4-fach Schutz bietet Vorteile für die gesamte Lieferkette

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MSD Tiergesundheit unterstützt mit der Kampagne „Das 4-fach geschützte Ferkel“ einen Handelsstandard für Qualitätsferkel, um mehr Zufriedenheit und Sicherheit in der gesamten Produktionskette zu fördern.

Die Bedürfnisse der einzelnen Glieder in der Fleischerzeugungskette sind unterschiedlich:
• Ferkelerzeuger möchten sich auf einen sicheren Absatz ihrer Qualitätsferkel verlassen können.
• Vermarktern sind der reibungslose Ablauf und die Zufriedenheit ihrer Kunden wichtig.
• Mäster möchten mit gesunden und frohwüchsigen Tieren wirtschaftlich mästen. Weniger Arbeit mit Impf- oder Therapiemaßnahmen und ein verminderter Antibiotikaverbrauch werden geschätzt.

Vereint werden die unterschiedlichen Bedürfnisse im Wunsch, gesunde und sichere Fleischerzeugnisse auf wirtschaftliche Weise mit hohen Qualitätsstandards zu produzieren.
Die Etablierung des 4-fach geschützten Ferkels als Handelsstandard legt den Grundstein für die Erfüllung dieser Anforderungen.

Was bedeutet das 4-fach geschützte Ferkel?

Bereits beim Erzeuger werden die Ferkel vierfach gegen die wichtigsten und meistverbreiteten Krankheitserreger geimpft:
• PCV2,
• Mycoplasma hyopneumoniae,
• PRRSV
• Lawsonia intracellularis.

Ferkelerzeuger erhalten mehr Sicherheit bei der Abnahme ihrer Tiere. Die sich anschließenden Stufen wie Vermarkter und Mäster profitieren von diesem umfassenden Schutz mit Verlässlichkeit und einer arbeitssparenden wirtschaftlichen Mast.
Durch die Impfmaßnahmen kann Krankheiten vorgebeugt und somit aktiv zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der ganzen Produktionskette beigetragen werden. Für die betreuende Tierarztpraxis bedeutet die Umsetzung des 4-fach geschützten Ferkels mit Impfkonzepten von MSD Tiergesundheit höchste Variabilität in der Umsetzung individueller Vorsorgekonzepte.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Was kostet ein PRRS-Viruseintrag bei unterschiedlichem PRRSV-Ausgangsstatus?

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Von Dr. Heike Engels

Das porzine reproduktive und respiratorische Syndrom, kurz PRRS, verursacht weltweit einen hohen wirtschaftlichen Schaden, weil die Fruchtbarkeit leidet, Tierverluste vor allem bei Saug- und Absetzferkeln vorkommen sowie insgesamt ein erhöhter Medikament- und Diagnostikaufwand entsteht. Um herauszufinden, ob es Unterschiede bei den ökonomischen Auswirkungen eines PRRS-Viruseintrags in Ferkelerzeugerbetrieben mit unterschiedlichem PRRSV-Betriebsstatus gibt, führten Wissenschaftler eine Studie* durch. Die Untersuchung basiert auf drei Ferkelerzeugerbetrieben, die sich zeitgleich mit einem identischen Virusstamm infizierten, der über Sperma nach einem PRRSV-Ausbruch in einer Eberstation übertragen wurde. Die Studie wurde kürzlich im Magazin „Der Praktische Tierarzt“ veröffentlicht.

PRRSV-Ausgangsbedingungen beeinflussen Infektion
Die drei Betriebe verfolgten ein unterschiedliches Konzept zur Schadensbekämpfung und hatten zudem verschiedene PRRSV-Ausgangsbedingungen (Tabelle s. o.)-

Die Beprobung der Betriebe fand zu unterschiedlichen Zeiten statt: bei Betrieb 1 nach 18 Tagen aufgrund von Klinik bei den Sauen, bei Betrieb 2 nach 20 Tagen ebenfalls veranlasst durch Klinik. Bei Betrieb 3 erfolgte die Virusfeststellung bereits 6 Tage nach Viruseintrag, noch bevor die Sauen Klinik zeigten.

Die Forscher stellten fest:
• Der PRRSV-negative Betrieb 1 hatte mit 211 Euro pro Sau den höchsten Schaden während des 18-wöchigen Beobachtungszeitraumes. Hier breitete sich das Virus über die infizierten Sauen weiter im Bestand aus.

• Betrieb 2 war zum Zeitpunkt des Viruseintrags bereits PRRSV-positiv. Dieser Betrieb hatte trotz regelmäßiger PRRSV-Schutzimpfung mit einer modifizierten Lebendvakzine einen Schaden von 68 Euro pro Sau.

• Betrieb 3 war PRRSV-negativ und konnte durch Schlachtung der infizierten Sauen im Deckzentrum die Virusübertragung auf die restliche Herde verhindern. Dieser Betrieb hatte einen Schaden von 119 Euro pro Sau.

Schutzimpfung mindert Folgen der Infektion
Zusätzlich wurden auf Betrieb 1 und 2 die klinischen Auswirkungen anhand der „Time to PRRSV stability“ (Zeit bis zur erneuten Herdenstabilität, Saugferkel sind wieder PRRSV-frei) und der „Time to baseline production“ (Produktionsniveau wie vor dem Ausbruch, Anzahl abgesetzter Ferkel pro Wurf) erhoben. Der Zeitraum bis zum Erreichen der PRRSV-Stabilität war bei dem negativen Betrieb 1 (43 Wochen) deutlich länger als bei Betrieb 2 (27 Wochen), dessen Sauenherde zum Zeitpunkt des Viruseintrags bereits regelmäßig geimpft wurde.
Die Dauer bis zum Wiederanstieg der Anzahl der abgesetzten Ferkel auf das Niveau wie vor dem Viruseintrag lag bei Betrieb 1 bei 29 Wochen. Bei Betrieb 2 wurde hingegen kein Abfall des Produktionsniveaus festgestellt.

Fazit
Die Forscher schlussfolgern aus den Ergebnissen die Studie, dass der PRRSV-Betriebsstatus, also ob der Betrieb negativ oder positiv ist, einen großen Einfluss auf die klinischen Auswirkungen einer PRRSV-Infektion und damit auch auf den ökonomischen Schaden hat. Außerdem lautet das Fazit, dass eine Schutzimpfung wie sie Betrieb 2 praktizierte den Viruseintrag und die Infektion nicht verhindern kann, den Schaden und die Dauer der Infektion aber durchaus reduziert. Die schnelle Diagnose und Schadensbekämpfung von Betrieb 3 war ebenfalls gut für das schnelle Eindämmen der Infektion und ihrer Folgen.

Quelle: Dr. Heike Engels

*Studie: Oppeneder, A. et al. (2020): „Ökonomische Auswirkungen eines PRRS-Viruseintrages mittels Sperma in Betrieben mit unterschiedlichem PRRSV-Status.“: Der Praktische Tierarzt 4, 2020, S. 370-379.

Dieser Text stammt aus der eMagazin-Ausgabe 4/2020. Zum kostenfreien Abo bitte hier klicken, einfach E-Mail-Adresse eingeben und anschließend auf den Link der Bestätigungs-Mail klicken.

Wieder Blauzungenkrankheit: Restriktionen gelten weiter

Rückschlag bei der Eindämmung der Blauzungenkrankheit: Das Landesuntersuchungsamt (LUA) hat das für Menschen ungefährliche Virus der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 bei einem Kalb aus einem Bestand im Kreis Trier-Saarburg nachgewiesen. Konsequenz: Die landesweit geltenden Restriktionen für den Handel mit empfänglichen Tieren müssen weiter aufrechterhalten werden.

Es ist der erste Nachweis des Blauzungenvirus in Rheinland-Pfalz seit November 2019 und der erste Nachweis in Deutschland im Jahr 2020. Das bereits seit Januar 2019 bestehende und ganz Rheinland-Pfalz umfassende Restriktionsgebiet muss damit weiter bestehen bleiben. Für das Virus der Blauzungenkrankheit empfängliche Tiere – also alle Wiederkäuerarten wie z. B. Rinder, Schafe, Ziegen, Lamas, Alpakas oder Wildwiederkäuer in Gehegen – dürfen grundsätzlich nicht aus dem Restriktionsgebiet in restriktionsfreie Gebiete verbracht werden. Dies gilt auch für Samen, Eizellen oder Embryonen. Ausnahmen sind nur unter Auflagen möglich, etwa wenn die Tiere nachweislich geimpft sind. Wer empfängliche Tiere im Restriktionsgebiet hält, muss das unverzüglich dem Veterinäramt seiner Kreisverwaltung mitteilen.

Als Hauptüberträger der Tierseuche gelten kleine blutsaugende Mücken (Gnitzen). Für den Menschen ist der Erreger ungefährlich. Fleisch und Milch infizierter Tiere können ohne Bedenken verzehrt werden.

Auch wenn der derzeitige Seuchenzug nur mit wenig ausgeprägten Krankheitsanzeichen einhergeht, ist bereits der Verdacht einer Erkrankung sofort beim Veterinäramt anzuzeigen. Schafe können gering bis stark ausgeprägte Symptome zeigen, bei Rindern und Ziegen verläuft die Erkrankung meist ohne eindeutig erkennbare Krankheitsanzeichen. Mögliche Symptome können sein: Fieber, Apathie, Zyanosen (Blaufärbung), Geschwüre und Nekrosen in Haut und Maulschleimhaut, an Lippen, Flotzmaul, Zitzen und Euter sowie an den Gliedmaßen mit eventuell einhergehender Lahmheit.

Impfung schützt Tiere
Eine Impfung empfänglicher Tiere gegen die Blauzungenkrankheit ist zu empfehlen, da sie einen Schutz vor der Erkrankung bietet und den Transport von Tieren aus dem Restriktionsgebiet ermöglicht. Derzeit existieren mehrere in Deutschland zugelassene BTV-8-Impfstoffe für Rinder und Schafe. Für Ziegen kann der Impfstoff vom Tierarzt umgewidmet werden.

Die Impfung darf nur von Tierärzten durchgeführt werden. Wer seinen Bestand gegen den aktuell grassierenden Serotyp 8 des Blauzungenvirus schützen lassen möchte, wendet sich an seinen Hoftierarzt. Damit Tiere als geimpft gelten, muss die Impfung im Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HI-Tier) dokumentiert werden.

Finanzielle Unterstützung
Seit November 2019 gewähren das Land Rheinland-Pfalz und die rheinland-pfälzische Tierseuchenkasse Tierhaltern eine finanzielle Unterstützung zur Impfung von Rindern, Schafen und Ziegen. Für Rinder beträgt die Beihilfe 1,50 EUR pro Impfung. Geimpft werden kann sowohl gegen das Virus der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 als auch gegen den Serotyp 4. Das Land trägt von der Beihilfe 0,80 EUR, die Tierseuchenkasse 0,70 EUR pro Impfung.

Für Schafe und Ziegen beträgt die Beihilfe 1,00 EUR pro Impfung (0,60 EUR Land/ 0,40 EUR TSK). Der Zuschuss ist unabhängig davon, ob es sich um Erstimpfungen oder Nachimpfungen handelt. Allerdings können keine Impfungen rückwirkend bezuschusst werden.

Quelle: Landesuntersuchungsamt (LUA) Rheinland-Pfalz

Professor Hartung mit Professor-Niklas-Medaille geehrt

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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vergibt höchste Auszeichnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Professor Dr. Dr. h. c. mult. Jörg Hartung leitete 20 Jahre das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) und war neben vielen anderen Funktionen 26 Jahre lang ehrenamtliches Mitglied in der Tierschutzkommission des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, davon 20 Jahre als deren Vorsitzender.

Hartung beschäftigt sich als anerkannter und engagierter Wissenschaftler seit über 40 Jahren in Forschung und Lehre mit einer tier- und umweltgerechten Haltung von Tieren, die auch Transport und Schlachtung berücksichtigt. Er sagt: „Wen der Tierschutz einmal gepackt hat, den lässt er nie wieder los!“ Für seine hervorragenden Verdienste um den Tierschutz verlieh Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Jörg Hartung die höchste Auszeichnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Sein Wirken
Im Jahr 1993 nahm Hartung den Ruf auf eine Professur an der TiHo an und wurde Leiter des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie. Es folgten zahlreiche Arbeiten und Tätigkeiten im In- und Ausland, unter anderem für die EU-Kommission, die FAO oder die Weltorganisation für Tiergesundheit OIE. Seit der Gründung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde im Jahre 2003 war er Mitglied – und von 2006 bis 2012 stellvertretender Vorsitzender – des Gremiums für Tiergesundheit und Tierschutz. Er war viele Jahre ein engagiertes Mitglied des Senats und der Fachkommission in der TiHo. Die Universität Breslau und die Swedish University of Agricultural Sciences in Uppsala würdigten seine Verdienste jeweils mit einer Ehrendoktorwürde.

Die Professor-Niklas-Medaille
Die Professor-Niklas-Medaille wird seit 1978 an Personen verliehen, die sich in hervorragender Weise um die Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft oder das Wohl der in diesen Bereichen tätigen Menschen verdient gemacht haben. Der Namensgeber, Wilhelm Niklas, war der Landwirtschaft eng verbunden und prägte sie, beginnend in Bayern, in den Nachkriegsjahren in Deutschland maßgeblich. Er war, von 1949 bis 1953, der erste Landwirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland.

Videoporträt über Professor Dr. Dr. h. c. mult. Jörg Hartung:

Die Stechfliege: ein gefährlicher Krankheitsüberträger für Schweine

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Die Gemeine Stechfliege (lat.: Stomoxys calcitrans) – auch bekannt als „Wadenstecher“ – ist weltweit verbreitet und sieht der Stubenfliege ähnlich. Großer Unterschied: Die Stechfliege besitzt einen Stechrüssel, durch den sie Blut saugt. Während dieser Blutmahlzeit kann sie auf ihre Wirtstiere Krankheiten übertragen, auch auf den Menschen. Inwieweit Schweine durch die Stechfliege gefährdet sind, untersuchte eine Studie der Vetmeduni Vienna.

In Tierställen ist die Stechfliege häufig anzutreffen. Und das blutsaugende Insekt ist alles andere als harmlos, hat es doch direkt und indirekt negative Folgen für die Tiergesundheit. Direkte Einflüsse können beispielweise Unruhe, Schmerzen durch Stechen, Stress, Blutverlust, verringerte Futteraufnahme aber auch Hautläsionen mit resultierenden lokalen Entzündungen und Immunsuppression sein, während indirekte Effekte auf die Übertragung von Infektionserregern zurückzuführen sind. Für Wirtsarten wie Pferde sind Stechfliegen als relevante Vektoren für die Übertragung von Infektionskrankheiten bekannt, zu Schweinen liegen bislang jedoch nur wenige Studien vor.

Vektor zahlreicher Mikroorganismen
Um mehr über die mögliche Rolle von Stechfliegen in der Übertragung von Krankheitserregern zu erfahren, untersuchte ein Forschungsteam um Lukas Schwarz von der Universitätsklinik für Schweine der Vetmeduni Vienna im Rahmen einer Diplomarbeit Stechfliegen aus österreichischen Schweinebetrieben auf Schweinepathogene wie PRRSV (eine Viruserkrankung des Schweines mit Atemwegsproblemen und Reproduktionsstörungen einhergehend), PCV2 (eine Viruserkrankung des Schweines, welche mit Kümmern, Husten, Reproduktionsstörungen und Durchfall einhergehen kann), hämotrophe Mykoplasmen (Bakterien, welche rote Blutkörperchen befallen) und kultivierbare bakterielle Erreger. Darüber hinaus untersuchten die ForscherInnen die Stechfliegen in ihrer Pilotstudie hinsichtlich einer möglichen Verwendung als diagnostische Matrix zum Nachweis von Krankheitserregern im von ihnen aufgenommenen Schweineblut. „Insgesamt fanden wir 69 verschiedene Arten von Mikroorganismen auf der Oberfläche von S. calcitrans aus 20 verschiedenen Schweinebetrieben. Escherichia coli war die häufigste Bakterienart und konnte an Stechfliegen aus sieben Betrieben gefunden werden. Ebenfalls in sieben Betrieben wurden hämotrophe Mykoplasmen nachgewiesen. PRRSV konnte in keiner der Proben gefunden werden, PCV2 wurde jedoch in sechs Betrieben nachgewiesen“, so Studienleiter Lukas Schwarz. Die Studie wurde vom Verein der Freunde und Föderer der Schweinemedizin finanziert.

Unterschätzter Krankheitsüberträger
Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Stechfliegen in österreichischen Schweinezuchtbetrieben Träger mehrerer verschiedener Bakterienarten sind und möglicherweise auch als Vektoren für PCV2 und hämotrophe Mykoplasmen dienen. Schwarz unterstreicht, dass deshalb mehr Augenmerk auf die Stechfliege und ihre Rolle als Krankheitsüberträger bei Schweinen gelegt werden sollte: „Obwohl wir die explizite Rolle von S. calcitrans als Vektor noch nicht abschließend bewerten konnten, sind wir der Ansicht, dass die Rolle von Stechfliegen bei der Übertragung von Krankheiten und Krankheitserregern bei Schweinen in Österreich unterschätzt wird.

Potenzielle günstige neue Diagnosemethode
Außerdem stellen die ForscherInnen die Überlegung auf, Stechfliegen in Zukunft als diagnostische Matrix zum Nachweis von PCV2 und hämotrophen Mykoplasmen zu verwenden. Zur Validierung sind laut Schwarz jedoch weitere Studien nötig. Und zwar auch, um abzuklären, ob die Stechfliege ebenso als diagnostische Matrix für Tests auf PRRSV verwendet werden könnte. Darüber hinaus wäre die Verwendung von Stechfliegen zur Überwachung der Herdengesundheit eine kostengünstige und tierschonende Alternative zur Blutentnahme oder anderen invasiven Entnahmetechniken bei Schweinen.

Unangenehmer Gast in vielen Ställen
Die Stechfliege S. calcitrans ist eine von 18 Arten, die zur Gattung Stomoxys zählen und kommt in den gemäßigten Klimazonen am häufigsten vor. Die 7 bis 8 mm lange Fliege ist grau und hat vier dunkle Längsstreifen am Thorax. Im Gegensatz zur Großen Stubenfliege (Musca domestica) – der dominierenden Fliegenart im Schweinestall – hat die Stechfliege ein kürzeres und breiteres Abdomen. Zusätzlich hat S. calcitrans auf dem zweiten und dritten Abdominalsegment je drei dunkle Flecken und vom Körper abstehende Flügel. Sowohl die kleineren männlichen als auch die größeren weiblichen Fliegen sind Blutsauger und haben stechend-saugende Mundwerkzeuge. Die Stechfliege bevorzugt feuchtes Stroh, Mist sowie alte Einstreu als Brutsubstrat und legt ihre Eier nicht in reinen Kot. Stechfliegen werden oft in Stallungen von Wiederkäuern und Pferden, aber auch in Schweineställen, gefunden und können durch ihre Stiche erhebliche wirtschaftliche Einbußen in der Nutztierhaltung verursachen.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Laut Studie bevorzugen Kühe die „lebende“ Kommunikation

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Kühe genießen den Klang einer menschlichen Stimme – sind jedoch bei einem persönlichen Gespräch entspannter als beim Hören einer aufgezeichneten Stimme über Lautsprecher. „Live“ -Gespräche können genutzt werden, um die Beziehungen zwischen Rindern und Menschen zu verbessern und damit dem Tierschutz zu helfen.

Nach Monaten technologiebasierter Kommunikation durch COVID-19 fehlt vielen von uns eine „lebende“ menschliche Stimme. Aber wir sind nicht die Einzigen – eine neue Studie zeigt, dass Kühe auch ein persönliches Gespräch bevorzugen. Die in Frontiers in Psychology veröffentlichte Studie zeigt, dass Kühe tatsächlich entspannter sind, wenn sie direkt von einem lebenden Menschen angesprochen werden, als wenn sie eine aufgezeichnete Stimme über einen Lautsprecher hören.

„Rinder mögen Streicheln in Kombination mit sanftem Sprechen“, sagt Annika Lange von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. „In wissenschaftlichen Kontexten könnte eine Aufzeichnung einer sanft sprechenden menschlichen Stimme verwendet werden, um die Tiere zu entspannen, da es schwierig sein kann, dieselben Sätze während der Experimente auf dieselbe Weise zu wiederholen.“

Die Verwendung einer aufgezeichneten Stimme bedeutet, dass die Bedingungen in jedem Versuch nach einem Konzept, das als „Standardisierung“ bekannt ist – einem wichtigen Prinzip des wissenschaftlichen Experimentierens – so ähnlich wie möglich sind. Das Wissenschaftlerteam wollte jedoch herausfinden, ob Kühe anders auf den Klang aufgezeichneter Stimmen reagieren als ein Mensch, der direkt mit ihnen spricht. „Unsere Studie legt nahe, dass Live-Gespräche für unsere Tiere entspannender sind als die Aufnahme einer menschlichen Stimme“, sagt Lange. „Interaktionen können weniger positiv sein, wenn sie durch Standardisierung künstlich werden“.

Das Team arbeitete mit einer Herde von 28 Rindern und verglich die Vorteile des Streichelns der Tiere beim Abspielen einer Aufzeichnung der Stimme einer Versuchsperson oder des Streichelns beim direkten Sprechen mit den Tieren. Nachdem sie die Reaktionen der Tiere während der Experimente überwacht hatten, stellten sie fest, dass Live-Gespräche der beste Stimmungsverstärker für ihre Rinderfreunde waren.

Die Herzfrequenzvariabilität war höher, wenn direkt mit Rindern gesprochen wurde, was darauf hinweist, dass sie sich amüsierten. Nach dieser Behandlung waren die Herzfrequenzen niedriger als nach dem Hören einer aufgezeichneten Stimme, was zeigt, dass die Tiere nach dem Live-Gespräch entspannter waren.

Wie verhält sich eine entspannte Kuh? „Wenn die Tiere entspannt sind und die Interaktion genießen, strecken sie oft den Hals aus, wie wenn sie sich gegenseitig pflegen“, sagt Lange. „Außerdem wird angenommen, dass Ohrpositionen auf Stimmung hinweisen können: Hängende Ohren und niedrige Ohrpositionen scheinen mit Entspannung verbunden zu sein.“

Das Experiment umfasste nur eine Herde und eine Wiedergabeaufnahme. Lange fordert weitere Untersuchungen, um festzustellen, ob die Ergebnisse auch für verschiedene Herden und Situationen gelten, beispielsweise für Kühe, die mehr Angst vor Menschen haben. Dies wird in weiteren Studien zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Rindern und Menschen, einem wichtigen Aspekt des Tierschutzes, hilfreich sein.

Quelle: Der Hoftierarzt, Originalpublikation ist hier erschienen: Kühe genießen den Klang einer menschlichen Stimme – sind jedoch bei einem persönlichen Gespräch entspannter als beim Hören einer aufgezeichneten Stimme über Lautsprecher. „Live“ -Gespräche können genutzt werden, um die Beziehungen zwischen Rindern und Menschen zu verbessern und damit dem Tierschutz zu helfen.

Nach Monaten technologiebasierter Kommunikation durch COVID-19 fehlt vielen von uns eine „lebende“ menschliche Stimme. Aber wir sind nicht die Einzigen – eine neue Studie zeigt, dass Kühe auch ein persönliches Gespräch bevorzugen. Die in Frontiers in Psychology veröffentlichte Studie zeigt, dass Kühe tatsächlich entspannter sind, wenn sie direkt von einem lebenden Menschen angesprochen werden, als wenn sie eine aufgezeichnete Stimme über einen Lautsprecher hören.

„Rinder mögen Streicheln in Kombination mit sanftem Sprechen“, sagt Annika Lange von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. „In wissenschaftlichen Kontexten könnte eine Aufzeichnung einer sanft sprechenden menschlichen Stimme verwendet werden, um die Tiere zu entspannen, da es schwierig sein kann, dieselben Sätze während der Experimente auf dieselbe Weise zu wiederholen.“

Die Verwendung einer aufgezeichneten Stimme bedeutet, dass die Bedingungen in jedem Versuch nach einem Konzept, das als „Standardisierung“ bekannt ist – einem wichtigen Prinzip des wissenschaftlichen Experimentierens – so ähnlich wie möglich sind. Das Wissenschaftlerteam wollte jedoch herausfinden, ob Kühe anders auf den Klang aufgezeichneter Stimmen reagieren als ein Mensch, der direkt mit ihnen spricht. „Unsere Studie legt nahe, dass Live-Gespräche für unsere Tiere entspannender sind als die Aufnahme einer menschlichen Stimme“, sagt Lange. „Interaktionen können weniger positiv sein, wenn sie durch Standardisierung künstlich werden“.

Das Team arbeitete mit einer Herde von 28 Rindern und verglich die Vorteile des Streichelns der Tiere beim Abspielen einer Aufzeichnung der Stimme einer Versuchsperson oder des Streichelns beim direkten Sprechen mit den Tieren. Nachdem sie die Reaktionen der Tiere während der Experimente überwacht hatten, stellten sie fest, dass Live-Gespräche der beste Stimmungsverstärker für ihre Rinderfreunde waren.

Die Herzfrequenzvariabilität war höher, wenn direkt mit Rindern gesprochen wurde, was darauf hinweist, dass sie sich amüsierten. Nach dieser Behandlung waren die Herzfrequenzen niedriger als nach dem Hören einer aufgezeichneten Stimme, was zeigt, dass die Tiere nach dem Live-Gespräch entspannter waren.

Wie verhält sich eine entspannte Kuh? „Wenn die Tiere entspannt sind und die Interaktion genießen, strecken sie oft den Hals aus, wie wenn sie sich gegenseitig pflegen“, sagt Lange. „Außerdem wird angenommen, dass Ohrpositionen auf Stimmung hinweisen können: Hängende Ohren und niedrige Ohrpositionen scheinen mit Entspannung verbunden zu sein.“

Das Experiment umfasste nur eine Herde und eine Wiedergabeaufnahme. Lange fordert weitere Untersuchungen, um festzustellen, ob die Ergebnisse auch für verschiedene Herden und Situationen gelten, beispielsweise für Kühe, die mehr Angst vor Menschen haben. Dies wird in weiteren Studien zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Rindern und Menschen, einem wichtigen Aspekt des Tierschutzes, hilfreich sein.

Quelle: Der Hoftierarzt, Originalpublikation ist hier erschienen.

Mastitis vorbeugen: Gezielte Therapie auch in der Trockenstehzeit

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Von Dr. med. vet. Martin tho Seeth, Fachtierarzt für Milchhygiene, Eutergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Die Trockenstehzeit nimmt im Eutergesundheitsmanagement eines Milchviehbetriebes einen wichtigen Platz ein und bietet sowohl Chancen als auch Risiken für die Eutergesundheit. Das selektive Trockenstellen ist die Strategie der Zukunft, doch nur richtig umgesetzt führt sie zum gewünschten Erfolg.

Gerade zu Beginn und besonders am Ende der Trockenstehzeit ist das Risiko für Neuinfektionen der Milchdrüse des Rindes erhöht und die Folgen dieser Infektionen reichen bis in die nächste Laktation. Neuinfektionen führen zu einer geminderten Milchleistung in der Folgelaktation und klinische Mastitiden in der Frühlaktation haben ihren Ursprung zum großen Teil in der Trockenstehzeit. Aus diesen Gründen ist es wichtig, Neuinfektionen gerade in dieser Phase zu verhindern. Neben den genannten Risiken, stellt die Trockenstehzeit aber auch eine sehr gute Möglichkeit dar, bestehende Infektionen auszuheilen zu lassen. Neben der erhöhten Chance auf Heilung bietet die Trockenstehphase dem Eutergewebe die Möglichkeit der Regeneration, um in der Folgelaktation wieder eine adäquate Milchleistung erbringen zu können. Mit antibiotischen Trockenstellpräparaten kann die Heilungsrate in der Trockenstehzeit erhöht werden. Jedoch profitieren nur Tiere von einer antibiotischen Therapie, bei denen auch wirklich eine Infektion mit einem Mastitiserreger zum Zeitpunkt des Trockenstellens vorliegt.

Antibiotische Behandlungen senken
Das pauschale antibiotische Trockenstellen aller Tiere unabhängig davon, ob eine Infektion vorliegt oder nicht, ist immer noch die am weitesten verbreitete Methode, das Trockenstellmanagement zu gestalten, auch wenn immer mehr Milchviehbetriebe in Deutschland zu einer selektiven Trockenstelltherapie übergehen. Dies bedingt, dass viele Tiere antibiotisch behandelt werden, obwohl keine Infektion der Milchdrüse vorliegt. Neben der Eigenmotivation der Landwirte, den Einsatz antibiotischer Präparate sinnvoll zu senken, ohne dabei die Tiergesundheit zu gefährden, ist es aber vor allem auch der Verbraucherwunsch nach umsichtigen Antibiotikaeinsatz, welcher ein pauschales antibiotisches Trockenstellen in Zukunft unrealistisch und ein Umdenken erforderlich macht.

Rahmenbedingungen überprüfen
Bevor der Umstieg auf ein selektives Trockenstellprogramm erfolgt, sollten zunächst einige Voraussetzungen geschaffen werden. Unerlässlich für einen erfolgreichen Umstieg auf ein selektives Trockenstellmanagement ist ein effektives Monitoring der Eutergesundheit. Dies umfasst die regelmäßige Analyse der Eutergesundheitskennzahlen des MLP-Berichts, die Dokumentation klinischer Mastitiden und die regelmäßige bakteriologische Untersuchung von Milchproben zur Erfassung der am Mastitisgeschehen beteiligten Erreger. So kann überprüft werden, wie sich die Eutergesundheit nach Etablierung eines selektiven Trockenstellprogramms entwickelt und eventuell nötige Anpassungen können durchgeführt werden.

Neuinfektionen verhindern
Die Angst vor einem Anstieg der Neuinfektionsrate sowie der Anzahl klinischer Mastitiden ist ein häufig genannter Grund, warum es manchen Milchviehbetrieben schwerfällt, Tiere ohne Antibiose trockenzustellen. Jedoch kann der Schutz vor Neuinfektionen, den ein antibiotischer Trockensteller zumindest zu Beginn und in der Mitte der Trockenstehperiode bietet, durch entsprechende Hygienemaßnahmen und den Einsatz interner Zitzenversiegler effektiv ersetzt werden.

Die Prävention beginnt dabei bereits beim Trockenstellen…


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Kranke Kühe frühzeitig erkennen

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von Prof. Dr. Steffen Hoy, Universität Gießen

Erkrankungen der Kühe beeinträchtigen das Wohlbefinden und sind eine Ursache für wirtschaftliche Verluste, da nur gesunde Kühe ihre volle Leistung entfalten können. Es muss das Ziel sein, Gesundheitsstörungen möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, um die Auswirkungen gering zu halten. Das Ziel unserer Untersuchungen bestand darin, mögliche Effekte von Erkrankungen auf die automatisch im Melkroboter gemessenen Parameter im Sinne einer Früherkennung nachzuweisen.

Datenauswertung durch Melkroboter
Die Datenerhebung fand auf fünf Betrieben mit Kühen der Rasse Deutsche Holstein statt. Die Daten stammten ausschließlich von Lely-Melkrobotern. Es wurden jeweils 5 Tage vor und nach einer aufgetretenen Erkrankung (= Behandlung) ausgewertet. Insgesamt wurden 226 Behandlungen x 11 Tage = 2.486 Datensätze erfasst. In den Betrieben wurden Qwes HR-Halsbänder (SCR, Lely) zur Erfassung von Wiederkaudauer und Aktivität eingesetzt. Die Tagesmilchmenge wurde jeweils kuhbezogen gewogen. Leitfähigkeit der Milch, Milchtemperatur und Melkgeschwindigkeit werden durch das Milchqualitätskontrollsystem (MQC, Lely) im Roboterarm gemessen. Die Erkrankungen wurden vom Tierarzt oder vom Stallpersonal erfasst und zu den Erkrankungskomplexen Eutererkrankungen, Reproduktions-, Stoffwechselstörungen sowie Klauenerkrankungen zusammengefasst. Es wurden nur behandelte Kühe ausgewertet.

Nicht alle Erkrankungen sind automatisch erkennbar!
Insgesamt 57 % aller Behandlungen erfolgten wegen Reproduktionsstörungen, 20 % wegen Eutererkrankungen, 17 % wegen Stoffwechselstörungen und 6 % wegen Klauenerkrankungen. Reproduktions- und Klauenerkrankungen hatten auf keinen der untersuchten Parameter statistisch gesicherte Auswirkungen. Eine frühzeitige Erkennung im Melkroboter ist demnach unter den untersuchten Erkrankungen nur für Euterentzündungen und Stoffwechselstörungen möglich. Wenn die Kühe die Futteraufnahme und/oder die Aktivität einschränken, können sie über einen Rückgang von Wiederkaudauer und Aktivität als krank erkannt werden.

Wie wirken sich Erkrankungen auf das Wiederkauen aus?
Stoffwechselkranke Kühe zeigten den deutlichsten Rückgang der täglichen Wiederkauaktivität. Über einen Zeitraum von 5 Tagen sank die Wiederkaudauer um etwa 2,5 Stunden täglich. Das weist auf eine starke Beeinträchtigung der Tiere durch diese Erkrankungen hin. Die frühzeitige automatische Erkennung einer Stoffwechselstörung ist demzufolge möglich. Eine rasche Behandlung verbesserte schnell das Allgemeinbefinden

Kühe mit einer Eutererkrankung zeigten eine ähnliche Veränderung der Wiederkauaktivität im behandlungsnahen Zeitraum. Auch bei der Mastitis ging die Wiederkaudauer um mehr als 1,5 h täglich zurück. Nach der Behandlung nahm die Wiederkaudauer innerhalb weniger Tage auf über 450 min/Tag zu – die Behandlung war damit offensichtlich erfolgreich. Wenn Reproduktionsstörungen und Klauenerkrankungen nicht mit einer Beeinträchtigung der Futteraufnahme und damit indirekt auch der Wiederkaudauer verbunden sind, können sie natürlich nicht automatisch erkannt werden. Die Wiederkauaktivität ist der wichtigste Parameter überhaupt, der automatisch gemessen werden kann. Er wird außer dem Gesundheitsmonitoring zur Brunsterkennung, zur Abkalbeprognose sowie zur Überwachung der Futter- und Wasseraufnahme verwendet.

Wird die Aktivität durch Erkrankungen beeinflusst?
Bei der verwendeten Messtechnik war nicht unbedingt eine deutliche Auslenkung der automatisch gemessenen Aktivität zu erwarten. Es werden dabei nämlich weder die Anzahl Schritte (wie beim Pedometer), noch die zurückgelegten Wegstrecken gemessen. Die Sensoren messen typische Kopf- und Halsbewegungen, wie sie in der Brunst auftreten. Das Messsystem ist in erster Linie für die Brunsterkennung entwickelt worden. Lediglich bei Stoffwechselerkrankungen ging die Aktivität bis zur Behandlung zurück. Danach stieg sie wieder kontinuierlich an. Das stimmt mit dem Verlauf der Wiederkaudauer im krankheitsnahen Zeitraum überein. Bei Stoffwechselstörungen geht es der Kuh sehr schlecht, sie vermindert ihre körperliche Aktivität und liegt verstärkt.

Tagesmilchleistung nur eingeschränkt zur Gesundheitsüberwachung geeignet
Ähnlich wie bei der Wiederkaudauer geht die tägliche Milchleistung dann zurück, wenn das Allgemeinbefinden der Kuh deutlich beeinträchtigt wird. Bei Stoffwechselstörungen war das der Fall – die Milchleistung sank innerhalb eines Tages im Mittel um 6,5 kg. Bei Eutererkrankungen gab es auch einen Rückgang, der sich allerdings über sechs Tage erstreckte und am Tag nach der Behandlung seinen Tiefpunkt erreichte. Dieses langsame Absinken der Milchleistung macht die automatische Erkennung schwierig. Ein Alarm wird erst dann erzeugt, wenn es eine deutliche Abweichung des aktuellen Wertes zum Mittel der letzten Tage gibt.

Können weitere Parameter genutzt werden?
Bei Entzündungen reagiert die Körpertemperatur zumeist mit einem Anstieg. Insofern ist die Frage naheliegend, ob die Milchtemperatur bei Erkrankungen steigt und zur Erkennung herangezogen werden kann. Lediglich bei Euterentzündungen konnte ein minimaler mittlerer Anstieg der Milchtemperatur gemessen werden, der nicht automatisch als Alarmwert verwendet werden kann – eine Abweichung von etwa 1,3 Prozent liegt im Bereich der normalen Schwankungen. Bei den anderen Behandlungsgruppen gab es keine Änderungen der Milchtemperatur, die für eine Alarmierung hätten genutzt werden können.

Es konnten keine Auswirkung von Erkrankungen auf die Melkgeschwindigkeit nachgewiesen werden. Die gleiche Aussage lässt sich auch für die Anzahl Melkungen pro Tag treffen. Keine Erkrankung hatte eine signifikante Wirkung auf diesen Parameter.

Die Leitfähigkeit der Milch kann für die Erkennung von Euterentzündungen genutzt werden. Bei der Mastitis verändert sich die Ionenkonzentration in der Milch, und das kann bei der Messung der Leitfähigkeit sichtbar gemacht werden. Bei den untersuchten 40 Kühen stieg die Leitfähigkeit leicht an. Bei den anderen Krankheiten gibt es keine biologischen Gründe für eine mögliche Beeinflussung der Leitfähigkeit. Die Veränderung der Leitfähigkeit auf Viertelebene kann mit der Messung der Melkgeschwindigkeit, der Milchmenge und einer automatischen Zellzahlmessung zur automatischen Erkennung einer Mastitis verwendet werden. Hier steht die Entwicklung aber noch am Anfang.

Fazit
Stoffwechselstörungen und Eutererkrankungen führen zu einer deutlichen Senkung der Wiederkaudauer. Stoffwechselstörungen können durch die Veränderungen der Wiederkau- und der Bewegungsaktivität ca. 1-2 Tage vor dem Auftreten klinischer Symptome erkannt werden, wenn das Befinden gestört ist. Klauenerkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen lassen sich nicht automatisch erkennen.

PCV2, PRRS, Coronavirus SARS-CoV-2 und Co.: Wie bedroht sind unsere Schweine?

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Das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19) hält die Welt in Atem. Ein Impfstoff ist derzeit noch nicht in Sicht. Könnte COVID-19 vom Menschen auf das Schwein überspringen? Und wirken die aktuellen Impfstoffe eigentlich noch gegen bereits bekannte Erreger? Prof. Dr. Michael Wendt, Fachtierarzt für Schweine und Leiter der Bestandsbetreuung Schwein (ITB Schwein) an der Klinik für kleine Klauentiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) gibt einen Überblick.

Herr Prof. Wendt, ist COVID-19 auch für Schweine eine Gefahr?
Soweit wir bisher wissen: Nein. Infektionsversuche vom Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems ergaben, dass man Schweine nicht mit COVID-19 infizieren konnte, das Schwein kommt also auch als Überträger des Virus auf den Menschen nicht in Frage. Bei Katzen sieht das anders aus, sie können sich mit COVID-19 infizieren, da kann man diesen Weg nicht völlig ausschließen. Neben anderen Coronavirus-Infektionen haben wir ja eine Erkrankung beim Schwein, die auch durch ein beta-Coronavirus ausgelöst wird, und zwar die VW-Krankheit, auch als Vomiting and Wasting-Disease bekannt. Gegen diese selten auftretende, mit den Symptomen Erbrechen und Kümmern einhergehende Erkrankung in den ersten drei Lebenswochen gibt es keinen Impfstoff. Doch dieses Virus ist weit von COVID-19 entfernt und es ist nicht zu erwarten, dass sich das Virus in Kürze so stark verändert, dass es gravierende Probleme machen könnte.

Wie sieht es bei den häufig vorkommenden Viruserkrankungen aus? Beim Circovirus wurden neue Genotypen entdeckt. Haben wir noch passende Impfkonzepte?
Gegen die Hauptgenotypen PCV2 a und b, die derzeit unterwegs sind, sind die Impfstoffe noch gut wirksam. Es gibt mal Zweifel, wenn Mischinfektionen auftreten, und auch bei anderen Subtypen wie z.B. PCV2d ist man sich nicht ganz sicher, wie gut die aktuellen Impfstoffe wirken. Auch von Betrieb zu Betrieb gibt es Unterschiede, denn wir wissen ja, dass auch das Management das Auftreten klinischer PCV2-Erkrankungen beeinflussen kann. Man muss bei viralen Erkrankungen immer mit Abweichungen und Mutationen bei den Subtypen rechnen, deshalb ist es sinnvoll, die Wirkung der Impfstoffe immer mal wieder zu hinterfragen.

Wie häufig ist denn PCV2d?
PCV2d ist deutlich weniger anzutreffen als die Haupttypen, kommt aber mittlerweile auch in Deutschland häufiger vor. Man ist nicht davor gefeit, dass dieser Genotyp sich weiter ausbreitet. Wenn er nachgewiesen wird, würde man erstmal impfen, man würde aber an der typischen Symptomatik schnell erkennen, wenn der Impfstoff nicht wirkt. PCV3 wird in letzter Zeit ebenfalls häufiger in Deutschland gefunden. Es ist noch unklar, ob die Impfstoffe wirken, da gibt es noch Forschungsbedarf. Bisher gab es nur 2 Virusarten, PCV1 und 2, mittlerweile wird auch PCV3 weltweit nachgewiesen und führt ebenfalls zu klinischen Symptomen. Wir müssen genau hinschauen und den Typ 3 im Auge behalten. Er wurde bisher beim Nachweis nicht miterfasst, denn man hatte keine diagnostische Methode dafür. Mit den heutigen, modernen DNA-Sequenzierungsmethoden, also der genauen Darstellung des Virusgenoms, findet man mehr neue Viren als früher.

Wie steht es in den Beständen um PRRS?
Das ist für mich die Infektion Nr. 1, weil sie am meisten Probleme bereitet. Sie betrifft verschiedene Altersklassen und Betriebe, die nur ihre Sauen impfen, haben immer wieder empfängliche Tiere durch abgesetzte Ferkel. Diese zeigen oft keine deutlichen klinischen Veränderungen, die PRRS-Infektion bleibt daher unerkannt, und weitere Tiere können sich anstecken. In solchen endemisch infizierten Betrieben sind z.B. Jungsauen, die aus PRRS-freien Betrieben zugekauft werden, besonders gefährdet. Die Lösung liegt darin, diese rechtzeitig schon in der Quarantäne zu impfen.

Das Virus mutiert sehr stark und ist unterschiedlich pathogen. Ein hoch pathogener PRRSV-2-Subtyp, HP-PRRSV, ist in den letzten Jahren in Asien entstanden. Dieses PRRS-Virus (Porcine High Fever Disease oder Sow Abortion and Mortality Syndrome) wurde auch schon in Amerika nachgewiesen. In Europa wurde ein hoch pathogener Subtyp bislang nur in Osteuropa gefunden, so besteht immer die Gefahr, dass er auch zu uns kommt.

Wirken die aktuellen Impfstoffe auch gegen die mutierten PRRS-Virusstämme?
Momentan funktionieren die Impfstoffe noch trotz der vorhandenen Mutationen. Natürlich kann aber auch mal eine PPRS-Mutation aufkommen, die nicht mit den Impfstoffen abgedeckt wird. Doch es ist nicht so wie bei Influenza, wo man aufgrund der Virusveränderung regelmäßig einen neuen Impfstoff braucht. Es sind verschiedene PRRS-Impfstoffe auf dem Markt, daher gibt es die Chance eines Impfstoffwechsels, falls man glaubt, ein Impfstoff wirkt nicht mehr. Man kann leider nicht aufgrund einer Sequenzierung entscheiden, welcher Impfstoff der beste ist für den jeweiligen Bestand, so weit sind wir leider noch nicht. Ob es sich um einen EU- oder US-Virustyp handelt, kann allerdings erkannt und darauf dann der passende Impfstoff gewählt werden, das funktioniert gut.

Neben Viren haben wir weitere gefährliche Erreger beim Schwein. Wie stellen sich die Mykoplasmen derzeit dar?
Wenn man sich die Lungenbefunde am Schlachthof anschaut, sieht man, dass die Ferkelgrippe noch immer in den Schweinebeständen grassiert, insofern gehört für mich die Mykoplasmenimpfung zusammen mit der Circoimpfung immer noch zu einer Standardmaßnahme. Auch schlechte Stallluft schädigt die Lunge, so können z.B. hohe Ammoniak-Konzentrationen das Angehen einer Mykoplasmen-Infektion begünstigen.

Die regelmäßige Impfung verhindert nicht die Besiedelung der Tiere mit Mycoplasma hyopneumoniae, verhindert aber die klinische Erkrankung in Form von Lungenentzündung. Je nachdem, wie die Ferkelpreise sind, denkt man an Einsparung, aber aus der Impfung auszusteigen ist ein Risiko. Wenn ich die Impfung weglasse, kann sich der Erreger im Organismus weiterverbreiten und Schaden verursachen. Also sollten die Saugferkel früh geimpft werden, dann bauen sie einen vernünftigen Schutz auf. Falls maternale Antikörper die Impfung beeinflussen, sind Two-shot-Vakzine besser geeignet, weil man mit der 2. Impfung eine bessere Antikörperbildung nach dem Absetzen erreicht. Ältere Zuchttiere brauchen in der Regel keine Impfung mehr, da sie genügend Erregerkontakt hatten und eine Immunität ausbilden, und als Ferkel wurden sie ja geimpft.

Von PED hört man kaum mehr etwas, was ist damit los?
Europa hat Glück gehabt, die Porzine Epizootische Diarrhoe, kurz PED, hat hier bei uns derzeit keine große Bedeutung. Die Stämme des Coronavirus hier in Europa sind deutlich weniger pathogen als die Stämme in Amerika und Asien. Möglicherweise hatten wir diese Coronaviren als weitgehend apathogene Erreger schon länger in unseren Beständen und die Tiere hatten eine gewisse Immunität ausgebildet. Auf jeden Fall werden hier in Europa stark pathogene Stämme bisher sehr selten gefunden. Anderswo auf der Welt ist PED noch ein größeres Problem, und man weiß auch noch nicht genau, wie lange die Immunität nach einer Infektion anhält. Doch generell ist nach so einem Seuchenzug erstmal Ruhe.

Und wie steht es um eine andere bedeutende Darmerkrankung, die Ileitis?
Unsere Untersuchungen besagen, dass die Lawsonien Erreger sind, die in fast allen Betrieben vorkommen. Der Erreger hat sich weltweit ausgebreitet, taucht auch in Schadnagern auf, dadurch besteht immer wieder Kontakt und der Erreger wird verschleppt. Sanierungsversuche haben bisher nicht geklappt, nach 3 bis 4 Monaten waren die Betriebe immer wieder infiziert. Laut unserer jahrelangen Untersuchungen wird es daher kaum einen Sauenhalter geben, …


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Wann sollen brünstige Kühe besamt werden?

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Von Prof. Dr. Steffen Hoy, Universität Gießen

Über viele Jahre hinweg wurden Kühe nach der „Morgen-Abend-Regel“ besamt: duldet die Kuh am Morgen, wird sie am späten Nachmittag besamt, duldet sie am Nachmittag/Abend erfolgt die künstliche Besamung (KB) am nächsten Morgen. Mit dem Einzug der Sensortechnik in den Kuhstall setzen Milchviehbetriebe Messsysteme ein, um automatisch die Brunst bei den Kühen zu erkennen. Aber wann sollen die Kühe dann besamt werden?

Dazu wurden in vier Betrieben 3.230 Brunstzyklen von 1.633 Kühen ausgewertet. Die Aktivität wurde durch das System SCR HeatimeTM HR (SenseHubTM Allflex) gemessen. In den vier Betrieben wurden Tag und Uhrzeit sämtlicher Besamungen (KB) notiert. Darüber hinaus wurde der Erfolg der KB (Trächtigkeitsuntersuchung TU positiv oder negativ) dokumentiert. Es wurden nur Daten von Tieren ab der ersten Laktation erfasst. Alle Betriebe führten Eigenbestands-Besamungen, z.T. zu festen Zeiten, durch. Die TU fand in den Betrieben unterschiedlich ab 30. bis 60. Tag nach KB mittels Ultraschall-Untersuchung oder rektal statt.

Brunst dauert auch heute noch fast einen Tag
Die Brunst trat bei vielen Kühen in den Nachtstunden mit einem Peak zwischen 0 und 4 Uhr auf, zu Zeiten also, in denen niemand im Stall ist. Die automatische Messung bietet den großen Vorteil, dass die Kühe 24 Stunden am Tag/7 Tage pro Woche kontrolliert werden. Die (automatisch bestimmte) Brunst dauert auch heute noch im Mittel fast 17 Stunden. Bei über 95 % der Kühe wurde automatisch eine Brunst erkannt. Es ist nicht klar, warum knapp 5 % der Kühe während der Brunst keine Aktivitätserhöhung zeigen. Eventuell könnten Verhaltensprobleme rangniedriger Kühe eine Rolle spielen. Eine „echte“ Brunst wurde immer dann registriert, wenn die jeweilige Kuh nach einer KB am betreffenden Tag trächtig wurde (TU+). Dann musste schließlich der Besamungstermin richtig gewesen sein.

Wann sollen Kühe besamt werden?
Es konnte ein Zusammenhang zwischen dem Zeitintervall „Peak der Aktivität bis KB“ und der Konzeptionsrate nachgewiesen werden. Der höchste Besamungserfolg mit einer Konzeptionsrate von 44,2 % wurde dann erreicht, wenn die Besamung 8 bis 12 Stunden nach dem Aktivitätspeak erfolgte (Abb.). Bei später besamten Kühen ging die Konzeptionsrate wieder zurück. Etwas überraschend erzielten Kühe mit einer Besamung 26 h nach Aktivitätspeak oder sogar noch später einen Wert von 41,2 % tragend gewordener Tiere. Das Ergebnis zeigt, dass die Zeitspanne, innerhalb derer Kühe tragend werden können, beträchtlich lang sein kann. Theoretisch können die Spermien 24 h oder mehr nach der Besamung befruchtungsfähig sein. Das vergleichsweise gute Ergebnis sehr spät nach Peak besamter Kühe kann dadurch erklärt werden, dass eine Reihe von Kühen nach einem festen Zeitprogramm besamt wurde. Wenn z.B. eine Kuh um 4 Uhr morgens ihren Aktivitätspeak hat, der Besamer aber generell morgens um 8 Uhr besamt, wird das Tier nicht nach 4 h, sondern erst am nächsten Tag um 8 Uhr, also 28 h nach Peak, inseminiert. Als Zielgröße wurde der Anteil nachweislich tragender Tiere an den besamten Kühen (Trächtigkeitsuntersuchung = positiv, TU+) verwendet. Es ist durchaus möglich, dass zunächst deutlich mehr Kühe tragend wurden, aber durch frühembryonale Verluste (die 15 % und mehr betragen können) die Konzeptionsrate letztlich in der nachgewiesenen Größenordnung ausfiel.

Schlussfolgerungen
Durch die kontinuierliche Messung der Aktivität kann eine automatische Erkennung der Brunst erfolgen. Der Parameter „Aktivitätspeak“ eignet sich, um einen optimalen Besamungszeitraum vorzuschlagen. Dieser umfasst etwa 8 bis 12 h nach dem Aktivitätspeak. Einige, aber nicht alle auf dem Markt befindlichen Messsysteme geben eine derartige Beratungsempfehlung. Unabhängig davon sollten die Kühe dennoch auch weiterhin direkt beobachtet werden, da (noch) keine 100 %-ige automatische Brunsterkennung möglich ist.