Friedrich-Otto Ripke: „Ohne Bauernwohl kein Tierwohl“

Die deutsche Geflügelwirtschaft fordert die Unterstützung der Politik bei der Finanzierung tierwohlfördernder Maßnahmen. „Ohne Bauernwohl kein Tierwohl“ – auf diese prägnante Formel brachte es Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG), beim Politischen Frühstück der Geflügelwirtschaft gestern im Reichstagsgebäude. „Wenn wir alles selber bezahlen müssen, werden wir im Wettbewerb untergehen“, prognostizierte Ripke für den Fall fehlender Unterstützung ein Höfesterben nicht gekannten Ausmaßes und forderte die Beteiligung der Verbraucher an den Mehrkosten: „Tierschutz als Staatsziel ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft.“ Mit Blick auf ein staatliches Tierwohllabel bedeute dies zwingend den langfristig gesicherten und vollständigen Ausgleich der Mehraufwendungen für Tierhalter und Unternehmen. „Sie tragen Verantwortung nicht allein für die Nutztiere, sondern auch für die Nutztierhalter in Deutschland“, appellierte Ripke an die rund 20 anwesenden Agrarpolitiker. „Schützen Sie uns deutsche Tierhalter!“

Im Kreise der Parlamentarier erneuerten die Spitzenvertreter der deutschen Geflügelwirtschaft ihr Bekenntnis zu einem staatlichen Tierwohllabel. Dies jedoch unter klar umrissenen Voraussetzungen: So muss ein staatliches Tierwohllabel aus ZDG-Sicht außer dem Ausgleich der Mehraufwendungen eine Herkunftskennzeichnung umfassen und verpflichtend für alle Vermarktungswege gelten – auch für das bei Tierwohlmaßnahmen bislang völlig unberücksichtigt gebliebene große Marktsegment der Gastronomie.

Thema Export: „Wir brauchen die intensive Unterstützung der Bundesregierung“
Mit Blick auf den Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken mahnte Ripke zu Vorsicht bezüglich eines allzu ambitionierten Zeitplans: „Deutschland ist weltweit am weitesten mit der Entwicklung der Verfahren zur In-ovo-Geschlechtserkennung – noch gibt es aber kein praxisreifes Verfahren.“ Das Bekenntnis der Branche zum Ausstieg aus dem Kükentöten bei praxistauglichen Alternativen gelte uneingeschränkt, betonte Ripke: „Wir wollen das Problem zeitnah gelöst haben – und das wird gelingen.“

Ein deutlich intensiveres Engagement der Bundesregierung bei dem für die Branche so wichtigen Thema Export forderte ZDG-Präsidiumsmitglied Paul-Heinz Wesjohann für die Unternehmen der Schlachtgeflügelwirtschaft ein. Konkret für die Aushandlung eines staatlichen Veterinärabkommens mit China – welches in der Zuständigkeit der Bundesregierung liegt und Voraussetzung für spätere Exporte ist – brauche die Branche die intensive Unterstützung der Bundesregierung, auch durch verstärkte personelle Präsenz bei den relevanten chinesischen Stellen. China sei der Schlüssel zur Öffnung der asiatischen Märkte, so Wesjohann: „Flügel, Füße, Innereien – gerade die in Deutschland weniger geschätzten Teilstücke sind in China heiß begehrt.“ Eine Vermarktung dieser Teilstücke als Lebensmittel statt als Tierfutter bringe höhere Deckungsbeiträge für die Landwirte und sei als Verwertung des ganzen Tieres ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit.

Putenhaltung: „Lassen Sie uns endlich zu EU-weit einheitlichen Regeln kommen!“
ZDG-Vizepräsident Thomas Storck, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Putenerzeuger e. V. (VDP), forderte die Unterstützung bei der Durchsetzung einer EU-Putenhaltungsverordnung auf Grundlage der deutschen Puten-Eckwerte ein. Die auf das Tierwohl ausgerichteten, mit Wissenschaft, Tierschutz und Praktikern ausgearbeiteten Eckwerte seien mit ihrem Gesundheitskontrollprogramm weltweit einzigartig und optimal als Vorbild einer EU-Verordnung geeignet. „Lassen Sie uns gemeinsam das Jahr 2019 zur Vorbereitung nutzen, um unter deutscher Ratspräsidentschaft 2020 endlich zu EU-weit einheitlichen, verbindlichen Regeln zu kommen“, appellierte Storck an die Agrarpolitiker. „Nur so können wir Wettbewerbsnachteile für die deutschen Putenhalter vermeiden.“

„Wir Tierhalter sind Tierschützer“, rückte ZDG-Vizepräsident Rainer Wendt, Vorsitzender des Bundesverbandes bäuerlicher Hähnchenerzeuger e. V. (BVH), das hohe Verantwortungsbewusstsein der Geflügelhalter für ihre Tiere in den Fokus. Um ein Mehr an Tierwohl umsetzen zu können, müsse es den Betrieben aber auch möglich gemacht werden, in neue Stalltechnik investieren zu können. „Wir brauchen Entwicklungs- perspektiven für die Tierhaltung in Deutschland“, forderte Wendt mit Blick auf die Auflagenflut bei Stallneubauten, lange Genehmigungsverfahren und ein hohes Maß an Bürokratie.

Für den Bundesverband Deutsches Ei e. V. (BDE) schilderte Vorsitzender Henner Schönecke Anstrengungen und Erfolge der Legehennenhalter bei dem freiwilligen Ausstieg aus dem Schnabelkürzen. „Wir sind stolz darauf, diese Herausforderung gepackt zu haben – und zwar ganz ohne neue Gesetze oder Verordnungen“, verwies Schönecke auf die mit dem Bundesministerium getroffene freiwillige Vereinbarung. „Es braucht nicht immer starres Ordnungsrecht, in uns hat die Politik einen verlässlichen Partner“, hob Schönecke Veränderungsbereitschaft und Innovationskraft der Branche hervor.

Quelle: ZDG

Agrarministerkonferenz in Münster beginnt: Otte-Kinast fordert Planungssicherheit für Sauenhalter

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Die Agrarminister aus Bund und Ländern treffen sich ab morgen (Donnerstag) zu ihrer Frühjahrstagung in Münster. Erstmals trifft Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast auf die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Die Tagesordnung der Konferenz umfasst 46 Punkte. Dabei geht es unter anderem um die Zukunft der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP), die Entwicklung einer gemeinsamen Ackerbaustrategie, die Zukunft der Nutztierhaltung, den Schutz der Biodiversität und die Digitalisierung.

Für Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast steht die Sauenhaltung im Fokus: In den letzten zehn Jahren verringerte sich die Zahl der Sauenhalter in Niedersachsen um 60 Prozent. „Es ist unser klares Ziel, dass es weiterhin Ferkel aus Niedersachsen gibt“, betonte die Ministerin und forderte klare Rahmenbedingungen. Man habe starke Familienbetriebe und regionale Partnerschaften zwischen Landwirten, die es zu erhalten gelte.

„Die Umsetzung des Magdeburger Urteils stellt eine große Herausforderung dar“, sagte Otte-Kinast. Bund und Länder haben ein Arbeitspapier erstellt, das nun in Münster diskutiert werden soll. Dabei geht es um die Größe des Kastenstandes und den Aufenthalt der Sauen im Kastenstand.

Das Bund hat signalisiert, kurzfristig einen Vorschlag zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorzulegen. „Niedersachsen begrüßt diese Ankündigung sehr. Unsere Landwirte benötigen endlich Planungssicherheit“, erklärte Otte-Kinast.

Außerdem wird sie den Ausstieg aus der Ferkelkastration ansprechen. Zum 1. Januar 2019 ist das betäubungslose Kastrieren verboten. „Ob der sogenannte vierte Weg auch für Deutschland eine Lösung sein kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Wir brauchen aber auch hier dringend Antworten vom Bund, damit unsere Landwirte danach handeln können“, stellte Otte-Kinast klar.

Weitere wichtige Themen aus niedersächsischer Sicht: Die inzwischen bis nach Ungarn vorgerückte Afrikanische Schweinepest (ASP) und der Umgang mit dem Wolf.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Weitere Infos zur Agrarministerkonferenz auch hier

APOLLO, die (R)Evolution in der Fütterung von Broilern

Ende April führt ForFarmers europaweit das neue Fütterungskonzept für Broiler APOLLO ein. Apollo ist die Weiterentwicklung des bewährten Forza Futterprogrammes für Broiler. Mit dieser (R)Evolution bietet ForFarmers Hähnchenmästern eine Futterlösung, die auf ein vitales Wachstum ausgerichtet ist. Erstmalig kommen dabei auch intelligente Futterwechsel zum Einsatz. Sie sollen gezielt den Stress für die Tiere reduzieren.

Moderne Genetiken mit hohem Wachstumspotenzial und Anforderungen an eine Senkung oder gar den Verzicht auf Antibiotika – das sind die Herausforderungen, vor denen der Geflügelsektor steht. Gleichzeitig müssen auch Wirtschaftlichkeit und der Arbeitsaufwand für den Broilermäster stimmen. Vor diesem Hintergrund entwickelte ForFarmers jetzt das neue Fütterungskonzept „Apollo“.

Guter Start und intelligente Futterwechsel
Eine gesunde Magen-Darm-Flora, robuste Beine und gesunde Fußballen standen bei der Entwicklung von Apollo im Fokus. Sie bieten die Grundlage für die Erzielung hoher Endgewichte bei geringen Verlusten und einer niedrigen Futterverwertung. Dafür bietet das neue Sortiment ein 3-Phasen-Futterprogramm sowie einen neuen Prestarter an.

„Ein guter Start ist essenziell für ein gesundes Wachstum und das Erreichen bester Ergebnisse. Dies wird durch den Apollo Prestarter sichergestellt, der die Küken in den ersten 100 Stunden mit allen erforderlichen Nährstoffen versorgt. Durch intelligente Futterwechsel wollen wir zudem den Stress für die Tiere in sensiblen Momenten, beispielsweise mit hohem Kokzidien-Druck, senken. Dies sorgt nicht nur für trockene Einstreu und gesunde Fußballen der Tiere, sondern auch für eine gesunde Lebens- und Arbeitsumgebung für Mensch und Tier gleichermaßen“, erläutert Joost Sparla, Technical & Marketing Director Poultry bei ForFarmers.

Vier Futterlinien
Apollo sichert vom ersten Lebenstag ein optimales Wachstum der Broiler. Durch vier unterschiedliche Futterlinien ist eine betriebsindividuelle Anpassung möglich (Optima, Maxima FeetFit und Prima). Alle neuen Apollo Linien sind ab Ende April in Deutschland verfügbar.

Quelle: ForFarmers

Weltweite Aktion OPSON VII: Illegale Praktiken zur Rotfärbung von Thunfisch aufgedeckt

Bei der diesjährigen von Europol und INTERPOL koordinierten Operation OPSON VII wurden in Deutschland 15 Betrugsfälle illegal gefärbten Thunfischs festgestellt. Dies teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute in Berlin mit. In zehn weiteren europäischen Staaten wurden Betrugsfälle aufgedeckt. OPSON wird einmal jährlich mit dem Ziel durchgeführt, Lebensmittelbetrug weltweit zu bekämpfen und die zwischenbehördliche Zusammenarbeit zu stärken. Bei der aktuellen Operation OPSON VII schlossen sich erstmals elf europäische Staaten zusammen, um ein gemeinsames Schwerpunktthema – die illegale Rotfärbung von Thunfisch – zu verfolgen. Von deutscher Seite beteiligten sich neben den Lebensmittelbehörden von Bund und Ländern auch der Zoll und das Bundeskriminalamt an der Operation.

Bei einer zweiwöchigen Schwerpunktaktion Anfang Februar untersuchten die Lebensmittelüberwachungsbehörden in Deutschland bei 205 Kontrollen 155 Tonnen frischen und gefrorenen Thunfisch auf illegale Färbung. Für den Zoll lag der Schwerpunkt bei der Einhaltung der zollrechtlichen Bestimmungen beim Import von Thunfisch. Hierzu wurden unter anderem an den Grenzzollstellen in Hamburg und am Frankfurter Flughafen 242 Kontrollen durchgeführt. Der Zoll und die Lebensmittelüberwachung arbeiteten dabei eng zusammen.

Von der Lebensmittelüberwachung konnten in 15 Fällen irreführende Praktiken nachgewiesen werden, die von illegaler Behandlung des Thunfischs mit Kohlenmonoxid und Nitrat bzw. Nitrit über erhöhte Konzentrationen an Ascorbinsäure bis hin zu undeklarierten Inhaltsstoffen reichten. Bei den vom Zoll kontrollierten Sendungen mit Thunfisch wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.

Die Ermittlungen der Lebensmittelüberwachung sind noch nicht abgeschlossen, auch weil europa- und weltweit Informationen zu den Fällen eingeholt werden, welche das BVL als nationale Kontaktstelle über das europäische Meldesystem für Lebensmittelbetrug (AAC-System) weiterleitet. Wenn feststeht, auf welcher Handelsstufe betrügerische Manipulationen stattgefunden haben, kann zielgerichtet dagegen vorgegangen werden. Die Europäische Kommission hat die EU-Mitgliedstaaten aktuell gebeten, die Kontrollen zu illegaler Färbung von Thunfisch zu verstärken. Beim Vorliegen aller Ergebnisse wird auf europäischer Ebene ein Gesamtbild zu Ausmaß und Strukturen beim Thunfischbetrug erstellt. Weitere Folgemaßnahmen können, auch über das Ende der Operation OPSON VII hinaus, ergriffen werden.

Lebensmittelbetrug bei Thunfisch ist ein bekanntes, jedoch sehr schwer zu durchdringendes Phänomen. Die Methoden zur Manipulation sind vielfältig und erfordern zum Teil ein ausgereiftes lebensmitteltechnologisches Wissen. Die ursprüngliche Farbe von Thunfischfleisch ist rot. Während der Alterung nach dem Fang verliert das Fleisch seine Rotfärbung und wird braungrau. Durch illegale Zusätze oder Behandlungen kann die rote Farbe jedoch stabilisiert werden. So gelingt es, dem Thunfischfleisch eine dauerhafte rote Färbung zu geben.

Dem Verbraucher wird eine unter Umständen nicht mehr vorhandene Frische vorgetäuscht. Zur Gesundheitsgefahr kann dies werden, wenn das ältere Fischfleisch hohe Mengen an Histamin aufweist. Aufgrund der Rotfärbung kann das ältere Fleisch nicht als solches identifiziert werden.

Beteiligte an OPSON VII

Die deutsche Beteiligung an der aktuellen Operation OPSON VII wurde vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordiniert. An OPSON VII waren die Lebensmittelüberwachungsbehörden aus Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen sowie der Zoll und das Bundeskriminalamt aktiv beteiligt. Die Länder Bremen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz nahmen als Beobachter teil. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stellte die Abfertigungsdaten für die Thunfischimporte zur Verfügung. Das Max Rubner-Institut (MRI) beriet die Teilnehmer mit seiner Expertise zu Lebensmittelbetrug im Fischsektor.

Die Europäische Kommission hatte vor der Operation konkrete Hinweise erhalten, dass Thunfisch illegal eingefärbt wird, und diese über das europäische Food Fraud Netzwerk verbreitet. Eine im Herbst letzten Jahres vereinbarte Kooperation zwischen dem schweizerischen Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und dem BVL führte erstmalig in der Geschichte von OPSON zu einem Zusammenschluss von elf Staaten zu einer gemeinsamen Schwerpunktaktion – der Aufdeckung illegaler Praktiken bei der Rotfärbung von Thunfisch. Neben den beiden Initiatoren der Zusammenarbeit, Deutschland und Schweiz, beteiligten sich auch Frankreich, Italien, Liechtenstein, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Ungarn und Großbritannien an der Schwerpunktaktion.

Koordiniert wurde die Aktion durch Europol. Die Europäische Kommission unterstützte die Staaten maßgeblich bei der Planung und Durchführung der gemeinsamen Operation. Weltweit haben sich insgesamt 67 Staaten mit verschiedenen Untersuchungszielen an OPSON VII beteiligt.

Hintergrundinformation

Mit der weltweiten Aktion OPSON gehen Europol und INTERPOL seit dem Jahr 2011 koordiniert gegen Lebensmittelbetrug vor. Das übergeordnete Ziel gemeinsamer OPSON-Schwerpunktoperationen ist der Aufbau und die Stärkung der zwischenbehördlichen Zusammenarbeit der für Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz zuständigen Behörden mit den Strafverfolgungsbehörden und dem Zoll sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Deutschland beteiligt sich seit OPSON V (2015/2016) an den Operationen.

Informationen zu der deutschen Beteiligung an OPSON VII

Wo Honigbienen zu Hause sind

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Nur die Wenigsten wissen von natürlich nistenden Bienenvölkern. Deren Wohnungen sind kaum erforscht. Wissenschaftler der Universität Würzburg wollen das nun ändern.

Der Nationalpark Hainich in Thüringen ist einer der größten zusammenhängenden Laubwälder in Mitteleuropa. Neben Buchen gibt es dort verschiedene Ahorn- und Lindenarten, die reiche Nektar- und Pollenquellen für Honigbienen und andere bestäubende Insekten darstellen. Die Wälder des Biosphärengebiets Schwäbische Alb haben ein detailliertes Verzeichnis von Bäumen mit Schwarzspechthöhlen. Verlassene Schwarzspechthöhlen können für Wildbienen geeigneten Unterschlupf bieten. Beide Wälder wurden bisher noch nie systematisch auf die Besiedlung durch Honigbienen untersucht.

Zudem sind bisher “Bienenbäume”, die natürlichen Wohnungen von Bienen, kaum erforscht, und es gibt keine wissenschaftlichen Daten aus Europa über wild lebende Bienenkolonien, die ohne menschliches Eingreifen in Wäldern leben. Benjamin Rutschmann und Patrick Kohl, Wissenschaftler von HOneyBee Online Studies (HOBOS), ein Honigbienenprojekt an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie an der JMU wollen das ändern und haben sich im Wald auf die Suche nach wild lebenden Honigbienen gemacht.

Buchenwälder als Zuhause für wild lebende Honigbienen

Im Nationalpark Hainich und im Biosphärengebiet Schäbische Alb, haben sie die Bienen gezählt und die Koloniedichte erfasst. Eine für Honigbienen geeignete Höhle benötigt ein Volumen von mindestens 20 Liter, damit die Bienen genug Honig zum Überwintern horten können. Schwarzspechte können Baumhöhlen solcher Größe schaffen, sodass deren verlassene Wohnungen eine wichtige Ressource für Honigbienen in bewirtschafteten Wäldern darstellen könnten.

In den Buchenwäldern des Biosphärengebiets Schwäbische Alb untersuchten die Wissenschaftler deshalb knapp 100 Habitatbäume mit alten Schwarzspechthöhlen auf das Vorkommen von Honigbienenvölkern. Sieben Prozent dieser Buchen waren von Honigbienen besetzt. “Wenn Habitatbäume mit Schwarzspechthöhlen in bewirtschafteten Wäldern geschützt werden, hilft das womöglich auch den wild lebenden Honigbienen, welche bis zum jetzigen Zeitpunkt komplett ohne Schutz dastehen”, sagt Benjamin Rutschmann.

Im Hainich verfolgten Kohl und Rutschmann die Heimflugrouten von Bienen, welche an künstlichen Futterstellen sammelten. Auf diese Weise entdeckten sie zahlreiche Bienenbäume im Nationalpark.

Bienenkolonien leben nicht nur am Waldrand

Benjamin Rutschmann und Patrick Kohl fanden heraus, dass wild lebende Honigbienenvölker regelmäßig in Baumhöhlen in naturnahen Buchenwäldern mit Dichten von mindestens 0,11 bis 0,14 Kolonien pro Quadratkilometer leben. Die Dichte von natürlich nistenden Kolonien in abgelegenen Wäldern ist also gering, und Kolonien nisten einzeln, in weit voneinander getrennten Baumhöhlen. Allerdings ist die Verteilung der Bienenkolonien nicht auf die Waldränder beschränkt. Die Tiere leben auch tief im Wald, im Hainich auch mehrere Kilometer vom nächsten Bienenstand entfernt.

Um zu testen, wie weit Bienenschwärme von “Imkervölkern” am Waldrand in das Waldgebiet eindringen, simulierten Kohl und Rutschmann solche Ereignisse und beobachteten am Waldrand aufgestellte Schwärme. Die Bienentänze der Spurbienen zeigten ihnen, dass die Bienen vor allem in einem Umkreis von maximal 500 Metern Höhlen suchen. Diese Höhlen befinden sich größtenteils außerhalb des Waldes oder am Waldrand. Dieses Ergebnis legt nahe, dass tiefer im Wald befindliche Bienenbäume nicht direkt von entflohenen Schwärmen besiedelt wurden. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass Schwärme das Innerste des Waldes in mehreren Schritten, über mehrere Jahre hinweg besiedelt haben.

Die Studie liefert den Startpunkt für eine genaue Erforschung der Populationsdynamik und Ökologie dieser wild lebenden Honigbienen in Europäischen Waldgebieten. “Schon jetzt deutet unsere Studie an, dass immer eine gewisse Anzahl von Bienenvölkern wild in Waldgebieten leben. Das heißt: Egal wie lange das einzelne Bienenvolk im Wald überdauert, ständig werden wild lebende Honigbienen mit anderen Waldbewohnern interagieren. Dieser Aspekt der Honigbienenbiologie ist weitgehend unerforscht”, sagt Patrick Kohl.

BEEtrees-Projekt

Im Rahmen des BEEtrees-Projekts werden natürlich nistende Honigbienenvölker in Europa erforscht. Die Wissenschaftler wollen deren Häufigkeit und geographische Verteilung erfassen, sowie das Nestklima und das Mikro-Ökosystem in den Baumhöhlen untersuchen. Zudem interessieren sie sich für deren Überlebensraten, die Volksgröße, die Schwarmneigung, den Parasitenbefall sowie auch deren Gesundheitszustand.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Verbraucher zahlen mehr, wenn sie wissen, woher ihr Schweinefilet kommt

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Beim Kauf von Schweinefleisch sind die Verbraucher sehr an Informationen über die einzelnen Betriebe interessiert, in denen die Schweine gehalten wurden, und sie sind bereit, mehr für diese Informationen zu zahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Wageningen Economic Research, die bei Verbrauchern in den Niederlanden, in Deutschland und im Vereinigten Königreich durchgeführt wurde. Die Verbraucher wollen in erster Linie Informationen darüber, wie die Schweine gehalten werden.

Mehr als die Hälfte der niederländischen Verbraucher wählen Produkte mit Quelleninformationen und einem höheren Preis. Dies wurde für Schweinehack, Schweinekoteletts und Schweinefilet untersucht. Deutsche und englische Konsumenten haben in etwa die gleiche Zahlungsbereitschaft, während der Hinweis, dass das Produkt aus den Niederlanden kommt, die Bereitschaft für Deutsche und Briten etwas zu senken scheint. Diese Zahlungsbereitschaft beläuft sich auf rund 13 Cent pro Kilogramm Schweinefleisch, was in etwa den Mehrkosten entspricht, die in der Lieferkette anfallen, um gewährleisten zu können, dass das Fleisch aus den einzelnen Betrieben stammt. Die Ergebnisse sind solide: Für Verbraucher sind Informationen über Tierschutz und Gesundheit wichtig. Informationen zu Herkunft und Umwelt sind weniger wichtig. Die Verbraucher haben wenig Interesse daran, wie Schweine transportiert oder geschlachtet werden.

Die Informationen können am besten auf dem Produkt oder am Ort des Kaufs mitgeteilt werden. Die Arbeit mit einem QR-Code oder einer App war bei den Verbrauchern in allen drei Ländern, in denen recherchiert wurde, gering. Außerdem haben sich nur wenige Verbraucher bemüht, die Informationen auf der Website zu finden. Die Verbraucher schätzen jedoch, dass diese Option angeboten wird. Dies gibt den Verbrauchern offensichtlich genug Vertrauen, dass sie die Informationen nicht wirklich suchen. Für niederländische Verbraucher erhöht das Image des Ladens selbst und ein Logo auf der Verpackung die Bereitschaft, mehr zu bezahlen. Wenn sich der Verbraucher als preisbewusster Käufer fühlt, sinkt die Bereitschaft, mehr für Informationen zu bezahlen.

Transparenz in der Lieferkette

Die Schweinefleisch-Lieferkette möchte ein positives Image und Vertrauen in die Verbraucher fördern, indem sie verantwortungsvoll und sorgfältig agiert, ihre Arbeitsmethoden sichert und die Verbraucher proaktiv informiert. Dies steht im Einklang mit dem, was ein großer Teil der Verbraucher für angemessen hält und angemessen behandelt werden muss. Die Lieferkettenparteien sehen den direkten Kontakt zwischen Verbrauchern und Schweinehaltern an Tagen der offenen Tür und in Ställen als das am besten geeignete Format für den Austausch von Informationen über die Schweinehaltung und die Lieferkette an. Der Nachteil ist, dass die Anzahl der Kunden, die erreicht werden, begrenzt ist. Die Lieferkettenparteien erkennen auch die potenziellen Nachteile größerer Transparenz, zum Beispiel, dass einzelne Unternehmer die Ziele von Protestgruppen werden.

Hintergrund der Studie

Die Studie wurde vom niederländischen Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität in Auftrag gegeben.

Quelle: Wageningen Universität

Afrikanische Schweinepest: BbT fordert eindeutiges Bekenntnis zu erweiterten veterinärrechtlichen Eingriffsmöglichkeiten

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Der Präsident des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte (BbT), Holger Vogel, fordert noch vor der parlamentarischen Sommerpause rechtliche Nachbesserungen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Ein klares Bekenntnis der Agrarministerkonferenz dazu auf der Sitzung in der nächsten Woche wäre ein wichtiger Schritt, um dieses Ziel zu erreichen.

„Die ASP wird die zuständigen Behörden vor bisher in der Seuchenbekämpfung nicht gekannte Probleme stellen“, so Vogel. Dies gelte insbesondere bei einem Ausbruch bei Wildschweinen, die für die Seuche genauso empfänglich sind wie Hausschweine. „Unser Tiergesundheitsrecht ist zu sehr auf die Seuchenbekämpfung bei Haustieren zugeschnitten“, betont Vogel. Bei der Wildschweinepest müsse man ähnlich rigide Maßnahmen anordnen können wie in Tschechien. Dort habe man eine sog. Hochrisikozone von wenigen Dutzend km2 durch Umzäunung abgeschottet, um ein Auswandern der Wildschweine in bisher freie Gebiete zu verhindern. Ferner habe man grundsätzlich das Betreten dieser Zone untersagt. Letztlich seien alle Wildschweine in dieser Zone durch Hinzuziehung von Polizeikräften ausgemerzt worden.

Das Beispiel zeige, dass man hierzulande nicht ausschließlich auf die Zusammenarbeit von Jägerschaft und Behörden angewiesen sein dürfe. So ist aber das derzeitige Jagd- und Veterinärrecht ausgelegt. „Wir wissen, dass wir der Jägerschaft, aber auch der Bevölkerung insgesamt viel zumuten. Das ist aber erforderlich, um überhaupt eine realistische Chance der Seuchentilgung bei Wildschweinen zu haben und dauerhaftes Tierleid durch immer wieder neu erkrankte und unter schlimmen Bedingungen an der Seuche verendende Wildschweine zu vermeiden“, begründet Vogel die Forderung des Bundesverbandes.

Quelle: BbT

Biosicherheit in der Schweinehaltung

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Hier haben wir einige Tipps zur Biosicherheit zusammengestellt, aber ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die ersten Kommentare aus Praktiker-Sicht sind bereits eingefügt und an der Kursivschrift zu erkennen. Vielleicht fehlt aber noch etwas? Weitere Ergänzungen unserer Leserinnen und Leser nehmen wir gerne auf!

1 Jungsauen
Gesundheitsstatus zugekaufter Jungsauen prüfen. Der Impfstatus sollte dem des eigenen Bestandes entsprechen, möglichst „frei von“ kaufen und dann impfen.

Eingliederung für min. 6 besser 9 Wochen – Zweiteilung: 3 Wochen komplett Quarantäne und dann noch einmal 3-6 Wochen Eingliederung inkl. Impfungen.

Im Quarantänestall die zugekauften Tiere mit den stalleigenen Keimen in Kontakt bringen. Weitere Impfungen während der Quarantäne vornehmen. Nicht nur die Impfungen der Jungsauen, sondern auch die in der Stammherde des Aufzuchtbetriebs erfragen.

Jungsauenzukauf: möglichst „gebündelt“, d.h. nicht jede Gruppe, sondern 2-4 Mal pro Jahr. Und natürlich kann man auch Eigenremontierung erwägen und die Jungsauen selbst nachziehen.

2 Bestands-Screening
Im Betrieb vorhandene Erreger kennen und bei der Jungsauen-Eingliederung entsprechend impfen oder mit Stallkeimen in Kontakt bringen. Erfolgskontrolle für die Impfungen (ist der Stall z. B. komplett PRRS-frei, kann auf diese Impfung verzichtet werden). Alle 3-6 Monate Blutchecks.

Ganz ehrlich – die Serologie ist oftmals das Geld nicht wert, wofür sie gemacht wird, es sei denn der Betrieb ist ein unverdächtiger Betrieb – aber bei einem positiven Betrieb ist die Aussage gleich Null.

3 Stallhygiene
Beim Reinigen der Abteile und Gänge auch immer an Lüfter, Treibbretter, Paddel, Besen und den Hochdruckreiniger denken. Reinigungsmittel werden bei 20 Grad Oberflächentemperatur getestet, deswegen im Winter die Konzentration erhöhen.

Hier bitte die Desinfektion nicht vergessen und Vorsicht: Aldehyde haben ebenfalls einen Kältefehler. Dann bitte nur DVG gelistete Präparate verwenden und schön auf die Aufwandmenge achten – v.a. wenn der Stall noch „nass“ sein sollte (Verdünnungseffekt).

4 Tierhygiene
Vor dem Abferkeln Sauen waschen und Keime und Parasiteneier entfernen/minimieren (Sauen-Gesäuge!). Wird im Winter nicht gewaschen, gegen Würmer etc. intensiver vorgehen. Kleine Verletzungen gleich behandeln, Nabel beim Ferkel desinfizieren, Messer fürs Kastrieren desinfizieren (3 Messer einsetzen und diese reihum benutzen, damit immer 2 Messer eine Weile in der Desinfektionslösung liegen. Wenn Schwänze kupiert werden sollen, heißen Draht verwenden.

Beim Impfen wurfweise die Kanülen wechseln. Verschiedene Farben (Treibpaddel, Brett, Eimer, Stiefel, usw.) für verschiedene Stallbereiche. Vor den Abteilen Desinfektionsmatten oder –wannen verwenden (mindestens im Abferkelstall). Bei der Tierkontrolle von klein zu groß gehen (v. a. Ferkelaufzucht & Mast). All in – all out, kein zurückstallen, kein Mischen von Altersgruppen.

5 Personal-Hygiene
Einduschen einschließlich Haare waschen. Je Stall eigene Kleidung (die auch gerne regelmäßig gewaschen werden darf) und eigenes Werkzeug (farbig markiert). Stiefel (auch die freuen sich über regelmäßige Reinigung), Overall aber auch Kopfbedeckung (Spinnweben), Handschuhe für den Tierarzt z. B. (Zoonose-Erreger, die vom Schwein auf den Menschen, aber auch von Mensch zu Schwein übertragen werden können). Tierärzte und Tierhalter, die auch Jäger sind, sollten ihre Jagdkleidung nicht auf dem Betriebsgelände tragen (auch nicht Stiefel oder Hut).

Strikte schwarz-weiß Trennung. Wir arbeiten nur mit Handschuhen – ansonsten Hände desinfizieren. Hier ganz wichtig bei den Jägern – der JAGDHUND. Und auch Katzi hat nichts im Stall zu suchen. Dann stets den Stall abschließen, damit nicht ungebetene Besucher kommen. Verbrauchsmaterialien desinfizieren, bevor sie mit in den Stall kommen.

6 Futter
Wird Futter länger gelagert, bilden sich allein durch Wettereinflüsse Bakterien (Kondenswasser)
Rückstellproben helfen die Ursache eventueller Erkrankungen zu finden. Das Silo am besten professionell reinigen lassen und auch den Vorlaufbehälter nicht vergessen.

Die Silos regelmäßig auch mal leer werden lassen – super sind zwei Silos, die im Wechsel benutzt werden.

7 Wasserhygiene
Unterschiedliche Durchflussraten für Sauen und Ferkel prüfen. Wasser untersuchen lassen, aber bei der Probenentnahme nicht lange laufen lassen, sondern den ersten Schwall verwenden (den ja auch das Tier trinkt). Beim Ausspülen des Biofilms alle Nippel abschrauben und: es gibt auch Ultraschallreinigung – oder allgemeine Wasserhygienisierungsanlagen (Chlordioxid oder Envirolyte)

8 Schadnager und Fliegen
Rattengifte auf Cumarin-Basis wirken schlecht, wenn Mais in der Nähe angebaut wird. Denn Mais enthält Vitamin K, das natürliche Gegengift fürs Cumarin. Die Köder sollten dort aufgestellt werden, wo die Nager tatsächlich entlanglaufen, gleichzeitig aber nicht zu leicht zugänglich sein, um Hofhund, Katze und die eigenen Kinder zu schützen.

Da solche Maßnahmen gerne in stressigen Zeiten liegen bleiben, evtl. durch professionelle Firma machen lassen. Die haben a) Erfahrung, b) die richtigen Mittel und c) sind sie konsequent am Ball.

Wenn Heu oder Stroh zu gefüttert oder als Beschäftigungsmaterial eingesetzt werden. Stroh, das in die Gülle fällt, bildet jedoch eine Schwimmschicht und biet)et einen idealen Brutplatz für Fliegen. Dagegen helfen am besten Schlupfwespen und Auskratzen der Reste (oder halt regelmäßig spülen).

PS: Ganz heikel ist auch immer die Kadaverlagerung – befestigt, geschützt,…

Positionspapier zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration

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Verschiedene Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft, berufsständischen Organisationen und Behörden haben ein gemeinsames Positionspapier zur Lokalanästhesie zur wirksamen lokalen Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration auf den Weg gebracht. In einem Austausch wurde eine gemeinsame Position zusammengetragen, die auch eine Indikationserweiterung von Procain für die Lokalanästhesie fordert.

Von vielen Seiten würde erwartet, dass es mit dem Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab 1. Januar 2019 zu einer massiven Strukturveränderung bei den Tierhaltungsbetrieben kommen wird, weil die bisher zugelassenen Verfahren teuer und wenig praxisgerecht sind. Das hätte deutliche Auswirkungen auf den gesamten Markt, da sich die Bezugsquellen für Industrie und Handel ändern würden. Insbesondere sei zu fürchten, dass kleinere Sauenhalter ihren Betrieb aufgeben, wenn die Schmerzausschaltung mit einer Medikamentengabe durch den Landwirt nicht ermöglicht wird. Es müsse deshalb schnellstmöglich, spätestens bis Ende 2018 eine Indikationserweiterung von Procain, für die Lokalanästhesie erreicht werden. Denn dann könnte der Tierhalter selbst das Tier angemessen behandeln. Die Unterzeichner stellten fest, dass nach derzeitigem Kenntnisstand die lokale Betäubung eine wirksame Schmerzausschaltung gewährleisten sollte.

Ziel sei es, bis Ende 2018 eine umsetzbare Lösung für das Verfahren der Lokalanästhesie zu realisieren. Sollte dies nicht gelingen, betonen die Verfasser des Positionspapiers, müssten rechtzeitig Schritte für Übergangslösungen eingeleitet werden.

Das Positionspapier steht bei QS zum Download bereit.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Anmerkung der Redaktion: Zumindest die Bundestierärztekammer hat sich bisher gegen diese Form des „4. Weges“ ausgesprochen. Auf einen Kommentar zum neuen Positionspapier darf man gespannt sein.

Inzwischen über 1.000 Wölfe in Deutschland – Risszahlen nehmen dramatisch zu

Im Rahmen der Anhörung im Umweltausschuss des Deutschen Bundestags zum Wolf fordert der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Eberhard Hartelt, eine sachliche Diskussion. Dazu gehöre auch die ehrliche Offenlegung von Zahlen. „Wir müssen bereits von über 1.000 Wölfen in Deutschland ausgehen. Es dürfe nicht immer nur verharmlosend die Anzahl der Rudel oder erwachsenen Einzeltiere genannt werden“, betont Hartelt. „Eine Koexistenz zwischen Wolf und Weidetierhaltung in Deutschland braucht die Regulierung des Wolfes“, so Hartelt.

Nach einer Schätzung des Deutschen Bauernverbandes gibt es Anfang 2018 über 1.000 freilebende Wölfe in Deutschland. Die Zahlen basieren auf der Grundlage der offiziellen Wolfsstatistik des DBBW/BfN für das Jahr 2016 und einer Hochrechnung für das Jahr 2017 auf Basis von Angaben über die Anzahl von Wölfen pro Rudel des NABU. Entsprechend dieser rasanten Zunahme an Wölfen ist auch die Zahl der gerissenen Tiere in der Landwirtschaft dramatisch gestiegen. Allein in Niedersachsen wurden 2017 durch Wölfe 403 Nutztiere getötet. Ein Jahr vorher waren es noch178 Risse, was mehr als einer Verdoppelung innerhalb nur eines Jahres entspricht. Damit kommt es bundesweit auf schätzungsweise rund 1.500 Risse im Jahr 2017. „Wir sehen, dass der Herdenschutz alleine nicht funktioniert. Mehr Wölfe bedeuten automatisch mehr Risse. Wir brauchen dringend ein aktives Wolfsmanagement und einen konsequenten Schutz der Weidetiere“, sagt DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Zur Berechnung:

Das Bundesamt für Naturschutz spricht für das Jahr 2016 lediglich von 60 Wolfsrudeln und 13 Paaren in Deutschland. Dabei wird ignoriert, dass nach Angaben des NABU jedes Rudel nicht nur aus den 2 erwachsenen Wölfen, sondern auch aus 6 bis 8 Welpen und 2 bis 4 Jährlingen besteht.

Nach den amtlichen Zahlen der Wolfsstatistik ist für das Jahr 2016 somit von einer Wolfspopulation von ca. 630 bis 870 Tieren auszugehen. Für das Jahr 2017 unter Berücksichtigung der aktuellen jährlichen Zuwachsrate der Wolfspopulation in Höhe von 30 Prozent schätzt der DBV den Wolfsbestand auf 800 bis 1.100 Tiere für Anfang 2018. Der gute Erhaltungszustand der Wolfspopulation dürfte damit bereits mit den in Deutschland lebenden Wölfen erreicht sein, obgleich die Wölfe Teil einer sehr viel größeren zentraleuropäischen Flachlandpopulation sind. Danach ist der Wolf nicht mehr im Bestand gefährdet und kann nach EU-Naturschutzrecht reguliert werden.

Quelle: Deutscher Bauernverband

Die neue AMI Markt Bilanz Vieh und Fleisch 2018

In 2017 war die Rindfleischerzeugung in Deutschland leicht rückläufig, für 2018 wird mit einer stabilen Produktion gerechnet. Zugleich erfreut sich Rindfleisch einer zunehmenden Beliebtheit. Gewinnen die Importe, etwa von hochwertigem Rindfleisch aus Argentinien, weiter an Bedeutung?

Bei der Vermarktung von deutschem Schweinefleisch erschweren der starke Euro und der intensive Wettbewerb den globalen Handel. Die größte Sorge bleibt aber die Afrikanische Schweinepest und deren Ausbreitung von Osteuropa in Richtung Westen. Wie setzt sich die Entwicklung am Schlachtschweinemarkt fort? Wie verändern sich die Warenströme im nationalen und internationalen Handel?

Die AMI-Marktexperten haben dazu ausführliche Fakten und Daten in der AMI Markt Bilanz Vieh und Fleisch 2018 zusammengestellt. Das Jahrbuch zeigt aktuelle Trends an den deutschen und europäischen Märkten sowie dem Weltmarkt auf. Zusätzlich veranschaulichen AMI Markt Charts die Zusammenhänge. Marktbeteiligte erhalten durch die Bewertung der Einflussfaktoren auf das Marktgeschehen eine solide Grundlage für ihre strategischen Entscheidungen.

Die aktuellen und umfassenden Daten beleuchten die nationalen und internationalen Märkte für Rinder, Schweine und Schafe. Dazu gehören Inlandserzeugung von Vieh und Fleisch, Absatz, Verarbeitung, Außenhandel sowie Verbrauch und Preise. Über 170 Tabellen mit ausführlichen Zeitreihen bieten zudem umfangreiche Vergleichsmöglichkeiten mit den eigenen Unternehmens- und Branchendaten.

Die AMI Markt Bilanz Vieh und Fleisch 2018 ist ab dem 23. April 2018 lieferbar. Die Buchausgabe im A5-Format hat 178 Seiten und kostet 207,60 EUR zzgl. 7 % MwSt. und Versand.

Mit dem „eBook plus“ als pdf-Dokument werden zusätzlich alle Kennzahlen zu Deutschland, der EU und der Welt als Excel-Tabellen bereitgestellt. Die digitale Ausgabe steht ab sofort zum Download zum Preis von 329,00 EUR zzgl. 19 % MwSt. zur Verfügung.

Beide Versionen können bequem im AMI Shop online bestellt werden.

Quelle: AMI

Optimistische Hühner trotz Stress

Hühner, die in einer komplexen Umgebung aufwachsen, bewahren sich eine optimistische Sicht auf das Leben und bewältigen Stress besser, sagen Forscher der Universität Linköping, Schweden.

Um überhaupt optimistische von pessimistischen Hühnern unterscheiden zu können, wurde Küken zunächst beigebracht, Schwarz und Weiß zu unterscheiden, wobei eine der Farben eine Belohnung versprach.

Hatten die Küken gelernt, wo sich die Belohnung verbag, wurden sie mit grauen Symbolen konfrontiert. Hühner, die auf die gleiche Weise wie auf die „Belohnungs-Farbe“ reagierten, stuften die Wissenschaftler dann als optimistisch ein. Die anderen Tiere galten als weniger optimistisch.

Hühner die als optimistisch eingestuft wurden, zeigten auch höhere Dopaminwerte und beim Menschen korreliert Dopamin mit Wohlbefinden und Optimismus.

In ihrer Studie verglichen die Schweden dann Hühner, die in einer eher sterilen Umgebung, mit denen, die in einer komplexeren und stimulierenden Umgebung aufgewachsen waren. „Ein interessantes es zeigte sich, dass Hühner aus beiden Umgebungen gleichermaßen optimistisch waren, bevor sie Stress ausgesetzt wurden.

Stress induzierten die Forscher, indem sie Gegenstände in den Ställen bewegten und die Hühner Licht- und Geräuschen in unregelmäßigen Intervallen aussetzten. Die Tiere waren solchen Belastungen für eine begrenzte Zeit ausgesetzt. Nur wenn die Hühner Stress ausgesetzt waren, zeigten sich Unterschiede: Individuen, die in einer einfacheren Umgebung gelebt hatten, verloren nach Stress ihre optimistische Einstellung, während Hühner in einer komplexeren Umgebung ihre optimistische Einstellung behielten und somit besser in der Lage schienen Stress bewältigen.

„Wenn ein Huhn sich unter etwas verstecken oder irgendwo hoch fliegen kann, kann es eine stressige Situation besser bewältigen. Wir glauben, dass die Möglichkeit, die Situation besser zu kontrollieren, dazu führte, dass diese Tiere auch nach einer Periode mit erhöhtem Stress optimistisch bleiben konnten“, zitiert Scientific Reports die Ethologin Josefina Zidar.

Quelle

Original-Studie

Bayer und World Farmers’ Organisation unterstützen mit Care4Cattle das Wohlergehen von Rindern

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Globale Care4Cattle-Initiative unterstützt innovative Ansätze zur Steigerung des Wohlergehens von Rindern in landwirtschaftlichen Betrieben mit 30.000 Euro.

Jeden Tag kümmern sich Rinderhalter mit beeindrucken¬dem Engagement um das Wohlergehen und die Gesundheit ihrer Tiere. Um ihren Einsatz zu unterstützen, hat Bayer in Zusammenarbeit mit der World Farmers’ Organisation (WFO) die globale Care4Cattle-Initiative ins Leben gerufen, die innovative Ansätze zur Förderung des Tierwohls mit insgesamt 30.000 Euro fördern wird.

Das Tierwohl betrifft sowohl die physische als auch mentale Gesundheit der Vierbeiner. Verbesserungen in diesem Bereich erfordern einen fortwährenden Prozess, Zusammenarbeit und Engagement. Die Initiative Care4Cattle bietet Fördergelder für Tierärzte in der Großtierpraxis, Landwirte und für Wissenschaftler, die daran arbeiten, das Wohlergehen von Milchkühen und Mastrindern in landwirtschaftlichen Betrieben mit innovativen und praxisorientierten Ansätzen zu steigern.

„Care4Cattle ist unsere neue spannende Initiative zur Förderung des Tierwohls, und wir freuen uns, dass wir dabei mit der World Farmers’ Organisation zusammenarbeiten können. Mit Care4Cattle unterstützen wir Rinderhalter dabei, das Wohlergehen ihrer Tiere zu fördern, ermutigen zu innovativen Denkansätzen und helfen mit, großartige Ideen zum Tierwohl Wirklichkeit werden zu lassen. Wir kümmern uns um das Tierwohl, weil wir das für richtig und notwendig halten“, betonte Dirk Ehle, Head of Animal Health bei Bayer.

Theo De Jager, Präsident der World Farmers’ Organisation, erklärt: „Das Tierwohl gewinnt weltweit immer mehr an Bedeutung. Die wirksame Umsetzung nachhaltiger Standards für das Tierwohl erfordert ständige Innovation und starke Partnerschaften zwischen Landwirten, Unternehmen und allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung und der Gesellschaft. Deshalb sind wir sehr froh, bei diesem Projekt mit Bayer zusammenarbeiten zu können. Wenn das Wohlergehen der Rinder in den Betrieben gesteigert wird, kommt das letztendlich auch den Landwirten zugute.“

Über Care4Cattle

Die Care4Cattle-Initiative bietet Akteuren in der Rinderhaltung finanzielle Unterstützung, um das Wohlergehen von Milchkühen und Mastrindern in den landwirtschaftlichen Betrieben zu fördern. Bayer stellt dazu insgesamt 30.000 Euro für Projekte bereit, die von einer Jury ausgewählt werden. Diese setzt sich aus unabhängigen Experten im Bereich Tierwohl sowie Vertretern von Bayer und der World Farmers’ Organisation zusammen.

Um die Fördergelder bewerben können sich Landwirte, Rinderhalter, praktizierende Tierärzte, die zur Umsetzung von Maßnahmen für das Tierwohl eng mit Landwirten zusammenarbeiten, sowie Wissenschaftler und Studenten in den Bereichen Tiermedizin oder Landwirtschaft, die bei der Erforschung des Tierwohls mit Landwirten zusammen arbeiten. Die Projekte müssen innovative, praxisorientierte Ansätze zur Förderung des Wohlergehens von Rindern in landwirtschaftlichen Betrieben beinhalten. Bewerbungen werden bis zum 25. Juni 2018 entgegen genommen.

Weitere Informationen zu Care4Cattle und zur Teilnahme

Quelle: Bayer Vital

Der Verdrängungswettbewerb in der Schlacht- und Fleischverarbeitungsindustrie hielt im abgelaufenen Jahr unvermindert an und hinterlässt Spuren. Nicht jeder Name des Vorjahres-Rankings findet sich 2017 wieder. Dementsprechend konnten andere Unternehmen die Zahl der Schlachthaken erweitern bzw. intensiver nutzen und die Plätze besetzen. Die ISN hat bei den Schlachtunternehmen die neuesten Entwicklungen und Trends abgefragt und im bekannten ISN-Schlachthofranking zusammengefasst.

Platz 1: Tönnies investiert in Wurstherstellung

Der Marktführer konnte seine Position bezogen auf die Anzahl der geschlachteten Schweine im vergangenen Jahr ausbauen. Dieses ist insbesondere auf den Ausbau des Standortes in Schleswig-Holstein zurückzuführen. Der Schlachthof in Kellinghusen wird Schritt für Schritt modernisiert und die Kapazitäten sollen auf jährlich 1,7 Mio. Schweine aufgestockt werden. Deutlich stärker als in zusätzliche Schlachthaken investierte Tönnies im vergangenen Jahr in die Verarbeitungskapazitäten.
Gerade im ersten Halbjahr hat eine regelrechte Insolvenzwelle, ausgelöst durch gestiegene Rohstoffpreise, die Wurstindustrie überrollt. Ein Nutznießer war Tönnies, der u.a. die Lutz-Fleischwaren sowie die Unternehmen Astro und Marten übernehmen konnte. Auch der Streit der Eigentümerfamilien konnte im vergangenen Jahr mit einer Neustrukturierung der Gesellschaften und der Unternehmensführung beigelegt werden.

Platz 2: Vion konzentriert sich auf wirtschaftliche Standorte

Das Unternehmen Vion konnte die Schlachtzahlen aus dem Vorjahr nicht halten. Hauptgrund für den Rückgang dürfte die Schließung des Standortes im niedersächsischen Zeven im April 2017 gewesen sein. Der Druck auf dem hart umkämpften Fleischmarkt sei zu hoch, um diesen Standort wirtschaftlich zu betreiben, hieß es seinerzeit. Stattdessen soll der Standort in Emstek, der über die Exportlizenz nach China verfügt, auf
80.000 Schweine/Woche ausgebaut werden. Hinsichtlich der Preis- und Bezahlmodelle könnte Vion in Deutschland bald neue Wege gehen. In den Niederlanden werden bereits über Verträge deutlich breitere Preismasken sowie längerfristige Abrechnungspreise angeboten, um das Anlieferverhalten der Landwirte zu glätten und die Gesamtwirtschaftlichkeit für beide Parteien zu erhöhen. Ob diese Programme auch in Deutschland eingeführt werden, dürfte sich in 2018 zeigen.

Platz 3: Westfleisch auf Expansionskurs

Die westfälische Genossenschaft sieht sich durch den Geschäftsverlauf
2017 auf einem durchweg positiven Weg. Gerade in der genossenschaftlichen Struktur und damit der Nähe zur Landwirtschaft sehen die Westfalen einen Vorteil, der gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel und damit dem Verbraucher kommuniziert werden kann. Für die Zukunft stehen die Zeichen dementsprechend weiter auf Wachstum. Insbesondere die Kapazitäten in Oer-Erkenschwick sollen nach den Westfleisch-Plänen auf ca. 100.000 Schweine/Woche erhöht werden.

Mittelstand: Positive Entwicklungen

Auf den Plätzen 4-10 gibt es, gemessen an den Stückzahlen, durchweg positive Entwicklungen. Angesichts des rückläufigen Gesamtmarktes sind diese Ergebnisse durchaus überraschend. Allerdings zeigen die Zahlen nicht die ganze Wahrheit, da mit der Insolvenz der Vogler-Unternehmensgruppe der fünftgrößte Schlachtbetrieb im vergangenen Jahr aus dem Markt und damit aus dem Ranking ausschied. Die Kapazitäten in Steine und Bremen stehen bis heute still, wodurch die übrigen Unternehmen, insbesondere in Norddeutschland profitieren konnten. Mit besonders hohen Wachstumszahlen stechen Danish Crown und die Willms Gruppe (ehemals Düringer Fleischkontor) heraus. Danish Crown konnte mit der Übernahme der Teterower Fleisch GmbH die Schweine- und Rinderschlachtungen in Deutschland erheblich steigern. Die Willms-Gruppe übernahm nach der Mehrheitsbeteiligung am Düringer Fleischkontor im vergangenen Jahr auch den Bochumer Fleischhandel mit einer Schlachtkapazität von ca. 400.000 Schweinen/Jahr.

Ausblick: Branche vor Strukturkrise – Haltungskennzeichnung als Antwort?

Die gesamte Schweinefleischbranche sieht sich aktuell massiven Herausforderungen gegenüber, die auch die Schlachtunternehmen im Speziellen treffen werden. Hinsichtlich des Ausstiegs aus der betäubungslosen Ferkelkastration Ende 2018 fehlt noch immer eine praktikable Lösung, die die Wirtschaftlichkeit gegenüber den Nachbarländern nicht gefährdet und gleichzeitig eine breite Akzeptanz im Fleischmarkt hat. Eine noch größere Bedrohung wird von vielen Unternehmen in der Afrikanischen Schweinepest gesehen, die nur wenige hundert Kilometer vor der deutschen Grenze in Polen und Tschechien grassiert. Sollte das Virus auch in Deutschland auftreten, könnten die Fleischunternehmen die Exportlizenz für viele Drittlandstaaten zumindest für einen gewissen Zeitraum verlieren, mit erheblichen finanziellen Einbußen. Hier ist die Politik gefragt, in den Veterinärzertifikaten mit den Abnehmerländern die notwendigen Unterscheidungen zwischen dem Auftreten in Haus- und Wildschweinebeständen zu verhandeln.

Nicht zuletzt zeigen die Insolvenzen des vergangenen Jahres, wie stark die enormen Preisschwankungen die Liquidität aller Betriebe der Wertschöpfungskette belasten. „Vor dem Hintergrund der zahlreichen Herausforderungen in Deutschland und dem stetig zunehmenden Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen EU-Staaten zeigen sich viele Marktbeteiligte durchaus offen gegenüber den Diskussionen über eine Haltungskennzeichnung in Deutschland“, so die Einschätzung von ISN-Marktexperte Matthias Quaing. „Zu vermeiden ist ein Label-Wirrwarr.
Wenn es jedoch gelingt, die gesamte Kette, vom Ferkelerzeuger bis zur Fleischverarbeitung, in ein einheitliches System zur Haltungs- und Herkunftskennzeichnung zu integrieren, könnte das mittelfristig ein Bonus im Vertrauen der Lebensmittelhändler und Verbraucher in deutsches Schweinefleisch bedeuten“ appelliert Quaing an eine ganzheitliche und für die Branche machbare Umsetzung von möglichen staatlichen Programmen.

Quelle: ISN

Gesundheitstränker – Neue Wege zur Antibiotika-Reduktion in der Schweiz

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Auch in der Schweiz ist Antibiotika-Reduktion in der Nutztierhaltung ein heißes Thema. In enger Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat der Schweizer Kälbergesundheitsdienst (KGD) ein spezielles Forschungsprogramm für die Kälbermast gestartet und vergleicht die Einstallung von „Gesundheitstränkern“ mit herkömmlich aufgezogenen Tränkern (Tränker = Kalb von ca. 75 kg ab Geburtsbetrieb).

Konkret geht es um die Optimierung von Haltung, Fütterung und um die Impfung des Kalbes in den ersten Lebenswochen, wie Dr. Corinne Bähler, Kälberspezialistin beim KGD, im Interview erläutert. Kolostrum-Versorgung, ad libitum Versorgung mit Milch, Selen- und Eisengaben sowie die Impfung gegen Rindergrippe bereits am 7. Lebenstag gehören zum Programm.

Die Faktorenkrankheit „Rindergrippe“ steht im Fokus und die Impfung auf dem Geburtsbetrieb stellt einen Teil der Untersuchungen dar. Ob die Impfung auf dem Geburtsbetrieb in der Praxis tatsächlich nur Vorteile bringt, ist eine der entscheidenden Fragen. Kommt ein Kalb etwa schon vor der Impfung in Kontakt mit den Erregern der Rindergrippe, kann die Krankheit durch die Impfung ausbrechen bzw. sich verschlimmern. In einem weiteren Projekt testet der KGD, wann der beste Zeitpunkt für die Erstimmunisierung sowie ob und wann Boostern nötig ist.

Die Gesundheitstränker laufen im Feldversuch bereits seit 18 Monaten, während die wissenschaftliche Begleitung vor einem halben Jahr startete. Hierbei wird jeweils ein Gesundheitstränker mit einem herkömmlich aufgezogenen Kalb vom gleichen Geburtsbetrieb verglichen. Die Ergebnisse der Studie sollen in etwa einem Jahr vorliegen.

Ganz entscheidend sei aber auch die wirtschaftliche Seite, betont die Tierärztin „Es muss Anreize bzw. einen Return-on-Investment für den Geburtsbetrieb sowie für den Mastbetrieb geben, wenn das System der Gesundheitstränker Erfolg haben soll.“

Während der Projektphase erhalten die Geburtsbetriebe CHF 70.- zusätzlich. Die Studie soll u.a. zeigen, ob diese Mehrkosten sich für den Züchter wie für den Mäster rechnen, denn in der schweizerischen Schweinebranche ist es heute schon üblich, dass die Impfkosten zwischen Zucht- und Mastbetrieben zu gleichen Teilen getragen werden.

Auch auf den Antibiotikaeinsatz generell geht Corinne Bähler im Gespräch ein: „Sie sind als Tierarzt ein Held, wenn Sie weniger Antibiotika verschreiben (müssen).“ Leicht nachvollziehbar, wenn Behandlungskosten von 20,- oder 30,- Franken einem Verkaufserlös von CHF 120,- pro Kalb gegenüberstehen.

Hier das komplette Interview mit Dr. Corinne Bähler:

Die neue AMI Markt Bilanz Milch 2018

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Der Milchmarkt hat sich 2017, bei zunächst reduziertem Rohstoffaufkommen, weiter erholt. Die Produktmärkte drifteten aber stark auseinander. Während sich Milchfett extrem verteuerte, blieb die Eiweißseite schwach. Die steigenden Erzeugerpreise brachten die Milchproduktion wieder auf Wachstumskurs.

Anfang 2018 hat ein weiterhin hohes Milchaufkommen den Marktverlauf bestimmt. Die Erzeugerpreise gaben im Zuge der Preisrückgänge an den Produktmärkten kräftig nach. Zudem verstärken sich wirtschaftliche wie auch politische Unsicherheiten. Auch die externen Forderungen an die Produktion nehmen zu. Wie geht es vor diesem Hintergrund weiter? Kann die Nachfrage das zusätzliche Angebot aufnehmen? Welche Rolle spielt dabei China?

Die AMI-Marktexperten haben zu diesen und vielen anderen Fragen ausführliche Fakten und Daten in der Markt Bilanz Milch 2018 zusammengestellt. Das Jahrbuch zeigt aktuelle Trends an den deutschen und europäischen Märkten sowie in wichtigen Drittländern auf. Zusätzlich veranschaulichen AMI Markt Charts die Zusammenhänge. Marktbeteiligte erhalten durch die Bewertung der Einflussfaktoren auf das Marktgeschehen eine solide Grundlage für ihre strategischen Entscheidungen.

Die aktuellen und umfassenden Daten beleuchten den nationalen und internationalen Milchmarkt. Dazu gehören Erzeugung, Außenhandel, die Marktversorgung und Verbrauch von Milch und Milchprodukten.

Über 260 Tabellen mit ausführlichen Zeitreihen bieten zudem umfangreiche Vergleichsmöglichkeiten mit den eigenen Unternehmens- und Branchendaten.

Die AMI Markt Bilanz Milch 2018 ist ab dem 17. April 2018. Die Buchausgabe im A5-Format hat 266 Seiten und kostet 207,60 EUR zzgl. 7 % MwSt. und Versand.

Mit dem „eBook plus“ als pdf-Dokument werden zusätzlich alle Kennzahlen zu Deutschland, der EU und wichtigen Drittländern als Excel-Tabellen bereitgestellt. Die digitale Ausgabe steht ab sofort zum Download zum Preis von 329,00 EUR zzgl. 19 % MwSt. zur Verfügung.

Quelle: AMI GmbH

Kuhflüsterer Joep Driessen verrät 5 wichtige Punkte für mehr Tierwohl und zufriedenere Landwirte

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Landwirte stehen vor großen Herausforderungen. Die Gesellschaft erwartet viel und die Gesetzgebung wird mehr. Heutzutage ist ein Bauer nicht nur jemand, der sich um Tiere kümmert, er ist mehr und mehr ein Unternehmer, der alles wissen muss. Ich bin davon überzeugt, dass wir viel tun können, um den Tierschutz zu verbessern und dem Landwirt das Leben zu erleichtern.

Zunächst sehe ich, dass es einen großen Fokus auf das Messen von Daten gibt, aber nicht auf praktische Lösungen. Eine Zunahme des Messens und der Daten von Sensoren geben uns einen schnelleren und besseren Einblick, was schief gehen könnte. Wir vergessen jedoch, dem Landwirt zu helfen, die zugrunde liegenden Probleme zu lösen. Praktisches Training ist hier der größte Gewinn. Es gibt kaum einen Beruf, der so wenig Aufmerksamkeit für eine kontinuierliche Ausbildung hat wie der Agrarsektor. Landwirte sollten häufiger neue Einsichten erhalten und praktische Lösungen teilen.

Als nächstes sollten wir meiner Meinung nach mehr Aufwand in die Prävention investieren. Als Tierarzt musste ich oft dieselben Krankheiten behandeln. Sehr unbefriedigend, da ich genau weiß wo die Ursachen liegen. Für mich ist es viel interessanter, sich darauf zu konzentrieren, wie wir Krankheiten vorbeugen können.

Schließlich glaube ich, dass Berater ein breiteres Verständnis von Faktoren außerhalb des eigenen Fachgebiets erlangen sollten. Futterberater sollten nicht nur die perfekte Ration kennen, sondern auch wissen, wie Management und Haltung die Futteraufnahme beeinflussen. Tierärzte und Hufpfleger sollten sich darüber im Klaren sein, wie man Krankheiten und Lahmheiten vorbeugen und nicht nur behandeln kann. Alle Berater sollten auch in der Lage sein, über die wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Vorschläge zu sprechen. Ein Bauer muss wirtschaftlich arbeiten.

Wenn wir diese drei Ausgangspunkte beachten:
• Nicht nur Daten messen, sondern auch praktische Lösungen im Fokus haben;
• mehr Aufwand in die Prävention einbringen;
• ausgehen von einem breiten Blickwinkel, der Gesundheit, Management, Haltung, Fütterung und Wirtschaftlichkeit umfasst.

Es gibt 5 Themen, die uns helfen können, den Tierschutz und das Wohlergehen der Landwirte zu verbessern.

1. Die Kuhsignale erkennen
Beginne mit der Grundlage. Landwirte und ihre Mitarbeiter sollten in der Lage sein, alle Kuhsignale zu erkennen und verstehen, was diese Signale verursacht. Nur so können sie an der Prävention arbeiten. Ich glaube, dass es viel zu gewinnen gibt, wenn man praktische Ideen unter Landwirten austauschen kann. Nur so können wir sicher sein, dass Lösungen durchführbar sind und das das Wohlergehen der Landwirte verbessert wird. Ich sage immer: Bauern lernen von Bauern!

2. Stressfreier Umgang mit Tieren
Mit Vieh zu arbeiten ist gefährlich. Die Forschung zeigt, dass immer noch viele Unfälle passieren. Ein Teil dieser Unfälle kann verhindert werden, wenn Menschen vorhersehbar und stressfrei mit Kühen umgehen. Wir sehen auch, dass ein ruhiger Umgang die Lahmheit reduziert und somit die Milchproduktion erhöht. Es gibt einfache Techniken, von denen nur wenige wissen.

3. Aufzucht junger Bestände
Gut begonnen ist halb erledigt. Totgeborene Kälber sind ein ernstes Problem, für das Krankheitsprävention die einzige Lösung ist. Durchfall- und Hustenkälber kosten den Bauern ohnehin viel Zeit und Geld. Sie wollen keine beeinträchtigten Lungen und Därme. Kälber, die gesund bleiben, geben mehr Milch und leben länger als Milchkuh. Wir sehen, dass die Kosten für die Jungviehaufzucht auf einer gut geführten Farm etwa 3 Cent pro Liter Milch betragen, während sie auf einem schlecht bewirtschafteten Bauernhof 5 Cent betragen.

4. Fokus auf Futter
Pansen-Azidose ist der stille Killer unserer Kühe. Futter ist ein wichtiger Faktor, um Kühe gesund zu halten. Die Fütterung wird oft den Futterberatern überlassen, die eine ausgezeichnete Kenntnis der Futterqualität haben. Der Einfluss von Management und Haltung wird jedoch oft vergessen. Es wäre gut für Landwirte und Berater, sich zu diesen Themen zu schulen.

5. Fokus auf Menschensignale
Egal, wie viel Wissen Sie als Berater haben, Sie müssen die Signale der Menschen genauso gut erkennen. Nur dann können Sie die zugrunde liegenden Probleme entdecken, den Widerstand verfolgen und dem Landwirt helfen, nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Das Gleiche gilt für die Landwirte und Ihre Mitarbeiter. Es zeigt sich im Tierwohl und in der Arbeitseffizienz, wenn Sie Ihre Mitarbeiter auf das gleiche Niveau bringen.

Über CowSignals
CowSignals zielt darauf ab, das Wohlergehen der Milchkühe zu verbessern und die Arbeitszufriedenheit und das Einkommen der Bauern zu erhöhen. Wir bieten Milchbauern, Tierärzten, Futterberatern, Stalldesignern, Besamungsstationen und Hufpflegern praktische Schulungen an. Diesen Juni organisieren wir 4 offene Trainings:

19. Juni Stressfreier Umgang mit Tieren
20. Juni Jungviehsignale
21. Juni Fütterungssignale
22. Juni Menschensignale
Sprache: Englisch

Weitere Informationen gibt es hier.

Autor: Joep Driessen, Gründer von CowSignals

Wer Joep Driessen in Aktion sehen will, kann sich dieses Video ansehen. Vor ziemlich genau 10 Jahren waren wir mit ihm im Kuhstall.

Wie der Schutz vor BSE in Europa künftig gewährleistet werden kann

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Taumelnde Kühe, Angst vor Ansteckung beim Konsum von Rindfleisch – die Krise um die Gehirnkrankheit BSE, den sogenannten „Rinderwahn“, hielt um die Jahreswende 2000/2001 ganz Europa in Atem. Die europäische Kommission verbot daraufhin das Verfüttern von Tiermehl aus verarbeiteten Schlachtabfällen an Stalltiere. Damit wurde die Infektion mit den gefährlichen BSE-Erregern erfolgreich unterbunden – es traten kaum noch Fälle von Rinderwahn in Europa auf.

Doch Landwirte müssen bei der Aufzucht von Schlachttieren auf proteinreiches Kraftfutter nicht völlig verzichten: Denn bestimmte tierische Produkte – sogenannte verarbeitete tierische Proteine – dürfen dem Futter nach wie vor beigemischt werden oder wurden wieder zugelassen. So dürfen etwa Kälber bis zum Absetzalter mit Fischmehl gefüttert werden, ebenso ist Fischmehl zur Verfütterung an Schweine oder Hühner zulässig. Generell darf Tiermehl, das von Wiederkäuern stammt, nicht verfüttert werden. Weil die verschiedenen Futterarten aber oft in der gleichen Fabrik hergestellt werden, entsteht ein Risiko für Verunreinigungen — von bewussten illegalen Beimischungen in krimineller Absicht ganz abgesehen. „Es ist also notwendig, Kontrollen durchzuführen“, sagt Biochemiker Dr. Oliver Pötz vom NMI, „die selbst in kleinsten Spuren tierischen Proteins die Tierart erkennen können.“ Auch sollte die Methode beispielsweise Milch von Fleisch oder Blut unterscheiden können, denn Milchprodukte sind selbst im Rinderfutter durchaus erlaubt. Ideal wäre es, wenn man darüber hinaus auch die Menge der Verunreinigung bestimmen könnte. Denn nur so können Grenzwerte überprüft werden, die die EU-Kommission künftig festsetzen will.

Bisher in den Futtermittellaboren und Untersuchungsämtern eingesetzte Nachweisverfahren leisten all das nicht: Mit dem Mikroskop kann man nur recht grobe Verunreinigungen wie Knochensplitter oder Federn entdecken. Selbst moderne genetische Verfahren, bei denen die aus dem Futter extrahierte und vervielfältigte DNA analysiert wird, haben ihre Grenzen: Sie unterscheiden beispielsweise nicht zwischen Kuhmilch und Rindfleisch. „Man muss also auf die Analyse der Proteine setzen“, sagt Dr. Pötz. „Und da die Tiermehle hochverarbeitet sind, muss man mit Proteinbruchstücken arbeiten, sogenannten Peptiden.“

Pötz hat Erfahrung mit Peptidanalysen; seine Arbeitsgruppe am NMI und das von ihm gegründete Unternehmen Signatope setzen sie bisher zum Nachweis von Nebenwirkungen während der Medikamentenentwicklung ein. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Verbundprojekts „Animal-ID“ arbeiten sie zusammen mit zwei Berliner Partnern, dem Bundesinstitut für Risikobewertung sowie dem Institut für Produktqualität, daran, ihre Methoden auf die Analyse von Fleischprodukten und Futtermitteln zu erweitern. Eine erste Veröffentlichung dazu erschien jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Analytical Chemistry“ (Anal. Chem., 2018, 90 (6), pp 4135–4143).

Proben käuflicher Viehfutter-Produkte wurden von den Wissenschaftlern mit Tiermehlen verschiedener Herkunft gemischt und untersucht. Zunächst wurden die darin enthaltenen Proteine mithilfe des Enzyms Trypsin vorverdaut, um lösliche Peptide zu erhalten. Dann wurden Antikörper eingesetzt, die das NMI speziell entwickelt hat. Diese fischten vier Peptide aus potenziell gefährlichem Rindertiermehl gezielt aus der Mischung heraus. Anschließend wurde mit einer Kombination aus Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie die Menge der Zielpeptide zuverlässig bestimmt. „Wir erreichen jetzt eine Nachweisgrenze von einem Gramm Rindermehl in einem Kilo pflanzlichem Rinderfuttermittel“, versichert Andreas Steinhilber, Erstautor und Doktorand am NMI.

Doch beim Nachweis verbotener Rinderproteine soll es nicht bleiben. „Zurzeit erweitern wir die Methode, um für jede Tiermehlprobe die verwendeten Tierarten eindeutig nachzuweisen“, sagt Pötz. Mit dem gleichen Verfahren könnte in Zukunft auch festgestellt werden, ob beispielsweise Pferdefleisch in der Lasagne nicht-deklariert untergemischt wurde, wie 2013 geschehen. Die Firma Signatope soll das Verfahren zur Marktreife entwickeln und kommerziell verwerten.

Prof. Dr. Hugo Hämmerle, Leiter des NMI, hält die Arbeit für einen Meilenstein in der Lebensmittelsicherheit. „Allein in Deutschland fallen bei Schlachtungen jährlich zwei bis drei Millionen Tonnen Tiermehl als Nebenprodukt an“, erklärt er. „Das ist eine wertvolle Proteinquelle. Es wäre unverantwortlich, sie nicht zu verwerten. Aber es muss natürlich in einer für den Verbraucher sicheren Weise geschehen.“ Das neue Verfahren, das so rasch wie möglich Produzenten und Untersuchungsämtern zur Verfügung stehen soll, werde dabei „einen wichtigen Dienst an der Gesundheit der Bevölkerung“ leisten.

Die Förderung des Vorhabens „Animal-ID“ (FKZ: 28-1-65.037-14) erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung.

Quelle: NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen

Barsche, Zander, Schnäpel und Forellen – erfolgreicher Probebetrieb in der neuen Aquakulturanlage

Vor rund zehn Jahren hat das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie seine Forschungsaktivitäten auf die Aquakultur ausgeweitet. Inzwischen nimmt die Fischgenetik einen bedeutenden Platz in den wissenschaftlichen Aktivitäten des Leibniz-Institutes ein. Im vergangenen Jahr wurde deshalb eine eigene Aquakulturanlage in Dummerstorf installiert.

„Seit Juli läuft in einem umgebauten Rinderstall erfolgreich der Probebetrieb, der die Arbeit unserer Forscher vor Ort erheblich erleichtern wird“, informierte heute Professor Klaus Wimmers, Vorstand am FBN. „Dafür wurden rund 200.000 Euro für den Umbau und in die moderne Aquarienanlage investiert.“

Dummerstorfer Wissenschaftler haben sich mit ihren Untersuchungen zur Stressresistenz von Regenbogenforellen und zur grundlegenden molekularbiologischen Analyse des Ostseeschnäpels weltweit einen Namen gemacht. Aktuell wird in einem großen Zander-Projekt unter Leitung von Privatdozent Dr. Tom Goldammer vom Institut für Genombiologie die Genetik des beliebten Speisefisches am FBN erstmals entschlüsselt. In Kooperation mit dem Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern sollen im Jahr 2020 erste Ergebnisse vorgelegt werden.

Wissenschaftler können flexibler arbeiten

Die Dummerstorfer Aquakulturanlage besteht aus drei separaten Strecken mit jeweils 1.700 Liter Fassungsvermögen, auf denen auch drei unterschiedliche Umweltbedingungen simuliert und verglichen werden können. Zu den drei geschlossenen Kreislaufsystemen gehören jeweils vier 200-Liter-Behälter und sechs 60-Liter-Behälter. Rund um die Uhr wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert und von Fischabfallstoffen gereinigt. Die Süßwasserfische werden bei ca. 17 bis 20 Grad Celsius Wassertemperatur gehalten. Im Probebetrieb wurde insbesondere die Wassereinigung getestet, die reibungslos funktionieren muss. Die im Filtersystem enthaltenen Bakterien verwandeln giftige Fischabfälle wie Ammonium über die Zwischenstufe Nitrit zu Nitratsalzen und halten so das Wasser sauber.

Verantwortlich für die Testphase, bevor die eigentliche Forschungsarbeit am Zandergenom auch in der neuen Anlage startet, ist Dr. Ronald Brunner vom Institut für Genombiologie. „Wir werden auch künftig mit der weltweit einzigen experimentellen Aquakulturanlage im Produktionsmaßstab für Zander in Hohen Wangelin bei Waren/Müritz intensiv kooperieren. Allerdings können wir jetzt noch flexibler arbeiten“, so der Tierzuchtexperte. „Grundsätzlich simuliert unsere Anlage im kleinen Maßstab die gleichen Prozesse wie in der großen Anlage in Hohen Wangelin. Die kleineren Einheiten lassen sich schneller desinfizieren sowie neu besetzen und erlauben die vergleichende Untersuchung von Einflüssen verschiedener Umweltbedingungen auf die Fische. Unmittelbar vor Ort befinden sich außerdem Labor- und Büroräume zur Auswertung der Daten und Messergebnisse. Für den Bereich der Fischgenetik ist die neue Infrastruktur ein großer Gewinn“, erklärte Dr. Brunner.

Den Dummerstorfer Wissenschaftlern geht es vor allem darum, die ressourcenschonende und nachhaltige Aquakultur mit regionalen Fischarten zu stärken. Diese soll einen höheren Stellenwert als bisher in der Fischproduktion erhalten. Geschlossene Kreislaufanlagen zeichnen sich durch ihre Umweltfreundlichkeit und gute Wasserqualität aus. Somit sind keine Zusätze mit Antibiotika und anderen Medikamenten notwendig. „Der Verbraucher möchte nicht nur einen leckeren, sondern auch einen gesunden Fisch konsumieren“, so Brunner. Aktuell bevölkern 400 kleine Barsche, zwölf Schnäpel sowie zwei Forellen und zwei Zander die neue Anlage.

Quelle: Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

Bauernverbandspräsident Rukwied in Polen: Mehr EU-Mittel gegen die Afrikanische Schweinepest

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Foto: Gero Breloer/DBV

Noch immer grassiert die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Polen und breitet sich weiter Richtung Westen aus. Auf Einladung des polnischen Landwirtschaftsministers Krzysztof Jurgiel trifft der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, die Präsidentin und Präsidenten der polnischen Bauernorganisationen, Teresa HAŁAS, Präsidentin NSZZ RI Solidarność, Lucjan CICHOSZ, Präsident ZZR – Zwiakzek Zawodowy Rolników OJCZYZN, Marian SIKORA, Präsident FBZPR – Federation of Agricultural Producers Union und Wiktor SZMULEWICZ, Präsident KRIR – National Council of Agricultural Chambers. Für eine effektivere Bekämpfung der Seuche fordert Rukwied, dringend mehr EU-Mittel in Osteuropa einzusetzen. „Wir müssen dieses Virus schnell in den Griff bekommen. Das ist auch eine Gemeinschaftsaufgabe zum Schutz der landwirtschaftlichen Strukturen. Das darf nicht am Geld scheitern“, so der DBV-Präsident.

Mit Blick auf die Neuordnung der Mittelfristigen Finanzplanung der EU fordert Bauernverbandspräsident Rukwied gegenüber dem polnischen Landwirtschaftsminister auf einen stabilen EU-Haushalt hinzuwirken: „Die Mitgliedstaaten müssen mehr Geld nach Brüssel überweisen. Nur ein stabiles Budget garantiert auch ein stabiles Europa“, erklärt Rukwied. Der DBV-Präsident sieht vor allem in der Stärkung der ländlichen Räume den Kitt, der ein stabiles, politisches Europa zusammenhält.

Quelle: Deutscher Bauernverband