Seit 2003 stoßen Nutztiere in Deutschland weniger Methan aus als im Jahr 1892

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Die Kühe und das Klima – historische Daten offenbaren Überraschendes

Zwei Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) haben den Methanausstoß von landwirtschaftlichen Nutztieren am Ende des 19. Jahrhunderts mit heutigen Werten verglichen. Das Ergebnis überraschte: Seit 2003 sind die Methanemissionen geringer als 1892. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Science of The Total Environment“ veröffentlicht.

Methan ist als Treibhausgas für die Erderwärmung mitverantwortlich. Ein Großteil der Emissionen entstehen durch den Menschen, dabei entfällt ein erheblicher Anteil auf die Landwirtschaft und besonders die Nutztierhaltung. Deutschland verfolgt in seinem Klimaschutzgesetz das Ziel, bis 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Dafür müssen die Emissionen aller Bereiche bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Die Methanemissionen, die im Zuge der Verdauung durch Nutztiere entstehen, müssten bis 2030 demnach auf 853.000 Tonnen (2020: 927.000 Tonnen) gesenkt werden.

Methanemissionen von Nutztieren gestern und heute
Während wir heute die aktuellen Methanemissionen von Nutztieren recht genau kennen, wissen wir relativ wenig über Situation im 19. Jahrhundert, wo der Beginn der Erderwärmung bereits nachweisbar ist. Das haben Dr. Björn Kuhla und Dr. Gunther Viereck vom FBN zum Anlass genommen, zu schauen, ob es möglich ist, eine datenbasierte Aussage über die Methanemissionen von Nutztieren im Deutschen Kaiserreich zu treffen und sie mit heutigen Werten vergleichbar zu machen.

„Wir haben die Daten der deutschlandweiten Viehzählungen der Jahre 1872, 1883 und 1892 ausgewertet. Aus den Körpergewichten konnten wir die Futteraufnahme berechnen. In anderen Quellen fanden wir Angaben zur Fütterung und zur Fleisch- und Milchproduktion im 19. Jahrhundert. Mit diesen Informationen war die Berechnung des Methanausstoßes mit Hilfe von standardisierten Schätzgleichungen möglich. Dabei wurden auch die territorialen Veränderungen seit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 berücksichtigt“, erläuterte Kuhla. „Dabei haben wir erstaunt festgestellt, dass die Methanemissionen aus der Verdauung von Nutztieren in Deutschland seit dem Jahre 2003 geringer sind als im Jahr 1892. Unsere Studie zeigt, dass die von der Bundesregierung angestrebten Klimaziele im Nutztierbereich in greifbarer Nähe sind.“

Die jährlichen Methanemissionen aus der Viehhaltung betrugen 1883 898.000 Tonnen und 1892 ganze 1.060.000 Tonnen. Das Emissionsziel von 853.000 Tonnen für 2030 liegt damit 207.000 Tonnen unter dem Emissionsniveau von 1892. Seit 2003 stoßen die Viehbestände in Deutschland im Vergleich zu 1892 sogar weniger Methan aus als 1892. Von 1990 bis 2021 gingen die Methanemissionen aus der Verdauung von Nutztieren um 390.000 Tonnen auf 930.000 Tonnen zurück.

Einen Grund dafür sehen die beiden Forscher in der starken Abnahme der Tierzahlen bei Rindern, Schafen und Ziegen. Obwohl die Bevölkerung auf dem heutigen Gebiet Deutschlands mit damals ca. 34 Millionen Menschen in den letzten 130 Jahren auf 84 Millionen deutlich gewachsen ist, konnte ihre Versorgung dank der höheren Leistung der Tiere und einer hohen Effizienz in der Tierhaltung mit einer geringeren Anzahl an Tieren gewährleistet werden, was mit einem Rückgang der Methanemissionen einherging.

So wurden im Jahr 1892 insgesamt 12,45 Millionen „Kühe und sonstige Rinder“, 8,93 Millionen Schafe, 2,53 Millionen Ziegen und 2,33 Millionen Pferde statistisch erfasst. In Deutschland werden derzeit 11 Millionen Rinder, 1,5 Millionen Schafe, 140.000 Ziegen und 1,3 Millionen Pferde gehalten (Quelle: bmel-statistik.de und AWA-Analyse).

