Vielfältige Aktionen am 1. Juni zum Internationalen Tag der Milch

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Weltweit wird am 1. Juni 2018 wieder in vielfältigen Veranstaltungen der Internationale Tag der Milch gefeiert. „Der Internationale Tag der Milch bietet allen Interessierten die Möglichkeit, sich bei einer der zahlreichen Aktionen über die Leistungen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Milchbauern sowie das Produkt Milch aus erster Hand zu informieren“, so Karsten Schmal, der Milchbauernpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Wettmelken mit der Hessischen Milchkönigin Sarah I. und viele andere Aktionen der Landesvereinigungen Milch und der Landesbauernverbände ermöglichen es den Verbrauchern, der Politik sowie den Medien mit den Milchbauern in den Dialog zu kommen.

Der Deutsche Bauernverband lädt alle Interessierten ein, sich am Internationalen Tag der Milch über die Leistungen der Milchbranche zu informieren und sich über den Ernährungswert des Grundnahrungsmittels Milch und den daraus gewonnenen Milchprodukten zu informieren.
Deutschlandweit produzieren rund 67.000 Milcherzeuger dieses gesunde und hochqualitative Nahrungsmittel.

Informationen zu den bundesweit geplanten Veranstaltungen finden Sie beim DBV

Quelle: DBV

Topigs Norsvin weltweit auf Erfolgskurs

Schweinezuchtunternehmen schließt Jahresbilanz mit starkem Umsatzwachstum und Gewinnanstieg ab. Neue Sauenlinie TN70 sorgt für Wachstum

Das niederländische Schweinezuchtunternehmen Topigs Norsvin konnte das zurückliegende Geschäftsjahr mit einem deutlichen Umsatzplus und einem starken Anstieg im operativen Ergebnis abschließen. So erzielte Topigs Norsvin in 2017 ein operatives Ergebnis von 9,4 Millionen Euro. Dies entspricht einer Steigerung von rund 140 Prozent gegenüber 2016, in dem ein Ergebnis von 3,9 Millionen Euro verbucht wurde. Im gleichen Zeitraum stieg der Umsatz des Unternehmens um 20 Millionen Euro auf 139 Millionen Euro.

Positive Entwicklungen im Umsatz konnte das Unternehmen insbesondere bei den Sauenlinien verzeichnen. Hier betrug der Umsatzzuwachs 10 Prozent. Ein Großteil dieser Steigerung stammt dabei aus Umsätzen mit der neuen TN70 Sauenlinie, aber auch die Umsätze im Bereich der Endstufen-Eber stiegen um 21 Prozent. „Die aktuellen Endstufen-Eber von Topigs Norsvin passen perfekt in den Markt und sind zunehmend bei zukunftsorientierten Schweinehaltern gefragt“, fasst Eduard Eissing, Geschäftsführer der TOPIGS SNW GmbH, die Entwicklung zusammen.

In den nächsten Jahren plant Topigs Norsvin ein umfassendes Investitionsprogramm, um weitere Produktinnovationen und -verbesserungen voranzutreiben. In diesem Jahr beträgt alleine das Budget für Forschung & Entwicklung mehr als 21 Millionen Euro. Darüber hinaus wird Topigs Norsvin im Juni 2018 das Forschungszentrum Delta in Canada eröffnen.

Hier wurden 10 Millionen Euro investiert und, genau wie im Delta-Zentrum in Norwegen, wird Delta Canada durch den Einsatz eines CT-Scanners die Qualität der Eber in hohem Maße verbessern. Diese präzisere Messmethode ermöglicht es, den genetischen Fortschritt zu beschleunigen und den Topigs Norsvin-Kunden angepasste Genetik zu liefern.

Quelle/Foto: Topigs Norsvin

Ferkelkastration – wie soll’s (weiter) gehen?

Im neuesten Beitrag unserer Schwesterseite www.stallbesuch.de stellt Gerhard Langreiter, Ferkelerzeuger aus Bayern, seine Sicht dar. Es geht um die verschiedenen Kastrationsmethoden, drohenden Tierärztemangel, Bruderferkel und Import-Schutz, Improvac im Praxis-Test und in verschiedenen Stallsystemen, um bäuerliche Landwirtschaft in Sonntagsreden und in der Realität und um vieles mehr.

ISN: Die K-Fragen sind das Damoklesschwert

Über ihren Parlamentarischen Abend am 15. Mai berichtet die ISN:

Wer dachte, beim traditionellen Spanferkelessen der ISN in Berlin gäbe es nur leicht verdauliche Kost serviert, der hatte sich geirrt. Wie ein Damoklesschwert schweben die großen K-Fragen über den Köpfen der Schweinehalter – besonders ernst ist die Lage für die Ferkelerzeuger in Deutschland. Deshalb war der Titel des diesjährigen parlamentarischen Abends der ISN: Zeit für Entscheidungen. Wie sehr die Zeit drängt, wurde in den Diskussionen mehr als deutlich.

Diskussionen zwischen Politik und Praxis
Rund 150 Gäste waren der Einladung der ISN in die Landesvertretung Niedersachsen gefolgt, um mit Schweinemästern und Ferkelerzeugern über die dringenden politischen Entscheidungen in Sachen Schweineproduktion zu diskutieren. Unter den Gästen waren unter anderem der Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium, die agrarpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen (siehe Diskussionsrunde), zahlreiche Abgeordnete des Bundestages und der Länderparlamente, viele hochrangige Vertreter aus den Ministerien, Mitglieder der Parteijugenden sowie Gäste anderer Organisationen. Natürlich waren auch wieder viele Schweinehalter dabei, so dass nach einem intensiven Auftakt über die brennendsten politischen Themen eine ausgedehnte Gelegenheit zum fachlichen Austausch zwischen den Politikern und Praktikern in gemütlicher Atmosphäre beim Spanferkel bestand.

Ferkelerzeugern droht dramatischer Strukturwandel
Der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes zeigte zu Beginn der Veranstaltung auf, welche Sorgen die Schweinehalter und insbesondere die Ferkelerzeuger derzeit plagen. Da wäre zum einen das Verbot der betäubungslosen Kastration ab dem 1.1.2019, und die Frage nach den Alternativen. Dann kommt die Kastenstandfrage mit den damit verbunden hohen und für die meisten Ferkelerzeuger nicht zu stemmenden (Um-)Baukosten im Deckzentrum und Abferkelbereich. Als weitere K-Fragen folgen der Verzicht auf das Kupieren der Schwänze und Kennzeichnung von Haltung und Herkunft von Schweinefleisch. Verehrte Politiker: Lassen Sie die deutsche Sauenhaltung nicht ins offene Messer laufen!, appellierte Heinrich Dierkes. Es droht ganz konkret ein radikaler Strukturbruch in der deutschen Ferkelerzeugung!

Ersetzen Importferkel die deutsche Ferkelerzeugung?
Die angeführten K-Fragen erörterten dann die agrarpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen, Albert Stegemann (CDU), Rainer Spiering (SPD), Dr. Gero Hocker (FDP) und Friedrich Ostendorff (B90/Grüne) unter der Moderation von Dr. Karl-Heinz Tölle von der ISN Projekt GmbH. Letzterer machte noch einmal klar, dass allein Umbaukosten von einer halben Mio. € durch geänderten Vorgaben in der Kastenstandfrage für einen typischen deutschen Betrieb mit 250 Sauen nicht zu leisten sind. Dafür braucht es nicht einmal größere ökonomische betriebliche Berechnungen, so Tölle. Auf der anderen Seite sehen wir, dass große Sauenanlagen in Spanien ihre Ferkelerzeugung ausdehnen.

Und eine weiteren Zahl macht den Ernst der Lage deutlich. Zu den aktuell 11 Mio. Importferkeln aus Dänemark und den Niederlanden kommen noch einmal gut 8 Mio. Ferkel aus den genannten Ländern hinzu, die Deutschland momentan nur durchqueren, um in andere EU-Staaten verbracht zu werden. Ferkel, die ganz schnell auch in Deutschland bleiben könnten, wenn sich hierzulande – wie befürchtet – die Wettbewerbssituation der Ferkelerzeugerbetriebe durch die K-Fragen verschlechtert.

Wenig konkrete Lösungen
Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, mahnte in seinem Grußwort: Wir müssen die Sauenhaltung in Deutschland zukunftsfähig machen. Dafür müssen wir alle mitnehmen und praktische Lösungen finden. Nur wenn wir hier produzieren, haben wir auch einen Blick darauf. Bei einer Abwanderung ins Ausland können wir die Produktion nicht mehr kontrollieren.
Wer dazu klare Lösungsvorschläge aus der Diskussion der Agrarsprecher erwartet hatte, wurde enttäuscht. Zu sehr gingen die Positionen auseinander und zu wenig konkret waren die diskutieren Lösungen. Weitgehende Einigkeit bestand im Grundsatz darin, dass man die Ferkelerzeuger bei der Umsetzung der Lösungen unterstützen muss – meist wurde es aber wenig konkret. Für die anstehenden Kosten beim Umbau der Sauenställe sprach sich Spiering für eine Erweiterung des Haushalts des Bundeslandwirtschaftsministeriums aus. Auch eine Umverteilung der der EU-Mittel mit einer gezielten Verknüpfung zu den Tierschutzfragen hielt er für sinnvoll.

Kastration – die Zeit läuft davon
Beim Thema Schmerzausschaltung bei der Kastration verwies Friedrich Ostendorff auf das geltende Gesetz: Die Schmerzausschaltung ist maßgeblich, jedes Verfahren muss sich daran messen lassen. Ich persönlich bin überzeugt von Isofluran. Der erfahrene Grünen-Politiker zeigte sich – insbesondere auch in der Kastenstandfrage – überzeugt von der Entwicklungskraft der Tierhalter. Er machte deutlich, dass alle gemeinsam an praktikablen Lösungen arbeiten müssen. Albert Stegemann sieht in der Ebermast und der Impfung gegenüber Ebergeruch (die bezeichnenderweise im Laufe der Diskussion sehr oft fälschlicherweise als Hormonbehandlung bezeichnet wurde) keine breite salonfähige Lösung und sprach sich deshalb dringend für den sogenannten vierten Weg, der lokalen Betäubung durch den Landwirt, aus.
Aus seiner Sicht sei dazu eine Anpassung des Tierschutzgesetzes in Schmerzlinderung statt Schmerzausschaltung nötig. Keine großen Hoffnungen machte an dieser Stelle Rainer Spiering von der SPD: Meine Partei wird sich nicht dazu bewegen lassen, das Tierschutzgesetz zu ändern. Der Druck der Gesellschaft auf die geltende Gesetzgebung sei in diesem Fall zu hoch. Dr. Gero Hocker warf dazu ein, dass Schweinehalter hierzulande teilweise strengeren Bedingungen unterliegen: Die Rahmenbedingungen müssen EU-weit gleich sein, sonst können unsere Ferkelerzeuger nicht kostendeckend produzieren.

Das ISN-Fazit
Die offene Fragen bleiben – den meisten Teilnehmern dürften aber spätestens beim gestrigen parlamentarischen Abend die Augen aufgegangen sein, wie ernst es um die deutsche Ferkelerzeugung steht. Jetzt ist es höchste Zeit für gemeinsame Entscheidungen – über Parteigrenzen hinweg und unter Einbeziehung der der Praxis in die Lösungsfindung

Quelle: ISN

Inno+ stellt neues Konzept zur Abluftreinigung und Wärmerückgewinnung vor

Inno+, ein niederländischer Anbieter in den Bereichen Abluftreinigung, Klimatisierung und erneuerbare Energien für die Schweine- und Geflügelzucht, präsentiert auf der VIV in Utrecht ein neues Konzept für Viehzüchter, die in eine Abluftreinigungsanlage zur Reduzierung von Ammoniak, Gerüchen und Staub investieren wollen.

Wird die Abluftreinigungsanlage um ein integriertes Wärmerückgewinnungssystem erweitert, verspricht der Hersteller bis zu 87% Energie-Einsparung. Durch die Nutzung der wiedergewonnenen Wärme lasse sich das Klima, die Tiergesundheit und die Futterverwertung im Stall verbessern. Inno+ vermarktet sein neues Konzept unter dem Namen Triple EEE.

Bis zu 87 % Energieeinsparung durch Wärmerückgewinnung in der Schweinezucht
Schweine produzieren viel Wärme, die momentan meistens über die Abluft aus dem Stall geblasen wird. Beim Triple EEE-Konzept blasen Ventilatoren warme Stallluft durch die Abluftreinigungsanlage. Ammoniak, Gerüche und Staub werden hier aus der Stallluft herausgefiltert. Die warme Stallluft (22°C bis 24°C) erwärmt das Wasser im Abluftreiniger. Dieses Wasser wird direkt an einem eingebauten Wärmetauscher vorbeigeführt. Die Flüssigkeit im Wärmetauscher wird so auf 16°C bis 20°C erhitzt. Eine energieeffiziente Umwälzpumpe bringt das erwärmte Wasser aus dem Wärmetauscher zum Lufteinlass im Stall. Dort wird das erwärmte Wasser mit der einströmenden, kalten Zuluft in Kontakt gebracht.

Besseres Stallklima und verbesserte Tiergesundheit durch mehr Wärme im Stall
Das Triple EEE-Konzept ermöglicht das Erwärmen der in den Stall einströmenden Zuluft sogar im Winter auf mindestens 8°C. So können Viehzüchter auch an kalten Tagen eine optimale Lüftung gewährleisten. Sie begegnen damit Themen wie Feuchtigkeit, Zugluft und Schwankungen im Stallklima. Neben der Energie für die Erwärmung der Zuluft liefert sie auch ausreichend Energie zum Erwärmen der Böden im Abferkel- oder Ferkelstall erklärt Inno+ und mehr Wärme im Stall führe auch zu einer besseren Futterverwertung.

Kombinierbar mit allen Abluftreinigungsanlagen von Inno+
Die Rückgewinnung der Stallwärme mit dem Triple EEE-Konzept kann mit den organischen, chemischen und Kombi-Abluftreinigungsanlagen von Inno+ kombiniert werden. Zum Triple EEE-System zur Wärmerückgewinnung gehört auch ein Web-Management-System, das den Viehzüchtern jederzeit einen genauen Einblick in die aktuelle Situation und Historie ermöglicht.

Weitere Informationen über Triple EEE auf der Homepage des Herstellers.

Quelle: Inno+

Tiergesundheit und Antibiotika im Broilerstall

Wie werden Masthähnchen in Deutschland gehalten? Wie sehen Hygiene-Management, Krankheits-Prophylaxe und Bestandsbetreuung aus und welche Krankheiten können Broiler überhaupt bekommen? Auf diese und weitere Fragen geht der Fachtierarzt Dr. Andreas Wilms-Schulze Kump im ersten Teil eines ausführlichen Interviews ein. Er erklärt, wann und wie in seiner Praxis Antibiogramme erstellt werden, verrät wie oft ein Hähnchenmäster eigentlich Besuch von Tierärzten bekommt und einiges mehr.

Reserve-Antibiotika ohne Alternative
Wann welche „Reserve-Antibiotika“ in der Hähnchenmast eingesetzt werden und warum dies geschieht, schildert der Fachtierarzt für Geflügel im zweiten Teil des Gespächs. Dabei spielen Polymyxine (Colistin) und weitere antibiotische Wirkstoffe, die von der WHO als „critically important“ eingestuft werden, eine wichtige Rolle. Es geht um Nahrungsmittelsicherheit für den Verbraucher und um „Wartezeiten“ für Fleisch und Eier.

Colistin hat etwa bei Eiern eine Wartezeit von Null und bei Fleisch von zwei Tagen. Eier und Fleisch von behandelten Tieren können also schon kurz nach Beendigung der antibiotischen Therapie wieder in Verkehr gebracht werden. Bricht eine Krankheit im Hühnerstall z. B. wenige Tage vor dem Schlachttermin aus, können nur noch Mittel eingesetzt werden, deren Wartezeit vor dem geplanten Ausstall-Termin endet. Und in diesem Sinn ist Colistin – auch im Hähnchenstall – ein „Reserve-Antibiotikum“.

Was hingegen droht, wenn dem Tierarzt durch Verbote die Alternativen ausgehen, schildert Andreas Wilms am Beispiel der Histomoniasis bei Puten. Zur Behandlung der „Schwarzkopfkrankheit“ ist in Deutschland nämlich kein antibiotischer Wirkstoff zugelassen. Deswegen kostet es erkrankte Puten das Leben, wenn ein erkrankter Bestand auf Anweisung des Amtstierarztes gekeult wird und unter Umständen kostet es den Putenhalter die Existenz.

Antibiotika-Verbrauch im Hähnchenstall
Auch zum Antibiotika-Monitoring, dem bisher erreichten Grad der Reduktion und Alternativen zum Antibiotika-Einsatz bezieht Andreas Wilms Stellung.

Der Geflügelspezialist schätzt, dass sich die Verbrauchsmengen beim Hähnchen, nach der Halbierung seit 2011, nicht weiter verringern lassen. Geringer Medikamenteneinsatz sei ja auch kein sicheres Zeichen guter Tierhaltung, sagt er, manchmal träfe gar das Gegenteil zu. In viehdichten Gebieten sei allein der Keimdruck naturgemäß höher und damit verbunden der Medikamenteneinsatz.

Wichtig sind für den Fachtierarzt ein guter Impfschutz gegen Viren und starke Abwehrkräfte gegen Keime. Dann kämen im Krankheitsfall viel häufiger ätherische Öle und Vitamine zum Einsatz, als etwa Antibiotika. „Wer in unsere Autos schaut, findet dort viel mehr pflanzliche Aromen als Antibiotika“, sagt der Geflügel-Spezialist.

Hier das vollständige Interview in drei Teilen:

Big Data im Stall – Zukunftsmodell oder Sackgasse?

Auch in der Landwirtschaft spielt die Digitalisierung eine zunehmend bedeutendere Rolle. Automatisierte Prozesse, der Einsatz von Robotertechnik und die Nutzung von Geodaten sind in vielen Betrieben bereits Standard. „Big Data im Stall – Zukunftsmodell oder Sackgasse?“ ist das Schwerpunktthema des 7. Wilhelm-Stahl-Symposiums am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf.

Vernetzt oder verheddert?
Die Veränderung fast aller Lebensbereiche durch die Digitalisierung stellt auch die Landwirte vor gänzlich neue Herausforderungen. Viele Arbeitsabläufe werden deutlich vereinfacht. Von optimierter automatischer Fütterung über Gesundheitsüberwachung bis hin zur Brunsterkennung in der Zucht – die Liste der innovativen Einsatzmöglichkeiten ist lang. Die moderne Nutztierhaltung profitiert zweifellos von dieser Entwicklung. Doch die Fortschritte in der Branche müssen andererseits für alle Landwirte zugänglich und nutzbar sein. Dafür müssen die Voraussetzungen stimmen. Die Fragen für Wissenschaft, Praxis und Politik zur intelligenten Verknüpfung etablierter digitalisierter Abläufe oder zur Nutzung und zum Schutz gewonnener Daten stehen dabei im Raum, ebenso wie die Investitionskosten und der Mehrwert für Mensch, Tier und Umwelt.

Das Dummerstorfer Wilhelm-Stahl-Symposium wird gemeinsam von der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Rostock und vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie alle fünf Jahre zu einem aktuellen agrarpolitischen Schwerpunktthema veranstaltet.

7. Wilhelm-Stahl-Symposium Big Data im Stall – Zukunftsmodell oder Sackgasse?
Mittwoch, 6. Juni 2018, 10.00 – 17.30 Uhr – Tagungszentrum des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf, Wilhelm-Stahl-Allee 2

Eröffnung und Begrüßung

Prof. Dr. Klaus Wimmers, Vorstand FBN Dummerstorf
Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Festvorträge

„Digitale Transformation und Big Data – Plädoyer für nachhaltige Technikgestaltung“ – Prof. Dr. Klaus Mainzer, Technische Universität München

„Digitalisierung und Big Data – Innovation in der Nutztierhaltung!?“ – Prof. Dr. Thomas Jungbluth, Universität Hohenheim

Fachvorträge zum Thema – Big Data und Tiermanagement

„Vernetzt oder verheddert – Wie steht es um die zukunftsorientierte Digitalisierung in der Milchviehhaltung?“ – Andreas Pelzer, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

„Big Data in der Tierzucht – Welche Herausforderungen und Erwartungen haben die Unternehmen?“ – Dr. Bianca Lind, Bundesverband Rind und Schwein e.V.

„Vom Sensor zur Entscheidung“ – Prof. Dr. Norbert Reinsch, FBN Dummerstorf

Fachvorträge zum Thema – Neue Phänotypen für Tierwohl und Tiergesundheit

„Big Data – Mittel zu welchen Zwecken?“ – Prof. Dr. Albert Sundrum, Universität Kassel

„Neue Technologien für neue Phänotypen in einem internationalen Schweinezucht- programm“- Dr. Barbara Harlizius /Dr. Egbert Knoll, Topigs Norsvin Research Center Breuningen, Niederlande

„Neue Phänotypen: Was können sie uns über die Diversität von Prädisposition und Haltungsansprüchen bei Nutztieren sagen?“ – Prof. Dr. Christa Kühn, FBN Dummerstorf

Fachvorträge zum Thema – High Tech und Transparenz

„Tierethik und Nutztierhaltung – Sind Landwirtschaft 4.0 und Ansprüche aus der Tierethik miteinander vereinbar?“ – Christian Dürnberger, VetMed Universität Wien

„Transparenz in der Lebensmittelproduktion – dient nicht nur als Tool zur Verbesserung der Verbraucherakzeptanz“ – Sandra Erdmann, EDEKA Nord GmbH

„Milchrindzuchtziele zwischen Tradition und Moderne – Was Daten erklären können“ – PD Dr. Anke Römer, Landesforschungsanstalt MV

Anmeldung
Dr. Norbert K. Borowy: borowy(at)fbn-dummerstorf.de

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Kraftfutter einsparen – mehr verdienen

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Viele Schweizer Milchviehhalterinnen und -halter setzen bei der Produktion variable Anteile an Frischgras und Kraftfutter ein. Agroscope-Forschende konnten jetzt zeigen, dass man eine sehr gute Wirtschaftlichkeit erreichen kann, wenn man weitgehend auf Frischgras setzt. Dadurch lässt sich die Milch um einen Viertel bis einen Drittel günstiger produzieren. Die größten Einsparungen ergeben sich beim Kraftfutter.

Agroscope-Forschende haben drei Pilotgruppen von Milchvieh-Betrieben gegenüber einer Referenzgruppe getestet. Letztere ist repräsentativ für die Schweizer Milchproduktion (Details siehe unten). Die drei Pilotgruppen sind:

– Vollweide
– Eingrasen mit wenig Kraftfutter
– Eingrasen mit viel Kraftfutter

In den drei Pilotgruppen lässt sich die Milch unter Einsatz von Frischgras bei optimalem Kostenmanagement bis zu einem Drittel günstiger produzieren als in der Referenzgruppe, die mit konventioneller Fütterung arbeitet. Die größten Einsparungen ergeben sich beim Kraftfutter, das seit Jahren zu einem vergleichsweise hohen Preis eingekauft werden muss, dann aber auch beim Gebäude und bei der Arbeit.

Vollweide zahlt sich aus
Im Vollweidesystem lassen sich höhere Arbeitsverwertungen realisieren. Zudem können so tiefere Milchpreise verkraftet werden als mit den beiden Mischsystemen mit Eingrasen. Eingrasbetriebe mit viel Kraftfutter sind trotz höherem Milchproduktionsvolumen nicht im Vorteil gegenüber denjenigen mit wenig Kraftfutter. Die hohen Direktkosten und die tieferen Nebenerlöse (Fleischerlöse und Direktzahlungen) je kg Milch werden durch die tieferen Arbeits- und Gebäudekosten nicht ausgeglichen. Das zeigt, dass auch Betriebe mit geringeren Milchmengen sehr gute Ergebnisse erzielen können, sofern sie die Kosten bewusst tief halten.

Bis zu einem Drittel günstiger produzieren
Alle untersuchten Pilotgruppen produzieren die Milch um 24 % bis 32 % günstiger als die Referenzgruppe und weisen eine um 8 bis 13 CHF höhere Arbeitsverwertung je Arbeitsstunde aus. Letztere ist größtenteils auf ein besseres Management bzw. ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein zurückzuführen (Details siehe unten).

Welche Frischgras-Systeme sind wirtschaftlich erfolgreich?
Diese Fragestellung wurde im gemeinschaftlichen Projekt «Optimierung von graslandbasierten Milchproduktionssystemen auf Basis von Eingrasen» (Federführend: Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen und das Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung (BBZN) Hohenrain) mit 36 Pilotbetrieben über drei Jahre (2014–2016) untersucht. Die Betriebe wurden in drei Pilotgruppen eingeteilt: zwei Mischsysteme mit durchschnittlich 430 kg Kraftfutter (Eingrasen mit wenig Kraftfutter) bzw. 1160 kg Kraftfutter (Eingrasen mit viel Kraftfutter) pro Kuh und Jahr, dazu ein Vollweidesystem mit 90 kg Kraftfutter pro Kuh und Jahr. Die 36 Pilotbetriebe wurden auf die drei Gruppen verteilt. Am Schluss hat Agroscope die Daten genutzt, um für jede Pilotgruppe einen Modellbetrieb mit typischen Daten aufzustellen. Eine weitgehend repräsentative Referenzgruppe, sozusagen «der Schweizer Normbetrieb», wurde diesen gegenübergestellt.

Hintergrundinformationen zur Datengrundlage
Die Ergebnisse der drei Pilotgruppen sind durchwegs besser als die der Referenzgruppe, was auf einen weitgehenden Einsatz von Frischgras zurückgeführt werden kann, der auch tendenziell mit höheren Milchpreisen verbunden ist. So sind Betriebe mit Käsereimilch oder Bio-Milch eher auf eine Frischgrasfütterung angewiesen. Allerdings dürfte auch ein Selektionseffekt zur besseren Wirtschaftlichkeit beigetragen haben, da sich mehrheitlich an Betriebsführung interessierte Teilnehmende meldeten. Die Betriebsleitenden brachten sich aktiv in Arbeitskreisen ein, um bestehende Systeme zu diskutieren und Optimierungen vorzuschlagen. Insofern kann von kostenbewussten Betriebsleitenden mit überdurchschnittlichen Managementfähigkeiten ausgegangen werden.

Quelle: Agroscope Schweiz

Campylobacter – Krankheitskeim auf Hühnereiern

Der wichtigste bakterielle Durchfallerreger verbreitet sich auch über Eierschalen – aber ein Schutz ist möglich

Eier sind ein beliebtes Lebensmittel. Fast 20 Milliarden haben die Deutschen 2016 konsumiert, das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 235 Eiern. Verständlich, dass der Fund von Chemikalien in Eiern wie zuletzt der des Insektenvernichtungsmittels Fipronil Aufsehen und Empörung hervorrufen. Eher weniger bekannt ist dagegen, dass sich auch der häufigste bakterielle Erreger einer Lebensmittelinfektion auf Hühnereiern findet. Die Rede ist von Campylobacter-Bakterien. Sie rufen eine mit Bauchschmerzen, Fieber und – mitunter blutigem – Durchfall einhergehende Darmentzündung (Enteritis) hervor. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat nun den Wissensstand zum Vorkommen von Campylobacter auf Hühnereiern ermittelt – und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Jedes Jahr werden dem Robert-Koch-Institut ungefähr 70 000 Fälle von Campylobacter-Enteritis gemeldet, Tendenz leicht steigend. Zudem gibt es eine erhebliche Dunkelziffer. In der Regel stammen die krank machenden Bakterien von Hühnern, in deren Darm sie leben und denen sie nichts anhaben können. Häufig werden diese Bakterien über nicht ausreichend durchgegartes Hühnerfleisch auf den Menschen übertragen. Das Infektionsrisiko durch Hühnereier wird deutlich geringer eingeschätzt, doch kann man sich über bakterienhaltigen Kot, der am Ei haftet, anstecken. Deshalb sollten Lebensmittelunternehmer die Verunreinigung von Hühnereiern mit Hühnerkot bei der Produktion und dem Verpacken durch Hygienemaßnahmen reduzieren.

„Mit guter Küchenhygiene kann man das Infektionsrisiko durch Hühnereier noch weiter senken“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. „So sollten Küchenutensilien und Hände nach Kontakt mit rohen Eiern gründlich gereinigt werden. Und wer mit Eiern zubereitete Speisen ausreichend erhitzt, tötet Campylobacter und andere Krankheitserreger zuverlässig ab.“

Quelle: BfR

Neues TVT Merkblatt: Eckpunkte einer tiergerechten Sauenhaltung

In der Diskussion um die zukünftige Sauenhaltung, meldet sich die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz mit einem neuen Merkblatt zu Wort:

„Obwohl im deutschen Tierschutzgesetz neben einer angemessenen Ernährung und Pflege auch eine verhaltensgerechte Unterbringung von Tieren vorgeschrieben wird, ist z. B. die Fixierung der Sauen im sogenannten „Ferkelschutzkorb“ gesetzlich erlaubt. Gleichzeitig ist unstrittig, dass Sauen dadurch in ihrem Verhalten und Wohlbefinden stark beeinträchtigt sind. Allerdings stellt sich die Frage, wie eine „verhaltensgerechte Unterbringung“ denn genau aussehen sollte.“

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) hat verschiedene wissenschaftliche Studien ausgewertet und auf dieser Basis ein Merkblatt erarbeitet, welches auf sämtliche Aspekte der Sauenhaltung und Ferkelproduktion eingeht. Prof Thomas Blaha, Vorsitzender der TVT, erklärt dazu: „Mit diesem Merkblatt fordern wir wissenschaftlich fundiert eine tiergerechtere Sauenhaltung. Die Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere wie beispielsweise das Abferkeln ohne Fixierung oder die Gruppenhaltung im Deckzentrum sind praktisch umsetzbar, unser Merkblatt zeigt auf, worauf dabei geachtet werden muss.“

Als Hintergrundinformation und zum besseren Verständnis bietet das Merkblatt einen kurzen Überblick über das natürliche Verhalten und die Bedürfnisse von Schweinen. Thematisiert werden auch die grundsätzlichen Anforderungen an das Stallklima, also Temperatur, Schadgase und Licht.

In einzelnen Kapiteln des Merkblattes wird die verhaltensgerechte Unterbringung in den verschiedenen Produktionsabschnitten genau beschrieben.

Tiergerechte Gruppenhaltung im Deckzentrum
Die Ergebnisse von Studien und Praxiserfahrungen von Betrieben, die bereits die Gruppenhaltung im Besamungsstall praktizieren, zeigen, dass dies möglich ist. Aufgezeigt werden die Maßnahmen beim Stallbau und Management, um die entsprechenden Voraussetzungen für die Gruppenhaltung zu schaffen.

Unterbringung im Wartestall
Detailliert wird erklärt, welches Beschäftigungsmaterial sinnvoll ist, wie die artgerechte Ernährung und die Strukturierung des Stalles aussehen sollte.

Bewegungsbuchten statt „Ferkelschutzkorb“ im Abferkelstall
Die TVT fordert schon länger das freie Abferkeln in Bewegungsbuchten statt der Fixierung der Sauen im „Ferkelschutzkorb“. Da viele Tierhalter beim freien Abferkeln hohe Saugferkelverluste befürchten, wird speziell darauf eingegangen, wie diese in Bewegungsbuchten sogar verringert werden können, und es wird erläutert, dass diese Haltungsform auch nicht unbedingt deutlich teurer sein muss.

Jungsaueneingliederung und Zyklussteuerung ohne PMSG
Das Merkblatt geht auf tiergesundheitliche Aspekte, die Gestaltung des Eingliederungsstalles und das Management der künstlichen Besamung und Zyklussteuerung ein. Bei der Zyklussteuerung werden auch Alternativen zum Einsatz von PMSG aufzeigt. Die TVT empfiehlt, derzeit auf den Einsatz von PMSG zu verzichten, da es bei der PMSG-Gewinnung von tragenden Stuten vielfach zu großen Belastungen und tierschutzrelevanten Mängeln gekommen ist.

Auch zum Thema „Tierschutzindikatoren“ gibt das Merkblatt Hilfestellung. Diese müssen von den Haltern seit 2014 erhoben und bewertet werden, um eine Einschätzung des Wohlergehens der Tiere zu ermöglichen. Der Gesetzgeber hat die Indikatoren allerdings noch nicht konkretisiert, die TVT nennt im Merkblatt die wichtigsten Indikatoren für Sauen und Saugferkel, die in der Praxis mit geringem Aufwand erfassbar, aussagekräftig, objektiv und aufgrund der Forschungsergebnisse sinnvoll sind. Bei den Sauen gehören dazu neben den allgemeinen Kennzahlen wie Antibiotika-Therapieindex oder Umrauschqote beispielsweise auch die tierbezogenen Indikatoren wie Kotkonsistenz und Vulvaverletzungen. Bei den Saugferkeln ist neben den Saugferkelverlusten und der Anzahl der notgetöteten Ferkel auch die Erhebung von Lefzen-/Nasenbeißen wichtig. Wichtig ist aber, laut TVT, dass die betriebliche Eigenkontrolle erst dann zu einer Verbesserung des Befindens der Tiere führt, wenn über einen längeren Zeitraum standardisierte Merkmale erhoben, verglichen und bei Abweichungen die Ursachen ermittelt und schnellst möglich abgestellt werden.

Das TVT-Merkblatt Nr. 95 „Eckpunkte einer tiergerechten Sauenhaltung“ finden Sie, wie alle Merkblätter der TVT, auf der Website unter Veröffentlichungen.

Quelle : Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.

Hier einige wichtige Punkte aus dem TVT-Merkblatt:

Gruppenhaltung im Deckzentrum
Platzangebot mind. 5 m² pro Sau, Zwischenwände oder Strohballen hinter denen sich rangniedere Sauen verstecken können.

Damit die Sauen sich gegenseitig aus dem Weg gehen können, sollte der Gang mindestens 2,80-3,00 m breit sein.

In Einzelfällen kann es allerdings notwendig sein, Sauen, die ein sehr ausgeprägtes Aufspringverhalten zeigen und damit andere Sauen verletzten könnten, während der Rausche für einzelne Tage zu isolieren.

Gruppenhaltung im Wartestall
Das Tier-Fressplatzverhältnis sollte 1:1 betragen. Ganz allgemein: sattgefütterte Sauen sind ruhiger.

Setzt man Komponenten wie z.B. Stroh, Heu oder rohfaserreiche und strukturreiche Silage ein, und bietet dies so (bodennah) an, dass die Tiere beim Fressen zusätzlich ihr Wühlbedürfnis befriedigen können, ist neben dem sättigenden Effekt auch noch für eine arttypische und länger andauernde Beschäftigung gesorgt.

Klare Struktur der Bucht in Fress-, Liege-, Aktivitäts- und Kotbereich, um eine Verschmutzung des Futters zu vermeiden.

Auf einer gesonderten, z.B. planen Fläche im Fress- oder Aktivitätsbereich, ist wühlbares Material anzubieten, um den Sauen die Möglichkeit zu geben, ihrem Bedürfnis nach Wühlen (Exploration) nachzugehen. Besonders attraktiv ist dies für die Sauen, wenn sie dabei auch ein schmackhaftes und fressbares Material suchen und finden können, wie z.B. Maiskörner in einer (dünnen) Schicht Stroh. Die Attraktivität ist bei häufiger Vorlage kleiner Mengen höher, da die Tiere immer wieder zum Wühlen animiert werden und das angebotene Material den Stallgeruch noch nicht angenommen hat.

Gruppenhaltung im Abferkelstall
Mindestens 4 Wochen lange Säugezeit ist empfehlenswert.

Maßnahmen in den Bereichen Stallbau, Management und Zucht sind nötig, um der Gefahr höherer Erdrückungsverluste entgegenzuwirken. Gelingen diese Maßnahmen unterscheiden sich die Gesamtferkelverluste während der Säugezeit zwischen Haltungssystemen mit freien Abferkelbuchten (12,1%) und Kastenstandsystemen (12,1%) nicht, auch wenn in freien Abferkelbuchten mehr Ferkel (5,5%) erdrückt werden als in Betrieben mit Kastenständen (4,5%). Untersuchungen von Weber et al. (2006) ergaben sogar, dass die „sonstigen Verluste“ mit 6,6% in freien Abferkelbuchten signifikant geringer waren als in Betrieben mit Kastenständen (7,6%). Auch die Erfahrung aus Ländern in denen die 6,5m2 freien Abferkelungen in Buchten von mindestens Standard ist, wie zum Beispiel Norwegen zeigen, dass die Saugferkelverluste dort geringer als in Deutschland ausfallen (Ingris Arsstatistikk 2016; Schweinereport Schleswig Holstein 2016; Schweinereport Baden-Württemberg 2016, VzF).

Bei Sauen, die frei abferkeln sollen, muss zusätzlich auf gute Mütterlichkeit, funktionierende Sau-Ferkel-Kommunikation, stabiles Fundament und geringes Aggressionspotential gegenüber Betreuungspersonen selektiert werden. Diese züchterischen Merkmale sind in Zukunft mehr in den Vordergrund zu stellen.

Die Ferkel müssen mit hohen Geburtsgewichten und einer guten Vitalität ausgestattet sein, was die Überlebenschancen bei freier Abferkelung erheblich fördert

Damit die Funktionsbereiche Ruhen, Säugen, Fressen und Koten von der Sau eingehalten werden können und die Sau ungehindert aufstehen und abliegen kann, muss die Abferkelbucht eine Gesamtfläche von mindestens 7,0-8,0 m² aufweisen (Busch, 2006; Herrle, 2017; IGN, 2012; Richter, 2011). Werden diese Maße unterschritten, kann es zum Schutz der Ferkel im Einzelfall sinnvoll sein, die Sau vorübergehend für wenige Tage nach der Geburt zu fixieren.

Das Management und Handling von frei abferkelnden Sauen stellt andere Anforderungen an die Fähigkeiten der Tierhalter/-betreuer, als die Abferkelung in Kastenständen. Der Betreuungsaufwand bei der Geburt und in den ersten Lebenstagen ist höher und es müssen Gesundheits- und Verhaltensprobleme bei der Sau rechtzeitig erkannt werden. Eine qualifizierte Tierbetreuung ist einer der Schlüsselfaktoren bei Systemen in denen die Sauen frei abferkeln. Die Arbeitssicherheit für das Personal kann dabei durch ein vom Gang aus zu erreichendes absperrbares Ferkelnest gewährleistet werden

Die ökonomischen Konsequenzen sind nicht so gravierend, da zum Beispiel der kostenträchtige perforierte und unterkellerte Bereich kleiner ausfällt wenn eine Trennung von nicht perforierten Liegeplatz und perforierten Kotplatz erfolgt und der Kastenstand wegfällt (Richter, 2014). Zusätzlich gibt es Beispiele, die auf eine bessere Tiergesundheit in dem System ohne Fixierung hindeuten, was die Kosten für den höheren Platzbedarf weiter ausgleichen kann (IGN, 2012).

Kälberaufzucht – einfache Maßnahmen verhelfen zu gesunden Kälbern

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Dr. Hans-Jürgen Kunz

Ob es zum Ausbruch einer Erkrankung kommt, egal welcher Art, wird niemals von nur einem Faktor alleine beeinflusst. Wir wissen, dass wir auf der einen Seite den Infektionsdruck so weit wie möglich senken und auf der anderen Seite die Abwehrkräfte der Kälber so weit wie möglich stärken müssen. Häufig wird uns jedoch suggeriert, dass wir mit einzelnen Maßnahmen ein Problem lösen können. Das ist in den seltensten Fällen möglich. Doch einige Maßnahmen beeinflussen ohne einen größeren zusätzlichen Aufwand die gesundheitliche Situation unserer Kälber maßgeblich positiv.

Häufig meinen wir, dass die Abwehrbereitschaft unserer Kälber alleine durch die Aufnahme von Biestmilch sichergestellt wird. Dafür sind jedoch die Immunglobuline in der Biestmilch nicht alleine zuständig. Mit der Biestmilch erhalten die Kälber wichtige spezifische Antikörper (Immunglobuline), die sich gegen spezielle im Bestand befindliche Erreger richten, meist Enterotoxische E. coli Bakterien (ETEC). Es wird darum empfohlen, die erste Biestmilch so schnell wie möglich, möglichst unmittelbar nach der Kalbung, zu verabreichen und davon so viel wie möglich, möglichst drei Liter oder mehr. Der Saugreflex der Kälber ist direkt nach der Geburt am höchsten. Das gleiche trifft für die Aufnahmemenge zu.

Aktivierung des Immunsystems
Spielen jedoch beispielsweise Rotaviren beim Durchfallgeschehen eine Rolle, dann wird der Anteil an Antikörpern in der Biestmilch, der auf Rotaviren spezialisiert ist, nicht ausreichen, um eine Infektion zu verhindern. Es sei denn, die Mütter wurden während der Trächtigkeit mit einem Impfstoff gegen Rotaviren immunisiert …
 


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Schweinepreis und Fleischkennzeichnung: „Niedrige Fleischpreise und immer mehr Tierwohl passen nicht zusammen!“

Der Erzeugerpreis für Schweine ist aktuell deutlich gefallen. So bekommen Schweinehalter derzeit mit 1,37 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht fünf Cent weniger als in der Vorwoche. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai sind es sogar 22 Prozent weniger. BBV-Veredelungspräsident Gerhard Stadler erläutert dazu:„Unseren Schweinehaltern droht im Schraubstock zwischen immer höheren Tierwohlanforderungen einerseits und dem Preisdruck von Lebensmitteleinzelhandel und Schlachtunternehmen andererseits die Luft auszugehen. Wir sind bereit, den Wünschen der Verbraucher nach mehr Tierwohl und nach der Kennzeichnung von Fleisch nach der Haltungsform der Tiere Rechnung zu tragen. Wir können in unseren Ställen aber nur dann mehr Tierwohl umsetzen, wenn dies dauerhaft bezahlt wird. Niedrige Fleischpreise und gleichzeitig immer mehr Tierwohl – das passt einfach nicht zusammen!“

Auf seiner Tagung der Kreisbäuerinnen und Kreisobmänner hat der Bayerische Bauernverband in der vergangenen Woche eine Position zur Kennzeichnung von Fleisch nach Haltungsformen verabschiedet. Der BBV spricht sich für eine bundeseinheitliche verpflichtende staatliche Kennzeichnung aus. Nur so kann dem Verbraucher wirklich Transparenz und Orientierung geboten und ein Dschungel von unterschiedlichen Systemen verhindert werden. Außerdem wird es nur mit einer verpflichtenden Kennzeichnung gelingen, auch verarbeitete Produkte und den Außer-Haus-Verzehr (z.B. Kantinen) in die Kennzeichnung einzubinden. „Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung von mehr Tierwohl ist und bleibt, dass die Tierhalter, die ihre Tiere nach über dem Gesetz liegenden Vorgaben halten, auch einen entsprechend höheren Preis für ihre Erzeugnisse erzielen“, sagt Stadler.

Quelle: Bayerischer Bauernverband

Neu von Lely: Astronaut A5

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Bei den „Lely Future Farm Days“ am Hauptsitz in den Niederlanden hat Lely einen neuen Meilenstein im Bereich Robotermelken vorgestellt: Den Lely Astronaut A5. Nach vielen Gesprächen mit Kunden und einer langen Beobachtungsphase in verschiedensten Milchviehställen konnten wir ein neues System entwickeln, welches bewährte Grundsätze des automatischen Melkens mit absoluter Zuverlässigkeit, Benutzerfreundlichkeit und Kosteneffizienz verbindet. Der neue A5 Melkroboter steht für stressfreies Melken für Kühe und Landwirte.

Ein neuer Meilenstein im Kuhkomfort und in der Benutzerfreundlichkeit
Wir bei Lely glauben, dass gesunde und stressfreie Kühe eine höhere Milchleistung haben. Es ist erwiesen, dass sich Kühe in einem Lely-Stall mit z.B. freiem Kuhverkehr, I-Flow-Konzept und geräumigen Melkboxen wohl fühlen und eine gute Leistung erzielen.

Beim Astronaut A5 wurde der Kuhkomfort durch einen neuen Hybridarm noch weiter verbessert: leise, schnell und zugleich energiesparend, sorgt er für einen rundum gleichmäßigen und angenehmen Melkvorgang. Der neue Roboterarm folgt allen Bewegungen der Kuh und bleibt stets in der Nähe des Euters. Bei unerwarteten Bewegungen erfolgt sofort eine eigenständige Korrektur. So ist auch bei unerfahrenen Färsen ein schneller und gründlicher Melkvorgang gewährleistet.
Mit dem neuen Zitzenerkennungssystem TDS wurde das Einsprühen der Zitzen nach dem Melken weiter verbessert. Das Euter wird nun vor dem Einsprühen gescannt. Dies sorgt für eine optimale Euterhygiene und begrenzt das Risiko der Verunreinigung.

Dank der neu gestalteten, intuitiven Benutzeroberfläche ist das automatische Melken für jeden leicht zu verstehen. Von der Erstmelkung einer Kuh bis zur täglichen Wartung sind alle wichtigen Informationen auf einer einzigen Seite dargestellt. Sofortige Maßnahmen wie Futterzuteilung, kuhspezifische Wegführung und tägliche Wartungsarbeiten sind nur einen Klick entfernt. Der Astronaut A5 ist für Benutzerfreundlichkeit, Zugänglichkeit und Wartungsfreundlichkeit auf höchstem Niveau entwickelt.

Gute Rendite und bewährte Zuverlässigkeit
Lely hat das komplette System neu gestaltet, um deutlich niedrigere Gesamtkosten pro kg produzierter Milch zu erreichen. Es gab ein umfangreiches, weltweites Testprogramm mit mehr als 30 Kunden und über 2 Millionen Melkungen in verschiedensten Temperaturbereichen, um einen einwandfreien Betrieb unter allen Bedingungen gewährleisten zu können. In allen Tests konnte der Verbrauch von Reinigungsmitteln und Wasser sowie der Energieverbrauch um bis zu 20 % gesenkt werden. Eine schnelle und einfache Wartung und die Verwendung von hochwertigen Materialien führen zu einer erheblichen Reduzierung der Wartungskosten. Neben der verbesserten Effizienz kann die äußerst zuverlässige und wartungsfreundliche Konzeption mit einer unschlagbaren Rendite aufwarten.

An die Bedürfnisse der Landwirte angepasst
Der neue Astronaut A5 Melkroboter (kompatibel mit Astronaut A4), entspricht absolut der Vision von Lely. „Das Melken einer Kuh war noch nie so einfach und komfortabel für den Landwirt und die Kuh. Der Astronaut A5 trägt dazu bei, den Landwirten das Leben zu erleichtern, ihr Business erfolgreicher zu machen und ihnen und ihren Familien eine glänzende Zukunft in der Landwirtschaft zu eröffnen. Deshalb haben wir während des gesamten Entwicklungsprozesses immer wieder auf das Feedback unserer Landwirte gesetzt und den Lely Astronaut A5 mit ihnen zusammen gründlich getestet. Wie bei allen unseren Produkten sind sie es, die letztlich entscheiden, wie erfolgreich dieser neue Astronaut sein wird.“, so Alexander van der Lely (CEO).

Quelle: Lely

Ferkeldurchfälle durch E. coli und Clostridien: Besser vorbeugen statt behandeln

von Dr. Heike Engels

Ferkeldurchfall ist nach wie vor eine sehr häufige Erkrankung in Schweineställen, häufig müssen Antibiotika eingesetzt werden. Nicht immer ist der Erreger sofort bekannt, in vielen Fällen ist eine umfassende Diagnostik nötig, um den krankmachenden Erreger zu ermitteln. Doch es gibt gut wirksame Impfstoffe, die den Antibiotikaeinsatz reduzieren helfen.

Die Infektionen mit den Bakterien Escherichia coli und Clostridium perfringens kommen häufig und weltweit in der kommerziellen Schweinehaltung vor. Vielfach bereiten diese beiden Erreger im Bestand gleichzeitig Probleme. Escherichia Coli besiedelt sehr früh den Ferkeldarm. Die Giftstoffe, die von den krankmachenden Colikeimen ausgeschieden werden, führen zu massivem Durchfallgeschehen, bekannt als „Ferkelruhr“. Bei den E. coli-Keimen gibt es verschiedene Stämme, die sich an ihrer Oberfläche unterscheiden. Sie werden nach ihren Anhängseln, auch Fimbrien, genannt, unterschieden. Fimbrien sind elektronenmikroskopisch sichtbare Zellanhänge von Bakterien, die der Anheftung der Erreger an Zelloberflächen dienen. Direkt nach der Geburt findet man sehr häufig Coli-Stämme mit den Fimbrientypen F4, F5, F6, F41. Ferkel, die sich während der Säugezeit immer wieder mit E. coli-Keimen auseinandersetzen müssen, haben in der Regel einen schlechten Start ins Leben und bleiben zumeist kümmernde Ferkel.

Je nach Alter andere E. coli-Stämme
Je nachdem in welchem Alter die Infektion stattfindet, finden sich entsprechende Symptome und Bakterienstämme. Der besonders aggressive F18-Typ befällt Saugferkel ab Ende der zweiten Säugewoche bis in die Ferkelaufzuchtphase. Er verursacht neben schweren Durchfällen auch die Ödemkrankheit. F4 und F18 sind bei der Diarrhoe von Absatzferkeln am häufigsten nachgewiesenen Fimbrientypen. Sie tragen häufig die für den Durchfall verantwortlichen Gene des hitzelabilen Toxins (LT) oder des hitzestabilen Toxins (ST). Das für die Ödemkrankheit verantwortliche Shigatoxin Stx2e wird ebenfalls von F18-E. coli- Stämmen gebildet …

 


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Blauzungenvirus: Serotyp 4 und 8 in Frankreich neu aufgetreten

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Imke Brammert-Schröder

Der Feind kommt in der Nacht: kleine Mücken übertragen das Blauzungenvirus auf Rinder, Ziegen und Schafe. Diese so genannten Gnitzen fallen die Tiere vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung an und infizieren sie mit dem Virus. Die Folge sind erhebliche gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden in Ziegen-, Schaf- und Rinderherden. Eine Impfung bietet Schutz vor Erkrankungen und wird von einigen Bundesländern bezuschusst.

Das Blauzungenvirus (BTV, Abkürzung aus dem Englischen von Blue Tongue Virus) wurde erstmals im Sommer 2006 in Deutschland nachgewiesen. Vorher war das Virus bereits im Länderdreieck Niederlande, Belgien und Deutschland aufgetreten. Zunächst erkrankten Schafe, dann aber auch mehr und mehr Rinder. In den Jahren 2007 und 2008 kam es zu einer nahezu flächendeckenden Ausbreitung des Virus in ganz Deutschland und Mitteleuropa. Aktuell gilt Deutschland als BTV-frei. Allerdings breitet sich das Virus vom Serotyp 4 seit 2014 über Griechenland und den Balkan immer weiter Richtung Norden aus. Ende 2017 wurde es in Frankreich nachgewiesen, bis Februar 2018 wurden dort nach Angaben des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) bereits mehr als 80 Fälle gemeldet. In Frankreich richtet auch der Serotyp 8 hohe Schäden an: in 2017 wurden dort über 1.700 Fälle gemeldet, in diesem Jahr bereits mehr als 400. Experten rechnen damit, dass das Virus die deutsche Grenze überwindet und es hier ebenfalls zu Ausbrüchen kommen wird….

 


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Strategiekonferenz „Zukunft agrar Nordwest“

Auftaktveranstaltung des Verbunds „Transformationswissenschaft agrarische Intensivregion im Nordwesten Niedersachsens“ in Vechta – Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast nimmt teil

Die niedersächsische Agrar- und Ernährungswirtschaft hat in der Vergangenheit eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben. Sie hat die ländliche Region im Nordwesten stark gemacht und prägt sie immer
noch maßgeblich. Damit das Erfolgsmodell auch noch in Zukunft tragfähig ist, richtet der Verbund für Transformationswissenschaft, an dem niedersächsische Hochschulen und Wirtschaftseinrichtungen beteiligt sind, eine Strategiekonferenz aus am 24. Mai 2018 in der Aula der Universität Vechta. Eingeladen sind alle, die sich für die Zukunft der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion interessieren und mit namhaften Fachleuten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden über die Entwicklung des für den ländlichen Raum Niedersachsens wichtigsten Wirtschaftszweigs zu diskutieren. Ihre Teilnahme bereits zugesagt haben die niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Barbara Otte-Kinast, sowie Hubertus Paetow, Präsident der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e. V.).

Verbundsgeschäftsführerin Dr.in Barbara Grabkowsky ist sich sicher: „Wandel, Veränderung, und Transformation: Das sind zentrale Themenfelder, mit denen sich die Branche verstärkt beschäftigen muss, um der Zukunft gewachsen zu sein“. Der Transformationsprozess könne das Gesicht der Landwirtschaft von heute stark verändern, erläutert die Geschäftsführerin weiter. Fragen zur Zukunft der Nutztierhaltung, der Rolle der Digitalisierung und nach einem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen seien dabei von zentraler Bedeutung. Fleisch aus dem Reagenzglas, grüne Gentechnik oder vertikaler Pflanzenbau sind Beispiele, die die bestehenden Strukturen auf den Kopf stellen könnten, aber auch Chancen für neue Geschäftsmodelle böten.

Der Verbund „Transformationswissenschaft für die agrarische Intensivregion im Nordwesten Niedersachsens“ hat sich zum Ziel gesetzt, für die Herausforderungen der Agrar- und Ernährungswirtschaft pro-aktiv nach Lösungen zu suchen. Die Strategiekonferenz „Zukunft agrar Nordwest“ ist zugleich Auftaktveranstaltung des Verbunds und der Startschuss, gemeinsam in Richtung Zukunft aufzubrechen.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Um Anmeldung wird gebeten

Quelle: Universität Vechta

Professor Guus Rimmelzwaan erhält Alexander von Humboldt-Professur

Am heutigen Dienstag verleiht die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, gemeinsam mit dem Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung, Hans-Christian Pape, in Berlin die höchstdotierten Forschungspreise Deutschlands: die Alexander von Humboldt-Professuren. Zehn Preisträgerinnen und Preisträger aus dem Ausland erhalten von der Stiftung jeweils bis zu fünf Millionen Euro, um fünf Jahre lang zu ihrem Fachgebiet an deutschen Universitäten zu forschen. Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) nominierte Professor Guus Rimmelzwaan für eine Alexander von Humboldt-Professur – und war erfolgreich. Seit Januar forscht der Spitzen-Virologe am Research Center for Emerging Infections and Zoonoses (RIZ), dem interdisziplinären Forschungszentrum der TiHo.

Seit fast 25 Jahren forscht Rimmelzwaan bereits zu Influenzaviren, den Auslösern der Grippe. Trotzdem möchte er noch mehr über diese Viren und die Immunantwort ihrer Wirte erfahren. „Influenzaviren sind extrem interessant. Eine so hohe Fördersumme und die Infrastruktur des RIZ ermöglichen es mir, zahlreiche verschiedene Projekte zu Influenzaviren zu planen und umzusetzen. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben und ich habe noch so viele Ideen – insbesondere was die Immunität gegen die Viren und ihre Bedeutung betrifft“, sagt Rimmelzwaan.

Warum sind Influenzaviren so interessant?
Influenzaviren kommen bei Menschen und Tieren vor und verändern sich ständig. Mittlerweile sind vier Gattungen und zahlreiche verschiedene Subtypen bekannt. Sie lösen verschiedene Krankheitsbilder aus – wie beispielsweise die saisonale Grippe, an der schätzungsweise 290.000 bis 650.000 Menschen jährlich sterben. Es sind sogar Fälle bekannt, in denen Influenzaviren zunächst nur Tiere infizierten und sich dann so veränderten, dass sie plötzlich auch bei Menschen zu Erkrankungen führten. So können sie sogenannte Pandemien auslösen, bei denen sich die Krankheit seuchenhaft über Länder- und Kontinentalgrenzen ausbreitet. „Die Eigenschaft, die mich persönlich jedoch am meisten fasziniert, ist, dass Influenzaviren durch ihre Variabilität dem Immunsystem entkommen können“, berichtet Rimmelzwaan. „Die Viren verändern sich so schnell, dass beispielsweise neue Grippeimpfstoffe häufig bereits nach einem Jahr unbrauchbar sind.“

Auf der Suche nach neuen Abwehrstrategien
Rimmelzwaans Forschungsprojekte zielen darauf ab, die Immunität gegen Influenzaviren zu verstehen. Das ist die Grundlage, um eine Universal-Impfung zu entwickeln, die möglichst gegen alle Influenzaviren schützt. „Die Kenntnisse, die wir über diese Viren gewinnen, können wir zudem auf andere wichtige Virusinfektionen anwenden“, betont er. Derzeit stellt Rimmelzwaan sein neues Team zusammen und plant erste Projekte.

Über Professor Guus Rimmelzwaan
Nach seinem Biologiestudium an der Freien Universität Amsterdam arbeitete der gebürtige Niederländer das erste Mal an einem veterinärmedizinischen Thema: An der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Utrecht und dem National Institute of Public Health and the Environment in Bilthoven promovierte er über die Parvovirusinfektion beim Hund. Nach seiner Promotion forschte er an einem weiteren Tiervirus, dem Felinen Immundefizienz-Virus (FIV), mit dem Ziel, einen Impfstoff dagegen zu entwickeln. Das Katzenvirus gilt als Modell für das Humane Immundefizienz-Virus (HIV), daher wurde ihm schon kurze Zeit später aufgrund seiner Expertise auf dem Gebiet eine Stelle an der Medizinischen Fakultät der Universität Amsterdam angeboten. Diese Anstellung war an einen Auslandsaufenthalt in den USA geknüpft: In der Abteilung für Virusbiologie des National Cancer Institute in Frederick etablierte er die Methoden, die er in der FIV-Forschung entwickelt hatte, für HI-Viren. Im Jahr 1994 wurde er Arbeitsgruppenleiter im Erasmus Medical Center in Rotterdam. Dort leitete er seit 2002 die Forschungsabteilung der Viruswissenschaften und hatte seit 2009 den Vorsitz für Immunovirologie inne. Im Januar verließ er Rotterdam, um an der TiHo zu forschen.

Foto: Levien Willemse

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Schweinefachtagung 2018 von Boehringer Ingelheim: Mit Strategie zu gesunden Schweinen

Vor kurzem fanden wieder die alljährlichen Schweinefachtage von Boehringer Ingelheim statt. Diese Fortbildungsveranstaltung richtete sich an Tierärzte in den verschiedenen Regionen Deutschlands und bot aktuelle Informationen zu altbekannten Erregern wie Mykoplasmen, PRRS-Virus und auch neue Erkenntnisse zu Mykotoxinen.

Prof. Mathias Ritzmann, LMU München, erinnerte daran, dass die durch Mykoplasmen verursachte Klinik unspezifisch ist, deshalb ist neben einer klinischen Untersuchung, gegebenenfalls mit Erfassung des Hustenindex, eine gründliche Diagnostik notwendig. Die Klinik hängt ab von dem Zeitpunkt der Infektion sowie der Erregermenge. Bei der Diagnostik ist darauf zu achten, eine große Stichprobenmenge zu verwenden, weil die Standardabweichung innerhalb der Ergebnisse recht hoch ist. Welche Art der Probennahme im jeweiligen Betrieb angewendet wird, ist je nach Fall zu entscheiden. Gute Nachweisergebnisse erzielt man mit einem Tracheobronchialabstrich (TBS), aber auch die Lungenspülung, wie sie in den USA häufiger angewendet wird, ist aussagekräftig. Der Nasentupfer ist bei Mykoplasmen überhaupt nicht empfehlenswert, hier liegt die Nachweisrate nur bei 10 %. Außerdem sind Mehrfachinfektionen zu berücksichtigen, da Mykoplasmen häufig gemeinsam mit weiteren Erregern wie PRRS oder PCV2 auftreten. Die Impfung der Ferkel schützt vor der Infektion, sie hat sich weltweit bewährt. Sollten trotzdem Mykoplasmenprobleme diagnostiziert werden, bieten die Jungsauen- und Sauenimpfung eine Chance die Mykoplasmenkontrolle zu optimieren.

Impferfolg bei PRRS – die Bedeutung der Virusmengen
Dr. Rolf Steens, Tierarzt bei Boehringer Ingelheim, stellte die Ergebnisse verschiedener Studien zu PRRS vor…
 


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Innovatives Verfahren zur umweltschonenden Gülleaufbereitung kommt auf den Markt

Das am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB entwickelte BioEcoSIM-Verfahren zur Aufbereitung von Gülle wird von SUEZ Deutschland GmbH als Betreiber großtechnischer Anlagen in den Markt eingeführt. Für Agrarbetriebe wird so eine Möglichkeit geschaffen, überschüssige Gülle abzugeben. Produkte der Gülleaufbereitung sind Phosphordünger, Ammoniumdünger und organische Bodenverbesserer. Anlässlich der IFAT vom 14. bis 18. Mai in München geben die Partner ihre Zusammenarbeit zur Markteinführung bekannt.

Etwa 200 Millionen Kubikmeter Gülle aus der Viehzucht landen jährlich in Deutschland auf Feldern und Wiesen. Das »schwarze Gold« besteht zu über 90 Prozent aus Wasser und enthält beachtliche Mengen der wichtigen Pflanzennährstoffe Stickstoff und Phosphor. Wenn jedoch mehr Gülle auf die Felder ausgebracht wird, als die Böden binden und Pflanzen aufnehmen können, wandeln Mikroorganismen den Ammoniumstickstoff im Boden zu Nitrat um, das ins Grundwasser sickert. Das Problem: Dort, wo die Gülle in großen Mengen anfällt, fehlen häufig Ackerflächen, die gedüngt werden müssen. Über sogenannte Güllebörsen ordern Mastbetriebe daher Tanklaster an, um ihre Gülle in Gebiete mit Nährstoffbedarf transportieren zu lassen – oft mehrere hundert Kilometer entfernt.

Eine umweltschonende Lösung hat das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB mit seinem BioEcoSIM-Verfahren entwickelt. »Wir haben verschiedene Aufbereitungsstufen zu einem Gesamtprozess kombiniert und in einer modular aufgebauten Anlage integriert«, erläutert der Nährstoff-Experte Dr. Iosif Mariakakis vom Fraunhofer IGB. Damit können die wertvollen Nährstoffe als leicht transportierbare und exakt dosierbare Phosphor- und Ammoniumdüngesalze zurückgewonnen werden. Auch die festen organischen Bestandteile werden verwertet und mit einem energieeffizienten Verfahren getrocknet und konditioniert. Sie stehen dann als humusbildende Bodenverbesserer zur Verfügung. Gülle wird so nahezu vollständig verwertet und die recycelten Bestandteile dem Boden wieder zugeführt.

Großtechnische Umsetzung und Betreibermodell

Mit der SUEZ Deutschland GmbH hat das Fraunhofer IGB nun einen Lizenznehmer für die patentierte Technologie gewonnen. Das global agierende Entsorgungs- und Verwertungsunternehmen wird als Betreiber in Aufbereitungsanlagen investieren. »Nach und nach sollen flächendeckend großtechnische Anlagen entstehen, die Landwirten, Zucht- und Mastbetrieben überschüssige Gülle abnehmen. Bei der Auswahl der Anlagenstandorte werden vor allem die logistischen Aspekte der Anlieferung berücksichtigt«, beschreibt Kai Bastuck, Leiter Geschäftsfeldentwicklung Recycling und Recovery der SUEZ Deutschland GmbH, das Geschäftsmodell. »Durch die Rückgewinnung des endlichen Rohstoffs Phosphor wird die Abhängigkeit Deutschlands von Phosphorimporten abgebaut. Das schont die endlichen Phosphorressourcen und verringert Schadstoffeinträge in Böden. So tragen wir zu einer nachhaltigen Zukunft bei und machen Nährstoff zum Wertstoff«, so Bastuck. Das Fraunhofer IGB unterstützt SUEZ Deutschland bei der Weiterentwicklung des Verfahrens.

Eine erste Aufbereitungsanlage mit einem Durchsatz von einem Kubikmeter pro Stunde wird aktuell als »Lebendes Technikum« am SUEZ-Standort Zorbau in Sachsen-Anhalt errichtet. Die flexibel ausgelegte Anlage soll Rinder- und Schweinegülle, aber auch Gärreste aus Biogasanlagen, verarbeiten und damit als Blaupause für weitere großtechnische Anlagen dienen.

»Eine durchschnittliche großtechnische Anlage produziert dann stündlich aus zehn Kubikmetern Rohgülle etwa 100 Kilogramm Phosphatdünger, 100 Kilogramm Stickstoffdünger und 900 Kilogramm organische, nährstoffarme Feststoffe«, führt Siegfried Egner, Abteilungsleiter am Fraunhofer IGB, aus. Das Einsparpotenzial an synthetischen Düngern ist enorm: Mit der Kapazität von einer Million Kubikmetern Gülle pro Jahr können 10 000 Tonnen Ammoniumdünger und 10 000 Tonnen Phosphordünger hergestellt werden.

Das BioEcoSIM-Verfahren

Um Gülle vollständig aufzubereiten, sind verschiedene Verfahrensschritte notwendig. In einem ersten Schritt wird die wässrige Gülle vorbehandelt, damit der Phosphor vollständig in Lösung geht. Über eine zweistufige Filtration wird sie in eine feste und eine flüssige Phase getrennt.

Die entwässerte feste Phase wird mit einem ebenfalls am Fraunhofer IGB entwickelten energieeffizienten Verfahren getrocknet, das mit überhitztem Wasserdampf in einem geschlossenen System und daher besonders energieeffizient arbeitet. Die getrockneten organischen Bestandteile können optional weiter bei 450 °C über einen Pyrolyse-Schritt – wie im Trocknungsschritt in einer Atmosphäre aus überhitztem Wasserdampf – zu organischer Biokohle umgesetzt werden.

Die flüssige Güllefraktion enthält die gelösten anorganischen Nährstoffe. In einem Fällungsreaktor wird zunächst Phosphor zurückgewonnen und als Calciumphosphat, Magnesiumphosphat oder Magnesiumammoniumphosphat gefällt und abfiltriert. Stickstoff wird in einem zweiten Schritt zurückgewonnen. Hierzu wird die wässrige Fraktion über eine Membranadsorption als Ammoniumsulfat abgetrennt und kristallisiert. Übrig bleibt ein Wasser, das nur noch Spuren von Phosphor und Stickstoff enthält, aber reich an Kalium ist – und optimal zur Bewässerung eingesetzt werden kann.

In umfangreichen Untersuchungen und Feldstudien haben die Fraunhofer-Forscher gezeigt, dass die aus Gülle aufbereiteten mineralischen Düngemittel und organischen Bodenverbesserer direkt als gut verfügbare Dünger und humusbildende Substrate in der Landwirtschaft eingesetzt werden können.

Das BioEcoSIM-Aufarbeitungsverfahren wurde im Rahmen des Projekts BioEcoSIM entwickelt, das von Oktober 2012 bis Dezember 2016 im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU gefördert wurde.

Präsentation auf der IFAT

Auf der IFAT vom 14. – 18. Mai 2018 in München steht das Fraunhofer IGB am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle B2, Stand 215/314, SUEZ Deutschland GmbH in Halle A6, Stand 239 für weitere Informationen und Gespräche zur Verfügung.

Quelle und Bild: Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB
Aktualisiert am 22.5.2018

„Stressfresser“ aus dem Kuhstall – Landbewohner mit Nutzierkontakt können Stress besser bewältigen

Was macht das Landleben eigentlich so gesund? Die dörfliche Ruhe, die frische Luft oder die intakte Nachbarschaft? Wissenschaftler der Universität Ulm haben darauf eine ganz andere Antwort: Landbewohner mit engem Kontakt zu Nutztieren können Stresssituationen immunologisch viel besser bewältigen als Großstädter, die ohne Haustiere aufgewachsen sind. Hilfe bekommen sie dabei von den „old friends“ unter den Mikroben. „Damit gemeint sind Umweltbakterien, mit denen der Mensch seit Jahrtausenden recht friedlich zusammen- lebt, und die es in der Großstadt heute schwer haben“, erklärt Professor Stefan Reber, Leiter der Sektion für Molekulare Psychosomatik an der Ulmer Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Der Ulmer Wissenschaftler hat gemeinsam mit Kollegen aus dem Universitätsklinikum Ulm und Forschern aus Erlangen, London und Boulder (Colorado) herausgefunden, dass Männer, die die ersten 15 Lebensjahre auf einem Bauernhof mit Nutztierhaltung aufgewachsen sind, psychosozialen Stress besser verarbeiten können als Männer, die die ersten 15 Lebensjahre in einer Großstadt mit über 100 000 Einwohnern und ohne Haustiere verbracht haben. Für ihre Studie, die kürzlich im renommierten Fachmagazin PNAS veröffentlicht wurde, haben die Forscher insgesamt 40 gesunde männliche Probanden einem Stresstest unterzogen und begleitend dazu Stresshormone und immunologische Parameter erhoben. „Gestresst“ wurden die Probanden in einem standardisierten Labor- experiment mit dem sogenannten „Trier-Social-Stress-Test“ (TSST). Dabei werden die Versuchsteilnehmer einer fingierten Bewerbungssituation ausgesetzt und mehr und mehr unter Druck gesetzt. Sie müssen zwischendurch Kopfrechenaufgaben lösen und bei Fehlern erneut von vorne beginnen. Vor und nach dem Test haben die Wissenschaftler Blut- und Speichelproben entnommen, um bestimmte Immunzellen wie mononukleäre Zellen des peripheren Blutes (PBMC) zu gewinnen oder Stressparameter wie Cortisol zu erfassen.

Dabei kam heraus, dass die „Landbewohner“ im Test zwar einerseits höhere Stresswerte zeigten als die „Großstädter“; dabei waren sowohl die basalen Stresshormonlevel höher als auch das im Fragebogen abgefragte subjektive Stressempfinden. Andererseits ließ sich das Immunsystem der „Landbewohner“ nicht so stark zu einer Reaktion provozieren wie das der „Großstädter“, die in ihrer Kindheit keinen Kontakt zu Tieren hatten. So war bei den Probanden, die in der Großstadt ohne Tiere aufgewachsen sind, nicht nur der stress- induzierte PBMC-Anstieg größer, sondern auch die Werte für den Entzündungsmarker Interleukin 6 blieben länger erhöht als bei der Vergleichsgruppe.

Und ein weiteres klares Indiz, dass das Immunsystem der „Landbewohner“ Stress besser verkraftet, fanden die Wissenschaftler. Dafür wurden die isolierten mononukleären Zellen des peripheren Blutes auf die Ausschüttung des Entzündungshemmers Interleukin 10 untersucht. Das Ergebnis: nach dem Stresstest war bei den tierlosen Städtern die Abgabe dieser antientzündlich wirkenden Substanz deutlich verringert, nicht jedoch bei den nutztiernahen Ländlern.

Für die Gesundheit sind überschießende Immunantworten ein Problem, weil diese häufig zu chronischen Entzündungsreaktionen führen. „Solche Prozesse spielen beispielsweise bei der Entstehung von Asthma und allergischen Erkrankungen eine Rolle, vergrößern aber auch das Risiko für psychische Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen und Post- traumatische Belastungsstörungen, erläutert der Ulmer Psychoneuroimmunologe Stefan Reber.

Schon länger ist bekannt, dass die Anfälligkeit für Asthma und Allergien sowie für psychische Erkrankungen bei Menschen, die in der Großstadt leben, überdurchschnittlich hoch ist. Mit dem globalen Trend zur Verstädterung – immer mehr Menschen zieht es vom Land in die Metropolen – gewinnt dieser Befund noch an Brisanz. Dass dabei der fehlende Kontakt zu bestimmten Bakterien eine Schlüsselrolle spielt, wie die sogenannte „missing microbes“-Hypothese besagt, wird in der Forschung seit ein paar Jahren vermutet. In einem früheren Experiment mit Mäusen konnte ein Forscherteam um Professor Reber bereits zeigen, dass sich die Stressresilienz der Tiere durch die „Impfung“ mit solchen altbekannten Umweltbakterien verbessern lässt. Schön wäre es natürlich, wenn sich die Ergebnisse von der Maus auf den Menschen übertragen ließen. Möglicherweise könnte eine solche Impfung in Zukunft auch bei menschlichen Risikogruppen funktionieren. Ob es in der Stadt vielleicht auch der frühe Kontakt mit Haustieren tut, wollen die Wissenschaftler in einer Folgestudie herausfinden.

Quelle: Universität Ulm