Auch in der Schweiz ist Antibiotika-Reduktion in der Nutztierhaltung ein heißes Thema. In enger Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat der Schweizer Kälbergesundheitsdienst (KGD) ein spezielles Forschungsprogramm für die Kälbermast gestartet und vergleicht die Einstallung von „Gesundheitstränkern“ mit herkömmlich aufgezogenen Tränkern (Tränker = Kalb von ca. 75 kg ab Geburtsbetrieb).
Konkret geht es um die Optimierung von Haltung, Fütterung und um die Impfung des Kalbes in den ersten Lebenswochen, wie Dr. Corinne Bähler, Kälberspezialistin beim KGD, im Interview erläutert. Kolostrum-Versorgung, ad libitum Versorgung mit Milch, Selen- und Eisengaben sowie die Impfung gegen Rindergrippe bereits am 7. Lebenstag gehören zum Programm.
Die Faktorenkrankheit „Rindergrippe“ steht im Fokus und die Impfung auf dem Geburtsbetrieb stellt einen Teil der Untersuchungen dar. Ob die Impfung auf dem Geburtsbetrieb in der Praxis tatsächlich nur Vorteile bringt, ist eine der entscheidenden Fragen. Kommt ein Kalb etwa schon vor der Impfung in Kontakt mit den Erregern der Rindergrippe, kann die Krankheit durch die Impfung ausbrechen bzw. sich verschlimmern. In einem weiteren Projekt testet der KGD, wann der beste Zeitpunkt für die Erstimmunisierung sowie ob und wann Boostern nötig ist.
Die Gesundheitstränker laufen im Feldversuch bereits seit 18 Monaten, während die wissenschaftliche Begleitung vor einem halben Jahr startete. Hierbei wird jeweils ein Gesundheitstränker mit einem herkömmlich aufgezogenen Kalb vom gleichen Geburtsbetrieb verglichen. Die Ergebnisse der Studie sollen in etwa einem Jahr vorliegen.
Ganz entscheidend sei aber auch die wirtschaftliche Seite, betont die Tierärztin „Es muss Anreize bzw. einen Return-on-Investment für den Geburtsbetrieb sowie für den Mastbetrieb geben, wenn das System der Gesundheitstränker Erfolg haben soll.“
Während der Projektphase erhalten die Geburtsbetriebe CHF 70.- zusätzlich. Die Studie soll u.a. zeigen, ob diese Mehrkosten sich für den Züchter wie für den Mäster rechnen, denn in der schweizerischen Schweinebranche ist es heute schon üblich, dass die Impfkosten zwischen Zucht- und Mastbetrieben zu gleichen Teilen getragen werden.
Auch auf den Antibiotikaeinsatz generell geht Corinne Bähler im Gespräch ein: „Sie sind als Tierarzt ein Held, wenn Sie weniger Antibiotika verschreiben (müssen).“ Leicht nachvollziehbar, wenn Behandlungskosten von 20,- oder 30,- Franken einem Verkaufserlös von CHF 120,- pro Kalb gegenüberstehen.
Hier das komplette Interview mit Dr. Corinne Bähler:
Der Milchmarkt hat sich 2017, bei zunächst reduziertem Rohstoffaufkommen, weiter erholt. Die Produktmärkte drifteten aber stark auseinander. Während sich Milchfett extrem verteuerte, blieb die Eiweißseite schwach. Die steigenden Erzeugerpreise brachten die Milchproduktion wieder auf Wachstumskurs.
Anfang 2018 hat ein weiterhin hohes Milchaufkommen den Marktverlauf bestimmt. Die Erzeugerpreise gaben im Zuge der Preisrückgänge an den Produktmärkten kräftig nach. Zudem verstärken sich wirtschaftliche wie auch politische Unsicherheiten. Auch die externen Forderungen an die Produktion nehmen zu. Wie geht es vor diesem Hintergrund weiter? Kann die Nachfrage das zusätzliche Angebot aufnehmen? Welche Rolle spielt dabei China?
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Landwirte stehen vor großen Herausforderungen. Die Gesellschaft erwartet viel und die Gesetzgebung wird mehr. Heutzutage ist ein Bauer nicht nur jemand, der sich um Tiere kümmert, er ist mehr und mehr ein Unternehmer, der alles wissen muss. Ich bin davon überzeugt, dass wir viel tun können, um den Tierschutz zu verbessern und dem Landwirt das Leben zu erleichtern.
Zunächst sehe ich, dass es einen großen Fokus auf das Messen von Daten gibt, aber nicht auf praktische Lösungen. Eine Zunahme des Messens und der Daten von Sensoren geben uns einen schnelleren und besseren Einblick, was schief gehen könnte. Wir vergessen jedoch, dem Landwirt zu helfen, die zugrunde liegenden Probleme zu lösen. Praktisches Training ist hier der größte Gewinn. Es gibt kaum einen Beruf, der so wenig Aufmerksamkeit für eine kontinuierliche Ausbildung hat wie der Agrarsektor. Landwirte sollten häufiger neue Einsichten erhalten und praktische Lösungen teilen.
Als nächstes sollten wir meiner Meinung nach mehr Aufwand in die Prävention investieren. Als Tierarzt musste ich oft dieselben Krankheiten behandeln. Sehr unbefriedigend, da ich genau weiß wo die Ursachen liegen. Für mich ist es viel interessanter, sich darauf zu konzentrieren, wie wir Krankheiten vorbeugen können.
Schließlich glaube ich, dass Berater ein breiteres Verständnis von Faktoren außerhalb des eigenen Fachgebiets erlangen sollten. Futterberater sollten nicht nur die perfekte Ration kennen, sondern auch wissen, wie Management und Haltung die Futteraufnahme beeinflussen. Tierärzte und Hufpfleger sollten sich darüber im Klaren sein, wie man Krankheiten und Lahmheiten vorbeugen und nicht nur behandeln kann. Alle Berater sollten auch in der Lage sein, über die wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Vorschläge zu sprechen. Ein Bauer muss wirtschaftlich arbeiten.
Wenn wir diese drei Ausgangspunkte beachten:
• Nicht nur Daten messen, sondern auch praktische Lösungen im Fokus haben;
• mehr Aufwand in die Prävention einbringen;
• ausgehen von einem breiten Blickwinkel, der Gesundheit, Management, Haltung, Fütterung und Wirtschaftlichkeit umfasst.
Es gibt 5 Themen, die uns helfen können, den Tierschutz und das Wohlergehen der Landwirte zu verbessern.
1. Die Kuhsignale erkennen
Beginne mit der Grundlage. Landwirte und ihre Mitarbeiter sollten in der Lage sein, alle Kuhsignale zu erkennen und verstehen, was diese Signale verursacht. Nur so können sie an der Prävention arbeiten. Ich glaube, dass es viel zu gewinnen gibt, wenn man praktische Ideen unter Landwirten austauschen kann. Nur so können wir sicher sein, dass Lösungen durchführbar sind und das das Wohlergehen der Landwirte verbessert wird. Ich sage immer: Bauern lernen von Bauern!
2. Stressfreier Umgang mit Tieren
Mit Vieh zu arbeiten ist gefährlich. Die Forschung zeigt, dass immer noch viele Unfälle passieren. Ein Teil dieser Unfälle kann verhindert werden, wenn Menschen vorhersehbar und stressfrei mit Kühen umgehen. Wir sehen auch, dass ein ruhiger Umgang die Lahmheit reduziert und somit die Milchproduktion erhöht. Es gibt einfache Techniken, von denen nur wenige wissen.
3. Aufzucht junger Bestände
Gut begonnen ist halb erledigt. Totgeborene Kälber sind ein ernstes Problem, für das Krankheitsprävention die einzige Lösung ist. Durchfall- und Hustenkälber kosten den Bauern ohnehin viel Zeit und Geld. Sie wollen keine beeinträchtigten Lungen und Därme. Kälber, die gesund bleiben, geben mehr Milch und leben länger als Milchkuh. Wir sehen, dass die Kosten für die Jungviehaufzucht auf einer gut geführten Farm etwa 3 Cent pro Liter Milch betragen, während sie auf einem schlecht bewirtschafteten Bauernhof 5 Cent betragen.
4. Fokus auf Futter
Pansen-Azidose ist der stille Killer unserer Kühe. Futter ist ein wichtiger Faktor, um Kühe gesund zu halten. Die Fütterung wird oft den Futterberatern überlassen, die eine ausgezeichnete Kenntnis der Futterqualität haben. Der Einfluss von Management und Haltung wird jedoch oft vergessen. Es wäre gut für Landwirte und Berater, sich zu diesen Themen zu schulen.
5. Fokus auf Menschensignale
Egal, wie viel Wissen Sie als Berater haben, Sie müssen die Signale der Menschen genauso gut erkennen. Nur dann können Sie die zugrunde liegenden Probleme entdecken, den Widerstand verfolgen und dem Landwirt helfen, nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Das Gleiche gilt für die Landwirte und Ihre Mitarbeiter. Es zeigt sich im Tierwohl und in der Arbeitseffizienz, wenn Sie Ihre Mitarbeiter auf das gleiche Niveau bringen.
Über CowSignals
CowSignals zielt darauf ab, das Wohlergehen der Milchkühe zu verbessern und die Arbeitszufriedenheit und das Einkommen der Bauern zu erhöhen. Wir bieten Milchbauern, Tierärzten, Futterberatern, Stalldesignern, Besamungsstationen und Hufpflegern praktische Schulungen an. Diesen Juni organisieren wir 4 offene Trainings:
19. Juni Stressfreier Umgang mit Tieren
20. Juni Jungviehsignale
21. Juni Fütterungssignale
22. Juni Menschensignale
Sprache: Englisch
Taumelnde Kühe, Angst vor Ansteckung beim Konsum von Rindfleisch – die Krise um die Gehirnkrankheit BSE, den sogenannten „Rinderwahn“, hielt um die Jahreswende 2000/2001 ganz Europa in Atem. Die europäische Kommission verbot daraufhin das Verfüttern von Tiermehl aus verarbeiteten Schlachtabfällen an Stalltiere. Damit wurde die Infektion mit den gefährlichen BSE-Erregern erfolgreich unterbunden – es traten kaum noch Fälle von Rinderwahn in Europa auf.
Doch Landwirte müssen bei der Aufzucht von Schlachttieren auf proteinreiches Kraftfutter nicht völlig verzichten: Denn bestimmte tierische Produkte – sogenannte verarbeitete tierische Proteine – dürfen dem Futter nach wie vor beigemischt werden oder wurden wieder zugelassen. So dürfen etwa Kälber bis zum Absetzalter mit Fischmehl gefüttert werden, ebenso ist Fischmehl zur Verfütterung an Schweine oder Hühner zulässig. Generell darf Tiermehl, das von Wiederkäuern stammt, nicht verfüttert werden. Weil die verschiedenen Futterarten aber oft in der gleichen Fabrik hergestellt werden, entsteht ein Risiko für Verunreinigungen — von bewussten illegalen Beimischungen in krimineller Absicht ganz abgesehen. „Es ist also notwendig, Kontrollen durchzuführen“, sagt Biochemiker Dr. Oliver Pötz vom NMI, „die selbst in kleinsten Spuren tierischen Proteins die Tierart erkennen können.“ Auch sollte die Methode beispielsweise Milch von Fleisch oder Blut unterscheiden können, denn Milchprodukte sind selbst im Rinderfutter durchaus erlaubt. Ideal wäre es, wenn man darüber hinaus auch die Menge der Verunreinigung bestimmen könnte. Denn nur so können Grenzwerte überprüft werden, die die EU-Kommission künftig festsetzen will.
Bisher in den Futtermittellaboren und Untersuchungsämtern eingesetzte Nachweisverfahren leisten all das nicht: Mit dem Mikroskop kann man nur recht grobe Verunreinigungen wie Knochensplitter oder Federn entdecken. Selbst moderne genetische Verfahren, bei denen die aus dem Futter extrahierte und vervielfältigte DNA analysiert wird, haben ihre Grenzen: Sie unterscheiden beispielsweise nicht zwischen Kuhmilch und Rindfleisch. „Man muss also auf die Analyse der Proteine setzen“, sagt Dr. Pötz. „Und da die Tiermehle hochverarbeitet sind, muss man mit Proteinbruchstücken arbeiten, sogenannten Peptiden.“
Pötz hat Erfahrung mit Peptidanalysen; seine Arbeitsgruppe am NMI und das von ihm gegründete Unternehmen Signatope setzen sie bisher zum Nachweis von Nebenwirkungen während der Medikamentenentwicklung ein. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Verbundprojekts „Animal-ID“ arbeiten sie zusammen mit zwei Berliner Partnern, dem Bundesinstitut für Risikobewertung sowie dem Institut für Produktqualität, daran, ihre Methoden auf die Analyse von Fleischprodukten und Futtermitteln zu erweitern. Eine erste Veröffentlichung dazu erschien jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Analytical Chemistry“ (Anal. Chem., 2018, 90 (6), pp 4135–4143).
Proben käuflicher Viehfutter-Produkte wurden von den Wissenschaftlern mit Tiermehlen verschiedener Herkunft gemischt und untersucht. Zunächst wurden die darin enthaltenen Proteine mithilfe des Enzyms Trypsin vorverdaut, um lösliche Peptide zu erhalten. Dann wurden Antikörper eingesetzt, die das NMI speziell entwickelt hat. Diese fischten vier Peptide aus potenziell gefährlichem Rindertiermehl gezielt aus der Mischung heraus. Anschließend wurde mit einer Kombination aus Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie die Menge der Zielpeptide zuverlässig bestimmt. „Wir erreichen jetzt eine Nachweisgrenze von einem Gramm Rindermehl in einem Kilo pflanzlichem Rinderfuttermittel“, versichert Andreas Steinhilber, Erstautor und Doktorand am NMI.
Doch beim Nachweis verbotener Rinderproteine soll es nicht bleiben. „Zurzeit erweitern wir die Methode, um für jede Tiermehlprobe die verwendeten Tierarten eindeutig nachzuweisen“, sagt Pötz. Mit dem gleichen Verfahren könnte in Zukunft auch festgestellt werden, ob beispielsweise Pferdefleisch in der Lasagne nicht-deklariert untergemischt wurde, wie 2013 geschehen. Die Firma Signatope soll das Verfahren zur Marktreife entwickeln und kommerziell verwerten.
Prof. Dr. Hugo Hämmerle, Leiter des NMI, hält die Arbeit für einen Meilenstein in der Lebensmittelsicherheit. „Allein in Deutschland fallen bei Schlachtungen jährlich zwei bis drei Millionen Tonnen Tiermehl als Nebenprodukt an“, erklärt er. „Das ist eine wertvolle Proteinquelle. Es wäre unverantwortlich, sie nicht zu verwerten. Aber es muss natürlich in einer für den Verbraucher sicheren Weise geschehen.“ Das neue Verfahren, das so rasch wie möglich Produzenten und Untersuchungsämtern zur Verfügung stehen soll, werde dabei „einen wichtigen Dienst an der Gesundheit der Bevölkerung“ leisten.
Die Förderung des Vorhabens „Animal-ID“ (FKZ: 28-1-65.037-14) erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung.
Quelle: NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen
Vor rund zehn Jahren hat das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie seine Forschungsaktivitäten auf die Aquakultur ausgeweitet. Inzwischen nimmt die Fischgenetik einen bedeutenden Platz in den wissenschaftlichen Aktivitäten des Leibniz-Institutes ein. Im vergangenen Jahr wurde deshalb eine eigene Aquakulturanlage in Dummerstorf installiert.
