Dem Bienensterben mit energieautarken Sensoren auf der Spur

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Bienen liefern uns Menschen nicht nur Honig, sondern sind dank der Bestäubung von Kräutern, Sträuchern und Bäumen maßgeblich für den Artenerhalt verantwortlich. Dadurch erwirtschaften sie in Deutschland circa 1,6 Milliarden Euro für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion*. Um Honigbienen unter die Flügel zu greifen und das Umwelt- und Landwirtschafts-Monitoring sowie die Forschung zur Bienengesundheit voranzutreiben, sollen sie im Rahmen eines Forschungsprojekts nun mit miniaturisierten, integrierten Sensorsystemen ausgestattet werden.

Imkern liegt im Trend und das nicht nur im dörflichen, sondern auch im städtischen Umfeld. Neben den Honig produzierenden Völkern sind vor allem die Wildbienen eine große Unterstützung bei der für die Landwirtschaft bedeutsamen Bestäubungsleistung durch Insekten. Aus diesem Grund haben die zuletzt steigenden Sterbezahlen von diversen Wildbienenarten weltweit in diversen Regionen für Aufregung gesorgt. Betrachtet man den großen Verbreitungsgrad von Bienen, ihre Bedeutung für die Agrarwirtschaft und den allgemeinen Wissensstand über dieses Insekt, ist es überraschend, dass die Ursachen für das Bienensterben noch weitestgehend unerforscht sind. Die Belastung durch Pathogene, aber auch Umweltgifte, die die Insekten aus der Luft, dem Wasser und von Pflanzen aufnehmen, wurde bislang nur für ganze Bienenvölker anhand der Volksdynamik und der Honigleistung bestimmt. Um besser zu verstehen, welche Umweltfaktoren für die Gesundheit von Bienenvölkern entscheidend sind, ist es notwendig, sowohl die Entwicklung ganzer Bienenvölker als auch die von Einzeltieren zu untersuchen.

Aus diesem Grund ist das Ziel des Projektes Sens4Bee mithilfe verschiedener RFID-basierter Sensoren in Bienenstöcken und an Einzeltieren genügend Daten zu erheben, um das Bienenwohl in Verbindung mit Umweltereignissen und Umweltparametern analysieren zu können. Zu diesem Zweck entwickelt die Firma Micro-Sensys GmbH ein Sensorsystem zur Erfassung von Temperatur, Feuchtigkeit, Vibration und akustischen Signalen im Bienenstock. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ verarbeitet die gesammelten Daten und analysiert deren Bedeutung für den Gesundheitszustand der Bienenvölker.

Zudem entwickelt das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM zusammen mit der Micro-Sensys GmbH Sensoren, die eine neue Mikrobatterie-Technologie und Micro Energy Harvesting in einem System verbinden. An Bienen angebracht dienen diese Sensoren der Bestimmung von Temperatur, Helligkeit und Flugbewegung. Die gesammelten Daten werden im Anschluss in einer intelligenten Cloud-Lösung mit Analysetools bearbeitet und dargestellt. Um die gewonnenen Daten für praktische Managementoptionen in der Imkerei zur Verfügung zu stellen, liegt ein weiterer Schwerpunkt des Projektes auf einer smarten Verarbeitung, welche die Imkernden mit konkreten Handlungsempfehlungen versorgt. Für die angewandte Forschung werden die individuell erfassten Einzeltier- und Bienenstockdaten mit Umweltereignissen verknüpft, um beispielsweise die Bewertung von Umweltchemikalien zu verbessern.

Des Weiteren entwickelt das Fraunhofer IZM mittels Silizium-Technologie eine extrem kleine Lithiumbatterie und ein Solarmodul. Diese werden von der Firma Micro-Sensys GmbH mit kleinsten Sensor-Transpondern und Sensor-Datenloggern mit RFID-Schnittstelle in ein so kleines und leichtes Modul integriert, dass es von Bienen auf dem Rücken getragen werden kann. Das Gesamtgewicht liegt zwischen zwei und zehn Milligramm und wird mittels eines biokompatiblen Klebers direkt in der ersten Entwicklungsphase der Bienen auf tierfreundliche Weise angebracht. Die Erfahrungen mit den bisher verwendeten passiven RFID-Chips haben gezeigt, dass Elektronikbauteile dieser Größenordnung das Verhalten der Bienen nicht beeinträchtigen oder verändern.

Mit der Silizium-Wafer-Level-Technologie können Hunderte von kleinsten Batterien gleichzeitig auf einem Substrat hergestellt werden. Im Gegensatz zu bisher üblichen Knopfzellen mit Metallgehäusen wird das sehr viel leichtere Silizium als Gehäusematerial verwendet. Das Ziel der Forschenden ist dabei, das System über die Flugdauer der Biene mit der Energie der Batterie zu versorgen. Die Aufladung erfolgt während der Flugphase durch Tageslicht. Im Bienenstock wird die Batterie mittels Infrarotlicht aufgeladen.

Seit dem Projektstart vor wenigen Monaten liegt der Fokus klar auf der technischen Entwicklung einer integrativen Lösung für Bienenstöcke, einer individuellen Sensorik sowie auf der automatisierten Auswertung, welche den Imkernden ein leicht zu bedienendes Werkzeug zur Verfügung stellen wird. Über diesen praktisch-orientierten Kundenkreis hinaus ist davon auszugehen, dass auch weitere Bienen- und Umweltinstitute sowie nationale und internationale Forschungsverbünde gewonnen werden können.

Neben dem Fraunhofer IZM und der Firma Micro-Sensys GmbH sind das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, das Institut für Bienenforschung am Julius Kühn-Institut, die Heinrich Holtermann KG und der Deutsche Imkerbund e. V. an dem Projekt beteiligt. Das Projekt Sens4Bee wird mit einer Laufzeit von drei Jahren mit einem Volumen von 1,1 Millionen Euro gefördert. Aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages erfolgt die Förderung des Vorhabens aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hält die Projektträgerschaft im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung. Der Projektantrag wurde im Rahmen der „Richtlinie über die Förderung von Forschungsvorhaben zum Schutz von Bienen und weiteren Bestäuberinsekten in der Agrarlandschaft“ des BMLE eingereicht.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM

„Preis der Tiergesundheit 2020/21“: Die Gewinner stehen fest

• Eine unabhängige Expertenjury hat unter allen Bewerbern die Gewinner des „Preis der Tiergesundheit“ gewählt
• Die Siegerbetriebe kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen
• Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt bei der virtuellen Preisverleihung am 29. Mai

Haar bei München, 20. Mai 2021 – Die Gewinner des diesjährigen “Preis der Tiergesundheit” stehen fest. Nach sorgfältiger Prüfung der 88 Bewerbungen über alle drei Kategorien hinweg sowie Vor-Ort-Besichtigungen der Betriebe, hat die unabhängige Fach-Jury ihre Entscheidung getroffen. Ausschlaggebend für die Chance auf einen der drei Spitzenplätze waren dabei ein überdurchschnittliches Engagement der Landwirte für ihre Tiere und innovative Tiergesundheitskonzepte gekoppelt mit umfangreicher Fortbildung und Mitarbeiterschulung. Alle Spitzenbetriebe, welche in die engere Auswahl gekommen waren und von einem Jurymitglied besucht wurden, zeichneten sich durch ein exzellentes Niveau aus. Letztendlich entschieden nur Nuancen über die Platzierungen. Dieses Mal gab es erstmals die Möglichkeit, Ideen und Konzepte in den drei Kategorien „Innovatives Saugferkelmanagement“, „Eutergesundheit“ und „Rindermast“ einzureichen.

Welche Gewinnerbetriebe sich in diesem Jahr über die Auszeichnung freuen können, ist noch streng geheim. Die insgesamt neun Betriebe aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Alle Betriebe zeigen mit ihren Maßnahmen, wie sich schon mit kleinen Innovationen im Umgang mit den Tieren oder in den Bereichen Stallbau, Hygiene und Gesundheitsvorsorge ein Mehr an Tierwohl und Tiergesundheit erreichen lässt. „Bei den Siegerbetrieben beeindruckt das hohe persönliche Engagement der Menschen, die hinter den einzelnen Innovationen stehen. Die stetige Suche nach den bestmöglichen Optimierungen in Haltung und Management zugunsten der Tiere charakterisiert alle Siegerbetriebe.“, so Jurymitglied Prof. Dr. Nicole Kemper von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Die offizielle Bekanntgabe der Gewinner erfolgt bei der feierlichen Preisverleihung am 29. Mai 2021, welche virtuell stattfinden wird. Die drei ersten Plätze dürfen sich dann neben der Auszeichnung auch über ein zweckgebundenes Preisgeld in Höhe von bis zu 12.000,00 Euro für ihre nächsten Tiergesundheitsprojekte freuen.

Bereits zum zweiten Mal werden mit dem “Preis der Tiergesundheit” Landwirtschaftsbetriebe geehrt, die sich mit innovativen Haltungs- und Gesundheitskonzepten nachhaltig für den Bereich Tiergesundheit engagieren. Mit der Auszeichnung will MSD Tiergesundheit langfristig eine höhere Aufmerksamkeit für das Thema Tiergesundheit in der Landwirtschaft erreichen, den Erfahrungsaustausch unter Landwirten in Deutschland und Österreich fördern und gleichzeitig dem Verbraucher die Landwirtschaft wieder näherbringen.

Mehr Informationen zum „Preis der Tiergesundheit“ erhalten Sie unter www.preisdertiergesundheit.com.

Ohne Tiergesundheit keine nachhaltige Lebensmittelproduktion

Gesunde Tiere sind unerlässlich für eine nachhaltige, ressourcenschonende und zukunftsorientierte Nutztierhaltung und Lebensmittelgewinnung. Wie man dies erreichen und dabei alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – zu einem ausgewogenen Ansatz zusammenführen kann, um eine vitale und wettbewerbsfähige Tierproduktion zu realisieren, das diskutierte der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) mit Wissenschaft und Politik auf seiner Frühjahrstagung. Konsens bestand, dass die Prävention ein Schlüsselfaktor für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion ist. Die Politik steht vor der Herausforderung, mit innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen die weitere Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit jetzt auf den Weg zu bringen. Die Leistungen von Landwirten und Tierärzten im Tiergesundheitsmanagement seien sowohl monetär als auch durch gesellschaftliche Anerkennung zu honorieren. Staat und Gesellschaft müssten die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung durch Förderprogramme für notwendige langfristige Investitionen unterstützen.

Einen ausgewogenen, alle Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigenden Ansatz für die gesamte Lebensmittelkette habe die Europäische Union mit dem Green Deal und der Farm-to-Fork Strategie vorgelegt, betonte der CDU-Europaabgeordnete Norbert Lins. Für den Vorsitzenden des Agrarausschusses im Europaparlament steht dabei ein weiter reduzierter und zielgenauer Antibiotikaeinsatz ebenso im Fokus, wie bessere Haltungsbedingungen, lokalere Transportketten und transparente Verbraucherinformationen. Mehr Tiergesundheit und mehr Tierschutz/- wohl greifen ineinander und wirken auf die Qualität der Lebensmittel.

Ökonomie und Ökologie sind kein Gegensatz
Ökonomie und Ökologie sind in der Nutztierhaltung keineswegs ein Gegensatz. Das arbeitete Professorin Dr. Nicole Kemper vom Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) heraus. Sie legte den Fokus auf eine Kombination verschiedenster präventiver Maßnahmen: Auf medizinische Interventionen – Stichwort Impfungen und Alternativen zum Antibiotikaeinsatz. Auf veränderte, an natürliche Verhaltensweisen der Tiere ausgerichtete, tiergerechte Haltungsumgebungen. Und auf Fütterung, Zucht sowie den Ausbau der Fachkompetenz der Tierhalter im Management. Mit Studien belegte sie, dass derart gesund gehaltene Nutztiere sowohl umweltschonender als auch produktiver sind.

Digitale Transformation in das Agrarsystem der Zukunft
Einen Blick auf Agrarsysteme der Zukunft zwischen „Alternative Meat“ und „Digital Farming“ warf Professorin Dr. Stefanie Bröring. An der Universität Bonn hat sie den Lehrstuhl für Technologie-, Innovationsmanagement und Entrepreneurship inne. Die mit Verweis auf Klimaschutz und veränderte gesellschaftliche Erwartungen oft vertretene These, dass Cultured Meat (Laborfleisch) und pflanzliche Alternativen die Nutztierhaltung verdrängen, mochte sie nicht teilen. Bei weltweit stark wachsender Proteinnachfrage verliere die konventionelle Fleischerzeugung zwar deutliche Marktanteile – Prognosen sehen sie bis 2040 unter 50 Prozent –, sie behalte aber ihre ‚Licence to Produce‘, auch weil sie sich wandele. Weit größeres Veränderungspotential sieht Bröring auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit in der Digitalisierung. Weltweit würden Milliardenbeträge in datengetriebene, autonome landwirtschaftliche Systeme investiert. Neue Plattformmodelle, ‚Smart Animalfarming‘ und ‚Predictive Analytics‘ hätten disruptives Potential für bestehende Strukturen und Geschäftsbeziehungen. Die Nutzung solcher Systeme verlange jedenfalls ganz neues Wissen und Veränderungsbereitschaft von allen Beteiligten.

Neue Rolle für Tierärzte
„Tierärzte haben die Aufgabe, hier neue Kompetenzen zu erwerben“, stimmte Dr. Joachim Lübbo Kleen zu. Der Tierarzt mit einem Schwerpunkt auf der Bestandsbetreuung von Milchviehhaltungen, sieht sich und seine Berufskollegen in verschiedensten Rollen, etwa als technischer Dienstleister, Lieferant und Berater. Um Ansprechpartner für die Landwirte zu bleiben, müssten Veterinäre ein Verständnis von Daten, von Kommunikation und ökonomischen Betriebsabläufen haben.

Schlüsselfaktor Prävention
Konsens in der Podiumsdiskussion war: Ein nachhaltiges Lebensmittelsystem – fair, gesund und umweltfreundlich – ist nur mit gesunden Tieren möglich. Prävention wird dabei zum Schlüsselfaktor. Der BfT-Vorsitzende Jörg Hannemann betonte, dazu müsste Forschung und Entwicklung im Sektor gefördert werden. Und es gelte, eine Akzeptanz für neue Technologien – auch der digitalen Optionen – zu schaffen. Alle Beteiligten sahen die Politik vor der Herausforderung, mit innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen und langfristigen Investitionen die weitere Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit jetzt auf den Weg zu bringen – und dabei auch eine gewisse Geschwindigkeit an den Tag zu legen. Staat und Gesellschaft müssten die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung durch Förderprogramme für notwendige langfristige Investitionen unterstützen. Die Leistungen von Landwirten und Tierärzten für ein umfassendes Tiergesundheitsmanagement seien aber nicht nur finanziell, sondern auch durchgesellschaftliche Anerkennung zu honorieren.

Gitta Connemann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion warnte vor nationalen Alleingängen mit überzogener Regulierung. Deutschland könne Impulsgeber sein, „aber in Absprache mit denen, die es dann leisten müssen“. Sie mahnte dabei mehr Fairness und Ehrlichkeit im Umgang mit Zielkonflikten an. „Die nachhaltigste Lebensmittelproduktion findet in Deutschland statt. Es ist am Ende kein nachhaltiges Ergebnis, wenn der Tierbestand hierzulande sinkt und andernorts steige – und das bei niedrigeren Standards!“, betonte Connemann.

Für Dr. Ophelia Nick, Tierärztin und Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft für Landwirtschaft von Bündnis 90/Die Grünen, sei Tierhaltung für eine Kreislaufwirtschaft zwar nicht wegzudenken, aber mit Blick auf den Klimaschutz nicht mehr in der jetzigen Größenordnung vertretbar. Sie sehe eine Aufgabe der Politik darin, den Strukturwandel ein Stück weit einzudämmen und bäuerliche Betriebe zu erhalten. „Wir müssen schnell Geld in die Hand nehmen, um in der Transformation der Haltungsbedingungen in großen Schritten voranzukommen.“ Um eine nachhaltige Landwirtschaft von der auch Landwirte profitieren, zu entwickeln, sei es wichtig nicht im Schwarz/Weiß Denken zu verharren, sondern einen gemeinsamen Weg zu finden.

Mit den Vorschlägen des Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltungsstrategie gebe es einen konsensfähigen Weg zum Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung, sagte Prof. Dr. Dr. Markus Schick. Er leitet im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) die Abteilung Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit. Ob man den durch Machbarkeitsstudie und Folgenabschätzung untermauerten notwendigen Finanzbedarf von jährlich rund drei Milliarden Euro über eine Mehrwertsteuererhöhung, eine Verbrauchsteuer oder eine Abgabe decke, sei jetzt eine Entscheidung der Politik.

Philipp Schulze Esking, Vizepräsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, selbst Halter von 7.000 Schweinen, sieht sich und seine Berufskollegen in einem Dilemma. Wenn eine wohlhabende Gesellschaft Veränderungen von den Tierhaltern einfordere, es aber nicht schaffe, diese an der Ladentheke auch zu bezahlen, dann müsse sie über Transferleistung sicherstellen, dass die Produktion im Land aufrechterhalten werden könne. Diese könne dann auch deutlich nachhaltiger sein. Und das wäre im Gegensatz zu Importware auch deutlich besser zu gewährleisten und zu kontrollieren. Man dürfe sich aber keine Illusionen machen, wenn die Zahl der Nutztierhalter und der Nutztiere zurückgehe, veränderten sich auch die Strukturen.

Quelle: BfT

Weltbienentag erinnert an Bedeutung von Bestäuberinsekten

Am 20. Mai ist Weltbienentag. Zwar vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über die Bedeutung von Bienen für eine intakte Umwelt und für uns Menschen in den Medien berichtet wird. Dennoch sind mittlerweile viele Bienenarten, insbesondere Wildbienen, bedroht. Aktionstage wie der Weltbienentag können deshalb dabei helfen, noch stärker auf die Gefährdungen, denen diese wichtigen Insekten ausgesetzt sind, hinzuweisen und Wege zu zeigen, wie jeder einzelne von uns etwas dagegen tun kann.

Bienen bestäuben Wild- und Kulturpflanzen. Sie sichern dadurch nicht nur einen Großteil unserer Nahrungsmittel, sondern erhalten als wichtiger Teil des Ökosystems die Naturvielfalt und sind sensibler Umweltindikator. Nach dem Prinzip des Gebens und Nehmens bedeutet das: Wenn Bienen auch weiterhin die wichtigen Bestäubungsdienste erfüllen sollen, so muss der Mensch ihnen helfen.

Weit verbreitet ist die Annahme, dass vom sogenannten Bienensterben die Honigbiene betroffen ist. „Das ist nur bedingt richtig,“ betont der Geschäftsführer des Deutschen Imkerbundes e.V. (D.I.B.), Olaf Lück. „Die fachgerechte Betreuung durch Imkerinnen und Imker macht es möglich, Gefahren für unsere Bienenvölker frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das heißt jedoch nicht, dass die Situation einfach ist. Denn die Gesundheit von Honigbienen ist gefährdet. Gründe dafür sind: Parasiten, wie die Varroamilbe, Viren, ein unzureichendes oder einseitiges Nahrungsangebot, der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und weitere Umweltgifte. Diese negativen Einflussfaktoren werden durch die zunehmenden klimatischen Veränderungen noch weiter verstärkt.“

Insbesondere auf das Problem Klimawandel weist der D.I.B. in einem neuen Informationsflyer hin. Dieses Thema soll auch am Weltbienentag sowie dem Tag der deutschen Imkerei, der am ersten Juli-Wochenende 2021 bundesweit unter dem Motto „Wir imkern bienenfreundlich für Natur und Klima“ stattfinden wird, im Mittelpunkt stehen.

Die stetige Temperaturzunahme, Hitze-Kälte-Extreme, die Abnahme der Jahresniederschlagsmenge und die Gefahr von großflächigen Stürmen und Starkregen beeinflussen das Leben von Honig- und Wildbienen beträchtlich. Die Verlängerung der Vegetationsperiode führt zum Beispiel zu deutlichen Veränderungen in der zeitlichen Entwicklung von Pflanzen.

Das spüren insbesondere die auf bestimmte Pflanzenarten angewiesenen Wildbienenspezies, die durch die fehlende zeitliche Synchronisation von Biene und Pflanze existenziell bedroht sind. Zudem ist die Nektarproduktion von Pflanzen auf Feuchtigkeit angewiesen. Die fortschreitenden Trockenperioden führen zum Ausbleiben von Nahrungsquellen für Blüten besuchende Insekten. Umgekehrt ermöglichen ausbleibende Frostphasen es den Bienen, sehr lange Nektar und Pollen zu sammeln. Dies führt aber zur Schwächung der sogenannten Winterbienen.

Und bei einem sehr zeitigen Vegetationsbeginn im Frühjahr ist die Volksentwicklung noch nicht genug vorangeschritten, dass die Bienen Nektar und Pollen ausreichend nutzen können. Und letztendlich führt die Temperaturerhöhung auch zur Einwanderung neuer Bienenfeinde, wie dem Kleinen Beutenkäfer oder der Asiatischen Hornisse.

„Honigbienen sind zwar wahre Anpassungskünstler, aber im schlimmsten Fall können Völker zusammenbrechen,“ mahnt Lück. Das haben die Ergebnisse einer Online-Umfrage zu den Verlusten an Bienenvölkern im Winter 2020/2021 wieder bestätigt, die vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen Anfang Mai veröffentlicht wurden.

An der Umfrage beteiligten sich fast 14.000 Imkereien. Danach starben im letzten Winter rund 14 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland. Etwas mehr als die Hälfte aller meldenden Imker mussten Verluste in unterschiedlichem Umfang verkraften. Auf der Basis der vorliegenden Informationen waren die Verluste in Sachsen-Anhalt mit 21 Prozent am höchsten, während die Imker aus Niedersachen die geringste Verlustquote mit 8,1 Prozent übermittelten. Auf die Gesamtpopulation in Deutschland hochgerechnet, starben rund 170.000 Bienenvölker, neben dem wirtschaftlichen Schaden für die betreffenden Imkereien insbesondere auch ein Umweltschaden. Denn die Völker müssen im Frühjahr durch Vermehrung mühsam neu aufgebaut werden und fehlen für die Bestäubung an Kultur- und Wildpflanzen. Die Ergebnisse der einzelnen Regionen wurden hier veröffentlicht. Detailauswertungen zu möglichen Einflüssen laufen derzeit noch.

Umso wichtiger ist es dem D.I.B., immer wieder darauf hinzuweisen, dass Bienenhaltung, die seit nunmehr 14 Jahren immer mehr Menschen begeistert, nur mit fundierten Kenntnissen betrieben werden sollte. Das benötigte Fachwissen erhalten Interessierte nur in Schulungen, die neben der Theorie vor allem die Praxis vermitteln. Das ist in Zeiten der Corona-Pandemie eine Herausforderung für den Verband, merkt Olaf Lück an: „Auf die Bienen hat die Pandemie weder positive noch negative Auswirkungen. Sorgen bereiten eher die durch Corona fehlenden Präsenzschulungs-Angebote. Nach wie vor möchten viele Menschen Imker werden und nutzen diverse, wie Pilze aus dem Boden schießende Online-Angebote im Internet, die keinesfalls eine Praxisschulung in Präsenz ersetzen können. Auch die Arbeit der Imkervereine ist derzeit schwierig. Vielen bricht das finanzielle Fundament weg, dass durch Schulungen erwirtschaftet wurde. Außerdem fehlt der regelmäßige fachliche und soziale Austausch zwischen den Vereinsmitgliedern.“

Den Weltbienentag will der Deutsche Imkerbund auch dafür nutzen, um darauf hinzuweisen, dass insbesondere Wildbienenarten stark gefährdet sind. Nahrungs- und Habitatmangel, Flächenversiegelung, Lichtverschmutzung und der Verlust der floralen Artenvielfalt gefährden Blüten besuchende Insekten im erheblichen Maß. In Deutschland stehen bereits 300 Wildbienenarten auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.
Um diesen zu helfen, muss man allerdings kein Imker werden.

Lück sagt: „Seit kurzem nimmt, angeheizt insbesondere durch Naturschutzorganisationen, die Diskussion um die Nahrungskonkurrenz von Honig- und Wildbienen zu. Diese gäbe es nicht, wenn die Lebens- und Nahrungsbedingungen für alle Blüten besuchende Insekten stimmen würden. Solche Diskussionen sind wenig konstruktiv. Deshalb setzen wir uns in erster Linie für eine Verbesserung der Situation ein. Es müssen vielfältige Lebensräume geschaffen werden. Die ständige Zunahme von Trendbienenhaltern ist nicht zielführend.“

Zur Verbesserung der Lebens- und Nahrungsbedingungen gibt es mittlerweile viele konkrete Vorschläge und beispielgebende Initiativen, sowohl für Landwirte als auch für Kommunen und die Bevölkerung. „Hier ist ein Umdenken sowohl in der Landwirtschaft, aber auch in der Bevölkerung wichtig und langsam spürbar“, bilanziert Lück.

Helfen würde meist bereits ein kritischer Blick ins eigene Lebensumfeld und die Frage: Ist dieses bienenfreundlich gestaltet? Denn immer mehr Gärten verwandeln sich in Stein- oder grüne Wüsten, in welchen Insekten weder Nistmöglichkeiten noch Futter finden. Mit einem blütenreichen, bienenfreundlichen Angebot im Garten oder auf dem Balkon vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst kann jeder zur Verbesserung der Lebens- und Nahrungsbedingungen von Blütenbestäubern beitragen. Auch der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und das Schaffen von Nisthilfen für Wildbienen sind wichtig. Das Anlegen einer regional angepassten Blühwiese anstatt eines englischen Rasens und das Aufstellen einer Wassertränke unterstützen ebenfalls die wichtigen kleinen Tiere.

Die Entscheidung verschiedener Kommunen, private Steingärten zu verbieten und öffentliche Flächen bienenfreundlich umzugestalten sowie die kommunale Grünflächenbewirtschaftung im ökologischen Sinne zu verbessern, findet der Verband beispielgebend.

Viele meinen noch immer, ein bienenfreundlicher Garten sei mit großem Aufwand verbunden, reflektiert Lück: „Am Weltbienentag sollten wir mit diesem Vorurteil aufräumen. Der D.I.B. hat auf seiner Homepage umfangreiches Informationsmaterial und nützliche Links veröffentlicht, um hier mit guten Ideen und Praxisempfehlungen zu unterstützen.“

Auch in diesem Jahr unterstützt der Verband wieder die Aktion „Bienen füttern“, zu der das Bundeslandwirtschaftsministerium jährlich aufruft. Teil der Aktion ist ein Pflanzenlexikon, in dem Bürgerinnen und Bürger erfahren, welche Pflanzen besonders für Bienen geeignet sind.

Hintergrund
Der Deutsche Imkerbund e.V. vertritt als Dachorganisation die Interessen von über 130.000 Imkern seiner 19 Mitgliedsverbände und ist damit der größte europäische Zusammenschluss. Zweck des Deutschen Imkerbundes e.V. ist es, die Bienenhaltung zu fördern und zu verbreiten, damit durch die Bestäubungstätigkeit der Honigbiene an Wild- und Kulturpflanzen eine artenreiche Natur erhalten bleibt. Zum Schutz aller Blüten besuchenden Insekten wirkt der Deutsche Imkerbund e.V. im Naturschutz und in der Landschaftspflege mit.

Gemeinsam leisten unsere Imkereien, die ganz überwiegend in der Freizeit rund 900.000 Bienenvölker betreuen, einen unverzichtbaren Beitrag für eine reichhaltige und intakte Umwelt durch die Sicherung der Bestäubung mit einem volkswirtschaftlichen Nutzen von rd. 3 Mrd. Euro jährlich.

Die enge Verflechtung von Naturschutz und der Wahrung imkerlicher Interessen schafft zugleich die Voraussetzungen für unverfälschte und hochwertige Bienenerzeugnisse. Der Deutsche Imkerbund e.V. wahrt für seine Mitglieder als Markeninhaber die Schutzrechte und besonderen Qualitätsanforderungen der seit 1925 patentierten Kollektivmarke *Echter Deutscher Honig* als Warenzeichen für Honig aus heimischen Regionen.

Quelle: Deutsche Imkerbund

Geflügelpest: Landwirtschaftsministerium hebt Aufstallungspflicht für Hausgeflügel in NRW auf

Ministerin Ursula Heinen-Esser: Die Zahl der infizierten Wildvögel ist erfreulicherweise stark rückläufig, für eine vollständige Entwarnung ist es noch zu früh

Das Landwirtschaftsministerium hebt die im April angeordnete Aufstallungspflicht für Hausgeflügel auf. Für die Geflügelhalter in den betroffenen Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold und Münster bedeutet dies, dass sie seit Montag (17. Mai 2021) ihre Tiere wieder draußen halten dürfen. „Auch wenn die Zahl der mit der Wildvogelpest infizierten Tiere erfreulicherweise weiterhin stark rückläufig ist, ist es für eine vollständige Entwarnung noch zu früh“, sagte Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser und betonte:
Biosicherheitsmaßnahmen zum Schutz unserer Hausgeflügelbestände sind weiterhin zwingend zu beachten. Bei der Freilandhaltung von Geflügel ist sicherzustellen, dass Wildvögel keinen Zugang zu Futter- oder Wasserquellen des Hausgeflügels bekommen können, um Kontakte zu Wildvögeln so weit wie möglich zu verhindern.“

Seit dem 15. April 2021 ist in den nordrhein-westfälischen Hausgeflügelhaltungen kein Fall von Geflügelgrippe mehr aufgetreten. Auch bei Wildvögeln in Nordrhein-Westfalen wird das Virus nur noch sporadisch nachgewiesen. Das Friedrich-Loeffler-Institut hat in seiner Risikoeinschätzung vom 26. April 2021 das Risiko der Ausbreitung der Infektion in Wasservogelpopulationen ebenso wie die Gefahr des Eintrags in Geflügelhaltungen und Vogelbestände als mäßig herabgestuft. Gründe sind steigende Außentemperaturen und der fortgesetzte Rückzug von Wildvögeln in die nördlichen Brutgebiete. Die Aufstallungsanordnung galt nach einem Erstausbruch der hochpathogenen Geflügelpest im Kreis Gütersloh ab dem 2. März 2021 zunächst für den Regierungsbezirk Detmold. Aufgrund weiterer Ausbrüche im westfälischen Raum wurde am 25. März 2021 auch in den Regierungsbezirken Münster und Arnsberg die Stallpflicht für Hausgeflügel angeordnet. Seit dem 3. März war die Geflügelpest in insgesamt 13 nordrhein-westfälischen Betrieben ausgebrochen. Zusätzlich wurde das Virus seit November 2020 bei 29 Wildtieren nachgewiesen. Mitte April 2021 sind im Kreis Coesfeld und Anfang Mai 2021 im Kreis Wesel noch vereinzelte Fälle unter Wildvögeln aufgetreten.

Bürgerinnen und Bürger sind daher weiterhin aufgerufen, Funde von verendeten wildlebenden Wasservögeln oder Greifvögeln dem Veterinäramt des jeweiligen Landkreises bzw. der kreisfreien Stadt zu melden. Von dort aus wird das Einsammeln und Beproben der Tiere organisiert. Verendete oder krank erscheinende Tiere sollen nicht berührt, eingesammelt oder selbst vom Fundort verbracht werden.

Weitere Informationen zum Thema „Geflügelpest“ beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Jetzt kostenfrei downloaden als PDF: Der Hoftierarzt 2/2021

Rinder: Einsparpotentiale bei Wurmbehandlungen
Schwimmschicht ade – Brottrunk in der Schweinemast
Neues zur Ödemkrankheit und zum Schwanzbeißen
Parasiten: Wenn bei Schafen und Ziegen der Wurm drin ist
Imkertipp: Bienenhaltung bitte nur mit Fachwissen
Fliegenbekämpfung: Jedes Frühjahr wieder oder geht es auch anders?
und
umfangreicher Schwerpunkt Geflügel


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Geschlechtsbestimmung im Ei oder Zweinutzung – gibt es einen Königsweg? #Expertise2021

Auch wenn Verbraucher Zweinutzungshühner gerne favorisieren, sind diese doch wirtschaftlich keine Alternative. Sie legen 20% weniger (und kleinere) Eier, setzen weniger Fleisch (insbesondere an der Brust) an und schneiden auch unter ökologischen Gesichtspunkten schlechter ab, als spezialisierte Linien: ihr um 25% höherer Futterbedarf widerspricht schlicht jedem Nachhaltigkeitsdenken.

Prof. Dr. Rudolf Preisinger, der sich seit sage und schreibe 12 Jahren mit Techniken zur Geschlechtsbestimmung im Ei beschäftigt, beschrieb im Rahmen der „Expertise 2021“ den aktuellen Stand der Entwicklung.

Zwar gebe es aktuell 15 Forschungsprojekte weltweit, aber von einer marktreifen Lösung seien die allermeisten weit entfernt, führte der Chief Technical Officer der EW Group gleich zu Beginn aus. Marktreif seien derzeit nur die Verfahren von Seleggt In Ovo und PLANTegg, für die Legehennenhalter Preisaufschläge von € 4,00 (Seleggt), € 3,30 – € 4,00 (In Ovo) und € 4,00 – € 5,00 (PLANTegg) pro Henne bezahlen müssen. Die Hyperspektralanalyse als nicht-invasives Verfahren, verursache Mehrkosten pro Henne von € 1,10, sei aber ausschließlich bei Braunlegern anwendbar.

Bei der klassische Hahnenaufzucht bis zur 11. oder 12. Woche, müsse mit zusätzlichen € 3,50 gerechnet werden. Es bestehe also Kostengleichheit, weshalb zurzeit zahlreiche Legehennenhalter die Aufzucht der (Bruder-)Hähne favorisieren. Dies wurde in der jüngsten Vergangenheit begünstigt durch einen schwächeren Enten- und Broilermarkt, weswegen leere Ställe für die Junghähne vorhanden gewesen seien. Auch würden viele dieser Hähne im benachbarten Ausland, vor allem in Polen, aufgezogen und in spezialisierten Suppenhennen-Schlachtereien geschlachtet. Denn: Bei Fleischfülle und -beschaffenheit seien ihre Schlachtkörper denen von Suppenhennen sehr ähnlich.

Seleggt wird schon seit geraumer Zeit in Deutschland (für EDEKA) eingesetzt. Mit der Hyperspektralanalyse (Markenname CHEGGY) können heute sogar schon 20.000 Eier pro Stunde sortiert werden. Kosteneffizient und nicht-invasiv, aber eben nur bei Braunlegern, die allerdings auch 75% des EU-Marktes ausmachen. In Frankreich, Belgien, Spanien und Italien ist CHEGGY bereits im Einsatz und sogar bei LSL in Deutschland.

Aber: die Untersuchung per Hyperspektralanalyse funktioniert – ebenso wie Seleggt – erst ab dem 13. Bruttag und wäre damit über den 1. 1. 2024 hinaus in Deutschland nur dann gesetzeskonform, wenn vor der Tötung der Hahnenembryos eine Betäubung erfolgen würde. Ein entsprechendes Verfahren zur Elektrobetäubung des Embryos im Ei sei denn auch tatsächlich in der Entwicklung, aber noch nicht praxisreif, verreit Preisinger.

Mit dem Ramanspektroskopie-Verfahren der TU Dresden lassen sich Eier bereits am 5. Bruttag sortieren. Die Genauigkeit liege im Labormaßstab aber bislang noch unter 95%, sagte Referent; in wenigen Monaten solle jedoch klar sein, ob diese Schwelle überschritten werden könne.

Um die erhebliche Menge an Bruteiern zukünftig überhaupt bewältigen zu können, müssten vom 1. Januar 2022 an auf jeden Fall sämtliche Verfahren zur Geschlechtsbestimmung zum Einsatz kommen oder die Junghahnenaufzucht im großen Stil organisiert werden, betonte Rudolf Preisinger.

Vor dem 7. Bruttag ist ein Schmerzempfinden bei den Embryonen nicht vorhanden, weil die nötigen Reizleitungen noch nicht ausgebildet sind. Ob zwischen dem 8. und dem 14. Tag Schmerzen verursacht würden sei unklar, ab dem 15. Tag jedoch gesichert. Da ab dem 1. 1. 2024 nur noch vor dem 7. Bruttag gesext werden darf, müsse man sich auf die Sortierung von jährlich ca. 70 Mio. Bruteiern einstellen und (wegen der unvermeidlichen Fehlerquote sämtlicher Verfahren) im Anschluss sehr, sehr viele Junghähne aufziehen.

Über Expertise 2021
Unter dem Titel „Prävention im Wandel“ fand vom 6. bis 8. Mai 2021 die „Expertise 2021“, eine virtuelle Konferenz von MSD Tiergesundheit zur Fortbildung von Nutztier-Tierärzten, statt. Hochkarätige Referenten stellten neueste Forschungsergebnisse für Rinder, Schweine und Geflügel vor.

Förderbescheid im Rahmen der Bundesinitiative „Ställe der Zukunft“ virtuell übergeben

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Mit Forschung zu mehr Tierwohl – Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf startet Innovationsnetzwerk für gesunde und „glückliche“ Kühe

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf hat sich erfolgreich bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für die Förderung eines Innovationsnetzwerkes im Rahmen der Nutztierstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft beworben. Die geförderten Innovationsnetzwerke sollen Experimentierställe entwickeln, die die Grundlage für „Ställe der Zukunft“ in der praktischen Tierhaltung darstellen. Der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (MdB) im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat den Förderbescheid in einer Videokonferenz virtuell übergeben.

Grundlage ist die Richtlinie zur Förderung der Einrichtung von Innovationsnetzwerken und Experimentierställen zur Entwicklung von „Ställen der Zukunft“ für die Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung vom 2. Januar 2020.

„Das Programm ist auf die Entwicklung in der landwirtschaftlichen Praxis realisierbarer Stallbaukonzepte und innovativer Methoden für die Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung ausgerichtet, die das Tierwohl verbessern und damit zur gesellschaftlichen Akzeptanz beitragen sollen“, betonte FBN-Vorstand Prof. Dr. Klaus Wimmers. „Das gibt uns Rückenwind, da wir seit vielen Jahren die Verbesserung von Tierwohl und Tiergesundheit als Forschungsschwerpunkt in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Umfassende Investitionen in neue und modernisierte Ställe für Milchkühe in den letzten Jahren haben die Haltungsbedingungen für die Tiere verbessern können, aber in der Digitalisierung, ‚Smart Farming‘ und der Entwicklung und Nutzung von Biomarkern steckt noch viel Potenzial für weitere zukünftige Verbesserungen.“

Das Ziel ist der „Milchviehstalls der Zukunft“
Das FBN hat den Zuschlag für den Aufbau eines Netzwerkes „Innovationen für gesunde und „glückliche“ Kühe erhalten, an dem unter der Leitung des Forschungsinstitutes für Nutztierbiologie Dummerstorf auch die Hochschule Neubrandenburg, die Tierärztliche Hochschule Hannover, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Sachsen und das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems beteiligt sind. Das Netzwerk unter Projektleitung der Tierärztin Dr. Lisa Bachmann verfolgt als Zielstellung unter anderem die Entwicklung von Ställen, die auf die Sinneswahrnehmung und physiologischen Bedürfnisse der Tiere ausgerichtet sind. Zudem sollen wirtschaftliche und tiergerechte Managementkonzepte zur angepassten Laktationsdauer und für den Umgang mit männlichen Milchrindkälbern bearbeitet werden. Weiterhin ist den Antragstellern die Biosicherheit von Milchviehställen und die Nutzung von Weide und Auslaufflächen ein wichtiges Anliegen. Alle Maßnahmen sollen dazu dienen, das Tierwohl zu verbessern, aber auch helfen, den Einsatz von Antibiotika zu minimieren und die tierhaltungsbedingten Emissionen zu reduzieren.

„Die Fördersumme ist für den ersten Schritt im Rahmen der Bundesinitiative gedacht, innerhalb der nächsten sechs Monate ein innovatives Stallbaukonzept zu erarbeiten, um die beschriebenen Ziele umzusetzen“, erläuterte Dr. Lisa Bachmann. „Alle Lösungen, die von dem Innovationsnetzwerk erarbeitet werden, stellen das Wohlbefinden der Tiere in den Mittelpunkt und sollen in einem weiteren Projektantrag mit einer anschließenden Laufzeit von drei Jahren für den Bau eines ‚Milchviehstalls der Zukunft‘ als Experimentierstall in Dummerstorf münden.“

Messsysteme für die Kuhgesundheit auf dem Prüfstand
Außer den Kriterien zu Tierwohl, Tiergesundheit und Umweltwirkungen, die durch Forschungsergebnisse zur Verfügung stehen, sollen auch die Sinneswahrnehmung und das arttypische Verhalten von Kühen und Kälbern in die Bewertung von Maßnahmen mit einfließen. Dazu soll unter anderem die vom Landwirtschaftlichen Bildungszentrum (LBZ) Echem der Landwirtschaftskammer Niedersachsen entwickelte Virtual-Reality-Brille, die die visuelle Wahrnehmung von Kühen simuliert, genutzt werden.

Auch die am FBN vorhandenen Systeme zur Erfassung von Tierverhalten und Tiergesundheit sollen in das Projekt integriert werden. Das betrifft beispielsweise Elektronische Fress-Wiegetröge zur Messung der Futter- und Wasseraufnahme, den Moo-Monitor zur Erfassung von Aktivitäten, Fress- und Liegezeiten, die Trittschallplatte zur Überwachung der Gliedmaßengesundheit sowie den Kälbertränkeautomaten für die Einzel- und Gruppenfütterung und diverse Videoaufzeichnungen für verhaltensphysiologische Untersuchungen, zur Beurteilung der Körperkondition und Geburtsüberwachung.

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN

Forum angewandte Forschung 2021

Neueste Versuchsergebnisse zur Rinder- und Schweinefütterung digital präsentiert

Die diesjährige digitale 21. Arbeitstagung „Forum angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung“ am 27. und 28. April. 2021 stand unter dem Schwerpunkt „Tierwohl ↔ Nutztier ↔ Bioökonomie“. Plenarbeiträge zu fütterungsassoziierten Verhaltensproblemen und ein umfassender Plenumsvortrag mit anschließender Diskussion wurden um jeweils einen Workshop „Das Nutztier (Rind, Schwein) im Fokus“ ergänzt. Daneben wurden in 44 Beiträgen die neuesten Versuchsergebnisse seitens öffentlicher Versuchseinrichtungen und aus der Wirtschaft/Industrie präsentiert.

Der Tagungsband kann zum Preis von 20 € über den Verband der Landwirtschaftskammern, Geschäftsstelle VFT, Haus Düsse 2, 59505 Bad Sassendorf, Tel. 02945 9690 540, Fax 02945 9690 542, E-Mail k-h.gruenewald@vlk-agrar.de bezogen werden.

Tierwohl ↔ Nutztier ↔ Bioökonomie
Ausgehend von gesellschaftlicher Kritik zu grundsätzlichen Fragen der Tiernutzung ist die Tierhaltung (speziell Haltungssysteme u. a.) neu zu hinterfragen. Dabei sollte das Nutztier im Fokus stehen und die Haltung auf die Bedürfnisse des Tieres ausgerichtet sein. Einerseits gilt es, das Tierwohl zu gewährleisten, andererseits ist über den Transfer von für den Menschen nicht direkt essbarer Biomasse in Lebensmittel der Beitrag der Nutztierfütterung in der Bioökonomie hervorzuheben. Dr. Antje Schubbert vom Friedrich-Loeffler-Institut, Institut für Tierschutz und Tierhaltung, ging auf die Anforderungen der Tiere an die Nahrungsaufnahme (Beschäftigung mit Futtersuche, Futter- und Nährstoffaufnahme), insbesondere die „natürlichen“ Verhaltensweisen und resultierendes Fehlverhalten bei deren Unterdrückung ein. Als Ursache für Fehlverhalten wurden u. a. die fehlende Beschäftigungszeit mit der Futteraufnahme und die mangelnde Sättigung bei der modernen Haltung und Vorlage von nährstoffreichem/konzentriertem leicht verdaulichem Futter in reizarmer Umgebung angesprochen. In den Workshops wurde dies für die Bereiche Rind und Schwein mit jeweils drei Beiträgen (zu Verhalten, Haltungssystemen, Futter/Fütterung) einzeln vertieft. Ausgehend von den natürlichen Verhaltensweisen bei verschiedenen Funktionskreisen (Abliegen, Aufstehen, Futtersuche, Nestbau …) erfolgt die Beurteilung der derzeit genutzten Haltungs-/Fütterungssysteme auf deren Schwächen und mögliche Verbesserungen. Dazu ist eine gesamtbetriebliche Sicht notwendig, damit einzelne Bereiche „zusammenpassen“ und so auch praktisch umsetzbar sind. Im Einzelnen betrifft das auch mögliche Änderungen in der Wahl der Futterkomponenten und der Fütterungstechnik und v. a. höhere Freiheitsgrade für die Tiere bei der Futterwahl.

Als praktische Beispiele wurden die zusätzliche Gabe von Kräutern (mit sekundären Pflanzeninhaltsstoffen) für Rinder bzw. eine zweite Futterstrecke mit faserreichem „Beschäftigungsfutter“ für Schweine angesprochen.

Können wir uns in Zukunft überhaupt noch Tierhaltung leisten?
Mit diesem Titel zeigte Prof. Dr. Wilhelm Windisch von der Technischen Universität München ausgehend von den Herausforderungen zu Klimaschutz (Nährstoff-/Schadgasemissionen), Nahrungskonkurrenz (Trog – Teller) sowie Nahrungsmittelversorgung der steigenden Weltbevölkerung auf, dass Nutztiere grundsätzlich nicht als Umweltverschmutzer anzusehen sind. Im Gegenteil – die Tierhaltung beschleunige die Biomasse-Produktion und liefert dazu hochwertige Lebensmittel. Dies liege am Alleinstellungsmerkmal der Nutztiere, aus nicht essbarer Biomasse über die Verdauung und den Stoffwechsel der Tiere für den Menschen nutzbare Biomasse (essbares Protein) = Lebensmittel zu erzeugen. Um die Nahrungsversorgung der Weltbevölkerung zu sichern, sei langfristig der Anteil pflanzlicher Nahrungskomponenten deutlich zu erhöhen. Hierbei unterstütze die Tierhaltung, da sowohl absolutes Grünland und Nebenprodukte der Lebensmittel-Herstellung (nicht essbar) als auch Lebensmittel-Reste nutzbar gemacht würden. Dabei sei die Nahrungsproduktion im Gesamtsystem zu betrachten und nicht nur einzelne Kulturen mitten in oder aus der Fruchtfolge. Und da auch die Emissionen auf das Gesamtsystem zu beziehen sind, sei die Tierhaltung letztlich fachlich notwendig – der Umfang und die Intensität dabei an die regionale Situation anzupassen.

Weitere aktuelle Versuchsergebnisse wurden im Bereich Rind zu den Themen „Aufzucht/Mast“, „Fütterungsstrategien & Controlling“, „Emissionen“, „N- und P-reduzierte Fütterung“, „Fütterungssysteme“, „Mineralstoffe“ und „Futterbewertung“, im Bereich Schwein zu den Themen „Protein- und Aminosäuren-Versorgung“, „P-Reduzierung“, „Beschäftigungs-/Sättigungsfutter“ und „Zusatzstoffe“ vorgestellt und intensiv von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert.

Das Forum angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung ist die bundesweite Plattform für den Austausch von Versuchsergebnissen der praxisorientierten Forschung und die Abstimmung methodischer Vorgehensweisen. Ausrichter ist der VLK in Zusammenarbeit mit der DLG unter Mitwirkung des FLI und des VDLUFA.

Quelle: Verband der Landwirtschaftskammern

Ministerin Otte-Kinast untersagt Langstreckentransport nach Marokko

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Erlass an den Landkreis Aurich verbietet den Export von 270 Zuchtrindern – Erneuter Appell an den Bund

Die Abfertigung eines Transports von 270 tragenden Zuchtrindern nach Marokko hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium (ML) am heutigen Freitag untersagt. Der Erlass wurde dem Landkreis Aurich als zuständiger Behörde übersandt. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Der Tierschutz hat für mich eine hohe Priorität. Deshalb gibt es keinen Freifahrtschein für diesen Transport mit tragenden Kühen nach Marokko. Leider müssen wir davon ausgehen, dass Tierschutzmindeststandards dort vor Ort nicht eingehalten werden. Deshalb verbieten wir diesen Transport.“

Konkret vertritt das Ministerium in dem Erlass die Rechtsauffassung, dass bei einem Export ein tierschutzwidriger Vorgang zu erwarten ist. Die ca. 270 Zuchtrinder würden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit in Marokko tierschutzwidrig behandelt, weil bei einer Schlachtung der Tiere Tierschutzmindeststandards nicht gewährleistet sind. Das Schlachten ohne Betäubung (Schächten) ist gängige Praxis, dies ist in Deutschland nur in begründeten Ausnahmefällen und unter strengen Voraussetzungen unter Vermeidung von erheblichen Schmerzen und Leiden zulässig ist. Dabei ist es aus Sicht des ML irrelevant, dass es sich um Zuchttiere handelt. Die Rinder könnten aufgrund des Tiergesundheitsrechts nicht zurück in die EU gelangen und würden dementsprechend zwangsläufig in Marokko geschlachtet. Der Tierschutz ist seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Die Staatszielbestimmung verpflichtet dazu, dem Tierschutz zu einem möglichst hohen Stellenwert im Rechts- und Wertesystems zu verhelfen.

Ob der betroffene Unternehmer gegen den Erlass des ML klagt, bleibt abzuwarten. In diesem Fall würde ein Gericht darüber entscheiden, ob der Transport der 270 Zuchtrinder nach Marokko durchgeführt wird. Auch vor diesem Hintergrund appelliert Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast noch einmal an den Bund: „Wir brauchen ein Verbot der Beförderung von Tieren in Drittstaaten, in denen die Einhaltung des Tierschutzes nicht gewährleistet ist. Die Entschließung des Bundesrates liegt seit Februar vor – der Bund muss nun endlich handeln!“

In der Entschließung fordern die Länder den Bund auf, von einer im Tierschutzgesetz enthaltenen Ermächtigungsgrundlage (§ 12 Abs. 2 Nr. 3 TierSchG) Gebrauch zu machen. Danach kann der Export von Rindern in bestimmte Länder verboten werden, wenn die Gefahr besteht, dass den Tieren in den Bestimmungsstaaten durch unsachgemäße Haltung und Umgang bis zu ihrer Tötung erhebliche Leiden, Schmerzen und Schäden zugefügt werden. Parallel setzt Ministerin Otte-Kinast sich auf EU-Ebene für einen besseren Tierschutz ein: „Die aus dem Jahr 2005 stammende Verordnung braucht dringend eine Überarbeitung!“ Aus Sicht der Ministerin müssten insbesondere individuelle Notfallpläne für Transportrouten verbindlich vorgelegt werden.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz