zum Jahr 2021 sank die verabreichte Menge im Jahr 2022 bei Mastschweinen um knapp 14 Prozent, bei Sauen um 9 Prozent, bei Saugferkeln um 8 Prozent und bei Aufzuchtferkeln sogar um 20,5 Prozent.

Der Antibiotika-Therapieindex im QS-System kennzeichnet zweimal jährlich die durchschnittliche Anzahl der Behandlungseinheiten je Tierplatz in einem Halbjahr. „Damit setzen wir die durchschnittliche Anzahl an Tieren auf dem jeweiligen Betrieb ins Verhältnis zur de facto verabreichten Antibiotikamenge“, erläutert Sabrina Heß, Teamleiterin Tiergesundheit bei der QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS) den Unterschied zwischen den QS-Daten und den staatlichen Angaben, in denen die Gesamtmenge der verkauften Antibiotika an alle Veterinäre (Groß- und Kleintierpraxen) festgehalten wird. „Die QS-Zahlen aus dem Jahr 2022 zeigen, dass die Rückgänge bei den Antibiotikamengen nicht auf geringere Tierbestände zurückzuführen sind. Diese Zahlen sprechen für die Erfolge bei der Bestandsbetreuung, durch die sich die Antibiotikaabgabe je Tier verringert hat, unabhängig von den Bestandszahlen.“

Seit über zehn Jahren wertet QS die tatsächlich verabreichten Antibiotikamengen in den QS-Betrieben aus. Über die QS-Datenbank stellt QS damit nicht nur dem jeweiligen Betrieb regelmäßig einen validen Überblick über die Tiergesundheit in seinem Bestand zur Verfügung, sondern kann auch allgemeine Tendenzen im Verschreibungsverhalten der Nutztierpraktiker verifizieren: Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sich demnach der Einsatz von Antibiotika im QS-System nahezu halbiert und auch die aktuellen Zahlen des Therapieindex Schwein zeigen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Veganer und Vegetarier verzweifelt gesucht – Bürgerrat Ernährung II

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Auf der Bundestags-Website zum Bürgerrat „Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“ heißt es:

„Die Teilnehmer des Bürgerrats werden per Zufallsprinzip ausgewählt (…). Bei der Zusammensetzung soll darauf geachtet werden, dass die Bürger je nach Alter, Geschlecht, regionaler Herkunft, Gemeindegröße und Bildungshintergrund fair beteiligt werden“.

„Zudem soll der Anteil der sich vegetarisch oder vegan ernährenden Personen an der Bevölkerung im Bürgerrat abgebildet werden“.

Tabellen zum BMEL-Ernährungsreport 2021, Seite 24

In die repräsentativen Samples, die in die Verlosung kamen, wurden dann 2 % Veganer und 10% Vegetarier aufgenommen, d. h. von 160 Bürgerräten sollen sich 19 fleischlos ernähren. Als Quelle für diesen Anteil wird der Ernährungsreport 2021 des BMEL genannt, der 2% Veganer und 10% Vegetarier ermittelt hat. Der Report stammt noch aus der Amtszeit von Julia Klöckner und wurde am 10. 2. 2021 veröffentlicht.

Es gäbe allerdings auch einen Ernährungsreport 2022, der am 4. 4. 2022, also in der Amtszeit von Cem Özdemir, veröffentlicht wurde. Warum wurde dann nicht auf aktuellere Zahlen zurückgegriffen?

Tabellen zum BMEL-Ernährungsreport 2022, Seite 27

Ein Blick auf die Ergebnisse von 2022 hilft weiter: Die Zahl der Veganer hat sich gegenüber dem Vorjahr  halbiert, die der Vegetarier ist um 30% gesunken. In die Samples dürften demnach statt 19 nur 13 Fleischlos-Esser aufgenommen werden.

Wer macht sich hier die Welt wie er sie bestellt?

Den ersten Kommentar zu den Mitgliedern des Wissenschaftichen Beirats finden Sie hier. Teil III der Kritik (am Grund-Konzept) finden Sie hier.

Bürgerrat Ernährung – Ratlosigkeit vorprogrammiert

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Noch vor dem Startschuss für die erste Sitzung des „Bürgerrats Ernährung“ im September produziert das Projekt einen Rohrkrepierer. Eine bemerkenswerte Leistung – aber der Reihe nach.

„Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben am Mittwoch, 10. Mai 2023, die Einsetzung eines Bürgerrates zum Schwerpunkt „Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“ beschlossen“, heißt es auf der Internetseite des Bundestages

Und weiter: „160 ausgeloste Bürgerinnen und Bürger sollen (…) Fragen zur Umwelt- und Klimaverträglichkeit, Haltungsbedingungen von Nutztieren, Produktion von Produkten, transparente Lebensmittelkennzeichnung und Lebensmittelverschwendung diskutieren. (…) Außerdem stehen Fragen darüber an, welche Rolle der Staat im Hinblick auf Bildungsangebote in Schulen im Hinblick auf Ernährungsthemen spielen soll, ob er steuerliche Vorgaben machen oder bei der Preisbildung eingreifen soll.“

Ein externer Dienstleister soll bei den Sitzungen des Bürgerrates für neutrale Moderation sorgen. Er wird bei der Zusammensetzung eines Experten-Pools sowie bei der Gestaltung des Prozessdesigns beraten von einem „Wissenschaftliche Beirat aus zwölf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anerkannter Hochschulen und Forschungseinrichtungen“.

So weit so gut. Schaut man sich allerdings die elf (!) Mitglieder dieses wissenschaftlichen Beirats an, muss man konstatieren, dass den meisten Mitgliedern zu den meisten Themen jede Kompetenz für die Auswahl geeigneter Fachleute fehlt. Wenn das Gremium zur Hälfte aus Medizinern besteht, ist auch kaum etwas anderes zu erwarten.

Tabelle 1 listet Namen und Fachgebiete der Beiräte auf (Informationen und Links unten).

Tabelle 2 ordnet allen Personen Kompetenzen für die anstehenden Themen des Bürgerrats zu („x“ für sicher und „?“ für eventuell).

Tabelle 2: Kompetenzen der Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats

 

 

Was sofort ins Auge sticht: Die Grundlagen-Themen „Nutztierhaltung“ und „Urproduktion“ sind völlig unbesetzt! Wie aber soll – ohne jede fachliche Einführung in Pflanzenbau und Tierhaltung – eine sinnvolle Diskussion über Ernährungsfragen überhaupt zustande kommen? Schließlich ist ohne Urproduktion so gut wie gar keine Ernährung möglich – außer für Jäger und Sammler.

Auch zur industriellen Produktion von Lebensmittel besitzt niemand Expertise (in Zeiten von In-vitro-Fleisch und pflanzlicher Ersatzprodukte wäre auch das aber erwägenswert).

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, für jedes der neun Themenfelder (mindestes) zwei anerkannte Experten zu berufen? Geeignete Kandidaten sind jedenfalls nicht schwer zu finden, z. B.:

für die Tierhaltung
Prof. Dr. Nicole Kemper, Direktorin des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie (Verhaltensforschung) an der Tierärztlichen Hochschule Hannover
Prof. Dr. Steffen Hoy, Professor für Tierhaltung und Haltungsbiologie, Universität Gießen (bis 2017)

für ökonomische Fragen (auch mit Blick auf anderen Weltregionen)
Prof. Dr. Alfons Balmann, Direktor des Leibnitz Instituts für Agrarentwicklung und Transformationsökonomie
Prof. Dr. Matin Qaim, Leiter des Zentrums für Entwicklungsforschung, Universität Bonn

fürs Klima
Prof. Dr. Jochem Marotzke, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie
Prof. Dr. Hans von Storch, bis 2015 Professor am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg und Leiter des „Instituts für Küstenforschung“

für den Pflanzenbau
Prof. Dr. Henning Kage, Leiter der Abteilung Acker- und Pflanzenbau, Universität Kiel
Prof. Dr. Sonoko Dorothea Bellingrath-Kimura Fachgebiet Pflanzenbau, Bodenkunde Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF e.V.)

und wenn es spezieller sein soll;
für ökologischen Landbau
Prof. Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen Ökologischer Landbau und Pflanzenbausysteme, TU München

für Pflanzenzüchtung
Dr. Dr. Peter Doleschel, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

für Pflanzenschutz
Prof. Dr. Verena Haberlah-Korr, Fachhochschule Südwestfalen, Wissenschaftliche Leitung am Versuchsgut Merklingsen

Schließlich gibt es an der Uni Lüneburg eine eigene „Fakultät Nachhaltigkeit“ mir 25 Professoren. Oder man schaut einfach mal nach „FONA – Forschung für Nachhaltigkeit“ auf der Internetseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

„Der Bürgerrat soll dem Deutschen Bundestag bis zum 29. Februar 2024 seine Handlungsempfehlungen in Form eines Bürgergutachtens vorlegen“, ist auf der Bundestags-Website zu lesen. Wie sollen bei solch mangelhaften Startbedingungen die Bürgerräte aber zu Vorschlägen gelangen, wie zukünftige Nahrungsproduktion (und Ernährungssicherung) aussehen könnten?

Wenn schon der Start eines angeblich zukunftsweisenden Projekts derart misslingt, stellt sich die Frage: Sind die versammelten Parlamentarier tatsächlich ahnungslos, was die einschlägige Wissenschaft betrifft – oder einfach nur lustlos? Nachhaltige Ernährung – und um die geht es – bedeutet mehr als nur gesundes Essen. Für grundstürzende Erkenntnisse wie „mehr Gemüse – weniger Fleisch“ brauchen wir wahrlich keinen Bürgerrat. Für drängende Zukunftsfragen wäre echte Expertise dagegen dringend gefragt.

Ein Kommentar von Thomas Wengenroth

Teil II der Kritik am Bürgerrat (an der Kandidatenauswahl) und Teil der III (am Grund-Konzept) finden Sie hier und hier.

Links:

Website des Bundestages zum Bürgerrat

Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats

Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski
Ernährungsmedizin, Vitamine, Hidden Hunger

PD Dr. med. Thomas Ellrott
Hauptaufgabe des Instituts ist die interdisziplinäre Forschung über das menschliche Essverhalten zwischen Ernährungswissenschaft, Psychologie, Pädagogik und Medizin. Dabei werden insbesondere die Determinanten menschlicher Essentscheidungen untersucht. Die Frage „Warum essen Menschen anders als sie sich ernähren sollten?“ steht im Zentrum der Forschungsarbeiten.

Prof. Dr. med. Johannes Erdmann
ist Ernährungsmediziner, Internist, Endokrinologe und Diabetologe mit Schwerpunkt auf der Behandlung von Übergewicht und Diabetes Typ 2.

Prof. Dr. jur. Moritz Hagenmeyer
Lehrbeauftragter für Lebensmittelrecht, Mitglied im Rechtsausschuss des Lebensmittelverbandes Deutschland

Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen
Potsdam Institut, Hermann Lotze-Campen is an agricultural economist and Head of Research Department 2 „Climate Resilience“. He is also Professor of Sustainable Land Use and Climate Change at Humboldt-Universität zu Berlin.

Prof. Dr. Britta Renner
Our research focuses on two main thematic areas. First, we investigate motives for normal eating behavior and interventions targeting normal eating. Second, we investigate how risks for communicable and non-communicable diseases are perceived and can be communicated effectively.

Jun.-Prof. Dr. Antje Risius
Forschungsschwerpunkte: Behavior change communication (e. g. informative nudging/boosting)

Prof. Dr. Veronika Somoza
beschäftigt sich mit der Isolation und Charakterisierung sowie der Bioaktivität und Bioverfügbarkeit von Lebensmittelinhaltsstoffen

Prof. Dr. Melanie Eva-Maria Speck
Sozioökonomie in Haushalt und Betrieb

Prof. Dr. Achim Spiller
Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte
Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Konsumentenverhalten, Nachhaltigkeitsmanagement, Animal Welfare und Supply Chain Management im Agribusiness.

Prof. Dr. Dr. Wilhelm Windisch
Tierernährung
Wirkungsweise funktioneller Nahrungsinhaltsstoffe, der Nutzung biogener (Rest-) Stoffe neuer Technologien als tierische Nahrung, sowie den physiologischen Gesetzmäßigkeiten und Spielräumen der Nährstofftransformation im Stoffwechsel der Nutztiere bis hin zur den Umweltwirkungen der Nutztierfütterung.

Futterlaub aus Agroforstsystemen – Neues Projekt für eine nachhaltige Ernährung kleiner Wiederkäuer in Zeiten des Klimawandels

Im Rahmen des neuen Agroforst-Demonstrationsvorhabens „FuLaWi“ entwickelt ein multidisziplinäres Konsortium aus Wissenschaft, Praxis und Beratung Nutzungskonzepte für Laub aus Agroforstsystemen. Ziel des Projektes ist es, eine ganzjährige, artgerechte Ernährung für kleine Wiederkäuer zu ermöglichen, um die Verdaulichkeit und Mineralstoffversorgung zu verbessern sowie die Methanemissionen zu reduzieren.

Das Projekt mit dem vollen Titel „Nutzungs- und Konservierungsverfahren für Futterlaub aus Agroforstsystemen zur Verbesserung der Nährstoffversorgung und Reduktion von Methanemissionen bei kleinen Wiederkäuern“ (FuLaWi) verfolgt das Ziel, nachhaltige Tierernährung mit positiven Umwelt- und Klimaauswirkungen zu fördern. Die Agroforstwirtschaft bietet durch ihre multifunktionalen positiven Wirkungen auf die Agrarökosysteme dafür ein großes Potenzial. Sie trägt zur Steigerung der Biodiversität bei, ermöglicht eine Anpassung an den Klimawandel und leistet gleichzeitig aktiven Klimaschutz.

Praxisnahe Forschung in landwirtschaftlichen Betrieben
Das Projekt FuLaWi konzentriert sich nicht nur auf Weidehaltung in Agroforstsystemen, sondern entwickelt auch innovative Ernte- und Konservierungsverfahren für Laubfutter. Diese Verfahren zielen darauf ab, die Verdaulichkeit und Mineralstoffversorgung der Tiere zu verbessern sowie Methanemissionen zu reduzieren. Um diesen Zielen gerecht zu werden, werden neben Labor- und Fütterungsversuchen auch reale Agroforstsysteme auf landwirtschaftlichen Betrieben angelegt. Diese Herangehensweise gewährleistet eine praxisnahe Entwicklung der Konzepte.

Die Datengrundlage für das Projekt wird durch umfangreiche Fütterungs- und Konservierungsversuche im Feld und Labor geschaffen, ebenso wie durch die sorgfältige Erhebung und Analyse betriebswirtschaftlicher und empirischer Daten. Die Erkenntnisse werden für eine breit angelegten Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit genutzt und erweitern den nachhaltigen Mehrwert der Agroforstwirtschaft.

Vier Partner im Netzwerk, Förderung durch das BLE
Das Verbundprojekt FuLaWi wird von vier maßgeblichen Akteuren durchgeführt: dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf, der Georg-August-Universität Göttingen, Lignovis Hamburg und Triebwerk aus Meißner. Die Projektlaufzeit erstreckt sich von Juni 2023 bis Mai 2026. Das Projekt wird im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens zur Sicherung einer nachhaltigen Ernährung landwirtschaftlicher Nutztiere unter sich wandelnden klimatischen Bedingungen im Modul A „Verbesserung der Umwelt- und Klimawirkung der Nutztierhaltung durch eine nachhaltige Tierernährung“ durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Höhe von 970.000 Euro gefördert.

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) trägt wesentlich zur Projektumsetzung bei. In Fütterungsversuchen mit verschiedenen Pappel- und Weidearten wird die Verdaulichkeit, das Minderungspotenzial für Methanemissionen und der Mineralstoffhaushalt untersucht. Die Nahrungszusammensetzung für Schafe und Ziegen wird variiert, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Diese Versuche inkludieren umfassende Analysen der Trockenmasse, Energie- und Nährstoffgehalte sowie der Mengen- und Spurenelemente. Besondere Aufmerksamkeit gilt den tragenden und laktierenden Tieren, bei denen Calcium- und Selenversorgung sowie antioxidativer Stress untersucht werden. Mittels respiratorischer Messungen werden die individuelle Methanemission und die Stoffwechselwärme erfasst.

FuLaWi Logo

Das FuLaWi-Projekt stellt einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Tierernährung und Agroforstwirtschaft dar. Es verdeutlicht die Chancen einer ausgewogenen Symbiose zwischen Landwirtschaft und Klimaschutz.

Weitere Informationen unter www.futterlaub.de

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Wie halte ich mein Kalb gesund?

