Bewerberrekord bei Preis der Tiergesundheit 2020/21

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MSD Tiergesundheit startet mit der Juryphase
• 88 Bewerbungen aus Deutschland und Österreich
• Qualitativ hochwertige Bewerbungen
• Jury besucht und bewertet die besten Betriebe

Der „Preis der Tiergesundheit“ schließt mit einem neuen Rekord die Bewerbungsphase ab. Mit 88 Bewerbungen von Landwirtinnen und Landwirten aus Deutschland und Österreich wurde die letztjährige Teilnehmerquote bei Weitem übertroffen. Der von MSD Tiergesundheit ausgerichtete Preis wurde in der zweiten Runde um die Tierart Schwein sowie zwei neue Schwerpunkte beim Rind erweitert. Die meisten Bewerbungen sind mit 51 Betrieben für die Kategorie „Eutergesundheit“ eingegangen. 16 Bewerbungen entfallen auf „Tiergesundheit im Rindermastbestand“ und 21 auf „Saugferkelmanagement“.

Die teilnehmenden Betriebe haben keine Mühen gescheut und neben schriftlichen Bewerbungen auch Bilder und Videos eingereicht. Die Qualität der eingereichten Konzepte ist insgesamt sehr hoch. „Wir sehen hier eine unglaubliche Vielfalt an Ideen und Konzepten. Jeder einzelne Bewerber hat sich intensiv damit auseinandergesetzt, wie er die Tiergesundheit und das Tierwohl in seinem Betrieb verbessern kann“, schildert Michael Kandert, landwirtschaftlicher Fachberater bei MSD Tiergesundheit, seine ersten Eindrücke nach den Betriebsbesuchen.

Die Bewerbungen werden von einer unabhängigen Expertenjury bewertet
Im ersten Schritt werden die Betriebe besucht, um objektive Daten anhand einer Checkliste zu erfassen. Diese Erkentnisse werden dokumentiert, um sie für die unabhängige Expertenjury vergleichbar zu machen. Kommt ein Betrieb in die engere Auswahl, findet ein weiterer Besuch durch einen Vertreter der Jury statt. Die Preisverleihung findet im Frühjahr 2021 statt.

Die Jury jeder Kategorie besteht aus unabhängigen Expertinnen und Experten aus Forschungs-und Lehreinrichtungen, Verbänden und jeweils einem Vertreter von MSD Tiergesundheit.

Die Jury der Kategorie „Eutergesundheit“:
Frau Dr. Martina Baumgartner
Universitätsklinik für Wiederkäuer der Veterinärmedizinischen Universität Wien

Herr Prof. Dr. Volker Krömker
Universität Kopenhagen

Herr Prof. Dr. Markus Freick
Hochschule für Wirtschaft und Technik Dresden

Herr Dr. Christian Koch
Lehr- und Versuchsanstalt Hofgut Neumühle

Herr Dr. Martin tho Seeth
Eutergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Herr Dr. Carl-Christian Gelfert
Fachberatung Rind, MSD Tiergesundheit

Die Jury der Kategorie „Tiergesundheit im Rindermastbestand“:
Frau Prof. Dr. Kerstin Müller
Klinik für Klauentiere der Freien Universität Berlin

Herr Bernd Priegnitz
Landeskontrollverband Sachsen-Anhalt

Herr Dr. Johann Gasteiner
Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein, Österreich

Herr Dr. Jan Harms
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Herr Markus Damann
Kontrollgemeinschaft deutsches Kalbfleisch e.V.

Herr Dr. Egon Thesing
Fachberatung Rind, MSD Tiergesundheit

Die Jury der Kategorie „Saugferkelmanagement“:
Frau Prof. Dr. Nicole Kemper
Tierärztlichen Hochschule Hannover

Frau Prof. Dr. Andrea Ladinig
Universitätsklinik für Schweine der Veterinärmedizinischen Universität Wien

Herr Dr. Jörg Brüggemann
Schweinekontroll- und Beratungsring MV e.V.

Herr Dr. Hansjörg Schrade
Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg, Landesanstalt für Schweinezucht

Herr Georg Freisfeld
Erzeugerring Westfalen e.G.

Herr Dr. Robert Tabeling
Fachberatung Schwein, MSD Tiergesundheit

Durch den „Preis der Tiergesundheit“ sollen Erfolge in der Landwirtschaft durch innovative, nachhaltige Haltungs- und Gesundheitskonzepte ins Rampenlicht gestellt werden und so nicht nur untereinander zum Erfahrungsaustausch anregen, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein praktischer Austausch der Bewerberinnen und Bewerber soll auch nach dem „Preis der Tiergesundheit“ weitergeführt werden. Mehr Informationen zum „Preis der Tiergesundheit“ erhalten Sie hier.

Fischwohl in der Aquakultur – Probleme und Lösungsansätze

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Jedes Jahr werden weltweit einige Billionen Fische gefangen und verspeist. Über das Wohlbefinden der Tiere in der Aquakultur, beim Fang oder bei der Schlachtung dachte bis vor Kurzem kaum jemand nach.

Dabei belegt die neuere Forschung, dass zumindest einige, wenn nicht alle Fischarten empfindungsfähig sind, „Beziehungen mit Artgenossen oder mit Individuen anderer Arten eingehen, komplexe Lern- und Gedächtnisaufgaben lösen und Entscheidungen aufgrund der Einschätzung von Risiken und Nutzen treffen“ können, positive und negative affektive Zustände erleben können und sowohl Selbstbewusstsein zeigen, als auch Werkzeuge verwenden und komplizierte Strukturen aufzubauen. So steht es in der neuesten Broschüre der IGN zur Aquakultur.

„Das Verhalten der Fische ist der früheste und subtilste Indikator für ihr Wohlbefinden. Seine Bewertung ist praktisch, kostengünstig und nicht invasiv; allerdings ist Verhalten oft schwer zu verstehen und zu interpretieren“ heißt es im Text. Fische besitzen vielen Umweltrezeptoren Rezeptoren für Temperatur, ionische und osmotische Komponenten, Strömungen und alle Arten pathogener und nicht-pathogener Mikroorganismen. „Die strukturelle Bereicherung der Haltungsumwelt gilt als eine dringend empfohlene Strategie, um das Wohl von in Gefangenschaft gehaltenen Fischen zu gewährleisten oder zu verbessern“ schreiben die Fachwissenschaftler und heben vor allem auf den Tierwohl-Faktor Stress ab

Welche Maßnahmen bei der Einrichtung von Aquakulturanlagen, neben Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit, eine wichtige Rolle spielen sollten, erfahren die Leser auf 50 Seiten.

