Dünger für die Welternährung – #DAF-Tagung 2022 – Teil II

Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Achim Dobermann, International Fertilizer Association (IFA), Leipzig

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Landwirtschaft einen rasanten Anstieg des Düngemitteleinsatzes als eine der wichtigsten Triebkräfte für das Erreichen von Ernährungssicherheit durch gesteigerte Pflanzenproduktivität verfolgt. Rechnerisch ernähren Düngemittel mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung und haben vielleicht auch Millionen Hektar Naturland vor der Umwandlung in Ackerflächen bewahrt.

Die IFA rechnet mit erheblich wachsender Nachfrage nach Stickstoffdüngern. Afrikas Bedarf allein wird sich demnach bis 2030 verdoppeln und bis 2040 sogar verdreifachen. Global ist mit jährlichen Steigerungen zu rechnen von

N = +0,7-1,1%
P = +1,0-1,3%
K = +1,1-1,8%

Wie eine Welt ohne Agrochemie und Düngemittel aussähe, verdeutlicht das Beispiel Sri Lankas. Nachdem dort am 6. Mai 2021 deren Import verboten wurde, sanken die Erträge schlagartig und drastisch:

Reis -42%
Mais -40%
Tee -19%

Die Freisetzung von Treibhausgasen und Umweltauswirkungen durch Nährstoffverluste verlangen jedoch nach einem neuen Paradigma für eine verantwortungsvolle Pflanzenernährung. Es muss einem Ernährungssystem- und Kreislaufwirtschaftsansatz folgen, bei dem mehrere sozioökonomische, ökologische und gesundheitliche Ziele erreicht werden müssen.

Die kommenden 10-20 Jahre werden entscheidend sein, für den Übergang zu einer globalen Nährstoffwirtschaft, als integralem Bestandteil einer kohlenstoffarmen, umweltfreundlichen Kreislaufwirtschaft, die den Ernährungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung deckt.

Zu den wichtigsten Prioritäten zählen: 1) nachhaltigkeitsorientierte Nährstoff-Roadmaps und -Strategien, 2) klimaintelligente Düngemittel, 3) digitale Pflanzenernährungslösungen, 4) Nährstoffrückgewinnung und -recycling und 5) mit Nährstoffen angereicherte Pflanzen.

Die Anforderungen an neuartige Düngemittel lauten:

+ maßgeschneidert mit Mikronährstoffen
+ bioaktiv: langsam zugänglich für Mikroben u/o Nährstofffreisetzung durch die Pflanze
+ biobasiert, vollständig abbaubar
+ wirtschaftlich in Herstellung und Leistung
+ sicher

Eine neue Definition von Pflanzennährstoffen betont die Rolle des Managements zahlreicher mineralischer Elemente für die Pflanzenentwicklung, den Ertrag und die Qualität der Pflanzenprodukte. Die Bodenfruchtbarkeit steht immer noch im Mittelpunkt der Bodengesundheit und sollte nicht vernachlässigt werden, aber die alten Bewertungsmethoden unterliegen zahlreichen Einschränkungen.

Auf Grundlage der tatsächlich erzielten Ergebnisse müssen zukünftig datengesteuerte, selbstlernende Düngemittelempfehlungen für mehrere Nährstoffe entwickelt werden. Die Düngemittel der Zukunft werden einen viel geringeren CO2-Fußabdruck haben, aber sie müssen auch in Bezug auf die durch das Pflanzenwachstum ausgelöste Nährstoff-Freisetzung intelligenter sein. Die Rückgewinnung von Nährstoffen aus zahlreichen Abfallströmen bietet die Chance, Nährstoffkreisläufe zu schließen und die Düngemittelproduktion zu dezentralisieren.

Die Düngemittelindustrie habe sich bereits 2019 dieser neuen Vision verschrieben und befände sich in einem raschen Wandel hin zu einem nachhaltigkeitsorientierten Wirtschaftssektor, sagte Prof. Dobermann.

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