Wann sollen brünstige Kühe besamt werden?

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Von Prof. Dr. Steffen Hoy, Universität Gießen

Über viele Jahre hinweg wurden Kühe nach der „Morgen-Abend-Regel“ besamt: duldet die Kuh am Morgen, wird sie am späten Nachmittag besamt, duldet sie am Nachmittag/Abend erfolgt die künstliche Besamung (KB) am nächsten Morgen. Mit dem Einzug der Sensortechnik in den Kuhstall setzen Milchviehbetriebe Messsysteme ein, um automatisch die Brunst bei den Kühen zu erkennen. Aber wann sollen die Kühe dann besamt werden?

Dazu wurden in vier Betrieben 3.230 Brunstzyklen von 1.633 Kühen ausgewertet. Die Aktivität wurde durch das System SCR HeatimeTM HR (SenseHubTM Allflex) gemessen. In den vier Betrieben wurden Tag und Uhrzeit sämtlicher Besamungen (KB) notiert. Darüber hinaus wurde der Erfolg der KB (Trächtigkeitsuntersuchung TU positiv oder negativ) dokumentiert. Es wurden nur Daten von Tieren ab der ersten Laktation erfasst. Alle Betriebe führten Eigenbestands-Besamungen, z.T. zu festen Zeiten, durch. Die TU fand in den Betrieben unterschiedlich ab 30. bis 60. Tag nach KB mittels Ultraschall-Untersuchung oder rektal statt.

Brunst dauert auch heute noch fast einen Tag
Die Brunst trat bei vielen Kühen in den Nachtstunden mit einem Peak zwischen 0 und 4 Uhr auf, zu Zeiten also, in denen niemand im Stall ist. Die automatische Messung bietet den großen Vorteil, dass die Kühe 24 Stunden am Tag/7 Tage pro Woche kontrolliert werden. Die (automatisch bestimmte) Brunst dauert auch heute noch im Mittel fast 17 Stunden. Bei über 95 % der Kühe wurde automatisch eine Brunst erkannt. Es ist nicht klar, warum knapp 5 % der Kühe während der Brunst keine Aktivitätserhöhung zeigen. Eventuell könnten Verhaltensprobleme rangniedriger Kühe eine Rolle spielen. Eine „echte“ Brunst wurde immer dann registriert, wenn die jeweilige Kuh nach einer KB am betreffenden Tag trächtig wurde (TU+). Dann musste schließlich der Besamungstermin richtig gewesen sein.

Wann sollen Kühe besamt werden?
Es konnte ein Zusammenhang zwischen dem Zeitintervall „Peak der Aktivität bis KB“ und der Konzeptionsrate nachgewiesen werden. Der höchste Besamungserfolg mit einer Konzeptionsrate von 44,2 % wurde dann erreicht, wenn die Besamung 8 bis 12 Stunden nach dem Aktivitätspeak erfolgte (Abb.). Bei später besamten Kühen ging die Konzeptionsrate wieder zurück. Etwas überraschend erzielten Kühe mit einer Besamung 26 h nach Aktivitätspeak oder sogar noch später einen Wert von 41,2 % tragend gewordener Tiere. Das Ergebnis zeigt, dass die Zeitspanne, innerhalb derer Kühe tragend werden können, beträchtlich lang sein kann. Theoretisch können die Spermien 24 h oder mehr nach der Besamung befruchtungsfähig sein. Das vergleichsweise gute Ergebnis sehr spät nach Peak besamter Kühe kann dadurch erklärt werden, dass eine Reihe von Kühen nach einem festen Zeitprogramm besamt wurde. Wenn z.B. eine Kuh um 4 Uhr morgens ihren Aktivitätspeak hat, der Besamer aber generell morgens um 8 Uhr besamt, wird das Tier nicht nach 4 h, sondern erst am nächsten Tag um 8 Uhr, also 28 h nach Peak, inseminiert. Als Zielgröße wurde der Anteil nachweislich tragender Tiere an den besamten Kühen (Trächtigkeitsuntersuchung = positiv, TU+) verwendet. Es ist durchaus möglich, dass zunächst deutlich mehr Kühe tragend wurden, aber durch frühembryonale Verluste (die 15 % und mehr betragen können) die Konzeptionsrate letztlich in der nachgewiesenen Größenordnung ausfiel.

Schlussfolgerungen
Durch die kontinuierliche Messung der Aktivität kann eine automatische Erkennung der Brunst erfolgen. Der Parameter „Aktivitätspeak“ eignet sich, um einen optimalen Besamungszeitraum vorzuschlagen. Dieser umfasst etwa 8 bis 12 h nach dem Aktivitätspeak. Einige, aber nicht alle auf dem Markt befindlichen Messsysteme geben eine derartige Beratungsempfehlung. Unabhängig davon sollten die Kühe dennoch auch weiterhin direkt beobachtet werden, da (noch) keine 100 %-ige automatische Brunsterkennung möglich ist.

Branchengespräch zur Zukunft der Fleischwirtschaft

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Holzenkamp: „Ich erwarte von allen Seiten den Willen, Probleme tatsächlich zu lösen

Das gleichzeitige Auftreten der Corona-Pandemie und der Afrikanischen Schweinepest hat sich als toxische Mischung für die Fleischwirtschaft erwiesen. „Die Nerven liegen blank. Das morgige Branchengespräch, bei dem Bund, Länder sowie Fleisch- und Lebensmittelbranche über die Zukunft der Fleischwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette diskutieren, ist deshalb immens wichtig“, sagt der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) Franz-Josef Holzenkamp: „Ich erwarte, dass neben langfristigen Herausforderungen auch die Lösung akut drängender Schwierigkeiten angegangen wird. Die Liste ist lang, aber alle Themen müssen auf den Tisch. Aktuell gilt es, den Rückstau in den Schweineställen aufzulösen. Dafür gibt es konkrete Ansätze. Um zu Verbesserungen zu kommen, erwarte ich von allen Beteiligten den Willen zur Problemlösung. Für die Politik heißt das, sie darf nicht länger nur moderieren, sie muss handeln.“

Schlachtkapazitäten fehlen – Tierschutz bedroht
Die Unternehmen der Fleischwirtschaft haben in besonderer Weise Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nehmen diese auch wahr. Holzenkamp: „Der Schutz der Menschen hat oberste Priorität. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und das Funktionieren der Fleischwirtschaft viele Rädchen ineinandergreifen müssen.“ Als Folge der derzeit fehlenden Schlachtkapazitäten für Schweine drohen Mängel beim Tierschutz. Schlachtschweine können nur mit großer Verzögerung abgenommen werden, bleiben also länger im Stall und wachsen weiter. Es muss möglich sein, unter Einhaltung epidemiologisch angemessener Corona-Schutzmaßnahmen, mindestens die vorhandenen Kapazitäten zu erhalten. Die Schließung von Schlachthöfen muss durch eine fundierte Teststrategie vermieden werden. Zusätzlich ist ein abgestimmtes Maßnahmenpaket zur Flexibilisierung der Arbeit in den Schlachthöfen notwendig. Die Bundespolitik ist gefordert, den Schlachtunternehmen eine Anwerbung von Arbeitskräften aus Drittstaaten wieder zu ermöglichen.

Mehr Tierwohl – Frage nach angemessener Kompensation offen
Neben den akut fehlenden Schlachtkapazitäten gibt es weitere Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Holzenkamp fasst zusammen: „Wir alle wollen ein Mehr an Tierwohl, aber es sind noch viele Fragen zu klären, allen voran die nach der angemessenen Kompensation der entstehenden zusätzlichen Kosten. Außerdem treiben die weiteren Folgen der Corona-Pandemie sowie der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest der Branche Sorgenfalten auf die Stirn. Hier erwarten wir schnell tragfähige Lösungen. Eine Vereinbarung mit Drittstaaten zur Regionalisierung hat höchste Priorität.“

Quelle: Deutscher Raiffeisenverband e.V.

Welt-Ei-Tag: Legehennenhalter intensivieren Dialog mit der Öffentlichkeit und starten Branchenkommunikation

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Das Ei ist beliebter denn je: 236 Eier verbraucht jeder Deutsche pro Kopf pro Jahr – Tendenz steigend. Und zugleich wollen immer mehr Menschen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie erzeugt werden. „Genau dieses Bedürfnis der Menschen nach mehr Informationen wollen wir erfüllen“, sagt Henner Schönecke, Vorsitzender des Bundesverbands Ei e. V. (BVEi). Den heutigen Welt-Ei-Tag nimmt der BVEi daher zum Anlass, den Dialog mit der Öffentlichkeit zu intensivieren. Unter dem Leitmotiv „Eine gute Haltung“ startet die neue Branchenkommunikation als Initiative der deutschen Legehennenhalter für authentische und realitätsgetreue Einblicke in die Arbeit der Branche. „Wir wollen den Menschen zeigen, wie Legehennen gehalten werden. Und mit wie viel Sachkunde, Erfahrung und Verantwortung wir Legehennenhalter Tag für Tag sicherstellen, dass es unseren Tieren gut geht.“ Kernstück der neuen Branchenkommunikation ist die neue Webseite Legehennenhalter.de mit zahlreichen Informationen rund um Legehenne und Ei, mit vielen Einblicken in die Ställe und authentischen Videoporträts von Legehennenhaltern. Und mit einem Frage-Antwort-Tool, das die Verbraucher zum aktiven Dialog einlädt.

Legehennenhalter.de – neuer Internetauftritt bietet authentische Einblicke
Verantwortungsvoll, nahbar – und immer dem Tierwohl verpflichtet: So präsentiert sich die Branche auf dem neuen Internetauftritt Legehennenhalter.de. In sympathischen Videoporträts kommen Legehennenhalter zu Wort, öffnen den Blick in ihre Ställe und erzählen ihre Geschichten. Und geben authentische Einblicke in ihr Selbstverständnis als Tierhalter: „Wenn’s den Tieren gut geht, nur dann geht’s uns gut“, sagt beispielsweise Dietrich Vriesen, Legehennenhalter aus dem nordrhein-westfälischen Bocholt. Er ist einer von drei Legehennenhaltern, die auf der neuen Webseite porträtiert werden. Die Hofporträts spiegeln dabei die spannende Vielfalt der deutschen Legehennenbranche mit unterschiedlichen Haltungsformen, Betriebsgrößen und Vermarktungswegen wider. Doch bei allen Verschiedenheiten – ein gemeinsames Selbstverständnis eint die Branche: „Wir deutschen Legehennenhalter übernehmen Verantwortung“, sagt BVEi-Vorsitzender Schönecke. „Für das Wohl unserer Tiere, für eine nachhaltige Erzeugung und für die gesicherte Versorgung mit einem hochwertigen Lebensmittel, dem Ei.“

