Feldversuch mit Neonicotinoiden: Honigbienen sind deutlich robuster als Hummeln

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Das Insektengift Clothianidin wirkt im Freiland bei verschiedenen Bienenarten unterschiedlich: Während das Mittel keine nachweisbaren negativen Folgen für Honigbienen hat, stört es das Wachstum von Hummeln und bedroht das Überleben ganzer Völker. Beide Arten werden durch das Insektizid aber nicht anfälliger für Krankheiten, wie ein bislang weltweit einmaliger Feldversuch in Schweden zeigt. Über neue Erkenntnisse des Projekts berichtet ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Die Daten der Studie stammen von einem einzigartigen Forschungsprojekt in Südschweden: 2013 wurden dafür 96 Honigbienenvölker an Rapsfeldern angesiedelt, bei denen die Samen der Pflanzen zuvor entweder mit dem Neonicotinoid Clothianidin behandelt wurden oder nicht. Die Forscher beobachteten genau, wie sich die Völker entwickelten, suchten nach typischen Krankheitserregern und analysierten auch den von den Honigbienen eingesammelten Pollen. Ein Jahr später wurde der Versuch dann noch einmal mit einem Teil der Honigbienenvölker des ersten Versuchsjahrs wiederholt. „Die meisten vorherigen Studien zu den negativen Folgen von Neonicotinoiden auf Bienen fanden im Labor statt. Das Projekt sollte die Frage klären, ob sich die Ergebnisse aus dem Labor auch im Feld bestätigen lassen“, sagt die Erst-Autorin der Studie Julia Osterman, die am Institut für Biologie der MLU und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) promoviert wird. Geleitet wurde das Großprojekt von Dr. Maj Rundlöf von der Universität Lund in Schweden.

Bereits 2015 sorgte das Forscherteam mit einer ersten Veröffentlichung im Fachblatt „Nature“ für Aufsehen, in der es vor allem die negativen Folgen des Insektengifts für Wildbienen beschrieb. In der neuen Studie erweitert das Team die vorangegangenen Erkenntnisse nun um zahlreiche Details. Ein Schwerpunkt der neuen Studie, sowie einer parallel laufenden Studie zu Hummeln, war die Frage, ob Hummeln und Honigbienen durch Pflanzenschutzmittel anfälliger für Krankheiten werden können. Hierfür fanden die Forscher jedoch keine Belege. Stattdessen machten sie in den Völkern, die neben dem mit dem Insektengift behandelten Raps platziert worden waren, weniger Krankheitserreger aus. Die Analyse ihres Pollens belegte aber, dass die Honigbienenvölker mit Clothianidin in Kontakt gekommen waren, während der von den Kontrollvölkern gesammelte Pollen fast keine Spuren des Neonicotinoids aufwies.

Auch die Größe der Honigbienenvölker blieb konstant. „Honigbienenvölker können wohl aufgrund von ihrer enormen Größe negative Auswirkungen auf individuelle Bienen deutlich besser kompensieren als Solitärbienen oder Hummeln“, sagt Osterman. Anders sah die Sache für Hummeln aus: Lebten diese in der Nähe von mit Clothianidin behandelten Feldern, waren ihre Nachkommen nicht nur deutlich kleiner, die Völker brachten auch wesentlich weniger Königinnen und männliche Drohnen hervor. „Da bei Hummeln nur die neugeborenen Königinnen überwintern, ist der negative Einfluss auf deren Anzahl besonders besorgniserregend“, erklärt Dimitry Wintermantel vom Französischen Institut für Agrarwissenschaften INRA, der ebenfalls maßgeblich an der neuen Studie beteiligt war.

Die neuen Ergebnisse bestätigen nicht nur die Analysen der ursprünglichen Feldstudie. Sie zeigen den Forschern zufolge auch die Bedeutung von Versuchen an Wildbienen für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Gleichzeitig lege die Studie nahe, dass es schwierig sein kann, Ergebnisse aus Laborversuchen auf reelle Bedingungen im Feld zu übertragen. Beides könnte bedeuten, dass die Risikobewertung für Pflanzenschutzmittel möglicherweise geändert werden müsste. Aufgrund ihrer bienenschädlichen Wirkung hat die Europäische Union 2018 den Einsatz von drei von fünf Neonicotinoiden, darunter auch Clothianidin, im Freiland innerhalb der EU verboten. Deshalb müssen Bauern nun auf alternative Pflanzenschutzmittel zurückgreifen. „Allerdings ist noch unklar, inwiefern Bienen von diesen beeinflusst werden und wie sich der Anbau von Massentrachten, wie Raps, in Europa aufgrund des Verbotes verändert“, so Osterman abschließend.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Erste Zwischenergebnisse aus Forschungsprojekten zu nachhaltiger Tierhaltung in Europa vorgestellt

Insgesamt 14 transnationale Forschungsprojekte, die Fragestellungen für eine nachhaltigere Tierhaltung in Europa erarbeiten, waren aus der ersten, von der EU kofinanzierten Bekanntmachung des ERA-NET Cofund SusAn (Sustainable Animal Production) hervorgegangen. Nach dem Projektstart im Jahr 2017 trafen sich die Projektkoordinatoren im April 2019 an der Universität Wageningen in den Niederlanden, um ihre Zwischenergebnisse vorzustellen.

Zu den Teilnehmern gehörten neben den Projektkoordinatoren auch Vertreter der Förderorganisationen des Forschungsvorhabens SusAn sowie Vertreter der Europäischen Kommission.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert deutsche Forschungseinrichtungen in 10 dieser Projekte mit rund 2 Millionen Euro. Insgesamt stellen die SusAn Partner für die 14 Forschungsverbünde ein Fördervolumen von 12 Millionen Euro ergänzt um vier Millionen Euro Kofinanzierung durch die Europäische Kommission zur Verfügung.

Die Niederlande – kleines Land ganz groß in der Nutztierforschung
Dr. Elke Saggau, Koordinatorin des ERA-NET Cofund SusAn von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, konnte rund 60 Nutztierforscher und SusAn Partner aus 23 Europäischen Ländern begrüßen. Peter Paul Mertens vom Landwirtschaftsministerium der Niederlande, betonte, dass nur eine innovative, nachhaltige Landwirtschaft zur langfristigen Nahrungsmittelsicherung europaweit und global beitragen kann. In den Niederlanden wird dies bereits erfolgreich praktiziert und von den Forschern der Universität Wageningen kompetent unterstützt. Dr. Martin Scholten, Generaldirektor der Nutztierwissenschaften an der Universität Wageningen, knüpfte in seiner Begrüßung daran an und unterstrich die Bedeutung der Forschung für eine nachhaltigere Tierhaltung in den Niederlanden sowie europa- und weltweit.

Vielfältige transnationale Aktivitäten
Dr. Elke Saggau gab anschließend einen Überblick über die Aktivitäten im ERA-NET Cofund SusAn und stellte die die Bedeutung der europäischen Forschungszusammenarbeit und -vernetzung heraus, die entscheidend für die Erreichung gemeinsamer europäischer Ziele sei. Im Rahmen der gemeinsamen Aktivitäten läuft derzeit unter anderem eine Bekanntmachung zur Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Tierhaltung. Des Weiteren wird ein Workshop zur Einbindung von Nachwuchswissenschaftlern stattfinden und eine gemeinsame Forschungs- und Innovationsagenda zur Nachhaltigen Tierhaltung in Europa erarbeitet.

Nachhaltigkeit im Fokus
Die vielfältigen Forschungsprojekte des ERA-NET Cofund SusAn zeigen Lösungsvorschläge auf, um die Haltungsbedingungen verschiedener Nutztierarten künftig nachhaltiger zu gestalten. Das Forschungsspektrum reicht von der Immunokastration bei Ferkeln bis hin zu grünfutterbasierten Rinderhaltungssystemen. In allen Projekten stehen Nachhaltigkeit und der Systemansatz im Mittelpunkt der Fragestellungen. Die Projektziele orientieren sich am Ansatz des Forschungsnetzwerkes, den „drei Säulen der Nachhaltigkeit“ – Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz.

ERA-NET SusAn diskutiert gemeinsame Forschungs- und Innovationsagenda
Neben den Projektpräsentationen stand in einem Kommunikationsseminar der Wissensaustausch der Projektkoordinatoren und die Einbindung von Interessenvertretern im Mittelpunkt. Parallel dazu konnten die teilnehmenden ERA-NET SusAn Partner an einem Workshop teilnehmen, der die Weiterentwicklung der gemeinsamen Forschungs- und Innovationsagenda zur Nachhaltigen Tierhaltung in Europa thematisierte.
Im Begleitprogramm führte die Universität Wageningen die Teilnehmer auf einer Campus-Tour durch die Versuchsställe der Universität. Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit 40.000 Legehennen und 100 Milchkühen öffnete seine Türen und gewährte Einblicke in die Praxis. Der Betrieb ist am SusAn Forschungsprojekt „FreeWalk“ beteiligt. Die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Forschung wurde eindrucksvoll vorgestellt.

Das Abschlussseminar zu den SusAn Forschungsprojekten wird im Herbst 2020 in Porto in Portugal stattfinden.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Europawahl 2019 – Tiergesundheit auch eine europäische Aufgabe

Potential des Tiergesundheitssektors bewahren: Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft stärken

Am 19. Mai sind alle wahlberechtigten EU-Bürger aufgefordert, die Mitglieder des Europaparlaments neu zu bestimmen.

In unserem Alltag spielen Tiere eine große Rolle. Ihr Wohlergehen wird den Menschen dabei immer wichtiger. Die europäische Tiergesundheitsindustrie hat daher klare Erwartungen an die Politik, um auch künftig moderne Lösungen, die die Gesundheit sowie die Lebensqualität von Tieren und auch Menschen schützen, bereitstellen zu können. Sechs konkrete, für die nächsten fünf Jahre besonders relevante Aktionspunkte zum Schutz der Tiergesundheit wurden formuliert.

Gesunde Tiere bilden die Basis für eine sichere, qualitativ hochwertige und Ressourcen schonende Nahrungsmittelversorgung und für ein aktives und unbeschwertes Zusammenleben von Menschen und ihren Haustieren.

Tierarzneimittel und das Know-How der Tiergesundheitsunternehmen in vollem Umfang einzusetzen ist ein wesentlicher Teil der Lösung. Europa ist noch stets Heimat einiger der weltweit führenden Tiergesundheitsunternehmen. Rund 50.000 Arbeitsplätze in Europa sind mit dem Sektor verknüpft. Europa ist nach den USA der zweitgrößte Tierarzneimittelmarkt mit über 6 Milliarden Euro Umsatz. Mit rund 800 Millionen Euro zählt Deutschland zu den führenden Märkten. Im Kontext der Kontrolle der Resistenzentwicklung beim Menschen trägt der Sektor strikte Maßnahmen zur Anwendung und Kontrolle von Antibiotika mit. Die Antibiotikaabgabemengen in der Tiermedizin in Deutschland gingen seit 2011, um fast 60 Prozent zurück. Verstärkt wird in die Krankheitsvorbeuge investiert, z.B. durch die Impfung aber auch in digitale Lösungen zur Nutzung der Vielzahl vorliegender Gesundheitsparameter.

Um auch künftig neue Wege zur weiteren Verbesserung der Tiergesundheit zu finden, setzt die Tiergesundheitsbranche auf die Unterstützung von Europas Entscheidungsträgern. Die politischen Vorgaben aus Europa sind wichtiger Baustein, um den Weg zu ebnen, um wirksamere Impfstoffe, schnellere und genauere Diagnosetests und eine breite Palette von innovativen Lösungen für Tiergesundheit und Tierschutz zu entwickeln.

Ein Europa, dessen politischer und ordnungspolitischer Rahmen eine faktenbasierte Regulierung und eine offene Innovationskultur für den Tiergesundheitssektors gewährleistet, trägt auch zu einer nachhaltigeren Zukunft für alle bei.

In einem Manifest hat der Sektor detaillierter dargestellt, welche Schritte als wichtig erachten werden, damit die EU aktiv zum Schutz der Tiergesundheit vorangehen kann: Manifest 2019

1. Gewährleistung einer wissenschaftsbasierten Entwicklung und Anwendung innovativer Tiergesundheitsmittel.

2. Unterstützung der wissenschaftlichen Arbeit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).

3. Verstärkte Grundlagenforschung auf nationaler und internationaler Ebene, beispielsweise in Initiativen wie Horizon Europe, für die Entwicklung der nächsten Generation von Impfstoffen und anderen therapeutischen Möglichkeiten.

