Dr. Beryl Eusemann-Keller ist Juniorprofessorin für Tierschutz und Ethologie an der Universität Leipzig. In Ihrem Vortrag bei der Tierschutztagung 2026 beleuchtete sie vor allem das Problem der Brustbeinschäden bei Legehennen.
Brustbeinschäden haben eine extrem hohe Prävalenz bei Legehennen. Es können über 90% der Vögel einer Herde betroffen sein. Insbesondere Frakturen verursachen den Tieren natürlich Schmerzen und stellen deshalb eines der größten Tierschutzprobleme in der Legehennenhaltung überhaupt dar.
An der Uni Leipzig wurde nun ein Projekt gestartet, in dem speziell trainierte Hühner auf eine Sitzstange fliegen und dabei mit zwei Röntgengeräten und einer Kamera aufgenommen werden. Auch der Abflug wird aufgezeichnet, um zu ermitteln, welche Teile des Brustbeines eigentlich mit der Stange in Berührung kommen. Dabei zeigt sich, dass der kraniale Bereich bei der Landung mit der Stange und beim Abfliegen mit dem Boden in Berührung kommt.
Die Anfälligkeit für Brustbeinschäden wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Neben einer möglichst bedarfsgerechten Fütterung sind dies
Legetätigkeit
Moderne Legehennen haben einen sehr hohen Kalziumbedarf, weil sie nahezu jeden Tag ein Ei legen. Ungefähr zwei Gramm Kalzium werden aus der Nahrung, aber auch aus dem „medullären Knochen“ bereitgestellt. Dieses Reservoir im Knochen wird vor allem nachts zur Produktion der Eischale genutzt, wenn die Hühner relativ wenig Kalzium im Magen-Darm-Trakt und Blut haben, weil sie nachts keine Nahrung aufnehmen.
Genetik
Im Projekt „Brubeile“ wurden Hühnerrassen mit unterschiedlicher Legeleistung verglichen und zu verschiedenen Zeitpunkten während der Legeperiode geröntgt. Frakturen zeigten sich hier fast ausschließlich bei Legehybriden. Als mögliche Risikofaktoren kommen hohe Legeleistung, früher Legebeginn und weitere genetische Unterschiede infrage.
Bei sehr hoher Legeleistung kann schlicht die Zeit zwischen der Bildung von zwei Eiern nicht ausreichen, genügend Kalzium aus der Nahrung und dem medullären Knochen bereitzustellen. Aber auch der frühe Legebeginn könnte eine Rolle spielen. Das Brustbein des Huhns verknöchert erst sehr spät (um die 34. Lebenswoche), während die Hennen schon in der 20. Woche oder noch früher beginnen Eier zu legen.
Haltung
Wichtig ist vor allem die Wahl der Sitzstangen. Sie sollten aus möglichst weichem Material (Plastik) gefertigt und rutschfest sein. Die Kontaktfläche zwischen Brustbein und Sitzstange sollte möglichst groß und sämtliche Maße an die Genetik angepasst sein. Bei der Kombination der Sitzstangen sollte der horizontale Abstand höchstens 75 cm und der vertikale Abstand höchstens 50 cm betragen, der Winkel zwischen beiden Stangen sollte dabei möglichst unter 45 Grad liegen. So können die Hennen gut zwischen den beiden Stangen wechseln.
Breite Rampen zu den einzelnen Ebenen, gefertigt aus Draht- oder Kunststoffgeflecht, sind ebenso sinnvoll. In größeren Volieren-Systemen können diese auch entlang der verschiedenen Ebenen angebracht werden.
Aufzucht
Hier sollten die Junghennen bereits unter möglichst ähnlichen Bedingungen gehalten werden, wie in der späteren Legephase. Früher Zugang zu Sitzstangen, erhöhten Ebenen und Rampen sind in dieser Lernphase wichtig. Damit die Jungvögel die erhöhten Ebenen auch tatsächlich nutzen, empfiehlt es sich Futter und Wasser auf verschiedenen Ebenen anzubieten.
Verlängerte Haltungsdauer
Unabhängig davon, ob einfach die Legephase von Hennen verlängert oder eine Mauser induziert wird, sind fünf Punkte wichtig:
• Gewicht und Gesundheit zu Legebeginn
• Gute Herdengesundheit zu Beginn der Mauser
• Gesundheit abhängig von Vorhandensein und Art der Mauser
• Nicht zwingend verbesserte Knochenqualität durch die Mauser
• Tierwohlprobleme durch Art der Durchführung der Mauser (z. B. Hunger)
Das Fokusnetzwerk Tierwohl schließlich bietet einen Podcast „Mehr Eier, längeres Leben“ an, den Dr. Beryl Eusemann-Keller zum Abschluss ihres Vortrags ausdrücklich empfahl.


