Wie können die Emissionsziele in Deutschland erreicht werden?
Lösungsansätze für eine weitere erfolgreiche Senkung der Methanemissionen sehen die Forschenden am FBN vor allem in der Schweinehaltung. Zwar produzieren Schweine relativ wenig Methan, andererseits wird jedes fünfte Schwein in Deutschland nicht für die Ernährung der Bevölkerung gebraucht. Eine Reduzierung der Bestände um 20 Prozent würde 5.000 Tonnen Methan pro Jahr sparen. Hinzu kämen Einsparungen von mehreren tausend Tonnen Kohlendioxid – ebenfalls ein schädliches Treibhausgas – im Zusammenhang mit dem Import von Sojafutter. Da Soja auch für die menschliche Ernährung geeignet ist, würde ein verringerter Einsatz als Futtermittel die Konkurrenz zwischen Trog und Teller verkleinern.

Auch bei den Rindern gibt es Möglichkeiten, die Methanemissionen zu verringern. Der Selbstversorgungsgrad mit Milch beträgt in Deutschland 112 Prozent. Eine Reduzierung der Bestände würde weder die Ernährungssicherheit gefährden noch Ernährungsgewohnheiten in Frage stellen. Auch die Fütterung mit regional verfügbarer Biomasse, die für die menschliche Ernährung nicht geeignet ist, würde Emissionen durch den wegfallenden Futterimport reduzieren, ohne dabei in Nahrungskonkurrenz zum Menschen zu stehen.

Und die internationale Perspektive?
„Wir beobachten in Afrika, Asien und Südamerika einen starken Anstieg der Bevölkerungszahlen und parallel dazu der Nutztierbestände und ihrer Methanemissionen“, so Kuhla. „Gleichzeitig weisen Kühe, Schafe und Ziegen in diesen Regionen die geringste Effektivität bei der Produktion von Nahrungsmitteln auf. Durch eine Verbesserung der Effizienz ließen sich auch in diesen Regionen die Tierzahlen und die Emissionen reduzieren und die regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln tierischer Herkunft gewährleisten.“

Originalpublikation
Science of The Total Environment B. Kuhla, G. Viereck (2022) Enteric methane emission factors, total emissions and intensities from Germany’s livestock in the late 19th century: A comparison with the today’s emission rates and intensities, Science of The Total Environment 848, 157754

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

One Health – Wichtiger denn je!

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Tierärzteschaft leistet wertvollen Beitrag für Gesundheit von Tier und Mensch

Anlässlich des Internationalen „One Health-Day“ am heutigen 3. November 2022 möchte die Bundestierärztekammer (BTK) darauf aufmerksam machen, welche wichtigen Ansätze die Tierärzteschaft verfolgt, um gemeinsame gesundheitliche Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Mensch, Tier und Umwelt anzugehen.

Die mit ausgewiesenen Expert:innen besetzten Ausschüsse und Arbeitsgruppen der BTK beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit One Health-Themen, erarbeiten Lösungsvorschläge und informieren die zuständigen Bundesministerien darüber. So z. B. über den Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie den Umgang mit Antibiotikaresistenzen und Zoonosen, um nur einige der wichtigen Themenbereiche zu nennen.

Der One Health-Ansatz ist nicht neu, aber auch vor dem Hintergrund der Entstehung der SARS-CoV-2-Pandemie aktueller denn je. Er wurde durch die Tierärzteschaft maßgeblich gefördert mit dem Ziel, optimale Bedingungen für die Gesundheit aller Lebewesen zu schaffen. Es fehlt jedoch bundesweit an Austausch, Abstimmung und Kooperation. „Da sich die BTK über die Wichtigkeit der One Health-Thematik bewusst ist, fand auch der diesjährige 29. Deutsche Tierärztetag unter dem Generalthema „One Health – gemeinsam für die Gesundheit von Tier und Mensch“ statt“, erklärt BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann.

Um bspw. die Bundesregierung auf dieses Thema aufmerksam zu machen, wurde u. a. vom Tierärztetag gefordert, dass die deutsche G7-Präsidentschaft genutzt wird, um Pandemieprävention im Sinne echter Vorbeugung von zoonotischen Infektionskrankheiten voranzubringen, d. h. insbesondere durch Förderung von Biosicherheit und Tierwohl, Impfungen und Hygiene im Umgang mit Tieren. Auch helfen würde die Einrichtung einer Koordinierungsstelle in der Bundesregierung, um Austausch, Abstimmung und gemeinsame Strategieentwicklung zwischen den Ressorts im Bereich One Health zu fördern. Außerdem sollte das One Health-Konzept als Querschnittsthema in die Lehrpläne von Schulen, Ausbildungsberufen und Studiengängen integriert werden.