„Seit Juli läuft in einem umgebauten Rinderstall erfolgreich der Probebetrieb, der die Arbeit unserer Forscher vor Ort erheblich erleichtern wird“, informierte heute Professor Klaus Wimmers, Vorstand am FBN. „Dafür wurden rund 200.000 Euro für den Umbau und in die moderne Aquarienanlage investiert.“
Dummerstorfer Wissenschaftler haben sich mit ihren Untersuchungen zur Stressresistenz von Regenbogenforellen und zur grundlegenden molekularbiologischen Analyse des Ostseeschnäpels weltweit einen Namen gemacht. Aktuell wird in einem großen Zander-Projekt unter Leitung von Privatdozent Dr. Tom Goldammer vom Institut für Genombiologie die Genetik des beliebten Speisefisches am FBN erstmals entschlüsselt. In Kooperation mit dem Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern sollen im Jahr 2020 erste Ergebnisse vorgelegt werden.
Wissenschaftler können flexibler arbeiten
Die Dummerstorfer Aquakulturanlage besteht aus drei separaten Strecken mit jeweils 1.700 Liter Fassungsvermögen, auf denen auch drei unterschiedliche Umweltbedingungen simuliert und verglichen werden können. Zu den drei geschlossenen Kreislaufsystemen gehören jeweils vier 200-Liter-Behälter und sechs 60-Liter-Behälter. Rund um die Uhr wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert und von Fischabfallstoffen gereinigt. Die Süßwasserfische werden bei ca. 17 bis 20 Grad Celsius Wassertemperatur gehalten. Im Probebetrieb wurde insbesondere die Wassereinigung getestet, die reibungslos funktionieren muss. Die im Filtersystem enthaltenen Bakterien verwandeln giftige Fischabfälle wie Ammonium über die Zwischenstufe Nitrit zu Nitratsalzen und halten so das Wasser sauber.
Verantwortlich für die Testphase, bevor die eigentliche Forschungsarbeit am Zandergenom auch in der neuen Anlage startet, ist Dr. Ronald Brunner vom Institut für Genombiologie. „Wir werden auch künftig mit der weltweit einzigen experimentellen Aquakulturanlage im Produktionsmaßstab für Zander in Hohen Wangelin bei Waren/Müritz intensiv kooperieren. Allerdings können wir jetzt noch flexibler arbeiten“, so der Tierzuchtexperte. „Grundsätzlich simuliert unsere Anlage im kleinen Maßstab die gleichen Prozesse wie in der großen Anlage in Hohen Wangelin. Die kleineren Einheiten lassen sich schneller desinfizieren sowie neu besetzen und erlauben die vergleichende Untersuchung von Einflüssen verschiedener Umweltbedingungen auf die Fische. Unmittelbar vor Ort befinden sich außerdem Labor- und Büroräume zur Auswertung der Daten und Messergebnisse. Für den Bereich der Fischgenetik ist die neue Infrastruktur ein großer Gewinn“, erklärte Dr. Brunner.
Den Dummerstorfer Wissenschaftlern geht es vor allem darum, die ressourcenschonende und nachhaltige Aquakultur mit regionalen Fischarten zu stärken. Diese soll einen höheren Stellenwert als bisher in der Fischproduktion erhalten. Geschlossene Kreislaufanlagen zeichnen sich durch ihre Umweltfreundlichkeit und gute Wasserqualität aus. Somit sind keine Zusätze mit Antibiotika und anderen Medikamenten notwendig. „Der Verbraucher möchte nicht nur einen leckeren, sondern auch einen gesunden Fisch konsumieren“, so Brunner. Aktuell bevölkern 400 kleine Barsche, zwölf Schnäpel sowie zwei Forellen und zwei Zander die neue Anlage.
Quelle: Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)
Noch immer grassiert die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Polen und breitet sich weiter Richtung Westen aus. Auf Einladung des polnischen Landwirtschaftsministers Krzysztof Jurgiel trifft der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, die Präsidentin und Präsidenten der polnischen Bauernorganisationen, Teresa HAŁAS, Präsidentin NSZZ RI Solidarność, Lucjan CICHOSZ, Präsident ZZR – Zwiakzek Zawodowy Rolników OJCZYZN, Marian SIKORA, Präsident FBZPR – Federation of Agricultural Producers Union und Wiktor SZMULEWICZ, Präsident KRIR – National Council of Agricultural Chambers. Für eine effektivere Bekämpfung der Seuche fordert Rukwied, dringend mehr EU-Mittel in Osteuropa einzusetzen. „Wir müssen dieses Virus schnell in den Griff bekommen. Das ist auch eine Gemeinschaftsaufgabe zum Schutz der landwirtschaftlichen Strukturen. Das darf nicht am Geld scheitern“, so der DBV-Präsident.
Mit Blick auf die Neuordnung der Mittelfristigen Finanzplanung der EU fordert Bauernverbandspräsident Rukwied gegenüber dem polnischen Landwirtschaftsminister auf einen stabilen EU-Haushalt hinzuwirken: „Die Mitgliedstaaten müssen mehr Geld nach Brüssel überweisen. Nur ein stabiles Budget garantiert auch ein stabiles Europa“, erklärt Rukwied. Der DBV-Präsident sieht vor allem in der Stärkung der ländlichen Räume den Kitt, der ein stabiles, politisches Europa zusammenhält.
Die Schweizer Einzelhandelskette „Migros“ nimmt sämtliche Eier aus Bodenhaltung aus dem Sortiment und senkt gleichzeitig deren Preise. Vor 20 Jahren hatte Migros bereits Eier aus Käfighaltung aus dem Sortiment genommen. Das Unternehmen beschreibt seine Planung wie folgt:
„Bis spätestens 2020 soll sämtlichen Hennen, die für die Migros Eier legen, der Zugang zur Weide ermöglicht werden. Neben den Ställen mit Wintergarten (Aussenklimabereich) stehen den Hennen in der Freilandhaltung 2,5 m2 Weidefläche pro Tier zur Verfügung. Legehennen sind sehr aktive und neugierige Tiere. Das Picken und Scharren auf der Weide wirkt sich positiv auf ihr Wohlbefinden aus. Gemäß Umfragen legen die Konsumentinnen und Konsumenten bei den Eiern besonders großen Wert auf eine artgerechte Tierhaltung.
Mit der Auslistung der Bodenhaltungseier senkt die Migros auch das Preisniveau der Schweizer Freilandeier. Damit soll der preisaffinen Kundschaft Rechnung getragen werden. Mit dem Import-Freilandei von M-Budget wird die Migros außerdem weiterhin das günstigste Ei auf dem Schweizer Markt anbieten können. Beides ist möglich, weil die Migros die Mehrkosten selber trägt. Die Produzenten erhalten weiterhin dieselben Preise.
Die Umstellung bedarf jedoch einer langfristigen Planung, die den Produzenten genügend Zeit einräumt, ihre Betriebe entsprechend den Vorgaben zur Freilandhaltung anzupassen. Die Sortimentsumstellung erfolgt deshalb etappenweise nach Genossenschaft und ist bis Ende 2020 abgeschlossen.“
In England gehen 19% der Bullenkälber vom Milchbetrieb direkt zur Tierkörperbeseitigung, wie die englische Tageszeitung „The Guardian“ berichtet. Das Blatt beruft sich dabei auf offizielle Zahlen des “Agriculture and Horticulture Development Board (AHDB)”, da die Praxis in England nicht gesetzwidrig ist. Dieser „Entwicklungsausschusses für Landwirtschaft und Gartenbau“ schätzt demnach die Zahl der 2017 in englischen Milchbetrieben getöteten Bullenkälber auf 95.000. Speziell Holstein-Friesen, Jersey Rinder und Jersey-Kreuzungen sind betroffen.
Exakte Zahlen sind jedoch schwer zu ermitteln, da Landwirte Kälber, die innerhalb weniger Tage nach der Geburt getötet werden, nicht registrieren müssen. Ebenso wenig wie das Entsorgungsunternehmen, das häufig auch die Tötung auf dem Betrieb vornimmt.
Der „Guardian“ beziffert die Aufzuchtkosten auf bis zu £ 30 pro Kalb für den Herkunftsbetrieb, während die frühe Entsorgung oder (zu geringem Anteil) Verwertung als Hundefutter nur £9 koste. Der Verkaufserlös für Kälber liegt in England aktuell bei £25 bis £40.
Und auch in der Bio-Haltung werden Bullenkälber kurz nach der Geburt getötet. Die „Soil Association“, nach eigenen Angaben die „führende britische Mitgliedsorganisation, die sich für eine gesunde, humane und nachhaltige Ernährung, Landwirtschaft und Landnutzung einsetzt“, schreibt auf ihrer Website:
„Leider ist das Töten männlicher Milchkühe sowohl auf biologischen als auch auf nicht biologischen Milchviehbetrieben ein Problem, das jedoch ethische Bedenken aufwirft. Die Soil Association hat diese Praxis schon lange abgelehnt, und wir wollen das unnötige Abschlachten von männlichen Milchkälbern beenden.“
Den Hintergrund bilden die seit Jahren niedrigen Erlöse für Milch und der fehlende Markt für Kalbfleisch. Obwohl schon in den 1990er Jahren die Weißmast in England verboten wurde, assoziieren viele Verbraucher „Kalbfleisch“ immer noch mit dieser Art der Kälberhaltung.
Auch wurden von England im vergangenen Jahr überhaupt keine Kälber exportiert, nur 5.000 von Schottland sowie 20.000 von Nord-Irland.
Versuche einen Markt für „Rosé Kalb“ zu schaffen, hatten bisher wenig Erfolg. Immerhin haben jedoch einige der großen Lebensmittelketten, Co-op, Morrisons, Sainsburys und Waitrose, Aufzucht-Programme für Kälber ins Leben gerufen.
Auch zahlreiche Landwirte wenden sich von der Tötungspraxis ab und setzen vermehrt gesextes Sperma ein. Dessen Anteil stieg von 12,2 % im Jahr 2012 auf 17,9 % in 2017.
Zwei Forschungsgruppen der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden sowie der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig ist ein technologischer Durchbruch bei der Geschlechterbestimmung in Hühnereiern gelungen. Dank der Spektroskopie lässt sich mit dem neuen Verfahren bereits am ersten Tag nach einer möglichen Befruchtung feststellen, ob in dem Ei eine Legehenne heranwächst oder ein männliches Tier. Mit dem neuen Verfahren sei es gelungen, ein kostengünstiges, schnelles und zuverlässiges Verfahren zu entwickeln, das das weltweit millionenfache Töten männlicher Eintagsküken überflüssig macht, meldet das Universitätsklinikum Dresden in einer Pressemitteilung.
Weiter heißt es: „Tausende männliche Küken werden täglich kurz nach dem Schlüpfen maschinell getötet. Der Grund: Sie sind für die Eierproduktion in der Massentierhaltung wertlos. Dieses Vorgehen birgt ethische Konflikte und steht im Widersprich zu geltenden Tierschutzgesetzen. Um diese Situation zu entschärfen ist ein kostengünstiges, schnelles und zuverlässiges Verfahren erforderlich, mit dem die Geschlechtsbestimmung am intakten und unversehrten Ei durchgeführt werden kann. Nach etwa fünfjähriger Forschung ist es jetzt zwei Forschungsgruppen der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden sowie der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig gelungen, eine Geräteanordnung zu entwickeln, mit dem das Kükentöten beendet werden kann. Damit ist es möglich, einen Punkt des kürzlich zwischen CDU/CSU und SPD unterzeichneten Koalitionsvertrag umzusetzen: Darin ist vereinbart worden, innerhalb von zwei Jahren das Töten männlicher Eintagsküken zu beenden.“
Bereits seit einigen Jahren arbeiten die Forschungsgruppen aus Dresden und Leipzig erfolgreich an der Geschlechtsbestimmung im Hühnerei. Die beiden Forschungsgruppen sind die Erfinder des spektroskopischen Sexens von Bruteiern. Bislang muss dazu ein etwa zehn Millimeter großes Loch in das Brutei eingebracht und auch anschließend wieder verschlossen werden. Obgleich die Methodik funktioniert, gilt das Öffnen und Schließen der Eier nach wie vor als Haupthindernis für die praktische Einführung der spektroskopischen Geschlechtsbestimmung in Großbrütereien. Vor wenigen Wochen gelang nun den Forschern ein entscheidender Durchbruch in der Weiterentwicklung der Methode, wodurch das Geschlecht nunmehr durch die unversehrte Eischale hindurch bestimmt werden kann. Das Ei muss also nicht mehr aufwändig geöffnet und folglich auch nicht mehr verschlossen werden.
Aufbauend auf den über mehrere Jahre gewonnenen Kenntnissen wissen die Forscher genau, wo und wie das Geschlecht im Ei codiert. Das ist die Grundlage dafür, die Spektroskopie so einzusetzen, dass sich das Geschlecht auch durch die intakte Eischale bestimmen lässt. Das Ei wird dazu etwa drei bis fünf Tage bebrütet. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das sogenannte embryonale Blutgefäßsystem gebildet, das man auch durch die Eischale bereits mit bloßem Auge erkennen kann. Für die Geschlechtsbestimmung wird nun ein bestimmter spektraler Teil des Lichtes genutzt. Dazu wird das Ei mit einer herkömmlichen Lichtquelle durchleuchtet. Das von den Blutgefäßen reflektierte und auch transmittierte Licht wird auf der Eischale aufgefangen und spektroskopisch analysiert. Da das Licht neben den geschlechtsrelevanten Informationen aus dem Blut auch Informationen zu anderen Inhaltsstoffen des Eies trägt, müssen verschiedene mathematische Filter- und Separationsverfahren kombiniert werden, um letztlich die gewünschten, zur Geschlechtsbestimmung verwendbaren Signale zu erhalten. Kein Ei gleicht dem anderen, und so stellt die größte Herausforderung dabei die Beherrschung der optischen Variabilität der Eischale dar. Sobald alle störenden Einflussfaktoren in den Spektren eliminiert sind, lässt sich anhand des Hämoglobinspektrums das Geschlecht erkennen.
Die spektroskopische Messung eines einzelnen Eies erfolgt innerhalb von wenigen Sekunden. Bereits unmittelbar danach können als „männlich“ identifizierte Bruteier ebenso wie unbefruchtete Eier aussortiert und einer weiteren Verwendung zugeführt werden. In den Laborversuchen haben die Forscher einfache und dadurch sehr preiswerte Spektrometer eingesetzt – ein wichtiger Aspekt für den wirtschaftlichen Praxiseinsatz in der Legehennenvermehrung, da allein in Deutschland rund 100 Millionen Bruteier pro Jahr untersucht werden müssen. Der praktischen Umsetzung der Geschlechtsbestimmung im Hühnerei, die das millionenfache Töten von männlichen Eintagsküken überflüssig macht, dürfte damit nichts mehr im Wege stehen. Umfangreiche Schutzrechte für die Methodik sind angemeldet beziehungsweise schon erteilt worden. Ziel der Forscher ist es, die Methodik rasch und effektiv für den Einsatz in der Brütereipraxis zu adaptieren, um damit einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung des Tierwohls in der Legehennenhaltung zu leisten.
Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast baut den erfolgreichen Tierschutzplan des Landes als „Niedersächsische Nutztierhaltungsstrategie“ aus. Erste Zukunftspläne wurden jetzt der Öffentlichkeit präsentiert.
Wichtigste Neuerung in der künftigen Nutztierhaltungsstrategie: Es wird eine Arbeitsgruppe „Folgenabschätzung und Machbarkeit“ eingerichtet. „Es geht mir um einen verlässlichen Weg für alle Beteiligten. Gesellschaftliche Ansprüche und wirtschaftliche Anforderungen können nur gemeinsam betrachtet werden“, sagte Ministerin Barbara Otte-Kinast bei der Vorstellung der ersten Eckpunkte. Außerdem befassen sich Projektgruppen wie z.B. „Schlachten und Töten“ sowie „Transport“ mit konkreten Fragestellungen, die wiederum in die Diskussion eingebracht werden.
