Amtseinführung von TiHo-Präsident Professor Dr. Klaus Osterrieder

Seit dem 1. April dieses Jahres bekleidet der Virologe Professor Dr. Klaus Osterrieder das Amt des Präsidenten der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). Am gestrigen Dienstag wurde er feierlich in sein neues Amt eingeführt.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs hielt während der Veranstaltung ein Grußwort: „Prof. Dr. Klaus Osterrieder verfügt über eine beeindruckende Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, internationaler Erfahrung und visionärer Führungsqualität. Ich bin überzeugt, dass er die TiHo weiterhin auf ihrem Weg des Erfolgs halten wird.“ Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte sagte: „Die TiHo ist eine der renommiertesten Universitäten weltweit, die sich erfolgreich für Mensch und Tier mit Forschung, Lehre und Dienstleistungen einsetzt. Mit Prof. Dr. Klaus Osterrieder übernimmt ein ausgewiesener Experte der Tiermedizin und der Virologie die Führungsrolle, der noch dazu auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen ist – ein Pluspunkt im Agrarland Niedersachsen. Ich wünsche Prof. Osterrieder einen guten Start und danke auch den hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Studentinnen und Studenten, die zu dem großen Erfolg der TiHo beitragen.“ Professor Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstands der Universitätsmedizin Göttingen und Mitglied im Stiftungsrat der TiHo, überreichte TiHo-Präsident Osterrieder die Amtskette der TiHo. Er hob die wichtige Zusammenarbeit zwischen Human- und Tiermedizin hervor: „Eine spannende und arbeitsreiche Zeit liegt vor uns. Wir werden unser Bestes geben, dieses Ziel mit dir zu erreichen.“

Die knapp drei Monate im neuen Amt nutzte Osterrieder, um sich intensiv mit der TiHo zu befassen und zahlreiche interne und externe Gespräche zu führen. Die Arbeit der TiHo betreffe, so Osterrieder in seiner Antrittsrede, immer die Gesundheit und das Wohlergehen von Tieren und Menschen. Er sagte, dass die Verantwortung der TiHo weit über die in der Berufsordnung für Tierärztinnen und Tierärzten definierten Aufgaben hinausgehen: „Sie orientieren sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Insbesondere zählen dazu: keine Armut, kein Hunger, Gesundheit und Wohlergehen, hochwertige Bildung und Klimaschutz. Darum müssen wir Wissen liefern und uns in die Entwicklung einbringen.“

Professor Dr. Klaus Osterrieder
Professor Dr. Klaus Osterrieder wuchs auf einem familiengeführten Milchviehbetrieb in Bayern auf. Er studierte zunächst zwei Semester Agrarwissenschaften bevor er an der Ludwig-Maximilians-Universität München das Tiermedizinstudium begann. Er promovierte im Jahr 1993 und habilitierte sich 1997 im Fach Virologie. Anschließend war er bis 2002 auf der Insel Riems Gruppenleiter am Friedrich-Loeffler-Institut und bis 2007 in den USA als Associate Professor für Virologie am College of Veterinary Medicine der Cornell University tätig. Im Jahr 2007 erhielt er in Cornell eine Professur für Virologie. Mit der Universität Cornell ist er bis dato über eine außerordentliche Professur verbunden. Ende 2007 nahm er einen Ruf an die Veterinärmedizinische Fakultät der FU Berlin an. In Berlin übernahm Osterrieder 2007 die Leitung des Instituts für Virologie und baute es erfolgreich aus.

Von 2011 bis 2013 setzte sich Osterrieder für zwei Jahre als Vizedekan für Forschung für die Belange der Veterinärmedizinischen Fakultät ein und war von 2014 bis 2020 für sechs Jahre Direktor der Graduate School ZIBI – Center of Infection Biology and Immunity in Berlin. Im Jahr 2020 ging er für zweieinhalb Jahre nach Hong Kong und leitete als Dekan den Jockey Club of Veterinary Medicine and Life Sciences der City University of Hong Kong. Trotz der widrigen Umstände während der Pandemie und des Nationalen Sicherheitsgesetzes in Hong Kong etablierte er in der Zeit unter anderem, ein akkreditiertes tiermedizinisches Ausbildungsprogramm.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Özdemir begrüßt Vorreiterrolle Niedersachsens bei der Umsetzung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes

Das Land Niedersachsen hat als eines der ersten Bundesländer Festlegungen zur Zuständigkeit, zur Meldung und zu den Kriterien im Rahmen der staatlichen Tierhaltungskennzeichnung veröffentlicht. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (THKG). Demnach sind schweinehaltende Betriebe in Deutschland dazu verpflichtet, bis zum 1. August 2024 der jeweils zuständigen Landesbehörde zu melden, in welche der fünf Haltungsformen ihre Mastschweinehaltung einzuordnen ist. Wohin diese Meldung erfolgen muss, wird durch die Bundesländer festgelegt. Dass trotz fast einjähriger Vorbereitungszeit viele Bundesländer noch keine solchen notwendigen Festlegungen getroffen oder kommuniziert haben, hat zuletzt zu Verunsicherungen in der Branche geführt.

Dazu können Sie Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wie folgt zitieren: „Ich will, dass auch in Zukunft gutes Fleisch aus Deutschland kommt. Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung ist für das Ziel einer zukunftsfähigen Tierhaltung in Deutschland die Ausgangsbasis. Gut, dass Niedersachsen vorangeht – und nichts anderes hätte ich auch von dem Bundesland mit der meisten Schweinehaltung erwartet. Damit können die Landwirtinnen und Landwirte dort nun ihre Meldungen vorbereiten und das schafft natürlich Planungssicherheit. Ich bin überzeugt, dass auch die weiteren Bundesländer die gesetzliche Rechtslage zeitnah umsetzen, und bei Fragen steht mein Ministerium natürlich jederzeit beratend zur Seite.“

Hintergrund:
Das THKG ist ein zentraler Baustein bei der zukunftsfesten Weiterentwicklung der Tierhaltung in Deutschland. Damit wird eine Grundlage gelegt, um Verbraucherwünsche nach mehr Tierschutz sowie verlässliche Perspektiven für Landwirtinnen und Landwirte in Einklang zu bringen. Das BMEL greift damit Empfehlungen der sogenannten Borchert-Kommission auf, die in der letzten Wahlperiode eingesetzt worden war.

Mit dem Vollzug des THKG sind aufgrund grundgesetzlicher Regelungen die Bundesländer betraut. Das Gesetz sieht jedoch auch Regeln vor, die den Ländern weitreichende Möglichkeiten bei der Umsetzung einräumen. Das THKG ist zum 1. August 2023 in Kraft getreten. Die Länder haben seitdem ein Jahr Zeit, um sich auf den Vollzug des Gesetzes vorzubereiten.

In einem ersten Schritt geht es zunächst lediglich darum, dass Landwirtinnen und Landwirte die Tierhaltungsform an die zuständigen Behörden melden und von dort eine Kennnummer erhalten, aus der die Haltungsform hervorgeht. Fragen der Zuständigkeit und des Vollzugs sollten aus Sicht des Bundes schnellstmöglich geklärt werden, um so Klarheit und Planungssicherheit für die Landwirtinnen und Landwirte zu schaffen.

Quelle: BMEL

Nachimpfung von gemauserten Elterntieren für die Hähnchenmast empfohlen

Broiler-Elterntierherden gehen immer häufiger in die Mauser, um einen zweiten Legezyklus einzuleiten. Das ist nahhaltiger und sorgt für mehr Bruteier, denn in den USA werden die Elterntiere derzeit häufig noch zwischen 60 bis 65 Wochen ausgetauscht. Um die Elterntiere vor Newcastle Disease (ND) und Infektiöse Bronchitis (IB) zu schützen und die Nachkommen mit mütterlichen Antikörpern gegen das Reovirus (REO) und die infektiöse Bursitis (IBD) zu versorgen, ist es in den USA üblich, sie vor dem ersten Legezyklus in einem Alter von 15 Wochen mit einem 4-fach-Totimpfstoff zu immunisieren. Nicht bekannt ist, ob die gemauserten Hennen eine Impfauffrischung benötigen oder ob eine einmalige Impfung auch nach der Mauser noch ausreichend wirkt. Das Ziel dieser Studie* der Universität Georgia war es deshalb, festzustellen, ob die gemauserten Elterntierhennen ihre Antikörper gegen IBD und REO sowie die ihrer Nachkommen mit einer zusätzlichen Impfung erhöhen sollten.

Ross 308 AP (Aviagen)-Hennen im Alter von 63 Wochen wurden 10 Tage lang gemausert, indem ihnen 100 % gemahlene Sojabohnenschalen zur Verfügung gestellt wurden. Neun Wochen nach der Mauser wurde die Hälfte mit einem 4-Wege-Impfstoff geimpft. Die andere Hälfte der Hennen blieb ungeimpft. Eine Woche nach der Impfung wurden Hähne im Alter von 26 Wochen in die Hühnerställe eingeführt. Die Titer der Hennen wurden vor der Mauser, vor der Impfung und 3 Wochen nach der Impfung gemessen.

Aus beiden Behandlungsgruppen schlüpften Küken. Die Impfung verlangsamte den Beginn sowie die Anzahl der Eierproduktion bei den gemauserten Hennen, obwohl die Eierproduktion am Ende der Studie in Woche 78 zwischen den Gruppen vergleichbar war. Gemauserte Hennen hatten 34 bzw. 32 % weniger IBD- bzw. REO-Titer im Vergleich zu Proben vor der Mauser. Die Impfung gemauserter Hühner erhöhte die IBD-Titer im Vergleich zu ungeimpften Hühnern um 81 % 3 Wochen nach der Mauser. Die mütterliche Impfung erhöhte die Antikörpertiter bei den Nachkommen bei IBD und REO um 242 bzw. 120 % im Vergleich zu Küken, die von ungeimpften gemauserten Hühnern stammten. Die Impfung verringerte die frühe Mortalität in der Brüterei. Eigewicht, Schalenqualität und Schlupffähigkeit blieben durch die Impfung nach der Mauser unbeeinflusst.

Zusammenfassend empfehlen die Wissenschaftler*innen, gemauserte Elterntiere erneut zu impfen, um sowohl die IBD- als auch die REO-Antikörper bei Hennen und ihren Nachkommen zu erhöhen.

*Studie: Avila, L.P. et al.: Serological response of broiler breeders vaccinated postmolt and their progeny: reovirus and infectious bursal disease. Journal of Applied Poultry Research Volume 32, Issue 4, December 2023

Quelle: Dr. Heike Engels, Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2/2024

Stressoren spielen große Rolle für die Schwarzkopfkrankheit bei Puten

Die Schwarzkopfkrankheit führt bei sowohl bei wildlebenden als auch bei domestizierten Hühnervögeln zu hoher Morbidität und Mortalität, wobei Truthähne bzw. Puten am anfälligsten sind, was zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führt. Die bekannten Morbiditäts- und Mortalitätsraten für Ausbrüche der Schwarzkopfkrankheit schwanken von 10 bis 100 % Herdenverlust bei Puten. Die Gründe für diese Unterschiede wurden jedoch bisher noch nicht identifiziert. Das Verständnis der Faktoren, die die Unvorhersehbarkeit der lateralen Übertragungs- und Infektionsraten bei einem Ausbruch beeinflussen, sowie die Entwicklung von Maßnahmen zur Reduzierung ausbruchsbedingter Verluste sind deshalb von größter Bedeutung.

