Tierärzteverband startet Unterschriftenkampagne gegen weitreichendes Antibiotikaverbot

Mit einem Aufruf an seine Mitgliedspraxen startet der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) morgen eine Kampagne, um bei Tierhaltern aller Tierarten bis zum 8. September Unterschriften gegen das vom EU-Parlament geplante weitreichende Antibiotikaverbot zu sammeln. Im Vorfeld der finalen Abstimmung in Brüssel Mitte September sollen die gesammelten Unterschriften an die deutschen Abgeordneten im EU-Parlament übergeben werden. Damit will der Verband ein starkes politisches Zeichen setzen und deutlich machen, dass er das geplante Anwendungsverbot bestimmter Antibiotika bei Tieren für tierschutzwidrig hält, weil viele Krankheiten dann nicht mehr oder nicht mehr adäquat behandelt werden könnten.

„Tierhalter müssen erfahren, was in Brüssel weitgehend im Verborgenen vor sich geht und welche Konsequenzen die zu befürchtende Entscheidung für ihre Tiere haben wird. Fakt ist, dass das Europäische Parlament wissenschaftliche Fakten ignoriert und nicht nur, wie vorgegaukelt wird, Nutztiere von einem Anwendungsverbot betroffen wären, sondern alle Tierarten“, erläutert bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder die Kampagne. „Zum Wohl aller Tiere müssen wir uns deshalb dafür einsetzen, dass alle für die Tiermedizin zugelassenen Antibiotika auch in Zukunft weiter zur Behandlung zur Verfügung stehen. Anderenfalls würde es schlimmstenfalls den Tod vieler Tiere bedeuten.“

Der Ruf nach Einschränkungen von Antibiotika in der Tierhaltung wegen zunehmender Resistenzen ist populär, doch kaum einer kennt Details oder Zusammenhänge. Nachgewiesenermaßen stammen nur etwa fünf Prozent der Antibiotikaresistenzen aus der Tierhaltung. „Deshalb macht es wenig Sinn, den Antibiotikaeinsatz bei Tieren immer weiter zu reglementieren, anstatt dort genauer hinzuschauen, wo Antibiotika inflationär eingesetzt werden und Resistenzen in der Masse wirklich entstehen“, betont Moder. Schließlich sind auch Tierärzte Menschen und wollen bei bakteriellen Infektionskrankheiten ebenso gut behandelt werden können wie jeder andere auch.“

Parallel zur Unterschriftenkampagne wurde auch eine Online-Petition gestartet, die inhaltlich auf die bpt-Kampagne Bezug nimmt, aber nicht vom Verband initiiert ist. Die Online-Petition zielt primär auf Social Media-Nutzer und soll auch die Tierhalter/innen mitnehmen, die im Aktionszeitraum nicht in die Tierarztpraxen kommen und sich deshalb nicht direkt an der Unterschriftenkampagne beteiligen können.

Hintergrund
Im Jahr 2019 wurde die (neue) EU-Tierarzneimittelverordnung 2019/6 verabschiedet. In einem Nachfolgerechtsakt müssen EU-Kommission, Mitgliedsstaaten und EU-Parlament bis zum Inkrafttreten des Gesetzes im Januar 2022 festlegen, welche Antibiotika künftig für den Menschen vorbehalten und damit für die Tiermedizin verboten werden sollen.

Im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des EU-Parlaments (ENVI) wurde Mitte Juli über einen von der Kommission dazu vorgelegten Entwurf für die Verordnung über „Kriterien für die Einstufung antimikrobieller Mittel, die für die Behandlung bestimmter Infektionen beim Menschen vorbehalten sind“ abgestimmt. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen hat der ENVI den auf wissenschaftlicher Expertise basierenden Kommissionsvorschlag abgelehnt, obwohl er mit der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) sowie EFSA, ECDC, OIE und WHO abgestimmt war, mithin also ein echter One-Health-Vorschlag ist.

Sollte der im ENVI beschlossene Entschließungsantrag auch im Europäischen Parlament eine Mehrheit finden, wäre ein komplettes Anwendungsverbot von Fluorchinolonen, Cephalosporinen der 3.und 4. Generation, Polymyxinen und Makroliden in der Tiermedizin kaum mehr abzuwenden. Von dem Anwendungsverbot wären entgegen den Aussagen im Entschließungsantrag nicht nur landwirtschaftliche Nutztiere, sondern alle Tierarten betroffen mit dramatischen Auswirkungen für die Therapie von Tieren. Nach Auffassung der EU-Kommission wären auch keine Ausnahmen für Einzeltiere bei schwerwiegenden Infektionen möglich, da die EU-Verordnung 2019/6 eine Reservierung von Wirkstoffen für die Humanmedizin vorsieht und dies über ein Ruhen bzw. Einziehen der Arzneimittelzulassung(en) erfolgen soll.

Quelle: bpt

Interview: Kühe länger melken: Was bedeutet das für die Kälberaufzucht?

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In letzter Zeit diskutieren viele Fachleute über eine verlängerte Zwischenkalbezeit bei Kühen, die auch am Ende der Laktation noch eine sehr hohe Milchleistung haben. Was bringt das den Kühen und profitieren davon eventuell auch die Kälber? Das wollten wir von Frau Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge wissen, die an der Fachhochschule Kiel forscht und lehrt.

Frau Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge, eine verlängerte Zwischenkalbezeit – was hat es damit auf sich?
Mein Fokus liegt nicht primär auf der ZKZ, sondern viel „weiter vorne“, nämlich bei der verlängerten freiwilligen Wartezeit. Ob die am Ende eine verlängerte ZKZ zufolge hat, weiß ich im Vorweg noch nicht. Denn wenn der Besamungsindex sich dadurch verbessert, könnte es ja sein, dass die ZKZ sich gar nicht so dramatisch verändert. Ich muss immer durch die Brille der einzelnen Kuh schauen. Wir wissen, dass die Leistung unserer Milchkühe von Generation zu Generation immer ein wenig gesteigert worden ist. Wir haben viele Kühe mit wahnsinnig hohen Milchleistungen und zwar in der Frühlaktation. 90-95 % unserer Milchkühe befinden sich in den ersten Wochen der Laktation in einer sehr stark negativ ausgeprägten Energiebilanz. Und diese Negativ-Bilanz ist immer tiefer geworden, der Nadir, also der Tiefpunkt der negativen Energiebilanz, ist weiter nach unten gerutscht, je höher die Leistung der Milchkühe stieg; zumindest betrifft das einen Großteil der stark auf Umsatz gezüchteten Kühe. Die Kühe gehen sehr stark an ihre Substanz. So haben wir die meisten Mastitiden auch deshalb in der Frühlaktation, weil die Tiere unzureichend Energie für ihre Immunität aufwenden können. Die Kühe investieren wirklich alles in die Milch.

Zweitens gibt es heute sehr viele umsatzstarke Tiere, die in der Spätlaktation gar nicht mehr die Möglichkeit haben richtig aufzufleischen und dann in der folgenden Frühlaktation ggf. sogar unterkonditioniert sind. Deshalb muss ich mich als Tierhalter fragen, wie ich meine Kühe unterstützen kann? Soll ich sie für ihre Leistungsbereitschaft in der Frühlaktation quasi „bestrafen“, indem ich ihr noch mal eine Leistung mehr abverlange durch eine erneute Besamung? Die Fruchtbarkeitsparameter zeigen ja, nicht bei den Jungrindern, aber bei den Kühen, dass sich die Fruchtbarkeit verschlechtert hat. Es wird immer Betriebe mit höchster Herdendurchschnittsleistung und toller Fruchtbarkeit geben, aber bei der Vielzahl der Betriebe schaffen wir das nicht.

Aber ich kann meine Tiere unterstützen, indem ich sie einfach eine Zeitlang „in Ruhe lasse“. Selbstverständlich müssen wir sie im „Repro-Management“ haben. Sie sollen sauber sein und eine Brunst will ich auch schon gesehen und die Kühe im Zyklus haben, aber ich verzichte auf eine schnelle Besamung.

Warum wird diese Methode derzeit immer häufiger vorgestellt?
Auslöser waren u.a. auch die Publikationen der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern vor einiger Zeit. Da denke ich an Jana Harms und Dr. Anke Römer, die aufgezeigt haben: Je höher die Milchleistung ist, umso erfolgreicher, aus betriebswirtschaftlichem Blickwinkel, kann es sein, die Rastzeit (in bestimmten Grenzen) zu verlängern. Aber für gewisse Gedanken muss die Zeit eben erst reif sein.

Für welche Betriebe eignet sich die verlängerte Zwischenkalbezeit?
Hier ist zunächst Mal Vorsicht geboten: Im größeren Stil angewandt, passt die verlängerte ZKZ nur zu einigen, wenigen Betrieben. Egal ob im 150er Stall oder in der 2.000er Anlage: Wenn ich das einzelne Tier nicht mehr sehe, ist diese Herde für mich zu groß, denn ich muss immer tierindividuell entscheiden. Die Kühe in unserem Betrieb haben eine Durchschnitts-Jahresleistung von 11.600 kg und trotzdem gibt es einige Damen in der Herde, die wir deutlich früher besamen, weil sie nicht so stark in die negative Energiebilanz gerutscht sind. Bei anderen Kühen müssen wir 150 Tage und manchmal noch länger die Füße stillhalten, weil jedes Tier zu wertvoll ist, um allzu schnell abgehen zu müssen. Als erste Orientierung für eine betriebsindividuelle Entscheidung kann man sagen: Die Herdendurchschnittsleitung sollte sehr hoch sein und viele Kühe sollten eine ausgeprägt gute Persistenz haben. Wenn dann eventuell mehr als 20 % der Tiere gegen Ende der Laktation ein wenig „schmal auf der Brust“ sind, weil sie sich bis zum Ende verausgabt haben und schlussendlich zum Trockenstelldatum immer noch viel Milch geben, dann kann ich überlegen ihnen etwas mehr Zeit zu geben, um wieder Substanz aufzubauen. Grundsätzlich aber darf eine verlängerte freiwillige Wartezeit kein Freifahrtschein sein, Fruchtbarkeits- und Repro-Management zu vernachlässigen.

Mit wieviel Milchleistung sollte eine Kuh trockengestellt werden und ab welcher Leistung ist das problematisch?


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Interview: Kuhgebundene Kälberaufzucht: Gewinn für Kuh, Kalb und Landwirt?

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Es gibt in Deutschland etwa 150 bis 200 Milchviehbetriebe, in denen Kälber mit ihren Müttern oder Ammenkühen aufgezogen werden, schätzt Dr. Kerstin Barth vom Thünen-Institut für Ökologischen Landbau. Im Thünen-Institut selbst wird diese Haltungsform bereits seit 2003 praktiziert und beforscht. Wir haben die Wissenschaftlerin gefragt, was hierbei besonders zu beachten ist.

Frau Dr. Barth, Mutterkuhhaltung kennen wir schon lange von den Fleischrindern. Aber eignet sich auch jede Milchkuh(-rasse) für eine kuhgebundene Kälberaufzucht?
Bisher ist nicht bekannt, dass es Rassen gäbe, die nicht geeignet wären. Da es sich ja um die natürliche Aufzuchtform handelt, halte ich es auch für unwahrscheinlich.
Die Variabilität bei Kühen ist natürlich groß und auch das Interesse am eigenen Kalb ist unterschiedlich stark ausgeprägt, aber in unserem Versuchsbetrieb mit Deutschen Holstein-Kühen haben wir ganz, ganz selten mal eine Kuh, die sich ihrem Kalb nicht zuwendet. Auf der anderen Seite gibt es auch einige wenige Kühe, die so aggressiv auf den Menschen reagieren, dass wir ihnen das Kalb wegnehmen müssen. Da hängt aber auch viel von der Tier-Mensch-Beziehung ab.

Eignet sich denn auch jeder Betrieb für kuhgebundene Kälberaufzucht oder welche (baulichen) Voraussetzungen müssen gegeben sein?
Das hängt tatsächlich auch von den baulichen Gegebenheiten, der Lage der Gebäude und deren Ausgestaltung ab. Kälber sollten beispielsweise immer einen Rückzugsraum haben, d. h. es muss eine bauliche Anbindung geben, wenn Kuh und Kalb miteinander in Kontakt kommen sollen. Alternativ könnte man die Kühe während der Kälberaufzucht nicht melken und Kühe und Kälber in einem extra Gebäude halten. Ein Laufstall mit Spaltenboden, der für Kühe angepasst wurde, ist für Kälber natürlich nicht geeignet. Schon aufgrund der baulichen Gegebenheiten könnten Betriebe nicht so ohne weiteres ihre Aufzucht umstellen.

Üblicherweise kommen die Kälber nach der Geburt ja zunächst in eine Einzelbox. Wie sieht das bei der mutter- oder kuhgebundenen Haltung aus?
Wir halten z. B. Kuh und Kalb länger im Abkalbebereich. Entweder in der Einzel-Abkalbebox, damit auch die Bindung richtig aufgebaut werden kann oder man hat eine kleinere Gruppenabkalbung, in der die Kälber spätere Ammenkühe schon kennenlernen und umgekehrt.

Ab wann kann man eigentlich von „muttergebunden“ sprechen? Reichen zwei Stunden Kontakt am Tag oder sollte es schon echter Dauerkontakt sein?


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Rostocker Forscher entwickeln klima- und klauenfreundlichen Stallboden für Kühe

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Das ist was Neues: klima- und klauenfreundlicher Stallboden für Kühe in Dummerstorf. Das Gut Dummerstorf im Landkreis Rostock gehört zu den wenigen Milchviehbetrieben bundesweit, in denen emissionsmindernde Bodenbeläge und der Einsatz eines neuartigen Entmistungssystems getestet werden. Regie führt Dr. Jörg Burgstaler, der die Professur Agrartechnologie und Verfahrenstechnik an der Universität Rostock kommissarisch leitet.

Ein in seinem Verfahrenslabor, das Herzstück der Professur, weiterentwickelter neuer Stallboden könnte schon bald klimaschädliche Ammoniak-Emissionen in den Kuhställen um mehr als 45 Prozent minimieren. Denn: Bis 2030 müssen die Emissionen in der Landwirtschaft um 30 Prozent gesenkt werden.

Lucas Pieper, Betriebsleiter des Gutes Dummerstorf, der an der Universität Rostock Agrarwissenschaften studierte und seinen Masterabschluss im Studiengang Pflanzenproduktion und Umwelt hat, verspricht sich viel von dem Forschungsprojekt der Universität Rostock. „Es soll nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch dem Tierwohl dienen“, sagt der 31-Jährige. „Die Kühe haben es durch den neuen Boden trockener und viel mehr Trittsicherheit. Das verbessert auch die Klauengesundheit“.

Diese innovative Weiterentwicklung ist an der Professur für Agrartechnologie -und Verfahrenstechnik im so genannten Energie Campus gebündelt worden. Hier entwickelt die Professur unter Leitung von Dr. Jörg Burgstaler in Zusammenarbeit mit Dr. Denny Wiedow gemeinsam mit kleineren Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern Lösungen, die der Umwelt, also dem Klimaschutz dienen, betont Dr. Jörg Burgstaler. Er formuliert das Ziel so: „Wir wollen dem Zielkonflikt zwischen Umwelt- und Tierschutz gerecht werden“. Durch den von ihm maßgeblich weiterentwickelten Fußboden sorgen neben den Quer- und Längsrillen weitere patentrechtlich geschützte Elemente dafür, dass der Harn der Kühe schnell abtransportiert und weniger Ammoniak in die Umgebungsluft abgegeben wird. Das Geruchsempfinden signalisiere bereits, dass im Stall weniger Ammoniak in der Luft sei. Wieviel, das untersuchen Studierende im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zunächst an dem noch nicht modifizierten Stallboden.

Franziska Maria Wieneke schreibt ihre Masterarbeit zu diesem Thema: „Meine Leidenschaft liegt in der Landwirtschaft bei den Kühen“, sagt die Studentin, die im vierten Mastersemester Nutztierwissenschaften studiert. „Es ist ein praxisnahes und brandaktuelles Thema, das für die Landwirtschaft interessant ist.“ Ihr sei beim Studium immer wichtig, einen Praxisbezug neben der Lehre in der Universität herzustellen. Nach ihrem Masterabschluss will die junge Frau in der Rinderberatung arbeiten und in Mecklenburg-Vorpommern bleiben.

Gegenwärtig ist sie eine von mehreren jungen Forschern der Professur, die die Umgebungsluft im Stall akribisch messen. In der zukünftigen Ausgestaltung soll die Messtechnik aktiv über ein Regelungsschema eingreifen „Das ist wie ein Ampelsystem“, erklärt Jörg Burgstaler, gebürtiger Schweriner, der an der Universität Rostock studierte, hier als wissenschaftliche Hilfskraft arbeitete, seine Doktorarbeit schrieb und jetzt die Professur leitet. Bei Grün seien die Emissionen niedrig, ansteigend signalisiert Gelb und bei zu hohen Emissionen zeigt die Ampel Rot an. Daraufhin wird aktiv in das Emissionsgeschehen eingegriffen. Durch den Einsatz von Gasmesssensoren kann die aktive Ammoniakemissionsbelastung im Stall sowie in Bodennähe erfasst werden. Auf Basis definierter Grenzwerte in Kombination mit emissionsbestimmenden Faktoren werden durch Messung der Temperatur und Verdunstungsrate die flüssigen Ammoniak-Hemmstoffe über den Stallfußboden in die Urinablaufrinnen appliziert. Die Steuerung und Kontrolle soll zukünftig über eine App-Anwendung erfolgen.

Forschungspartner der Universität Rostock ist das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam-Bornim. Dazu sagt Dr. Jörg Burgstaler: „Das Verbundprojekt Emissionsminderung in der Nutztierhaltung (EmiMin) startete im Frühjahr 2021 im Teilprojekt 5: „Emissionsarme planbefestigte Böden in der Milchviehhaltung“ für die Professur Agrartechnologie und Verfahrenstechnik und deren Kooperationspartner (LfA – Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei M-V, A.F.E.R. e.V.-Institut) mit dem Gut Dummerstorf unter Leitung des ATB Leibniz – Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie Potsdam. Dieses Projekt war der Ausgangspunkt zur Weiterentwicklung des planbefestigten Stallbodens, das jetzt in der zukünftigen Ausgestaltung patentrechtlich geschützt ist.“

Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die Forschungen des Energie Campus der Universität Rostock mit 180 000 Euro. „Das versetzt uns in die Lage durch geeignete Aktivitäten, wie den Transfer von aktuellen Forschungsergebnissen in den Bereich der Aus- und Erwachsenenbildung an Schulen sowie Hochschulen, die Attraktivität der Agrar- und Umweltingenieurwissenschaften in Mecklenburg-Vorpommern zu stärken. Weiterhin sollen auf Basis der Förderung vermarktungsfähige Produkte für aktuelle gesellschaftspolitische Themen, wie die Verbesserung des Tierwohls und der damit einhergehenden Emissionsreduktion von Wirtschaftsdüngern aus der Tierhaltung, etabliert werden“, freut sich Dr. Burgstaler.

Quelle: Universität Rostock

Mehr Fokus auf die Eisenversorgung

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Von Andreas Rienhoff und Prof. Dr. Marc Boelhauve, FH Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft

Die Versorgung in den ersten Lebenstagen entscheidet beim Kalb darüber, wie gut sich die Aufzucht und die Gesundheitsentwicklung gestalten. Neben Kolostrumaufnahme und guten Haltungsbedingungen ist aber auch eine ausreichende Eisenversorgung wichtig. Doch Untersuchungen zeigen, dass es damit bei Kälbern nicht gut bestellt ist.

Die Empfehlungen zur Erstversorgung neugeborener Kälber haben sich in den Jahren verändert. So wird heute als erste Mahlzeit Kolostrum ad libitum oder zumindest die Gabe von mindestens drei Litern empfohlen. Dies sollte auch in den ersten 60 Minuten nach der Geburt erfolgen. Das Kolostrum sollte einwandfrei sein und somit von Tieren stammen, die ohne Symptome einer Euterentzündung in die Abkalbung gekommen sind. Dazu sollte der IgG-Gehalt hoch sein und die Gerätschaften mit Kolostrumkontakt gründlich gereinigt sein.

Auch wenn diese Empfehlungen vollständig umgesetzt werden, so kann das Kalb trotz guter Versorgung mit Immunglobulinen erkranken. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass im Kolostrum kaum Eisen enthalten ist. Zudem kommt das Kalb ohne relevante Eisenreserven zur Welt.

Funktion des Eisens
Eisen ist ein zentrales Element in der Immunabwehr höherer Säugetiere und nicht nur für die Hämoglobinbildung und somit der Sauerstoffversorgung zuständig. In der Schweinehaltung ist die zusätzliche Eisengabe als Standard etabliert, in der Kälberaufzucht hingegen (noch) nicht. Negative Folgen eines Eisenmangels sind u.a.:

  • Gestörte Blutbildung mit Beeinträchtigung der Immunabwehr
  • Eisen ist aktiv an der Antikörperproduktion und damit an der Abwehr von Infekten beteiligt.
  • Dadurch erhöhte Krankheitsanfälligkeit
  • Und damit korreliert geringere Tageszunahmen (Bostedt 2002).

Als untere Grenze wird für neugeborene Kälber am zweiten Lebenstag ein Eisengehalt im Blut von 20 µmol/l in der Literatur angegeben. In eigenen Untersuchungen an Kälbern, die in sieben Betrieben mit den Hoftierärzten zusammen durchgeführt wurden, zeigte sich, dass im Durchschnitt alle Kälber unter dieser Schwelle lagen. Teilweise hatten diese nur 1/6 des minimal empfohlenen Eisengehaltes im Blut. Ca. ein Drittel der Kälber war ausreichend mit Eisen versorgt, die anderen hatten einen leichten bzw. schweren Eisenmangel. Diese Daten decken sich mit anderen Untersuchungen (Bostedt 2002 und Hofgut Neumühle 2011). Dies bedeutet aber auch, dass das Wissen um eine bessere Kälberentwicklung und somit den Aufbau einer besseren Milchkuhpopulation bereits seit vielen Jahren bekannt ist und noch nicht Einzug in die Praxis gehalten hat. Warum dies so ist, kann nur vermutet werden. Aussagen von Milchviehhaltern diesbezüglich sind vor allem, dass die Mangelversorgung mit Eisen den Kälbern nicht angesehen wird und normalerweise keine Blutuntersuchungen in den Betrieben durchgeführt werden, um diesen Mangel aufzuzeigen. Die weiteren Auswirkungen (z.B. Infektanfälligkeit, geringere Tageszunahmen) werden nicht einer mangelnden Eisenversorgung zugerechnet. Diese Daten belegen, dass Kälber meist mit einer Blutarmut, in diesem Fall einer Anämie (Mangel an Erythrozyten und somit Hämoglobin), auf die Welt kommen. Unterversorgt mit Kolostrum war in der Untersuchung an der FH Südwestfalen keines dieser Kälber, d.h. alle Tiere wurden relativ zügig nach der Geburt versorgt – die meisten sogar ad libitum. Dies bedeutet ferner, dass die Kälber zu wenig Eisen durch das Kolostrum erhalten.

Untersuchungen zeigen, dass das Kolostrum und die nachfolgende Vollmilch einen zu geringen Eisengehalt (0,5 mg/l) haben, um das Kalb entsprechend zu versorgen. Der Tagesbedarf liegt anfangs bei ca. 100 mg pro Kalb. Über das Kolostrum bzw. die anschließende Vollmilch können bei einer Aufnahme von ca. 6 Liter pro Tag ca. 3 mg Eisen zugeführt werden, also viel zu wenig.

Eisen fördert Zellwachstum
In Milchaustauschern sind mindestens 30 mg/kg Eisen pro Liter supplementiert enthalten (wenn richtig angemischt) – dies ist die vorgeschriebene untere Grenze der Eisenbeimischung. Optimal ist ein Eisengehalt von mindestens 100 mg/kg im MAT. Pflanzenbestandteile sind ebenfalls gute Eisenquellen, wenn auch mit starken Gehaltsschwankungen, dies kann in den ersten 14 Tagen den Kälbern nicht helfen, sondern erst im fortgeschrittenen Alter.

Die zusätzliche Eisengabe über MAT ist aber nur dafür gedacht, den täglichen Bedarf, durch z.B. Neubildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), auszugleichen. Der Milchaustauscher füllt nicht das Defizit der ersten mit Eisen unterversorgten Tage auf. Das Kalb ist also weiterhin nur unzureichend geschützt, da die Immunabwehr (noch) nicht solide ausgestattet werden kann. Zudem ist das Wachstum der Tiere weiterhin eingeschränkt.

In obiger Untersuchung zeigten sich bei der Betrachtung der 14-Tage-Leistung aller beobachteten Kälber, dass in der Gruppe der Kälber, die mit dem Kolostrum eine zusätzliche Eisengabe erhalten haben, folgende Effekte auftraten:


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Antibiotika in der Nutztierhaltung – Forschungsprojekt VetCAb abgeschlossen

Wie das „Deutsche Tierärzteblatt“ in seiner August-Ausgabe berichtet, wurde nach insgesamt acht Jahren Forschung die dritte und letzte Phase von „VetCAb-Sentinel“ abgeschlossen. Insgesamt wurden 292.874 AuA-Belege (Arzneimittel-Anwendungs- und -Abgabedokumentation) aus Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltungen ausgewertet.

Geflügel
Beim Geflügel wurden nur Belege für Broiler, nicht Legehennen oder Puten, analysiert. Der Median der Therapiehäufigkeit sank demnach von 20,4 im 1. Halbjahr 2013 auf 12,6 im 2. Halbjahr 2020; insgesamt ein Minus von 38,2%. Auch bei den Wirkstoffgruppen zeigten sich deutliche Veränderungen. Zuwächsen bei Aminoglykosiden (+18%), Lincosaminen (+23,9%) stehen Einsparungen bei Polypeptiden (-13%), Fluorchinolonen (-11,4%), Makroliden (-7,4%) gegenüber; unter den Polypeptiden kommt Colistin immer noch am häufigsten zum Einsatz.

Bei den einzelnen Mastdurchgängen zeigten sich in der 1., 3. und 4. Mastwoche deutliche Höhepunkte beim Antibiotikaeinsatz: die Hälfte aller Behandlungen erfolgte innerhalb der ersten 7 Tage.

Schweine
In den verschiedenen Schweinehaltungen zeigten sich in allen Stufen deutliche Reduktionen beim Antibiotikaeinsatz. Der Median der Therapiehäufigkeit sank bei Ferkeln um -80% (von 4 auf 0,8), bei Sauen um -40% (von 1 auf 0,6), bei Läufern um -95% (von 7,4 auf 0,3) und bei Mastschweinen um -96% (von 2,5 auf 0,1). In all diesen Nutzungsrichtungen stieg die Therapiehäufigkeit mit zunehmender Betriebsgröße an und auch der behandelnde Tierarzt hatte signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Anwendungen.

Bei den Ferkeln kommen vor allem Beta-Laktame und Makrolide zum Einsatz., wobei letztere bis zum 2. Hj. 2020 mit einem Anteil von 34,3% deutlich zunahmen. Bei den Sauen haben Beta-Laktame und Tetrazykline die stärkste Bedeutung, bei den Läufern Beta-Laktame, Polypeptide und Tetrazykline und in der Mast Beta-Laktame, Tetrazykline und Makrolide.

Rinder
Bei den Milchkühen pendelte der Wert für die Therapiehäufigkeit über die Jahre um 2,0 und lag im 2. Hj. 2020 bei 1,7. Fluorchinolone und Cephalosporine kommen heute wesentlich seltener zum Einsatz, als zu Beginn der Erhebung. Beta-Laktame und Aminoglykoside erreichen heute einen Anteil von 74,6%. In der Rindermast kommen Antibiotika nur sporadisch und beim Einzeltier zum Einsatz; der Median liegt hier bei null.

In der Kälberaufzucht liegt der Medianwert über den gesamten Beobachtungszeitraum unter 1, im 2. Hj. 2020 bei 0,1. Für die Kälbermast wurden, abhängig vom Halbjahr, Medianwerte von 9,7 und 16,4 ermittelt.

Im Folgeprojekt VetAMUR (Veterinary Antimicrobial Usage and Resistance) sollen nun Zahlen zum Antibiotikaeinsatz mit Resistenzdaten verknüpft werden.

Quelle: Deutsches Tierärzteblatt

Warum langweilig gut ist: Kälberaufzucht planen und standardisieren

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Von Tierärztin Anna Lena Lindau, Q-mmunity Tierarztpraxis

Kälber sind wertvoll: Sie sind die produktive Zukunft jeden Milchviehbetriebes, haben das höchste genetische Potential aller Tiere auf dem Betrieb und entscheiden zukünftig als Milchkuh mit ihren Leistungen über die Wirtschaftlichkeit des Betriebes. Eine gesunde, erfolgreiche Aufzucht sollte also das oberste Ziel sein. Doch warum sieht die Realität leider allzu oft ganz anders aus?

Zahlen zu Kälberverlusten aus der HI-Tier Datenbank zeigen eine konstant hohe Verlustrate von 7-8 % und das ohne die Totgeburten. Die Tierverluste sind dabei nur die Spitze des Eisberges. Auch ausgeheilte Erkrankungen in den ersten Lebenswochen kosten den Betrieb richtig Geld. Sichtbar sind dabei meist nur die unmittelbaren Kosten auf der Rechnung des Tierarztes. Das ist jedoch im Vergleich zu den Gesamtkosten fast zu vernachlässigen. Den weitaus größeren Teil machen entgangene Einnahmen wegen geringerer Aufzuchtleistungen, niedrigerer Laktationsleistungen und einem früheren Abgang aus. Muss ein Rind wegen geringerer Tageszunamen infolge einer Lungenerkrankungen nur zwei Zyklen später besamt werden sind das rund 150 € höhere Aufzuchtkosten. Eine leichte Durchfallerkrankung mit einer einmaligen medikamentösen Behandlung hat durchschnittlich eine Leistungsminderung von mehr als 300 kg Milch in der ersten Laktation zur Folge. In der Kälberaufzucht kann man also eine Menge Geld liegen lassen. Die gute Nachricht ist: Mit relativ einfachen und günstigen Maßnahmen lässt sich auch vieles verbessern.

Gleiches Recht für alle
Gerade die Kälberaufzucht ist ein Betriebszweig, in dem häufig wechselndes Personal eher die Regel als die Ausnahme ist: Unter der Woche ist der Lehrling für die Kälberfütterung zuständig, am Wochenende der Senior und die Betriebsleiterin hat sowieso immer ein wachsames Auge auf die Kleinsten. Geburtsbeobachtung macht der, der gerade am Abkalbestall vorbeikommt und die Erstversorgung des frisch geborenen Kalbes kann ja zumindest noch bis nach dem Melken warten. Das mag jetzt etwas übertrieben dargestellt sein, aber hinterfragen Sie doch einmal ganz ehrlich, wer diese Arbeiten wie auf Ihrem Betrieb erledigt. Es ist unvermeidbar, dass jede dieser Personen die Aufgaben etwas anders erledigt, wenn einheitliche Pläne zur Arbeitserledigung fehlen. Mit Hilfe sogenannter standard operating procedures (SOPs) lassen sich solche Arbeiten zuverlässig vereinheitlichen. Jede Aufgabe lässt sich durch die Erstellung von Arbeitsanweisungen und Checklisten auf einzelne kleine Schritte herunterbrechen, so dass die Durchführung standardisiert wird. Im außer-landwirtschaftlichen Bereich ist dieses Vorgehen bereits weit verbreitet: Piloten starten und landen Flugzeuge mit Hilfe von Checklisten und in der Lebensmittelindustrie geht nichts mehr ohne ein HACCP-Konzept zur Identifizierung kritischer Kontrollpunkte.

Kritische Bereiche definieren
In der Kälberaufzucht ist die Verwendung von SOPs insbesondere in den Lebensabschnitten sinnvoll, in denen die Tiere besonders anfällig für Erkrankungen sind:
• Geburt und postnatale Erstversorgung
• Kolostrumversorgung
• Haltungsmanagement einzeln und in der Gruppe
• Fütterung und Gesundheitsüberwachung bis zum Absetzen

Diese Auflistung stellt die größeren Arbeitsbereiche der Kälberaufzucht dar und lässt sich in zahlreiche Unterpunkte aufgliedern. Nehmen wir als Beispiel die Fütterung, speziell die Temperatur des Wassers beim Anrühren der Milchaustauschertränke. Ohne eine Messung der Temperatur wird jeder, der für die Fütterung der Kälber verantwortlich ist, die Tränke mit einer anderen und eventuell nicht immer ausreichend hohen Temperatur anrühren. Und ob die Milch nach dem Transport quer über den Hof zu den Kälberiglus vor allem im Winter mit den nötigen 39°C beim Kalb ankommt steht in den Sternen. Hier bietet sich also eine Arbeitsanweisung an, in der schrittweise genau beschrieben ist, wie und mit welcher Temperatur der Milchaustauscher (MAT) anzurühren ist. Dabei ist die Anrührtemperatur des MAT nur einer von vielen kleinen, aber wichtigen Faktoren, die für eine erfolgreiche Kälberaufzucht entscheidend sind. Wird jedoch nur ein Arbeitsschritt dieser Aufgabe nicht korrekt erledigt, wirkt sich das negativ auf die gesamte Aufzuchtleistung aus und kann zu den eingangs beschriebenen negativen wirtschaftlichen Folgen führen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, in welchen Bereichen SOPs Ihre Kälberaufzucht unterstützen könnten, ziehen Sie einen unabhängigen Berater und/oder Tierarzt hinzu, der Erfahrung in der Bestandsbetreuung und der Erstellung von SOPs hat.

Was ist eine gute SOP?


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Ehrendoktortitel für Christian Drosten, Gerd Sutter und Lothar H. Wieler

TiHo würdigt Engagement und Verdienste um den One-Health-Ansatz.

„Professor Dr. Christian Drosten, Professor Dr. Gerd Sutter und Professor Dr. Lothar H. Wieler haben sich in ihrem bisherigen Wirken und ganz besonders während der Corona-Pandemie um die ganzheitliche wissenschaftliche Betrachtung der Gesundheit von Menschen und Tieren verdient gemacht“, sagt Dr. Gerhard Greif, Präsident der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) anlässlich der vom Senat beschlossenen Ehrungen. Ihre außerordentlichen Verdienste und ihr großes Engagement würdigt die TiHo mit der Verleihung der Ehrendoktortitel.

One Health steht für die enge Verbindung der Gesundheit von Menschen, Tieren sowie der Umwelt. Zwei Aspekte, die der One-Health-Gedanke umfasst, sind Antibiotikaresistenzen und Infektionskrankheiten, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden können. Mit den Ehrungen unterstreicht die TiHo die Bedeutung des One-Health-Ansatzes, der einen Schwerpunkt der Forschungsarbeiten der TiHo bildet.

Professor Dr. Christian Drosten
Professor Dr. Christian Drosten erhält die Ehrendoktorwürde der TiHo für seine herausragende Forschung auf dem Gebiet der RNA- und Corona-Viren, seinen großen Beitrag zur One-Health-Thematik sowie für seine wichtige und wertvolle Aufklärungsleistung während der Pandemie. Drosten arbeitet eng mit Forschenden anderer Disziplinen zusammen. Während der Pandemie öffnete er zudem den Blick in die Wissenschaft. Mit seinen allgemeinverständlichen Erläuterungen virologischer und epidemiologischer Sachverhalte in unterschiedlichen Medien zeigte er, was die Wissenschaft weiß, wie sie funktioniert und mit welchen Methoden die Wissenschaft arbeitet. „Die direkte Vermittlung der aktuellen Faktenlage und ihre Einordnung war und ist für viele Menschen während der Pandemie eine große Hilfe, die trotz aller Widrigkeiten Sicherheit vermittelt“, sagt Greif.

Drosten leitet das Institut für Virologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie das Nationale Konsiliarlaboratorium für Coronaviren. Er studierte Humanmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, wo er auch promovierte. Drosten ist Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Bevor er dem Ruf an die Charité nach Berlin folgte, war er an verschiedenen Positionen am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg tätig und leitete für zehn Jahre das Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. Drosten ist Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse.

Professor Dr. Gerd Sutter
Professor Dr. Gerd Sutter erhält die Ehrendoktorwürde für seine herausragende Forschung auf dem Gebiet neu auftretender Zoonoseerreger und Infektionskrankheiten sowie für sein Engagement für den One-Health-Gedanken. Sutter ist Tierarzt und widmet sich besonders der angewandten Infektionsforschung. Er sucht nach neuartigen Virusimpfstoffen für Prophylaxe und Therapie und konnte bereits mehrere Impfstoffkandidaten soweit entwickeln, dass sie für klinische Studien zugelassen wurden. Dabei nutzt er das Modifizierte Vacciniavirus Ankara (MVA), ein harmloses Pockenvirus, das bereits seit Jahrzehnten zu Impfzwecken verwendet wird und als Vektor mit der Information verschiedener Erreger bestückt werden kann, um als Impfstoff zu fungieren. Auf diese Weise entwickelte er beispielsweise einen Impfstoff gegen das Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV), das von Kamelen übertragen wird, und einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2, der sich derzeit in der klinischen Prüfung befindet. Aber auch andere zoonotische Infektionskrankheiten wie Aviäre Influenza oder West-Nil-Fieber stehen in seinem Fokus.

Sutter studierte und promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Während seiner Postdoc-Zeit arbeitete er im Laboratory of Viral Diseases an den National Institutes of Health in den USA. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland übernahm er die Leitung einer Forschungsgruppe im Institut für Virologie am Helmholtz Zentrum München. Er ist Fachtierarzt für Mikrobiologie und Virologie und habilitierte sich im Fach Virologie in München. Bevor er seine jetzige Professur für Virologie am Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen an der LMU antrat, leitete er die Abteilung Virologie am Paul-Ehrlich-Institut.

Professor Dr. Dr. h. c. Lothar H. Wieler
Professor Dr. Dr. h. c. Lothar H. Wieler erhält die Ehrendoktorwürde für seinen herausragenden wissenschaftlichen Beitrag in der Zoonosenforschung und für die One-Health-Thematik sowie für seine Rolle in der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie. Wieler ist Tierarzt und Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin. In dieser Funktion berät er die Bundesregierung und informiert regelmäßig über den Sachstand der Pandemie in Deutschland. Die TiHo würdigt mit der Verleihung des Ehrendoktortitels ganz besonders seine Rolle während der Pandemie. „Ruhig, souverän, wissenschaftlich und faktenbasiert informiert Professor Wieler die Öffentlichkeit über das Coronavirus. Er klärt auf, warnt und ordnet ein. Er ist einer der Säulen in der Pandemiebekämpfung in Deutschland“, sagt Greif.

Wieler studierte Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin und an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre promoviert wurde. Seine Habilitation legte er an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Fach Infektionskrankheiten und Hygiene der Tiere ab. Lothar H. Wieler ist Fachtierarzt für Mikrobiologie und war Professor für Mikrobiologie und Tierseuchenlehre an der Freien Universität Berlin. In seiner Forschung konzentriert sich Wieler auf Fragestellungen, die gleichermaßen die Gesundheit von Menschen und Tieren betreffen und legt einen Schwerpunkt auf zoonotische bakterielle Erkrankungen sowie Antibiotikaresistenzen.

Quelle: TiHo

Fliegenbekämpfung im Rinderstall: So früh wie möglich beginnen

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Von Tanja Edbauer, Fachberatung für Naturland, Erzeugerring für naturgemäßen Landbau e.V.

Jedes Jahr überfallen uns im Sommer Heerscharen von Fliegen und übernehmen die Herrschaft über unsere Ställe. Dies führt während des Melkens zu schlagenden, unruhigen Tieren und blank liegenden Nerven beim Melker. Darunter leidet sowohl die Leistung als auch die Gesundheit von Mensch und Tier. Die Fliegen verschmutzen das Futter und reduzieren die Futteraufnahme, die Fliegen können zahlreiche Krankheiten übertragen; genügend Gründe, um den Fliegen den Kampf anzusagen.

Bevor wir mit der Bekämpfung beginnen können, müssen wir erst einmal wissen, wer unser Feind ist und wo seine Schwächen liegen. Die meisten Fliegen sind von Mai bis Oktober/November tagsüber aktiv. Je nach Fliegenart sind die Mundwerkzeuge zum Stechen, Saugen und/oder Lecken ausgelegt.

Die wichtigsten Vertreter im Stall:
– Große Stubenfliege (Musca domestica)
– Wadensteher (Stomoxys calcitrans)

und auf der Weide:
– Bremsen (Familie Tabanidae)
– Augen- oder Gesichtsfliege (Musca Autumnalis)
– Kopf- und Euterfliegen (Hydrotaea pp.)
– kleine Weidestechfliege (Haematobia irritans),
– Große Wendestechfliege (Haematobia stimulans)

Die adulten Fliegen legen die Eier hauptsächlich in feuchtes, warmes, organisches Material, z.B. Mist, Schwimmschicht der Gülle, Futterreste etc. ab. Je höher die Temperaturen, desto schneller entwickeln sich die Larven vom Ei über die Larve/Made, Puppe zur adulten Fliege. Erschreckenderweise sind nur 15 % der gesamten Fliegenpopulation als erwachsene Fliege für den Menschen sichtbar, d.h. der Rest der Population befindet sich irgendwo im Stall und entwickelt sich gerade zur erwachsenen Fliege! Aufgrund des kurzen Entwicklungszyklus explodiert die Population in den Sommermonaten (Juli-August).

Vorbeugen/Hygiene
Leider gibt es zur Fliegenbekämpfung kein Mittel, mit dem das Problem sofort von Tisch ist, stattdessen müssen viele Maßnahmen konsequent genutzt werden, um die Population so gering wie möglich zu halten. Die erste und wichtigste Maßnahme ist auf die Hygiene im Stall zu achten. Am besten im Frühjahr mit einem Frühjahrsputz im Stall beginnen und dabei mögliche Brutplätze aufspüren und beseitigen.

Übersicht der Brutplätze von Fliegen


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Interview: Das Mikrobiom beim Schwein: Schlüssel zu mehr Gesundheit?

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Der Darm ist ein Wunderwerk der Natur. Er ist nicht nur neben dem Magen das wichtigste Verdauungsorgan, auch 80 % aller Immunzellen des Gesamtorganismus sind im Darm lokalisiert. Die Darmoberfläche wird von vielen Bakterien besiedelt, dem Mikrobiom, das aus 500 bis 1.000 verschiedenen Spezies und Subspezies besteht. Erst in jüngster Zeit erkannten Forscher die wichtige Bedeutung des Mikrobioms auf die Gesundheit. Prof. Dr. Jürgen Zentek vom Institut für Tierernährung an der Freien Universität Berlin berichtet im Interview über die aktuellen Erkenntnisse hierzu beim Schwein.

Die intestinale Mikrobiota beeinflusst vor allem Entwicklung und Reifung des Immunsystems und dadurch die Leistung. Was ist eigentlich ihr Optimalzustand?
Das Immunsystem muss lernen, mit den Darmbakterien umzugehen, was z. B. auch Moleküle aus dem Futter einschließt, die über den Darm mit dem Immunsystem in Kontakt kommen, genauso wie pathogene Bakterien. Letztendlich entscheidend ist aber, dass sich eine Besiedlung ausbildet, die zum Alter des Tieres passt und mit dem Immunsystem positiv interagiert. Soweit wir es überblicken, ist der Optimalzustand noch nicht definierbar. Wir gehen davon aus, dass sich hier Effekte von Ernährung, Genetik, Haltung ganz stark auswirken. Wenn ich mal die Extreme Wildschwein und Hausschwein vergleiche, haben diese beiden eben auch völlig unterschiedliche Grundvoraussetzungen. Ansatzweise könnte man den Optimalzustand vielleicht als relativ hohe bakterielle Vielfalt definieren, die auch zur Ernährung passt. Denn die Mikrobiota füttern wir ja quasi mit und sie entwickelt sich auch in Abhängigkeit von der Ernährung. Da spielt der Fasergehalt eine Rolle, der Eiweißgehalt, die Kohlenhydrate – es ist relativ komplex. Geringe Durchsetzungsfähigkeit von Pathogenen und bakteriellen Toxinen wie Enterotoxinen gehört dazu und andererseits natürlich die Bildung günstiger Metaboliten wie kurzkettiger Fettsäuren.

Fangen wir bei Ferkel an: deren Mikrobiom verändert sich nach der Geburt täglich, ja fast schon stündlich. Was passiert da im Einzelnen?
Ferkel kommen eben mit einem nicht oder wenig besiedelten Verdauungstrakt zur Welt. Die erste Besiedelung kommt ja normalerweise durch die Infektion mit der Vaginalflora im Geburtskanal zustande. Nach der Geburt geht es dann sehr schnell und dynamisch. Das hängt ab von der Milchaufnahme und der Sau, vor allem über deren Kot und den Hautkontakt von Ferkel und Sau.

Wir haben uns gewundert, dass man etwa die Laktobazillen am Anfang so gut wie gar nicht findet, während andere wie z. B. Enterobakterien und Clostridien zu hohen Anteilen auftreten und sich dann aber auch wieder reduzieren. Wir haben in den ersten 14 Tagen eine sehr starke Dynamik, dann tritt eine gewisse Stabilisierung nach etwa fünf Wochen ein und darauf folgt eine kontinuierliche Entwicklung bis zur Schlachtung. Es kommt nicht zum Stillstand, nur die Veränderungen werden diskreter.

Läuft die Entwicklung bei allen Ferkeln immer gleich ab oder ist das stallspezifisch?
Wir finden gewisse Grundmuster, die Ähnlichkeiten aufweisen. Aktuell vergleichen wir Sauen und Ferkel verschiedener Betriebe und sehen dabei betriebsspezifische Unterschiede. Ob der Betrieb, die Genetik oder die Fütterung dahintersteckt, muss natürlich auch noch mal hinterfragt werden. Ein Grundmuster ist bei allen Unterschieden schon zu erkennen und die spannende Frage ist, wie das mit der Tiergesundheit verknüpft ist. Hierzu werten wir aktuell große Datenmengen aus und eine definitive Aussage wäre mir derzeit noch zu spekulativ.

Die Mikrobiota haben auf jeden Fall aber auch etwas mit Leistung zu tun. Es gibt französische Studien, die für spezielle mikrobielle Typen beim Schwein höhere Futtereffizienz und höhere Wachstumsrate zeigen. Woran das genau liegt, ist aber noch nicht bis ins Letzte untersucht.

Wann könnten dazu belastbare Ergebnisse vorliegen?
Mit den heutigen Sequenzierungsmethoden geht das relativ schnell, so dass wir innerhalb der nächsten fünf Jahre signifikante Fortschritte sehen werden.

Es gibt nicht nur Bakterien, sondern auch (ganz früh schon) Viren im Darm?


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