Niedersächsische Gänsehaltungsvereinbarung #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 3

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Zur Konkretisierung der Europaratsempfehlungen hat das Land Niedersachsen die erste Gänsehaltungsvereinbarung Deutschlands erarbeitet, die im März 2020 in Kraft getreten ist. Dr. Ulrike Adrian stellt sie anlässlich der diesjährigen Tierschutztagung vor. Ziel war es gesellschaftlich akzeptierte und für den Tierhalter leistbare Haltungsbedingungen zu etablieren. Die Vereinbarung gilt für Aufzucht und Mast von mehr als 100 Tieren.

Zu den wichtigsten Inhalten zählen die Sachkundeanforderung an alle Tierhalter, Tierbetreuung, Pflege, Haltungsverfahren, Versorgungseinrichtungen und -sicherheit, Stallbodenbeschaffenheit, Besatzdichte, Beschäftigungsmaterial, Klima, Beleuchtung und zusätzliches Wasserangebot sowie Freiland und Schutzeinrichtungen, Verladung, Transport, Aufstallungsgebot im Tierseuchenfall und ein Tierseuchen-Krisenplan.

Gänsetränke © Nds. Gänsevereinbarung

Ganz wichtig seien auch die Anlagen, hob die Referentin hervor:
– Managementempfehlungen für den Umgang mit Hausgänsen
– Stallkarte – Muster
– Betriebsausstattung – Muster
– Managementempfehlungen für Verladung zur Schlachtung
– Empfehlungen für die Erstellung eines individuellen Tierseuchen-Krisenplans.

Jeder Gänsehalter sei zur Eigenkontrolle verpflichtet (§ 11, Abs. 8 TierSchG):
– Verhaltensänderungen der Tiere
– Gefiederzustand
– Auffälligkeiten an Augen und Nasenöffnungen
– Gehfähigkeit und Beinschäden
– Paddelgesundheit
– Verhalten im Freiland und im Stall
– Verteilung im Stall
– Mortalität (unter 5%)
– Transporttote (unter 0,5%)
– Gewichtsentwicklung
– Uniformität der Herde
– Ganzkörperverwurf (unter 5%)
– Futter- und Wasserverbrauch in der Aufzucht

Zwar sei die Dokumentation dieser Punkte nicht vorgeschrieben, aber auf jeden Fall empfehlenswert, rät Frau Dr. Adrian!

Wenn das Gefieder voll entwickelt ist, können die Gänse im Freiland gehalten werden. Dort muss aber für Sonnenschutz und Schattenplätze gesorgt werden. Trockener Untergrund für Nacht-Ruhezonen, ein Wildschutzzaun gegen Raubwild sowie Unterstand/Deckung gegen Greif- und Raubvögel müssen vorhanden sein.

Stehender Mais eigne sich gut als Sonnenschutz – aber eben nur stehend. Bei der Wasserversorgung wäre Oberflächenwasser zwar am besten für die Gans, im Hinblick auf die Tierseuchengefahr allerdings nicht empfehlenswert. Die Lösung böte eine Tränke, bei der die Tiere ihre Köpfe eintauchen und Wasser über den Körper rieseln lassen können.

© Nds. Gänsevereinbarung

Da im Tierseuchenfall ein Aufstallungsgebot erlassen wird, sei mit tierschutzrelevanten Problemen zu rechnen! Dies könnten sein:

– Mehrtägige Futter- und Wasserverweigerung, Apathie
– Zusammenballen (Erdrückung!)
– Federpicken und Kannibalismus (im Freiland unbekannt)
– stressbedingte Mauser
– erhöhte Krankheitsanfälligkeit und Mortalität
– erhöhter Stress durch intensiveren Personenkontakt bei täglichen Versorgungsarbeiten

Die Gänsehaltungsvereinbarung kann nur jedem Gänsehalter (nicht nur in Niedersachsen) zur gründlichen Lektüre empfohlen werden. Sie steht hier zum Download bereit (rechts oben auf der Seite).

Mobilställe in der Legehennenhaltung #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 2

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Seit der Jahrtausendwende steigt in Niedersachsen die Nachfrage für mobile Hühnerställe, wie Dr. Eva Moors vom LAVES Tierschutzdienst in Ihrem Vortrag anlässlich der Tierschutztagung 2020 ausführte. Gab es anfänglich nur Bio-Ställe, überwiegt heute die Zahl konventioneller Mobilställe deutlich (ca. 100 zu fast 400). Insbesondere Direktvermarkter nutzen den Werbeeffekt bei Hofladenkunden.

Im Auslauf lebten die Hühner ihr spezifisches Verhalten aus wie Scharren, Picken, Kratzen, Staub- und Sonnenbaden sagte die Tierärztin. Aussenklimareize hätten einen positiven Einfluss auf die Tiergesundheit, ebenso wie die Unterbrechung der Entwicklungsstadien von Endoparasiten beim Umzug. Dieser vermeide auch den punktuellen Nähstoffeintrag in den Boden im stallnahen Bereich.

Infolge der gestiegenen Nachfrage, auch durch viele Neueinsteiger in die Hennenhaltung, kommt es aber auch zu Problemen mit den tierschutzrechtlichen Mindestanforderungen. Teilweise sind diese bei Stallbaufirmen und Tierhaltern nicht wirklich bekannt oder werden „kreativ“ ausgelegt. Doch die tierschutzrechtlichen Grundlagen der Hennenhaltung gelten grundsätzlich auch für Mobilställe!

Insbesondere wer plant einen Mobilstall „Marke Eigenbau“ zu verwenden, sollte sich eingehend mit den rechtlichen Vorgaben beschäftigen. So müssen mehrere Zugänge ins Freie vorhanden sein, mit mindestens 35 cm Höhe und 40 cm Breite, verteilt über die gesamte Länge der Außenwand. Für jeweils 500 Legehennen müssen Zugangsöffnungen von zusammen mindestens 100 cm Breite zur Verfügung stehen. Diese Mindestanforderungen gelten auch für den Zugang zu einem Kaltscharraum.

Ranghohe Hennen versperren gerne mal Ein- und Ausgänge, bei Gefahr müssen alle Hühner schnell ins Innere des Stalles flüchten können und auch der Erdrückungsgefahr beim morgendlichen Öffnen wirken ausreichend große Öffnungen entgegen. In Österreich werden z. B. Luken mit 60-90 cm Breite empfohlen.

Einige Hersteller empfehlen steile Rampen zum Schutz vor Beutegreifern. Allerdings müssen diese den schnellen Zugang nicht behindern und, wenn sie in geschlossenem Zustand Bestandteil des Stallbodens sind, können sie nur als nutzbare Fläche angerechnet werden, wenn sie beim Öffnen u. a. ein maximales Gefälle von 14 % haben.

Gut durchdacht sollte auch die Gestaltung des Innenbereichs (Mindesthöhe 2 m) und des Einstreubereich (nicht unter dem Stall und während der gesamten Hellphase zugänglich, falls er der nutzbaren Fläche angerechnet werden soll). Sitzstangen dürfen nicht parallel übereinander, sondern nur diagonal angebracht werden.

Kontrolle und Versorgung der Tiere sowie das Ein- und Ausstallen erfordern auch eine gewisse Gangbreite im Stall. Es gäbe zwar aktuell keine spezielle Regelung für Mobilställe, sagte Moors, für bestehende Kleingruppenhaltungen gälten aber 90 cm Gangbreite als Mindestmaß.

Speziell bei Eigenbauten sollte auf hohe Stabilität der gesamten Konstruktion geachtet werden und z. B. darauf, dass die Außenhülle beim Versetzen des Stalles nicht flattert und die Hühner erschreckt. Stallklima, Futter- und Wasserversorgung, Hygiene und Tierkontrolle sollten ebenso im Fokus stehen.

Die fachliche und tierschutzrechtliche Beurteilung des Mobilstalls obliegt der Veterinärbehörde und nicht nur deshalb riet Frau Dr. Moors zum Schluss ihres Vortrags zu rechtzeitiger Absprache mit den zuständigen Behörden und der Teilnahme an speziellen Schulungen.

Aktuelle Tierschutzthemen aus Sicht des BMEL #TiHo-Tierschutztagung 2020 – Teil 1

Die diesjährige Tierschutztagung fand, Corona-bedingt, erstmals online statt. Zum 40. Jubiläum hätten sich die Veranstalter sicher etwas anderes gewünscht, dafür dürfte es dieses Jahr aber kaum Probleme bei später Anmeldung gegeben haben. In der Vergangenheit war die Teilnehmerzahl aus Platzgründen immer auf etwa 200 Personen begrenzt und die Warteliste der Zu-spät-Anmelder lang.

Sauenhaltung
Als erste Referentin sprach Dr. Katharina Kluge, Referatsleiterin Tierschutz im BMEL, über aktuelle Tierschutzthemen aus Sicht des Ministeriums. Die Neuregelungen in der Sauenhaltung sollte jeder Sauenhalter mittlerweile kennen. In Deckzentrum und Abferkelbereich müssen sich die Tierhalter auf erhebliche Veränderungen einstellen.

Bemerkenswert waren Frau Dr. Kluges Antworten auf zwei Nachfragen: Wie lang wird die Fixierung der Sau während der Besamung sein dürfen? Antwort: „Das dürfte schwer zu kontrollieren sein und wir müssen dann in der Praxis sehen, ob es eine, anderthalb oder zwei Stunden werden.“

Und: Wie hoch schätzt das BMEL die Quote der Betriebsaufgaben unter den Sauenhaltern ein? Antwort: „Eine konkrete Schätzung ist schwierig, aber der Strukturwandel wird sich fortsetzen. Vermutlich werden wir eine starke Abnahme sehen, weil z. B. für die kommenden 10 Jahre ohnehin geplante Betriebsaufgaben vorgezogen werden dürften. Die Tierzahl insgesamt dürfte allerdings nicht so stark sinken, weil andere, größere Betriebe dies auffangen werden.“

Dass ein drastischer Strukturwandel bevorsteht, ist natürlich auch dem Ministerium klar. Damit umstellungswillige Betriebe den Rückgang bei der Zahl der Sauen aber wenigstens teilweise auffangen können, müssen auch entsprechende Baugenehmigungen zur Stall-Erweiterung erteilt werden. In diesem Punkt dürfen wir gespannt sein.

Ferkelkastration
Ab dem 1. Januar 2021 ist die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland verboten. Wer sich in Zukunft für Kastration unter Narkose (insbesondere Isofluran) entscheidet, sollte schnellstens an einem Lehrgang teilnehmen, den erforderlichen Sachkundenachweis erwerben und sich auf regelmäßige Fortbildungen einstellen. Zum ersten Mal nach drei, später dann nach jeweils fünf Jahren.

Gemäß der neuesten EU-Ökoverordnung ist die Immunokastration für Bio-Sauen in Zukunft verboten. Es finden zwar im Moment noch Gespräche zwischen BMEL und den zuständigen Stellen der Europäischen Union statt, aber da die EU-Öko-Verordnung nun gerade erst geändert wurde, bestehe wenig Hoffnung, dass die EU hier nochmals korrigiert, sagte Kluge.

Tierschutz beim Transport
Beim Tiertransport stehen Änderungen in Bezug auf Temperaturüberschreitungen (Ordnungswidrigkeit) an. Bei langer Beförderung nicht-abgesetzter Kälber nach Spanien, stellt sich für das BMEL die Frage nach der Eignung von Tränkevorrichtungen. Und auch die Versorgungsstellen in Drittländern nimmt das Ministerium ins Visier. Deren Verfügbarkeit soll validiert und in einer Internet-Datenbank erfasst werden. Hier findet ein Austausch sowohl mit anderen EU-Staaten, als auch Drittländern statt.
Auf eine erste offizielle Anfrage in Russland nach der Anzahl geeigneter Versorgungsstationen, kam die Antwort: keine vorhanden. Auf eine zweite Anfrage wurde gemeldet, es gäbe sechs Stationen im ganzen Land.

Herdenschutzhunde
Auch die Tierschutz-Hundeverordnung wurde geändert, u. a. auch für Herdenschutzhunde. Präzisiert wurde, dass für sie keine Schutzhütte vorgeschrieben ist, aber ausreichender Witterungsschutz. Und auch, dass die Haltung von Herdenschutzhunden auf der Weide keine Zwingerhaltung ist, aber ausreichend Abstand zu stromführenden Zäunen möglich sein muss.

Mastputen, Junghennen, Geflügelelterntiere und Rinder
In Vorbereitung sind Ergänzungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung für Mastputen, Junghennen, Geflügelelterntiere und zur Anbindehaltung von Rindern. Diese Themen sollen noch in der laufenden Legislaturperiode angegangen werden.

Bewerbungsphase beim „Preis der Tiergesundheit“ von MSD Tiergesundheit läuft

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• Erste Bewerbungen sind erfolgsversprechend
• Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2020
• 90.000 Euro für innovative Tierhaltung

Der „Preis der Tiergesundheit“ ist in die nächste Runde gestartet. Die ersten vielversprechenden Bewerbungen sind bereits eingetroffen. „Das hohe Niveau der Bewerbungen sowie die unglaubliche Vielfalt und der Ideenreichtum, das Herdenmanagement zu optimieren und damit das Wohl der Tiere zu verbessern, begeistert uns auch im zweiten Jahr des ‚Preis der Tiergesundheit‘. Gleichzeitig hören wir immer wieder, dass das Bedürfnis unter engagierten Landwirtinnen und Landwirten nach Austausch sehr hoch ist. Wir können nur Jeden motivieren, seine kleinen und großen Erfolgskonzepte mit uns und damit mit Kolleginnen und Kollegen in der Branche zum Wohl der Tiere zu teilen.“ so Dr. Daniel Sicher, Geschäftsführer von MSD Tiergesundheit.

Diesjährige Preiskategorien
In diesem Jahr richtet sich der „Preis der Tiergesundheit“ an rinder- wie auch schweinehaltende Betriebe in Deutschland und Österreich. Die erste Kategorie prämiert Milchviehbetriebe mit innovativen Ideen zur Verbesserung der Eutergesundheit. In der zweiten Kategorie können sich Landwirtinnen und Landwirte bewerben, die mit verschiedenen Maßnahmen die Gesundheit ihrer Mastrinder verbessern. Für die dritte Kategorie werden Betriebe mit nachhaltigen Konzepten für ihr Saugferkelmanagement gesucht. Auf die ersten drei Plätze jeder Kategorie wartet ein zweckgebundenes Preisgeld für Maßnahmen zur Verbesserung von Tierwohl Tiergesundheit von insgesamt 90.000 Euro.

Bewerbungsaufruf
Betriebe aus den oben genannten Bereichen sind aufgerufen, sich zu bewerben und ihre praxisorientierten Lösungen branchenweit auszeichnen zu lassen. Die Bandbreite an Möglichkeiten, die zum Wohle der Tiere eingesetzt werden können, ist groß. MSD Tiergesundheit freut sich auf Ideen und spannende Erfahrungen der Betriebe. Bewerbungen sind unter www.preisdertiergesundheit.com bis zum 31. Oktober 2020 möglich.

Ablauf des Bewerbungsverfahrens
Nach Bewerbungsschluss besucht ein Jurymitglied die teilnehmenden Betriebe, um anhand objektiver Kriterien die Erstbewertung durchzuführen. Auf dieser Grundlage werden die Gewinnerbetriebe des „Preis der Tiergesundheit“ ausgewählt. Die unabhängige Jury jeder Kategorie besteht aus sechs Expertinnen und Experten. Allesamt renommierte Fachleute von Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen sowie von Verbänden aus dem veterinärmedizinischen und landwirtschaftlichen Bereich. Die Gewinner werden im April nächsten Jahres ausgezeichnet.

Quelle: MSD

Neuer IGB Policy Brief: Hat die Nachhaltige Aquakultur in Deutschland eine Zukunft?

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Die Aquakultur gilt als der am schnellsten wachsende Zweig der Lebensmittelproduktion weltweit – in Deutschland fristet sie ein Nischendasein. Unter 3 Prozent des Fischkonsums werden zurzeit durch heimische Aquakultur abgedeckt. Dabei könnte das Potenzial für eine stärkere Eigenversorgung und für den Export von Fisch mit nachhaltigen Verfahren entwickelt werden, statt den Nutzungsdruck auf aquatische Ökosysteme und mögliche Umweltfolgen ins Ausland zu verlagern. Zu dieser Einschätzung kommen Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im heute veröffentlichten IGB Policy Brief „Nachhaltige Aquakultur in Deutschland – Chancen und Herausforderungen“.

„In Deutschland sind Nahrungsmittel im Vergleich zu anderen Ländern sowohl in Quantität als auch Qualität gut verfügbar. Es ist daher zunächst eine freie und individuelle Entscheidung, ob Verbraucher*innen sich grundsätzlich für den Verzehr von Fisch als tierisches Produkt entscheiden“, betont Prof. Werner Kloas, Leiter der Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur am IGB und Mitautor des Policy Briefs. Die Marktzahlen zeigten aber, dass Fisch kontinuierlich nachgefragt werde. Gleichzeitig sei klar, dass sich der Wildfang aus den Ozeanen nicht mehr steigern lasse, obwohl die Nachfrage weltweit steige.

„Die Aquakultur kann dazu beitragen, diesen Herausforderungen zu begegnen“, ergänzt IGB-Forscher Dr. Fabian Schäfer, Mitautor des IGB Policy Briefs. Laut Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen stamme schon jetzt über die Hälfte der weltweit konsumierten Fischprodukte aus der Aquakultur – Tendenz steigend. „Dieser Ausbau muss aber dringend nachhaltig gestaltet werden, um der weiteren Übernutzung natürlicher Ressourcen entgegenzuwirken – sonst ist wenig gewonnen“, unterstreicht Fabian Schäfer.

Chancen: Die Nachhaltige Aquakultur hat in Deutschland Potenzial
Insgesamt kommen die IGB-Forschenden zum Schluss, dass Deutschland bezüglich Wasser, Fläche, Technik, Know-how und Kaufkraft prinzipiell über genügend Ressourcen verfügt, um die eigene Produktion von Speisefischarten für den Binnen- und Exportmarkt mit nachhaltigen Verfahren deutlich zu erhöhen. Potenzial wird insbesondere bei landbasierten (teil-)geschlossenen Kreislaufanlagen (KLA) gesehen, die auch in andere bestehende Produktionskreisläufe integriert werden können. So lassen sich Synergieeffekte bei Energie-, Wasser-, Wärme- und Kälteversorgung nutzen oder anfallende Nährstoffe recyceln.

Durch die Regionalisierung der Aquakultur und vergleichsweise hohe Umweltstandards können die Qualität von Tierhaltung, Tierwohl und Produkt sowie die Versorgungssicherheit und die örtliche Wertschöpfung in Deutschland bei gutem Management grundsätzlich gesteigert werden, erläutern die Wissenschaftler.

Herausforderungen: Höhere Produktionskosten und Verbraucher*innen-Akzeptanz
Neben den genannten Chancen muss allerdings auch transparent über die bestehenden Herausforderungen gesprochen werden, halten die Autoren fest. Dies betrifft zum Beispiel die höheren Produktionskosten in KLA: Investitions-, Energie- und Fachpersonalkosten schlagen sich in einem teureren Produkt nieder, das mit günstigen Importen, bei denen auch die Umweltkosten ins Ausland verlagert wurden, kaum konkurrieren kann. „Aber nachhaltiger Fisch aus KLA-Produktion hat seinen Preis. Ohne höhere tatsächliche Zahlungsbereitschaft von Handel und Konsument*innen wird sich diese Form der Aquakultur voraussichtlich nicht flächendeckend in Deutschland durchsetzen können“, erklärt Fabian Schäfer.

Eine weitere Herausforderung für die Branche besteht laut der IGB-Analyse darin, das Verständnis der Verbraucher*innen für Fischhaltung in technischen Systemen zu erlangen. Denn naturnahe bzw. in die Natur eingebettete Produktionssysteme werden von Menschen emotional häufig als „stimmiger“ beurteilt, technische Kreislaufsysteme dagegen wirken eher abschreckend. Dieses Phänomen ist auch aus anderen Konsumbereichen bekannt, oft im Kontext einer relativ idealisierten und romantisierten Vorstellung von moderner Nahrungsmittelproduktion. Viele Verbraucher*innen kennen Fisch nur als verarbeitetes und verzehrfertiges Produkt im Warenregal, das in den meisten Fällen importiert wurde. Häufig findet die Aquakultur-Produktion im Ausland unter geringeren Sozial- oder Umweltstandards statt. Diese vorgelagerten Produktionsbedingungen und die mit ihnen verbundenen Umwelteffekte bleiben jedoch weitgehend unbekannt – oder werden ausgeblendet.

Hat die Nachhaltige Aquakultur in Deutschland eine Zukunft? Politik und Gesellschaft müssen entscheiden
„Insgesamt zeigt die Situation, dass eine öffentliche und politische Diskussion über die Ansprüche an und Vorstellungen von moderner und nachhaltiger Aquakultur geführt werden muss. Dabei sollten jedoch keine einseitig werbenden Marketingbotschaften für die Aquakultur verbreitet werden, sondern Vorbehalte und Anregungen aus der Gesellschaft aufgenommen werden“, betont Werner Kloas. „Als öffentliches und unabhängiges Forschungsinstitut unterstützen wir diesen Prozess mit faktenbasiertem Forschungswissen. Aber ob Aquakultur grundsätzlich erwünscht ist und wie diese sich entwickeln sollte, ist das Resultat von politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen.“

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Die Immunokastration von Mastschweinen als Methode der Wahl für den Tierschutz auch im ökologischen Landbau ermöglichen

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Die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. zur Immunokastration in der Ökobranche:

Die EU-Kommission vertritt die Auffassung, dass die Immunokastration mit den Prinzipien der ökologischen Erzeugung nicht vereinbar wäre. Leider folgt dieser Fehleinschätzung der EU-Kommission auch die Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (LÖK). Damit würde ökologisch arbeitenden Schweinebetrieben als Alternative zur Ebermast nur eine chirurgische Kastration zur Verfügung stehen.

Die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. fordern auf, gerade ökologisch erzeugenden Betrieben nicht die tierschonendste Methode zur Verhinderung des Geschlechtsgeruchs des Fleisches von männlichen Schweinen zu verwehren.

Die EU-Kommission gibt an, dass die Immunokastration nicht mit den Regeln zur ökologischen Erzeugung vereinbar sei, eine weiterführende Erläuterung bleibt sie schuldig. An diesem Standpunkt hält sie auch fest, nachdem der Sachverhalt bei der Implementierung der neuen EU-Ökoverordnung VO (EU) 2018/848 umfangreich debattiert worden ist. Ein möglicher Ablehnungsgrund könnte sein, dass bei ökologischer Erzeugung der Einsatz von externen Produktionsmitteln auf natürliche oder naturgemäß gewonnene Stoffe zu beschränken ist. Dass bei ökologischer Erzeugung eine chirurgische Kastration mit Schmerz- und/oder Betäubungsmitteln zulässig ist, entkräftet diese Argumentation, da auch Schmerzmittel wie Meloxicam oder Betäubungsmittel wie Isofluran keinesfalls natürlich oder naturgemäß gewonnen werden. Als weiterer Ablehnungsgrund steht im Raum, dass bei der ökologischen Erzeugung immunologische Arzneimittel nur im Rahmen der Krankheitsvorsorge und einer tierärztlichen Behandlung zulässig sind. Dem ist das Gebot der Leidensminimierung, welches auch bei der ökologischen Erzeugung rechtlich verankert ist, entgegenzusetzen. Dieses gebietet, stets die tierschonendste Methode zu verwenden – dies ist nach übereinstimmender Auffassung aber die Immunokastration, da hier der chirurgische Eingriff am Tier ausbleibt.

Die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. appellieren deshalb – auch im Hinblick auf das in Deutschland im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz –, die Abwägung zu Gunsten des Tierschutzes zu treffen und die Anwendung der Immunokastration auch für ökologisch arbeitende Betriebe zu ermöglichen. Denn sie sind sich einig: „Es kann nicht sein, dass ausgerechnet der Biobranche die Immunokastration als Alternative zur chirurgischen Kastration verwehrt wird. Denn damit würde man ökologisch erzeugende Betriebe dazu zwingen, Methoden einzusetzen, die aufgrund des Tierschutzes aber auch des Umweltschutzes weniger geeignet sind, wie die Isoflurannarkose.“

So fordern die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. die Bundesländer dazu auf, von ihren Möglichkeiten zur Auslegung Gebrauch zu machen, um die Immunokastration in der Biobranche zu ermöglichen und sich also nicht der Auffassung der EU-Kommission anzuschließen, da diese auch nicht rechtlich bindend ist.

Quelle: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.,

Hühner auf der Stange: Holzbau als Beitrag zum Tierwohl

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Es gibt Studien die belegen, dass Räume mit hohem Holzanteil einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden des Menschen haben. Die Frage ist, ob dies bei Hühnern genauso ist? Ein Forschungsteam an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) untersucht erstmals, ob es einen Zusammenhang zwischen dem in Ställen verbauten Material und der Tiergesundheit und dem Tierwohl gibt.

Holz wird in Hühnerställen vor allem zum Bau von Sitzstangen eingesetzt. Der überwiegende Teil der Haltungseinrichtungen besteht mittlerweile aus Kunststoff und Metall. Die Frage ist, warum ist das so? „Oft wird angeführt, dass Holz schlechter zu reinigen ist, schneller verschleißt und daher öfter ausgetauscht werden muss. Zusätzlich sind Kunststoffe und Metalle mittlerweile günstiger in der Fertigung und im Einkauf“, beobachtet Anja Kampe, akademische Mitarbeiterin an der HNEE. Bislang fehlen jedoch Daten, sodass ein Vergleich der verschiedenen Materialien nicht möglich ist. „Wir wollen daher verschiedene native Holzarten und Holz-Modifikationen miteinander auf ihre Beständigkeit in diesem Zusammenhang überprüfen. Dabei soll unter anderem geschaut werden, ob eine Holzart eventuell gegen Parasiten zum Beispiel der Roten Vogelmilbe hilft, ähnlich wie Zirbenholz gegen Motten“, sagt Gerriet Trei, akademischer Mitarbeiter am Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz der HNEE. Ziel des Projekts sei eine Verbesserung des Tierwohls von Hühnern und anderem Geflügel durch gezielte Substitution von erdölbasierten Materialien (Kunststoffen) durch biobasierte-nachwachsende Rohstoffe.

Das Forschungsteam untersucht unterschiedliche Holzarten, Material- und Modifikationskombinationen, neue Konstruktionen und ökologische Beschichtungen. Auch der Einsatz von alternativen biobasierten Rohstoffen in festen und mobilen Hühnerställen an exemplarischen Stallkomponenten wird hierbei erforscht. „Bei den Beschichtungen wollen wir schauen, ob sich beispielsweise die Reinigungsmöglichkeit von Holz verbessern lässt“, ergänzt Anja Kampe.

Inwieweit sich durch den Einsatz von Holz langfristig auch Kosten für den Stallbau reduzieren lassen, ist noch nicht abschätzbar und eher schwierig zu kalkulieren. „Häufig werden Berechnungen nur für gesamte Ställe, also inklusive Außenhülle durchgeführt. In unserem Projekt konzentrieren wir uns jedoch auf die Einrichtung, vor allem der Aspekt der Haltbarkeit der Materialien spielt eine große Rolle“, meint Gerriet Trei.

Das HNEE-Team erhofft sich, dass neben der Verbesserung des Tierwohls, auch ein Beitrag für das Klima geleistet werden kann, wenn wieder mehr Stalleinrichtungen aus Holz gebaut werden.

Quelle: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Aerosol-Impfung in der Hähnchenmast

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Wenn viele Tiere auf einmal geimpft werden sollen, sind Injektionen mit der Spritze wenig praktikabel. Beim Geflügel setzen Tierärzte deswegen auf eine Sprüh-Impfung. Wie das im Stall funktioniert, erklärt Dr. Andreas Wilms-Schulze Kump im Video.

Corona beflügelt regionale Eier-Erzeugung

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Deutschlandweit knapp 2,5 Millionen Legehennen in mobilen Ställen

Wie der Bundesverband mobile Geflügelhaltung e. V. – BVMG (Modautal/Hessen) mitteilt, leben in Deutschland nach aktuellen Markterhebungen* mittlerweile knapp 2,5 Millionen Legehennen in über 2000 Betrieben in mobilen Geflügelställen.

Die Nachfrage nach regional erzeugten Lebensmitteln und Tierwohl hat sich in der Corona-Pandemie weiter verstärkt. „Die Verbraucher möchten vermehrt gute Lebensmittel aus der eigenen Region, wo sie sehen, dass es den Tieren gut geht“ sagt der Vorsitzende Dennis Hartmann. „Auch das Vertrauen zum landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieb, den man persönlich kennt, spielt eine Rolle. Aus einem anfänglichen Trend wurde mittlerweile eine nachhaltige Entwicklung“ so Hartmann weiter.

Um wirtschaftlich arbeiten zu können, war in der Geflügelbranche in den letzten Jahrzehnten die Marschrichtung Zentralisierung und der Bau immer größerer Stallanlagen. Mit der verstärkten Nachfrage von regionalen Lebensmitteln stärken die Verbraucher die regionale Erzeugung vor Ort. Wo früher die Tierhaltung nach und nach verschwunden ist oder in Großbetrieben zentralisiert wurde, kehrt diese heute in Form von mobilen, kleinbäuerlichen Stallanlagen wieder zurück.

Was ist ein mobiler Geflügelstall?
In den letzten Jahren hat sich gerade im Bereich der regionalen, bäuerlichen Eiererzeugung eine neue Mobilstall-Szene entwickelt. Die Tierhaltung findet dort transparent, regional und zumeist in kleinbäuerlichen Strukturen statt. Die Hühner leben in – für die heutige Zeit relativ kleinen Tiergruppen – in mobilen Ställen, die regelmäßig auf frische Wiese umziehen. Der Verbraucher hat oft einen direkten Bezug zu „seinem Bauern“ und sieht, dass es den Tieren dort gut geht.

PLZ-Suche für Verbraucher unter www.mein-mobil-ei.de

Der BVMG hat auf seiner Internetseite eine PLZ-Suche eingerichtet, wo die Menschen in Deutschland einfach und unkompliziert den nächsten Mitgliedsbetrieb mit mobiler Haltung finden können.

Quelle: Bundesverband Mobile Geflügelhaltung e. V.

Macht das Stadtleben Hummeln größer?

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Treiben Städte die Evolution von Hummeln voran? Einen ersten Hinweis dafür liefern Befunde einer neuen Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig: Demnach sind die Insekten in Städten größer und dadurch sogar produktiver als Vertreterinnen derselben Art auf dem Land. Die Unterschiede in der Körpergröße könnten eine Folge der zunehmend zerstückelten Lebensräume in Städten sein, wie das Forschungsteam in der Fachzeitschrift „Evolutionary Applications“ schreibt.

In den letzten 200 Jahren hat sich der Lebensraum von Hummeln und anderen Insekten stark verändert: Sie leben seltener in ländlichen Regionen und auf Wiesen, sondern häufig umringt von Straßen und Betonwänden. „Städte haben für Hummeln Vor- und Nachteile: Einerseits gibt es durch private und botanische Gärten, Stadtparks und mit Blumen bestückte Balkone ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Andererseits ist es in Städten deutlich wärmer als im Umland. Zudem entstehen durch Straßen und große Gebäude deutlich kleinere, voneinander mehr oder weniger stark getrennte Lebensräume“, sagt Dr. Panagiotis Theodorou vom Institut für Biologie der MLU, der die Studie als Wissenschaftler an der MLU und bei iDiv geleitet hat.

Das Team von Biologinnen und Biologen der MLU wollte herausfinden, ob die Verstädterung Folgen für die Evolution von Hummeln haben könnte und ob sich diese möglicherweise daran anpassen können. Dafür sammelten sie mehr als 1.800 Hummeln in neun Großstädten und deren ländlicher Umgebung. Die Arbeit konzentrierte sich auf drei in Deutschland häufig vorkommende Arten: die Steinhummel (Bombus lapidarius), die Ackerhummel (Bombus pascuorum) und die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris). Jede gefangene Hummel wurde vermessen. Außerdem beobachteten die Forscherinnen und Forscher an jedem der insgesamt 18 Standorte, wie oft Hummeln eigens gezüchtete und vor Ort ausgesetzte Rotkleepflanzen besuchten. Daraus wurde im Anschluss die Bestäubungsleistung berechnet. Dabei zeigte sich: „Tatsächlich waren die Hummeln aus urbanen, stärker fragmentierten Gebieten im Durchschnitt deutlich größer als ihre Artgenossinnen auf dem Land, um etwa vier Prozent“, sagt die Biologin Dr. Antonella Soro von der MLU. Die Ergebnisse waren für alle drei Hummelarten gleich.

Die Körpergröße steht im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel eines Organismus und ist auch ein Indikator für Lebensdauer und Leistungsfähigkeit von Lebewesen. „Größere Hummeln können besser sehen, besser lernen und haben ein größeres Erinnerungsvermögen. Sie werden auch seltener von Fressfeinden attackiert und können weitere Distanzen zurücklegen. Das bedeutet, dass sie pro Flug mehr Blumen anfliegen können, mehr Pollen transportieren und so bessere Bestäuber sind“, sagt Soro. Das haben auch die weiteren Analysen der Forscherinnen und Forscher bestätigt. Die Studie gebe einen ersten Hinweis darauf, dass vor allem der Grad der Fragmentierung des Lebensraums einen Einfluss auf die Körpergröße und damit auch indirekt auf die Bestäubungsleistung von Hummeln haben könnte. Generell wisse man aber noch zu wenig über die Auswirkungen von Umweltveränderungen in Städten auf individuelle Hummel- und Bienenarten und ihre Bestäubungsleistung, so die Wissenschaftlerin. Das Team plädiert deshalb dafür, die evolutionären Anpassungen von Tieren an ihr städtisches Umfeld noch besser zu erforschen. Das könne auch eine bessere Stadtplanung ermöglichen, die die Natur stärker berücksichtigt.

Die Arbeit wurde über iDiv von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg