Fokus Schwein 2022: Die deutsche Schweineproduktion in stürmischen Zeiten

Die Veranstaltung der BRÖRING Unternehmensgruppe war mit rund 250 Teilnehmern sehr gut besucht (Foto: Bröring).

Endlich war es wieder so weit. Nach pandemiebedingter Pause fand am 10. Juni zum zwölften Mal die beliebte Veranstaltung „Fokus Schwein“ statt. Rund 250 Zuhörer reisten auf Einladung der BRÖRING Unternehmensgruppe nach Spelle, um sich über aktuelle Themen der Schweineproduktion auszutauschen. Aufgrund der aktuellen Marktlage mit hohen Erzeugerpreisen und geringen Erlösen, verstärkt durch politischen und gesellschaftlichen Druck, blickt die Schweinebranche in eine ungewisse Zukunft. Doch Heiner A. Bröring, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, konnte hochkarätige Referenten aus Wissenschaft und Praxis begrüßen, die Wege aufzeigten, diese Herausforderungen zu meistern.

Preisbildung in stürmischen Zeiten
Den Beginn machte Herr Matthias Frieß, Vorsitzender der VEZG. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften bündelt die Interessen der Erzeugergemeinschaften für Vieh- und Fleisch und berät ihre Mitglieder bei der Preisbildung. Zu diesem Zweck spricht die VEZG wöchentlich eine Preisempfehlung aus, den sogenannten Vereinigungspreis. Gerade in Zeiten starken Preissprünge stellt sich immer wieder die Frage, wie diese zu erklären sind. Herr Frieß gab einen interessanten Einblick in den Ablauf der wöchentlichen Preisfindung. Hoffnungen auf einen schnellen starken Preisanstieg machte er allerdings nicht: „Die Nachfrage nach Schweinefleisch ist stärker rückläufig als das Angebot“, so Frieß. Positiv sei allerdings, dass die Nachfrage nach deutschem Ferkel durch die Diskussionen rund um 5D wohl wieder anziehen dürften.

Die Vermarktung im Griff haben
Mit welchen Herausforderungen und Zielen sich die Fleischvermarktung auseinandersetzt berichtete Dr. Harm Böckmann von der Firma Brand Qualitätsfleisch. In den sozialen Medien bekannt als WURSTNERD ist er immer auf der Suche nach dem besonderen Schwein. Aktuell sei der Markt extremschnell und unkalkulierbar. Gerade für ein kleineres Schlachtunternehmen wie die Firma Brand sei aber Planbarkeit und Vermarktungssicherheit wichtig. Aus diesem Grund setzt das Unternehmen mehr und mehr auf geschlossene Wertschöpfungsketten im Hochpreissegment.

Dabei sieht sich das Unternehmen nicht nur als Bindeglied zwischen Landwirt und Vermarkter, sondern liefert auch ein umfassendes Marketingpaket rund um die Tierhaltung und den Schlachtprozess. Über diesen Weg ließen sich Produkte aus der Tierwohlhaltungsstufe 3 und 4 sehr gut vermarkten.

China gibt den Ton an
Mandes Verhaagh vom Thünen Institut zeigte in seinem Beitrag, wie sich die deutsche Schweineproduktion im internationalen Vergleich schlägt. Eindrucksvoll veranschaulichte er, wie sich die Handelsströme für Schweinefleisch in den vergangenen Jahren immer wieder gewandelt haben.

Dabei hängt der internationale Schweinemarkt sehr stark von der Nachfrage Chinas ab. Bei einem Blick auf die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse im Jahr 2020 zeigt fast weltweit einen Rückgang gegenüber 2019. Verhaagh schätzt die Lage auch weiterhin als schwierig ein. Um Exporte zurückzugewinnen, sei es notwendig, in Bezug auf die ASP ein Regionalisierungabkommen durchzusetzen. Brauchbare Konzepte in Bezug auf Tierwohlfragen liegen vor, es sei an der Zeit für eine konsequente Umsetzung.

Forschung für die Zukunft
Gemeinsam mit Big Dutchman baut die BRÖRING Unternehmensgruppe einen Forschungsstall, um dort Themen wie freie Abferkelung und Langschwanz weiter zu erforschen. Daniel Holling von Big Dutchman stellte dieses spannende Projekt vor. Im ersten Bauabschnitt werden insgesamt 84 Sauen in strukturierten Buchten untergebracht, die mit der Schweinetoilette ausgestattet und somit spaltenfrei sind. Das Besondere: Die Ferkel verlassen diese Buchten nicht zum Absetzen, sondern werden an Ort und Stelle im Geschwisterverbund weiter aufgezogen bzw. gemästet. Lena Feldhaus, Landwirtin aus Visbek, berichtete von ihren Erfahrungen mit den ersten Testbuchten, die bereits 2019 auf dem elterlichen Betrieb eingebaut wurden. Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Verbesserungspunkte. So wurden Schmutzecken immer weiter reduziert und
Fütterungs- und Tränkesysteme weiter optimiert. „Die Mast von Langschwanztieren ist hier kein Problem“, so Lena Feldhaus. Als Gründe sieht sie die gut strukturierten Buchten, den Erhalt des Geschwisterverbands und die sehr gute Stallluft im Abteil. Weiterhin erklärt die Landwirtin: „Durch die Schweinetoilette ist kaum Ammoniak in der Luft. Es riecht nur nach dem Einstreumaterial.“

Am Ende der 4-stündigen Veranstaltung blieb Tobias Bolte, Spartenleiter Schwein bei der BRÖRING Unternehmensgruppe, ein herzlicher Dank an Referenten und Teilnehmer. Die Veranstaltung habe gezeigt, wie groß das Interesse der Landwirtinnen und Landwirte sei, sich trotz aller Widrigkeiten mit den aktuellen Herausforderungen auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen.

Quelle: Bröring

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