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Stressoren spielen große Rolle für die Schwarzkopfkrankheit bei Puten

Die Schwarzkopfkrankheit führt bei sowohl bei wildlebenden als auch bei domestizierten Hühnervögeln zu hoher Morbidität und Mortalität, wobei Truthähne bzw. Puten am anfälligsten sind, was zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führt. Die bekannten Morbiditäts- und Mortalitätsraten für Ausbrüche der Schwarzkopfkrankheit schwanken von 10 bis 100 % Herdenverlust bei Puten. Die Gründe für diese Unterschiede wurden jedoch bisher noch nicht identifiziert. Das Verständnis der Faktoren, die die Unvorhersehbarkeit der lateralen Übertragungs- und Infektionsraten bei einem Ausbruch beeinflussen, sowie die Entwicklung von Maßnahmen zur Reduzierung ausbruchsbedingter Verluste sind deshalb von größter Bedeutung. Das Ziel der aktuellen Studie* war es, den Einfluss von Stressfaktoren auf die Entwicklung einer Schwarzkopfkrankheit (Histomoniasis) und die laterale Übertragung der einzelligen Darmparasiten, die sogenannten Histomonaden (Histomonas meleagridis), zu untersuchen. In den folgenden drei Experimenten wurde die Hälfte von jeweils 420/150/180 Puten in jedem Abteil mit H. meleagridis infiziert, um die Übertragung und das Fortschreiten der Krankheit zu untersuchen. Die Puten wurden in den ersten Wochen vor der Infektion mit verschiedenen Stressoren konfrontiert: u.a. Ration mit hohem Elektrolytgehalt, Transportstress, Kältestress und Futterentzug, Kokzidien und Mykotoxine. Die Puten wurden im Alter von 5 Wochen (Experimente 1 und 3) oder im Alter von 2 Wochen (Experiment 2) infiziert. Der Krankheitsverlauf wurde anhand der Infektionsrate, der Mortalitätsrate und pathologischen Läsionen im Blinddarm und in der Leber bewertet. In diesen Untersuchungen war keine laterale Übertragung erkennbar, deshalb beziehen sich die Ergebnisse nur auf die direkt infizierten Puten. In Experiment 1 zeigten die Ergebnisse, dass eine Ration mit hohem Elektrolytgehalt und Futterentzug (FW) höhere Infektionsraten und höhere Läsionswerte in Leber und Blinddarm verursachte. Experiment 2 untersuchte weiter den Einfluss von Kokzidiose oder Futterentzug. Alle Stressoren ergaben höhere Infektionsraten, Mortalitätsraten, Blinddarm- und Leberwerte. In Experiment 3 wurden die Puten mit Futter gefüttert, das natürlich vorkommendes Aflatoxin in einer Menge von 0 ppb (AFLB1), 6,26 ppb (AFLB1 Low) oder 19,82 ppb (AFLB1 High) enthielt. Es wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungen beobachtet. Die Experimente zeigen, dass Futterentzug und/oder Kokzidieninfektionen oder eine Kombination von Stressfaktoren eine schwerere Histomoniasis-Infektion begünstigten. Eine Verbesserung der Fütterungsprogramme, verstärkte Bemühungen zur Reduzierung von Umweltstressoren und zur Begrenzung von Koinfektionen durch andere Krankheitserreger kann dazu beitragen, das Infektionsrisiko und die Schwere des Ausbruchs zu verringern. Die Wissenschaftler*innen raten zu weiteren Studien, um den Einfluss von Stress auf die Schwankungen bei der lateralen Übertragung von H. meleagridis zu untersuchen. *Studie: Fudge, C. et al.: Role of stressors in histomoniasis transmission and development in turkeys. J The Journal of applied poultry research 2024 33:100405 Quelle: Dr. Heike Engels, Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2/24

BroilerNet präsentiert die Good-Practice-Champions der ersten Innovationsrunde

BroilerNet ist das erste europäische Netzwerkprojekt, das darauf abzielt, die Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit des Masthuhnsektors zu verbessern. Die Projektpartner aus Forschung, Wirtschaft und Tierhaltung stammen aus 13 europäischen Ländern. Im Rahmen von BroilerNet werden innovative Verfahren für wichtige Herausforderungen im europäischen Masthühnersektor zu den drei Schlüsselthemen Tierwohl, Nachhaltigkeit und Umwelt sowie Tiergesundheit herausgearbeitet. Wichtig war hierbei die Einbindung nationaler Netzwerke von Landwirten und weiteren relevanten Interessengruppen wie Beratern und Tierärzten. Dr. Stefan Gunnarsson, Koordinator des BroilerNet, war sehr beeindruckt von der Anzahl der eingereichten Verfahren aus allen Ländern: „Mehr als 400 Personen aus dem europäischen Masthühnersektor haben zu BroilerNet beigetragen. Es ist schön zu sehen, wie engagiert und enthusiastisch die Teilnehmer in den nationalen Netzwerken waren. Sie haben wichtige Branchenherausforderungen identifiziert und sich dann gegenseitig unterstützt, bewährte Verfahren in ganz Europa zu finden. Unsere thematischen Expertengruppen haben mit wissenschaftlicher und praktischer Erfahrung zur Qualitätssicherung im Prozess beigetragen. Die intensive Arbeit wird hoffentlich für Masthühnerhalter in ganz Europa von Nutzen sein und langfristig zu einer erhöhten Widerstandsfähigkeit in der EU-Masthühnerhaltung beitragen.“ Die erste Runde zur Identifizierung wichtiger Herausforderungen im Bereich der drei Schlüsselthemen, gefolgt von der Sammlung bewährter und innovativer Verfahren zu deren Bewältigung, ist damit abgeschlossen. Thematische Netzwerke von Fachleuten aus verschiedenen europäischen Ländern diskutierten und bewerteten die verschiedenen vorgeschlagenen Verfahren. Hieraus wählten sie die BroilerNet-Champions aus. Im Bereich Nachhaltigkeit & Umwelt wurden die drei wichtigsten Herausforderungen für den europäischen Masthühnersektor benannt und folgende BroilerNet-Champions gewählt: • Klimaneutralität & ökologischer Fußabdruck ≡ Überführung von verbrauchter Einstreu zur Herstellung von Dünger (Italien) • Futterquellen und Futterqualität ≡ Förderung von Insekten als Protein (Frankreich) • Energiemanagement ≡ Strom aus Photovoltaik (Italien) Im Bereich Tierwohl sind es: • Fortbildung und Training von Tierhaltern/-pflegern ≡ Interne Audits zur Nottötung auf den Betrieben (Spanien) • Genetik & Zucht ≡ Erhöhte Ebenen als Anreicherung der Haltungsumgebung (Spanien) • Optimierung des Stallklimas ≡ Gesundheitsprogram von Fußballen (Schweden) Im Hinblick auf die Tiergesundheit sind die wichtigsten Herausforderungen sowie die dazugehörigen BroilerNet-Champions: • Verbesserung der Biosicherheit ≡ Zuweisung von Kleingeräten nach Zone und Gebäude (Frankreich) • Bekämpfung der Aviären Influenza ≡ Betrieblicher Online-Risiko-Check für Eintragsrisiken Aviärer Influenza (Deutschland) • Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes ≡ Wasserkreislauf-Zentralheizung mit erneuerbaren Energien (Finnland) Infoblätter zu den fünf besten bewährten Verfahren pro Schlüsselthema und Herausforderung sind über den Broiler Knowledge Hub bereits in verschiedenen Sprachen verfügbar. In den nächsten Monaten werden auch animierte Videos und Interviews mit Landwirten zu den BroilerNet-Champions sowie eine Auswahl anderer bewährter innovativer Praktiken auf der Website verfügbar sein. Dieses Projekt wurde vom EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe gefördert. Das Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI, Celle) ist zusammen mit dem Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger e.V. (BVH) Projektpartner und gleichzeitig Ansprechpartner für die deutschen nationalen Arbeitsgruppen. Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Abschlussveranstaltung der Vernetzungs- und Transfermaßnahme DigiTier: Erfolgreiche Bilanz und Zukunftsperspektiven

