Bewerbungsphase beim „Preis der Tiergesundheit“ von MSD Tiergesundheit läuft

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• Erste Bewerbungen sind erfolgsversprechend
• Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2020
• 90.000 Euro für innovative Tierhaltung

Der „Preis der Tiergesundheit“ ist in die nächste Runde gestartet. Die ersten vielversprechenden Bewerbungen sind bereits eingetroffen. „Das hohe Niveau der Bewerbungen sowie die unglaubliche Vielfalt und der Ideenreichtum, das Herdenmanagement zu optimieren und damit das Wohl der Tiere zu verbessern, begeistert uns auch im zweiten Jahr des ‚Preis der Tiergesundheit‘. Gleichzeitig hören wir immer wieder, dass das Bedürfnis unter engagierten Landwirtinnen und Landwirten nach Austausch sehr hoch ist. Wir können nur Jeden motivieren, seine kleinen und großen Erfolgskonzepte mit uns und damit mit Kolleginnen und Kollegen in der Branche zum Wohl der Tiere zu teilen.“ so Dr. Daniel Sicher, Geschäftsführer von MSD Tiergesundheit.

Diesjährige Preiskategorien
In diesem Jahr richtet sich der „Preis der Tiergesundheit“ an rinder- wie auch schweinehaltende Betriebe in Deutschland und Österreich. Die erste Kategorie prämiert Milchviehbetriebe mit innovativen Ideen zur Verbesserung der Eutergesundheit. In der zweiten Kategorie können sich Landwirtinnen und Landwirte bewerben, die mit verschiedenen Maßnahmen die Gesundheit ihrer Mastrinder verbessern. Für die dritte Kategorie werden Betriebe mit nachhaltigen Konzepten für ihr Saugferkelmanagement gesucht. Auf die ersten drei Plätze jeder Kategorie wartet ein zweckgebundenes Preisgeld für Maßnahmen zur Verbesserung von Tierwohl Tiergesundheit von insgesamt 90.000 Euro.

Bewerbungsaufruf
Betriebe aus den oben genannten Bereichen sind aufgerufen, sich zu bewerben und ihre praxisorientierten Lösungen branchenweit auszeichnen zu lassen. Die Bandbreite an Möglichkeiten, die zum Wohle der Tiere eingesetzt werden können, ist groß. MSD Tiergesundheit freut sich auf Ideen und spannende Erfahrungen der Betriebe. Bewerbungen sind unter www.preisdertiergesundheit.com bis zum 31. Oktober 2020 möglich.

Ablauf des Bewerbungsverfahrens
Nach Bewerbungsschluss besucht ein Jurymitglied die teilnehmenden Betriebe, um anhand objektiver Kriterien die Erstbewertung durchzuführen. Auf dieser Grundlage werden die Gewinnerbetriebe des „Preis der Tiergesundheit“ ausgewählt. Die unabhängige Jury jeder Kategorie besteht aus sechs Expertinnen und Experten. Allesamt renommierte Fachleute von Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen sowie von Verbänden aus dem veterinärmedizinischen und landwirtschaftlichen Bereich. Die Gewinner werden im April nächsten Jahres ausgezeichnet.

Quelle: MSD

Neuer IGB Policy Brief: Hat die Nachhaltige Aquakultur in Deutschland eine Zukunft?

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Die Aquakultur gilt als der am schnellsten wachsende Zweig der Lebensmittelproduktion weltweit – in Deutschland fristet sie ein Nischendasein. Unter 3 Prozent des Fischkonsums werden zurzeit durch heimische Aquakultur abgedeckt. Dabei könnte das Potenzial für eine stärkere Eigenversorgung und für den Export von Fisch mit nachhaltigen Verfahren entwickelt werden, statt den Nutzungsdruck auf aquatische Ökosysteme und mögliche Umweltfolgen ins Ausland zu verlagern. Zu dieser Einschätzung kommen Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im heute veröffentlichten IGB Policy Brief „Nachhaltige Aquakultur in Deutschland – Chancen und Herausforderungen“.

„In Deutschland sind Nahrungsmittel im Vergleich zu anderen Ländern sowohl in Quantität als auch Qualität gut verfügbar. Es ist daher zunächst eine freie und individuelle Entscheidung, ob Verbraucher*innen sich grundsätzlich für den Verzehr von Fisch als tierisches Produkt entscheiden“, betont Prof. Werner Kloas, Leiter der Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur am IGB und Mitautor des Policy Briefs. Die Marktzahlen zeigten aber, dass Fisch kontinuierlich nachgefragt werde. Gleichzeitig sei klar, dass sich der Wildfang aus den Ozeanen nicht mehr steigern lasse, obwohl die Nachfrage weltweit steige.

„Die Aquakultur kann dazu beitragen, diesen Herausforderungen zu begegnen“, ergänzt IGB-Forscher Dr. Fabian Schäfer, Mitautor des IGB Policy Briefs. Laut Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen stamme schon jetzt über die Hälfte der weltweit konsumierten Fischprodukte aus der Aquakultur – Tendenz steigend. „Dieser Ausbau muss aber dringend nachhaltig gestaltet werden, um der weiteren Übernutzung natürlicher Ressourcen entgegenzuwirken – sonst ist wenig gewonnen“, unterstreicht Fabian Schäfer.

Chancen: Die Nachhaltige Aquakultur hat in Deutschland Potenzial
Insgesamt kommen die IGB-Forschenden zum Schluss, dass Deutschland bezüglich Wasser, Fläche, Technik, Know-how und Kaufkraft prinzipiell über genügend Ressourcen verfügt, um die eigene Produktion von Speisefischarten für den Binnen- und Exportmarkt mit nachhaltigen Verfahren deutlich zu erhöhen. Potenzial wird insbesondere bei landbasierten (teil-)geschlossenen Kreislaufanlagen (KLA) gesehen, die auch in andere bestehende Produktionskreisläufe integriert werden können. So lassen sich Synergieeffekte bei Energie-, Wasser-, Wärme- und Kälteversorgung nutzen oder anfallende Nährstoffe recyceln.

Durch die Regionalisierung der Aquakultur und vergleichsweise hohe Umweltstandards können die Qualität von Tierhaltung, Tierwohl und Produkt sowie die Versorgungssicherheit und die örtliche Wertschöpfung in Deutschland bei gutem Management grundsätzlich gesteigert werden, erläutern die Wissenschaftler.

Herausforderungen: Höhere Produktionskosten und Verbraucher*innen-Akzeptanz
Neben den genannten Chancen muss allerdings auch transparent über die bestehenden Herausforderungen gesprochen werden, halten die Autoren fest. Dies betrifft zum Beispiel die höheren Produktionskosten in KLA: Investitions-, Energie- und Fachpersonalkosten schlagen sich in einem teureren Produkt nieder, das mit günstigen Importen, bei denen auch die Umweltkosten ins Ausland verlagert wurden, kaum konkurrieren kann. „Aber nachhaltiger Fisch aus KLA-Produktion hat seinen Preis. Ohne höhere tatsächliche Zahlungsbereitschaft von Handel und Konsument*innen wird sich diese Form der Aquakultur voraussichtlich nicht flächendeckend in Deutschland durchsetzen können“, erklärt Fabian Schäfer.

Eine weitere Herausforderung für die Branche besteht laut der IGB-Analyse darin, das Verständnis der Verbraucher*innen für Fischhaltung in technischen Systemen zu erlangen. Denn naturnahe bzw. in die Natur eingebettete Produktionssysteme werden von Menschen emotional häufig als „stimmiger“ beurteilt, technische Kreislaufsysteme dagegen wirken eher abschreckend. Dieses Phänomen ist auch aus anderen Konsumbereichen bekannt, oft im Kontext einer relativ idealisierten und romantisierten Vorstellung von moderner Nahrungsmittelproduktion. Viele Verbraucher*innen kennen Fisch nur als verarbeitetes und verzehrfertiges Produkt im Warenregal, das in den meisten Fällen importiert wurde. Häufig findet die Aquakultur-Produktion im Ausland unter geringeren Sozial- oder Umweltstandards statt. Diese vorgelagerten Produktionsbedingungen und die mit ihnen verbundenen Umwelteffekte bleiben jedoch weitgehend unbekannt – oder werden ausgeblendet.

Hat die Nachhaltige Aquakultur in Deutschland eine Zukunft? Politik und Gesellschaft müssen entscheiden
„Insgesamt zeigt die Situation, dass eine öffentliche und politische Diskussion über die Ansprüche an und Vorstellungen von moderner und nachhaltiger Aquakultur geführt werden muss. Dabei sollten jedoch keine einseitig werbenden Marketingbotschaften für die Aquakultur verbreitet werden, sondern Vorbehalte und Anregungen aus der Gesellschaft aufgenommen werden“, betont Werner Kloas. „Als öffentliches und unabhängiges Forschungsinstitut unterstützen wir diesen Prozess mit faktenbasiertem Forschungswissen. Aber ob Aquakultur grundsätzlich erwünscht ist und wie diese sich entwickeln sollte, ist das Resultat von politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen.“

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Die Immunokastration von Mastschweinen als Methode der Wahl für den Tierschutz auch im ökologischen Landbau ermöglichen

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Die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. zur Immunokastration in der Ökobranche:

Die EU-Kommission vertritt die Auffassung, dass die Immunokastration mit den Prinzipien der ökologischen Erzeugung nicht vereinbar wäre. Leider folgt dieser Fehleinschätzung der EU-Kommission auch die Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (LÖK). Damit würde ökologisch arbeitenden Schweinebetrieben als Alternative zur Ebermast nur eine chirurgische Kastration zur Verfügung stehen.

Die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. fordern auf, gerade ökologisch erzeugenden Betrieben nicht die tierschonendste Methode zur Verhinderung des Geschlechtsgeruchs des Fleisches von männlichen Schweinen zu verwehren.

Die EU-Kommission gibt an, dass die Immunokastration nicht mit den Regeln zur ökologischen Erzeugung vereinbar sei, eine weiterführende Erläuterung bleibt sie schuldig. An diesem Standpunkt hält sie auch fest, nachdem der Sachverhalt bei der Implementierung der neuen EU-Ökoverordnung VO (EU) 2018/848 umfangreich debattiert worden ist. Ein möglicher Ablehnungsgrund könnte sein, dass bei ökologischer Erzeugung der Einsatz von externen Produktionsmitteln auf natürliche oder naturgemäß gewonnene Stoffe zu beschränken ist. Dass bei ökologischer Erzeugung eine chirurgische Kastration mit Schmerz- und/oder Betäubungsmitteln zulässig ist, entkräftet diese Argumentation, da auch Schmerzmittel wie Meloxicam oder Betäubungsmittel wie Isofluran keinesfalls natürlich oder naturgemäß gewonnen werden. Als weiterer Ablehnungsgrund steht im Raum, dass bei der ökologischen Erzeugung immunologische Arzneimittel nur im Rahmen der Krankheitsvorsorge und einer tierärztlichen Behandlung zulässig sind. Dem ist das Gebot der Leidensminimierung, welches auch bei der ökologischen Erzeugung rechtlich verankert ist, entgegenzusetzen. Dieses gebietet, stets die tierschonendste Methode zu verwenden – dies ist nach übereinstimmender Auffassung aber die Immunokastration, da hier der chirurgische Eingriff am Tier ausbleibt.

Die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. appellieren deshalb – auch im Hinblick auf das in Deutschland im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz –, die Abwägung zu Gunsten des Tierschutzes zu treffen und die Anwendung der Immunokastration auch für ökologisch arbeitende Betriebe zu ermöglichen. Denn sie sind sich einig: „Es kann nicht sein, dass ausgerechnet der Biobranche die Immunokastration als Alternative zur chirurgischen Kastration verwehrt wird. Denn damit würde man ökologisch erzeugende Betriebe dazu zwingen, Methoden einzusetzen, die aufgrund des Tierschutzes aber auch des Umweltschutzes weniger geeignet sind, wie die Isoflurannarkose.“

So fordern die Tierschutzbeauftragten der Bundesländer und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. die Bundesländer dazu auf, von ihren Möglichkeiten zur Auslegung Gebrauch zu machen, um die Immunokastration in der Biobranche zu ermöglichen und sich also nicht der Auffassung der EU-Kommission anzuschließen, da diese auch nicht rechtlich bindend ist.

Quelle: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.,

Hühner auf der Stange: Holzbau als Beitrag zum Tierwohl

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Es gibt Studien die belegen, dass Räume mit hohem Holzanteil einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden des Menschen haben. Die Frage ist, ob dies bei Hühnern genauso ist? Ein Forschungsteam an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) untersucht erstmals, ob es einen Zusammenhang zwischen dem in Ställen verbauten Material und der Tiergesundheit und dem Tierwohl gibt.

Holz wird in Hühnerställen vor allem zum Bau von Sitzstangen eingesetzt. Der überwiegende Teil der Haltungseinrichtungen besteht mittlerweile aus Kunststoff und Metall. Die Frage ist, warum ist das so? „Oft wird angeführt, dass Holz schlechter zu reinigen ist, schneller verschleißt und daher öfter ausgetauscht werden muss. Zusätzlich sind Kunststoffe und Metalle mittlerweile günstiger in der Fertigung und im Einkauf“, beobachtet Anja Kampe, akademische Mitarbeiterin an der HNEE. Bislang fehlen jedoch Daten, sodass ein Vergleich der verschiedenen Materialien nicht möglich ist. „Wir wollen daher verschiedene native Holzarten und Holz-Modifikationen miteinander auf ihre Beständigkeit in diesem Zusammenhang überprüfen. Dabei soll unter anderem geschaut werden, ob eine Holzart eventuell gegen Parasiten zum Beispiel der Roten Vogelmilbe hilft, ähnlich wie Zirbenholz gegen Motten“, sagt Gerriet Trei, akademischer Mitarbeiter am Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz der HNEE. Ziel des Projekts sei eine Verbesserung des Tierwohls von Hühnern und anderem Geflügel durch gezielte Substitution von erdölbasierten Materialien (Kunststoffen) durch biobasierte-nachwachsende Rohstoffe.

Das Forschungsteam untersucht unterschiedliche Holzarten, Material- und Modifikationskombinationen, neue Konstruktionen und ökologische Beschichtungen. Auch der Einsatz von alternativen biobasierten Rohstoffen in festen und mobilen Hühnerställen an exemplarischen Stallkomponenten wird hierbei erforscht. „Bei den Beschichtungen wollen wir schauen, ob sich beispielsweise die Reinigungsmöglichkeit von Holz verbessern lässt“, ergänzt Anja Kampe.

Inwieweit sich durch den Einsatz von Holz langfristig auch Kosten für den Stallbau reduzieren lassen, ist noch nicht abschätzbar und eher schwierig zu kalkulieren. „Häufig werden Berechnungen nur für gesamte Ställe, also inklusive Außenhülle durchgeführt. In unserem Projekt konzentrieren wir uns jedoch auf die Einrichtung, vor allem der Aspekt der Haltbarkeit der Materialien spielt eine große Rolle“, meint Gerriet Trei.

Das HNEE-Team erhofft sich, dass neben der Verbesserung des Tierwohls, auch ein Beitrag für das Klima geleistet werden kann, wenn wieder mehr Stalleinrichtungen aus Holz gebaut werden.

Quelle: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Aerosol-Impfung in der Hähnchenmast

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Wenn viele Tiere auf einmal geimpft werden sollen, sind Injektionen mit der Spritze wenig praktikabel. Beim Geflügel setzen Tierärzte deswegen auf eine Sprüh-Impfung. Wie das im Stall funktioniert, erklärt Dr. Andreas Wilms-Schulze Kump im Video.

Corona beflügelt regionale Eier-Erzeugung

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Deutschlandweit knapp 2,5 Millionen Legehennen in mobilen Ställen

Wie der Bundesverband mobile Geflügelhaltung e. V. – BVMG (Modautal/Hessen) mitteilt, leben in Deutschland nach aktuellen Markterhebungen* mittlerweile knapp 2,5 Millionen Legehennen in über 2000 Betrieben in mobilen Geflügelställen.

Die Nachfrage nach regional erzeugten Lebensmitteln und Tierwohl hat sich in der Corona-Pandemie weiter verstärkt. „Die Verbraucher möchten vermehrt gute Lebensmittel aus der eigenen Region, wo sie sehen, dass es den Tieren gut geht“ sagt der Vorsitzende Dennis Hartmann. „Auch das Vertrauen zum landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieb, den man persönlich kennt, spielt eine Rolle. Aus einem anfänglichen Trend wurde mittlerweile eine nachhaltige Entwicklung“ so Hartmann weiter.

Um wirtschaftlich arbeiten zu können, war in der Geflügelbranche in den letzten Jahrzehnten die Marschrichtung Zentralisierung und der Bau immer größerer Stallanlagen. Mit der verstärkten Nachfrage von regionalen Lebensmitteln stärken die Verbraucher die regionale Erzeugung vor Ort. Wo früher die Tierhaltung nach und nach verschwunden ist oder in Großbetrieben zentralisiert wurde, kehrt diese heute in Form von mobilen, kleinbäuerlichen Stallanlagen wieder zurück.

Was ist ein mobiler Geflügelstall?
In den letzten Jahren hat sich gerade im Bereich der regionalen, bäuerlichen Eiererzeugung eine neue Mobilstall-Szene entwickelt. Die Tierhaltung findet dort transparent, regional und zumeist in kleinbäuerlichen Strukturen statt. Die Hühner leben in – für die heutige Zeit relativ kleinen Tiergruppen – in mobilen Ställen, die regelmäßig auf frische Wiese umziehen. Der Verbraucher hat oft einen direkten Bezug zu „seinem Bauern“ und sieht, dass es den Tieren dort gut geht.

PLZ-Suche für Verbraucher unter www.mein-mobil-ei.de

Der BVMG hat auf seiner Internetseite eine PLZ-Suche eingerichtet, wo die Menschen in Deutschland einfach und unkompliziert den nächsten Mitgliedsbetrieb mit mobiler Haltung finden können.

Quelle: Bundesverband Mobile Geflügelhaltung e. V.

Macht das Stadtleben Hummeln größer?

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Treiben Städte die Evolution von Hummeln voran? Einen ersten Hinweis dafür liefern Befunde einer neuen Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig: Demnach sind die Insekten in Städten größer und dadurch sogar produktiver als Vertreterinnen derselben Art auf dem Land. Die Unterschiede in der Körpergröße könnten eine Folge der zunehmend zerstückelten Lebensräume in Städten sein, wie das Forschungsteam in der Fachzeitschrift „Evolutionary Applications“ schreibt.

In den letzten 200 Jahren hat sich der Lebensraum von Hummeln und anderen Insekten stark verändert: Sie leben seltener in ländlichen Regionen und auf Wiesen, sondern häufig umringt von Straßen und Betonwänden. „Städte haben für Hummeln Vor- und Nachteile: Einerseits gibt es durch private und botanische Gärten, Stadtparks und mit Blumen bestückte Balkone ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Andererseits ist es in Städten deutlich wärmer als im Umland. Zudem entstehen durch Straßen und große Gebäude deutlich kleinere, voneinander mehr oder weniger stark getrennte Lebensräume“, sagt Dr. Panagiotis Theodorou vom Institut für Biologie der MLU, der die Studie als Wissenschaftler an der MLU und bei iDiv geleitet hat.

Das Team von Biologinnen und Biologen der MLU wollte herausfinden, ob die Verstädterung Folgen für die Evolution von Hummeln haben könnte und ob sich diese möglicherweise daran anpassen können. Dafür sammelten sie mehr als 1.800 Hummeln in neun Großstädten und deren ländlicher Umgebung. Die Arbeit konzentrierte sich auf drei in Deutschland häufig vorkommende Arten: die Steinhummel (Bombus lapidarius), die Ackerhummel (Bombus pascuorum) und die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris). Jede gefangene Hummel wurde vermessen. Außerdem beobachteten die Forscherinnen und Forscher an jedem der insgesamt 18 Standorte, wie oft Hummeln eigens gezüchtete und vor Ort ausgesetzte Rotkleepflanzen besuchten. Daraus wurde im Anschluss die Bestäubungsleistung berechnet. Dabei zeigte sich: „Tatsächlich waren die Hummeln aus urbanen, stärker fragmentierten Gebieten im Durchschnitt deutlich größer als ihre Artgenossinnen auf dem Land, um etwa vier Prozent“, sagt die Biologin Dr. Antonella Soro von der MLU. Die Ergebnisse waren für alle drei Hummelarten gleich.

Die Körpergröße steht im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel eines Organismus und ist auch ein Indikator für Lebensdauer und Leistungsfähigkeit von Lebewesen. „Größere Hummeln können besser sehen, besser lernen und haben ein größeres Erinnerungsvermögen. Sie werden auch seltener von Fressfeinden attackiert und können weitere Distanzen zurücklegen. Das bedeutet, dass sie pro Flug mehr Blumen anfliegen können, mehr Pollen transportieren und so bessere Bestäuber sind“, sagt Soro. Das haben auch die weiteren Analysen der Forscherinnen und Forscher bestätigt. Die Studie gebe einen ersten Hinweis darauf, dass vor allem der Grad der Fragmentierung des Lebensraums einen Einfluss auf die Körpergröße und damit auch indirekt auf die Bestäubungsleistung von Hummeln haben könnte. Generell wisse man aber noch zu wenig über die Auswirkungen von Umweltveränderungen in Städten auf individuelle Hummel- und Bienenarten und ihre Bestäubungsleistung, so die Wissenschaftlerin. Das Team plädiert deshalb dafür, die evolutionären Anpassungen von Tieren an ihr städtisches Umfeld noch besser zu erforschen. Das könne auch eine bessere Stadtplanung ermöglichen, die die Natur stärker berücksichtigt.

Die Arbeit wurde über iDiv von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Rotaviren aus Geflügelbeständen können Gene mit Rotaviren aus Säugetieren austauschen –

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Infektionsrisiko für den Menschen gering Zusammenfassender Forschungsbericht zum BfR-Forschungsprojekt „Charakterisierung des zoonotischen Potenzials von Rotaviren des Geflügels“ des BfR vom 17. August 2020

Rotaviren der Vögel sind in Geflügelbeständen für die Lebensmittelgewinnung weit verbreitet. Sie sind jedoch nur entfernt mit den Rotaviren verwandt, die bei Säugetieren und dem Menschen vorkommen und dort zu Erkrankungen führen. Im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten BfR Forschungsprojekt „Charakterisierung des zoonotischen Potenzials von Rotaviren des Geflügels“ zeigten Professor Dr. Reimar Johne und seine Forschungsgruppe, dass Rotaviren der Vögel mit Rotaviren der Säuger genetisches Material austauschen können, was zur Entstehung neuartiger Rotaviren führen kann. Das Risiko der Bildung derartiger, Ressortanten* genannter Virustypen in der Natur wird von den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen allerdings als gering eingeschätzt. Denn vermehrungsfähige neuartige Viren traten unter Laborbedingungen nur in wenigen Fällen auf. Sie konnten sich auch nur schlecht weiter vermehren. Das Infektionsrisiko für den Menschen wird daher als relativ gering eingeschätzt. Dennoch sollten Untersuchungen zur Rotavirus-Vielfalt beim Menschen zukünftig auch weniger verwandte Rotaviren wie die der Vögel einschließen, um das Auftreten neuartiger Typen früh feststellen zu können.

Im Gegensatz zu den Rotaviren der Säugetiere waren die Rotaviren der Vögel bisher nur wenig untersucht worden. Ziel des BfR war es, die genetische Vielfalt der Rotaviren vor allem bei Vögeln zu analysieren und deren Potential zur Übertragung auf und Anpassung an Säugetiere und den Menschen zu ermitteln. Eine wichtige Frage war dabei, ob die Rotaviren der Vögel mit denen der Säugetiere genetisches Material austauschen, wobei eventuell neuartige Rotaviren entstehen könnten. Im Projekt wurde eine breite Vielfalt verschiedener bekannter sowie bisher unbekannter Rotavirus-Arten und -Typen sowohl in Vögeln als auch in Säugetieren identifiziert. Das Erbgut dieser Viren wurde mit neu entwickelten Methoden meistens vollständig sequenziert, wodurch eine genaue Charakterisierung ihrer Eigenschaften und ihrer Verwandtschaft mit bekannten Rotaviren möglich wurde. Insgesamt weisen die Analysen darauf hin, dass mit einem breiten Repertoire divergenter Rotavirus-Stämme im Tierreich gerechnet werden muss, die eventuell direkt auf den Menschen übertragen werden können oder durch den Austausch von Genomsegmenten zur Ausbildung neuer Rotaviren führen könnten. Für die Rotaviren der Vögel scheint dies allerdings nur sehr selten vorzukommen.

Rotaviren gehören zu den häufigsten Erregern von Magen-Darm-Erkrankungen beim Menschen und bei zahlreichen Tierarten. Es existieren viele unterschiedliche Rotavirus-Typen, die sich durch Mutationen und den Austausch von Genomsegmenten ständig weiterentwickeln. Erkrankungen beim Menschen werden vor allem durch humane Rotaviren hervorgerufen. Bekannt ist aber auch, dass bestimmte Rotaviren von Tieren auf den Menschen übertragen werden können und umgekehrt. Seit 2006 gibt es Impfstoffe gegen humane Rotavirus-Erkrankungen, die generell gut wirksam sind. Wenn sich jedoch neue Rotaviren ausbilden, die genetisches Material von Tieren enthalten, könnte die durch die Impfung erworbene Immunität gegenüber einer solchen Infektion unwirksam werden.

Der ausführliche Bericht ist hier zu finden

* Reassortanten sind neue Virustypen, die durch Austausch von Genomsegmenten verschiedener Ausgangsviren der gleichen Spezies entstehen.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Der Anfang entscheidet: Erfolgreiche Kitz- und Jungtieraufzucht

Von Andreas Kern, Bioland e.V., Fachberatung Schaf- und Ziegenhaltung

Das Einkommen eines Ziegenhalter-Betriebs wird zum großen Teil von der Milch- und Lebensleistung seiner Tiere beeinflusst. Dementsprechend wird ihnen besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die Lämmeraufzucht läuft teilweise eher nebenher. Diese Einstellung ist aber zu kurzfristig gedacht, denn was man anfangs bei der neuen Generation versäumt, kann später nur schwer nachgeholt werden. Die Ziegenlämmeraufzucht ist für den langfristigen Betriebserfolg entscheidend.

Gleich nach der Geburt und in den ersten Lebenswochen wird die Grundlage für die Zellausstattung der Organe gelegt. Die Entwicklung der Kitze in dieser Zeit ist entscheidend für die spätere Leistungsveranlagung und Wachstumskapazität. Eine unzureichende Fütterung oder Krankheiten in den ersten Lebenswochen haben einen lebenslangen negativen Effekt auf die Leistung der Tiere. Die Tiere können zwar eine unzureichende körperliche Entwicklung im Laufe der Zeit ausgleichen. Aber dieses ausgleichende Wachstum erhöht die Veranlagung zur Speicherung von Körperfett und daraus folgend zu Stoffwechselproblemen. Darum sollte man in diesem Zeitraum alles daran legen, das volle Wachstumspotential des Lamms auszuschöpfen.

Immunschutz durch Biestmilch
Für den besten Start ins Ziegenleben ist die Versorgung mit Biestmilch ausschlaggebend. Die Schlagworte sind dabei „schnell“, „viel“ und „gut“, im Englischen auch als 3Q-Regel bekannt: „Quality, Quantity, Quickly“.

Allgemein bekannt ist, dass die Biestmilch schnell verabreicht werden muss, um eine größtmögliche Aufnahme von Immunglobuli zu gewährleisten. Neben einer schnellen Versorgung hat hierfür Qualität und Quantität der Biestmilch eine wichtige Bedeutung: Je mehr aufgenommen wird, und je besser die Qualität ist, desto länger hält der passive Schutz vor und umso geringer fällt die Lücke bis zum Aufbau des aktiven Immunschutzes aus. Qualität und Quantität der Biestmilch werden vor allem durch die Fütterung der Milchziegen vom Decken bis zum Ablammen beeinflusst.
Lämmer kommen ohne Immunsystem zur Welt. Deswegen ist die maternale Immunität so wichtig, die relativ schnell über die Biestmilch aufgebaut wird. Das Lamm beginnt zwar sofort sich aktiv mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen und ein eigenes, aktives Immunsystem aufzubauen, aber dieser Prozess braucht seine Zeit. Wenn die maternale Immunität nachlässt und der aktive Immunschutz noch nicht völlig aufgebaut ist, kann eventuell einige Wochen nach der Ablammung eine Lücke im Immunschutz entstehen. Fällt diese Lücke auf den gleichen Zeitpunkt wie das Absetzen der Kitze von der Milch, bzw. der Mütter, bedeutet dies zusätzlichen Stress für die Milchziegenlämmer, vor allem dann, wenn die Nährstoffversorgung der Kitze nach dem Absetzen nicht gesichert und altersgerecht gestaltet ist. Dies kann zu Problemen wie z.B. Kokzidien führen.

Aus diesem Grund ist die Qualität und Quantität der Biestmilchversorgung so wichtig: Je besser diese ist, desto länger hält der passive Schutz vor und umso geringer fällt die Lücke aus. Wer in seinem Stall mit Kokzidien und Lungenerkrankungen bei den Lämmern zu kämpfen hat, sollte daher nicht nur die Symptome mit Medikamenten behandeln, sondern auch überprüfen, wo die Ursachen liegen, z.B. ob die Tiere ausreichend mit Biestmilch versorgt wurden.

Bedarfsgerecht füttern
Die Lämmeraufzucht beginnt bereits beim Decken der Muttertiere. Diese müssen in der optimalen Kondition zum Decken sein: Nicht zu mager und nicht zu fett, mit wenig Kraftfutter in der Ration. In dieser Zeit sollten die Tiere trainiert werden, ihren Bedarf hauptsächlich aus dem Grundfutter zu decken. Die Milchleistung ist zu diesem Zeitpunkt schon zurückgegangen. Um eine Verfettung vor der Deckzeit zu vermeiden, ist es sinnvoll, nur sehr verhalten Kraftfutter zu füttern, um eine energetische Überversorgung zu vermeiden und die Nährstoffe aus dem Grundfutter bestmöglich zu nutzen.

In der Niederträchtigkeit ist der Energiebedarf noch nicht besonders erhöht. Deswegen sollte zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich Grundfutter zum Einsatz kommen. Eine ausreichende Eiweißversorgung ist sicherzustellen, damit die Milchleistung nicht negativ beeinflusst wird.

Die Trockenstehperiode beginnt im Optimalfall am Ende des dritten, zu Beginn des vierten Trächtigkeitsmonat. Die Trockenstehzeit sollte mindestens sechs bis acht Wochen andauern. Eine ausreichende Trockenstehdauer beeinflusst auch die Biestmilchqualität, ebenso wie eine ausreichende Nährstoffversorgung in der Hochträchtigkeit.


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Impfung gegen Ebergeruch muss auch in ökologischer Landwirtschaft möglich sein!

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Bundestierärztekammer schließt sich den FVE-Forderungen vollumfänglich an

Ausgerechnet in der Biobranche soll es ein Aus für die tierschonendste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration geben: Die Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (LÖK) hat beschlossen, die Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) nicht mehr zu akzeptieren. Sie folgt damit einer (Fehl-)Einschätzung der EU-Kommission.

Ein fatales Signal an Handel, Verarbeiter, Verbraucher und die konventionelle Schweinehaltung: „Die Impfung ist die tierschutzfachlich beste Methode zur Vermeidung von Ebergeruch“, betont Dr. Uwe Tiedemann, was der BTK-Präsident auch in einem Schreiben an die Agrarminister der Länder und die LÖK deutlich gemacht hat.

Die Unvereinbarkeit der Immunokastration mit dem biologischen Landbau wird insbesondere damit begründet, dass diese Methode den Hormonhaushalt eines Tieres verändere.

Dabei bleibt aus fachlicher Sicht jedoch unbeachtet, dass die im ökologischen Landbau erlaubte chirurgische Entfernung der Hoden in ähnlicher Weise die Produktion der Fortpflanzungshormone des Schweins beeinträchtigt, um dem Ebergeruch vorzubeugen.

Inzwischen hat auch der europäische Tierärzteverband (Federation of Veterinarians of Europe – FVE), der etwa 300.000 Tierärztinnen und Tierärzte in 40 europäischen Ländern vertritt, ein Statement abgegeben und die EU-Kommission aufgefordert, ihre Meinung zu überdenken: „Die FVE ist der festen Überzeugung, dass die Immunokastration von Ferkeln zu den Bedingungen der ökologischen Landwirtschaft und ihren Zielen passt“, führt der Verband aus.

Die FVE fordert den Ständigen Ausschuss für biologischen Landbau der EU-Kommission auf, seine Meinung zu überdenken und anzuerkennen, dass die Impfung mit den Prinzipien der ökologischen Schweinehaltung übereinstimmt. Die biologische Landwirtschaft werde von vielen Verbrauchern als die nachhaltigste und tierfreundlichste Produktionsmethode angesehen. Um diesem Ruf gerecht zu werden, müsse innerhalb der ökologischen Produktion die Impfung als Alternative zur chirurgischen Kastration zugelassen werden.

Die BTK schließt sich den Forderungen der FVE vollumfänglich an. Es darf nicht sein, dass aufgrund einer fachlich falschen Meinung aus der EU-Kommission ausgerechnet der Biobranche die Impfung als Alternative zur blutigen Kastration verwehrt wird. Die BTK fordert die Entscheidungsträger auf, ökologisch wirtschaftende Betriebe nicht dazu zu zwingen, zur Vermeidung von Ebergeruch Methoden einzusetzen, die aus Tierschutz- und Umweltschutzgründen weniger geeignet sind, wie die Isoflurannarkose.

Quelle: Bundestierärztekammer e. V.