Antibiotika in der Nutztierhaltung – Forschungsprojekt VetCAb abgeschlossen

Wie das „Deutsche Tierärzteblatt“ in seiner August-Ausgabe berichtet, wurde nach insgesamt acht Jahren Forschung die dritte und letzte Phase von „VetCAb-Sentinel“ abgeschlossen. Insgesamt wurden 292.874 AuA-Belege (Arzneimittel-Anwendungs- und -Abgabedokumentation) aus Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltungen ausgewertet.

Geflügel
Beim Geflügel wurden nur Belege für Broiler, nicht Legehennen oder Puten, analysiert. Der Median der Therapiehäufigkeit sank demnach von 20,4 im 1. Halbjahr 2013 auf 12,6 im 2. Halbjahr 2020; insgesamt ein Minus von 38,2%. Auch bei den Wirkstoffgruppen zeigten sich deutliche Veränderungen. Zuwächsen bei Aminoglykosiden (+18%), Lincosaminen (+23,9%) stehen Einsparungen bei Polypeptiden (-13%), Fluorchinolonen (-11,4%), Makroliden (-7,4%) gegenüber; unter den Polypeptiden kommt Colistin immer noch am häufigsten zum Einsatz.

Bei den einzelnen Mastdurchgängen zeigten sich in der 1., 3. und 4. Mastwoche deutliche Höhepunkte beim Antibiotikaeinsatz: die Hälfte aller Behandlungen erfolgte innerhalb der ersten 7 Tage.

Schweine
In den verschiedenen Schweinehaltungen zeigten sich in allen Stufen deutliche Reduktionen beim Antibiotikaeinsatz. Der Median der Therapiehäufigkeit sank bei Ferkeln um -80% (von 4 auf 0,8), bei Sauen um -40% (von 1 auf 0,6), bei Läufern um -95% (von 7,4 auf 0,3) und bei Mastschweinen um -96% (von 2,5 auf 0,1). In all diesen Nutzungsrichtungen stieg die Therapiehäufigkeit mit zunehmender Betriebsgröße an und auch der behandelnde Tierarzt hatte signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Anwendungen.

Bei den Ferkeln kommen vor allem Beta-Laktame und Makrolide zum Einsatz., wobei letztere bis zum 2. Hj. 2020 mit einem Anteil von 34,3% deutlich zunahmen. Bei den Sauen haben Beta-Laktame und Tetrazykline die stärkste Bedeutung, bei den Läufern Beta-Laktame, Polypeptide und Tetrazykline und in der Mast Beta-Laktame, Tetrazykline und Makrolide.

Rinder
Bei den Milchkühen pendelte der Wert für die Therapiehäufigkeit über die Jahre um 2,0 und lag im 2. Hj. 2020 bei 1,7. Fluorchinolone und Cephalosporine kommen heute wesentlich seltener zum Einsatz, als zu Beginn der Erhebung. Beta-Laktame und Aminoglykoside erreichen heute einen Anteil von 74,6%. In der Rindermast kommen Antibiotika nur sporadisch und beim Einzeltier zum Einsatz; der Median liegt hier bei null.

In der Kälberaufzucht liegt der Medianwert über den gesamten Beobachtungszeitraum unter 1, im 2. Hj. 2020 bei 0,1. Für die Kälbermast wurden, abhängig vom Halbjahr, Medianwerte von 9,7 und 16,4 ermittelt.

Im Folgeprojekt VetAMUR (Veterinary Antimicrobial Usage and Resistance) sollen nun Zahlen zum Antibiotikaeinsatz mit Resistenzdaten verknüpft werden.

Quelle: Deutsches Tierärzteblatt

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