BfR-Forum zu bakterienfressenden Viren als Mittel gegen Krankheitserreger

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Steigende Zahlen an Antibiotikaresistenzen und hartnäckige Krankheitskeime lassen Bakteriophagen seit einigen Jahren wieder in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses rücken. Daher veranstaltet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ein BfR-Forum Verbraucherschutz „Bakteriophagen – Alternativen zu Antibiotika?“ am 7. und 8. November 2019 in Berlin-Marienfelde. Expertinnen und Experten aus der Forschung,

Lebensmittelüberwachung und Lebensmittelindustrie geben eine Einführung in die Thematik und diskutieren Chancen und Risiken bei der Anwendung von Phagen in der Lebensmittelproduktion. Bakteriophagen sind Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren. Sie kommen in großer Zahl überall dort vor, wo es auch Bakterien gibt: im Boden, im Wasser, in unserer Nahrung – ohne dabei dem Menschen zu schaden. „Erkrankungen durch Bakterien in Lebensmitteln sind ein großes, globales Problem“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR.

Die Erreger kommen meist in Nutztieren vor, von denen sie über den Schlachtprozess auf das fertige Lebensmittel übertragen werden. „Es besteht daher dringender Bedarf“ so Hensel weiter, „alternative Methoden zu entwickeln, um das Auftreten von Krankheitserregern bei der Gewinnung und Verarbeitung von Lebensmitteln zu verringern“. Bakteriophagen kommen als solch eine Alternative in Betracht. Mehr zur Veranstaltung.

Bakteriophagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie zielgerichtet bestimmte Bakterien befallen und abtöten können. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Bakteriophagen zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt. Nach Entdeckung der Antibiotikawirkstoffe und dem breitgefächerten Einsatz dieser als Medikamente sind Bakteriophagen in den meisten Ländern in Vergessenheit geraten.

In Ländern außerhalb der EU werden Phagenpräparate bereits bei der Lebensmittelproduktion angewendet. Auch liegt der EU-Kommission ein Antrag zur Genehmigung eines Präparates zur Bekämpfung von Listerien in Lebensmitteln und Produktionsanlagen vor, über das bislang nicht entschieden wurde.
Auf der Tagung werden etwa Anwendungen von Phagen bei der Therapie von erkrankten Personen oder Tieren sowie bei der Bekämpfung multiresistenter Erreger vorgestellt. Auch geht es um die aktuelle rechtliche Einstufung für die Anwendung von Phagen in der Lebensmittelproduktion. Auf der Veranstaltung werden vor allem der aktuelle Kenntnisstand sowie derzeitige Fragestellungen für einen sicheren Einsatz von Phagen diskutiert.

Link EU-Kommission

Quelle: BfR

Lese-Tipp: Kritik der vegetarischen Ethik

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Klaus Alfs, gelernter Landwirt und studierter Soziologe, hat es satt! Er hat es satt, ständig und überall Vorhaltungen wegen seines Fleischverzehrs zu hören. Deswegen hat er ein ziemlich dickes Buch (400 Seiten) geschrieben, in dem er sich mit den „ethischen Vegetariern“ und ihren philosophischen Argumenten auseinandersetzt. Zu den „Vegetariern“ zählt der Autor dabei alle Ovo-Lakto-Vegetarier, Veganer und Frutarier und natürlich auch die Speziezisten, für die ethisch keine Unterschiede zwischen Mensch und Tier gibt.

Bevor wir zum Inhalt kommen, gleich eines vorweg: das Buch ist an keiner Stelle schwerverdaulich oder Fachchinesisch-hochgestochen. Im Gegenteil: es ist locker geschrieben und über weite Strecken höchst vergnüglich zu lesen!

Klaus Alfs konstatiert dem ethischen Vegetarismus das Bestreben „einen tauglicheren moralischen Kompass zu finden als den der Mischköstler“. Dabei aber gerate der Vegetarismus „in ein Fahrwasser aus Strudeln, Untiefen, Abgründen“ und „am Ende landet er in der Grube, die er anderen gräbt.“

Glied für Glied geht der Autor den einschlägigen Argumentationsketten nach und bewegt sich von Haus- und Kuscheltieren über Killer-Katzen zu den Massentieren. Und stets misst er den ethischen Vegetarismus an seinen eigenen Maßstäben.

Von Diskussionen auf Twitter und Facebook leidgeprüfte Landwirte, sollten sich den Band neben die Tastatur legen, um jederzeit auf allfällige Kommentare reagieren zu können, denn Alfs nimmt so ziemlich alle gängigen Vorwürfe gegen Fleisch-, Milch- und Eierproduktion unter die Lupe.

Dem „Holocaust“ in der modernen Nutztierhaltung stellt er die tatsächlichen Verhältnisse in der (gar nicht so fernen) Vergangenheit gegenüber: „Das am meisten abgemagerte Vieh wurde nach oben angebunden, denn es konnte nicht auf eigenen Füssen stehen.“ Zur Verteufelung der Leistungszucht liefert er als historischen Kontrast: „an eine optimierende Zucht hin zu mehr Leistung war in vielen Betrieben gar nicht zu denken, denn jedes Tier war wegen der zahlreich auftretenden Tierseuchen kostbar und konnte nicht einfach aussortiert werden, wenn es wenig Leistung brachte.“

Auch dem gern verklärten Bild des Lebens in der Natur setzt der Autor die Realität entgegen, in der das Leben von Wildtieren von Schmerz, Leid und Angst geprägt und vor allem meist nur kurz ist.

Gerne wird auch dem Schlachtzeitpunkt die „natürliche“ Lebenserwartung eines Nutztiers entgegengestellt, wobei für Masthähnchen „naturgemäß“ die größte Diskrepanz gemessen wird. Statt 6 Wochen können diese nämlich 6 Jahre alt werden – vorausgesetzt sie werden gehätschelt wie ein Schoßhund. Maximalwerte hätten jedoch nichts mit dem Durchschnitt zu tun, sagt Alfs, schließlich sei Johannes Heesters mit 108 Jahren nicht vorzeitig verstorben, nur weil die höchste nachgewiesene Lebensdauer eines Menschen 122 Jahre betrüge.

Die Behauptung, Nutztieren in größeren Ställen ginge es per se schlechter als in einem Kleinbetrieb, klopft er auf ihren Wahrheitsgehalt ab und begibt sich auf die „Suche nach dem Massentier“, fragt, was eigentlich natürliches Verhalten ist und unter welchen Haltungsbedingungen es eher befriedigt werden kann.

Auch der angeblich vom Fleischverzehr verursachte Welthunger darf nicht fehlen, genau wie die Verschwendung von Ackerflächen fürs Viehfutter. Beide Kartenhäuser fallen jedoch flugs zusammen, bestehen einerseits 77% der weltweit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche laut FAO aus Grasland und sind andererseits „86% der ans Vieh verfütterten Nahrung für den Menschen nicht verwertbar“.

Anschaulich ist auch „die Milchmädchenrechnung mit Hülsenfrüchten“. Peter Singer, einer der veganen Chef-Philosophen, empfiehlt statt tierischer Erzeugnisse Erbsen oder Bohnen als Proteinquelle. Pro Hektar ließen sich nämlich mit Hülsenfrüchten 300-500 kg Eiweiß produzieren, verglichen mit 40-50kg beim Anbau von Viehfutter auf der gleichen Fläche.

„Unschlagbar“ erwidert Klaus Alfs „sind die Wiederkäuer. Von einem Hektar minder fruchtbarem Grasland kann man zwei Kühe ernähren, die im Jahr jeweils bis zu 10.000 Liter Milche liefern, mit 340 Kilogramm Eiweiß und 340 Kilogramm Fett. Dazu gibt es pro Jahr zwei Kälber.“

Aber nicht nur Moral und Gesundheit hängen ja vom Fleisch ab, sondern das Weltklima obendrein. Und nur Verzicht kann die drohende Apokalypse noch aufhalten. Hier weiß unser Autor jedoch FAO und IPCC auf seiner Seite, für die Landwirtschaft in Zukunft intensiviert statt veganisiert werden muss. Gerade der Weltklimarat IPCC empfiehlt eine Intensivierung der Viehhaltung, weil extensive Haltung den höchsten Anteil (70%) an den gesamten THG-Emissionen der Viehhaltung hat.

Den Anti-Speziezisten (die bestreiten, dass der Mensch im Tierreich eine Sonderstellung einnimmt) sind drei umfangreiche Kapitel gewidmet, in denen es um Ähnliches und Gleiches, Selbstbewusstsein und Moral und um die Grenzziehung zwischen Mensch und Tier geht, um tierisches Selbst-Bewusstsein und tierische Würde.

Und weil „Tierrechtler“ mit keiner noch so umfassenden Verbesserung der Nutztierhaltung zufrieden sind, weil diese niemals leidfrei werden könne, zitiert Klaus Alfs zum Schluss Raymond G. Frey. Der Philosophie-Professor aus Virginia bezweifelt nämlich, dass man Kinder jemals wird leidfrei großziehen können: „Wenn wir also die Viehnutzung aufgeben müssten, weil es keine moralisch akzeptablen Methoden dazu gibt, dann müssten wir aus demselben Grund wohl auch das Kinderkriegen aufgeben.“

Fazit: Eine unbedingte Kauf- und Leseempfehlung! Auch Büchermuffel, bei denen bisher nur das Telefonbuch im Schrank steht, sollten sich dieses Werk auf jeden Fall gönnen:

Klaus Alfs
Kritik der vegetarischen Vernunft
Eichelmändli Verlag
Broschiert, 408 Seiten, € 20,-

Ende November startet www.kaelberschule.de

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Ende November öffnet die Online-Kälberschule der FU Berlin ihre Tore. Jetzt kostenlos anmelden! Zum Start kommt dann eine E-Mail mit Zugang zu den Kursen. Die Kurse können über jeden internetfähigen PC oder mit Ihrem Smartphone abrufen.

Die Kälberschule besteht aus mehreren Online-Kursen für eine gesunde Aufzucht von Kälbern. Es gibt u.a. folgende Themen

Wie versorge ich ein Kalb nach der Geburt?
Wie transportiere ich ein Kalb und wie halte ich es richtig fest?
Wie füttere ich Kolostrum mit Flasche und Sonde?
Wie bestimme ich die Qualität des Kolostrums?
Wie erkenne ich kranke Kälber?
Wie führe ich eine schmerzfreie Enthornung durch?

Weitere Informationen unter https://www.kaelberschule.de/

Sie haben ein Wildtier gesehen? Bitte mitteilen!

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Ein internationales Forscherteam möchte mit Hilfe von Bürgerinnen und Bürgern erfassen, welche und wie viele wildlebende Säugetiere es in Europa gibt. Deutschland ist eines von vier Pilotländern.

Luchse, Rehe, Wildschweine, Iltisse, Biber oder Mufflons – in Europa leben etwa 250 verschiedene Säugetierarten. Welche und wie viele in welchen Regionen leben, ist oftmals unbekannt. Mit dem Kooperationsprojekt MammalNet möchten acht europäische Forschungsinstitutionen diese Lücke gemeinsam mit Hilfe von Bürgerinnen und Bürgern schließen. Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, die Tiere, die sie auf Wanderungen, im Alltag oder beim Spaziergang sehen, über eine mobile App oder über zwei Internetseiten mitzuteilen:

Die App iMammalia läuft auf Android und iOS und kann in den jeweiligen Stores heruntergeladen werden. Sie ermöglicht eine einfache Mitteilung der Sichtung. Für die beiden Internetseiten www.mammalweb.org und www.agouti.eu ist es erforderlich, sich zu registrieren. Sie richten sich eher an fortgeschrittene Naturbeobachter. So laden Forscherinnen und Forscher auf www.agouti.eu beispielsweise auch Bilder aus Fotofallen hoch. Nutzen kann die Plattformen aber trotzdem jeder.

Das Projekt läuft über zwei Jahre und startet zunächst in den Pilotländern Deutschland, Spanien, Kroatien und Polen. Ab Mai 2020 soll es auf die übrigen Regionen Europas ausgeweitet werden. Auf deutscher Seite leitet Dr. Oliver Keuling aus dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) das Projekt, er sagt: „In allen Ländern werden Bürgerinnen und Bürger gebeten, mitzuteilen, wenn sie ein wildlebendes Säugetier gesehen haben. Über die App und die Internetseiten können sie zudem Fotos der Tiere hochladen.“

Das Projekt MammalNet ergänzt das Projekt ENETWILD, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit 2017 Monitoring-Daten von Säugetieren erfassen und auswerten. Dazu zählen auch Aufnahmen, die sie mit Fotofallen erstellt haben. Um die Datenbasis zu vergrößern, hoffen sie jetzt auf die Unterstützung von Naturfreundinnen und Naturfreunden. „Wir werden mit den neuen Daten die bereits gesammelten ENETWILD-Daten ergänzen. Außerdem werden wir sie abgleichen, um zu analysieren, ob unser Vorgehen sich für die wissenschaftliche Wildtiererfassung eignet“, erklärt Keuling.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority EFSA) fördert dieses Citizen-Science-Projekt, wie sich wissenschaftliche Projekte mit Bürgerbeteiligung nennen, insgesamt mit 200.000 Euro. Das Projekt startet im Oktober 2019 und endet im Mai 2021. Neben der Datenerfassung soll das Projekt auch das Umweltbewusstsein fördern und für die vielfältige Natur um uns herum sensibilisieren. Die Forscherinnen und Forscher werden deshalb während der Projektlaufzeit kontinuierlich auf Facebook, Twitter und Instagram über das Projekt und die gesichteten Tiere informieren. Außerdem stehen sie über diese Medien für Fragen zur Verfügung. In jedem Land werden sie zudem einmal im Monat drei der hochgeladenen Fotos zur Wahl stellen, damit die Nutzerinnen und Nutzer das „Foto des Monats“ wählen können.

Weiter Informationen finden Sie auf:
ENETWILD www.enetwild.com

Quelle: TiHo

2. Hessisches Geflügelkolloquium, Legehennengesundheit ganzheitlich im Blick

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Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen veranstaltet am 6. November 2019 ein Kolloquium rund um die Legehenne für Praktiker, Berater, Wissenschaftler:

ab 09:00 Uhr
Anmeldung und Stehkaffee

10:00 Uhr
Eröffnung und Grußwort
Anna Mawick, Landwirtschaftszentrum Eichhof, Leitung Abteilung 3

10:15 Uhr
Legehennengesundheit ganzheitlich im Blick – welche Aspekte sind wichtig?
Dr. Christiane Keppler, Geflügelberatung LLH

10:45 Uhr
Optimierung der Tiergesundheit durch prophylaktische Maßnahmen
Dr. med. vet. Manfred Pöppel, Tierarztpraxis Pöppel

11:30 Uhr
Mikrobielles Gleichgewicht in Tier und Stall – wie kann man das erreichen?
Dr. Doris Gansinger, BioFM Gansinger GmbH

12:15 Uhr
Mittagspause

13:00 Uhr
Verhaltensstörungen kontra Tiergesundheit: Aktuelle Forschungsergebnisse zu Einflussfaktoren auf Federpicken
Ruben Schreiter, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

13:45 Uhr
Kaffeepause

14:00 Uhr
Was können Zucht und Elterntierhaltung zur Tiergesundheit beitragen?
Prof. Dr. Rudolf Preisinger, EW Group GmbH

14:30 Uhr
Herausforderung in der praktischen Anwendung von Impfstoffen
Hans Rühmling, Geflügelvermehrung Friedrichsruh GmbH & Co. KG

14:50 Uhr
Praxisbeispiele: Am seidenen Faden – Umgang mit schwer kranken Herden
Dr. Franca Möller Palau-Ribes, Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, Justus-Liebig-Universität Gießen

15:10 Uhr
Praxisbeispiel: Tiergesundheitsmanagement im Demeterbetrieb
Christian Petersen, Hof Ankersolt

15:30 Uhr
Podiumsdiskussion
Moderation: Dr. Birgit Spindler, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie

16:25 Uhr
Resümee der Veranstaltung, Schlussworte
Dr. Christiane Keppler, Geflügelberatung LLH

16:30 Uhr
Ende des Kolloquiums

Weitere Informationen auf der Website des LLH.

Wertschöpfende Verarbeitung von Eberfleisch – Verzicht auf Ferkelkastration

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Ein neues Forschungsprojekt setzt auf einen innovativen Ansatz, um Ebergeruch bei der Herstellung von Wurstwaren abzubauen: Das Projekt „Enzymatischer Abbau von Ebergeruch-Substanzen während der Herstellung von Fleischprodukten“ (Boar taint removal, BoTaRem), das am 1.8.2019 gestartet wurde, zielt auf eine Neutralisierung der Geruchskomponenten während der Herstellung von Brühwurst. Für die Beseitigung des Ebergeruchs werden geeignete Enzyme identifiziert und anschließend für die Verwendung aufgearbeitet.

Ebergeruch ist ein Fehlgeruch, der vor allem bei nicht kastrierten männlichen Mastschweinen auftritt. Der Verzehr von geruchsbelasteten Fleischprodukten äußert sich auch in einem unangenehmen Geschmack. Aus Tierschutzgründen ist die Ferkelkastration ohne Betäubung ab dem 1.1.2021 verboten. Erlaubt sind zukünftig die (Jung-) Ebermast, die Immunokastration und die Kastration mit Betäubung und Schmerzausschaltung. Der völlige Verzicht auf die Kastration vermeidet das Erleiden von intra- und postoperativen Schmerzen und verbessert so das Tierwohl der Ferkel. Damit verbunden ist jedoch das Risiko für das Auftreten von zum Teil erheblichen Geruchs- und Geschmacksabweichungen („Ebergeruch“) mit Eintreten der Pubertät. Das Forschungsprojekt „Enzymatischer Abbau von Ebergeruch-Substanzen während der Herstellung von Fleischprodukten“ (Boar taint removal, BoTaRem), das am 1.8.2019 gestartet wurde, zielt daher auf eine Neutralisierung der Geruchskomponenten während der Herstellung von Brühwurst. Für die Beseitigung des Ebergeruchs werden zunächst geeignete Enzyme identifiziert und anschließend für die Verwendung aufgearbeitet. Dabei muss das Herstellungsverfahren der Brühwürste gegebenenfalls an den Einsatz der entsprechenden Enzyme angepasst werden. Zudem wird die Qualität der Brühwürste umfassend sensorisch beurteilt und die Verbraucherakzeptanz des Verfahrens untersucht. Abschließend ist in Zusammenarbeit mit mittelständischen Firmen geplant, das Verfahren im Praxistest zu bewerten.

Am 18.10.2019 fand an der Universität Gießen das erste Projekttreffen (Kick-Off-Meeting) der Forschungsstellen mit dem Projektbegleitenden Ausschuss statt. Letzterer besteht aus den Vertretern der beteiligten Unternehmen. Auf der Sitzung wurden die zukünftigen Arbeiten vorgestellt und besprochen. Die von den Wissenschaftlern vorgestellten Inhalte wurden mit den Firmen- und Verbandsvertretern abgestimmt. Dies sichert eine praxisorientierte Bearbeitung des Forschungsprojekts.

Die Laufzeit des Projektes ist bis 2022. Es wird unter Federführung des Max Rubner-Instituts, Institut für Sicherheit und Qualität bei Fleisch am Standort Kulmbach in Zusammenarbeit mit dem Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Abteilung Produktqualität tierischer Erzeugnisse der Georg-August-Universität Göttingen durchgeführt.

Das Vorhaben wird von der Forschungsvereinigung Forschungskreis der Ernährungsindustrie e. V. (FEI), über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) gefördert.

Quelle: Max Rubner-Institut – Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

Strategien eines Honigbienenvirus

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Das Israeli acute paralysis virus, abgekürzt IAPV, ist ein Krankheitserreger, der Honigbienen befällt und mit der Colony Collapse Disorder, dem plötzlichen Bienenvölkersterben, in Verbindung gebracht wird, einem Schlüsselfaktor für die Dezimierung der Bienenpopulation. Die Forscher haben nun detailliert analysiert, wie das Virus die zelluläre Proteinproduktion überfällt und für eigene Zwecke missbraucht. Die im EMBO Journal veröffentlichte Studie ist ein wichtiger Schritt zur Entwicklung von Strategien zur Bekämpfung der Colony Collapse Disorder.

Bienen sind wichtige Bestäuber von Nutzpflanzen und Wildpflanzen und leisten wertvolle Dienste für Ökologie und Ökonomie. In den letzten Jahrzehnten haben Imker weltweit massive Verluste ihrer Völker verzeichnet, die größtenteils auf ein Phänomen zurückzuführen sind, das als Colony Collapse Disorder bezeichnet wird und bei dem Arbeiterinnen auf mysteriöse Weise aus scheinbar gesunden Völkern verschwinden. Es besteht eine enge Korrelation zwischen den betroffenen Völkern und dem Vorhandensein des Israeli acute paralysis virus, was darauf hindeutet, dass das Virus eine bedeutende Rolle bei der Auslösung des Syndroms spielt. Israel S. Fernández, Joachim Frank und ihre Kollegen von der Columbia University in New York haben nun die Vorgehensweise des Virus analysiert.

Das Israeli acute paralysis virus ist ein RNA-Virus, das die Wirtsproteinproduktion unter Verwendung einer strukturierten RNA-Sequenz namens IRES einfängt. Jede Zelle verfügt über ein System zur Herstellung von Proteinen auf der Grundlage der in ihren mRNA-Molekülen codierten Informationen. Dieser sehr komplexe Mechanismus wird schrittweise aufgebaut: Zunächst rekrutiert die mRNA die ribosomale kleine Untereinheit, die an eine Reihe von Initiationsfaktoren gebunden ist, und eine spezifische Initiator-tRNA trägt den ersten Proteinbaustein. Nach anschließenden Konformationsänderungen wird die Produktionslinie durch die Rekrutierung der großen Untereinheit des Ribosoms vervollständigt.

Frühere Arbeiten von Fernández, Frank und anderen Forschungsgruppen haben gezeigt, wie Viren, die mit dem Israeli acute paralysis virus in Zusammenhang stehen, die Ribosomen der Zellen dazu bringen, virale Proteine zu produzieren, indem sie die für diese Virenfamilie charakteristischen IRES-Sequenzen verwenden. In der aktuellen Studie verwendeten Fernández und Frank hochentwickelte Methoden der Elektronenmikroskopie, um das Israeli acute paralysis virus selbst näher zu untersuchen. Sie bestimmten genau, wie die virale IRES mit den Ribosomen einen Komplex bildet und wie sich dieser auf deren Struktur auswirkt.

Laufende Forschungen anderer Gruppen untersuchen die Möglichkeit, die Colony Collapse Disorder zu bekämpfen, indem sie Bienen-RNA-Moleküle füttern, die mit der RNA des Israeli acute paralysis virus interferieren. Die von Fernández und Frank vorgestellte detaillierte Analyse der Proteinproduktionsstrategie des Virus erweitert diesen Ansatz, indem ein besseres strukturbasiertes Design der interferierenden Moleküle ermöglicht wird.

Quelle: EMBO – Exzellenz in den Biowissenschaften

Warum Fleischverzicht nicht nachhaltig ist

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Der Anteil der Landwirtschaft am gesamten CO2-Ausstoß in Deutschland beträgt laut Bundesumweltministerium 7%. Der aktuelle IPCC-Bericht beziffert den landwirtschaftlichen Anteil weltweit auf 10-12%. Um einen Beitrag zur Absenkung zu leisten, fordern NGOs und andere einen drastischen Fleischverzicht.

P. Michael Schmitz, Prof. i. R. für Agrar- und Entwicklungspolitik an der JLU Gießen, hat untersucht, welche wirtschaftlichen Effekte der Verzicht auf Fleisch, Milch und Eier hätte und wie nachhaltig eine 50%ige Reduktion tatsächlich wäre. Das wollten wir natürlich genauer wissen und haben den Wissenschaftler um ein Telefon-Interview gebeten.

Im Gespräch führt er aus, welche negativen Preiseffekte eine 50%ige Reduktion des Fleischkonsums auf dem Weltmarkt hätte, wie es bei 50% verringerter Produktion aussähe und er spricht auch die damit verbundenen „Wohlfahrtseffekte“ an.

Auch weist Prof. Schmitz auf Substitutions- und Rebound-Effekte hin, die in einschlägigen Berechnungen häufig unerwähnt blieben. Beim Konsum von Fleisch, Eiern und Milch eingespartes Geld, stünde ja regelmäßig für den Erwerb anderer Wirtschaftsgüter zur Verfügung, deren CO2-Bilanz dann aber nicht berücksichtig würde. Wandere schließlich die Produktion an andere Standorte, könne es sogar zu mehr CO2-Belastung kommen.

Zwei gängige Vorwürfe an die Nutztierhaltung lauten: der Import von Soja schädige den Urwald in Südamerika und die Anbauflächen für Viehfutter stünden nicht für die menschliche Ernährung zur Verfügung.

Nicht nur die Tatsache, dass von den weltweit 2,5 Mrd. Hektar Anbaufläche für Viehfutter allein 2 Mrd. Hektar Grasland seien, hebt der Gießener dagegen hervor. Auch die Gesamt-Bilanz für die Anbauländer müsse differenziert betrachtet und die Folgen eines Verzichts gesamtwirtschaftlich berechnet werden (fehlende Exporteinnahmen ). Der Regenwald sei besser durch Maßnahmen vor Ort zu schützen, als durch Importverbote für Soja.

Auch die Effekte eines geringeren Fleischkonsums in den Industrieländern für unterentwickelte Länder, sieht Michael Schmitz kritisch. Hunger sei vor allem hausgemacht und könne nicht durch Fleischverzicht bei uns bekämpft werden. Und er führt am Schluss aus, welche Maßnahmen sinnvoll wären, um in der Nutztierhaltung einen Beitrag zur CO2-Reduktion zu leisten.

Das ausführliche Interview ist hier abrufbar:

0:00 Wie definiert sich „Nachhaltigkeit“?
01:08 Preiseffekte einer Reduktion des Fleischkonsums um 50% in der EU
02:58 Wohlfahrtseffekte (Einkommensverluste)
04:16 Substitutions- und Rebound-Effekte
06:00 Nährstoffbilanz für tierisches Protein
07:27 Sojaanbau in Südamerika
10:48 Auswirkungen eines geringeren Fleischkonsums in Industrieländern, auf Entwicklungsländer
12:40 Vorschläge zur Reduktion der CO2-Emissionen aus der Landwirtschaft

Erfolgreicher bpt-Kongress im Jubiläumsjahr 2019 in München

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„Praxis neu denken“ hieß es beim bpt-Kongress vom 17. bis 19. Oktober in München. Gastland war diesmal Österreich, das sich in vielfältiger Weise in das wissenschaftliche und berufspolitische Programm eingebracht hat. Darüber hinaus profitierte das breit gefächerte, praxisnahe Fortbildungsangebot wieder von der Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Fakultät der LMU. „Mit 2035 tierärztlichen Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland sowie über 160 Ausstellerfirmen war unser Münchner Kongress wieder ein voller Erfolg“, freut sich der alte und neue bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder, der in der Delegiertenversammlung am 17. Oktober für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt worden ist.

Die fachlichen Themen reichten von Orthopädie beim Pferd über Prävention in der Rinderhaltung, Tierschutzaspekten bei Schlachtung und Transport von Rinder und Schweinen bis hin zur parasitären Schwarzkopfkrankheit beim Geflügel. Im Mittelpunkt des Kleintierprogramms standen Aktuelles zu Impfungen in der Kleintierpraxis, der beliebte Themenkreis „Wie behandle ich?“ und die bewährte „Next Level“-Veranstaltung für Spezialisten u. a. mit den Themen Anästhesie und Teleradiologie. Nach der guten Resonanz in den Vorjahren standen auch wieder Veranstaltungen zur Betreuung von Zoo- und Wildtieren sowie Bienen auf dem Programm. Getreu seinem diesjährigen Motto wartete der Kongress mit einer ganzen Palette digitaler Themen quer durch alle Vortragsreihen auf, um die Kongressteilnehmer mit der zunehmenden Digitalisierung vertraut zu machen. Abgerundet wurde das umfangreiche Angebot durch eine Vielzahl von Sonderveranstaltungen der Ausstellerfirmen.

Neben weiteren speziellen Veranstaltungen für Existenzgründer, Studierende und Tierärztliche Fachangestellte widmete sich die hochkarätig besetzte berufspolitische Diskussionsstunde der Frage, wie sich Tierarztpraxen angesichts der vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen in den nächsten Jahren verändern müssen, um erfolgreich für die Zukunft aufgestellt zu sein. Wo der Schuh im Verhältnis von Inhabern und angestellten Tierärzten drückt und was gegen den Landtierärztemangel getan werden kann, waren Themen, mit denen sich die Kongressteilnehmer in Round-Table-Diskussionen befassen konnten. Wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf den Landtierarztmangel reagiert, stellte der Parlamentarische Staatssekretär im BMEL Hans-Joachim Fuchtel im Round Table dar: „Unser Ziel ist natürlich, einem Mangel an Tierärzten in Nutztierpraxen entgegen zu wirken. Dafür ist vor allem vorgesehen, die finanzielle Situation der Tierarztpraxen zu verbessern. Kurzfristig wird zum Beispiel der tierärztliche Notdienst durch eine neue Gebührenstruktur unterstützt. Außerdem ist eine generelle Revision der Tierärztegebührenordnung geplant, der ein Forschungsprojekt vorgeschaltet wird, das die Angemessenheit der Einkünfte der Tierarztpraxen überprüfen soll.“

Entspannung vom Kongresstrubel und viel Spaß kamen trotz der vielen ernsten Themen dennoch nicht zu kurz: Dafür sorgte das diesjährige Get Together anlässlich des 100-jährigen Verbandsjubiläums am Freitagabend in einer der angesagtesten Locations der Stadt, dem „Paulaner am Nockherberg“.

Ob Landtierarzt- und TFA-Mangel, Notdienstproblematik, Corporates oder die digitale Veränderung der Gesellschaft, für bpt-Präsident Moder steht fest: „Neue Entwicklungen und Erkenntnisse stellen lang gelebte Routinen auf den Kopf. Das zeigt wie wichtig unser Verband nicht nur für die Tiergesundheit ist, sondern auch um die aktuellen Veränderungen für unseren Berufsstand aktiv mitzugestalten, damit letztendlich alle von ihnen profitieren können. In diesem Sinn freuen wir uns schon jetzt auf viele Teilnehmer beim bpt-Kongress 2020, der vom 19. bis 21. November wieder teilparallel zur EuroTier in Hannover stattfinden wird.“

Quelle: bpt

Dr. Siegfried Moder als bpt-Präsident wiedergewählt

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Im Rahmen des vom 17. bis 19. Oktober in München stattfindenden bpt-Jahreskongresses wurde in der gestrigen Delegiertenversammlung Dr. Siegfried Moder als Präsident für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Ebenfalls wiedergewählt wurden die beiden Vizepräsidenten Dr. Petra Sindern (1. Vizepräsidentin) und Dr. Karl-Heinz Schulte (2. Vizepräsident). Komplettiert wird das Führungsteam durch die in ihrem Amt bestätigten Präsidiumsbeisitzer Dres. Maren Hellige, Uta Seiwald und Andreas Palzer. Neu als Beisitzer hinzugekommen sind Dres. Christina Bertram und Bodo Kröll. Als Schatzmeister wurde der langjährige Vorsitzende des Finanz- und Haushaltsausschusses des Bundes-bpt, Dr. Franz Gassner, gewählt. Tierärztin Anna Lam, die acht Jahre Schatzmeisterin des Verbandes war, stand für eine weitere Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung. In seiner Zusammensetzung trägt das Präsidium dem zunehmenden Angestellten- und Frauenanteil im Berufsstand Rechnung und vertritt die Belange von Kleintier-, Pferde- und Nutztierpraxis in ausgewogenem Maß.

„Zunehmender Wettbewerb und sich durch Globalisierung und Digitalisierung rasant verändernde Rahmenbedingungen stellen den tierärztlichen Beruf vor große Herausforderungen. Diese Entwicklungen muss der bpt mitgestalten, um den Tierarztberuf für die Zukunft fit zu machen“, betont der wiedergewählte Präsident. Mit seiner Arbeit will er dazu beitragen, dass der Beruf auch für kommende Generationen attraktiv bleibt und junge Frauen und Männer auch in Zukunft mit Spaß in diesem Beruf arbeiten möchten.

Ab dem 21. Oktober wird das frisch gewählte Präsidium seine Amtsgeschäfte offiziell aufnehmen. Es kann dabei auf die bewährte Unterstützung des bpt-Geschäftsführers, Dipl. Kfm. Heiko Färber, sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle in Frankfurt am Main zurückgreifen.

Foto © Rathke/bpt

Einen besonderen Abschluss fand die Delegiertenversammlung im Jahr des 100-jährigen Verbandsjubiläums mit der Verleihung der Felix-Train-Medaille an bpt-Ehrenpräsident Dr. Hans-Joachim Götz. Mit der höchsten Auszeichnung des Verbandes würdigte Dr. Siegfried Moder die herausragenden berufspolitischen Verdienste seines Amtsvorgängers während dessen Präsidentschaft von 2003 bis 2015.

Quelle: bpt