Mehr Fokus auf die Eisenversorgung

Von Andreas Rienhoff und Prof. Dr. Marc Boelhauve, FH Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft

Die Versorgung in den ersten Lebenstagen entscheidet beim Kalb darüber, wie gut sich die Aufzucht und die Gesundheitsentwicklung gestalten. Neben Kolostrumaufnahme und guten Haltungsbedingungen ist aber auch eine ausreichende Eisenversorgung wichtig. Doch Untersuchungen zeigen, dass es damit bei Kälbern nicht gut bestellt ist.

Die Empfehlungen zur Erstversorgung neugeborener Kälber haben sich in den Jahren verändert. So wird heute als erste Mahlzeit Kolostrum ad libitum oder zumindest die Gabe von mindestens drei Litern empfohlen. Dies sollte auch in den ersten 60 Minuten nach der Geburt erfolgen. Das Kolostrum sollte einwandfrei sein und somit von Tieren stammen, die ohne Symptome einer Euterentzündung in die Abkalbung gekommen sind. Dazu sollte der IgG-Gehalt hoch sein und die Gerätschaften mit Kolostrumkontakt gründlich gereinigt sein.

Auch wenn diese Empfehlungen vollständig umgesetzt werden, so kann das Kalb trotz guter Versorgung mit Immunglobulinen erkranken. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass im Kolostrum kaum Eisen enthalten ist. Zudem kommt das Kalb ohne relevante Eisenreserven zur Welt.

Funktion des Eisens
Eisen ist ein zentrales Element in der Immunabwehr höherer Säugetiere und nicht nur für die Hämoglobinbildung und somit der Sauerstoffversorgung zuständig. In der Schweinehaltung ist die zusätzliche Eisengabe als Standard etabliert, in der Kälberaufzucht hingegen (noch) nicht. Negative Folgen eines Eisenmangels sind u.a.:

  • Gestörte Blutbildung mit Beeinträchtigung der Immunabwehr
  • Eisen ist aktiv an der Antikörperproduktion und damit an der Abwehr von Infekten beteiligt.
  • Dadurch erhöhte Krankheitsanfälligkeit
  • Und damit korreliert geringere Tageszunahmen (Bostedt 2002).

Als untere Grenze wird für neugeborene Kälber am zweiten Lebenstag ein Eisengehalt im Blut von 20 µmol/l in der Literatur angegeben. In eigenen Untersuchungen an Kälbern, die in sieben Betrieben mit den Hoftierärzten zusammen durchgeführt wurden, zeigte sich, dass im Durchschnitt alle Kälber unter dieser Schwelle lagen. Teilweise hatten diese nur 1/6 des minimal empfohlenen Eisengehaltes im Blut. Ca. ein Drittel der Kälber war ausreichend mit Eisen versorgt, die anderen hatten einen leichten bzw. schweren Eisenmangel. Diese Daten decken sich mit anderen Untersuchungen (Bostedt 2002 und Hofgut Neumühle 2011). Dies bedeutet aber auch, dass das Wissen um eine bessere Kälberentwicklung und somit den Aufbau einer besseren Milchkuhpopulation bereits seit vielen Jahren bekannt ist und noch nicht Einzug in die Praxis gehalten hat. Warum dies so ist, kann nur vermutet werden. Aussagen von Milchviehhaltern diesbezüglich sind vor allem, dass die Mangelversorgung mit Eisen den Kälbern nicht angesehen wird und normalerweise keine Blutuntersuchungen in den Betrieben durchgeführt werden, um diesen Mangel aufzuzeigen. Die weiteren Auswirkungen (z.B. Infektanfälligkeit, geringere Tageszunahmen) werden nicht einer mangelnden Eisenversorgung zugerechnet. Diese Daten belegen, dass Kälber meist mit einer Blutarmut, in diesem Fall einer Anämie (Mangel an Erythrozyten und somit Hämoglobin), auf die Welt kommen. Unterversorgt mit Kolostrum war in der Untersuchung an der FH Südwestfalen keines dieser Kälber, d.h. alle Tiere wurden relativ zügig nach der Geburt versorgt – die meisten sogar ad libitum. Dies bedeutet ferner, dass die Kälber zu wenig Eisen durch das Kolostrum erhalten.

Untersuchungen zeigen, dass das Kolostrum und die nachfolgende Vollmilch einen zu geringen Eisengehalt (0,5 mg/l) haben, um das Kalb entsprechend zu versorgen. Der Tagesbedarf liegt anfangs bei ca. 100 mg pro Kalb. Über das Kolostrum bzw. die anschließende Vollmilch können bei einer Aufnahme von ca. 6 Liter pro Tag ca. 3 mg Eisen zugeführt werden, also viel zu wenig.

Eisen fördert Zellwachstum
In Milchaustauschern sind mindestens 30 mg/kg Eisen pro Liter supplementiert enthalten (wenn richtig angemischt) – dies ist die vorgeschriebene untere Grenze der Eisenbeimischung. Optimal ist ein Eisengehalt von mindestens 100 mg/kg im MAT. Pflanzenbestandteile sind ebenfalls gute Eisenquellen, wenn auch mit starken Gehaltsschwankungen, dies kann in den ersten 14 Tagen den Kälbern nicht helfen, sondern erst im fortgeschrittenen Alter.

Die zusätzliche Eisengabe über MAT ist aber nur dafür gedacht, den täglichen Bedarf, durch z.B. Neubildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), auszugleichen. Der Milchaustauscher füllt nicht das Defizit der ersten mit Eisen unterversorgten Tage auf. Das Kalb ist also weiterhin nur unzureichend geschützt, da die Immunabwehr (noch) nicht solide ausgestattet werden kann. Zudem ist das Wachstum der Tiere weiterhin eingeschränkt.

In obiger Untersuchung zeigten sich bei der Betrachtung der 14-Tage-Leistung aller beobachteten Kälber, dass in der Gruppe der Kälber, die mit dem Kolostrum eine zusätzliche Eisengabe erhalten haben, folgende Effekte auftraten:


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