Aktuelles Interview: Junghennen – Worauf ist bei der Aufzucht zu achten?

Wie bei allen jungen Tieren gibt es auch bei der Aufzucht von Junghennen viele zu beachten, damit sich gesunde und leistungsfähige Junghennen entwickeln können. Was sich dabei bewährt hat und wie der Umzug in den Legebetrieb gut gelingen kann, erklärt Frau Dr. Birgit Spindler. Sie ist Fachtierärztin für Tierhygiene und Tierschutzkunde und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Frau Dr. Spindler, Sie empfehlen intensive Kommunikation und Abstimmung zwischen Junghennenaufzüchter und Legehennenhalter, schon bevor die Hennen den Besitzer wechseln.
Ja richtig. Gerade die Umstallungsphase bedeutet sehr viel Stress für die Tiere. Neben dem Einfangen, Verladen und dem Transport der Tiere, werden die Junghennen mit einem neuen Haltungssystem konfrontiert. In dem müssen sie sich erst einmal zurechtfinden. Da ist eine gute Abstimmung der Haltungsbedingungen und des Managements entscheidend, um den Stress so gering wie möglich zu halten. Das betrifft insbesondere das Fütterungskonzept, das Lichtregime sowie das Angebot von Beschäftigung. Aber auch die Tränktechnik ist nicht außer Acht zu lassen, um eine einwandfreie Wasseraufnahme nach Umstallung zu gewährleisten. Umso mehr die Tiere „alt Bekanntes“ wiedererkennen, umso stressfreier ist es.

Bereits in der Aufzucht sollen die Junghennen an die spätere Haltung gewöhnt werden: Also für Mobilstall andere Aufzucht als für Bodenhaltung? Und gleichzeitig muss man ja an die Eintagsküken denken. Wie geht das alles zusammen?
Auch wenn es für die Junghennenhaltung bisher in Deutschland noch keine konkreten rechtsverbindlichen Haltungsvorgaben gibt, wird zumindest rechtlich gefordert, dass die Junghennen an die spätere Haltung gewöhnt sein sollen. Und ganz richtig, hier sollten zumindest die Kernelemente einer Haltung bereits in der Junghennenaufzucht Berücksichtigung finden. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Junghennen, die später Zugang zum Freiland haben zumindest Zugang zu einem überdachten Auslauf haben sollten. Aus tierärztlicher Sicht muss dabei die Tiergesundheit im Auge behalten werden, so dass z.B. ein Zugang erst nach vollständiger Befiederung sinnvoll ist. Erst dann können die Tiere mit der Außenklimasituation zurechtkommen. Damit ändern sich die Haltungsanforderungen der Tiere mit zunehmendem Alter, immer unter Berücksichtigung der arteigenen Bedürfnisse und der späteren Haltung.

Was kann in der Junghennenaufzucht schon gegen Federpicken/Kannibalismus getan werden?
Grundsätzlich muss dazu die Junghennenaufzucht so stressfrei wie möglich gestaltet werden. Das bedeutet, dass man bereits ab dem ersten Lebenstag den Küken die Möglichkeit des Auslebens arteigener Verhaltensweisen gibt. Dazu gehört vor allem das Erkunden der Haltungsumwelt und das Ausführen von Nahrungssuch- und Futteraufnahmeverhalten. Aber auch der Zugang zu Sitzstangen und Staubbädern gehört zu einer verhaltensgerechten Unterbringung dazu, um nur einige Punkte zu nennen. Natürlich muss auch das Stallklima, die Lichtverhältnisse, die Futter- und Wasserversorgung ebenso wie ein ausreichendes Platzangebot altersentsprechend Berücksichtigung finden. Ein weiterer wesentlicher Faktor, der im späteren Leben der Legehenne entscheidend das Tierverhalten beeinflusst, ist eine gute Gewichtsentwicklung über die gesamte Haltungsperiode. Gerade bei untergewichtigen Tieren ist das Risiko des Auftretens von Verhaltensstörungen in der Legephase erhöht. Dem muss in der Aufzucht entgegengewirkt werden.

Welche Gruppengröße, Besatzdichte ist in der Aufzucht empfehlenswert?


Zum Weiterlesen, melden Sie sich hier einfach für den kostenfreien Empfang des zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Sie erhalten den Download Link zum E-Magazin mit diesem Artikel direkt nach Ihrer Anmeldung:

 

Prävention als Schlüsselfaktor in der Nutztierhaltung – Einigkeit auf dem Panel der #Expertise2021 von MSD Tiergesundheit

Neue Präventionsmöglichkeiten im Stall durch Data Intelligence
Zoonosen: Wie wir von der Covid-19- Pandemie lernen können

Unter dem Leitthema: „Mensch, Tier und Umwelt im Fokus: die Quadratur des Kreises für die Nutztierhaltung?“ diskutierten sechs Experten auf der Expertise 2021, einer virtuellen Fachkonferenz von MSD Tiergesundheit, am 07. Mai 2021 Zukunftsfragen der Nutztierhaltung. Um das Wohlergehen von Menschen, Tieren und Umwelt in Einklang zu bringen, bedarf es einer intensiveren Zusammenarbeit und einem stetigen Austausch zwischen der Human- und Tiermedizin, der Landwirtschaft sowie des Umweltschutzes. Besonderer Fokus sollte zudem auf die Prävention von Krankheiten in der Nutztierhaltung gelegt werden – das zeigt sich nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie.