Die BTK appelliert an alle Verantwortlichen in den Bereichen Tier-, Menschen- und Umweltgesundheit, sich den gemeinsamen Herausforderungen zu stellen und den Aufbau von entsprechenden Kapazitäten zu fördern.

Quelle: Bundestierärztekammer

Die Bedeutung der Nutztiere für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion – #DAF-Tagung 2022 – Teil III

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Eindringlich schilderte Prof. Wilhelm Windisch (TUM) in seinem Vortrag welche Mengen Nahrung verloren gingen, würde die Menschheit auf tierisches Eiweiß verzichten. Denn, wie er bereits 2021 in einem ausführlichen Hoftierarzt-Interview vorrechnete, erzeugt 1 kg veganes Lebensmittel mindestens 4 kg nicht essbare Biomasse.

Betrachtet man die Verteilung der insgesamt in Deutschland geernteten Biomasse, ergibt sich folgendes Bild (zum Vergrößern bitte anklicken):

Daten aus Vorndran (2022)

Zum Beispiel lassen sich aus 1 kg Hafer 380 g Haferdrink gewinnen. Es bleiben aber 250 g Kleie und 370 g Reststoffe übrig. Aus 1 kg Soja können 200 g Öl gepresst werden, es bleiben 80 g Schalen und 250 g Reststoffe. 1 kg Lupine liefert 300 g Protein, aber auch 240 g Schalen, 410 g Reststoffe – und 50 g toxisches Öl.

Nutztiere jedoch liefern Nahrungseiweiß und Kilokalorien aus der begrenzten Fläche im Umfang von 50-100% der veganen Nahrung. Ohne Nahrungskonkurrenz, allein aus ohnehin anfallenden nicht-essbarer Biomasse und sie liefern wertvollen Dünger für die Kreislaufwirtschaft.

Der Nettogewinn aus 4 kg nicht-essbarer Biomasse beträgt (abzgl. Aufzuchtfutter):

• Grünland, Koppelprodukte (Wiederkäuer): mindestens 3 L Milch = 2.000 kcal = 100 g hochwertiges Eiweiß.

• Nebenprodukte (Schweine, Geflügel): mindestens 400 g Fleisch = 1.000 kcal = 90g Eiweiß.

• In-Vitro-Fleisch wird erst dann zur Alternative, wenn es mit nicht-essbarer Biomasse „gefüttert“ werden kann. Heute benötigt es noch höchstwertige Glucose, Aminosäuren etc., vergleichbar mir parenteraler Ernährung, und steht ebenso in Nahrungskonkurrenz zum Menschen.

Optimale Futtereffizienz und Pflanzenzüchtung auf hohen Futterwert, verarbeitungstechnologische Separierung, Kaskadennutzung und präzise Fütterung gehören ebenso zum Konzept.

Die in einem solchen Szenario begrenzte Futtermenge senkt allerdings automatisch die Gesamtproduktion an Rindfleisch und Milch deutlich, noch stärker beim Schweinefleisch und insbesondere bei Geflügelfleisch und Eiern. Der vielerorts geforderte Fleischverzicht wäre also unvermeidlich, würde die Nahrungsmittelversorgung so konsequent nach „Teller-Trog-Tank“ priorisiert. Ob allerdings eine Mehrheit etwa mit nur noch 10% der heutigen Eiermenge zufrieden wäre, ist eine andere Frage. Ein Stück Kuchen würde dann zum absoluten Luxusartikel.

Dünger für die Welternährung – #DAF-Tagung 2022 – Teil II

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Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Achim Dobermann, International Fertilizer Association (IFA), Leipzig

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Landwirtschaft einen rasanten Anstieg des Düngemitteleinsatzes als eine der wichtigsten Triebkräfte für das Erreichen von Ernährungssicherheit durch gesteigerte Pflanzenproduktivität verfolgt. Rechnerisch ernähren Düngemittel mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung und haben vielleicht auch Millionen Hektar Naturland vor der Umwandlung in Ackerflächen bewahrt.

