Forum angewandte Forschung 2021

Neueste Versuchsergebnisse zur Rinder- und Schweinefütterung digital präsentiert

Die diesjährige digitale 21. Arbeitstagung „Forum angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung“ am 27. und 28. April. 2021 stand unter dem Schwerpunkt „Tierwohl ↔ Nutztier ↔ Bioökonomie“. Plenarbeiträge zu fütterungsassoziierten Verhaltensproblemen und ein umfassender Plenumsvortrag mit anschließender Diskussion wurden um jeweils einen Workshop „Das Nutztier (Rind, Schwein) im Fokus“ ergänzt. Daneben wurden in 44 Beiträgen die neuesten Versuchsergebnisse seitens öffentlicher Versuchseinrichtungen und aus der Wirtschaft/Industrie präsentiert.

Der Tagungsband kann zum Preis von 20 € über den Verband der Landwirtschaftskammern, Geschäftsstelle VFT, Haus Düsse 2, 59505 Bad Sassendorf, Tel. 02945 9690 540, Fax 02945 9690 542, E-Mail k-h.gruenewald@vlk-agrar.de bezogen werden.

Tierwohl ↔ Nutztier ↔ Bioökonomie
Ausgehend von gesellschaftlicher Kritik zu grundsätzlichen Fragen der Tiernutzung ist die Tierhaltung (speziell Haltungssysteme u. a.) neu zu hinterfragen. Dabei sollte das Nutztier im Fokus stehen und die Haltung auf die Bedürfnisse des Tieres ausgerichtet sein. Einerseits gilt es, das Tierwohl zu gewährleisten, andererseits ist über den Transfer von für den Menschen nicht direkt essbarer Biomasse in Lebensmittel der Beitrag der Nutztierfütterung in der Bioökonomie hervorzuheben. Dr. Antje Schubbert vom Friedrich-Loeffler-Institut, Institut für Tierschutz und Tierhaltung, ging auf die Anforderungen der Tiere an die Nahrungsaufnahme (Beschäftigung mit Futtersuche, Futter- und Nährstoffaufnahme), insbesondere die „natürlichen“ Verhaltensweisen und resultierendes Fehlverhalten bei deren Unterdrückung ein. Als Ursache für Fehlverhalten wurden u. a. die fehlende Beschäftigungszeit mit der Futteraufnahme und die mangelnde Sättigung bei der modernen Haltung und Vorlage von nährstoffreichem/konzentriertem leicht verdaulichem Futter in reizarmer Umgebung angesprochen. In den Workshops wurde dies für die Bereiche Rind und Schwein mit jeweils drei Beiträgen (zu Verhalten, Haltungssystemen, Futter/Fütterung) einzeln vertieft. Ausgehend von den natürlichen Verhaltensweisen bei verschiedenen Funktionskreisen (Abliegen, Aufstehen, Futtersuche, Nestbau …) erfolgt die Beurteilung der derzeit genutzten Haltungs-/Fütterungssysteme auf deren Schwächen und mögliche Verbesserungen. Dazu ist eine gesamtbetriebliche Sicht notwendig, damit einzelne Bereiche „zusammenpassen“ und so auch praktisch umsetzbar sind. Im Einzelnen betrifft das auch mögliche Änderungen in der Wahl der Futterkomponenten und der Fütterungstechnik und v. a. höhere Freiheitsgrade für die Tiere bei der Futterwahl.

Als praktische Beispiele wurden die zusätzliche Gabe von Kräutern (mit sekundären Pflanzeninhaltsstoffen) für Rinder bzw. eine zweite Futterstrecke mit faserreichem „Beschäftigungsfutter“ für Schweine angesprochen.

Können wir uns in Zukunft überhaupt noch Tierhaltung leisten?
Mit diesem Titel zeigte Prof. Dr. Wilhelm Windisch von der Technischen Universität München ausgehend von den Herausforderungen zu Klimaschutz (Nährstoff-/Schadgasemissionen), Nahrungskonkurrenz (Trog – Teller) sowie Nahrungsmittelversorgung der steigenden Weltbevölkerung auf, dass Nutztiere grundsätzlich nicht als Umweltverschmutzer anzusehen sind. Im Gegenteil – die Tierhaltung beschleunige die Biomasse-Produktion und liefert dazu hochwertige Lebensmittel. Dies liege am Alleinstellungsmerkmal der Nutztiere, aus nicht essbarer Biomasse über die Verdauung und den Stoffwechsel der Tiere für den Menschen nutzbare Biomasse (essbares Protein) = Lebensmittel zu erzeugen. Um die Nahrungsversorgung der Weltbevölkerung zu sichern, sei langfristig der Anteil pflanzlicher Nahrungskomponenten deutlich zu erhöhen. Hierbei unterstütze die Tierhaltung, da sowohl absolutes Grünland und Nebenprodukte der Lebensmittel-Herstellung (nicht essbar) als auch Lebensmittel-Reste nutzbar gemacht würden. Dabei sei die Nahrungsproduktion im Gesamtsystem zu betrachten und nicht nur einzelne Kulturen mitten in oder aus der Fruchtfolge. Und da auch die Emissionen auf das Gesamtsystem zu beziehen sind, sei die Tierhaltung letztlich fachlich notwendig – der Umfang und die Intensität dabei an die regionale Situation anzupassen.

Weitere aktuelle Versuchsergebnisse wurden im Bereich Rind zu den Themen „Aufzucht/Mast“, „Fütterungsstrategien & Controlling“, „Emissionen“, „N- und P-reduzierte Fütterung“, „Fütterungssysteme“, „Mineralstoffe“ und „Futterbewertung“, im Bereich Schwein zu den Themen „Protein- und Aminosäuren-Versorgung“, „P-Reduzierung“, „Beschäftigungs-/Sättigungsfutter“ und „Zusatzstoffe“ vorgestellt und intensiv von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert.

Das Forum angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung ist die bundesweite Plattform für den Austausch von Versuchsergebnissen der praxisorientierten Forschung und die Abstimmung methodischer Vorgehensweisen. Ausrichter ist der VLK in Zusammenarbeit mit der DLG unter Mitwirkung des FLI und des VDLUFA.

Quelle: Verband der Landwirtschaftskammern

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