Geflügel: Antibiotikareduktion und Alternativen

Von Luisa Watzer, Tierärztin, Praxis am Bergweg in Lohne

In der Politik, den Medien und sozialen Netzwerken stehen heutzutage Tierärzte, die landwirtschaftliche Nutztiere betreuen, durchgehend in der Kritik. Dank sozialer Medien darf nicht nur jeder seine Meinung kundtun, jeder tut es auch. Leider häufig unabhängig davon, wie intensiv sich vorher mit einem Thema auseinandergesetzt wurde. So entstehen nur zu gerne Aussagen wie: „Wenn ich krank bin esse ich Geflügel, da ist so viel Antibiotikum drin, davon werde ich wieder gesund, ohne zum Arzt gehen zu müssen.“ (Tiermedizinstudentin im 5. Semester).
Doch wie viel Antibiotika werden tatsächlich eingesetzt und welche Alternativen stehen den Nutztierpraktikern im Bereich Geflügel zur Verfügung?
Im Jahr 2011 wurden von deutschen Tierärzten bei allen Tierarten, sowohl Nutztiere als auch Klein- und Heimtiere, 1.706 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Im Jahr 2018 konnte diese Zahl auf 722 Tonnen reduziert werden. Die Reduktion innerhalb von 7 Jahren beträgt damit 58 %. Allerdings nur, wenn ausschließlich die Antibiotikazahlen in Betracht gezogen werden. Was man nicht vergessen darf: Die Fleischproduktion bei Schwein und Geflügel ist in diesem Zeitraum gestiegen. Alleine der Geflügelbereich hat in diesem Zeitraum ein Wachstum um 8 % erreicht. Zudem hat auch die Anzahl der Haustiere in der Bundesrepublik deutlich zugenommen. Wird die erhöhte Fleischproduktion, sowie die vermehrte Anzahl an Haustieren mit einbezogen, handelt es sich also um eine höhere Reduktion als 58 %.

Durch welche Veränderungen konnte die Reduktion im Bereich der Nutztiere erreicht werden?
Die erste Veränderung, die bei den Tierärzten und den Tierhaltern stattgefunden hat, ist die Entwicklung eines Bewusstseins für das Problem. Nur wenn ich erkenne, dass es ein Problem gibt, mit der Art wie ich handle, kann ich eine Veränderung bewirken. Im Anschluss wurden die Bemühungen intensiviert, Keimeinträge zu verhindern und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Das Management im Stall tritt immer weiter in den Fokus. Wenn hier Fehler gemacht werden, zum Beispiel bei der Reinigung und Desinfektion des Stalls oder der Klimaeinstellung, kann dies zu einer schwerwiegenden Erkrankung führen, die sich nur mit einer antibiotischen Behandlung in den Griff bekommen lässt. In 2015 wurde die „Initiative Tierwohl“ (ITW) gegründet, sie setzt sich für eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischproduktion ein. Mehr als 70 % aller Geflügelmastbetriebe in Deutschland nehmen zurzeit daran teil. Neben der Reduktion der Besatzdichte schreibt die Initiative Tierwohl einen jährlichen Klimacheck, sowie eine Wasserprobe vor. Die Tränkewasserprobe wird im Durchgang genommen, sprich wenn sich Tiere im Stall befinden. Die Probe wird in jedem Fall auf ihren Keimgehalt bei Umgebungstemperatur, sowie Körpertemperatur überprüft und es findet eine mikrobiologische Anzucht statt, bei der spezifische Keime, wie zum Beispiel Campylobacter, nachgewiesen werden können. Wenn sich nun herausstellt, dass die Tiere Wasser trinken, das krankmachende Bakterien enthält, hat sich eine Erklärung gefunden, wieso die Tiere wiederholt erkranken. Natürlich vorausgesetzt, es wurden keine Fehler in der Klimasteuerung begangen. Neben ITW gibt es noch ein holländisches Qualitätssicherungssystem, an dem sich Mäster orientieren müssen, die nach Holland vermarkten. Es heißt „Integrierte Kettenüberwachung“, kurz IKB. Die IKB schreibt eine Tränkewasserprobe im Kalenderjahr sowie eine Erfolgskontrolle der Serviceperiode vor. Die Hygienekontrolle wird innerhalb einer Serviceperiode, also im leeren Stall, durchgeführt, nachdem dieser gereinigt und desinfiziert wurde. Es werden unter anderem der Boden, die Wände, Futter- und Tränkebahn, sowie der Vorraum beprobt. Im Labor wird ausgewertet, wie viele Bakterienkolonien trotz Reinigung und Desinfektion noch im Stall nachgewiesen werden konnten. Wenn ein Stall wiederholt Probleme mit einem Keim hatte und die Hygienekontrolle ergibt, dass die beprobten Flächen eine Vielzahl an Erregern enthalten, könnte die Ursache eine nicht ausreichende Reinigung und Desinfektion sein.

Was bedeutet ein Colistin-Verbot für den Sektor Geflügel?
Das Antibiotikum, das zurzeit die größte Kritik bekommt, ist Colistin. Colistin aus der Gruppe der Polypeptide ist ein Reserveantibiotikum aus der Humanmedizin und wird dort hauptsächlich zur oberflächlichen Anwendung bei Bauchspülungen nach Darmrupturen eingesetzt. Eine systemische Anwendung wird um jeden Preis vermieden, da Colistin eine starke schädigende Wirkung auf die Niere besitzt, die von Dauer ist. Nun mögen sich viele fragen, wieso es überhaupt im Geflügelbereich genutzt wird, wenn es ein solches schädigendes Potential besitzt. Die Antwort ist simpel:


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Können Rinder lernen eine Toilette zu benutzen?

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In Zusammenarbeit mit Psychologen von The University of Auckland (NZ) sowie Kollegen des zum Friedrich‐Löffler‐Institut gehörenden Institut für Tierschutz und Tierhaltung in Celle, haben Wissenschaftler aus dem Institut für Verhaltensphysiologie des FBN kürzlich einen Artikel in der renommierten Fachzeitschrift „Neuroscience and Biobehavioral Reviews“ veröffentlicht. Die Arbeit mit dem Titel: „Conditionability of ‚voluntary‘ and ‚reflexive‐like‘ behaviors, with special reference to elimination behavior in cattle” charakterisiert die neurophysiologischen Grundlagen des Ausscheidungsverhaltens bei Säugetieren und mögliche Lernprozesse, die speziell bei Rindern zu einer tierseitigen Kontrollierbarkeit ihres Verhaltens hinsichtlich der Nutzung einer Latrine im Stall erschlossen werden können.

Typischerweise urinieren und koten Rinder mit wenig oder keiner Kontrolle über ihr Ausscheidungsverhalten; das ha t negativen Folgen für die Umwelt und die Tiere selbst. Die dabei entstehenden schädlichen Ammoniak‐Emissionen könnten durch die Nutzung einer Latrine und die Trennung von Kot und Harn deutlich vermindert werden. Die vorgestellte Übersichtsstudie kommt zu dem Schluss, dass mithilfe assoziativer Lernmethoden wie der operanten Konditionierung ein erfolgreiches Latrinentraining bei Rindern möglich sein sollte. Diesen Ansatz in einem Pilotprojekt auch praktisch zu realisieren, wird zurzeit mit den oben genannten Partnern in einem von der VolkswagenStiftung geförderten Projekt am FBN untersucht.

Originalartikel ist online verfügbar

Quelle: Leibniz-Institut für Nutztierbiologie

Tödliche Bakterieninfektion bei Schweinen entschlüsselt

Neugeborene Ferkel sterben oft qualvoll an einer Infektion mit einem Darmbakterium. Ein Team von Forschenden aus drei Fakultäten der Universität Bern hat nun herausgefunden, wie das Bakterium tödliche Darmblutungen auslöst. Damit ist ihnen ein Durchbruch in der tiermedizinischen Forschung gelungen. Jetzt öffnen sich vielversprechende Aussichten für Impfstoffe und Medikamente auch für Anwendung beim Menschen.

Das Bakterium Clostridium perfringens gehört zur großen Gruppe der Clostridien, die verschiedene tödliche Erkrankungen bei Tieren und Menschen verursachen können. Clostridieninfektionen sind weit verbreitet. Gefährlich werden diese Bakterien dadurch, dass sie extrem starke Gifte (Toxine) produzieren, die gezielt Zellen des Wirtes schädigen. Gefürchtete Krankheiten, die durch Clostridien ausgelöst werden, sind beispielsweise Botulismus, Wundstarrkrampf, Gasbrand und Darminfektionen.

Die Gruppe um Horst Posthaus am Institut für Tierpathologie der Universität Bern erforscht eine Darminfektion bei Schweinen, die durch Clostridium perfringens ausgelöst wird. Bereits vor 10 Jahren konnten sie zeigen, dass das von den Bakterien gebildete Gift, das sogenannte Beta-Toxin, Blutgefäßzellen zerstört und so zu den Blutungen im Darm der Ferkel führt. Bislang war jedoch ungeklärt, warum das Toxin genau diese Zellen und nicht andere angreift. Nun ist es Julia Bruggisser, Biochemikerin und Doktorandin am Institut für Tierpathologie, in einer interdisziplinären Zusammenarbeit über drei Fakultäten hinweg gelungen, das Rätsel um diesen Mechanismus zu lösen. Die Erkenntnisse der Studie wurden im Fachjournal «Cell Host & Microbe» publiziert.

Ein Schlüssel-Molekül
Vor rund fünf Jahren stieß die Laborantin Marianne Wyder vom Institut für Tierpathologie auf ein Molekül mit dem Namen Platelet-Endothelial Cell Adhesion Molecule-1 (abgekürzt PECAM-1 oder auch CD31). Es befindet sich auf der Oberfläche von verschiedenen Zellen und spielt eine zentrale Rolle bei den Darmblutungen der Ferkel. Die eigentliche Aufgabe des CD31-Moleküls ist es, das Zusammenspiel zwischen Entzündungszellen und den Blutgefäßen zu regeln. Es kommt vor allem auf Zellen vor, die sich auf der Innenseite von Blutgefäßen befinden (sogenannte Endothelzellen).

Bei Experimenten fiel auf, dass sich CD31 und das Beta-Toxin fast identisch auf diesen Zellen verteilen. «Aus dieser ersten Beobachtung entstand unser Projekt», so Horst Posthaus. Julia Bruggisser vom Institut für Tierpathologie fand heraus, dass das von den Bakterien im Darm freigesetzte Gift an das CD31 andockt. Da das Beta-Toxin zu den Poren-bildenden Toxinen gehört, durchlöchert es in der Folge die Zellmembran und tötet die Endothelzellen. Dies führt zur Schädigung der Gefäße und den Blutungen im Darm.

Forscherinnen der Uni Bern schließen sich zusammen
Wichtig für das Gelingen des Projektes war die Zusammenarbeit mehrerer Forschungsgruppen an der Universität Bern. «Für meine Forschung arbeite ich in drei Laboren an der Universität. Das ist zwar anspruchsvoll, aber ich lerne viel und vor allem macht es Spaß», sagt Julia Bruggisser. Außer in der Tierpathologie arbeitete sie auch mit der Gruppe von Britta Engelhardt (Theodor-Kocher Institut) sowie Christoph von Ballmoos (Departement für Biochemie) zusammen. «Sie hatten die richtigen Fragen und Ideen. Wir konnten unser Know-how über CD31 und bei uns entwickelte Methoden und Reagenzien in die Studie einbringen» so Britta Engelhardt. «Das hat perfekt gepasst», ergänzt Christoph von Ballmoos.

Bessere Vorbeugung und Medikamente
Die Entdeckung erlaubt es, bessere Impfstoffe zu entwickeln um die tödliche Erkrankung beim Schwein zu verhindern. «Wir wollen aber auch untersuchen, ob sich aus der Bindung des Beta-Toxins an das CD31 auf den Endothelzellen neue Therapieformen, zum Beispiel für Gefäßerkrankungen bei Menschen entwickeln lassen. Hierfür haben wir bereits weitere Zusammenarbeiten innerhalb der Universität Bern gestartet», sagt Horst Posthaus.

Diese Studie wurde unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und durch ein Stipendium für internationale Studierende der Universität Bern.

Quelle: Universität Bern

„Preis der Tiergesundheit“ geht in die nächste Runde Bewerbungsstart im Juni

MSD Tiergesundheit erweitert Wettbewerb auf drei Kategorien
Premiere für schweinehaltende Betriebe
Rinderhalter können sich in zwei Kategorien bewerben

Nach der erfolgreichen Premiere 2019 setzt MSD Tiergesundheit den „Preis der Tiergesundheit“ nicht nur fort, sondern erweitert ihn auf drei Kategorien.

Diesmal mit zwei neuen Schwerpunkten beim Rind: „Rindermast“ und „Eutergesundheit“ sowie einer weiteren Tierart: Schwein. Hier werden innovative Konzepte zur Verbesserung der Ferkelgesundheit prämiert.

In der Kategorie „Eutergesundheit“ sucht MSD Tiergesundheit nach vielversprechenden Maßnahmen, die nachweislich mit Erfolg umgesetzt wurden. Dabei muss es sich nicht immer um die ganz großen Investitionen handeln. Manchmal reicht eine Reihe von kleinen Einzelschritten, die zusammengefügt das große Ganze ergeben. Daher möchte MSD Tiergesundheit auch kleinere Betriebe ermutigen, sich mit ihren Erfolgsgeschichten zu bewerben.

Um den Anforderungen und besonderen Gegebenheiten in Rindermastbeständen Rechnung zu tragen, hat MSD Tiergesundheit für diese Betriebe eine eigene Kategorie eingerichtet. Auch hier werden Gesundheitskonzepte prämiert, die mit Erfolg umgesetzt wurden und so die Tiergesundheit nachhaltig verbessert haben.

Die ganz Kleinen stehen im Mittelpunkt der Kategorie „Innovatives Saugferkelmanagement“. Bereits in den ersten Tagen werden die Weichen für leistungsstarke und frohwüchsige Schweine gestellt. MSD Tiergesundheit sucht Maßnahmen, die sich in der Praxis bewährt und eine erfolgreiche Aufzucht ermöglicht haben.

In jeder Kategorie werden jeweils drei Betriebe mit einem zweckgebundenen Preisgeld ausgezeichnet. Die Bewerbung ist ab dem 01.06.2020 unter www.preisdertiergesundheit.com möglich.

Der „Preis der Tiergesundheit“ wurde 2019 von MSD Tiergesundheit ins Leben gerufen, um Erfolgsgeschichten zur Verbesserung des Tierwohls ins Rampenlicht zu rücken und zu teilen. Der Erfahrungsaustausch zwischen Landwirtinnen und Landwirten über neue Ideen, Gesundheitsmaßnahmen oder Impfkonzepte steigert langfristig die Tiergesundheit und wirkt sich zudem wirtschaftlich positiv auf die Betriebe aus. Das können auch die Gewinnerbetriebe bestätigen. Insbesondere die Top 3 Betriebe von 2019 konnten durch ihre Auszeichnung dazu beitragen, in der Öffentlichkeit ein positives Bild der Landwirtschaft zu vermitteln und dadurch die Wertschätzung ihrer Arbeit zu verbessern.

Der kollegiale Erfahrungsaustausch der Teilnehmer von 2019 wird durch eine neuinitierte Netzwerkplattform von MSD Tiergesundheit noch intensiviert. Im Rahmen der „Innovationsschmiede“ haben die Landwirtinnen und Landwirte Gelegenheit, weiter voneinander zu lernen und ihre Beziehungen zu vertiefen.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Saugferkeldurchfälle – Es muss nicht immer Coli sein

Von Dr. Hendrik Nienhoff, Dipl. ECPHM, Fachtierarzt für Schweine, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Durchfälle stehen trotz verbesserten Managements immer noch auf Platz eins in der Liste der Erkrankungen beim Saugferkel und verursachen große Verluste. Gerade bei gestiegenen Wurfgrößen stehen selbst gut geführte Betriebe zum Teil vor Problemen. Im Folgenden werden die wirtschaftlich bedeutsamsten Erkrankungen erläutert und Strategien zu ihrer Bekämpfung im Betrieb aufgezeigt.

Eine Reihe von verschiedenen bakteriellen, viralen, aber auch parasitären Erregern kann die Ursache für Durchfallerkrankungen sein. Während in den letzten Jahrzehnten immer die Coli-Durchfälle auf Platz eins der Liste standen, hat sich das Bild mittlerweile etwas verschoben. Viele Betriebe haben kommerzielle Mutterschutzvakzine im Einsatz und beherrschen damit einen Großteil der vorkommenden Stämme. Anders sieht es z.B. bei den viralen Erregern aus. Hier gibt es keine kommerziellen Impfstoffe.

E-Coli Diarrhoe:
Die Coli-bedingte Durchfallerkrankung ist mittlerweile abgelöster Spitzenreiter von Geburt bis zum Absetzen. Vom Erreger Escherichia Coli gibt es mehrere Tausend Serotypen, von denen aber die meisten fürs Schwein nicht krankmachend sind. Insbesondere hämolysierende E.coli-Stämme lösen aber schwere Durchfälle aus. Typische Vertreter sind z.B. die Colistämme mit den Fimbrientypen F4, F5, F6, F41. Die Coli-Keime haben an Oberflächen und Kapseln sogenannte O- und K-Antigene, die auch für ihre Unterscheidung (Typisierung, Serotyp) genutzt werden, mit denen sie sich im Darm an bestimmten Rezeptoren anheften können und dann verschiedene Durchfall-auslösende Gifte (Toxine) freisetzen können. Voraussetzung hierfür ist das Fehlen von maternalen Antikörpern aus der Biestmilch, z.B. bei Jungsauen, bei MMA, oder um die 3. Lebenswoche herum. Die Coliruhr tritt sowohl als Neugeborenen-, Dreiwochendurchfall und nach dem Absetzen auf. Besonders bei Neugeborenen sind die Verluste sehr hoch (bis zu 100 % der Ferkel eines betroffenen Wurfes). Sie zeigen einen gelblich-wässrigen Durchfall (häufig ist der After verschmiert und gerötet, was eine Austrocknung nach sich zieht (Haut waschbrettartig). Beim Dreiwochendurchfall zeigt sich ein eher gelblich-cremiger Durchfall und die Verluste sind geringer. Nach dem Absetzen spielen insbesondere Colis vom Typ F18 und F4 eine Rolle. Einige Stämme produzieren das Shiga-Toxin, das zur Ödemkrankheit führt, andere produzieren Toxine, die zu Durchfall oder auch zum plötzlichen Tod der Ferkel führen. Zu behandeln sind Coli-Durchfälle mit verschiedenen Antibiotika, die bei Saugferkeln meist mit einem Doser (verschiedene Präparate) über das Maul behandelt werden. Da Resistenzen möglich sind und andere Durchfallerreger eine Rolle spielen können, ist es wichtig, frisch erkrankte Ferkel untersuchen zu lassen, damit erstens der Serotyp des Coli-Keims und die Toxine des Erregers ermittelt werden können und zweitens eine Ausage zu den wirksamen Antibiotika getroffen werden kann. So ein Resistenztest ist bei bestimmten Präparaten mittlerweile vorgeschrieben.

Die Ermittlung des Serotyps und der Toxine ist auch wichtig, wenn man zur Prophylaxe des Neugeborenendurchfalls eine Mutterschutzimpfung installieren will, da es bei den Impfstoffen unterschiedliche Angriffspunkte gibt (Zellwandantigen, Toxin und Fimbrien). Gute Impfstoffe haben mehrere Angriffspunkte. Neben den klassischen Mutterschutzvakzinen gibt es mittlerweile auch Ferkelimpfstoffe, die sich gegen das Shiga-Toxin und F4 /F18-Colis richten, um Absetzdurchfall und Ödemkrankheit in den Griff zu bekommen. Auch eine Mutterschutzvakzine ist auf dem Markt, mit der neben den Saugferkel-Durchfällen auch die Absetzdurchfälle unter Kontrolle gebracht werden sollen. Nachdem in den letzten Jahren die Typisierungen der Durchfall verursachenden E. Coli-Stämme gezeigt hat, dass viele Probleme aus betroffenen Betrieben nicht gelöst werden konnten, werden im Augenblick neue Faktoren untersucht, um auch hier die Problemkeime besser einschätzen zu können.


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Können Kälber Empathie empfinden?

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Im Rahmen des Animal Welfare Programms der Faculty of Land and Food Systems untersuchten Wissenschaftler der University of British Columbia (Vancouver), ob Kälber fähig sind Empathie zu empfinden. Wir sprachen mit dem Erstautor Thomas Ede über die Studienergebnisse:

Thomas Ede

Herr Ede, Sie haben die erste Empathiestudie mit Rindern überhaupt durchgeführt. Wie definieren Sie eigentlich Empathie bei Tieren?
Es gibt keine eindeutige Definition von Empathie bei Tieren (oder beim Menschen), sie wird meist als Spektrum angesehen, das viele Prozesse unterschiedlicher Komplexität umfasst. In unserer Studie haben wir Empathie in ihrer grundlegendsten Form definiert: Sensibilität für den emotionalen Zustand eines anderen.

Was waren die Hauptziele der Studie?
Unser Programm interessiert sich seit einiger Zeit für die Schmerzen, die Kälber nach dem Enthornen haben. Diese Studie war ein erster Schritt zur Erforschung der Rolle des sozialen Kontakts bei der Schmerzerfahrung von Kälbern. Insbesondere wollten wir herausfinden, ob Kälber anders auf ein anderes Kalb reagierten, das sich vom Enthornen erholte, als auf ein Scheinverfahren.

Wie sah das experimentelle Design aus?
Unser Versuchsaufbau war eine Bucht, die in drei Fächer unterteilt war. Die Trennwände ermöglichten es den Kälbern, einander zu sehen und miteinander zu interagieren. Ein „Beobachter“ -Kalb befand sich im mittleren Abteil, und zwei „Demonstrator“ -Kälber befanden sich in den Seitenabteilen (jeweils ein Kalb). Ein Demonstrator erholte sich von der Enthornung, während der andere sich von einem Scheinverfahren (nur Sedation ohne anschließende Enthornung) erholte.

Beobachter konnten nur das Enthornungsgerät sehen, nicht aber das Enthornen der anderen Kälber. Aber sie waren vor ein paar Tagen selbst enthornt worden?
Das ist richtig, Beobachter wurden nach der Enthornung hinzugezogen, sodass sie nur die Erholung von dem Eingriff sehen konnten. Die Beobachter wurden zwei Tage vor dem Experiment enthornt. Wir glauben, dass frühere Schmerzerfahrungen zur Empathie für Schmerzen beitragen können, aber dies wurde bei Kälbern nicht untersucht.

Wie drücken Kälber Schmerzen genau aus?
Dies kann ein komplexes Thema sein, da der Ausdruck von Schmerz von der Art des erlebten Schmerzes abhängt und Rinder im Allgemeinen ziemlich stoisch sind. Im Falle einer Enthornung sind Ohrenschmerzen, Kopfschütteln und Kopfreiben das häufigste Schmerzverhalten. Wenn keine Lokalanästhesie vorgesehen ist, reagieren die Kälber intensiv auf das Verfahren, wie z. B. Lautäußerungen und Fluchtversuche.

Was waren die wichtigsten Ergebnisse der Studie?
Ein Hauptergebnis der Studie war, dass Kälber mehr Zeit verbrachten mit Kälbern, die sich von einem schmerzhaften Eingriff erholten, ihnen mehr Aufmerksamkeit schenkten als beim Scheinverfahren. Ein weiteres interessantes (wenn auch weniger starkes) Ergebnis war, dass Beobachter während eines der Tests dazu neigten, die Bucht zu meiden, in dem sie Kälber mit Schmerzen sahen.

Im Diskussions-Abschnitt Ihrer Studie schreiben Sie, dass Kälber eigentlich den Ganzkörperkontakt bevorzugen. In den Experimenten war jedoch zunächst nur Kopfkontakt möglich. Gibt es andere Faktoren, die in zukünftigen Studien geändert werden könnten?
Ja, es bleiben viele interessante Fragen offen. Wie bereits erwähnt, könnte die Erfahrung mit Schmerzen ein wichtiger Faktor sein: Wenn Kälber selbst keine Schmerzen hatten, können sie dann Empathie dafür haben? In dieser Studie haben wir uns auch auf junge, nicht verwandte Kälber konzentriert, aber es wäre interessant, die empathische Reaktion einer Mutter auf ihr Kalb zu untersuchen (die wir als stark erwarten).

Möchten Sie weiter über Empathie forschen? Vielleicht mit ausgewahsenen Rindern oder anderen Nutztieren?
Tierisches Einfühlungsvermögen ist ein absolut spannendes Feld. Wir führen derzeit weitere Untersuchungen zur Bedeutung von Sozialpartnern bei der Schmerzlinderung bei Kälbern durch, aber ich hoffe, diese Forschungsrichtung mit anderen Arten fortzusetzen, wobei ich persönlich Schweine und ihr komplexes soziales Leben bevorzugt würde.

Herr Ede, herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!

Social approach and place aversion in relation to conspecific pain in dairy calves
Thomas Ede, Marina A. G. von Keyserlingk, Daniel M. Weary
Animal Welfare Program, Faculty of Land and Food Systems,
University of British Columbia, Vancouver, B.C., Canada

Link zur Studie

Boehringer Ingelheim bietet Expertenwissen: Kostenloses und praxisnahes Webinar zu ASP

Auch wenn derzeit alle Augen auf die Ausbreitung von Covid-19 gerichtet sind, bleibt die Afrikanische Schweinepest (ASP) das beherrschende Thema in der Schweineproduktion. Veranstaltungen sind derzeit nicht möglich, trotzdem möchte der Impfstoffspezialist Boehringer Ingelheim weiterhin Expertenwissen vermitteln: In einem Webinar gibt der Tierarzt Dr. Tomasz Trela wertvolle Tipps im Umgang mit der ASP und berichtet von seinen Erfahrungen in betroffenen Beständen, denn er hat als ASP-Experte viele Betriebe in China und Osteuropa betreut. Die schwierige Diagnostik, Verwechslung mit PRRS oder Influenza sowie die Wahrheit über die wirklichen Fallzahlen – aufgrund vieler internationaler Kontakte mit Tierärzten und Produzenten sowie auch durch die Zusammenarbeit mit lokalen Veterinärbehörden konnte der Technical Manager für Schweine bei Boehringer Ingelheim praktische Erfahrungen über die weltweite ASP-Situation sammeln.
Das praxisnahe und gut besuchte Webinar, ursprünglich am 7. Mai 2020 veranstaltet, ist speziell an Betriebsleiter, Mitarbeiter in den Betrieben sowie Berater gerichtet. Unter diesem Link steht es jederzeit abrufbereit auf der Homepage von Boehringer Ingelheim.

Bei Fragen zum Webinar und auch zu allen anderen Themen rund um das Schwein helfen Ihnen sehr gerne unsere landwirtschaftlichen Fachberater weiter. Sie sind Ansprechpartner für landwirtschaftliche Organisationen, Berater, Betriebe sowie Schüler und Studenten in Ihrer Region. Nutzen Sie gerne diesen Service:

Im Norden:
Herbert Heger
Tel: 06132-77-182182
Herbert.heger@boehringer-ingelheim.com

Im Osten:
Doreen Schillkamp
Tel: 06132-77-171045
Doreen.schillkamp@boehringer-ingelheim.com

Im Süden:
Markus Hellenschmidt
Tel: 06132-77-171175
Markus.hellenschmidt@boehringer-ingelheim.com

Quelle: Boehringer Ingelheim

Winterliches Bienensterben: Zucker aus Waldhonig gefährdet Überleben der Völker

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Studie der Uni Hohenheim: spezieller Zucker im Waldhonig reduziert Lebensdauer von Bienen und führt zu starken Ertragsverlusten / Gegenmaßnahmen nur rechtzeitig möglich

Imker kennen das Problem, wenn der Honig beim Schleudern wie Zement in den Waben klebt. Ursache ist ein hoher Gehalt eines besonderen Zuckers, der Melezitose. Er ist verantwortlich dafür, dass der Honig schon in den Waben auskristallisiert und nicht mehr herausgeschleudert werden kann. Die Folge sind nicht nur massive Ertragsverluste. Die sogenannte Waldtrachtkrankheit steht auch im Verdacht, ganze Bienenvölker in Gefahr zu bringen. Eine Vermutung, die jetzt erstmals von Wissenschaftlern der Universität Hohenheim in Stuttgart anhand von Laborexperimenten bestätigt wurde. Demnach führt der spezielle Zucker zur Schädigung der Darmbakterien der Bienen und reduziert so ihre Lebensdauer. Details berichten Victoria Charlotte Seeburger von der Landesanstalt für Bienenkunde und ihre Kollegen in ihrer aktuellen Publikation im Journal PloS ONE

Honigbienen ernähren sich im Frühjahr überwiegend von Honig, den sie aus Blütennektar herstellen. Im Sommer nehmen nektarliefernde Blüten ab und der Honigtau wird attraktiver und stellt oft die Hauptnahrungsquelle dar.

Was so appetitlich klingt sind nichts anderes als die Ausscheidungen von verschiedenen Lausarten, die sich von dem Pflanzensaft vor allem von Nadelbäumen ernähren. Das Ergebnis ist zwar ein wohlschmeckender Waldhonig, Imkern ist aber bekannt, dass dieser Honigtauhonig vor allem zu Beginn des Winters bei ihren Honigbienen zur so genannten Waldtrachtkrankheit führen kann.

Die Hinterleiber der betroffenen Bienen sind angeschwollen oder sie erleiden einen massiven Haarausfall. Oft zeigen sie auch ein verändertes Verhalten: Viele Bienen bleiben am Eingang des Bienenstocks, anstatt auszufliegen. Dieser Zustand kann sich soweit verschlechtern, dass ganze Stöcke innerhalb kurzer Zeit eingehen. Allerdings wurde als Ursache für die Waldtrachtkrankheit bislang der hohe Mineralstoffgehalt im Waldhonig vermutet.

Melezitose-Zucker als Ursache erstmals bestätigt
Honigtau enthält im Vergleich zu Blütennektar eine größere Zahl von speziellen Zuckern, die von den Läusen produziert werden. Dazu gehört auch die Melezitose. Sie ist in Blütennektar nicht zu finden, kann aber im Honigtau von Läusen, die auf Fichten leben, bis zu 70 % des Zuckeranteils ausmachen. Sie steht schon lange im Verdacht für die Erkrankung der Bienen verantwortlich zu sein.

Um diese Vermutung zu überprüfen, führte Victoria Seeburger im Rahmen ihrer Doktorarbeit in drei aufeinanderfolgenden Jahren Fütterungsexperimente mit Honigbienen durch. Dabei zeigt sich, dass mit Melezitose gefütterte Bienen deutlich mehr im Vergleich zu Bienen fraßen, denen eine Kontrolldiät verabreicht wurde.

Darüber hinaus wiesen die mit Melezitose gefütterten Bienen schwere Krankheitssymptome auf, wie ein geschwollener Hinterleib, das Tippen mit dem Hinterleib auf den Boden und Bewegungsstörungen bis hin zur kompletten Lähmung. Schließlich starben auch viele von ihnen. Dies bestätigt zum ersten Mal, dass Melezitose die Symptome der Waldtrachtkrankheit auslösen kann.

Die Analyse ihrer Darmbakterien (Mikrobiota) mit Hilfe der Hochdurchsatzsequenzierung zeigte, dass sich bei den Bienen, die mit Melezitose gefüttert wurden, das Artenspektrum der Milchsäurebakterien verändert hat. „Wir gehen deshalb davon aus, dass Melezitose von den Bienen nicht gut verdaut werden kann und sich im Darm ansammelt“, sagt Victoria Seeburger. Die Bienen sind offenbar mangelhaft ernährt, obwohl sie eigentlich ausreichend fressen. „Die geschwächten Tiere sind zudem auch anfälliger für Krankheitserreger, was die Sache noch verschlimmert.“

Imker sollten rechtzeitig reagieren
Für Imker hat Victoria Seeburger die Empfehlung, Honigtau mit einem hohen Gehalt an Melezitose zu vermeiden: „Sie sollten ihre Kolonien aus den Wäldern entfernen, wenn die Umweltbedingungen die Melezitoseproduktion begünstigen.“ Dies sei beispielsweise bei Honigtau der von Imkern gefürchteten großen schwarzen Fichtenrindenlaus der Fall.

Aber auch im Winter kann es zu Problemen kommen: „Bienen sind sehr saubere Tiere, die nur außerhalb des Stockes abkoten. Wenn sie im Winter den Stock nicht verlassen, kann sich die Melezitose im Darm anreichern.“ Deswegen sollten mit Melezitosehonig gefüllte Waben möglichst aus den Stöcken entfernt werden, so dass sie den Tieren nicht mehr als – kaum zu verdauendes – Futter zur Verfügung stehen.

Eine Gefahr für Menschen sieht Seeburger übrigens nicht, auch wenn es dazu keine Untersuchungen gibt: „Flüssiger Waldhonig hat nur einen niedrigen Melezitosegehalt und mit diesen geringen Mengen sollte das menschliche Verdauungssystem gut klarkommen.“

Quelle: Universität Hohenheim

Internationales Projekt zur Stärkung der Aquakultur im südbaltischen Raum gestartet

Zum 1. Januar 2020 wurde das Interreg-Projekt AquaVIP (Aquaculture virtual career development platform for the South Baltic Region) ins Leben gerufen, das auf eine Entwicklung des Aquakultursektors und eine Verlagerung des Schwerpunkts in den südöstlichen Ostseeraum zielt. Das dreijährige Vorhaben wird vom Klaipeda Science and Technology Park in Litauen geleitet und von der Universität Rostock (Deutschland), der Universität Gdańsk (Polen) und der Universität Klaipeda (Litauen) begleitet. Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

Ziel der langfristigen Strategie „Blaues Wachstum“ der Europäischen Kommission ist es, das nachhaltige Wachstum in allen marinen und maritimen Wirtschaftszweigen zu unterstützen. Die Aquakultur gehört dabei zu einem der vielversprechendsten Sektoren der maritimen Wirtschaft bezüglich des Wachstums- und Arbeitsplatzpotenzials. Im südlichen Ostseeraum ist die Aquakultur bisher jedoch noch kein weit verbreiteter Wirtschaftszweig. Der Bedarf an hochqualifiziertem Personal und Wissen in der modernen Aquakultur ist sehr hoch. Hier wird das Projekt „AquaVIP“ ein Aktionsfeld haben. Das Vorhaben konzentriert sich auf die Förderung der Ausbildung durch die Förderung von Studierenden und Fachkräften in diesem Sektor mit dem Ziel, gut vorbereitete Arbeitskräfte sowie eine Ausweitung des Aquakulturmarktes im südlichen Ostseeraum zu erreichen. Die AquaVIP-Partner verfügen über langjährige Erfahrung und Kompetenzen im Bereich der Aquakultur.

Besonderes Augenmerk wird das Projekt auf die Untersuchung bewährter Praktiken und den Austausch von Wissen und Erfahrungen in Bezug auf das bereits vorhandene und zukünftige Personal für die blaue und grüne Wirtschaft des Aquakultursektors legen. Darüber hinaus wird in Zusammenarbeit mit assoziierten Partnern und weiteren Akteuren an gemeinsamen Entwicklungen maßgeschneiderter Lösungen zur Verbesserung der Personalsituation sowie der Erprobung innovativer Methoden und Instrumente gearbeitet. AquaVIP wird internationale Netzwerke mit Organisationen bilden, welche die gleichen Ziele verfolgen und sektorübergreifende Kooperationsmöglichkeiten untersuchen.

„Im Rahmen dieses Projekts werden wir eine starke Basis für die Stärkung von Aquakulturprogrammen an den Universitäten schaffen, praktische Erfahrungen für akademische Gemeinschaften bereitstellen und Bedingungen für Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt schaffen. Die innovative Aquakultur wird den Unternehmen in unserer Region und der Gesellschaft im Allgemeinen zugutekommen, da sie gesunde, sichere und regional produzierte Lebensmittel von hoher Qualität liefern wird. Der Einsatz innovativer umweltfreundlicher Produktionstechnologien wird auch neue und internationale Märkte eröffnen und damit weitere neue Arbeitsplätze und ein blau-grünes Wachstum im südlichen Ostseeraum schaffen“, betont Andrius Sutnikas, Projektleiter und Entwicklungsmanager im Wissenschafts- und Technologiepark Klaipeda.

Verschiedene Experimente, mit unterschiedlichen Schwerpunkten werden in den Einrichtungen der Partner durchgeführt und sind als Kernaktivitäten für die Ausbildung und Vernetzung der Partnerländer und des Aquakulturpersonals vorgesehen. Die Forschungsaktivitäten werden beispielsweise die Verbesserung künstlicher Nahrungsketten für die Zucht empfindlicher Fischlarven, das Thema Aquaponik, unter anderem mit der Weißfußgarnele Litopenaeus vannamei und Mikroalgen, Anwendung von Brackwasser bei der Kultur von Süßwasserfischen, geothermische Sole zum Aufsalzen des Wassers bei der RAS-Kultivierung von Meeresfischen umfassen.

Quelle: Universität Rostock

Schlupf im Stall: Raus aus der Nische?

Von Thomas Wengenroth, Dr. Heike Engels

Während das noch recht neue Verfahren „Schlupf im Stall“ für Masthähnchen in den Niederlanden und weiteren europäischen Ländern schon seit einigen Jahren praktiziert wird, ist es in Deutschland bisher noch nicht so verbreitet. Doch vielleicht wird sich das bald ändern, denn die Erfahrungen sind durchweg positiv. Wir haben uns das Verfahren der Firma NestBorn einmal genauer angeschaut.

In den vergangenen Jahren wurden Forderungen nach mehr Tierwohl immer lauter, auch und speziell für die Hähnchenmast. Im Jahr 2016 machte sich die Firma NestBorn deshalb daran, Tierwohl vom Anfang her zu denken. Entwicklungschef Erik Hoeven und sein Team entwickelten ein System für den Kükenschlupf direkt im Stall. Heute liefern Partner-Brütereien des belgischen Unternehmens Bruteier nach Deutschland, England, Frankreich, in die Niederlande und natürlich an belgische Mäster. Wöchentlich werden heute bereits 400.000-500.000 Eier ausgeliefert und die Nachfrage steigt.

Bei einer Eiauslieferung im Januar waren wir vor Ort beim Landwirt Ludger Schröer in Spelle, Emsland in Niedersachsen. Dort trafen wir Erik Hoeven von NestBorn und Anton de Jong von der niederländischen Brüterei van Hulst. Für Hähnchenmäster Ludger Schröer war es bereits die achte Brutei-Lieferung und besonders auf seine Erfahrungen waren wir gespannt. Er betreibt einen Hähnchenmaststall mit 29.000 Plätzen, daneben hält er noch Mastschweine und Mastbullen und bewirtschaftet einige Hektar Ackerland. Die Hähnchen liefert er an die holländische „De Heus Voeders B.V.“ an die Schlachterei „GPS Gecombineerde Pluimvee Schlachterijen B.V.“. Diese arbeitet nach dem Konzept Royal Top, wo die frühe Fütterung der Küken Pflicht ist. Ausschlaggebend für den Umstieg auf „Schlupf im Stall“ waren für ihn mehr Nachhaltigkeit und die Antibiotikareduktion.

Schlupf im Stall in jedem Maststall möglich
Große Vorbereitungen sind nicht nötig, wenn Eier statt Eintagsküken geliefert werden. Nur zwei Bahnen Holzspäne müssen ausgelegt und der Stall auf etwa 34 Grad Celsius vorgeheizt sein, die Bodenplatte auf maximal 28 Grad Celsius. Umbauten oder spezielle Technik sind nicht von Nöten, der Kükenschlupf kann praktisch in jedem gewöhnlichen Maststall geschehen.

Reifendesinfektion am Lege-Roboter

Die Eiablage übernimmt bei NestBorn der Lege-Roboter. Dies ist eine Maschine, die auf profillosen Reifen vom LKW rollt und 60.000 Eier pro Stunde schafft. Das bedeutet, dass das Legen der Eier im Stall von Landwirt Schröer innerhalb von einer Stunde erledigt ist. Das Bestücken der Maschine mit den bebrüteten Eiern ist Handarbeit, die Platzierung der Eier im Holzspänebett übernimmt dann der Roboter. Diese Legemaschine wird nach jedem Einsatz innen sowie außen gereinigt und desinfiziert. Spezielle Desinfektionsdüsen säubern die profillosen Reifen, während der Legeroboter vom Lastwagen in den Stall fährt und ebenso auf dem Rückweg. Für die Laborkontrolle auf Salmonellen wird eine repräsentative Anzahl Eier abgezweigt: pro Stall immer 80 Stück, deren Eierschalen auf Salmonellen beprobt werden.

Zur Überwachung von Eitemperatur, Luftfeuchtigkeit, Stalltemperatur und Kohlendioxidgehalt der Stallluft werden in regelmäßigen Abständen je vier Eier in spezielle drahtlos arbeitende Sensor-Schalen (Ovo-Scans) gelegt.

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