Prävention als Schlüssel: Mit Digitalisierung vorbeugen
Prävention in der Nutztierhaltung ist ein Schlüsselfaktor, sind sich die Experten einig. Hier müsse grundlegendes Wissen vermittelt werden und dem Thema mehr Bedeutung zugewiesen werden. Prof. Dr. Lothar Kreienbrock, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, beschreibt Prävention als „Brot und Butter der Epidemiologie“. Durch konsequente Impfkonzepte können Krankheiten verhindert oder manchmal sogar ausgerottet werden. Tier-Monitoring und Data-Intelligence zur Früherkennung von Verhaltensauffälligkeiten, sind die Zukunft moderner Präventionsmaßnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben.

Durch Datengewinnung im Stall, lassen sich frühzeitig Rückschlüsse auf die Gesundheit der Tiere schließen. Damit können Krankheiten und Anomalien rechtzeitig erkannt und vermieden werden. Der Einsatz von Therapien und insbesondere Antibiotika lässt sich reduzieren, was wiederum auch Auswirkungen auf die Menschen hat. Darüber hinaus liegt es auch im ökonomischen Eigeninteresse der Landwirte die Tiere gesund zu erhalten, denn nur gesunde Tiere ermöglichen eine wirtschaftliche und nachhaltige Produktion.

Dr. Bernard Haidn von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erklärt: „Im Stall kann Digitalisierung sehr viel bewirken. Hier lassen sich zahlreiche Gesundheitsdaten der Tiere sammeln auf welchen wiederum Analysen aufbauen, die strategische Prävention ermöglichen.“ Dazu gehören verschiedenste Paramater, wie beispielsweise die Futteraufnahme oder die Tierbewegung. Mithilfe künstlicher Intelligenz kann man diese Parameter in Verbindung setzen, Prognosen treffen und dementsprechend Prävention leisten: „Digitalisierung kann somit helfen, Probleme im Stall rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“, so Dr. Haidn.

Dr. Leif Balz, bei der Schwarz Gruppe für die Themen Ernährung und Agrar verantwortlich, bringt die Perspektive des Lebensmitteleinzelhandels in die Runde. Für ihn erfolgt die Einflussnahme des Handels vor allem durch die großen Abnahmemengen. Zudem sieht er den Lebensmitteleinzelhandel in der Verantwortung Biodiversitätsstandards für seine Kunden und Kundinnen zu setzen: „Wir befinden uns in der Situation, dass wir mit unseren Kunden aber auch NGOs Anspruchsgruppen haben, die bei Themen der Tierhaltung ganz genau hinschauen. Gerade in Deutschland ist Tierwohl ein sehr sensibles und wichtiges Thema, unser Anspruch ist es, bestmögliches Tierwohl auch im Preiseinstieg sicherzustellen. Wenn wir Tierwohl verbessern wollen, brauchen wir Verbesserung in der Nutztierhaltung, hier haben wir den größten Hebel und können in der Breite Einfluss nehmen“, so Balz.

MSD: Human- und Tiermedizin unter einem Dach
Eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen der Tier- und Humanmedizin, hier waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion uneingeschränkt einig, ist für viele Aspekte wichtig. Doch aktuell herrsche hier noch Luft nach oben. „Die Interaktionen der verschiedenen Bereiche wurden zu lange ignoriert, es wurde zu linear gedacht“, so Prof. Dr. Lothar Kreienbrock, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Auch Dr. Andreas Palzer, Fachtierarzt für Schweine und Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte, betont, dass es einer Plattform bedarf, die einen zentralen und stetig aktuellen Austausch zwischen den Disziplinen auf Augenhöhe ermöglicht.

MSD leistet hier laut Dr. Klaus Schlüter, Medizinischer Direktor MSD, bereits einen wertvollen Beitrag zur Vernetzung des Human- und Tierbereichs: „MSD ist eines der wenigen Unternehmen, das in der Lage ist, unter einem Dach Arzneimittel und Impfstoffe für Tiere und für Menschen zu erforschen und zu entwickeln.“ Hier gebe es viel Erfahrungsaustausch und gemeinsame Entwicklungspotentiale – diesen Austausch möchte MSD weiterhin intensivieren. Klar ist für ihn, dass dies nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Unternehmens geschehen muss und das bereits bei der Ausbildung von Human- und Tiermedizinern.

Wie wir von der Pandemie lernen können
Covid-19 wirft ein besonders intensives Schlaglicht auf das Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt. Prof. Dr. Franz J. Conraths, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts und Leiter des Instituts für Epidemiologie ist überzeugt, dass es gerade vor dem Hintergrund dieser Pandemie wichtig sei, die verschiedenen Disziplinen zusammenzudenken: „60% der bekannten menschlichen Infektionskrankheiten sind zoonotischen Ursprungs. Wir müssen uns dieser Situation stellen und die Schuld nicht den Tieren zuweisen, sondern wir müssen uns überlegen, wie wir mit Tieren umgehen und mit der Umwelt, in der wir und die Tiere leben.“ Dazu gehöre auch die Frage nach den Ursachen und langfristige Präventions-Strategien, beispielsweise in dem man globale Mobilität kritischer in den Blick nimmt.

