Ringelschwanz in der Praxis: Was geht und was nicht #Expertise2018

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Martin Stodal nimmt am MuD-Projekt des BMEL teil und hält Ferkel und Mastschweine mit Langschwänzen. Wie er seit 2011 das Ringelschwanzprojekt angegangen ist, erklärte er anlässlich der „Expertise 2018“ in Unterschleißheim.

In seinen Ställen hat der Landwirt eine Dauer-Schadgasmessung eingeführt, neue Buchtenstrukturen mit echtem Kleinklima geschaffen und nur noch Beckentränken mit Hygienisierung und Trockenautomaten eingebaut, um die Zahl der Tränk- und Fressplätze zu erhöhen. Seile dienen als Beschäftigungsmaterial und für den Notfall liegt Fischmehl bereit

Martin Stodal

Zusammen mit seinem Hoftierarzt hat Stodal ein Konzept gegen  Mykotoxinbelastung entwickelt, das mit der Saugferkelbonitur beginnt und nach professioneller Siloreinigung, Futterkomponenten und Futterlagerung in den Fokus nimmt. Mykotoxinbinder werden in allen Stufen eingesetzt und die Säue bekommen hohe Vitamin E-Gaben, zur Entlastung vor der Geburt. In der Ferkelaufzucht wurde der Weizenanteil auf höchstens 10% verringert und zur Entlastung des Magen-/Darmtrakts setzt der Landwirt auf gute Rohfaserträger und viel Gerste ein.

In der Ferkelaufzucht erreicht Martin Stodal mittlerweile einen Langschwanzanteil von 95% und 70-80% in der Mast. Zugluft wird durch Lochnetze beseitigt, Flatterbänder aufgehängt und Rauchpatronen gezündet, um Zug zu erkennen. Neben Wärmebildern half Videoüberwachung Hitzenester im Stall zu identifizieren. So wurden Temperaturen von 38 Grad in einzelnen Buchten gemessen.

Seinen Lernprozesses stellte Stodal in drei Stufen dar: bis 2014 = Haltung. 2015 = Fütterung und seit 2017 = Genetik. Heute setzt er auf spanische Durocs-Genetik, wegen der hohen IMF-Werte (Intramuskuläres Fett) und der damit verbundenen Ruhe im Stall.

In seiner Zusammenfassung betonte Martin Stodal: „gesunde Ferkel beginnen mit einer gesunden Jungsau und guter Sauenhaltung. Genauso wie auf dem Acker und mit hoher Komponenten-Qualität und –Sicherheit. Ringelschwänze haben gute Chancen wenn folgende Faktoren stimmen: Wasser,  Rohfaser, Raufutter, Toxinbinder, Fett. Kritisch dagegen sind: Hitze, Mykotoxine, Rohprotein und Stärke.

Hintergrund „Expertise 2018“:

Auf Einladung der MSD Tiergesundheit hatten 600 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende Oktober über zwei Tage Gelegenheit aus Vorträgen von 38 Referenten aus dem In- und Ausland zu wählen. Drei Themenblöcke (Rind, Schwein, allgemeine Themen) wurden parallel angeboten. Eine Podiumsdiskussion, eine Posterausstellung mit 20 wissenschaftliche MSD AH Veröffentlichungen aus den letzten beiden Jahren (originalveröffentlicht auf den internationalen Rinder- und Schweinekongressen) sowie eine kleine Industrieausstellung der MSD Tiergesundheit mit Beteiligung von Henke Sass Wolf, dem Hersteller von IDAL und der MSD Geflügelvakzinatoren, rundeten die Veranstaltung ab.

Was erwarten Handel und Verarbeiter von den Nutztierhaltern? #Expertise2018

Fiona Hofmann (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) stellte im Rahmen der „Expertise 2018“ die Ergebnisse Ihrer Befragungen von Verantwortlichen in Verarbeitungs- und Schlachtbetrieben sowie im Lebensmittel-Einzel- und Lebensmittel–Großhandel vor.

Gefragt hatte sie nach der Bedeutung des Tierwohls in den diversen Produktionsstufen (Diagramm rechts): Ferkelerzeugung (Abferkelbucht, Kastenstand), Aufzucht (Kastration, Schwanzkupieren, Hornanlagen), Mast (Platzangebot, Beschäftigung), Transport (Entfernung, Wartezeit), Schlachtung (Zutrieb, Betäubung) und nach den Verantwortlichkeiten der verschiedenen Akteure für eine artgerechte Tierhaltung (Diagramm oben).

Beim Thema Tierwohl fällt auf, dass die Befragten bei der Schlachtung die höchste (Eigen-) Verantwortlichkeit sehen. Für eine artgerechte Haltung ist natürlich der Landwirt an erster Stelle verantwortlich. Direkt gefolgt vom Endverbraucher!

Als beispielhafte Aussagen zur Tierhaltung (Diagramm oben) nannte Fiona Hofmann:

– Der Landwirt hat die längste  aktive Einwirkung aufs Tier.
– Der LEH beeinflusst über die Preise die Kaufentscheidung.
– Der Endverbraucher entscheidet zwar schlussendlich über seinen Konsum, hat aber zu geringes Wissen über die Produktion von Lebensmitteln.
– Dem Tierarzt kommt die Rolle des Kontrolleurs und Beraters zu.
– Und der Verarbeitungsbetrieb ist nur ein schwaches Zwischenglied.

Zum Komplex „Hygiene“ waren den Befragten sehr wichtig und wichtig:

– Vermeidung von Arzneimittelrückständen im Fleisch (81%)
– Antibiotikaminimierung (74%) und
– strenge Futtermittelkontrollen (61%).

Bei der „Prophylaxe“ waren ihnen sehr wichtig und wichtig:

– Hygienemanagement (83%)
– Antibiotikaminimierung (74%)
– Vermeidung nicht-Kurativer Eingriffe (59%)
– Impfmanagement (48%)

Immer wieder sind es Arzneimittel und hier speziell Antibiotika, deren Einsatz kritisch gesehen wird. Auch bei den Unternehmenszielen im Bereich Tiergesundheit, wurde dies deutlich. Von 50 Befragten nannten 33 die Verhinderung von Fremdkörpern im Fleisch (z. B. Impfkanülen), 27 fordern stärkere Prophylaxe, 23 weniger medikamentöse Therapien und 10 auch weniger Metaphylaxe. Dann aber auch 6 die Verwendung von Medikamenten mit kurzer Wartezeit, was – im Rahmen der Diskussion um Reserveantibiotika – in Zukunft durchaus schwierig werden könnte.

Bei der Frage nach den Zukunftstrends der Tierproduktion stehen Regionalität (42), schonende Schlachtmethoden (32), höherer Bio-Anteil im Angebot (27) und die lückenlose Rück-verfolgbarkeit (27) ganz oben. Aber auch hier wünschen sich fast die Hälfte (25) der Befragten einen weitest gehenden Verzicht auf Medikamente (Diagramm links).

Zusätzlich zur Online-Befragung führte Frau Hofmann noch vier Experteninterviews, mit zwei Verantwortlichen aus der Fleischverarbeitung und je einem aus einem Schlachtbetrieb und einem unabhängigen Verein der Ernährungswirtschaft.

Diese Experten sehen den größten Handlungsbedarf in der Fleischproduktion in einer besseren Ausbildung (in der Landwirtschaft und Schlachtbetrieben) sowie in der Steigerung des Qualitätsbewusstseins. Chancen zur Reduktion des Arzneimitteleinsatzes liegen für sie in der Anpassung der Tierhaltung, bei Impfungen als Krankheits-Prophylaxe, statt Metaphylaxe und auch hier spielen wieder Rückverfolgbarkeit und öffentliche Kommunikation eine zentrale Rolle.

Fiona Hofmann HSWT

Zusammenfassen ließen sich die zukünftigen Anforderungen an die Landwirtschaft in fünf Punkten:

Verbesserung des Hygienemanagements,
Antibiotikaminimierung,
Reduktion von Medikamentenrückständen,
Vermeidung nicht-kurativer Eingriffe am Tier,
Rückverfolgbarkeit auf allen Ebenen.

Hintergrund „Expertise 2018“:

Auf Einladung der MSD Tiergesundheit hatten 600 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende Oktober über zwei Tage Gelegenheit aus Vorträgen von 38 Referenten aus dem In- und Ausland zu wählen. Drei Themenblöcke (Rind, Schwein, allgemeine Themen) wurden parallel angeboten. Eine Podiumsdiskussion, eine Posterausstellung mit 20 wissenschaftliche MSD AH Veröffentlichungen aus den letzten beiden Jahren (originalveröffentlicht auf den internationalen Rinder- und Schweinekongressen) sowie eine kleine Industrieausstellung der MSD Tiergesundheit mit Beteiligung von Henke Sass Wolf, dem Hersteller von IDAL und der MSD Geflügelvakzinatoren, rundeten die Veranstaltung ab.

Haben Milchkühe ein gutes Leben? #Expertise2018

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Der Vortrag von Prof. Dr. Marina von Keyserlingk (University of British Columbia, Vancouver Canada) war ein echtes Highlight der “Expertise 2018”. Unter dem Titel „Milchkühen ein angemessen gutes Leben bieten“ (Providing assurance that cattle have a reasonably good life), stellte Sie Befragungs- und Forschungsergebnisse aus Kanada vor.

Prof. Dr. Marina von Keyserlingk

“Verändert Wissen über Landwirtschaft, die Akzeptanz der Nutztierhaltung?“, wollten die kanadischen Forscher mithilfe einer Verbraucherbefragung klären. Zunächst stellten Sie einer Gruppe von 50 Bewohnern der Großstadt Vancouver Fragen wie: Muss eine Milchkuh ein Kalb haben, um Milch zu produzieren? Werden Milchkühe in British Columbia üblicherweise im Anbindestall gehalten? Haben Sie Zugang zu einer Weide? Wie lange bleibt ein Kalb nach der Geburt bei seiner Mutter? Wie werden Milchkühe normalerweise gefüttert? Mit a) Milch, b) Gras, c) vorgemischtem Futter.

Zusätzlich wurde gefragt, welche grundsätzlichen Bedenken die Städter in Bezug auf Milchviehhaltung haben. Am häufigsten wurden Zweifel an der Futterqualität geäußert, fehlender Weidegang und Einschränkungen des Verhaltens befürchtet sowie Misshandlungen vermutet. Letzteres ist offensichtlich auf Undercover-Videos von Tierschützern/Tierrechtlern zurückzuführen. Auf die generelle Frage, ob Milchkühe ein gutes Leben haben, antworteten 42% mit Ja, 30% waren neutral und 28% nicht davon überzeugt.

Nach dieser ersten Fragerunde machten die Probanden einen Rundgang durch die Uni-Farm (270 Kühe, 11.000 kg Jahresdurchschnittsleistung) und wurden ausführlich informiert über

– Kälber-Management
– Kanadische Richtlinien zur Versorgung der Tiere
– den typischen „Tag im Leben einer Milchkuh“
– Kuhgesundheit
– Fütterung
– Fortpflanzung
– und allgemeines Verhalten.

Anschließend konnten 4 von 5 Teilnehmern die anfänglich gestellten Fragen korrekt beantworten!

Einige hatten nach dem Betriebsbesuch eine positivere Meinung, z. B. was Betreuung und Fürsorge betrifft. Andere hatten neue Probleme entdeckt oder fühlten sich in ihren Bedenken bestärkt, vor allem in den Punkten Kuh-Kalb-Trennung, fehlendem Weidegang, Platzangebot und Hygiene.

Die Frage „Wie überzeugt sind Sie, dass Milchkühe ein gutes Leben haben?“ beantworteten nach dem fachlichen Input 24% mit überzeugt, 44% neutral und 32% mit nicht überzeugt (s. Grafik oben). 90,4% der Städter forderten für Kühe Zugang zur Weide.

In einem anderen Test wurden nun die Kühe selbst „befragt“. In einem Wahlversuch wurde einer Milchviehherde jederzeit Weidegang angeboten und die Tiere gingen auch tatsächlich nach draußen – aber vor allem nachts. Tagsüber war es den Kühen im Freien zu warm (23 Grad) und erst ab 17 Uhr, wenn es kühler wurde, gingen sie langsam ins Freie.

Im nächsten Teil des Wahlversuchs mussten die Kühe selbst ein Tor durch Druck öffnen, um auf die Weide zu gelangen. Der Widerstand wurde dabei schrittweise erhöht: mussten die Tiere sich anfänglich nur gegen 14 kg stemmen, waren es am Ende 70 kg. Und siehe da: je stärker sich die Kühe anstrengen mussten, desto mehr verging ihnen die Lust auf Weidegang. In einem weiteren Schritt wurde den Tieren dann der Zugang zu frischer TMR nach dem Melken schrittweise erschwert. Wieder mussten sie steigende Gewichte weg-drücken und auch hier nahm das Interesse an der TMR mit wachsender Anstrengung und in gleichem Maße ab.

Besonders interessant waren schließlich von Keyserlingks Ausführungen zum Thema Kuh-/Kalb-Trennung. Hier verwies die Professorin auf die Arbeit von Ventura et. al. (2013), für die verschiedene Gruppen befragt wurden, ob Kühe und Kälber innerhalb weniger Stunden nach der Geburt getrennt werden sollen. Erwartungsgemäß waren Tierrechtler und Laien mehrheitlich dagegen, Studierende überwiegend und Tierärzte zu 100% dafür.

Überraschend ist jedoch das Ergebnis bei den Landwirten: 30% glauben, dass eine frühe Trennung eigentlich nicht gut ist (praktizieren sie aber trotzdem). Hier merkte die Wissenschaftlerin an, das es zwar Studien zu den Auswirkungen einer frühen Trennung bei Primaten gebe, analoge wissenschaftliche Untersuchungen bei Kuh und Kalb aber ebenso fehlten, wie solche zur bestens Variante der Gruppenhaltung von Kälbern.

Ihre wichtigste „Take Home Message“ lautete: „Wissenschaft spielt eine wichtige Rolle bei der Politikberatung, aber Praktiken, die mit gesellschaftlichen Werten im Einklang stehen, werden auf lange Sicht wahrscheinlich nachhaltiger sein.“

Vielleicht sollten alle Landwirte, nicht nur Milchviehhalter, diesen Satz auf sich wirken lassen.

Hintergrund „Expertise 2018“:

Auf Einladung der MSD Tiergesundheit hatten 600 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende Oktober über zwei Tage Gelegenheit aus Vorträgen von 38 Referenten aus dem In- und Ausland zu wählen. Drei Themenblöcke (Rind, Schwein, allgemeine Themen) wurden parallel angeboten. Eine Podiumsdiskussion, eine Poster-ausstellung mit 20 wissenschaft-liche MSD AH Veröffentlichungen aus den letzten beiden Jahren (originalveröffentlicht auf den internationalen Rinder- und Schweinekongressen) sowie eine kleine Industrieausstellung der MSD Tiergesundheit mit Beteiligung von Henke Sass Wolf, dem Hersteller von IDAL und der MSD Geflügelvakzinatoren, rundeten die Veranstaltung ab.

Statt chirurgischer Ferkelkastration: Impfung gegen Ebergeruch ist tierfreundlichste Alternative

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Zwei kleine Pikse statt zweier schmerzhafter Schnitte – die tierfreundliche Alternative zur chirurgischen Ferkelkastration ohne Betäubung gibt es längst. Bei der sogenannten Immunokastration impfen Landwirte die männlichen Ferkel in zwei Schritten, so dass diese zum Schlachtzeitpunkt mit Tieren vor der Pubertät vergleichbar sind. Doch obwohl es zugelassen ist und die Tiere schont, tut sich der Markt mit dem Verfahren noch schwer. Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart koordinieren seit gut einem Jahr ein europaweites Forschungsprojekt, das die Immunokastration vorantreiben soll – damit sie wettbewerbsfähiger, umweltfreundlicher und noch mehr auf das Tierwohl ausgerichtet wird. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das Projekt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit insgesamt fast 1,3 Millionen Euro. An der Universität Hohenheim sind es gut 283.000 Euro Fördergelder, die das Projekt zu einem Schwergewicht der Forschung machen.

Es ist zurzeit eine der größten Herausforderungen für die Schweineproduktion in Europa: Die bisherige Praxis, Ferkel ohne jede Betäubung zu kastrieren, ist mit den heutigen Tierschutz-Standards nicht vereinbar. Eigentlich sollte sie daher zum Jahresende verboten werden – der Bundestag berät noch darüber, ob der Termin verschoben wird.

Das Problem: Die Beteiligten sind sich nicht darüber einig, welche alternative Methode die geeignetste ist. „Tatsache ist, dass das Problembewusstsein allgemein in Europa gestiegen ist“, erklärt Prof. Dr. Volker Stefanski, Schweine-Experte an der Universität Hohenheim. „Und aus Sicht des Tierwohls gibt es eine Methode, die den Ansprüchen am besten gerecht wird: die Immunokastration, bei der die Tiere gegen den Ebergeruch geimpft werden.“ Sie stünde sofort zur Verfügung, sei seit 15 Jahren zugelassen und etwa in Belgien schon weit verbreitet.“

Dennoch wird die Immunokastration in Deutschland noch kaum praktiziert. Um das zu ändern, untersucht er gemeinsam mit seinen Hohenheimer Kollegen apl. Prof. Dr. Ulrike Weiler, Prof. Dr. Korinna Huber, Prof. Dr. Ludwig Hölzle, den Doktoranden Linda Wiesner und Kevin Kress sowie sieben Partner-Institutionen aus ganz Europa, wie sich die Methode optimieren lässt. Titel des Forschungsprojektes: SuSI – ein Kürzel für „Sustainability in Pork Production with Immunocastration“.

Nicht tierschutzgerecht: Ebermast, Kastration unter Vollnarkose und unter lokaler Betäubung

Alle anderen Alternativen stellen aus Tierschutz-Sicht keinen wirklichen Gewinn dar, bestätigt Prof. Dr. Weiler. „Bei der Mast unkastrierter Eber stellt der unangenehme Ebergeruch, den das Fleisch mancher Eber aufweist, nur eines der Probleme dar“, erklärt die Expertin. „Ohne Kastration zeigen die Tiere ein wesentlich aggressiveres Verhalten. Vor allem das Penisbeißen ist weit verbreitet: Etwa jedes zehnte Tier trägt hochgradige Verletzungen davon, oft schmerzhafter als eine chirurgische Kastration.“

Bei einer Kastration unter Vollnarkose dagegen sind nicht nur die hohen Kosten ein Problem: „Bei einer Gasnarkose hat rund ein Fünftel der Tiere keine ordentliche Betäubung“, erläutert Prof. Dr. Weiler. „Außerdem haben die Ferkel nur wenig Energiereserven und müssen alle halbe Stunde trinken. Sie verpassen also Mahlzeiten und werden dadurch geschwächt. Darüber hinaus steigt die Gefahr, dass sie von der Mutter erdrückt werden.“

Auch die oft propagierte lokale Betäubung durch den Landwirt selbst sieht sie kritisch: „Die Anästhesie selbst ist schon schmerzhaft und sogar für Tierärzte nicht ganz einfach durchzuführen. Die Methode ist also nicht nur unzuverlässig, sie kann den Tieren sogar mehr Stress verursachen als die bisherige Praxis.“

Immunokastration: Unsicherheit und mangelnde Marktakzeptanz

Nach Ansicht der Forscher ist daher die Immunokastration die Methode der Wahl. Dabei erhält der Eber zwei Impfungen, die das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Hormone anregen. Nach der zweiten Impfung wird die Hormonproduktion eingestellt, der Pubertätseintritt verzögert sich. Die Kosten betragen rund 2,50 Euro pro Injektion, und der Landwirt darf sie selbst durchführen. „Eigentlich dient die Methode dem Verbraucherschutz und dem Tierschutz gleichermaßen“, meint Prof. Dr. Stefanski.

Dass sie dennoch in Deutschland bisher kaum praktiziert wird, sieht er vor allem in der mangelhaften Marktakzeptanz, denn Einzelhandel und Schlachtbetriebe lehnen die Produkte bisher meist ab. „Das Verfahren bedeutet außerdem eine Veränderung in der Produktionskette“, erläutert Prof. Dr. Stefanski. „Jetzt führt der Ferkelproduzent die Kastration durch, doch die Immunokastration findet später statt. Der Arbeitsschritt und die Kosten werden daher auf den Mäster übertragen – und diese Veränderung bringt Unsicherheit mit sich.“

Im Forschungsprojekt SuSI wollen die Forscher nun alle drei Säulen der Nachhaltigkeit – Wirtschaft, Umwelt und soziale Aspekte – bei der Immunkastration weiter optimieren: Sie soll wettbewerbsfähiger und umweltfreundlicher werden sowie das Tierwohl und damit die Wünsche der Verbraucher bestmöglich berücksichtigen.

Immunokastration sollte Standard-Methode sein

„Bereits jetzt können wir sagen, dass die Immunokastration in vielerlei Hinsicht besser abschneidet als die anderen Methoden“, berichtet Prof. Dr. Stefanski. „Die Umweltbilanz ist jetzt schon besser und bezüglich Magengeschwüre sind die Tiere unauffällig, was auf wenig Stress schließen lässt.“

Die Immunkastrate, so der Experte, zeigen insgesamt ein wesentlich weniger aggressives Verhalten. „Sie reiten außerdem kaum auf Buchtengenossen auf und schachten kaum aus. Verletzungen durch Penisbeißen sind daher selten.“

Kurzum: Nach dem bisherigen Kenntnisstand ist die Immunokastration zuverlässig und bewirkt eine positive Verhaltensänderung. „Das Verfahren sollte daher künftig Standard sein.“

Forschungsprojekt untersucht ökologische, ökonomische und soziale Aspekte

An der Universität Hohenheim steht vor allem der Aspekt des Tierwohls im Vordergrund. An der Versuchsstation Unterer Lindenhof haben die Wissenschaftler insgesamt rund 140 Schweine im Versuch – unkastrierte Eber, Immunokastrate und klassisch kastrierte Tiere.

Jeweils ein Teil der Tiere lebt unter Bedingungen, die der ökologischen Haltung entsprechen, ein anderer Teil wird unter konventionellen, aber stabilen Bedingungen gehalten. Der dritte Teil schließlich wird so gehalten, wie es in der Praxis auch oft gehandhabt wird: Konventionelle Haltung, jedoch mit Umstallung nach der Immunisierung – wobei die geänderte Gruppenzusammensetzung für die Tiere einen Stressfaktor darstellt.

Wie sich das auf die Tiere auswirkt, ermittelt das Forscherteam anhand verschiedener Faktoren. Sie beobachten, wie sich jeweils das Aggressions- und Sexualverhalten verändert. Sie entnehmen Blutproben um zu überprüfen, ob Antikörper nach der Immunisierung vorhanden sind, die die männlichen Geschlechtshormone unterdrücken, und ermitteln, ob das individuelle Verhalten mit dem Hormonspiegel korreliert.
Nach der Schlachtung der Tiere untersuchen die Hohenheimer Veterinärmediziner Prof. Dr. Ludwig Hölzle und Prof. Dr. Korinna Huber die Darmgesundheit und die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm der Tiere. Sie prüfen auf Magengeschwüre und verschicken Proben an Partner-Institutionen: Das Fleisch untersuchen die slowenischen Partner sensorisch, Kotproben gehen zum belgischen Partner für die Umweltbilanz.

Bis zum Ende des Projektes im August 2020 wollen die Projektpartner gemeinsam Erkenntnisse zur Ernährung der Immunokastrate gewinnen, sie wollen eine noch bessere Umweltbilanz erzielen mit weniger Stickstoffausscheidung und einer besseren Treibhausgasbilanz. Ihr Ziel ist die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens zu verbessern, die Verbraucherakzeptanz zu untersuchen und eine hohe Produktqualität zu gewährleisten.

HINTERGRUND zu den eingesetzten Versuchstieren

Im SuSI-Projekt werden Masthybriden (Pietrain / Deutsche Landrasse) eingesetzt. Die Tiere sind eine Eigenanzucht des Unteren Lindenhofs, der Versuchsstation der Universität Hohenheim. Im Alter von rund sechs Monaten werden die Tiere, wie ihre Artgenossen aus normalen Mastbetrieben, zur Schlachtung gebracht. Sie findet am Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg (Landesanstalt für Schweinezucht LSZ) statt.

Schweine waren laut der Versuchstiermeldung von 2017 mit 237 Tieren das dritthäufigste Versuchstier an der Universität Hohenheim nach Hühnern (4.705 Tiere) und Hausmäusen (603 Tiere).

HINTERGRUND: Projekt Nachhaltige Schweinefleischproduktion mit Immunokastraten (SuSI)

Das Forschungsvorhaben SuSI startete am 1.9.2017 und wird bis 31.8.2020 laufen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert es über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) an der Universität Hohenheim mit 283.179 Euro, die gesamte Fördersumme beträgt 1.293.000 Euro.

Die Universität Hohenheim koordiniert das Projekt. Kooperationspartner sind:
• Institute for Agricultural and Fisheries Research (Belgien),
• French National Institute for Agricultural Research (Frankreich),
• Kmetijski institut SLovenije = Agricultural Institute of Slovenia (Slowenien),
• University of Ljubljana-Veterinary Faculty (Slowenien),
• SEGES Pig Research Centre (Dänemark),
• Warsaw University of Life Sciences (Polen),
• Wageningen University (Niederlande).

Quelle: Universität Hohenheim

28. Milchviehforum Rindergesundheit im Fokus – 16. Januar 2019

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Vortragsveranstaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und des Vereins landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen Meppen, am Mittwoch, 16. Januar 2019 im
Landhaus Eppe, Meppen-Teglingen

Programm

9.30 Uhr Begrüßung
Clemens Hackstedt, VLF Meppen

9.45 – 11.00 Uhr Kälberaufzucht – Guter Start ins Leben!
Prof. Dr. Marc Boelhauve
Fachhochschule Südwestfalen, Soest

11.00 – 12.00 Uhr Klauengesundheitsmanagement – Unterfußerkrankungen
frühzeitig erkennen und vorbeugen
Dr. Jörg Willig
Rindergesundheitsdienst, LWK Niedersachsen

12.00 – 12.15 Uhr Pause

12.15 – 13.00 Uhr Gesunde Kühe mit hoher Lebensleistung – ein Praxisbericht
Dietrich Nunnenkamp, Preußisch Oldendorf
(Familienbetrieb mit 160 Milchkühen und Nachzucht)

Moderation
Dr. Hubert Kruse

Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen

16. Milcherzeugertag in Rodenkirchen am 4. Dezember 2018

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Am 04.12.2018 findet der 16. Milcherzeugertag in der Markthalle in Rodenkirchen statt. Wegen der Planung der Bestuhlung im Saal und der Organisation der Bewirtung ist eine Anmeldung zur Tagung unbedingt bis zum 30.11.2018 erforderlich. Aus datenschutzrechtlichen Gründen bitten wir darum, sich online anzumelden.

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an uns wenden:
Telefon: 0441 801-614 (Frau Raschke)
Telefax: 0441 801-634
E-Mail: karin.raschke@lwk-niedersachsen.de

Programm

10.00 – 10.15 Uhr
Eröffnung und Begrüßung
Gerhard Schwetje , LWK Niedersachsen

10.15 – 11.10 Uhr
Arbeitserledigung im Milchviehbetrieb: Mensch oder Maschine?
Josef Assheuer, LWK Nordrhein-Westfalen

11.40 – 12.40 Uhr
Aktuelle Versuchsergebnisse zur optimalen Milchviehfütterung
Thomas Engelhard, LLG Sachsen-Anhalt

12.40 – 13.30 Uhr
Einsatz von Technik zur Verbesserung von Management und Tierwohl (Betriebsvorstellung) Henning Rothert, Wittmund – Gewinner der silbernen Olga 2017

Moderation
Dr. Jakob Groenewold,
Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Schlusswort
Ulrich Brinkhus,
Verkaufsleiter Deutsche Tiernahrung
Cremer GmbH & Co. KG, Höltinghausen

13:30 Uhr Ende der Vortragstagung

Dr. Werner von der Ohe wird Honorarprofessor an der Tierärztlichen Hochschule Hannover

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Ein einzigartiges Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung ist das Institut für Bienenkunde des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Besondere Anerkennung erfuhr diese Expertise nun durch die Tierärztliche Hochschule Hannover: Dr. Werner von der Ohe, Leiter des LAVES-Bieneninstituts wurde zum Honorarprofessor ernannt. „Wir sind stolz darauf, solch hervorragende Fachkompetenz in unseren Reihen zu haben“, sagt LAVES-Präsident Prof. Dr. Eberhard Haunhorst.

Der Biologe Werner von der Ohe ist seit 14 Jahren in der Lehre an der Tierärztlichen Hochschule Hannover engagiert. Bienenbiologie und -krankheiten, aber vor allem die Abwehrmechanismen der Bienenvölker stehen dabei im Vordergrund. Von Bienen ist von der Ohe bereits seit seiner Promotion am Celler Institut fasziniert. „Bienen bilden einen hochorganisierten, perfekt qualitätsmanagementmäßig durchgestalteten Sozialstaat. 40.000 Individuen, die sich in ausgefeilter Arbeitsteilung zum Wohl des Volkes einsetzten“, schwärmt er. Seit 2000 leitet er das Institut für Bienenkunde Celle, zuvor war er zehn Jahre Laborleiter. Das Institut wurde 1927 als Landesinstitut für Bienenforschung gegründet, seit 2004 gehört es zum LAVES. Der heute 63-Jährige hat maßgeblich auf internationaler Ebene die Honiguntersuchung harmonisiert, auf nationaler ein Frühdiagnosetool zur Amerikanischen Faulbrut etabliert, die Prüfung zur Gefährlichkeit von Insektiziden auf Honigbienen optimiert und den Einsatz von Bienen beim Umweltmonitoring entwickelt. Hier liegt auch der Grund, dass er in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien als Vorsitzender aktiv ist oder war.

Das LAVES ist eine zentrale Behörde des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Niedersachsen. Es ist landesweit zuständig für die Untersuchung und Beurteilung von amtlichen Proben aus allen Prozess- und Produktionsstufen der Lebensmittelkette. Sechs Untersuchungseinrichtungen gehören zum LAVES: die Lebensmittel- und Veterinärinstitute Oldenburg und Braunschweig/Hannover, das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse Cuxhaven, das Institut für Bedarfsgegenstände Lüneburg, das Futtermittelinstitut Stade und das Institut für Bienenkunde Celle. Darüber hinaus erfüllt das LAVES mit seinen vier Fachabteilungen unmittelbare Vollzugsaufgaben in den Bereichen Futtermittel- und Tierarzneimittelüberwachung, Ökologischer Landbau sowie Marktüberwachung und berät die kommunalen Behörden in Fragen der Lebensmittelüberwachung, im grenzüberschreitenden Handel, der Tiergesundheit, der Schädlingsbekämpfung und des Tierschutzes.

Quelle: Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Die TiHo auf der EuroTier 2018

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Forscher präsentieren am TiHo-Stand Projekte zum Tierschutz in der Nutztierhaltung.

Wie können Tierhalterinnen und Tierhalter gemeinsam mit Tierärztinnen und Tierärzten den Tierschutz und die Tiergesundheit in der Nutztierhaltung verbessern? Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) betrachtet diese Frage auf der EuroTier aus verschiedenen Blickwinkeln. Dazu stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung, der Klinik für Rinder, der Außenstelle für Epidemiologie und dem Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie in Halle 26 am Stand

A20 drei verschiedene Themen vor:

Tierschutzgerechte Betäubung und Tötung von Fischen

Um Fische während des Betäubens und Schlachtens vor vermeidbaren Belastungen zu bewahren, sollten alle mit der Schlachtung verknüpften Arbeitsschritte, wie die Hälterung, das Sortieren und der Transport zum Schlachtraum sowie die Betäubung und die Schlachtung möglichst schonend für die Fische erfolgen. Die Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung hat im Rahmen eines Forschungsprojektes Empfehlungen für die Betäubung von Regenbogenforellen und Karpfen erarbeitet. Broschüren und Videos, in denen sie die Empfehlungen darstellen und erläutern, sind im Internet abrufbar. Am TiHo-Stand auf der EuroTier beantworten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung alle Fragen zu diesem und weiteren Themen rund um den Fisch.

Gesunderhaltung und Wohlbefinden von Schweinebeständen

Schwerpunkt: Tränkwasserhygiene

Wasser ist das wichtigste Futtermittel für Nutztiere. Die Zusammensetzung des Tränkwassers und seine Qualität werden sowohl durch das eingespeiste Wasser als auch durch das Tränkwassersystem beeinflusst. Eine besondere Problematik stellen dabei verkeimte Tränkeleitungen im Stall dar. Organische und anorganische Ablagerungen in den Leitungen und hohe Stalltemperaturen – vor allem in Bereichen, in denen Jungtiere aufgezogen werden – begünstigen die Vermehrung von Mikroorganismen. Die Folge: Beläge bzw. Biofilme entstehen. Um der Biofilmproblematik entgegenzuwirken, ist eine akkurate Tränkwasserhygiene unerlässlich. Tierhalterinnen und Tierhalter können Reinigungsmaßnahmen durchführen oder vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

Welche das sein können, untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie und der Außenstelle für Epidemiologie der TiHo. Auf der EuroTier können die Besucherinnen und Besucher mehr über die Gesundheitsrisiken durch Biofilme erfahren und herausfinden, was sich alles in den Tränkeleitungen ablagern kann.

Probennahme zur Beurteilung der Tiergesundheit

Landwirtinnen und Landwirte berechnen und überwachen mit ausgeklügelten Systemen die Fütterung ihrer Rinder – insbesondere in den ersten Lebensmonaten eines Jungtiers und während der Laktation. Dennoch kommt es immer wieder zu gesundheitlichen Problemen in den Herden. Um den Gesundheitsstatus der Tiere besser einschätzen zu können, gewinnen, untersuchen und interpretieren Tierärztinnen und Tierärzte Blut-, Kot-, Harn-, Haar-, Milch- und Gewebeproben. So können sie schneller eine detaillierte Diagnose stellen, darauf reagieren und dadurch die Herdengesundheit verbessern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Klinisch-Chemischen Labor der Klinik für Rinder erklären am TiHo-Stand, welche Laboruntersuchungen bei verschiedenen Einzeltier- und Bestandsproblemen möglich und sinnvoll sind.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Höchstgehalt für nicht dioxinähnliche PCB in Futtermitteln überschritten

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Lieferung aus Nordrhein-Westfalen – Betroffene Geflügelbetriebe in Niedersachsen gesperrt

Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) und das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel-sicherheit (LAVES) wurden am 2.11.2018 durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) darüber informiert, dass bei der Untersuchung einer Probe im Rahmen des nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP) Geflügelfett von Masthähnchen eines Geflügelhofs in Nordrhein-Westfalen (NRW) eine Überschreitung des Höchstgehalts für nicht-dioxinähnliche PCB (ndl-PCB) aufwies. Als Ursache der Kontamination wurden Futtermittel ermittelt, die durch punktuelle Lackabsplitterungen aus zwei Verladezellen eines Futtermittelherstellers in Nordrhein-Westfalen verunreinigt worden waren. Die betroffenen Futtermittelchargen wiesen teilweise deutliche

(10-fache) Höchstgehaltsüberschreitungen bei ndl-PCBs auf. Durch Ermittlungen der Behörden in NRW und Niedersachsen konnte festgestellt werden, dass Einzellieferungen möglicherweise kontaminierter Futtermittel auch an Betriebe in Niedersachsen erfolgten. Insgesamt sind 290 Tonnen möglicherweise ndl-PCB-kontaminierter Futtermittel nach Niedersachsen geliefert worden.

Derzeit betroffen durch Futtermittellieferungen sind insgesamt neun niedersächsische Betriebe in den Landkreisen Osnabrück (5 Betriebe), Nienburg (2 Betriebe) und Grafschaft-Bentheim (2 Betriebe). Bei den Betrieben handelt es sich um Hähnchenmast-, Legehennen- und Putenmastbetriebe. Die Betriebe wurden unmittelbar seitens der Futtermittel-überwachung des LAVES informiert. Die amtliche Überprüfung ergab, dass die an niedersächsische Betriebe gelieferten Futtermittel aus den verdächtigen Chargen bereits vollständig verfüttert wurden. Die Betriebe wurden durch die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden in Abstimmung mit dem ML gesperrt.

Seit gestern Abend liegen erste Untersuchungsergebnisse vor. Die Werte von Puten aus einem Betrieb im Landkreis Nienburg liegen über dem Höchstgehalt, diese dürfen somit nicht als Lebensmittel in Verkehr gebracht werden. Erste Untersuchungen von Mast-hähnchen aus zwei Betrieben im Landkreis Osnabrück und zwei Betrieben im Landkreis Grafschaft-Bentheim weisen Ergebnisse unterhalb des festgelegten Höchstgehaltes auf. Damit sind Lebensmittel aus vier von insgesamt neun Betrieben, die das betreffende Futtermittel aus NRW erhalten haben, unbedenklich.

Bei einem der von den Futtermittellieferungen betroffenen Betriebe handelt es sich um einen Junghennenaufzuchtbetrieb. Aus diesem Betrieb wurden Junghennen an 18 Legehennenbetriebe in verschiedenen Landkreisen in Niedersachsen (Ammerland, Aurich, Diepholz, Emsland, Leer, Nienburg (Weser), Landkreis Oldenburg, Region Hannover, Rotenburg (Wümme), Wolfenbüttel, Zweckverband JadeWeser) sowie in Nordrhein-Westfalen (3 Betriebe), Sachsen-Anhalt (2 Betriebe), Brandenburg (1 Betrieb) und Thüringen (1 Betrieb) geliefert. Auch diese Betriebe unterliegen einer amtlichen Sperre, bis durch Untersuchungsergebnisse die Unbedenklichkeit der Konsumeier geklärt ist.

Aktuell werden weitere Ermittlungen und Probenahmen in den niedersächsischen Betrieben durchgeführt. Vom Ergebnis der Untersuchungen hängt ab, ob die Gewinnung von Eiern zum Verzehr sowie die Schlachtung von Masttieren wieder zugelassen werden kann.Bis dahin bleiben alle Betriebe amtlich gesperrt. Mit dem Vorliegen von weiteren Untersuchungsergebnissen wird frühestens Ende dieser Woche gerechnet.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Tonisity Px : Isotonischer Protein-Drink für die Darmgesundheit

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„Gesunder Darm, gesundes Schwein, gesunder Betrieb“ – lautet verkürzt laut einer Pressemitteilung des Unternehmens Tonisity International LTD die Wirkung von Tonisity Px. Tonisity Px ist ein isotonisches, Aminosäuren reiches  Zusatzfuttermittel, das speziell für Schweine entwickelt wurde. Mit dem Protein-Drink von Tonisity soll  eine ausgewogene Kombination aus wichtigen Aminosäuren, Mineralien und Vitaminen direkt an die Darmzotten gelangen und von dort zur weiteren Verwertung in die Blutbahn. Gleichzeitig stehen die wertvollen Inhaltsstoffe auch unmittelbar zum Aufbau der Darmzotten selbst zur Verfügung. Die Höhe der Darmzotten soll nachweislich zunehmen und damit auch die Absorptionsfläche für die Nährstoffe. Die isotonischen Komponenten des Drinks unter-stützen diese Stoffwechselprozesse der Darmzellen, indem sie den Organismus in einem optimal hydrierten Zustand halten. Das Zusammenspiel dieser Wirkungsmechanismen soll schließlich die Stoffwechselvorgänge im gesamten Magen-Darmtrakt verbessern, und insbesondere die des Duodenums (Zwölffingerdarm), und so die Tiergesundheit stabilisieren.

Tonisity Px soll in jeder Lebensphase unterstützen. Ab dem 2. Lebenstag ist es eine effektive Starthilfe. Die Ferkel sind laut Unternehmensmeldung fitter und Verluste nach-weislich geringer. Besonders deutlich zeigen sich die Effekte auch in sensiblen Zeitfenstern wie während des Absetzens oder als Vorbereitung auf den Transport. Stressbedingte Belastungen des Darms können durch die Gabe von Tonisity Px abgefedert werden, weil es die notwendige zusätzliche Energie- und Flüssigkeitsversorgung erleichtert. Die Absetzer bleiben stabil und haben als spätere Mastschweine höhere Tageszunahmen, was die Mastdauer um bis zu einer Woche verkürzen kann.

Auch in bereits gesundheitlich beeinträchtigten Beständen macht sich der Einsatz von Tonisity Px positiv bemerkbar, wie durch umfangreiche Studien belegt werden kann. Ein Aspekt, der aufgrund gesellschaftlicher Forderungen im Hinblick auf die Reduzierung von Arzneimitteln in landwirtschaftlichen Tierhaltungen weiter an Bedeutung gewinnt. Fütterungsversuche an Sauen zeigten, dass bei Gaben im   Zeitraum 7 Tage vor dem Abferkeln und 7 Tage vor dem Absetzen der Medikamenteneinsatz drastisch gesenkt werden konnte.

Die Tonisity-Px kann über das Trockenfutter oder als Brei zubereiten, verabreicht werden.

Tonisity International LTD ist ein junges, europäisches Unternehmen mit Sitz in Dublin, Irland. Gegründet in 2015 expandiert es seitdem weltweit.

Ansprechpartner für Deutschland ist Vertriebsleiter Jesko Wilk. Von Bad Zwischenahn aus, Landkreis Ammerland in Niedersachsen, agiert er in ganz Nordeuropa.

Kontakt: Jesko Wilk 0173 6513575

Eurotier Halle 2, Standnummer E49.

 

Quelle: Tonisity International LTD

Eurotier Neuheiten für die Tiergesundheit Nr. 9 bis 11

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MS Korund zur frühen Lahmheitserkennung

Störungen bzw. Erkrankungen in der Klauengesundheit ziehen nachhaltige Probleme im Tierwohl und letztlich in der Produktivität der Milchkuh nach sich. Je früher aufkommende Klauenprobleme erkannt werden, umso leichter kann die Klaue zum richtigen Zeitpunkt behandelt werden. Die Schippers GmbH hat mit dem MS Korund ein innovatives System geschaffen, welches das Klauenmodell präventiv überwacht und gleichzeitig analysiert. Der MS Hoof Scan untersucht die Klauen von unten per Ultraschall und erfasst gleichzeitig das Gewicht der Kuh über ein integriertes Wiegesystem. Ein automatisches Analysesystem wertet die erfassten Informationen aus und detektiert Abweichungen. Nach dem nächsten Melkstandbesuch werden auffällige Milchkühe über eine weitere Separation in einen Raum geleitet, wo sie in einem Klauenpflegestand (Hoof Care Box) behandelt werden können.

Schippers GmbH
Halle 11, Stand B20

smaXtec 360 für Krankheitsfrüherkennung

smaXtec 360 ist eine wesentliche Weiter-entwicklung des bereits 2010 gewürdigten Pansen-Bolus mit einer pH-Wert- und Temperatur-Funksonde. smaXtec 360 erlaubt ein schnelles Erkennen von physiologischen Störungen der Trägertiere noch vor der Manifestierung von Erkrankungen. Der Bolus erfasst physiologische Verhaltensmuster der Futter- und Wasseraufnahme, des Wieder-kauens, der Pansenmotilität, der Bewegungs-aktivität, aber auch der Herzfrequenz des Trägertieres. Per Funk werden die Daten digital auf Tablet & Co. übertragen.

smaXtec animal care GmbH
Halle 11, Stand C20

Feed fence signalling

Mit Feed fence signalling kann es nicht mehr vorkommen, dass Selbstfangfressgitter länger als nötig geschlossen und die Tiere fixiert bleiben. Wird der Arretierungshebel der Selbstfangfressgitter vom Herdenmanager auf „Fixieren“ gestellt, registriert ein netzwerk-fähiger Sensor diese Aktion und übermittelt diesen Schaltzustand über ein Nahbereichs-Funk-Netzwerk einem internetfähigen Server. Dieser überwacht die verstreichende Zeit des unveränderten Arretierungszustandes am Fressgitter und alarmiert nach individuell administrierbaren, kaskadierten Stufen das Stallpersonal durch Zuschaltung einer Warnleuchte, eines akustischen Signals und per Kurznachricht auf das Smartphone des Herdenmanagers.

SPINDER Dairy Housing Concepts in Kooperation mit Craftworks
Halle 12, Stand B18

Eurotier Neuheiten für die Tiergesundheit Nr. 6 bis 8

Schweinetoilette PigT

Die Emissionsminderung in der Tierhaltung ist eine zentrale Aufgabe zukünftiger Stallsysteme. Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei die direkte Trennung von Harn und Kot. Die innovative Schweinetoilette Pig T von Big Dutchman ermöglicht es, Harn und Kot direkt nach dem Ausscheiden zu trennen und mittels Förderband regelmäßig aus der Bucht zu entfernen und so insbesondere die Ammoniak-emissionen deutlich zu reduzieren. Den Schweinen wird somit auf der Schweinetoilette PigT immer wieder eine saubere Oberfläche zur Verfügung gestellt und die Ammoniakemissionen werden deutlich gemindert.

Big Dutchman International GmbH
Halle 17, Stand B21

Sentinel Robot für gute Luft im Geflügelstall

Die Firma Inateco bietet mit dem Sentinel Robot ein an der Decke mobil installiertes Einstreusystem für Geflügelställe an. Dieses ist über visuelle und thermische Sensoren erstmals in der Lage, feuchte Mistbereiche gezielt einzustreuen. Es agiert in einem Bereich von 200 m frei und wird über einen Versorgungs-schlauch pneumatisch mit verschiede Einstreu-materialien versorgt; dies können Häcksel-material, Pellets, Späne oder Mehl sein. Neben den für die Navigation wichtigen visuellen und thermischen Sensoren lassen sich am Einstreugerät weitere Sensoren, z. B. für die Messung des CO2- oder NH3-Gehalts in der Stallluft oder auch eine Waage installieren.

INATECO
Halle 17, Stand C18d

SELEGGT Acus zur Geschlechtsbestimmung im Ei

Schluss mit dem Töten männlicher Küken: SELEGGT Acus wurde für die automatische Beprobung zur Hormonanalyse am 8./9. Bruttag entwickelt und ermöglicht die korrekte Positionierung der Eier. Anschließend wird die Probenentnahme der Allantois-flüssigkeit sowie deren Überführung in die Messeinrichtung automatisch ausgeführt. Die gegenwärtig realisierte Stundenleistung liegt bei 3.500 Eiern. Mit SELEGGT Acus wird die Voraussetzung für die Implementierung der In Ovo-Geschlechtsbestimmung mittels Hormonanalyse in die Praxis geschaffen.

SELEGGT GmbH
Hall 17, Stand D45

Eurotier Neuheiten für die Tiergesundheit Nr. 2 bis 5

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  • CBS-System zur Lahmheitserkennung
    Bis zu 50 Prozent der Tiere eines Milchviehbestandes können Probleme an den Klauen oder Gliedmaßen aufweisen, auch unter den Abgangsursachen stehen motorische Störungen an zweiter Stelle. Eine beginnende Lahmheit zu erkennen, erfordert ein geübtes und begabtes Auge des Tierhalters. Das automatische 3D Bildanalysesystem der Firma dsp-Agrosoft GmbH dient zur objektiven und berührungslosen Vermessung von sich bewegenden Milchkühen nach jedem Melkvorgang (Cow condition score sowie Cow movement score) und vermeidet dadurch unnötige Stresssituationen durch Feststellen oder andere Maßnahmen.
    dsp-Agrosoft GmbH in Kooperation mit Data Service Paretz GmbH (DSP)
    Halle 26, Stand C15

Smart Thermometer und Vital Control mit Fiebermessung 4.0
Gleich zwei Neuheiten beschäftigen sich mit der Erfassung der Körpertemperatur für die Früh-erkennung von Krankheiten und zur Kontrolle des Behandlungserfolges. Das digitale Fieber-thermometer Urban Vital Control mit integriertem RFID-Lesegerät ermöglicht die tierindividuelle rektale Erfassung und Speicher-ung der Körpertemperatur, die Erstellung von Temperaturkurven sowie deren Weitergabe an Drittsysteme. Mit dem Messsystem wird zugleich ein Dokumentations- und Managementsystem für das individuelle Tierwohl und die Tiergesund-heit, incl. Generierung bestandsbezogener Alarm- und Kontrolllisten zur Verfügung gestellt.

Das von der Firma Förster-Technik entwickelte „Smart Thermometer“ erfasst ebenfalls die rektal gemessene Körpertemperatur von Kälbern und Rindern und kann über die Anbindung an die SmartHealthApp die Daten in die Förster-Technik Kälber-Cloud weitergeben. Über die App können weitere Gesundheitsparameter, wie zum Beispiel Ohrstellung, Nasenausfluss, Augenzustand und eine Kotbeurteilung erfasst werden.

Förster-Technik GmbH
Halle 13, Stand E11

URBAN GmbH & Co. KG
Halle 13, Stand B02

All In One-Colostrum Feeder
Eine schnelle Versorgung mit Kolostrum (Biestmilch) nach der Geburt ist womöglich der wichtigste Schritt im Leben einer Kuh, da die Kälber über die Biestmilch mit Antikörpern gegen die meisten stalltypischen Erkrankungen versorgt werden. Die besondere Innovation des All In One-Colostrum Feeder mit Nuckel stellt ein zusätzlicher Behälterdeckel mit integriertem, in den Behälter eintauchenden Edelstahlrohr dar. So kann temperiertes Wasser die frische Biestmilch zügig aber schonend auf die optimale Tränketemperatur bringen. Auch ein Einfrieren oder Pasteurisieren der Biestmilch und anschließendes Abkühlen der Tränke auf die gewünschte Temperatur ist mit dieser Vorrichtung nach Belieben möglich.
Martin Förster GmbH
Halle 12, Stand C31a

Vorsicht, geschmacklos! Viren und antibiotikaresistente Bakterien in Lebensmitteln

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Zwei BfR-Symposien (am 7. 11. und am 8./8.11) stellen aktuelle Forschungen zu Lebensmittel-assoziierten Viren sowie Antibiotikaresistenzen in der Lebensmittelkette vor

Salmonellen in Eiern, Noroviren in Tiefkühlbeerenobst, Hepatitis E-Viren in Haus- und Wildschweinen und antibiotikaresistente Keime in Fleisch: Pathogene Mikroorganismen gehören zu den häufigsten Ursachen für lebensmittelbedingte Erkrankungen. Jedes Jahr verursachen sie mehr als 100.000 Erkrankungen in Deutschland – manche davon tödlich. Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich im November 2018 zwei Symposien des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) mit mikrobiellen Risiken in Lebensmitteln: „Lebensmittel-assoziierte Viren“ am 7. November und „Antibiotikaresistenz in der Lebens-mittelkette“ am 8./9. November. „Mikrobielle Risiken sind im öffentlichen Bewusst-sein angekommen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Unsere aktuelle repräsentative Bevölkerungsumfrage, der BfR-Verbrauchermonitor, zeigt, dass 97 % der Befragten von Salmonellen in Lebensmitteln, bzw. 89 % von Antibiotikaresistenzen gehört haben; die Mehrheit der Befragten gibt an, dass sie diese Themen beunruhigen. Dabei ist jeder in der Lage, durch entsprechende Küchenhygiene das persönliche gesundheitliche Risiko zu minimieren.“ Der Antibiotikaeinsatz im Stall ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig sinken die Resistenzraten in vielen Bereichen der Tierhaltung, allerdings in unterschiedlichem Maße und nicht in allen Bereichen.

Die Zahl lebensmittelbedingter Krankheiten, die durch Viren verursacht werden, nimmt stetig zu. So wird immer häufiger Hepatitis E über Lebensmittel von infizierten Schweinen und Wildtieren übertragen. Auch die Fälle lebensmittelbedingter Infektionen mit Noro- und Hepatitis A-Viren steigen. Um der wachsenden Bedeutung dieser Viren gerecht zu werden, wurde ein Europäisches Referenzlabor für durch Lebensmittel übertragbare Viren geschaffen. Wenngleich sich die Nachweismethoden für Viren in Lebensmitteln in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, besteht immer noch umfangreicher Forschungs-bedarf dazu, wie diese Viren übertragen werden und welche Maßnahmen ihre Verbreitung verhindern können.

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung war in den letzten Jahren in Deutschland stark rückläufig. Seit 2011 werden in Deutschland die Mengen antimikrobieller Tier-arzneimittel erfasst, die an Tierärzte abgegeben werden. Seither gehen diese Mengen kontinuierlich von 1706 Tonnen (t) im Jahr 2011 um 57 % auf etwa 733 t im Jahr 2017 zurück, bei gleichzeitig weiter steigender Produktionsmenge von Fleisch. Auch die Therapiehäufigkeit mit Antibiotika nimmt bei Nutztieren in Deutschland ab, wie das Forschungsprojekt VetCAb (Veterinary Consumption of Antibiotics) des BfR zeigt.

Im gleichen Zeitraum gingen die Antibiotikaresistenzen bei einigen Bakterien in der Lebensmittelkette zurück. Eine Studie für den Zeitraum von 2009 bis 2016 zeigt, dass bei natürlich vorkommenden E. coli in Masthühnern und Puten der Anteil resistenter Keime gegen die Mehrzahl der in der Studie getesteten Antibiotika signifikant gesunken ist. Insbesondere Wirkstoffklassen, die in großen Mengen bzw. häufig bei Nutztieren eingesetzt werden, zeigen sowohl bei den Verbrauchsmengen als auch bei den Resistenzraten von E. coli einen rückläufigen Trend. Allerdings zeigt die Studie auch, dass in beiden Mastgeflügel-ketten weiterhin hohe Resistenzraten bestehen, so dass sie als Quelle für resistente Keime und deren Resistenzgene beim Menschen weiter von erheblicher Bedeutung sein können.

Keine Entwarnung besteht für die Antibiotikagruppe der Fluorchinolone. Gegen diese sind die Resistenzen bei einigen Bakterienarten in den letzten Jahren gestiegen. Für sie gab es auch keine deutlich rückläufige Tendenz in der Therapiehäufigkeit. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen daher, diesen Trend zukünftig genau zu beobachten.

Eine besondere Herausforderung für das Gesundheitswesen sind Resistenzen gegen sogenannte Reserve-Wirkstoffe. Diese werden in der Humanmedizin eingesetzt, wenn die Wirksamkeit anderer Antibiotika bereits ausgeschlossen wurde. Ein bedeutender Vertreter aus der Reihe der Reserve-Wirkstoffe ist das Polypeptid-Antibiotikum Colistin. Aufgrund der Zunahme von Resistenzen gegen andere Substanzen wurde dieser Wirkstoff von der Weltgesundheitsorganisation in seiner Bedeutung hochgestuft. Die Substanz gehörte jedoch bisher zu den am häufigsten eingesetzten Substanzen in der Tierhaltung. Auf Grund ihrer Bedeutung sind weltweite, koordinierte Maßnahmen nötig, um die Ausbreitung von Colistin-Resistenzen einzuschränken. Dafür ist in der Zukunft eine restriktive Anwendung solcher Reserve-Wirkstoffe zwingend erforderlich.

Für das BfR ist die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen ein zentrales Thema. Neben der Aufgabe des Nationalen Referenzlabors für Antibiotikaresistenz, zahlreichen Forschungs-projekten, Tagungen und Symposien zu Antibiotikaresistenzen beschäftigt sich das BfR auch damit, den Antibiotikaverbrauch in Tierbeständen tierartenbezogen zu erfassen. Es versucht, die Auswirkungen in der Humanmedizin abzuschätzen und Konzepte zu entwickeln und zu validieren, um die Häufigkeit von antibiotikaresistenten Keimen zu reduzieren. Dies geschieht im Sinne des „One Health-Konzepts“ im Verbund mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Tierhaltung, Veterinärmedizin, Biologie und der Humanmedizin im In- und Ausland.

In den vergangenen Jahren haben staatliche Instanzen weltweit Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen einzudämmen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einen „Globalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen“ ins Leben gerufen, und die Bundesregierung hat mit der Deutschen Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART 2020) Konzepte entwickelt, um Antibiotikaresistenzen zu reduzieren. Dazu gehört u. a. die 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes vom April 2014, die dazu dient, den Einsatz antimikrobieller Tierarzneimittel in Mastbetrieben valide zu erfassen. Betriebe, die mehr Arzneimittel anwenden als Vergleichsbetriebe, müssen Pläne erstellen und Maßnahmen ergreifen, um diesen Einsatz zu reduzieren.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

ZDG: Ausstieg aus dem Kükentöten zum jetzigen Zeitpunkt nicht machbar

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Mit erheblicher Irritation und großer Sorge reagiert die deutsche Geflügelwirtschaft auf den plötzlichen Vorstoß von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, bei einem Pressegespräch am Donnerstag, 8. November, eine laut Ministerium „praxisreife Methode“ zur Geschlechtsbestimmung im Ei vorstellen zu wollen. Diese Ankündigung nimmt der ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. zum Anlass, erneut die aus Sicht der Wirtschaft nötigen Kernanforderungen an ein solches Verfahren zu formulieren.

Uneingeschränktes Bekenntnis zum Ausstieg, sobald wirkliche Alternative vorliegt
„Es gilt unser uneingeschränktes Bekenntnis zum schnellstmöglichen Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken, sobald eine wirkliche Alternative vorliegt“, sagt ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke. An das Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei hat die Branche klare Erwartungen, ohne dabei eine bestimmte Methode zu favorisieren: „Es muss die beste Technik zur Anwendung kommen, die einen echten Fortschritt darstellt. Das können auch mehrere Systeme nebeneinander sein.“ Zentrale Voraussetzung für die Integration einer In-ovo-Geschlechtsbestimmung in die Arbeitsabläufe deutscher Brütereien ist eine wirkliche Praxistauglichkeit, wofür nach Einschätzung der Branche eine Sortier-Kapazität von rund 100.000 Eiern pro Tag erforderlich ist. Das vom Ministerium als praxisreif bezeichnete SELEGGT-Verfahren dürfte mit nach eigenen Angaben derzeit 3.500 Eiern pro Stunde weit hinter dieser Kapazität zurückbleiben. Eine echte Praxisreife erfordere zudem noch mehr, mahnt Ripke: „Der Stand der Technik muss sicher erreicht sein und es muss lieferfähige Hersteller geben, die diese Technik flächendeckend für den bundesweiten Einsatz anbieten können – zu verhältnismäßigen Anschaffungspreisen.“

„Vorschnelle Äußerung setzt Existenzen unserer innovativen Brütereien aufs Spiel“
„Voreilig von einer ,Praxisreife‘ zu sprechen, verkennt die tatsächlichen Gegebenheiten in der Wirtschaft“, kritisiert ZDG-Präsident Ripke die Ankündigung als „nicht zu Ende gedacht“, da diese einen quasi sofortigen Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken als machbar suggeriere. „Wir sind in höchstem Maße besorgt, dass die Veterinärbehörden mit der voreiligen Feststellung des Ministeriums das Töten der Hahnenküken als unbegründet bewerten“, beschreibt Ripke die juristische Dimension und die möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft. „Eine derart vorschnelle Äußerung ist geeignet, ganze Existenzen unserer innovativen und weltweit geschätzten Brütereien aufs Spiel zu setzen. Alle Beteiligten sollten sich hier ihrer Verantwortung bewusst sein.“

Ethische Dimension von hoher gesellschaftlicher Relevanz
Aus Sicht der Gesellschaft dürfte die ethische Dimension von hoher Relevanz sein. Eine Methode, die zum Beispiel am dritten Tag misst, wenn noch kein Embryo erkennbar ist, dürfte mehr Akzeptanz finden als eine, die am neunten Bruttag detektiert. „Das wiederum ist für das künftige Image der Geflügelwirtschaft nicht ohne Belang“, so ZDG-Präsident Ripke. „Gerade in einer Phase schneller Weiterentwicklungen sollten wir alle nicht auf einen zeitlichen Wettlauf in Monaten, sondern auf das am Ende beste Verfahren schauen. So sollte vielversprechenden Hinweisen aus Kanada und von der Uni Leipzig zur möglichen spektroskopischen Geschlechtsbestimmung am geschlossenen unversehrten Ei weiter nachgegangen werden.“

Quelle: ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V.

Eurotier Neuheiten für die Tiergesundheit Nr. 1

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Trogsauger Speedy für saubere Futtertröge

Futterreste im Trog bieten einen guten Nährboden für Schimmel und Bakterien. Eine Entfernung per Hand ist arbeitsaufwändig und es bleiben häufig Reste zurück. Der Trogsauger Speedy wird einfach an die Pistole des Hochdruckreinigers angeschlossen und saugt Futterreste aus Trögen in kürzester Zeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Futter nass oder trocken ist. Das herausgesaugte Futter kann in einem Behälter aufgefangen oder in die Gülle abgeleitet werden. Nach der Entleerung kann der Trog durch einfaches Umschalten auf die Reinigungsdüse zügig mit der Waschlanze gereinigt werden.

Meier-Brakenberg GmbH & Co. KG
Halle 16, Stand G04

„EuroTier im Zeichen der ASP“

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Eine hohe Ausbruchsgefahr der Afrikanischen Schweinepest überschattet die diesjährige EuroTier-Messe

KESLA, das Fachunternehmen für Peressigsäure-Desinfektionsspezialitäten in Deutschland, stellt Tierhaltern auf der EuroTier in Hannover vom 13.-16.11.2018 in Halle 23 an Stand C18 ihre Produkte unter der Premiummarke Wofasteril und Lösungen für eine effektive Stall- und Tierhygiene sowie die Seuchenbekämpfung vor.

Über der Deutschen Schweinehaltung kreist ein Damoklesschwert: Die Experten sind sich einig, dass nicht ein Ob, sondern nur ein Wann über dieser für Schweinehalter katastrophalen Tierseuche im Raum steht. Als Hauptproblem für die Ansteckung gilt weniger die hohe Wildschweinpopulation sondern vielmehr die Unachtsamkeit und der Leichtsinn bei der Abfallentsorgung kontaminierter Essensreste durch die Fern- und Transitverkehre. Überdies scheint die Frustrationsschwelle bei den gebeutelten Erzeugern und Mästern erreicht: Gravierende Einbußen infolge der großen Trockenheit, das Verbot betäubungslosen Kastrierens, die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung und der drohende Einzug einer für Schweine tödlichen Seuche mit Milliardenverlusten.

ABER: „Hygiene beginnt im Kopf!“. Daher schauen verantwortungsvolle Erzeuger nicht tatenlos zu und warten ab. Sie treiben jetzt erst recht Vorbeugung mit qualifizierten, wirkungsstarken Desinfektionsprodukten und beschränken sich nicht auf eine unzureichende Hochdruckreinigung ihrer Ställe mit Einweichschaum.

Gemäß DVG-Listung und Desinfektionsrichtlinie sind KESLA-Peressigsäure-Produkte nicht nur in der Vorbeugung sondern auch im Tierseuchenfall zu jeder Jahreszeit uneingeschränkt geeignet. Dies gilt jedoch nicht für organische Säuren und Formaldehyde: Sie dürfen im Seuchenfall unter 10°C wegen ihres Kältefehlers nicht angewandt werden! Unter Tierhaltern sind die Produkte von KESLA für ihre schnelle und umfassende Wirkung gegen Bakterien,

Viren, Sporen und Pilze bei nur geringen Einsatzkonzentrationen bekannt. Die Alkalisierung der Peressigsäure Wofasteril durch das Puffer- und Reinigungsadditiv alcapur bietet als Alleinstellungsmerkmal ein

Maximum an Materialverträglichkeit bei gleichzeitiger Minimierung des Essigsäuregeruchs. Dies kommt der Desinfektion von Fahrzeugen und in geschlossenen Ställen sehr entgegen. Wofasterillösungen zeichnen sich durch den Ausschluss von Resistenzen und Temperaturfehler aus, wodurch die Anwendung auch im Winter sehr effektiv ist. Eine weitgehende Abbaubarkeit ist garantiert.

Hervorzuheben ist das 1+1 Wofasteril SC super.Eingetragen mit Topwerten in DVG-, IHO-, FiBL-, VAH- und RKI-Liste, ausgestattet mit zwei zusätzlichen DLG-Gütesiegeln im Bereich Melkzeugzwischendesinfektion und Klauenpflege mit desinfizierender Wirkung, kann es zur Flächendesinfektion, Tierhygiene und auch zur hygienischen Händewaschung angewendet werden.

Die Komplettdesinfektion in nur einem Arbeitsgang zusätzlich gegen Endoparasiten, wie Wurmeier, Kokzidien, Kryptosporidien, vereinigt nur das DVG-gelistete Ascarosteril AB. Es ist frei von sensibilisierenden Inhaltsstoffen und hat sich als Alternative zu kresolhaltigen Mitteln am Markt durchgesetzt. Das KESLA-Beraterteam freut sich auf ihren Besuch am Messestand.

Quelle: KESLA HYGIENE AG

Ferkel sind gesünder dank Tanninen

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Agroscope-Forschende sind einen Schritt weiter bei der Suche nach präventiven Massnahmen, um den Einsatz von Antibiotika bei Ferkeln zu reduzieren. Sie konnten einen weit verbreiteten Krankheitserreger isolieren und in einer Testreihe verfolgen. Ein Futterzusatz von Kastanientanninen verminderte das Auftreten von Absetzdurchfall bei Ferkeln deutlich.

Die Ferkel gesund aufzuziehen, ist für Schweinezuchtbetriebe eine grosse Herausforderung. Verschiedene Krankheitserreger – darunter am häufigsten das sogenannte Coli-Bakterium ETEC F4 – können beim geschwächten Tier leicht Durchfall auslösen. Dabei ist für Ferkel das Absetzen die schwierigste Entwicklungsphase. Sie werden von der Muttersau getrennt, können keine Muttermilch mehr trinken und bekommen ein neues Futter auf pflanzlicher Basis. Dadurch werden die Ferkel krankheitsanfällig. Gemäss den Forschenden ist der Versuchsbetrieb von Agroscope mit demselben Problem wie viele Schweinezuchtbetriebe in der Schweiz und der ganzen Welt konfrontiert. „Seit Jahrzehnten beobachten wir diesen Absetzdurchfall, welcher hauptsächlich durch das Bakterium ETEC F4 hervorgerufen wird. Auf dem Agroscope Versuchsbetrieb in Posieux ist dieses Bakterium natürlicherweise vorhanden. Daher eignet er sich perfekt als Modellbetrieb, um dieses Tiergesundheits-problem anzupacken“, meint der Agroscope-Mikrobiologe Nicolas Pradervand.

Schattenseiten von Antibiotika bekämpfen
Üblicherweise wird der Ferkeldurchfall auf der Basis einer tierärztlichen Verordnung mit Antibiotika behandelt. Jeder Einsatz von Antibiotika fördert das Auftreten von Antibiotika-resistenzen. Als Konsequenz davon verlieren die Antibiotika ihre Wirksamkeit. Gemäß einer kürzlich veröffentlichten Studie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern sind 70% der krankheitserregenden E. coli Bakterien von Schweinen mit Durchfall resistent gegen mindestens ein Antibiotikum und rund 30% gegen mehr als drei Antibiotika (Brand et al., 2017).

Eine einfache und sichere Lösung
Die Agroscope-Forscherin Marion Girard testete in ihrem Versuch Pflanzenextrakte, welche eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. Dem Absetzfutter für Ferkel gab sie zwei Prozent Kastanienbaumtannin-Extrakt bei. Diese Mischung verfütterte sie drei Tage vor dem Absetzen und dann während zwei Wochen. „Die Resultate waren vielversprechend! Wir konnten eine deutliche Verbesserung der Ferkel-Gesundheit feststellen“, bilanziert Girard. Im Gegensatz dazu zeigten Ferkel, die das Standardfutter erhielten, stärkere Krankheits-symptome. Im Agroscope-Versuchsbetrieb wird seither das Tannin-haltige Absetzfutter für alle Ferkel verwendet. Der Futterzusatz mit Tanninen verteuert das Futter um rund acht Franken pro Dezitonne, bzw. pro Ferkel im Durchschnitt um ca. 30 Rappen.

Agroscope-Labor bestätigt positive Resultate
Im Labor verglich der Agroscope-Forscher Nicolas Pradervand die im Kot abgesetzte Bakterienmenge der Ferkel und konnte eine vergleichbare Entwicklung feststellen. Mit Tanninen gefütterte Ferkel wiesen deutlich weniger ETEC-Bakterien auf und hatten entsprechend weniger Durchfall.

In diesem Jahr startete Agroscope einen neuen Versuch mit der Esparsette, welche eine andere Art von Tanninen enthält. Die ersten Resultate der Studie sind erfolgversprechend. Die Esparsette hat zudem den Vorteil, dass sie in der Schweiz angebaut werden kann.

REDYMO – Forschungsprogramm mit internationaler Vernetzung
Im Rahmen des Agroscope internen Forschungsprogramms REDYMO untersuchten Forschende antibiotikaresistente Bakterien und widerstandsfähige Biofilme in drei Bereichen der Lebensmittelherstellung: In der Produktion pflanzlicher Lebensmittel, der Milch-wirtschaft und der Schweinehaltung.

Die Resultate aus dem Forschungsprogramm wurden anlässlich der Abschlusstagung vom 31. Oktober 2018 präsentiert. Zudem stellten an der Tagung Gastreferentinnen und -referenten aus dem In- und Ausland ihre Arbeiten in Zusammenhang mit der Reduktion resistenter Mikroorganismen in der Lebensmittelkette vor. Mehr Informationen unter www.agroscope.ch/redymo.

Quelle: Agroscope

Standardisierte Befunderfassung des Mastschweines – LAG-Fortbildungstagung (1)

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Bei der Schlachttier- und Fleischuntersuchung durch amtliches Untersuchungspersonal kommt es an unterschiedlichen Schlachthöfen häufiger zu abweichenden Befunden. Die Befunderfassung des Mastschweines zu standardisieren, ist Ziel eines E-Learning Projekts des Instituts für Sicherheit und Qualität bei Fleisch. Anlässlich der 134. (!) Fortbildungs-tagung der „Landesarbeitsgemeinschaft für Fleischhygiene und Tierschutz in Bayern“, stellte Dr. Patric Maurer das Konzept in Ingolstadt vor.

Die Ursachen für unterschiedliche Befundungen sind sowohl personen-, als auch schlachtbetriebsbezogen. Montags gibt es schon mal weniger Befunde und auch die Bedingungen am Schlachtband spielen eine Rolle („Wer in Rheda-Wiedenbrück zurechtkommt, hat andernorts auch keine Probleme“).

Die Gründe für die erstrebte Vereinheitlichung liegen im Tierschutz, der Lebensmittel-sicherheit und ebenso der Wirtschaftlichkeit. Auch „Schlachthoftourismus“ soll mit Hilfe dem Projekt „eSFU“ (elektronische Schlachttier- und Fleischuntersuchung) verhindert werden.

In Kooperation mit Vion und Tönnies entstehen für Rinder, Schweine und Geflügel multi-mediale E-Learning-Kurse, die durch Trainings am Schlachthof ergänzt werden. Filme, Fotos, Slide-Shows zeigen jeweils Befund-Beispiele in möglichst vielen Ausprägungsgraden, Texte im PDF-Format runden die Module ab.

Um eine möglichst hohe Akzeptanz zu erreichen, ist bei der Zusammenstellung aller Lerninhalte der Konsens in der Befundung essentiell. Deswegen wurden zahlreiche kompetente Partner in einen offenen Dialog einbezogen: BMEL, AFFL, BfR, DVG, BAG, BbT, bpt, der BTK-Fachausschuss, veterinärmedizinische Bildungsstätten und ausgewählte Fachtierärztinnen und –tierärzte.

Das Modul Schwein wird im März 2019 vorliegen, bis August 2019 sollen dann auch die Aufnahmen zu Rind und Geflügel abgeschlossen sein. „eSFU“ kann problemlos in bereits bestehende Schulungssysteme integriert werden; der Schulungsumfang beträgt ca. zwei Tage plus Training.

DBU-Forum: Alternativen zum Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren

Am 16. Oktober lud die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) nach Osnabrück. Unter dem Motto „Sanfte Medizin für gesunde Tiere“, ging es um Alternativen zum Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren.

Im Eingangsreferat führte Prof. Dr. Gerd Hamscher (JLU Gießen) aus, dass Grundwasser und Böden dauerhaft mit Medikamentenrückständen kontaminiert seien. Gülle sogar hochkonzentriert mit Sulfonaminen, Tetracyclinen und Fluorchinolonen. Tetracycline z. B. über Jahre hinweg in gleichbleibenden Konzentrationen von 200-300 Mikrogramm, weil Flächen immer aufs Neue gedüngt würden. Resistente E-coli-Bakterien seine sogar in 20 Jahre alten Staubproben nachgewiesen worden. Weitere Reduktionen des Antibiotikaeinsatzes in Veterinär- und Humanmedizin seien deshalb dringend geboten.

Bakteriophagen in der Geflügelhaltung

Eine praxistaugliche Antibiotika-Alternative in der Broilermast stellte Dr. Hansjörg Lehnherr (PTC Phage Technology Center GmbH, Böhnen) vor. Fachlich und finanziell von der DBU gefördert, entwickelte sein Team einen Bakteriophagen-Cocktail gegen die Colibacilose beim Geflügel.

Bei dieser bakteriellen Infektionskrankheit vermehrt sich in den Organen der Tiere das Bakterium Escherichia coli übermäßig. Bisher wird wegen der vergleichsweise hohen Mortalität eine schnelle antibiotische Behandlung der Tiere angeordnet, jedoch gäbe es bereits Resistenzen. PTC Phage Technology hat die Wirkung von Bakteriophagen getestet, natürlichen Widersachern von Bakterien, die Bakterien sehr spezifisch abtöten können und dann einen Cocktail aus sechs solcher Bakteriophagen kreiert. Dieser Cocktail müsse den Küken direkt nach dem Schlupf verabreicht werden, da ihr Darm dann noch praktisch steril sein. Vor dem Transport zum Maststall enthalte der Küken-Darm noch 102 Bakterien, im Maststall seien es dann bereits 107.

Milchsäurebakterien gegen Infektionen der Milchdrüse beim Milchrind

Über körpereigene Milchsäurebakterien als Antibiotikaersatz bei Milchkühen berichtete Prof. Dr. Volker Krömker (Hochschule Hannover). Zwar sei die Eutergesundheit der Milchkühe in Deutschland so gut wie nie, jedoch kämen bei der Mastitis-Therapie eben Antibiotika mit hoher Verwandtschsft zu Humanpräparaten zum Einsatz. Mit jährlich etwa 2 Mio. Fällen und 0,9 bis7,5 antibiotischen Dosen pro Kuh und Jahr, sei die Mastitisbehandlung die häufigste Therapie in Deutschland.

Milchsäurebakterien werden aus der Zielumgebung gewonnen, bilden hemmend wirkende Substanzen (wie organische Säuren, Ethanol, CO2, Bakteriozine)) und werden bei der amerikanischen FDA als „Generally Recognized As Safe (GRAS)“ geführt.

Die Entwicklung eines Therapeutikums mit lebenden Milchsäurebakterien würde zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes sowie zur Minderung von Milchverlusten aufgrund von Wartezeiten führen und eine potentielle Resistenzentstehung vermeiden.

Der Fachtierarzt für Milchhygiene konnte in vitro erfolgreich Milchsäurebakterien-Isolate gewinnen, die langfristig kultivierbar sind, hemmend auf pathogene Mikroorganismen (aus Milchdrüse, Gebärmutter) wirken, a Euterepithelzellen binden, in Milch wachsen und überleben, sowie längerfristig stabil lager- und resuspendierbar bleiben. In vivo zeigte sich äußere und innere Verträglichkeit bei gesunden wie bei kranken Tieren.

Fürs Trockenstellen sei zwar die konventionelle Methode „zu erfolgreich“ führte Krömker weiter aus, die Bakterien eigneten sich eher für den Einsatz gegen gram-negative Keime und klinische Mastitiden. Wartezeiten seien noch offen, wünschenswert jedoch auf jeden Fall null Tage. Für die Zukunft wünscht sich Prof. Krömker die Erforschung differenzierter Anwendungskonzepte in größeren Feldstudien.

Die abschließende Podiumsdiskussion bestritten:

Dr. Ines Rönnefahrt, Umweltbundesamt,
Dr. Sabine Schüller, Bundesverband für Tiergesundheit,
Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen,
Prof. Dr. Manfred Kietzmann, TiHo Hannover,
Dr. Matthias Link, Tierärztekammer Niedersachsen.

Heinrich Bottermann forderte für einen wirksamen Umweltschutz Human- und Veterinärmedizin nur zusammen zu betrachten. Und konstatierte, leider würde die Halbierung der Antibiotikamengen in der Nutztierhaltung öffentlich nicht honoriert.

Matthias Link berichtete aus seiner Praxis , der Start des Antibiotika-Monitorings sei ein Weckruf für die Landwirte gewesen, von denen manche zuvor zu sorglos Antibiotika verabreicht hätten. Heute spiele durchaus auch die Angst vor Sanktionen durch das Monitoring eine Rolle.

Manfred Kietzmann fragte provokant: Haben wir vor sieben Jahren zu viele Antibiotika eingesetzt oder etwa heute zu wenig? Nach seiner Schätzung landen täglich 2 t Antibiotikarückstände und insgesamt 6 t Medikamenten- und Anthelmintika-Rückstände auf landwirtschaftlichen Flächen. Die gleiche Menge gelange noch mal aus der Humanmedizin in die Umwelt. Deshalb sei es wichtig neue Darreichungsformen entwickeln. Dem pflichtete Ines Rönnefahrt sogleich bei: mit neuen Formulierungen müsse es gelingen „mehr Wirkstoff ins Tier“ zu bringen.

Prof. Kietzmann wies auf die stetig abnehmende Zahl der Herstellerbetriebe hin. Heute sei die Produktion konzentriert in Indien, China und Pakistan. Auch Sabine Schüller bedauert dies, aber am Ende sei die Veterinärmedizin nur ein Anhängsel der Humanmedizin, wenn es um die Produktion gehe.

Die Umsätze mit Antibiotika gingen zurück und dafür fände eine Verschiebung hin zu den Impfstoffen statt. Die Pharmaindustrie ziehe sich aus der Suche nach neuen Wirkstoffen zurück, weil die Umsatzerwartungen zu gering und – bei zehn Jahren Forschungsaufwand – die Ungewissheit über zukünftige Vorgaben zu groß seien. Es sei nur noch mit Verbesserungen vorhandener Antibiotika zu rechnen. Deswegen sei ein verbesserter Schutz der Forscher ebenso wichtig, wie neue Techniken: CrispR/Cas

Für den Großtierpraktiker Link wird die „Integrierte Tierärztliche Bestandsbetreuung“ (ITB) nur ungenügend angenommen, ordnungspolitische Maßnahmen würden dagegen sehr wohl greifen (s. Antibiotika-Monitoring). Da mehr Tierwohl am Markt nicht honoriert würde, fordert er Tierschutz gesetzlich zu honorieren, durchaus auch mit Hilfe eines Bonus/Malus-Systems.

Bei den Medikamenten monierte er, es fänden sich zwar alle Nebenwirkungen auf den Waschzetteln, aber keinerlei Hinweise auf Umweltauswirkungen. Möglichst geringe Wartezeit sei z. B. das entscheidende Kriterium für antibiotische Wirkstoffe in der Milchviehhaltung, zu Umweltwirkungen fehlten Informationen komplett.

Frau Dr. Schüller bestätigte, entsprechende Daten seien nicht einfach zu finden, aber es gäbe Bestrebungen in der EU den Zugang zu solchen Informationen zu erleichtern

Ines Rönnefahrt ergänzte, es würden ja sogar potentiell umweltgefährdende Medikamente zugelassen. Nach einer gründlichen Nutzten-/Risikoabwägung.

Einig waren sich alle Diskutanten in der Forderung nach flächendeckenden Daten und leichtem Zugang zu ihnen. Neben einer Tiergesundheitsdatenbank müsse es auch eine Umweltdatenbank für alle Medikamente geben.