Die Vernetzungs- und Transfermaßnahme DigiTier begleitet seit 2021 dreizehn innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Digitalisierung in der Nutztierhaltung, die über das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert werden. Bei der Abschlussveranstaltung am 5. Juni 2024 standen die Ergebnisse der geförderten Projekte sowie aktuelle Herausforderungen und zukünftige Trends für eine nachhaltige, digitalisierte Nutztierhaltung im Fokus. Eröffnung und Grußworte Die Veranstaltung wurde durch Grußworte von MinDirig’n Prof. Dr. Engel Arkenau, Leiterin Unterabteilung 82 „Digitale Innovationen“ und Digitalisierungsbeauftragte des BMEL und Dr. Michaela Filipini, Leiterin der Abteilung 3 „Förderung, Forschung, Innovation und Nachhaltigkeit“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), eröffnet. Beide betonten die Bedeutung der Digitalisierung für die Zukunft der Nutztierhaltung und die nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit! Aber nicht nur die Digitalisierung liegt uns am Herzen, auch das Tierwohl und das Bewusstsein für ethisches Handeln stehen im Fokus der Politik und Forschung – denn die gesellschaftlichen Erwartungen an die Nutztierhaltung sind hoch – tiergerecht und ressourcenschonend muss sie sein. Die Vernetzungs- und Transfermaßnahmen ermöglichen einen Einblick in aktuelle Forschungs- und Entwicklungsbedarfe für die Ausrichtung zukünftiger Fördermaßnahmen und die Generierung neuer Projektideen“, so Prof. Dr. Arkenau. Dr. Filipini: „Innovative Ideen alleine reichen nicht aus, entscheidend ist der Transfer der Ergebnisse in die Praxis – das ist die große Hürde. Die ProjektnehmerInnen sind daher dazu angehalten ihre Ergebnisse zugänglich zu machen, sodass man sie in der Praxis nutzen kann. Das ist auch der Grund, warum wir Veranstaltungen wie diese und überhaupt die Vernetzungs- und Transfermaßnahmen unterstützen. Nutzen Sie sie als Bühne, die den Austausch und Wissenstransfer von der Praxis in die Wissenschaft und andersherum ermöglicht.“ Wie kann ein nachhaltiges und resilientes digitales Ökosystem aussehen? In seiner inspirierenden Keynote zum Thema „Agrikultur 4.0 – Die digitale Transformation unseres Lebensmittelsystems“ erläuterte Hendrik Haase, wie digitale Technologien die Landwirtschaft und Konsumgewohnheiten revolutionieren und dabei das Verhältnis zwischen Produzierenden sowie Konsumierenden neu definieren. Er untersuchte die tiefgreifenden Auswirkungen, die eine digitalisierte Lebensmittelkette auf die landwirtschaftliche Praxis und die Rollenbilder entlang der Lieferkette haben kann. Eine zentrale Fragestellung seiner Präsentation drehte sich dabei um die Verantwortung, die dieser Wandel für die verschiedenen Akteurinnen und Akteure mit sich bringt. Wie kann ein nachhaltiges und resilientes digitales Ökosystem aussehen? Welche Rolle haben Menschen in der digitalen Welt der Tiere? Und welche Rolle werden Tiere in der digitalen Welt spielen? Damit bot er einen inspirierenden Ausblick in die Zukunft der vernetzten Tier- und Menschenwelt und hob die entscheidende Bedeutung der technologischen Transformation für eine nachhaltige Nutztierhaltung in Deutschland hervor. Sein Appell an die Zuhörerinnen und Zuhörer lautete, die Kontrolle über die Zukunft der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zu behalten und AgTech made in Germany zu gestalten. Dafür brauche es das Forschen und Experimentieren, den Transfer in die Praxis und einen real erkennbaren Nutzen für die Landwirtschaft und Gesellschaft. Aber es brauche auch profitable Geschäftsmodelle für die Verwertung der Ergebnisse. Podiumsdiskussion Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Wissenschaft diskutierten über den aktuellen Stand der Digitalisierung in der Nutztierhaltung, über Hindernisse für den Einsatz in der Praxis, notwendige Standards, den Wissenstransfer sowie die Neuregelung der Nutzung von landwirtschaftlich erhobenen Daten. Die Diskussion verdeutlichte, dass digitale Innovationen bereits heute einen bedeutenden Einfluss auf die Tierhaltung haben und skizzierte, dass die digitale Transformation nur gelingen kann, wenn Anwenderinnen und Anwender aller Generationen mitgenommen, Systeme besser vernetzt und der Mehrwehrt digitaler Tools klarer kommuniziert werden. Rückblick, Erfolge und Zukunftsperspektiven Dr. Sabine Goetz, Koordinatorin der Vernetzungs- und Transfermaßnahme DigiTier bei der EurA AG, gab einen Überblick über die Vernetzungsaktivitäten und die durchgeführten Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und des Wissenstransfers. Dazu gehörten Workshops, Messen, der DigiTier Podcast sowie erste Ergebnisse sowie Anforderungen, die digitale Systeme in der Nutztierhaltung erfüllen sollten, um eine breite Akzeptanz in der Praxis zu erreichen. Ausstellung Im Anschluss an die Präsentationen bot eine Ausstellung der geförderten Verbundprojekte mit ihren digitalen Lösungen für die Nutztierhaltung im Stall, auf der Weide und in der Aquakultur den Teilnehmenden die Möglichkeit zum interaktiven Austausch. DigiTier – Ein Erfolgsmodell Durch die Bekanntmachung über die Förderung von Innovationen zur Digitalisierung in der Nutztierhaltung fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 13 innovative Verbundprojekte mit insgesamt ca. 12,5 Millionen Euro. Die Bekanntmachung verfolgt das Ziel, mit digitalen Lösungsansätzen die Tiergesundheit und das Tierwohl zu verbessern, die Arbeitsbelastung der Landwirtinnen und Landwirte zu verringern und die Rückverfolgbarkeit entlang der Wertschöpfungskette „Nutztierhaltung“ zu erhöhen. Sowohl für die geförderten Wirtschaftsunternehmen als auch die wissenschaftlichen Einrichtungen haben sich durch die Vernetzungs- und Transfermaßnahme diverse Mehrwerte ergeben: hierzu zählen verstärktes Networking, Lerneffekte durch Erfahrungsaustausch, eine Erweiterung des eigenen Horizonts sowie eine höhere Sichtbarkeit der Projekte und deren Ergebnisse für die Öffentlichkeit. Dies ermöglichte neue Kooperationen und die zielgerichtete Gestaltung von Innovationen. Die Vernetzungs- und Transfermaßnahme läuft noch bis April 2026. Bis dahin werden die Projekte weiterhin im Bereich Wissenstransfer, Vernetzung und Verwertung der Ergebnisse begleitet sowie ein Evaluationsbericht der Maßnahme erarbeitet. Weitere Informationen zu DigiTier und zu den einzelnen Verbundprojekten finden Sie unter www.digi-tier.de. Quelle: EurA AG

Boehringer Ingelheim bringt Impfstoff gegen das Blauzungenvirus Serotyp 3 auf den Markt

