Forum angewandte Forschung 2024

Neueste Versuchsergebnisse zur Rinder- und Schweinefütterung präsentiert
Die 24. Arbeitstagung „Forum angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung“ fand am 23.-24. April 2024 wie gewohnt in Fulda statt und stand unter dem Rahmenthema „Klimawirksamkeit messen und bewerten“. Ergänzend zu den Plenarbeiträgen zu CO2-Footprint von Futter und Fütterung wurde in den Sektionen Rind sowie Schwein/Geflügel jeweils ein Workshop „Neue Empfehlungen für Milchkühe – Umsetzung in der angewandten Forschung“ (Rind) bzw. „Verdaulichkeit von Calcium in P-reduzierten Mischungen“ (Schwein) durchgeführt. Daneben wurden die neuesten Versuchsergebnisse (insgesamt 45 Beiträge) seitens öffentlicher Versuchseinrichtungen und aus der Wirtschaft/Industrie (25 Vorträge, 12 Kurzvorträge, 8 Poster) präsentiert.

Der Tagungsband kann zum Preis von 20 € über den Verband der Landwirtschaftskammern, Geschäftsstelle VFT, Haus Düsse 2, 59505 Bad Sassendorf, Tel. 02945 9690 540, E-Mail k-h.gruenewald@vlk-agrar.de bezogen werden.

Klimawirksamkeit messen und bewerten/CO2-Footprint von Futter und Fütterung
Nach Einführung von Prof. Dr. Hubert Spiekers (LfL Grub) mit Nennung der wichtigsten Faktoren in der Klimadiskussion (CO2, N2O, CH4), der notwendigen Messung anfallender Klimagase bei der landwirtschaftlichen Produktion und Ansatzpunkten zur Minderung der Klimawirkung am Beispiel Milchkuh wurden in zwei Vorträgen Projekte zur Erfassung des CO2-Footprints bzw. von weiteren Nachhaltigkeitsfaktoren im Bereich des Grundfutters / der Futterwirtschaft im Grünland und in der Mischfutterproduktion aufgezeigt.

Um Klimagasemissionen von raufutterbasierten Milchproduktionssystemen beurteilen zu können, muss die Raufutterqualität auf Betriebsebene abgeschätzt und im Emissionsmodell über die Berücksichtigung der Verdaulichkeit abgebildet werden. Dazu stellte Prof. Dr. Beat Reidy (FH Bern) das Projekt KlimaStaR Milch aus der Schweiz vor. Fazit: Die Produktion von gehaltsreichem, leicht verdaulichem Wiesenfutter ermöglicht geringe THG-Emissionen. Die Emissionen aus der Futtermittelproduktion sind aufwändig zu modellieren. Die Berücksichtigung von Lebenszyklus-Inventaren vereinfacht die Datenerfassung (auch weniger Fehleingaben), die Abbildung betrieblicher THG-Minderungsstrategien durch Optimierung bei Anbau, Ernte, Konservierung und Lagerung … benötigt aber eine einzelbetriebliche Ermittlung der Emissionen.

Dr. Michael Lüke (DVT Bonn) stellte einen von der Mischfutterwirtschaft erarbeiteten und von der EU anerkannten Ansatz (Product Environmental Footprint Category Rules; PEFCR-Feed) zur Berechnung der Umweltwirkungen von Futtermitteln vor. Basis ist eine kontinuierlich erweiterbare Datenbank des Global Feed LCA Institute (GFLI). Hierbei werden nicht nur Klimagase berücksichtigt, sondern insgesamt 16 verschiedene Umweltwirkungen. Neben den Daten der eingesetzten Roh- und Zusatzstoffe wird auch der Transport der Rohstoffe / Produkte zum Mischfutterwerk bzw. zum Kunden sowie der Energie- und Wasserverbrauch berücksichtigt. Der PEFCR-Feed beschreibt somit den „Rucksack“ an Umweltwirkungen, die ein Mischfutter bei Ankunft auf dem Hof mitbringt. Um das fertige Lebensmittel entsprechend beurteilen zu können, wären entsprechende Daten aus anderen Wirtschaftsbereichen noch bei der landwirtschaftlichen Produktion, Weiterverarbeitung und Handel zu ergänzen.

Neue Empfehlungen für Milchkühe – Umsetzung in der angewandten Forschung
Die GfE hat 2023 neue Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen veröffentlicht. Die Neuerungen (insbesondere Energie- und Proteinbewertung) wurden im Herbst in einem Workshop der GfE im Hinblick auf deren Umsetzung mit Kollegen aus Forschung, Laboren, LKV, Wirtschaft und Programmierern diskutiert und beraten. Aktuell liegen aus dem Bereich der angewandten Forschung erste „Praxiserfahrungen“ aber auch Fragen vor.

Prof. Dr. Andreas Susenbeth (CAU Kiel) führte in die neue Energiebewertung (ME statt NEL) ein. Im neuen System werden Einflussfaktoren, die auf den Futterwert und den Bedarf des Tieres wirken, entkoppelt und damit Futterbewertung und Bedarf strikt voneinander getrennt. Damit ist das System besser verständlich, modular aufgebaut und kann auch bei Neuerungen unproblematisch angepasst werden. Zentrale Bedeutung für den Energiegehalt hat die Verdaulichkeit der Organischen Masse (OMD) und das Futteraufnahmeniveau (FAN) [höhere Futteraufnahme * höhere Passagerate * Verringerung OMD * Verringerung Methanbildung pro kg verdaute OM]. Die Ermittlung des Gehaltes an ME ist über die Bruttoenergie [GE] per Kalorimetrie (Brennwert) oder mittels Schätzformel aus den Rohnährstoffen sowie der Berücksichtigung der OMD (verschiedene Tabellen, Schätzgleichungen je nach Futtertyp) möglich. Für spezielle Produkte ist die Bestimmung der OMD mittels enzymatischer Labormethode notwendig, um die ME korrekt zu schätzen.
Die neue Proteinbewertung trennt ebenfalls Futterbewertung und Bedarf klar voneinander ab. Die neue Kenngröße dünndarmverdauliches Protein (sidP) ersetzt das nXP. Nach wie vor ergibt sich die Proteinversorgung der Kuh aus dem nichtabgebautem Futter-Rohprotein (UDP) sowie dem mikrobiellen Rohprotein (MCP). Ergänzend zum Rohprotein gilt die Berechnung auch für die einzelnen Aminosäuren. Zur Anwendung ist die UDP-Dünndarmverdaulichkeit der einzelnen Futtermittel nötig. Dazu liegen bislang nur begrenzt Daten vor (Tabelle im GfE-Buch), weitere sind in den nächsten Jahren in Laboren und Versuchsanstalten noch zu erarbeiten (in situ-Methode [Standard], eHFT, chemische CP-Fraktionierung, enzymatischer CP-Abbau) und über Tabellenwerke bzw. Schnellmethoden mit Regressionsgleichungen zur Verfügung zu stellen.

Verdaulichkeit von Calcium in P-reduzierten Mischungen
Prof. Dr. Markus Rodehutscord (Universität Hohenheim) und Prof. Dr. Georg Dusel (TH Bingen) berichteten über Verdaulichkeitsstudien von Ca beim Schwein. Dabei zeigten sich Verdaulichkeiten bei mineralischen Quellen zwischen 70 und 80 % und bei Getreide zwischen 55 und 75 %. Durch Phytasezulagen lässt sich die Ca-Verdaulichkeit pflanzlicher Quellen um bis zu 25 % erhöhen. Da die Bestimmung der Ca-Verdaulichkeit standardisierte Tierversuche erfordert, wird von einer Umstellung auf verdauliches Ca. abgesehen. Diskutiert wurden für Mastschweine Verhältnisse von Ca zu vP von 2,4 zu 1 bei 70 % Ca-Gesamtverwertung und von 2,2 zu 1 bei 80 % Ca-Gesamtverwertung. Für Sauen wurden Verhältnisse von Ca zu vP von 2,5 zu 1 (hochtragend) und 2,0 zu 1 (laktierend) angeführt. Auf die Knochenstabilität zeigten moderate Ca-Gaben keine nachteiligen Effekte. Wichtig ist, deutliche Überschüsse beim Gesamt-Ca zu vermeiden. „Das Ca:vP-Verhältnis ist nicht in Stein gemeißelt“ – die Berücksichtigung der vP-Empfehlung und Vermeidung deutlicher Ca-Überschüsse reicht zur Optimierung der Ca und P-Versorgung in der Fütterungspraxis aus.

Weitere aktuelle Versuchsergebnisse wurden im Bereich Rind den Blöcken „Methodik“, „System- und Energiebewertung“, „Methanemissionen“, „N-und P-Emissionen“, „Zusatzstoffe und Futterbewertung“ bzw. im Bereich Schwein den Bereichen „Emissionen“, „Zusätze“, „Geflügelfütterung“, „Alternative Futtermittel I + II“, „Analytik und Methodik“ vorgestellt und ausführlich diskutiert. Die Beiträge können im Tagungsband nachgelesen werden.

Das Forum angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung ist die bundesweite Plattform für den Austausch von Versuchsergebnissen der praxisorientierten Forschung und die Abstimmung methodischer Vorgehensweisen. Ausrichter ist der VLK in Zusammenarbeit mit der DLG unter Mitwirkung des FLI und des VDLUFA.

Internet: www.landwirtschaftskammern.de.

Aktuelles zum Thema Fütterung finden Sie unter www.futtermitteltest.de
oder unter www.Futtermittel.NET.

Quelle: Verband der Landwirtschaftskammern

Fütterungsstrategien zur Reduzierung von Coli-Durchfall bei Absetzferkeln

Durchfall, der in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen auftritt, ist durch lockeren, wässrigen Kot gekennzeichnet. Das Auftreten wird durch eine Kombination verschiedener Faktoren verursacht, einschließlich der Exposition gegenüber infektiösen Krankheitserregern wie Rotaviren, Salmonellen oder Escherichia coli sowie die angeborenen physiologischen und metabolischen Veränderungen, die das Magen-Darm-System des Ferkels zum Zeitpunkt des Absetzens erfährt. In den Vereinigten Staaten führt enterotoxisches E. coli (ETEC) häufig zu einer klinischen Erkrankung, die 10 bis 14 Tage nach dem Absetzen beginnt. Die beiden häufigsten ETEC-Stämme, die mit Absetzdurchfall assoziiert sind, exprimieren F4- (auch bekannt als K88) und F18-Fimbrien. Sobald die Kolonisierung beginnt, produziert ETEC Enterotoxine (STa, STb oder LT), die die Stabilität der Tight Junction stören, was zu einer verringerten Nährstoffaufnahme und einer erhöhten Flüssigkeitssekretion in das Darmlumen führt. Dies führt zu Durchfall, einer Verringerung des Wachstums und in schweren Fällen kann es zu Dehydrierung, Elektrolytstörungen und zum Tod kommen.

Früher wurde zur Vorbeugung des Durchfalls häufig Zinkoxid eingesetzt. Doch seit Juni 2022 ist zumindest in der Europäischen Union (EU) ein Zinkoxidverbot in Kraft getreten, das die Verwendung von therapeutischen Dosen von Zinkoxid (ZnO) in Futtermitteln verbietet. Seitdem sind Alternativen gefragt, um Absetzdurchfällen vorzubeugen, zu behandeln und die Magen-Darm-Gesundheit aufrecht zu erhalten.

Die Wissenschaftler*innen dieser Studie schlagen folgende Alternativen zu Zinkoxid vor:

• Rohproteinarme, mit Aminosäuren angereicherte Fütterung
Die Fütterung von Rationen mit niedrigem Rohprotein in den ersten 7 bis 14 Tagen nach dem Absetzen ist eine wichtige Strategie, mit der die Proteinmenge, die zur Fermentation in den Dickdarm gelangt, verringert werden kann. Untersuchungen zeigen durchweg, dass die Fütterung von Rationen mit niedrigem Rohprotein (< 21 %) die Proteinfermentation verringert. Eine Verringerung der coliformen Bakterien im Darm von Schweinen ist mit dieser Maßnahme jedoch nicht möglich, unabhängig davon, ob die Schweine E. coli ausgesetzt waren. Im Gegensatz zu den gesundheitsfördernden Vorteilen ist die größte Herausforderung bei Rationen mit niedrigem Rohprotein die häufig beobachtete Verringerung des Wachstums. Die Ergänzung der Rationen durch Aminosäuren in Futtermittelqualität kann einige Leistungseinbußen ausgleichen.

• Ballaststoffe
Die Fütterung von Ballaststoffen ist eine weitere Strategie, die zur Verbesserung der Magen-Darm-Gesundheit abgesetzter Ferkel eingesetzt werden kann. Ballaststoffe haben präbiotische Eigenschaften, die die Vermehrung „guter“ Bakterien wie Bifidobacterium, Lactobacillus und Eubacterium stimulieren, von denen angenommen wird, dass sie pathogene Bakterien verdrängen.

• Säurebindungsvermögen des Futters


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Erster Kryptosporidien-Impfstoff zum Schutz von Kälbern erhältlich

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• Durchbruch in der Prävention von Kryptosporidien bei Kälbern
• Impfstoff schützt Kälber von Geburt an vor Kryptosporidien
• Kryptosporidien-Impfstoff reduziert Durchfallerkrankungen bei Kälbern

Nachdem ein neuer Impfstoff zum Schutz von Kälbern vor Cryptosporidium parvum (C. parvum) bereits Anfang des Jahres die EU-Zulassung erhalten hatte, teilt MSD Tiergesundheit diese Woche mit, dass der erste Kryptosporidien-Impfstoff ab sofort in Deutschland lieferbar ist.

Kryptosporidien sind hochinfektiöse zoonotische Parasiten, die Kryptosporidiose verursachen, eine der weitverbreitetsten und schwerwiegendsten Magen-Darm-Erkrankungen bei Rindern. Die Impfung trächtiger Färsen und Kühe kann Kälber von Geburt an schützen. Und damit genau zu dem Zeitpunkt, wenn sie am anfälligsten sind. Der Parasit spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Neugeborenendurchfall, einer der häufigsten Todesursachen bei jungen Kälbern. Eine überstandene Kryptosporidien-Infektion kann langfriste Auswirkungen auf die Gewichtszunahmen und die Leistungsfähigkeit der Tiere haben. Der Impfstoff ist für die aktive Immunisierung trächtiger Kühe und Färsen zugelassen, um im Kolostrum Antikörper gegen Gp40 von C. parvum zu erhöhen.

Damit der Muttertier-Impfstoff seine volle Wirkung im Darm der Kälber entfalten kann, ist ein gutes Kolostrummanagement nötig. Neugeborene Kälber müssen ab der Geburt fünf Tage lang mit dem Kolostrum und der Transitmilch geimpfter Muttertiere gefüttert werden. Eine verlängerte Kolostrumgabe wirkt sich positiv auf die Leistungsfähigkeit der Kälber aus.

Quelle: MSD Tiergesundheit

BÖL-Seminare zum Tiergesundheitsmanagement – Schwerpunkt Geflügel

Das Weiterbildungsteam des LBZ Echem hat den Auftrag für Konzeption und Umsetzung einer bundesweiten Seminarreihe zum Tiergesundheitsmanagement bekommen. Hinter dem Auftrag steht das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL).

Mit dieser Bildungsoffensive sollen Tierhalter*innen darin unterstützt werden, die Gesundheit und das Wohl ihrer Tiere zu fördern und somit Krankheiten vorzubeugen: durch die Beurteilung und Gestaltung der Ställe, durch modernes Management sowie einen geschulten Blick für das Verhalten, die Bedürfnisse und gesundheitliche Schäden der Tiere.

Im Juni 2024 finden einige kostenfreie Seminare zum Thema ökologische Geflügelhaltung statt:

Länger leben – länger legen. Verlängerte Nutzungsdauer von Öko-Legehennen
LBZ Echem (lbz.echem.de)

Termin: 04. 06. 2024, 9.30 – 17.00 Uhr
Seminarort: Bioland Hof Familie Eisenach
Holzhäuserstr. 8, Guntershausen
34225 Baunatal, Hessen

Online-Seminar: Das große Krabbeln – Endo und Ektoparasiten bei Legehennen Landwirtschaftskammer Niedersachsen (lwk-niedersachsen.de)

Online-Termin: 05.06.24, 18.30 – 20.50 Uhr

Praxisseminar: Das große Krabbeln – Endo und Ektoparasiten bei Legehennen  Landwirtschaftskammer Niedersachsen (lwk-niedersachsen.de)

Termin: 13.06.2024,13.00 bis 17.00 Uhr
Seminarort: Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dres. Windhaus & Hemme GbR
An der Ohe 1
49377 Vechta

Kostenfreie BÖL-Seminare zu weiteren Tierarten finden Sie auf der Homepage des LBZ-Echem.

Quelle: LBZ Echem

Aktuelle Umfrage zum selektiven Trockenstellen zeigt: Angst vor Neuinfektionen ist groß

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Von Dr. med. vet. Martin tho Seeth, Fachtierarzt für Milchhygiene und Dr. med. vet. Kerstin Duncker, Virbac Tierarzneimittel

Der prophylaktische Einsatz von Antibiotika ist nicht mehr erlaubt. Wenn selektives Trockenstellen strategisch geplant wird, können Antibiotika erfolgreich reduziert und Risiken minimiert werden. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie hier.

Eutergesundheitsstörungen stellen Milchviehbetriebe vor große Herausforderungen und sind auch heute noch der häufigste Grund für den Einsatz von Antibiotika. Die Trockenstehzeit spielt für die Eutergesundheit einer Milchviehherde eine wichtige Rolle. Das Eutergewebe kann sich von der vorangegangenen Laktation regenerieren, und die Trockenstehzeit bietet eine gute Möglichkeit zur Ausheilung bestehender Infektionen. Zu Beginn sowie am Ende der Trockenstehzeit und während der ersten Laktationstage besteht jedoch auch ein erhöhtes Risiko für Neuinfektionen, welche durch ein optimales Management möglichst vermieden werden sollten. Die Anwendung antibiotischer Trockenstellpräparate bei Milchkühen ist seit vielen Jahren in Deutschland weit verbreitet. Jedoch profitieren nicht alle Tiere gleichermaßen von dieser Therapie. Antibiotische Behandlungen sind nur bei bestehenden Infektionen sinnvoll, und auch der beteiligte Mastitiserreger hat neben weiteren Faktoren Einfluss darauf, wie effektiv eine antibiotische Therapie wirklich ist. Die Verordnung 2019/6 der Europäischen Union (EU), welche seit 2022 in Kraft ist, verbietet den prophylaktischen Einsatz antibiotischer Präparate. Zur Vermeidung von Neuinfektionen in der Trockenstehzeit gibt es zudem effektive Alternativen wie z. B. eine gute Anwendungs- sowie Haltungshygiene, interne Zitzenversiegler und die Vermeidung geburtsnaher Erkrankungen.

Erprobte Konzepte verfügbar
Selektive Trockenstellprogramme, die mit einer Überprüfung sowie gegebenefalls Optimierung des Eutergesundheitsmanagements einhergehen und ein effektives Monitoring der Eutergesundheit voraussetzen, stellen eine sinnvolle Möglichkeit dar, den Verbrauch an antibiotischen Präparaten zu senken, ohne die Eutergesundheit der Milchviehherde zu gefährden. Die Identifizierung der Tiere bzw. Euterviertel, welche von einer antibiotischen Trockenstelltherapie profitieren, kann über verschiedene Wege gelingen. In der Praxis hat sich beispielsweise die Kombination aus somatischer Zellzahl der letzten Milchleistungsprüfung und einem Schalmtest am Tag des Trockenstellens bewährt. Aber auch Konzepte, welche beispielsweise auf einer bakteriologischen Untersuchung von Milchproben vor dem Trockenstellen basieren, sind natürlich möglich. Mittlerweile ist der Wissensstand bezüglich funktionierender sowie praktikabler Konzepte zum selektiven Trockenstellen sehr umfassend, und Studien liefern weiterhin neue wichtige Erkenntnisse. Trotzdem gibt es noch immer viele milchviehhaltende Betriebe, die sich mit Blick auf das selektive Trockenstellen Sorgen um die Eutergesundheit ihrer Milchviehherde machen. Dies ist einerseits verständlich und zeigt andererseits, dass es Bereiche gibt, in denen die tierärztliche Beratung auf den Betrieben noch Verbesserungspotential besitzt.

Abb. 1

Viele Betriebe haben dennoch Sorgen
Aufgrund der Tatsache, dass es trotz des aktuellen Wissenstands noch viele gefühlte Hürden bezüglich des Einstiegs in das selektive Trockenstellen gibt, wurde im August 2023 eine anonyme Online-Umfrage gestartet. Die Umfrage richtete sich gezielt an Betriebe, für die das selektive Trockenstellen bisher nicht zur festen Arbeitsroutine gehörte. Abgefragt wurden betriebliche Daten, die Erwartungen an das antibiotische Trockenstellen und mögliche Probleme, welche im Zusammenhang mit dem selektiven Trockenstellen in den Betrieben befürchtet werden oder bereits aufgetreten sind. Ziel war es, mögliche Bedürfnisse, Sorgen und Probleme der Landwirtinnen und Landwirte in Bezug auf das selektive Trockenstellen zu beleuchten, um einen möglichen Beratungsbedarf zu identifizieren. Auf diesem Weg soll die Kommunikation zwischen Tierarztpraxis und milchviehhaltendem Betrieb verbessert, die Beratung zum Thema Trockenstehzeit und selektivem Trockenstellen optimiert und zur Zukunftsfähigkeit der Milchviehbetriebe beigetragen werden.

Umfrage zeigt, wo noch Beratungsbedarf besteht
Insgesamt haben 115 Milchviehbetriebe aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands, aber auch Österreichs, an der Befragung teilgenommen. Die Umfrage zeigt, dass neben der geplanten Therapie in der Trockenstehzeit, mit dem Ziel der Ausheilung bestehender Infektionen, der Schutz vor Neuinfektionen bei vielen Betrieben weiterhin einer der Gründe ist, warum antibiotische Trockensteller eingesetzt werden. Auf die Frage „Was muss ein guter Trockensteller leisten?“ wurde in 42 % der abgegebenen Freitextantworten die Ausheilung bestehender Euterinfektionen genannt. In 43 % der Antworten wurde der Schutz vor Neuinfektionen angeführt (Abb. 1). Hierzu passen die Antworten auf die Frage „Welche Probleme befürchten Sie, wenn Sie Kühe ohne antibiotischen Trockensteller trockenstellen?“. 11,5 % der Betriebe gaben an, keine Befürchtungen zu haben. 88,5 % der Betriebe gaben an, Befürchtungen zu haben und nannten diese als Freitextantwort. In 34 % der Antworten wurden vermehrten Neuinfektionen bzw. erhöhte somatische Zellzahlen genannt, in 53 % vermehrte Euterentzündungen und in 8 % die Befürchtung eines Verlusts von Heilungsraten, wenn auf ein antibiotisches Trockenstellen verzichtet wird (Abb. 2). Zudem beschreibt der Großteil der teilnehmenden Betriebe, dass genau diese Probleme im Zusammenhang mit dem selektiven Trockenstellen bereits aufgetreten sind (Abb. 3).

Selektives Trockenstellen – gemeinsam mit der Hoftierarztpraxis zum Erfolg
An diesen Beispielen zeigt sich bereits, dass hinsichtlich des Transfers der umfassenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Trockenstehzeit und selektivem Trockenstellen in der Praxis noch Optimierungsbedarf besteht. In vielen Betrieben steht hinsichtlich des antibiotischen Trockenstellens der Präventionsgedanke im Vordergrund. An dieser Stelle sollte die Beratung ansetzen und Alternativen zum Schutz vor Neuinfektionen in der Trockenstehzeit aufzeigen. Dabei sollte beispielsweise gezielt die Haltungshygiene in der Trockenstehzeit bis in die frühe Laktation, die Anwendungshygiene beim Trockenstellen, das Auftreten abkalbenaher Erkrankungen und die Möglichkeit der Anwendung eines internen Zitzenversieglers überprüft werden. Dies verbessert nicht nur die Prävention von Infektionen in der Trockenstehzeit, sondern hilft auch dabei, mögliche Ursachen für bereits aufgetretene Probleme bezüglich des selektiven Trockenstellens zu finden. Besonders das Auftreten klinischer Euterentzündungen während der Trockenstehzeit ist mit 26 % ein häufig genanntes Problem. Auch in der Praxis sind diese Euterentzündungen immer wieder zu beobachten. Sie sind ein deutlicher Hinweis auf eine mangelnde Hygiene bei der Anwendung von internen Zitzenversieglern während des Trockenstellens sowie auf eine nicht ausreichende Haltungshygiene in der frühen Trockenstehzeit. Ein antibiotischer Trockensteller kann diese Mängel zumindest während des Trockenstellens und in der frühen Trockenstehzeit teilweise kaschieren. Daher muss die eigene Anwendungs- und Haltungshygiene zum Start ins selektive Trockenstellen kritisch bewertet und bei Bedarf optimiert werden.

Sinnvolle Kriterien im Rahmen eines selektiven Trockenstellkonzepts sind wichtig, um Tiere bzw. Euterviertel zu identifizieren, welche von einer antibiotischen Therapie profitieren. Das Konzept sollte gemeinsam mit der Tierarztpraxis erarbeitet, an die individuellen Bedingungen angepasst und der Erfolg regelmäßig anhand der Eutergesundheitskennzahlen überprüft werden. Wichtig erscheint hier, das antibiotische Trockenstellen im Rahmen des betrieblichen Eutergesundheitskonzepts eindeutig als geplante Therapie zu etablieren und die Prävention durch die bereits genannten Alternativen sicherzustellen.

Literatur auf Anfrage bei den Autoren erhältlich.
Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2/2024

Geflügelpest: Erstmals Wiederkäuer betroffen

Das Geflügelpestvirus macht weltweit schon lange Probleme. Seit 1996 breitet es sich von Asien aus wellenartig in verschiedenen Varianten aus. Derzeit dominiert die Variante H5N1, die wiederum neue Genotypen hervorbringt. Diese Genotypen können unterschiedlich virulent sein. Geringpathogene aviäre Influenzaviren (LPAIV) der Subtypen H5 und H7 verursachen bei Hausgeflügel, insbesondere bei Enten und Gänsen, kaum oder nur milde Krankheitssymptome. Allerdings können diese Viren spontan zu einer hochpathogenen Form (hochpathogene aviäre Influenzaviren, HPAIV) mutieren, die sich dann klinisch als Geflügelpest zeigt. Mittlerweile finden sich auch Geflügelpestviren, die nicht nur Vögel, sondern auch Säugetiere infizieren können, darunter Katzen, Hunde, Füchse, Bären, Robben, Tiger und Delphine. Und erst kürzlich kam aus den USA die Nachricht, dass das Virus erstmals bei Milchkühen gefunden wurde. Die hoch ansteckende Variante H5N1 kursierte in zwei Milchviehbetrieben des Bundesstaates Texas, und auch in anderen US-Bundesstaaten hat das Virus offenbar Rinder infiziert. Vermutlich erfolgte die Virusübertragung durch Wildvögelkontakt. Vor allem ältere Kühe fielen offenbar mit akutem Milchrückgang bis 20 Prozent auf. Virusnachweise erfolgten aus der Milch der Tiere mit z.T. hohen Viruslasten sowie in mindestens einem Fall auch aus einem Nasentupfer, schreibt das Friedrich Löffler Institut (FLI).

Infektion von Kuh auf Mensch
Nach Kontakt mit den infizierten Milchkühen ist nun sogar ein Mensch im US-Bundesstaat Texas positiv auf Vogelgrippe mit der Variante H5N1 getestet worden. Er litt zwar nur unter einer Bindehautentzündung, dennoch aber sind solche Infektionen besorgniserregend. Das festgestellte Virus ist ein in den USA bekannter, jedoch bislang nicht dominanter Genotyp des HPAIV H5N1 der Klade 2.3.4.4b. Schon vor gut einem Jahr gab es die erste Meldung darüber, dass diese H5N1-Variante bei einem Menschen gefunden wurde. Ältere H5N1-Varianten wurden beim Menschen schon früher diagnostiziert. Solange sich nur Säugetiere infizieren bzw. der Mensch sich an Säugetieren ansteckt, ist es nicht so kritisch, aber wenn sich Menschen untereinander mit H5N1 infizieren, wäre eine neue Situation erreicht. Vor allem könnten Infektionen bei Schweinen zu einer solchen Anpassung des Virus führen, da Schweine als sogenannte „mixed vessels“ empfänglich sind für Influenzaviren von Vögeln, Menschen und Schweinen. Und auch neue Stämme und Subtypen könnten aus diesen verschiedenen Influenza-Viren entstehen.

Für die Menschen auf den betroffenen Milchviehbetrieben empfehlen Experten nun Schutzmasken und -brillen, um sich vor einer Infektion zu schützen. Diese sei vor allem möglich durch Reinigungsarbeiten, wenn zum Beispiel Gänge mittels Hochdruckreinigern gesäubert werden, weil dies viele Aerosole produziert.

In Deutschland gibt es seit kurzem ein Monitoring für Influenzainfektionen bei Füchsen, da diese Fälle in letzter Zeit häufiger auftraten. In Anbetracht der stetigen Anwesenheit des Virus in Wildvogelpopulationen sind solche Übertragungen durch den Kontakt von Fleischfressern mit HPAIV-infizierten Wildvogelkadavern nicht unerwartet, schreibt das FLI. Die wichtigste Schnittstelle zwischen dem Menschen und HPAI H5N1-Viren bleiben jedoch infizierte Geflügelhaltungen.

Impfungen noch nicht ausgereift
Seit letztem Jahr ist nun erstmals eine Impfung von Geflügel gegen Geflügelpest in der EU möglich. Aktuell ist ein Impfstoff zugelassen, der allerdings nicht optimal gegen die derzeit kursierenden Viren angepasst ist. In den Niederlanden gab es erste Impfversuche bei Legehennen, die gute Ergebnisse erbrachten, allerdings mit Impfstoffen, die besser an die aktuellen Virenstämme angepasst, aber in der EU nicht zugelassen sind. In Frankreich läuft ein landesweites Impfprogramm bei Enten. Trotz Impfung erkrankten jedoch einige Tierbestände, woraus die Experten schlossen, dass Wiederholungsimpfungen nötig seien. Weiterhin risikomindernde Maßnahmen wie eine gute Biosicherheit auf den Betrieben und ein möglichst geringer Kontakt zu Wasservögeln sind also nach wie vor sehr wichtig.

In der aktuellen Risikoeinschätzung meldet das FLI, dass zwischen dem 01. und 31.03.2024 in Deutschland ausschließlich HPAIV H5-Fälle bei Wildvögeln nachgewiesen wurden. Die Zahl der HPAIV H5-Ausbrüche bei Hausgeflügel in Europa ist im März stark zurückgegangen. Die seit Oktober 2023 in Europa charakterisierten H5N1-HPAI-Viren der Klade 2.3.4.4.b weisen neue und unterschiedliche Genotypen auf, die vermutlich durch Reassortierung zirkulierender HPAI-Viren mit verschiedenen lokalen LPAI-Viren entstanden sind. Es ist eine erhöhte Anzahl neuer Genotypen mit einem erneuten Trend zu mehr Regionalität festzustellen. Insgesamt ist die Situation rund um die Geflügelpest derzeit als moderat einzustufen, so das FLI. Das Institut empfiehlt die weiterhin konsequent durchgeführte Bekämpfung der HPAI in Geflügelhaltungen als das wichtigste Werkzeug in der Vermeidung einer Exposition des Menschen gegenüber diesen Viren.

Quelle: Dr. Heike Engels

Zuerst erschinenen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2-2024. Für ein kostenfreies Abo können Sie sich hier ganz einfach registrieren.

Haptoglobingehalt in Milch gibt Hinweis auf kranke Kühe

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Haptoglobin als Akute-Phase-Protein in Blutserum und in Milch gilt als Biomarker für entzündliche Erkrankungen. Der Haptoglobin-Wert steigt generell bei entzündlichen Erkrankungen und auch in Stresssituationen an und bleibt über längere Zeit erhöht. Im Vergleich zu Blutserumproben können Milchproben viel einfacher und günstiger entnommen und analysiert werden. Milch stellt ein leicht verfügbares Substrat dar, welches im Rahmen der Milchleistungsprüfung 11mal jährlich untersucht wird. Daher bietet sich die routinemäßige Haptoglobinbestimmung in der Milch als Parameter für das Tiergesundheitsmonitoring an. Deshalb war es Ziel einer Studie*, die Zusammenhänge zwischen erhöhter Haptoglobin-Konzentration in Milch und klinischen sowie labordiagnostischen Parametern bei Kühen in der Frühlaktation zu untersuchen. Gesunde und kranke Tiere sollen anhand von Grenzwerten für Haptoglobin in Milch unterschieden werden können.

Es wurden dafür in den Jahren 2019 bis 2021 insgesamt 1462 Milchkühe zwischen dem 5. und dem 65. Laktationstag auf 68 bayerischen Betrieben untersucht. Als Rassen waren Fleckvieh, Braunvieh und Holstein Friesian vertreten, alle Kühe lebten in Laufställen. Einmal wöchentlich wurden über 7 Wochen je Betrieb Milch- und Blutproben gezogen. Außerdem wurde die Rückenfettdicke via Ultraschall bestimmt, der Body Condition Score ermittelt und eine vaginale Metri-Check-Untersuchung zur Bestimmung der Gebärmuttergesundheit durchgeführt. Die Milchproben wurden immer zur gleichen Tageszeit genommen, um den Einfluss der Tageszeit zu minimieren, und auf Milchfett, Milcheiweiß, Laktose, Harnstoff, beta-Hydroxybutyrat und freie Fettsäuren, Zellzahl und Milch-Haptoglobin untersucht. Die Blutproben wurden auf Kreatinin und weitere Parameter sowie auf Blut-Haptoglobin untersucht.


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Zeitsparend und präzise: Wie Technik die Lahmheitserkennung erleichtern kann

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Lahmheit bei Milchkühen ist eine bedeutende Produktionskrankheit. Die frühe Erkennung von lahmen Tieren vermeidet unnötige Schmerzen bei den betroffenen Tieren. Wie automatische Systeme helfen können, lahme Kühe zu erkennen, das weiß Dr. Isabella Lorenzini. Sie ist Tierärztin sowie Projektmanagerin bei DigiMilch an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub bei München und beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der automatischen Erkennung von Lahmheit mithilfe von Verhaltens- und Leistungsparametern.

Frau Dr. Lorenzini, wie stellt sich die Situation rund um die Lahmheit bei Kühen derzeit in Deutschland dar?
Die letzte groß angelegte Studie mit belastbaren Daten ist die von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Freien Universität Berlin und Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführte PraeRi-Studie. Dort wurde auch das Vorkommen von Lahmheiten auf Betrieben in Nord-, Ost- und Süddeutschland erfasst. Deren Anteil lag zwischen 25 und 38 % je nach Region in Deutschland. Das deckt sich mit den Angaben aus anderen europäischen und deutschen Studien der letzten Jahre, die besagen, dass ca. 25 bis 45 % der Kühe lahm sind. Lahmheit ist also definitiv noch ein Problem.

Was sind die Gründe für die hohe Lahmheitsprävalenz?
Das Problem liegt vor allem darin, dass die Lahmheit sehr schwer zu erkennen ist. Kühe sind Beutetiere und verstecken ihre Schmerzen so lange es geht, um nicht durch Schwäche aufzufallen. Das macht es nicht einfacher und wenn sie tatsächlich sichtbar lahm gehen, dann kann man davon ausgehen, dass das Problem schon länger besteht. Außerdem erhöht die steigende Tierzahl pro Betrieb die Arbeitslast für die Landwirte. Sie nennen mangelnde Zeit für die Einzeltierbeobachtung als einen der Hauptgründe für die hohe Lahmheitsprävalenz auf den eigenen Betrieben. Hinzu kommt, dass wenn man ein größeres Lahmheitsproblem in der Herde hat, es mit einer Behandlung ja nicht getan ist. Es muss auch nach den Ursachen gesucht und gegebenenfalls auch einiges im Management umgestellt werden. Überbelegung, Laufgangbeschaffenheit und -hygiene oder Liegeboxenhygiene sind oft ein Problem, sowie auch die falsche Anwendung von Klauenbädern. Diese Situation ist für viele Landwirte sehr frustrierend. Sie versuchen alles richtig zu machen und wissen häufig nicht, wo sie ansetzen können, um die Lahmheitssituation zu verbessern.

Hat die Lahmheit auch wirtschaftliche Folgen für den Betrieb?
Ja, natürlich, nicht ohne Grund gibt es den Spruch: Die Klauen tragen die Milch. Viele Studien beschäftigten sich schon mit den Kosten einer Lahmheit, es gibt direkte und indirekte Kosten, die Berechnung ist sehr komplex. Wir wissen auf jeden Fall, dass die Milchleistung bei lahmen Kühen abnimmt, nicht nur bei akuter Lahmheit, sondern auch als schleichender Prozess über Monate. Bei chronischer Lahmheit schon ab der ersten Laktation wissen wir, dass diese Tiere niemals ihr volles Milchleistungspotential ausschöpfen können. Lahmheit ist tatsächlich auch ein bedeutender Grund für vorzeitige Kuhabgänge, er belegt in Bayern aktuell den dritten Platz, wobei wir davon ausgehen, dass die Zahl auch noch höher sein könnte, da oft auch „sonstige Gründe“ für Abgänge angekreuzt wird.

Kann die Technik helfen, lahme Kühe früher zu erkennen?


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Erhöhtes Übertragungsrisiko durch Mücken / derzeit kein wirksamer Impfstoff aufgrund eines Herstellerrückrufs

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Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) weist Tierhalter*innen auf die aktuell beginnende erhöhte Gefahr der Blauzungenkrankheit hin: Zwischen Mai und Oktober wird das Risiko der Übertragung des Virus der Blauzungenkrankheit durch Gnitzen (kleine blutsaugende Mücken) als hoch eingeschätzt. Darüber hinaus steht derzeit kein Impfstoff zur Verfügung.

Den einzig sicheren Schutz der Tiere gegen das Virus der Blauzungenkrankheit bietet eine Impfung. Sie sollte bis zum Beginn der Hauptflugzeit der übertragenden Gnitzen abgeschlossen sein. Ein seit kurzem angewendeter autogener Impfstoff gegen das Blauzungenvirus Serotyp 3 (BTV-3) wurde von der Herstellerfirma Ende April allerdings zurückgerufen, sodass die Anwendung der autogenen BTV-3-Vakzine im Moment nicht möglich ist. Weitere Impfstoffe stehen derzeit in Niedersachsen nicht zur Verfügung.

Sobald ein Impfstoff wieder zur Verfügung steht, wird das ML die betreffenden Verbände und Landkreise darüber informieren. Bereits mit dem autogenen Impfstoff geimpfte Tiere sollten sowohl durch die Tierhalter*in als auch durch die bestandbetreuenden Tierärzt*innen beobachtet werden. Im Falle von Erkrankungen ist von einer Verbringung abzusehen. Über das weitere Vorgehen informieren die zuständige Veterinärbehörde und der Impfstoffhersteller.

Risiko für Infektionen mit BTV-3 steigt mit Beginn der Gnitzenaktivität
Bereits nach der Feststellung der Seuche in den Niederlanden im vergangenen Herbst hatte das ML die zuständigen Behörden bezüglich des Auftretens der in Deutschland anzeigepflichtigen Tierseuche sensibilisiert. Auch Tierhalter*innen und Tierärzt*innen vor Ort sind spätestens seit dem ersten in Niedersachsen aufgetretenen Fall im vergangenen Oktober (LK Ammerland) äußerst wachsam. Zuvor waren in Niedersachsen seit 2009 keine Fälle von Blauzungenkrankheit mehr aufgetreten. Auf Menschen ist die Krankheit nicht übertragbar – auch nicht durch den Konsum von tierischen Produkten. Bei Wiederkäuern, vor allem bei Schafen und auch Rindern kann die Blauzungenkrankheit jedoch zu erheblichen Krankheitserscheinungen und Verlusten führen.

Hintergrund:
Laut einer qualitativen Risikobewertung des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) wird die Gefahr der Virusübertragung auf empfängliche Tiere wie Schafe, aber auch Rinder zwischen Mai und Oktober als besonders hoch eingeschätzt. Für das Virus empfänglich sind auch Ziegen sowie Neuweltkameliden wie Alpakas und Wildwiederkäuer. Auch durch das Verbringen infizierter Tiere kann sich das Virus ausbreiten. Daher gelten für die Bestände in Niedersachsen, sowie in anderen von BTV-3 betroffenen Ländern, strengere Regeln wie eine verpflichtende PCR-Testung oder eine Behandlung mit mückenabweisenden Mitteln bei einer Verbringung in BTV-freie Gebiete. Seit dem ersten Ausbruchsfall am 25. Oktober 2023 im Landkreis Ammerland wurden bislang insgesamt 40 Feststellungen bei Schafen und Rindern aus elf Landkreisen in Niedersachsen gemeldet (Stand 6. Mai 2024).

Webseite Tierseuchen-Info des LAVES:
https://tierseucheninfo.niedersachsen.de/startseite/anzeigepflichtige_tierseuchen/klauentiere/blauzungenkrankheit/blauzungenkrankheit-21712.html

Risikobewertung des FLI:
https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00058523/BTV_Risikobewertung_2024-04-12-bf.pdf

Informationen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin am FLI:
https://stiko-vet.fli.de/de/aktuelles/einzelansicht/blauzungenkrankheit-anwendung-des-autogenen-btv-3-impfstoffs-derzeit-nicht-moeglich/

https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00058512/Hinweise-Einsatz-autogener-BTV3-Impfstoffe.pdf

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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