Neue Mutterschutzimpfung gegen Kälberdurchfall von Boehringer Ingelheim

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Boehringer Ingelheim erweitert sein Portfolio an Rinderprodukten um einen neuen Impfschutz zur Vorbeugung von Kälberdurchfall. Neugeborenendurchfall verursacht hohe Verluste bei Kälbern und führt häufig zu Folgeerkrankungen, denn das Durchfallkalb ist meistens auch das Lungenkalb. Kälber erhalten durch die Mutterschutzimpfung mit dem neuen Präparat eine passive Immunität, wenn sie ausreichend Kolostrum von geimpften Müttern aufnehmen. Der Schutz entsteht folgendermaßen: das tragende Tier wird 12 bis 3 Wochen vor dem Geburtstermin gegen Rota-, Coronaviren und E. coli geimpft. Das Immunsystem der Kuh/Färse bildet Abwehrstoffe gegen diese Durchfallerreger. Diese werden in hohen Konzentrationen im Kolostrum angereichert und gelangen so ins Kalb.

Umfangreiche Studien belegen, dass die neue Mutterschutzimpfung die Ausscheidung von Rota- und Coronaviren über den Kot verringert und das Auftreten und den Schweregrad von Coronavirus-bedingten Durchfallerkrankungen reduziert. Zudem beugt das neue Präparat Neugeborenendurchfall vor, der durch Rotaviren und E. coli F5 (K99) verursacht wird. Das ermöglicht neugeborenen Kälbern eine sehr gute Voraussetzung ins Leben.

Der neue Mutterschutzimpfschutz ist als One-Shot in einer Dosis von 2 ml einfach zu verabreichen und bietet eine hohe Sicherheit und Wirksamkeit. Das Präparat ist zugelassen für die aktive Immunisierung von trächtigen Färsen und Kühen. Durch eine gute Hygiene und ein optimales Kolostrummanagement können die neugeborenen Kälber frühzeitig geschützt werden. Durch eine Mutterschutzimpfung verbessern Sie den Start ins Kälberleben.

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an:
Dr. Jochen Deitmer, Tel. 06132-773706, jochen.deitmer@boehringer-ingelheim.com

Quelle: Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH

ITW schafft Entlastung für Schweinemäster

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• ITW-Schweinehalter können ihre Teilnahme vorübergehend aussetzen – ohne sich komplett abzumelden
• Mehr Flexibilität in der aktuellen Marktsituation
• Pause darf max. 8 Monate betragen

Ab sofort erhalten Schweinemäster der Initiative Tierwohl (ITW), die Möglichkeit, ihre Teilnahme vorübergehend auszusetzen – ohne sich komplett abzumelden. Damit unterstützt die ITW Schweinehalter, die ihre Masttiere aufgrund der aktuell schwierigen Marktsituation nicht als ITW-Tiere vermarkten können. Mit dem Aussetzen der Teilnahme kann die Umsetzung der ITW-Anforderungen pausieren. In Abstimmung mit der ITW darf diese Pause längstens bis zum 31. August 2023 andauern.

„Aktuell herrschen schwierige Zeiten am Markt – vor allem für die Schweinehalter. Unser Ziel ist und war es, Tierwohl in der Breite zu verankern und bei der Umsetzung unterstützen wir unsere Tierhalter so gut es geht“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Mit der Option, die Teilnahme vorrübergehend zu pausieren, geben wir den Tierhaltern die Flexibilität und Unterstützung, die sie in diesen Zeiten brauchen.“

Für die Tierhalter bietet das Pausieren den Vorteil, dass in diesem Zeitraum die ITW-Anforderungen nicht eingehalten werden müssen und keine ITW-Audits stattfinden – der Stall aber nicht leer stehen muss. Der Betrieb hat zwar keine ITW-Lieferberechtigung, kann seine Tiere aber weiterhin mästen, und z.B. als QS-Tiere – bei entsprechender Zulassung im QS-System – vermarkten.

Der Zeitraum wird vorab vom Tierhalter definiert und über den Bündler an die ITW kommuniziert. Von der ITW-Geschäftsstelle wird dann eine entsprechende Sperre in der Tierwohldatenbank hinterlegt. Bei Wiederaufnahme der Teilnahme muss ein neues Programmaudit durchgeführt werden. Besteht jedoch die Unsicherheit, ob die Teilnahme nach der Pause fortgesetzt wird, empfehlen wir die bisherige Teilnahme über ein zusätzliches Bestätigungsaudit vor der Pause abzusichern.

Quele: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Rückläufiger Trend beim Einsatz von Antibiotika bei Masttieren

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BfR wertet Daten zur Therapiehäufigkeit und zum Antibiotikaverbrauch aus

Antibiotika werden bei Masttieren zunehmend seltener eingesetzt. Dies ist das Ergebnis des Berichts des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zur „Therapiehäufigkeit und Antibiotikaverbrauchsmengen 2018-2021: Entwicklung in zur Fleischerzeugung gehaltenen Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten“. Das BfR hat die Aufgabe, die von den Ländern übermittelten Daten zum Antibiotikaeinsatz jährlich auszuwerten und eine Risikobewertung zur Antibiotikaresistenz vorzunehmen. In seinem jetzt veröffentlichten Bericht berücksichtigt das BfR die Daten aus den Jahren 2018 bis 2021 und vergleicht diese mit dem Jahr 2017. „Die erfreuliche Botschaft ist, dass bei den erfassten Nutztierarten ein rückläufiger Antibiotika-Gesamtverbrauch zu sehen ist, wenn auch mit Schwankungen“, so Professorin Dr. Annemarie Käsbohrer, Leiterin der Fachgruppe Epidemiologie, Zoonosen und Antibiotikaresistenz, die den Bericht erstellte. Auch das Vorkommen von antibiotikaresistenten Keimen in Schlachttieren ist eher rückläufig. „Allerdings ist dieser Rückgang bei den Nutzungsarten unterschiedlich und spiegelt nicht den beobachteten Rückgang des Verbrauchs wider. Wir müssen das Resistenzverhalten von Keimen noch besser verstehen lernen und die Anstrengungen zur Reduktion intensivieren, um langfristig einen Abfall der Resistenzrate erreichen zu können“, sagt Käsbohrer.

Link zum Bericht „Therapiehäufigkeit und Antibiotikaverbrauchsmengen 2018-2021: Entwicklung in zur Fleischerzeugung gehaltenen Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten“

Das BfR hat in seinem Bericht vier Kenngrößen in den Mittelpunkt gestellt. Zunächst wurde die betriebliche Therapiehäufigkeit betrachtet. Dieser Wert gibt an, an wie vielen Tagen im Halbjahr durchschnittlich bei einem Tier einer Nutzungsart in einem Betrieb eine antibiotisch wirksame Substanz angewendet wurde. Diese Werte wurden für Masthähnchen und -puten, Mastferkel und -schweine sowie Mastkälber und -rinder berechnet. So konnten auch Betriebe ermittelt werden, die im Laufe eines Halbjahres keine Antibiotika einsetzten, sogenannte Nullanwender-Betriebe. Zudem hat das BfR betrachtet, bei welchen der Nutzungsarten insgesamt am häufigsten antimikrobielle Substanzen zum Einsatz kommen (populationsweite Therapiehäufigkeit) und wie sich die Verbrauchsmengen über den Zeitraum entwickelten.

Den höchsten Anteil der Nullanwender-Betriebe pro Halbjahr gab es bei Mastrindern. Etwa 85 % dieser Betriebe verzichteten pro Halbjahr auf den Einsatz von Antibiotika. Bei Mastkälbern setzten etwas mehr als die Hälfte der Betriebe in einem Halbjahr keine Antibiotika ein. Bei Mastschweinen und -ferkeln umfasste der Anteil an Nullanwender-Betrieben, die in einem Halbjahr keine Antibiotika einsetzen, etwa ein Viertel der Betriebe. Bei Masthühnern und -puten schwankte der Anteil an Nullanwender-Betrieben zwischen 15 und 20 % pro Halbjahr.

Für die Verbrauchsmengen von Antibiotika ist bei allen Nutzungsarten ein rückläufiger Trend zu erkennen, wenn auch nicht immer gleichmäßig über den Zeitraum 2017 bis 2021 verteilt. Die größten Antibiotikamengen wurden nach wie vor bei Mastschweinen eingesetzt, gefolgt von -ferkeln, -puten, -hühnern und -kälbern. Die Verbrauchsmengen bei Mastrindern sind vernachlässigbar. Besonders erfreulich ist, dass auch ein Rückgang für die zur Behandlung des Menschen besonders wichtigen Antibiotikagruppen bei allen Nutzungsarten zu beobachten war.

Bei der durchschnittlichen Häufigkeit der Gabe von Antibiotika in den einzelnen Betrieben zeigte sich meist eine abnehmende Tendenz, allerdings durchaus auch mit höheren Werten in einzelnen Halbjahren. Allerdings ist bei Masthühner-Betrieben ein deutlich ansteigender Trend zwischen 2017 und 2021 zu erkennen. Die durchschnittliche betriebliche Therapiehäufigkeit stieg hier um 4,8 Tage an.

Die populationsweite Therapiehäufigkeit spiegelt diese Entwicklung wieder. Die häufigsten Antibiotikaanwendungen erfolgen mit einer durchschnittlichen Therapiehäufigkeit zwischen 20 und 25 Tagen im Geflügelbereich, gefolgt von Mastkälbern und -ferkeln mit 10 bis 15 Tagen sowie Mastschweinen mit etwa drei Tagen.

Das BfR hat die jetzt vorliegenden Daten zum Antibiotikaeinsatz bei Masttieren auch mit den Daten aus dem Resistenz-Monitoring abgeglichen, das gemeinsam mit den Ländern und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) durchgeführt wird. Beim Resistenz-Monitoring wurde für die einzelnen Wirkstoffe häufiger ein Rückgang als ein Anstieg der Resistenzrate beobachtet, allerdings gab es Unterschiede zwischen den Tierarten. Die Veränderungen betrafen jedoch nicht notwendigerweise solche Antibiotika-Substanzklassen, deren Einsatz in der jeweiligen Tier- und Nutzungsart am stärksten reduziert wurden.

Aus Sicht des BfR müssen daher die Anstrengungen zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes fortgesetzt und intensiviert werden, um die Ausbreitung von Resistenzen zu verhindern und langfristig auch einen Abfall der Resistenzraten erreichen zu können.

Rechtliche Grundlage für den jetzt erschienenen BfR-Bericht ist das Tierarzneimittelgesetz (TAMG) vom 28. Januar 2022. Das Gesetz regelt, dass Betriebe, die Rinder, Schweine, Hühner oder Puten zur Fleischerzeugung halten, den Einsatz von Antibiotika dokumentieren und an die zuständigen Landesbehörden übermitteln müssen. Dem BfR werden diese Daten in pseudonymisierter Form übermittelt.

Das BfR hat die Daten aus den acht Halbjahren vom 1. Halbjahr 2018 bis zum 2. Halbjahr 2021 ausgewertet und mit der Situation im Jahr 2017 verglichen. Zukünftig wird das BfR jährlich untersuchen, wie sich die Therapiehäufigkeit und der Antibiotikaverbrauch über die Zeit entwickeln. Dies ist ein wichtiger Baustein zur Abschätzung der Wirkung der Antibiotikaminimierungsstrategie der Bundesregierung und des Risikos einer Übertragung resistenter Bakterien aus der Tierhaltung auf den Menschen.

Ziel der Antibiotikaminimierungsstrategie ist, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu reduzieren, um so der Resistenzentwicklung von Keimen, die auf den Menschen übergehen können, entgegenzuwirken. Wenn Menschen mit antibiotikaresistenten Keimen in Kontakt kommen, wirken bei Krankheiten notwendige Antibiotikatherapien möglicherweise nicht. Die Auswertung der Daten zum Einsatz von Antibiotika und die Risikobewertung zur Resistenzentwicklung von Keimen ist Grundlage für die zuständigen Behörden, Maßnahmen zum Verbraucherschutz zu ergreifen.

Quelle: BfR

Tupferproben kontrollieren Zwischendesinfektion

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Die Zwischendesinfektion spielt bei der Melkhygiene eine große Rolle. Sie reduziert die Gefahr der Erregerübertragung beim Melken von Euter zu Euter und hilft so der gefürchteten Mastitis vorzubeugen, vor allem wenn kuhassoziierte Erreger in der Herde vorhanden sind. Dazu zählt u.a. Staphylococcus aureus. Denn Milchreste im Zitzengummi können auch Erreger enthalten, die beim Melken auf die nächste Kuh übergehen. Deswegen gibt es die Empfehlung, nach jeder Melkung einer Kuh das Melkzeug einer Zwischendesinfektion mit Peressigsäure oder Heißwasserdampf zu unterziehen. Bei automatischen Melksystemen ist die Zwischendesinfektion des Melkzeugs mittlerweile Standard, aber auch manuell ist sie eine häufig durchgeführte Maßnahme. Doch funktioniert diese Desinfektion auch immer zuverlässig?

Tupferproben können die Wirksamkeit dieser Maßnahme überprüfen. Doch die Probennahme ist noch schwierig, weil es bisher kein Standardverfahren gibt. Dies hat zur Folge, dass die Proben an unterschiedlichen Stellen im Zitzengummi genommen werden. Außerdem können die Art der Tupfer, der Zeitpunkt der Probennahme oder der Transport Einfluss auf das Ergebnis haben.

Deshalb arbeiten Wissenschaftler und Praktiker nun an einem standardisierten Verfahren für Tupferproben. Daran beteiligt sind der Eutergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen sowie die Milchtierherden-Betreuungs- und Forschungsgesellschaft mbH MBFG in Wunstorf. Es handelte sich bei den Versuchen um einen Naßtupfer mit Konservierungsmittel, der als Feuchttupfer sofort einsatzfähig war. 34 Betriebe waren in das Projekt einbezogen, aus denen 180 Proben gezogen wurden. Die Probennahme erfolgte nach der automatischen Zwischendesinfektion. Der Versand erfolgte in einer Kühlbox. Eine möglichst niedrige Temperatur verhinderte die Keimvermehrung während des Transportes.

Eine keimfreie Oberfläche wurde nicht gefunden, ist aber auch nicht gefordert. Das vorläufige Ergebnis des Projektes ergab, dass etwa 30 % der Tupferproben in einem sehr guten Bereich lagen, und das sowohl mit Peressigsäure als auch mit Dampf. Etwa 22 % der Tupferproben lagen im mangelhaften Bereich. Dies ließ sich mit Dosierungs- oder Einstellungsfehlern erklären bzw. mit Funktionsstörungen beim Heißdampf.
Insgesamt zogen die Beteiligten das Fazit, dass die Tupferprobe mit der entsprechenden Standardisierung eine praxistaugliche und kostengünstige Methode werden kann, um die Qualität der Zwischendesinfektion des Melkzeugs zu überprüfen.

Quelle: Dr. Heike Engels & Wochenblatt Westfalen 23/2022

Integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung hilft Milchviehbetrieben

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Die integrierte tierärztliche Bestandbetreuung (ITB) gibt es nun schon seit etwa 25 Jahren. Nun hat sich ein Berliner Wissenschaftsteam mit der Frage beschäftigt, ob sich die ITB eigentlich auch bewährt hat hinsichtlich Tiergesundheit und Leistung auf den Milchviehbetrieben. 216 Betriebe beantworteten einen online-Fragebogen dazu, wie intensiv sie mit ihrem Tierarzt zusammenarbeiten, wovon 106 Betriebe die ITB zur Qualitätssicherung anwenden. Die Auswertung dieser Befragung ergab, dass die Betriebe, die die ITB nutzen und ihren Tierarzt häufig in Entscheidungen einbeziehen, die höchste 305-Tage-Leistung haben. Zusätzlich lagen sie auch bei den somatischen Zellgehalten in der Tankmilch weit unten und wiesen das geringste Erstkalbealter auf. Die Landwirte dieser Betriebe, die die besten Ergebnisse hatten, definierten den Begriff ITB als strategische Planung bei der Beurteilung von Herdendaten.

Zu erwähnen ist allerdings auch, dass in diesen Betrieben die Remontierungsrate höher war genauso wie die Mortalität der Kühe in den ersten 60 Laktationstagen.

Die Betriebe, die die ITB mehr im Hinblick auf die Fruchtbarkeitsberatung auslegten, verzeichneten im Durchschnitt schlechtere Leistungen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verglichen Nicht-ITB-Betriebe mit ITB-Betrieben und ermittelten ein Plus von 660 kg Milch bis Laktationstag 305 sowie ein um einen Monat verringertes Erstkalbealter bei den ITB-Betrieben. Dieser Effekt war laut des Wissenschaftsteams allein darauf zurückzuführen, dass die Betriebe an der ITB teilnahmen.

Ihre Schlussfolgerung: Milchviehbetriebe profitieren ganz generell von der ITB, unabhängig von den einzelnen Dienstleistungen innerhalb der ITB. Sie wünschen sich weitere Forschung, um herauszufinden, ob eine maßgeschneiderte Beratung innerhalb des ITB-Ansatzes noch mehr Wirkung zeigen kann.

Quelle: Der praktische Tierarzt 8, 2000, S. 850: „Milchvieh: mehr Leistung durch ITB?“ und Originalpublikation Ries, J. et al. 2022: „Impact of veterinary herd health management on german dairy farms: Effect of participation on farm performance“ Frontiers in Veterinary Science 9.

QS-Antibiotikamonitoring: Rindermast ab 1. 1. 2023 vollständig eingebunden

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Automatische Weiterleitung an staatliche HI-Tier möglich

Ab dem 1. Januar 2023 nehmen auch alle Mastrinder haltende Betriebe im QS-System am QS-Antibiotikamonitoring teil. Tierhalter und Tierärzte können damit den Einsatz von Antibiotika in dem Betrieb besser bewerten, bei Handlungsbedarf schneller gegensteuern und damit den Einsatz optimieren.

Für Schweine- und Geflügelmastbetriebe ist das QS-Antibiotikamonitoring seit zehn Jahren gelebte Praxis. Es ist inzwischen eine sichere Datenbasis für das Betriebsmanagement und für den Gesundheitsstatus der Tiere im Bestand. Mastrinder sind nun eine weitere Tiergruppe, die vollends in das Monitoringsystem integriert wird. „Ziel der QS-Monitoringprogramme ist die Generierung eines Mehrwerts für Tierhalter und Tierarzt aus den erfassten Daten – die jederzeit zugänglich und auswertbar sind“, erläutert Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS). „Wir bieten anonyme Vergleiche mit anderen Betrieben aus demselben Betriebszweig an, liefern Einzelauswertungen für kritische Antibiotika und zeigen beispielsweise auch durch Trendanalysen eventuelle gesundheitliche Fehlentwicklungen im Bestand frühzeitig auf“, so Hinrichs zu den Leistungen des QS-Monitorings.

Vorteile für Tierärzte und Tierhalter
Für den Tierhalter ist die Beteiligung und Mithilfe der Tierärzte beim QS-Antibiotikamonitoring wichtig und notwendig. Denn die Tierärzte übertragen die Antibiotikaanwendungen aus den Anwendungs- und Abgabebelege in die QS-Antibiotikadatenbank und stellen damit die notwendige Datenbasis bereit. Dabei hilft das Monitoring auch den Tierärzten in ihrer täglichen Arbeit: Die umfassenden Daten unterstützen bei der Bestandsbetreuung. So können Veterinäre Betriebe, die identische Tiergruppen halten, anonym miteinander vergleichen und die historische Entwicklung im jeweiligen Bestand anhand von Grafiken analysieren. In Kombination mit dem Befunddaten- und Salmonellenmonitoring von QS ist eine deutlich umfassendere Beurteilung der Tiergesundheit im Betrieb möglich. Viele Softwareprogramme der Tierarztpraxen unterstützen die automatisierte Belegübertragung in die QS-Antibiotikadatenbank. Doppeleingaben in beide Datenbanken sind damit nicht nötig und mit Hilfe von Plausibilitätsprüfungen werden Duplikate und Fehlmeldungen bei der Dateneingabe vermieden.

Hinrichs ist zuversichtlich, dass sich auch für die Rinderhalter die Teilnahme am QS-Antibiotikamonitoring langfristig rentiert: „Uns ist bewusst, dass der Dokumentationsaufwand gerade für kleinere Betriebe ungewohnt ist. Unsere Erfahrungen aus dem Bereich Schwein und Geflügel zeigen jedoch, dass bei diesen Tierarten der Einsatz von Antibiotika in den letzten zehn Jahren auf das therapeutisch wirklich notwendige Minimum gesenkt werden konnte. Ich bin mir sicher, dass sich ein umfassender Blick auf die Tiergesundheit auch bei den Mastrindern rechnen wird, und der Dokumentationsaufwand ist dank der Möglichkeit zur automatischen Weiterleitung an die staatliche TAM-Datenbank auch nicht wirklich höher.“

Weitere Informationen können dem Leitfaden Antibiotikamonitoring Rind entnommen werden. Eine detaillierte Anleitung zur Nutzung der Antibiotikadatenbank speziell für Tierärzte (Funktionsübersicht für Tierärzte) steht hier bereit.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Imkertipp: Honigbienen stechen in größeren Gruppen seltener

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„Mit einem Löffel Honig fängt man mehr Fliegen als mit einem Fass voll Essig“, lautet ein Sprichwort. Honigbienen hingegen wollen eigentlich niemanden fangen. Aber ihr Honig lockt zahlreiche Fressfeinde in die Kolonie. Fliegen sind noch leicht zu vertreiben, viele Räuber sind oft deutlich größer. Sie nehmen zahlreiche Stiche der Honigbienen in Kauf, damit sie an die süße Nahrung kommen. Um sie mit einem gemeinsamen Stechangriff abzuwehren, müssen sich die Honigbienen zusammenschließen.

Diese Verteidigungsreaktion wird in der Regel von vorübergehend spezialisierten Honigbienen, den so genannten Wächterbienen, ausgelöst. Sie überwachen die Umgebung der Kolonie. Wenn sie ein großes Tier entdecken, das sich dem Bienenvolk nähert, stechen die Wächterbienen den Eindringling entweder oder sie fahren als Drohhaltung ihren Stachel aus und schlagen mit den Flügeln, wobei sie manchmal zeitgleich in den Bienenstock zu den anderen Bienen fliegen.

„In beiden Fällen bewirkt ihr Verhalten die Freisetzung des Alarmpheromons, einer komplexen Geruchsmischung, die direkt am Stachel sitzt“, erklärt die Biologin Morgane Nouvian. Durch dieses chemische Signal werden andere Honigbienen in der Nähe alarmiert und an den Ort der Störung gerufen. Dort entscheiden sie, ob sie sich entweder an der Verteidigung beteiligen und den Räuber stechen oder ihn mit anderen Mitteln vertreiben. Das Alarmpheromon am Stachel spielt folglich eine wichtige Rolle bei der Verteidigung der Kolonie. Doch hat auch die Gruppengröße einen Einfluss?

In einer interdisziplinären Zusammenarbeit entwickelten Nachwuchswissenschaftlerinnen vom Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour der Universität Konstanz ein Modell und eine Methodik, um herauszufinden, wie sich die Reaktion von Honigbienen auf das bei der Verteidigung ausgeschüttete Alarmpheromon je nach Gruppengröße verändert. Das Team konzentrierte sich hierfür auf die Gruppengröße, da frühere Studien zeigten, dass dieser Faktor aggressive Reaktionen bei sozialen Insekten beeinflussen kann.

Die Autorinnen beobachteten zunächst das Verhalten von Bienengruppen, die in einer Vorrichtung mit einer rotierenden Attrappe konfrontiert wurden. Das Forscherteam quantifizierte die Abwehrreaktion der Insekten. Dafür zählten sie am Ende eines jeden Versuchs die Anzahl der Stacheln in der Attrappe. Im nächsten Schritt verwendeten sie ein mathematisches Modell der Gruppendynamik, das die Wahrscheinlichkeit, ob eine einzelne Biene bei einer bestimmten Pheromon-Konzentration sticht, transparent mit dem im Experiment beobachteten Ergebnis ins Verhältnis setzt.

Die Autorinnen zeigen, dass mit zunehmender Gruppengröße weniger weitere Bienen zu Hilfe fliegen – was als sozialer Bremsmechanismus zusätzlich zur Alarmpheromon-Kommunikation gilt.

Quelle: Universität Konstanz

Goldmedaille beim Innovations AWARD und Animal Welfare AWARD der DLG: SoundTalks® – Frühwarnung bei Husten

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Atemwegserkrankungen bei Schweinen sind für eine Vielzahl von Schweinehaltern ein großes gesundheitliches Problem. Doch eine intensive Tierbeobachtung ist sehr zeitaufwändig und nicht objektiv. Zudem verhalten sich Schweine anders, wenn der Mensch in der Nähe ist. SoundTalks® eröffnet neue Wege in der Tierbeobachtung. Dieses innovative Monitoring-System von Boehringer Ingelheim ist eine künstliche Intelligenz, die den respiratorischen Gesundheitsstatus der Tiere permanent analysiert und sowohl die Stalltemperatur als auch die Luftfeuchtigkeit erfasst. Das Frühwarnsystem erkennt Atemwegserkrankungen mit Husten bis zu 5 Tage früher als eine routinemäßige Tierkontrolle. Es ermöglicht einen früheren Behandlungsbeginn, bevor die Tiere ernsthaft erkranken, in der Leistung abfallen und es zu finanziellen Einbußen kommt. Dabei ist die Technik absolut praxistauglich, robust und leicht zu installieren.

Das 24/7-Überwachungssystem besteht aus Monitoren mit Mikrofonen sowie Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsfühlern. Es zeichnet alle Daten rund um die Uhr auf und bewertet sie. Umgebungsgeräusche werden herausgefiltert, hustende Schweine hingegen führen zu einem Alarm. Warnungen des Systems werden einerseits direkt im Stall am Monitor über den betroffenen Schweinen durch eine LED-Leuchte angezeigt, andererseits im dazugehörigen SoundTalks-Webportal oder auf dem Smartphone via App. Das Ampelprinzip ist für jeden Mitarbeiter einfach nachzuvollziehen.

Weitere Informationen und Videos unter www.soundtalks.de

Rindergrippe: Mehr Augenmerk auf die Kälber

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Von Dr. Heike Engels

Rindergrippe hat viele Ursachen, nicht allein Viren und Bakterien sind die Auslöser. Deshalb bezeichnen Fachleute sie auch als Faktorenkrankheit. Die Folgen von Rindergrippe sind aber immer Leistungsverluste und eine erhöhte Sterblichkeitsrate. Welche Faktoren Rindergrippe begünstigen und was mit dem Begriff Cocooning gemeint ist, weiß Winfried Schön aus Betzigau. Er ist Tierarzt mit eigener Rinderpraxis im Allgäu.

Winfried Schön ist mit Leib und Seele Tierarzt. Sein Herz schlägt vor allem für Rinder, und hier liegen ihm speziell die Kälber am Herzen. Leider sind sie oft kränker als ihm lieb ist. „Neben Durchfall ist es oft die Rindergrippe, die ich bei meinen Besuchen vorfinde. Fast jeden Tag sind drei bis fünf Besuche wegen Atemwegserkrankungen dabei. Nicht immer sind sie der Hauptanlass des Besuchs, aber beteiligt sind sie fast immer und das ganzjährig. Es betrifft mal Einzeltiere, mal ganze Tiergruppen. Oft werden mir multimorbide Kälber vorgestellt, das bedeutet, dass sie gleichzeitig an mehreren Erkrankungen leiden. Es gibt kaum ein lungenkrankes Kalb, das nur an der Lunge krank ist, es ist dann meistens auch noch vom Durchfall geschwächt, oder der Nabel ist nicht gut abgeheilt“, berichtet Winfried Schön aus seiner täglichen Praxis.

Erkrankte Tiere bleiben zurück
Dieser Zustand bereitet ihm Sorgen, denn die an Rindergrippe erkrankten Kälber ziehen viele Folgeschäden mit sich. Sind die Kälber erst einmal infiziert, ist das Wachstum unzureichend und die Tageszunahmen unterdurchschnittlich. Ist die Lunge dauerhaft geschädigt, können die Tiere ihr Leistungspotenzial nicht mehr vollständig abrufen. Der Tierarzt erklärt, was das bedeutet: „Rindergrippe bedeutet nicht nur kranke Tiere und das damit verbundene Leid, sondern sie verringert die Wirtschaftlichkeit der Betriebe maßgeblich. Je früher die Tiere erkranken, desto aggressiver und mehr an Lungengewebe wird zerstört. Dieses Lungengewebe erholt sich kaum wieder vollständig. Auch nach der Erkrankung wachsen die Tiere schlechter und nehmen weniger zu.

Um die Auswirkungen einer Erkrankung deutlich zu sehen, rate ich dazu, erkrankte Kälber an der Ohrmarke zu markieren. Man erkennt dann deutlich vom Futtertisch aus, dass sie von der laufenden Nummer her immer weiter zurückfallen im Vergleich zu ihrer Altersgruppe.“ Rindergrippe verteuere die Aufzucht, denn bis diese Kälber Milch geben, dauert es durch das verzögerte Wachstum und die meist schlechtere Fruchtbarkeit viel länger. Winfried Schön betont: „Natürlich kann man die Erkrankung behandeln. Aber die Schäden sind auch mit einer schnellen und intensiven Behandlung der Tiere nicht komplett auszugleichen. Besser wäre es, wenn die Tiere gar nicht erst erkranken.“

Ganzjährige Rindergrippe
Doch warum ist die Rindergrippe so häufig? Sind das generell Risikobetriebe oder liegt es an der Witterung? Nein, sagt der Tierarzt.


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestäigungs-Mail anklicken:

 

Proteine aus Grünland-Schnitt: Erste Fütterungsversuche verlaufen erfolgreich

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Den Küken schmeckt’s: Die ersten 50 Kilogramm Proteinextrakt – gewonnen aus Grünland-Schnitt – konnten Forschende der Universität Hohenheim in Stuttgart an die Tiere verfüttern. Doch in den Pflanzen von Wiesen und Weiden steckt noch mehr als eine neue Eiweißquelle für Schweine und Geflügel: Auch in der menschlichen Ernährung könnten sie eine Alternative zu Soja darstellen. Außerdem sind sie Ausgangsmaterial für biobasierte Kunststoffe und Papier, Energie und Dünger. Um dieses enorme Potenzial nutzbar zu machen, erforschen drei Hohenheimer Arbeitsgruppen die Möglichkeiten im Sinne einer Kreislaufwirtschaft im Projekt „Proteine aus der Grünlandnutzung – ProGrün“. Es wird vom baden-württembergischen Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz MLR mit rund einer Mio. Euro gefördert – ein Schwergewicht der Forschung an der Universität Hohenheim.

Gras und andere Grünlandpflanzen enthalten viel Eiweiß. Doch nur Wiederkäuer wie Rinder und Schafe können die enthaltenen Proteine verwerten – so dachte man lange Zeit. Doch wenn das in den Grünlandpflanzen enthaltene Eiweiß zuvor aus seiner pflanzlichen Struktur herausgelöst wird, ist es grundsätzlich auch als Tierfutter für Nicht-Wiederkäuer geeignet, zeigen Forschende der Universität Hohenheim im Projekt ProGrün.

Und das ist ganz im Sinne der Bioökonomie und einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft: Denn auch der Rest der Biomasse wird genutzt – für die Herstellung von hochwertigen Materialien, aber auch zur Wärme- und Energieerzeugung. Dafür entstand auf der Versuchsstation Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim am Standort „Unterer Lindenhof“ eine Bioraffinerie-Demonstrationsanlage, die es erlaubt, den gesamten Prozess im Technikumsmaßstab zu testen. „Damit haben wir dort alles, also Gras, Bioraffinerie sowie Hühner und Schweine, um eine Bioökonomie im Kleinen aufzubauen“, sagt Projektkoordinatorin Prof. Dr. Andrea Kruse vom Fachgebiet Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe.

Neue Proteinquelle und Alternative zu Soja
Der Bedarf an Protein in der Ernährung von Mensch und Tier wird derzeit zu einem großen Teil durch Soja gedeckt. Daraus ergeben sich gleich mehrere Probleme: Zum einen erfolgt der Anbau von Soja überwiegend außerhalb von Europa und ist in vielen Fällen nicht nachhaltig und umweltfreundlich. Gleichzeitig gelangen mit dem Import vermehrt Stickstoffverbindungen nach Europa, die letztlich über die Gülle auf den Feldern landen – mit negativen Folgen für die Umwelt.

Zum anderen fehlen diese Stickstoffverbindungen im Anbauland. „Dieses Defizit muss dort mit Mineraldünger gedeckt werden. Sowohl der Transport von Soja als auch die Mineraldünger-Herstellung führen zu einem erheblichem Energie-Verbrauch und damit zu erheblichen Kohlendioxid-Emissionen“, erläutert die Bioökonomie-Expertin..

Keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion
Allerdings sind die Möglichkeiten begrenzt, Sojaprotein durch andere Proteine zu ersetzen, die regional oder in Europa erzeugt werden. Insofern stellt Grünland eine bislang unterschätzte Proteinressource dar. Mit 4,7 Millionen Hektar macht das Dauergrünland in Deutschland mehr als ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus, die zudem nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht.

Aktuell wird nur ein Teil direkt als Futter genutzt: Grünlandschnitt, der im Rahmen der Landschaftspflege anfällt, wird ebenso wie Material aus Obstplantagen, Streuobstwiesen, landwirtschaftlichen Nebenflächen etc. oft nicht verfüttert.

Eiweiß-Zusammensetzung mit der von Soja vergleichbar
Damit auch Nicht-Wiederkäuer das Grünfutter verstoffwechseln können, ist ein Zwischenschritt zur Extraktion und zum Aufschluss der verdaulichen Proteine notwendig. Dazu wird das in den meisten Fällen verwendete Gras zunächst zerkleinert und gepresst. Heraus kommt der Presssaft mit einem hohen Anteil an löslichen Proteinen, einer Restmenge an Kohlenhydraten sowie weiteren chemischen Verbindungen. Die festen Bestandteile und rund zwei Drittel des Proteins bleiben im sogenannten Presskuchen zurück.

„Zucker, Säuren und andere Substanzen im Presssaft können die Verdaulichkeit der Proteine beeinträchtigen“, erklärt Prof. Dr. Rodehutscord vom Fachgebiet Tierernährung. Deshalb werden diese weitgehend abgetrennt. Anschließend werden die Proteine schonend getrocknet, mit weiteren Tierfutterbestandteilen gemischt und pelletiert. „Aus rund 45 Tonnen frisch geschnittenen Grases kann so proteinreiches Futter mit 1.000 Kilogramm Proteinanteil hergestellt werden“, ergänzt Prof. Dr.-Ing. Reinhard Kohlus vom Fachgebiet für Lebensmittelverfahrenstechnik und Pulvertechnologie.

„Die Zusammensetzung der Aminosäuren in dem Proteinextrakt entspricht in etwa der von Soja“, weiß Prof. Dr. Rodehutscord, „und ist damit im Prinzip hervorragend für die Ernährung von Hühnern und Schweinen geeignet.“ Auf eine Schwierigkeit, die die Forschenden erst überwinden mussten, weist sein Mitarbeiter Dr. Wolfgang Siegert hin: „Das Futter muss den Tieren auch schmecken, sonst fressen sie es nicht. Hierfür waren ein paar Vorversuche notwendig. Aber jetzt konnten wir die ersten 50 Kilogramm an Küken verfüttern.“

Langfristig soll es laut den Expert:innen auch möglich sein, den gewonnenen Proteinextrakt für die menschliche Ernährung einzusetzen.

Kreislaufwirtschaft: Verwertung der restlichen Biomasse
Ganz im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft soll auch die restliche Biomasse verwertet werden. „So kann der anfallende Presskuchen zur Herstellung von Graspapier oder von Fasermatten zur Isolierung dienen“, erläutert Prof. Dr. Kruse.

„Da er zudem noch genügend Protein enthält, ist der Presskuchen auch für die Fütterung von Rindern geeignet. Und zu guter Letzt kann er auch in einer Biogas-Anlage verwertet werden. Deren Gärrest wird als Dünger auf die Felder ausgebracht und schließt so den Nährstoffkreislauf“, ergänzt ihr Mitarbeiter und Projektleiter Przemyslaw Maziarka.

Im Presssaft enthaltene Kohlenhydrate und Zucker stellen wiederum ein vielversprechendes Ausgangsmaterial für die Herstellung von sogenannten Plattformchemikalien, wie HMF (5-Hydroxymethylfurfural) dar, das die Grundlage für die Herstellung biobasierter Kunststoffe bildet. „Wir wandeln die Zucker direkt im Saft um und entziehen ihm dann das entstandene HMF“, beschreibt er den Prozess.

Hohenheimer Ansatz: Modulare, dezentrale On-Farm-Bioraffinerie
„Letztlich ist dieser Hohenheimer Ansatz eine Weiterentwicklung bestehender Konzepte, bei denen die Wertschöpfung aus Presssaft und Presskuchen maximiert werden soll“, erklärt Prof. Dr. Kruse weiter. Kleine On-farm-Bioraffinerien, direkt am Bauernhof angesiedelt, sind für sie der Schlüssel, um Kreisläufe zu schließen und so Natur, Umwelt und Klima zu schützen.

Der Clou dabei: Die Anlagen bestehen aus einzelnen Modulen, die je nach Anforderungen miteinander gekoppelt werden können. „Wenn man verschiedene Prozesse effizient hintereinander schaltet, wird Biomasse entlang der ganzen Wertschöpfungskette zu Lebensmitteln, Futtermitteln, Werkstoffen, Materialien, Chemikalien und Energie veredelt“, ist Prof. Dr. Kruse überzeugt.

HINTERGRUND: Verbundprojekt Proteine aus der Grünlandnutzung ProGrün
Das Projekt ProGrün startete am 1.12.2020 und endet voraussichtlich am 30.11.2023. Es wird vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) mit 1,07 Mio. Euro gefördert. Beteiligt sind die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Andrea Kruse vom Fachgebiet Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe, Prof. Dr. Markus Rodehutscord vom Fachgebiet Tierernährung und Prof. Dr. Reinhard Kohlus vom Fachgebiet Lebensmittelverfahrenstechnik und Pulvertechnologie.

Quelle: Universität Hohenheim