• Erster Impfstoff, der klinische Symptome und Mortalität durch das Blauzungenvirus Serotyp 3 (BTV-3) verhindert. Bei Schafen und Rindern anwendbar. • Nach Ausbrüchen von BTV-3 in den Niederlanden, Belgien und Deutschland droht eine Ausbreitung der Erkrankung auf die Nachbarländer. • Die Anwendung des Impfstoffs wurde in Deutschland von der zuständigen Behörde genehmigt und wird ab Anfang Juni 2024 verfügbar sein. Boehringer Ingelheim erweitert sein Impfstoffportfolio um einen inaktivierten Impfstoff für Schafe und Rinder zur Bekämpfung des Blauzungenvirus (BTV). Es ist der erste Impfstoff gegen BTV-3, der die Mortalität und klinische Symptome verhindert. Darüber hinaus reduziert er die Viruszirkulation im Blut der Tiere und somit das Risiko einer weiteren Übertragung der Krankheit. Boehringer Ingelheim ist es zusammen mit dem Unternehmen Bioveta gelungen, diesen hochwirksamen Impfstoff innerhalb von nur sieben Monaten auf den Markt zu bringen. Das Blauzungenvirus (BTV) zählt zu den “grenzüberschreitenden Tierkrankheiten“ (TADs) und betrifft Wiederkäuer. TADs können sich schnell über Ländergrenzen hinweg ausbreiten. Sie haben erhebliche Auswirkungen auf die Tiergesundheit. „Wir freuen uns, Landwirte, Tierärzte und Behörden in ihrem Kampf gegen die Blauzungenkrankheit mit unserem Impfstoff zu unterstützen“, so Dr. Gerald Behrens, globaler Leiter des Wiederkäuerbereiches bei Boehringer Ingelheim. „Mit ihm können zukünftige BTV-3-Ausbrüche verhindert werden, und Landwirte können nicht nur ihre Herden, sondern auch ihre Lebensgrundlage schützen.“ Boehringer Ingelheim verfügt über ein Portfolio von Impfstoffen gegen verschiedene TADs, darunter die Maul- und Klauenseuche sowie die Vogelgrippe. Nach den jüngsten BTV-3-Ausbrüchen haben sich die Gesundheitsbehörden an die Pharmaindustrie gewandt und die Notwendigkeit eines Impfstoffs gegen diesen neuen Serotyp des Blauzungenvirus betont. Boehringer Ingelheim reagierte darauf, indem es sich mit Bioveta, einem Hersteller von Veterinärprodukten mit besonderem Fokus auf Impfstoffe, zusammenschloss, um den neuen Impfstoff zu entwickeln. Ab Anfang Juni 2024 wird der Impfstoff in Deutschland verfügbar sein, dessen Anwendung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genehmigt wurde. Die Grundimmunisierung erfordert bei Schafen eine und bei Rindern zwei Injektionen im Abstand von drei Wochen. Kontakt: www.vetmedica.de Blauzungenkrankheit: Eine Herausforderung für Tiergesundheit und Landwirtschaft Das Blauzungenvirus, das von winzigen Insekten namens Gnitzen (Culicoides) übertragen wird, stellt eine ernsthafte Bedrohung dar. Die Krankheit zeigt einen stark saisonalen Verlauf, mit geringem Auftreten im Winter und Frühjahr sowie zunehmendem Auftreten im Sommer und Herbst. Es existieren 29 verschiedene Serotypen des Blauzungenvirus, die Wiederkäuer wie Rinder und Schafe infizieren. Besonders besorgniserregend ist der neu aufgetretene Serotyp 3, der sich derzeit in Europa ausbreitet. Bei Schafen verursacht er schwere Erkrankungen und führt laut Berichten in Schafbetrieben zu einer wöchentlichen Sterblichkeitsrate von etwa 2,5 %. Rindern sind ebenfalls betroffen. Der jüngste BTV-3-Ausbruch führte neben klinischen Symptomen vor allem zu Fortpflanzungsstörungen und erheblichen Milchverlusten in betroffenen Milchviehbetrieben. Neben den gesundheitlichen Folgen für die Tiere kann das Blauzungenvirus auch erhebliche wirtschaftliche Verluste für Tierhalter verursachen und hat Auswirkungen auf den internationalen Handel. 1 Inge Santman Berends und René Van der Brom, AHDB technisches Webinar 7heit vom Februar 2024, Technisches Webinar zum Blauzungenvirus – Einblicke aus den Niederlanden zum Ausbruch 2023 – LINK. Boehringer Ingelheim – Tiergesundheit Boehringer Ingelheim Tiergesundheit arbeitet an Innovationen für die Prävention und Behandlung von Tierkrankheiten. Für Tierärzte, Tierhalter, Landwirte und Regierungen bietet das Unternehmen ein umfangreiches und innovatives Portfolio an Impfstoffen, Antiparasitika und Therapeutika für Haustiere, Pferde und Nutztiere an. Als führendes Unternehmen in der Tiergesundheit ist Boehringer Ingelheim davon überzeugt, dass die Gesundheit von Mensch und Tier eng miteinander verbunden ist und strebt danach, einen positiven Beitrag für Mensch, Tier und Gesellschaft zu leisten. Weitere Informationen unter: www.boehringer-ingelheim.de/tiergesundheit

QS-Befunddaten: Schlachthof übergreifende Auswertung schafft Klarheit für Schweinemäster

• Jeder zweite Mastschweinehalter profitiert inzwischen von dem schlachthofübergreifenden Tiergesundheitsindex im QS-System • Durchschnittlich liefern Schweinemäster in Deutschland an mindestens zwei verschiedene Schlachthöfe • Schlachthofübergreifender Datenabgleich verbessert Überblick über die Tiergesundheit im Bestand Jeder zweite Mastschweinehalter im QS-System profitiert inzwischen von dem Anfang des Jahres eingeführten schlachthofübergreifenden Tiergesundheitsindex (TGI) Befunddaten. Denn in diesem TGI Befunddaten fasst QS die Daten aus allen Schlachthöfen systematisch zusammen, an die der Tierhalter geliefert hat; viele liefern an bis zu acht verschiedene Schlachthöfe. Die Schweinemäster erhalten mit der schlachthofübergreifenden Berechnung ein klares und eindeutiges Ergebnis. QS kann die individuellen Abweichungen aus einzelnen Schlachthöfen eingrenzen. Spezifische Auswertungen sind auch weiterhin über die QS-Datenbank abrufbar. In dem quartalsweise erscheinenden Infobrief erhalten die Schweinemäster nur noch einen aussagekräftigen Wert für die TGIs Atemwegsgesundheit, sonstige Organgesundheit, Gliedmaßengesundheit sowie Unversehrtheit. Die einzelnen Werte der unterschiedlichen Schlachthöfe müssen nicht mehr zugeordnet und aufwändig relativiert werden. Tierhalter und betreuender Hoftierarzt können sich anhand der schlachthofübergreifenden Berechnung deutlich einfacher Klarheit über die Tiergesundheit im Bestand verschaffen. Die schlachthofübergreifende Berechnung des TGI Befunddaten hat QS auf eine wissenschaftliche Basis gestellt: Prof. Dr. Joachim Krieter vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat die Berechnung maßgeblich mitentwickelt. Die vier TGIs konzentrieren sich auf Kriterien, die für die Beurteilung der Gesundheit der Tiere eines Betriebes von entscheidender Bedeutung sind. Der neue Wert ersetzt die bisherigen schlachthofspezifischen Tiergesundheitsindices im Infobrief an die Mastschweinehalter. Die bekannte grafische Darstellung der Ergebnisse bleibt davon unberührt. Über die QS-Datenbank können die schweinehaltenden Betriebe jederzeit auch die einzelnen Befunddaten aus den jeweiligen Schlachthöfen einsehen. Quelle: QS Qualität & Sicherheit