Die IFA rechnet mit erheblich wachsender Nachfrage nach Stickstoffdüngern. Afrikas Bedarf allein wird sich demnach bis 2030 verdoppeln und bis 2040 sogar verdreifachen. Global ist mit jährlichen Steigerungen zu rechnen von

N = +0,7-1,1%
P = +1,0-1,3%
K = +1,1-1,8%

Wie eine Welt ohne Agrochemie und Düngemittel aussähe, verdeutlicht das Beispiel Sri Lankas. Nachdem dort am 6. Mai 2021 deren Import verboten wurde, sanken die Erträge schlagartig und drastisch:

Reis -42%
Mais -40%
Tee -19%

Die Freisetzung von Treibhausgasen und Umweltauswirkungen durch Nährstoffverluste verlangen jedoch nach einem neuen Paradigma für eine verantwortungsvolle Pflanzenernährung. Es muss einem Ernährungssystem- und Kreislaufwirtschaftsansatz folgen, bei dem mehrere sozioökonomische, ökologische und gesundheitliche Ziele erreicht werden müssen.

Die kommenden 10-20 Jahre werden entscheidend sein, für den Übergang zu einer globalen Nährstoffwirtschaft, als integralem Bestandteil einer kohlenstoffarmen, umweltfreundlichen Kreislaufwirtschaft, die den Ernährungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung deckt.

Zu den wichtigsten Prioritäten zählen: 1) nachhaltigkeitsorientierte Nährstoff-Roadmaps und -Strategien, 2) klimaintelligente Düngemittel, 3) digitale Pflanzenernährungslösungen, 4) Nährstoffrückgewinnung und -recycling und 5) mit Nährstoffen angereicherte Pflanzen.

Die Anforderungen an neuartige Düngemittel lauten:

+ maßgeschneidert mit Mikronährstoffen
+ bioaktiv: langsam zugänglich für Mikroben u/o Nährstofffreisetzung durch die Pflanze
+ biobasiert, vollständig abbaubar
+ wirtschaftlich in Herstellung und Leistung
+ sicher

Eine neue Definition von Pflanzennährstoffen betont die Rolle des Managements zahlreicher mineralischer Elemente für die Pflanzenentwicklung, den Ertrag und die Qualität der Pflanzenprodukte. Die Bodenfruchtbarkeit steht immer noch im Mittelpunkt der Bodengesundheit und sollte nicht vernachlässigt werden, aber die alten Bewertungsmethoden unterliegen zahlreichen Einschränkungen.

Auf Grundlage der tatsächlich erzielten Ergebnisse müssen zukünftig datengesteuerte, selbstlernende Düngemittelempfehlungen für mehrere Nährstoffe entwickelt werden. Die Düngemittel der Zukunft werden einen viel geringeren CO2-Fußabdruck haben, aber sie müssen auch in Bezug auf die durch das Pflanzenwachstum ausgelöste Nährstoff-Freisetzung intelligenter sein. Die Rückgewinnung von Nährstoffen aus zahlreichen Abfallströmen bietet die Chance, Nährstoffkreisläufe zu schließen und die Düngemittelproduktion zu dezentralisieren.

Die Düngemittelindustrie habe sich bereits 2019 dieser neuen Vision verschrieben und befände sich in einem raschen Wandel hin zu einem nachhaltigkeitsorientierten Wirtschaftssektor, sagte Prof. Dobermann.

Ileitis-Schluckimpfung: Die Impfung, die Leistung schafft

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Mit einem Anteil von 50 % an den Direktkosten je geschlachtetes Schwein hat das Futter neben den Ferkelkosten den größten Einfluss auf eine rentable Schweineproduktion. Deshalb ist die optimale Futterverwertung in Zeiten explodierender Futterkosten wichtiger denn je.

Eine aktuelle Studie belegt erneut, dass die Ileitis-Schluckimpfung, unabhängig von der Verlaufsform der Erkrankung, die Futterverwertung verbessert. Die Studie ermittelte eine Steigerung der täglichen Zunahmen um 74 g/Tag, eine Reduktion der Mortalität von 1,5 % auf 0,5 % durch Beenden der PHE-Klinik, sowie eine 13 Tage kürzere Mastdauer. Der Gesamtnutzen der Impfung betrug 7,64 € pro Schwein (1) . Zusätzlich bewies die Studie die erfolgreiche Impfung übers Trinkwasser durch die Ileitis-Pumpe.