Die Tiermedizin trägt aktuell eine besondere Verantwortung für die Gesellschaft. Dies wurde jetzt, während der weltweiten Covid-19-Pandemie nochmal besonders deutlich. Nur ein ganzheitlicher Ansatz, der das Wohl von Menschen, Tieren und Natur als Einheit versteht, bringt langfristig Gesundheit auf allen Ebenen. Prävention ist wichtiger denn je: Krankheiten vorbeugen und Zoonosen verhindern durch Prävention und die Digitalisierung im Stall und im Haustierleben.

Die Panel-Teilnehmer im Überblick:

• Dr. Andreas Palzer (Fachtierarzt für Schweine, LMU- Dozent und Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte)
• Dr. Leif Balz (Hauptstadtrepräsentanz – Food & Agrar, Schwarz Gruppe)
• Dr. Bernard Haidn (Landwirtschaftsdirektor Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Landtechnik und Tierhaltung)
• Dr. Klaus Schlüter (Medizinischer Direktor, MSD)
• Prof. Dr. Lothar Kreienbrock (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover)
• Prof. Dr. Franz J. Conraths (Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Institut)

Quelle: MSD

Wie sieht die Rinderhaltung der Zukunft aus?

0

Verbundvorhaben InnoRind erarbeitet innovative Ansätze für die Rinderhaltung von morgen

Seit Mai 2021 fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Verbundvorhaben „InnoRind – zukunftsfähige Rinderhaltung in Deutschland unter Berücksichtigung von Tierwohl, Umweltwirkungen und gesellschaftlicher Akzeptanz“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen unter anderem die Aufzucht von Kälbern und Jungrindern und der Haltung von Mast- und Milchrindern. Unter der Leitung von Professor Georg Thaller von der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät wurden die Kompetenzen im Bereich der Nutztierhaltung in Deutschland in einem deutschlandweiten Innovationsnetzwerk zur Rinderhaltung gebündelt. Die Aufgabe des Netzwerks besteht darin den Status quo der deutschen Rinderhaltung zu ermitteln, um Verbesserungspotentiale zu erkennen und die Umsetzung der Verbesserungen auf den Versuchsbetrieben zu planen.

„Für uns ist es etwas Besonderes, ein Verbundprojekt dieser Größe und dieser Bedeutung im Bereich Tierwohl koordinieren zu dürfen. Mit zehn Projektpartnern und ihren Versuchsbetrieben wollen wir innovative Haltungs- und Managementkonzepte für den Kälber-, Mast- und Milchviehbereich entwerfen, die das Tierwohl auf zahlreichen Rinderbetrieben in Deutschland verbessern können. Gleichzeitig legen wir einen Schwerpunkt auf die Reduzierung von Emissionen und die gesellschaftliche Akzeptanz unserer Maßnahmen. Nur wenn der Verbraucher mitgenommen wird, können wir die Rinderhaltung auch für die nächsten Jahrzehnte nachhaltig und wettbewerbsfähig gestalten“, so Nadine Schnipkoweit, Koordinatorin des Projektes vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung.

Schwerpunktthemen des geplanten Innovationsnetzwerks sind unter anderem die kuhgebundene Kälberaufzucht, bei der die Kälber nicht von den Kühen getrennt werden. Auch auf neue Möglichkeiten der Vermarktung männlicher Reinzuchtkälber sind auf der Agenda. In spezialisierten Milchviehbetrieben sind die Aufzuchtmöglichkeiten begrenzt und bei sinkender Nachfrage nach Rindfleisch bevorzugen Mastbetriebe Kälber von Rassen, deren Zucht stärker auf Fleischleistungsmerkmale ausgerichtet ist. Dies hat geringere Erlöse für Reinzuchtkälber aus Milchrassen zur Folge.

Im nächsten Schritt sollen die im Netzwerk erarbeiteten Ansätze auf den Versuchsbetrieben erprobt werden, um anschließend direkt von landwirtschaftlichen Betrieben umgesetzt zu werden.

Über InnoRind
Für die Projektdauer von sechs Monaten stellt das BMEL rund 300.000 Euro für die zehn Projektpartner bereit, davon gehen 96.500 Euro an die CAU. Zusätzlich zu den Projektpartnern sind zehn Versuchsbetriebe eingebunden, die weitgehend die Hauptregionen der Rinderhaltung in Deutschland repräsentieren.
Projektpartnerpartner:
• Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
• Georg-August-Universität Göttingen (UniGö)
• Hochschule Rhein-Waal (HSRW)
• Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
• Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA MV)
• Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LK NRW)
• Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LK SH)
• Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) e.V.
• Thünen-Institut für Ökologischen Landbau (TI-OL)
• Thünen-Institut für Betriebswirtschaft (TI-BW)

Kompetenzzentrum Milch Schleswig-Holstein (KMSH)
Auch das Kompetenzzentrum Milch Schleswig-Holstein vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung der CAU Kiel ist beteiligt. Es stellt eine mittlerweile überregional bekannte Plattform für Forschung, Innovation und Technologietransfer rund um die Milch dar und garantiert einen schnellen Transfer von Projektergebnissen in die landwirtschaftliche Praxis. Als Schnittstelle zwischen Praxis, Wirtschaft und Wissenschaft hat es in den vergangenen Jahren mehrere große Verbundprojekte erfolgreich koordiniert.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Entwurf des neuen Tierarzneimittelgesetzes verschlechtert medizinische Versorgung vieler Tierarten

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) kritisiert den Entwurf des neuen TAMG scharf: „Der Entwurf steht in wichtigen Teilen im Widerspruch zu den Grundlagen des Tierschutzes. Tierärzt:innen wollen kranke Tiere bestmöglich behandeln – das neue Gesetz würde dies bei einigen Tierarten verhindern.“

Mit dem neuen Gesetz muss eine schon vor zwei Jahren erlassene EU-Verordnung umgesetzt werden, die schon im Januar 2022 in Kraft tritt. So werden alle Regelungen für Tierarzneimittel aus dem Arzneimittelgesetz gestrichen und in ein neues Tierarzneimittelgesetz überführt. In einem Schnellverfahren und ohne intensive Diskussion mit Tierärztlichen Verbänden will das Ministerium die Verordnung gerade noch fristgerecht umsetzen. „In diesem Schnellverfahren sind wichtige Aspekte zum Nachteil vieler Tierarten schlecht geregelt worden. Vor allem Tiere, die weder lebensmittelliefernde Nutztiere noch klassische Heimtiere sind, könnten nach dem neuen Gesetz oft nicht mehr auf dem Stand der Wissenschaft behandelt werden,“ ärgert sich Andreas Franzky, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.

So dürften beispielsweise Narkosemittel für bestimmte Zootiere wie Elefanten, Nashörner oder Zebras nicht mehr importiert werden. Das einzige wirksame Narkosemittel für diese Tiere wird nur in Südafrika hergestellt. Kann es nicht importiert werden, stünden die Tierärzte vor der Wahl entweder die Tiere nicht angemessen zu behandeln oder das Gesetz zu brechen. Eine Indikation zur Narkose könnte so ein Todesurteil für die betroffenen Tiere werden.

Auch für viele spezielle Heimtiere, von Schlangen über Papageien bis hin zu Zierfischen verschlechtert das Gesetz in der vorliegenden Fassung eine tierärztliche Versorgung. Gerade für die Behandlung von nicht alltäglichen Haustieren müssen Tierhalter:innen oftmals weite Strecken zu spezialisierten Fachtierärzt:innen in Kauf nehmen. Für die Fortsetzung einer Behandlung dürfen künftig keine Medikamente mehr an Tierhalter verschickt werden, eine ganz klare Benachteiligung für die erkrankten Tiere.
Verschlechtern wird sich auch die medizinische Versorgung von Tieren, die zwar grundsätzlich zu den lebensmittelliefernden Tieren gehören, aber letztlich nicht in den Lebesmittelkreislauf gelangen, da sie als Hobby- oder Haustiere gehalten und nicht geschlachtet werden. Nach dem neuen Entwurf dürfen dann nur die Medikamente eingesetzt werden, die für Lebensmittel liefernde Tiere zugelassen sind, dies trifft zum Beispiel das Ziergeflügel.

Weitere negative Auswirkungen sind beispielsweise für spezielle Tierarten zu erwarten, bei denen für Nutztiere zugelassenen Medikamente oft nicht wirksam sind.

Die TVT fordert die Politik auf, den Gesetzentwurf jetzt nicht im Eiltempo zu beschließen, sondern insbesondere unter Tierschutzgesichtspunkten ordentlich zu beraten. „Alle Tiere verdienen eine optimale Behandlung und dürfen nicht den Preis für das verspätete Handeln des Bundesministeriums bezahlen ,“ fordert Dr. Andreas Franzky.

Quele: TVT

Tierwohl in der Nutztierhaltung: Online-Umfrage gestartet

Forschungsprojekt will Interesse in der Bevölkerung für einzelne Tierwohlaspekte und für eine Berichterstattung erkunden

Die Frage, wie wir mit unseren Nutztieren umgehen, ist in der Öffentlichkeit sehr präsent und wird kontrovers diskutiert. Wie sollten die Haltungsbedingungen im Stall sein, können die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben, wie geht es Ihnen bei Transport und Schlachtung? Das Thema hat viele Facetten – doch welche Tierwohlaspekte sind der Bevölkerung besonders wichtig? Dazu soll eine Online-Umfrage Aufschluss geben, an der sich alle beteiligen können. Initiiert hat die Umfrage ein 25-köpfiges Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus acht deutschen Forschungseinrichtungen.

Die Umfrage wird im Rahmen des Projekts „Nationales Tierwohl-Monitoring (NaTiMon)“ durchgeführt, ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördertes Verbundprojekt, das vom Thünen-Institut in Braunschweig koordiniert wird. In dem Projekt werden die Grundlagen für ein regelmäßiges, indikatorengestütztes Tierwohl-Monitoring erarbeitet. Dieses soll eine fundierte und regelmäßige Berichterstattung über den Status quo und die Entwicklung des Tierwohls in der Nutztierhaltung ermöglichen, auf die sowohl die Politik und die Nutztierhalterinnen und -halter als auch die interessierte Öffentlichkeit zugreifen kann.

Dafür möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Stimmungsbild der Bevölkerung und der Praxis aus Landwirtschaft und Aquakultur einholen. In der ca. 10-minütigen Umfrage können die teilnehmenden Personen angeben, welche Bedeutung sie verschiedenen Tierwohl-Aspekten wie Tiergesundheit oder emotionales Befinden der Tiere beimessen. Gefragt wird auch, in welchen Intervallen eine Berichterstattung zum Tierwohl stattfinden sollte, welche Auswirkungen ein Monitoring hätte und in welcher Form sich die Teilnehmenden am liebsten über die Ergebnisse informieren würden.

Die Online-Umfrage ist bis Ende Juli 2021 unter diesem Zugangs-Link freigeschaltet. Weitere Informationen gibt die Projekt-Webseite.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Deutsche Geflügelwirtschaft fordert faire Marktpreise bei Produkten aus gentechnikfreier Fütterung

Im Vorfeld der morgigen Mitgliederversammlung des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG) macht die Deutsche Geflügelwirtschaft auf den massiven Kostendruck bei den Geflügel- und Eiererzeugern aufmerksam. Die Preise für gentechnikfreies Soja haben sich nahezu verdoppelt, was der gesamten Branche massiv zusetzt. Die Forderung lautet: Die deutlich gestiegenen Futterkosten müssen mit fairen Preisen ausgeglichen werden, um auch weiterhin Eier und Geflügelfleisch mit dem Label „Ohne Gentechnik“ anbieten zu können.

Bereits 2016 kam das Thünen-Institut in einer Stellungnahme für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu der Feststellung, dass nicht etwa eine knappe Verfügbarkeit das zentrale Problem sei, sondern vielmehr die Frage, wer für die höheren Kosten der gentechnikfreien Ware aufkomme.

Für Dr. Thomas Janning, Geschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) und der angeschlossenen Bundesverbände (Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger, Verband Deutscher Putenerzeuger, Bundesverband Ei), ist die Schmerzgrenze nun erreicht:

„Auf diesem Preisniveau ist eine Hähnchen-, Putenfleisch- und Eiererzeugung für ein Angebot gentechnikfreier Produkte nicht mehr zu leisten. Die Prämienaufschläge beim Einkauf von gentechnikfreiem Soja haben sich binnen eines Jahres nahezu verdreifacht. Viele unserer tausend Geflügelhalter sind in tiefer Sorge um ihre Existenz. Diese dramatische Situation beim Futter muss daher schnellstmöglich zu fairen Verbraucherpreisen für Geflügelfleisch und Eier ohne Gentechnik führen!“

Bereits seit Jahren bekennt sich die deutsche Geflügelwirtschaft zur gentechnikfreien Fütterung. Sie hat als erste Branche bei tierischen Produkten auf den Einsatz von nicht-gentechnisch verwendetem Soja gesetzt. Eier, Hähnchen- und Putenfleisch aus gentechnikfreier Fütterung sind anders als bei anderen tierischen Erzeugnissen heute Standard in deutschen Supermarktregalen. Der Marktanteil von „Ohne Gentechnik“-Produkten von heute 5,4 % resultiert ganz maßgeblich aus dem gentechnikfreien Angebot der Geflügelwirtschaft. Der Sektor der deutschen Geflügelwirtschaft stellt nach Milch die zweitgrößte Produktkategorie beim „Ohne Gentechnik“-Siegel.

Sorge um Versorgungssicherheit
Doch heute hat sich die Wettbewerbssituation der Geflügelwirtschaft mit ihrer konsequent umgesetzten „Ohne Gentechnik“-Strategie gegenüber anderen Fleischarten, die überwiegend keine gentechnikfreie Fütterung praktizieren, deutlich verschlechtert. Verbandsgeschäftsführer Janning appelliert:

„Die massiv gestiegenen Prämienaufschläge für gentechnikfreies Soja in der Mastgeflügel-und Legehennenfütterung müssen in der Wertschöpfungskette erwirtschaftet und von Handel sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern angemessen honoriert werden. Ohne faire Preise werden die großen Anstrengungen der deutschen Geflügelwirtschaft für ein gentechnikfreies Angebot unterlaufen und damit die Versorgung des Marktes mit derartigen Produkten in Frage gestellt.“

Quelle: ZDG

Weniger Emissionen und mehr Tierwohl: TiHo stellt Projekt auf der Woche der Umwelt vor

Forschende untersuchen, wie Schweine bedarfsgerechter und umweltschonender gefüttert werden können.

Schwein ist nicht gleich Schwein. Es gibt Tiere, die nehmen mehr Futter auf, als sie sollten, für andere wiederum ist das Futter nicht gehaltvoll genug für eine optimale Leistung. Dennoch orientiert sich die Fütterung bisher an einem „Durchschnittstier”. Das hat zur Folge, dass einige Schweine in der Mast nicht optimal gefüttert werden: Die Überversorgten setzen zu viel Fett an, die Unterversorgten wachsen langsamer. Mit dem Projekt RESAFE-Pig möchte eine Forschungsgruppe aus dem Institut für Tierernährung und der Klinik für kleine Klauentiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), der Firma Hölscher und Leuschner und des Instituts für Landtechnik der Universität Bonn das ändern. Ihr Ziel ist, die Schweine entsprechend ihres Typs zu erkennen und individueller als bisher zu füttern. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt stellen sie auf der Woche der Umwelt vor, zu der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die DBU am 10. und 11. Juni 2021 einladen. Eigentlich hätte die Veranstaltung im Park des Schloss Bellevue stattgefunden, coronabedingt kann die Woche der Umwelt jetzt ausschließlich online verfolgt werden. Auf dem Programm stehen Diskussionen und Gespräche zu wichtigen Zukunftsfragen. Eröffnen werden die Veranstaltung die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und der US-Sonderbeauftragte für Klimafragen, John Kerry.

Das Konzept von RESAFE-Pig
„Der Ansatz birgt ein ungemein großes Potenzial, Nährstoffe einzusparen und gleichzeitig Stickstoffemissionen zu verringern“, erklärt Professor Dr. Christian Visscher, Leiter des Instituts für Tierernährung, der das Projekt gemeinsam mit Professor Dr. Karl-Heinz Waldmann, Leiter der Klinik für kleine Klauentiere, leitet. Ein Mastschwein frisst während der Mastperiode 275 Kilogramm Futter. Darin enthalten sind etwa 7 Kilogramm reiner Stickstoff. Stickstoff befindet sich in allen Aminosäuren, die wiederum die Proteine bilden. Den Stickstoff, den die Schweine mit den Proteinen im Futter aufnehmen, setzen sie in Teilen in Körpersubstanz an. Eine zu große Menge wird aber wieder ausgeschieden. Er gelangt in die Gülle und damit in die Umwelt. „Um diese Ausscheidung zu verringern, möchten wir den tatsächlichen Bedarf möglichst tierindividuell ermitteln und die Fütterung der einzelnen Tiere darauf ausrichten“, erklärt Dr. Cornelia Schwennen aus dem Institut für Tierernährung der TiHo, „ein dickeres Schwein erhält in unserem Projekt deshalb mehr faserhaltiges Futter. Durch diesen höheren Faseranteil in der Ration stellt sich so bei den Tieren schneller ein Sättigungsgefühl ein, wodurch sie automatisch weniger fressen.“

Den Bedarf der Tiere ermittelt das Team, indem sie die Körperzusammensetzung beurteilen. Bisher war dies nur mit einer Ultraschall- oder einer computertomographischen Untersuchung möglich. Zukünftig möchten die Forschenden dafür im Stall 3D-Kameratechnik einsetzen. Dr. Bernd Reckels aus dem Institut für Tierernährung erklärt, wie das geht: „Die Tiere passieren im Stall eine Schleuse, in der die Tiere mit der 3D-Technik vermessen und gewogen werden. Eine Software erkennt das Schwein und sortiert es, seinem Typ entsprechend, einem Fressbereich zu.“

Das Konzept ermöglicht es, die Tiere in Großgruppen zu halten und gleichzeitig gezielt zu füttern. Wann und auch wie viel sie fressen, entscheiden die Tiere selbst. Sie können sich frei im Stall bewegen und wählen, ob sie sich im Ruhe-, Aktivitäts- oder Fressbereich aufhalten möchten. Zusätzlich ist der Stall ausgestattet mit vielen Beschäftigungsmöglichkeiten, wie beispielsweise einer Suhle, Bürsten und Kaumaterialien.

Visscher betont die Vorteile: „Da die Tiere nicht mehr zu große Mengen an Nährstoffen aufnehmen, gelangen weniger Stickstoffemissionen in die Umwelt. Zusätzlich werden Futterressourcen gespart und die Haltung verbessert.“ Um das Futter auf die verschiedenen Typen von Mastschweinen anzupassen, setzen die Forschenden einheimisch angebaute Faserquellen ein, sogenannte Ganz-Pflanzen-Silagen, die beispielsweise Getreide oder Mais enthalten. Das hat einen positiven Nebeneffekt: Die Faser führt zu einer langanhaltenden Sättigung der Schweine. Das bedeutet, dass sich mit einem höheren Faseranteil gleichzeitig die Höhe der Futteraufnahme reduziert, ohne dass sich das negativ auf das Tier auswirkt, sie also beispielsweise nicht hungrig sind. „Außerdem wird durch den Einsatz von Faser die Fermentation im Dickdarm gefördert und der überschüssige Stickstoff bakteriell gebunden, sodass dieser letztendlich nicht ungehindert in die Luft emittiert“, sagt Schwennen. Die Untersuchungen zeigen, dass die Emissionen durch den erhöhten Einsatz von Rohfasern in der Fütterungsration um bis zu 40 Prozent reduziert werden können.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannvoer

Umweltfreundliche Aquakultur als Methode gegen Überfischung DBU fördert Entwicklung eines neuen Reinigungs- und Filterverfahrens

Ein Drittel der Meeresfischbestände sind überfischt, im Mittelmeer sind es laut Weltgesundheitsorganisation mehr als 60 Prozent. Das Züchten von Meeresfischen wie Scholle oder Wolfsbarsch in sogenannten Aquakulturen in geschlossenen Kreislaufanlagen an Land soll die Überfischung abbremsen. Diese Systeme entlasten nach Ansicht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit die Nord- und Ostsee, da sie keine zusätzlichen Nährstoffe eintragen und die Fischbestände im Meer schonen. Ein entscheidendes Problem: Nitratgehalte in solchen Anlagen sind oft recht hoch, das Wasser muss daher kontinuierlich gereinigt werden. Doch eine Lösung scheint in Sicht. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert die Entwicklung einer solchen Technik fachlich und finanziell in Höhe von rund 395.000 Euro.

Aquakultur an Land statt Überfischung
Das Unternehmen Aqua-Schwarz mit Sitz in Göttingen hat das Verfahren zusammen mit seinen Kooperationspartnern entwickelt. Es soll helfen, künftig Nitrat biologisch zu entfernen. Mittels einer Membran werden Bakterien, Parasiten und andere Mikropartikel beseitigt. „Unsere Art, Nahrungsmittel – und damit auch Fisch – zu erzeugen, muss nachhaltiger werden“, sagt Franz-Peter Heidenreich, DBU-Referatsleiter für Kreislaufführung und Bautechnik. Eine Möglichkeit dazu seien Aquakulturen mit großen Becken in geschlossenen Kreislaufsystemen an Land. Heidenreich: „Das Wasser in den Becken wird gereinigt und im Kreislauf geführt, um etwa Kot und Futterreste zu entfernen.“ Es gelangen nach Heidenreichs Worten so „deutlich weniger Nähr- und Schadstoffe in Gewässer, als bei Fischzuchten in offenen Gewässern“. Die Herausforderung: Bisher können nur Süßwasserfische, Algen und Krebstiere auf diese Weise gehalten werden. „In den Anlagen ist der Nitratgehalt deutlich höher als im Ozean. Meereslebewesen sind an diese Menge nicht gewöhnt“, sagt Projektleiter Stefan Schwarz.

Neues Verfahren zur Wasseraufbereitung
Ziel des Vorhabens ist es nun, die Reinigungsmethode für die weniger empfindlichen Süßwasserlebewesen auch für Meeresfische nutzbar zu machen. Dazu Projektleiter Schwarz: „Jetzt wollen wir ein biologisches Verfahren zur Entfernung von Nitrat mit einem Membranverfahren koppeln. Das ermöglicht es, Bakterien, Parasiten und andere Mikropartikel effektiv aus den Becken zu entfernen.“ Das Verfahren soll in einer Aquakulturanlage getestet werden. Dabei werden auch Aspekte der Gesundheit der Fische mit umfangreichen Untersuchungen begleitet.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Aviäre Influenza: Aktueller Stand zu Virus und Impfstoffforschung

Derzeit grassiert die Geflügelpest, auch Aviäre Influenza genannt, so gravierend wie schon lange nicht mehr in Deutschland. Eine Vielzahl von Geflügelbetrieben ist bereits betroffen. Natürlich war diese Erkrankung deshalb auch Thema auf der digitalen EuroTier. Prof. Dr. Franz J. Conrath, Vizepräsident des Friedrich Löffler Instituts (FLI)gab den Überblick über den aktuellen Stand in Deutschland und in Europa. Früher gab es deutlich weniger Geflügelpestfälle: im Zeitraum 1950 bis 1996 gab es weniger als 20 Ausbrüche weltweit, erst seit 1997 verzeichnet man einen starken Anstieg der Ausbrüche; das Virus H5N1 trat seinen „Siegeszug“ an. Das schlimmste Ausbruchsgeschehen war bisher in Deutschland 2017 (Virustyp H5N8), vorher gab es erst 2007 und seit 2014 nennenswerte Ausbrüche in Deutschland.

Die Viren persistieren in einem natürlichen Reservoir, das ist eine Wildvögelpopulation, und geht auf die Reise, sobald der Vogelzug beginnt. Die niedrigpathogene Variante kann dann zur hochpathogenen Form werden, dies geschieht zumeist erst hier im Land in den Geflügelbetrieben. Die meisten Geflügelpesterreger, die hier zu finden sind, stammen aus Südostasien und werden über den Vogelzug nach Europa transportiert. Viele Vogelzuglinien kreuzen sich, so dass das Virus eine starke Verbreitung erfahren kann. Influenzavieren mutieren ständig, so dass aus den zuerst gering pathogenen Arten hochpathogene Viren entstehen können. Manchmal kommen aber auch schon die hochpathogenen Varianten mit dem Vogelzug nach Deutschland. Die niedrig pathogenen Varianten können sich nur in bestimmten wenigen Teilen des Körpers vermehren, in den Atemwegen und im Magen-Darm-Bereich, aber die hochpathogenen Viren können in jeder Körperzelle aktiviert werden. Deshalb kommt es dann sehr schnell zu einer systemischen Infektion.

Erkranken die Tiere, kommt es zu einer reduzierten Aufnahme von Futter und Wasser, die Tiere sind apathisch und müde, es kommt zu hohem Fieber und lauten Atemgeräuschen durch Schleim in den Atemwegen. Einzelne Tiere verenden sehr schnell. Bis zum Ausbruch nach Ansteckung vergehen nur Stunden bis wenige Tage. Das Virus kann auch den Menschen infizieren, aber auch Hund, Katze und andere Säugetiere.

Viele Putenbetriebe betroffen
Die Ausbrüche in Deutschland sind zumindest im Jahr 2020 bereits vorhergesehen worden: Es gab im September die ersten Geflügelpestmeldungen aus dem südlichen Russland und durch den Vogelflug war es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus in Europa ankommen würde. In Europa und in Deutschland findet sich eine Häufung des Virus an den Küstengebieten, da viele Zugvögel sich am Wasser aufhalten und von dort die heimischen Vögel infizieren. Über verschiedene Vektoren (indirekter oder direkter Kontakt zu Wildvögeln, belastetes Stroh etc.) breitet sich das Virus dann in der Folge in den Geflügelbetrieben aus. Ein Hotspot ist in den geflügelreichen Landkreisen Vechta, Oldenburg und Cloppenburg entstanden, dort haben sich Bestände untereinander möglicherweise über die Luft „durch die Nachbarschaft“ angesteckt. Es sind überdurchschnittlich viele Putenmastbetriebe betroffen. Aber auch über 15.000 Wildvögel sind dem aktuellen Geschehen in Deutschland zum Opfer gefallen (Stand Mitte Februar).


Zum Weiterlesen, melden Sie sich hier einfach für den kostenfreien Empfang des zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Sie erhalten den Download Link zum E-Magazin mit diesem Artikel direkt nach Ihrer Anmeldung:

Geflügelfütterung: Renaissance des Roggens?

Auf der EuroTier digital gab Prof. Dr. Christian Visscher, Direktor des Instituts der Tierernährung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, einen Überblick zum Einsatz von Roggen in der Geflügelernährung. Im Schweinebereich laufen im Rahmen des 6-R-Projektes schon seit längerer Zeit Versuche, wie hoch der Anteil an Roggen in der Ration sein kann und welche Effekte der Roggen auf die Tiergesundheit hat.
Nachhaltigkeit ist ein immer größer werdendes Thema, auch in der Tierernährung. Roggen benötigt weniger Stickstoff in der Düngung, weniger Wasser und er ist resistenter gegenüber Pflanzenkrankheiten, es sind beim Anbau also weniger Pflanzenschutzmittel nötig. Der CO2-Fußabdruck ist bei regional produziertem Hybridroggen am geringsten gegenüber den anderen Getreidesorten. Außerdem ist Roggen preislich attraktiver als Weizen. Dies alles sind Gründe, mehr Augenmerk auf den Roggen in der Fütterung zu legen.

Geflügel hat eine sehr hohe Futteraufnahmekapazität, sozusagen wenig Tier frisst viel Futter, deshalb geht man vorsichtig an die Thematik Roggenfütterung heran. Die bisherige Kenntnis hierzu ist, dass aufgrund der enthaltenen Nicht-Stärke- Polysaccharide, die besonders bei Küken und Junggeflügel zu schmierigem Kot führen können, Roggen an junge Tiere nur in sehr geringen Mengen verfüttert werden sollte.

Prof. Dr. Visscher führte bisher einen Mastversuch über 6 Wochen mit 4 Versuchsgruppen durch: Insgesamt 256 Broiler, Ross 308, wurden zufällig vom 14. bis zum 42. Tag in vier Fütterungsgruppen (jeweils acht Wiederholungen) eingeteilt. Eine Kontrollgruppe erhielt kommerzielles 3-phasiges Alleinfutter, und 2 Gruppen erhielten ein pelletiertes Ergänzungsfuttermittel (SFI zu Mais und SFII zu Roggen). Der Mais war zerkleinert, der Roggen gebrochen. Die vierte Gruppe erhielt eine Mischung aus 50 % SFI-Mais und 50 % SFII-Roggen.

Der Anteil an Roggen und Mais in den Kombinationen wurde wöchentlich auf Kosten der Ergänzungsfuttermittel erhöht von 5 % auf 10 % auf 20 % und schließlich auf 30 % in der 6. Woche, dadurch fiel der Proteingehalt in den 3 Gruppen über die Versuchswochen sogar unter den der Kontrollgruppe (2 % weniger in der 6. Woche).

Im Ergebnis führte die Aufnahme von Roggen wie erwartet zu einer größeren Wasseraufnahme. Es wurde zwar feuchterer Kot bei Einsatz von Roggen im Vergleich zu Mais beobachtet, jedoch keine Unterschiede zur Kontrollgruppe mit dem kommerziellen Futter. Es gab allerdings keine negativen Effekte auf den Trockensubstanzgehalt der Einstreu und im Hinblick auf die Fußballengesundheit.

Es wurden keine signifikanten Effekte für das Körpergewicht bei Tag 42 zwischen allen Gruppen beobachtet. Insgesamt war die Gesundheit der Fußballen ausgezeichnet. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten mit SFI-Mais gefütterte Brolier einen signifikanten Anstieg des relativen Gewichts des Muskels, während im Gegensatz zu allen anderen Gruppen die Höhe der Dünndarmzotten signifikant geringer war. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fütterung von SFI-Mais- oder SFII-Roggen keine negativen Einflüsse auf Leistung, Einstreuqualität und Verdauung hatte. Es wurde auch gezeigt, dass Roggen in gequetschter Form schmackhaft ist, was die Zugabe von Roggen zu einem pelletierten Ergänzungsfuttermittel ermöglicht.

Derzeit werden weitere Versuche mit größeren Tierzahlen unter praxisähnlichen Bedingungen durchgeführt und auch mit der Tierart Pute. Erste Ergebnisse zeigen die Roggengruppe etwas hinter der Leistung der Kontrollgruppe, allerdings lief der Versuch mit ganzem Roggen, jetzt wird er nochmal wiederholt mit gebrochenem Roggen, da dieser von den Tieren besser aufgenommen wird.

Fazit: Viele Fragen sind noch offen, es wird weitergeforscht.

Quelle: Dr. Heike Engels


Dieser Artikel stammt aus der neuesten Ausgabe „Der Hoftierarzt“ 2/2021. Melden Sie sich hier einfach für den kostenfreien Empfang des zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Sie erhalten den Download Link zum E-Magazin mit diesem Artikel direkt nach Ihrer Anmeldung: