Minderung von Ammoniakemissionen in der Rinderhaltung

0

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert Kieler Forschungsprojekt PraxREDUCE

Offene Laufställe mit viel Platz sind eine Maßnahme, um Rindern in der Landwirtschaft mehr Tierwohl zu ermöglichen. Der größere Luftaustausch und die größere Fläche führen aber auch zu mehr Ammoniakemissionen im Stall. Ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) untersucht im gerade gestarteten Projekt PraxREDUCE praktische Lösungen, wie diese Ammoniakemissionen bei bestehenden und neuen Ställen reduziert werden können.

Treffen Harn und Kot zusammen auf die Bodenflächen im Laufstall, wird ein Prozess angestoßen, der in einer Freisetzung von Ammoniak endet. Das von Bakterien im Kot gebildete Enzym Urease beginnt je nach pH-Wert und Witterungseinflüssen mit der direkten Spaltung des Harnstoffs. Der Harnstoff, im Urin wird dann mithilfe von Wasser in Ammoniak und CO2 aufgespalten. Das verflüchtigte Ammoniak ist damit als Nährstoff im Dünger für die betriebseigenen Flächen verloren und steht wegen seines negativen Einflusses auf die Umwelt in der Diskussion. Eine Lösung zur Verringerung der Ammoniakemissionen bieten Ureaseinhibitoren, die die Ureaseaktivität minimieren. Dadurch wird die Harnstoffaufspaltung im Stall reduziert und weniger Ammoniak freigesetzt. In Studien am Institut für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der CAU konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass der Einsatz solcher Ureaseinhibitoren die Ammoniakemissionen um 40 bis 60 Prozent reduziert.

Im Projekt PraxREDUCE erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun eine automatisierte Ausbringung des Ureaseinhibitors. Hierbei handelt es sich um ein chemisches Produkt, welches in einer rapsölbasierten Lösung suspendiert ist. „Die technischen Lösungen, die hierbei erprobt werden sollen, reichen von einem schienengeführten Spritzgestänge bis zu einer im Entmistungsroboter voll-integrierten Applikationseinheit“, berichtet Dr. Andreas Melfsen als Projektverantwortlicher des Instituts für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik. „Neben der Praxistauglichkeit sind weitere Schwerpunkte der Forschung die genaue und sichere Ausbringung. Hierbei wird nicht nur die Effektivität des Ureaseinhibitors im Praxiseinsatz untersucht, sondern auch weitere Einflüsse die durch Abdrift oder Verschleppung bei der Ausbringung entstehen können.“ Zusammen mit den Projektpartnern von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt können diese neuartigen Systeme auf deren Lehr- und Versuchsanstalten in Futterkamp und Iden in der Praxis erprobt werden. Als Teil des PraxREDUCE Projektes wird auch die Unbedenklichkeit für Tier, Mensch und Umwelt bei fachgerechter Anwendung untersucht. Diesen Projektteil übernehmen die Projektpartner SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH und Julius-Kühn-Institut unterstützt durch unabhängige, zertifizierte Fachtoxikologen.

In Zukunft könnte der Einsatz der Methode nicht nur die Ammoniakemissionen reduzieren, sondern dadurch auch die Stallluftqualität erhöhen und damit die Tiergesundheit und Arbeitsbedingungen verbessern. Außerdem steigert der im Wirtschaftsdünger vermehrt verbleibende Stickstoff dessen Nährstoffwert und seine Transportfähigkeit. Zudem hat sich Deutschland nach der EU-Richtlinie 2016/2284 dazu verpflichtet, nationale Emissionen bestimmter Luftschadstoffe deutlich zu reduzieren. Für die Ammoniakemissionen bedeutet dies eine Reduktion um fünf Prozent in den Jahren 2020 bis 2029 und um 29 Prozent ab dem Jahr 2030 im Vergleich zu 2005.

Über PraxREDUCE:
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für drei Jahre gefördert. Ziel ist es eine praxistaugliche Lösung zu finden, wie ein Ureaseinhibitor gleichmäßig und sicher auf Laufflächen in Rinderställen ausgebracht werden kann. Diese soll sowohl in bestehenden Altgebäuden als auch in Neubauten funktionieren. Neben dem Institut für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik der CAU und drei Industriepartnern (SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH, agrotop GmbH und Betebe GmbH) sind auch die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LWK SH), die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG-LSA) und das Julius-Kühn-Institut in Braunschweig beteiligt.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Große Erfolge bei der Antibiotikaminimierung

0

Erfolgsmeldungen aus der Landwirtschaft gehen manchmal etwas unter. Dies betrifft den Pflanzenbau und die Nutztierhaltung gleichermaßen. Tatsache ist, dass im vergangenen Jahr sowohl die Menge eingesetzter Pflanzenschutzmittel als auch die Abgabe von Antibiotika weiter gesunken sind.

Im Juli meldete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), dass die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland im Jahr 2019 erneut zurückgegangen ist. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um 52,2 auf 670 Tonnen, das sind 7,2 Prozent weniger als im Jahr 2018. Die Abgabemenge erreichte damit das niedrigste Niveau seit der ersten Erfassung im Jahr 2011 mit 1.706 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang in diesem Zeitraum von 60,7 Prozent. Hervorzuheben ist, dass die abgegebenen Mengen der Fluorchinolone sowie Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf den niedrigsten Wert seit 2011 sanken. Seit 2014 wird neben den Abgabe-mengen auch die Therapiehäufigkeit mit Antibiotika bei Masttieren bestimmt. Landwirte sind verpflichtet, jede Behandlung über die Wirktage des Mittels zu dokumentieren.

Um weiterhin aktiv die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen zu bekämpfen, sollte Ziel sein, mittels eines umfassenden Tiergesundheitsmanagements Krankheiten vorzubeugen und die Behandlung mit Antibiotika auf das notwendige Maß zu beschränken. Bei den Konzepten zur Prävention von Krankheiten spielen deshalb Impfstoffe und auch immunmodulierende Tierarzneimittel eine bedeutende Rolle. Eine dem Tier angemessene Versorgung mit geeigneter Fütterung und Haltung sowie Diagnostika, die eine frühzeitige Erkennung von Erkrankungen ermöglichen, tragen ebenfalls dazu bei, Tiere gesund zu halten. Maßnahmen zur Infektionskontrolle und Vermeidung eines Resistenztransfers auf dem landwirtschaftlichen Betrieb sowie in vor- oder nachgelagerten Stufen der Lebensmittelkette komplettieren das Bild, um den Verbraucher mit hochwertigen Lebensmitteln vom Tier zu versorgen. Zu beachten bleibt, dass auch bei bester Hygiene und Prävention Tiere nach wie vor krank werden und behandelt werden müssen, wenn erforderlich auch mit Antibiotika.

Mit der neuen EU-Tierarzneimittel-Verordnung verbinden sich weitere Erwartungen. So soll die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln in den Ländern der Europäischen Union größer, der Anreiz für Innovationen gesteigert und der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen verstärkt werden. Die Verordnung soll ab dem 28. Januar 2022 zur Anwendung kommen. Sie sieht u.a. vor, dass besonders kritische Antibiotika künftig der Humanmedizin vorbehalten sein sollen.

Ein europäisches Experten-Gremium hat bereits Empfehlungen zu diesen Kriterien und zur Kategorisierung der Antibiotika in vier Gruppen formuliert, nämlich „A: Vermeiden“, „B: Einschränken“, „C: Vorsicht“ und „D: Umsichtig“. Wichtiges Ziel ist es dabei, künftige Therapieoptionen für die Tiermedizin zu erhalten. Experten betonen, dass darüber hinaus neue Antibiotika entwickelt werden müssten. Intensiv arbeiten Wissenschaftler daran, die Mechanismen der Resistenzentwicklung und die Übertragungswege zu verstehen.

Erwartet wird, dass sich hieraus ergebende Ansatzpunkte für neue Antibiotika der Humanmedizin vorbehalten bleiben werden. Das neue Wissen wird aber auch genutzt, um bekannte Wirkstoffe zu optimieren oder andere Konzepte zur Kontrolle oder zu Alternativen weiterzuentwickeln.

Tiergesundheit trägt in entscheidendem Maß zu einer produktiven und damit ressourcenschonenden Tierhaltung in der Landwirtschaft bei. Gesunde Tiere verbrauchen weniger Ressourcen wie Futter, Wasser und damit Fläche mit der Folge, dass weniger Gülle und Emissionen anfallen. Je intensiver die Haltung und je gesünder die Tiere, desto stärker werden die Einspareffekte.

Laut FAO und der Welttiergesundheitsorganisation (OIE) machen krankheitsbedingte Verluste etwa 20 % der Gesamtproduktion aus. Ein Beispiel: Mastitis-Management und Impfung verbessern die Gesundheit und das Wohlbefinden von Milchkühen. So können wirtschaftliche Einbußen von 375 kg Milchertrag bzw. bis zu 182 € pro Kuh/Jahr vermieden werden.

Antibiotika sollen jedoch nicht als „billiges Produktionsmittel“ eingesetzt werden, sondern dienen der Behandlung kranker Tiere. Die prophylaktische Anwendung von Antibiotika ist verboten. Auch als sogenannte Leistungsförderer dürfen sie in der Europäischen Union bereits seit 2006 nicht mehr eingesetzt werden.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Geflügelwirtschaft besorgt – Geflügelhalter tun alles, um Vogelgrippe-Eintrag in eigene Bestände zu vermeiden

0

Zum sich aktuell ausweitenden Vogelgrippe-Geschehen in Deutschland äußert sich Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG):

„Das sich aktuell ausweitende Vogelgrippe-Geschehen in Deutschland macht uns als Geflügelwirtschaft sehr besorgt. Gleichwohl sind unsere erfahrenden Geflügelhalter bestmöglich sensibilisiert und routiniert im Umgang mit der aviären Influenza. Wichtigster Präventionsbaustein ist und bleibt die konsequente Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen im täglichen Management auf jedem Geflügelbetrieb: Damit kann der Eintrag der Vogelgrippe in die Geflügelbestände effektiv minimiert werden – absolute Sicherheit kann es dennoch nicht geben.

Wir als gesamte Geflügelwirtschaft stehen in einem intensiven und täglichen Austausch zu den aktuellen Vogelgrippe-Fällen – sowohl die Landesverbände untereinander als auch mit dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft als Dachorganisation auf Bundesebene. Aber auch mit den zuständigen Behörden bei Bund und Ländern stehen wir in einem regelmäßigen und sachlich-konstruktiven Austausch über die jeweils aktuellen Entwicklungen und notwendigen Maßnahmen. Und wir werden diesen Austausch je nach Entwicklung jederzeit noch enger ziehen. Allen Beteiligten ist bewusst: Nur eine gemeinsame Anstrengung kann zur Bekämpfung der Vogelgrippe beitragen. Gleichzeitig sollten die Bundesländer mit zusätzlichen Maßnahmen nicht zu lange warten – eine risikobasierte und regionale Stallpflicht ist neben der konsequenten Biosicherheit ein weiteres wichtiges Instrument der Prävention.“

Quelle: ZDG

Süße Einblicke in den Geschmackssinn der Bienen

0

Wissenschaftlerinnen der Universität Würzburg haben mit der Genschere CRISPR/Cas9 ein Zuckerrezeptor-Gen der Honigbiene ausgeschaltet. Ihre Studie liefert neue Erkenntnisse über die Geschmackswahrnehmung dieser Insekten.

Dass Honigbienen Süßes schmecken, erscheint uns ganz selbstverständlich, schließlich sammeln diese sozialen Insekten Blütennektar und produzieren daraus Honig. Erstaunlich dabei ist aber, dass Bienen die vielen verschiedenen Zucker, die ihnen bei der Futtersuche begegnen – wie etwa Fruktose, Saccharose, Glucose, Maltose, Melizitose oder Trehalose – lediglich mit drei Rezeptoren wahrnehmen können. Bei der Untersuchung an Zellsystemen konnte die Arbeitsgruppe um Dietmar Geiger, Professor für Pflanzenphysiologie am Lehrstuhl für Botanik I, bestätigen, dass einer dieser Rezeptoren (AmGr3) allein auf Fruktose reagiert, während die anderen beiden (AmGr1 und AmGr2) alle weiteren Zucker detektieren.

Diese Zuckerrezeptoren stehen auch im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts von Ricarda Scheiner. Die Biologin ist Professorin und Arbeitsgruppenleiterin am Lehrstuhl für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie am Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. Seit vielen Jahren erforscht sie die molekularen Grundlagen der Verhaltenssteuerung bei Honigbienen.

Publikation in „Chemical Senses“
Gemeinsam mit ihrem Team ist es Scheiner nun gelungen, das Gen des spezifischen Fruktoserezeptors AmGr3 mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas9 in Bieneneiern auszuschalten. Anschließend haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die so mutierten Tiere künstlich aufgezogen und auf ihre Geschmackswahrnehmung hin untersucht. Die Ergebnisse haben Sie vor Kurzem in der Fachzeitschrift Chemical Senses veröffentlicht.

„Honigbienen ohne den AmGr3-Rezeptor schmeckten weniger Fruktose als die Kontrolltiere, ihr Geschmack für Saccharose blieb unbeeinflusst“, beschreibt Laura Degirmenci, die Erstautorin der Studie, das zentrale Ergebnis dieser Experimente. Die Wissenschaftlerin konnte damit die früheren Ergebnisse aus Versuchen an Zellsystemen am Tiermodell bestätigen, wonach AmGr3 ein Fruktose-Rezeptor ist.

Darüber hinaus zeige die Arbeit, „dass die CRISPR/Cas9-Methode eine effektive Methode für Rezeptor- und Verhaltensuntersuchungen in diesem Organismus darstellt“, so Degirmenci. Die Arbeitsgruppe von Ricarda Scheiner hat die Arbeit mit der Genschere in der Forschung an Honigbienen in jüngster Zeit an der Universität Würzburg etabliert. Im Frühjahr 2020 hat sie dafür den mit einer halben Million Euro dotierten Momentum-Forschungspreis der Volkswagenstiftung erhalten.

Link zur Studie.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Nachhaltigkeit in der tierischen Produktion: wie sieht die Zukunft aus?

0

Judith L. Capper, unabhängige Beraterin für Nachhaltigkeit bei Nutztieren, hat einen bemerkenswerten Artikel in der Fachzeitschrift „Animal Frontiers“ veröffentlicht, in dem sie sich mit zukünftigen Chancen und Herausforderungen für die tierische Produktion auseinandersetzt.

Die Autorin definiert dabei Nachhaltigkeit als „Gleichgewicht zwischen Wirtschaftlichkeit, Umweltverantwortung und sozialer Akzeptanz“ und setzt damit bereits den weiten Rahmen für ihre Überlegungen, die sie am Beispiel der US-amerikanischen Landwirtschaft darlegt.

Grundsätzlich schreibt sie in der Einleitung: „Die künftige Nachhaltigkeit wird davon abhängen, dass die Tierhalter Produktivität und Effizienz verbessern, damit mehr Fleisch und Milch mit weniger Ressourcen hergestellt werden können. Die Verbraucher stellen jedoch zunehmend die Methoden in Frage, mit denen Lebensmittel hergestellt werden. Die Zukunft der globalen tierischen Produktion hängt daher davon ab, dass die Erzeuger ihr Engagement für die Umwelt unter Beweis stellen und gleichzeitig ein positives Verbraucherbild der Tierhaltung bewahren.“

Dass in den letzten Jahren der Fokus auf die Treibhausgas-Emissionen gelegt wurde, habe die Branche einigermaßen unvorbereitet getroffen. Zwar habe es schon in der Vergangenheit beträchtliche Fortschritte gegeben, die aber eher Nebeneffekte verbesserter Produktivität und Effizienz gewesen seien, als absichtliche Strategie.

Von 1977 bis 2007 etwa, habe die US-Rindfleischproduktion pro Kilo Fleisch 19% weniger Futter, 33% weniger Land und 12% weniger Wasser genutzt. Bessere Ernteerträge, Wachstumsraten und höhere Schlachtgewichte beim Rind seien dafür verantwortlich gewesen. Die vierfach gestiegene Milchleistung pro US-Kuh zwischen 1944 und 2007 ging mit Verringerungen beim Futterverbrauch um 77%, bei Land- und Wassernutzung um 90, respektive 65% einher, wobei gleichzeitig die THG-Emissionen pro Kilo Milch um 63% sanken. In den Jahren 2007 bis 2017 hätten weitere Produktivitätssteigerungen Land- und Wassernutzung um 20,8% und 30,5 %, den Kraftstoffverbrauch um 20,2% verringert, was unterm Strich zu einem Rückgang der THG-Emissionen um 19,2% pro Kilogramm geführt habe.

Die heute erreichten Werte für Futterverwertungseffizienz, Reproduktionsleistung und Wachstumsraten ließen vermuten, dass bei Schweinen und Geflügel ein Maximum in Sichtweite sein könnte. Bei Wiederkäuern sähe es allerdings ganz anders aus: die Weltrekord-Milchkuh aus Wisconsin lieferte sagenhafte 35.457 kg Milch in einer einzigen Laktation, was einen weiteren linearen Anstieg des (möglichen) durchschnittlichen Milchertrags erwarten ließe. Ein Hinweis auf Zielkonflikte zwischen Produktivität und Tierwohl. Ebenso wie die Ergebnisse zweier Studien zur weidebasierten Rinderhaltung, die eine um 302% höhere Wassernutzung und eine 68%-ige Zunahme der THG-Emissionen gegenüber Feedlots zeigten.

Für Capper hängt deshalb „die zukünftige Nachhaltigkeit der Viehwirtschaft davon ab, dass die relative Bedeutung der Umweltverantwortung erfolgreich kommuniziert und die Nachhaltigkeitsmerkmale unterschiedlicher Produktionssysteme sowohl quantifiziert als auch qualifiziert werden.“

Die Engländerin definiert ferner drei Probleme, die sofort angegangen werden müssten: (1) Änderung der Berechnung für THG-Emissionen, (2) Einbeziehung von nicht vom Menschen essbaren Futtermitteln und (3) Priorisierung der Tiergesundheit und des Tierschutzes.

Bei Punkt 1, den THG-Emissionen, bezieht sich Capper auf die Forschungsergebnisse von Allen et al. zum Abbau von Methan in der Atmosphäre (Link).

Um Getreide und Ölsaaten in der Tierernährung zu ersetzen, sei 2. eine nachhaltige Intensivierung bei den Kuppelprodukten notwendig, vom Biertreber über Zitrusfruchtpulpe bis zum Insektenprotein.

3. gelte es die Tiergesundheit zu verbessern, schon allein, weil laut FAO jährlich 20% des tierischen Proteins aufgrund von Tierseuchen verloren gingen.

„Zukünftige Tierhaltungssysteme müssen entweder nachweisen, dass eine Intensivierung der Produktion ein Synonym für Gesundheit und Wohlbefinden sein kann, oder die Systeme entsprechend ändern, sodass ein akzeptabler Mittelweg gefunden werden kann“ schreibt Capper – nicht zuletzt im Hinblick auf den Antibiotikaeinsatz.

Für die Zukunft hält die Autorin den Ansatz tierische Produkte über Steuern zu verteuern für denkbar, wenn eine Verbrauchssenkung gesellschaftlich erwünscht wäre. Gleichzeitig müssten dann aber auch Vermarktungsmöglichkeiten geschaffen werden für Produkte, die auf verbesserten Tierschutz, Umweltauswirkungen oder Ernährungsqualität beruhen.

Um zukunftsfähig zu sein, müsse die Branche heute Kommunikationskanäle öffnen, welche die jüngere Generation, die in 10 Jahren Kaufentscheidungen treffen wird, aufklären und begeistern. Die Herausforderung bestehe darin, „eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung einzuführen, um eine nachhaltige Intensivierung voranzutreiben, die eine verbesserte Gesundheit für Tiere, Menschen und den Planeten umfasst.“

Link zum Originalartikel: Judith L. Capper
Animal Frontiers, Vol. 10, Issue 4, October 2020,

Geflügelpest in Schleswig-Holstein und Niedersachen angekommen

0

Aktive Biosicherheit: Risikoampel der Universität Vechta unterstützt beim Vorsorge-Check

Angesichts des ersten Geflügelpest-Falles in einem Geflügelbestand in Schleswig-Holstein sowie einer zunehmenden Zahl von hoch ansteckenden und krankheitsverursachenden Aviärer Influenza (HPAI) H5-Fällen bei Wildvögeln an der Nord- und Ostseeküste ist das Risiko eines Eintrags in weitere Nutzgeflügelhaltungen – auch in Niedersachsen – sehr hoch. Die kostenlos nutzbare Risikoampel der Universität Vechta unterstützt Betriebsinhaber*innen beim Vorsorge-Check.

„Entscheidend ist eine effektive Risikominimierung einer Viruseinschleppung in die Ställe“, erläuterte Projektleiterin Dr. Barbara Grabkowsky, Geschäftsführerin der an der Universität Vechta
angesiedelten Transformationsstelle agrar Niedersachsen. „Dies kann nur durch eine konsequente Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen in allen Betriebsabläufen umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist es von großer Bedeutung, den aktuellen Biosicherheitsstatus in den einzelnen Geflügelbetrieben zu überprüfen.“ Die Universität Vechta weist in diesem Zusammenhang auf die 2018 entwickelte AI-Risikoampel hin. Diese gibt kostenlos eine auf die Eintragswege der Geflügelpest fokussierte Einschätzung und damit eine gute Grundlage, um das Risiko eines Eintrags der Geflügelpesterreger zu senken.

Das Online-Tool bietet Landwirt*innen die Möglichkeit, die individuelle betriebliche Biosicherheit bewerten zu lassen, besonders die ergriffenen Maßnahmen zum Schutz vor Geflügelpest. Dadurch können Betriebe noch besser Vorsorgemaßnahmen zum Schutz des eigenen Geflügelbestandes treffen, um Auswirkungen der Seuchenzüge – wie zuletzt 2016/17 – zu vermeiden. Die fachliche Basis der Ampel lieferten 19 Experten aus Wissenschaft, tierärztlicher und landwirtschaftlicher Praxis sowie Behördenvertreter aus ganz Deutschland.

„Die Risikoampel beinhaltet 100 Fragen, die den Bereichen Sicherung des Betriebs, Sicherung des Stalls und Arbeitsabläufe zugeordnet sind“, erläuterte Grabkowsky. Über ein Multiple-Choice-System beantworten die Landwirt*innen die Fragen, wobei das Tool in einem zweistufigen Verfahren automatisch bewertet, wie stark jeder Aspekt das Risiko eines Geflügelpesteintrags verringert oder erhöht. „Das Ergebnis wird in Ampelfarben visualisiert und gibt Auskunft über die erreichte Risikoklasse“, erklärt Grabkowsky – und das hat einen ganz konkreten praktischen Nutzen: „In einer Optimierungsanalyse werden alle Risikofaktoren ihrer Bedeutung gemäß aufgelistet und konkrete Hinweise zur Umsetzung im Betrieb gegeben. Mit diesem Ampelsystem können Geflügelhalter*innen regelmäßig überprüfen, ob das eigene Biosicherheitskonzept den Betrieb noch optimal schützt.“

Das Projekt „Geflügelpest-Risikoampel“ wurde von der Universität Vechta zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) durchgeführt. Mitarbeitende Partner im Projekt sind die QS Fachgesellschaft Geflügel GmbH, der Niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband (NGW) sowie der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Die wissenschaftliche Grundlage für die Wichtung der Risikofaktoren hat ein Expertenpanel erarbeitet, das mit Fachleuten aus der Tierärztlichen Hochschule Hannover, dem Friedrich-Loeffler-Institut, der Niedersächsischen Tierseuchenkasse, dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), dem Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg, der Task Force AI aus Baden-Württemberg, dem Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft e. V., verschiedenen Tierarztpraxen aus Deutschland, der Anicon Vorsorge GmbH und Praktikern der Branche besetzt ist. Finanziell unterstützt wurde das Projekt an der Universität Vechta von der QS Fachgesellschaft Geflügel GmbH und der Dr. Alhard von Burgsdorff-Stiftung.

Link zur Geflügelpest-Risikoampel (Benutzung ist gebührenfrei).
Quelle: Universität Vechta

Stallpflicht in einigen Regionen Niedersachsens

In Niedersachsen wird es zunächst keine landesweite Stallpflicht für Freilandgeflügel wegen des hochansteckenden Geflügelpest-Virus geben. Das teilte das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium (ML) mit. Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Seuchenlage hat Niedersachsen am 3. November 2020 die Landkreise und kreisfreien Städte zu einer Risikobewertung aufgefordert. Diese liegen nun vor.

Auf Einladung des ML fand heute Nachmittag eine Telefonkonferenz mit den Veterinärämtern der Küstenlandkreise und der Landkreise mit hoher Geflügeldichte zur Einschätzung der augenblicklichen Situation statt.

Zum Schutz des Hausgeflügels werden folgende Landkreise und kreisfreie Städte die Aufstallung für alle Betriebe, auch Hobbyhaltungen, anordnen: Ammerland, Aurich, Cloppenburg, Cuxhaven, Stadt Delmenhorst, Stadt Emden, Emsland, Friesland, Grafschaft Bentheim, Leer, Stadt und Landkreis Oldenburg, Stadt und Landkreis Osnabrück, Osterholz-Scharmbeck, Stade, Vechta, Wesermarsch, Stadt Wilhelmshaven und Wittmund. In diesen Regionen wird besonders viel Geflügel gehalten bzw. sie sind besonders stark vom derzeit stattfindenden Vogelzug betroffen.

Darüber hinaus werden die übrigen Veterinärämter des Landes vom ML aufgefordert, ihre Risikobewertungen fortlaufend zu aktualisieren und eine Teil-Aufstallung in avifaunistisch wertvollen Gebieten zu prüfen. Die Zuständigkeit der für eine Aufstallung notwendige Risikobewertung liegt bei den Landkreisen. Daher muss diese auch zwingend von den Landkreisen vorgenommen werden.

Die Notwendigkeit der Aufstallungsverfügungen wird regelmäßig überprüft, um deren Dauer auf das seuchenhygienisch unbedingt erforderliche Maß zu begrenzen.

„Ich weiß, was das für eine schwierige Aufgabe ist, das Freilandgeflügel einzustallen. Aber wir hoffen, dass wir mit diesen regional und zeitlich begrenzten Maßnahmen den Übergriff der Vogelgrippe auf unsere Geflügelhaltungen verhindern können”, sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Durch das dynamische Geschehen in anderen Küstenländern sei man alarmiert. Sie verwies auf die zwingende Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen hin.

Bislang wurde in Niedersachsen bei drei Wildvögeln (zwei Enten im Landkreis Cuxhaven und eine Nonnengans im Landkreis Wesermarsch) durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als nationales Referenzlabor der Geflügelpesterreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen. Es bestehen derzeit keine Hinweise, dass dieser Subtyp des Geflügelpest-Virus auf den Menschen übertragen wird.

Ausnahmen von der Aufstallungspflicht für bestimmte Haltungen und Örtlichkeiten sind nach der Geflügelpest-Verordnung möglich. Auch Ausnahmegenehmigungen für einzelne Betriebe, z.B. weil eine artgerechte Haltung bei Aufstallung nicht möglich ist, können erteilt werden.

Hintergrund:
Die Geflügelpest kommt derzeit in der Wildvogelpopulation in weiten Teilen der norddeutschen Küstenländer vor. Betroffen sind hauptsächlich Wassergeflügel wie Wildenten und Wildgänse, aber auch Aasfresser und Greifvögel. Es werden in den Küstenlandkreisen aus der Bevölkerung vermehrt tote sowie lebende Vögel, die zentralnervöse Störungen aufweisen, gemeldet. Auch wenn der aktuelle Geflügelpesterreger des Typs H5N8 oder H5N5 bisher nicht für den Menschen gefährlich ist, sollen tote oder lebende Tiere nicht von den Bürgern eingesammelt werden. Wichtig ist auch, sich noch lebenden Tieren nicht zu nähern, denn dies bedeutet sehr viel Stress für die Vögel, sondern die Wildtiere in der Natur in Ruhe genesen oder evtl. auch sterben zu lassen. Hunde und Katzen sollten ferngehalten werden. Singvögel sterben sehr selten an der Vogelgrippe.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Gesündere Schweine durch faserreiches Ergänzungsfutter

0

Das faserreiche Ergänzungsfutter tremoVital® stabilisiert den Verdauungsprozess von Schweinen und trägt zur optimierten Darmgesundheit bei.

Immer mehr Landwirte setzen in der Tierernährung auf Naturprodukte, um den Einsatz von Medikamenten in den Beständen zu reduzieren. TREMONIS bietet jetzt mit der Wirkstoffmischung tremoVital® eine neue, sehr gut wirksame Lösung zur Stabilisierung des Verdauungsprozesses und damit zur besseren Gesundheit von Schweinen in kritischen Phasen.

In dem neuen Ergänzungsfutter tremoVital® kommen Biertreber aus bester Braugerste, Bierhefe, Karottentrester, Erbsenschalen und ein Hefezellwandprodukt als hochwertige natürliche Faserträger zusammen mit optional erhältlichen Darmstabilisatoren zum Einsatz. Die spezielle abgestimmte Wirkstoffmischung trägt zu einem gesunden intestinalen Mikrobiom und zu einer regulierten Kotbeschaffenheit bei und schafft so einen Mehrwert in Ferkelaufzucht und Mast.

Frühe Ergänzung schon zum Ferkelaufzuchtfutter
In der Zeit der Umstellung von milchbetontem auf getreidereiches Futter reagieren Verdauung und Immunsystem der Ferkel erkennbar positiv auf die frühzeitige Ergänzung des üblichen Ferkelaufzuchtfutters durch eine Gabe von tremoVital®. „Die wissenschaftlich aufeinander abgestimmten Faserstoffe beeinflussen die frühe Entstehung eines robusten, vielfältigen Mikrobioms und eines abwehrkräftigen, gesunden Ferkeldarms. Insbesondere die Kotbeschaffenheit wird durch ein Plus an ausgewogenen, verdaulichen Faserstoffen reguliert“, beschreibt Lotte Giza, Tierärztin und verantwortliche Produktmanagerin bei der Tremonis GmbH, einige der Effekte von tremoVital®.

Positive Auswirkung auf Aufzucht und Mast
Die Entwicklung eines abwehrkräftigen Ferkels kann schon in einer sehr frühen Lebensphase durch ein Plus an optimierten Fasern in der ersten festen Nahrung begünstigt werden. Die in tremoVital® enthaltenen Faserfraktionen ergänzen sich vorteilhaft und weisen ein ausgewogenes Verhältnis an Ballaststoffen auf.

Hochwertige und hygienisch sichere Faserstoffe sowie hochverdauliches Protein unterstützen das Verdauungssystem und sind deshalb in einer darmlabilen Phase der Ferkelaufzucht besonders wünschenswert. Die Faserstoffe werden im Dickdarm mikrobiell unter Bildung kurzkettiger, gesundheitsfördernder Fettsäuren verdaut. Gleichzeitig können sie Schadbakterien, Sporen und Wasser binden. „Die Faserstoffe im Biertreber können in der richtigen Faserkombination zu erstaunlichen Effekten auf den Darm führen. Sie nähren die „guten“ Bakterien durch spezielle, präbiotische Eigenschaften. Zudem ist das Eiweiß aus der fermentierten Braugerste für Ferkel hochverdaulich und unterstützt die Darmschleimhaut“, so Giza.

Verkürzte Aufzuchtdauer, geringere Gesamtmortalität
Fütterungsversuche auf Praxisbetrieben belegen die positive Wirkung von tremoVital®: Die um etwa 7 Tage verkürzte Aufzuchtdauer und die um ca. 50,8 g höheren Tageszunahmen bei annähernd gleichem Futterverbrauch bedeuten mehr Umtriebe pro Jahr und Tierplatz (+0,7 %) und damit 1,12 % mehr Ferkel im Jahr, auf die die Fixkosten umgelegt werden können.

Neben der geringeren Sterberate aufgrund von Darmerkrankungen (-0,8 %) war auch die Gesamtmortalitätsrate um 1,5 % geringer; darüber hinaus konnte der durchfallbedingte Medikamenteneinsatz bei den Versuchstieren reduziert werden. Das Fazit von Landwirt Antonius Jahn aus NRW ist deshalb eindeutig: „Wichtig ist mir, dass die Ferkel die ersten drei Wochen nach dem Absetzen trocken sind. tremoVital® im Futter hat das geschafft – was hinten raus in der Leistung schon einen Unterschied macht.“

tremoVital® ist jetzt bei kooperierenden Tierärzten oder den regionalen TREMONIS Handelsvertretern (https://www.tremonis.de/kontakt/ihre-ansprechpartner-im-aussendienst.html) erhältlich. TREMONIS bietet Landwirten, wenn gewünscht, auch eine technische Lösung zum Eindosieren.

Weitere Informationen online

Quelle: Tremonis

Ab sofort zum Download bereit: „Der Hoftierarzt“ E-Magazin 5/2020

0

Inhalt

Kälberhaltung auf dem Prüfstand: Was hat sich bewährt, wo gibt es neue Erkenntnisse?
Seite 2

Infektionskette unterbrechen durch Mykoplasmenimpfung der Sau?
Seite 5

Schwanzbeißen – Neue Lösungskonzepte gesucht
Seite 6

Warum das 4-fach geschützte Ferkel – Vorteile für die gesamte Lieferkette bietet
Seite 12

Mögl. Ursache für Schwanzbeißen und -spitzennekrosen können Darmentzündungen sein
Seite 12

Parafilariose: Klimawandel begünstigt parasitäre Erkrankungen
Seite 13

Nicht nur im Sommer ein Problem: Ektoparasiten in der Geflügelhaltung
Seite 14

Imkertipp: Mäuse, Specht und Co. als Winterfeinde der Bienen
Seite 19

Mit Fermentgetreide Clostridien in Schach halten
Seite 20

Das E-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt kostenfrei registrieren.

Tierschutz in der Schweinefleischerzeugung – Feldstudie untersucht Immunokastration

0

Ein neues Verbundvorhaben begleitet eine Initiative von Landwirtinnen und Landwirten sowie Landwirtschaftsorganisationen zur Erprobung der sogenannten Immunokastration als Alternative zur chirurgischen Ferkelkastration. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert das Vorhaben bei dem die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die Georg-August-Universität Göttingen und das Max-Rubner-Institut Kulmbach sowie diverse Schlacht- bzw. Verarbeitungsbetriebe zusammenarbeiten.

Der Fokus der Untersuchungen liegt dabei auf der Bewertung der Schlachtkörperzusammensetzung und der Fleisch- beziehungsweise Fettbeschaffenheit als Grundlage für eine qualitätsgerechte Bezahlung. Darüber hinaus werden die Verarbeitungseigenschaften in umfangreichen sensorischen Verbraucherstudien überprüft. Um auch die Umweltwirkungen quantifizieren zu können, wird mittels Simulationsmodellen eine Ökobilanzierung vorgenommen. „Von dem Projekt erhoffen wir uns Erkenntnisse darüber, mit welcher Variation bei den Schlacht- und Befunddaten sowie in der Fleisch- und Fettbeschaffenheit zu rechnen ist und welches die wichtigsten Ursachen für die auftretende Variation sind“, so der Projektkoordinator Professor Joachim Krieter von der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der CAU. „So ist es uns möglich, Beratungsempfehlungen zur Optimierung der Mast von immunkastrierten Tieren abzuleiten.“

Der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration muss bis Ende 2020 umgesetzt sein. Als praxisrelevante und rechtskonforme Alternativen stehen die Jungebermast und die sogenannte Immunkastration sowie die chirurgische Kastration unter Injektions- bzw. Inhalationsnarkose zur Verfügung. Bei der Immunkastration wird mittels zweimaliger Impfung die Steroidproduktion in den Hoden unterbrochen und somit das Entstehen von ebertypischen Geruchsabweichungen und Verhaltensweisen beseitigt. Obwohl die Immunkastration weltweit seit 20 Jahren im Einsatz ist, bestehen in Deutschland damit nur sehr begrenzte praktische Erfahrungen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Geflügelpest bei Wildvogel im Landkreis Cuxhaven bestätigt

0

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast ruft zur Einhaltung der Biosicherheits-Maßnahmen auf

Bei einer Stockente, die im Landkreis Cuxhaven geschossen wurde, konnte das hochansteckende Geflügelpest-Virus vom Subtyp H5 nachgewiesen werden. Eine entsprechende Bestätigung erhielt das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium (ML) aus dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als nationales Referenzlabor. Außerdem wurde bei einer weiteren Wildente (Pfeifente) aus dem Landkreis Cuxhaven im Lebensmittel-und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg der Virus vom Subtyp H5 nachgewiesen. Die Proben befinden sich bereits zur Feststellung der Pathogenität beim FLI.

„Die Befunde sind Anlass für eine extrem hohe Wachsamkeit im Land“, sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Sie rief die Geflügelhalter in Niedersachsen dazu auf, ihre Tiere zu schützen und die Biosicherheitsmaßnahmen konsequent auf den Betrieben umzusetzen. Auch in anderen norddeutschen Küstenländern wurden in den vergangenen Tagen zunehmend infizierte, verendete Wildvögel gefunden.

Das Landwirtschaftsministerium hat aufgrund der Häufungen und des andauernden Vogelzuges und unter Berücksichtigung der aktuellen Risikobewertung des FLI die niedersächsischen Landkreise und kreisfreien Städte mit Erlass vom 3. November 2020 aufgefordert, eine Risikobewertung nach den Vorgaben der Geflügelpest-Verordnung durchzuführen. Die Risikobewertung ist wesentliche Voraussetzung für die Anordnung einer Stallpflicht für Freilandgeflügel durch den zuständigen Landkreis bzw. die zuständige kreisfreie Stadt.

Hintergrund:
Die hoch ansteckende aviäre Influenza, auch Geflügelpest genannt, ist eine anzeigepflichtige und daher staatlich bekämpfungspflichtige Tierseuche, die bei gehaltenen Vögeln und Wildvögeln nach teilweise schweren Erkrankungserscheinungen zu massenhaftem Verenden führen kann. Die Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest (GeflPestSchV) enthält Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Seuchenlage hat das FLI am 2. November 2020 seine Risikoeinschätzung zum Auftreten der der HPAIV H5 in Deutschland aktualisiert. Demnach wird das Risiko des Eintrags des HPAIV H5 in Geflügelhaltungen als hoch eingestuft. Sofern eine weitere Ausbreitung des Virus vor allem im Wildvogelbereich erfolgt, kann nach Einschätzung des FLI die Aufstallung von Freilandgeflügel in betroffenen Regionen als wirksame Methode zur Verhinderung der Viruseinschleppung in Erwägung gezogen werden.

Im Jahr 2016/17 ereignete sich das europaweit bislang größte Geflügelpestgeschehen, von dem Niedersachsen auch stark betroffen war. Der letzte Geflügelpestausbruch in Niedersachsen wurde im März 2020 in einem Putenbestand im Landkreis Aurich festgestellt.

Die Bevölkerung ist aufgerufen, Beobachtungen von unnormalen Verhaltensweisen bei Wasservögeln (z.B. unkoordiniertes Kopfkreisen) sowie Totfunde von Wildvögeln den Veterinärbehörden sofort zu melden, um die Früherkennung zu forcieren.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz