Aktuelle Studien zeigen, dass sich Hitzestress negativ auf die Darmbarriere auswirkt und mit lokalen sowie systemischen Entzündungen und einer Dysbiose des Darms einhergeht. Ziel dieser Studie war es, die Darmbarriere, entzündungsfördernde und -hemmende Signale sowie die Zusammensetzung der Mikrobiota-Gemeinschaft bei Holstein-Bullenkälbern zu untersuchen, die Hitzestress ausgesetzt waren.
Kälber (durchschnittliches Alter = 12 Wochen; durchschnittliches Körpergewicht = 122 kg), die einzeln in temperaturgeregelten Räumen gehalten wurden, wurden 7 Tage lang
(1) thermoneutralen Bedingungen (konstante Raumtemperatur von 19,5 °C) und eingeschränktem Futterangebot (TNR, n = 8) oder (2) Hitzestressbedingungen (Zyklen von Raumtemperaturen zwischen 20 und 37,8 °C) zusammen mit einem Futterangebot nach Belieben (HS, n = 8)
ausgesetzt.
Nach Abschluss der Behandlung analysierten die Wissenschaftler*innen unter anderem die Bakteriengemeinschaften im Darm. Die durch Hitzestress hervorgerufene Veränderung der Bakteriengemeinschaften im Dickdarm war durch eine Zunahme der Gattung Butyrivibrio spp., eines bekannten butyratproduzierenden Organismus, sowie Veränderungen im bakteriellen Stoffwechsel gekennzeichnet. Bei HS-Kälbern wurde eine starke positive Korrelation zwischen der Rektaltemperatur und entzündungsfördernden Eggerthii spp. festgestellt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Arbeit darauf hinweist, dass Hitzestress die Darmbarrierefunktion beeinträchtigt. Die Veränderungen der Bakteriengemeinschaften im Dickdarm zugunsten butyratproduzierender Organismen (z. B. Butyrivibrio-Arten) können Teil einer erfolgreichen Reaktion zur Aufrechterhaltung der Funktion der Dickdarmschleimhaut von HS-Kälbern sein, denn Butyrivibrio-Arten zählen zu den entzündungshemmenden Darmbakterien.
Studie*: Yu, Z. (2024): Heat stress–associated changes in the intestinal barrier, inflammatory signals, and microbiome communities in dairy calves. Journal of dairy Science, Volume 107, ISSUE 2, P1175-1196, February 2024
Quelle: Dr. Heike Engels – zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3/2024
Die Praxis, Milchkühe bei ihren Kälbern zu halten, gewinnt immer mehr an Interesse. Es wird angenommen, dass der Kontakt zwischen Kuh und Kalb oder dessen Fehlen den emotionalen Zustand beeinflusst. Verschiedene Arten des Kontakts zwischen Kuh und Kalb können sich auch auf den emotionalen Zustand von Kühen auswirken.
Das Hauptziel dieser Studie* war die Beurteilung des emotionalen Zustands von Milchkühen mit Vollzeit- (23 h/d), Teilzeit- (10 h/d) oder keinem Kontakt zu ihren Kälbern (Trennung 48 h nach der Geburt). Dies erfolgte mithilfe eines visuellen Verhaltenstests (visual judgement bias test , JBT) etwa einen Monat nach dem Kalben. Der JBT ist die derzeitige Goldstandardmethode zur Beurteilung des emotionalen Zustands von Tieren durch Bewertung von Optimismus oder Pessimismus. Das sekundäre Ziel war der Vergleich der Ergebnisse des visuellen JBT auf Farb- und Formbasis.
Fünfzig Milchkühe wurden darauf trainiert, sich einem positiven Bild auf einem Bildschirm zu nähern (mit Futter belohnt) und ein negatives Bild zu vermeiden (andernfalls wurden sie mit einem wedelnden Beutel „bestraft“). Nach dem Erlernen (> 80 % Richtigkeit an 2 aufeinanderfolgenden Tagen) wurden den Kühen 3 gemischte Bilder gezeigt (jedes einmal pro Tag, davon 4 positive und 3 negative Bilder, wiederholt über 4 Tage) und ihre Annäherungsreaktionen aufgezeichnet. Bei der Farbmethode (10 Vollzeit-, 9 Teilzeit- und 11 No-Contact-Kühe) hatten positive und negative Bilder einen einfarbig roten oder weißen Hintergrund; gemischte Bilder hatten Rosatöne. Bei der Formmethode (8 Vollzeit-, 6 Teilzeit- und 6 No-Contact-Kühe) bestanden positive und negative Bilder aus einem weißen Kreis oder Kreuz auf schwarzem Hintergrund; gemischte Bilder wurden mit Kreisen und Kreuzen in unterschiedlichen Grautönen überlagert.
Die Kühe lernten schneller, Farben zu unterscheiden als Formen (7,3 Tage vs. 9,3 Tage). Die Ergebnisse des Farb-JBT zeigen eine pessimistische Tendenz (was auf eine negative Gefühlslage hinweist) bei Kühen mit teilweisem Kälberkontakt, möglicherweise aufgrund der wiederholten täglichen Trennung von ihrem jungen Kalb, im Vergleich zu Kühen mit ganztägigem Kälberkontakt. Somit scheinen Kuh-Kalb-Kontaktsysteme die Gefühlslage der Kühe je nach Praxis zu beeinflussen. Die Forscher*innen schlussfolgern, dass der JBT eine nützliche Methode zur Beurteilung der Gefühlslage von Milchkühen ist; künftige Forschungen sollten sich auf das Verständnis der Gefühlslagen von Milchkühen in alternativen Managementsystemen konzentrieren.
Studie*: Neave, H.W. et al (2024): Assessing the emotional states of dairy cows housed with or without their calves. Journal of Dairy Science, Volume 107, Issue 2, February 2024, Pages 1085-1101
Quelle: Dr. Heike Engels Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3/2024
In Deutschland ist das hochpathogene aviäre Influenzavirus, auch Vogelgrippe oder Geflügelpest genannt, mittlerweile ganzjährig bei Wildvögeln nachzuweisen. Aufgrund der weiten Verbreitung des Virus in der Wildvogelpopulation kann es zu einer Infektion von Säugetieren kommen. So wurden in Europa Vogelgrippe-Infektionen bei Füchsen, Nerzen, Marderhunden oder Seehunden nachgewiesen. In Polen wurde im Juni/Juli 2023 eine ungewöhnliche Häufung von Erkrankungen und Todesfällen bei Hauskatzen beobachtet, die offensichtlich auf das Virus der hochpathogenen aviären Influenza (HPAIV) zurückzuführen waren. In Deutschland ist bislang kein Fall einer Ansteckung bei einer Hauskatze bekannt geworden.
Um allerdings eine mögliche Anpassung des Virus an Säugetiere zu verfolgen, startet das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Kooperation mit der Tierärztekammer Niedersachsen ein Projekt zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn: Untersucht werden Proben von Katzen, die sich im Freien aufhalten und dadurch Kontakt zu Wildvögeln haben könnten. Für die Übertragung ist eine hohe Menge an Viren notwendig, wenn zum Beispiel erkrankte Vögel gefressen werden. Auch der Kontakt in einem Stall mit erkranktem Geflügel kann eine mögliche Infektionsquelle sein. Eine Übertragung auf den Menschen ist bislang unwahrscheinlich, allerdings sind Katzen unter den bereits infizierten Säugetierarten diejenigen, die den engsten Kontakt zum Menschen haben. Daher richtet sich das Monitoring auf Katzen.
Das LAVES und die Tierärztekammer bitten die praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzte in Niedersachsen um Unterstützung dieses Projekts. Wenn sie bei Katzen im Rahmen der regulären Behandlung Blutentnahmen durchführen, soll mit Einverständnis der Tierhalterinnen oder Tierhalter eine Probe zur Untersuchung an das LAVES geschickt werden. Bei Tieren mit grippeähnlichen Krankheitssymptomen ist zusätzlich eine Nasentupferprobe für einen PCR-Test notwendig. Die erforderlichen Materialien für die Untersuchungen werden den teilnehmenden Praxen vom LAVES bereitgestellt. Für die Untersuchung der Proben durch das LAVES fallen keine weiteren Kosten an. Die Teilnahme an dem Projekt ist freiwillig.
Mit ihrer Teilnahme leisten die Tierarztpraxen sowie die Katzenhalterinnen und -halter einen entscheidenen Beitrag zum Gelingen dieses wichtigen Projekts. Jede eingehende Probe ist hilfreich und trägt zu einem weiteren Erkenntnisgewinn bei, um die Anpassung des aviären Influenzavirus an Säugetiere zu verfolgen.
Informationen zum Auftreten der Vogelgrippe in Niedersachsen sind unter www.tierseucheninfo.niedersachsen.de zu finden, ebenso ein „Infoblatt zur Vogelgrippe bei Hunden und Katzen“ mit Informationen für Tierhalterinnen und Tierhalter zu Infektionswegen sowie Schutz- und Hygienemaßnahmen (Download-Link).
Quelle: Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Die bei uns gehaltene westliche Honigbiene ist eines der drei wichtigsten Nutztiere in Deutschland. Ähnlich wie die anderen Nutztiere ist auch sie verschiedenen Krankheitserregern ausgesetzt. Während jedoch in anderen Nutztierbeständen Bestandstierärzte die Gesundheit der Tiere sichern, sind Imkerinnen und Imker bei der Bienengesundheit meist auf sich allein gestellt , auch wenn es Tierärzte mit Weiterbildung zum Fachtierarzt bzw. mit Zusatzbezeichnung Bienen gibt. Ein Forschungsprojekt an der HTWD soll nun Abhilfe schaffen.
Im Projekt ImBieSax bieten die Forschenden eine umfassende Gesundheitsfachberatung für Imker an. „Unser Ziel ist es, eine sachsenweite tierärztliche Beratung aufzubauen, die sich besonders auf effektives Bienenmanagement und die Gesundheit der Bienenvölker konzentriert“, erläutert der Projektleiter Professor Markus Freick.
Durch das Projekt erhalten sächsische Imkerinnen und Imker Zugang zu fundierten Informationen und praxisnaher Unterstützung, um die Gesundheit ihrer Bienenvölker nachhaltig zu sichern und zu verbessern. Alle rund 4.500 Imker*innen* mit Wohnsitz in Sachsen und Bienenvölkern in Sachsen können diese kostenfreie Beratung in Anspruch nehmen.
Vor-Ort-Besuche und Telefonberatung
Das Forschungsteam besucht nicht nur die Bienenstände für persönliche Beratungen vor Ort und für Probenentnahmen, sondern bietet auch telefonische Beratung an. „Eine spezielle tierärztliche Beratung hinsichtlich Bienengesundheit, wie bei anderen Nutztierbeständen, gab es seit der Wiedervereinigung Deutschlands in Sachsen nicht, obwohl das Wissen über Bienen in der tierärztlichen Approbationsverordnung enthalten ist und während des Veterinärmedizinstudiums gelehrt wird“, erklärt Tierärztin und Projektmitarbeiterin Dr. Julia Dittes.
Besonderer Fokus liegt auf der Prävention und Bekämpfung von Krankheiten wie der Varroamilbe und Virusinfektionen. Zudem soll das Wissen über moderne Imkereipraktiken verbreitet und gestärkt werden.
Arbeiten im Netzwerk
Das Projektteam arbeitet eng mit regionalen Partnern wie dem Landesverband Sächsischer Imker und der Sächsischen Tierseuchenkasse zusammen, um sicherzustellen, dass das Angebot die Bedürfnisse und Herausforderungen der Imker*innen in Sachsen adressiert.
So gibt es einen regelmäßigen Austausch mit allen Beteiligten und das Projekt konnte im Rahmen der jährlichen Weiterbildung der Bienenseuchensachverständigen der Veterinärämter in der Imkerschaft beworben werden. Gemeinsam erarbeiteten die Projektbeteiligten eine KAP-Analyse (KAP = knowledge, attitude, practice), um den Wissensstand und gängige Praktiken in der Imkerschaft zu ermitteln und deren Bedarfe zu erkennen. Besonders wichtig ist für das Projektteam die Nutzung der Kontakte über den Landesverband und die strukturierten Vereine in Sachsen, um das Angebot bekannt zu machen.
„Seit dem Start des Projekts haben sich bereits 180 Imkerinnen und Imker für unsere Beratungen angemeldet. Wir sind begeistert von der positiven Resonanz und den zahlreichen Rückmeldungen“ sagt Dr. Dittes.
Monitoring und Entwicklung
Bis Ende 2024 wertet das Team, zu dem auch zwei Studentinnen der Studiengänge Landschaftsentwicklung und Gartenbau der Fakultät Landbau, Umwelt, Chemie gehören, den Fragebogen und die Ergebnisse der Proben aus. Sie wollen feststellen, welche Krankheitserreger nachweisbar sind und ob es dabei regionale Unterschiede innerhalb Sachsens gibt. Dr. Dittes und ihre Mitarbeiterinnen verfolgen die Entwicklung der Bienenvölker auch über den Winter und planen die Fortführung des Projektes.
Die Förderung erfolgt nach dem Maßnahmenkatalog des Freistaates Sachsen zum Erhalt und zur Zucht von gesunden und resistenten Bienenvölkern vom 03.02.2023 (REVOSax Landesrecht Sachsen – Maßnahmenkatalog Bienen). Die Finanzierung des Projektes erfolgt zu 50 % aus Mitteln der Europäischen Union.
Quelle: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
Erlass an das LAVES: Niedersachsen erleichtert Doppelnutzung von Auslaufflächen
Seit einigen Monaten dürfen die Auslaufflächen bei einer konventionellen Freilandhaltung von Legehennen gleichzeitig mit Solarpanelen bebaut werden. Um die Umsetzung für interessierte Landwirtinnen und Landwirte zu fördern, hat das Landwirtschaftsministerium (ML) das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) als zuständige Behörde angewiesen, die maximale Überdachungsfläche durch Photovoltaik-Module und die dazugehörigen technischen Einrichtungen bis zu 70 Prozent bei hoch aufgeständerten Anlagen und bis zu 50 Prozent bei bodennahen Anlagen zu akzeptieren.
Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „In der konventionellen Freilandhaltung von Legehennen führt eine Doppelnutzung nicht nur zu einer gesteigerten ökologischen und ökonomischen Landnutzung, sondern kann auch zu positiven Synergieeffekten führen. Die PV-Anlage kann eine bedeutende Schutzfunktionen für die Tiere einnehmen – zum Beispiel vor Beutegreifern – oder als Hagelschutz dienen. Mit entsprechenden Vorrichtungen kann sie auch einen Beitrag zur besseren Regenwasserverteilung leisten. Die Anlagen bieten eine gute Möglichkeit für eine wirtschaftliche Energieerzeugung, bei der gleichzeitig das Tierwohl gefördert und die Vegetationsdecke gewährleistet wird.“
Hintergrund:
Bis zum Herbst 2023 war es EU-weit lediglich gestattet, die Auslaufflächen für die konventionelle Freilandhaltung von Legehennen zusätzlich auch in Form von Obstplantagen, bewaldeten Flächen oder Weiden zu nutzen. Mit der Delegierten Verordnung 2023/2465 wurde diese Doppelnutzung nun neu geregelt – eine Änderung, für die Niedersachsen sich im Vorfeld nachdrücklich eingesetzt hat. EU-weit gilt jetzt, dass die Auslaufflächen nun auch gleichzeitig zum Beispiel mit Solarpanelen bestückt werden können, wenn die zuständige Behörde dies genehmigt.
Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Anlässlich des 14. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums in Oldenburg stellte Dr. Eva Moors vom Tierschutzdienst, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg die neue Tierschutzleitlinie für die Schafhaltung vor. Eingangs wies sie darauf hin, dass jeder Schafhalter über die nötige Sachkunde (Ernährung, Pflege, Betreuung verhaltensgerechte Unterbringung) verfügen muss, die durch entsprechende Ausbildungen, abgeschlossenes Studium oder Teilnahme an speziellen Sachkundekursen erworben werden könne.
In den letzten Jahren sei eine Zunahme zu beobachten, dass vermehrt Mängel bei der Unterbringung, Fütterung oder Tierbetreuung auffielen. Gerade für diese Hobbyschafhalter sei fachliche Weiterbildung dringend geboten.
Stallhaltung
Schafe werden üblicherweise nur zur Lammzeit und in kalten Wintermonaten im Stall gehalten, die ganzjährige Stallhaltung sei tierschutzfachlich dagegen abzulehnen. Ein Stall solle trocken, hell und zugfrei sein und über ausreichende Luftzufuhr verfügen, Offenställe böten prinzipiell günstige Klimabedingungen und Tiefstreuhaltung auf Stroh habe sich in der Praxis bewährt.
Der Flächenbedarf im Stall sei z.B. von Körpergröße und Rasse der Tiere, Fütterungseinrichtungen und Bewollung abhängig. Für ein Mutterschaf bis 70 kg würde eine Liege-/Lauffläche von mind. 0,8-1,2 m² empfohlen, für ein Mutterschaf mit 2 Lämmern mind. 1,5-2,0 m².
Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen müssten jedem Tier jederzeit Zugang zu ausreichenden Mengen Futter und Wasser gewähren und so angeordnet sein, dass Verunreinigungen von Futter und Wasser ebenso wie Auseinandersetzungen zwischen den Tieren auf ein Mindestmaß reduziert würden.
Hürden und Raufen müssten stabil und sicher befestigt sein und dank ausreichender Höhe und lichter Weite zwischen den Stangen das Überspringen oder Durchkriechen verhindern. Auch dürften keine herausragenden Nägel, abgebrochenen Teile oder scharfe Kanten eine Verletzungsgefahr darstellen.
Witterungsschutz
Werden Schafe und Lämmer im Freien gehalten, brauchten sie einen Witterungsschutz, der sie vor extrem niedrigen oder hohen Temperaturen schützt. Langanhaltender Regen in Kombination mit Kälte/Wind, könnten zur Auskühlung (gerade bei Lämmern) führen. Bei starker Sonneneinstrahlung drohe neben Hitzestress auch Sonnenbrand (speziell bei frisch geschorenen Tieren).
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Von Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern
In über 200 Jahre alten Lehrbüchern der Viehwirtschaft wird bereits betont, wie wichtig es für die Gesundheit des Kalbes ist, dass es mit Kolostrum gefüttert wird. Seit ungefähr einem Jahrhundert kennen wir auch einen der Gründe dafür, nämlich die Notwendigkeit des passiven Transfers von Antikörpern aus dem Kolostrum in das Blut des Kalbes. Dennoch ist das Kolostrummanagement in fast allen untersuchten Betrieben mit Kälberproblemen mangelhaft. Als Kolostrum bezeichnen wir bei den Milchrassen nur das erste Gemelk der Kuh nach dem Kalben. Die weiteren Gemelke, die noch nicht die sensorischen Eigenschaften normaler Milch haben, bezeichnet man als Transitmilch. Auch diese ist für das Kalb noch wesentlich wertvoller als normale Milch. Die Empfehlung ist daher, dass alle Milch, die nach der Kalbung nicht an die Molkerei geliefert werden kann, an die Kälber verfüttert werden sollte. Eine Ausnahme bildet hier nur Milch von antibiotisch behandelten Kühen unter Wartezeit.
Warum ist Kolostrum so wichtig?
Das Kalb kommt zwar mit einem funktionsfähigen Immunsystem zur Welt, allerdings war es in der Gebärmutter gegen Krankheitserreger abgeschirmt und konnte daher noch keine spezifische Abwehr aufbauen. Im Gegensatz z.B. zum Menschen gehen bei der Kuh während der Trächtigkeit keine Immunglobuline gegen Infektionskrankheiten über das Blut auf das Kalb über. Dies liegt an der besonderen Beschaffenheit der Eihäute und bedeutet, dass das Kalb dem Keimdruck der Umgebung unmittelbar nach der Geburt zunächst schutzlos ausgesetzt ist. Die Aufnahme der Abwehrstoffe, die das Kalb schützen können, kann nur aus der Biestmilch erfolgen. Auch die herausragende Rolle der Biestmilch als erste Nahrung für das Kalb darf nicht unterschätzt werden. Biestmilch enthält nicht nur die vierfache Menge an Eiweiß im Vergleich zu normaler Milch, sondern auch die doppelte Menge an Fett. Da Kälber nahezu ohne Fett- und Energiereserven geboren werden, können sie gerade bei kalten Temperaturen ohne frühzeitige Biestmilchaufnahme rasch erfrieren.
Ungefähr in den letzten zwei Jahrzehnten sind unsere Kenntnisse über den Gehalt und die Wirkungsweise anderer im Kolostrum enthaltener Substanzen regelrecht explodiert. So sind im Kolostrum zum Beispiel Hormone und Wachstumsfaktoren in hohen Konzentrationen vorhanden. Mittlerweile weiß man, dass diese zur Entwicklung einer voll funktionsfähigen Darmschleimhaut beitragen. Insbesondere fördern sie das Wachstum der Darmzotten. Dadurch vergrößert sich die Oberfläche der Darmschleimhaut und damit die Fähigkeit, die Inhaltsstoffe der Nahrung ins Blut aufzunehmen. Durch die vermehrte Aufnahme von Nährstoffen reift auch das Hormonsystem des Kalbes, das für die Förderung des Wachstums verantwortlich ist.
Mit Hinsicht auf die Darmentwicklung ist die weitere Verfütterung von Transitmilch nach der ersten Kolostrummahlzeit besonders wichtig. Die im Kolostrum enthaltenen weißen Blutzellen wirken sowohl lokal auf die Entwicklung der Immunität im Darm, aber auch im Blut wird die Bereitstellung von Abwehrzellen nach Kolostrumaufnahme beschleunigt.
Spezielle Zuckerverbindungen (Oligosaccharide) sind dafür verantwortlich, dass sich eine gesunde Keimflora im Darm der Kälber ausbilden kann. Außerdem verhindern diese das Anheften von Krankheitserregern an die Darmwand.
Zusätzlich sind die Gehalte an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sehr hoch, so dass auch für diese Stoffe durch eine gute Kolostrumaufnahme die Versorgung gesichert wird. Ein gutes Kolostrummanagement kann in dieser Hinsicht weder durch kommerzielle Präparate (z.B. Kälberbooster) ersetzt noch verbessert werden.
Warum ist eine rasche Biestmilchgabe essenziell?
Die Verabreichung von Biestmilch unmittelbar nach der Geburt des Kalbes ist aus mehreren Gründen wichtig.
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Die Stallhaltung von Schweinen stelle immer einen Kompromiss zwischen dem Bedürfnis der Tiere, der Wirtschaftlichkeit und den örtlichen Möglichkeiten dar, betonte Dr. Heiko Janssen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu Beginn seines Vortrags anlässlich des 14. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums 2024. Die Planung eines Stalles richte sich stets nach dem aktuellen Stand der Technik, den gesetzlichen Vorgaben, eigenen Erwartungen und den ökonomischen Zwängen des Marktes. Und: der Stallbau lege den Rahmen der Haltung für lange Zeit fest, weil investiertes Geld wieder erwirtschaftet werden müsse.
Aktuell würden in Deutschland die weitaus überwiegende Zahl der Schweine in geschlossenen, klimatechnisch gesteuerten Ställen gehalten. Abluft könne gereinigt und der Nutztierbestand vor Krankheitsvektoren geschützt werden.
Eine wachsende Zahl von Schweinehaltern beschäftige sich aber mittlerweile nach jahrelangen Diskussionen um einen „Umbau der Tierhaltung“ und die Tierhaltungskennzeichnung mit Außenklimaställen oder dem Bau von Ausläufen. Für die Mastschweinehaltung wurden die Kriterien für insgesamt fünf Haltungsstufen festgelegt: Stall, Stall + Platz, Frischluftstall, Auslauf / Freiland, Bio.
Beim Thema „Außenklima“ könne man grundsätzlich zwischen den Anforderungen des Tieres und den Anforderungen des Menschen unterscheiden. Mit Blick auf das Tier sei immer zu bedenken, ob es um Saugferkel, Absetzferkel, Mastschweine, Zuchtläufer oder Sauen geht. Die Bedürfnisse der Tiere, hohe Tiergesundheit und Leistung stünden hier im Fokus. Insbesondere die Thermoregulation sei ein wesentlicher Parameter bei Stallplanung, da Schweine nur über die Rüsselscheibe schwitzen und sie ihre Haltungsumgebung in Funktionsbereiche unterteilen. Ruhe-, Fress- und Kotbereiche werden nach Möglichkeit räumlich voneinander getrennt.
Bei der Auswahl eines Ruhebereichs stehe die Thermoregulation hinsichtlich Wärmebedarf und Wärmeabgab im Vordergrund. Er sollte fei von Zugluft sein und eine geringe Lichtintensität haben. Möglichst weit von Ruhe- und Fressbereich entfernt legten Schweine dann einen Kotbereich an. Und weil Schweine äußerst soziale Tiere seien und möglichst zusammen fressen oder ruhen wollten, seien wesentliche Aspekte vorgegeben, wie Haltungssysteme konzipiert werden sollten, um dem natürlichen Verhalten der Schweine entgegenzukommen,
Für den Schweinehalter seien Tiergesundheit, Biosicherheit, Funktionalität, Arbeitserledigung, Verfahrenssicherheit, Vermarktung und Ökonomie wesentlich.
Aber auch Bau- und Umweltgesetzgebung, das Tierschutzgesetz oder auch Vermarktungsnormen müssen berücksichtigt werden.
Herausforderungen bei der konkreten Stallbauplanung seien vor allem die Wechselwirkungen der genannten Faktoren. So habe sich Flüssigmist in Kombination mit Vollspaltenboden u.a. deswegen etabliert, weil es hohe Arbeitseffizienz mit guter Verfahrenssicherheit kombiniere. Die Wühlmöglichkeit fürs Schwein sei allerdings stark einschränkt.
Getrennte Funktionsbereichen und Teilspaltenböden böten dem Tier dagegen mehr Möglichkeiten, das natürliche Wühlverhalten auszuleben, könnten aber zu Problemen bei Tiergesundheit und Emissionen führen, wenn die Festflächen als Kotbereiche genutzt würden.
Für das Tier sei es kaum von Bedeutung, ob es im „Außenklimastall“ oder einem „Stall mit Auslauf“ lebt, so lange alle Funktionsbereiche vorhanden sind. Die Unterscheidung zwischen Außenklimastall und Auslauf sei aber wichtig unter den Aspekten Tierhaltungskennzeichnung, Bau- und Umweltgesetzgebung sowie Förderungsmöglichkeiten und Vermarktungsnormen. Dabei spielten insbesondere definierte Vorgaben zu Mindestflächen, Überdachungsgrade oder auch Bodengestaltung eine wesentliche Rolle.
Nach heutigem Stand gäbe es aber leider noch eine Vielzahl an unterschiedlichen Definitionen von Außenklimastall und Auslauf für Schweine, die es der Beratung und dem Schweinehalter erschwerten, zukunftsfähige Ställe tatsächlich umzusetzen.
Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3-2024
• Monitoring von Kälbern und Färsen in den ersten 12 Lebensmonaten
• Mit SenseHub® Dairy Youngstock die Nachzucht überwachen
• Optimale Leistung von Kühen zu Beginn des Lebens sicherstellen
MSD Tiergesundheit bringt mit SenseHub® Dairy Youngstock die branchenweit erste Monitoringtechnologie für Kälber von Geburt bis zum ersten Lebensjahr auf den Markt. SenseHub® Dairy Youngstock erleichtert es Milchviehhaltern, die Kälber und Färsen zu erkennen und zu identifizieren, die besondere Aufmerksamkeit benötigen. Wissenschaftlich fundierte Algorithmen überwachen ständig das Verhalten der Tiere über die spezielle SenseHub® Monitoring-Ohrmarke. Die Technologie identifiziert Tiere, die ein Verhalten zeigen, das von ihrer individuellen Norm abweicht und darauf hindeutet, dass sie möglicherweise Aufmerksamkeit benötigen. Die SenseHub® Monitoring-Ohrmarke ist mit einem blinkenden LED-Licht ausgestattet. Landwirte können damit Tiere schnell und einfach lokalisieren und geeignete Maßnahmen ergreifen.
Kälber haben eine natürliche Tendenz, Krankheitssymptome zu verbergen. SenseHub® Dairy Youngstock hilft, dieses instinktive Verhalten zu überwinden, indem es potenzielle Krankheitsanzeichen frühzeitig identifiziert. Oftmals bevor diese für Landwirte erkennbar sind.
„Die Gesundheit und das Wohlergehen von Kälbern und Färsen ist entscheidend für die langfristige Entwicklung und das Wohlergehen der gesamten Herde“, so Juan Pedro Campillo, Global Lead, SenseHub® Dairy Youngstock. „Mit SenseHub® Dairy Youngstock können Milcherzeuger jetzt fundierte Erkentnisse nutzen, um Kälber zu erkennen, die möglicherweise zusätzliche Aufmerksamkeit benötigen. Durch dieses frühzeitige Eingreifen können sie die Entwicklung ihrer Kälber zu gesunden und produktiven Kühen unterstützen.“
Diese Technologie ermöglicht es Milchviehhaltern, ihre täglichen Arbeitsabläufe von ihrem Smartphone aus zu verwalten und dem zunehmenden Arbeitskräftemangel in den Betrieben entgegenzuwirken. Mit SenseHub® Dairy Youngstock können Milchviehhalter ihre wertvolle Zeit und Ressourcen auf die Kälber und Färsen konzentrieren, die Aufmerksamkeit benötigen. Diese neue Monitoring-Lösung verbessert das Wohlbefinden der Tiere und ermöglicht den Betrieben ein nachhaltigeres Herdengesundheitsmanagement. Die mit der Technologie verbundene Effizienzsteigerung ermöglicht es Erzeugern und Landwirten, die Arbeitsabläufe in ihrem Betrieb anzupassen und ihre Ressourcen effektiver zu nutzen.
SenseHub® Dairy Youngstock ist mit Managementsystemen kompatibel, bei denen die Kälber von der Geburt bis zum Absetzen in Einzelboxen oder Gruppenbuchten untergebracht sind und nach dem Absetzen im Alter von drei bis 12 Monaten in Gruppen gehalten werden. Die Monitoring-Ohrmarken liefern innerhalb von 27 Stunden nach dem erstmaligen Anbringen verwertbare Erkenntnisse.
Für Krankheitsdiagnose und Behandlungsmaßnahmen sollten Milchviehhalter ihre Tierärzte hinzuziehen.
Ziel der vorliegenden Studie war es zu bestimmen, inwieweit die Faktoren Fruchtbarkeit, Eutergesundheit und Leistung von Milchviehherden durch die Fütterung beeinflusst werden. Dafür befragten die Wissenschaftler*innen in den Jahren 2019 und 2020 insgesamt 100 Milchviehbetriebe: Sie besuchten jeden Betrieb zweimal und sammelten Daten und Futterproben. Die Datenerhebung umfasste Informationen zu den wichtigsten Futterkomponenten, der Nährstoffzusammensetzung sowie den Gehalt an Mykotoxinen und anderen Metaboliten im Futter. Die jährlichen Fruchtbarkeits- und Milchleistungsdaten der Herden wurden von der nationalen Meldestelle bezogen.
Das Abkalbeintervall war das Zielkriterium für die Fruchtbarkeitsleistung, während der Prozentsatz erst- und mehrgebärender Kühe in der Herde mit somatischen Zellzahlen über 200.000 Zellen/ml das Kriterium für eine beeinträchtigte Eutergesundheit war. Für jedes Kriterium wurden die Herden in drei Gruppen eingeteilt: hoch/lang, mittel und niedrig/kurz, wobei die jeweilige Grenze dem <25. und >75. Perzentil bzw. den restlichen Daten entsprach. Dementsprechend lagen die Grenzen für das Kalbungsintervall für die langen und kurzen Gruppen bei ≥400 und ≤380 Tagen, für die Eutergesundheit bei erstgebärenden Kühen bei ≥20 % und ≤8 % der Herde und für die Eutergesundheit bei mehrgebärenden Kühen bei ≥35 % und ≤20 % der Herde. Darüber hinaus wurden potenzielle Risikofaktoren in den Herden bestimmt.
Die Gruppe mit der hohen somatischen Zellzahl war über das Futter stärker den Mykotoxinen Enniatin (2,8 vs. 1,62 mg/Kuh pro Tag), Deoxynivalenol (4,91 vs. 2,3 mg/Kuh pro Tag), Culmorin (9,48 vs. 5,72 mg/Kuh pro Tag), Beauvericin (0,32 vs. 0,18 mg/Kuh pro Tag) und Siccanol (13,3 vs. 5,15 mg/Kuh pro Tag) sowie Fusarium-Metaboliten insgesamt (42,8 vs. 23,2 mg/Kuh pro Tag) ausgesetzt. Diese Gruppe erhielt mehr Maissilage in der Ration (26,9 % vs. 17,3 % der Trockenmasse des Futters) als die Gruppe mit der niedrigen Zellzahl.
Herden mit einem hohen Anteil an Kühen mit einem Milchfett-Protein-Verhältnis von >1,5 hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein längeres Kalbungsintervall, was sich bei Erstgebärenden als signifikant erwies. Auch Herden mit einem hohen Anteil an Mehrgebärenden mit einem Harnstoffstickstoffgehalt in der Milch von >30 mg/dL hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein längeres Kalbungsintervall. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Kontamination der Nahrung mit Fusarium-Mykotoxinen und hier insbesondere neu auftretenden Mykotoxinen, die wahrscheinlich auf den vermehrten Einsatz von Maissilage in der Nahrung zurückzuführen sind, ein Risikofaktor für die Beeinträchtigung der Eutergesundheit von Erstgebärenden zu sein scheint. Eine unausgewogene Energie- und Proteinversorgung der Nahrung von Mehrgebärenden trug zu einer verringerten Fruchtbarkeitsleistung der Herde bei.
*Studie: Penagos-Tabares, F. (2024) A 2-year study reveals implications of feeding management and exposure to mycotoxins on udder health, performance, and fertility in dairy herds. Journal of dairy science, Volume 107, ISSUE 2, P1124-1142, February 2024
Quelle: Dr. Heike Engels, zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3-2024
Schon seit den achtziger Jahren erfreuen sich Lamas und Alpakas hierzulande wachsender Beliebtheit als Heim-, Begleit- und Freizeittiere. Prof. Matthias Gauly, Vorsitzender der tierwissenschaftlichen Arbeitsgruppe an der Fakultät für Wissenschaft und Technologie, Freie Universität von Bozen, Italien, beleuchtete in seinem Vortrag auf dem 14. Niedersächsischen Tierschutzsymposium Tierschutz-Probleme im Hinblick auf verschiedene Nutzungsbereiche von Neuweltkamelen. Gesetzliche Grundlage für die Haltung der domestizierten Neuweltkamelen (Lamas und Alpakas) ist das Tierschutzgesetz, bei landwirtschaftlicher Haltung gilt außerdem die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.
Haltung
Für Lamas und Alpakas als Herdentiere sei Gruppenhaltung (mindestens zwei Tiere) verpflichtend, Hengste müssten mindestens Sichtkontakt zur Herde haben. Bei der üblichen Weidehaltung käme es häufig zu engem Mensch-Tier-Kontakt, der – vor allem in der Frühentwicklung von Fohlen – zu Fehlprägungen führen könne (Berserk-Male-Syndrom). In den ersten Lebenswochen sollte deshalb ein intensiver Kontakt zu Fohlen unbedingt vermieden werden.
Neuweltkamele, die älter als 6 Monate sind, benötigten mindestens 1000 m2 Fläche für die ersten beiden Tiere und für jedes weitere Tier sollten ca. 100 m2 mehr zur Verfügung stehen. Bei diesem Flächenangebot müsse allerdings meistens auf der Weide zugefüttert werden.
Bei der Konstruktion von Stallungen und Unterständen müsse berücksichtigt werden,
dass Neuweltkamele ausreichende Möglichkeiten zum Ausweichen haben. Im Tagungsband heißt es dazu: „Eine Stallnettofläche von 4 m2 pro Tier kann als Mindestmaß angenommen werden, wenn weitere Tiere aufgestallt sind. Die Grundfläche ist dann wie folgt zu erweitern: Tiere, die älter als 6 Monate sind, benötigen zusätzlich 2 m2 / Tier, Fohlen unter 6 Monaten 1 m2 / Tier.“
Zum (Kalt-)Stall empfiehlt Prof. Gauly einen Laufhof bzw. Zugang zu einem Paddock.
Auf der Weide brauchen die Tiere einen zugfreien und wetterfesten natürlichen Schutzraum oder Unterstand. Der Zugang sollte so gestaltet sein, dass ranghohe Tiere ihn nicht blockieren können Am besten sei ein einseitig offener Unterstand, den alle Tiere bei Bedarf aufsuchen können.
Lamas und Alpakas brauchen regelmäßigen Zugang zu frischem Wasser. Mindestens 20 % strukturierte Rohfaser in der Gesamtration seien für die ungestörte Vormagenmotorik notwendig. Weil Neuweltkamele Synchronfresser sind, sollte das Tier-Fressplatzverhältnis 1:1 in Stall und Unterstand betragen – vor allem damit auch rangniedere Tiere ungestört fressen können.
Mehrere geschlechtsreife Hengste in einer Herde mit Stuten zu halten sei unmöglich. In der Regel würden deshalb überzählige Hengste mit 1,5 bis 2 Jahren kastriert, was die Umgänglichkeit signifikant verbessere und die stressfreie gemeinsame Haltung in Gruppen ermögliche.
Auch wenn Neuweltkamele niedrige wie hohe Temperaturen gut vertrügen, müssten sie aber mindestens einmal in zwei Jahren geschoren werden (bei starker Bewollung jährlich) und auch die Hufe müssten regelmäßig kontrolliert und geschnitten werden.
Fütterung
Ein ausgewachsenes Alpaka hat einen Energiebedarf für die Erhaltung von ca. 7 bis 8 MJME. Ein ausgewachsenes Lama liegt bei 10 bis 12 MJME. Der zusätzliche Energiebedarf für Leistungen z.B. bei Trekkingtouren hängt von der zurückgelegten Strecke, der Streckengestaltung sowie der zu tragenden Last ab. Neuweltkamele benötigen zur Erhaltung etwa 8 bis 10 % Rohprotein in der Diät. Trächtige (letzte 2 – 3 Monate) und laktierende Tiere benötigen einen Gehalt von 12 bis 15%, Jungtiere noch mehr (< 9 Monate 14 – 16 %; 9 – 18 Monate 12 – 14 %), was aber bis zum Absetzen durch die Milch abgedeckt wird.
Trekking
Lamas oder Alpakas als Kutschtiere einzusetzen sei aus Tierschutzsicht grundsätzlich abzulehnen. Würden die Tiere bei Trekkingtouren eingesetzt, könnten (bei Tiergewichten von 120-140 kg) Tagesmärsche von 12–17 km bei mäßiger Steigung von trainierten Tieren gut bewältigt werden. Die Nutzlast sollte dabei etwa 15-17 % des Lebendgewichts nicht übersteigen (18-24 kg). Zwei britische Organisationen (British Llamaociety BLS und British Alpaca Society BAS) hätten bereits 2018 Leitlinien zur Kamelidenhaltung veröffentlicht und es sei zu hoffen, dass auch für Deutschland klare Empfehlungen erarbeitet werden.
Tiergestützte Intervention
Neuweltkamelen könnten zwar in verschiedenster Weise im tiergestützten Einsatz genutzt werden, aber Neuweltkamele seien z.B. wegen ihrer eher zurückhaltenden Natur für gewisse Zielgruppen eine Bereicherung, für andere jedoch weniger geeignet. Lamas und Alpakas seien keine Kuscheltiere und häufige Nähe zu Menschen verursache bei ihnen Stress. Die „Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz“ nennt in einem speziellen Merkblatt Einsatzmöglichkeiten, die mit dem Tierschutz vereinbar sind.
Ganzheitlicher Fokus auf Tierernährung, Tiergesundheit und Betriebswirtschaft
Neu: QPlan bietet innovatives Beratungskonzept für ganzheitliche Optimierung
Seit Jahresbeginn erweitert Simon Epping das im nordrhein-westfälischen Isselburg ansässige Beratungsunternehmen KuhBlick GmbH. Mit mehr als 14 Jahren Berufserfahrung im Bereich des automatischen Melkens kümmert er sich um die Optimierung von Arbeitsroutinen und die Arbeitseffizienz u. a. von AMS-Betrieben.
Simon Epping erweitert seit Anfang des Jahres das Team von Kuhblick
Andre Hüting verantwortet als Mitinhaber einer Tierarztpraxis die Tiergesundheit, die Bestandsbetreuung und die neutrale Beratung im Bereich Kälberaufzucht.
Als Dritte im Team berät die Spezialistin für Tierernährung Annika Ehm die Betriebe zu allen Fragen der Rationserstellung und des Controllings. Dabei ergänzen sich die Experten entsprechend ihren speziellen Fachkenntnissen und Erfahrungen. Zudem kommt bei der Betriebsanalyse mit QPlan ein innovatives Beratungskonzept zum Tragen. In diesem werden Optimierungsvorschläge hinsichtlich Tiergesundheit, -ernährung, Melken und Arbeitsroutinen zusammengefasst und den Landwirten ausgehändigt. Darüber hinaus hat das Unternehmen permanent Zugriff auf die Labordiagnostik einer großen Fachtierpraxis am Niederrhein.
Potenziale erschließen und umsetzen
Das unabhängige Expertenteam von KuhBlick setzt auf die kompetente, neutrale und ganzheitliche Beratung von Milchkuhbetrieben. „Wir decken eine leistungsgerechte Tierernährung und eine ganzheitliche Herangehensweise an die Tiergesundheit, die Planung sowie die Umsetzung auf automatisches Melken und Füttern ebenso ab wie betriebswirtschaftliche und produktionstechnische Analysen. Zusätzlich bewerten wir Konzepte von Betrieben, die in die Automatisierung investieren wollen und begleiten die Umstellungsphase eng. Dabei arbeiten wir – anders als viele Tierernährungsberater – vollständig unabhängig, also nicht im Auftrag von Futtermittelanbietern“, skizziert Tierarzt Hüting das Konzept des Unternehmens.
Verbesserung der Arbeitswirtschaft
Neben der biologischen Leistungsfähigkeit der Tiere und dem finanziellen Potenzial der Betriebe gehören auch Analysen und Konzepte für die Verbesserung von Arbeitswirtschaft, Effektivität und Effizienz zu dem umfassenden Dienstleistungsangebot von KuhBlick. „Unsere Spezialisten sorgen mit strategischem und konzeptionellem Vorgehen dafür, dass die Potenziale der Betriebe in Sachen Optimierung der Milchproduktion erschlossen und gewinnbringend umgesetzt werden“, so Annika Ehm. Und Simon Epping ergänzt: „Sehr gerne stehen wir unseren Partnern und Kunden auch für Weiterbildungen im Rahmen von Workshops, Fachvorträgen und Schulungen rund um die moderne, tiergerechte und leistungsstarke Milchkuhhaltung zur Verfügung.“
Weitere Informationen zu KuhBlick finden Sie unter www.kuh-blick.de
Aufgrund des aktuellen Ausbruchsgeschehens der Afrikanischen Schweinepest sowie der Geflügelpest ist die Tierseuchenlage in Deutschland dynamischer denn je. Der Eintrag einer anzeigepflichtigen Tierseuche in den Tierbestand kann zu großen wirtschaftlichen Schäden in einem landwirtschaftlichen Betrieb führen. Betroffen sind auch Betriebe in der direkten Umgebung eines Ausbruchs. Um die Wahrscheinlichkeit eines Tierseucheneintrags in den Bestand zu verringern, ist ein gut durchdachtes Biosicherheitskonzept entscheidend. In diesem Kontext wird im Rahmen des ÖTiKliS-Projekts unter HSWT-Leitung von Professorin Eva bis zum 30.09.2024 eine anonyme Online-Umfrage durchgeführt.
Biosicherheitsmaßnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben optimieren
Die Umfrage soll Biosicherheitsmaßnahmen in Schweine und Geflügel haltenden Betrieben optimieren und damit die Ausbreitung von Tierseuchen wie die Afrikanische Schweinepest und die Geflügelpest verhindern. Um gute und verlässliche Ergebnisse zu erzielen, benötigen die Forschenden Unterstützung der landwirtschaftlichen Betriebe. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für Entscheidungen bezüglich Haltungsformen und baulicher Maßnahmen für eine ökologische und Tierwohl fördernde Landwirtschaft. Im Tierseuchenfall entwickeln Verantwortliche daraus Strategien, die die Anforderungen der ökologischen Tierhaltung mit den gesetzlichen Vorgaben vereinen.
Maßnahmen zur Tiergesundheit und Regulierungen im Seuchenfall
Das Projekt „Ökologische Tierhaltung als Beitrag zum Klimaschutz – im Fokus von Tierkrankheiten und Tierseuchen (ÖTiKliS)“ https://www.hswt.de/forschung/projekt/2208-oetiklis beschäftigt sich mit verschiedenen Haltungsformen in Schweine- und Geflügelbetrieben. Dies geschieht unter dem Aspekt der Klimabilanz von landwirtschaftlichen Nutztieren sowie der Tiergesundheit und den Regulierungen im Seuchenfall. Im Vordergrund dabei steht die Entwicklung von Maßnahmen, die die Tiergesundheit sicherstellen und auch während einer Tierseuche eine optimale, ressourcenschonende Produktion in landwirtschaftlichen Betrieben ermöglichen.
Mit Mutterkühen Geld verdienen – ist das überhaupt möglich? Ja, wenn man die wichtigen Dinge im Blick hat!
Um die eigene Mutterkuhhaltung wirtschaftlich zu gestalten helfen Ideen und Impulse von anderen Betrieben. In 16 Jahren Beratung habe ich erfolgreiche Betriebe im In- und Ausland kennengelernt. Es waren sehr und weniger profitable Betriebe darunter. Von allen kann man lernen. Obwohl, nein, weil Mutterkuhhaltung ein einfaches Produktionsverfahren ist, gibt es nicht das eine erfolgreiche Konzept, sondern viele unterschiedliche Wege. Erfolg ist so vielfältig wie die Betriebe, die Standorte und Rassen.
Diese Erfahrungen aus meiner Beratung gebe ich in diesem Seminar an Sie weiter:
• Wie Sie durch weniger Arbeitsaufwand die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebes langfristig steigern
• Die Futterkosten durch eine längere Weideperiode zu reduzieren
• Weidemanagement als Basis für quantitativ, qualitativ und günstiges Grundfutter
• Praktische Dinge, die den Alltag erleichtern (Zaunbau, Wasser, etc.)
• Zucht als Grundlage für hohe Fruchtbarkeit und funktionale Kühe
• Was eine gute Vermarktung ausmacht
• Wie Sie den Einsatz teurer Maschinen reduzieren können
• Was es für eine erfolgreiche Umstellung von Milchvieh auf Mutterkühe braucht
Anmeldung über Internetseite oder gruhn@stockmanship.de / Seminargebühr: 250€ incl. Mittagessen, plus MwSt.
Sollten Sie vorab am Stockmanship Intensivseminar (26./27. September – auch in Blankenförde) teilnehmen, zahlen Sie dafür auch nur 250€.
Die Mutterschutzimpfung gegen Rota- und Coronaviren und E.coli sowie die Versorgung der Kälber mit hochwertigem Kolostrum ist die Basis, um Kälber vor Durchfall zu schützen. Zwar konnte eine Studie* nachweisen, dass der Erreger Cryptosporidium parvum ebenfalls häufig am Durchfallgeschehen beteiligt ist, doch besteht keine statistische Korrelation zwischen dem Auftreten von Durchfall und dem Nachweis von Crypto. parvum.
Die Studie*untersuchte 441 Kälberkotproben von 98 Rinderbeständen auf das Vorhandensein von Crypto. parvum. Bei 60,8 % der untersuchten Kälber und 92,9 % der Betriebe konnte Crypto. parvum nachgewiesen werden. Von diesen positiven Proben waren 43 % ausschließlich Crypto. parvum positiv, 36,7 % der Proben enthielten jedoch zusätzlich Coronavirus, Rotavirus und E. coli K99. Im Zusammenspiel mit bovinen Rotaviren, bovinen Coronaviren und E.coli K99 steigerten sich Durchfallintensität und -häufigkeit sowie die Kälberverluste.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen deutlich, dass der Schweregrad des Durchfallgeschehens bei Koinfektionen maßgeblich zunimmt im Vergleich zu Monoinfektionen. Deshalb macht es Sinn, gegen die wesentlichen Erreger zu impfen (bovine Rotaviren, bovine Coronaviren und E.coli K99), um die Konzentration spezifischer Antikörper gegen die betreffenden Erreger im Kolostrum zu erhöhen, um damit Koinfektionen vorzubeugen. Vermeidung durch Mutterschutzimpfungen ist auf jeden Fall zu empfehlen, aber auch Hygiene rund ums Abkalben sowie optimiertes Kolostrummanagement.
*Studie: Göhring, Franziska et al.: „Untersuchungen zur Häufigkeit von Cryptosporidium parvum bei Durchfallkälbern und der Einfluss von Koinfektionen auf das Durchfallgeschehen. Tierärztliche Umschau, 112-120 (2014)
Das FBN startet gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen SUISAG, das Genetik für eine verantwortungsvolle und erfolgreiche Schweinehaltung anbietet sowie der Medizintechnikfirma PoroUS GmbH das innovative Projekt „Verbesserte Phosphorverwertung und erhöhte Knochenstabilität bei Schweinen“ (PigBoneS).
Das Ziel des Projekts ist die Auswahl und Züchtung von Schweinen mit optimierter Phosphorverwertung und gleichzeitig erhöhter Knochenstabilität. Letzteres wird durch das nicht-invasive POROUS 3D Ultraschallverfahren ermöglicht, das die präzise Messung von Knochendichte und -stabilität gewährleistet. Die Identifizierung relevanter genetischer Marker bildet die Grundlage für ein neues fortschrittliches Zuchtprogramm, mit dem bedeutende Fortschritte bei der Tiergesundheit und den Umweltwirkungen der Tierhaltung erzielt werden sollen.
Positive Auswirkungen optimierter Phosphorverwendung
Das Projekt bietet vielfältige positive Implikationen: Eine optimierte Phosphorverwertung kann zu einer besseren Knochenentwicklung und -stabilität führen, was das allgemeine Wohlbefinden und das Wachstum der Tiere fördert. Das POROUS Verfahren stellt eine wichtige diagnostische Grundlage zur Beurteilung der Knochen-gesundheit dar. Dr. Julia Eschenbrenner von POROUS kommentiert: „Wir sind sehr froh, in dieses Projekt mit zwei starken innovativen Partnern zu starten. Für POROUS bietet das Projekt die Chance, den Anwendungsbereich unserer Technologie zu er-weitern. Wir freuen uns, einen Beitrag zu Tierwohl und Umweltschutz zu leisten.“ Die AG Bildgebung, Simulation und Stimulation der Charité Universitätsmedizin Berlin von Prof. Kay Raum ist ebenfalls beteiligt, um Mikrostrukturanalysen und numerische Schallausbreitungssimulationen im Knochen durchzuführen. Der Ansatz zur Verbesserung der Schweinegesundheit adressiert auch effektiv das Problem der Beinschwäche der schnellwüchsigen Tiere in modernen Haltungssystemen.
PigBoneS verbindet Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit
Zudem reduziert eine effizientere Phosphorverwertung die Phosphorausscheidungen über die Gülle und damit die Umweltbelastung durch die Tierhaltung. Dies unterstreicht, dass Nährstoffeffizienz, Umweltschutz und nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken miteinander verbunden sind. Mit der Konzentration auf eine Verbesserung der Phosphornutzung wird hier auf eine umweltfreundlichere und nachhaltigere Lebensmittelproduktion hingearbeitet.
Eine verantwortungsvolle, nachhaltige Nutztierhaltung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der heutigen Landwirtschaft und Bioökonomie sowie ein wichtiger Aspekt von Ressourcenkreisläufen. Das Eurostars-Projekt „Verbesserte Phosphorverwertung und erhöhte Knochenstabilität bei Schweinen“ trägt dazu bei, diese Ziele zu erreichen.
Das Projekt wurde im Rahmen des Eureka Eurostars Netzwerkprogramms bewilligt und am 1.6.2024 begonnen. Das Netzwerkprogramm fördert grenzüberschreitende Innovationsprojekte und wird in Deutschland vom BMBF und in der Schweiz von Innosuisse unterstützt und gefördert.
Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)
Die aktuell prekäre Tierseuchensituation in Deutschland führt zu einer enormen personellen Belastung in Veterinärverwaltungen, Laboren und den zuständigen Stellen der Bundeswehr. Insbesondere angesichts der sich ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) macht die Bundestierärztekammer (BTK) erneut auf diese Problematik aufmerksam und warnt vor einer Eskalation.
„Die gegenwärtige ASP-Situation in den angrenzenden Bundesländern zu Polen und die ASP-Einträge in Schwarzwild und Hausschweinebestände in Hessen und Rheinland-Pfalz verlangen u. a. den Veterinärämtern höchste Einsatzbereitschaft ab, um den Seuchenzug einzudämmen, aufzuhalten und das Ziel der Seuchentilgung zu erreichen“, mahnt der BTK-Präsident Ltd. VD Dr. Holger Vogel. „Personelle Entlastungen sind unverzüglich sicherzustellen – sowohl in den Grenzbundesländern als auch in den Bundesländern mit Solitäreinträgen. Auch die Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel in der aktuellen Phase der Ausbreitung ist zwingend erforderlich“, sagt Dr. Vogel.
Schon der Deutsche Tierärztetag 2018 forderte die Landesregierungen auf, länderübergreifende, verbindliche Leitlinien für die personelle Ausstattung der Veterinär- und Untersuchungsämter zu erarbeiten und deren Umsetzung durch die Länder vollständig zu finanzieren (Download Arbeitskreis 3: Amtstierarzt 2030). Es muss dafür Sorge getragen werden, dass die staatlichen Untersuchungseinrichtungen den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind, insbesondere durch eine angemessene Ausstattung mit qualifiziertem Personal.
Seit einigen Jahren breitet sich die ASP in Deutschland immer weiter aus und macht die Notwendigkeit, im Sinne einer erfolgreichen Tierseuchenbekämpfung zu handeln, nun deutlicher denn je.
Stammt das Bio-Ei wirklich von einer Legehenne aus ökologischer Haltungsform? Diese Frage lässt sich mittels Kernspinresonanz-Spektroskopie (NMR-Spektroskopie) beantworten. Dazu werden Ei-gelb-Proben analysiert, deren Spektren wie ein Fingerabdruck großen Informationsgehalt liefern. Ein Abgleich mit charakteristischen Mustern je Haltungsform aus einer Datenbank mit Referenzspektren gibt Aufschluss über die tatsächliche Haltungsform – und das alles mit einer Messegenauigkeit von nahezu 100 Prozent.
Ein Forscherteam am DIL Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V. in Quakenbrück hat dafür eine innovative Methode entwickelt: Mittels NMR-Spektroskopie ist künftig mit nur einer Messung eindeutig erkennbar, ob ein Ei wirklich von ökologisch gehaltenen Legehennen stammt. Hierfür haben die Forschenden rund 4.500 Eiproben untersucht. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat das Projekt über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) gefördert.
Referenz-Datenbank mit KI aufgebaut
Zum Nachweis der Haltungsform haben die Forschenden aus den Eiern gewonnene Eigelb-Extrakt-Proben mittels 1H-NMR-Spektroskopie analysiert. Die so erzeugten Spektren bilden ein hochspezifisches Muster der Ei-Probe ab, quasi einen Fingerabdruck mit einem großen Informationsgehalt. Mithilfe multivariater Datenanalysen, maschinellem Lernen und KI haben die Forschenden für jede Haltungsform charakteristische Muster identifiziert und eine Datenbank sowie ein Authentizitäts-Modell aus diesen Referenzspektren erstellt. Durch den Abgleich des 1H-NMR-Spektrums von unbekannten Eigelb-Proben mit dem Modell aus Referenzspektren ist es ihnen gelungen, die tatsächliche Haltungsform nachzuweisen
Fast 100 Prozent Messgenauigkeit – auch Rasse ermittelbar
Das errechnete Modell für die Klassifizierung von Eiern aus konventioneller und ökologischer Haltung erreicht eine Genauigkeit von 99,9 Prozent, während sich die untersuchten Eier mit einer Genauigkeit von 97,1 Prozent den vier Haltungsformen zuordnen lassen. Zusätzlich ist es den Forschenden gelungen, die Rasse der Legehennen (Lohmann Selected Leghorn, Dekalb, Lohmann Brown, Sandys) mit einer Modellgenauigkeit von 98,4 Prozent zu ermitteln.
Nachweismethode für Handel und Verarbeitung
Nach Einschätzung der Forschenden bieten die Ergebnisse ein großes Potenzial in der Lebensmittelüberwachung, etwa im Verdachtsfall oder bei Stichprobenuntersuchungen für den Handel und den Verarbeitungsbereich. Unternehmen können entsprechende Analysen beauftragen und damit zuverlässig überprüfen, ob der Stempelcode auf der Eischale die Haltungsform der Legehennen korrekt angibt. Dies stärkt das Vertrauen in die Echtheit von Bio-Eiern und somit die Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach Bio-Eiern.
Partner für Weiterführung gesucht
Damit sich das Verfahren etabliert, müssen die Modelle mit weiteren authentischen Proben ergänzt werden und aktuell bleiben. Denn nur, wenn zusätzliche, teils noch nicht bekannte Einflussfaktoren wie etwa weitere Rassen und Futtermittel berücksichtigt werden, bleiben die Modelle aussagekräftig. Das DIL lädt Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbände zur Zusammenarbeit ein, um diese zukunftsweisende Analytik und ihre Anwen-dungsmöglichkeiten weiterzuentwickeln.
Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
• Testrechnungen erfolgreich ausgewertet
• Befunddatenberechnung im August löst noch keine verpflichtende Beratung für Schweinehalter aus
• Anmeldung für Berater zum 1. August möglich
Das Projekt zur Einführung einer verpflichtenden Tiergesundheitsberatung für schweinehaltende Betriebe mit Mängeln bei der Tiergesundheit startet zum 1. August im QS-System mit der Umsetzung. Nach einer Schulungsphase können sich nun die Berater bei der QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS) anmelden. Sobald die Anmeldung der ersten Berater abgeschlossen ist, startet QS die auditrelevante Befunddatenberechnung. Die Auswertung der Befunddaten im August löst dementsprechend noch keine verpflichtende Beratung aus.
„Das Interesse aus der Branche ist groß,“ fasst QS-Geschäftsführer Dr. Alexander Hinrichs die letzten Monate zusammen. „Für die Schulungen der Auditoren und Berater haben wir außerordentlich wertvolle fachliche Unterstützung vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. sowie von den Tiergesundheitsdiensten Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen und der Tierärztlichen Hochschule Hannover erhalten. Auch das Interesse seitens der zukünftigen Beraterinnen und Berater war enorm hoch. Das zeigt uns deutlich, dass sich die intensiven Vorbereitungen gelohnt haben und wir für den Start des Projektes gut aufgestellt sind.“
Schulungen abgeschlossen
QS hat in den vergangenen Wochen in Zusammenarbeit mit Experten aus der Tiermedizin und der Beratung sowohl die Auditoren als auch die Berater für die zukünftige QS-Tiergesundheitsberatung geschult. Die letzten Zulassungstests sind in diesen Tagen abgeschlossen. Ab dem 1. August können sich alle Berater bei QS anmelden, die die Schulung erfolgreich abgeschlossen haben. Die zugelassenen Berater können dann von den betroffenen Tierhaltern als Berater ausgewählt werden.
Proberechnungen analysiert
Die Probeauswertung der sichtbaren relevanten Befunde vom 1. Mai 2024 hat QS analysiert und letzte Anpassungen vorgenommen. Rückmeldungen aus der Branche konnten berücksichtigt werden und haben dazu geführt, dass QS den Infobrief an die Landwirte noch einmal optimiert. So kann zukünftig der mögliche Beratungsbedarf besser erkannt werden.
Auditrelevante Befunddatenberechnung zum 1. November 2024
Sobald die Anmeldung der ersten Berater abgeschlossen ist, startet QS die auditrelevante Befunddatenberechnung zum 1. November 2024. Das Konzept sieht ergänzend zur Information über diese Tiergesundheitsdaten im nächsten Schritt ein Audit vor. Erst wenn in diesem Audit die Auffälligkeiten bestätigt werden, ist der Tierhalter zur Tiergesundheitsberatung verpflichtet.
Mehr Informationen zur QS-Tiergesundheitsberatung finden Sie hier.
QS Qualität und Sicherheit GmbH
Qualitätssicherung – Vom Landwirt bis zur Ladentheke.
Seit über 20 Jahren ist QS die Institution der Wirtschaft für die Sicherheit bei der Produktion von Lebensmitteln und Futtermittel. Das QS-System definiert die Anforderungen an Lebensmittelsicherheit und Qualitätssicherung lückenlos entlang der gesamten Wertschöpfungsketten für Fleisch, Obst, Gemüse und Kartoffeln. Alle über 180.000 Partner im QS-System lassen sich von unabhängigen Auditoren regelmäßig kontrollieren. Flächendeckende Monitoring-Programme und gezielte Laboranalysen flankieren die Qualitätssicherung. Die Produkte aus dem QS-System erkennt man am QS-Prüfzeichen. Es steht für sichere Lebensmittel, auf deren gewissenhafte und überwachte Herstellung sich alle Wirtschaftsbeteiligten, die Verbraucher und die Gesellschaft verlassen können.
Forschende der Biogeografie der Universität Bayreuth haben das erste Modell entwickelt, das das räumliche und zeitliche Risiko einer Infektion mit dem West-Nil-Virus in Standvögeln, Zugvögeln und dem Menschen in Deutschland simuliert. Damit legen sie die Basis für ein Warnsystem für Krankheiten, deren Übertragung durch den Klimawandel beeinflusst wird.
Das von Stechmücken auf den Menschen übertragbare West-Nil-Virus (WNV) tritt seit langem im Südeuropa auf. Begünstigt durch den Klimawandel ist eine Übertragung auch in nördlicheren Gebieten möglich. In Deutschland wurden Krankheitsfälle beim Menschen erstmals 2019 registriert. Ein Modell, welches das Infektionsrisiko in Deutschland abbildet, kann als Warnsystem fungieren und dabei helfen, geeignete Präventionsmaßnahmen zu treffen und die ärztliche Differentialdiagnostik anzupassen.
Das WNV gehört zu den Flaviviren und wird von Stechmücken zwischen wildlebenden Vögeln übertragen. An Vögeln infizierte Mücken können das Virus auch auf Menschen übertragen. In Südeuropa kommt es schon seit langem im Sommer zu Ausbrüchen. Bisher waren die Sommertemperaturen in Deutschland durchgehend am Tag und in der Nacht nicht warm genug für eine Übertragung durch die weitverbreitete Gemeine Stechmücke. Seit 2019 sind allerdings auch in Deutschland Fälle von Infektionen beim Menschen bekannt sind. Das West-Nil-Fieber heilt meist ohne Komplikationen aus. Jedoch sind Spätfolgen bei Erkrankten, die Entzündungen des Gehirns entwickelten, häufig und Personen mit Vorerkrankung oder ältere Menschen können aufgrund des in das Nervengewebe eindringenden West-Nil-Virus sterben.
Oliver Chinonso Mbaoma, Dr. Stephanie Thomas und Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein vom Lehrstuhl für Biogeografie der Universität Bayreuth haben ein Modell entwickelt, mit dem das räumliche und zeitliche Infektionsrisiko mit dem WNV in Deutschland simuliert werden kann. Das Modell basiert auf Umweltdaten wie tägliche Temperatur und Niederschlag sowie epidemiologischen Daten und wurde anhand der menschlichen und tierischen WNV-Fälle der letzten fünf Jahre überprüft. Zudem bezog das Forschungsteam Eigenschaften der Moskitos und Vogelarten, die für die Übertragung des WNV besonders wichtig sind, in die Berechnungen mit ein.
Die Modellergebnisse bilden bisherige Gebiete mit WNV-Fällen gut ab und zeigen weitere Gebiete im Westen von Nordrhein-Westfalen, Ober- und Mittelrhein sowie einzelne Landkreise in Bayern auf, in denen eine Übertragung aus klimatischer Sicht von Juli bis Ende Oktober möglich wäre.
„Unsere Ergebnisse legen den Grundstein für ein Frühwarnsystem für Infektionskrankheiten, deren Übertragung durch die steigenden Temperaturen begünstigt wird. Das Modell kann dem öffentlichen Gesundheitsdienst dabei helfen, Präventionsmaßnahmen zu treffen. Zudem kann die Ärzteschaft anhand der Risikolage die Differentialdiagnostik anpassen“, sagt Thomas.
Die Forschungsarbeit wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege über das Projekt BayByeMos (AP-2411-PN 21-14-V3-D22827/2022) im Rahmen des Verbundprojekts „Klimawandel und Gesundheit II“ (VKG II) gefördert.