Ein gesunder Darm ist die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung eines modernen Fütterungskonzeptes. Die Ileitis-Schluckimpfung verbessert signifikant die Darmgesundheit und damit die Rohproteinverdaulichkeit, Tageszunahmen und Futterverwertung. Die Ileitis-Pumpe stellt ein einfaches Werkzeug zur Absicherung der Tiergesundheit und des Tierwohls dar.

Einfach übers Flüssigfutter oder Trinkwasser schnell und stressfrei impfen.

(1) abzüglich Impfstoffkosten

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Kim Schulze, Boehringer Ingelheim Vetmedica, Tel.: +49-6132-77-90218, kim.schulze@boehringer-ingelheim.com.

Quelle: Boehringer Ingelheom

Welternährung: Quo vadis – #DAF-Tagung 2022 – Teil I

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Am 13. Oktober tagte der „Dachverband wissenschaftlicher Gesellschaften der Agrar-, Forst-, Ernährungs-, Veterinär- und Umweltforschung“ – kurz DAF – zum Thema Zukunft der Welternährung. Der Einführungsvortrag von Frau Prof. Dr. Regina Birner (Universität Hohenheim) ist im Folgenden zusammengefasst.

Bereits seit 2015 steigt der Anteil unterernährter Menschen auf der Welt prozentual und in absoluten Zahlen. 2021 hungerten etwa 828 Mio. oder 10,5% der Menschen, vor allem im globalen Süden. Asien steht an der Spitze der traurigen Statistik mit 425 Mio., gefolgt von Afrika mit 278 Mio. Nur 35% der Weltbevölkerung sind ausgewogen ernährt, 26% leiden unter Mikronähstoffmangel, 25% haben Übergewicht durch Fehlernährung und 11% der Kinder sind unterernährt.

In den letzten 60 Jahren stieg der Getreideertrag um ca. 200 %, dank Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz, Düngung und Mechanisierung. Doch die FAO schätzt, dass die Nahrungsmittelproduktion bis zum Jahr 2050 nochmals um 60-70% gesteigert werden muss, um Ernährungssicherung für dann 9,7 Mrd. Menschen zu erreichen. Vor allem in Afrika und Asien wären hier gewaltige Zuwächse von Nöten.

Zwar stehen vor allem in Latein Amerika und in Afrika südlich der Sahara noch hunderte von Millionen Hektar potentiellen Ackerlandes zur Verfügung, doch wäre dessen Nutzung ökologisch problematisch. In Süd-Asien dagegen gibt es kaum entsprechendes Potential, in Ost-Asien wäre eine Ausweitung um etwa 50% möglich.

Welche Wege aus dem Dilemma führen, ist allerdings umstritten. Sind es Innovationen in der Züchtung à la Borlaug oder ist es allgemeiner Verzicht, vor allem in den entwickelten Ländern und vor allem beim Fleischkonsum? Sind die Positionen der „industriellen“ oder modernen und der ökologischen Landwirtschaft vereinbar oder nicht? Der Weltagrarbericht von 2008 macht hier keine Hoffnung, die „Zukunftskommission Landwirtschaft“ dagegen hat einen Konsens bei Innovation und Konsumverzicht erreicht.

Prinzipiell sind Produktionszuwächse in der Landwirtschaft möglich durch: Ausweitung der Fläche oder der Bewässerung, der Steigerung des Betriebsmitteleinsatzes oder der Effizienz. Hoffnungsvoll stimmt hier, dass der Anteil der Produktivitätssteigerung am Produktionswachstum seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts drastisch zugenommen hat. Zwischen 2,0 % und 2,7 % stieg die Produktivität pro Dekade insgesamt, der Anteil der gestiegenen Produktivität lag dabei zwischen 0,5 % und 2,0 %.

Vergleicht man die Produktivität der Ackerflächen weltweit, so ist sie in Westeuropa und Teilen der USA, Japans und Chinas praktisch „ausgereizt“. In Afrika südlich der Sahara wird das Bodenpotential dagegen nur zu 30-40% genutzt.

Statt „nachhaltige Intensivierung“ und „Agrarökologie“ als Gegensätze zu begreifen, sollten zur Sicherung der Welternährung beide Ansätze verbunden werden: nachhaltige Steigerung der Produktivität und ein Umsteuern im Konsum.