Frühe Fütterung hochverfügbarer Kohlenhydratquelle positiv für späteres Wachstum

Die Bedeutung der frühen Fütterung in der ersten Woche (early feeding) nimmt in der Masthähnchenproduktion zu. Wissenschaftler*innen haben festgestellt, dass eine positive lineare Beziehung zwischen dem 7-Tage-Gewicht und dem Schlachtgewicht besteht und für jedes Gramm Verbesserung des 7-Tage-Körpergewichts wird eine Verbesserung von 5 g nach 49 Tagen Mastdauer erreicht. Eine Erhöhung des Körpergewichts nach 7 Tagen verringert außerdem die Futterverwertung um 10 Punkte und senkt die Futterkosten während der gesamten Wachstumsphase um 5 %. Darüber hinaus hat die richtige Ernährung in dieser kritischen Zeit große Auswirkungen auf die Entwicklung des Herz-Kreislauf-, Immun- und Verdauungssystems und somit auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und auf die daraus resultierende Wachstumsleistung von Broilern. Ziel dieser Studie* war es, die Auswirkungen einer frühen Dextrose-Fütterung auf die spätere Wachstumsleistung von Broilern zu untersuchen. Dextrose ist eine hochverdauliche Glukosequelle. Hochverdauliche Futtermittel sind für frisch geschlüpfte Küken nützlich, da sie über ein unreifes Verdauungssystem verfügen. Glukose ist für den Energiestoffwechsel bei Geflügel von zentraler Bedeutung und wird über Stoffwechselwege effizient in ATP (Adenosintriphosphat = Energieträger in Zellen) umgewandelt. Für die Studie wurden insgesamt 700 männliche Eintagsküken nach dem Zufallsprinzip auf 50 Ställe mit Bodenhaltung verteilt und erhielten entweder eine Kontrollration auf der Basis von Mais-Sojabohnenmehl (Kontrollbehandlung) oder eine Ration, in der Mais teilweise (5 %) durch Dextrose-Monohydrat ersetzt wurde (Dextrose-Behandlung). Die Leistungsdaten wurden am 7., 20., 30., 40. Tag aufgezeichnet. Einige Hähnchen wurden im Alter von 7 und 40 Tagen geschlachtet und ihre Schlachtkörper-, Serum- und Darmmerkmale analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass eine frühe Fütterung der Dextrose zu einer signifikanten Verbesserung der Gewichtszunahme führte sowie zu einem verbesserten Schlachtkörper bis Tag 40. Die Forscher*innen schließen daraus, dass die Starterrationen als Investitionen und nicht als Produktionskosten interpretiert werden sollten. Sie empfehlen für das „early feeding“ die Fütterung von hochverdaulichem Zucker, freien Aminosäuren, Vitaminen des B-Komplexes und Futterzusätzen mittels hochwertiger, nährstoffreicher Minipellets. Die frühe Fütterung einer hochverfügbaren Kohlenhydratquelle (Dextrose) verbessert die spätere Wachstumsleistung und die Schlachtkörpermerkmale von Broilern. *Studie: Rostamkhani, A. R. et al.: Impact of early feeding of highly available carbohydrate source on subsequent growth performance, carcass traits, blood biochemical parameters, and intestinal morphology of broilers. The Journal of applied poultry research 2024 Res. 33:100399 Quelle: Dr. Heike Engels Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2-2024

Künstliche Intelligenz in der Tiermedizin: Innovationen und Chancen im Fokus

Künstliche Intelligenz (KI) stand im Fokus der diesjährigen Frühjahrsveranstaltung des Bundesverbandes für Tiergesundheit e.V. (BfT), die am 16.05.2024 in Hannover stattfand. Die unterschiedlichen Blickwinkel und Diskussionen ergaben einen gemeinsamen Konsens: Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug mit viel Potential. Sorgfältig angewandt und mit Bewusstsein für die Grenzen der Technologie bieten die Kapazitäten zur komplexen Datenanalyse große Chancen insbesondere die Diagnostik und Prävention auch in der Tiermedizin entscheidend fortzuentwickeln. KI kann nicht nur im medizinischen Alltag bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Die Festlegung und Anordnung der eigentlichen therapeutische Maßnahme obliegt weiterhin dem Arzt, genauso wie die Entscheidung, ein Tierarzneimittel für den Markt zu entwickeln, nur durch den Unternehmer getroffen werden kann. Unter dem Titel „Tiergesundheit: Mit KI zum nächsten Level“ stellten die fachkundigen Referenten in drei Impulsen die Künstliche Intelligenz und ihre Möglichkeiten im Leben der Menschen, in der pharmazeutischen Forschung sowie für die Anwendung in der Veterinärmedizin vor. KI-basierte Systeme finden schon seit Jahrzehnten Einsatz im Alltag, sei es bei der Wettervorhersage oder der Fahrzeugentwicklung. Auch in der Tiermedizin findet Künstliche Intelligenz vermehrt den Weg von der (Er-)Forschung in die Praxis. So unterstützt KI beispielsweise bereits erfolgreich bei der Auswertung von Röntgen- und Ultraschallaufnahmen, dem Monitoring physiologischer Funktionen oder des Tierverhaltens und bei der Datenanalyse. Dies ermöglicht es, gesundheitliche Probleme der Tiere frühzeitig zu erkennen, geeignete Behandlungspläne zu entwickeln oder die Fütterung und das Stallmanagement zu optimieren. Professor Klaus Osterrieder, Präsident der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), hob in seinem Grußwort die Bedeutung von KI für alle Bereiche der Tiermedizin hervor und verwies gleichzeitig auf die Notwendigkeit einer sorgfältigen Handhabung. Künstlichen Intelligenz: Gekommen, um zu bleiben Patrick Ratheiser, CEO und Co-Founder von Leftshift One, betonte, dass KI gekommen sei, um zu bleiben. Er wies darauf hin, dass nur 12% der Unternehmen weltweit KI nutzen. KI könne, so Ratheiser, viele Aufgaben übernehmen und in Arbeitsprozessen unterstützen, aber nicht den menschlichen Verstand ersetzen. „Künstliche Intelligenz hat im Jahr 2022 dreimal mehr Arbeitsplätze geschaffen als sie übernehmen konnte“, betonte Ratheiser. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie KI in der Tiergesundheit eingesetzt werden kann, um etwa Krankheiten frühzeitig zu erkennen und individuelle Ernährungspläne für Hunde und Katzen zu erstellen. Nicht klüger, aber schneller lernend als der Mensch Dr. Narges Ahmidi, Expertin in KI-gesteuerter Gesundheitsfürsorge, zeigte auf, dass KI bereits heute in vielen Bereichen der Medizin eingesetzt wird, wie zum Beispiel in der Zahnmedizin, der Rekonstruktionschirurgie, zur Unterstützung in der Intensivmedizin sowie einer Vielzahl von diagnostischen Anwendungen wie beispielsweise der Tumorerkennung. Sie betonte insbesondere den Vorteil der KI in der Fähigkeit, schneller zu lernen als menschliche Ärzte. Während ein Arzt durch die Fälle, denen er in seinem Berufsleben über die Jahre begegnet, zum Experten werde, lerne die KI weitaus schneller, so Ahmidi. „Mit KI kann der Zeitpunkt, zu dem der Arzt die finale Diagnose kennt, deutlich nach vorne verlagert werden“, hob Ahmidi hervor. Diese ermöglicht große Fortschritte in der Früherkennung und eine spezifischere Behandlung von Krankheiten – weg von reaktiven hin zu präventiven Maßnahmen, sowohl im human-, als auch im tiermedizinischen Bereich. Verbesserte Kommunikation und Interaktion Dr. Henning Müller vom Deutschen Zentrum für Künstliche Intelligenz, Osnabrück, präsentierte praktische Anwendungen von KI in Landwirtschaft und Veterinärmedizin. Er erläuterte, wie auf seinem Familienbetrieb durch KI-Pflanzenbilder aufgenommen und ausgewertet werden, um gezielte Herbizidanwendungen und mechanische Unkrautbekämpfung zu ermöglichen. „Es ist bereits möglich, KI zu trainieren, eine Pflanze zu erkennen. Komplexer wird es jedoch, beispielsweise das Wachstumsstadium zu bestimmen,“ so Müller. Er führte aus, dass KI in der Nutztierhaltung bereits in der Zuchtsteuerung, zur Prozessoptimierung im Betrieb oder der Praxis, zur Geburtsüberwachung und Früherkennung von Krankheiten erfolgreich eingesetzt wird. Projektergebnisse zeigen, dass KI auch erfolgreich zur Früherkennung von Problemen wie dem Schwanzbeißen bei Schweinen eingesetzt werden kann. Datenanalyse durch KI könne auch den Austausch zwischen Tierarzt und Tierhalter für zielgenaue Bestandsmanagementkonzepte unterstützen. Wie in der Humanmedizin unterstütze KI auch in der Veterinärmedizin, z.B. in der Mustererkennung und Erstellung optimierte Behandlungspläne sowie darin, den wirksamsten Therapieansatz zu finden. Er hob die Bedeutung der Datenqualität beim Training der KI für die spätere sinnvolle Nutzung hervor. Breakout-Sessions und Podiumsdiskussion In den Breakout-Sessions diskutierten die Teilnehmenden die Erwartungen an KI in der veterinärmedizinischen Praxis, für und an die Ausbildung sowie in der Wissenschaft. Die Ergebnisse wurden in einer anschließenden Podiumsrunde zusammengefasst und beleuchtet. Die gemeinsamen Diskussionen betonten die Notwendigkeit der Vernetzung von Kompetenzen zur Entwicklung optimierter KI-basierter Anwendungen. Die Lehre ist gefordert, künftige Tiermediziner, aber auch Agrarwissenschaftler und Landwirte auf einen bewussten Umgang mit diesem kraftvollen Werkzeug vorzubereiten. Gelernt werden muss, die Grenzen jeder Anwendung einordnen zu können und Ergebnisse zu hinterfragen. Eine große Herausforderung ist, relevante Daten in guter Qualität und Menge zu erhalten. Einschränkungen durch gesetzliche Vorgaben, z.B. durch den europäischen Data Act und AI-Act, sind ebenso zu berücksichtigen wie die Bedeutung der Ethik im Umgang mit KI. Der umfangreiche Datenpool, insbesondere in der Nutztierhaltung, bietet Chancen im Zusammenwirken der veterinärmedizinischen Praxis, dem öffentlichen Veterinärwesen und der Landwirtschaft, die Gesundheit der Tierbestände zu überwachen und weiter zu verbessern. Mit KI-gestützten Plattformen könne der Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen und Fallstudien ermöglicht werden und die stetige Fortbildung sowie der kontinuierliche Wissensaustausch gefördert werden. Bei allem Potential und der Vielzahl von KI-Anwendungen liegt es in der Hand des jeweils Verantwortlichen, wie Wissenschaftler, Tierarzt oder Unternehmer, festzulegen, wie diese genutzt werden. Keine Scheu, sondern Offenheit und aktives Mitgestalten seien der Weg, um das Potential auch für die Veterinärmedizin nutzbar zu machen. Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.

Ein Positionspapier der Berufsverbände der amtlichen Lebensmittelüberwachung

In der Europäischen Union und insbesondere hier in Deutschland wird gesundheitlicher Verbraucherschutz als präventiver Gesundheitsschutz auf hohem Niveau betrieben. Die staatlichen Kontrollsysteme genießen insgesamt einen guten Ruf. Dennoch führen Lebensmittelskandale immer wieder dazu, dass die Arbeit, die Funktionsfähigkeit und die bestehenden Strukturen der amtlichen Lebensmittelüberwachung infrage gestellt werden. Politik und Öffentlichkeit stellen in Folge dessen immer höhere Erwartungen und Anforderungen an die amtliche Lebensmittelüberwachung. Diese umfasst neben der Überwachung von Lebensmitteln auch diejenige von Lebensmittelbedarfsgegenständen, sonstigen Bedarfsgegenständen, kosmetischen Mitteln, Tätowiermitteln und Tabakerzeugnissen, sogenannte verbrauchernahe Produkte. Globale Handelsströme lassen ebenso wie der zunehmende Internetvertrieb einerseits altbekannte Probleme in Deutschland erneut auftreten und führen andererseits zum Import ganz neuer und teilweise bisher unbekannter Risiken. Vor dem Hintergrund dieser stetig neuen Herausforderungen sollten auch die Strukturen der amtlichen Lebensmittelüberwachung überdacht und optimiert werden, damit sie zukunftsfähig aufgestellt werden. Zudem erreicht der sich aufgrund des demografischen Wandels verschärfende Fachkräftemangel zunehmend auch die staatlichen Einrichtungen. Viele erfahrene Kolleginnen und Kollegen gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand, Nachbesetzungen werden schwieriger, Stellen bleiben unbesetzt. Die Weichen müssen jetzt gestellt werden, um den öffentlichen Dienst auch in der Eingriffsverwaltung attraktiv und konkurrenzfähig zu halten. Neben angemessener Entlohnung oder Besoldung bedarf es guter und sicherer Arbeitsbedingungen, eines modernen Personalmanagements und verbesserter Angebote zur Weiterbildung. Mit der absehbaren Personalentwicklung ist eine verstärkte Priorisierung der Aufgaben in Verbindung mit Entbürokratisierung und Digitalisierung unausweichlich. Ein starker politischer Rückhalt wird in jedem Fall erforderlich sein. Die drei Berufsverbände BVLK, BbT und BLC repräsentieren das Kontrollpersonal der Behörden und Labore der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Deutschland, also die Lebensmittelkontrolleur/- innen, Tierärzte/-innen und Lebensmittelchemiker/-innen. Wir alle setzen uns täglich mit hohem Engagement gemeinsam für diese wichtige Aufgabe im gesundheitlichen Verbraucherschutz ein. Unsere Forderungen auf einen Blick Angemessene Ausstattung Für gute und sichere Lebensmittel sowie verbrauchernahe Produkte ist eine in den Behörden und Laboren personell, finanziell und technisch gut gerüstete Lebensmittelüberwachung unabdingbar. Qualifikation des Kontrollpersonals Ausreichend qualifiziertes Personal in der amtlichen Lebensmittelüberwachung ist unabdingbar für einen hochwertigen Verbraucherschutz. Betriebskontrollen Die risikoorientierte Kontrolle muss auch weiterhin auf dem Vorsorgeprinzip basieren. Kontrollen müssen mit angemessener Häufigkeit durchgeführt werden. Für die verstärkte Fokussierung auf Problembetriebe ist bundesweit festzulegen, unter welchen Umständen zusätzliche Überwachungsmaßnahmen erforderlich werden. Produktkontrollen Voraussetzung für einen effektiven und transparenten Verbraucherschutz durch Überprüfung der Produktkonformität sind in jedem Fall ausreichende Ressourcen bei den zuständigen Behörden und Laboren der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Als Grundlage für eine effiziente Ressourcenplanung ist auch zukünftig die Definition einer angemessenen Mindestprobenzahl erforderlich. Transparenz Das zu etablierende Transparenzsystem muss rechtssicher und ohne großen personellen und finanziellen Aufwand für die Überwachungsbehörden sowie als Teil eines Gesamtkonzepts zur behördlichen Transparenz entwickelt werden. Es muss einfach, praktisch und für den Verbraucher leicht verständlich sein. Hierdurch werden für die Lebensmittelüberwachung sehr zeitaufwändige VIG-Anfragen deutlich reduziert werden. Angemessene Ausstattung Genügend qualifiziertes und weitergebildetes Personal sowie eine angemessene finanzielle Ausstattung der Behörden und Labore im gesundheitlichen Verbraucherschutz sind unerlässlich. Ausreichend finanzielle Mittel müssen dabei sowohl für quantitativ und qualitativ hochwertige amtliche Kontrollen als auch für Probenahmen und Untersuchungen zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang ist es entscheidend, dass sowohl für Betriebskontrollen als auch für Probenahmen und -untersuchungen klare Sollvorgaben definiert sind, auf deren Grundlage eine angemessene Ausstattung mit Ressourcen sichergestellt und eingefordert werden kann. Diese Sollvorgaben müssen sich an fachlichen Grundsätzen orientieren und dem Vorsorgegedanken Rechnung tragen. Die 2021 veränderten Vorgaben der AVV RÜb dürfen weder zu einer Reduzierung der Kontrollzahl, noch zum Abbau von qualifiziertem Überwachungspersonal führen. Ebenso darf die dringend notwendige Reform der Vorgaben für Probenzahlen nicht zum Personalabbau bei Behörden und Laboren führen. In beiden Fällen soll durch die Weiterentwicklung der Vorgaben die Qualität der Lebensmittelüberwachung verbessert werden. Neben der Beschäftigung von Lebensmittelkontrolleurinnen und -kontrolleuren sowie von wissenschaftlichen Sachverständigen mit einem Studium der Veterinärmedizin oder Lebensmittelchemie in ausreichender Zahl müssen die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden auch fachlich-inhaltlich gestärkt werden. Dies sollte Konzepte zur interdisziplinären Zusammenarbeit, Schwerpunktprogramme, Spezialisierungen sowie angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels intensivierte Aus- und Weiterbildungskonzepte umfassen. Für gute und sichere Lebensmittel sowie verbrauchernahe Produkte ist eine in den Behörden und Laboren personell, finanziell und technisch gut gerüstete Lebensmittelüberwachung unabdingbar. Qualifikation des Kontrollpersonals Das Personal in der amtlichen Lebensmittelüberwachung muss auf einem hohen Aus- und Weiterbildungsstand qualifiziert sein, um den ständig steigenden Anforderungen des Lebensmittelrechts gerecht zu werden. Die Zugangsvoraussetzungen für alle beteiligten Berufsgruppen hierfür sind bundesweit einheitlich zu regeln. Länderspezifische Regelungen müssen ein Ende haben. Insbesondere die Zugangsvoraussetzung zum Beruf des Lebensmittelkontrolleurs bzw. der -kontrolleurin sollte auch zukünftig mindestens ein Meistertitel oder eine vergleichbare bzw. höhere Qualifikation sein. Ein besonderes Augenmerk wird auf eine mehrjährige Berufserfahrung in einem Betrieb der Lebensmittelwirtschaft gelegt; auch beim Zugang zum gehobenen Dienst wird diese unbedingt für erforderlich gehalten. Die Ausbildung, Spezialisierung und Weiterbildung der drei von uns vertretenen Berufsgruppen muss mindestens gewährleisten, dass sämtliche Rechtsgebiete, Verwaltungsgrundlagen und auch praktische Ausbildungsinhalte erlernt werden können. Gerade das Recht der Lebensmittel und der verbrauchernahen Produkte ist vor dem Hintergrund einer sich schnell wandelnden Technologie der Herstellungsprozesse und zunehmend globaler werdenden Warenströme einem ständigen Aktualisierungszwang unterworfen, der sich gleichermaßen in einer Vertiefung von theoretischen und praktischen Inhalten darstellen muss. Hinsichtlich der Gleichstellung von im Ausland erworbenen Prüfungszeugnissen und Befähigungsnachweisen ist ein bundesweit einheitliches Verfahren Voraussetzung. Ein für die jeweilige Aufgabe angemessen gutes deutsches Sprachniveau ist mündlich und schriftlich unerlässlich. Zudem müssen Fortbildungsanforderungen im Rahmen der alltäglichen Arbeit für alle in der Lebensmittelüberwachung tätigen Berufsgruppen einheitlich und verbindlich festgelegt werden. Zur Aufrechterhaltung der Qualität werden mindestens fünf Tage in zwei Jahren für erforderlich gehalten. Die steigende Zahl der Problemkontrollen und die zunehmende Aggressionsbereitschaft gegenüber amtlichem Personal führt zu erhöhter psychischer Gefährdung. Das Angebot an geeigneten