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Von Prof. Dr. Norbert Kanswohl, Universität Rostock/ Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei M-V und Dr. Solveig March, Dr. Denny Wiedow, Dr. Jörg Burgstaler Universität Rostock

Die Grundlagen für eine hohe Leistungsfähigkeit und Nutzungsdauer der Milchkühe sowie eine hohe Fruchtbarkeit werden schon in der Kälberaufzucht gelegt. In der Praxis gibt es aber noch eine Vielzahl von Problemen. Die Kälberverluste sind in vielen Milchviehbetrieben zu hoch. In nicht wenigen Betrieben liegen sie weit über 15 %. Atemwegserkrankungen und Darminfektionen zählen zu den Hauptursachen. Wie gelingt eine optimale Kälberaufzucht?

Die Kälberaufzucht ist an sich sehr arbeitsintensiv. Deshalb sollte das Haltungsver-fahren so aufgebaut und die Arbeitsorganisation so gestaltet werden, dass auf der einen Seite eine intensive Tierkontrolle möglich ist, die Gesundheitsgefährdung der Kälber auf ein Minimum reduziert wird und auf der anderen Seite die Fütterung bzw. das Tränken, das Entmisten und die Reinigung mit relativ geringem Arbeits-zeitaufwand effektiv durchgeführt werden können. Eine hohe Mechanisierbarkeit des Verfahrens und gute Kenntnisse der Arbeitsabläufe sind die Grundlage für die Einsparung von Arbeitszeit, denn der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist ein Problem. Wer z.B. beim Entmisten und Einstreuen Arbeitszeit einspart, hat mehr Zeit für Tierkontrolle und -betreuung als Grundlage für eine gesunde Aufzucht. Durch intensive Tierkontrolle können auch schon kleinste gesundheitliche Veränderun-gen erkannt und rechtzeitig eine Behandlung angesetzt werden. Damit sinken die Behandlungskosten und die Verlustrate, das Wachstum der Kälber ist intensiver und es ergeben sich daraus auch arbeitswirtschaftliche Vorteile.

Außenklima ist besser
Aus Gründen der besseren Tiergesundheit sollte in der Kälberhaltung die Außen-klimahaltung gegenüber der konventionellen Stallhaltung bevorzugt werden. Unter dem gesundheitsfördernden Außenklima kann das Kalb seine verschiedenen Be-dürfnisse an die Umwelt eher befriedigen als im Stall. Untersuchungen der Sächsi-schen Landesanstalt für Landwirtschaft ergaben …


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Aktuelles Interview: Neuer PRRS-Virustyp Rosalia – Eine große Herausforderung für Spaniens Schweineindustrie

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Seit über 30 Jahren steht die Schweineindustrie vor den Herausforderungen von PRRS. Das Virus ist dafür bekannt, verschiedene Stämme und Varietäten zu haben, da immer wieder Mutationen und Rekombinationen auftreten. Die neue PRRS-Variante Rosalia, die in Spanien vorkommt, ist hochpathogen und führt zu höheren Mortalitäts- und Fertilitätsproblemen bei Sauen, totgeborenen Ferkeln und Mortalität bei Ferkeln sowie Mastschweinen. Dr. Hendrik Nienhoff, Dipl. ECPHM Fachtierarzt für Schweine beim Schweinegesundheitsdienst Niedersachsen, schätzt die Situation für die deutschen Schweinehalter ein.

Dr. Hendrik Nienhoff, Dipl. ECPHM Fachtierarzt für Schweine beim Schweinegesundheitsdienst Niedersachsen

Herr Dr. Nienhoff, bereits seit 2 Jahren gibt es in Spanien eine neue Variante des porcinen reproduktiven und respiratorischen Syndroms (PRRS). Wie stellt sich die Lage aktuell dar?
Nach jahrzehntelanger Erfahrung hat die Branche gelernt, dass das PRRS-Virus schwer zu kontrollieren ist. Abgesehen davon, dass es leicht übertragbar ist, weiß das Virus, wie man das Immunsystem manipuliert. Dadurch dauert es lange, bis das Immunsystem eines Tiers mit dem Virus fertig wird. Darüber hinaus erschweren die hohe Schweinedichte und die große Ausbreitung innerhalb der Schweinepopulation die Bekämpfung des Virus zusätzlich. Deshalb sind verschiedene Arten und Sorten von PRRSv auf der ganzen Welt in vielen Schweinebetrieben zu finden.

Spanien ist nicht das einzige Land, das eine relativ neue PRRS-Sorte meldet. In den USA verursacht der Stamm 1-4-4 auf Farmen viel größere Probleme als frühere Subtypen des Virus. Genauer gesagt wurde festgestellt, dass der 1-4-4-Stamm der Linie 1C der Hauptschuldige war. In Österreich und Deutschland machte vor ein paar Jahren der sogenannte ACRO-Stamm von sich reden. Darüber hinaus tauchte vor etwa zehn Jahren in Weißrussland die Lena-Variante auf, und in China wurden auch hochpathogene Varianten beschrieben.

Sind also alle PRRS-Virusvarianten ähnlich gefährlich?
In der PRRS-Familie gibt es 2 Typen: den europäischen Subtyp (Typ 1) und den amerikanischen Subtyp (Typ 2). Der europäische Subtyp ist milder für die Lungen von Ferkeln und Mastschweinen als sein amerikanisches Gegenstück. Probleme mit Sauen, zum Beispiel vorzeitiges Abferkeln oder schwache Ferkel, sind bei beiden Arten ähnlich.
Innerhalb dieser Typen gibt es viele Varianten, da das Virus weiter mutiert und rekombiniert.


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Hummel-Challenge per App: Hummel-Fotos für die Wissenschaft gesucht

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Nach dem Erfolg der Hummel-Challenge im letzten Jahr heißt es auch 2023 wieder: Wer fotografiert die meisten Hummeln? Naturbegeisterte in ganz Deutschland können vom 24. Juli bis 6. August 2023 mit der Bestimmungs-App ObsIdentify mitmachen.

Das Wildbienen-Team am Thünen-Institut für Biodiversität in Braunschweig ruft gemeinsam mit der Naturbeobachtungsplattform http://Observation.org und dem LWL-Museum für Naturkunde in Münster zu dem Citizen-Science-Wettbewerb auf. Ziel ist es, so viele verschiedene Hummeln auf so vielen verschiedenen Wildpflanzen wie möglich zu fotografieren.

Das Motto der Hummel-Challenge 2023 lautet „Ab in die Natur“, denn in diesem Jahr geht es vor allem darum, Hummeln auf Wildpflanzen außerhalb des eigenen Gartens zu fotografieren. An der Challenge können alle Interessierten teilnehmen, unabhängig von Artenkenntnissen. Benötigt werden lediglich ein Smartphone und die kostenlose Bestimmungs-App „ObsIdentify“. Die Fotos von den Hummeln können dann direkt in die App geladen werden. Diese ermittelt, um welche Art es sich handelt. Wie viele Hummeln und Arten bereits beobachtet wurden und welchen Platz die Teilnehmenden in der Rangliste haben, zeigt die App ebenfalls an. Alternativ können die Hummel-Fotos auch über die Website Observation.org hochgeladen werden.

Gemeinsam für die Wissenschaft
Neben dem Spaß-Faktor hat der Fotowettbewerb auch einen handfesten wissenschaftlichen Hintergrund: Die Wildbienen-Forschenden vom Thünen-Institut testen damit, ob und wie Bestimmungsergebnisse von Gelegenheitsbeobachtungen in ein bundesweites Wildbienen-Monitoring integriert werden können.

Hummeln zählen zu den wichtigsten Bestäubergruppen sowohl für die Landwirtschaft als auch für viele Wildpflanzen. Durch das Fotografieren können Citizen Scientists zum Wissenszuwachs über die Verbreitung der Insekten beitragen. Vergleichbare Wettbewerbe waren bereits sehr erfolgreich: Unter vielen tausend Meldungen gab es auch sogenannte Erstnachweise von Arten außerhalb ihres bisher bekannten Verbreitungsgebietes.

Ehrenamtliche für ein strukturiertes Monitoring gesucht
Wer über die Challenge hinaus Interesse an Wildbienen hat, sich ehrenamtlich in der Wissenschaft engagieren und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten will, kann sich für das Wildbienen-Monitoring 2024 am Thünen-Institut unverbindlich voranmelden. Innerhalb des Forschungsprojekts können sich Freiwillige auch ohne Artenkenntnisse auf verschiedene Weise einbringen: Sie können zum Beispiel die Patenschaft für eine Wildbienen-Nisthilfe übernehmen oder in den Sommermonaten regelmäßig an bestimmten Orten für das Zählen und Bestimmen von Hummeln verantwortlich sein.

Das dafür nötige Handwerkszeug und grundlegendes Wissen über die Arten erhalten Interessierte in Bestimmungskursen, die das Thünen-Institut für Teilnehmende regelmäßig und kostenlos anbietet.

Informationen zur Hummel-Challenge 2023
Informationen zum Wildbienen-Monitoring

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Mehr Transparenz beim Tierwohl: Informationen helfen, Label zu verstehen

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Die intensive Nutztierhaltung steht in der Kritik. Viele Menschen fordern eine tiergerechtere Haltung und mehr Transparenz beim Thema Tierwohl. Label auf den Verpackungen tierischer Lebensmittel sollen über die Haltungsbedingungen informieren. Im Handel verbreitet ist zum Beispiel das Haltungsform-Label für Fleisch- und Milchprodukte. Es ordnet die Tierhaltung nach bestimmten Kriterien in vier Stufen ein, von Stallhaltung bis Premium. Doch ohne begleitende Informationen verstehen viele Menschen solche Kennzeichnungen nur unzureichend. Forschende der Universität Göttingen haben nun untersucht, inwieweit Informationen helfen können, das Potenzial solcher Label zu steigern.

Vom einfachen Text bis zum 360 Grad-Video vom Stall via Virtual-Reality-Brille (VR-Brille) – alle untersuchten Informationsformen steigern das Verständnis, die Akzeptanz sowie die Kauf- und Zahlungsbereitschaft. Die VR-Brille überzeugt beim Nutzungserlebnis, Text und Bilder eignen sich etwas besser für den Einsatz im Supermarkt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Agriculture and Food Research erschienen.

Das Forschungsteam der Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte befragte 200 Personen zum Haltungsform-Label der Stufe 3 am Beispiel der Schweinehaltung. Dieses gibt unter anderem vor, dass die Tiere Kontakt mit dem Außenklima haben, etwa durch eine offene Stallseite. Die Forschenden präsentierten in vier Versuchsgruppen mit je 50 Teilnehmenden Informationen zum Label in jeweils einer Form: Text, Text mit Bildern, Text mit 360 Grad-Video via Tablet oder Text mit 360 Grad-Video via VR-Brille. Sie untersuchten, wie sich die Informationsform auf die Verständlichkeit und Bewertung des Labels sowie auf die Kauf- und Zahlungsbereitschaft von damit gekennzeichnetem Schweinehackfleisch auswirkt. Die Befragten bewerteten außerdem Informationswert, Nutzungserlebnis und Nutzungspotenzial der Informationsform.

Die Ergebnisse zeigen, dass alle vier Informationsformen bei den Teilnehmenden nicht nur die zuvor schlechte Verständlichkeit des Labels, sondern auch die Bewertung des Tierwohls und die Akzeptanz der Haltungsform deutlich verbesserten. Darüber hinaus steigerte die Information in allen Versuchsgruppen die Kauf- und Zahlungsbereitschaft. Alle Informationsformen wurden als geeignet empfunden, um über die Haltungsbedingungen der Schweine zu informieren. Im Hinblick auf das Nutzungserlebnis wurde das Video mit VR-Brille besonders positiv bewertet, Text und Bilder wurden hingegen als vorteilhafter für den Einsatz am Verkaufsort eingeschätzt.

„Die anfangs schlechte Verständlichkeit des Labels und der deutliche Effekt aller vier Informationsformen zeigen, dass die Kommunikation des Labels stark verbesserungswürdig ist“, sagt Aurelia Schütz, die Erstautorin der Studie. „Dafür kommt ein breites Spektrum an Informationsformen in Frage. Eine denkbare Option für die Umsetzung im Supermarkt wäre zum Beispiel ein Informationsmix aus Text, Bild und Video, ergänzt um einen QR-Code zum Video für zu Hause.“ So können Menschen individuell entscheiden, wie sie sich informieren. „In einem nächsten Schritt wäre es sinnvoll zu prüfen, inwieweit sich die Ergebnisse auf eine reale Einkaufssituation übertragen lassen und ob in der Praxis bestimmte Informationsformen mehr genutzt werden und sich daher besser eignen als andere“, so Schütz weiter.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen