Interview mit ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke Teil 1: Hennen und Puten mit ungekürzten Schnäbeln

Herr Ripke: Legehennen werden heute in Deutschland bereits mit ungekürzten Schnäbeln eingestallt. Bei Puten ist das noch Zukunftsmusik. Sind einzelne Parameter von der einen auf die andere Tierart übertragbar?

Die freiwillige Vereinbarung von 2015 zwischen der Bundesregierung und dem ZDG zum Verzicht auf das Schnabelkürzen bei Legehennen ist erfolgreich und vollständig umgesetzt. Wir haben viel gelernt bei den Hennen: Es muss ein Top-Management geben, einen Top-Stall mit gutem Klima, mit guter Lichtsteuerung und bestem Futter. Und wir haben sogar eine bessere Junghenne nötig, die vital und ruhig in den Legehennenstall kommt.

Ein Beispiel nenne ich Ihnen mal: Da wir die Hennen im Stall beschäftigen müssen, zum Beispiel mit Luzerne oder Picksteinen oder Maissilage, haben wir jetzt schon die Möglichkeit, beim Junghennen-Aufzüchter und schon vorher in der Brüterei zu bestellen, welche Vorprägung die Junghennen mitbringen sollen, also die eben genannten Picksteine etc. Mit dieser Vorprägung können sie sich im Legehennenstall dann schnell an das gewöhnen, was sie aus der Aufzucht bereits kennen.

Bei Puten ist das ungleich schwieriger. Wir haben noch keine Lösung, wir arbeiten daran. In der genannten Vereinbarung mit dem BMEL haben wir bewusst nur von Putenhennen gesprochen, die Putenhähne haben wir bei der Absichtserklärung zunächst ausgenommen. Puten werden länger gehalten in der Mast als zum Beispiel Masthähnchen, die Tiere werden geschlechtsreif, die Hähne kriegen Testosteron in den Stoffwechsel und dann messen sie sich eben auch miteinander. Mit Hähnen können wir derzeit noch keine Fortschritte vermelden.

Bei Putenhennen hat man sogenannte „Modell- und Demonstrations-Betriebe“ geschaffen, und das sind inzwischen sehr viele, in denen von staatlicher Seite begleitet aufgestallt wird. Es werden in diesem Fall auch Hennen mit intakten Schnäbeln eingestallt und man schaut, wie weit man kommt. Wir haben vom FLI in Celle einen Bericht bekommen, der festgestellt hat, dass die Haltung von Puten mit intakten Schnäbeln im Moment unter akzeptablen Bedingungen nicht verantwortungsvoll umzusetzen ist. Weil es, auch bei Hennen, sobald Federpicken einmal ausbricht, sehr schnell zu sehr viel Leid und Blut kommt. Auch die Hennen picken immer weiter, gerade zum Ende der Mastdauer – das ist aus Tierschutzperspektive nicht hinzunehmen.

Es bleibt eine große Herausforderung, der wir uns auch in Zukunft stellen wollen. Es wird vor allem auch die Stalltechnik bei Puten angepasst werden müssen. Wir müssen auch, wie im Legehennenstall, die Möglichkeit der Verdunklung haben – nach tierärztlicher Indikation.

Können Betriebe nicht vielleicht mit Testabteilen und kleinen Gruppen Erfahrungen sammeln?

Wenn Sie 20 oder 30 Tiere absondern, ist deren Verhalten nicht übertragbar auf Ställe mit 3.000 oder 4.000 Tieren. Hier bieten die MuD-Betriebe den richtigen Weg, unter Praxisbedingungen Erfahrungen zu sammeln.

Dann bin ich aber auch wieder bei den Mehrkosten: Das kann ein Tierhalter aus eigener Tasche nicht tragen. Hier bedarf es der staatlichen Förderung, wie bei MuD praktiziert. Deswegen ist MuD für mich ein guter Weg, zumal alle Daten aus den einzelnen Betrieben deutschlandweit zusammengetragen werden sollen. Dann entsteht eine Kompetenz-Datenbank und die soll am Ende ja in ein Bundeskompetenz-Zentrum Geflügel münden, das jedem Geflügelhalter Zugriff gewährt.

Trauen Sie sich einen Zeithorizont für eine Umstellung zu benennen?

Nein. Überhaupt nicht. Wenn ich den FLI-Bericht sehe, der nicht veröffentlicht, aber sehr realistisch ist, traue ich mich nicht, ein Enddatum zu nennen. Das heißt jetzt nicht, dass ich sage: Es wird nichts, und wir machen einfach weiter wie gehabt. Wir wollen eine Lösung! Und es werden jetzt ja auch, vom Bund gefördert, Ställe der Zukunft gebaut und auch sogenannte Experimentierställe in wissenschaftlichen Einrichtungen. Wir werden nicht gleich mit Puten beginnen, aber auch zu Puten werden mehr und mehr Versuche gemacht. Aber es wird noch Jahre dauern.

Puten sind vom Naturell her eben etwas anders gestrickt als Legehennen und wir haben auch Hinweise aus Versuchen, die sich um die Besatzdichte gedreht haben. Die vermeintlichen NGO-Patentrezepte tragen überhaupt nicht, wir haben bei Reduzierung der Besatzdichte (nach dem Tierschutzplan Niedersachsen) bei den Hähnen höhere Aggressivität festgestellt. Mehr Platz zum Kämpfen sozusagen.

Nur Hennen einstallen und einen neuen „Bruderhahn“ wollen wir aber auch nicht oder?

Da würden wir auch gegen den Markt arbeiten. In Deutschland hat sich doch die Hahnenmast bei Puten sehr stark entwickelt, weil Schlachter und Verarbeiter besser damit umgehen können, die Ausbeute ist höher – gerade wenn viel Brustfleisch nachgefragt wird. Hier spielen natürlich Verbraucherwünsche eine Rolle. Uns liegt aber viel daran, auch die Hennenmast zu erhalten! Dazu braucht es aber Gespräche mit der gesamten Kette, bis hin zum LEH. Im Moment werden ja viele Hennenküken ins osteuropäische Ausland, zum Beispiel nach Polen verkauft, weil dort die Hennenmast verbreiteter ist.

Wir hatten hier einen Trend zur Hahnenmast und den müssen wir alle wieder ein bisschen umdrehen, denn: Wenn wir auf Schnabelbehandlung verzichten, werden wir es doch wohl bei Hennen eher hinkriegen als bei Hähnen. Also bedarf es da auch des Umdenkens in der gesamten Kette und beim Verbraucher.

Teil 2: Antibiotika (am 5.5.20)
Teil 3: Zukunft der Geflügelhaltung in Deutschland im E-Magazin „Geflügel Spezial“ (Sofort-Download hier)

Europäischer PRRS-Forschungspreis: Jetzt bewerben – Boehringer Ingelheim stellt drei Fördersummen zu je 25.000 Euro

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Boehringer Ingelheim unterstützt die anwendungsbezogene Forschung zur Bekämpfung der Schweinekrankheit PRRS (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom). Zu diesem Zweck lobt das Unternehmen in diesem Jahr zum 5. Mal den europäischen PRRS-Forschungspreis aus.

Boehringer Ingelheim stellt drei Fördersummen in Höhe von jeweils 25.000 Euro bereit. Das Unternehmen möchte Forschungsbeiträge finanzieren, die neue Daten sammeln und Erkenntnisse zu PRRS generieren. Ziel ist ein besseres Verständnis dieser verheerenden und kostenintensiven Krankheit sowie Lösungen für eine nachhaltige PRRS-Kontrolle zu finden.

Der europäische PRRS-Forschungspreis soll die Entwicklung praktischer Anwendungsstrategien zur PRRS-Kontrolle fördern sowie Forschende und TierärztInnen zu einem engeren Austausch ermutigen. Darüber hinaus möchte Boehringer Ingelheim Forschungsexzellenz belohnen.

Forschungsprojekte sind bis zum 1. Juli 2020 per E-Mail an paulina.hoerstermann@boehringer-ingelheim.com zu senden. Ein unabhängiger Prüfungsausschuss wird jeden Vorschlag im Hinblick auf seine Bedeutung, das Wirkungspotenzial in der Schweinebranche, die Originalität und Neuartigkeit sorgfältig begutachten. Die Mitglieder des Prüfungsausschusses sind anerkannte ExpertInnen der Schweinebranche aus Forschung und Praxis.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.prrs.de

Quelle: Boehringer Ingelheim

Tag des Versuchstiers: Schulungsplattform für Alternativmethoden zum Tierversuch online

Auf der Online-Plattform 3R-SMART finden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler detaillierte Videoanleitungen, mit denen sie neue Methoden erlernen können, Tierversuche in der Forschung zu reduzieren.

Um Tierversuche auf ein unerlässliches Maß zu reduzieren, entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit Methoden, die Versuche an Tieren ersetzen können. In einem Kooperationsprojekt haben Forscher des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) die Online-Plattform www.3r-smart.de entwickelt. Die Plattform soll die Alternativmethoden bekannter machen und Forscherinnen und Forschern helfen, sie zu lernen. Bisher stehen 17 Videos online. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Projektpartner sind die Philipps-Universität Marburg, BASF SE, die Berlin-Brandenburger Forschungsplattform BB3R an der Freien Universität Berlin sowie das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) am Bundesinstitut für Risikobewertung.

„Bevor Medikamente, Impfstoffe oder Implantate an Menschen getestet werden, müssen sie zunächst mehrere Testdurchläufe am Tier bestehen. Wir gehen davon aus, dass die Anzahl dieser Testdurchläufe in vielen Fällen reduziert werden könnte“, erklärt TiHo-Professor Dr. Bernhard Hiebl. Doch selbst, wenn ein Forscher-Team eine neue Ersatzmethode entwickelt hat, wird diese nicht automatisch überall angewandt. Forscherinnen und Forscher in anderen Laboren, die Tierversuche durchführen und sie ersetzen möchten, müssen zunächst über die neuen Methoden informiert werden und sie erlernen.

Hier setzt 3R-SMART an. „SMART“ steht für Schulungsplattform für Methodische Ansätze zur Reduktion von Tierversuchen. „3R“ steht für das 3R-Prinzip. Dessen Ziel ist es, Tierversuche durch alternative Methoden zu ersetzen (Replacement), die Zahl der Tiere für einen Versuch auf das unerlässliche Maß zu senken (Reduction) und den Versuchsaufbau so zu gestalten, dass die Versuchstiere möglichst wenig darunter leiden (Refinement).

Hiebl ist Koordinator des Projektes. Zu seinem Team gehören Christof Mrowietz und der Medienwissenschaftler Christian Nordmann. Sie haben die Plattform konzipiert und erstellt und die bisher verfügbaren Erklärvideos zu Alternativmethoden produziert. Zusätzlich zu den Videos finden sich immer die Publikation, in der die Methode zum ersten Mal beschrieben wurde, und eine detaillierte Anleitung auf der Schulungsplattform.

Die einzelnen Module von 3R-SMART werden so aufgebaut, dass sie an die verschiedenen Bedürfnisse der Nutzer angepasst sind. „Die Zielgruppe besteht nicht nur aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – auch Studierende und das technische Personal an Hochschulen, in öffentlichen Forschungseinrichtungen und in der Industrie sollen die Plattform nutzen können“, so Hiebl. „Wenn alle europäischen Forscherinnen und Forscher auf professionelles Lernmaterial zu Ersatzmethoden zugreifen könnten, wäre das ein großer Schritt um zukünftig die Tierzahlen in Tierversuchen großflächig weiter zu reduzieren.“

Das 3R-Prinzip
Ziel des 3R-Prinzip ist es, Tierversuche durch alternative Methoden zu ersetzen (Replacement), die Zahl der Tiere für einen Versuch auf das unerlässliche Maß zu senken (Reduction) und den Versuchsaufbau so zu gestalten, dass die Versuchstiere möglichst wenig darunter leiden (Refinement).

www.3r-smart.de/
Quelle: TiHo

Bei der Impfung strategisch denken

Schutzimpfungen nehmen in der Geflügelproduktion einen hohen Stellenwert ein. Sie dienen der Prophylaxe und Bekämpfung von Infektions- und Zoonoseerregern sowie von Tierseuchen. Auch die europäische Gesetzgebung gibt der Krankheitsvorbeuge den Vorrang vor therapeutischen Behandlungen.

Wie Infektionsstudien des Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gezeigt haben, sind Hühner nicht für das neuartige Corona-Virus empfänglich. In der aktuellen Situation muss der Betriebsleiter die regulären Impfungen seiner Tierbestände sorgfältig planen, damit Impfteams die geplanten Impfungen auch unter Beachtung der Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen gegen SARS-CoV-2 korrekt durchführen können. Oft stehen aktuell auch weniger helfende Hände zur Verfügung als gewohnt.

Vom Tierhalter werden sehr hohe Erwartungen an die Gesunderhaltung seiner Tiere gestellt, entsprechend hoch sind auch die Erwartungen an die Impfung. Impfungen allein bieten allerdings nicht per se einen hundertprozentigen Schutz gegen Krankheiten. Der zu erzielende Impfschutz unterscheidet sich nach Tierart und Infektion. Aber auch Art und Weise der Impfung und Impfstoffapplikation haben einen Einfluss auf die Wirksamkeit.

Entscheidend ist es zudem, geeignete Impfstrategien anzuwenden. Auch müssen Geflügelherden auf ihre Impffähigkeit getestet werden. Eine Voraussetzung für einen erfolgreichen Impfschutz ist, dass die Tiere gesund und frei von Parasiten sind. Von Bedeutung ist auch der richtige Zeitpunkt der Impfung. Gegen frühe Infektionen werden bspw. schon die Küken im Ei geschützt.

Zusammenfassend gilt auch für den Impfschutz in Geflügelherden, dass Impfprophylaxe allein nicht ausreichend ist, Bestandsprobleme zu lösen. Weitere Faktoren wie Fütterung, Haltung, Hygiene und Biosicherheit müssen einer eingehenden Prüfung unterzogen werden.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Gemeinsam die Haltung von Gänsen verbessern

Vereinbarung unterzeichnet – Niedersachsen formuliert Mindestanforderungen

Die Haltung von Gänsen ist in Niedersachsen künftig mit Mindestanforderungen verknüpft. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten jetzt Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender des Landesverbandes der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW).

Dazu sagt Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Mit der Gänsehaltungsvereinbarung wird unser erfolgreicher ,niedersächsische Weg‘ fortgesetzt. Im gemeinsamen Dialog mit Tierhaltern und Tierschutzorganisationen, Wissenschaftlern und Behördenvertretern haben wir verbindliche Haltungsanforderungen zur Auslegung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erarbeitet. Die Vereinbarung ist auch ein klares Zeichen an die Verbraucherinnen und Verbraucher: Schauen Sie an der Ladentheke, wo ihr Produkt erzeugt wurde. Gänse aus Niedersachsen kann man mit gutem Gewissen kaufen!“

Friedrich-Otto Ripke ergänzt: „Die niedersächsische Geflügelwirtschaft zeigt auch mit ihren Gänsehaltern einmal mehr ein hohes Maß an Eigenverantwortung für mehr Tierschutz! Die niedersächsische Gänsehaltung geht damit weit über internationale und EU-Standards hinaus und hofft, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die heimische Herkunft beim Einkauf entsprechend würdigen.“

In der Gänsehaltungsvereinbarung werden unter anderem Anforderungen an die Sachkunde, eine regelmäßige Fortbildungsverpflichtung des Halters und konkrete Indikatoren für die Eigenkontrolle festgelegt. Anforderungen an Futter- und Wasserversorgung sowie die Unterbringung der Gänse werden ebenfalls verbindlich beschrieben. Zur Vorbeugung vor der so genannten Geflügelpest müssen die Betriebe künftig einen Tierseuchenkrisenplan vorhalten. Die zuständigen Veterinärämter werden die Einhaltung der Anforderungen kontrollieren.

Der Hintergrund:
Mit der so genannten Hähnchenvereinbarung war Niedersachsen bereits 1997 Vorreiter bei der Auslegung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Die Niedersächsische Putenvereinbarung war Basis für die so genannten Bundeseinheitlichen Eckwerte von 2013, die noch heute bundesweit einen Standard der Putenhaltung festlegen. Auch beim Wassergeflügel wurden in Niedersachsen mit den Moschusenten- und Pekingentenvereinbarungen bereits wichtige Regelungen in Bezug auf den Tierschutz festgelegt.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Regionale Zweinutzungshühner für den Öko-Landbau

Viele alte regionale Hühnerrassen in Deutschland sind vom Aussterben bedroht. Ihre Haltung ist selbst für Öko-Betriebe wirtschaftlich nicht tragfähig, weil der Markt dominiert ist von wenigen modernen Hochleistungsrassen, die speziell für das Eierlegen oder für die Fleischproduktion gezüchtet wurden. Zum damit verbundenen Verlust an biologischer Vielfalt kommt noch das ethische Problem des Tötens der männlichen Küken aus den Legelinien. Einen Ausweg aus diesem Dilemma sucht das neue Projekt „RegioHuhn“.

Im Rahmen des dreijährigen Projekts soll die Nutzbarkeit sechs lokaler und gefährdeter Hühnerrassen wie der Ostfriesischen Möwe oder dem Mechelner Huhn in der ökologischen Landwirtschaft untersucht werden. Mittels Kreuzungszucht sollen auf Basis dieser alten Rassen neue Zweinutzungshühner gezüchtet werden, die für eine auch wirtschaftlich tragfähige Haltung in einer regionalen landwirtschaftlichen Praxis geeignet sind. Auf diese Weise will das Friedrich-Loeffler-Institut für Nutztiergenetik in Mariensee (ING) gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL/BaySG Kitzingen), der Universität Bonn und der Fachberatung für Naturland einen neuen Weg für eine nachhaltigere regionale Geflügelproduktion aufzeigen.

Vielfalt regionaler Rassen erhalten – Nachhaltigkeit der Geflügelhaltung sichern
„Die Vielfalt lokaler Hühnerrassen kann am besten durch deren Nutzung erhalten werden“, betont Projektleiter Prof. Dr. Steffen Weigend vom Friedrich-Loeffler-Institut. Im Fokus der Untersuchungen stehen beim ING die lokalen Rassen Ostfriesische Möwen und Ramelsloher Huhn, beim LfL Kitzingen die Altsteirer und Augsburger und bei der Universität Bonn das Bielefelder Kennhuhn und die Mechelner. Private Züchter unterstützen das Projekt mit der Bereitstellung von Bruteiern.

Diese alten Hühnerrassen zeichnen sich vor allem durch ihre größere Robustheit aus, bleiben als traditionelle Zweinutzungshühner in der Leistung jedoch weit hinter den modernen Lege- und Mastlinien zurück. Durch Kreuzung mit Tieren aus Leistungszuchten sollen deshalb so genannte Gebrauchskreuzungen gefunden werden, die sowohl einer Legeleistungsprüfung als auch einer Mast- und Schlachtleistungsprüfung unterzogen werden.

Haltung und regionale Vermarktung in der Praxis erproben
„Wir hoffen Zweinutzungshühner zu finden, die sowohl eine gute Leistung bringen als auch einfach zu halten sind“, erläutert Werner Vogt-Kaute von der Fachberatung für Naturland. Um dabei den Praxisbezug des Projekts sicherzustellen, werden verschiedene Naturland Betriebe mit Geflügelhaltung und Direktvermarktung in das Projekt eingebunden. Die Naturland Betriebe sollen die Leistung der Tiere sowie die Vermarktung der Produkte mit Regionalbezug in der Praxis erproben.

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Pflanzlichen Phosphor im Tierfutter nutzbar machen

DBU gefördertes Umweltprojekt der TU Hamburg will heimische Futtermittel stärken
„Phosphor ist ein unverzichtbarer Nährstoff für Menschen, Tiere und Pflanzen. Nicht-Wiederkäuer, wie Schweine und Geflügel, können jedoch den in Pflanzen enthaltenen Phosphor zum Beispiel aus Getreide, kaum verdauen. Sie scheiden den größten Teil wieder aus, er landet mit dem Dünger auf dem Acker. Da viele Böden dadurch überversorgt sind, setzen Landwirte unter anderem ganz bewusst pflanzliche Futtermittel mit geringerem Phosphorgehalt ein, auch wenn diese nicht aus heimischem Anbau stammen“, sagt Dr. Susanne Wiese-Willmaring, DBU-Referentin für Lebensmittel. Die Technische Universität (TU) Hamburg will nun die Verdaulichkeit des Phosphors aus Getreidekleie für Nicht-Wiederkäuer verbessern. So soll die Umwelt entlastet und zugleich der Einsatz heimischer Futtermittel gefördert werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt fachlich und finanziell mit 636.000 Euro.

Eingeführte Futtermittel bevorzugt
Bisher werde oft auf heimische Futtermittel wie Kleie oder Rapsschrot verzichtet, weil diese einen hohen Anteil an pflanzlich gebundenem Phosphor enthielten, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Martin Kaltschmitt von der TU Hamburg. Der Anbau und die Einfuhr von Futteralternativen mit geringerem Phosphorgehalt belasteten aber die Umwelt. Zudem müsse der besser verdauliche, mineralische Phosphor, der weltweit nur noch in begrenzter Menge zur Verfügung steht, zugefüttert werden, um die Tiere optimal zu versorgen.

Phosphor aus Pflanzen
Wenn man nun zum Beispiel den in Kleie enthaltenen pflanzlichen Phosphor verwerten könnte, sei eine bedarfsgerechte Versorgung der Tiere auch bei Einsatz heimischer Futtermittel leichter sicherzustellen und der Anteil eingeführter Ware könne verringert werden. Gleichzeitig verringere sich die Menge an ungenutzt ausgeschiedenen pflanzlichen Phosphor. „Wir wollen am Beispiel der heimischen Kleie, die beim Verarbeiten von Getreide als Reststoff übrigbleibt, ein neues Verfahren entwickeln, das den pflanzlich gebundenen Phosphor für Nicht-Wiederkäuer verdaulich macht“, so Kaltschmitt. An diesem Projekt arbeiten vier Partner bestehend aus zwei Instituten der TU Hamburg (Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft sowie Institut für Technische Biokatalyse), dem Lehrstuhl für Biotechnologie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und dem Institut für Tierernährung der Stiftung Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover.

Enzyme bei der Arbeit
Zunächst solle dafür eine Analysemethode entwickelt werden, mit welcher der Gehalt und die Art der Phosphor-Verbindung sicher bestimmt werden könnten. Im Anschluss solle untersucht werden, welche Möglichkeiten es mittels chemisch-mechanischer Verfahren oder mit Hilfe von Enzymen gebe, um den pflanzlichen Phosphor in eine verdauliche Form zu bringen. Im Labor und in einer modellhaften Bioraffinerie sollen besonders vielversprechende Verfahrensansätze getestet und bewertet werden. Die Tierärztliche Hochschule werde die entwickelten Futtermittel im praktischen Einsatz prüfen und die Ausscheidungen der gefütterten Tiere vorher und nachher auf ihren Phosphor-Gehalt untersuchen. So solle ermittelt werden, ob sich die Phosphorausscheidung verringert.

Verfahren im größeren Maßstab
Erweise sich ein Verfahren aus umwelttechnischer und wirtschaftlicher Sicht als Erfolg versprechend, könne es in größerem Maßstab beim Verarbeiten von Getreide zum Einsatz kommen. So könnten bisherige Rückstände wie Kleie höherwertig genutzt und das Belasten der Ackerböden durch den Überschuss an nicht verwertetem Phosphor verringert werden. Zugleich würde im Sinne der Nachhaltigkeit der Einsatz heimischer Futtermittel gestärkt und der Bedarf an nur endlich verfügbarem, mineralischem Phosphor verringert.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

„SocialLab“ – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft

Was kritisieren große Teile der Gesellschaft an der heutigen Nutztierhaltung? Wie reagieren Landwirte auf Kritik und wie könnte die Situation verbessert werden? Diesen Fragen ging das „SocialLab“ auf den Grund und lud Verbraucher und Landwirte zur gemeinsamen Diskussion ein. Und tatsächlich: Einstellungen können sich ändern. Und zwar auf beiden Seiten!

Wir sprachen mit Dr. Inken Christoph-Schulz (Johann Heinrich von Thünen-Institut) über das spannende Projekt.

01:32 Projekt-Organisation
03:09 Zusammensetzung der Gesprächsrunden
05:44 Veränderte Einstellungen nach der Diskussion
08:28 Einsatz von Medikamenten im Nutztierstall
10:27 Wer bezahlt für Verbesserungen in der Nutztierhaltung?
14:59 Ist ein Konsens zur zukünftigen Nutztierhaltung möglich?
15:55 Zeitbedarf und Organisation des „SocialLab“
18:57 Wie geht es weiter im Projekt?

Weitere Informationen zum „SocialLab“ gibt es hier

Zoetis-Webinare jederzeit online aufrufbar und kostenfrei

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Zoetis bietet kostenfreie Weiterbildung via Internet zu verschiedenen Themen rund um Kuh und Kalb an. Das nächste Live-Webinar zur Digitalisierung findet am 16.4. ab 19 Uhr 30 statt. Weitere Themen sind jederzeit abrufbar und hier aufgelistet.

Corona-Krise stellt Geflügelwirtschaft vor große Herausforderungen

Zu Ostern: Versorgung mit Eiern und Geflügelfleisch sicher – Verfügbarkeit von Arbeitskräften bleibt drängendes Thema

Die Unternehmen der deutschen Geflügelwirtschaft haben in den vergangenen Wochen im Schulterschluss mit der gesamten Land- und Ernährungswirtschaft enorme Kraftanstrengungen unternommen, um die Versorgung der Menschen in Deutschland mit Geflügelfleisch und Eiern zu sichern. „Die deutsche Geflügelwirtschaft als systemrelevante Branche wird ihrem Versorgungsauftrag für Eier und Geflügelfleisch auch in der herausfordernden Corona-Situation in vollem Umfang gerecht“, sagt Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG). Die Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel sei in den vergangenen Wochen phasenweise erheblich gestiegen – es sei aber zu jeder Zeit gelungen, die Wünsche der Verbraucher zu erfüllen. „Auch zu Ostern bei traditionell starker Nachfrage nach Eiern gilt: Die Versorgung mit Eiern und Geflügelfleisch ist gesichert.“ Ein akut drängendes Thema bleibt jedoch die ausreichende Verfügbarkeit von Arbeitskräften für Eierpackstellen und Geflügelschlachtereien. Hier macht sich ZDG-Präsident Ripke beim Thema Freizügigkeit der Arbeitnehmer für ein koordiniertes Vorgehen auf EU-Ebene stark: „Unser Bekenntnis zu Europa gilt auch und gerade in Krisenzeiten. Wir müssen hier den Gemeinschaftsgedanken stärker leben und zu einem EU-weit gemeinschaftlichen Ansatz bei Regelungen für Berufspendler kommen.“

Branche drängt auf Ausnahme von Quarantänepflicht für Berufspendler
Eine deutliche Zuspitzung der ohnehin angespannten Situation befürchtet die Geflügelwirtschaft für das anstehende Osterfest, wenn in deutschen Unternehmen angestellte Berufspendler aus Polen, Tschechien oder Ungarn über die Feiertage zu ihren Familien in die Heimat wollen – und womöglich nicht ohne Weiteres zurück nach Deutschland dürfen, sollten die Heimatländer auf 14 Tage Quarantänepflicht bestehen. „Unsere Unternehmen fürchten um wichtige Arbeitskräfte. Hier muss Deutschland dem guten Beispiel von Österreich und Ungarn folgen und umgehend mit Polen, Tschechien und Ungarn eine Ausnahme der Quarantänepflicht für Berufspendler vereinbaren“, fordert Ripke mit Nachdruck eine zeitnahe, konstruktive Lösung. „Hier ist Eile geboten!“ Denn sollten diese Arbeitskräfte nicht mehr verfügbar sein, wäre die Produktion in Geflügelschlachtereien und Eierpackstellen nur unter großen Schwierigkeiten weiter aufrechtzuerhalten. In einem gemeinsamen Europa sind Menschen aus osteuropäischen Nachbarländern im Geflügelsektor seit Jahren als Fachkräfte bewährt.

Ripke: Nach der akuten Krise in detaillierte Systemanalyse eintreten
Insgesamt fühlt sich die Geflügelwirtschaft in ihren Herausforderungen während der Corona-Rise durch die deutsche Politik angemessen wahrgenommen, begleitet und unterstützt. „Wir dürfen zufrieden sein mit dem, was uns die Bundes- und Landeskrisenstäbe ermöglicht haben“, zieht Ripke eine vorsichtige erste Bilanz. In der Zeit nach der akuten Corona-Krise werde die Branche in eine detaillierte Systemanalyse eintreten. „Wir werden unsere Erfahrungen in und mit der Krise auswerten und mit Politik, Verbrauchern, Lebensmitteleinzelhandel und Gastronomie besprechen müssen. Es wird auch für uns heißen, Lehren aus dem Geschehen zu ziehen. Lebensmittel-Abhängigkeit von Importen gilt es sicher zu vermeiden und Billigangebote aus Drittländern bergen Risiken!“

„In unserer Branche ist jeder Einzelne systemrelevant – wir sagen Danke!“
Das anstehende Osterfest nimmt ZDG-Präsident Ripke zum Anlass, sich bei den vielen tausend engagierten Arbeitskräften der Branche für ihren enormen Einsatz in den vergangenen Wochen zu bedanken: „In einer systemrelevanten Branche ist jeder Einzelne mit seiner eigenen Arbeitsleistung systemrelevant. Wir sagen Danke! Für die vielen Überstunden, für den enormen Einsatz in den landwirtschaftlichen Betrieben, den Eierpackstellen und Geflügelschlachtereien. Dass zu Ostern die Versorgung mit Eiern und Geflügelfleisch gesichert ist, ist das Verdienst eines jeden einzelnen Mitglieds in der Kette.“

Quelle: ZDG