4. Förderung eines innovationsfreundlichen regulatorischen Umfelds, das die zeitnahe Nutzung neuer wissenschaftlicher Fortschritte zu Tierarzneimitteln erlaubt.

5. Förderung integrierter Therapiekonzepte zur Bekämpfung von Krankheiten und zur Kontrolle von Antibiotikaresistenzen.

6. Entwicklung einer Innovations-Strategie und Förderung des Bewusstseins darüber wie neue Instrumente dazu beitragen, Tierseuchen und neu auftretende Krankheiten zu bekämpfen.

Quelle: AnimalhealthEurope

Wachtelhaltungsbetrieb erfüllt tierschutzrechtliche Anforderungen

Überprüfung abgeschlossen – Eier dürfen nicht mit Label „Aus Bodenhaltung“ vermarktet werden

Die tierschutzfachliche Kontrolle einer Legewachtelhaltung im Landkreis Vechta hat ergeben, dass die derzeit zugrunde zu legenden, allgemeinen tierschutzrechtlichen Mindestanforderungen an die Haltung von Nutztieren erfüllt sind. Die Kontrolle haben die örtlich zuständige Überwachungsbehörde und der Tierschutzdienst des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) vorgenommen. Hintergrund der Kontrolle waren Vorwürfe einer Tierrechtsorganisation zu tierschutzrelevanten Haltungsbedingungen.

Während der Kontrolle wurden lediglich geringfügige Abweichungen festgestellt, die unter Aufsicht des zuständigen Veterinäramtes zeitnah beseitigt werden müssen. So wurde zum Beispiel der Betrieb aufgefordert, einige Dokumente kurzfristig nachzureichen. Außerdem gab es eine Empfehlung zu einem Lichtband, um bestimmte Einstreuflächen durch mehr Helligkeit für die Tiere attraktiver zu machen. Sofern es künftig spezielle Tierschutzanforderungen an die Haltung von Wachteln in Deutschland gibt, die über die jetzigen Mindestanforderungen hinausgehen, werden die Behörden kurzfristig reagieren und die möglicherweise dann erforderliche Anpassungen der Haltungsbedingungen überwachen.

In diesem Zusammenhang hat das LAVES nochmals die Kennzeichnung der Wachteleier überprüft und kommt zu der Einschätzung, dass die Kennzeichnung als „Wachteleier aus Bodenhaltung“ im vorliegenden Fall als Irreführung angesehen werden muss und daher nicht zulässig ist.

Die EU-Vermarktungsnormen gelten nur für Hühnereier, nicht jedoch für Wachteleier. Vermarktungsnormen für Wachteleier sind weder in der EU, noch national eingeführt. Mit der Verwendung des Begriffs „Bodenhaltung“ wird der Anschein erweckt, es gäbe für Wachteleier eine über das Vermarktungsrecht eingeführte Handelsklasse mit dementsprechenden Anforderungen an die Haltungsform „Bodenhaltung“, die es tatsächlich nicht gibt. Die Verbraucherinnen und Verbraucher verbinden mit dieser Kennzeichnung eine entsprechende Erwartungshaltung. Der Verkauf der Produkte ist weiterhin uneingeschränkt möglich, allerdings ohne die Kennzeichnung „aus Bodenhaltung“. Die kommunalen Lebensmittelüberwachungsbehörden werden zeitnah durch das ML über die Ergebnisse der vertieften lebensmittelrechtlichen Einschätzung informiert.

Der Hintergrund:
Bezüglich der Haltung von Wachteln gibt es weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene spezielle und verbindliche Rechtsvorgaben. Die Tierschutznutztierhaltungs-Verordnung bezieht sich nur auf Hühner der Art Gallus gallus. Für Wachteln gelten die grundsätzlichen Anforderungen der §§ 1 und 2 des Tierschutzgesetzes. Auch die Vermarktungsnorm für Eier bezieht sich nur auf Eier von Hühnern der Gattung Gallus gallus (Art. 1 Buchst. k der VO (EG) 589/2008). Eine vergleichbare Vermarktungsnorm für Wachteleier existiert nicht. Im Vorfeld hatten Sachverständige des LAVES dem zuständigen Landkreis die Zulässigkeit der Kennzeichnung bestätigt. Insbesondere vor dem Hintergrund der fehlenden verbindlichen Rechtsvorgaben hatte das ML das LAVES daraufhin beauftragt, die in Rede stehende Kennzeichnung einer vertieften rechtlichen Bewertung zu unterziehen.
In Niedersachsen gibt es etwa 1342 Wachtelbestände mit etwa 55.000 Tieren. Bei dem weitaus größeren Teil dürfte es sich hierbei um Rassegeflügelzüchter halten, die ihre Eier nicht kommerziell vermarkten.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

TVT fordert gesetzliche Tierschutz-Vorgaben statt eines freiwilligen staatlichen Tierwohllabels

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. kritisiert das geplante staatliche Tierwohllabel und fordert stattdessen rechtsverbindliche Tierschutzvorgaben. Denn es existieren auf dem Markt bereits zahlreiche von der Wirtschaft und dem Handel initiierte Label, die ein Mehr an Tierwohl versprechen. Zusammen mit den zusätzlichen Kennzeichnungen wie „Bio“ oder „gentechnikfrei“ existiert so ein regelrechter „Label-Dschungel“, in den sich nun ein weiteres Kennzeichen einreiht. Ob dies dazu beiträgt, dass der Verbraucher an der Ladentheke eine aktive Kaufentscheidung für mehr Tierwohl treffen kann, ist fraglich. Darüber hinaus gibt es keinerlei staatliche Anreize zur Verbesserung des Tierschutzes für die Betriebe, die die Einstiegskriterien eines Labelprogramms nicht erfüllen. Gerade bei diesen kritischen Haltungen, wo es besonders nötig wäre, wird damit kein Mehr an Tierschutz geschaffen.

„Von staatlicher Seite muss eine Verbesserung der Lebensbedingungen und des Tierwohls aller gehaltenen Nutztiere forciert werden. An einem freiwilligen Label werden sich nur die Landwirte beteiligen, deren Tierhaltungen entweder schon die Bedingungen für eine der Stufen erfüllen oder diese aus eigenen Mitteln heraus in ihren Betrieben erfüllen können“, so Prof. Thomas Blaha, Vorstandsmitglied der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.

Die TVT plädiert deshalb für geförderte Beratungen in Kombination mit einer schrittweisen Anhebung der Mindeststandards für alle landwirtschaftlichen Tierhaltungen und damit verbindliche und rechtlich durchsetzbare Vorgaben.

Weitere Kritikpunkte der TVT am freiwilligen Label sind, dass tierbezogene Kriterien, ebenso wie bei den bereits existierenden Programmen, zu wenig berücksichtigt werden. Weitere wichtige Details, wie z.B. zu den externen Kontrollen oder zur Erweiterung auf weitere Tierarten sind bislang nicht näher erläutert. Darüber hinaus liegen einige der Kriterien in der Eingangsstufe zu wenig über dem gesetzlich geforderten Mindeststandard, so dass für die Tiere akzeptable Verbesserungen für ein Mehr an Tierwohl nicht zu erkennen ist.

Die Stellungnahme der zum freiwilligen staatlichen Tierwohllabel finden Sie, wie alle Veröffentlichungen der TVT, auf der Homepage der Vereinigung unter Veröffentlichungen.

Quelle: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz

Boehringer Ingelheim erwirbt Unternehmensanteil an SoundTalks NV und startet Pilotprogramm

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• Pilotprogramm geplant, um das neuartige SoundTalks™-System in ausgewählten Schweinebetrieben einzusetzen

• Ziel: mögliche Atemwegsprobleme bei Schweinen mit Hilfe digitaler Technologie schnell erkennen

Der Unternehmensbereich Tiergesundheit von Boehringer Ingelheim hat einen Minderheitsanteil an dem belgischen Unternehmen SoundTalks NV erworben. Das digitale Überwachungsgerät von SoundTalks NV soll für eine gesündere Schweinehaltung sorgen und Landwirten ein effizienteres Arbeiten ermöglichen.

„Wir sind stolz darauf, mit SoundTalks NV zu kooperieren, um Schweineproduzenten eine neuartige Lösung bieten zu können“, sagt Rolf-Dieter Günther, Leiter des Bereichs Diagnostics & Monitoring im Unternehmensbereich Tiergesundheit von Boehringer Ingelheim. „Technologische Innovationen verändern die Tiergesundheitsbranche tiefgreifend. Vor diesem Hintergrund möchten wir Gesundheitslösungen entwickeln, die Tierärzten und letztlich auch Landwirten und Kleintierhaltern helfen.“

Im Rahmen eines Pilotprogramms plant Boehringer Ingelheim, das SoundTalks™-System in ausgewählten Schweineställen zu installieren. Die Testphase beginnt in den USA und in anderen wichtigen Märkten für Schweine in diesem Frühjahr.

„Wir freuen uns über diese Partnerschaft. Unsere beiden Unternehmen teilen die Leidenschaft für innovative Lösungen, Technologie und Tiergesundheit: Das ist erst der Anfang einer spannenden Zusammenarbeit“, fügt Dries Berckmans, CEO von SoundTalks NV, hinzu.

Das SoundTalks™-System besteht im Wesentlichen aus einem digitalen Mikrofon, das den Husten von Schweinen aufzeichnet. Ein Algorithmus ist in der Lage, diesen Husten von anderen Geräuschen im Schweinestall zu unterscheiden. So erkennt das SoundTalks™-System Hustengeräusche, die auf Atemwegsprobleme hindeuten können. Es bietet Landwirten und Tierärzten somit die Möglichkeit, früher einzugreifen, um Proben zu entnehmen und zu einer Diagnose zu gelangen.

Finanzielle Details zum Abschluss des Geschäfts wurden von den Unternehmen nicht offen gelegt.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Neuartige Erreger in Rind und Kuhmilchprodukten: Weitere Forschung notwendig

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat im Februar 2019 Erkenntnisse zu neuartigen Infektionserregern mit der Bezeichnung „Bovine Milk and Meat Factors“ (BMMF) vorgestellt. Demnach können die bisher unbekannten Erreger Entzündungen hervorrufen. Laut DKFZ wurden sie bislang in Kuhmilch, Kuhmilchprodukten und Blutserum gesunder Rinder nachgewiesen. Möglicherweise könnte aus den bisherigen wissenschaftlichen Ergebnissen ein indirekter Zusammenhang zwischen dem Verzehr verschiedener vom Rind stammender Lebensmittel und dem Auftreten einiger Krebsarten beim Menschen interpretiert werden. Das DKFZ vermutet, dass Säuglinge mit noch nicht ausgereiftem Immunsystem innerhalb ihres ersten Lebensjahres beim Zufüttern von Kuhmilch mit BMMF infiziert werden. Sie schlussfolgern daher, Säuglinge nicht zu früh mit Kuhmilch zu ernähren.

Die BMMF stellen laut DKFZ neuartige Erreger dar, die von ihrer Art sowohl Viren als auch Bakterien ähnlich sind. Durch ihre Verwandtschaft zu Plasmiden werden sie daher momentan als „Plasmidome“ bezeichnet. Entsprechend den DKFZ-Forschenden liegen die BMMF nicht als „nacktes“ Erbmaterial, sondern zusammen mit Proteinen vor.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Max Rubner-Institut (MRI) kommen gemeinsam zu dem Ergebnis, dass eine Bewertung möglicher Risiken durch die sogenannten BMMF als mögliche Krebsrisikofaktoren aufgrund unzureichender Datenlage bisher nicht möglich ist. Der vermutete Zusammenhang zwischen den BMMF und dem Auftreten von Krebserkrankungen des Menschen sollte weiter erforscht werden.

Nach aktuellem Stand empfehlen BfR und MRI bezüglich der Ernährung: Auf der Grundlage der bisher veröffentlichten epidemiologischen Studien zum Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem sowie verarbeitetem Fleisch und einem erhöhten Darmkrebsrisiko und in Einklang mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird empfohlen, den Fleischverzehr auf maximal 600 Gramm pro Woche zu begrenzen. Dagegen wird nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens der Konsum von Kuhmilch weiterhin uneingeschränkt empfohlen. Auch das Stillen zur Vorbeugung gegen verschiedene Krankheiten ist grundsätzlich zu befürworten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Max Rubner-Institut (MRI) haben eine Pressemitteilung zu einer Veranstaltung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg zu „neuartigen Infektionserregern aus Milch und Fleisch als Krebsrisikofaktoren“ bewertet und nehmen dazu im Folgenden gemeinsam Stellung.

