Welternährung: Quo vadis – #DAF-Tagung 2022 – Teil I

Am 13. Oktober tagte der „Dachverband wissenschaftlicher Gesellschaften der Agrar-, Forst-, Ernährungs-, Veterinär- und Umweltforschung“ – kurz DAF – zum Thema Zukunft der Welternährung. Der Einführungsvortrag von Frau Prof. Dr. Regina Birner (Universität Hohenheim) ist im Folgenden zusammengefasst.

Bereits seit 2015 steigt der Anteil unterernährter Menschen auf der Welt prozentual und in absoluten Zahlen. 2021 hungerten etwa 828 Mio. oder 10,5% der Menschen, vor allem im globalen Süden. Asien steht an der Spitze der traurigen Statistik mit 425 Mio., gefolgt von Afrika mit 278 Mio. Nur 35% der Weltbevölkerung sind ausgewogen ernährt, 26% leiden unter Mikronähstoffmangel, 25% haben Übergewicht durch Fehlernährung und 11% der Kinder sind unterernährt.

In den letzten 60 Jahren stieg der Getreideertrag um ca. 200 %, dank Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz, Düngung und Mechanisierung. Doch die FAO schätzt, dass die Nahrungsmittelproduktion bis zum Jahr 2050 nochmals um 60-70% gesteigert werden muss, um Ernährungssicherung für dann 9,7 Mrd. Menschen zu erreichen. Vor allem in Afrika und Asien wären hier gewaltige Zuwächse von Nöten.

Zwar stehen vor allem in Latein Amerika und in Afrika südlich der Sahara noch hunderte von Millionen Hektar potentiellen Ackerlandes zur Verfügung, doch wäre dessen Nutzung ökologisch problematisch. In Süd-Asien dagegen gibt es kaum entsprechendes Potential, in Ost-Asien wäre eine Ausweitung um etwa 50% möglich.

Welche Wege aus dem Dilemma führen, ist allerdings umstritten. Sind es Innovationen in der Züchtung à la Borlaug oder ist es allgemeiner Verzicht, vor allem in den entwickelten Ländern und vor allem beim Fleischkonsum? Sind die Positionen der „industriellen“ oder modernen und der ökologischen Landwirtschaft vereinbar oder nicht? Der Weltagrarbericht von 2008 macht hier keine Hoffnung, die „Zukunftskommission Landwirtschaft“ dagegen hat einen Konsens bei Innovation und Konsumverzicht erreicht.

Prinzipiell sind Produktionszuwächse in der Landwirtschaft möglich durch: Ausweitung der Fläche oder der Bewässerung, der Steigerung des Betriebsmitteleinsatzes oder der Effizienz. Hoffnungsvoll stimmt hier, dass der Anteil der Produktivitätssteigerung am Produktionswachstum seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts drastisch zugenommen hat. Zwischen 2,0 % und 2,7 % stieg die Produktivität pro Dekade insgesamt, der Anteil der gestiegenen Produktivität lag dabei zwischen 0,5 % und 2,0 %.

Vergleicht man die Produktivität der Ackerflächen weltweit, so ist sie in Westeuropa und Teilen der USA, Japans und Chinas praktisch „ausgereizt“. In Afrika südlich der Sahara wird das Bodenpotential dagegen nur zu 30-40% genutzt.

Statt „nachhaltige Intensivierung“ und „Agrarökologie“ als Gegensätze zu begreifen, sollten zur Sicherung der Welternährung beide Ansätze verbunden werden: nachhaltige Steigerung der Produktivität und ein Umsteuern im Konsum.

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