Das Ziel der aktuellen Studie* war es, den Einfluss von Stressfaktoren auf die Entwicklung einer Schwarzkopfkrankheit (Histomoniasis) und die laterale Übertragung der einzelligen Darmparasiten, die sogenannten Histomonaden (Histomonas meleagridis), zu untersuchen.

In den folgenden drei Experimenten wurde die Hälfte von jeweils 420/150/180 Puten in jedem Abteil mit H. meleagridis infiziert, um die Übertragung und das Fortschreiten der Krankheit zu untersuchen. Die Puten wurden in den ersten Wochen vor der Infektion mit verschiedenen Stressoren konfrontiert: u.a. Ration mit hohem Elektrolytgehalt, Transportstress, Kältestress und Futterentzug, Kokzidien und Mykotoxine. Die Puten wurden im Alter von 5 Wochen (Experimente 1 und 3) oder im Alter von 2 Wochen (Experiment 2) infiziert. Der Krankheitsverlauf wurde anhand der Infektionsrate, der Mortalitätsrate und pathologischen Läsionen im Blinddarm und in der Leber bewertet.

In diesen Untersuchungen war keine laterale Übertragung erkennbar, deshalb beziehen sich die Ergebnisse nur auf die direkt infizierten Puten. In Experiment 1 zeigten die Ergebnisse, dass eine Ration mit hohem Elektrolytgehalt und Futterentzug (FW) höhere Infektionsraten und höhere Läsionswerte in Leber und Blinddarm verursachte. Experiment 2 untersuchte weiter den Einfluss von Kokzidiose oder Futterentzug. Alle Stressoren ergaben höhere Infektionsraten, Mortalitätsraten, Blinddarm- und Leberwerte. In Experiment 3 wurden die Puten mit Futter gefüttert, das natürlich vorkommendes Aflatoxin in einer Menge von 0 ppb (AFLB1), 6,26 ppb (AFLB1 Low) oder 19,82 ppb (AFLB1 High) enthielt. Es wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungen beobachtet.

Die Experimente zeigen, dass Futterentzug und/oder Kokzidieninfektionen oder eine Kombination von Stressfaktoren eine schwerere Histomoniasis-Infektion begünstigten. Eine Verbesserung der Fütterungsprogramme, verstärkte Bemühungen zur Reduzierung von Umweltstressoren und zur Begrenzung von Koinfektionen durch andere Krankheitserreger kann dazu beitragen, das Infektionsrisiko und die Schwere des Ausbruchs zu verringern.
Die Wissenschaftler*innen raten zu weiteren Studien, um den Einfluss von Stress auf die Schwankungen bei der lateralen Übertragung von H. meleagridis zu untersuchen.

*Studie: Fudge, C. et al.: Role of stressors in histomoniasis transmission and development in turkeys. J The Journal of applied poultry research 2024 33:100405

Quelle: Dr. Heike Engels, Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2/24

BroilerNet präsentiert die Good-Practice-Champions der ersten Innovationsrunde

BroilerNet ist das erste europäische Netzwerkprojekt, das darauf abzielt, die Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit des Masthuhnsektors zu verbessern. Die Projektpartner aus Forschung, Wirtschaft und Tierhaltung stammen aus 13 europäischen Ländern. Im Rahmen von BroilerNet werden innovative Verfahren für wichtige Herausforderungen im europäischen Masthühnersektor zu den drei Schlüsselthemen Tierwohl, Nachhaltigkeit und Umwelt sowie Tiergesundheit herausgearbeitet. Wichtig war hierbei die Einbindung nationaler Netzwerke von Landwirten und weiteren relevanten Interessengruppen wie Beratern und Tierärzten.

Dr. Stefan Gunnarsson, Koordinator des BroilerNet, war sehr beeindruckt von der Anzahl der eingereichten Verfahren aus allen Ländern: „Mehr als 400 Personen aus dem europäischen Masthühnersektor haben zu BroilerNet beigetragen. Es ist schön zu sehen, wie engagiert und enthusiastisch die Teilnehmer in den nationalen Netzwerken waren. Sie haben wichtige Branchenherausforderungen identifiziert und sich dann gegenseitig unterstützt, bewährte Verfahren in ganz Europa zu finden. Unsere thematischen Expertengruppen haben mit wissenschaftlicher und praktischer Erfahrung zur Qualitätssicherung im Prozess beigetragen. Die intensive Arbeit wird hoffentlich für Masthühnerhalter in ganz Europa von Nutzen sein und langfristig zu einer erhöhten Widerstandsfähigkeit in der EU-Masthühnerhaltung beitragen.“

Die erste Runde zur Identifizierung wichtiger Herausforderungen im Bereich der drei Schlüsselthemen, gefolgt von der Sammlung bewährter und innovativer Verfahren zu deren Bewältigung, ist damit abgeschlossen. Thematische Netzwerke von Fachleuten aus verschiedenen europäischen Ländern diskutierten und bewerteten die verschiedenen vorgeschlagenen Verfahren. Hieraus wählten sie die BroilerNet-Champions aus.

Im Bereich Nachhaltigkeit & Umwelt wurden die drei wichtigsten Herausforderungen für den europäischen Masthühnersektor benannt und folgende BroilerNet-Champions gewählt:

• Klimaneutralität & ökologischer Fußabdruck ≡ Überführung von verbrauchter Einstreu zur Herstellung von Dünger (Italien)
• Futterquellen und Futterqualität ≡ Förderung von Insekten als Protein (Frankreich)
• Energiemanagement ≡ Strom aus Photovoltaik (Italien)

Im Bereich Tierwohl sind es:

• Fortbildung und Training von Tierhaltern/-pflegern ≡ Interne Audits zur Nottötung auf den Betrieben (Spanien)
• Genetik & Zucht ≡ Erhöhte Ebenen als Anreicherung der Haltungsumgebung (Spanien)
• Optimierung des Stallklimas ≡ Gesundheitsprogram von Fußballen (Schweden)

Im Hinblick auf die Tiergesundheit sind die wichtigsten Herausforderungen sowie die dazugehörigen BroilerNet-Champions:

• Verbesserung der Biosicherheit ≡ Zuweisung von Kleingeräten nach Zone und Gebäude (Frankreich)
• Bekämpfung der Aviären Influenza ≡ Betrieblicher Online-Risiko-Check für Eintragsrisiken Aviärer Influenza (Deutschland)
• Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes ≡ Wasserkreislauf-Zentralheizung mit erneuerbaren Energien (Finnland)

Infoblätter zu den fünf besten bewährten Verfahren pro Schlüsselthema und Herausforderung sind über den Broiler Knowledge Hub bereits in verschiedenen Sprachen verfügbar. In den nächsten Monaten werden auch animierte Videos und Interviews mit Landwirten zu den BroilerNet-Champions sowie eine Auswahl anderer bewährter innovativer Praktiken auf der Website verfügbar sein.

Dieses Projekt wurde vom EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe gefördert.

Das Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI, Celle) ist zusammen mit dem Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger e.V. (BVH) Projektpartner und gleichzeitig Ansprechpartner für die deutschen nationalen Arbeitsgruppen.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Abschlussveranstaltung der Vernetzungs- und Transfermaßnahme DigiTier: Erfolgreiche Bilanz und Zukunftsperspektiven

Die Vernetzungs- und Transfermaßnahme DigiTier begleitet seit 2021 dreizehn innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Digitalisierung in der Nutztierhaltung, die über das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert werden. Bei der Abschlussveranstaltung am 5. Juni 2024 standen die Ergebnisse der geförderten Projekte sowie aktuelle Herausforderungen und zukünftige Trends für eine nachhaltige, digitalisierte Nutztierhaltung im Fokus.

Eröffnung und Grußworte Die Veranstaltung wurde durch Grußworte von MinDirig’n Prof. Dr. Engel Arkenau, Leiterin Unterabteilung 82 „Digitale Innovationen“ und Digitalisierungsbeauftragte des BMEL und Dr. Michaela Filipini, Leiterin der Abteilung 3 „Förderung, Forschung, Innovation und Nachhaltigkeit“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), eröffnet. Beide betonten die Bedeutung der Digitalisierung für die Zukunft der Nutztierhaltung und die nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft:

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit! Aber nicht nur die Digitalisierung liegt uns am Herzen, auch das Tierwohl und das Bewusstsein für ethisches Handeln stehen im Fokus der Politik und Forschung – denn die gesellschaftlichen Erwartungen an die Nutztierhaltung sind hoch – tiergerecht und ressourcenschonend muss sie sein. Die Vernetzungs- und Transfermaßnahmen ermöglichen einen Einblick in aktuelle Forschungs- und Entwicklungsbedarfe für die Ausrichtung zukünftiger Fördermaßnahmen und die Generierung neuer Projektideen“, so Prof. Dr. Arkenau.

Dr. Filipini: „Innovative Ideen alleine reichen nicht aus, entscheidend ist der Transfer der Ergebnisse in die Praxis – das ist die große Hürde. Die ProjektnehmerInnen sind daher dazu angehalten ihre Ergebnisse zugänglich zu machen, sodass man sie in der Praxis nutzen kann. Das ist auch der Grund, warum wir Veranstaltungen wie diese und überhaupt die Vernetzungs- und Transfermaßnahmen unterstützen. Nutzen Sie sie als Bühne, die den Austausch und Wissenstransfer von der Praxis in die Wissenschaft und andersherum ermöglicht.“

Wie kann ein nachhaltiges und resilientes digitales Ökosystem aussehen? In seiner inspirierenden Keynote zum Thema „Agrikultur 4.0 – Die digitale Transformation unseres Lebensmittelsystems“ erläuterte Hendrik Haase, wie digitale Technologien die Landwirtschaft und Konsumgewohnheiten revolutionieren und dabei das Verhältnis zwischen Produzierenden sowie Konsumierenden neu definieren. Er untersuchte die tiefgreifenden Auswirkungen, die eine digitalisierte Lebensmittelkette auf die landwirtschaftliche Praxis und die Rollenbilder entlang der Lieferkette haben kann. Eine zentrale Fragestellung seiner Präsentation drehte sich dabei um die Verantwortung, die dieser Wandel für die verschiedenen Akteurinnen und Akteure mit sich bringt. Wie kann ein nachhaltiges und resilientes digitales Ökosystem aussehen? Welche Rolle haben Menschen in der digitalen Welt der Tiere? Und welche Rolle werden Tiere in der digitalen Welt spielen? Damit bot er einen inspirierenden Ausblick in die Zukunft der vernetzten Tier- und Menschenwelt und hob die entscheidende Bedeutung der technologischen Transformation für eine nachhaltige Nutztierhaltung in Deutschland hervor. Sein Appell an die Zuhörerinnen und Zuhörer lautete, die Kontrolle über die Zukunft der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zu behalten und AgTech made in Germany zu gestalten. Dafür brauche es das Forschen und Experimentieren, den Transfer in die Praxis und einen real erkennbaren Nutzen für die Landwirtschaft und Gesellschaft. Aber es brauche auch profitable Geschäftsmodelle für die Verwertung der Ergebnisse.

