Neues Logo für THESEO Deutschland

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Harmonisierung der THESEO Standorte
Neuer Auftritt für THESEO Deutschland! Auf dem Weg zur äußeren Vereinheitlichung aller THESEO Standorte wird ab Anfang Oktober ein neues Logo für THESEO Deutschland zu sehen sein. Die Anpassung des Firmenlogos war zugleich der letzte Schritt im Rahmen des inzwischen knapp vierjährigen Integrationsprozesses seit der Übernahme der damaligen EWABO Chemikalien GmbH & Co. KG durch die französische AVRIL-Gruppe zum 1.1.2017.

Unter dem Motto „Der letzte Schritt ist vollendet, die Wurzeln sind geblieben“ kommuniziert THESEO Deutschland diesen neuen Auftritt. Die Beibehaltung des EWABO-Logos ist ein wichtiger Baustein, da sich das ehemalige Unternehmen in mehr als 40 Jahren Marktpräsenz und -erfahrung kundenseitig einen starken Vertrauensvorschuss aufgebaut hat. Durch den neuen Auftritt positioniert sich THESEO Deutschland innerhalb der THESEO-Business-Unit Biosecurity erkennbar stark. Für die Kunden ändert sich nichts. THESEO Deutschland wird auch weiterhin ein gewohnt zuverlässiger Partner in allen Fragen rund um das Thema Biosicherheit im AGRAR Bereich sein.

Quelle: THESEO Deutschland

Insekten als Futter für Nutztiere

Das Start-up FarmInsect hat eine Technologie entwickelt, mit der Insektenlarven als Proteinfutter gezüchtet werden können. Das von Absolventen der Technischen Universität München (TUM) gegründete Unternehmen will in wenigen Wochen eine Pilotanlage bei einem der größten Fischzucht-Betriebe in Bayern in Betrieb nehmen.

Die Unternehmensgründer von FarmInsect, Wolfgang Westermeier, Thomas Kühn und Andre Klöckner, entwickelten ein Prinzip der Kreislaufwirtschaft, wonach Reststoffe, die in der Region anfallen, etwa Ernte- oder Schälreste eines landwirtschaftlichen Betriebs oder Reststoffe der regionalen Lebensmittelindustrie, wie Biertreber oder Altbrot, genutzt werden können, um Insektenlarven zu mästen und zu verfüttern.

Seit Ende 2017 ist die Verwendung von Insektenmehl in der Aquakultur gesetzlich zugelassen. Eine Zulassung für die Geflügel- und Schweinemast wird für 2021 erwartet. Die Verfütterung lebender Insekten ist jedoch bereits heute für Hühner, Schweine und Fische erlaubt.

„Unser dezentrales Verfahren zur Insektenproduktion bietet die Möglichkeit, dass die Larven lebend verfüttert werden können, weil keine langen Transportwege anfallen. Dies stimuliert die Tiere, ihren natürlichen Trieb zu picken und zu wühlen besser auszuleben und fördert so das Tierwohl“, sagt Co-Gründer und Agrarwissenschaftler Wolfgang Westermeier.

Futter vor Ort aus regionalen Reststoffen erzeugen
FarmInsect liefert Anlagen zur Insektenzucht, die modular in die Infrastruktur jedes Tierzucht-Betriebs integriert werden können. „Das Schwierigste ist es, aus Eiern Junglarven zu machen“, meint FarmInsect-Geschäftsführer und Co-Gründer Thomas Kühn. FarmInsect züchtet die Junglarven der Schwarzen Soldatenfliege – eine besonders anspruchslose und robuste Insektenart – daher in einer eigenen Anlage und liefert sie regelmäßig und auf den jeweiligen Bedarf abgestimmt an die Betriebe.

In einer Woche Mast wachsen die Junglarven in einer Klimakammer zu 1,5 Zentimeter großen Larven heran und erhöhen ihr Gewicht um den Faktor 1.000. Die Betreibenden müssen zur Herstellung ihres Insekten-Futtermittels nur einen Mischtopf mit Biomasse füllen und die Klimakammer mit jungen Larven be- und mit ausgewachsenen Larven entladen. Dann können die Larven direkt an Nutztiere – derzeit hauptsächlich Fische, in Zukunft wohl auch Hühner oder Schweine – verfüttert werden.

Bei der Verwendung von regionalen Reststoffen als Futtermittel müssen die strengen Regeln des Futtermittelrechts beachtet werden. Eine besondere Herausforderung ist dabei die lückenlose Rückverfolgung ihrer Herkunft. „Um diese zu dokumentieren haben wir eine IT-Plattform entwickelt“, sagt Mitgründer Andre Klöckner, der für die technische Entwicklung und Programmierung verantwortlich ist.

Erste Larvenzucht im Labor des Lebensmitteltechnikums der TUM
Die Gründer sind ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Agrarwissenschaften, Elektro- und Informationstechnik sowie Wirtschaftswissenschaften, das sich über Projekte an der TUM kennengelernt hat. „Entscheidend für uns war, dass wir am Lebensmitteltechnikum der TUM in Weihenstephan Räume nutzen konnten, die für unsere erste Larvenzucht geeignet waren“, sagt Westermeier.

„Die TUM Gründungsberatung hat uns außerdem Kontakte in die Landwirtschaft, zum Hans Eisenmann-Forum und zu EIT-Food vermittelt“, sagt Kühn. So fand das Team auch zu Wilhelm Windisch, Professor für Tierernährung an der TUM, welcher das Start-up seither unterstützt. UnternehmerTUM, das Zentrum für Innovation und Gründung, hat dem Start-up zudem Kontakte zu Investoren und Kooperationspartnern vermittelt. Die zwei Gründer Kühn und Westermeier sind Absolventen des Manage & More Programms.

Pilotanlage in einem bayerischen Aquakultur-Betrieb
FarmInsect wird seit April 2020 vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium und der Europäischen Union (EU) im Rahmen des Programms „Europäische Innovationspartnerschaften“ gefördert. Im Sommer 2020 wurde das Start-up als eines der vielversprechendsten Food- und Agritech-Start-ups in Europa in das EIT Food Accelerator Network der EU aufgenommen.

In wenigen Wochen wird eine Pilotanlage bei einem der größten Aquakultur-Betriebe in Bayern in Betrieb genommen.

Quelle: Technische Universität München

Neue kostenlose Broschüre über die Schädigung des Darms bei Ileitis

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Trotz aller Verbesserungen in der Haltung und bei der Hygiene ist die Darmerkrankung Ileitis noch immer ein großes gesundheitliches und wirtschaftliches Problem in Schweinebetrieben. Der Erreger der Ileitis, Lawsonia intracellularis, ist in nahezu jedem deutschen Mastschweinebetrieb anzutreffen, da es kaum eine Chance auf Eliminierung gibt.

Boehringer Ingelheim möchte deshalb mit der aktuell entwickelten Broschüre „Überlassen Sie Lawsonien nicht die Kontrolle“ Wissen über die Darmerkrankung vermitteln und damit helfen, die Ileitis langfristig in den Griff zu bekommen. So ist alles rund um die Auswirkung der Erkrankung auf den Darm und dessen Mikrobiom nachzulesen, aber auch die Vorteile der oralen Schluckimpfung als wirksame Vorbeugungsmaßnahme werden erläutert. Ein Poster mit Informationen über die Wichtigkeit eines gesunden Darms ergänzt die Broschüre. Gegen Ileitis einfach über Trinkwasser oder Flüssigfutter impfen – informieren Sie sich!

Die kostenlose Broschüre ist ab sofort auf www.ileitis.de im Service Bereich erhältlich oder direkt bei Boehringer Ingelheim Vetmedica, vetservice@boehringer-ingelheim.com.

UFZ-Modelle im Einsatz gegen die Afrikanische Schweinepest

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Seit 10. September ist die ASP in Deutschland angekommen. Durch die konsequente Umsetzung der EU-Notfallstrategie lässt sie sich am ehesten stoppen, sagen UFZ-Forscher um Hans-Hermann Thulke. Ihre Modellierungen fließen ein in Bekämpfungspläne und eine mögliche Exit-Strategie.

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich seit 2007 von Georgien Richtung Westen aus und ist seit 10. September in Deutschland angekommen. Vor dem Hintergrund möglicher Milliardenschäden für die Landwirtschaft soll mit konsequentem Notfallmanagement verhindert werden, dass sich der tödliche Virus weiter ausbreitet und auf Hausschweine übertragen wird. Die EU-Kommission setzt hierfür auch auf Ergebnisse so genannter individuenbasierter Modelle, die am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) entwickelt werden. Seit dem Jahr 2010 beschäftigt sich eine Modellierergruppe um Dr. Hans-Hermann Thulke im Auftrag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) damit, die Wirksamkeit verschiedener Managementmaßnahmen zu prüfen, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Ihre Ergebnisse sind längst eingegangen in die EU-weiten Vorgaben und nationalen Verordnungen. Und auch das Handlungsprotokoll, das derzeit in Brandenburg umgesetzt wird und das auch andere Bundesländer wie etwa Sachsen realisieren wollen, greift diese Erkenntnisse auf. Ganz aktuell befassen sich die Wissenschaftler mit der Frage, wann ein von der Afrikanischen Schweinepest betroffenes Gebiet wieder als seuchenfrei einzustufen ist.

Während die Afrikanische Schweinepest Deutschland erreicht hat und die Behörden in Brandenburg derzeit dabei sind, Notfallmaßnahmen umzusetzen, forscht unser Team bereits mit Hochdruck an einer Exit-Strategie. Im Auftrag der EFSA gehen wir der Frage nach, anhand welcher Kriterien man sicher festlegen kann, ab wann eine Region, in der eine infizierte Wildschweinpopulation festgestellt wurde, wieder als seuchenfrei einzustufen ist. Das ist insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe in betroffenen Gebieten von großer wirtschaftlicher Bedeutung, um möglichst schnell wieder Zugang zum internationalen Schweinefleischmarkt zu erlangen.

Doch wie stellt man sicher fest, dass es wirklich keine aktive Infektion unter den Wildschweinen in einem Gebiet gibt? Wissenschaftlich gesicherte Antworten darauf zu geben, ist nicht so einfach, wie es scheint. Zum einen wissen wir, dass diagnostische Tests immer nur eine Stichprobe aus der tatsächlichen Situation repräsentieren. Zum anderen sehen wir, dass durch die behördliche Umsetzung der Maßnahmen die Krankheit mehr und mehr verschwindet und schließlich sämtliche Testergebnisse negativ sind, so wie es derzeit in der Tschechischen Republik und in Belgien der Fall ist. Darf man in dieser Situation sagen, eine Region oder ein EU-Mitgliedsstaat ist frei von Afrikanischer Schweinepest? Und dürfen diese Regionen oder Staaten wieder am Welthandel teilnehmen, so wie es die Weltorganisation für Tiergesundheit vorgibt? Unsere spontane Antwort darauf wäre Jein.

Wenn man lange genug negative Testergebnisse unter Wildschweinen hat, steigt das Sicherheitsgefühl, dass es tatsächlich keine erkrankten Exemplare mehr gibt. Dieses Gefühl lässt sich mathematisch quantifizieren: Durch hundertfache Simulationen eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest auf dem virtuellen Experimentierfeld unseres ökologischen Modells können wir nachvollziehen, wie sich die Zahl der erkrankten Wildschweine im Verlauf der Bekämpfungsmaßnahmen verändert und ab wann Tests an Tieren in einem Gebiet tatsächlich nur noch negative Ergebnisse liefern müssen – das Gebiet also frei von der Krankheit ist. Wie wichtig das ist, zeigt der Fund eines infizierten Wildschweins in Estland, nachdem dort über Monate nur negative Testergebnisse festgestellt wurden. Bedeutet dieser Fund nun, dass erneut alle behördlichen Restriktions-Maßnahmen anlaufen müssen oder kann man analysieren, welche Rolle das Tier hatte und damit eventuell die Maßnahmen einschränken? Wie ist es möglich, dass nach einer so langen Zeit auf einmal ein Tier positiv getestet wird? Antworten auf diese Fragen wollen wir mit der Entwicklung der sogenannten Exit-Strategie für die Afrikanische Schweinepest geben. Dafür nutzen wir unser Modell, das verschiedene Szenarien in zeitliche Verlaufskurven der Ausbreitung übersetzt. Sie werden zeigen, wie lange die Krankheit noch zirkuliert und wann sie verschwunden ist.

Frühere Erkenntnisse aus ähnlichen Simulationen sind bereits als wichtige Komponenten in die EU-Notfallstrategie zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest aufgenommen worden, die die EFSA in den letzten Jahren erarbeitet hatte. Dazu gehören unter anderem Vorgaben zur Ausdehnung der drei Schutzzonen (Kernzone, Gefährdetes Gebiet, Pufferzone), zur benötigten jagdlichen Intensität oder zur Anzahl der zu beseitigenden Kadaver. Zusammen ergibt sich die EU-Notfallstrategie, mit der die Ausbreitung der Seuche am ehesten zu stoppen ist. Dass das tatsächlich möglich ist, zeigen die Erfahrungen in der Tschechischen Republik und in Belgien. Im Gegenzug demonstriert der aktuelle Stand in Westpolen, dass es unumgänglich ist, Hausschweinebetriebe besonders strikt zu schützen und vor allem Wildschweine im direkten Umfeld des Eintrags konsequent zu reduzieren.
In Bezug auf die Situation in Deutschland zeigten unsere Analysen aber auch, dass sich die Krankheit gerade jetzt in den Monaten August und September mit mehr als 4 km/Monat deutlich schneller ausbreitet als im Frühling und Frühsommer mit weniger als 2 km/Monat. Ein möglicher Grund ist, dass die Wildscheinrotten ihre Bewegungsmuster an die durch agrarische Nutzung veränderte Landschaft anpassen. Es ist also, trotz aller Probleme, aus Sicht der Seuchenbekämpfung durchaus sinnvoll, wenn die Behörden in Brandenburg im gesamten Gefährdeten Gebiet ein Ernteverbot aussprechen. In diesem Sinne heißt es also, die jetzt angeordneten Maßnahmen möglichst strikt umsetzen, um die Afrikanische Schweinepest zeitnah zu bezwingen.

Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ

Ceva Pressekonferenz: Atemwegsgesundheit beim Schwein

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Kürzlich fand eine Pressekonferenz der Ceva Tiergesundheit zum Thema Atemwegsgesundheit bei Schweinen statt. Verschiedene Themen wurden angesprochen, von denen wir hier die Wichtigsten vorstellen:

Ceva Lung Program – Aktuelle Erkenntnisse
Seit einigen Monaten gibt es Corona-bedingte Schlachthof-Schließungen und neue Sicherheitsbedingungen am Schlachthof. Das bekannte Schlachtlungenscoring am Schlachtband war nur noch vereinzelnd möglich. Die Ceva Tiergesundheit hat sich in dieser Zeit überlegt, wie sie den Service für die Schweinehalter aufrechterhalten kann. Die Lösung sind nun Schlachtlungen Scorings in Sektionsräumen. Dafür werden von der gewünschten Schlachtpartie circa 30 Lungen vom Schlachthof zum Scoring zur Verfügung gestellt, können dann in ruhiger Atmosphäre nach der Methodik des Ceva Lung Programs gescort und direkt in die Ceva Lung Program App eingetragen werden. Insgesamt konnten so schon circa 60 Scorings durchgeführt werden. Mit dem Ceva Lung Program (CLP) können am Schlachthof Atemwegserkrankungen erkannt und genau nach Schweregrad beurteilt werden. Der Fokus liegt hier auf den beiden Erregern Mykoplasmen und APP. So können mit dem anschließenden anschaulichen Ceva Lung Program Report die durchgeführten Ferkel-Schutzimpfungen bewertet werden.

Influenza – Aktuelle Erkenntnisse
Influenza A Viren zählen zu den wichtigsten Krankheitserregern in den Schweinebeständen, wobei die einhergehenden Krankheitsbilder sich sehr unterschiedlich darstellen können. Die „klassische“ Influenza geht mit hohen Erkrankungsraten auf den Beständen, hochgradigen Atemwegssymptomen, wie Husten, Nasenausfluss, pumpender Atmung, Inappetenz und hohem Fieber einher. Nach fünf bis sieben Tagen klingen die Symptome ab. Daneben zeigt sich die persistierende „endemische“ Form mit ähnlichen, allerdings unterschwelligeren Symptomen. Zusätzlich können in beiden Fällen auch Reproduktionsstörungen auftreten. Diese Erkrankungsformen werden durch die Virus-Subtypen H1N1, H1N2 und H3N2 hervorgerufen, welche schon lange in den europäischen Schweinepopulationen kursieren und ganzjährig auftreten können (1).

Im Jahr 2009 ist durch die Vermischung des Erbgutes europäischer und nordamerikanischer Influenzaviren ein neuer Subtyp entstanden: das pandemische H1N1 Virus. „Pandemisch“ steht für das Länder- und Kontinent-übergreifende Vorkommen. Mittlerweile ist dieses Virus, welches sich sehr leicht von Schwein zu Schwein, aber auch von Mensch zu Schwein und umgekehrt, verbreitet, in vielen Ländern ganzjährig zu finden. Die ersten Nachweise in Deutschland gelangen schon 2010. Dabei sind die Symptome deutlich unspezifischer und weniger „Influenza-typisch“ als bei den schon lange bekannten Subtypen. In vielen Fällen erkranken die Tiere parallel in den einzelnen Produktionseinheiten; dabei kann der Ausprägungsgrad der Symptome von ganz schwach bis sehr stark variieren. Fieber kann auftreten, muss aber nicht. Zum Teil gibt es Atemwegsprobleme wie Husten, Schniefen, Pumpen. In vielen Fällen treten auch Reproduktionstörungen(2) auf. Diese reichen von gering gestiegenen Umrauschquoten bis hin zu etlichen Aborten oder vermehrt totgeborenen Ferkeln. Auch plötzliche Todesfälle bei den Sauen können auftreten.

Influenzatypisch ist die erhöhte Infektanfälligkeit der Tiere gegenüber anderen Krankheitserregern. So können zum Beispiel in einer mit pandemischen Influenzaviren infizierten Ferkelaufzucht vermehrte Streptokokken- oder Glaesserella parasuis-Infektionen beobachtet werden.

Eine überstandene Infektion mit pandemischen Influenzaviren hinterlässt bei den betroffenen Tieren keine belastbare Immunität, das heißt, sie können immer wieder erkranken. Somit hält sich das häufig unterschwellige Krankheitsgeschehen über viele Monate auf den Betrieben und in den einzelnen Produktionseinheiten treten immer wieder Tiere mit Krankheitssymptomen auf.

Im Rahmen der Influenzaprophylaxe ist die Impfung sowohl gegen die “klassischen” als auch „pandemischen“ Influenzaviren ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der Schweinegesundheit und einer positiven ökonomischen Bilanz für den Landwirt.

(1)Henritzi, Dinah: Epidemiology of swine influenza viruses in Europe. Surveillance
of domestic pig populations in several European countries 2015 – 2017. Hannover 2018.
Tierärztliche Hoochschule Hannover.

(2)S. Gumbert et al, Porc Health Manag 6, 4 (2020): Reproductive performance of pandemic influenza A virus infected sow herds before and after implementation of a vaccine against the influenza A (H1N1)pdm09 virus

Quelle: Der Hoftierarzt / Ceva Tiergesundheit GmbH

Pressekonferenz Kaesler Nutrition: Aromatisierte Futtermittel für weniger Stress

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Schweine sind neugierig, intelligent und sie haben eine exzellente Nase. Diese Fähigkeiten lassen sich gerade in Stressphasen nutzen, um hohe Tageszunahmen zu erreichen. Aromastoffe sind bereits ein etabliertes Mittel zur Steigerung der Futteraufnahme bei Schweinen. Gerade in Stressphasen der Ferkel entwickeln sie ihre größten Potenziale. Dies bestätigen aktuelle Untersuchungen der Hochschule Osnabrück, so das Unternehmen Kaesler Nutrition kürzlich auf einer Pressekonferenz.

In den ersten Lebenstagen führen hohe Tageszunahmen zu vitaleren und fitteren Tieren in der gesamten Mast. In dieser kritischen Phase kommt es für die Tiere aber zwangsläufig zu Stresssituationen, wie bei der Trennung von der Sau und den Wurfgeschwistern, dem Umstallen oder beim Transport. Die Folge ist häufig eine verminderte Futteraufnahme. Dabei geht es gerade jetzt darum, den Bedarf an Nährstoffen zu decken, das Immunsystem aufrecht zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Wenn hier bei den Schweinen die notwendige Nährstoffversorgung sichergestellt ist, nimmt dies positiven Einfluss auf Tiergesundheit und Betriebswirtschaftlichkeit.

Verschiedene Studien zeigen, dass Schweine sich gut an Gerüche und Geschmack erinnern können und sie Präferenzen für Aromen entwickeln. Lässt man ihnen die Wahl, bevorzugen sie fruchtige Aromen oder Futter mit einem Vanillegeschmack. Und sie wissen genau, an welcher Stelle im Stall es das leckere Futter gab. Stallt man sie um, bevorzugen sie das Futter, an das sie sich positiv erinnern.

Junge Ferkel lernen den Übergang von der flüssigen Milch hin zu festem Futter nach dem trial-and-error Prinzip. Der Geruch ist dabei ein wichtiger Indikator, um „gutes“ Futter von „giftigem“ zu unterscheiden. Aromen erleichtern jungen Ferkeln nicht nur den Übergang zu festem Futter, sondern helfen ihnen auch in Stresssituationen. Die positive Erinnerung an ihr Futter senkt das Stresslevel. Damit steht mehr Energie für den Fleischansatz zur Verfügung, was zu besseren Tageszunahmen führt.

In einem aktuellen Versuch der Hochschule Osnabrück bekamen Ferkel über die gesamte Aufzuchtphase ihr Futter mit dem gleichen Frucht-Vanille Aroma. Das gleiche Aroma wurde in der Anfangsmast für sieben Tage gegeben. Die Tiere hatten in den ersten sieben Tagen nach dem Umstallen signifikant höhere Zunahmen als die Tiere aus dem gleichen Stall, die ein Futter ohne Aroma bekamen. Entscheidend waren die Schmackhaftigkeit des Futters und eine entsprechend lange Gewöhnung, damit es zu einer Wiedererkennung kommt.

Neben der eigenen aktiven Prägung auf einen Geruch kann dies auch bereits passiv über das Muttertier erfolgen. Dieses Phänomen ist vor allem für pflanzliche Substanzen bekannt. In einem aktuellen Versuch konnte gezeigt werden, dass Ferkel, deren Müttern ein Kräuterprodukt (Spicemaster GH 512) zugefüttert wurde, nach dem Absetzen dieses Futter bevorzugen.Sie erzielten direkt in den ersten kritischen 14 Tagen höhere Tageszunahmen. Dabei zeigten die Ferkel während der gesamten Absetzphase deutlich weniger Aggressionen.

Die Forscher interpretieren dass als ein Zeichen für ein reduziertes Stresslevel.Geruch und Geschmack durch optimierte Aromen und Kräuter sind damit entscheidend für einen stressfreien Übergang, ist Kaesler Nutrition überzeugt. Die Tiere erinnern sich an das Futter, haben weniger Stress und können die Nährstoffe optimal in höhere Tageszunahmen umsetzen.

Quelle: Der Hoftierarzt / Kaesler Nutrition GmbH

„AutoWohl“: Automatisierte Erfassung von Tierwohlindikatoren beim Geflügel #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 6

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Dr. Birgit Spindler, Geflügelspezialistin am ITTN der TiHo, hielt auf der Tierschutztagung 2020 einen Vortrag über das Forschungsprojekt „AutoWohl“, zur kameragestützten Erfassung von Fuß-, Bein- und Brustverletzungen beim Geflügel.

Automatisierte Systeme sollen, vor allem am Schlachthof, objektiv bewerten, möglichst alle Tiere einer Herde erfassen und den personellen Aufwand reduzieren. Insbesondere die Standardisierung der Schlachthofbefunde sei wichtig, sagte Frau Dr. Spindler gleich zu Beginn. Zwar sei die Betrachtung am Schlachthof immer retrospektiv, könne aber betriebsindividuelle Probleme aufzeigen, dazu beitragen die Situation dort zu verbessern und ermögliche außerdem den Vergleich mit anderen Betrieben.

Wünschenswert sei, dass visuelle Bewertungen durch Fachleute vergleichbare Ergebnisse zu kamerabasierten Systemen am Schlachthof liefern sowie valide und wiederholbare Ergebnisse produzieren. Eine regelmäßige Überprüfung der Technik (Verschmutzung, Lichtverhältnisse) sei deshalb unerlässlich.

Bei Masthühnern und Puten sei bereits ein kameragestütztes System zur Erfassung und Bewertung der Fußballengesundheit etabliert und seit einiger Zeit gäbe es auch Erfahrungen mit Fersenhöckerveränderungen bei Masthühnern (Hock Burn, HB).

Die sog. „Foot Pad Dermatitis (FPD)“ kommt bei Masthühnern und Puten sehr häufig vor. Viele große Schlachthöfe in Deutschland nutzen bereits ein Kamerasystem zur Bewertung und der QS-Leitfaden fordert dies sogar, ab einer Schlachtkapazität von 500 Tieren pro Stunde. Bei Puten ist GKP als Benchmarking-System etabliert.

Im Prinzip wird immer eine Referenzfläche, die den Fußballen repräsentieren soll, per Kamera erfasst und der prozentuale Anteil der Veränderungen nach verschiedenen Schweregraden bewertet. Von über 90% der Tiere einer Herde wird üblicherweise ein Fuß des Fußpaares bonitiert (erkennt das System den ersten Fuß nicht, weil er etwa schief eingehängt ist, weicht es auf den zweiten Fuß aus).

Das Projekt „AutoWohl“ hatte zum Ziel die vorhandenen Systeme zu validieren und zu optimieren. Dazu wurden die Ergebnisse der automatischen, mit denen der manuellen Beurteilung verglichen. Anschließend wurden Schwere und Tiefe der Läsionen histologisch ermittelt. Bei Puten gab es ca. 40% Abweichungen um eine, bei ca. 6% um mehr als eine Note.

Oft unterschätzte das System die Schweregrade, weil kleine, dunkle Veränderungen nicht erkannt wurden, was sich allerdings per Software-Anpassung minimieren lässt. Schwierig ist die genaue Abgrenzung des Mittelfußballens als Referenzfläche, die häufig als zu groß erfasst wird. Eine regelmäßige Validierung und Wartung des Systems sei deshalb unabdingbar, riet Birgit Spindler.

Die Histologie zeigte, dass bei Masthühnern ab Boniturnote 2 mit 57,5% die höchste Wahrscheinlichkeit eine Ulzeration zu finden vorlag. Ab Note 3 wurden nahezu 100% Ulzerationen gefunden. Bei den Puten hatten über 50% der mit 1 bonitierten Fußballen Geschwürbildungen, ab Note 2 waren es 100% (oftmals hochgradig).

HB Grad 1 – © TiHo Spindler

„Hock Burn“ oder Kontaktdermatitis am Fersenhöcker kommt vor allem bei Masthühnern vor, mit Prävalenzen teilweise über 80%. Es gibt aktuell keine rechtlichen Vorgaben für die Erfassung und nur einzelne Schlachthöfe setzen ein automatisiertes Erkennungssystem zur ein. Bei der kameragestützten Bewertung werden auch bei HB veränderte, dunkle Stellen in Relation zu einem Referenzbereich des Fersenhöckers gesetzt. Mit einem 5-stufigen Score können mehr als 90% einer Herde erfasst werden.

HB Grad 4 – © TiHo Spindler

Auch beim „Hock Burn“ sollten im Rahmen von „AutoWohl“ kameragestützte Systeme validiert und optimiert werden. Auch hier zeigten sich Unterschiede zwischen manueller und automatischer Erfassung, auch hier wurde der Referenzbereich teilweise sehr groß angesetzt und entsprechend niedrigere Prozentwerte an Läsionen registriert. Die manuell als schwerwiegend beurteilten Läsionen wurden auch histologisch als höhergradig eingestuft, aber auch optisch kleine Läsionen erwiesen sich bereits als Ulzerationen.

Bei Brusthautveränderungen der Pute liegt die Prävalenz in einem breiten Bereich zwischen 1,7% und 15,4 %. Hähne sind dabei öfter als Hennen von „Breast Buttons“ (nekrotischen Veränderungen der Brusthaut) und Brustblasen (flüssigkeitsgefüllte Umfangsvermehrungen) betroffen. „Breast Buttons“ kommen dabei wesentlich häufiger als Brustblasen vor.

Seit Anfang 2020 ist die Erfassung in Betrieben mit QS-Zertifikat Pflicht, allerdings gibt es bisher kein marktfähiges System zur automatischen Erfassung. Ein Prototyp Firma CLK erkannte zwar „Breast Buttons“ gut, lieferte aber bei Brustblasen noch keine befriedigenden Ergebnisse.

Ach zur automatischen Erfassung von Brustbeinschäden bei Legehennen existiert ein kameragestütztes System als Prototyp, dessen Zuverlässigkeit durch Beobachter-Abgleiche bestätigt werde konnte. Allerdings erkennt das System auch in diesem Fall i. d. R. weniger Schäden, als der Mensch.

Dr. Spindlers Fazit lautete, dass so am Schlachthof gewonnene Daten wertvolle Hinweise auf Tiergesundheit, Haltung und Management der jeweiligen Herde gäben, deren Rückmeldung an den Halter dann zu Verbesserungen beim Tierwohl beitrüge.

Beim Einsatz automatisierter Systeme am Schlachthof sollte deren Standort und die dortigen Lichtverhältnisse ein besonderes Augenmerk gelten. Regelmäßige Wartung und Kontrolle sowie ebenso regelmäßige Beurteiler-Abgleiche seien unabdingbar. Das gewählte Bonitur-Schema solle durch geschultes Personal dieselben Ergebnisse liefern.

Bei der Interpretation der Daten schließlich sei zu berücksichtigen, dass die System-Einstellungen betriebsindividuell vorgenommen werden können und so unterschiedliche Befundung zwischen Schlachthöfen vorkommen könnten. Für die Vergleichbarkeit zwischen Schlachthöfen sei eine Standardisierung der automatisierten Systeme daher zwingend erforderlich.

Ab sofort zum Download bereit: Der Hoftierarzt E-Magazin 4/2020

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Afrikanische Schweinepest jetzt auch in Deutschland

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Die afrikanische Schweinepest (ASP) ist nun doch nach Deutschland gekommen: In Brandenburg ist das Virus bei einem toten Wildschwein festgestellt worden. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald als nationales Referenzlabor hat den ASP-Verdacht mittlerweile bestätigt. Der Kadaver ist wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze im Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg gefunden worden, berichtet der NDR.

Obwohl an der Grenze zu Polen in der betroffenen Region bereits ein mobiler Zaun steht, um vor einwandernden Wildschweinen zu schützen – ein fester Schutzzaun ist in Planung, konnte die ASP Deutschland erreichen. Ein Krisenstab soll nun alle notwendigen Maßnahmen für die betroffene Region Kreis Spree-Neiße beschließen.

„Höchste Alarmbereitschaft“ in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen sind die zuständigen Behörden alarmiert. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Das ist eine schlechte Nachricht für unsere Schweine haltenden Betriebe. Wir sind in höchster Alarmbereitschaft und müssen nun noch wachsamer sein, um zu verhindern, dass sich die Afrikanische Schweinepest nach Niedersachsen ausbreitet.“ Gleichzeitig macht die Ministerin deutlich: „Niedersachsen ist auf den Ernstfall gut vorbereitet!“

Niedersachsen hat diverse Maßnahmen umgesetzt, um eine Einschleppung der ASP zu verhindern und im Fall eines Ausbruchs bestmöglich vorbereitet zu sein. Dazu gehört die Sensibilisierung von Schweinehaltern, Jägern, Viehhändlern und Transportunternehmen, unter anderem mit Merkblättern und Infoveranstaltungen. Auch regionale und landesweite Übungen werden regelmäßig durchgeführt, um die Abläufe bei einem Seuchenfall einzuüben und zu verbessern. Eine Arbeitsgruppe entwickelt die landesweite Bekämpfungs- und Prophylaxe-Strategie kontinuierlich weiter. Im Rahmen der Prävention hat außerdem die Reduktion der Schwarzwildbestände eine hohe Bedeutung, um die Infektionskette zu unterbrechen. Im abgelaufenen Jagdjahr 2019/2020 wurden in Niedersachsen deshalb erstmalig mehr als 70.000 Wildschweine erlegt. Die jagdrechtlichen Bestimmungen wurden für eine wirkungsvolle Prävention und eine effektive Seuchenbekämpfung angepasst Außerdem werden im Rahmen des niedersächsischen Wildschweinmonitorings erlegte Wildschweine und gefundenes Fallwild auf ASP untersucht. Die Veterinärbehörden wurden hierzu mit Probenmaterial ausgestattet, das an die Jäger weitergegeben wird. Die Jäger erhalten für ihre Mithilfe – bei der Prävention sowie im Ausbruchsfall – eine Aufwandsentschädigung für das Auffinden von toten Wildschweinen sowie für die vermehrte Bejagung des Schwarzwildes.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen für die rund 5.300 Schweine haltenden Betriebe in Niedersachsen, in deren Ställen etwa 8,3 Millionen Tiere stehen, lassen sich zum derzeitigen Zeitpunkt schwer abschätzen. Es besteht allerdings die berechtigte Sorge, dass bestimmte Drittländer außerhalb der EU aufgrund der erstmaligen Feststellung von ASP Handelsbeschränkungen für Schweinefleisch aus Deutschland verhängen.

In diesem Zusammenhang macht das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) darauf aufmerksam, dass die größte Gefahr für Wild- und Hausschweine vom Menschen selbst ausgeht. Deshalb ist es wichtig, keine fleischhaltigen Lebensmittel aus dem Ausland mitzubringen und Speisereste unbedingt nur in dafür vorgesehene Behälter zu entsorgen. Schweine haltende Betriebe müssen die Biosicherheitsmaßnahmen strikt einhalten.

Das ML weist zudem noch einmal darauf hin, dass für Transporteure Infoblätter in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen. Diese können unter folgendem Link heruntergeladen und gerne weiterverteilt werden:

Quelle: Der Hoftierarzt mit Material des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Isofluran-Betäubung von Ferkeln in der Praxis #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 5

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Inge Böhne, Fachtierärztin für Schweine, referierte in Hannover über die Isofluran-Betäubung von Ferkeln aus Sicht einer tierärztlichen Praxis. Ferkelerzeuger, die sich für diese Methode entschieden haben oder ihren Einsatz erwägen, sollten sich der Komplexität des Themas bewusst sein. Was im Einzelnen und vor allem zu beachten ist.

§ 2 der „Ferkelbetäubungssachkundeverordnung“ erlaubt es sachkundigen Personen die Betäubung von unter acht Tage alten Ferkeln bei der Kastration vorzunehmen. Anwärter müssen mindestens 18 Jahre alt, zuverlässig (in Niedersachsen ist ein Führungszeugnis erforderlich) und erfahren im Umgang mit Ferkeln sein, um für eine entsprechende Schulung zugelassen zu werden. Frau Böhne hob zusätzlich hervor, dass solide Kenntnisse der deutschen Sprache nötig seien, um den Schulungsinhalt zu verstehen.

Eine anerkannte Schulung besteht aus mindestens 12 Theoriestunden mit praktischer Unterweisung. Danach stehen eine schriftliche Multiple-Choice-Prüfung sowie eine mündliche Prüfung von anderthalb Stunden Dauer an (zwei Prüfer, davon ein Tierarzt).

Auf die bestandene Prüfung folgt eine Praxisphase mit Unterweisung durch einen Tierarzt/eine Tierärztin, die sich über 2 Monate erstreckt oder so lange, bis mindestens 200 Ferkel kastriert wurden. Die Verantwortung für die insgesamt fachgerechte Umsetzung der Kastrationen liegt während dieser Phase beim Tierarzt/der Tierärztin.

Im Anschluss an die Praxisphase steht eine praktische Prüfung (durch einen wirtschaftlich unabhängigen Tierarzt) an: Vorbereitung der Ferkel, Umgang mit den Geräten, Narkoseüberwachung, Reinigung und Desinfektion.

In der betrieblichen Praxis gilt dann im Rahmen der Dokumentationspflicht, die arbeitstägliche Aufzeichnung von Komplikationen bei der Narkose

– Wachzustände
– Störungen von Atmung, Herz-Kreislauf
– allergische Reaktionen
– Tod des Tieres während oder nach der Narkose
– Auslesen das Geräteaufzeichnungen (Anzahl und Datum der Anwendungen)
– Aufbewahrung für 3 Jahre

Im Rahmen der „Tierhalter-Arzneimittel-Anwendungs- und Nachweisverordnung“ müssen im Bestandbuch erfasst werden:

– Anzahl, Art und Identität der behandelten Tiere (Standort, sofern zur Identifikation erforderlich)
– Bezeichnung des angewendeten Arzneimittels
– Nummer des Anwendungs- und Abgabebelegs
– verabreichte Menge
– Datum
– Wartezeit
– Name des Anwenders

Für den eigentlichen Ablauf der Kastration unter Isofluran gilt u. a.:

– beim Aufbau des Inhalationsgerätes auf Umgebungstemperatur, Zu- und Abluft, Staubbelastung, Frischluftzufuhr (auch im Winter) achten
– Schmerzbehandlung mindestens 20 Minuten vor der geplanten Narkoseeinleitung
– Nach vorgegebener Inhalationszeit (70, besser 90 Sekunden) Narkosetiefe kontrollieren (bei festen Einleitungszeiten ggf. Ferkel entnehmen und neu einspannen)
– Reinigung und Desinfektion des Inhalationsgerätes (ebenso der Instrumente)

Die Referentin wies speziell darauf hin, dass Isofluran nur eine schwache analgetische Wirkung habe und deswegen eher die Gefahr zu flacher, als zu tiefer Narkose bestehe. Die Narkosetiefe reiche aus, wenn keine Reflexe und keine oder nur geringe Lautäußerungen und Abwehrbewegungen aufträten. Cornelia Schwennen habe allerdings schon 2015 eine Doktorarbeit an der TiHo vorgelegt, für die bei 1.156 Ferkeln die Narkosetiefe beobachtet wurde: nur 77% der Tiere zeigten hier eine ausreichende Narkosetiefe!

Nicht zuletzt müssen auch Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz beachtet werden:

Isofluran reizt die Atemwege, z. B. beim Befüllen des Verdampfers, die Raumluftbelastung ist lüftungsabhängig. Isofluran darf nicht von schwangeren oder stillenden Frauen angewandt werden und Männer, die Kinder zeugen wollen, sollten nicht unbedingt über einen längeren Zeitraum mit Isofluran arbeiten.