Wird die Afrikanische Schweinepest auch durch Futtermittel übertragen?

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In einer „Gemeinsamen Mitteilung“ des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Friedrich Loeffler-Instituts (FLI) vom 24. Oktober 2022 schreiben die beiden Institutionen:

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich in den vergangenen Jahren in Europa und anderen Teilen der Welt ausgebreitet und sich zu einer Panzootie (weltweit auftretende Tierseuche) entwickelt. Da der Erreger in der Umwelt teilweise sehr stabil ist, besteht der Verdacht, dass das Virus auch über Futtermittel, Wasser und andere unbelebte Materialien wie Einstreu in Hausschweinebestände übertragen werden könnte. Empirische Belege dafür gibt es bisher nicht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam aufgrund theoretischer Annahmen zu dem Ergebnis, dass für bestimmte Futtermittel und Feldfrüchte ein geringes Risiko besteht, ASP-Viren zu enthalten. Es bestehen jedoch große Unsicherheiten wegen fehlender wissenschaftlicher Daten. Einige Wissenslücken sollen nun in einem internationalen Forschungsprojekt geschlossen werden.

An dem von der EFSA geförderten Forschungsprojekt beteiligt sind das Friedrich LoefflerInstitut (FLI), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die schwedische Statens Veterinärmedicinska Anstalt (SVA). Virologen des FLI und Futtermittelexperten des BfR werden dabei gemeinsam mit den schwedischen Partnern die Stabilität von ASP-Viren auf verschiedenen Futtermitteln und Einstreumaterialien unter praxisnahen Lagerbedingungen untersuchen.

Vor Beginn der Untersuchung haben BfR und FLI gemeinsam in einer Literaturstudie bislang bekannte wissenschaftliche Erkenntnisse zu Futtermitteln als Infektionsquelle ausgewertet. Berücksichtigt wurden dabei auch der Einfluss von Verarbeitung, Transport und Lagerung auf eine mögliche Verunreinigung von Futtermitteln mit dem ASPVirus.

Die Fachleute kamen zu dem Schluss, dass bei verarbeiteten Nebenprodukten, Getreide, Extraktionsschroten und Mischfuttermitteln durch die Verarbeitungsschritte eventuell eingebrachte ASP-Viren weitestgehend inaktiviert werden. Allerdings könnte durch eine unsachgemäße Handhabung der Produkte nach der Herstellung eine erneute Kontamination mit ASPViren erfolgen. Werden die allgemein geltenden Hygienevorschriften und vorbeugende Maßnahmen zum Umgang und zur Produktion von Futtermitteln (HACCP-Konzepte) eingehalten, ist dieser Übertragungsweg jedoch eher unwahrscheinlich. Bei Futtermitteln, die keiner weiteren Behandlung unterzogen und direkt verfüttert werden, ist eine Übertragung der ASP nicht ganz auszuschließen.

Die Untersuchungen, wie sie jetzt im Forschungsprojekt der drei Institutionen FLI, SVA und BfR geplant sind, werden dringend erforderliche Daten zu ASP-Viren während der Verarbeitung und Lagerung in Futtermittelausgangsprodukten für Hausschweine liefern.

Quelle: BfR

Imkertipp: Varroabekämpfung trotz hoher Temperaturen

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Im vergangenen Somer haben sich viele Imkerinnen und Imker die Frage gestellt, ob es überhaupt möglich ist, eine Sommerbehandlung gegen die Varroamilbe durchzuführen. Auf Grund der hohen Tagestemperaturen, die teilweise weit über 30°C hinausgingen, war es Wochen lang schwierig, mit Ameisensäure oder Thymolprodukten zu arbeiten. Diese Produkte dürfen für einen guten Behandlungserfolg sowie zum Schutz der Bienen nur bei moderaten Temperaturen angewendet werden.

Anwender der biotechnischen Varroabehandlung wie „Komplette Brutentnahme“, „Bannwabenverfahren“ und „Käfigen und Behandeln“ hatten da keine Probleme, schreibt das Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen in seinem Infobrief. Sie konnten ungeachtet der hohen Temperaturen schon seit Juni für eine Entlastung der Bienenvölker sorgen.