Podiumsdiskussion
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Wissenschaft diskutierten über den aktuellen Stand der Digitalisierung in der Nutztierhaltung, über Hindernisse für den Einsatz in der Praxis, notwendige Standards, den Wissenstransfer sowie die Neuregelung der Nutzung von landwirtschaftlich erhobenen Daten. Die Diskussion verdeutlichte, dass digitale Innovationen bereits heute einen bedeutenden Einfluss auf die Tierhaltung haben und skizzierte, dass die digitale Transformation nur gelingen kann, wenn Anwenderinnen und Anwender aller Generationen mitgenommen, Systeme besser vernetzt und der Mehrwehrt digitaler Tools klarer kommuniziert werden.

Rückblick, Erfolge und Zukunftsperspektiven
Dr. Sabine Goetz, Koordinatorin der Vernetzungs- und Transfermaßnahme DigiTier bei der EurA AG, gab einen Überblick über die Vernetzungsaktivitäten und die durchgeführten Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und des Wissenstransfers. Dazu gehörten Workshops, Messen, der DigiTier Podcast sowie erste Ergebnisse sowie Anforderungen, die digitale Systeme in der Nutztierhaltung erfüllen sollten, um eine breite Akzeptanz in der Praxis zu erreichen.

Ausstellung Im Anschluss an die Präsentationen bot eine Ausstellung der geförderten Verbundprojekte mit ihren digitalen Lösungen für die Nutztierhaltung im Stall, auf der Weide und in der Aquakultur den Teilnehmenden die Möglichkeit zum interaktiven Austausch.

DigiTier – Ein Erfolgsmodell
Durch die Bekanntmachung über die Förderung von Innovationen zur Digitalisierung in der Nutztierhaltung fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 13 innovative Verbundprojekte mit insgesamt ca. 12,5 Millionen Euro. Die Bekanntmachung verfolgt das Ziel, mit digitalen Lösungsansätzen die Tiergesundheit und das Tierwohl zu verbessern, die Arbeitsbelastung der Landwirtinnen und Landwirte zu verringern und die Rückverfolgbarkeit entlang der Wertschöpfungskette „Nutztierhaltung“ zu erhöhen. Sowohl für die geförderten Wirtschaftsunternehmen als auch die wissenschaftlichen Einrichtungen haben sich durch die Vernetzungs- und Transfermaßnahme diverse Mehrwerte ergeben: hierzu zählen verstärktes Networking, Lerneffekte durch Erfahrungsaustausch, eine Erweiterung des eigenen Horizonts sowie eine höhere Sichtbarkeit der Projekte und deren Ergebnisse für die Öffentlichkeit. Dies ermöglichte neue Kooperationen und die zielgerichtete Gestaltung von Innovationen. Die Vernetzungs- und Transfermaßnahme läuft noch bis April 2026. Bis dahin werden die Projekte weiterhin im Bereich Wissenstransfer, Vernetzung und Verwertung der Ergebnisse begleitet sowie ein Evaluationsbericht der Maßnahme erarbeitet.

Weitere Informationen zu DigiTier und zu den einzelnen Verbundprojekten finden Sie unter www.digi-tier.de.

Quelle: EurA AG

Boehringer Ingelheim bringt Impfstoff gegen das Blauzungenvirus Serotyp 3 auf den Markt

• Erster Impfstoff, der klinische Symptome und Mortalität durch das Blauzungenvirus Serotyp 3 (BTV-3) verhindert. Bei Schafen und Rindern anwendbar.
• Nach Ausbrüchen von BTV-3 in den Niederlanden, Belgien und Deutschland droht eine Ausbreitung der Erkrankung auf die Nachbarländer.
• Die Anwendung des Impfstoffs wurde in Deutschland von der zuständigen Behörde genehmigt und wird ab Anfang Juni 2024 verfügbar sein.

Boehringer Ingelheim erweitert sein Impfstoffportfolio um einen inaktivierten Impfstoff für Schafe und Rinder zur Bekämpfung des Blauzungenvirus (BTV). Es ist der erste Impfstoff gegen BTV-3, der die Mortalität und klinische Symptome verhindert. Darüber hinaus reduziert er die Viruszirkulation im Blut der Tiere und somit das Risiko einer weiteren Übertragung der Krankheit. Boehringer Ingelheim ist es zusammen mit dem Unternehmen Bioveta gelungen, diesen hochwirksamen Impfstoff innerhalb von nur sieben Monaten auf den Markt zu bringen.

Das Blauzungenvirus (BTV) zählt zu den “grenzüberschreitenden Tierkrankheiten“ (TADs) und betrifft Wiederkäuer. TADs können sich schnell über Ländergrenzen hinweg ausbreiten. Sie haben erhebliche Auswirkungen auf die Tiergesundheit. „Wir freuen uns, Landwirte, Tierärzte und Behörden in ihrem Kampf gegen die Blauzungenkrankheit mit unserem Impfstoff zu unterstützen“, so Dr. Gerald Behrens, globaler Leiter des Wiederkäuerbereiches bei Boehringer Ingelheim. „Mit ihm können zukünftige BTV-3-Ausbrüche verhindert werden, und Landwirte können nicht nur ihre Herden, sondern auch ihre Lebensgrundlage schützen.“

Boehringer Ingelheim verfügt über ein Portfolio von Impfstoffen gegen verschiedene TADs, darunter die Maul- und Klauenseuche sowie die Vogelgrippe. Nach den jüngsten BTV-3-Ausbrüchen haben sich die Gesundheitsbehörden an die Pharmaindustrie gewandt und die Notwendigkeit eines Impfstoffs gegen diesen neuen Serotyp des Blauzungenvirus betont. Boehringer Ingelheim reagierte darauf, indem es sich mit Bioveta, einem Hersteller von Veterinärprodukten mit besonderem Fokus auf Impfstoffe, zusammenschloss, um den neuen Impfstoff zu entwickeln. Ab Anfang Juni 2024 wird der Impfstoff in Deutschland verfügbar sein, dessen Anwendung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genehmigt wurde. Die Grundimmunisierung erfordert bei Schafen eine und bei Rindern zwei Injektionen im Abstand von drei Wochen.

Kontakt: www.vetmedica.de

Blauzungenkrankheit: Eine Herausforderung für Tiergesundheit und Landwirtschaft
Das Blauzungenvirus, das von winzigen Insekten namens Gnitzen (Culicoides) übertragen wird, stellt eine ernsthafte Bedrohung dar. Die Krankheit zeigt einen stark saisonalen Verlauf, mit geringem Auftreten im Winter und Frühjahr sowie zunehmendem Auftreten im Sommer und Herbst. Es existieren 29 verschiedene Serotypen des Blauzungenvirus, die Wiederkäuer wie Rinder und Schafe infizieren. Besonders besorgniserregend ist der neu aufgetretene Serotyp 3, der sich derzeit in Europa ausbreitet.

Bei Schafen verursacht er schwere Erkrankungen und führt laut Berichten in Schafbetrieben zu einer wöchentlichen Sterblichkeitsrate von etwa 2,5 %.

Rindern sind ebenfalls betroffen. Der jüngste BTV-3-Ausbruch führte neben klinischen Symptomen vor allem zu Fortpflanzungsstörungen und erheblichen Milchverlusten in betroffenen Milchviehbetrieben. Neben den gesundheitlichen Folgen für die Tiere kann das Blauzungenvirus auch erhebliche wirtschaftliche Verluste für Tierhalter verursachen und hat Auswirkungen auf den internationalen Handel.

1 Inge Santman Berends und René Van der Brom, AHDB technisches Webinar 7heit vom Februar 2024, Technisches Webinar zum Blauzungenvirus – Einblicke aus den Niederlanden zum Ausbruch 2023 – LINK.

Boehringer Ingelheim – Tiergesundheit
Boehringer Ingelheim Tiergesundheit arbeitet an Innovationen für die Prävention und Behandlung von Tierkrankheiten. Für Tierärzte, Tierhalter, Landwirte und Regierungen bietet das Unternehmen ein umfangreiches und innovatives Portfolio an Impfstoffen, Antiparasitika und Therapeutika für Haustiere, Pferde und Nutztiere an. Als führendes Unternehmen in der Tiergesundheit ist Boehringer Ingelheim davon überzeugt, dass die Gesundheit von Mensch und Tier eng miteinander verbunden ist und strebt danach, einen positiven Beitrag für Mensch, Tier und Gesellschaft zu leisten.

Weitere Informationen unter: www.boehringer-ingelheim.de/tiergesundheit

QS-Befunddaten: Schlachthof übergreifende Auswertung schafft Klarheit für Schweinemäster

• Jeder zweite Mastschweinehalter profitiert inzwischen von dem schlachthofübergreifenden Tiergesundheitsindex im QS-System
• Durchschnittlich liefern Schweinemäster in Deutschland an mindestens zwei verschiedene Schlachthöfe
• Schlachthofübergreifender Datenabgleich verbessert Überblick über die Tiergesundheit im Bestand

Jeder zweite Mastschweinehalter im QS-System profitiert inzwischen von dem Anfang des Jahres eingeführten schlachthofübergreifenden Tiergesundheitsindex (TGI) Befunddaten. Denn in diesem TGI Befunddaten fasst QS die Daten aus allen Schlachthöfen systematisch zusammen, an die der Tierhalter geliefert hat; viele liefern an bis zu acht verschiedene Schlachthöfe. Die Schweinemäster erhalten mit der schlachthofübergreifenden Berechnung ein klares und eindeutiges Ergebnis. QS kann die individuellen Abweichungen aus einzelnen Schlachthöfen eingrenzen. Spezifische Auswertungen sind auch weiterhin über die QS-Datenbank abrufbar.

In dem quartalsweise erscheinenden Infobrief erhalten die Schweinemäster nur noch einen aussagekräftigen Wert für die TGIs Atemwegsgesundheit, sonstige Organgesundheit, Gliedmaßengesundheit sowie Unversehrtheit. Die einzelnen Werte der unterschiedlichen Schlachthöfe müssen nicht mehr zugeordnet und aufwändig relativiert werden. Tierhalter und betreuender Hoftierarzt können sich anhand der schlachthofübergreifenden Berechnung deutlich einfacher Klarheit über die Tiergesundheit im Bestand verschaffen.

Die schlachthofübergreifende Berechnung des TGI Befunddaten hat QS auf eine wissenschaftliche Basis gestellt: Prof. Dr. Joachim Krieter vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat die Berechnung maßgeblich mitentwickelt. Die vier TGIs konzentrieren sich auf Kriterien, die für die Beurteilung der Gesundheit der Tiere eines Betriebes von entscheidender Bedeutung sind.

Der neue Wert ersetzt die bisherigen schlachthofspezifischen Tiergesundheitsindices im Infobrief an die Mastschweinehalter. Die bekannte grafische Darstellung der Ergebnisse bleibt davon unberührt. Über die QS-Datenbank können die schweinehaltenden Betriebe jederzeit auch die einzelnen Befunddaten aus den jeweiligen Schlachthöfen einsehen.

Quelle: QS Qualität & Sicherheit

Frühe Fütterung hochverfügbarer Kohlenhydratquelle positiv für späteres Wachstum

Die Bedeutung der frühen Fütterung in der ersten Woche (early feeding) nimmt in der Masthähnchenproduktion zu. Wissenschaftler*innen haben festgestellt, dass eine positive lineare Beziehung zwischen dem 7-Tage-Gewicht und dem Schlachtgewicht besteht und für jedes Gramm Verbesserung des 7-Tage-Körpergewichts wird eine Verbesserung von 5 g nach 49 Tagen Mastdauer erreicht. Eine Erhöhung des Körpergewichts nach 7 Tagen verringert außerdem die Futterverwertung um 10 Punkte und senkt die Futterkosten während der gesamten Wachstumsphase um 5 %. Darüber hinaus hat die richtige Ernährung in dieser kritischen Zeit große Auswirkungen auf die Entwicklung des Herz-Kreislauf-, Immun- und Verdauungssystems und somit auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und auf die daraus resultierende Wachstumsleistung von Broilern.

Ziel dieser Studie* war es, die Auswirkungen einer frühen Dextrose-Fütterung auf die spätere Wachstumsleistung von Broilern zu untersuchen. Dextrose ist eine hochverdauliche Glukosequelle. Hochverdauliche Futtermittel sind für frisch geschlüpfte Küken nützlich, da sie über ein unreifes Verdauungssystem verfügen. Glukose ist für den Energiestoffwechsel bei Geflügel von zentraler Bedeutung und wird über Stoffwechselwege effizient in ATP (Adenosintriphosphat = Energieträger in Zellen) umgewandelt.

Für die Studie wurden insgesamt 700 männliche Eintagsküken nach dem Zufallsprinzip auf 50 Ställe mit Bodenhaltung verteilt und erhielten entweder eine Kontrollration auf der Basis von Mais-Sojabohnenmehl (Kontrollbehandlung) oder eine Ration, in der Mais teilweise (5 %) durch Dextrose-Monohydrat ersetzt wurde (Dextrose-Behandlung). Die Leistungsdaten wurden am 7., 20., 30., 40. Tag aufgezeichnet. Einige Hähnchen wurden im Alter von 7 und 40 Tagen geschlachtet und ihre Schlachtkörper-, Serum- und Darmmerkmale analysiert.

Die Ergebnisse zeigten, dass eine frühe Fütterung der Dextrose zu einer signifikanten Verbesserung der Gewichtszunahme führte sowie zu einem verbesserten Schlachtkörper bis Tag 40.

Die Forscher*innen schließen daraus, dass die Starterrationen als Investitionen und nicht als Produktionskosten interpretiert werden sollten. Sie empfehlen für das „early feeding“ die Fütterung von hochverdaulichem Zucker, freien Aminosäuren, Vitaminen des B-Komplexes und Futterzusätzen mittels hochwertiger, nährstoffreicher Minipellets.
Die frühe Fütterung einer hochverfügbaren Kohlenhydratquelle (Dextrose) verbessert die spätere Wachstumsleistung und die Schlachtkörpermerkmale von Broilern.

*Studie: Rostamkhani, A. R. et al.: Impact of early feeding of highly available carbohydrate source on subsequent growth performance, carcass traits, blood biochemical parameters, and intestinal morphology of broilers. The Journal of applied poultry research 2024 Res. 33:100399

Quelle: Dr. Heike Engels

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2-2024

Künstliche Intelligenz in der Tiermedizin: Innovationen und Chancen im Fokus

Künstliche Intelligenz (KI) stand im Fokus der diesjährigen Frühjahrsveranstaltung des Bundesverbandes für Tiergesundheit e.V. (BfT), die am 16.05.2024 in Hannover stattfand. Die unterschiedlichen Blickwinkel und Diskussionen ergaben einen gemeinsamen Konsens: Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug mit viel Potential. Sorgfältig angewandt und mit Bewusstsein für die Grenzen der Technologie bieten die Kapazitäten zur komplexen Datenanalyse große Chancen insbesondere die Diagnostik und Prävention auch in der Tiermedizin entscheidend fortzuentwickeln. KI kann nicht nur im medizinischen Alltag bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Die Festlegung und Anordnung der eigentlichen therapeutische Maßnahme obliegt weiterhin dem Arzt, genauso wie die Entscheidung, ein Tierarzneimittel für den Markt zu entwickeln, nur durch den Unternehmer getroffen werden kann.

Unter dem Titel „Tiergesundheit: Mit KI zum nächsten Level“ stellten die fachkundigen Referenten in drei Impulsen die Künstliche Intelligenz und ihre Möglichkeiten im Leben der Menschen, in der pharmazeutischen Forschung sowie für die Anwendung in der Veterinärmedizin vor.

KI-basierte Systeme finden schon seit Jahrzehnten Einsatz im Alltag, sei es bei der Wettervorhersage oder der Fahrzeugentwicklung. Auch in der Tiermedizin findet Künstliche Intelligenz vermehrt den Weg von der (Er-)Forschung in die Praxis. So unterstützt KI beispielsweise bereits erfolgreich bei der Auswertung von Röntgen- und Ultraschallaufnahmen, dem Monitoring physiologischer Funktionen oder des Tierverhaltens und bei der Datenanalyse. Dies ermöglicht es, gesundheitliche Probleme der Tiere frühzeitig zu erkennen, geeignete Behandlungspläne zu entwickeln oder die Fütterung und das Stallmanagement zu optimieren.

Professor Klaus Osterrieder, Präsident der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), hob in seinem Grußwort die Bedeutung von KI für alle Bereiche der Tiermedizin hervor und verwies gleichzeitig auf die Notwendigkeit einer sorgfältigen Handhabung.

Künstlichen Intelligenz: Gekommen, um zu bleiben
Patrick Ratheiser, CEO und Co-Founder von Leftshift One, betonte, dass KI gekommen sei, um zu bleiben. Er wies darauf hin, dass nur 12% der Unternehmen weltweit KI nutzen. KI könne, so Ratheiser, viele Aufgaben übernehmen und in Arbeitsprozessen unterstützen, aber nicht den menschlichen Verstand ersetzen. „Künstliche Intelligenz hat im Jahr 2022 dreimal mehr Arbeitsplätze geschaffen als sie übernehmen konnte“, betonte Ratheiser. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie KI in der Tiergesundheit eingesetzt werden kann, um etwa Krankheiten frühzeitig zu erkennen und individuelle Ernährungspläne für Hunde und Katzen zu erstellen.

Nicht klüger, aber schneller lernend als der Mensch
Dr. Narges Ahmidi, Expertin in KI-gesteuerter Gesundheitsfürsorge, zeigte auf, dass KI bereits heute in vielen Bereichen der Medizin eingesetzt wird, wie zum Beispiel in der Zahnmedizin, der Rekonstruktionschirurgie, zur Unterstützung in der Intensivmedizin sowie einer Vielzahl von diagnostischen Anwendungen wie beispielsweise der Tumorerkennung.

Sie betonte insbesondere den Vorteil der KI in der Fähigkeit, schneller zu lernen als menschliche Ärzte. Während ein Arzt durch die Fälle, denen er in seinem Berufsleben über die Jahre begegnet, zum Experten werde, lerne die KI weitaus schneller, so Ahmidi. „Mit KI kann der Zeitpunkt, zu dem der Arzt die finale Diagnose kennt, deutlich nach vorne verlagert werden“, hob Ahmidi hervor. Diese ermöglicht große Fortschritte in der Früherkennung und eine spezifischere Behandlung von Krankheiten – weg von reaktiven hin zu präventiven Maßnahmen, sowohl im human-, als auch im tiermedizinischen Bereich.

Verbesserte Kommunikation und Interaktion
Dr. Henning Müller vom Deutschen Zentrum für Künstliche Intelligenz, Osnabrück, präsentierte praktische Anwendungen von KI in Landwirtschaft und Veterinärmedizin. Er erläuterte, wie auf seinem Familienbetrieb durch KI-Pflanzenbilder aufgenommen und ausgewertet werden, um gezielte Herbizidanwendungen und mechanische Unkrautbekämpfung zu ermöglichen. „Es ist bereits möglich, KI zu trainieren, eine Pflanze zu erkennen. Komplexer wird es jedoch, beispielsweise das Wachstumsstadium zu bestimmen,“ so Müller. Er führte aus, dass KI in der Nutztierhaltung bereits in der Zuchtsteuerung, zur Prozessoptimierung im Betrieb oder der Praxis, zur Geburtsüberwachung und Früherkennung von Krankheiten erfolgreich eingesetzt wird. Projektergebnisse zeigen, dass KI auch erfolgreich zur Früherkennung von Problemen wie dem Schwanzbeißen bei Schweinen eingesetzt werden kann. Datenanalyse durch KI könne auch den Austausch zwischen Tierarzt und Tierhalter für zielgenaue Bestandsmanagementkonzepte unterstützen. Wie in der Humanmedizin unterstütze KI auch in der Veterinärmedizin, z.B. in der Mustererkennung und Erstellung optimierte Behandlungspläne sowie darin, den wirksamsten Therapieansatz zu finden. Er hob die Bedeutung der Datenqualität beim Training der KI für die spätere sinnvolle Nutzung hervor.

Breakout-Sessions und Podiumsdiskussion
In den Breakout-Sessions diskutierten die Teilnehmenden die Erwartungen an KI in der veterinärmedizinischen Praxis, für und an die Ausbildung sowie in der Wissenschaft. Die Ergebnisse wurden in einer anschließenden Podiumsrunde zusammengefasst und beleuchtet. Die gemeinsamen Diskussionen betonten die Notwendigkeit der Vernetzung von Kompetenzen zur Entwicklung optimierter KI-basierter Anwendungen. Die Lehre ist gefordert, künftige Tiermediziner, aber auch Agrarwissenschaftler und Landwirte auf einen bewussten Umgang mit diesem kraftvollen Werkzeug vorzubereiten. Gelernt werden muss, die Grenzen jeder Anwendung einordnen zu können und Ergebnisse zu hinterfragen. Eine große Herausforderung ist, relevante Daten in guter Qualität und Menge zu erhalten. Einschränkungen durch gesetzliche Vorgaben, z.B. durch den europäischen Data Act und AI-Act, sind ebenso zu berücksichtigen wie die Bedeutung der Ethik im Umgang mit KI. Der umfangreiche Datenpool, insbesondere in der Nutztierhaltung, bietet Chancen im Zusammenwirken der veterinärmedizinischen Praxis, dem öffentlichen Veterinärwesen und der Landwirtschaft, die Gesundheit der Tierbestände zu überwachen und weiter zu verbessern. Mit KI-gestützten Plattformen könne der Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen und Fallstudien ermöglicht werden und die stetige Fortbildung sowie der kontinuierliche Wissensaustausch gefördert werden.

Bei allem Potential und der Vielzahl von KI-Anwendungen liegt es in der Hand des jeweils Verantwortlichen, wie Wissenschaftler, Tierarzt oder Unternehmer, festzulegen, wie diese genutzt werden. Keine Scheu, sondern Offenheit und aktives Mitgestalten seien der Weg, um das Potential auch für die Veterinärmedizin nutzbar zu machen.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.