Hintergründe zur Pressemeldung des DKFZ
Nach Meinung des DKFZ könnte eine bestimmte Klasse von Erregern in Rindfleisch und Milch, die sogenannten „Bovine Meat and Milk Factors“ (BMMF), chronische Entzündungen verursachen, die den Boden für eine maligne Entartung von Zellen in Brust und Dickdarm bereiten könnten. Laut DKFZ (2019) und zur Hausen et al. (2017) deutet das geografische Verteilungsmuster der Neuerkrankungsraten von Darm- und Brustkrebs auf einen engen Zusammenhang mit dem Konsum von Milch- und Fleischprodukten vom europäischen Rind (Bos taurus) hin.

Laut den Unterlagen zur Pressekonferenz des DKFZ (2019) handelt es sich bei BMMF um einzelsträngige, ringförmige DNA-Elemente, die große Ähnlichkeit mit den Sequenzen spezifischer bakterieller Plasmide aufweisen. Alle bisher bekannten BMMF besitzen jeweils ein Gen für das zur eigenen Vervielfältigung notwendige „Rep“-Protein (Replikations-InitiatorProtein), unabhängig von anderen vorhandenen Genen. Gemäß Eilebrecht et al. (2018) zeigen die meisten BMMF eine Ähnlichkeit zu Plasmiden von Acinetobacter baumannii, wobei einige BMMF auch Ähnlichkeiten mit bestimmten Viren mit kleinem, zirkulärem, einzelsträngigem Erbgut aufweisen (DKFZ, 2019). Zudem sollen sie in der Natur wahrscheinlich nicht als nackte DNA, sondern mit Proteinen assoziiert vorkommen. BMMF stellen laut DKFZ eine neue Klasse von Erregern dar, die in ihren Charakteristika zwischen Viren und Bakterien liegen. Durch ihre Verwandtschaft zu Plasmiden werden sie daher momentan als „Plasmidome“ bezeichnet. Das DKFZ weist darauf hin, dass die Natur dieser Erreger bisher nicht eindeutig definiert werden konnte.

Über 120 verschiedene Typen von BMMF-DNA wurden bisher aus kommerziell erhältlicher Kuhmilch, Kuhmilchprodukten und aus Serumproben gesunder Rinder isoliert (Whitley et al., 2014; Falida et al., 2017; DKFZ, 2019). Eine Vervielfältigung verschiedener BMMF in menschlichen Zellen wurde nachgewiesen (Eilebrecht et al., 2018), wobei die Erreger dabei auf zelluläre Proteine angewiesen sind, die noch nicht bestimmt wurden. Außerdem wurden bei insgesamt 350 sowohl gesunden als auch krebskranken Personen Serum-Antikörper gegen BMMF nachgewiesen, was eine Exposition gegenüber dem Erreger belegt. Laut DKFZ wurden BMMF-Proteine bislang in Kolon, Prostata und Gehirn gefunden, während BMMF-DNA im Kolon vom Menschen nachgewiesen wurde. In Tumorzellen wurden bisher jedoch keine BMMF-Sequenzen detektiert.

Mit BMMF infizierte Gewebebereiche zeigen erhöhte Spiegel reaktiver Sauerstoffverbindungen, die ein typisches Merkmal für Entzündungen darstellen und die Entstehung von Erbgutveränderungen begünstigen. Das DKFZ geht aufgrund der genannten, insbesondere epidemiologischen Beobachtungen davon aus, dass es durch den Verzehr von Milchprodukten und/oder Rindfleisch zu einer Infektion mit BMMF insbesondere im frühen Säuglingsalter aufgrund des noch nicht vollständig entwickelten Immunsystems kommen kann. In der Literatur finden sich keine Hinweise für einen möglichen Zeitpunkt der Infektion. Das Immunsystem ist bei der Geburt noch nicht voll ausgebildet bzw. arbeitet nach neueren Erkenntnissen zunächst reduziert (Ulas et al., 2017) und entwickelt sich durch die Exposition gegenüber Antigenen in der Kindheit schrittweise weiter (Simon et al., 2015). Dennoch kann eine Infektion auch bei vollständig entwickeltem Immunsystem im späteren Leben derzeit nicht ausgeschlossen werden.

Die Erreger sollen nach der Infektion in bestimmten Geweben (Darm, Brust) eine chronischentzündliche Reaktion induzieren, die im umgebenden Gewebe die Krebsentstehung (insbesondere für Dickdarm-, möglicherweise auch für Brust- und Prostatakrebs) fördern kann. Zum Ausbruch der Krankheit soll es erst Jahrzehnte nach der eigentlichen Infektion kommen (zur Hausen et al., 2019). BMMF sollen hierbei indirekt karzinogen wirken. Dies bedeutet, dass sie nicht direkt in krebsfördernde molekulare Prozesse der Zelle eingreifen, sondern eine – zumeist entzündliche – krebsfördernde Umgebung schaffen. Aus den geschilderten Gründen schlussfolgert das DKFZ, dass keine direkte Kausalität zwischen einer Infektion mit BMMF und beispielsweise Darmkrebs besteht, sondern dass BMMF einen Anteil am Darmkrebs-Risiko tragen, welcher aber nicht exakt beziffert werden kann (DKFZ, 2019).

Als mögliche Präventionsmaßnahme gegenüber einer Infektion mit BMMF nennt das DKFZ langes Stillen (über 6 Monate hinaus). Muttermilch beinhaltet zahlreiche Inhaltsstoffe mit antipathogenen Eigenschaften (Peterson et al., 2013). Diese enthalten häufig Glykanstrukturen, d. h. Zucker, die entweder als freie Oligosaccharide (humane Milch-Oligosaccharide) oder gebunden als Makromoleküle in Form von Glykokonjugaten (Glykoproteine und Glykolipide) vorliegen (Peterson et al., 2013; Morozov et al., 2018). Humane Milchglykane sind in der Lage, Erkennungsstellen für Erreger nachzuahmen, an diese zu binden und den Erreger daran zu hindern, an Zelloberflächen zu haften und dadurch Infektionen vorzubeugen (Newburg et al., 2009; Peterson et al., 2013; Morozov et al., 2018). Stillen geht mit einem geringeren Risiko für Infektionen mit verschiedenen Erregern (z. B. Rotaviren) einher, insbesondere wenn über die ersten 6 Monate ausschließlich gestillt wird (Krawczyk et al., 2016; Quigley et al., 2016). Es ist daher nicht auszuschließen und als Hypothese generell vorstellbar, dass humane Milchglykane auch vor Infektionen mit BMMF schützen könnten. Jedoch ist diese Hypothese aufgrund einer unzureichenden Datenlage derzeit nicht zu erhärten.

Die Evidenz für einen Zusammenhang zwischen der frühen Ernährung mit Muttermilch und dem Krebsrisiko der Nachkommen im Erwachsenalter ist begrenzt. Am besten untersucht ist die Assoziation zum Brustkrebs; die Ergebnisse sind jedoch inkonsistent (Ekbom et al., 1993; Freudenheim et al., 1994; Weiss et al., 1997; Titus-Ernsthoff et al., 1998; Martin et al., 2005; Wise et al., 2009).

Bewertung
Wie oben ausgeführt, ist es derzeit nicht möglich, die genaue Natur der BMMF zu bestimmen bzw. zu definieren. Die oben genannten, insbesondere epidemiologischen Beobachtungen können als vorläufige Hinweise auf einen ggf. indirekten Zusammenhang zwischen dem Konsum verschiedener Lebensmittel bovinen Ursprungs und dem Auftreten einiger Krebsarten beim Menschen interpretiert werden, stellen aber keinen kausalen Zusammenhang dar.

Zur Abschätzung des potenziellen Risikos fehlen bisher valide, evidenzbasierte Untersuchungen. Beispielsweise fehlen Daten zum Vorkommen von BMMF in anderen Lebensmitteln nicht-bovinen Ursprungs, zum Vorkommen von BMMF in gesunden Menschen im Vergleich zu Krebspatienten, zum Mechanismus der Entzündungs- und Krebsinduktion durch BMMF sowie zur Infektiosität und Inaktivierung von BMMF in Lebensmitteln. Die Abschätzung eines Zusammenhangs zwischen dem Verzehr BMMF-enthaltender boviner Lebensmittel und dem Auftreten von Tumorerkrankungen erscheint momentan auch deshalb kaum möglich, weil die genannten BMMF lediglich als indirekte Karzinogene und nach einer sehr langen Latenzzeit wirken sollen.

Darüber hinaus müssen die bisher veröffentlichten epidemiologischen Arbeiten differenziert betrachtet werden. Im Fall von Darmtumoren weisen die bisherigen Studien darauf hin, dass der Konsum von rotem und prozessiertem Fleisch mit dem Auftreten von Darmkrebs korreliert (WCRF, 2007; Huxley et al., 2009; Chan et al., 2011; Corpet, 2011), dass aber ein hoher Konsum von Milch und Milchprodukten mit einem verminderten Darmkrebsrisiko einhergeht (WCRF, 2007). Laut WCRF (2018) führt weder der Konsum von rotem Fleisch noch der von Kuhmilch zu einem vermehrten Auftreten von Brustkrebs.

Fazit
Eine Bewertung möglicher Gefahren durch die sogenannten „Bovine Meat and Milk Factors“ (BMMF) als mögliche Krebsrisikofaktoren ist aufgrund unzureichender Datenlage zurzeit nicht möglich. Auf der Grundlage der bisher veröffentlichten epidemiologischen Studien bezüglich des Zusammenhangs zwischen dem Konsum von rotem sowie prozessiertem Fleisch und dem erhöhten Darmkrebsrisiko und in Einklang mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird empfohlen, den Fleischverzehr auf maximal 600 g/Woche zu begrenzen. Dagegen wird nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens der Konsum von Kuhmilch weiterhin uneingeschränkt empfohlen.

Stillen als Präventionsmaßnahme für das Auftreten diverser Krankheiten ist grundsätzlich zu befürworten. Hinsichtlich der Prävention einer Infektion mit BMMF fehlen jedoch auch hier derzeit valide Daten.

Weitere Informationen auf der BfR-Website zum Thema Viren in Lebensmitteln

Viren

Wissenschaftliche Veröffentlichung zu Polyomaviren in Rindfleisch

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

Können die Leibniz-Wissenschaftler am FBN den norwegischen Lachszüchtern helfen?

Dummerstorfer Genombiologen sollen genetische Lösungen zur Stärkung des Immunsystems in der Aquakulturhaltung finden

Die Zucht des als Speisefisch beliebten Atlantischen Lachses nimmt viel Druck von der vom Aussterben bedrohten Wildpopulation. Trotz in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verbesserter Aquakulturverfahren führen Infektionskrankheiten jedoch immer noch zu hohen Sterblichkeitsraten bei jungen Lachsen nach der Überführung vom Süß- ins Meerwasser.

Dummerstorfer Genombiologen am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) sollen nun helfen, das genetische Profil des Lachses zu entschlüsseln und Biomarker zu finden, die für die Fischgesundheit entscheidend sind. Das internationale Projekt „ImCom“ unter Federführung des renommierten staatlichen Forschungsinstitutes Nofima (Norwegian Institute of Food, Fisheries and Aquaculture Research/nofima.no/en) hat eine Laufzeit von vier Jahren und wird mit einer Million Euro von der norwegischen Forschungsgesellschaft unterstützt. Nofima mit Hauptsitz in Tromsø (Norwegen) ist eines der größten Institute für angewandte Forschung in den Bereichen Fischerei, Aquakultur und Lebensmittelforschung in Europa.

Das FBN hat sich bisher vor allem einen Namen durch seine Forschung an Bornforelle, Zander und Ostseeschnäpel gemacht. Jetzt betreten die Fischgenetiker am FBN-Institut für Genombiologie mit dem Atlantischen Zuchtlachs Neuland. „Es fehlen noch immer geeignete Methoden, um Fortschritte im Gesundheitsmanagement beim Zuchtlachs erzielen zu können“, beschrieb der Dummerstorfer Fischgenetiker Dr. Alexander Rebl das Problem. „Das Ziel des Projekts ImCom ist es daher, mit unserem Know-how die bestehenden Werkzeuge zu verfeinern und eine neue Methodik zu entwickeln, um die Widerstandskraft der Lachse objektiv einschätzen und verbessern zu können.“

Der Schlüssel liegt in den Genen
Mit modernsten Analyseverfahren wollen die Genombiologen aus Gewebeproben aussagekräftige Biomarker identifizieren, die es ermöglichen, die Gesundheit der Zuchtlachse zu ermitteln. „Mit Hilfe unserer Hightech-Genanalysen wollen wir dazu beitragen, robuste Zuchtlinien für eine tiergerechte und gleichzeitig wirtschaftlich tragbare Haltung zu entwickeln“, so Rebl.
Ausgangsbasis sind die bisherig untersuchten rund 10.000 Datensätze zu Genaktivitäten von den Projektpartnern in Norwegen, aber auch in Frankreich, England, Spanien und Russland.
„Wir sind überzeugt, dass uns das FBN mit seiner biotechnologischen Ausstattung und seinen innovativen Diagnostiktools helfen kann, hilfreiche Informationen über Genaktivierungsmuster zu finden, um das Immunsystem der Zuchtlachse zu stärken und die Verluste zu minimieren“, sagte Studienleiter Dr. Aleksei Krasnov vom norwegischen Nofima-Forschungsinstitut, der vor kurzem das FBN-Institut in Dummerstorf besucht hat. Die ersten Ergebnisse sollen in zwei Jahren vorliegen.

Mit rund 1,2 Millionen Tonnen ist das norwegische Königreich mit Abstand der weltweit größte Lachsproduzent in Aquakultur, gefolgt von Chile, Schottland, Kanada und den USA. Auch in Deutschland gehört der Raubfisch, der überwiegend aus Norwegen kommt, aufgrund seines exzellenten Geschmackes und seiner gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren zu den beliebtesten Speisefischen. Doch der immer größere Bedarf sowie Umwelt- und Klimaveränderungen sorgen auch für Probleme. Der Zuchtlachs ist anfälliger für Viren und Bakterien sowie für Parasiten wie die gefürchtete Lachslaus.

Obwohl alle Lachse in Norwegen im frühen Alter gegen die häufigsten Lachskrankheiten geimpft werden, wird der Verlust, der bei der Umsiedlung vom Süßwasser in das Salzwasser der kalten Fjorde des norwegischen Meeres im Alter von einem bis zwei Jahren auftritt, jährlich auf eine zweistellige Millionenhöhe (Euro) geschätzt. Bis der Lachs mit einem Körpergewicht von vier bis fünf Kilo auf der Verkaufstheke und unseren Teller landet, vergehen bis zu drei Jahre.

Hintergrund Atlantischer Lachs (Salmo salar)
Der Fisch des Jahres 2019 ist ein Wanderfisch, der unverbaute und saubere Flüsse und Bäche braucht, um vom Meer, seinem Hauptlebensraum, in seine Süßwasser-Laichgebiete zu kommen und sich dort erfolgreich fortpflanzen zu können. Atlantische Lachse leben vor allem im Atlantischen Ozean und werden in freier Natur 60 bis 100 cm lang und drei bis 15 kg schwer. Vom Aussterben bedroht steht der Wildlachs auf der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. Darüber hinaus gibt es den Pazifischen Lachs, eine im Pazifikraum verbreitete Gattung der Familie der Lachsfische.

Quelle: Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

Kein Pardon für Verstöße gegen Tierschutzgesetz

Tierhalter übernehmen nach dem Tierschutzgesetz eine besondere Sorgfaltspflicht gegenüber ihren Tieren. Sie schließt in einem erheblichen Maß den tierschutzgerechten Umgang mit kranken und verletzten Tieren ein. „Vor diesem Hintergrund kann ich als Präsident des Landvolkes Niedersachsen die offensichtlichen Verstöße gegen den Tierschutz, wie sie gerade wieder auf einem Schlachthof in Stade bekannt gemacht wurden, nicht nachvollziehen oder gar entschuldigen. Dafür gibt es kein Pardon.“ Mit diesen Worten positioniert sich Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke erneut gegen derartig tierschutzwidriges Verhalten.

Wie schon im Herbst vergangenen Jahres bei dem Fall in Bad Iburg stellt er eindeutig klar: „Solche Bilder sind nicht zu entschuldigen“. In der öffentlichen Bewertung verwahrt er sich jedoch dagegen, derartige Fälle als repräsentativ für ein angebliches „System der Fleischerzeugung“ heranzuziehen. Das Landvolk Niedersachsen nimmt den Fall in Stade jedoch zum Anlass, Tierhalter nochmals an ihre Verantwortung gegenüber kranken oder verletzten Tieren zu erinnern. Dazu hat der Verband bereits vor geraumer Zeit Handlungsempfehlungen formuliert, die jeder Tierhalter beachten soll. „Jegliche Unterlassung dieser Sorgfaltspflicht durch den Tierhalter ist nicht zu tolerieren“, sagt Schulte to Brinke.

Quelle: Landvolk Niedersachsen

Agrarministerkonferenz fasst Beschluss zu Transporten in Nicht-EU-Länder

Eine Aufforderung an den Bund, tierschutzrelevante Hinweise zu Tiertransport-Routen und Versorgungsstellen zu sammeln, auszuwerten und die Informationen zentral den Bundesländern zu übermitteln – das ist der Kern eines Beschlusses, den die Agrarministerkonferenz (AMK) heute in Landau (Rheinland-Pfalz) gefasst hat. Niedersachsen hatte den Antrag gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen und Bayern eingebracht. Dazu sagt Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Tierschutz. Ziel ist es, den Genehmigungsbehörden bundesweit einheitliche Informationen zur Verfügung zu stellen. So kann zielgerichtet und möglichst rechtssicher entschieden werden, welche Transporte von den zuständigen Behörden genehmigt werden oder nicht. Hierzu benötigen die Länder jedoch einheitliche Daten!“

Aktuell gibt es aus Sicht des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums auf der Grundlage der nationalen und gemeinschaftsrechtlichen Vorschriften keine Möglichkeiten für die Behörden, lange Tiertransporte grundsätzlich zu verbieten. Daher erfordert das Thema aus Sicht der Ministerin nationale, besser noch europäische Antworten.

Mit Bedauern nimmt Ministerin Otte-Kinast zur Kenntnis, dass es in Bezug auf die Düngeverordnung auf der AMK keine Detailabsprachen gegeben hat.

Große Einigkeit herrschte unter den Länderkollegen in dem Punkt, dass der Gewässerschutz eine Aufgabe von höchster Priorität ist. Gleichzeitig müsse man bei der Anpassung der Düngeverordnung Maßnahmen entwickeln, die praktikabel und wirksam sind. Nun gehe es darum, in den anstehenden Gesprächen die niedersächsischen Positionen weiterhin engagiert zu vertreten, so Ministerin Otte-Kinast. Der Hintergrund: Die in Niedersachsens vorgesehene Datenbank ‚ENNI‘ (Elektronische Nährstoffmeldungen Niedersachsen) soll die Düngebedarfsermittlungen und Nährstoffvergleiche flächendeckend erfassen und somit maximale Transparenz ermöglichen. Nach den derzeitigen Plänen der Bundesregierung zur Anpassung der Düngeverordnung wäre die Einrichtung jedoch nicht mehr möglich.

Einen Erfolg kann Niedersachsen mit einem Beschluss verbuchen, Schäfereien analog zu den Imkereien eine Steuerentlastung auf so genannten Agrardiesel für die betriebliche Nutzung von Fahrzeugen, die nicht in § 57 Absatz 1 des Energiesteuergesetzes genannt sind (also zum Beispiel PKW oder Pick ups), zu gewähren. Die Länderkollegen sind Ministerin Otte-Kinast gefolgt und fordern den Bund gemeinsam auf, hier gesetzgeberisch tätig zu werden. Dazu die Ministerin: „Das ist ein wichtiges Signal für die Schafhalter in Niedersachsen. Sie übernehmen nicht nur zentrale Funktionen in der Landschaftspflege, sondern vor allem auch in der Deichpflege. Da sich die Situation der Schäfereien durch die Einwanderung des Wolfes erheblich verschärft hat, ist der Betreuungs- und Überwachungsaufwand noch einmal deutlich größer geworden.“ Der Bund sei nun gefordert und solle das Votum der Länder möglichst zeitnah aufgreifen. Ziel müsse es sein, eine Entlastung der Schäfereien so zügig wie möglich zu erreichen.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Summ Bienchen – summt nicht mehr?

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Bei einer Fachtagung trafen sich an der TH Bingen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis. Die „Bienen-Tagung“ widmete sich der Agrobiodiversität, also der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft.

Der Frühling kommt und es summt in den Gärten und Wiesen – oder auch nicht? Das so genannte Bienensterben beschäftigt nicht mehr nur die Experten, es hat längst jeden einzelnen erreicht: Insektenhotels, Saatmischungen und bienenfreundliche Blumen stehen allerorten zum Verkauf. Die Diskussion ist auf ihrem Höhepunkt und wird zwischen Forschung, Wirtschaft, Umweltschutz, Landwirtschaft und Politik heiß debattiert. Bei so vielen Beteiligten ist es entscheidend, in Dialog zu treten. Deshalb trafen sich Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis bei einer Fachtagung an der Technischen Hochschule (TH) Bingen am Donnerstag, 11. April 2019. Für die „Bienen-Tagung“ hatten sich über 120 Interessierte angemeldet, um sich der Agrobiodiversität, also der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft zu widmen. An diesem Tag präsentierten Referentinnen und Referenten dazu den aktuellen Forschungsstand, Hintergründe und mögliche Lösungen. Organisiert wurde die Veranstaltung von Studierenden aus dem Masterstudiengang Landwirtschaft und Umwelt der TH Bingen, die sich mit dem Thema im Studium befassen. Dekan Prof. Dr. Clemens Wollny hat gemeinsam mit der Dozentin Dr. Dörte Frieten das studentische Projekt betreut und ist beeindruckt von der Leistung der Studierenden: „Unsere Masterstudierenden haben es nicht nur geschafft, eine sehr gelungene Tagung zu einem komplexen Thema zu planen und umzusetzen. Sie haben auch alle Beteiligten in einen Dialog gebracht.“

Doris Dannenmann von der TH Bingen bewertete beispielsweise die Bedeutung des Obstanbaus in Rheinhessen für die Wildbienen. Andreas Schumacher von der Abteilung Nachhaltigkeit der BASF berichtete von dem Projekt Farm-Netzwerk. Darin wird untersucht, wie auch in intensiv bewirtschafteten Flächen die Biodiversität gesteigert werden kann. Für den süßen Kick in der Pause sorgte eine Honigverkostung. Ähnlich wie bei einer Weinprobe gingen hier die Geschmäcker und Meinungen natürlich auch auseinander. Den Einfluss von Pestiziden auf die Bienenvölker ordnete dann Dr. Klaus Wallner von der Uni Hohenheim ein – insbesondere den der möglicherweise kritischen Neonicotinoide. Kontroverse Themen also, die von den verschiedenen Interessens- und Fachgruppen diskutiert werden – das war das Konzept der Veranstaltung. Für Tobias Barham, der die Veranstaltung mit organisiert hat, ein voller Erfolg: „Die positiven Rückmeldungen und die gemeinsamen Gespräche zeigen uns, dass der Austausch von Landwirten, Umweltschützern, Unternehmen oder Imkern auf solch einer Tagung immens wichtig für die praktische Arbeit ist. Denn nur durch den Dialog können alle Beteiligten gemeinsam Lösungen zum Erhalt der Biodiversität finden.“ Die verschiedenen Interessen zusammen zu bringen, ist eben auch der Kern des Masterstudiengangs Landwirtschaft und Umwelt an der TH Bingen.

Quelle: Technische Hochschule Bingen

Boehringer Ingelheim ruft BVDzero-Stipendium für Tiermedizinstudenten weltweit aus

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* Neues BVDzero-Stipendium in Höhe von insgesamt 10.000 € für zehn herausragende Studierende weltweit * Ziel ist es, das Bewusstsein von Tiermedizinstudenten für die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) zu schärfen * Gemeinsame Initiative von Boehringer Ingelheim und der World Association for Buiatrics

Boehringer Ingelheim hat in diesen Tagen das BVDzero-Stipendienprogramm für die Jahre 2019-2020 ausgerufen. Es richtet sich an Studierende der Veterinärmedizin und steht für das langfristige Engagement des Unternehmens, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Nutztieren zu fördern.

Mit dem BVDzero-Stipendienprogramm möchte Boehringer Ingelheim unter Studierenden der Tiermedizin Aufmerksamkeit für Bovine Virusdiarrhoe (BVD) wecken. Darüber hinaus ist es das Ziel, auch in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Rinderkrankheit zu schaffen und so letztlich dazu beizutragen, dass BVD seltener auftritt.

BVDzero-Stipendienprogramm
Teil des Programms ist es, herausragende Tiermedizinstudenten aus der ganzen Welt zu fördern. Denn das Unternehmen möchte Nachwuchskräfte darin unterstützen, die stetig wandelnden Herausforderungen der Veterinärbranche anzugehen. Geeignete Stipendiaten wählt das BVDzero-Komitee, das sich aus Experten verschiedenster Herkunftsländer zusammensetzt, gemeinsam mit einem Repräsentanten der World Association for Buiatrics aus.

Stipendien
Es werden zehn Stipendien in Höhe von je 1.000 Euro pro Student vergeben. Für alle Stipendiaten übernimmt Boehringer Ingelheim außerdem die Kosten für die Anmeldung zum World Buiatrics Congress in Madrid im Jahr 2020 und kommt für die Unterkunft auf.

Kriterien für die Auswahl der Studenten
·Tiermedizinstudium im zweiten, dritten und vierten Studienjahr
·Leidenschaft für Nutztiere, insbesondere für Rinder
·Nachweis akademischer Exzellenz
·Nachweis von Führungsqualitäten und außeruniversitärem Engagement

Bewerbungsanforderungen und Fristen
Bewerbungen sind bis zum 25. Mai 2019 möglich und müssen bis dahin vollständig vorliegen. Prüfung der Bewerbungen; 25. Mai – 31. Mai 2019. Mitteilung bzw. Bekanntmachung der Stipendienvergabe: 3. Juni – 7. Juni 2019

Das Bewerbungsformular lässt sich hier herunterladen.

Der Unternehmensbereich Tiergesundheit von Boehringer Ingelheim und das BVDzero-Team freuen sich auf die Bewerbungen geeigneter Studierender und wünschen allen Kandidaten viel Erfolg. Das Unternehmen plant, diese Initiative auch in Zukunft fortsetzen.

Weitere Updates erhalten Sie unter www.bvdzero.com

Quelle. Boehringer Ingelheim

Düsser Milchviehforum: Digitalisierung und Hitzestress bei Kühen 24./25. April

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Die Digitalisierung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse ist der Grundstein einer nachhaltigen Landwirtschaft und eines modernen Herdenmanagements. Durch den Einsatz von Sensoren können Situationen in Echtzeit dargestellt und Maßnahmen in Gang gesetzt werden. Ziel ist es, mit den Sensordaten Tierwohl und Arbeitseffizienz gezielt und nachhaltig zu fördern.

Vor diesem aktuellen Hintergrund widmet sich das 5. Düsser Milchviehforum dieser Thematik und richtet sich an interessierte Landwirte sowie Berater und Mitarbeiter aus Industrie und Wissenschaft.
Die Veranstaltung findet statt am Mittwoch und Donnerstag, 24. und 25. April, im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen im Kreis Soest. Das Forum dauert am ersten Tag von 10 bis 17 Uhr mit anschließender Abendveranstaltung und am zweiten Tag von 10 bis 16 Uhr. Für die Teilnehmer besteht die Möglichkeit auf Haus Düsse zu übernachten.

Mit Fachvorträgen und Workshops stellen die Referenten die neuesten Entwicklungen, Möglichkeiten und Erkenntnisse rund um Sensortechnik und digitaler Vernetzung vor und diskutieren die Themen mit den Teilnehmern.

Am zweiten Tag des Forums findet ein Infotag zum Thema Hitzestress in Milchviehställen statt. Experten betrachten ganzheitlich mit Fachvorträgen das relevante Thema, beschreiben Auswirkungen und stellen Lösungsansätze vor.

Die Tagungsgebühr beträgt 150 Euro für beide Tage, einschließlich Tagungsunterlagen. Der zweite Tag ist auch einzeln buchbar. Weitere Informationen mit ausführlichem Programm, Seminarkosten und Anmeldung stehen im Internetangebot von Haus Düsse.

Quelle: Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Braunschweig will Wildbienenhauptstadt Deutschlands werden

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Oft bleiben die Zimmer der Insektenhotels leer, obwohl diese Nisthilfen für Insekten mit besten Absichten aufgestellt wurden. Auch wohlmeinend ausgebrachte Blühmischungen erfüllen ihren Zweck nicht immer, nämlich bedrohten Insektenarten eine neue Heimat, Schutz und Nahrung zu bieten. „Leider werden etliche Maßnahmen – ohne es zu wissen – an den Bedürfnissen der Insekten vorbei geplant“, weiß Henri Greil, Wissenschaftler am Julius Kühn-Institut (JKI) Braunschweig. Der Fachbereich Stadtgrün und Sport und das JKI-Fachinstitut für Bienenschutz sind die Wegbereiter eines neuen einzigartigen Projekts, das bundesweit Schule machen dürfte. „Ziel ist es, Braunschweig in ein Refugium für verschiedene Wildbienenarten zu verwandeln, in dem sie Nahrung und Lebensraum finden“, sagt der Erste Stadtrat Christian Geiger, der auch für den Fachbereich Stadtgrün und Sport zuständig ist. Das Projekt „Bienenstadt Braunschweig“ wird aus Mitteln des Niedersächsischen Umweltministeriums sowie des Bundesumweltministeriums umgesetzt. Insgesamt wurden etwa 4,6 Millionen Euro Fördermittel von der Stadt eingeworben. Die Stadt steuert Eigenmittel von anteilig 1,2 Mio. bei.

Auf dem Weg Braunschweigs zur „Bienenstadt“ sollen auf einer Fläche von rund 100.000 Quadratmetern artenreiche Wiesen entstehen. Das entspricht einer Größe von rund 14 üblichen Fußballfeldern. Auf ca. 30.000 Quadratmetern sind mehrjährige Blühstreifen, sowie artenreiche Staudenpflanzungen geplant. Weiterhin vorgesehen sind sechs Streuobstwiesen und die Pflanzung von 500 Kopfweiden sowie 650 weiterer Bäume als Klimaschutzmaßnahmen. Das Geld aus dem Förderbescheid des Bundesumweltministeriums „Integrierter Klimaschutz mit urbanem Grün“ soll mehrfach nützlich sein. Denn die Begrünung von 7.000 Quadratmetern Dachfläche und 7.500 Quadratmetern Fassaden städtischer Gebäude soll nicht nur das Stadtklima verbessern, sondern gleichzeitig den Bedürfnissen der Wildbienen Rechnung tragen.

Bei allen angestrebten Maßnahmen wollen die Experten konsequent durch die „Wildbienenbrille“ auf die Stadt und ihre vorhandenen Grünflächen, wie z. B. das straßenbegleitende Grün blicken, um herauszufinden, welche Pflanzenarten für welche Wildbienenarten attraktiv sind. „In Deutschland leben über 560 Wildbienenarten mit unterschiedlichen Ansprüchen. Daher ist es wichtig, die jeweils richtigen Nahrungspflanzen in Kombination mit den bevorzugten Nistmöglichkeiten anzubieten. Zudem muss das Netz der Blühflächen eng genug gewebt sein, sodass sich die Arten innerhalb der Stadt verbreiten und auch ins Umland gelangen können, erklärt Henri Greil vom JKI die Vorgehensweise. „Soweit uns bekannt ist, wird ein derartig ganzheitlicher Ansatz erstmalig in einer deutschen Großstadt verfolgt“, sagt Michael Loose. „Jeder bringt seine Kompetenzen ein und wir wollen natürlich auch zur Nachahmung anregen“, ergänzt der Fachbereichsleiter für Stadtgrün und Sport.

Um das Ziel der „Bienenstadt Braunschweig“ zu erreichen, werden weitere Partner gesucht, die ihre Flächen wildbienenfreundlich gestalten oder das Projekt unterstützen möchten. Unter anderem will die Wohnungsgesellschaft Nibelungen-Wohnbau-GmbH mit Maßnahmen auf eigenen Flächen das Gesamtkonzept ergänzen und das inhabergeführte Braunschweiger Familien-Unternehmen BIHOPHAR das Projekt unterstützen. Die Förderung der Wildbienen soll einen Dominoeffekt für andere Bestäuber wie Schmetterlinge und Schwebfliegen auslösen. Auch andere Tiere wie z. B. Vögel und Fledermäuse profitieren direkt oder indirekt von einem blühenden Pflanzenumfeld. Nicht zuletzt steigt für die Bürgerinnen und Bürger die Lebensqualität in ihrer Bienenstadt Braunschweig.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Projekt ebenfalls wegweisend. Es wird daher von Partnern aus ganz Deutschland fachlich begleitet, etwa vom Tübinger Wildbienen-Experten Dr. Paul Westrich, der im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) die „Rote Liste der Wildbienen Deutschlands“ erstellt hat. Darüber hinaus sind die Kreisgruppe des BUND und Ortsgruppe des NABU durch regelmäßige Arbeitstreffen mit dem Fachbereich Stadtgrün und Sport und dem JKI in der „Projektgruppe Biodiversität“ eingebunden.

Quelle: Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

ZDG: „Mit jedem importierten Kilogramm Geflügelfleisch aus Osteuropa kommt weniger Tierschutz nach Deutschland“

Ihre existenziellen Sorgen um die Zukunft der Nutztierhaltung in Deutschland haben die Spitzenvertreter der deutschen Geflügelwirtschaft heute Vormittag den führenden Agrarpolitikern im Deutschen Bundestag im persönlichen Austausch vermittelt. Beim Politischen Frühstück des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) forderte ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke mit Blick auf den spürbar sinkenden Selbstversorgungsgrad in Deutschland und die auf den Markt drängenden Importe aus Ländern mit deutlich geringeren Standards die aktive Unterstützung der Politik ein: „Mit jedem importierten Kilogramm Geflügelfleisch aus Osteuropa kommt weniger Tierschutz nach Deutschland“, mahnte er. Zugleich drohten nationale Alleingänge und weitere Verschärfungen im Umwelt- und Tierschutzrecht wichtige Entwicklungsperspektiven für tierwohlorientierte deutsche Tierhalter zu zerstören. „Wir haben schon heute beim Geflügel keine Vollversorgung mehr mit deutscher Ware“, betonte Ripke. Bei den Puten liege der Selbstversorgungsgrad bei 73 Prozent, bei den Gänsen bei erschütternd niedrigen 15 Prozent, selbst bei den Hähnchen mittlerweile deutlich unter 100 Prozent. „Wir sind bereit, in neue Ställe und mehr Tierwohl zu investieren – aber wir brauchen am Ende Ihre Hilfe“, appellierte der ZDG-Präsident an die Parlamentarier. Und skizzierte konkrete Forderungen des ZDG: eine vollständige Mehrkostenerstattung für mehr Tierwohl, eine zielgerichtete und praxistaugliche Lösung für den Zielkonflikt zwischen Tierwohl und Umweltschutz, eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Geflügelfleisch in der Gastronomie. Ripke: „Sonst drängt uns die osteuropäische Billigware im Preiskampf an die Wand.“

„Wenn sich nichts ändert, verlieren wir in den nächsten Jahren 30 Prozent der Betriebe“
„Wir stehen an einem Scheidepunkt“, forderte auch ZDG-Präsidiumsmitglied Paul-Heinz Wesjohann aus Unternehmerperspektive ein aktives Gegensteuern der Politik. Insbesondere in dem mit über 65 Prozent des Absatzes enorm relevanten Großverbrauchersegment (Restaurants, Kantinen, Großküchen etc.) verliere Deutschland täglich Marktanteile an Billigware aus Osteuropa – auch weil die Herkunft des Geflügelfleisches für den Gast nicht ersichtlich sei. Mit Blick auf Wettbewerbsverzerrungen durch einseitig hohe nationale Standards in Deutschland befürchtete Wesjohann: „Wenn wir so weitermachen, werden wir in den nächsten fünf Jahren 30 Prozent der Betriebe verlieren.“ Eindrucksvoll schilderte auch Stefan Teepker als Spitzenvertreter der deutschen Hähnchenhalter aus der Sicht des Praktikers am Beispiel von TA Luft, Dünge-Verordnung und Verbandsklagerecht, wo der Schuh drückt.

Parlamentarier bekunden hohes Maß an Wertschätzung für Geflügelwirtschaft
Aus den Reihen der Parlamentarier waren Verständnis für die schwierige Lage der Tierhalter und der Wille zur Unterstützung zu spüren. Ein „hohes Maß an Wertschätzung für die deutsche Geflügelwirtschaft und ihre Arbeit“ vermittelte Alois Gerig (CDU) als Vorsitzender des Agrarausschusses des Deutschen Bundestages. Er bekannte: „Der erschreckende Rückgang in der Selbstversorgung macht mir große Sorgen.“ Explizit wandte sich Gerig gegen weitere nationale Alleingänge und ein „Landwirts-Bashing“: „Wir brauchen eine Kampagne für unsere Landwirte! Ich will, dass die Menschen in Deutschland das essen, was aus Deutschland kommt.“

Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, verwies im Kontext der von den ZDG-Vertretern skizzierten Marktverwerfungen darauf, dass Deutschland bereits heute die höchsten Standards bei Tierwohl und Umweltschutz habe. Sie sah hier für die Wirtschaftlichkeit der deutschen Betriebe eine klare Grenze erreicht, konkret mit Blick auf die Dünge-Verordnung: „Es darf nicht zu einer weiteren Verschärfung kommen, die für die landwirtschaftlichen Betriebe nicht mehr tragbar ist!“

Dr. Gero Hocker, agrarpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, nahm auch die Verbraucher in die Pflicht. Es müsse Schluss sein mit der „Geiz-ist-geil-Mentalität“. „Es darf nicht sein, dass die deutsche Erzeugung aus dem Markt gedrängt wird – aber es muss in den Köpfen der Verbraucher auch das Bewusstsein ankommen, dass mehr Tierwohl mehr kostet!“

Impulsreferat zu globalen Auswirkungen rein veganer Ernährung
Als Einstieg in das Thema hatte Prof. P. Michael Schmitz vom Institut für Agribusiness Gießen einen Impulsvortrag zu den globalen Auswirkungen einer rein pflanzlichen Ernährung gehalten. Mit seinem Team hat Prof. Schmitz in einer aktuellen Studie untersucht, inwieweit das Ernährungsverhalten der Deutschen und nationale Verschärfungen der Tierschutz- und Umweltstandards überhaupt positive Auswirkungen auf Wirtschaft, Umwelt und Welternährung im globalen Kontext haben. Sein Fazit: „Fleischverzicht, steigende Tierwohl- und Umweltstandards und Sojaimportverbote bedrohen nicht nur die bisherigen Erfolge der Nutztierbranche, sondern auch deren Existenzfähigkeit.“ Entsprechend lautete sein klarer Appell an die Politik, nicht auf staatliche Konsum- und Produktionslenkung zu setzen, sondern stattdessen die Potenziale von Innovationen in Pflanzen- und Tierschutz, Tierhaltung und Tierernährung deutlich besser zu nutzen als bislang.

Quelle: ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.

Smart City für Bienen: Universität Graz entwickelt High-Tech-Bienenstock

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Was nach Science-Fiction klingt, soll mit neuartig entwickelter Technologie im Bienenstock bald Wirklichkeit werden: Die Bienen werden frühzeitig vor Gefahren in ihrer Umgebung gewarnt. Sie erhalten Informationen über einen bevorstehenden Wetterumschwung, der ihre Brut gefährden würde. Und sie werden ganz gezielt zu Blüten gelenkt, um die Bestäubung zu übernehmen. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Graz will eine „Smart City“ für Bienen entwickeln, um die Insekten bei der Bewältigung nachteiliger Umwelteinflüsse zu unterstützen. Das EU-Projekt HIVEOPOLIS mit einem Volumen von sieben Millionen Euro ist kürzlich gestartet und für fünf Jahre anberaumt.

Die Kommunikation zwischen Tieren und Robotern funktioniert bereits ausgezeichnet. Mit dieser Pionierleistung hat das Team rund um Thomas Schmickl, Professor für Zoologie an der Universität Graz und Leiter des Artificial Life Lab, weltweit für Furore gesorgt. In einem jüngst durchgeführten Versuch kommunizierten Bienen und Zebrafische via Roboter erfolgreich miteinander, und das sogar über die hunderte Kilometer lange Distanz zwischen Graz und Lausanne.

Nun wollen die WissenschafterInnen ihre Technik in den Bienenstock integrieren. „Unser Ziel ist es, den Insekten Technologien zur Verfügung zu stellen, die ihnen helfen, auf Veränderungen der Umwelt rechtzeitig zu reagieren“, erklärt Schmickl. Denn die Lebensräume der Honigbienen sind stark bedroht, führen zu einem massiven Sterben und zu einer folgenschweren Störung ganzer Ökosysteme.

Mit Hilfe von Sensoren soll etwa die Temperatur in der Wabe reguliert und damit die Aufzucht der Nachkommen optimiert werden. Digitale Landkarten sollen Hinweise auf Pestizide bei potenziellen Nahrungsquellen liefern und eine Warnung an den Stock senden. Roboter werden den Bienentanz – der übrigens vom an der Universität Graz tätigen Nobelpreisträger Karl von Frisch entschlüsselt wurde – imitieren und so das Bienenvolk benachrichtigen. „Wir wollen darauf Einfluss nehmen, wohin die Insekten ihre Bestäubungsflüge machen“, schildert Schmickl. Die Möglichkeiten zu einer solchen Schwarm-Kontrolle haben sie bereits im vorangegangenen Großprojekt ASSISI erforscht.

HIVEOPOLIS – also „Bienenstadt“ – wird bis 2024 gemeinsam mit fünf Partner-Hochschulen – École polytechnique fédérale de Lausanne, Freie Universität Brüssel, Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität Berlin, lettische Landwirtschaftliche Universität – und dem bulgarischen Unternehmen Bee Smart Technologies OOD umgesetzt. Interessensgruppen wie ImkerInnen, LandwirtInnen, ProgrammiererInnen, UmweltschützerInnen und PädagogInnen sollen in die Forschung eingebunden werden und bei der Entwicklung eines smarten Bienenstocks mitarbeiten.

Quelle: Karl-Franzens-Universität Graz

Initiative Tierwohl: Schweinehalter gewinnen Innovationspreis Tierwohl

Die Initiative Tierwohl (ITW) hat gestern erstmalig innovative Ideen und Projekte rund um die Schweine- und Geflügelhaltung mit dem Innovationspreis Tierwohl ausgezeichnet. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hob in einem Grußwort während der Preisverleihung das Engagement der Preisgewinner sowie der ITW für Innovation in der Landwirtschaft hervor. Die ITW zeichnete vier Landwirte aus, und zwei wissenschaftliche Projekte erhielten den Zuschlag für eine finanzielle Förderung. Die Jury bestand aus dem Beraterausschuss der Initiative Tierwohl unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, Präsident des Johann Heinrich von Thünen-Instituts.

„Wir freuen uns über die vielen innovativen Beiträge zur Verbesserung des Tierwohls in der Nutztierhaltung“, sagte Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Innovative Ideen zu etablieren ist selbst dann eine Herausforderung, wenn diese wirklich nützlich und sinnvoll sind. Wir leisten mit dem Innovationspreis Tierwohl einen Beitrag dazu, solche Innovationen zu unterstützen.“

„Innovative Ideen sorgen für mehr Tierwohl – ob nun in der konventionellen oder ökologischen Tierhaltung“, sagte Julia Klöckner, Bundesministerin des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). „Zum ersten Mal zeichnet die Initiative Tierwohl solche Ideengeber aus, die mit guten Einfällen für Verbesserungen im Stall sorgen – herzlichen Glückwunsch an alle Preisträger! Und auch mit meinem Ministerium bin ich dabei, die Ställe der Zukunft zu entwickeln. Ein Mehr an Tierwohl wollen wir zusammenbringen mit der Sicherung der wirtschaftlichen Grundlage der Landwirte. Zudem arbeiten wir zielstrebig an unserem staatlichen Tierwohlkennzeichen.“

Die Landwirtin Gabriele Mörixmann erhielt für die Idee eines Aktivstalls für Schweine den Preis für das innovativste Konzept. Den dritten Platz für erfolgreich umgesetzte Projekte in der Landwirtschaft belegte der Schweinemäster Christoph Becker für die Umstrukturierung seines Stalls, die zu mehr Bewegungsfreiheit für die Tiere führte. Er erhält dafür 5.000 EUR. Der mit 7.000 EUR dotierte, zweite Platz ging an den Landwirt Heinz Hackmann, der in seinem Stall eindrucksvoll demonstriert, wie das Konzept von Gabriele Mörixmann in der Praxis funktioniert und das Tierwohl verbessert. Den ersten Platz, der mit 10.000 EUR dotiert ist, vergab die Jury, die aus dem Beraterausschuss der ITW bestand, an den Schweinehalter Peer Sachteleben für seinen mobilen Schweinestall mit Auslaufhaltung. Neben den Preisträgern aus der Landwirtschaft gewannen zwei wissenschaftliche Projekte eine finanzielle Förderung zur Umsetzung. Den Zuschlag erhielt zum einen die Veterinärmedizinerin Dr. Birgit Spindler für die Entwicklung eines kameragesteuerten Frühwarnsystems, das gegenseitiges Verletzen von Puten erkennen soll. Zum anderen erhielt Gé Backus von Connecting Agri & Food eine Förderung für das Pilotprojekt „Kluger Stall“, bei dem es um eine innovative Lösung zum Management des Klimas in Schweineställen geht. Das Fördervolumen für die beiden wissenschaftlichen Projekte beträgt fast 400.000 EUR.

Zur Jury gehörten neben Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, der den Vorsitz innehatte, Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an. Prof. Dr. Harald Grethe (Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Peter Kunzmann (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover), Prof. Dr. Robby Andersson (Hochschule Osnabrück) und Prof. Dr. Lars Schrader (Friedrich-Loeffler Institut) übergaben als weitere Mitglieder des Jury die Preise an die Landwirte. Die ITW plant den „Innovationspreis Tierwohl“ regelmäßig auszuloben. Weiterführende Informationen finden Interessierte hier: www.innovationspreis-tierwohl.de.

Die Preisträger

Sonderpreis Aktivstall, Gabriele Mörixmann
Landwirtin Gabriele Mörixmann aus Melle in Niedersachsen hat schon so einige Erfahrungen mit unterschiedlichsten Haltungssystemen gesammelt. Im Laufe der Jahre hat sie Sauen in einem Biobetrieb gehalten, aber auch konventionell Schweine gemästet. Beide Konzepte haben sie nicht vollständig überzeugt. Ihr Wunsch: Eine Schweinehaltung, die den Spagat zwischen möglichst viel Tierwohl, Transparenz und Umweltschutz sowie einem wirtschaftlichen Betrieb bis in die Ladentheke schafft.

Familie Mörixmann fasste den Entschluss, ein völlig neues Stallkonzept zu entwickeln. Dieses sollte die Vorteile der biologischen und konventionellen Haltung kombinieren, und sich nach außen transparent darstellen. Das Ergebnis: der sogenannte Aktivstall für Schweine. Er bietet den Schweinen unterschiedliche Stroh- und Spaltenbodenbereiche, die sie selbst frei wählen können. Neben einem Fressbereich auf Spaltenboden und den Wühlbereichen mit Stroh, stehen den Tieren auch helle Stallbereiche mit Duschen und Spielzeugen, dunklere Ruhebereiche sowie Außenklimabereiche zur Verfügung. So gibt es im Aktivstall besonders viel Bewegungsfreiheit und Beschäftigungsmöglichkeiten mit doppelt so viel Platz. Erstmals umgesetzt wurde das Konzept im Jahr 2012 in einem vierzig Jahre alten Maststall der Familie Mörixmann. Als Ideengeberin berät Gabriele Mörixmann mittlerweile auch andere Landwirte, die am innovativen Stallkonzept interessiert sind. Für ihr Stallkonzept erhält sie den Innovationspreis Tierwohl.

3. Preis „Buchtenstrukturierung“, Christoph Becker
Christoph Becker betreibt seit 2010 eine konventionelle Schweinemast in der Lüneburger Heide. Im Laufe der Jahre probierte der Landwirt viele neue Ideen aus, um das Tierwohl in seinem Stall zu steigern. Die Erfahrungen haben ihm gezeigt, dass mehr Platz oder das reine Angebot von Stroh alleine nicht ausreicht.

In dem Schweinestall waren die separaten Buchten bisher an einen Mittelgang angeordnet. Diese Struktur hat Becker aufgebrochen. Anstelle von sechs Buchten für jeweils fünfzehn Tiere gibt es nun zwei große Buchten für je fünfundvierzig Schweine. Dafür wurden die Trennwände zwischen den Buchten entfernt und durch kurze Stichwände ersetzt. Die Stroh- und Futterautomaten stehen zentral an einer Stelle, wodurch eine gemeinschaftliche Futteraufnahme begünstigt wird. Zuletzt wurden die Trennwände zwischen den Buchten im hinteren Bereich entfernt. Nur noch ein Kontaktgitter trennt die beiden Bereiche voneinander ab. Nun können sich alle Schweine im Raum sehen und kennenlernen. In den Fußboden wurden Heizungsrohre eingesetzt, die den Stall erwärmen und kühlen können. Das Ergebnis: Die Weiterentwicklung der Stallabteile brachte einen spürbaren Wohlfühleffekt für die Tiere, der mit dem Innovationspreis Tierwohl ausgezeichnet wird.

2. Preis Aktivstall, Heinz Hackmann
Landwirt Heinz Hackmann betreibt seit 1989 eine Schweinemast in Hemmelte in Niedersachsen. Tierwohl war und ist ihm wichtig. Deshalb war er sofort begeistert, als er vor drei Jahren von einem neuen Stallkonzept seiner Kollegin Gabriele Mörixmann hörte, das den Schweinen besonders viel Platz, Bewegung und Abwechslung bietet. Und das in bestehenden Gebäuden. Schnell stand der Entschluss fest: auch auf seinem Hof sollte es einen sogenannten „Aktivstall“ geben.

Um das Konzept in einem alten Stall der Schwiegereltern umzusetzen, reichten kleinere Umbaumaßnahmen aus. Mit großer Wirkung: So bietet der Stall heute 240 Tieren vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten, viel Platz und Tageslicht. In den fünf unterschiedlichen Stallbereichen wechseln sich Spaltenböden und Stroh ab. Es gibt Liege- und Spielbereiche, Scheuerbalken, Sisalseile, Bürsten und Ketten mit Weichhölzern. Auch zum Fressen und Saufen müssen die Schweine aktiv werden, um die Tränken und Futterstellen zu erreichen. Das Verhalten der Tiere in der Gruppe hat sich verbessert, sodass auf das vorsorgliche Kürzen der Schwänze meist verzichtet werden kann. Das Konzept für mehr Tierwohl und Tiergesundheit überzeugt Heinz Hackmann. Deshalb plant er, weitere Aktivstall-Mastplätze zu schaffen. Mit seiner Umsetzung des Aktivstalls hat er auch die Initiative Tierwohl überzeugt und erhält deshalb den Innovationspreis Tierwohl.

1. Preis „Mobile Auslaufhaltung“, Peer Sachteleben
Peer Sachteleben betreibt seit gut einem Jahr den Schlehbaumhof im niedersächsischen Osnabrück. Ihm ist das Wohl seiner Tiere sehr wichtig. Daher machte sich der Landwirt von Anfang an intensive Gedanken darüber, wie die Schweinhaltung auf seinem Hof aussehen könnte. Sachteleben beschäftigte unter anderem die Frage, wie er seinen Tieren genügend Auslauf bieten kann, und dabei dennoch die strengen Vorgaben des örtlichen Veterinäramtes einhält.

Sachteleben entwickelte eine Auslaufhaltung in mobilen Schweineställen. Sie kombiniert Vorteile einer Stall- und Freilandhaltung. Im mobilen Stall steht den Tieren ein geschützter Raum mit großen Liegeflächen, verschiedenen Klimazonen und einer fest installierten Wasser- und Futterversorgung zur Verfügung. Neu ist, dass die Ställe fahrbar sind und sich mit den Tieren an Board als Anhänger ziehen lassen. Das ermöglicht dem Landwirt, die Ställe auf unterschiedliche Weideflächen umzustellen und den Tieren so einen Zugang zu großem Auslauf im Freiland zu bieten. Durch einsetzbare Türelemente erfüllen sie auch die strengen Vorgaben zum Seuchenschutz. Für die gelungene Umsetzung seiner Idee wird Peer Sachteleben mit dem Innovationspreis Tierwohl ausgezeichnet.

Empfänger von Fördergeldern

Projekt 1: Kluger Stall, Gé Backus, Connecting Agri & Food
Nur wenige wissen, dass ein optimales Stallklima erheblich zu einer guten Tiergesundheit und weniger Stress beiträgt. Häufig wissen Landwirte, beispielsweise Schweinehalter von Mastschweinen und Ferkeln, gar nicht so genau, wie es um das Klima in den verschiedenen Abteilungen ihrer Ställe eigentlich bestellt ist. Dabei führen gesunde Tiere letztendlich auch zu besseren finanziellen Ergebnissen eines landwirtschaftlichen Betriebes.

Gé Backus von Connecting Agri & Food, einer der beiden Gewinner in der Kategorie „Projektförderung in der Praxis – Wissenschaft“ ist auf dieses Problem aufmerksam geworden. Als Direktor von Connecting Agri & Food, einem Unternehmen, das mit Beteiligten der Lieferkette im Agrar- und Lebensmittelsektor zusammenarbeitet, hat er regelmäßig mit Menschen zu tun, die in der Landwirtschaft arbeiten.

„Mir ist in meinen Gesprächen aufgefallen, dass viele Landwirte die Bedeutung eines guten Stallklimas gar nicht genau kennen. Das Klima nimmt einen großen Einfluss auf das Verhalten der Schweine und ihre Gesundheit. Mit unserem System ‚Kluger Stall‘ wollen wir Landwirten ein Tool an die Hand geben, dass ihnen die Überwachung der nötigen Richtwerte erleichtert“, erklärt Gé Backus seine Motivation für das Projekt.

Stabiles Klima sorgt für weniger Stress
Um das Klima in einem Schweinestall einschätzen zu können, sind vor allem vier Richtwerte ausschlaggebend: neben Temperatur und Luftfeuchtigkeit außerdem der Kohlendioxidgehalt (CO2) sowie der Ammoniakgehalt (NH3). Diese Werte können sowohl innerhalb als auch zwischen verschiedenen Tagen erheblich voneinander abweichen. Optimal sind dagegen möglichst stabile klimatische Bedingungen, und niedrige Werte für NH3. Ein wichtiger Nebeneffekt eines optimalen Klimas: Durch die geringere Stressbelastung der Tiere nimmt die Wahrscheinlichkeit von Problemen wie dem Schwanzbeißen ab. Im Idealfall könnte auf diesem Wege sogar auf das vorsorgliche Kupieren der Schwänze bei Ferkeln verzichtet werden.

Zusammen mit dem ICT-Unternehmen Whysor hat Gé Backus‘ Unternehmen eine technische Lösung entwickelt, die das Stallklima im Blick behält. Sie soll es Schweinehaltern ermöglichen, jederzeit Einblick in die klimatischen Bedingungen der Ställe ihrer Ferkel und Mastschweine zu erhalten und, wenn nötig, aktiv zu werden. Dazu werden zunächst Sensoren in den Ställen angebracht, die im Minutentakt Messwerte an das „Kluger Stall“-Dashboard senden. Hier werden sie übersichtlich für den Landwirt aufbereitet. Die Werte können zusätzlich auf Smartphone, Tablet oder PC abgerufen werden.

„Kluger Stall“ – Ein Stall, der mitdenkt
Im zweiten Schritt werden für jeden Betrieb individuelle Schwellenwerte festgelegt. Werden diese überschritten, löst eine Alarmfunktion aus. Der Landwirt erhält eine Benachrichtigung auf sein Smartphone, kann so aktuelle Extremsituationen erkennen und direkt auf diese reagieren. Die Software hat noch weitere Funktionen: So kann sich der Landwirt tägliche Zusammenfassungen, grafische Darstellungen der Messwerte und einen Klimareport anzeigen lassen. Außerdem wird den teilnehmenden Landwirten der Vergleich mit den anderen Mitgliedern einer Erzeugergemeinschaft ermöglicht.

Ziel des Projektes ist es, mithilfe moderner Tools das Verständnis der Schweinehalter für das Klima in den Ställen zu vermitteln und ihnen zu helfen, zukünftig Fehler in der Klimaführung ihres Stalls zu vermeiden. Bereits seit Dezember 2017 ist das Projekt praxisfertig, nun kann es in einem ersten Pilotprojekt getestet werden: Mit seinem Pilotprojekt „Kluger Stall“ konnte Gé Backus die Jury überzeugen und erhält eine Projektförderung mit Vollfinanzierung für ein Pilotprojekt mit ca. 30 Teilnehmern.

Projekt 2: Automatisches Frühwarnsystem zur Detektion von Verletzungen bei Puten, Dr. med. vet. Birgit Spindler
Verletzungen der Tiere in Putenställen, hervorgerufen durch gegenseitiges Bepicken, haben vielfältige Gründe – ein zu eng besetzter Stall ist nur ein möglicher davon. Ein automatisches Frühwarnsystem soll deshalb dazu beitragen, Verletzungen bei Puten schneller aufzuspüren. Entwickelt wird das System unter der Leitung von Dr. med. vet. Birgit Spindler, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und Leiterin der Arbeitsgruppe Tierschutz am Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie.

Das von Dr. med. vet. Birgit Spindler zu entwickelnde, kamerabasierte Frühwarnsystem soll es ermöglichen, erste Anzeichen von Kannibalismus-Verletzungen in Putenställen frühzeitig zu erkennen. Landwirte erhalten so die Möglichkeit, sich umgehend um die verletzten Tiere zu kümmern.

„Wir haben festgestellt, dass ein frühzeitiges Eingreifen bei ersten Anzeichen von gegenseitig zugefügten Pickverletzungen in Putenherden die Anzahl der betroffenen Tiere stark reduzieren kann. Dabei trägt die frühzeitige Detektion von verletzten Tieren durch eine kontinuierliche Überwachung erheblich zur Verbesserung von Tierwohl und Tiergesundheit bei“, erläutert Dr. med. vet. Spindler die Vorteile ihres Systems.

Nicht nur in der Intensivtierhaltung: Kannibalismus im Putenstall
Mit einer Prävalenz von bis zu 13 Prozent ist das Auftreten von Kannibalismus, also das gegenseitige Bepicken, in der Putenmast ein ernstzunehmendes Tierschutzproblem. Der Begriff Prävalenz stellt die Häufigkeit von erkrankten Tieren zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitabschnitt dar. Die Verhaltungsstörung, die diesem Fehlverhalten zugrunde liegt, kann bei Puten in allen Haltungsformen vorkommen – von Intensivtierhaltung bis Bio. Bisher ist es in den meisten Haltungsformen üblich, die Schnäbel der Puten vorsorglich zu kürzen und so die Schäden durch Pickverletzungen zu minimieren. Um zukünftig auf diese Maßnahme verzichten zu können, gilt es neben der Suche nach den Auslösern, das Management und die Haltung der Tiere zu optimieren.
Das Frühwarnsystem basiert auf der Idee, Bilder aus dem Stall auszuwerten und einzuordnen. Im Zuge der Bildverarbeitung kommen sogenannte neuronale Netze zum Einsatz. Die Funktionsweise von künstlichen, neuronalen Netzwerken kann wie Nachahmung von Informationsverarbeitung im Gehirn auf technischem Weg beschrieben werden.. Solche Netzwerke werden aktuell bereits genutzt, um Verletzungen bei einzelnen Schweinen festzustellen. Jetzt soll untersucht werden, ob die Erweiterung des Verfahrens auf größere Tiergruppen, wie sie beispielsweise in einer Putenmast vorkommen, möglich ist.

Ein intelligentes System, das bei Gefahr Alarm schlägt
Zu Beginn des Projektes muss das zu entwickelnde, lernfähige System mit Bildmaterial von gesunden Puten im Normalzustand und mit Tieren mit Verletzungen trainiert werden. Das über mehrere Mastdurchgänge zusammengestellte Material wird anschließend in Einzelbilder zerlegt und manuell analysiert. Werden verwundete Tiere erkannt, wird die Verletzung markiert und im System hinterlegt. Auf diese Weise wird das neuronale Netzwerk trainiert, sodass das System zukünftig das aufgenommene Bildmaterial selbstständig auswerten und in Echtzeit verarbeiten kann.

Anders als bei den momentan vorgeschriebenen Kontrollgängen, , hat der Landwirt, unterstützt durch das System, einen lückenlosen Überblick über die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Tiere und erhält bei Abweichungen von den Normalwerten umgehend eine Benachrichtigung. So kann der Landwirt schnell eingreifen und, wenn nötig, betroffene Tiere von der Gruppe trennen. Kleine, augenscheinlich unauffällige Verletzungen können in der Putenmast in kürzester Zeit zu massiven Problemen führen. Die Wahrscheinlichkeit, diese zu übersehen, ließe sich durch das Frühwarnsystem stark minimieren. Mit ihrem Konzept konnte Dr. med. vet. Birgit Spindler die Jury der Initiative Tierwohl überzeugen und erhält eine Projektförderung mit Vollfinanzierung in Höhe von 228.736 Euro.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

BTK lehnt Verordnungsentwurf des BMEL zur Ferkelkastration entschieden ab

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Bei der Frühjahrs-Delegiertenversammlung der Bundestierärztekammer (BTK) am 29./30. März 2019 in Berlin verabschiedeten die Delegierten eine Erklärung, in der sie den „Entwurf einer Verordnung zur Durchführung der Narkose mit Isofluran bei der Ferkelkastration durch sachkundige Personen“ (FerkNarkSachkV) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) entschieden ablehnen.

Eine Narkose sei immer mit einem Risiko verbunden und beim Tier, ebenso wie beim Menschen, ein hochkomplexer Vorgang, der nicht nur die Durchführung, sondern auch die Vorbereitung, Überwachung und Nachsorge des Patienten umfasse, schreibt die Kammer in ihrer neuesten Pressemitteilung.

„Auch das Erkennen und Behandeln von Narkosezwischenfällen, wie Atemdepression oder Herz-Kreislaufstillstand, erfordern tierärztlichen Sachverstand“, erklärte BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann. Voraussetzung dafür sei das Studium der Tiermedizin. Nicht ohne Grund sei in Deutschland die Durchführung von Narkosen bei Wirbeltieren Tierärzten vorbehalten (§ 5 Tierschutzgesetz). Die Bundesregierung plane nun aus rein wirtschaftlichen Interessen eine Änderung dieser Situation.

Nach dem Entwurf der FerkNarkSchkV solle Tierhaltern die Durchführung einer Anästhesie in einem 6-stündigen Crashkurs vermittelt werden, schreibt die Standesvertretung weiter. Die dafür notwendige Sachkunde, die Veterinäre im langjährigen Studium erwerben, könne so keinesfalls erlernt werden. „Die Bundesregierung nimmt Schmerzen, Leiden und den Tod von Ferkeln bewusst in Kauf und verstößt somit gegen das Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz.“

Zusätzlich würde durch die Narkose mit Isofluran die Umwelt belastet, denn Isofluran sei ein Treibhausgas, das die Ozonschicht zerstöre. Außerdem träten arbeitsschutzrelevante Belastungen für den Anwender auf. Unwohlsein und Übelkeit seien dabei die geringsten Beeinträchtigungen, denn auch die Schädigung der Leber, anaphylaktische Reaktionen und Herzstillstand seien einige der bekannten Nebenwirkungen bei der Arbeit mit dem Narkosegas.

„Die Delegierten der BTK protestieren aufs Schärfste gegen die durch die Bundesregierung präferierte Durchführung der Narkose mit Isofluran bei der Ferkelkastration durch andere sachkundige Personen als Tierärzte“, heißt es zum Schluss.

Die ausführliche Stellungnahme der BTK und des Bundesverbands der beamteten Tierärzte (BbT) zum Verordnungsentwurf finden Sie hier.

Quelle: Bundestierärztekammer

Wie das Kapazitätsproblem zu bewältigen wäre, wenn nur Tierärzte Ferkel kastrieren dürften, sagt die Kammer nicht. Dass der Eberfleisch-Anteil kurzfristig und drastisch steigerbar wäre oder die Immunokastration, 20 Jahre nach ihrer Markteinführung, einen plötzlichen Siegeszug starten könnte, ist aber eher unwahrscheinlich.

Sicher sind die Apparaturen zur Isofluran-Betäubung, etwa die Masken, noch verbesserungswürdig, aber besser als die „Dänische Methode“ ist die Gasbetäubung sicher. Laufende Forschungsprojekte zur Ferkelkastration werden garantiert nicht bis zum 31.1.2 2020 abgeschlossen und mögliche neue Substanzen ebenso sicher nicht zugelassen sein.

Langfristig mögen, dank gentechnischem Sexing, nur noch weibliche Schweine zur Welt kommen, bis dahin vergehen aber noch etliche Jahre. In der Humanmedizin werden in Zukunft medizinische Hilfskräfte kleinere Eingriffe routinemäßig vornehmen, unterstützt durch entsprechende Technik. Sollte also vielleicht der hauptberufliche Kastrierer, nach 3- oder 6-monatiger Ausbildung, im Schweinestall zum Zuge kommen?

Denkbar und diskussionswürdig ist sicher manches, fest steht aber eins: der Termin für das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration.

Ferkelkastration unter Isofluran-Narkose – rechtzeitig vorausplanen!

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Nach der Entscheidung von Bundestag und Bundesrat die Übergangsfrist für die betäubungslose Ferkelkastration um zwei Jahre zu verlängern, hat das BMEL, mit einem Referentenentwurf zur Vollnarkose mittels Isofluran die Umsetzung einer Alternativmethode zur betäubungslosen Ferkelkastration auf den Weg gebracht.

Insbesondere von den kleinen und mittleren Betrieben werde eine Alternative, mit der Ferkel weiterhin chirurgisch kastriert werden können, als unabdingbar gesehen, so das Ministerium.

Die Verordnung soll vor Ende des Jahres in Kraft treten und im Haushalt des BMEL sind Mittel für die Förderung der Anschaffung der Narkosegeräte durch die Landwirte vorgesehen.

Ab Januar 2020 können dann entsprechende Schulungen angeboten werden. Nach erfolgreichem Abschluss eines theoretischen Teils, folgt eine Praxis-Einweisung (die auch der Hoftierarzt im eigenen Betrieb vornehmen kann) und abschließend eine praktische Prüfung.

Insgesamt sind zwar zwölf Monate Zeit für alle Lehrgangstermine, wie viele Anbieter (in welchen Regionen) es geben wird, ist allerdings noch offen. Auch werden vermutlich Ferkelerzeuger, die auf Ebermast oder Kastration durch den Tierarzt setzen, aus Sicherheitserwägungen an einem Isofluran-Kurs teilnehmen.

Deshalb ist es bestimmt ratsam, dass sich jeder Ferkelerzeuger mit der Methode auseinandersetzt. Selbst wenn sich z. B. nur jeder 3. oder 4. Betrieb für Isofluran entscheidet, erscheint eine frühestmögliche Anmeldung sinnvoll, um am 1.Januar 2021 gewappnet zu sein.

Der gesamte Referentenentwurf inklusive Erläuterungen ist hier nachzulesen.

Sensorgestütztes Frühwarnsystem für tierischen Stress

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Ein sensorgestütztes Frühwarnsystem für tierischen Stress steht im Fokus einer Ausgründung von ATB-WissenschaftlerInnen. Zentrales Element ist ein neuartiger Sensor zur Messung der intranasalen Druckdifferenz beim Ein- und Ausatmen. Ein EXIST-Stipendium unterstützt ab dem 1. April 2019 die GründerInnen dabei, ihre innovative Geschäftsidee eines ganzheitlichen Gesundheitsmonitorings in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung zur Marktreife weiter zu entwickeln.

Unterstützt durch ein EXIST-Gründerstipendium und begleitendes Mentoring seitens des ATB wagen zwei junge Wissenschaftlerinnen des ATB gemeinsam mit einem Softwareentwickler den Schritt in die Selbständigkeit. Motiviert und inspiriert durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Milchviehhaltung wollen Saskia Strutzke und Sarah Jahn mit der geplanten Unternehmensgründung ein „System zur automatischen Detektion umfassender Gesundheitsparameter von Nutztieren“ zur Marktreife weiter entwickeln.

Die Idee für ein Messgerät, das die Atemfrequenz bei Milchkühen automatisch, kontinuierlich und zuverlässig misst, hatte Saskia Strutzke im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Tierwohl am ATB entwickelt. „Bislang mussten wir die Atemfrequenz als wichtigen Hitzestressindikator visuell mit der Stoppuhr erfassen“, erinnert sie sich. Daraufhin entwickelte sie eine Methode, die Atemfrequenzmessung zu automatisieren.

Zentrales Element des Systems ist ein neuartiger Sensor zur intranasalen Druckdifferenzmessung, der durch eine spezielle Haltevorrichtung an der Nase des Tieres befestigt wird. „Die Anbringung ist unkompliziert und nicht invasiv. Unsere Vorversuche haben gezeigt, dass der Sensor die Tiere in ihrem Verhalten nicht beeinträchtigt“, erklärt Saskia Strutzke.

Das Sensorsystem erfasst neben der Atemfrequenz auch weitere Stressindikatoren wie das Atemverhalten, nimmt Lautäußerungen und Wiederkauraten auf und detektiert darüber hinaus auch das Tierverhalten. Zudem will das Gründerteam das Spektrum der erfassten Vitalparameter als ergänzende Informationen für das ganzheitliche Gesundheitsmonitoring durch Integration weiterer Sensordaten erweitern. Die Daten werden in einer speziellen Software zusammengeführt und können, anschaulich und übersichtlich aufbereitet, vom Tierhalter über das Smartphone oder Tablet einfach per App abgerufen werden. Informationen zu Stressbelastungen der Herde, beispielsweise Hitzestress, oder zum aktuellen gesundheitlichen Zustand einzelner Tiere, z. B. im Fall einer bevorstehenden Geburt, erreichen den Tierhalter so auch fernab des Hofes. Treten deutliche Abweichungen über einen längeren Zeitraum auf, erhält der Landwirt per App eine Warnmeldung.

„Für Landwirte wird diese Form der Gesundheitsüberwachung das Management deutlich erleichtern“, so Saskia Strutzke. „Sie bekommen damit ein Frühwarnsystem, das meldet, sobald sich physiologische Werte ihrer Tiere in einer kritischen Weise verändern und nicht erst dann, wenn Leistungseinbrüche in Folge von gesundheitlichen Problemen den Produktionsablauf und gar die Wirtschaftlichkeit des Betriebes gefährden.“

Ein erster Prototyp, der in der Lage ist, Wiederkaurate, Atemfrequenz und Lautäußerung zuverlässig zu messen, wurde erfolgreich getestet. Das Patent (DE 10 2017 130 454.1) zu „System und Verfahren zur Messung einer Druckdifferenz“ wurde Ende 2017 angemeldet und ist derzeit in Überprüfung. Das ATB ist an der Gemeinschaftserfindung zu 50 % beteiligt.

Für ihre innovative Idee eines ganzheitlichen Gesundheitsmonitorings mit Hilfe des neuen Sensorsystems erhielt Saskia Strutzke 2018 den Förderpreis der Agrarwirtschaft. „Diese Auszeichnung und die Resonanz auf den vorgestellten Sensor hat mich darin bestärkt, die Ausgründung anzugehen“, erläutert Saskia Strutzke. „Wir denken da auch an weitere Anwendungsbereiche. Wenn wir das System mit einer tierartspezifischen Haltevorrichtung ausstatten, kann es künftig nicht nur bei Rindern, sondern auch bei Pferden oder selbst bei Hunden zum Einsatz kommen. Gerade der Einsatz bei Pferden zur ganzheitlichen Überwachung, zur Geburtsterminierung oder zu Trainingszwecken ist vorstellbar.“

Das EXIST-Stipendium fördert die GründerInnen für die Dauer eines Jahres, um die Gründung des Unternehmens bestmöglich vorzubereiten, d. h. das Produkt weiter zu entwickeln, Marktakzeptanz zu erlangen und einen Businessplan zu erstellen. Das ATB unterstützt die Ausgründung mit Infrastruktur und fachlicher Expertise. Potsdam Transfer, die zentrale Anlaufstelle der Universität Potsdam für Gründungen aus der Wissenschaft, bietet zudem begleitende Unterstützung und Beratung im Rahmen des Gründungsnetzwerks. Die Unternehmensgründung ist für das erste Quartal 2020 geplant.

EXIST ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und wird durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) kofinanziert. Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt Studierende, AbsolventInnen und WissenschaftlerInnen aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die ihre Gründungsidee realisieren und in einen Businessplan umsetzen möchten. Bei den Gründungsvorhaben handelt es sich um innovative technologieorientierte oder wissensbasierte Projekte mit signifikanten Alleinstellungsmerkmalen und guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten.

Quelle: Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)