Wer keine Biotechnik einsetzen möchte, muss eine andere Art der Varroabehandlung wählen. Als die klassische Sommerbehandlungsmethode gilt noch immer das Verdampfen von Ameisensäure. Oberstes Ziel muss es sein, die Bienenvölker mit gesunden, gut gepflegten Winterbienen in den Winter zu bringen. Deshalb sollte man mit der Sommerbehandlung nicht zu lange warten.

Wer im September erst anfängt zu behandeln, ist zu spät dran. Die Bienenvölker können dann zwar von Milben entlastet werden, bei hohem Befall wachsen aber schon viele Winterbienen parasitiert heran und sind dadurch in ihrer Vitalität und Langlebigkeit eingeschränkt. In der Folge können Bienenvölker bis zur Auswinterung sehr schwach werden oder gar schon vorher eingehen.

Wie stark der Befall mit der Varroamilbe ist, kann mit der Bodenschiebermethode ermittelt werden. Sie wird als Diagnosemöglichkeit schon lange eingesetzt. Sie ist in den letzten Jahren am Bieneninstitut Kirchhain weiterentwickelt worden, um die Aussagekraft über den Milbenbefall zu verbessern. Der Bodenschieber wird für drei Tage, beschichtet mit Bio-Sägekettenhaftöl, unter den offenen Gitterboden geschoben und die Varroamilben dann ausgezählt. Durch die Beschichtung erreicht man, dass der Bodenschieber vollflächig mit einem Ölfilm behaftet ist, der Ameisen und Co. davon abhält, Milben wegzutragen bzw. zu fressen. Auch der Wind kann die Milben nicht von der Bodeneinlage blasen. Hier gibt es die Anleitung dazu.

Der Behandlungszeitpunkt richtet sich nach dem Zeitpunkt des Abschleuderns, dem Befallsgrad der Bienenvölker und den Umweltbedingungen. Die Temperaturen sollten 30°C nicht überschreiten, aber durchschnittlich auch nicht unter 10°C liegen. Hohe Luftfeuchtigkeit und Regenwetter beeinträchtigen die Verdampfung der Säure ebenfalls. Sehr hilfreich ist die Beachtung des „Varroawetters“ (www.varroawetter.de). Dort gibt man seine Postleitzahl ein und erhält neben der örtlichen Wetterprognose auch Behandlungsempfehlungen zu verschiedenen Behandlungsmethoden.

Quelle: Dr. Heike Engels, mit Informationen aus Bienen@Imkerei 22/2022 des Fachzentrums für Bienen und Imkerei in Mayen

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4/2022. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden.

Gene beeinflussen Erkrankungsrisiko bei Mortellaro

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Zwei Punktmutationen im Erbgut von Rindern führen wahrscheinlich dazu, dass manche Tiere deutlich anfälliger für die Krankheit Dermatitis Digitalis (auch Mortellaro genannt) sind. Sie ist bei Rindern in Stallhaltung weitverbreitet und äußerst schmerzhaft. Die beiden „Kandidatengene“ hat nun ein internationales Forschungsteam der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Universität Göttingen und der University of Wisconsin-Madison in den USA gefunden. Dafür analysierten die Forscherinnen und Forscher die Daten von mehr als 5.000 Milchkühen. Die Erkenntnis könnte dabei helfen, die Züchtung von resistenten Tieren zu verbessern.

Dermatitis Digitalis ist eine von Bakterien der Gattung Treponema ausgelöste Erkrankung bei Rindern. Betroffen ist der Übergang zwischen Klauenhorn und behaartem Teil des Beins an der Rückseite der Füße. „Obwohl die Krankheit erst 1974 in Italien erstmalig beschrieben wurde, hat sie sich derart verbreitet, dass sie heute weltweit in nahezu jedem Rinderstall in unterschiedlichem Ausmaß anzutreffen ist“, sagt Prof. Dr. Hermann Swalve vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU. Er leitete die Arbeit gemeinsam mit Prof. Dr. Bertram Brenig von der Universität Göttingen. Unterstützung erhielten sie von Prof. Dr. Dörte Döpfer aus den USA.

Da nie alle Tiere einer Herde an der Krankheit leiden, geht man davon aus, dass es genetisch resistente Tiere geben muss. Die genetischen Grundlagen dafür untersuchte das Team aus Deutschland und den USA nun anhand von DNA-Daten und Untersuchungsbefunden von rund 5.000 Milchkühen aus 13 ostdeutschen Großbetrieben. Mit Hilfe umfangreicher statistischer Analysen war es so möglich, für die Erkrankung wichtige Bereiche im Erbgut der Kühe zu identifizieren. Als potenzielle Kandidatengene blieben demnach CMPK2 und ASB16. Beide spielen eine wichtige Rolle in Signalwegen immunologischer zellulärer Prozesse, also zum Beispiel bei bakteriellen Infektionen wie Dermatitis Digitalis. Durch weitere Sequenzanalysen der Kandidatengenregionen fand das Team an zwei Stellen Punktmutationen, sogenannte SNP, die beide einen signifikanten Einfluss auf die Erkrankungsanfälligkeit und die Ausbildung eines chronischen Krankheitsverlaufs zeigten.

„Die Ergebnisse waren durchaus überraschend“, so Brenig, „da CMPK2 und ASB16 zwar in vielen Geweben mehr oder weniger stark hergestellt werden, aber gerade in der Haut eher in sehr geringen Konzentrationen anzutreffen sind“. Das Team plant, seine Arbeit mit Untersuchungen mit Zellkulturen fortzusetzen, um die bisherigen Ergebnisse zu untermauern und womöglich auch den Mechanismus zu klären, den die gefundenen Punktmutationen beeinflussen. Bereits heute könnten die Ergebnisse dabei helfen, die Züchtung zu verbessern und durch umfangreiche Tests eine mögliche Anfälligkeit für Dermatitis Digitalis bereits im Vorfeld zu reduzieren.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Frontiers in Genetics veröffentlicht.

Die Arbeit wurde teilweise durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den Förderverein Bioökonomieforschung e.V. gefördert.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt 4/2022. Hier geht’s zum kostemfreien Abo.

Sollte uns PCV3 Sorge bereiten?

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Von Dr. Heike Engels

Neben PCV2 gibt es mittlerweile auch schon PCV3 und PCV4, wie Dr. Elisabeth Streckel, Tierärztin bei Boehringer Ingelheim, kürzlich auf einer online-Fortbildungsveranstaltung informierte. „PCV1 war das erste entdeckte porzine Circovirus, es ist aber nicht krankmachend. Gut 20 Jahre später wurde PCV2 entdeckt, mittlerweile sind neun verschiedene Genotypen bekannt (PCV2a-i). In der Praxis häufig zu finden und damit im Feld relevant sind aber nur PCV2a, b und d, vor denen z.B. der bewährte marktführende Impfstoff verlässlich schützt. PCV3 wurde 2015 erstmals beschrieben und konnte mittlerweile schon in vielen Ländern nachgewiesen werden, man kann von einer weltweiten Verbreitung sprechen. Der „Neuling“ PCV4 wurde 2019 in China nachgewiesen, bis jetzt ist über dieses Virus aber wenig bekannt. Ein Nachweis in Europa ist bislang noch nicht gelungen.“

PCV3 stimmt nur gering mit PCV2 überein
Zu PCV3 liegen bereits diverse Veröffentlichungen vor. Es ist in mehrere Genotypen eingeteilt, hat eine geringe Mutationsrate und stimmt mit PCV2 im Kapsidprotein genetisch nur zu 26 % überein. Die beschriebenen Symptome von PCV3 gehen über Fruchtbarkeitsstörungen, eine gestiegene Mortalität bei Sauen und Hautflecken wie bei PDNS bis zu multisystemischen Entzündungen bei Ferkeln. PCV3 ist offenbar weit verbreitet, in vielen Probenmaterialien zu finden und auch bei gesunden Tieren nachzuweisen.

„Es ist noch unklar, ob PCV3 ein relevantes Pathogen ist bzw. ob das Virus ursächlich ist oder assoziiert mit einem anderen Pathogen oder Kofaktor für die Erkrankungen verantwortlich ist. Bisher gibt es noch keine Untersuchung, ob die Impfstoffe wirken. Da PCV3 aber so unähnlich ist zu PCV2, ist eine Kreuzprotektion der bestehenden PCV2-Impfstoffe sehr unwahrscheinlich. Für die Zukunft ist deshalb zu klären, in welcher Art PCV3 tatsächlich Krankheiten auslösen kann“, so Dr. Streckel.

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt 4/2022. Hier geht’s zum kostemfreien Abo.