Fortbildungen zum Konfliktmanagement und zur Resilienzstärkung muss im Rahmen des Arbeitsschutzes zielgerichtet ausgebaut werden. Ausreichend qualifiziertes Personal in der amtlichen Lebensmittelüberwachung ist unabdingbar für einen hochwertigen Verbraucherschutz. Betriebskontrollen Lebensmittelbetriebe müssen regelmäßig, risikobasiert und mit angemessener Häufigkeit kontrolliert werden – so schreibt es Artikel 9 der EU-Kontrollverordnung 2017/625 vor. Infolge einer Änderung der Allgemeine Verwaltungsvorschrift Rahmenüberwachung (AVV RÜb), die diese Vorgabe im nationalen Recht konkretisiert, wurden 2021 die Intervalle für risikobasierte Betriebskontrollen in Lebensmittelbetrieben in den Risikoklassen 1 bis 5 deutlich verlängert. In Verbindung mit einigen anderen Einflussfaktoren führte dies zu einer Senkung der Sollvorgaben für diese Kontrollen um schätzungsweise mindestens 30 bis 40 Prozent. Dadurch freiwerdende Kontrollkapazitäten sollen gemäß der Begründung der AVV RÜb-Änderung verstärkt auf Problembetriebe konzentriert werden. Für diese Fokussierung fehlen jedoch bisher weitere Rahmenvorgaben, um einen einheitlichen Verwaltungsvollzug bundesweit zu gewährleisten und gegenüber den Lebensmittelunternehmern zu plausibilisieren. Ebenso sind weitere bundesweit einheitliche Detailregelungen bezüglich Kontrollarten und Kontrolltiefe festzulegen, um nicht nur einen Mindeststandard für die Quantität, sondern auch für die Qualität vorzugeben. Hier ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass bei langen Abständen von einem Jahr oder mehr zwischen den Kontrollen in der Regel zeitaufwändige „Vollkontrollen“ erforderlich sind. Eine klare Regelung ist auch im Hinblick auf die Erhebung von Gebühren erforderlich. In einigen Ländern werden Gebühren für Lebensmittelkontrollen nicht nur bei Nach- oder Anlasskontrollen, sondern auch bei Routinekontrollen erhoben. Dann ist es wichtig, die Erforderlichkeit der Kontrolle im Falle eines Widerspruchs oder einer Klage gegen den Gebührenbescheid auch belegen zu können – z. B. auf Grundlage der Risikobeurteilung oder durch andere Belege. Darüber hinaus ist eine bundesweit einheitliche Handhabung der Gebührenerhebung bei Routinekontrollen im Zuge der Gleichbehandlung wünschenswert. Die risikoorientierte Kontrolle muss auch weiterhin auf dem Vorsorgeprinzip basieren. Kontrollen müssen mit angemessener Häufigkeit durchgeführt werden. Für die verstärkte Fokussierung auf Problembetriebe sind bundesweit Basiskriterien festzulegen, unter welchen Umständen zusätzliche Überwachungsmaßnahmen erforderlich werden. Produktkontrollen Die EU-Kontrollverordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten zu Warenuntersuchungen. Hierzu zählen neben den Vor-Ort-Kontrollen auch Probenuntersuchungen. Die Entnahme von amtlichen Proben zur Untersuchung und Beurteilung ist somit nur eine von mehreren Kontrollmethoden zur Überprüfung der Produktkonformität. In Deutschland ist gemäß der AVV RÜb die Anzahl der planmäßig zu entnehmenden Proben jährlich auf mindestens 5 Lebensmittelproben und mindestens 0,5 Proben von Bedarfsgegenständen, Kosmetik und Tabak auf je 1000 Einwohner zur Untersuchung vorgegeben. Diese festgelegte Probenzahl ist eine quantitative und bundesweit einheitliche Richtgröße für die Kontrolldichte der Beurteilung von Proben im Rahmen der Lebensmittelüberwachung. Dabei sollten die Proben vorrangig bei Herstellern und Importeuren entnommen werden. Doppelbeprobungen in verschiedenen Ländern oder von verschiedenen Vor-Ort-Behörden können durch diese Flaschenhalskontrollen minimiert werden. Wir unterstützen und befürworten eine dringend erforderliche Reform bei den Vorgaben für Probenzahlen. Weitere Detailregelungen bezüglich Probenart und Untersuchungstiefe sind noch festzulegen, um nicht nur einen Mindeststandard für die Quantität, sondern auch für die Qualität vorzugeben. Deutschlandweit darf es dadurch nicht zu einer Absenkung des Verbraucherschutzniveaus kommen. Darüber hinaus muss gewährleistet werden, dass die Untersuchungseinrichtungen den Überwachungsbehörden die Untersuchungsergebnisse so zeitnah zur Verfügung stellen, dass erforderliche Vollzugsmaßnahmen umgehend und wirksam getroffen werden können. Die Verteilung der Proben sollte sich an den örtlichen Betriebsstrukturen orientieren. Auch ist eine bessere und bundesweite Abstimmung bei Probenahme und -untersuchung unbedingt erforderlich. Hier wird auf die Möglichkeiten der Digitalisierung und die geplante Vernetzung durch eine zentrale IT-Architektur für den gesundheitlichen Verbraucherschutz (ZITA gV) gesetzt. Der Onlinehandel stellt die Lebensmittelüberwachung derzeit immer noch vor große Herausforderungen. Das Internet hat sich bedauerlicherweise zum Teil als Tummelplatz für illegale Produkte entwickelt. Ein Hauptgrund hierfür ist, dass es praktisch nicht möglich ist, dort amtliche Proben rechtskonform zu entnehmen. Beispielhaft ist auf die große Gruppe der Nahrungsergänzungsmittel zu verweisen, die nicht selten gesundheitsgefährdende Stoffe oder Stoffe mit anaboler oder arzneilicher Wirkung enthalten. Hier finden sich vermeintlich natürliche Schlankheits- und Potenzmittel oder andere dubiose Produkte. Eine effiziente, rechtssichere Möglichkeit zur anonymen Onlineprobenahme muss dauerhaft sichergestellt werden. Voraussetzung für einen effektiven und transparenten Verbraucherschutz durch Überprüfung der Produktkonformität sind in jedem Fall ausreichende Ressourcen bei den zuständigen Behörden und Laboren der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Als Grundlage für eine effiziente Ressourcenplanung ist auch zukünftig die Definition einer angemessenen Mindestprobenzahl erforderlich. Transparenz Die EU-Kontrollverordnung 2017/625 ermöglicht es den Behörden, Angaben über die Einstufung einzelner Unternehmer aufgrund der Ergebnisse amtlicher Kontrollen zu veröffentlichen. Hierin wird auch eine Stärkung der Verbraucherrechte im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit und -hygiene gesehen. Erste Erfahrungen liegen in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Sachsen vor. Auch in anderen Ländern gibt es Bestrebungen nach Transparenzsystemen. Für die Umsetzung bedarf es einer bundeseinheitlichen Regelung zur Transparenz. Nur so können Benachteiligungen in Grenzregionen zu anderen Ländern ausgeschlossen werden. Damit die Tätigkeiten behördenintern und nach außen transparenter werden, braucht es eine effiziente Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Lebensmittelüberwachung und konsequente Entwicklung der zentralen Datenbank sowie eine einheitliche und leicht verständliche Darstellung gegenüber der Öffentlichkeit. Dafür ist es notwendig, dass die Kontroll- und Untersuchungsdaten der Lebensmittelüberwachung bundesweit einheitlich erfasst und klare rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, um diese Daten in einer zentralen Datenbank zusammenzuführen. Das Transparenzsystem muss verpflichtend für alle Lebensmittelbetriebe sein. Zudem muss die Erstellung der Verbraucherinformationen automatisiert unter Nutzung der bestehenden Datenbank er-folgen. Der hohe Verwaltungsaufwand für die Bearbeitung von Anfragen nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) würde durch ein Transparenzsystem überflüssig. Die bisher geltenden Pflichten zur Veröffentlichung bestimmter bußgeldrelevanter Tatbestände und von Befunden zu verbotenen Stoffen oder zu Höchstmengenüberschreitungen stellen keine geeignete Transparenzregelung dar. Das neue Transparenzsystem darf zu keinen ungerechtfertigten Benachteiligungen von Gewerbetreibenden führen. Das zu etablierende Transparenzsystem muss rechtssicher und ohne großen personellen und finanziellen Aufwand für die Überwachungsbehörden sowie als Teil eines Gesamtkonzepts zur behördlichen Transparenz entwickelt werden. Es muss einfach, praktisch und für den Verbraucher leicht verständlich sein. Hierdurch werden für die Lebensmittelüberwachung sehr zeitaufwändige VIG-Anfragen deutlich reduziert werden. Stand: Juni 2024 gez. Maik Maschke BVLK-Vorsitzender gez. Dr. Christine Bothmann BbT-Präsidentin gez. Birgit Bienzle BLC-Präsidentin Quelle: BbT

Biofilme im Tränkwassersystem reduzieren

Die Gewährleistung einer guten Wasserqualität ist eine der wichtigsten Managementstrategien zur Förderung einer optimalen Gesundheit und Leistung von Broilern. In einigen Studien wurde der mikrobielle Status des Trinkwassers für Geflügel untersucht, es liegen jedoch keine ausreichenden Informationen über Biofilme in den Tränkwasserleitungen innerhalb der Geflügelställe vor. Die Ansammlung von Mikroben im Tränkwassersystem könnte möglicherweise zur Bildung von Biofilmen führen, die letztendlich die Wasserqualität verschlechtern. Daher haben Wissenschaftler*innen in dieser Studie* die Biofilmbildung in den Tränkwasserleitungen ausgewählter Broilerställe bewertet und deren mikrobielle Zusammensetzung charakterisiert. Drei zufällig ausgewählte Ställe in jedem der fünf Betriebe wurden besucht, was insgesamt 15 Geflügelställen entspricht. Mit einem Endoskop wurde das Vorhandensein von Biofilmen in 4 Wasserleitungen pro Stall auf jedem Betrieb bestätigt und ein steriler Mulltupfer verwendet, um den Biofilm aus diesen Wasserleitungen zu sammeln. Alle Biofilmproben wurden auf die gesamte aerobe Keimzahl (APC), das Vorhandensein von Hefen und Schimmelpilzen (YM) sowie Enterobacteriaceae (EB) analysiert. Alle 15 untersuchten Ställe wiesen in den Tränkwasserleitungen eine aerobe Bakterienpopulation und Hefen und Schimmelpilze auf, wohingegen 7 der 15 Ställe Enterobacteriaceae aufwiesen. Zu der Gruppe der Enterobacteriaceae gehören Citrobacter, Cronobacter, Enterobacter, Escherichia, Klebsiella, Salmonella und Shigella. Bei den aeroben Bakterienpopulationen gab es signifikante Unterschiede zwischen den Betrieben. Für Hefen und Schimmelpilze bestanden ebenfalls signifikante Unterschiede zwischen den Betrieben. Enterobacteriaceae wurde in 3 der 5 Betriebe festgestellt. Es gab jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Ställen innerhalb jedes Betriebs. Die in dieser Studie gefundene aerobe Bakterienpopulation stimmt mit denen überein, die im Biofilm in Wasserleitungen für Broilerhühner, in Tropfproben aus kommerziellen Geflügelställen und im Tränkwasser von Milchviehbetrieben gemeldet wurden. Es ist jedoch bemerkenswert, dass Faktoren wie das Alter der Herde, der Zeitpunkt der Probenahme, Ansätze zur Wasseraufbereitung und die Orte der Probenahme potenziell einen Einfluss auf die APC-Werte haben können. Darüber hinaus überschreiten 40 % der Betriebe in der aktuellen Studie den Grenzwert für APC im Tränkwasser von Geflügel. Basierend auf einer Stichprobengröße von 15 kommerziellen Broilerställen legen diese Ergebnisse nahe, dass Wasserleitungen auf Biofilme untersucht und wirksame Abhilfemaßnahmen zur Mikrobenreduzierung in den Tränkwassersystemen entwickelt werden müssen. *Studie: T. T. Ogundipe , S. Beitia, and T. Obe: Applied Research Note: Microbial composition of the biofilm of poultry drinking water system, Journal of Applied Poultry Research 2024, 33:100403 Quelle: Dr. Heike Engels, Der Hoftierarzt Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2-2024

Tiergesundheit im Spannungsfeld der Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa − Schwerpunkte der Tiergesundheitsbranche und Marktanalyse 2023

Bei ernster geopolitischer Lage leidet der Wirtschaftsstandort Deutschland zusätzlich unter bürokratischen Herausforderungen. Dies erschwert den Weg zur Klimaneutralität. Auch die Tiergesundheitsbranche ist hiervon betroffen. Das Wachstum des Tiergesundheitsmarktes in 2023 ist in Gesamtbetrachtung eher stagnierend. Der Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT) betont den Stellenwert der Tiergesundheit und setzt sich für einen fairen und zukunftsorientierten Rechtsrahmen ein, der Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in der Tiergesundheitsbranche unterstützt. Vor dem Hintergrund der weiterhin ernsten geopolitischen Lage ringt Deutschland wirtschaftlich mit den Herausforderungen und auch damit, den Weg zur Klimaneutralität weiterzugehen. Es gilt, Kompromisse im Spannungsfeld zwischen Versorgungssicherheit und Klimaschutz und der essentiellen Wertschöpfung zu finden. Auch europäisch muss eine Balance zwischen Ökologie und Ökonomie gefunden werden. Wertschöpfung für mehr Tiergesundheit essentiell „Ein deutliches Marktwachstum von rund sechs Prozent bei schwierigen Rahmenbedingungen: Ein Widerspruch? Nein, denn die Tiergesundheitsindustrie ist in gleichem Maß wie andere Bereiche der Wirtschaft im Korsett gesetzlicher Vorgaben eingezwängt. Komplexe Fragestellungen der sektorspezifischen Gesetzgebung sowie Entwicklungen in anderen Rechtsbereichen mit Einfluss auf den Tiergesundheitssektor beschäftigen den Sektor intensiv. Allen voran sind hier die Interferenzen aus Chemikalien- und Umweltrecht zu nennen“, betont Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des Bundesverbands für Tiergesundheit (BfT). In engem Dialog mit Experten aus Wissenschaft, Behörden, Ministerien und anderen Organisationen des Sektors setzt sich der BfT bei zahlreichen regulativen Vorhaben, interferierender übergeordneter, nicht sektorspezifischer Gesetzgebung und der Transformation im Sektor für einen fairen und zukunftsorientierten Rechtsrahmen ein, der die Innovation und Wettbewerbsfähigkeit der pharmazeutischen Industrie und im speziellen der Tiergesundheitsbranche fördert. Tiergesundheit – ein Gewinn für Mensch, Tier und Umwelt Die positiven Effekte auf Gesundheit und Wohlbefinden durch das Zusammenleben von Haustieren und ihren Besitzern sind heute unstrittig. Für den Verband ist es daher stetig im Fokus, Tierhalter in ihrer Fürsorge für ihre vierbeinigen Freunde zu unterstützen und der Tierärzteschaft als starker Partner zur Seite zu stehen. Ein forschungs- und innovationsoffener regulativer Rahmen ist auch künftig essenziell, um den besonderen Bedürfnissen der Haustiere in Gesundheitsvorsorge und Begleitung bis ins hohe Alter mit fortschrittlichen Lösungen gerecht werden zu können. Ein Schwerpunkt der Verbandsarbeit bleibt, den Stellenwert der Tiergesundheit für die Nachhaltigkeit herauszuarbeiten. Tiergesundheit ist unverzichtbar für das Wohlergehen der Tiere, die Sicherheit unserer Lebensmittel, den Schutz der Verbraucher und die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft. Um dies zu verdeutlichen, hat der Verband gemeinsam mit dem Bundesverband Rind und Schwein die Initiativplattform „Gesundes Kalb | Gesunde Kuh“ auch in 2023 weiter ausgebaut. Tierhalter haben mit der Gesunderhaltung ihrer Tiere ein wirkungsvolles Instrument in der Hand, um zur Nachhaltigkeit beizutragen. Eine Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover im Auftrag des BfT unterlegt den Zusammenhang von Tiergesundheit und nachhaltiger Lebensmittelproduktion. Die Ergebnisse werden in 2024 bekannt gemacht. Einen großen Einfluss misst die Branche auch dem Einsatz digitaler, datengesteuerter Technologien zu. Wichtige Impulse werden hierzu für den Tiergesundheitssektor auf der gesamten Breite der verschiedenen Segmente von der pharmazeutischen Industrie, über die Tierärzte und Tierhalter, für das öffentliche Veterinärwesen und auch für die Lebensmittelkette erwartet. Aktive Unterstützung von Regierung und Politik ist für smarte Lösungen, u.a. auch zum Abbau von Bürokratie bspw. mit Blick auf Berichtspflichten zur Antibiotikaanwendungserfassung, einzufordern. Ein solide gestalteter Rechtsrahmen sollte die Entwicklung fördern und kein weiterer Hemmschuh werden. Der Markt für Tierarzneimittel − Herausforderungen und Chancen Der Markt für Tierarzneimittel ist 2023 gegenüber dem Vorjahr um 6,1% auf jetzt 965 Mio. Euro (Schätzung auf den Gesamtmarkt für Deutschland) gewachsen. Wie im Vorjahr nehmen dabei rund 62% Produkte für Kleintiere und Pferde ein. Auf das Nutztiersegment entfallen 38%. Solides Fundament bei schwierigen Rahmenbedingungen Bei der Marktentwicklung sind insgesamt deutliche Effekte durch inflationsbedingte Marktzurückhaltung Ende 2022 und Preisanpassungen durch gestiegene Kosten in Stoffbezug, Produktion und Logistik in 2023 zu berücksichtigen. Vor dem Hintergrund einer herausfordernden wirtschaftlichen Lage, hohen Inflationsraten, verhaltener Investitionsbereitschaft, Fachkräftemangel und einer hohen Bürokratielast ist das zu notierende deutliche Marktwachstum von 6,1% kein Anlass für Optimismus in der Branche. Kostensteigerungen werden aufgefangen, so dass die Tiergesundheitsunternehmen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen auf einem soliden Fundament Aktivitäten für eine umfassende und regelmäßige Gesundheitsvorsorge und das Tierwohl vorantreiben können. Dynamik durch Innovation und Gesundheitsvorsorge Neue Behandlungsoptionen, insbesondere in der Schmerztherapie (+ 13,2%) sowie die Produkte zur Behandlung der Haut bei Kleintieren (+15,6%) tragen nachhaltig zum Wachstum bei. Die umfangreiche Fürsorge der Tierhalter bei Kleintieren führt durch die regelmäßige Gesundheitsvorsorge zu einer frühzeitigen Erkennung von Erkrankungen und begleitet die Tiere in ein hohes Alter. Dies schlägt sich u.a. auch bei der Behandlung von Herz- Kreislauf-Erkrankungen (+ 7%) nieder. Damit macht auch in 2023 das Segment der Spezialitäten mit 44,1% den größten Anteil des Portfolios aus. Krankheitsvorbeuge profitiert von verstärkter Immunprophylaxe im Nutztiersegment In der Landwirtschaft wurden die Tierbestände in 2023 weniger stark durch die Seuchensituation beeinflusst. Von dieser Erholung profitiert das Nutztiersegment. Eine höhere Bereitschaft zu Vorbeugemaßnahmen mit verstärkter Immunprophylaxe ist zu beobachten. Die Geflügelhaltung konnte außerdem von der Einführung neuer Impfstoffe profitieren. Kein Wachstum war bei der Immunprophylaxe bei Kleintieren zu beobachten. Für das Impfstoffsegment konnte insgesamt ein Wachstum von 3,2% verzeichnet werden. Neben dem generellen Effekt der Kostensteigerung in Wirkstoffeinkauf und Produktion wirkt sich die Erholung nach der schwierigen Seuchensituation auch auf das Segment der Antiparasitika aus. Der Gesamtanteil am Markt ist mit 18,2% geringfügig gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Der Anteil des Antiinfektivasegmentes ist mit 14,8% gegenüber dem Vorjahr gleichgeblieben. 2023 wurden neue Meldewege implementiert und die Anwendungserfassung von Antibiotika auf weitere Tierarten zur Bestimmung der Therapiehäufigkeit ausgedehnt. Dies ist ein weiterer Schritt im umfangreichen Maßnahmenpaket, mit dem in der Tiermedizin die Anwendung von Antibiotika kontrolliert wird, um Antibiotikaresistenzen zu vermeiden. Diese Wirkstoffe stellen weiterhin ein wichtiges Instrument bei der Behandlung bakterieller Infektionen auch bei Tieren dar. Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.