Verbraucher stellen Fragen – Branche antwortet
Wie erkennt der Legehennenhalter, dass es seinen Tieren gut geht? Welches Futter bekommen die Tiere? Und wie unterscheiden sich eigentlich die einzelnen Haltungsformen? Das neue Internetportal gibt Antworten auf zahlreiche Fragen rund um die Legehennenhaltung und Eiererzeugung. Und wenn doch mal eine Frage offen bleibt: Mit dem auf die Webseite integrierten Frage-Antwort-Tool haben die Verbraucher Gelegenheit, alle Fragen zur Arbeit der deutschen Legehennenhalter loszuwerden – die Branche beantwortet jede Frage individuell. „Diesen Weg der Öffnung gehen wir aus voller Überzeugung, weil wir deutschen Legehennenhalter für eine tiergerechte Haltung stehen“, betont Henner Schönecke. „Und darum gilt: Wer zum Welt-Ei-Tag Eier genießt, sollte beim Einkauf unbedingt auf das DE für die deutsche Herkunft achten.“

Quelle: ZDG

Roboter sammelt verlegte Eier

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In Hühnerställen mit freilaufenden Hennen werden die Hühner angelernt, ihre Eier in dafür vorgesehene Nester zu legen. Das schaffen nicht alle und immer. Rund zwei Prozent, so Prof. Dr. Franz-Josef Peitzmann vom Mechatronik-Institut der Westfälischen Hochschule in Bocholt, landen irgendwo auf dem Stallboden. Der Landwirt nennt sie „verlegte Eier“. Aber auch diese Eier müssen gesammelt werden, damit der Stallboden sauber bleibt. Wer hier als Eiersammler arbeitet, muss sich bücken, will den Feinstaub von der Streu nicht einatmen und lebt in Konkurrenz zu den herumlaufenden Hühnern, von denen leicht mal bis zu 6000 Tiere gleichzeitig mit den Sammlern im Stall unterwegs sind.

Peitzmann will das einem Eier-Such-/Finde- und -Sammelroboter übertragen. Keine leichte Aufgabe, denn der Roboter muss die Eier auf dem staubigen Hallenboden finden, sammeln und soll bis zu 50 Eier pro Sammeltour an einem vorgegebenen Punkt abliefern. Dabei muss er auch mit Knickeiern umgehen können, die Farbe der Eier muss ihm egal sein, er muss seinen Stall kennen, Hindernisse umfahren und er muss sich hühnerverträglich bewegen, damit die schreckhaften Hennen keine Panik bekommen. Und außerdem will ihm Peitzmann noch Fähigkeiten verleihen, die die Menschen so nicht haben: Ein Temperatursensor schlägt Alarm, wenn es im Stall zu warm ist, ein Anbaugerät wie eine Egge soll die oft feuchte und festgetretene Einstreu lockern.

Für seine Entwicklungsaufgabe bekommt Professor Franz-Josef Peitzmann etwas über 200.000 Euro vom NRW-Landwirtschaftsministerium, damit er das erforderliche Material und Mitarbeiter bis zur Prototypreife bezahlen kann. Als praktischen Partner hat Peitzmann den Remscheider Geflügelhof Kottsieper gefunden. Die elektronischen und mechanischen Bauteile will Peitzmann so wählen, dass eine spätere Serienproduktion aus marktüblichen Bauteilen möglich ist und keine Sondermaschinenbauteile benötigt werden. In zwei Jahren soll der Eier-Sammel-Roboter „Ovoraptor“ als Prototyp fertig sein.

Quelle: Westfälische Hochschule

Warum Hühner sich gegenseitig picken: Verhaltensstörungen bei Geflügel erkennen und verhindern

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Von Luisa Watzer, Tierärztin, Praxis am Bergweg in Lohne

Eine Verhaltensstörung ist definiert als ein inadäquates, abnormes Verhalten eines Individuums gegenüber seiner Außenwelt (DocCheck). Doch was genau ist Verhalten? Das Verhalten eines Tieres hat immer einen Zweck. Es reagiert auf äußere oder innere Umstände. Wenn es Hunger hat, sucht es Futter und frisst. Wird es bedroht entfernt es sich von dieser Bedrohung oder versucht sie zu bekämpfen. Die gesamte Verhaltensbiologie eines Tieres sichert sein Überleben und damit die Möglichkeit sich fortzupflanzen. Eine Störung im Verhalten geht damit einher, dass dieser Zweck verloren geht. Häufig werden Raubtiere in Zootierhaltungen auffällig durch wiederholte, gleichbleibende Handlungen, die weder Ziel noch Funktion besitzen. So ist ein Tiger, der in seinem Gehege jeden Tag immer wieder dieselbe Strecke abläuft „normal“ für den Zoobesucher geworden. Die traurige Wahrheit ist allerdings, dass dieses Tier aufgrund von einer reizarmen Umgebung in dieses sogenannte stereotype Verhalten gerutscht ist.

Artgerechte Haltung bietet Beschäftigung
Verhaltensstörungen sind bei jeder Tierart in irgendeiner Art und Weise bekannt. Der Hund, der sich immer wieder die Pfote leckt. Oder das Pferd, das kobbt oder webt. Häufige Ursache ist, wie bereits erwähnt, eine reizarme Umgebung, die sich von Tag zu Tag nicht verändert. Um sämtliche Verhaltensweisen eines Tieres beobachten zu können benötigt dieses Tier Artgenossen, mit denen es Spielen, Raufen oder sich fortpflanzen kann. Es benötigt eine Versorgung mit Futter und Wasser. Optimaler Weise muss ein Tier sich sein Futter erarbeiten. In freier Wildbahn verbringt es den größten Teil seines wachen Daseins mit der Suche, sowie Aufnahme von Futter und Wasser. In der ganz regulären Tierhaltung muss kaum ein Tier noch für Futter oder Wasser arbeiten, was bedeutet, dieses Tier hat einen großen Teil seines Tages, um sich mit nicht erwünschten Verhaltensweisen zu beschäftigen. Das Tierschutzgesetz schreibt für Nutztiere vor, dass z.B. Schweine oder Geflügel Beschäftigungsmaterial in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung haben müssen. Dabei kann es sich um Einstreumaterial handeln, oder um Ketten aus Plastik oder Metall. Der Fantasie ist, was Beschäftigungsmaterial angeht, kaum eine Grenze gesetzt. Die einzige wirklich wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass dieses Beschäftigungsmaterial dem Tier keine Verletzungen oder Schäden jeglicher Art und Weise zufügen darf. Bewegungsspielraum ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, wenn es um die Ausübung natürlicher Verhaltensweisen geht. In freier Wildbahn besitzen einige Tiere Territorien, die sich über viele Quadratkilometer erstrecken, dies ist bei gehaltenen Tieren in der Regel nicht umsetzbar. Aber das Ziel sollte sein, seinen Tieren so viel Raum wie möglich zur Verfügung zu stellen.

Wohlbefinden wirkt sich auf Verhalten aus
Was nicht vernachlässigt werden darf, ist allerdings die Tatsache, dass sich nicht nur die Umwelt auf das Verhalten eines Tieres auswirkt. Das eigene Wohlbefinden, in anderen Worten die eigene Gesundheit trägt sehr stark zu Veränderungen im Verhalten bei. Hier gibt es tierartliche Unterschiede, die man im täglichen Leben als Tierarzt und Tierbesitzer beachten muss. Vergleichen wir an dieser Stelle einmal das Verhalten von einem Hund und einem Vogel. Ein Hund ist eine domestizierte Tierart und wird oft und gerne beschrieben als der perfekte Begleiter des Menschen. Wenn es unserem Hund schlecht geht, wird er sich nicht scheuen dies offen zu zeigen. Viele Jahrtausende der Domestikation haben dazu beigetragen. Ein Vogel hingegen ist in erster Linie ein Schwarmtier. Ein Tier, das in einem Schwarm lebt ist vor Beutegreifern sicher, solange es kein auffälliges Verhalten zeigt. Ein Beutegreifer wird immer als Erstes offensichtlich schwache, kranke oder junge Tiere ins Visier nehmen, da diese leichter zu erbeuten sind. Aus diesem Grund zeigen gehaltene Vögel, wie zum Beispiel Papageien, erst Symptome einer Erkrankung, wenn er sie nicht mehr verbergen kann. Dies lässt sich auch auf die Nutzgeflügelhaltung übertragen. Das erste Anzeichen einer schweren Erkrankung im Bestand ist in der Regel, dass die Tagesverluste teilweise sehr deutlich ansteigen, der Rest der Herde kann dabei entweder einen gesunden Eindruck machen, oder aber klinisch krank erscheinen. Atemgeräusche nehmen zu, die Legeleistung sinkt und gleichzeitig nimmt die Eiqualität ab.
Wieso spielt das eine Rolle? Viele Verhaltensstörungen können auch das Symptom einer Erkrankung sein. Gerade Verhaltensstörungen, die sich auf Haut oder Federn beziehen können durch Juckreiz verursacht werden. Wenn Erkrankungen als Ursache der Störung im Verhalten ausgeschlossen wurden, muss die Situation genau analysiert werden. Ursachen müssen gefunden und Lösungen entwickelt werden.

Welche Ursachen führen zu Veränderungen im Verhalten?
Bei der Entwicklung von Verhaltensstörungen spielen vier übergeordnete Gruppen als Ursachen eine Rolle: sozialer Stress, Nährstoffmangel, falsches Management und parasitäre Infestationen. Zu sozialem Stress kommt es zum einen bei Einzeltierhaltung, vorausgesetzt es handelt sich um ein Tier, dass in sozialen Verbänden lebt. Zum anderen kommt es zu sozialem Stress, wenn zu viele Tiere auf zu engem Raum gehalten werden. Ein Nährstoffmangel entsteht, wenn das verabreichte Futter nicht ausreichend Mineralstoffe enthält. Beim Huhn ist hier vor allem Natrium zu nennen. Ein Mangel an Natrium führt zu einem erhöhten Pickbedürfnis. Zudem spielt die Qualität der Proteine eine wichtige Rolle in der Entwicklung und Aufrechterhaltung des Federkleides sowie des Wohlbefindens. In Punkto Management sind Licht und Klimaeinstellungen zu nennen. Beim Licht muss auf eine flackerfreie künstliche Beleuchtung geachtet werden, da das Sehvermögen der Vögel im Vergleich zum Menschen viel sensibler ist. Zudem sind die Beleuchtungsintensität sowie die Einhaltung der Dunkelphase von großer Bedeutung. Die Einstellung des Klimas ist entscheidend bei der Vermeidung von Zugluft und Überlüftung, wobei beides nicht nur zu Verhaltensstörungen führen kann, sondern auch zu weiteren Erkrankungen. Parasitäre Infestationen können zu teils starkem Juckreiz und Unruhe unter den Tieren führen. Hier sind bei den Ektoparasiten, parasitäre Lebensformen die sich auf der Körperoberfläche aufhalten, besonders die Milben zu nennen. Zwei Arten spielen eine vorherrschende Rolle, nämlich die rote Vogelmilbe, sowie die Räudemilbe. Beide verursachen einen starken Juckreiz. Bei den Endoparasiten, parasitäre Lebensformen die sich im Körperinneren aufhalten, sind hier die Spulwürmer zu nennen. Diese werden mit dem Kot ausgeschieden und verursachen dabei einen Juckreiz in der Kloake.

Typische Verhaltensstörungen nach Geflügelart
Nachfolgend wird auf typische Verhaltensstörungen bei den drei Hauptgeflügelarten in Deutschland eingegangen: Legehennen, Puten und Broiler.


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EFSA warnt vor Vogelgrippe

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Die „European Food and safety Authority EFSA“ fordert alle EU-Länder dringend auf, ihre Überwachungs- und Biosicherheitsmaßnahmen zu verstärken, um sich vor möglichen neuen Vogelgrippeausbrüchen in diesem Jahr zu schützen: „Die Warnung ergeht vor dem Hintergrund von Ausbrüchen der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI) bei Wild- und Hausvögeln in Westrussland und Kasachstan in den letzten Monaten. Diese Region ist eine bekannte Herbstmigrationsroute für wilde Wasservögel auf dem Weg nach Europa.“

„Ausgehend von Erfahrungen der Vergangenheit“, schreibt die Organisation auf Ihrer Website, „werden Nord- und Osteuropa wahrscheinlich am anfälligsten für neue Ausbrüche sein. Als HPAI in den Sommern 2005 und 2016 in demselben Gebiet Russlands festgestellt wurde, folgten Epidemien in Nord- und Osteuropa. Sollte sich das Muster dieses Jahr wiederholen, wird HPAI voraussichtlich im Herbst oder Winter in denselben Gebieten Europas ankommen. Eine spätere Ausbreitung auf Länder in Süd- und Westeuropa ist ebenfalls möglich.“

Der ausführliche, aktuelle Bericht ist hier abrufbar.

Quelle: EFSA

Bindung zwischen Kuh und Kalb – Interview mit Benjamin Lecorps (UBC)

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„Frühere Studien haben gezeigt, dass eine starke Kuh-Kalb-Bindung auch ohne Besaugen hergestellt werden kann“, sagt Dan Weary, Ihr Professor an der UBC. Ben, Sie waren Teil des Forschungsteams, das mehr herausfinden wollte. Können Sie bitte den Rahmen Ihrer Studie beschreiben?

Benjamin Lecorps

Die Kuh-Kalb-Paare wurden in drei Gruppen eingeteilt:
• eine, die unmittelbar nach der Geburt max. 2 Stunden zusammen verbrachten, sich aber nicht regelmäßig sahen
• eine, die nach der Geburt 1,5 Tage zusammen verbrachten und jede Nacht wiedervereint wurden
• eine, die 1,5 Tage nach der Geburt zusammen waren, jede Nacht wieder zusammenkamen und denen Besaugen erlaubt war.

Aber auch die Kühe und Kälber aus Gruppe eins sahen sich von Zeit zu Zeit?
Ja. Als wir die Motivation der Kühe beurteilten, sich wieder mit ihrem Kalb zu vereinen, hatten sie die Möglichkeit, mit ihrem Kalb in Kontakt zu treten. So konnten Kühe aus der getrennten Gruppe einige Minuten lang einmal täglich ihr Kalb sehen, nach dem Motivations-Test. Im Gegensatz dazu konnten Kühe aus den anderen Gruppen dann den Testbereich verlassen und die Nacht mit ihrem Kalb verbringen.

Wie beurteilten Sie die Motivation zur Wiedervereinigung?
Nun, um die Motivation bei Tieren zu beurteilen, sehen wir uns im Grunde genommen an, wie sehr sie bereit sind, für den Zugang zu einer Ressource zu arbeiten. Dafür haben wir ein mit Gewichten beschwertes Tor verwendet, das mit der Zeit immer schwerer zu schieben war. Das Gewicht, bei dem die Kühe aufhörten zu schieben, gab uns die maximale Arbeit an, die sie bereit waren, für den Zugang zu ihrem Kalb aufzuwenden und wir nutzen diesen Messwert, um die Motivation der Kühe der drei Behandlungsgruppen zu vergleichen.

Wie haben Sie das Saugen in der 2. Gruppe verhindert?

Wir haben Euternetze benutzt. Um sie einfach zu beschreiben, sie sehen aus wie BHs für Kühe und verhindern, dass die Kälber die Zitzen finden und somit saugen.
Erstaunlicherweise gab es keinen merklichen Unterschied in der Motivation zwischen den Kühen, die nicht besaugt wurden, und denen, die ihre Kälber nicht regelmäßig sahen.

Es ist immer schwierig, aus einem Mangel an Unterschieden zu schließen. Wir haben eine relativ kleine Stichprobengröße verwendet; Eine höhere Anzahl von Kühen hätte möglicherweise signifikante Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen gezeigt. Zum Beispiel haben in der getrennten Gruppe 4 Kühe das Tor überhaupt nicht gedrückt; Dies geschah in den beiden anderen Gruppen nicht. Im Moment können wir sagen, dass das Saugen die Motivation der Kühe zu verstärken scheint, sich wieder mit ihrem Kalb zu vereinen. Wir brauchen mehr Forschung, um zu verstehen, was dieses Ergebnis in Bezug auf „Bindung“ bedeutet.

Wie schnell kann eine Bindung zwischen Kuh und Kalb hergestellt werden? Einige denken, dass es innerhalb von 5 Minuten nach der Geburt passieren kann?
Das ist sehr schwer zu sagen. Sie haben Recht, einige Studien haben gezeigt, dass die Bindung bereits in den ersten 5 Minuten hergestellt wird. Was wir bis jetzt wissen, ist, dass die emotionale Bindung mit der Zeit stärker wird. Beispielsweise zeigen Kühe, die nach einigen Stunden getrennt wurden, weniger Anzeichen von Stress als Kühe, die nach einigen Tagen getrennt wurden.

In dieser Studie fanden wir keine Unterschiede im Verhalten, wenn Kühe sich mit ihrem Kalb wiedervereinigen konnten (nachdem sie das Tor gedrückt hatten), was darauf hindeutet, dass sie ein ähnliches Interesse daran hatten, mit ihrem Kalb zu zusammen zu kommen (z. B. zum Lecken). Trotzdem ist es schwierig, aus diesen Verhaltensweisen aussagekräftige Schlussfolgerungen zu ziehen.

In der Säuge-Gruppe wurde die Bindung ziemlich stark. Sie schreiben in Ihrer Studie: „Oxytocin, bekannt als Bindungshormon, kann der Hauptgrund sein“. Gibt es möglicherweise andere Determinanten?
Ja, Einige haben die Hypothese aufgestellt, dass Kühe durch Trennung stärker in Stress geraten könnten, wenn ihr Kalb nicht ernährungsphysiologisch unabhängig wäre. Es ist hier möglich, dass Kühe aus der Säuge-Gruppe stärker zur Wiedervereinigung motiviert waren, weil sie glaubten, dass ihr Kalb gefüttert werden musste. Vielleicht ein Drang zu stillen?

Es scheint also nicht unbedingt grausam zu sein, Kälber von ihren Müttern zu trennen – wenn man es direkt nach der Geburt tut?
Das ist eine schwierige Frage. Unsere Studie liefert keine Erkenntnisse darüber, wie sich Kühe nach der Trennung fühlten und welche langfristigen Konsequenzen es hat, wenn sie nicht mit ihrem Kalb zusammen sein können. Soweit wir wissen, verringert eine frühe Trennung von Kuh und Kalb zwar die akute Trennungsreaktion, kann jedoch andere nachteilige Auswirkungen haben.

Jetzt frage ich im Namen aller Landwirte, die in Zukunft Kälber säugen lassen möchten: Was wären die wichtigsten Empfehlungen?
Danke für diese Frage! Es war fantastisch, Kühe und Kälber zusammen zu sehen. Milchkühe haben den Ruf, nicht mütterlich zu sein, weil sie normalerweise den Landwirten erlauben, das Kalb wegzunehmen (im Unterschied zu Rinderrassen). Moderne Milchkühe stammen jedoch von Generationen von Kühen ab, die für dieses Merkmal ausgewählt wurden. Alle an unserer Studie beteiligten Kühe zeigten mütterliche Fürsorge. Daher würde ich den Landwirten zunächst sagen, dass sie sich in diesem Aspekt keine Sorgen machen sollen.

Dann würde ich sagen, wenn Sie die Kuh mit dem Kalb zusammenlassen wollen, seien Sie bereit, sie für einen längeren Zeitraum gemeinsam zu halten. Ein paar Tage oder Wochen Kontakt können für das Kalb von Vorteil sein, aber auch für die Kuh. Zur Minimierung des Trennungsschmerzes, sollte eine progressive Entwöhnung vor dem Trennungszeitpunkt erfolgen. Ich würde auch empfehlen, Zeit mit den Kälbern zu verbringen, damit sie keine Angst vor Menschen haben. Die Mensch-Kalb-Bindung, wenn ich diesen Ausdruck verwenden darf, entwickelt sich ebenso in den ersten Lebenswochen.

Schließlich bedeutet die gemeinsame Haltung von Kühen und Kälbern nicht, dass alle Aspekte der Kälberpflege nur noch der Kuh überlassen werden können. Der Landwirt ist beispielsweise weiterhin dafür verantwortlich, dass das Kalb innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt ausreichend Kolostrum bekommen hat.

Zu guter Letzt: Wie viel trinkt ein Kalb – wie viel Milch geht nicht in den Tank?
Das neugeborene Kalb ist auf Milch angewiesen, um zu wachsen, und Kälber zeigen ein viel besseres Wachstum, wenn ihnen mehr Milch gegeben wird, unabhängig davon, wie sie bereitgestellt wird (d. h. direkt von der Mutter oder vom Landwirt).

Leider werden Milchkälber in einigen Betrieben immer noch zu weniger als 50% mit dem gefüttert, was sie natürlich trinken würden, was das Wachstum und die Entwicklung der Kälber (und die künftige Milchproduktion als Färsen) ernsthaft beeinträchtigt. Diese Betriebe sollten ihren jungen Kälbern mehr Milch geben, idealerweise 8 – 10 l pro Tag oder sogar mehr (unabhängig davon, wie diese gefüttert wird).

Interessanterweise kann es von Vorteil sein, wenn die Kühe dies tun – die Kühe stillen das Kalb häufiger als die meisten Landwirte bereit sind, ihre Tiere zu füttern (das senkt die Arbeitskosten), und die häufigere Euterstimulation kann die Milchproduktion steigern und das Risiko einer Mastitis verringern.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Ben!

Margret Wenker

Link zur Studie Wenker et al. 2019: Effect of cow‑calf contact on cow motivation to reunite with their calf

Faculty of Land and Food Systems,
University of British Columbia

Animal Production Systems Group,
Wageningen University Research

 

Video

© UBC Faculty of Land & Food Systems

Afrikanische Schweinepest in Deutschland: Biosicherheit erhöhen mit Unterstützung von Boehringer Ingelheim

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Mit dem 10. September ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland angekommen. Die weitere Ausbreitung des Virus ist unbedingt zu stoppen: Biosicherheit ist hier das Stichwort. Boehringer Ingelheim hat umfangreiche Erfahrungen zur Optimierung der Biosicherheit und möchte diese als frei zugänglichen Service an Schweinehalter weitergeben:

Im praxisnahen Webinar zu ASP gibt der Tierarzt und ASP-Experte Dr. Tomasz Trela wertvolle Einblicke in die Vorbeugung der ASP sowie wichtige Tipps im Umgang mit der Erkrankung. Unter diesem Link ist es jederzeit abrufbereit: https://www.vetmedica.de/online-seminare-schweinehalter.aspx

Außerdem bietet Boehringer Ingelheim mit der App COMBAT eine einfach durchzuführende Risikobewertung in Schweinebetrieben, mit der potenzielle Lücken der internen und externen Biosicherheit zu erkennen und zu beseitigen sind. Damit ist schnell eine erste Überprüfung möglich, letztendlich sind jedoch die Empfehlungen des Hoftierarztes und die behördlichen Vorgaben entscheidend. COMBAT ermöglicht die Verbesserung von Management und Biosicherheit – extrem wichtig für die Vorbeugung eines ASP-Eintrags in den eigenen Betrieb.

Die App ist weltweit in den Stores erhältlich: Einfach ´COMBAT Boehringer Ingelheim` in die Suche eingeben.

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Dr. Daniel Brüggemann, Tel.: +49 (6132) 77-6609, daniel.brueggemann@boehringer-ingelheim.com.

Soja- oder Ackerbohne als Futtermittel?

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Die derzeitige Praxis der Geflügelproduktion ist mit ethischen und ökologischen Bedenken verbunden. Die ethischen Bedenken umfassen unter anderem das Töten von männlichen Eintagsküken von Legehühnern. Ökologische Bedenken beziehen sich auf den Import großer Mengen an Sojabohnen als Futtermittel. Ein Forschungsteam der Universität Göttingen hat daher Alternativen untersucht: zum einen die Nutzung von heimischen Proteinquellen wie die Ackerbohne (auch bekannt als Feld- oder Saubohne), zum anderen die Nutzung von Zweinutzungshühnerrassen, die sowohl zum Eierlegen als auch zur Mast gehalten werden können.

Das Ergebnis: Sowohl die Ackerbohne als Futtermittel als auch die Zweinutzungsrasse sind geeignete Alternativen, die keinen negativen Einfluss auf die Fleischqualität haben. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Foods erschienen.

Die Studie konzentrierte sich auf die Junghähne zweier Doppelnutzungsrassen (Vorwerkhuhn und Bresse Gauloise) und einer spezialisierten Legehuhnherkunft mit hoher Legeleistung (White Rock). Für die Mast wurde dreierlei Futter eingesetzt: eine Futtermischung mit Soja als Hauptproteinquelle und zwei Futtermischungen mit der Ackerbohne (Vicia faba) in verschiedenen Anteilen. Der Fokus der Studie lag auf dem Einfluss der Futtermittel auf die Fleischqualität der unterschiedlichen Rassen.

Die Ergebnisse der physikalisch-chemischen und sensorischen Analysen zeigen, dass die Ackerbohne als Futtermittel für Geflügel eingesetzt werden kann, ohne die Produktqualität negativ zu verändern. Ihre Nährstoffzusammensetzung macht die Ackerbohne zu einer geeigneten Alternative zu Sojabohnen als Proteinquelle in Futtermittel für Geflügel. Darüber hinaus hat die Ackerbohne den Vorteil, die heimische Bodenqualität zu verbessern, da sie Stickstoff bindet. „Ackerbohnen sind breitflächig angebaute Hülsenfrüchte, die das Potenzial haben, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen, da sie die Abhängigkeit von Sojaimporten reduzieren und zu mehr Preiskontrolle führen können”, so Erstautorin Cynthia Escobedo del Bosque von der Universität Göttingen.

Der Einsatz von Zweinutzungsrassen wird erst seit wenigen Jahren erforscht. Diese Rassen können nicht mit der Lege- und Mastleitung der jeweils spezialisierten Rassen mithalten. „Unsere Forschung zeigt, dass Zweinutzungsrassen Eier und Fleisch vergleichbarer Qualität liefern können, aber in einer kleineren Menge“, erklärt Ko-Autor Prof. Dr. Daniel Mörlein von der Universität Göttingen. „Das bedeutet, dass die Kosten höher sind. Gleichzeitig werden aber durch den Verzicht auf das Töten der Küken das Tierwohl verbessert und die genetische Vielfalt in der Tierproduktion erweitert.“

Die Studie war Teil des Projekts „Potenziale der nachhaltigen Nutzung regionaler Rassen und einheimischer Eiweißfuttermittel in der Geflügelproduktion (PorReE)“. An der Fakultät für Agrarwissenschaften erforschen momentan vier Abteilungen die Grundlagen für eine nachhaltigere und gesellschaftlich akzeptierte Geflügelproduktion. Studien zu Produktwahrnehmung und Verbraucherakzeptanz werden gewöhnlich im Sensoriklabor der Fakultät durchgeführt.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Prof. Jürgen Tautz: Forschung und schulische Bildung mit Hightech-Bienenstöcken

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Der bekannte Bienenforscher Prof. Jürgen Tautz, Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, spricht im Interview über die besondere Stellung der Honigbiene und die Gefährdung der Wildbienen. Mit schulischen Projekten und Online Studien bringt er junge und ältere Menschen zusammen. Im neuen Forschungsprojekt we4bee stehen Hightech-Bienenstöcke im Zentrum.

„Der Honigbiene geht es gar nicht so schlecht, zumindest nicht in Deutschland“, sagt Prof. Jürgen Tautz, der bekannte Bienenforscher aus Würzburg. Hierzulande gibt es etwa eine Million Bienenvölker und rund hunderttausend Imker. Die Imkerschaft wächst von Jahr zu Jahr und sie wird zunehmend jünger, weiblicher und städtischer. In den letzten zehn Jahren seien Bienen zu außerordentlich beliebten Tieren geworden und inzwischen hätten sie weltweit eine starke Lobby – viel stärker als andere Insekten.

Es wird viel über das Bienensterben gesprochen. Tautz dazu: „Es gibt zwar kein allgemeines Bienensterben, eher regional sehr unterschiedliche Gefahren, etwa durch Parasiten wie die Varroa-Milbe, Krankheiten oder einen Mangel an Blühpflanzen. Dadurch sind vor allem die zahlreichen weniger bekannten Wildbienenarten bedroht, die keine Staaten bilden, sondern überwiegend solitär leben“. Dabei übe ein Unkrautbekämpfungsmittel wie Glyphosat sowie anderen Herbizide einen negativen Einfluss meist indirekter Natur aus. So schädige Glyphosat zum Beispiel die bakterielle Darmflora der Bienen, was letzten Endes ihr Immunsystem schwächen kann.

Tautz führt weiter aus, dass Bienen über verblüffende Fähigkeiten verfügen. Die Honigbiene zum Beispiel könne bis vier zählen, habe eine Vorstellung vom Konzept der Zahl Null und könnten die Malstile von Picasso und Monet auseinanderhalten. Das sei alles experimentell belegt.

Als Professor im Ruhestand engagiert sich Jürgen Tautz heute vor allem in der schulischen Bildungsarbeit. Dazu will er mit seinem Team junge und ältere Leute mit einem modernen Projekt persönlich und nicht nur digital zusammenbringen. Er hat, nach den guten Erfahrungen mit einem Onlineprojekt an der Universität Würzburg namens Honeybee Online Studies, kurz HOBOS, vor kurzem mit we4bee ein neues Vorhaben gestartet. Im Zentrum stehen dabei Hightech-Bienenstöcke zur eigenständigen Umweltforschung.

Das Interview finden Sie auf www.gdnae.de

Quelle: Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte e. V.