Bioland-Geflügeltagung 2022: Optimale Ausleuchtung von Geflügelställen

Soldatenfliegenlarven unter UV-Licht

Über den aktuellen Erkenntnisstand zur optimalen Ausleuchtung von Geflügelställen sprach Louisa Reimers von der Hochschule Osnabrück anlässlich der Bioland-Geflügeltagung.

Vögel haben nicht nur ein breiteres Sehspektrum als Menschen, sie sehen auch im UV-A-Bereich. Haben Menschen bei ca. 550 nm eine einzige Spitze in der Hellempfindung, kommen beim Geflügel zwei weitere hinzu (bei etwa 460 nm sowie bei 630 nm). Wie wichtig UV-A-Licht für Vögel ist, zeigte die Wissenschaftlerin mit Bildern von Larven im Stroh mit und ohne UV-Beleuchtung.

Soldatenfliegenlarven unter Tageslicht

Außerdem nehmen Vögel Flimmern deutlich besser wahr, als Menschen es tun. Die wahrnehmbare Flimmerfusionsfrequenz beim Menschen liegt zwischen 50 und 60 Hz (˃ 20 Lux) respektive 18 bis 20 Hz (˂ 8 Lux). Bei Vögeln liegt die Spanne zwischen 75 und 120 Hz. Eine Glühlampe, die für das menschliche Auge Licht gleichmäßig ausstrahlt, flackert für Hühner ohne Unterlass. Flimmerfreie LEDs der 3. Generation seien deshalb heute die beste Wahl, empfahl Louisa Reimers. Die Mindestfrequenz sollte fürs Geflügel bei 160 Hz, die Netzspannung bei 50 Hz liegen.

Licht entscheidet über die Farbwahrnehmung und wenn eine Farbe „ausgefiltert“ wird, sind Vögel nicht nur irritiert, sondern können z. B. auch ihr Futter verweigern, das im Freien für sie ganz anders aussieht als im Stall. Natürliche Farben können durch mangelhafte Beleuchtung oder Fenstermaterialien verfälscht werden und bei Hühnern Stress auslösen.

Louisa Reimers, Hochschule Osnabrück

Alle Leuchtmittel altern und verändern im Lauf der Zeit ihre Beleuchtungseigenschaften. Geschieht dies langsam und gleichmäßig, sei dies nicht unbedingt problematisch, sagte die Referentin. Verschmutzungen, insbesondere wenn sie nur stellenweise und in unterschiedlichen Graden auftreten, seien dagegen gefährlich. Auch Lampen-Abdeckungen verfälschten das abgestrahlte Licht, ebenso wie z. B. Kunststoff-Fenster, die auch im saubersten Zustand schon bestimmte Wellenlängen ausfiltern könnten.

Grundsätzlich seien die Ansprüche des Geflügels an die Beleuchtung abhängig von Art und Alter. Außerdem waren Puten ursprünglich Steppen-, Hühner dagegen Waldbewohner. Ein gleichmäßiges Lichtspektrum sei entscheidend, Flackerfreiheit und ein passender UV-A-Anteil unerlässlich, sagte Louisa Reimers zum Schluss ihres Vortrags.

Quelle: Thomas Wengenroth, Der Hoftierarzt

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