ASP-Ausbruch im Emsland: Proben des Kontaktbetriebes negativ

Weiterhin keine Hinweise auf Eintragsquelle – „Landeslenkungsstab Tierseuchen“ einberufen

Im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Landkreis Emsland wurde ein Kontaktbetrieb in Freren mit zirka 1.800 Mastschweinen festgestellt. Dieser hatte zuletzt Ferkel von dem betroffenen Hof in Emsbüren bekommen. Entsprechende Stichproben des Tierbestandes aus Freren wurden vom Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) untersucht. Die Befunde der Proben sind negativ. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Das lässt uns hoffen, dass wir es in Emsbüren mit einem Einzelfall zu tun haben.“

Da aufgrund der Erregereigenschaften nicht auszuschließen ist, dass von einzelnen Tieren des Kontaktbetriebes ein Risiko ausgeht, wird der Bestand nach einer Abstimmung zwischen Landkreis, LAVES, Tierseuchenkasse und Landwirtschaftsministerium dennoch vorsorglich tierschutzgerecht getötet. Selbst bei einer Untersuchung aller Tiere des Betriebes könnte eine Infektion nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden. Zudem würde die Beprobung und Untersuchung von 1.800 Schweinen einige Zeit in Anspruch nehmen, während derer sich das Virus weiter ausbreiten könnte.

Ziel der Maßnahme ist es, eine mögliche weitere Übertragung des hoch ansteckenden Erregers unbedingt zu vermeiden und so vielen weiteren tausend Tieren mögliche Leiden zu ersparen. Ein weiterer Ausbruch wäre mit deutlich erweiterten veterinärrechtlichen Maßnahmen verbunden, die eine erhebliche Mehrbelastung der schweinehaltenden Betriebe und der dort gehaltenen Tiere bedeuten würden. Zu nennen sind weitere Verbringungseinschränkungen, höhere Anforderungen an die Sicherstellung der Biosicherheit in den Restriktionszonen und Auswirkungen auf die Dauer der Restriktionsmaßnahmen.

Unterdessen laufen die Ermittlungen zur Eintragsquelle in dem Ausbruchsbetrieb weiter. Ministerin Barbara Otte-Kinast hat heute früh den „Landeslenkungsstab Tierseuchen“ einberufen, in dem neben den zuständigen Behörden auch alle betroffenen Verbände und Unternehmen vertreten sind. Der Landeslenkungsstab dient einerseits dem Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren auf Landesebene und der Abstimmung überregionaler Maßnahmen zur Eindämmung eines Seuchengeschehens oder seiner Folgewirkungen.

Am morgigen Mittwoch findet zudem auf Einladung der Ministerin ein Austausch mit der Schlachtbranche statt, um die Schlachtung der betroffenen Tiere aus Restriktionszonen zu gewährleisten. Ebenfalls am Mittwoch wird das ML im Agrarausschuss des Niedersächsischen Landtages über den aktuellen Sachstand berichten.

Hintergrund:
Die Infektion mit ASP führt sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen zu einer schweren Erkrankung, die fast immer tödlich ist. Eine Impfung der Schweine gegen die Afrikanische Schweinepest ist derzeit noch nicht möglich. Seit 2007 hatte sich die ASP in Osteuropa verbreitet. 2020 wurden kranken Wildschweine erstmals auch in Deutschland festgestellt.
Mitte Juli 2021 wurde die Krankheit erstmals auch in einem Schweinemastbetrieb in Deutschland registriert. Fälle bei Haus- und Wildschweinen sind bislang in Brandenburg, Baden-Württemberg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern aufgetreten. In Niedersachsen arbeiten die kommunalen Veterinärbehörden (Veterinärämter auf Landkreisebene), die Task-Force Veterinärwesen des LAVES und das Landwirtschaftsministerium in der Prävention und in der Vorbereitung auf einen ASP-Ausbruch eng zusammen.

Weitere Informationen sowie aktualisierte FAQs gibt es beim Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Schweizer Projekt: „Zu Hause groß werden“ – Kälber auf dem Geburtsbetrieb abtränken

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Die Biobauern in der Schweiz halten etwa 60.000 Milchkühe. Rund 50% ihrer Kälber werden in der 3. Bis 5. Lebenswoche in die konventionelle Mast verkauft. Oft führt die frühe Vermarktung zu Atemwegsinfektionen auf dem Mastbetrieb, die mit Antibiotika behandelt werden müssen. Transportstress und Mischen von Kälbern aus vielen unterschiedlichen Betrieben sind erhebliche Risikofaktoren für die Gesundheit der Tiere.

Um dieses Problem anzugehen wurde das Projekt „Zu Hause groß werden ¬– Kälber abtränken auf dem Geburtsbetrieb“ gestartet. Eine längere Haltung auf dem Geburtsbetrieb mit anschließender Mast (auf dem Geburts- oder einem Partnerbetrieb) sollen Erkrankungen weitestgehend vermeiden – und damit auch den Einsatz von Antibiotika überflüssig machen, erklärt der Schweizer Kälbergesundheitsdienst zum Projekt.

Bis Ende 2026 sollen die wissenschaftlich erhobenen Ergebnisse von insgesamt 1.800 Kälbern auf 40 Bio‐Milchviehbetrieben im Kanton Luzern ausgewertet werden, die auf dem Geburtsbetrieb aufgezogen und abgetränkt werden. Die Kälber bleiben nach der Tränkeperiode auf dem Geburtsbetrieb oder gehen in einen Partnerbetrieb. Der KGD fasst die Ziele so zusammen:

+ Kälber auf dem Geburtsbetrieb abtränken
+ Remonten auf dem Geburts- oder Partnerbetrieb ausmästen
+ Tiergesundheit verbessern, Antibiotika Einsatz reduzieren, Verantwortung wahrnehmen
+ Profil von Biomilch- und Bio Weiderindfleisch schärfen und die Produktqualität weiter verbessern
+ Zusammenarbeit fördern, Wertschöpfung steigern, Wertschätzung vermehren
+ gemeinsam Lösungen finden in der Produktion und in der Vermarktung

Quelle: Schweizer Kälbergesundheitsdienst

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Batai-Virus scheint endemisch in Deutschland bei Wiederkäuern

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Das Batai-Virus kann verschiedene Vögel und Säugetiere einschließlich den Menschen befallen.

Es ruft beim Menschen ein Influenza-ähnliches Krankheitsbild mit Fieber hervor; die Infektion kann aber auch weitgehend symptomlos verlaufen. Ursprünglich stammt es aus dem südlichen und östlichen Asien. Das Virus wurde im Deutschland erstmal im Jahr 2009 nachgewiesen. In Europa sind Erkrankungen beim Menschen relativ selten. Es wird durch Stechmücken übertragen.

Nach der Virusentdeckung im Jahr 2009 gab es eine Untersuchung mit mehreren Betrieben in Sachsen-Anhalt, die in den Jahren 2013 bis 2016 an einem Screening auf das Batai-Virus teilnahmen, insgesamt mehr als 1300 Wiederkäuer-Blutproben wurden untersucht. Diese Betriebe wiesen damals hohe Antikörpertiter gegen das Batai-Virus auf. Ein Teil dieser Betriebe wurden im Jahr 2018 erneut untersucht*, um festzustellen, ob das Virus bzw. die Antikörper noch in den Herden zu finden ist. Insgesamt 325 Blutproben von klinisch gesunden Schafen, Ziegen und Rindern, die aufgrund anderer Untersuchungen anfielen, wurden auf das Batai-Virus analysiert. Die Proben stammten aus dem gesamten Bundesland Sachsen-Anhalt. In den Proben wurde zwar erneut keine Virus-RNA gefunden, aber wieder Antikörper gegen das Virus. 41,4 % der Rinderproben, 16,5 % der Schafsproben und 18,3 % der Ziegenproben wiesen die Antikörper auf. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass das Batai-Virus mittlerweile endemisch in Sachsen-Anhalt ist, denn es ist auch in mehreren Mückenarten der Region dauerhaft vorhanden.

Mittlerweile konnte das Virus in Mücken bzw. Antikörper gegen das Virus in Wiederkäuern auch in weiteren Bundesländern nachgewiesen werden. Eine Klinik war bei Wiederkäuern bisher nicht nachweisbar, allerdings kann dies auch daran liegen, dass bislang keine offizielle Überwachung des Virus stattfindet und deshalb Klinik nicht mit dem Batai-Virus in Verbindung gebracht wird.

*Cichon, N. et al.: „Serological an molecular investigation of Batai Virus infections in ruminants from the State of Saxony-Anhalt, Germany, 2018.“ Viruses 13:370.

Quelle: Dr. Heike Engels


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„Exportschlager“ Kükentöten

Deutschland hat seit Anfang dieses Jahres sehr erfolgreich das Kükentöten exportiert. Die aktuelle Statistik der Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) belegt, dass seit dem Inkrafttreten des Verbots in Deutschland vermehrt Küken aus dem Ausland importiert werden. Fast 40 % der heimischen Brütereien sind seit 2021 leise gestorben und eine Abschwächung dieser Tendenz ist nicht in Sicht. Um das Kükentöten europaweit nachhaltig zu beenden und die Wettbewerbsnachteile für deutsche Brütereien auszugleichen, stellt der Bundesverband Ei e.V. (BVEi) mit seinem Vorsitzenden Henner Schönecke klare Forderungen an Bundesminister Cem Özdemir.

Seit dem 1. Januar 2022 werden Küken überwiegend nicht mehr in Deutschland ausgebrütet. Von Januar bis März 2022 wurden in deutschen Brütereien 12,37 Mio. Bruteier zur Erzeugung von Legeküken eingelegt, das waren ein Drittel weniger als im ersten Quartal 2021 und sogar 54,9 % weniger als in den ersten drei Monaten 2020. Deutsche Legehennenhalter sind deshalb gezwungen auf importierte Junghennen zurückgreifen, insbesondere aus den Niederlanden. Zuletzt erlangten auch die Importe von Junghennen aus Österreich und Polen eine immer größere Bedeutung.

„Das Verbot des Kükentötens hat das Problem nur auf die lange Bank geschoben. Wenn die ausgebrüteten Küken nun einen Kilometerweiten Transportweg aus dem Ausland über sich ergehen lassen müssen, während die Bruderhähne andernorts geschlachtet werden, kann von Tierwohl keine Rede sein“, sagt Henner Schönecke, Vorsitzender des BVEi. Daher stellt die Branche dringende Forderungen an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL):

Das Kükentöten in Europa beenden
„Wenn Deutschland in seiner Vorreiterrolle in Europa alleine dasteht, ist niemandem geholfen. Es braucht dringend einheitliche, europaweite Standards“, so Schönecke. Nur wenn die heimischen Brütereien unter den gleichen Bedingungen wirtschaften können wie Ihre Wettbewerber im Ausland, kann ein hohes Maß an Tierwohl dauerhaft in der EU und damit in Deutschland garantiert werden.

Transparenz schaffen
„Zahlreiche Lebensmittel enthalten Ei. Für den Verbraucher muss klar erkennbar sein, ob für sein Produkt Küken getötet wurden oder nicht. Das geht nur über eine eindeutige Kennzeichnung auf allen Produkten“, fordert der BVEi-Vorsitzende. Andernfalls verwässere das Verbot des Kükentötens die hochgesteckten Ambitionen.

Finanzielle Unterstützung für Brütereien in Deutschland
Der rein nationale Ausstieg aus dem Kükentöten stellt die Branche vor unüberwindbare Herausforderungen. Nicht alle Brütereien konnten nach den gesetzlichen Vorgaben ihren Betrieb fortsetzen. Dies schlägt sich auch in den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes nieder. Gab es im März 2021 noch 19 Brütereien für Legeküken, waren es im März 2022 nur noch 12 Betriebe.

Der Appell von Schönecke an das politische Berlin ist eindringlich: „Veränderungen gehen selten ohne Herausforderungen einher. Wer eine echte Verbesserung im Tierwohl möchte, muss sich diesen Anstrengungen stellen. Jetzt ist die Bundesregierung aufgefordert, ihren nationalen Alleingang zu beenden und EU-weite Rahmenbedingungen durchzusetzen.“

Quelle: ZDG

Bioland-Geflügeltagung 2022: Optimale Ausleuchtung von Geflügelställen

Über den aktuellen Erkenntnisstand zur optimalen Ausleuchtung von Geflügelställen sprach Louisa Reimers von der Hochschule Osnabrück anlässlich der Bioland-Geflügeltagung.

Vögel haben nicht nur ein breiteres Sehspektrum als Menschen, sie sehen auch im UV-A-Bereich. Haben Menschen bei ca. 550 nm eine einzige Spitze in der Hellempfindung, kommen beim Geflügel zwei weitere hinzu (bei etwa 460 nm sowie bei 630 nm). Wie wichtig UV-A-Licht für Vögel ist, zeigte die Wissenschaftlerin mit Bildern von Larven im Stroh mit und ohne UV-Beleuchtung.

Soldatenfliegenlarven unter Tageslicht

Außerdem nehmen Vögel Flimmern deutlich besser wahr, als Menschen es tun. Die wahrnehmbare Flimmerfusionsfrequenz beim Menschen liegt zwischen 50 und 60 Hz (˃ 20 Lux) respektive 18 bis 20 Hz (˂ 8 Lux). Bei Vögeln liegt die Spanne zwischen 75 und 120 Hz. Eine Glühlampe, die für das menschliche Auge Licht gleichmäßig ausstrahlt, flackert für Hühner ohne Unterlass. Flimmerfreie LEDs der 3. Generation seien deshalb heute die beste Wahl, empfahl Louisa Reimers. Die Mindestfrequenz sollte fürs Geflügel bei 160 Hz, die Netzspannung bei 50 Hz liegen.

Licht entscheidet über die Farbwahrnehmung und wenn eine Farbe „ausgefiltert“ wird, sind Vögel nicht nur irritiert, sondern können z. B. auch ihr Futter verweigern, das im Freien für sie ganz anders aussieht als im Stall. Natürliche Farben können durch mangelhafte Beleuchtung oder Fenstermaterialien verfälscht werden und bei Hühnern Stress auslösen.

Louisa Reimers, Hochschule Osnabrück

Alle Leuchtmittel altern und verändern im Lauf der Zeit ihre Beleuchtungseigenschaften. Geschieht dies langsam und gleichmäßig, sei dies nicht unbedingt problematisch, sagte die Referentin. Verschmutzungen, insbesondere wenn sie nur stellenweise und in unterschiedlichen Graden auftreten, seien dagegen gefährlich. Auch Lampen-Abdeckungen verfälschten das abgestrahlte Licht, ebenso wie z. B. Kunststoff-Fenster, die auch im saubersten Zustand schon bestimmte Wellenlängen ausfiltern könnten.

Grundsätzlich seien die Ansprüche des Geflügels an die Beleuchtung abhängig von Art und Alter. Außerdem waren Puten ursprünglich Steppen-, Hühner dagegen Waldbewohner. Ein gleichmäßiges Lichtspektrum sei entscheidend, Flackerfreiheit und ein passender UV-A-Anteil unerlässlich, sagte Louisa Reimers zum Schluss ihres Vortrags.

Quelle: Thomas Wengenroth, Der Hoftierarzt

Guter Tag für Tiergesundheit und AMR-Bekämpfung: Europäisches Parlament erteilt Antibiotika-Ideologen erneute Absage

In seiner heutigen Sitzung hat das Europäische Parlament (EP) den letzte Woche kurzfristig eingebrachten Einwand des Umwelt- und Gesundheitsausschusses (ENVI) gegen den Durchführungsrechtsakt über gelistete antimikrobielle Mittel, die nur für den menschlichen Gebrauch reserviert sind (Reserveantibiotika), erneut mit großer Mehrheit abgelehnt. Das EP folgt damit dem bewährten wissenschaftlich fundierten Entscheidungsfindungsprozess in der EU und bestätigt gleichzeitig sein eigenes Votum aus dem letzten Herbst. Mit ihrer Abstimmung bekennen sich die Abgeordneten erneut klar zum One-Health-Ansatz im Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen.

Basierend auf dem im vergangenen Herbst vom EP bestätigten Delegierten Rechtsakt zur Festlegung von Kriterien für die Kategorisierung von Antibiotika hatte die EU-Kommission auftragsgemäß zwischenzeitlich den Durchführungsrechtsakt (Implementing Act) zu Reserveantibiotika vorgelegt, der von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) u. a. in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) erarbeitet wurde. Der ENVI-Einwand wurde erneut mit genau denselben Argumenten begründet, die bereits im vergangenen Herbst im Zuge der Entscheidung über den Delegierten Rechtsakt zur Festlegung von Kriterien für die Kategorisierung von Antibiotika mit übergroßer Mehrheit vom EP abgelehnt wurden. „Wir begrüßen deshalb diese Ablehnung des ENVI-Einwands, denn eine Zustimmung hätte aus unserer Sicht in inhaltlichem Widerspruch zum letzten Votum gestanden, ja diese Entscheidung sogar konterkariert“, erklärt der Präsident der Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte, Dr. Siegfried Moder. „Der Durchführungsrechtsakt macht die Europäische Union zum weltweiten Vorreiter in Sachen Antibiotikaresistenzbekämpfung und sichert gleichzeitig die notwendigen Behandlungsmöglichkeiten für kranke Tiere“, so Moder weiter.

Da auch eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten bereits Zustimmung signalisiert hat, dürfte nun einer baldigen Veröffentlichung des Durchführungsrechtsakts nicht mehr im Wege stehen.

Quelle: Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.

Bewerberrekord beim Preis der Tiergesundheit 2022

Rund 100 Betriebe wollen die Jury mit ihrem Tierwohlkonzept überzeugen
98 Bewerbungen aus Deutschland und Österreich setzen beim diesjährigen Preis der Tiergesundheit einen Teilnehmerrekord.
Besonders viele Bewerbungen in der Kategorie “Fruchtbarkeit von Milchkühen”.
Eine unabhängige Jury entscheidet jetzt, wer in die engere Auswahl kommt.

Die Bewerbungsphase beim Preis der Tiergesundheit 2022 ist abgeschlossen. Und das mit großem Erfolg: Rund 100 Betriebe aus Deutschland und Österreich haben sich mit ihren innovativen Ideen und Konzepten zur Förderung von Tierwohl und Tiergesundheit in der Landwirtschaft beworben. Die Teilnehmerquote aus den Vorjahren konnte damit abermals übertroffen werden.

Neben den bereits etablierten Bereichen Rind und Schwein, konnten sich dieses Jahr erstmals auch Landwirtinnen und Landwirte aus dem Bereich Geflügel bewerben. Gleich neun Betriebe haben diese Chance genutzt und ihre Bewerbung in der Kategorie „Tiergesundheit in der Legehennenhaltung” abgegeben. Weitere 20 Bewerbungen gingen in der Kategorie “Innovationen in der Schweinemast” ein. Die meisten Einreichungen kamen im Bereich Rind zusammen. Insgesamt 69 Betriebe haben sich zum diesjährigen Fokusthema “Fruchtbarkeit von Milchkühen” beworben und zeigen, mit welchen innovativen Maßnahmen in der Praxis sie es geschafft haben, die Gesundheit ihrer Milchkühe zu steigern. „Es ist eine Freude, die eingegangenen Bewerbungen zu sichten“, so Dr. Melanie Lengowski, Projektleiterin des Preis der Tiergesundheit. „Schon jetzt können wir sagen, dass die Qualität der eingereichten Konzepte auch in diesem Jahr wieder sehr hoch ist. Das wird keine leichte Entscheidung für unsere Jury.“

Unabhängige Expertenjury bewertet Einreichungen
Mit dem erfreulichen Abschluss des Bewerbungszeitraums startet der von MSD Tiergesundheit 2019 ins Leben gerufene Preis jetzt in die Juryphase. Im ersten Schritt werden die Betriebe von einem Experten-Team von MSD Tiergesundheit besucht. Kommt ein Betrieb in die engere Auswahl, findet ein erneuter Besuch durch die Jury statt.
Die Jury jeder Kategorie besteht dabei aus unabhängigen Expertinnen und Experten aus Wissenschafts- und Lehreinrichtungen, Verbänden und jeweils einem Vertreter von MSD Tiergesundheit. In diesem Jahr dabei sind:

Rind | Fruchtbarkeit von Milchkühen:
Prof. Axel Wehrend, Universitätsprofessor, Fachbereich Reproduktionsmedizin, Justus-Liebig-Universität Giessen
Dr. Erwin Hasenpusch, stellv. Geschäftsführer der Rinderzucht Schleswig-Holstein eG (RSH)
Dr. Carl Christian Gelfert, Tierarzt, Fachberatung Rind, MSD Tiergesundheit

Schwein | Innovationen in der Schweiemast:
Prof. Isabel Hennig-Pauka, Professorin für Schweinekrankheiten und Bestandsmedizin, Tierärztliche Hochschule Hannover
Karin Müller, Geschäftsführerin der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein
Dr. Robert Tabeling, Tierarzt, Fachberatung Schwein, MSD Tiergesundheit

Geflügel | Tiergesundheit in der Legehennenhaltung:
Dr. Franca Möller, Fachtierärztin für Wirtschafts-, Wild- und Ziergeflügel; Fachtierärztin für Mikrobiologie, Justus-Liebig-Universität Giessen
Prof. Robby Andersson, Leiter des Schwerpunktes Poultry Science, Hochschule Osnabrück
Claudia Scheidel, Teamleitung Bereich Geflügel und Fisch, MSD Tiergesundheit

Gesucht sind dieses Jahr nicht nur die drei besten Gesamtkonzepte pro Kategorie – auch die jeweils beste Einzelidee erhält mit der Auszeichnung TopTipp ein Preisgeld von 2.000 Euro. Die feierliche Preisverleihung findet Ende des Jahres statt. Weitere Informationen zum Preis der Tiergesundheit 2022 finden Sie unter www.preisdertiergesundheit.com.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Fokus Schwein 2022: Die deutsche Schweineproduktion in stürmischen Zeiten

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Die Veranstaltung der BRÖRING Unternehmensgruppe war mit rund 250 Teilnehmern sehr gut besucht (Foto: Bröring).

Endlich war es wieder so weit. Nach pandemiebedingter Pause fand am 10. Juni zum zwölften Mal die beliebte Veranstaltung „Fokus Schwein“ statt. Rund 250 Zuhörer reisten auf Einladung der BRÖRING Unternehmensgruppe nach Spelle, um sich über aktuelle Themen der Schweineproduktion auszutauschen. Aufgrund der aktuellen Marktlage mit hohen Erzeugerpreisen und geringen Erlösen, verstärkt durch politischen und gesellschaftlichen Druck, blickt die Schweinebranche in eine ungewisse Zukunft. Doch Heiner A. Bröring, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, konnte hochkarätige Referenten aus Wissenschaft und Praxis begrüßen, die Wege aufzeigten, diese Herausforderungen zu meistern.

Preisbildung in stürmischen Zeiten
Den Beginn machte Herr Matthias Frieß, Vorsitzender der VEZG. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften bündelt die Interessen der Erzeugergemeinschaften für Vieh- und Fleisch und berät ihre Mitglieder bei der Preisbildung. Zu diesem Zweck spricht die VEZG wöchentlich eine Preisempfehlung aus, den sogenannten Vereinigungspreis. Gerade in Zeiten starken Preissprünge stellt sich immer wieder die Frage, wie diese zu erklären sind. Herr Frieß gab einen interessanten Einblick in den Ablauf der wöchentlichen Preisfindung. Hoffnungen auf einen schnellen starken Preisanstieg machte er allerdings nicht: „Die Nachfrage nach Schweinefleisch ist stärker rückläufig als das Angebot“, so Frieß. Positiv sei allerdings, dass die Nachfrage nach deutschem Ferkel durch die Diskussionen rund um 5D wohl wieder anziehen dürften.

Die Vermarktung im Griff haben
Mit welchen Herausforderungen und Zielen sich die Fleischvermarktung auseinandersetzt berichtete Dr. Harm Böckmann von der Firma Brand Qualitätsfleisch. In den sozialen Medien bekannt als WURSTNERD ist er immer auf der Suche nach dem besonderen Schwein. Aktuell sei der Markt extremschnell und unkalkulierbar. Gerade für ein kleineres Schlachtunternehmen wie die Firma Brand sei aber Planbarkeit und Vermarktungssicherheit wichtig. Aus diesem Grund setzt das Unternehmen mehr und mehr auf geschlossene Wertschöpfungsketten im Hochpreissegment.

Dabei sieht sich das Unternehmen nicht nur als Bindeglied zwischen Landwirt und Vermarkter, sondern liefert auch ein umfassendes Marketingpaket rund um die Tierhaltung und den Schlachtprozess. Über diesen Weg ließen sich Produkte aus der Tierwohlhaltungsstufe 3 und 4 sehr gut vermarkten.

China gibt den Ton an
Mandes Verhaagh vom Thünen Institut zeigte in seinem Beitrag, wie sich die deutsche Schweineproduktion im internationalen Vergleich schlägt. Eindrucksvoll veranschaulichte er, wie sich die Handelsströme für Schweinefleisch in den vergangenen Jahren immer wieder gewandelt haben.

Dabei hängt der internationale Schweinemarkt sehr stark von der Nachfrage Chinas ab. Bei einem Blick auf die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse im Jahr 2020 zeigt fast weltweit einen Rückgang gegenüber 2019. Verhaagh schätzt die Lage auch weiterhin als schwierig ein. Um Exporte zurückzugewinnen, sei es notwendig, in Bezug auf die ASP ein Regionalisierungabkommen durchzusetzen. Brauchbare Konzepte in Bezug auf Tierwohlfragen liegen vor, es sei an der Zeit für eine konsequente Umsetzung.

Forschung für die Zukunft
Gemeinsam mit Big Dutchman baut die BRÖRING Unternehmensgruppe einen Forschungsstall, um dort Themen wie freie Abferkelung und Langschwanz weiter zu erforschen. Daniel Holling von Big Dutchman stellte dieses spannende Projekt vor. Im ersten Bauabschnitt werden insgesamt 84 Sauen in strukturierten Buchten untergebracht, die mit der Schweinetoilette ausgestattet und somit spaltenfrei sind. Das Besondere: Die Ferkel verlassen diese Buchten nicht zum Absetzen, sondern werden an Ort und Stelle im Geschwisterverbund weiter aufgezogen bzw. gemästet. Lena Feldhaus, Landwirtin aus Visbek, berichtete von ihren Erfahrungen mit den ersten Testbuchten, die bereits 2019 auf dem elterlichen Betrieb eingebaut wurden. Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Verbesserungspunkte. So wurden Schmutzecken immer weiter reduziert und
Fütterungs- und Tränkesysteme weiter optimiert. „Die Mast von Langschwanztieren ist hier kein Problem“, so Lena Feldhaus. Als Gründe sieht sie die gut strukturierten Buchten, den Erhalt des Geschwisterverbands und die sehr gute Stallluft im Abteil. Weiterhin erklärt die Landwirtin: „Durch die Schweinetoilette ist kaum Ammoniak in der Luft. Es riecht nur nach dem Einstreumaterial.“

Am Ende der 4-stündigen Veranstaltung blieb Tobias Bolte, Spartenleiter Schwein bei der BRÖRING Unternehmensgruppe, ein herzlicher Dank an Referenten und Teilnehmer. Die Veranstaltung habe gezeigt, wie groß das Interesse der Landwirtinnen und Landwirte sei, sich trotz aller Widrigkeiten mit den aktuellen Herausforderungen auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen.

Quelle: Bröring

Managementempfehlungen: Legehennen länger halten

Von Paul Westermann, Produktfeldleiter Geflügelmast, BEST 3 Geflügelernährung GmbH

In der heutigen Zeit steigen die Kosten für Legehennenhalterinnen und Legehennenhalter rapide an – Energie, Futter und Personalkosten bei zu niedrigen Erzeugerpreisen können schnell zu großen betriebswirtschaftlichen Problemen führen. Umso wichtiger ist es, die Effizienz der Hühner zu steigern. Welche Möglichkeiten gibt es, mehr Eier je Henne zu erzeugen?

Die Zucht unserer Legehennen hat in den letzten Jahren zu einer deutlichen Effizienzsteigerung geführt mit dem positiven Effekt, dass die Hühner länger gehalten werden können. Nicht selten kommt es vor, dass 100 Lebenswochen überschritten werden und über 500 Eier erzeugt werden können. Um diese Leistungsparametern zu erlangen, muss alles stimmen, worauf es in der Haltung ankommt. Die LegehennenhalterInnen sollten in jeder Phase der Legeperiode die Herde richtig lenken und ggf. gegensteuern.

Junghennen gut kontrollieren
Nach Anlieferung der Junghennen empfiehlt es sich, eine Einzelwiegung von 0,5-1 % der Herde vorzunehmen, um die Uniformität und das Durchschnittsgewicht zu ermitteln. Bei der Einzeltierwiegung ist es zudem möglich, jedes Tier im Gefieder zu beurteilen, um eventuelle Gefiederschäden zu erkennen. Stresssituationen in der Aufzucht können leicht zu einem Federpicken führen, aber auch Managementfehler bzw. Unterversorgungen können sich als Schäden im Gefieder widerspiegeln wie z.B. durch Stresslinien. Ebenfalls könnte ein möglicher Ektoparasitenbefall bei genauerer Betrachtung erkannt werden, jedoch nur bei sehr starkem Befall. Endoparasiten sollten über eine Sektion oder über Kotproben überprüft werden. Darüber hinaus ist der Mauserstatus zu ermitteln, um das Alter der Tiere mit der Körperentwicklung zu vergleichen. Die Sollwerte hängen in diesem Fall immer von dem Alter der Junghennen und der Rasse ab und sollten aktiv mit dem Vertreter des Junghennen-Vermehrers besprochen werden. Da die gelieferten Tiere einen großen Wert darstellen, ist die Überprüfung des Impfstatus ratsam. Parameter können hier z.B. Newcastle Desease, Egg-Dropp-Syndrom (EDS) oder auch Infektiöse Bronchitis sein. Speziell für den Bestand durchgeführte Impfungen sollten immer kontrolliert werden (z.B. MG, MS (Mykoplasmen)). Braune Legehennenherden ohne ausreichenden EDS-Schutz können einen Totalschaden darstellen, da die Legeleistung bis auf ein Minimum absinkt und die restlichen gelegten Eier entweder keine oder eine sehr dünne Schale aufweisen.

Herde langsam stimulieren
Nach der Bestandsaufnahme der Junghennen sollte in enger Abstimmung mit dem Züchter das Lichtregime eingestellt und die Herde so langsam wie möglich stimuliert werden. Alte Weisheiten wie z.B. „je früher die Eier, desto mehr Eier“ sind lange widerlegt und schaden den Hühnern, da zu schnell gestartete Herden an Körpermasse verlieren. Langsame, der Herde angepasste Legestarts helfen den Tieren, sich an neue Bedingungen zu gewöhnen. Dazu zählen nicht nur der neue Stall, sondern auch das Futter, Wasser, Betreuung und die hormonelle Umstellung. In dieser Phase erhalten die Hühner ein spezielles Umstellungsfutter (Vorlegefutter), das die Brücke zwischen Junghennenmehl und Legemehl spannt. Bitte niemals die Fütterungsempfehlung für das Vorlegemehl überschreiten, da es weniger Kalzium enthält als das Legemehl und folglich die Tiere von ihren inneren Calcium-Reserven zehren müssten.

Stress vermeiden
In der Phase des Starts sollte immer ein Auge auf die Tiergewichte gelegt werden. Es ist sehr wichtig, dass die Herde an Gewicht zulegt und die Futteraufnahme sowie Wasseraufnahme mindestens im Soll liegt. Die Legeleistung sollte stetig auf min. 95 % steigen, wobei immer kontrolliert werden muss, ob die Nester gleichmäßig angenommen werden. Veränderungen in der Eiqualität (blutige, angepickte, helle, oder deformierte Eier) sollten stets separat dokumentiert werden.


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