Rotaviren aus Geflügelbeständen können Gene mit Rotaviren aus Säugetieren austauschen –

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Infektionsrisiko für den Menschen gering Zusammenfassender Forschungsbericht zum BfR-Forschungsprojekt „Charakterisierung des zoonotischen Potenzials von Rotaviren des Geflügels“ des BfR vom 17. August 2020

Rotaviren der Vögel sind in Geflügelbeständen für die Lebensmittelgewinnung weit verbreitet. Sie sind jedoch nur entfernt mit den Rotaviren verwandt, die bei Säugetieren und dem Menschen vorkommen und dort zu Erkrankungen führen. Im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten BfR Forschungsprojekt „Charakterisierung des zoonotischen Potenzials von Rotaviren des Geflügels“ zeigten Professor Dr. Reimar Johne und seine Forschungsgruppe, dass Rotaviren der Vögel mit Rotaviren der Säuger genetisches Material austauschen können, was zur Entstehung neuartiger Rotaviren führen kann. Das Risiko der Bildung derartiger, Ressortanten* genannter Virustypen in der Natur wird von den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen allerdings als gering eingeschätzt. Denn vermehrungsfähige neuartige Viren traten unter Laborbedingungen nur in wenigen Fällen auf. Sie konnten sich auch nur schlecht weiter vermehren. Das Infektionsrisiko für den Menschen wird daher als relativ gering eingeschätzt. Dennoch sollten Untersuchungen zur Rotavirus-Vielfalt beim Menschen zukünftig auch weniger verwandte Rotaviren wie die der Vögel einschließen, um das Auftreten neuartiger Typen früh feststellen zu können.

Im Gegensatz zu den Rotaviren der Säugetiere waren die Rotaviren der Vögel bisher nur wenig untersucht worden. Ziel des BfR war es, die genetische Vielfalt der Rotaviren vor allem bei Vögeln zu analysieren und deren Potential zur Übertragung auf und Anpassung an Säugetiere und den Menschen zu ermitteln. Eine wichtige Frage war dabei, ob die Rotaviren der Vögel mit denen der Säugetiere genetisches Material austauschen, wobei eventuell neuartige Rotaviren entstehen könnten. Im Projekt wurde eine breite Vielfalt verschiedener bekannter sowie bisher unbekannter Rotavirus-Arten und -Typen sowohl in Vögeln als auch in Säugetieren identifiziert. Das Erbgut dieser Viren wurde mit neu entwickelten Methoden meistens vollständig sequenziert, wodurch eine genaue Charakterisierung ihrer Eigenschaften und ihrer Verwandtschaft mit bekannten Rotaviren möglich wurde. Insgesamt weisen die Analysen darauf hin, dass mit einem breiten Repertoire divergenter Rotavirus-Stämme im Tierreich gerechnet werden muss, die eventuell direkt auf den Menschen übertragen werden können oder durch den Austausch von Genomsegmenten zur Ausbildung neuer Rotaviren führen könnten. Für die Rotaviren der Vögel scheint dies allerdings nur sehr selten vorzukommen.

Rotaviren gehören zu den häufigsten Erregern von Magen-Darm-Erkrankungen beim Menschen und bei zahlreichen Tierarten. Es existieren viele unterschiedliche Rotavirus-Typen, die sich durch Mutationen und den Austausch von Genomsegmenten ständig weiterentwickeln. Erkrankungen beim Menschen werden vor allem durch humane Rotaviren hervorgerufen. Bekannt ist aber auch, dass bestimmte Rotaviren von Tieren auf den Menschen übertragen werden können und umgekehrt. Seit 2006 gibt es Impfstoffe gegen humane Rotavirus-Erkrankungen, die generell gut wirksam sind. Wenn sich jedoch neue Rotaviren ausbilden, die genetisches Material von Tieren enthalten, könnte die durch die Impfung erworbene Immunität gegenüber einer solchen Infektion unwirksam werden.

Der ausführliche Bericht ist hier zu finden

* Reassortanten sind neue Virustypen, die durch Austausch von Genomsegmenten verschiedener Ausgangsviren der gleichen Spezies entstehen.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Der Anfang entscheidet: Erfolgreiche Kitz- und Jungtieraufzucht

Von Andreas Kern, Bioland e.V., Fachberatung Schaf- und Ziegenhaltung

Das Einkommen eines Ziegenhalter-Betriebs wird zum großen Teil von der Milch- und Lebensleistung seiner Tiere beeinflusst. Dementsprechend wird ihnen besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die Lämmeraufzucht läuft teilweise eher nebenher. Diese Einstellung ist aber zu kurzfristig gedacht, denn was man anfangs bei der neuen Generation versäumt, kann später nur schwer nachgeholt werden. Die Ziegenlämmeraufzucht ist für den langfristigen Betriebserfolg entscheidend.

