Infektiöse Bronchitis: Coronavirus schädigt Legeapparat

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Von Dr. Ferdinand Schmitt, Fachtierarzt für Geflügel, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Ein Einbruch in der Legeleistung, helle und dünnschalige Eier und Falten auf der Eischale sollten den Legehennenhalter hellhörig werden lassen: Das sind Anzeichen einer Infektion mit dem Erreger der Infektiösen Bronchitis. Die Infektiöse Bronchitis, kurz IB, stellt für die Legehennenhaltung die bedeutendste Erkrankung dar. Das Virus ist ubiquitär vorhanden und nicht auszurotten. Wie können Legehennen geschützt werden?

Die Infektiöse Bronchitis wird durch ein Coronavirus verursacht, welches allerdings mit dem aktuell bei uns Menschen zirkulierendem Virus nur sehr wenige Gemeinsamkeiten hat. Coronaviren sind sehr infektiös, können aber gut durch Desinfektionsmittel bekämpft werden. Auch schaden ihnen höhere Temperaturen und UV-Licht.

Durch die Bindung an Staub oder organischem Material ist eine Verbreitung über weite Strecken möglich. Die Luft (aerogene Übertragung) ist der Hauptübertragungsweg. Im Stall wird das Virus vom Tier eingeatmet und gelangt über die Lunge und schlussendlich über das Blut in den Legedarm und den Eierstock, das Tier erkrankt.

IB schädigt Legeapparat
Das IB-Virus befällt den Eierstock, den Legedarm und z.T. auch die Niere und verursacht in diesen Organen Entzündungen. Durch die Schädigung des Eierstocks werden weniger sprungreife Eizellen produziert und vorhandene zurückgebildet. Die Entzündung im Legedarm sorgt für eine unzureichende Kalkproduktion, so dass nur dünne Eischalen entstehen. Außerdem werden auch die Muskeln des Legedarms geschädigt, so dass die Eidrehung im Legeapparat unregelmäßig ist. Dadurch entstehen Falten auf der Schale. Weiterhin werden die Eiklardrüsen geschädigt, so dass die Eiweißqualität in Mitleidenschaft gezogen wird. Typisch sind Legeleistungsabfälle von wenigen bis zu 70 Prozent, bei Braunlegern das Auftreten von hellen und brüchigen Schalen, sowie eine Verflüssigung des gelartigen Anteils des Eiweiß. Den Hühnern selber ist die IB meist nicht anzumerken, die Tiergesundheit ist nicht gestört.


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Mastitis: Selektives Trockenstellen nach Plan

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Von Samira Dietze, Melanie Jakob, Dr. Jan Harms, LfL Tierhaltung, Grub

Beim Trockenstellen der Kühe ist es ein Ziel vieler Milchviehhalter, zunehmend auf Antibiotika zu verzichten. Doch so einfach, wie es klingt, ist der Verzicht auf Antibiotika bekanntlich nicht. Im Rahmen der LfL-Projekte Rast und Rast-Transfer sammelten Landwirte wertvolle Erfahrungen.

Milchviehhalter können antibiotische Trockensteller reduzieren, ohne dabei die Eutergesundheit zu gefährden. Ein mögliches Verfahren zum „Selektiven Trockenstellen“ wurde seit 2015 in zwei Projekten (Rast und Rast-Transfer) an der LfL entwickelt und auf Praxistauglichkeit überprüft. RAST steht für „Reduktion des Antibiotikaeinsatzes beim Milchvieh durch Selektives Trockenstellen“. Die Zielsetzung lautete: Antibiotikareduktion bei Erhalt der Eutergesundheit und daran anschließend die Etablierung eines praxistauglichen Verfahrens. Im Rahmen dieser Projekte wurde ein Entscheidungsbaum entwickelt, anhand dessen die Trockenstellentscheidung erfolgen kann. Das bringt dem Landwirt eine deutliche Erleichterung, die richtige Wahl, von Fall zu Fall und von Kuh zu Kuh, zu treffen.
Der Entscheidungsbaum (siehe Grafik) besteht aus vier Stufen. Zum einen aus den Herdenvoraussetzungen und zum anderen aus drei Stufen zur Einzeltierbetrachtung vor dem Trockenstellen. Tierindividuell wird entschieden, welche Kuh ein antibiotisches Präparat benötigt und welche ohne Antibiotikum trockengestellt werden kann. Die Entscheidung erfolgt auf Kuhebene, das bedeutet, es werden alle vier Viertel einer Kuh behandelt.

Hohes individuelles Einsparpotenzial
In den Projekten konnte die Verabreichung von antibiotischen Trockenstellern um durchschnittlich 40 – 48 % reduziert werden. Die betriebsindividuelle Streuung war größer und betrug 15 – 71 %. Die große Spannweite zeigt, wie unterschiedlich das Einsparpotenzial der Betriebe war. Trotz gleicher Herdenvoraussetzungen in Stufe 0 haben betriebsindividuelle Haltungs- und Umwelteinflüsse sowie auch die Entscheidungsbereitschaft des Betriebsleiters Einfluss auf den Erfolg.


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Wie Schwanzbeißen mit allem zusammenhängen kann

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Schwanzbeißen bei Mastschweinen führt nicht nur zu wirtschaftlichen Einbußen und einem Mehraufwand für die Betreuung der Tiere. Die dadurch verursachten Schwanzläsionen reduzieren auch das Tierwohl und können zu schweren Verletzungen führen. Man unterscheidet drei Formen des Schwanzbeißens: Zweistufiges Beißen (Mangel an Beschäftigung, aus Spiel wird ernst), gewaltsames Beißen (Frust wegen knapper Ressourcen) und das obsessive Beißen, wobei es wie viele Tierärzte beobachten aufgrund einer latenten Darmerkrankung zu dem Fehlverhalten kommen kann. Die Verschiebung des Mikrobioms und die Darmschädigung bewirken zuerst einen Nährstoff- und Wasserverlust, dann ein massives Unwohlsein und können so zu obsessivem Beißen führen.

Wenn der Darm das Problem ist, bewirken weiteres Beschäftigungsmaterial oder mehr Platz keine Besserung des Verhaltens. Jedoch kann die orale Impfung gegen Ileitis den Darm gesund erhalten, nicht zuletzt durch die Mikrobiom modulierende Wirkung. Und nur ein gesunder Darm entwickelt ein gesundes und effizientes Immunsystem und kann alle Nährstoffe entsprechend aufnehmen und verwerten. Die orale Impfung gegen Ileitis hat eine bewiesene Wirkung auf das Mikrobiom.

Lesen Sie mehr dazu auf www.ileitis.de

Quelle: Boehringer Ingelheim

Antibiotika reduzieren! Auf Null?

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Gestern veröffentlichte das BVL die Jahresstatistik 2020 zu den Antibiotika-Abgabemengen in der Tiermedizin (ausführliche Hoftierarzt-Meldung hier). Bei einigen Wirkstoffklassen sind die Mengen leicht gestiegen, bei anderen gesunken und insgesamt gab es einen Anstieg von 4,6% im Vergleich zum Vorjahr (von 670 auf 701 Tonnen). Verglichen mit dem Jahr 2011 aber immer noch einen Rückgang um 58,9% oder 1.005 Tonnen.

Dass irgendwann ein Plateau erreicht sein wird, war abzusehen, denn – um die Frage aus der Überschrift zu beantworten – ein völliger Verzicht auf Antibiotika in der Tiermedizin ist weder erreichbar, noch erstrebenswert. Allein der Tierschutz spricht dagegen. Aber:

„Die Abgabemenge der für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Fluorchinolone stieg in 2020 leicht an. Die Polypeptidantibiotika (Colistin) erreichten ihren bisher niedrigsten Wert seit 2011“, schreibt das BVL. Und hier lohnt ein differenzierter Blick.

Zunächst und grundsätzlich muss man bei der BVL-Statistik immer im Hinterkopf behalten, dass sie Abgabe- und nicht Verbrauchsmengen erfasst. Ebenso, dass eine Lieferung in ein bestimmtes PLZ-Gebiet nicht bedeutet, dass die Arzneimittel auch dort eingesetzt werden. Auf Rinder spezialisierte Tierärzte arbeiten gewöhnlich im näheren Umkreis (u. a. wegen möglicher Notfälle), Schweinepraktiker können durchaus auch Kunden in einigen hundert Kilometer Entfernung betreuen und Geflügelspezialisten sind teilweise sogar im benachbarten Ausland unterwegs. Last but not least, lässt die Abgabe praktisch keine Rückschlüsse auf später behandelte Tierarten zu. Antibiotika werden auch Haus- und Hobbytieren verabreicht, der entsprechende Anteil dürfte aber vergleichsweise gering sein. (1)

Nun hat die Weltgesundheitsorganisation WHO verschiedenen antibiotische Wirkstoffe als wichtig oder besonders wichtig für den Menschen eingestuft, u. a. Colistin und Fluorchinolone und fordert sie möglichst gar nicht bei Tieren einzusetzen. Je seltener ein Antibiotikum benutzt wird, umso länger bleibt seine Wirksamkeit für Mensch und Tier erhalten.

Colistin wird Menschen tatsächlich nur im Notfall verabreicht, weil es starke Nebenwirkungen – vor allem auf die Niere – hat. Bei den Fluorchinolonen sieht es dagegen anders aus. Zwar fehlt eine Mengen-Statistik für die Humanmedizin in Deutschland, aber es gibt Erhebungen z. B. für die Kassenpatienten. Das „Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO)“ beklagt etwa im Jahr 2019: „Fluorchinolone: Risikoreiche Antibiotika trotz bekannter Nebenwirkungen zu häufig verordnet“. Weiter heißt es:

„Nach Berechnungen des WIdO haben 20,4 Millionen und damit mehr als jeder vierte GKV-Versicherte im Jahr 2018 mindestens einmal von ihrem Arzt eine Antibiotikaverordnung erhalten. Von den insgesamt 310 Millionen verordneten Antibiotika-Tagesdosen des Jahres 2018 entfallen 8,2 Prozent (25,6 Millionen Tagesdosen) auf die Gruppe der Fluorchinolon-Antibiotika. (…) Die hohe Zahl der Verordnungen lässt darauf schließen, dass Fluorchinolon-Antibiotika häufig nicht als Mittel der Reserve und auch nicht ausschließlich bei schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Infektionen zum Einsatz kommen“, so Helmut Schröder (stv. Geschäftsführer des WIdO) „Und das, obwohl Fluorchinolone weltweit als Reserve-Antibiotika gelten, also erst nach Versagen anderer Alternativen und für lebensrettende Maßnahmen zur Anwendung kommen.“

Ein Problem bei Fluorchinolonen sind nämlich die möglichen Nebenwirkungen, deren Häufigkeit das WIdO hochgerechnet hat:

„Für die schätzungsweise 3,3 Millionen Patienten, die in Deutschland im Jahr 2018 im Rahmen von 3,5 Millionen Therapien mit Fluorchinolonen behandelt wurden, ist davon auszugehen, dass mehr als 40.000 Patienten zusätzlich von Nebenwirkungen wie einer Schädigung des Nervensystems, der Hauptschlagader oder einem Sehnenriss betroffen waren und sich 140 zusätzliche Todesfälle ereigneten.“ (Die ausführliche Stellungnahme finden Sie hier.)

Auch im Jahr 2020 hat sich die Situation laut AOK nicht wirklich verbessert:

„Im Jahr 2019 waren knapp 18 Millionen Verordnungen von Reserveantibiotika für gesetzlich versicherte Patienten zu verzeichnen. Damit entfiel mehr als jede zweite Antibiotikaverordnung auf ein Reserveantibiotikum. Jeder sechste Versicherte hat mindestens einmal ein solches Medikament erhalten.“ (Link)

Nach „prudent use“ also „umsichtigem Gebrauch“, wie von der WHO gefordert, klingt das nicht unbedingt. Glücklicherweise aber gibt es seit einigen Jahren auch in der Humanmedizin Fortbildungs- und Forschungsprojekte zum Antibiotikaeinsatz, auch und gerade in Zusammenarbeit mit Tiermedizinern nach dem „One-Health-Prinzip“. Wer einfach nur fordert, bestimmte Wirkstoffklassen für die Behandlung kranker Tiere komplett zu verbieten, macht es sich aber zu einfach. Dank verbesserter Impfstrategien und Hygienekonzepte konnte die Colistinmenge seit 2011 drastisch reduziert werden(-52,85), bei anderen Wirkstoffklassen liegt aber noch viel Arbeit vor Tierärzten und Forschern.

(1) Update 16.10.21: Im Gegensatz zu den BVL-Zahlen, ist die Antibiotikaabgabe im QS-System erneut leicht gesunken, wie die Organisation auf ihrer Website schreibt: „Tierhaltende Betriebe im QS-System haben 2020 den Einsatz von Antibiotika im Vergleich zu 2019 um 0,49 % reduziert. Zusätzlich wurde 2020 der Einsatz kritischer Antibiotika um 11,2 % weiter gesenkt. Kritische Antibiotika machen dabei nur einen kleinen Anteil der Gesamtmenge aus: 0,83 % im Jahr 2020. Hierzu gehören auch die Flourchinolone, deren Abgabe 2020 im Vergleich zum vergangenen Jahr um 12,9 % niedriger war.“

Abgabemengen von Antibiotika in der Tiermedizin 2020 leicht gestiegen

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Mengen für Polypeptidantibiotika und Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf niedrigstem Wert seit 2011, leichter Anstieg bei Fluorchinolonen

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika ist in Deutschland im Jahr 2020 leicht gestiegen. Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilt, wurden insgesamt 701 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben – 31 Tonnen mehr als im Vorjahr (plus 4,6 %). Im Vergleich zu 2011, dem ersten Jahr der Erfassung, betrug der Rückgang der abgegebenen Antibiotika 59 %. Die Abgabemenge der für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Fluorchinolone stieg in 2020 leicht an. Die Polypeptidantibiotika (Colistin) erreichten ihren bisher niedrigsten Wert seit 2011.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 701 Tonnen (t) Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben. Die größten Mengen fanden sich wie in den Vorjahren bei den Penicillinen (278 t) und Tetrazyklinen (148 t). Es folgten Sulfonamide (65 t), Makrolide (61 t) und Polypeptidantibiotika mit 60 t.

© Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Die Menge der abgegebenen Fluorchinolone stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 t (6,7 %). Trotz dieses leichten Anstiegs lag sie deutlich unter dem Anfangswert aus dem Jahr 2011 (-22 %). Einen Rückgang gab es im Vergleich zum Vorjahr dagegen bei den Polypeptidantibiotika (-9,2 %). Auch sie gehören wie die Cephalosporine der 3. und 4. Generation, die Fluorchinolone und die Makrolide zu den Wirkstoffen, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen (Highest Priority Critically Important Antimicrobials for Human Medicine) eingestuft wurden. Insgesamt war zwischen 2011 und 2020 eine Reduktion um 2,2 t (-63,4 %) bei den Cephalosporinen der 3. und 4. Generation sowie um 67 t (53 %) bei den Polypeptidantibiotika zu verzeichnen. Bei den Makroliden gab es 2020 einen Anstieg um 3,7 t (6,4 %) im Vergleich zum Vorjahr, jedoch eine Gesamtreduktion über den Erfassungszeitraum um 112 t (64,9%).

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich einzelnen Tierarten nicht zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist. Dies wird im Rahmen der Umsetzung der EU-Tierarzneimittelverordnung ((EU) 2019/6) möglich werden. In Artikel 57 wird die Erfassung der Abgabe- und Verbrauchsmengen von Arzneimitteln mit antimikrobiellen Wirkstoffen, die bei Tieren angewendet werden, vorgeschrieben. Gemäß Art. 57 (5) der VO (EU) 2019/6 müssen die Daten für die ersten Tierarten (Rind, Schwein, Huhn, Pute) ab 2023 erfasst werden, weitere Tierarten werden ab 2027 folgen.

Hintergrund
Tierarzneimittel wie Antibiotika werden eingesetzt, um kranke Tiere zu behandeln. Dies ist erforderlich, um die Tiergesundheit und den Tierschutz sicherzustellen und den Menschen vor Zoonosen (auf Menschen übertragbare Tierkrankheiten) zu schützen.

Die Entwicklung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen stellt eine globale Bedrohung dar, in der Human- und in der Veterinärmedizin. Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und/oder der Transfer von Resistenzgenen sind wechselseitig zwischen Mensch und Tier möglich.

Seit dem Jahr 2011 sind pharmazeutische Unternehmen und Großhändler gesetzlich dazu verpflichtet, die Mengen an Antibiotika, die jährlich an Tierärzte in Deutschland abgeben werden, zu erfassen. Diese Daten werden an ein zentrales Register gemeldet, welches seit Mai 2020 beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn geführt wird. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin nimmt die jährliche Auswertung der Daten vor.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Eine effektive Alternative zum Schnabelkürzen bei Puten

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Puten wird der Schnabel gekürzt, um die Folgen von Federpicken und Kannibalismus zu reduzieren. Die Prozedur ist schmerzhaft und kann die Fähigkeit der Tiere beeinträchtigen, ihre Schnäbel normal zu verwenden, zu schließen und zu bewegen. Schleifscheiben* bieten eine mögliche Alternative. Die Scheiben ahmen die natürliche Abstumpfung der Schnabelspitze nach, die auftreten würde, wenn Puten auf grobem Sand, Kies und Gestein picken würden.

In einer Studie aus Deutschland wurde untersucht, ob sie als Alternative zur Schnabelbehandlung bei Puten verwendet werden können. Der Hälfte der Studienpopulation (n=300) wurde mit Infrarot-der Schnabel gekürzt, die andere Hälfte (n=300) wurde nicht behandelt, sondern erhielt stattdessen Schleifscheiben am Boden ihrer Futterschale. Es wurden Leistungsindikatoren (z. B. Gewicht, Mortalität, Verwurf), Tierwohlindikatoren (z. B. Gefiederqualität, Hautläsionen) und Schnabelmessungen erfasst. Die Struktur der Schnäbel wurde auch post mortem mikroskopisch (Histologie) untersucht.

Schnabelbehandelte Truthähne zeigten histologische Hinweise auf gestörtes Nervengewebe und Narbengewebe, was auf Schmerzen und eine veränderte Funktion hindeutet. Truthähne ohne Behandlung zeigten keine histologischen Veränderungen, mit Ausnahme eines Truthahns mit einer Entzündung der Schnabelspitze. Es gab keinen signifikanten Unterschied bei der Verletzungsrate oder den Leistungsindikatoren zwischen beiden Gruppen. Insgesamt zeigte diese Studie, dass Schleifscheiben eine effektivere, tierschonende Alternative sind, um Verletzungen durch Federpicken vorzubeugen. Die Studienautoren empfehlen, ihre Verwendung weiter zu untersuchen, um das Wohlergehen der Puten zu verbessern.

* Handelsübliche 30-Korn-Estrich-Schleifscheiben

Originalstudie
Grün S, Damme K, Müller M et al (2021) Welfare and performance of three turkey breeds—comparison between infrared beak treatment and natural beak abrasion by pecking on a screed grinding wheel. Animals 11, 2395.

WEDA bietet hygienische PVC-Buchten in Holzoptik an

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Erster Ökobetrieb rüstet seinen offenen Biostall um
Landwirtschaftliche Betriebe aus dem ökologischen und konventionellen Sektor legen gleichermaßen viel Wert auf individuelle, hygienische Haltungsbedingungen. In der Schweinehaltung werden daher zunehmend Stallkonzepte nachgefragt, welche die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere im Blick haben. Dies gilt erst recht in Zeiten, in denen sich weltweit neuartige Infektionskrankheiten ausbreiten. Auf diese spezifischen Anforderungen der Halter reagiert WEDA Dammann & Westerkamp und bietet seine hygienischen Buchtenwände und -module als einziger Hersteller in natürlicher Holzoptik an.

Höchste Hygiene-Standards erreichbar
Bislang wurden Buchten im konventionellen Bereich mit den üblichen blauen oder grauen Hart-PVC-Brettern ausgestattet. In der ökologischen Landwirtschaft haben Betreiber dagegen oftmals Holz eingesetzt. „Echtholz hat jedoch den Nachteil, dass sich Schmutz und Bakterien im Gewebe festsetzen. Mit unseren neuen Kunststoff-Brettern in Holzoptik können die Hygiene-Standards unter ökologischen Haltungsbedingungen dagegen ganz einfach erreicht werden, weil nach der Reinigung nichts haften bleibt“, argumentiert WEDA-Entwicklungsleiter Ralf Meyer.

Leicht zu montieren und UV-beständig
Die Buchtenmodule in Holzoptik vereinen somit die besten Eigenschaften beider Materialien. Hinzu kommt, dass die neuen Holzoptik-Bretter sehr leicht zu montieren sind. „Überdies ist deren Ober-fläche UV-beständig. Somit ist das Material auch ideal für offene Ställe mit Außenauslauf geeignet“, sagt Ralf Meyer. Die Mehrkosten sind dagegen gering.

Angebot auf Hy.Board-Module ausgeweitet
Daher hat sich der niedersächsische Spezialist für Schweinehaltung entschieden, dieses Angebot auch umgehend auf die flexiblen, hygienischen Hy.Board-Module auszuweiten, deren Seiten zusätzlich noch verschweißt sind. Diese Buchten-Wände aus PVC wurden eigens für WEDA entwickelt und sind in individuellen, anpassbaren Größen erhältlich. Auch die Hy.Boards lassen sich einfach und schnell montieren und reinigen.

Erster Ökobetrieb mit Holzoptik ausgestattet
Als erstes Projekt hat WEDA den Ökobetrieb ‚Arche Wilhelminenhof‘ aus dem niedersächsischen Bakum mit den innovativen Holzoptik-Buchten innerhalb kürzester Zeit ausgerüstet. Hier wurden die kompletten Buchten des offenen Stalls mit Außenauslauf ausgestattet. „Das neue Material sowie der Look fügen sich perfekt in unser bestehendes Konzept ein, das ist ein komplett anderer Blick“, freut sich Betreiberin Angelika Balz. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass andere Komponenten, wie etwa die Gatter, aus Edelstahl bestehen. „Und die sind, genau wie die Buchten, ebenfalls ganz einfach zu reinigen, sodass unser ganzer Hof jetzt den höchsten Hygienestandards entspricht“, resümiert Angelika Balz zufrieden.

Quelle: WEDA Dammann & Westerkamp

Geflügelpest: Jetzt betriebliche Biosicherheit prüfen und verstärken

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In seiner aktuellen Risikoeinschätzung stuft das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) das Risiko des Aufflammens der Geflügelpest in der Wildvogelpopulation sowie des Wiedereintrags des Virus durch den herbstlichen Vogelzug als hoch ein. Auch das Risiko einer Ausbreitung des Virus in der Wildvogel- und Wasservogelpopulation schätzt das Institut als hoch ein. Darauf macht das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufmerksam. In seiner letzten Risikoeinschätzung im Juni hatte das FLI das Risiko der Ausbreitung des Geflügelpest-Virus in der Wasservogelpopulation noch als gering bis mäßig eingestuft. Mit der Verbreitung von Geflügelpest-Viren bei Wildvögeln steigt auch die Gefahr einer Einschleppung in Hausgeflügelbestände. Geflügelhalter sollten daher jetzt die betriebliche Biosicherheit prüfen, optimieren und konsequent umsetzen. Auch Hobby-Geflügelhalter, z.B. Rassegeflügelzüchter, sollten erhöhte Vorsicht walten lassen. Es gilt, den direkten und indirekten Kontakt von Haus- und Wildvögeln unbedingt zu vermeiden. Auch beim Zukauf von Geflügel bei reisenden Händlern sollte darauf geachtet werden, ausschließlich gesunde Tiere zu erwerben.

Von Ende Oktober 2020 bis April 2021 war Deutschland vom bisher stärksten Geflügelpest-Seuchenzug betroffen. Ein Schwerpunkt des Seuchenzuges lag mit 71 Ausbrüchen der Geflügelpest beim Hausgeflügel in Niedersachsen, dem geflügelstärksten Land in Deutschland. Der letzte Ausbruch der Geflügelpest in Deutschland wurde im Juni 2021 in einer kleinen Geflügelhaltung im Landkreis Osnabrück festgestellt.

Anders als in der Vergangenheit ist in diesem Sommer das Virus der Geflügelpest nicht aus der Wildvogelpopulation in Europa verschwunden.

Das Virus wurde über die Sommermonate mehrfach bei Wasser- und Greifvögeln in den nordeuropäischen Ländern nachgewiesen. Auch in Niedersachsen wurde das Geflügelpest-Virus im Juni und Juli vereinzelt bei Wildvögeln festgestellt. Ausbrüche der Geflügelpest gab es in den Sommermonaten auch beim Hausgeflügel: Am 24. August wurde die Geflügelpest bei gehaltenen Vögeln in den Niederlanden und am 2. September bei gehaltenen Vögeln in Belgien nachgewiesen. Ein Ausbruch der Geflügelpest in einer kleinen Geflügelhaltung in Luxemburg steht in Zusammenhang mit dem Ausbruch in Belgien und wurde vermutlich durch Handelsaktivitäten verursacht. Außerdem lassen Nachweise der Geflügelpest im westlichen Teil Russlands und Fälle bei Wildvögeln in der Nähe der Grenze zu Nordkasachstan befürchten, dass sich Geflügelpest-Viren im Zusammenhang mit dem Herbstzug von Wasservögeln wie im vergangenen Jahr erneut nach Europa ausbreiten.

Weitere aktuelle Informationen zur Geflügelpest und zu Biosicherheitsmaßnahmen sind ebenso wie die aktuelle Risikoeinschätzung des FLI auf der Seite www.tierseucheninfo.niedersachsen.de verfügbar.

Hintergrund:

Die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest) wird durch hochpathogene aviäre Influenzaviren vom Subtyp H5 oder H7 (HPAIV H5 oder H7) verursacht. Eine Infektion führt zu einer akut verlaufenden Erkrankung, die sich sehr schnell über größere Gebiete ausbreiten kann.

Als natürliches Reservoir für HPAIV gelten Wildvögel, insbesondere Wasservögel. Die Geflügelpest kann während des Vogelzugs über weite Strecken verbreitet werden. Die Geflügelpest-Viren sind sehr stark an Vögel angepasst, daher kommen Infektionen anderer Tierarten und von Menschen selten vor. Bei sehr intensivem Kontakt mit infiziertem Geflügel können sich in seltenen Fällen Menschen und andere Säugetiere anstecken und erkranken. Daher sollte der direkte Kontakt mit erkrankten oder toten Wildvögeln vermieden werden.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Boehringer Ingelheim: Zulassung für die erste mischbare PCV-2 / PRRSV-Einmalimpfung

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Boehringer Ingelheim führt die erste mischbare PCV-2 / PRRSV-Einmalimpfung in der Europäischen Union ein. Die kombinierte Verwendung bietet einen Schutz gegen zwei bedeutende Atemwegserkrankungen mit nur einer Injektion. Die kombinierte Verwendung bedeutet für Tierarzt und Landwirt weniger Arbeit und Injektionen und sie erhöht die Flexibilität von Impfmaßnahmen. Dabei ist die Mischung aus den zwei bewährten und etablierten Produkten wie gewohnt wirksam und aufgrund der ölfreien Formulierung schonend zum Tier, was die Tiergesundheit und das Tierwohl bei Schweinen fördert. Die unmittelbar vor Gebrauch frisch gemischte Kombination der beiden Impfstoffe kann via Nadel oder auch nadellos mit FreVAX® gewohnt intramuskulär appliziert werden.

Von nun an kann zwei der bedeutendsten und kostenintensivsten Krankheiten, die Porcine Circovirus Disease (PCVD) sowie das Porzine Respiratorische und Reproduktive Syndrom (PRRS), mit einer einzigen Injektion vorgebeugt werden.

Die kombinierte Verabreichung beider Impfstoffe stellt gemeinsam mit dem ebenfalls in diesem Jahr eingeführten nadelfreien intelligenten Impfgerät FreVAX® eine weitere Innovation dar und ist weltweit der erste und einzige Mischimpfstoff dieser Art. (1)

Referenz:
(1) https://www.ema.europa.eu/en/medicines/national-registers-authorised-medicines

Neu: Alma Pro jetzt als mobiler Tränkeautomat

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In der Kälberaufzucht ist das Füttern die arbeits- und zeitintensivste Tätigkeit. Deshalb stellen viele Landwirte auf einen Tränkeautomaten um. Mit der Alma Pro von Urban ist die bedarfsgerechte Versorgung der Kälber rund um die Uhr sichergestellt – ein Gewinn für Kälberwachstum und Tiergesundheit.

Waren die Tränkeautomaten bisher fest im Stall installiert, hat der Kälberspezialist Urban jetzt auf Kundenwunsch eine mobile Lösung entwickelt: ein Gestell, auf dem die Alma Pro steht, so dass der Automat samt seiner Tränkstationen als Einheit einfach mit einem Radlader oder Gabelstapler im Stall flexibel neu positioniert werden kann. Das ist praktisch bei der Reinigung der Ställe und schont die Technik, weil der Automat inkl. Stationen ganz einfach zu entfernen ist. Außerdem kann der Automat jetzt einfach in unterschiedliche Gruppen gestellt werden, die Tiere müssen ihren Standort nicht verlassen, Umgruppierungen sind nicht mehr nötig. Davon profitieren Stallhygiene und das Tierwohl.

Das Gestell ist eine Kompaktlösung und ist bedarfsgerecht auf jeden Kunden sowohl für zwei als auch für vier Stationen zusammenstellbar. Bestehende Automaten können nachgerüstet werden. Gut sichtbar und individuell drehbar ist die Stationselektronik an den jeweiligen Stationen montiert. Dies ermöglicht eine gute Sicht auf die Technik von allen Seiten.

Mit dem neuen Gestell bietet Urban noch mehr Flexibilität in der automatischen Kälberfütterung – zum Wohle für Mensch und Kalb.

Weitere Informationen: Urban GmbH & Co. KG, Tel: 04484-9380-0, www.urbanonline.de