Die Erfahrungen aus dem Tierschutzplan fließen in die Struktur des neuen Gremiums ein. So wirken die bewährten tierartbezogenen Arbeitsgruppen ebenso mit wie die AG „Tierschutzindikatoren“. Im Lenkungsausschuss kommen fließen die Ergebnisse zusammen.
„Wir haben hier eine starke Basis durch den bereits bestehenden, fachübergreifenden Austausch und die enorme Bereitschaft, aufeinander zuzugehen“, betonte die Ministerin. Eine große Herausforderung sei nach wie vor die Lösung von Zielkonflikten. Wollen Landwirte zum Beispiel einen modernen Stall bauen, können sie in Konflikt mit Regelungen des Baurechts oder des Immissionsschutzrechts geraten.
Hintergrund: Der Tierschutzplan wurde 2011 als Projekt ins Leben gerufen, um gesellschaftlich akzeptierte und vom Tierhalter leistbare Haltungsbedingungen für Nutztiere zu etablieren. Die Laufzeit war bis Anfang 2018 vorgesehen. Bei insgesamt mehr als 260 Sitzungen haben 133 Mitglieder aus neun Facharbeitsgruppen sowie dem Lenkungssauschuss an diesem Ziel mitgearbeitet. Die letzte Sitzung fand am 28. November 2017 statt. Anfang Mai erfolgt die Verabschiedung der bisherigen Gremienmitglieder. Nach der Sommerpause soll die Neubesetzung vorgenommen werden. „Es ist für mich selbstverständlich, dass wir im Bund wie bisher federführend in Sachen Tierschutz vorweg gehen“, sagte die Ministerin.
Quelle: Herausgeber: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
BVL veröffentlicht Bericht zum Sonderprogramm des Bundesweiten Überwachungsplans 2017
Durch die illegale Anwendung eines fipronilhaltigen Schädlingsbekämpfungsmittels mussten im vergangenen Spätsommer europaweit Eier zurückgerufen und vernichtet werden. Auch solche Lebensmittel, in denen Eier verarbeitet wurden, wie beispielsweise Nudeln, Mayonnaise oder Eierlikör, wurden im Rahmen eines Sonderprogramms von den deutschen Überwachungsbehörden untersucht. Die heute vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass in 116 der 903 Proben Rückstände von Fipronil nachgewiesen wurden. Sämtliche gemessenen Fipronilgehalte lagen jedoch deutlich unterhalb der Konzentration, die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als gesundheitlich bedenklich angesehen wird.
Im Juli 2017 wurden über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) zahlreiche Überschreitungen des Rückstandshöchstgehalts für das Insektizid Fipronil in Eiern und Geflügelfleisch gemeldet. Als Eintragsquelle für Fipronil wurde das Reinigungs- und Desinfektionsmittel einer niederländischen Firma ermittelt, welches hauptsächlich in Belgien und den Niederlanden, aber auch in Deutschland eingesetzt worden war.
Schon während des Fipronil-Geschehens hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, neben Eiern und Geflügelfleisch auch Lebensmittel mit hohem Eigehalt zu kontrollieren. Im Rahmen des bereits bestehenden Bundesweiten Überwachungsplans (BÜp) 2017 wurde daher kurzfristig ein Sonderprogramm zur risikoorientierten Untersuchung von Ei Verarbeitungsprodukten und eihaltigen Tiefkühlprodukten initiiert.
87 % der Proben ohne Fipronilnachweis
Von August bis Oktober 2017 wurden insgesamt 903 Proben verarbeiteter Produkte mit einem hohen Eigehalt von den Überwachungsbehörden in den Bundesländern auf Fipronil untersucht. Die Proben, unter anderem Spätzle, Eierkuchen, Eierplätzchen, Eierlikör und Mayonnaise, wurden sowohl bei Herstellern als auch im Einzelhandel genommen.
In 116 Proben (13 %) konnten dabei Fipronilrückstände nachgewiesen werden. In der Kategorie Halbfertigerzeugnisse, unter die auch Erzeugnisse wie Eipulver oder Flüssigei fallen, wurde der höchste Anteil an Proben mit Fipronilnachweis gemeldet (25 % der Proben). Diese Erzeugnisse werden in der Regel noch weiter verarbeitet. Bei alkoholischen Getränken (z. B. Eierlikör) konnten in 17 % der untersuchten Proben Rückstände von Fipronil ermittelt werden. Die geringsten Nachweisquoten wurden für die Kategorien Feinkost (8 %) und Fertiggerichte (6 %) gemeldet.
Anders als bei den Primärprodukten Eier und Geflügelfleisch existiert für verarbeitete Produkte kein gesetzlicher Höchstgehalt für Fipronil-Rückstände. Vielmehr ist eine Umrechnung auf die in dem jeweiligen Produkt eingesetzte Ei-Menge notwendig.
Im Zuge des Fipronil-Geschehens 2017 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Risiken bewertet, die durch den Verzehr von mit Fipronil belasteten Eiern hergestellten Lebensmitteln möglicherweise entstehen können. Die im BÜp-Sonderprogramm ermittelten Rückstandswerte lagen alle deutlich unterhalb der Konzentration, die das BfR als gesundheitlich bedenklich einstuft.
Bundesweiter Überwachungsplan
Der Bundesweite Überwachungsplan (BÜp) ist ein zwischen den Bundesländern abgestimmtes, für ein Jahr festgelegtes Überwachungsprogramm. Der BÜp kann zur Abklärung aktueller rechtlicher Fragestellungen, die Lebensmittel, Wein, kosmetische Mittel, Bedarfsgegenstände und Tabak betreffen, genutzt werden. Die Auswahl der Programme erfolgt nach einer Risikoanalyse. Die erhobenen Daten des BÜp sind daher aussagekräftig, aber nicht repräsentativ.
Weiterführende Informationen
Bericht zum Programm 1.6 „Untersuchung von Fipronil in Ei-Verarbeitungsprodukten und eihaltigen Tiefkühlprodukten“ aus dem Bundesweiten Überwachungsplan 2017
Das Buša-Rind gehört zu den bedrohten autochthonen Rinderrassen in Südosteuropa. Es gibt nur noch kleine Herden, die voneinander abgegrenzt in den Ländern des Balkans leben. Forscher um Dr. Ivica Medugorac, Leiter der Arbeitsgruppe Populationsgenomik, Veterinärwissenschaftiches Department der LMU, haben nun erstmals die genetische Vielfalt dieser Population erfasst und mit anderen europäischen Rinderrassen verglichen. Ihre Studie ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Molecular Ecology veröffentlicht.
In Zusammenarbeit mit Kollegen in Südosteuropa hat der LMU-Forscher DNA-Proben von 1828 Rindern aus 60 verschiedenen Rinderrassen und Schlägen analysiert. Die insgesamt 350 genomweit genotypisierten Buša-Rinder aus sieben Balkan-Ländern sind in 14 Schläge strukturiert, zählen jedoch zu einer gemeinsamen Metapopulation. Die genetischen Analysen zeigen, dass Buša-Rinder wesentlich zur genetischen Diversität der weltweiten Rinderpopulation beitragen. „Die Buša-Rinder sind einmalig, kaum künstlich selektiert und daher für eine nachhaltige Tierzucht wertvoll. Ihr Erhalt ist für die genetische und funktionelle Vielfalt der Rinder weltweit von großer Bedeutung“, sagt Ivica Medugorac.
Im Gegensatz zu modernen europäischen Rindern sind Buša-Rinder sehr klein, jedoch genügsam, widerstandsfähig, langlebig und sehr fruchtbar. Sie werden in Südosteuropa extensiv als Milch- und Fleischlieferanten gehalten sowie in früheren Zeiten auch als Zugtiere. In der Studie haben die Autoren ein Modell für ein grenzübergreifendes Erhaltungsprogramm des Buša-Rinds entwickelt, das auch auf andere Haustiere sowie in Gefangenschaft gehaltene Populationen (Zoo) übertragbar ist.
Die Studie wurde im Rahmen des Projekts „BushaLive“ der SAVE Foundation durchgeführt, die durch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gefördert wurde.
Der Ausschuss Futterkonservierung und Fütterung des Deutschen Maiskomitees e.V. (DMK) lädt am 17./18. April zu seiner öffentlichen Tagung an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nach Halle ein. Auf die Teilnehmer wartet ein vielfältiges Programm von der Fütterung von Pferden über Auswirkungen faserreicher Fütterung auf das Tierwohl bis hin zur neuen Düngeverordnung, um das Nährstoffmanagement in Fütterung und Futterbau im Gesamtbetrieb zu optimieren.
Nach der Begrüßung durch Prof. Karl-Heinz Südekum, den Vorsitzenden des DMK-Ausschusses sowie Prof. Dr. Matthias Müller-Hannemann, den Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät III in Halle und Prof. Dr. Hermann H. Swalve, den Direktor des Institutes für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Universität, beschäftigt sich Prof. Dr. Annette Zeyner (Martin-Luther-Universität) mit Mais und anderen Getreidearten in der Pferdefütterung.
Dr. Natascha Titze (Universität Hohenheim) erläutert das Projekt GrainUp, in dem es um Getreide als Energie- und Proteinquelle in der Milchkuhfütterung geht. Juniorprofessor Dr. Christian Visscher (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover) beschreibt, welche Mechanismen die Zusammenhänge zwischen faserreichen Futtermitteln, Tierwohl und Tiergesundheit erklären.
Aus Sicht der bayerischen Fütterungsberater beleuchtet Martin Schäffler (Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL, Poing-Grub) die Entwicklung des Tierwohls durch eine Erhöhung der Fasergehalte in maiskornsilagebetonten Schweinemastrationen. Stefanie Schäfers und Dr. Ulrich Meyer (Friedrich-Loeffler-Institut, Braunschweig) stellen ein System zur einzeltierbezogenen Messung der Methanausscheidungen von Milchkühen in Laufstallhaltung vor.
Mit dem Einfluss der Partikelgrößenverteilung von Maissilage auf die Futteraufnahme und die Leistung von Milchkühen setzen sich Jana Denißen und Dr. Martin Pries (Landwirtschaftskammer (LWK) NRW, Münster) sowie Dr. Thomas Ettle (LfL, Poing-Grub) auseinander. Den Einfluss der Silierung eines Mais-Bohnen-Gemisches auf den Phasingehalt erklärt Ueli Wyss (Agroscope, Posieux).
Dr. Susanne Ohl (Christian-Albrechts-Universität, Kiel) berichtet über Trockenmasse- und Methanverluste im Fahrsilo. Dr. Gerhard Stalljohann (LWK NRW, Münster) erklärt, wie Landwirte die neue Düngerverordnung und die Stoffstrombilanzverordnung zur Optimierung des Nährstoffmanagements in Fütterung und Futterbau im Gesamtbetrieb nutzen können.
Neben den Referaten besichtigen die Teilnehmer das Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften in Halle-Wittenberg sowie das Museum für Haustierkunde „Julius Kühn“.
Mehr als die Hälfte der weltweiten Produkte aus Fisch und Meeresfrüchten stammt aus Aquakultur. Die steigende Nachfrage und das gleichzeitige Schwinden der natürlichen Bestände aufgrund von Überfischung sorgen für ein seit Jahrzehnten starkes Wachstum der Aquakulturbranche. Um Kosten und Auswirkungen auf die Wildfischbestände zu reduzieren, werden fleischfressende Fische in der Aquakultur zunehmend mit pflanzlichen Futtermitteln gefüttert. Die veränderte Ernährung der Fische in Aquakultur hat bisher jedoch nicht zu einer Verbesserung von Methoden geführt, mit denen sich die Nahrungsmittelkette eindeutig nachvollziehen lässt. Ein internationales Team unter Leitung von Forschenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Kieler Exzellenzclusters „Future Ocean“ hat nun mit dem „stable isotope fingerprinting“ eine neue Methode entwickelt, um Proteinquellen von Lachsen mit hoher Genauigkeit zu identifizieren. Diese lässt Rückschlüsse auf Herkunft und Ernährung von einzelnen Fischen zu. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift Food Chemistry veröffentlicht.
In den vergangenen Jahren haben sich die Futteranteile in der Fischzucht von nur einer Proteinquelle, dem Fischmehl, und nur einer Lipidquelle, dem Fischöl, zu mehreren Dutzend Bestandteilen aus Soja, Insekten, Makroalgen, Muscheln und Hefe gewandelt. Zum Beispiel erhalten seit 2015 konventionell gezüchtete Atlantische Lachse (Salmo salar L.) nur zu 20 Prozent Nahrung aus dem Meer. Vor rund vierzig Jahren lag der Anteil noch bei 90 Prozent. Diese Diversifizierung an Futtermitteln beim Atlantischen Lachs hat dazu beigetragen, Produktionskosten zu senken und den Druck auf die Wildbestände zumindest teilweise zu verringern. Dabei fehlten bisher aber entsprechende Analyseverfahren, die Rückschlüsse auf die gesamte Nahrungsmittelkette und die Herkunft von Lachsen in Aquakultur zulassen. Erstmals ist es nun Forschenden der Uni Kiel und des Exzellenzclusters „Future Ocean“ gelungen, eine neue, wirksame Methode der Authentifizierbarkeit zu entwickeln. Diese wird zunehmend auch von Verbraucherinnen und Verbrauchern gefordert, die stärker nachhaltig produzierte Lebensmittel nachfragen und Transparenz sowie Nachvollziehbarkeit bei der Produktion wünschen.
„Unsere Methode des stable isotope fingerprinting von Aminosäuren hat mehrere Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden. Zum ersten Mal können wir die Herkunft von nach biologischen Standards gehaltenem, von konventionellem und wildem Lachs eindeutig unterscheiden“, erklärt Erstautor Dr. Yiming Wang vom Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung an der Universität Kiel. „Wir sind auch in der Lage, Lachse, die mit alternativen Nahrungsbestandteilen wie Insektenmehl und Makroalgen gefüttert werden, von anderen zu unterscheiden“, so Wang weiter. Die neue Methode wird zukünftig dazu beitragen können, dass nachhaltige Aquakulturprodukte in Übereinstimmung mit Standards wie dem EU-Umweltzeichen und anderen ökologischen Zertifizierungsprogrammen hergestellt werden. Das „isotope fingerprinting“ kann weiter unterstützen, die vom Verbraucher geforderte Lebensmittelsicherheit und Produktionstransparenz sicherzustellen.
„Wir freuen uns sehr über unsere Ergebnisse“, sagt Co-Autor Dr. Thomas Larsen vom Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung an der Uni Kiel. „Unsere Methode kann sogar noch erweitert werden, um auch andere Meeresprodukte zu authentifizieren. Dies ist ein erster Schritt zur Förderung einer gesunden und umweltverträglichen Aquakultur.“
Der chinesische Ferkelproduzent Yangxiang baut Schweineställe auf 7-, 9- oder 13 Stockwerken und nennt Skaleneffekte, Effizienz und gesunde Schweine als Schlüsselfaktoren für seine Entscheidung.
Gegenüber „Pig Progress“ betont der Betreiber, dass Risiko über die Ventilation Krankheitserreger von einem Schweinestall zum nächsten zu transportieren, sei viel geringer als bei einstöckiger Bauweise, wo die Ställe parallel zueinander platziert sind. In den mehrstöckigen Yangxiang-Schweineställen tritt die (gefilterte) Luft seitlich ein und verlässt das Hochhaus etwa 15 m über dem Dach. Eine Vermischung von einströmender Luft findet so nicht statt.
Pro Etage werden 1.000 Sauen gehalten, alle Mitarbeiter arbeiten immer nur auf einer Etage. Eventuell auftretende Krankheiten sollen so auf einer Etage isoliert bleiben.
Derzeit sind zwei Gebäude mit je sieben Stockwerken fertiggestellt. Zwei weitere Gebäude mit neun Geschossen werden im Laufe des Jahres fertiggestellt und in den nächsten zwei Jahren sollen zwei Gebäude mit 13 Stockwerken folgen.
Die Baukosten beziffert der Betreiber gegenüber „Pig Progress“ mit € 2.000 pro Sau, ohne Ferkelfläche. Damit lägen die Investitionen 500 € pro Sau höher als bei konventioneller Bauweise. Die mehrstöckigen Schweineställe haben Pad-Kühlung, Virenfilter sowie eine Klimaanlage.
Yangxiang arbeitet mit nur vier Mitarbeitern pro 1.000 Sauen, verglichen mit bis zu 10 in herkömmlicher Haltung. Die Kosten pro Ferkel beziffert der Betrieb auf € 23,-, den Erlös auf etwa über € 25,-.
Weil der Erreger Mycoplasma bovis in Neuseeland noch nicht endemisch vorkommt, hat die Regierung eine Massenkeulung beschlossen. Die Gesamtkosten werden, einschließlich der Entschädigung für betroffene Bauern, mit $ 60 Millionen veranschlagt.
Wie der Erreger ins Land gekommen konnte, ist noch unklar. Mögliche Eintragswege sind der Import von Bullensamen, Kuhembryos, Impfstoffen, Futtermitteln, Maschinen oder lebenden Tieren. Als wahrscheinlichster Weg wird jedoch importierter Samen angesehen.
Mit Mycoplasma bovis behaftetes Fleisch ist für den menschlichen Verzehr zwar geeignet, trotzdem soll das Fleisch der gekeulten Tieren exportiert werden.
Nach zwei heftigen Preiskrisen – in den Jahren 2008/09 sowie 2015/16 – bewerten Niedersachsen Milchviehhalter den Markt für Milcherzeugnisse als fragil. „Wir sehen durchaus auch realistische Chancen, die großen Rahmendaten geben keinen Anlass zu Pessimismus“, sagt Jan Heusmann, Vorsitzender des Milchausschusses im Landvolk Niedersachsen. Aktuell gebe es beispielsweise durch eine lebhafte Nachfrage aus Südeuropa sowie dem außereuropäischen Ausland wieder Impulse für Milchprodukte. Davon profitiert in erster Linie der Markt für Milchfett wie Butter oder Sahne, aber auch Käse. Schwieriger dagegen gestaltet sich weiter die Verwertung von Eiweiß. Saisonal steigt die Milchanlieferung nach langjährigen Beobachtungen bis Mai etwas an, Niedersachsens Erzeuger steigern ihre Anlieferung eher verhalten. Hier ist kein großer Mengendruck zu erwarten, das Angebot wird auf dem Markt gut nachgefragt. Probleme bereiten den Erzeugern nach Angaben Heusmanns aber die stetig nach oben korrigierten Anforderungen an die Erzeugung. Dazu zählt er die sogenannte „Ohne“-Deklaration, zum Beispiel ohne Gentechnik, aber auch steigende Anforderungen unter den Aspekten Tierwohl oder Umweltschutz, wie sie nicht zuletzt auch durch die neue Düngeverordnung ausgelöst werden. Daraus ergäben sich in erster Linie für kleinere Tierhalter neue Anforderungen, die sie nicht ohne weiteres umsetzen könnten.
Ein großer Wachstumsmarkt im Milchbereich ist die Biomilcherzeugung. Bundesweit hat sich die Anlieferung im vergangenen Jahr um fast zwanzig Prozent erhöht – für das kleine Segment mit einem Anteil von nur drei Prozent an der gesamten Milchanlieferung ein gewaltiger Schub. Die Erzeugerpreise für Biomilch notieren deutlich über dem für konventionell erzeugte Milch. Allerdings hat sich durch die Ausweitung des Angebotes der Abstand etwas verringert. Das Landvolk empfiehlt allen Milchviehhaltern, die auf Biomilcherzeugung umsteigen wollen, zunächst die Vermarktung der Biomilch an eine entsprechende Molkerei sicherzustellen. Mit einem Preisniveau von 30 bis 35 Cent je Kilogramm konventionell erzeugte Milch erhalten Niedersachsen 8.700 Milcherzeuger derzeit ähnliche Erlöse wie im Vorjahreszeitraum, gegenüber Dezember haben die Auszahlungspreise aber deutlich nachgegeben. „Für eine nachhaltige und wirtschaftliche Milchviehhaltung müssen die aktuellen Auszahlungspreise nun dauerhaft nach oben zeigen“, sagt Heusmann.
Die Hälfte aller dänischen Konsumenten kennt das neue staatliche Tierwohlsiegel oder hat davon gehört. Damit ist das bei der Einführung im letzten Jahr gesteckte Ziel mehr als erreicht. Als die ersten Produkte im Mai 2017 in den Handel gelangten, rechnete man für Ende 2018 mit einem Bekanntheitsgrad von 40 %. Eine im Auftrag des Veterinär- und Lebensmitteldirektorats von Yougov durchgeführte Untersuchung von Kenntnis, Wissen und Vertrauen ergab, dass derzeit 49 % der Verbraucher das Tierwohlsiegel kennen.
60 % sollten das Tierwohlsiegel bis Ende 2018 vertrauenswürdig finden, lautete eine weitere Zielvorgabe bei der Einführung. Hier lag das Befragungsergebnis bei 67 %.
„Die Dänen finden das Tierwohlsiegel gut. Ich freue mich, dass die Konsumenten durch sachlich basierte Kaufentscheidungen ihren Beitrag zu mehr Tierschutz leisten können. Bereits jetzt kennen viele das Siegel und vertrauen ihm, weshalb ich mich nun verstärkt für die Ausweitung seines Anwendungsbereichs einsetzen werde. Auf diese Weise können die Konsumenten sich beim Einkauf noch stärker für mehr Tierwohl entscheiden. Dies ermöglicht es wiederum den Landwirten, ihren Tierschutz weiter zu verbessern”, erklärt Esben Lunde Larsen, Umwelt- und Lebensmittelminister
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Weitere Ergebnisse der Umfrage:
77 % der Dänen finden Tierwohl wichtig, und eine klare Mehrheit nimmt höhere Preise für Produkte in Kauf, die unter klar auf Tierwohl ausgerichteten Bedingungen erzeugt wurden. Dies gilt für die meisten Fleisch- und Milchprodukte. Bislang umfasst die Tierwohl-Kennzeichnung mit je nach Tierwohl 1-3 Herzen nur Schweinefleisch. Weitere Produkte sind jedoch in Vorbereitung.
Im laufenden Jahr stehen die Arbeiten am Tierwohlsiegel für Hähnchen im Vordergrund: „Kurz vor Weihnachten 2017 kamen Aufschnitt-Produkte vom Schwein mit Tierwohlsiegel auf den Markt. Als Nächstes kommen im Laufe dieses Jahres Hähnchen mit Tierwohlsiegel in den Handel“, sagt Esben Lunde Larsen.
Die Untersuchung umfasst auch einen Vergleich des staatlichen Tierwohlsiegels mit anderen Siegeln.
Erwartungsgemäß haben die ältesten Siegel auch den höchsten Bekanntheitsgrad: ‚Anbefalet af Dyrenes Beskyttelse‘ des Tierschutzbundes (seit 26 Jahren auf dem Markt) sowie die 29 Jahre alte ‚Ø-Marke‘ (Ø für Økologisk/Ökologisch).
Informationen zu den Kriterien des dreistufigen Labels hier.
Quelle: Dänischer Fachverband der Land- und Ernährungswirtschaft
Kuhfladen, Schweinemist, Schlachtabfälle – was für den Menschen eher unappetitlich daherkommt, ist für so manche Fliege im wahrsten Sinne ein gefundenes Fressen. Auch in der Tierhaltung werden viele Antibiotika verwendet, die resistente Keime entstehen lassen. Genau diese nehmen über die Ausscheidungen der Nutztiere auch die Insekten auf. Da Fliegen ebenfalls Kontakt zu Menschen haben, sind sie so ein „idealer“ Überträger von Erregern. Wissenschaftler der Universität Münster haben daher nun gemeinsam mit einem internationalen Team die Bedeutung der Schmutzfliege bei der Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien genauer beleuchtet. In zwei Treffen in Amsterdam und Wien diskutierten sie alle bisher verfügbaren Forschungsarbeiten zum Thema und veröffentlichten ihre Ergebnisse jetzt im Fachmagazin Travel Medicine and Infectious Disease.
Schon 2016 hatte eine münstersche Studie gezeigt: In der ländlich geprägten Region sind bis zu 20 Prozent aller Fliegen mit resistenten Keimen wie Escherichia coli (ESBL-produzierende E.-coli) besiedelt, die beim Menschen beispielsweise starke, schwer zu behandelnde Infektionen auslösen können. „Mit unserer damaligen Arbeit konnten wir nachweisen, dass die Bakterien der untersuchten Fliegen häufig dieselben Resistenzgene trugen wie die Bakterien bei unseren Patienten. Da lag ein Zusammenhang nahe – der bis dahin aber noch nicht sicher belegt war“, erklärt Prof. Frieder Schaumburg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie.
Um der Frage nach der Rolle von „filth flies“ („Schmutzfliegen“) – also Fliegen, die Exkremente und verrottendes Material zur Ernährung sowie zur Eiablage nutzen – als Überträger auch anderer antibiotikaresistenter Keime weiter nachzugehen, trafen sich nun Mikrobiologen, Infektiologen, aber auch Veterinärmediziner und Entomologen (Insektenexperten) zu Workshops in Amsterdam und Wien. Die Experten – unter anderem aus Gabun, Kanada und Dänemark – trugen alle bisher verfügbaren Forschungsergebnisse zusammen und diskutierten sie interdisziplinär – mit klarem Ergebnis: „Auf Fliegen sind sämtliche Antibiotikaresistenzen nachzuweisen, vor denen sich Mediziner heute fürchten. Dazu gehört beispielsweise der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus – besser bekannt als der gefürchtete „Krankenhauskeim“ MRSA. Außerdem konnten wir nachweisen, dass die antibiotikaresistenten Bakterien von Fliegen, Menschen und Tieren nahezu identisch sind. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass Fliegen bei der Verbreitung eine wichtige Rolle spielen“, so Workshop-Leiter Schaumburg.
Vor voreiligen Schlüssen warnt der Mikrobiologe dennoch: „Es braucht noch viel Forschungsarbeit, um zu prüfen, welchen Anteil resistente Erreger von Fliegen tatsächlich bei den Infektionszahlen in Krankenhäusern und Arztpraxen haben. Schon jetzt werden wir uns aber auch mit wirksamer, ökologisch sinnvoller Schädlingsbekämpfung beschäftigen müssen.“ Unterstützt wurde das internationale Team um Schaumburg durch das EU-Projekt Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance, kurz JPPIAMR, und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die die Zusammenarbeit mit über 40.000 Euro förderten.
Eine weit verbreitete Fehleinschätzung ist es, das am derzeit festgestellten drastischen Insektenrückgang auch die Klimaerwärmung mit schuld sein könnte. Es ist jedoch schon lange bekannt und nachgewiesen, dass diese eher zu einer Vermehrung der Insektenanzahl führen würde, denn wärmeliebende Insekten sind in mediterraneren Klimaten, und natürlich den Tropen, schon immer zahlreicher als in mehr nördlichen Breiten. Dabei ist es oft nicht einfach, die direkten Auswirkungen von Klimaerwärmung auf die Arten- zusammensetzung einer bestimmten Insektengruppe (zum Beispiel der Wildbienen) in einem Lebensraum zu erforschen – denn das Klima wirkt sich nicht nur mit Temperatur sondern auch über den damit verbundenen Wasserhaushalt auf den Lebensraum direkt aus, vor allem auf die Nahrungspflanzen der Insekten, die zum Beispiel mit Dürre zu kämpfen haben. Botanische Gärten stellen daher so etwas wie künstliche, „optimierte“ aber langzeitig stabile Lebensräume für blütenbesuchende Insekten dar, denn dort blühen jedes Jahr die gleichen Pflanzenarten, auch bei längerer Trockenheit, denn es wird künstlich bewässert. Lediglich die Temperatur ändert sich auch für die Pflanzen und Insekten dort mit der Klimaerwärmung.
Der Artenreichtum des Botanischen Gartens München – an heimischen Wildpflanzen wie auch Zier- und Nutzpflanzen – seine geschützte Lage und die Nichtanwendung von chemischem Pflanzenschutz sind seit der Eröffnung des Gartens 1914 unverändert geblieben. Eine erste Inventarisierung der Wildbienenfauna des Botanischen Garten München fand in den Jahren 1997-1999 statt – nun wurden fast 20 Jahre später die dort vorkommenden Wildbienenarten erneut dokumentiert. Doktorandin Michaela Hofmann von der LMU München hat zusammen mit Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) von 2015 bis 2017 jeweils von Frühjahr bis Herbst auf regelmäßigen Kontrollgängen durch den Botanischen Garten alle gefundenen Bienen dokumentiert – bei größeren Arten war das teilweise schon anhand von guten Makrofotos möglich, bei vielen kleinen und schwierig zu bestimmenden Wildbienenarten war eine genaue Bestimmung nur durch DNA-Abgleich mit dem Barcoding-Projekt Fauna Bavarica der Zoologischen Staatssammlung (SNSB-ZSM) möglich. Nun wurden die Ergebnisse dieser Wildbienen-Erfassung zusammen mit der LMU-Wissenschaftlerin und Leiterin des Botanischen Gartens, Prof. Susanne Renner in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Oecologia veröffentlicht.
Die Ergebnisse sind überraschend deutlich: wurden 1997-1999 noch 79 Wildbienenarten im Botanischen Garten nachgewiesen, konnten 20 Jahre später 106 Arten gefunden werden. Im gesamten Stadtgebiet München sind seit 1990 192 Bienenarten von Insektenkundlern gefunden worden, das heißt 55% aller Münchner Bienenarten kommen auch im Botanischen Garten mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrung und Nistplätzen vor. Eine Untersuchung der Temperaturpräferenzen der neu gefundenen und der nicht mehr gefundenen Arten ergab: von den 1997-1999 nachgewiesenen 79 Arten wurden 62 von 2015 bis 2017 wiedergefunden (einige davon sind heute sehr viel häufiger), aber 15 wärmeliebende Wildbienenarten wurden erstmals gefunden. Drei Wildbienenarten, die eher kühlere Lebensräume (wie Wälder) bevorzugen, wurden nicht wiedergefunden. Zwischen 1997 und 2017 hat sich die durchschnittliche Temperatur während der Vegetationszeit in München um 0.5 °C erhöht, während die Winter immer kürzer wurden. Unter den zwischen 2015 und 2017 neu im Botanischen Garten ‚angekommenen‘ Bienen sind entsprechend mehrere Arten, die bis vor ca. 20 Jahren nur von den Wärmeinseln Deutschlands bekannt waren. Dazu gehört zum Beispiel die große und auffällige Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca). Keinerlei Zusammenhang konnte dagegen gefunden werden zwischen Verschwinden oder Neufund und dem Rote-Liste-Status oder den Nahrungspräferenzen der Arten (ob sie z.B. auf bestimmte Blüten spezialisiert sind oder nicht) – lediglich die Wärmepräferenzen der Bienenarten waren signifikant für ihr Vorkommen.
Mehr zu den Wildbienen des Botanischen Gartens München erfahren sie auch hier. Dort finden Sie auch Informationen zum Wildbienen-Markierungsprojekt, das auch im Frühjahr 2018 im Botanischen Garten München wieder durchgeführt wird.