Gleich nach der Geburt und in den ersten Lebenswochen wird die Grundlage für die Zellausstattung der Organe gelegt. Die Entwicklung der Kitze in dieser Zeit ist entscheidend für die spätere Leistungsveranlagung und Wachstumskapazität. Eine unzureichende Fütterung oder Krankheiten in den ersten Lebenswochen haben einen lebenslangen negativen Effekt auf die Leistung der Tiere. Die Tiere können zwar eine unzureichende körperliche Entwicklung im Laufe der Zeit ausgleichen. Aber dieses ausgleichende Wachstum erhöht die Veranlagung zur Speicherung von Körperfett und daraus folgend zu Stoffwechselproblemen. Darum sollte man in diesem Zeitraum alles daran legen, das volle Wachstumspotential des Lamms auszuschöpfen.

Immunschutz durch Biestmilch
Für den besten Start ins Ziegenleben ist die Versorgung mit Biestmilch ausschlaggebend. Die Schlagworte sind dabei „schnell“, „viel“ und „gut“, im Englischen auch als 3Q-Regel bekannt: „Quality, Quantity, Quickly“.

Allgemein bekannt ist, dass die Biestmilch schnell verabreicht werden muss, um eine größtmögliche Aufnahme von Immunglobuli zu gewährleisten. Neben einer schnellen Versorgung hat hierfür Qualität und Quantität der Biestmilch eine wichtige Bedeutung: Je mehr aufgenommen wird, und je besser die Qualität ist, desto länger hält der passive Schutz vor und umso geringer fällt die Lücke bis zum Aufbau des aktiven Immunschutzes aus. Qualität und Quantität der Biestmilch werden vor allem durch die Fütterung der Milchziegen vom Decken bis zum Ablammen beeinflusst.
Lämmer kommen ohne Immunsystem zur Welt. Deswegen ist die maternale Immunität so wichtig, die relativ schnell über die Biestmilch aufgebaut wird. Das Lamm beginnt zwar sofort sich aktiv mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen und ein eigenes, aktives Immunsystem aufzubauen, aber dieser Prozess braucht seine Zeit. Wenn die maternale Immunität nachlässt und der aktive Immunschutz noch nicht völlig aufgebaut ist, kann eventuell einige Wochen nach der Ablammung eine Lücke im Immunschutz entstehen. Fällt diese Lücke auf den gleichen Zeitpunkt wie das Absetzen der Kitze von der Milch, bzw. der Mütter, bedeutet dies zusätzlichen Stress für die Milchziegenlämmer, vor allem dann, wenn die Nährstoffversorgung der Kitze nach dem Absetzen nicht gesichert und altersgerecht gestaltet ist. Dies kann zu Problemen wie z.B. Kokzidien führen.

Aus diesem Grund ist die Qualität und Quantität der Biestmilchversorgung so wichtig: Je besser diese ist, desto länger hält der passive Schutz vor und umso geringer fällt die Lücke aus. Wer in seinem Stall mit Kokzidien und Lungenerkrankungen bei den Lämmern zu kämpfen hat, sollte daher nicht nur die Symptome mit Medikamenten behandeln, sondern auch überprüfen, wo die Ursachen liegen, z.B. ob die Tiere ausreichend mit Biestmilch versorgt wurden.

Bedarfsgerecht füttern
Die Lämmeraufzucht beginnt bereits beim Decken der Muttertiere. Diese müssen in der optimalen Kondition zum Decken sein: Nicht zu mager und nicht zu fett, mit wenig Kraftfutter in der Ration. In dieser Zeit sollten die Tiere trainiert werden, ihren Bedarf hauptsächlich aus dem Grundfutter zu decken. Die Milchleistung ist zu diesem Zeitpunkt schon zurückgegangen. Um eine Verfettung vor der Deckzeit zu vermeiden, ist es sinnvoll, nur sehr verhalten Kraftfutter zu füttern, um eine energetische Überversorgung zu vermeiden und die Nährstoffe aus dem Grundfutter bestmöglich zu nutzen.

In der Niederträchtigkeit ist der Energiebedarf noch nicht besonders erhöht. Deswegen sollte zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich Grundfutter zum Einsatz kommen. Eine ausreichende Eiweißversorgung ist sicherzustellen, damit die Milchleistung nicht negativ beeinflusst wird.

Die Trockenstehperiode beginnt im Optimalfall am Ende des dritten, zu Beginn des vierten Trächtigkeitsmonat. Die Trockenstehzeit sollte mindestens sechs bis acht Wochen andauern. Eine ausreichende Trockenstehdauer beeinflusst auch die Biestmilchqualität, ebenso wie eine ausreichende Nährstoffversorgung in der Hochträchtigkeit.


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Impfung gegen Ebergeruch muss auch in ökologischer Landwirtschaft möglich sein!

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Bundestierärztekammer schließt sich den FVE-Forderungen vollumfänglich an

Ausgerechnet in der Biobranche soll es ein Aus für die tierschonendste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration geben: Die Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (LÖK) hat beschlossen, die Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) nicht mehr zu akzeptieren. Sie folgt damit einer (Fehl-)Einschätzung der EU-Kommission.

Ein fatales Signal an Handel, Verarbeiter, Verbraucher und die konventionelle Schweinehaltung: „Die Impfung ist die tierschutzfachlich beste Methode zur Vermeidung von Ebergeruch“, betont Dr. Uwe Tiedemann, was der BTK-Präsident auch in einem Schreiben an die Agrarminister der Länder und die LÖK deutlich gemacht hat.

Die Unvereinbarkeit der Immunokastration mit dem biologischen Landbau wird insbesondere damit begründet, dass diese Methode den Hormonhaushalt eines Tieres verändere.

Dabei bleibt aus fachlicher Sicht jedoch unbeachtet, dass die im ökologischen Landbau erlaubte chirurgische Entfernung der Hoden in ähnlicher Weise die Produktion der Fortpflanzungshormone des Schweins beeinträchtigt, um dem Ebergeruch vorzubeugen.

Inzwischen hat auch der europäische Tierärzteverband (Federation of Veterinarians of Europe – FVE), der etwa 300.000 Tierärztinnen und Tierärzte in 40 europäischen Ländern vertritt, ein Statement abgegeben und die EU-Kommission aufgefordert, ihre Meinung zu überdenken: „Die FVE ist der festen Überzeugung, dass die Immunokastration von Ferkeln zu den Bedingungen der ökologischen Landwirtschaft und ihren Zielen passt“, führt der Verband aus.

Die FVE fordert den Ständigen Ausschuss für biologischen Landbau der EU-Kommission auf, seine Meinung zu überdenken und anzuerkennen, dass die Impfung mit den Prinzipien der ökologischen Schweinehaltung übereinstimmt. Die biologische Landwirtschaft werde von vielen Verbrauchern als die nachhaltigste und tierfreundlichste Produktionsmethode angesehen. Um diesem Ruf gerecht zu werden, müsse innerhalb der ökologischen Produktion die Impfung als Alternative zur chirurgischen Kastration zugelassen werden.

Die BTK schließt sich den Forderungen der FVE vollumfänglich an. Es darf nicht sein, dass aufgrund einer fachlich falschen Meinung aus der EU-Kommission ausgerechnet der Biobranche die Impfung als Alternative zur blutigen Kastration verwehrt wird. Die BTK fordert die Entscheidungsträger auf, ökologisch wirtschaftende Betriebe nicht dazu zu zwingen, zur Vermeidung von Ebergeruch Methoden einzusetzen, die aus Tierschutz- und Umweltschutzgründen weniger geeignet sind, wie die Isoflurannarkose.

Quelle: Bundestierärztekammer e. V.

Eine Chance für das alte deutsche Sattelschwein – Ökologische Nutztierhaltung stärker im Fokus

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Am 10. August wurde am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) der Öko-Erweiterungsanbau an der Experimentalanlage Schwein feierlich eröffnet. Der Anbau wurde nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus konzipiert und sowohl vom Landwirtschaftsministerium MV als auch vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen der Programmbewirtschaftung in Höhe von insgesamt 1,8 Millionen Euro gefördert.

In dem Erweiterungsbau sollen im Interesse einer tier-, umwelt- und klimafreundlichen Nutztierhaltung insbesondere ökologische Aspekte der Tierproduktion stärker in den Forschungsfokus des FBN rücken. Weitere Schwerpunkte liegen in der Erforschung alter und vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen sowie in der Entwicklung smarter Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft.

„Gerade der Blick auf die gesellschaftliche Debatte zur Nutztierhaltung, zu mehr Tierwohl, zu Klimaschutz und klimafreundlicher Tierhaltung, aber auch die globale Herausforderung der Sicherung der Welternährung und Änderung der Humanernährung machen die Notwendigkeit der Forschung in diesen Themenbereichen absolut deutlich“, sagte der Minister für Landwirtschaft und Umwelt MV, Dr. Till Backhaus. „Das FBN adressiert genau diese gesellschaftlich relevanten Aspekte einer nachhaltigen Nutztierhaltung. Diese ist ein elementarer Bestandteil der Landwirtschaft und einer (Nährstoff-)Kreislaufwirtschaft, viele Flächen, z.B. Dauergrünland und Savannen, können nur über die Nutztierhaltung einen Beitrag zur Nahrungsmittelproduktion leisten. Gewisse Formen der Nutztierhaltung sind Landschaftspflege und Grundlage für den Erhalt von Biodiversität.“

Mehr Platz und freier Auslauf
Der neue Versuchsstall mit einer Gesamtnutzungsfläche von rund 780 Quadratmetern ist für 24 Sauen und deren Nachzucht konzipiert. Er enthält jeweils acht Besamungsstände und Abferkelbuchten. Insgesamt ist Platz für 284 Tiere. Darüber hinaus verfügt der Anbau über einen Testraum für Verhaltensbeobachtungen sowie Ausläufe in allen Teilbereichen vom Saugferkel bis zum Mastschwein. In der bereits 1998 eröffneten Experimentalanlage Schwein stehen den Tieren rund 1.140 Quadratmetern zur Verfügung.

Marianne Zenk (li.) und Dr. Corinna Gladbach vom FBN mit Ferkeln aus der gefährdeten Rasse der deutschen Sattelschweine. – Leibnitz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN)
Foto: Thomas Häntzschel / nordlicht
www.fotoagenturnordlicht.de

Größte Unterschiede beim Bau nach ökologischen Standards sind der höhere Platzbedarf und die freien Ausläufe für alle Tiere. In eingestreuten Buchten lassen sich die natürlichen Instinkte der Tiere wie Nestbauverhalten und Wühlen besser ausleben. Durch das größere Platzangebot haben die Schweine bessere Möglichkeiten, die Buchten in Fress- und Aktivitätsbereiche sowie Ruhezonen und „Toiletten“ zu strukturieren. Die Tiere bleiben im Familienverbund, die Schwänze werden nicht gekürzt und die männlichen Tiere nicht kastriert.

Haltungsbedingungen im Vergleich
„Unsere Wissenschaftler sind jetzt in der Lage, an einem Standort unter authentischen Bedingungen konventionelle und ökologische Haltungsbedingungen zu vergleichen“, betonte FBN-Vorstand Prof. Dr. Klaus Wimmers. „Dabei steht die Gegenüberstellung der Haltungsformen im Interesse des Tierwohls im Vordergrund.“ Des Weiteren sollen alte Nutztierrassen charakterisiert werden. „Wir planen am Institut ein langfristiges Projekt über mehr als zehn Jahre, in dem wir alte Rassen mit der modernen Deutschen Landrasse in beiden Haltungsumwelten vergleichen“, erläuterte Wimmers.

„Wir wollen wissen, ob die Rassen in unterschiedlicher Weise von den besseren Haltungsbedingungen profitieren. Diese Zusammenhänge zwischen Rassen und Umwelt, sogenannte Genotyp-Umwelt-Interaktionen, sind biologisch interessante Phänomen, die wir erforschen und nutzen wollen, um einen bestmöglichen Einklang zwischen den Bedürfnissen der Tiere und ihrer Umwelt herzustellen. Gestartet werden soll das Programm mit dem deutschen Sattelschwein. Seinen Namen verdankt das Tier mit schwarzer Grundfarbe dem hellen Streifen auf „Sattelhöhe“. Engagierte Züchter haben dafür gesorgt, dass die robuste und sehr fruchtbare Rasse nicht schon ausgestorben ist. Forscher am FBN konnten in der Vergangenheit schon Erfolge beim Erhalt der ungarischen Mangalitza-Schweinerasse erzielen.

„Großes Augenmerk legen wir auch in den Aufbau einer Gewebe- und Zell-BioBank für Schweine“, so der Vorstand weiter. „Mit den langfristig angelegten Untersuchungen wollen wir den Startpunkt dafür setzten, eine BioBank von Geweben und Zellen mit Referenzdaten als wichtige Ressource für die Forschung zu etablieren.“ Als vierten Forschungsschwerpunkt im neuen Öko-Anbau nannte Prof. Dr. Klaus Wimmers das sogenannte „Smart Livestock Farming“, also innovative Lösungen für mehr Tierwohl sowie Umwelt- und Klimaschutz in der Nutztierhaltung. „Dazu wollen wir intelligente digitale Systeme zum Monitoring von Verhalten, Gesundheit und physiologischen Zuständen sowie automatisierte Lernapparaturen für eine individuelle Versorgung der Tiere nutzen und entwickeln.“

Digitalisierung spielt große Rolle
„Die Digitalisierung mit individueller Aufzeichnung von Futteraufnahme(verhalten) sowie Videosysteme zur Analyse des Sozialverhaltens ermöglichen uns eine effiziente Datenerfassung und -analyse im Vergleich konventioneller und ökologischer Haltung mit Tieren verschiedener Herkünfte“, hob der Leiter der Tierexperimentellen Anlagen, Klaus-Dieter Witt, hervor. „So können wir unter anderem direkt den Einfluss der Haltungsbedingungen auf wichtige Indikatoren für das Tierwohl und die Tiergesundheit messen.“

Am Leibniz-Institut laufen aktuell eine Vielzahl von Forschungsprojekten zur Schweinehaltung. Dabei geht es beispielsweise um das Sozialverhalten von Ferkeln und der individuellen Bewertung ihrer Umwelt sowie die Identifizierung von Biomarkern für Tierwohl oder die Optimierung der Versorgung für erhöhte Ressourceneffizienz und bessere Fleischqualität. Ferner erforschen die Wissenschaftler, wie sich alte, robuste Rassen wie das Sattelschwein von modernen Rassen wie der Deutschen Landrasse im Stoffwechsel sowie bei der Fortpflanzung und im Verhalten unterscheiden.

Neben der Experimentalanlage Schwein befinden sich auf dem Gelände der Forschungseinrichtung in Dummerstorf auch Tierexperimentelle Anlagen für Rinder, Geflügel, Zwergziegen, Mäuse, Soldatenfliegen und Aquakulturfische.

Die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.
www.leibniz-gemeinschaft.de

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)

Verfolgung neuer Vogelgrippeviren wird durch moderne Analysen der Genomdaten möglich

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Zweite Studie des Globalen H5N8-Konsortiums veröffentlicht

Im Rahmen eines internationalen Konsortiums gelang durch mathematische Analysen die Nachverfolgung der Entstehung und Verbreitung neuer Varianten der Vogelgrippe. Diese groß angelegte internationale Studie wurde nun in der Fachzeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) veröffentlicht. Die Arbeit führte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), gemeinsam mit dem Erasmus University Medical Center und der Universität Edinburgh im „Global Consortium for H5N8 and Related Influenza Viruses“ durch.

Das Team interpretierte eine große Zahl Genomsequenzen aus Virusproben, die während des bisher größten Ausbruchs der hochpathogenen Vogelgrippe in den Jahren 2016/2017 in der ganzen Welt gesammelt wurden. Dabei konnten die Wissenschaftler zahlreiche neue Virusvarianten beschreiben, die durch den Austausch einzelner Abschnitte des Virusgenoms entstanden sind. Sie benutzten dabei mathematische Methoden, mit denen sie abschätzen konnten, wann und wo das Virus bei Wild- oder Hausvögeln genetisches Material mit anderen Viren ausgetauscht hatte. So konnten die Forscher Aussagen darüber treffen, in welcher Vogelgruppe die neuen Varianten entstanden sind und anhand der Genomsequenzen verfolgen, wie sich die Virusstämme von infiziertem Hausgeflügel in Asien über wilde Zugvögel bis nach Europa ausbreiteten.

Untersuchung der kompletten Genomsequenz von zunehmender Bedeutung
Die Studie stützt sich dabei auf vollständige Genomsequenzen, die Mitglieder des Konsortiums in öffentlichen Datenbanken geteilt haben. „Die Aufklärung der Genomsequenzen von Viren ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.“ so Prof. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI, das maßgeblich an der Studie beteiligt war. „Durch modernste Sequenziermethoden und neue Auswerteverfahren können wir nicht nur die Entstehung neuer Virusstämme verfolgen, sondern auch Verbreitungswege nachvollziehen und erste Aussagen zur Gefährlichkeit machen.“ Der Ausbruch der hochpathogenen Vogelgrippe 2016/2017 war der bisher größte jemals beschriebene und führte zu hohen Verlusten in der Wildvogelpopulation und großen wirtschaftlichen Schäden bei Hausgeflügel. Die Studie lieferte nun wichtige Erkenntnisse zur Verbesserung der Überwachung möglicher Eintragswege für neue Viren und dient damit dem Schutz von Haus- und Wildvögeln.

Internationale Zusammenarbeit gestärkt
Die Studie unterstreicht die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit bei Virusausbrüchen. Es ist bereits die zweite Studie dieser Art (1. Studie „Role for migratory wild birds in the global spread of avian influenza H5N8“) die das Konsortium vorlegt, in dem über 30 Wissenschaftler aus allen Ländern und Regionen zusammenarbeiten. Sie wurde durch Mittel der Europäischen Kommission im Rahmen des EU Horizon 2020 Program (COMPARE, grant number 643476; DELTA-FLU, grant number 727922) unterstützt.

Studie
„Genesis and spread of multiple reassortants during the 2016/2017 H5 avian influenza epidemic in Eurasia“ Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS): DOI: 10.1073/pnas.2001813117

Kontakt
Prof. Dr. Martin Beer
Leiter des Instituts für Virusdiagnostik des FLI
Telefon: 038351 7-1894
Mail: presse@fli.de

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Umrauscher-Sauen besser betreuen – was ist zu tun?

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Von Prof. Dr. Steffen Hoy, Universität Gießen

Das Ziel bei der Besamung von Sauen muss es sein, eine hohe Trächtigkeits- und Abferkelrate zu erreichen. Allerdings ist im Mittel jede 14. Sau eine Umrauscher-Sau. Die Frage stellt sich, welche Leistungen erbringen Umrauscher-Sauen? Daher verglichen Wissenschaftler der Uni Gießen bei 160 Betrieben die Umrauscher- und Abferkelrate, die Wurfgröße und werteten den Ferkelindex von Umrauscher-Sauen im Vergleich zu erstbesamten Sauen aus.

Die Auswertungen umfassten die Kalenderjahre (KJ) 2016 und 2017 mit insgesamt 160 Betrieben und ca. 277.000 Erstbelegungen (EB). Etwa 24.000 Umrauscher-Belegungen (UB) wurden einbezogen. Alle Daten wurden dem db-Sauenplaner entnommen. Es wurden Abferkelrate (AFR), Umrauscherrate (UR), Wurfgröße lebend geborener Ferkel (WG lgF) sowie Ferkelindex lgF (FI) sowohl für die Sauen nach der ersten Belegung als auch nach erneuter Belegung der Umrauscher-Sauen berechnet.

Umrauscher-Sauen haben weniger Ferkel
Die Umrauscherrate aus Erstbelegung betrug im Mittel beider Jahre 7,5 %, die Abferkelrate 87,2 %. Bei den erneut belegten Umrauschern war die Umrauscherrate mit 13,0 % viel höher und die Abferkelrate mit 65,0 % erheblich niedriger als bei Sauen aus der Erstbesamung. Die Wurfgröße lebend geborener Ferkel war allerdings bei den Umrauscher-Sauen nur unwesentlich um 0,2 geringer als nach erfolgreicher erster Belegung. Erstbesamte Sauen erzielten im Ferkelindex (Anzahl lebend geborener Ferkel je 100 besamte Sauen) über 300 lebend geborene Ferkel mehr je 100 besamte Sauen als Umrauscher-Sauen (siehe Tabelle). Der Anteil Umrauscher schwankte zwischen den Betrieben zumeist zwischen 2,3 und > 11 %. Einige wenige Betriebe lagen aber sogar über 15 bis 20 %.

Große Unterschiede zwischen den Betrieben
Für die weitere Auswertung wurden 10 erfolgreiche und 10 weniger erfolgreiche Betriebe (bezogen auf die Abferkelrate) ausgewählt, die jeweils mehr als 350 Sauen hatten. Erfolgreiche Betriebe hatten eine Abferkelrate von über 88 %, weniger erfolgreiche Betriebe eine unter 86 %. Bei großen erfolgreichen Betrieben betrug die Differenz in der Abferkelrate zwischen erstbelegten Sauen (89,4 %) und Umrauscher-Sauen (67,4 %) 22 Prozent. Bei großen weniger erfolgreichen Betrieben war der Unterschied in der AFR mit 27,1 % deutlich stärker ausgeprägt (aus EB = 84,3 %, aus UB = 57,2 %). Bei den erfolgreichen Betrieben war die Wurfgröße lebend geborener Ferkel aus EB um 0,8/Wurf höher als aus UB, bei den weniger erfolgreichen Betrieben waren die Wurfgrößen identisch (14,2). Die Differenz im Ferkelindex lebend geborener Ferkel zwischen erstbelegten und erneut belegten Umrauscher-Sauen betrug bei den erfolgreichen Betrieben 403, bei den weniger erfolgreichen Betrieben 385 Ferkel je 100 besamte Sauen zugunsten der Erstbelegungen.

In einer weiteren Auswertung ging es um die Differenzen in der Abferkelrate zwischen Erst- und Umrauscher-Belegungen zwischen den Betrieben. Der geringste Unterschied in der Abferkelrate zwischen EB und UB in einem Betrieb betrug bei den leistungsstarken Betrieben 3,8 %, der größte in einem anderen Betrieb immerhin 42,8 % (Abb. 1). Bei den weniger erfolgreichen Betrieben war die größte Differenz in einem Betrieb zwischen erstbelegten Sauen und Umrauscher-Sauen 33,5 %. Der geringste Unterschied in der Abferkelrate zwischen Sauen mit erster Belegung und solchen mit erneuter Belegung nach Umrauschen wurde in einem anderen Betrieb mit 7 % festgestellt.

Warum fallen die Umrauscher-Sauen so auf?
Bei der Suche nach den Ursachen für die verminderten Leistungen der Umrauscher-Sauen war zunächst auffällig, dass große Differenzen in der Abferkelrate, aber kaum Unterschiede in der Wurfgröße bei Sauen aus Erst- oder Umrauscher-Besamungen bestanden. Teilweise wurden sogar identische Wurfgrößen erzielt. Die Umrauscher-Sauen waren demnach offensichtlich (geschlechts)gesund. Die Ursache kann somit nur in einem nicht korrekten Besamungsmanagement liegen.


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Kühe mit Zebra-Streifen leiden weniger unter Stechmücken

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Für ein Experiment zur Fliegenabwehr, haben japanische Forscher sechs japanische schwarze Kühe mit schwarz-weißen Streifen oder schwarzen Streifen bemalt und zum Vergleich schwarze Kühe ohne Bemalung verwendet. Typische Verhaltensweisen zur Abwehr von Fliegen waren Kopfschütteln, Ohrwackeln, Aufstampfen, Hautzuckungen und Schwanzbewegungen. Die jeweils rechte Seite jeder Kuh wurde fotografiert, um Fliegen auf Körper und Beinen zählen zu können.

© 2019 Kojima et al

Auf japanischen Schwarzkühen, die mit schwarz-weißen Streifen bemalt waren, saßen signifikant weniger Fliegen, als bei nicht bemalten Kühen und Kühen, die nur mit schwarzen Streifen bemalt waren. Auch konnte weniger Abwehrverhalten bei Kühen, die schwarz-weiß bemalt waren beobachtet werden, als bei Kühen, die nicht bemalt oder nur schwarz gestreift waren.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Schwarz-Weiß-Bemalung von Nutztieren wie z. B. Rindern eine Alternative zum Insektizideinsatz in der Tierproduktion darstellen kann.

Studie
Kojima T, Oishi K, Matsubara Y, Uchiyama Y, Fukushima Y, Aoki N, et al. (2019) Cows painted with zebra-like striping can avoid biting fly attack. PLoS ONE 14(10): e0223447. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0223447

Erfolgreiche Kälberaufzucht – was ist auf Basis aktueller Versuche zu beachten?

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Von Dr. Sebastian Hoppe, VBZL Haus Riswick, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Leistungsfähige Milchkühe mit gutem Durchhaltevermögen, guter Fruchtbarkeit und Gesundheit und daraus resultierend hohen Lebenstagleistungen sind die Grundlage einer wirtschaftlichen Milchproduktion. Unbestritten aus heutiger Sicht ist, dass der Grundstein hierfür bereits beim Kalb gelegt wird. Aus aktuellen Kälberaufzuchtversuchen im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick können einige wichtige Konsequenzen für die Praxis abgeleitet werden.

Optimierung der Tränkeintensität
Häufig wird anstelle von Vollmilch eine Milchaustauscher-Tränke (MAT) in der Kälberaufzucht verwendet. Vor dem Hintergrund des auf die Verdauung von Vollmilch ausgerichteten Enzymsystems der Kälber geht die derzeitige Empfehlung hin zum Einsatz von hochwertigen MAT mit etwa 40 % Magermilchpulver-Anteil. Versuche mit Aufzuchtkälbern ab der 2. Lebenswoche in Gruppenhaltung am Tränkeautomaten haben gezeigt, dass eine Anhebung der Tränkekonzentration von 125 g MAT/l Wasser auf 160 g MAT/l Wasser zu einer Steigerung der täglichen Zunahmen um ca. 100 g je Tier führt. Über die 5-wöchige Haupttränkephase (6 Liter Tränke täglich) hinaus war eine bessere Entwicklung der Kälber zu beobachten. Noch deutlicher waren die Effekte einer höheren Tränkemenge von 10 Litern täglich im Vergleich zu 6 Litern, jeweils mit der Konzentration von 160 g MAT/l Wasser. Am Tränkeautomaten konnten hierdurch bei Kälbern von Beginn der 2. Lebenswoche an über 5 Wochen bis zum Beginn des Abtränkens die täglichen Zunahmen um 200 g auf etwa 750 g verbessert werden. Es bleibt also festzustellen, dass eine gesteigerte Versorgung mit MAT zu höheren tierischen Leistungen führt. Von besonderer Bedeutung ist dieser Aspekt immer dann, wenn die Kälber erhöhten Belastungen ausgesetzt sind, wie z.B. einer Umstallung in die Gruppe, einem Wechsel des Tränkesystems oder auch durch das Enthornen. Einige Richtwerte zur Energieversorgung von Aufzuchtkälbern für verschiedene Zunahmeniveaus sind in Tabelle 1 dargestellt.

Beifütterung und Kontrolle des Absetzzeitpunkts
Neben einer optimalen Entwicklung durch passende Tränkeversorgung ist es Ziel der Kälberaufzucht in den ersten Lebenswochen, bei dem Jungtier den Übergang vom Monogastrier zum Wiederkäuer optimal zu fördern. Grundsätzlich muss den Kälbern ab dem 8. Lebenstag nach den Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung Grobfutter oder sonstiges rohfaserreiches, strukturwirksames Futter angeboten werden. Je nach Verfügbarkeit bieten sich im Betrieb verschiedene Futtermittel an. Aufgrund der geringen Futteraufnahmen in den ersten Lebenswochen und der Anfälligkeit für Nacherwärmung sollte mit der Fütterung hygienisch einwandfreier Silagen (Gras und Mais) erst in der zweiten Hälfte der Tränkephase begonnen werden.

Im Versuchsbetrieb Haus Riswick wurden verschiedene Fragestellungen zur Beifütterung der Kälber bearbeitet. In früheren Versuchen erfolgte die Beifütterung in der Regel über Kuhmischrationen, die auf etwa 25 kg Milch ausgelegt waren. Gegenüber dieser Kontrolle wurden wiederholt Trockenmischrationen aus Stroh und pelletiertem Kälberkraftfutter getestet, die nach Volumen im Verhältnis 1:1 gemischt waren. In diesen Mischungen liegt nach Gewicht der Schwerpunkt auf dem Kraftfutter. Die Trockenmischration wurde von jungen Kälbern früher akzeptiert und in höheren Tagesmengen aufgenommen. Bis zum 70. Versuchstag lagen die Trockenmasseaufnahmen aus Trockenmischration um 3 kg je Tier und Tag und damit etwa 0,5 kg höher als bei den mit Kuhration gefütterten Kälbern (Abb. oben).


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Ist eine Teilnahme an der Initiative Tierwohl für Schweinemäster kostendeckend?

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Im aktuellen Band 98 der „Berichte über Landwirtschaft“, einer vom BMEL herausgegebenen Fachzeitschrift, erschien eine Literaturstudie zur „betriebswirtschaftlichen Bewertung von Maßnahmen zur Steigerung des Tierwohls am Beispiel der Initiative Tierwohl aus der Perspektive konventioneller Schweinemäster“. Anhand zahlreicher wissenschaftlicher Quellen bewertet das Autorinnen-Trio Sirkka Schukat, Theresa Ottmann und Heinke Heise, ob sich die ITW für Schweinemäster rechnet. Das Fazit der Forscherinnen von der Universität Göttingen lautet:

„Es konnte festgestellt werden, dass auf Basis der durchschnittlichen Mehrkosten, die anhand der auf Einzelkriterien basierten Kostenangaben der verschiedenen Autoren ermittelt wurden, die Boni der derzeitigen ITW-Kriterien keinen positiven Kostenausgleich schaffen. Dies gilt unabhängig davon, welche Maßnahmenkombinationen gewählt werden. Die Ergebnisse verdeutlichen weiterhin, dass die Kostenwirkung multifaktoriell bedingt ist, was eine angemessene Festsetzung der Vergütungssätze erschwert. Es zeigt sich, dass eine einzelbetriebliche Analyse ausschlaggebend und zugleich unausweichlich ist, um als Landwirt entscheiden zu können, ob sich eine Teilnahme an der ITW ökonomisch rentiert.“

Dementsprechend empfehlen die Autorinnen: „Wenngleich die Literatur gute Anhaltspunkte bietet, sollte ein Schweinemäster die Kosten von und die Erträge für Tierwohlmaßnahmen doch auch selber auf der Grundlage der individuellen Gegebenheiten seines Betriebes ermitteln. Erst damit sichert er seine unternehmerischen Entscheidungen fundiert ab.“

Kontakt:
Sirkka Schukat, Theresa Ottmann und Heinke Heise
M. Sc. Sirkka Schukat
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Georg-August-Universität Göttingen
Platz der Göttinger Sieben 5
37073 Göttingen
E-Mail: sirkka.schukat@uni-goettingen.de

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.

Abgabe an Antibiotika in der Tiermedizin sinkt weiter

Mengen für Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf niedrigstem Wert seit 2011

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland ist im Jahr 2019 erneut zurückgegangen. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um 52,2 auf 670 Tonnen (minus 7,2 %) und erreichte damit das niedrigste Niveau seit der ersten Erfassung im Jahr 2011 mit 1.706 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang in diesem Zeitraum von 60,7 %. Dies teilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit, das die Daten ausgewertet hat. Erfreulich ist vor allem, dass die abgegebenen Mengen der für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Fluorchinolone sowie Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf den niedrigsten Wert seit 2011 sanken.

Die Abgabemenge der Fluorchinolone ist im Vergleich zum Vorjahr um ca. 1,7 Tonnen (t) gesunken, die der Cephalosporine der 3. und 4. Generation um 0,5 t. Bei diesen Wirkstoffklassen gab es damit insgesamt eine deutliche Reduzierung. Es kann vermutet werden, dass die Änderungen der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) hierfür mitverantwortlich sind. Die TÄHAV schreibt seit dem 1. März 2018 vor, dass bei der Anwendung von Fluorchinolonen und Cephalosporinen der 3. und 4. Generation ein Empfindlichkeitstest für Bakterien nach standardisierten Verfahren durchzuführen ist. Dieser Test ermöglicht eine Aussage darüber, ob das vorgesehene Antibiotikum überhaupt wirksam sein kann.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 670 t Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben. Die Hauptabgabemengen bildeten wie in den Vorjahren Penicilline mit etwa 264 t und Tetrazykline mit etwa 140 t, gefolgt von Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 66 t und Sulfonamiden (59 t) sowie Makroliden (57 t). Bei allen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuften Antibiotikaklassen (Highest Priority Critically Important Antimicrobials for Human Medicine) wurde im Vergleich zum Vorjahr eine Reduktion erreicht (Cephalosporine der 3. und 4. Generation: -0,5 t; Fluorchinole: -1,7 t, Makrolide: -2 t; Polypeptide: -8 t).

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist.

Von 2011 bis 2019 hat die Menge an abgegebenen Antibiotika in fast allen Regionen abgenommen. Absolut gesehen ist in der Postleit-Region 49 weiterhin mit Abstand die höchste Abgabemenge (ca. 276 t) zu verzeichnen. Für den Erfassungszeitraum von neun Jahren wurden für die Postleit-Regionen 01, 03, 07, 08, 09, 14, 16, 17, 18, 19, 23, 25, 27, 29, 31, 32, 33, 34, 36, 37, 38, 39, 44, 46, 48, 49, 56, 59, 77, 86, 89, 93, 94, 97 sowie 99 Abnahmen von 60 % und mehr berechnet.

Der Einsatz von Tierarzneimitteln, zum Beispiel Antibiotika, dient dem Ziel, kranke Tiere zu behandeln und damit die Tiergesundheit und den Tierschutz zu fördern. Der Einsatz ist gleichermaßen auf den Schutz des Verbrauchers vor Zoonosen (auf Menschen übertragbare Tierkrankheiten) und vor gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln ausgerichtet.

Die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika stellt eine globale Bedrohung in der Human- und Veterinärmedizin dar. Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und/oder der Transfer von Resistenzgenen zwischen Mensch und Tier sind wechselseitig möglich.

Hintergrund
Seit dem Jahr 2011 muss die pharmazeutische Industrie erfassen, welche Mengen an Tierarzneimitteln, insbesondere Antibiotika, sie jährlich an Tierärzte abgeben, und diese Daten an ein zentrales Register melden. Grundlage dafür ist die DIMDI-Arzneimittelverordnung (DIMDI-AMV) vom 24. Februar 2010. Das Register wird seit Mai 2020 beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn geführt, zuvor war das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) zuständig. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin nimmt die jährliche Auswertung der Daten vor.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)