Inhalt:
Aus dem Forscherbüro
Einleitung – Zuchtfische: Warum so viele? Fischwohl: Warum so spät?
Schmerzen und Gefühle bei Fischen – Folgen des Fischwohls für die Aquakultur
Empfindungsvermögen bei Fischen
Fische sind intelligent und empfinden Schmerzen: Was ist mit Freude?
Fischzucht: Vom Stress zur Lebensqualität und zur ethisch vertretbaren Mahlzeit
Stress-Bewältigungsverhalten, ein Instrument um das Wohlbefinden von Fischen besser zu verstehen
Fischwohl: Zusammenhange zwischen Stress, Gesundheit, Umwelt und Vielfalt
Strukturelle Bereicherung in Fischfarmen: Wissenschaft und Fiktion
Wissen als Voraussetzung für Fischwohl – FishEthoBase als Grundlage
Fischwohl – nicht mehr langer der „Elefant im Raum“

Aus der Praxis
Entwicklung von Fischwohl-Richtlinien für die „Friend of the Sea“-Zertifizierung (FOS)
Aquaculture Stewardship Council (ASC) – Fischwohl Indikatoren in der Zertifizierung
Aufgaben und Arbeitsweise des „Initiativkreises Tierschutzstandards Aquakultur
Entwicklung von Koordination fur die Schweizer
Intensive Aquakultur und Tierwohl: ein Beispiel aus der Praxis

Aus der Bibliothek
Das umfassende neue Buch vom Fischwohl
Aktueller Überblick über das Fischwohl in Aquakultur und Tierversuchen
Aktueller Überblick über unsere Verwandten unter Wasser
Stress und Fischwohl: Indikatoren im Mucus
Verbesserung des Lebens unabhängig vom Grad der Empfindungsfähigkeit
fair-fish: Idee mit Wirkung

Aus dem Tierschutzrecht / Aus der Rechtsprechung
Die Fische im Tierschutzrecht in Europa
Der Fisch im Schweizer Recht – aktuelle Straffälle

Die IGN-Broschüre steht hier zum kostenfreien Download bereit.

Infektionskette unterbrechen durch Mykoplasmenimpfung der Sau?

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Von Dr. Heike Engels

Der Haupterreger der Enzootischen Pneumonie, Mycoplasma hyopneumoniae (kurz: M. hyo), führt weltweit zu großen Schäden und gilt als ein bedeutender Auslöser des Porcine Respiratory Disease Complex (PRDC). Chronisch trockener Husten zumeist in der Endmast sowie verminderte Tageszunahmen deuten auf eine M. hyo-Infektion hin. Außerdem ist M. hyo häufig Wegbereiter für Sekundärinfektionen durch PRRS-Viren oder Influenza. Die Infektion geschieht früh: Schon Sauen können M. hyo an ihre Ferkel übertragen. Um die Ferkel zu schützen hat sich daher eine Ferkelimpfung etabliert. Landwirt und Tierarzt entscheiden betriebsindividuell, ob diese Impfung als einmalige (One-Shot) oder zweimalige (Two-Shot) Impfung durchgeführt wird. Beiden Verfahren bescheinigen Experten eine vergleichbare Wirksamkeit. Sauen werden derzeit noch nicht routinemäßig geimpft, obwohl frühere Studien belegen, dass Sauen den Erreger an ihre Ferkel übertragen.

Sauenimpfung und One-Shot-Ferkelimpfung
Um den Effekt der Sauenimpfung näher zu untersuchen, führten Tierärzte der Tierärztlichen Fachpraxis für Schweine Vet-Team GbR Reken gemeinsam mit der Stiftung Tierärztliche Hochschule sowie dem Bio-Diagnostix Labor in Velen eine Untersuchung* durch, die kürzlich im Magazin „Der Praktische Tierarzt“ veröffentlicht wurde. Sie prüften den Einfluss einer M. hyo-Impfung von Sauen zu verschiedenen Zeitpunkten auf die Antikörperkonzentration von Sauen und Ferkeln. Außerdem betrachteten sie die Besiedelungsrate der Ferkel mit M. hyo zum Absetzen und die Lungengesundheit von Endmastschweinen am Schlachthof. Der Versuch fand auf einem konventionellen Ferkelerzeugerbetrieb mit 400 Sauen und Ferkelaufzucht sowie Mast statt. Bei Versuchsbeginn gab es trotz einer Two-Shot-Impfung gegen M. hyo vermehrte Atemwegsinfekte in der Mast sowie steigende Lungenbefunde bei der Schlachtung. Für den Versuch führten die Tierärzte eine Sauenimpfung zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein (keine Sauenimpfung / Bestandsimpfung / reproduktionsorientierte Impfung) und änderten die bisherige Two-Shot-Ferkelimpfung gegen M. hyo (5. und 21. Lebenstag) auf eine One-Shot-Impfung am 21. Lebenstag. Dies geschah aufgrund der durch die Sauenimpfung zu erwartenden hohen maternalen Antikörper, die die Immunantwort der Ferkel auf die Impfung schwächen können.

Antikörper steigen bei Sau und Ferkel
Nach Einführung der Sauenimpfung ließ sich ein deutlicher Anstieg der Antikörperkonzentration sowohl der Sauen als auch der Saugferkel beobachten, insbesondere bei einer reproduktionsbezogenen Impfung kurz vor der Geburt. Und auch die Besiedelungsrate der Saugferkel mit M. hyo änderte sich positiv: Vor Einführung der Sauenimpfung betrug sie 38,5 %, nach Impfung der Sauen lag sie nur noch bei 0 % (Bestandsimpfung) bzw. 6,7 % (reproduktionsorientierte Impfung). Auch der Anteil sichtbar veränderter Lungen der Endmastschweine am Schlachthof ging zurück. Gab es vor Impfumstellung bei 28,9 % der Lungen Veränderungen an mindestens einem Lungenspitzenlappen, waren nach Impfumstellung nur noch 17,7 % der Lungen betroffen.

Fazit
Die Wissenschaftler schlussfolgern anhand der Ergebnisse, dass:

• Eine Impfung von Sauen gegen M. hyo eine frühe Besiedelung der Saugferkel mit M. hyo reduzieren oder möglicherweise sogar verhindern kann.

• Die zusätzliche Sauenimpfung sowohl reproduktionsabhängig als auch als Bestandsimpfung insbesondere in Kombination mit einer Impfung der Ferkel eine sinnvolle Ergänzung zu einer klassischen Ferkelimpfung darstellen könnte.

• Beim Auftreten von Atemwegsproblemen in Flatdeck oder Mast zusammen mit vermehrten Lungenbefunden am Schlachthof die Besiedelung der Saugferkel mittels Lungenspülprobe überprüft und ggf. das Impfschema angepasst werden sollte.

• Bei früher M. hyo-Infektion der Ferkel schon zum Impfzeitpunkt eine Two-Shot-Impfung nur eine eingeschränkte Wirksamkeit zu haben scheint.
Wichtig: Jede Veränderung im Impfmanagement sollte intensiv mit dem eigenen Hoftierarzt besprochen werden, um die ideale und zugelassene Vorgehensweise betriebsindividuell zu ermitteln.

*Studie: Klingenberg, M. et al.: „M. hyopneumoniae-Impfung von tragenden Sauen – eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Ferkelimpfung?“, Der Praktische Tierarzt 2, 2020, S. 180-188.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in Ausgabe 5/2020 des E-Magazins „Der Hoftierarzt“. Für ein kostenfreies Abo bitte hier mit Mail-Adresse registrieren.

Innovation Award EuroTier 2021 Gold & Silber: Rinder

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Gold:

CowToilet von Hanskamp AgroTech BV

Cow Toilet

Der Minderung von Emissionen aus der Tierhaltung kommt eine wachsende Bedeutung zu. Stand hier lange das Entfernen bereits entstandener Emissionen aus der Abluft von Ställen im Fokus der Maßnahmen, liegt der Schwerpunkt heute eher darin, bereits deren Entstehung technisch oder auf der Verfahrensebene möglichst präventiv zu reduzieren. Auch die Milchviehhaltung steht in der Pflicht, z. B. für Ammoniakemissionen, Reduktionspotenziale zu suchen und effektiv umzusetzen. Viel Ammoniak in verhältnismäßig kurzer Zeit entsteht hier insbesondere aus den 15 bis 20 Litern Harn, die eine Kuh pro Tag abgibt.

Die Kuhtoilette (CowToilet) der Firma Hanskamp aus den Niederlanden ist ein revolutionäres Produkt, welches genau an diesem Punkt ansetzt. Das innovative System besteht aus einer Futterstelle sowie einer Auffangeinrichtung für den Harn. Über einen externen Stimulus wird nach dem Ende der Futtergabe der Reflex zum Abharnen ausgelöst und dieser aufgefangen. Die Hanskamp CowToilet sammelt so auf eine bisher ungekannte und intelligente Art den Harn direkt und separat von der Kuh ohne das Tier zu belasten.
Durch die frühe Trennung von Kot und Harn wird das Entstehen von Ammoniak auf den Laufflächen vermindert. Zudem bleiben die Laufflächen sauberer, was sich sowohl positiv auf die Klauengesundheit, wie auf die Luftqualität im Stall auswirkt. Des Weiteren kann der Landwirt die separat gesammelten und getrennt gelagerten Stoffe Kot und Harn im Pflanzenanbau oder der Energieerzeugung zielgerichteter und bedarfsgerechter einsetzen und so die Nährstoffeffizienz weiter steigern.

Silber:

Alma Pro Hygieneset: UV-C Desinfektion von Nuckel und Boilerwasser von URBAN GmbH & Co. KG

Alma Pro Hygieneset

Hygiene ist das A & O in allen Tierbeständen – so auch bei der Kälberaufzucht, unter anderem bei der Fütterung. Gerade bei der automatischen Fütterung besteht die Gefahr, dass Erreger von Kalb zu Kalb weitergegeben werden.

Das Alma Pro Hygiene Set der URBAN GmbH steht für einen innovativen Einsatz der vielfach bewährten UV-C Bestrahlung zur Keimminderung im Bereich der Kälberfütterung. Durch eine gezielte UV-C Bestrahlung an relevanten Hygienepunkten des Kälbertränkeautomaten sollen deutliche Verbesserungen im Vergleich zu bisherigen Konzepten zur technischen Keimreduktion erzielt werden. Neben einer UV-C Bestrahlung des Boilerwassers, die eine aus Hygienegesichtspunkten einwandfreie Wasserqualität zum Amischen der Tränke gewährleistet, stellt die zusätzliche und überwachte Bestrahlung des Nuckels eine deutliche Verbesserung dar. In kurzen Tränkepausen zwischen den einzelnen Kälbern werden der Nuckel und die angrenzenden Kontaktflächen bestrahlt, und so eine Vielzahl von Erregern während des Betriebs abgetötet. Durch diese Keimreduzierung und Verminderung der Keimvermehrung wird auch die Gefahr der Keimverschleppung durch die Kälber minimiert.

Im Vergleich zu anderen Hygienisierungsmethoden am Markt stellt URBAN mit dem Alma Pro Hygieneset eine sichere, besonders ressourcenschonende und chemikalienfreie Möglichkeit zur Keimreduktion im Kälbertränkebereich zur Verfügung.

Brix-TS Sensor von Holm & Laue GmbH & Co. KG

Brix TS-Sensor

Einer der sensibelsten Bereiche in der Milchviehhaltung ist die Kälberaufzucht. Kälbetränkeautomaten haben sich bewährt und sorgen für eine tier- und bedarfsgerechte Ernährung der Kälber. In der Regel wird in den Automaten mit Milchpulver, in geringerem Umfang auch mit Vollmilch, gearbeitet. Auch die Kombination aus beidem ist möglich.

Wechselnde Trockensubstanz-Gehalte bei neuen Milchpulver-Chargen bedingen ein ständiges Überprüfen und Anpassen der Grundeinstellungen der Tränkeautomaten, um eine gleichbleibende Konzentration des Milchpulvers in der der Tränkemilch und optimale Futterqualitäten zu erreichen. In der Praxis wird diese wichtige Tätigkeit aus Zeitgründen teilweise nicht ausgeführt, da die Milchaustauscherkonzentration nach einer Kalibrierung manuell am Futterautomaten eingestellt werden muss.

Der Brix-TS Sensor ist ein elektronischer Refraktometer-Sensor, der in den Anmischbecher des Kälbertränkeautomaten „Calf Expert“ integriert wurde. Dort misst und überwacht er kontinuierlich die Trockensubstanz der frisch angemischten Kälbermilch. Bei Abweichungen korrigiert der Automat die Konzentration in der Tränkemilch. Ebenso kann beim Einsatz von Vollmilch durch eine eventuelle Beigabe von Milchpulver eine gleichbleibende Trockensubstanzkonzentration der Tränkemilch gesichert werden.

Holm & Laue bringt mit dem Brix-TS Sensor somit eine technische Lösung auf den Markt, die eine kontinuierlich gleichbleibende Kälbertränke gewährleisten kann.

Delta X Pack

Delta X Pack von BIORET AGRI Logette Confort
Durch eine frühe Trennung von Kot und Harn kann die Entstehung von Ammoniak auf den Laufflächen gemindert werden. In der Milchviehhaltung stellt der Harn der Tiere eine der Hauptquellen für die Entstehung von Ammoniakemissionen dar; vor allem, wenn er länger unter Luftkontakt und in Kontakt zum Kot auf den Laufflächen verbleibt.

Die Firma Bioret aus Frankreich hat hierzu mit dem Delta X Pack ein sehr interessantes Produkt wesentlich weiterentwickelt, mit dem es möglich ist, Kot und Harn auf den Laufflächen von Milchviehställen automatisiert, schnell und einfach separat zu erfassen und getrennten Lagern zuzuführen. Hierzu wurde in einem Gummimattensystem mit 3 Prozent Gefälle ein gegenläufiges Förderbandsystem integriert, das den in der Mittelrinne gesammelten Harn zum Flüssig-, den Kot der Tiere hingegen zum Feststofflager ableitet.

Die schnelle und wirksame Trennung von Kot und Harn ist für die Sauberhaltung der Laufflächen, zur Förderung der Tiergesundheit und zur Verbesserung des Stallklimas sowie der Umweltwirkung von Stallanlagen von großer Bedeutung.

Calf Monitoring System von Futuro Farming GmbH

Calf Monitoring System

Ein größeres Potential für Mängel in der Kälberaufzucht ist insbesondere in größer werdenden Tierbeständen gegeben. Eine zunehmende Kälberzahl mit zwangsläufig steigendem Infektionsdruck sorgt für höhere Anforderungen an Hygiene und Krankheitsvorbeuge. Den Überblick über den Bestand zu behalten, und bei Schwierigkeiten rechtzeitig einzugreifen, wird nochmals schwieriger, wenn Kontrollen außerdem von mehreren, möglicherweise wechselnden Personen durchgeführt werden.

Das Calf Monitoring System ist ein präzises und energiesparendes, non-invasives Sensorsystem zur Früherkennung von Krankheiten bei Kälbern. Über einen passiven Infrarotsensor wird das Verhaltensmuster des Kalbes erkannt und zeitaktuell über eine KI ausgewertet. Die Information wird dem Landwirt direkt über eine App und Online-Plattform bereitgestellt und ermöglicht so ein kontinuierliches Gesundheitsmonitoring des Kalbes. Dabei wird die tägliche Kontrolle durch den Landwirt nicht ersetzt, sondern dieser erhält durch die kontinuierliche Überwachung und kurzfristige Rückmeldung eine wertvolle Unterstützung.

Diese Verbesserung in der Bestandsüberwachung führt dazu, dass aufkommende Erkrankungen früher erkannt und behandelt werden können. Die Krankheitsverläufe sind dadurch milder und die Kälbersterblichkeit sinkt, während Tierwohl und Tiergesundheit insgesamt gesteigert werden.

Innovation Award EuroTier 2021 Silber: Geflügel

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SELEGGT Circulus von respeggt GmbH

SELEGGT Circulus

Legegenotypen sind aus Gründen der Produktqualität und der Wirtschaftlichkeit für die Erzeugung von Geflügelfleisch ungeeignet, weshalb die männlichen Küken dieser Legerassen bislang in den meisten Fällen nicht aufgezogen werden. Das Töten der männlichen Eintagsküken soll nach dem Willen von Gesellschaft und Politik schnellstmöglich eingestellt und verboten werden. Als eine Alternative wird die In-ovo-Geschlechtsbestimmung angesehen, wobei die Hormonanalyse am 8./9. Bruttag aktuell das am weitesten entwickelte und kommerziell nutzbare Verfahren ist.

Das hierzu von der Firma respeggt GmbH entwickelte Entnahmesystem SELEGGT Acus ist bereits im Praxiseinsatz. Dieses System ist allerdings nur teilautomatisiert und entnimmt die Prüfflüssigkeit aus der Allantois mit einer Nadel. Hierdurch besteht die Gefahr einer Verletzung der Allantoismembran, was zu einer Reduktion der Schlupfrate führen kann. Die Stundenleistung einer einzelnen Entnahmeeinheit liegt bei rund 600 Eiern.

Das System SELEGGT Circulus stellt eine wesentliche Weiterentwicklung des Vorgängersystems dar. Es arbeitet vollautomatisch und die Entnahme der Allantoisflüssigkeit erfolgt jetzt kontaktlos. Somit entfällt die Reinigung der Entnahmenadel und die Entnahmedauer ist auf 1 Sekunde je Ei vermindert. Eine Entnahmeeinheit SELEGGT Circulus ermöglicht so bei einem Drei-Schichtbetrieb und 20 Einsatzstunden pro Tag eine Wochenleistung von 360.000 Bruteiern, was zwischen 150.000 bis 180.000 Legeküken entspricht. Dies ist eine wesentliche Steigerung der Arbeitsleistung gegenüber dem Vorgängersystem.

Mit der kontaktlosen Probennahme und der deutlich gesteigerten Stundenleistung sind die Voraussetzungen geschaffen, um das bisherige Töten der Hahnenküken in den Brütereien durch die In-ovo-Geschlechtsbestimmung flächendeckend zu ersetzen.

On tray orderly egg refilling system

ON TRAY ORDERLY EGG REFILLING SYSTEM NECTRA SAS
Die Bruteier aus Masthuhn-Elterntierfarmen werden an zentrale Brütereien geliefert und dort vor der Einlage in den Brutapparat nach Qualität und Gewicht sortiert. Ferner müssen Eier, die nicht mit dem stumpfen Pol nach oben in der Horde sitzen, gedreht werden. Hierdurch fallen viele unvollständig gefüllte Horden an, die manuell wieder aufgefüllt werden müssen. Häufig werden die Eier auch auf Bändern transportiert, wo sie gegeneinanderstoßen und so die Schalen beschädigt werden können.

Bei dem von der Firma NECTRA SAS vorgestellten System werden die Eier von den Anlieferungshorden auf Einzeleihalter (egg moving cups) umgesetzt, die sich frei auf einem Transportband bewegen. Die Eier können hier automatisch und individuell nach Qualität und Gewicht sortiert und auch bei falscher Positionierung umgedreht werden. Die sich frei bewegenden Einzeleihalter werden zur Übergabe in die Bruthorden angestaut, nicht besetzte Eihalter werden automatisch entnommen und die verbleibenden, gefüllten Eihalter werden dann automatisch auf die Bruthorden umgesetzt, so dass keine Leerstellen entstehen.

Das System vermindert die Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung der Eischalen deutlich und automatisiert den Befüllungsprozess der Bruthorden. Dies führt zu einer deutlichen Arbeitsentlastung und zu einer Verbesserung der Schlupfraten in den Mastküken-Brütereien.

Mit Fermentgetreide Clostridien in Schach halten

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Von Dr. Heike Engels

Clostridien sind grampositive, anaerobe, sporenbildende Bakterien in Stäbchenform, die im Erdboden und im Verdauungstrakt von Mensch und Tier von Natur aus vorkommen. Sie bilden resistente Sporen aus, die sehr lange Zeit in der Umwelt überleben können. Was passiert, wenn Kühe dauerhaft mit Clostridien zu kämpfen haben und wie u.a. Fermentgetreide bei diesem Kampf helfen kann, hat Familie Kothe erfahren.

Clostridienarten gibt es viele und sie sind nicht von Haus aus schädlich: Sie sind am Stoffwechsel beteiligt und bauen Eiweiß oder Zucker, Stärke, Cellulose ab. Aber diese Bakterien bilden auch Toxine, die den Körper auf unterschiedlichste Art schädigen können: Darmentzündungen, schlechtes Allgemeinbefinden, Aufgasungen bis hin zum Tod. Ob es nach Aufnahme der Bakterien im Körper zur Vermehrung kommt, hängt von vielen Co-Faktoren ab. Lange Zeit kann der Erreger einfach nur im Körper verharren, kommen dann aber ein azidotischer Stoffwechsel hinzu, stark mit Clostridien kontaminiertes Futter oder Stress, kann die Erkrankung plötzlich ausbrechen, und das dann häufig so schnell, dass Behandlungen oft zu spät kommen und es zu hohen Verlustraten im Bestand kommt.

Matte und apathische Kühe
So ähnlich war es auch bei Familie Kothe in Loxstedt, Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen. Sohn und zukünftiger Betriebsleiter Hennes Kothe erinnert sich: „Im Jahr 2016 fingen die Symptome in unserer Herde an mit einer leicht sinkenden Milchleistung und einer reduzierten Fruchtbarkeit. Besonders Hochleistungskühe nahmen nicht mehr auf, unsere Konzeptionsrate lag nur noch bei etwa 30 %. Wir mussten die Kühe aus der Herde merzen, das hat uns wirtschaftlich hart getroffen. Außerdem sahen unsere Kühe irgendwie matt und apathisch aus, auch das Fell glänzte nicht mehr und der Kot war zu dünn.“ Familie Kothe hält auf ihrem Familienbetrieb 500 laktierende Kühe mit einer Milchleistung von 10.300 Litern je Kuh und Jahr und bewirtschaftet 350 ha, wovon 250 ha Grünland sind und der Rest Silomais. Die Stallungen sind schon älter, der Keimdruck entsprechend höher als in Neubauten, aber so matt wie damals waren die Kühe noch nie.

Unterschwellige Dauerbelastung
Der Tierarzt stellte mittels Kotuntersuchung eine Belastung der Herde mit dem Bakterium Clostridium perfringens bzw. dessen Toxinen fest. Beim Rind gehört Clostridium perfringens eigentlich zu den normalen Darmbewohnern, das Bakterium lässt sich fast bei jeder Kuh nachweisen. Kommen aber oben genannte Co-Faktoren hinzu, können die Tiere unspezifische Erkrankungssymptome zeigen wie bei Familie Kothe geschehen. Als Sofortbehandlung verabreichte der Tierarzt über mehrere Tage Penicillin. Damit stabilisierte sich die Herde, doch gebannt war die Gefahr durch die Clostridien damit nicht. „Das Problem bei uns ist, dass wir viele nasse Grünlandflächen haben. Die Flächen werden durch Gräben entwässert, die regelmäßig ausgeräumt werden müssen, damit sie funktionieren. Dadurch kommt es immer wieder zu Verschmutzungen des Grünlandes mit Erde aus den Gräben, und über diese Erde kommen immer wieder Clostridien ins Gras und damit bei der Grünlandernte ins Erntegut“, erklärt Hennes Kothe die Situation. Beim Rind sieht der Clostridien-Kreislauf tatsächlich so aus, dass die Sporen und Toxine über die Fütterung von kontaminierten Grassilagen ins Tier gelangen. Die Tiere scheiden die Clostridien wieder aus, diese gelangen mit der Gülle wieder in die Umwelt und werden erneut mit der Futterernte ins Futter verbracht und später vom Tier aufgenommen. Deshalb kann eine unterschwellige Dauerbelastung der Herde mit Clostridien vorliegen.

Milchsäurebakterien bekämpfen pathogene Keime
Hennes Kothe suchte daher nach einer Möglichkeit, diese unterschwellige Belastung in den Griff zu bekommen. „Bei der Ernte achten wir seitdem verstärkt darauf, nicht zu tief zu mähen, um wenig Dreckeintrag zu haben. Außerdem führten wir in Absprache mit dem Tierarzt eine halbjährliche Impfung gegen Clostridien ein. Damit lief es erst einmal besser. Auf einer Vortragsveranstaltung der Landwirtschaftskammer hörte ich dann von der positiven Wirkung von Kanne Fermentgetreide auf den Stoffwechsel, welches zur Darmstabilisierung und gegen pathogene Keime eingesetzt wird. Wir baten daraufhin den Fachberater für Milchviehaltung Christian Lohkamp auf unseren Betrieb. Er hat die Tiere begutachtet, alle Rationskomponenten kontrolliert und Veränderung in der TMR und den Einsatz vom Kanne Fermentgetreide flüssig mit uns besprochen.“ Im Fermentgetreide von Kanne, auch als Brottrunk bekannt, sind spezielle Milchsäurebakterien enthalten, die positiv auf die Darmschleimhaut wirken und diese stabilisiert. Zudem können die Milchsäurebakterien Bakteriozine bilden, die pathogene Keime im Wachstum hemmen. Der gesamte Organismus erlangt dadurch einen besseren Immunstatus. Ein weiteres Plus: Die Milchsäure aus dem Fermentgetreide wird basisch verstoffwechselt, was zu einer Entsäuerung führt und azidotischen Zuständen vorbeugt. Diese Wirkung ist vorteilhaft, da eine Azidose eine Clostridien-Vermehrung im Darm begünstigt.

Bessere Rationsausnutzung und vitale Tiere
Hennes Kothe startete mit 400 ml Brottrunk je Kuh und Tag für 4 Wochen. Die Dosis wird jeweils mit dem Berater abgesprochen. Das Fermentgetreide wird im 1.000 Liter Container geliefert, die Tagesdosis via Eimer abgezapft und einfach in den Futtermischwagen gegeben. Die Kühe fressen es gerne, hat Hennes Kothe festgestellt. Schon nach kurzer Zeit verbesserte sich das Aussehen der Herde. „Das Fell glänzte wieder und wurde schön glatt, der Kot war wieder fester und auch die Leistungsparameter Fruchtbarkeit und Milchleistung verbesserten sich“, erinnert er sich. Nach der 4-wöchigen Kur entschied er sich deshalb, das Fermentgetreide dauerhaft zu füttern. Zur Erhaltung des positiven Stoffwechselzustands reichen dann 200 ml pro Kuh und Tag aus. Auch die Kälber erhalten mittlerweile Fermentgetreide, denn auch ihnen tun die Milchsäurebakterien gut. „Meine Mutter gibt den Kälbern 25 ml Brottrunk auf einen Liter Vollmilchtränke. Damit entwickeln sie sich prächtig, nehmen gut zu und sind vital. Wenn wir das Gefühl haben, es droht eine Verschlechterung der Gesundheit, erhöhen wir einfach die Tagesdosis des Fermentgetreides, damit ist es dann meistens schon wieder gut und der Zustand stabilisiert sich.“

Was ist Fermentgetreide bzw. Brottrunk?
Der Einsatz von Fermentgetreide flüssig ist auch wirtschaftlich tragbar, zumal Hennes Kothe als weiteren positiven Nebeneffekt errechnet hat, dass er mit dem Fermentgetreide etwa 16 Tonnen Kraftfutter im Jahr einspart, weil die speziellen Stämme der Brotsäurebakterien in der Lage sind Proteine und Stärke besser verfügbar zu machen. Das bedeutet eine bessere Ausnutzung der Ration sowie weniger Futterkosten. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Fermentgetreide. Um ehrlich zu sein trinken wir es auch manchmal, wenn es uns nicht gut geht“, sagt Hennes Kothe mit einem Augenzwinkern. Warum auch nicht? Brottrunk entsteht durch die Fermentation von Brot. Bei der Firma Kanne Brottrunk wird zu diesem Zweck ein hochwertiges Bio-Vollkornbrot gebacken. Nach dem Abschluss dieser Fermentation liegt das Fermentgetreide vor. Es ist noch trüb und enthält das fermentierte Vollkornbrot und ist deshalb reich an Enzymen und Mineralstoffen. Wird es weiter gefiltert, entsteht der klarere Brottrunk. Er enthält Aminosäuren, Vitamin B12 und weitere Vitamine sowie vor allem Milchsäurebakterien und Milchsäure. Zur normalen Bakterienbesiedlung des Darms gehören Milchsäurebakterien, da diese für den mikrobiellen Aufschluss des Futters benötigt werden. Die bei der Getreidefermentation entstehenden Milchsäurebakterien können einen Beitrag zur Vielfalt des Darmmikrobioms leisten und unterstützen daher die Gesundheit des Tiers und auch des Menschen. Brottrunk kann nicht nur verfüttert, sondern auch in Ställen vernebelt werden, um dort für eine positive Veränderung des mikrobiellen Milieus zu sorgen.

3 Fragen an Christian Lohkamp, Milchviehberater bei Kanne Brottrunk:

Christian Lohkamp, Kanne Brottrunk (im Bild rechts)

Kann Brottrunk oder Fermentgetreide einfach in die Ration gegeben werden?
Im Prinzip schon, es ist nur zu beachten, dass gleichzeitig mit dem Fermentgetreide flüssig kein Natriumbicarbonat eingesetzt werden darf, da es die Milchsäure bindet und diese dann nicht mehr wirksam ist. Außerdem sollte man auf den Einsatz von Futterharnstoff achten, da sich dieser negativ auf die Leber auswirken kann.

Gibt es noch etwas zu beachten?
Bei Erkrankungen, wie beispielsweise einer Clostridien-Infektion, ist die Milchmenge häufig reduziert, da der mikrobielle Aufschluss des Futters durch die Clostridien und deren Toxine gestört wird. Der Versuch, den Verlust der Milchmenge durch eine erhöhte Kraftfuttergabe zu kompensieren, führt häufig zu einer starken Stoffwechselbelastung, vor allem der Leber. Der verbesserte Aufschluss des Futters durch Fermentgetreide flüssig ermöglicht, die Kraftfuttermenge zu reduzieren, bei stabiler Milchmenge und entlastetem Stoffwechsel.

Wie wollte man also beim Einsatz von Fermentgetreide vorgehen?
Idealerweise werden alle Rationskomponenten bewertet und auf den Einsatz von Fermentgetreide entsprechend eingestellt. Interessierte Landwirtinnen und Landwirte werden von mir kostenlos und unverbindlich beraten, sie können sich einfach bei uns melden und einen Termin vor Ort vereinbaren.

Kontakt: Tel. 02592-97 40 18, E-Mail sandra.limburg@kanne-brottrunk.de

Neue Forschungsergebnisse zeigen, pessimistische Milchkälber sind anfälliger für Schmerz

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In einer neuen Studie der „University of British Columbia, Faculty of Land and Food Systems“ fanden Forscher heraus, dass Kälber bei Schmerzen depressive Zustände zeigten und Kälber mit pessimistischeren Merkmalen besonders anfällig sind.

Das Enthornen ist ein häufig angewandtes, aber schmerzhaftes Verfahren, um das Hornwachstum bei Kälbern zu verhindern. Selbst wenn der unmittelbare intraoperative Schmerz kontrolliert wird, kann der postoperative Schmerz Tage nach dem Eingriff anhalten. Anhedonie, die verminderte Fähigkeit, Vergnügen zu erleben, ist mit schlechter Stimmung beim Menschen verbunden. In der aktuellen Studie berichten UBC-Forscher über die ersten Anzeichen einer Anhedonie nach dem Enthornen. Sie fanden heraus, dass Kälber den Genuss einer süßen Lösung für mindestens 5 Tage nach dem Eingriff reduzierten.

Die Forscher fanden auch Hinweise auf individuelle Unterschiede in dieser Reaktion. Kälber, die vor dem Enthornen als pessimistischer eingestuft wurden, zeigten nach dem Enthornen mehr Anzeichen von Anhedonie, was darauf hindeutet, dass diese Tiere besonders anfällig für Schmerzen waren und einen stärkeren Rückgang beim Verzehr der süßen Lösung zeigten.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Vorbeugung von postoperativen Schmerzen und die Bedeutung individueller Unterschiede in der Schmerzanfälligkeit.

Die beiden Videos zeigen, wie Forscher den Pessimismus bei den Kälbern vor dem Enthornen beurteilten. Die Kälber wurden darauf trainiert, sich einer Milchflasche zu nähern, um ein Getränk mit frischer Milch aus einer Flasche ganz rechts im Abteil zu trinken. Wenn die Flasche ganz links im Abteil platziert wurde, erhielten die Kälber keine Milchbelohnung. Nach dieser Trainingsphase wurden Kälber unter Verwendung mehrdeutiger Hinweise getestet, d. h. mit Milchflaschen, die an Stellen zwischen der positiven und der negativen Trainingsposition platziert wurden.

Das erste Video zeigt die Reaktion eines optimistischeren Kalbs – dieses Kalb nähert sich schnell der Flasche am Testort.

Im Gegensatz dazu zeigt das zweite Kalb eine pessimistischere Reaktion – dieses Kalb bleibt nahe am Trainingsort auf der rechten Seite des Abteils und nähert sich niemals der Testflasche.

Die komplette Studie von Lecorps et al. ist hier zu finden.

Quelle: University of British Columbia, Faculty of Land and Food Systems

Salmonellenrisiko in der Schweinehaltung so gering wie noch nie

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Maßnahmen zur Identifizierung und Reduzierung greifen
Das Salmonellenmonitoring im QS-System zeigt im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der kritischen Salmonelleneinstufung (Kategorie III-Betriebe) um 50 Prozent. Waren es 2019 noch 3,3 % sind es in diesem Jahr nur noch 1,6 % aller knapp 20.000 Schweinemastbetriebe, die ein erhöhtes Risiko aufzeigen. Vergleicht man die Zahlen mit der Situation zur Einführung des Salmonellenmonitorings im Jahr 2003, dann hat sich der Anteil der Betriebe mit hohem Salmonellenrisiko deutlich reduziert.

„Seit Beginn des QS-Salmonellenmonitorings vor nunmehr 17 Jahren war das Risiko für eine Salmonelleninfektion in den Schweinemastbetriebe noch nie so gering wie heute“, zeigt sich QS-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff erfreut über die Entwicklung. „Die Sensibilität in puncto Salmonellen ist entlang der gesamten Wertschöpfungskette stetig gestiegen. Nur durch ein gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten über die Betriebsgrenzen hinweg konnte dieses niedrige Salmonellenrisiko erreicht werden“, erläutert Nienhoff den Erfolg der Partner im QS-System.

Im Jahr 2003 hat QS das Salmonellenmonitoring verpflichtend für alle Schweinehalter eingeführt, die Tiere zur Schlachtung abgeben. Die Proben werden in den Schlachtbetrieben gezogen, in QS-anerkannten Laboren auf das Vorhandensein von Salmonellenantikörpern untersucht und die Analyseergebnisse in der QS-Salmonellendatenbank erfasst. Vierteljährlich erhalten die Schweinemäster einen Statusbericht über alle Ergebnisse mit Auswertungen.

Kritische Betriebe werden so regelmäßig ermahnt, für das Thema sensibilisiert und aufgefordert die Eintrittswege von Salmonellen zu durchleuchten. Sie müssen konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Salmonellenbelastungen einleiten. „Die Entwicklung gibt uns Recht, dass ein datenbasiertes Frühwarnsystem den Betrieben die notwendige Hilfestellung bieten kann, um entsprechende Risikofaktoren zu erkennen, sie zu reduzieren und damit die Lebensmittelsicherheit weiter zu verbessern“, fasst Nienhoff die Zielsetzung des Salmonellenmonitorings im QS-System zusammen.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Besucherrekord: bpt-Kongress 2020 DIGITAL setzt neue Maßstäbe

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Der Kongress 2020 des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt), der in diesem Jahr vom 19. bis 25. November erstmals virtuell stattfand, war ein voller Erfolg. „Mit insgesamt 3.070 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war unser Digitalkongress nicht nur eine gelungene Premiere in der virtuellen Welt, sondern auch der erfolgreichste Kongress in der 100-jährigen bpt-Geschichte mit durchweg positiver Resonanz“, erklärt bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder zum Abschluss der Veranstaltung. Er dankte den Referenten, den Ausstellern der Fach- und Jobmesse, dem Programmkommitee, dem bpt-Team und allen für das Kongressstudio in Frankfurt Verantwortlichen sowie den Sponsoren und Medienpartnern. „Ohne die vielen Mitstreiter hätte es diesen Kongress nicht gegeben. Sie alle haben sich die größte Mühe gegeben, um eine spannende Live-Kongresswoche mit berufspolitischen Themen und insgesamt über 80 Stunden ATF-anerkannter Fortbildung professionell präsentieren zu können“, so Moder.

Neben dem klassischen Fortbildungs- und Informationsangebot für Praktiker standen in diesem Jahr mehr denn je die aktuellen berufspolitischen Herausforderungen im Mittelpunkt des umfangreichen Angebots. Coronakrise und Fachkräftemangel in der Tierarztpraxis, das aktuelle Tierseuchengeschehen und vor allem der Live Career Day mit einer Fülle von Vorträgen und Diskussionsrunden rund um den tierärztlichen Arbeitsmarkt und den Einstieg ins Berufsleben bestimmten die berufspolitischen Veranstaltungen.

Ein besonderes Lob der Kongressteilnehmer galt der Möglichkeit, durch die Aufzeichnung aller Live-Webinare Parallelveranstaltungen später besuchen zu können. Ein Aspekt, der in der bpt-Frühjahrsumfrage besonders gewünscht worden war und jetzt, den Rückmeldungen und Zugriffszahlen zufolge, reichlich genutzt wurde. „Die Kolleginnen und Kollegen konnten so endlich einmal rechts und links schauen und in die Nachbargebiete reinzappen. Schweinepraktiker haben die Rindervorträge besucht und umgekehrt. Nischenthemen, wie Bienen, Kleine Wiederkäuern oder Vögel, wurden von mehreren hundert Kongressteilnehmern abgerufen. Das weitet den Blick, hat ein Teilnehmer dankend angemerkt“, freut sich Siegfried Moder über die positive Resonanz. Und auch die Praxisführungs-Sessions profitierten davon. Im Gegensatz zu den Präsenzkongressen, bei denen es unumgänglich ist, sich zwischen Praxisführung und dem parallelen Tierartenprogramm entscheiden zu müssen, besuchten diesmal doppelt so viele Teilnehmer die Veranstaltungen. Ein großes Plus des digitalen Formats war überdies die unkomplizierte Einbeziehung von Experten aus dem Ausland, wie z. B. die aus den USA zugeschaltete Amy Johnson.

Last but not least: Trotz der rein virtuellen Welt musste niemand einsam vor dem PC sitzen. Die Kaffeebar auf der Kongressplattform bot eine gute Gelegenheit, sich ganz entspannt im Videochat zu treffen, und wurde sowohl nach den Live-Sessions für weitere Gespräche zwischen Teilnehmern und Referenten wie auch einfach zum gemeinsamen Kaffeetrinken und Unterhalten ausgiebig genutzt.

„Ich freue mich natürlich riesig über den Erfolg. Erfolgreich sein ist aber auch nicht immer einfach, denn jetzt stehen wir vor der Überlegung, wie es künftig weitergehen soll: Kongresse – wie gehabt – als Präsenzveranstaltung, im rein digitalen Format oder Hybride. Unsere nächste große Veranstaltung, die bpt-Intensiv-Fortbildung Kleintier 2021 zum Spezialthema „Die Wunde, haben wir in Hinblick auf die Pandemie ja schon vom Februar auf den 29. April bis 2. Mai verschoben. Über das endgültige Format muss aber noch endschieden werden – möglicherweise wird es dieses Mal ein bpt intensiv Kleintier DIGITAL geben“, so der bpt-Präsident Moder augenzwinkernd bei der Kongressabschlussveranstaltung.

Wegen des nachhaltig großen Interesses am diesjährigen bpt-Kongress DIGITAL wurde die Anmeldemöglichkeit bis zum 2. Dezember verlängert, sodass auch denjenigen, die den Live-Kongress verpasst haben, damit noch ermöglicht wird, alle Kongressinhalte bis zum 9. Dezember abzurufen und dafür ATF-Stunden zu erwerben.

Quelle: bpt

Interview Geflügelpest: Viruseintrag in Nutzgeflügelbestände verhindern

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Leider ist es wieder soweit: Das Geflügelpest-Virus ist erneut in Deutschland angekommen. Seit dem Winter 2016/2017 gab es keine nennenswerten Ausbrüche. Doch in diesem Herbst bringen infizierte Zugvögel das hochansteckende Geflügelpest-Virus mit dem Vogelzug aus dem hohen Norden in unsere Breitengrade. In Norddeutschland herrscht bereits in vielen Gebieten eine Stallpflicht. Doch wie gefährlich ist die aktuelle Lage und welche Kriterien führen zur Stallpflicht? Amtstierärztin Dr. Christiane Mamarvar aus dem Landkreis Nienburg/Weser erklärt die Hintergründe.

Frau Dr. Mamarvar, wie Ernst ist die Lage?
Sehr ernst. Im Moment sind wir hier im Norden die ersten, die den Herbst-Vogelzug verzeichnen, deshalb beginnen die Geflügelpest-Probleme zumeist im Norden entlang dieser Vogelfluglinie. Je kälter es wird und je mehr Zugvögel aus Sibirien gen Süden fliegen, wandert das Seuchengeschehen, welches sich durch eine hohe Todesrate auch bei den Wildvögeln auszeichnet, dann auch in den Süden Deutschlands. Die Zugvögel, wie z. B. Gänse, Enten und Schwäne tragen das Virus in sich und auf den Rastplätzen kommt es dann zu einer Vermischung und Übertragung auf die heimische Wildtierpopulation. Hierbei sind hauptsächlich Wasservögel wie Wildenten und Wildgänse, aber auch Aasfresser und Greifvögel betroffen. Das Virus hat eine hohe Pathogenität, sodass Wassergeflügel nicht nur als Reservoir für die Virusvermehrung dient, sondern auch erkrankt und verendet. Stärker gefährdet sind aber vor allem Hühner und Puten, aber auch Fasane, Wachteln, Perlhühner und Wildvögel.

Wie läuft die Risikobewertung ab, ist das immer gleich oder handelt jeder Landkreis auf eigene Faust?
In der Geflügelpest-Verordnung ist der Ablauf der Risikobeurteilung für alle Landkreise Deutschlands einheitlich geregelt. Für den Kreis Nienburg kann ich das Vorgehen kurz skizzieren: Das Veterinäramt kann sich beim Friedrich-Löffler-Institut, kurz FLI, über einen Radarbulletin, über die gängigen Tierseuchen wie die Afrikanische Schweinepest, Blauzunge, Maul- und Klauenseuche, der kleine Beutenkäfer, aber auch die Geflügelpest, in einer Kurzübersicht informieren. Für alle diese Seuchen erhalte ich darin vom FLI eine Risikoabschätzung nach Ampelsystem für Deutschland. Weiterhin gibt es das Tierseuchennachrichtensystem, kurz TSN, worüber melde- und anzeigepflichtige Tierseuchen mitgeteilt werden. Hier kann ich nicht nur für meinen Landkreis nachsehen, sondern auch für die anderen Bundesländer. Speziell zur Geflügelpest hatte das FLI zum 5.11. eine ganz ausführliche Risikobeurteilung abgegeben, was den Eintrag nach Deutschland und in die Nutzgeflügelbestände betrifft. Darin heißt es, dass das Risiko aufgrund des Vogelzuges hoch ist. Generell kann man sagen, dass wir immer in Alarmbereitschaft sind wenn im Herbst der Vogelzug startet.

Daraufhin hat das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz alle Landkreise aufgefordert, eine Risikobeurteilung für ihren Bereich zu erstellen. Dafür habe ich die örtlichen Gegenebenheiten beurteilt, die Nähe von Geflügelbeständen zu bestimmten Gebieten wie Wasserstellen, Feuchtbiotopen, Küstengewässer, avifaunistisch wertvolle Gebieten sowie Rastplätzen für Zugvögel. Neben der Geflügeldichte des Kreises ist dabei u.a. zu berücksichtigen, ob es bereits einen Geflügelpest-Ausbruch im Kreis oder im Nachbarlandkreis gab oder tote infizierte Wildvögel gefunden wurden. Diese Erkenntnisse fließen in die Risikobewertung ein. TSN besteht aus Karten, auf denen entsprechende Betriebe mit Geflügel, aber auch Schwein und Rind eingeblendet werden können. Das LAVES hat uns verschiedene Layer zur Verfügung gestellt, die virtuell wie Folien über unseren Landkreis gelegt werden und Feuchtgebiete anzeigt oder avifaunistisch wertvolle Bereiche sowie Schläge wie Dauergrünland, Raps, Wintergetreide und Mais. Wildvögel sind bei der Futtersuche auf diesen Flächen vermehrt anzutreffen.

Außerdem habe ich Erkenntnisse der internationalen Wasservogelzählung des NABU einbezogen: wie stark ist der Vogelzug, wo und welche Arten von Wasservögeln wurden kartiert. Befanden sich bereits Wasservögel aus Sibirien unter den beobachteten Arten. Dadurch kann ich risikoorientiert Stallpflichten anordnen für die Betriebe oder Gemeinden in der Nähe solcher Stellen.

Wann wird ein kritischer Punkt erreicht und die Stallpflicht angeordnet?
Finden wir den ersten toten Wildvogel, der eine hochpathogene Variante des Virus in sich trägt, sind wir in höchster Alarmbereitschaft. Dass würde dann in die Risikobeurteilung einfließen und eine Aufstallungspflicht für den gesamten Landkreis kann die Folge sein. Das teilen wir per Allgemeinverfügung mit. Die Begründung dafür ist, dass wir die Einschleppung des Virus durch Wildvögel in Nutztierbestände vermeiden wollen. Wenn wir zu lange warten, kann das Virus weiter in der Wildtierpopulation verschleppt werden und das Risiko speziell für die Nutztierbestände in Freilandhaltung steigt.

Warum sind auch Hobbyhaltungen aufzustallen?
Wenn Hobbyhaltungen in Gebieten liegen, wo Zugvögel rasten, haben diese das gleiche Risiko wie gewerbliche Betriebe. Da wird gar nicht unterschieden. Ich will ja das Nutzgeflügel schützen. Es ist meine Verantwortung als Tierhalter, dass ich dafür Sorge trage, keine Seuchen in meinen Betrieb einzuschleppen oder aus meinem Betrieb zu verschleppen. Da macht das Gesetz keinen Unterschied. Ein weiterer wichtiger Punkt: Auch bei Hobbyhaltungen müssen bei einem Ausbruch Restriktionszonen gebildet werden und das kann natürlich für gewerbliche Betriebe in der Nachbarschaft ein Problem werden, und sogar für den Landkreis oder ganz Deutschland, was die Vermarktung betrifft. Das führt zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Im Seuchenfall steht daher das Allgemeinwohl über dem des Einzelnen. Wir versuchen den Zeitraum der Aufstallung so kurz wie möglich zu halten, die Länge der Maßnahmen hängt vom Seuchenverlauf und der regelmäßig erneuerten Risikobeurteilung ab.

Worin liegt der eigentliche Schaden der Geflügelpest?
Bei der Geflügelpest handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, die mit staatlichen Maßnahmen zu bekämpfen ist. Abgesehen von der Erkrankung des einzelnen Tieres geht es hier um den Schutz der gesamten Population. Man will verhindern, dass durch die Erkrankung eines Bestandes andere Bestände ebenfalls betroffen sind und aus Seuchenschutzgründen gekeult, also getötet werden müssen. Das ist eine sehr unschöne Maßnahme, aber leider zur Eindämmung der Seuche nötig. Man darf die Tiere bei Geflügelpest weder behandeln noch impfen, das ist EU-weit verboten. Für die getöteten Tiere gibt es eine Entschädigung, handelt man jedoch fahrlässig, gibt es Abzüge seitens der Tierseuchenkasse.

Wie läuft die Virusübertragung ab?
Über Sekrete und Exkremente als direkte Übertragung von Tier zu Tier und durch kontaminiertes Futter oder Wasser. Wenn der Erreger in die Einstreu gelangt, diese dann in den Stall gebracht wird zum Einstreuen, können sich die Tiere daran infizieren. Man kann es mit den Schuhen in den Bestand tragen, mit Gerätschaften oder auch mit dem Einstreufahrzeug. Speziell letzteres war das Hauptproblem im Seuchenwinter 2016/2017, als überbetrieblich genutzte Einstreufahrzeuge von Putenstall zu Putenstall gefahren sind, ihre Räder aber vorher nicht gereinigt hatten und so das Virus verschleppten. Schadnager sind Überträger und auch Katze und Hund können das Virus weitertragen.

Was können Halter gegen Stress bei den Tieren tun, die eigentlich Freiland gewohnt sind?
Es gibt die Möglichkeit, eine Voliere anzubauen oder einen Kaltscharrraum. Dieser Raum muss rundherum mit Maschendraht abgedichtet und von oben dicht gegen den Eintrag von Vogelkot geschützt sein. Der Maschendraht darf nur eine Weite von 25 mm haben, damit kein Vogel von außen in die Voliere gelangen kann. Wenn das nicht geht, dann schafft Beschäftigungsmaterial Abhilfe. Stroh- oder Luzerneballen oder Pickblöcke befriedigen den Picktrieb des Geflügels. Ein Sandbad im Stall wäre gut, damit die Tiere ihr natürliches Verhalten des Staubbadens auch im Stall ausführen können. Auch über die Fütterung lässt sich etwas machen oder über Veränderungen im Lichtregime. Eine weitere Maßnahme in dieser Zeit wäre eine Bestandsreduzierung.

Welche Biosicherheitsmaßnahmen sollten jetzt speziell beachtet werden?
Es gibt ein schönes Schaubild vom FLI, welches sehr gut deutlich macht, wie man seinen Bestand schützen kann. Empfehlenswert auch für Hobbyhalter ist ein Wechsel von Kleidung und Schuhen, wenn ich meinen Stall betrete und verlasse. Bei gewerblichen Betrieben ist das eigentlich Standard. Dort gibt es Hygieneschleusen mit einem schwarz-weiß-Bereich sowie ein Waschbecken, um sich Hände zu waschen und zu desinfizieren. Es sollte unbedingt jeder ein Besucherbuch führen, auch der Hobbyhalter, in das sich jeder einträgt, der im Stall war. Und man sollte den Besucherverkehr einschränken, idealerweise geht ab jetzt nur noch eine feste Person in den Stall. Bei manchen Betrieben gilt auch eine 48 oder 72 Stunden Karenzzeit, was bedeutet, dass ich in dieser Zeit nicht in einem anderen Geflügelbetrieb gewesen sein darf.

Was sind die Strafen, wenn gegen die Stallpflicht verstoßen wird?
Wer dagegen verstößt, muss mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen, das ist in der Geflügel-Pest-VO und im Tiergesundheitsgesetz festgelegt. Das Bußgeld kann bis zu 30.000 Euro betragen je nach Schwere des Sachverhalts. Bei Verstößen wird je nach Sachlage entschieden, ob eine Verwarnung angemessen ist. Wer sich dann aber immer noch der behördlichen Anordnung widersetzt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Entsteht aufgrund des eigenen Fehlverhaltens ein Schaden bei einem anderen Geflügelbetrieb, muss unter Umständen sogar auch dieser Schaden übernommen werden.

Frau Dr. Mamarvar, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Dr. Heike Engels.

Nützliche Links:
Infoseite des Friedrich-Löffler-Instituts inkl. Risikoabschätzung
Schaubild zum Schutz von Nutzgeflügel
Infoseite des LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit)